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Was das Herz nicht verzeiht...., Krankenkassen

Rheinische Post: Zahl der Krankenkassen sinkt auf 124

In Deutschland gibt es immer weniger Krankenkassen: Wie aus den Basisdaten des Ersatzkassenverbands (Vdek) hervorgeht, ist die Zahl mit Start des Jahres 2015 auf nur noch 124 gesunken, berichtet die "Rheinische Post" (Freitagausgabe). Im vergangenen Jahr betrug sie noch 131.

Vor zehn Jahren lag sie bei 267 und vor 20 Jahren bei 960. Experten erwarten, dass dieser Trend weiter anhält, bis etwa nur noch 50 Kassen übrigbleiben.

Und hier gehts weiter mit:

http://www.praxisvita.de/was-das-herz-nicht-verzeiht


Adipositas - Anerkennung oder Ablehnung?

Medizin am Abend Fazit:

Adipositas: Gesellschaftliche Ablehnung begünstigt psychische Erkrankungen

Die Vorurteile, Abwertung, soziale Ausgrenzung und Diskriminierung, die
Menschen aufgrund ihrer Adipositas erleben, wirken wie chronische
Stressoren. Die psychische Belastung durch diese Stigmatisierung kann zu
Depressionen, Angststörungen und oft sogar zu weiterer Gewichtszunahme
führen. Die Mechanismen dieses Teufelskreislaufs untersuchte Dr. Claudia
Sikorski für das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB)
AdipositasErkrankungen in Leipzig anhand von vorliegenden Studien zur
Stigmatisierung bei Adipositas.







Die Ergebnisse erschienen kürzlich im Fachjournal "Obesity" (doi:
10.1002/oby.20952). Gerade weil Adipositas weiter zunimmt bei gleichzeitig
nur wenigen wirksamen Behandlungsmöglichkeiten, ist es wichtig zu
verstehen, welche Mechanismen den Erfolg von Adipositastherapien
vereiteln.

Sikorski und ihr Team analysierten 46 wissenschaftliche Studien, die den
Zusammenhang zwischen der Stigmatisierung von stark übergewichtigen
Menschen mit psychischen Belastungen und Störungen untersuchten. "Wir
finden viele Risikofaktoren, die im Bereich psychischer Störungen
etabliert sind, bei Menschen mit Adipositas stark ausgeprägt. Diese
Risikofaktoren sind nicht etwas Spezielles für diese Gruppe, aber Menschen
mit Adipositas scheinen, auch aufgrund von Stigmatisierung, eine erhöhte
Häufigkeit dieser Faktoren aufzuweisen", sagt sie. Vor allem das in den
Studien beschriebene herabgesetzte Selbstwertgefühl gilt als ein großer
Risikofaktor für psychische Leiden wie Depressionen und Angststörungen.

Angelehnt an Mark Hatzenbuehlers (Columbia University) Erklärungsansatz zu
den Auswirkungen von Stigmatisierung bei homosexuellen Menschen
entwickelte Sikorski ein Modell der Prozesse, die zur größeren
Anfälligkeit adipöser Patienten für psychische Erkrankungen führen. Die
Betroffenen hätten ein vermindertes Selbstwertgefühl und eine verminderte
Fähigkeit zur Problembewältigung (Coping). Dazu kämen weitere
Risikofaktoren wie die negative Selbstwahrnehmung, vermehrte Einsamkeit
und der Mangel an sozialer Unterstützung. Krankhaft übergewichtige Männer
und Frauen nehmen außerdem Sikorski zufolge das negative Fremdbild, das
sich durch die Stigmatisierung zeigt, als Selbstbild an. Experten sprechen
von einem internalisierten Stigma oder Selbststigma. Gerade in einem
Gewichtsreduktionsprogramm sei aber das Vertrauen in die eigenen
Fähigkeiten und Kräfte unabdingbar, denn die Therapie der Adipositas
erfordere mehr als bei anderen Erkrankungen viel Kraft, Engagement und
Motivation des Patienten.

In der Adipositasforschung hat sich gezeigt, dass die Stigmatisierung und
das Selbststigma zu einem ungünstigen Essverhalten und somit zur Erhaltung
oder Verschlimmerung der Adipositas beitragen. Es entwickelt sich ein
Teufelskreislauf aus Stigmatisierung aufgrund von Adipositas, mehr
sozialem Rückzug, weiterer Zunahme des Gewichts und folglich immer
stärkerer Stigmatisierung. Dazu kommt häufig noch die Erfahrung von
Benachteiligung und Diskriminierung im sozialen und Berufsleben.
Sikorski sucht nach therapeutischen Ansätzen, wie dieser Teufelskreislauf
durchbrochen werden kann. "Für eine verbesserte Adipositastherapie ist
unsere Arbeit wichtig, weil wir nicht darauf vertrauen können, dass sich
die gesellschaftliche Wahrnehmung von Menschen mit Adipositas in
absehbarer Zeit verbessert. Deshalb sollten wir den Betroffenen Mittel und
Wege zum Umgang mit Stigmatisierung aufzeigen. Dies sollte möglichst
integraler Bestandteil der Adipositastherapie werden", erklärt die
29-jährige Wissenschaftlerin.

In einer Folgestudie befragt Sikorskis wissenschaftliches Team in
Kooperation mit dem forsa-Meinungsforschungsinstitut rund 1.000 Erwachsene
mit Adipositas zu ihren Erfahrungen mit Stigmatisierung und ihrem Umgang
damit. Dies soll helfen, besser zu verstehen, wie Stigmatisierung erlebt
wird, wie sie ihre negative Wirkung entfaltet und wie die Betroffenen
damit umgehen können. Erst die wissenschaftliche Auswertung dieser
Phänomene ermöglicht es dann, Leitlinien für eine wirksamere Therapie zu
entwickeln, die einer evidenzbasierten Medizin gerecht werden.

Das IFB AdipositasErkrankungen ist eines von acht Integrierten Forschungs-
und Behand-lungszentren, die in Deutschland vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung gefördert werden. Es ist eine gemeinsame Einrichtung
der Universität Leipzig und des Universitätsklinikums Leipzig (AöR). Ziel
der Bundesförderung ist es, Forschung und Behandlung interdisziplinär so
unter einem Dach zu vernetzen, dass Ergebnisse der Forschung schneller als
bisher in die Behandlung adipöser Patienten integriert werden können. Am
IFB Adipositas-Erkrankungen gibt es derzeit über 60 Forschungsprojekte.
Zur Patientenversorgung stehen eine IFB Adipositas-Ambulanz für Erwachsene
und eine für Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Das IFB wird das Feld
der Adipositasforschung und -behandlung in den nächsten Jahren
kontinuierlich ausbauen.


Medizin am Abend DirektKontakt

Doris Gabel

Telefon: +49 341 97-13361

Web: www.ifb-adipositas.de
Universität Leipzig, Susann Huster

Dr. Claudia Sikorski
Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health
(ISAP)/Medizinische Fakultät
Telefon: +49 341 97 24471
E-Mail: claudia.sikorski@medizin.uni-leipzig.de

Prof. Dr. Steffi Riedel-Heller
Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP)
Telefon: +49 341 97-15408
E-Mail: steffi.riedel-heller@medizin.uni-leipzig.de
Web:

Weitere Informationen finden Sie als Medizin am Abend Lesen unter
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/oby.20952/full

Pille danach - LNG UPA

Auch wenn eine Rezeptfreiheit von UPA und LNG aus pharmakologischer Sicht
möglich scheint, halten der Berufsverband der Frauenärzte (BVF), die
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und die
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und
Fortpflanzungsmedizin (DGGEF) die Beratung bei der Frauenärztin bzw. dem
Frauenarzt für die bewährte, nachhaltige und damit optimale Lösung.

Dies betonen die Präsidenten der drei Institutionen, Dr. med. Christian Albring
(BVF), Prof. Dr. med. Diethelm Wallwiener (DGGG) und Prof. Dr. med. Thomas
Rabe (DGGEF).

Die Rezeptpflicht und die frauenärztliche Beratung haben dazu beigetragen, dass Deutschland in Europa und weltweit mit seiner niedrigen Rate an Schwangerschaftsabbrüchen einen Spitzenplatz einnimmt.
  

http://www.dggg.de

http://www.bvf.de

http://www.dggef.de

In allen anderen Ländern ist die Schwangerschaftsabbruchrate vor allem
auch bei Teenagern um ein vielfaches höher.

"Eine medizinisch kompetente, sorgfältige, und vertrauliche Beratung in
der Apotheke zu den Fragen, ob die Einnahme der Pille danach überhaupt
notwendig ist, welches Präparat möglicherweise geeignet oder ungeeignet
ist, welche Nebenwirkungen z.b. kardiologische, internistische zu erwarten sind und vor allem, wie im weiteren Zyklus verhütet werden muss, damit es nicht nach der Verschiebung des Eisprungs später noch zu einer ungewünschten Schwangerschaft kommt, ist problematisch und in den meisten Fällen unmöglich.

Hinzu kommt die Beratung hinsichtlich sexuell übertragbarer Erkrankungen und im Einzelfall weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen", so die Ansicht der Experten.

Zudem sind rezeptfreie Arzneimittel nicht erstattungsfähig.

Die Pille danach wird bisher aber für Mädchen und Frauen bis zum 20. Lebensjahr ebenso wie die "normale" Antibabypille von der Krankenkasse bezahlt. 

Wenn junge Frauen künftig für die Pille danach in der Apotheke bezahlen
müssten, würde das die Situation deutlich verschlechtern. Es wäre dann zu
fürchten, dass Teenager trotz eines ungeschützten Geschlechtsverkehrs von
dem Kauf Abstand nehmen und schwanger werden.

Falls Gesundheitsminister Hermann Gröhe die Frauenärzte auffordert,
gemeinsam mit den Apothekern eine Beratungslösung zu erarbeiten und damit
eine verantwortungsvolle Rezeptfreiheit für die beiden Arzneimittel zur
Notfallverhütung vorzubereiten, werden sich der Berufsverband der
Frauenärzte (BVF), die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe (DGGG) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische
Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF) beratenden Gesprächen
trotz der weiter bestehenden Bedenken nicht verweigern.

Jetzt schon scheint aber klar, dass, wie auch in der Schweiz, die Mädchen
und Frauen neben den Kosten für das Medikament künftig auch für die
Beratung zahlen müssen, während sie bisher Bestandteil des
Leistungskataloges der Krankenkassen war. 


Auch werden nicht die Politik, die Medien oder die Apotheker die Folgen steigender unerwünschter Schwangerschaften tragen müssen, sondern die Mädchen und Frauen, und im Falle eines Schwangerschaftsabbruches auch die Frauenärzte. Und leider findet schon heute nicht jede Betroffene einen Frauenarzt, der einen Abbruch vornimmt.


Medizin am Abend DirektKontakt:


Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.
Annette Affhüppe
Telefon: 030-514 88 33 33

Patienten aller Religionen und Glaubensrichtungen

Medizin am Abend Fazit:

RELIGIONSMONITOR Muslime in Deutschland mit Staat und Gesellschaft eng verbunden


Die hier lebenden Muslime orientieren sich in ihren Einstellungen und
Lebensweisen stark an den Werten in der Bundesrepublik. Das allerdings
nimmt die Mehrheitsbevölkerung kaum wahr. Sie steht dem Islam zunehmend
ablehnend gegenüber. Für die hier lebenden Muslime bedeutet das
Ausgrenzung und Belastung.

Die meisten der vier Millionen Muslime in Deutschland sind ein Teil dieses Landes. Ihre Einstellungen und Sichtweisen orientieren sich stark an den Grundwerten der Bundesrepublik wie Demokratie und Pluralität. Umgekehrt stehen den Muslimen und ihrer Religion aber große Teile der nichtmuslimischen Bevölkerung ablehnend gegenüber. Das zeigt die "Sonderauswertung Islam" aus dem Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung.








Die Studie belegt eine starke Verbundenheit der Muslime mit Staat und
Gesellschaft. 90 Prozent der hochreligiösen Muslime halten die Demokratie
für eine gute Regierungsform. Neun von zehn Befragten haben in ihrer
Freizeit Kontakte zu Nicht-Muslimen. Jeder zweite hat sogar mindestens
genauso viele Kontakte außerhalb seiner Religionsgemeinschaft wie mit
Muslimen.

Muslime in Deutschland zeigen sich mehrheitlich fromm und liberal
zugleich. 63 Prozent der Muslime, die sich als ziemlich oder sehr religiös
bezeichnen, überdenken regelmäßig ihre religiöse Einstellung. Einer Heirat
unter homosexuellen Paaren stimmen rund 60 Prozent von ihnen zu. Von den
hochreligiösen Muslimen, die ihre Glaubensgrundsätze selten hinterfragen,
tun dies immerhin noch 40 Prozent. In der Türkei hingegen, dem
Hauptherkunftsland der Muslime in Deutschland, gibt nur jeder dritte
hochreligiöse Muslim an, seinen Glauben regelmäßig zu überdenken.
Gleichgeschlechtliche Ehen befürworten dort lediglich 12 Prozent der
Hochreligiösen.

Die Verbundenheit der Muslime mit Deutschland und seinen
gesellschaftlichen Werten trägt jedoch nicht dazu bei, dass sich negative
Vorurteile gegenüber dem Islam abbauen. Im Gegenteil: Nach einer aktuellen
repräsentativen Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung empfinden 57
Prozent der nicht-muslimischen Bundesbürger den Islam als Bedrohung. Im
Jahr 2012 waren es 53 Prozent. "Für Muslime ist Deutschland inzwischen
Heimat. Sie sehen sich aber mit einem Negativ-Image konfrontiert, das
anscheinend durch eine Minderheit von radikalen Islamisten geprägt wird",
sagt Yasemin El-Menouar, Islam-Expertin der Bertelsmann Stiftung.

So äußern 61 Prozent der Bundesbürger die Meinung, der Islam passe nicht
in die westliche Welt. Im Jahr 2012 hatten das 52 Prozent gesagt. 40
Prozent der Befragten fühlen sich zudem durch Muslime wie Fremde im
eigenen Land. Jeder Vierte will Muslimen sogar die Zuwanderung nach
Deutschland verbieten.

Diese Einschätzungen finden sich keineswegs nur am Rand der Gesellschaft.
Weder die politische Orientierung, das Bildungsniveau noch der
Sozialstatus beeinflussen das Islambild der Deutschen nennenswert.
Entscheidender sind das Alter und der persönliche Kontakt zu
Muslimen.

Von den über 54-Jährigen fühlen sich 61 Prozent durch den Islam bedroht,
von den unter 25-Jährigen hingegen nur 39 Prozent. Die Angst ist zudem am
stärksten dort, wo die wenigsten Muslime leben. In Nordrhein-Westfalen, wo
ein Drittel von ihnen wohnt, fühlen sich 46 Prozent der Bürger bedroht. In
Thüringen und Sachsen, wo kaum Muslime leben, äußern das 70 Prozent.
Obwohl die große Mehrheit von 85 Prozent der Deutschen sagt, sie stehe
anderen Religionen sehr tolerant gegenüber, scheint dies nicht für den
Islam zu gelten.

Trotz des immer besser gelingenden Zusammenlebens der Religionen in
Deutschland bestehe die Gefahr einer breit durch die Bevölkerung gehenden
Islamfeindlichkeit, sagt Yasemin El-Menouar: "Es gibt vieles in
Deutschland, was Muslime und Nicht-Muslime verbindet. Daraus kann ein Wir-
Gefühl wachsen. Aber dafür bedarf es einer stärkeren Anerkennung und
Wertschätzung der Muslime und ihrer Religion."

Zur Studie:

Der Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung untersucht regelmäßig
repräsentativ und international vergleichend die Bedeutung von Religion
für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in religiös und kulturell
vielfältigen Gesellschaften. Er basiert auf repräsentativen
Bevölkerungsumfragen in verschiedenen Ländern. Im Auftrag der Bertelsmann
Stiftung haben fünf Wissenschaftler anhand dieser Daten analysiert, wie
Muslime in Deutschland leben und wie der Islam von der Mehrheit
wahrgenommen wird. Autoren dieser "Sonderauswertung Islam" sind Prof. Dirk
Halm und Dr. Martina Sauer vom Zentrum für Türkeistudien und
Integrationsforschung (ZfTI), Prof. Kai Hafez und Sabrina Schmidt von der
Universität Erfurt sowie Prof. Richard Traunmüller (Universität
Frankfurt). Hierfür nutzten sie die Daten des Religionsmonitors 2013. Um
diese Daten mit dem aktuellen Meinungsbild der Bundesbürger vergleichen zu
können, befragte TNS Emnid im Auftrag der Bertelsmann Stiftung Ende
November 2014 erneut die Einstellungen der deutschen Bevölkerung zum
Islam.


Medizin am Abend DirektKontakt

Experten: Yasemin El-Menouar, Telefon: 0 52 41/81 81 524
E-Mail: yasemin.el-menouar@bertelsmann-stiftung.de

Stephan Vopel, Telefon: 0 52 41/81 81 397
E-Mail: stephan.vopel@bertelsmann-stiftung.de
Bertelsmann Stiftung, Maria Droop

Die Ergebnisse der Studie und Grafiken finden Sie unte
http://www.bertelsmann-stiftung.de

Notfallverhütung: Die Pille danach rezeptfrei?

Die Fraktion Die Linke will von der Bundesregierung wissen, ob es hinsichtlich der Notfallverhütung mit dem Wirkstoff Levonorgestrel einen politischen Kurswechsel gegeben hat. In einer Kleinen Anfrage 18/3639 weisen die Abgeordneten darauf hin, dass sich am 21. November 2014 das Committee for Medicinal Products für Human Use (CHMP) bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) dafür ausgesprochen habe, die unter dem Handelsnamen „ellaOne“ vertriebene „Pille danach“ rezeptfrei abzugeben.

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/036/1803639.pdf

Die EU-Kommission habe nunmehr bis Ende Januar Zeit, die Empfehlung des Ausschusses zur Freigabe des zugrunde liegenden Wirkstoffes Ulipristalacetat zu prüfen, heißt es. Die ältere „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel, die unter dem Handelsnamen PiDaNa vertrieben wird, ist in den meisten europäischen Staaten bereits rezeptfrei zu bekommen, in Deutschland ist hingegen weiter eine ärztliche Verschreibung nötig.

Bisher hat sich die Bundesregierung geweigert, die Rezeptpflicht für den Wirkstoff Levonorgestrel aufzuheben und vor allem damit argumentiert, dass nur ein Arzt die Frauen bei einer Notfallverhütung hinreichend beraten könne. Die Linke will nun wissen, welche Rückschlüsse die Regierung aus der Empfehlung des CHMP-Ausschusses zieht.

Gefälschte Arzneimittelzulassungsstudien

Mit den in Indien gefälschten Arzneimittelzulassungsstudien befasst sich die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in einer Kleinen Anfrage 18/3661.

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/036/1803661.pdf

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) habe 176 Zulassungen von Generika überprüft, deren sogenannte Bioäquivalenzstudien zum Teil von der indischen Firma GVK Biosciences stammten.

Für 55 Arzneimittel ruhe die Zulassung nun.

Die Medikamente können somit nicht mehr vertrieben werden, bis neue Studien vorliegen.

In 17 Fällen hätten die Hersteller jedoch Widerspruch geltend gemacht. Die Entscheidung, die Zulassung ruhen zu lassen, sei damit hier nicht durchsetzbar, schreiben die Abgeordneten.

Das Committee for Medicinal Products für Human Use (CHMP) der europäischen Arzneimittelagentur EMA solle gerade die Zulassungen von rund 1.250 in der EU vertriebenen Arzneimitteln prüfen, deren Datengrundlagen ebenfalls zum Teil von der indischen Firma stammten.

Mit Empfehlungen, die EU-weiten Zulassungen aufrecht zu erhalten, zu ändern oder zu entziehen, sei noch im Januar 2015 zu rechnen.

Zudem werde in den Medien über Probleme der Wirkstoff- und Arzneimittelproduktion in Indien berichtet. Es gehe dabei vor allem um nicht vertretbare hygienische Zustände und weit verbreitete Dokumentenfälschungen.

Die Fraktion will nun von der Regierung mehr Details über den Arzneimittelzulassungs-Skandal in Indien erfragen.

„Neue Wege zum Herzen“: Symposium am 14. Januar / US-Experte zu Gast

Es war eine Premiere in Deutschland: 2014 wurde am Universitätsklinikum
Jena (UKJ) ein neues minimal-invasives Verfahren zur Behandlung von
Herzklappenerkrankungen etabliert. Dabei kann auf das sonst nötige Öffnen
des Brustbeins verzichtet werden. Stattdessen ist bei diesen Eingriffen
nur ein etwa fünf Zentimeter langer seitlicher Schnitt nötig. Der Eingriff
ist schonender für die Patienten und er reduziert das Risiko möglicher
Infektionen.

Diese neue Therapieoption ist eines der wesentlichen Thema am 14. Januar
beim Symposium: „Neue Wege zum Herzen“. Das Symposium wird geleitet von
Prof. Dr. Torsten Doenst, Direktor der Klinik für Herz- und
Thoraxchirurgie und Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla, Direktor der Direktor
der Klinik für Innere Medizin I (Kardiologie) aus dem
Universitätsherzzentrum Thüringen am Universitätsklinikum Jena (UKJ).

Der Titel „Neue Wege zum Herzen“ ist dabei Programm: „Wir möchten zeigen,
wie moderne Herzmedizin 2015 aussehen kann. Wesentlich ist dabei die enge
Zusammenarbeit zwischen Herzchirurgen und Kardiologen“, so Prof. Doenst.
Neu ist auch das Format. So wird es neben fachlichen Vorträgen und
Demonstrationen auch eine Podiumsdiskussion geben, bei der externe
Experten über die Chancen dieser neuen Verfahren für die
Patientenversorgung diskutieren. Ehrengast ist der US-Mediziner Prof. Dr.
Joseph Lamelas vom Mount Sinai Medical Center in Florida, der als Pionier
der minimal-invasiven Herzchirurgie gilt.

UKJ-Herzchirurg Prof. Doenst ist fest überzeugt: „Die Patientenversorgung
wird sich in den kommenden Jahren durch die Möglichkeiten der minimal-
invasiven Herzchirurgie deutlich weiter entwickeln. Mit dem Symposium
wollen wir dazu wichtige Akzente setzen.“ Das Symposium findet statt am
14. Januar von 13 bis 19 Uhr im Hotel Steigenberger Esplanade in Jena.


Medizin am Abend DirektKontakt

Universitätsklinikum Jena, Stefan Dreising
http://www.htchirurgie.uniklinikum-jena.de


Prof. Dr. Torsten Doenst bei einem herzchirurgischem Eingriff am Universitätsklinikum Jena.
Foto: UKJ/Schroll
Prof. Dr. Torsten Doenst bei einem herzchirurgischem Eingriff am Universitätsklinikum Jena.

Impfstoffe und Tumordiagnosen

Medizin am Abend Fazit:
Analyse von Antikörpern zeigt: bessere Impfstoffe und Tumordiagnosen sind
möglich

Ein Team von internationalen Wissenschaftlern unter Führung der
Universität Bern hat zuckerspezifische Antikörper des Menschen erforscht.

 

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse können insbesondere für die Tumordiagnostik genutzt werden sowie zur Behandlung und Prävention von Infektionen.

Angeführt von Stephan von Gunten vom Institut für Pharmakologie der
Universität Bern analysierten Wissenschaftler die Antikörper von mehreren
tausend gesunden Spendern. Antikörper sind wichtige Teile des
Immunsystems. Sie erkennen spezifische Strukturen, die auf Bakterien,
Viren oder sogar Tumorzellen vorkommen. Als Reaktion auf eine Infektion,
Impfung oder Tumorbildung können sich Antikörper im Körper stark
vermehren. Die erhöhte Menge an spezifischen Antikörpern verstärkt nicht
nur die Immunabwehr, sondern ermöglicht es auch, eine Infektion mit einem
bestimmten Erreger oder eine Tumorerkrankung nachzuweisen. Dank der
Erkenntnisse der Studie, die im Wissenschaftsmagazin «Science
Translational Medicine» veröffentlicht wird, könnten unter anderem bessere
Impfungen entworfen werden.

Nach den Proteinen sind neu die Zuckerstrukturen im Fokus.

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Wissen über die Interaktion von
Antikörpern mit Proteinen stark verbessert. Viel weniger bekannt ist
allerdings, wie Antikörper mit Zuckerstrukturen interagieren. Dies liegt
an der methodischen Schwierigkeit, mit Zuckerstrukturen zu arbeiten. Eine
genauere Erforschung der Zuckerstrukturen wäre allerdings vonnöten, da sie
auf jeder lebenden Zelle vorkommen und eine wichtige Rolle bei Infektionen
und Tumorerkrankungen spielen. Um diese zu untersuchen, arbeitete von
Guntens Team mit der so genannten Glycan Array-Technologie. Mit dieser
Methode konnte es die Antikörperbindung zu mehreren hundert
Zuckerstrukturen analysieren.

Antikörper erkennen auch zahlreiche Zuckerstrukturen

Zuckerstrukturen seien weniger effizient als Proteine, die
Antikörperproduktion auszulösen. Dies war zumindest die bisher
vorherrschende Lehrmeinung. Dadurch begründete man in einigen Fällen auch
das Versagen von Impfstoffen, die auf Zucker basieren. Die neuste
Untersuchung mit der Glycan Array-Technologie hat jedoch gezeigt, dass
Antikörper zahlreiche Zuckerstrukturen erkennen. «Interessanterweise, und
im Gegensatz zu früher publizierten Daten zur Proteinerkennung, glichen
sich die Bindungsreaktionen für Zuckerstrukturen auffällig stark zwischen
den verschiedenen Antikörperpräparaten», sagt Erstautor Christoph
Schneider vom Institut für Pharmakologie der Universität Bern. «Dies
spricht für eine universelle Architektur der Zucker-spezifischen
Antikörper beim Menschen.»

Neue Erkenntnisse zur Behandlung von Infektionen

Die vertiefte Analyse zeigte einen Zusammenhang zwischen der
Zuckerstruktur und dem Ausmass der Antikörperreaktion. Diese Erkenntnis
ist von erheblicher Bedeutung für die Entwicklung von Impfstoffen. Sie
könnte dazu beitragen, zucker-basierende Impfungen so zu entwerfen, dass
eine optimale Reaktion des Immunsystems ausgelöst wird. Die Erkennung von
Tumoren aus Zuckerstrukturen hing von der Klassenzugehörigkeit von
Antikörpern ab. Dies beeinflusst die Suche nach neuen Tumormarkern und
könnte die Diagnostik für bestimmte Tumore verfeinern.

Überraschenderweise verbinden sich Zucker-spezifische Antikörper nicht nur an Strukturen von Viren, Bakterien und bakteriellen Giftstoffe, sondern auch mit deren Andockstellen im menschlichen Gewebe. Dadurch könnten Viren, Bakterien und deren Giftstoffe daran gehindert werden, ins menschliche Gewebe
einzudringen.




Angaben zur Publikation:
Schneider C, Smith DF, Cummings RD, Boligan KF, Hamilton RG, Bochner BS,
Miescher S, Simon HU, Pashov A, Vassilev T, von Gunten S: The human IgG
anti-carbohydrate repertoire exhibits a universal architecture and
contains specificity for microbial attachment sites, Science Translational
Medicine, 7. Januar 2015, Vol 7 Issue 269 269ra1.
Universität Bern, lic. phil. Nathalie Matter

Cholesterin und Hülsefrüchte

Medizin am Abend DirektKontakt:

Hülsenfrüchte bremsen Cholesterin aus / Mit Erbsen, Linsen oder Bohnen zu besseren Blutfettwerten

Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Kichererbsen und Bohnen können helfen, das für Herz und Gefäße schädliche LDL-Cholesterin im Blut zu senken. Das berichtet das Apothekenmagazin "Diabetes Ratgeber" unter Berufung auf eine Studie mit über 1000 Teilnehmern. Der Effekt war bereits messbar, wenn sechs Wochen lang täglich etwa 130 Gramm besagter Hülsenfrüchte verzehrt wurden.


Das Apothekenmagazin "Diabetes Ratgeber" 1/2015 liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.

Forscher entdecken neuartiges Antibiotikum „Teixobactin“

Die antibiotischen Waffen der Medizin werden stumpf. Immer mehr
bakterielle Krankheitserreger entwickeln Resistenzen gegen gängige
Medikamente. Weltweit suchen Forscher deshalb nach neuartigen Antibiotika.

Ein Wissenschaftlerteam aus den USA, Großbritannien, des
Universitätsklinikums Bonn und des Deutschen Zentrums für
Infektionsforschung (DZIF) entdeckte nun das Bodenbakterium „Elefhtheria
terrae“, das den Wirkstoff „Teixobactin“ produziert. Er wirkt gegen ein
breites Spektrum von Krankheitserregern und verursacht nach ersten Tests
keine Resistenzen. Die Ergebnisse werden nun in „Nature“ vorgestellt.

 „Wir könnten in eine Vor-Antibiotika-Ära zurück fallen, in der ohne neue
Wirkstoffe bakterielle Infektionen nicht behandelbar sind. Die Resistenzen
entwickeln sich deutlich schneller, als neue Antibiotika auf den Markt
kommen“, sagt Privatdozentin Dr. Tanja Schneider. Sie leitet eine
Nachwuchsgruppe des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) am
Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des
Universitätsklinikums Bonn.

Allein an Infektionen mit Methicillin- resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen (MRSA) sterben pro Jahr schätzungsweise rund 25.000 Menschen weltweit.

Pilze und Bakterien produzieren Hemmstoffe, um mit anderen Mikroorganismen
zu konkurrieren – darunter können neuartige Antibiotika sein. Auf der
Suche nach solchen neuen, bisher unbekannten Antibiotika-produzierenden
Organismen durchkämmen Wissenschaftler Ozeansedimente, Böden und sogar
Tierexkremente. „Die Suche ist mühsam, denn die Erfolgsquote einen
wirklich neuen Wirkstoff zu finden, ist äußerst gering“, berichtet Dr.
Schneider.

Forscher isolieren unbekannte Mikroorganismen aus dem Boden

Darüber hinaus lassen sich nur etwa ein Prozent der dafür in Frage
kommenden Bakterien und Pilze auf herkömmlichen Nährmedien für Analysen kultivieren. 


Das Team um Dr. Schneider und ihre Kollegen vom Institut für
Pharmazeutische Biologie der Universität Bonn sind nun mit einem
internationalen Forscherteam aus den USA und Großbritannien auf diese
Terra incognita vorgedrungen: Mit einem speziellen Kultivierungsverfahren
gelang es einem Team unter Federführung von Prof. Kim Lewis vom
Antimicrobial Discovery Center der Northeastern University in Boston
(USA), bislang unerforschte und unkultivierbare Bodenbakterien mit Hilfe
ihres natürlichen Substrats im Labor zu isolieren.

Mit Screening-Verfahren fanden die Forscher die gesuchte Nadel im
Heuhaufen: Eines der unbekannten Bakterien produziert eine Substanz, die
sich gegen ein weites Spektrum häufiger Gram-positiver Erreger als sehr
wirksam erwies. Die Wissenschaftler nannten das Bakterium „Elefhtheria
terrae“ und das von ihm produzierte Antibiotikum „Teixobactin“.

Weitere Tests lassen vermuten, dass es absehbar keine Resistenzen verursacht. „Es handelt sich um einen hochinteressanten Wirkstoff“, sagt Dr. Schneider.

Angriff an der Achillesferse der Erreger

Die Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Mikrobiologie,
Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn, die auch zum
Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) gehören, entschlüsselten
nun den Wirkmechanismus des neuen Bakterienhemmstoffs. „Teixobactin setzt
an der Achillesferse vieler Krankheitserreger an: Es hemmt die Synthese
der Bakterienzellwand“, berichtet Doktorandin Ina Engels.

Auch andere Antibiotika, wie zum Beispiel Vancomycin, verhindern den
Aufbau der Bakterienwand. Allerdings blockieren diese Wirkstoffe die
Synthese der schützenden Umhüllung an einem Angriffspunkt – es trifft wie
eine einzelne Gewehrkugel. Teixobactin wirkt dagegen wie ein Schrotschuss
und attackiert an vielen Punkten den Harnisch der Bakterien. Das erklärt
auch, weshalb das neuartige Antibiotikum vermutlich keine Resistenzen
verursacht: „Teixobactin greift an vielen entscheidenden Stellen in den
Aufbau der Zellwand an und macht bakterielle Anpassungsstrategien nahezu
unmöglich“, sagt Dr. Schneider.



Elektronenmikroskopische Aufnahme des Teixobactin-Produzenten Elefhtheria terrae.

Elektronenmikroskopische Aufnahme des Teixobactin-Produzenten Elefhtheria terrae. © Foto: William Fowley/Northeastern University

Das Bakteriengift hat sich als sehr effektiv erwiesen. Doch lässt es sich
auch beim Menschen einsetzen? Erste Untersuchungen an Mäusen haben
gezeigt, dass Teixobactin ein vielversprechender Kandidat ist.
„Antibiotika mit neuem Wirkmechanismus sind ein Durchbruch für die
Forschung“, sagt Dr. Schneider. Doch die Verträglichkeit und Wirksamkeit
beim Menschen muss für Teixobactin erst noch in klinischen Tests erwiesen
werden.

Publikation: A new antibiotic kills pathogens without detectable
resistance, Nature, DOI: 10.1038/nature14053

Medizin am Abend DirektKontakt 

Privatdozentin Dr. Tanja Schneider
Institut für Medizinische Mikrobiologie,
Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)
Tel.: 0228/73-5688 oder 73-5266
E-Mail: tanja@mibi03.meb.uni-bonn.de

Im Labor des Instituts für Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn: Anna Müller, Ina Engels, Dr. Tanja Schneider und Dr. Till Schäberle. © Foto: Barbara Frommann/Uni Bonn
Im Labor des Instituts für Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn: Anna Müller, Ina Engels, Dr. Tanja Schneider und Dr. Till Schäberle.