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Der Keuchhusten

Stiftung Kindergesundheit: Die starke Zunahme von Infektionen bedroht vor allem Babys und ihre Familienangehörigen

So hoch waren die Zahlen seit zehn Jahren noch nie: Mit 25 271 Fällen wurden im letzten Jahr mehr als doppelt so viele Keuchhusten-Erkrankungen in Deutschland gemeldet wie im Jahr 2014. Am häufigsten betroffen waren Säuglinge in Alter von unter einem Jahr. Dabei haben gerade Babys und Kleinkinder das bei Weitem größte Risiko eines schweren oder sogar tödlichen Verlaufs der Krankheit, berichtet die Stiftung Kindergesundheit in ihrer aktuellen Stellungnahme.

In den Jahren zuvor waren aufgrund der Infektionsschutzmaßnahmen während der Corona-Pandemie auch die Infektionszahlen an Keuchhusten (medizinisch: Pertussis) stark rückläufig. Aktuell ist jedoch erneut eine massive Zunahme zu verzeichnen: Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts Berlin wurde 2024 die bisher höchste jährliche Fallzahl seit Einführung der bundesweiten Meldepflicht für Keuchhusten gemeldet. In jenem Jahr starben sechs Menschen an der Krankheit.

Auch Erwachsene werden angesteckt

Zwar gilt Keuchhusten als eine typische Kinderkrankheit, doch seit einigen Jahren verlagert sie sich immer mehr ins Jugendlichen- und Erwachsenenalter. Etwa 60 Prozent der Keuchhustenfälle treten heute bei Erwachsenen auf. So lag das Durchschnittsalter im Jahr 1995 noch bei 15,1 Jahren und stieg bis zum Jahr 2008 schon auf 41,7 Jahre an.

Nach Hochrechnungen müssen in Deutschland mindestens 1.100 Erwachsene pro Jahr wegen Keuchhusten stationär behandelt werden.

So können auch Mütter und Väter, ja sogar Großeltern mit ihren Keimen ihre Kinder oder Enkel anstecken und in höchste Lebensgefahr bringen. Nahezu jeder Kontakt zu einer erkrankten Person führt zu einer Ansteckung.

Bei Erwachsenen zeigt sich Keuchhusten oft mit dem alleinigen Symptom „lang anhaltender Husten“ und dauert im Mittel 48 Tage, als Maximum aber auch mal 72 Wochen! (RKI 2009: Epidemiologische Bulletin Nr. 31). Ein hoher Anteil der Pertussis-Erkrankungen indes verläuft eher milde und wird deshalb nicht erkannt.

Die Bakterien der Krankheit verbreiten sich beim Husten, Niesen oder Sprechen über winzige Tröpfchen aus Mund und Nase und können bis zu einen Meter in der Luft weiterverbreitet und schließlich eingeatmet werden.

Babys haben oft noch keinen „Nestschutz“

Von einer „harmlosen“ Kinderkrankheit kann dabei nicht die Rede sein, betont die Stiftung Kindergesundheit: Etwa jedes zweite keuchhustenkranke Kind muß in einem Krankenhaus stationär behandelt und überwacht werden.

Das Besondere ist bei dieser hoch ansteckenden Infektionskrankheit laut Stiftung Kindergesundheit: Neugeborene Kinder sind nicht durch den so genannten Nestschutz, also durch die Antikörper ihrer Mütter vor Keuchhusten geschützt. Junge Babys sind deshalb besonders gefährdet, sich bei ihren erkrankten Geschwistern oder bei anderen Personen anzustecken.

Der Husten fängt ganz harmlos an

Die Symptome des Keuchhustens setzen häufig in der Nacht ein und sind zunächst ganz harmlos: Ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung beginnt die Krankheit mit einem zunächst ganz normal klingenden Husten, der sich allerdings mit den üblichen Hustenmitteln nicht bessern lässt. Allmählich wird der Husten immer stärker und heftiger und nimmt dann anfallähnliche Formen an.

Nach diesem Stadium kommt es dann zu den eigentlichen Keuchhustenanfällen: Ganze Serien kurzer, harter Hustenstöße folgen hintereinander, dabei entsteht zunehmend Atemnot. Das Kind läuft rot, manchmal auch blau an und zieht die Luft mühsam, von einem lauten, krähenden „Hi“ begleitet, durch die verkrampfte Stimmritze ein. Meist folgt gleich der nächste Anfall. Die Anfälle werden oft erst durch Erbrechen beendet.

Die krampfartigen Hustenstöße können sehr quälend sein und treten bei vielen Kindern häufiger nachts als tagsüber auf. Sie führen oft zum Herauswürgen von zähem, glasigem Schleim und zum anschließenden Erbrechen.

Heimtückisch und extrem langwierig

Die Krankheit ist ein tückisches, extrem langwieriges Leiden: Ihr Rückbildungsstadium setzt erst nach drei bis sechs Wochen ein. Bei manchem Kind kann in diesem Stadium jeder unbedeutende Reiz schon zu einem neuen Hustenanfall führen, viele Kinder entwickeln sogar einen regelrechten „Keuchhusten-Tic“.

Das Problem dabei: Die an Keuchhusten erkrankten Jugendlichen und Erwachsenen sind sich meist nicht bewusst, dass ihr hartnäckiger, trockener Husten ein ansteckender Keuchhusten sein könnte. Bei ihnen fehlen nämlich häufig die typischen Pertussis-Symptome wie die Attacken eines bellenden Hustens oder das laute, krächzend-juchzende „Einziehen“ beim Atmen, das zu neuen Hustenstößen führen kann.

Eltern sollten wissen: Keuchhusten lässt sich durch Impfungen verhindern, betont die Stiftung Kindergesundheit. Die ständige Impfkommission STIKO beim Robert-Koch-Institut empfiehlt eine Grundimmunisierung gegen Pertussis im Alter von zwei, vier und elf Monaten.

Schwangere sollten unabhängig von ihrem Impfstatus im dritten Trimenon der Schwangerschaft geimpft werden, um ihr Kind frühzeitig vor Keuchhusten zu schützen. Für enge Kontaktpersonen von Babys - also für Eltern, Großeltern und für das medizinische Personal - wird eine Auffrischimpfung alle zehn Jahre empfohlen.

Frühgeburt und Sprachentwicklung

Die frühe Sprachentwicklung spielt eine zentrale Rolle für spätere kommunikative, soziale und schulische Fähigkeiten. Eine aktuelle Meta-Analyse der Universität Zürich zeigt, dass die Sprachfähigkeiten von Frühgeborenen in den ersten 18 Monaten im Durchschnitt geringer ausfallen als die von termingeborenen Kindern.

Weltweit kommt etwa jedes zehnte Kind vor der 37.::

Schwangerschaftswoche zur Welt.

Das gilt als Frühgeburt. Diese Kinder sind bei der Geburt biologisch noch unreif und haben ein erhöhtes Risiko für Entwicklungsverzögerungen in verschiedenen Bereichen. Studien zeigen beispielsweise, dass frühgeborene Kinder im Kindergarten- und Schulalter bei Sprachtests im Durchschnitt niedrigere Werte erzielen als termingeborene Kinder. Tritt das schon im Säuglings- und Kleinkindalter auf?

Unterschiede im Sprachverständnis und Sprechen
Forschende der Universität Zürich sind dieser Frage nachgegangen und haben untersucht, ob sich Sprachunterschiede bereits in den ersten 18 Lebensmonaten nachweisen lassen. Für ihre Meta-Analyse werteten sie 21 Studien aus neun Ländern mit insgesamt über 1 800 Kindern aus. Dabei stellten sie fest, dass frühgeborene Kinder im Alter von drei bis 18 Monaten im Sprachverständnis und im sprachlichen Ausdruck durchschnittlich niedrigere Werte erzielten.

Vor allem bei sehr frühen Frühgeburten
«Die Ergebnisse sollten jedoch mit Vorsicht interpretiert werden», sagt Erstautorin Miriam Löffler. 

«Denn die in der Studie untersuchten Frühgeborenen kamen im Schnitt in der 30. Schwangerschaftswoche zur Welt.» 

Tatsächlich werden rund 75 Prozent aller Frühgeborenen erst zwischen der 34. und 37. Woche geboren – also etwas später. 

Die Meta-Analyse der Forschenden zeigte: 

Je früher die Geburt und je geringer das Geburtsgewicht, desto weniger gut schnitten die Kinder im Sprachverständnis ab. 

«In einer repräsentativeren Stichprobe wären die Unterschiede möglicherweise weniger stark ausgeprägt», so die Entwicklungspsychologin.

Frühe Sprachentwicklung erfassen und fördern::


Die Meta-Analyse unterstreicht, wie wichtig es ist, mögliche sprachliche Entwicklungsverzögerungen bereits in den ersten Lebensmonaten zu erkennen. Auch wenn sich viele Auffälligkeiten mit der Zeit abschwächen, können sie auf spätere Entwicklungsrisiken hinweisen. Deshalb sollte die frühe Sprachentwicklung im Rahmen der regulären Vorsorgeuntersuchungen – insbesondere bei Frühgeborenen – gezielt erfasst und bei Bedarf durch rechtzeitige Förderangebote unterstützt werden. «Auch Eltern können viel zur Sprachentwicklung ihres Kindes beitragen», betont Löffler. «Indem sie von Anfang an oft mit ihrem Kind sprechen, auf seine Laute reagieren oder gemeinsam Bücher anschauen, fördern sie wichtige Grundlagen. Bei Unsicherheiten ist es sinnvoll, frühzeitig Kinderärzt:innen oder Fachstellen zur Sprachförderung einzubeziehen.»

Literatur
Loeffler, M. T., Daikeler, J., Wagner, L., Natalucci, G., & Daum, M. M. (2025). Early expressive and receptive language development in preterm vs full-term children: A meta-analysis. Pediatrics, 156(2). 23 July 2025. DOI: https://publications.aap.org/pediatrics/article/doi/10.1542/peds.2024-070477/202...

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Miriam Löffler
Universität Zürich
Psychologisches Institut
Entwicklungspsychologie: Säuglings- und Kindesalter
E-Mail: miriam.loeffler@jacobscenter.uzh.ch

Originalpublikation:
Loeffler, M. T., Daikeler, J., Wagner, L., Natalucci, G., & Daum, M. M. (2025). Early expressive and receptive language development in preterm vs full-term children: A meta-analysis. Pediatrics, 156(2). 23 July 2025. DOI: https://publications.aap.org/pediatrics/article/doi/10.1542/peds.2024-070477/202...

Schwerhoerigkeit

Neue Leitlinie zur Zytomegalievirus-In

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Meilenstein zur Prävention frühkindlicher Schwerhörigkeit


Frühkindliche Schwerhörigkeit bleibt für viele betroffene Familien eine lebenslange Herausforderung. Dabei kann eine der häufigsten Ursachen – die konnatale Zytomegalievirus-Infektion (cCMV) – in vielen Fällen heute nicht nur frühzeitig erkannt, sondern auch behandelt werden. Erstmals zeigt eine neue medizinische Leitlinie, die maßgeblich an der Universität Regensburg (UR) mitentwickelt wurde, nun auf, wie die Infektion verhindert oder therapiert werden kann.

„Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel: Zum ersten Mal gibt es klare Empfehlungen, wie man eine der häufigsten infektiösen Ursachen frühkindlicher Schwerhörigkeit gezielt angehen kann“, betont Prof. Dr. Peter Kummer, Phoniater und Pädaudiologe der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde der Universitätsklinik Regensburg (UKR) sowie langjähriges Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP e.V.). Für seine Fachgesellschaft war er federführend an der Leitlinienerstellung beteiligt.

Die von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) im April 2025 veröffentlichte S2k-Leitlinie „Prävention, Diagnostik und Therapie der CMV-Infektion bei Schwangeren und der konnatalen CMV-Infektion bei Neugeborenen und Kindern“ bietet erstmals einen interdisziplinär abgestimmten, evidenzbasierten Handlungsrahmen für ein bislang unterschätztes gesundheitliches Risiko. Die Empfehlungen richten sich an Fachkräfte aus den Bereichen Gynäkologie, Pädiatrie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Phoniatrie und Labormedizin – mit dem Ziel, betroffene Kinder frühzeitiger zu erkennen und gezielter zu versorgen.

Das Zytomegalievirus (CMV) gehört zur Familie der Herpesviren und ist in der Bevölkerung weit verbreitet – rund 50 % der Erwachsenen in Deutschland tragen es in sich. Während eine Infektion für gesunde Menschen meist harmlos verläuft, birgt sie für das ungeborene Kind oft gravierende Risiken: Infiziert sich eine Frau während der Schwangerschaft oder reaktiviert sich eine frühere Infektion, kann das Virus über die Plazenta übertragen werden. Die mögliche Folge: eine konnatale CMV-Infektion (cCMV), die zu neurologischen Schäden, schweren Entwicklungsstörungen oder – oft zunächst unbemerkt – zu Hörstörungen führen kann.

Etwa 0,2 bis 0,6 % aller Neugeborenen in Deutschland sind schätzungsweise betroffen, 1.500 bis 4.500 Fälle pro Jahr. Die neue Leitlinie bündelt aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und formuliert praxisorientierte Empfehlungen – von Hygienemaßnahmen über die Labordiagnostik bis zur antiviralen Therapie. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Neugeborenen-Hörscreening, das in Bayern erstmals in Regensburg pilotiert wurde. Auffällige Hörtests sollen künftig Anlass für eine gezielte CMV-Testung geben.

„Wenn wir CMV-Infektionen in den ersten Lebenstagen erkennen, können wir sie gezielt behandeln und Folgeschäden verhindern. Die antivirale Therapie – meist mit Valganciclovir – zeigt in bis zu 50 % der Fälle einen deutlichen Nutzen,“ so Peter Kummer. Die Leitlinie betont zudem die Bedeutung frühzeitiger Aufklärung für Schwangere. Bereits einfache Hygienemaßnahmen, wie das Vermeiden von Speichelkontakt mit Kleinkindern, können das Infektionsrisiko deutlich senken. Auch ein CMV-Screening zu Beginn der Schwangerschaft ist empfohlen – insbesondere für besonders gefährdete Gruppen.

„Die neue Leitlinie ist ein Meilenstein – aber ihr Nutzen hängt davon ab, dass sie auch flächendeckend umgesetzt wird,“ erklärt Prof. Kummer. „Dazu brauchen wir gezielte Fortbildungen, interdisziplinäre Netzwerke und ein gemeinsames Verständnis für die Bedeutung frühkindlicher Prävention.“

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Prof. Dr. Peter Kummer
Leiter Sektion Phoniatrie und Pädaudiologie
Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
Universitätsklinikum Regensburg
Regensburg
Tel.: +49 (0)941 / 944-9471
E-Mail: peter.kummer@ukr.de
www.ukr.de/hno

Originalpublikation:
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/093-003

Mangelernaehrung

Warum ältere Menschen oft mangelernährt sind und was dagegen hilft

Viele ältere Menschen essen zu wenig oder zu einseitig – mit erheblichen Folgen für ihre Gesundheit. Prof. Dr. Dorothee Volkert vom Lehrstuhl für Innere Medizin (Geriatrie) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) erklärt, warum das Thema Mangelernährung im Alter so relevant ist, wie man das Phänomen erkennt und was man dagegen tun kann.

Frau Prof. Volkert, warum ist Mangelernährung im Alter ein so großes Problem?

Ältere Menschen sind besonders anfällig für Mangelernährung. 

Viele altersbedingte Veränderungen und Begleiterscheinungen des Alterns erschweren eine ausreichende Ernährung. Zudem nimmt der Anteil hochaltriger Menschen – also ab etwa 80 Jahren – in der Bevölkerung weiter zu, es gibt also immer mehr Betroffene. Die Folgen sind gravierend: Mangelernährte Menschen haben ein höheres Risiko für Infektionen, schlechtere Heilungschancen, verlängerte Krankenhausaufenthalte und insgesamt eine reduzierte Lebensqualität. Auch die Kosten für das Gesundheitssystem steigen dadurch erheblich.

Warum essen viele ältere Menschen zu wenig oder nicht mehr ausgewogen?

Die Gründe sind sehr vielfältig. Es ist selten eine einzelne Ursache, meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Altersbedingt lassen Appetit und Durstgefühl nach. Viele Menschen haben Kau- oder Schluckprobleme. Gleichzeitig können Mobilitätseinschränkungen, akute und chronische Krankheiten, bestimmte Medikamente, psychische Belastungen wie Einsamkeit oder Depression sowie soziale oder kognitive Probleme eine Rolle spielen. Insgesamt werden über hundert Einflussfaktoren diskutiert – körperlich, psychisch, sozial, kognitiv und medizinisch. Diese Komplexität macht die Diagnose und Behandlung so anspruchsvoll.

Kann Mangelernährung bei so vielen möglichen Ursachen überhaupt diagnostiziert werden?

Für eine Mangelernährung gibt es klare Kriterien. 

Dazu zählen ein ungewollter Gewichtsverlust oder ein niedriges Körpergewicht bzw. eine reduzierte Muskelmasse in Verbindung mit einer reduzierten Nahrungsaufnahme oder erhöhtem Bedarf durch Krankheit oder Stress. In der Praxis kommen kurze, standardisierte Fragebögen zum Einsatz, mit denen diese Aspekte abgefragt werden, sogenanntes Screening-Instrumente. Diese Früherkennung sollte idealerweise zur Routine gehören, vor allem in der Versorgung älterer Patientinnen und Patienten.

Was können Angehörige von älteren Menschen tun, wenn sie den Verdacht auf Mangelernährung haben?

Wenn Angehörige eine ungewollte Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit oder auch einen nicht mehr so gut gefüllten Kühlschrank bemerken, sollten unbedingt die dahintersteckenden Ursachen geklärt werden. Mögliche medizinische Ursachen müssen durch den Hausarzt abgeklärt werden. Bei ungenügender oder einseitiger Ernährung ohne frische Lebensmittel oder auch ohne die tägliche warme Mahlzeit sollte Unterstützung beim Einkaufen und Kochen oder auch ein Mahlzeitenlieferdienst organisiert werden.

Was passiert nach der Diagnose – wie wird Mangelernährung behandelt?

Zunächst wird geschaut, was genau hinter dem Problem steckt: Wir haben dafür ein Modell entwickelt, das die wichtigsten Einflussfaktoren systematisch ordnet und damit hilft, die Ursachen besser zu erfassen. Gibt es funktionelle Einschränkungen? Eine zugrunde liegende Erkrankung? Psychische Belastungen? Je nach Ursache kann zum Beispiel eine logopädische Behandlung bei Schluckstörungen helfen oder Unterstützung im Alltag notwendig sein. Die Ernährungstherapie selbst umfasst dann verschiedene Maßnahmen: eine hochwertige und ausgewogene Lebensmittelauswahl, angereichert mit besonders nährstoffreichen Zutaten wie Nüssen, Eiern, Pflanzenölen oder Sahne. Auch Eiweißpulver, Trinknahrung oder – in schweren Fällen – künstliche Ernährung können sinnvoll sein. Wichtig ist, dass die Maßnahmen individuell angepasst werden und realistisch in den Alltag integrierbar sind.

Wird Mangelernährung im medizinischen Alltag aus Ihrer Sicht ausreichend beachtet?

Leider nicht. Das liegt unter anderem daran, dass Ernährung in der medizinischen Ausbildung kaum eine Rolle spielt. Viele Ärztinnen und Ärzte sind nicht geschult, Mangelernährung zu erkennen oder gezielt zu behandeln. Zudem ist die Behandlung oft zeitaufwändig und langwierig und das wird in unserem Gesundheitssystem leider nicht entsprechend honoriert.

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Prof. Dr. Dorothee Volkert
Lehrstuhl für Innere Medizin (Geriatrie)
dorothee.volkert@fau.de

Dieses Auszehrungssyndrom, bekannt als Kachexie....und die Leber

Viele an Krebs erkrankte Menschen verlieren dramatisch an Muskel- und Fettmasse. Forschende haben jetzt einen bislang übersehenen Treiber der Kachexie erkannt: die Leber.

Viele an Krebs erkrankte Menschen verlieren dramatisch an Muskel- und Fettmasse. 

Oft ist sogar der Herzmuskel betroffen, was die Betroffenen zusätzlich schwächt. 

Dieses Auszehrungssyndrom, bekannt als Kachexie, betrifft rund die Hälfte aller Patient:innen. 

Es führt häufig zu Therapieresistenz, Komplikationen und erhöhter Sterblichkeit. Forschende von Helmholtz Munich haben jetzt gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg, der Technischen Universität München und dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung einen bislang übersehenen Treiber der Kachexie erkannt: die Leber. Sie reagiert systemisch auf Tumore in anderen Organen – etwa im Darm oder in der Bauchspeicheldrüse – und trägt über spezifische Botenstoffe zum Gewebeabbau bei.

Das abgeschaltete Zeitgeber-Gen

Bei Kachexie wird der Leberstoffwechsel grundlegend umprogrammiert. 

So funktioniert insbesondere ein Gen nicht mehr, das normalerweise die Aktivität der Leber im Tagesverlauf reguliert. 

Die Forschenden fanden im Mausmodell heraus, dass diese „innere Uhr“ nahezu vollständig abgeschaltet war. „Nachdem wir das als REV-ERBα bezeichnete Gen gezielt in der Leber der betroffenen Mäuse reaktiviert hatten, hat sich der Körperabbau deutlich abgeschwächt“, sagt Dr. Doris Kaltenecker, die gemeinsam mit Dr. Søren Fisker Schmidt Erstautorin der Studie ist und am Institut für Diabetes und Krebs bei Helmholtz Munich forscht.

Leber-Botenstoffe treiben Kachexie voran

Die Forschenden konnten zeigen, dass REV-ERBα die Aktivität mehrerer Gene steuert, die für die Produktion bestimmter Leber-Botenstoffe verantwortlich sind. Fällt das Zeitgeber-Gen aus, produziert die Leber vermehrt krankheitsfördernde Signalproteine. Drei dieser sogenannten Hepatokine (LBP, ITIH3 und IGFBP1) stehen im Zentrum des neu entdeckten Mechanismus. Sie lösen in Zellkulturen katabolische, also abbauende Prozesse in Muskel- und Fettzellen aus – genau jene Vorgänge, die zur körperlichen Auszehrung führen. Auch im Blut kachektischer Patient:innen mit verschiedenen Tumorarten war die Konzentration dieser Proteine stark erhöht. In präklinischen Modellen konnte ihre schädliche Wirkung durch gezielte Hemmung abgeschwächt werden.

Perspektiven für Diagnose und Therapie

„Wir konnten erstmals zeigen, dass die Leber nicht nur passiv auf Kachexie reagiert, sondern aktiv zum Fortschreiten der Krankheit beiträgt“, sagt Dr. Mauricio Berriel Diaz, der die Studie bei Helmholtz Munich leitete. „Unsere Erkenntnis eröffnet neue Möglichkeiten, um das Syndrom genauer zu diagnostizieren und therapeutisch anzugehen.“ Zudem liefert die Studie eine umfassende Datenbasis zur Rolle der Leber bei Kachexie – von molekularen Netzwerken über zelltypspezifische Veränderungen bis hin zu funktionellen Auswirkungen in präklinischen Modellen. Damit steht der Forschungsgemeinschaft erstmals ein Datensatz zur Verfügung, der über das untersuchte Modellsystem hinaus nutzbar ist.

Langfristig könnten die identifizierten Faktoren als Biomarker für das Kachexie-Risiko dienen – oder als Ansatzpunkt für neue Therapien. „Gerade weil es bislang keine zugelassene Behandlung gegen Kachexie gibt, braucht es solche neuen Ansätze“, betont Prof. Stephan Herzig, Leiter des Helmholtz Diabetes Centers und des Instituts für Diabetes und Krebs bei Helmholtz Munich sowie Professor an der Technischen Universität München. „Die Ergebnisse zeigen eindrücklich, wie zentral systemische Wechselwirkungen zwischen Organen für den Verlauf von Krebserkrankungen sind.“

Über die Forschenden
Dr. Doris Kaltenecker, Wissenschaftlerin am Institut für Diabetes und Krebs (IDC) bei Helmholtz Munich, am Joint Heidelberg-IDC Translational Diabetes Program des Universitätsklinikums Heidelberg sowie am Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD).
Dr. Mauricio Berriel Diaz, stellv. Leiter des Instituts für Diabetes und Krebs (IDC) bei Helmholtz Munich, Wissenschaftler am Joint Heidelberg-IDC Translational Diabetes Program des Universitätsklinikums Heidelberg sowie am Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD).
Prof. Stephan Herzig, Leiter des Helmholtz Diabetes Centers und des Instituts für Diabetes und Krebs bei Helmholtz Munich, sowie Inhaber des Lehrstuhls für Molecular Metabolic Control an der Technischen Universität München (TUM). Er ist Wissenschaftler am Joint Heidelberg-IDC Translational Diabetes Program des Universitätsklinikums Heidelberg sowie am Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD).

Über Helmholtz Munich
Helmholtz Munich ist ein biomedizinisches Spitzenforschungszentrum. Seine Mission ist, bahnbrechende Lösungen für eine gesündere Gesellschaft in einer sich schnell verändernden Welt zu entwickeln. Interdisziplinäre Forschungsteams fokussieren sich auf umweltbedingte Krankheiten, insbesondere die Therapie und die Prävention von Diabetes, Adipositas, Allergien und chronischen Lungenerkrankungen. Mittels künstlicher Intelligenz und Bioengineering transferieren die Forschenden ihre Erkenntnisse schneller zu den Patient:innen. Helmholtz Munich zählt rund 2.500 Mitarbeitende und hat seinen Sitz in München/Neuherberg. Es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, mit mehr als 43.000 Mitarbeitenden und 18 Forschungszentren die größte Wissenschaftsorganisation in Deutschland. Mehr über Helmholtz Munich (Helmholtz Zentrum München Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt GmbH): www.helmholtz-munich.de

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Dr. Mauricio Berriel Diaz
mauricio.berrieldiaz@helmholtz-munich.de

Originalpublikation:
Kaltenecker et al., 2025: Functional liver genomics identifies hepatokines promoting wasting in cancer cachexia. Cell. DOI: 10.1016/j.cell.2025.06.039
https://doi.org/10.1016/j.cell.2025.06.039
http://cell.com/cell/fulltext/S0092-8674(25)00741-X

Die Sepsis und die Haut

Sepsis, früher auch oft als „Blutvergiftung“ bezeichnet, zählt zu den gefährlichsten medizinischen Notfällen überhaupt. 

Die Erkrankung ist die Folge einer fehlgeleiteten Immunreaktion auf eine Infektion, die rasch zu Organversagen und Tod führen kann. Jede Stunde zählt – doch gerade die frühzeitige Erkennung gestaltet sich in der klinischen Praxis schwierig. Eine neue Studie aus Heidelberg stellt nun einen innovativen Ansatz vor: Künstliche Intelligenz und hyperspektrale Bildgebung der Haut ermöglichen eine sofortige und nicht-invasive Sepsis-Diagnose direkt am Krankenbett.

Forschende des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) berichten in ihrer aktuellen Publikation von einem neuen Ansatz, eine Sepsis mit hoher Genauigkeit zu erkennen. Sepsis ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und eine der schwerwiegendsten Komplikationen bei onkologischen OPs. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich mithilfe der hyperspektralen Bildgebung und KI-gestützter Analysen eine Sepsis schnell und sogar ohne Blutabnahme diagnostizieren lässt“, erklärt Lena Maier-Hein, Abteilungsleiterin am DKFZ und Direktorin am NCT Heidelberg, die die Studie gemeinsam mit zwei Kollegen vom UKHD leitete.

Unter hyperspektraler Bildgebung verstehen Experten eine Kameratechnik, die verschiedene Bereiche des elektromagnetischen Spektrums auch jenseits der sichtbaren Wellenlängen abbildet und dadurch Unsichtbares sichtbar machen kann.

Haut als Spiegel der Mikrozirkulation

„Ein kritischer Aspekt der Sepsisbehandlung ist die frühzeitige und genaue Diagnose, bevor anhaltende Organfunktionsstörungen auftreten“, erklärt Markus A. Weigand, Direktor der Klinik für Anästhesiologie des UKHD und Generalsekretär der Deutschen Sepsis Gesellschaft, der die Studie gemeinsam mit Lena Maier-Hein und seinem Kollegen Maximilian Dietrich leitete. 

Diese Herausforderung wird durch die unspezifischen Anzeichen und Symptome des Sepsis-Syndroms erschwert, da zuverlässige Biomarker, die eine Sepsis eindeutig anzeigen, bislang fehlen.

„Die Durchblutung kleinster Blutgefäße – die sogenannte Mikrozirkulation – verändert sich bereits in einem sehr frühen Stadium einer Sepsis. Gleichzeitig führt die Entzündungsreaktion im Körper dazu, dass die Wände der Blutgefäße durchlässiger werden, sodass Flüssigkeit ins umliegende Gewebe austritt. Diese Prozesse lassen sich mit der entwickelten Technologie innerhalb weniger Sekunden sichtbar machen. Da sie ähnlich wie eine Fotoaufnahme funktioniert, bedeutet sie keine Belastung für die Patientinnen und Patienten“, so Maximilian Dietrich, Intensivmediziner der Klinik für Anästhesiologie des UKHD.

Die Forschenden setzten in der Studie ein speziell entwickeltes KI-basiertes Kamerasystem ein, das die Lichtreflexion der Haut an Handflächen und Fingern erfasst. Das reflektierte Licht lässt sich zur Beurteilung der Mikrozirkulation nutzen, da es sensitiv auf Änderungen in der Konzentration von Wasser, Blut und Sauerstoff reagiert. So lassen sich die hochdimensionalen – nicht von Menschen interpretierbaren – Messdaten mittels neuronaler Netze in klinisch relevante Information überführen.

Besser als etablierte Scores und Biomarker

In einer prospektiven Studie auf der interdisziplinären operativen Intensivstation des Universitätsklinikums Heidelberg wurden bei über 480 kritisch kranken Patientinnen und Patienten hyperspektrale Bilder der Handflächen und Finger aufgenommen. Eine darauf trainierte KI konnte Sepsis anhand dieser Daten mit hoher Genauigkeit identifizieren: Die Vorhersagegüte* lag bei 0,80. Wurden zusätzlich einfach verfügbare klinische Daten wie Vitalparameter in die Analyse einbezogen, stieg der Wert auf 0,94. Auch die Vorhersage der 30-Tage-Sterblichkeit gelang mit hoher Genauigkeit.

„Im Vergleich zu klassischen klinischen Bewertungsinstrumenten, die auf Parametern wie mentalem Status, Atmungsfrequenz und Blutdruck beruhen (z. B. qSOFA), oder auf Entzündungs-Biomarkern wie C-reaktivem Protein und Procalcitonin, bietet das neue Verfahren Vorteile. Besonders in zeitkritischen Situationen oder bei hohem Patientenaufkommen können KI-gestützte Tools ein schnelles und zuverlässiges Sepsis-Screening ermöglichen“, erklärt Silvia Seidlitz, Wissenschaftlerin am DKFZ und Erstautorin der Veröffentlichung.

Breites Anwendungspotenzial – auch außerhalb der Intensivstation

Die Arbeit belegt erstmals, dass eine schnelle, objektive und nicht-invasive Sepsis-Erkennung mittels KI und hyperspektraler Hautbildgebung im klinischen Alltag möglich ist.

Ziel ist es, die Technologie für den Routineeinsatz nutzbar zu machen – etwa in Notaufnahmen, im Rettungsdienst oder zur Früherkennung von Komplikationen nach größeren chirurgischen Eingriffen. Die eingesetzte Technik ist mobil, ressourcenschonend, kosteneffizient und erfordert keine invasiven Maßnahmen.

Die Forschenden sehen großes Potenzial, mit KI-Anwendungen die weiterhin hohe Sterblichkeit der Sepsis, einer der weltweit führenden Todesursachen, zu reduzieren. Die Ergebnisse sollen nun in weiterführenden Studien zur klinischen Wirksamkeit überprüft werden – insbesondere auch im Zusammenhang mit daraus folgenden Therapieentscheidungen sowie bei weiteren Patientengruppen wie Kindern.

Die Arbeit wurde größtenteils durch Mittel des ERC Consolidator Grants NEURAL SPICING, des Projekts Hidss4Health sowie durch den Andreas-Hoeft-Grant der European Society of Anaesthesiology and Intensive Care (ESAIC) finanziert.

* Vorhersagegüte gemessen an der Fläche unter der Receiver-Operating-Characteristic-Kurve (AUROC): Der Wert 0,80 bedeutet, dass die Methode mit 80% Wahrscheinlichkeit beim Vergleich einer septischen und einer nicht-septischen Hand das Bild der septischen Hand identifizieren kann.

Publikation:
Silvia Seidlitz, Katharina Hölzl, Ayca von Garrel, Jan Sellner, Stephan Katzenschlager, Tobias Hölle, Dania Fischer, Maik von der Forst, Felix C. F. Schmitt, Alexander Studier-Fischer, Markus A. Weigand, Lena Maier-Hein*, Maximilian Dietrich*: AI-powered skin spectral imaging enables instant sepsis diagnosis and outcome prediction in critically ill patients
*geteilte Letztautorschaft
Science Advances 2025, DOI: https://doi.org/10.1126/sciadv.adw1968

Die Krankenhausversorgung für chronisch Schmerzerkrankte in Deutschland

BARMER, Techniker Krankenkasse und Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. verbessern die Krankenhausversorgung für chronisch Schmerzerkrankte in Deutschland

... Das mit der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. entwickelte Konzept für Qualitätsverträge zur interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie (IMST) kann ab sofort bundesweit in einem Netz von elf Krankenhäusern genutzt werden... Langfristig sind bis zu 20 Standorte geplant. Die IMST umfasst umfangreichere Leistungen sowie einen intensiveren Austausch der beteiligten Fachdisziplinen der Rheuma-, Physio- und Psychotherapie. Sie erfolgt tagesklinisch oder vollstationär über sieben bis 28 Tage..


Berlin, 21.7.2025 Mit einer umfangreicheren und zielgerichteten Therapie wollen BARMER und Techniker Krankenkasse chronisch Schmerzerkrankten eine bessere Behandlung ermöglichen. Das mit der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. entwickelte Konzept für Qualitätsverträge zur interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie (IMST) kann ab sofort bundesweit in einem Netz von elf Krankenhäusern genutzt werden. Langfristig sind bis zu 20 Standorte geplant. Die IMST umfasst umfangreichere Leistungen sowie einen intensiveren Austausch der beteiligten Fachdisziplinen der Rheuma-, Physio- und Psychotherapie. Sie erfolgt tagesklinisch oder vollstationär über sieben bis 28 Tage. BARMER und Techniker Krankenkasse haben gemeinsam mehr als 20 Millionen Versicherte.

Prof. Dr. Frank Petzke, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.: „In Deutschland leiden Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen. Für viele von ihnen bedeutet das eine jahrelange Odyssee ohne adäquate Behandlung.“ Das neue Konzept soll das nun ändern. „Mit der Ausgestaltung der neuen Qualitätsverträge setzen wir einen weiteren Meilenstein in der multimodalen stationären Schmerztherapie. Die Leitplanken der Qualitätssicherung werden zudem patientenorientiert ausgebaut“, so Petzke.

„Die zusätzlich zur Regelversorgung vereinbarten Leistungen tragen dazu bei, die medizinische Versorgung von Schmerzpatientinnen und -patienten gezielt zu stärken. Davon können beispielsweise Menschen profitieren, die an chronischen Schmerzen leiden. Durch die erfolgreiche Behandlung können sie deutlich an Lebensqualität gewinnen und im Idealfall weiterhin ihren Beruf ausüben“, so Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse Thomas Ballast: „Die Schmerzpatientinnen und -patienten benötigen eine umfangreiche Diagnostik und Therapie. Mit dem neuen Vertrag können die beteiligten Kliniken unsere Versicherten intensiver behandeln. Dadurch sollen mehr Patientinnen und Patienten die Therapieziele erreichen. Vor allem sollen die Betroffenen körperliche Schwächen abbauen und Bewegungsängste verringern oder beseitigen.“

Die von der BARMER und Techniker Krankenkasse gemeinsam mit der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. entwickelten Qualitätsverträge sind bisher einmalig in Deutschland. Der Beitritt zu den vorliegenden Verträgen ist auch anderen gesetzlichen Krankenkassen möglich.

Derzeit vertraglich vereinbarte Standorte für die IMST sind:
• Universitätsklinikum Freiburg
• Asklepios Klinik St. Georg (Hamburg)
• Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe (Berlin)
• Universitätsmedizin Göttingen
• OsteMed Klinik Bremervörde
• Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Standort Lübeck
• St. Vincenz Hospital Brakel (NRW)
• Universitätsklinikum Jena
• Universitätsklinikum Würzburg
• RHÖN Klinikum Frankfurt (Oder)
• St. Josef-Stift Sendenhorst

Im Vergleich zu den bisherigen Standardanforderungen einer stationären multimodalen Schmerztherapie (gemäß OPS 8-918 bzw. 8-91c), beinhalten die neuen Qualitätsverträge folgende zusätzliche Qualitätsmerkmale:

• Weitere Einzeltermine in der Bewegungstherapie
• Integration der Bewegungstherapie in die Teambesprechungen
• Abschlussgespräch mit der Patientin oder dem Patienten unter Einbeziehung aller beteiligten Berufsgruppen
• Erstellung eines verbesserten Abschlussberichtes für die Patientin oder den Patienten unter Einbezug aller beteiligten Berufsgruppen
• Teilnahme der Klinik am Schmerzregister der Deutschen Schmerzgesellschaft und somit verpflichtende Nutzung der Kerndokumentation und Qualitätssicherung in der spezialisierten Schmerzmedizin (KEDOQ-Schmerz: Schmerzregister der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.)

Rechtsgrundlage der neuen Qualitätsverträge ist § 110a SGB V in Verbindung mit den Beschlüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom 26. Juli 2022, in denen dieser erstmalig die multimodale Schmerztherapie im Auftrag des Gesetzgebers als neuen Leistungsbereich für das Instrument der Qualitätsverträge aufgenommen hat.

Etwa 23 Millionen Menschen (28 Prozent) berichten in Deutschland über chronische Schmerzen. Bei 95 Prozent der Betroffenen sind die chronischen Schmerzen nicht durch Tumorerkrankungen hervorgerufen. Sechs Millionen Menschen erfüllen die Kriterien eines chronischen, nicht tumorbedingten, beeinträchtigenden Schmerzes. 2,2 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen mit starker Beeinträchtigung und assoziierten psychischen Beeinträchtigungen (Schmerzkrankheit).

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. ist mit rund 3.700 persönlichen Mitgliedern die größte wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft im Bereich Schmerz in Europa.

Diagnose und Vorhersage von schweren Nierenentzündungen

MHH-Forschende suchen im Projekt stopBKV nach Biomarkern für Diagnose und Vorhersage von schweren Nierenentzündungen und entwickeln T-Zell-Therapie für geschwächtes Immunsystem.


Wenn die Nieren nicht mehr funktionieren, ist eine Transplantation die bevorzugte Behandlung. Sie bietet Schwerkranken im Vergleich zur Dialyse höhere Überlebenschancen und eine bessere Lebensqualität. Allerdings steht weniger als einem Drittel der Betroffenen mit Nierenerkrankungen im Endstadium ein funktionierendes Spenderorgan zur Verfügung. Das liegt auch an der begrenzten Lebensdauer der Transplantate, etwa aufgrund akuter oder chronischer Abstoßungsreaktionen. Diese lassen sich zwar mit Hilfe von Medikamenten in Schach halten, die das Immunsystem unterdrücken. Aber die Immunsuppressiva haben schädliche Nebenwirkungen etwa auf die Niere und erhöhen auch die Infektanfälligkeit. Weil die gesamte Immunabwehr geschwächt ist, können so auch Krankheitserreger aus vergangenen Infektionen, die seit langem im Körper schlummern, wieder aktiviert werden.

Dazu gehört das BK-Virus (BKV), welches die meisten Menschen in sich tragen und das zu einer Entzündung der Niere führen kann. Eine solche BKV-Nephropathie betrifft bis zu zehn Prozent der Nierentransplantate und kann das Organ so stark schädigen, dass es nicht mehr funktioniert. Derzeit gibt es keine wirksamen Biomarker, um das Risiko für eine Nierenentzündung festzustellen und diese zu überwachen. Die Behandlungen konzentrieren sich hauptsächlich darauf, die Immunsuppression anzupassen – eine Gratwanderung zwischen drohender Abstoßung des Transplantats und seiner Zerstörung durch die BKV-Infektion. Ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) will nun Vorhersagemodelle für das individuelle Risiko einer BKV-Nephropathie entwickeln, Biomarker für bessere Diagnostik und Überwachung der Infektion finden und mit neuen zellulären Therapien das Virus direkt bekämpfen. Das Projekt „stopBKV“ wird im Rahmen des Förderprogramms zum Ausbau der personalisierten Medizin vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung über vier Jahre mit rund einer Million Euro unterstützt.

Biomarker im Urin messen

Das Forschungsteam nutzt dafür molekulare Techniken in Kombination mit neuesten Ansätzen der Bioinformatik und Datenwissenschaft. Grundlage ist das einzigartige Nierenregister der MHH, das klinische Daten, Nierengewebe-, Blut- und Urinproben von mehr als 1800 Patientinnen und Patienten bereitstellt, die an der MHH eine Nierentransplantation erhielten. „Weil zwar fast alle Transplantierten das BK-Virus im Körper haben, aber nur ein Teil von ihnen eine schwere Niereninfektion entwickelt, suchen wir zunächst nach Biomarkern für die verschiedenen Krankheitsverläufe“, sagt Professor Dr. Wilfried Gwinner, der das Register an der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen aufgebaut hat. Im zweiten Schritt machen sich die Forschenden auf die Suche nach Gewebe-Biomarkern, die speziell von BK-Viren verursachte Transplantatschädigung erkennen und von anderen Schädigungsursachen wie etwa einer Abstoßungsreaktion unterscheiden. „Wir konzentrieren uns dabei auf Biomarker, die wir ganz einfach im Urin messen können“, erklärt Professor Dr. Christian Hinze. Mit Hilfe von Spatial Transcriptomics, die Einzelzell-RNA-Sequenzierung mit bioinformatischer Geweberekonstruktion kombiniert, lässt sich wie in einem Puzzle feststellen, an welcher Stelle in der Niere die gemessene Schädigung auftritt. „So ersparen wir den Patientinnen und Patienten belastende Gewebeentnahmen, die eine BK-Virusinfektion in einem Teil der Fälle nicht einmal sicher entdecken können“, sagt der Oberarzt.

Zelluläre Immunität übertragen

Außerdem will das Forschungsteam herausfinden, welche Transplantatempfänger in der Lage sind, trotz ihres heruntergefahrenen Immunsystems die BK-Viren selbst zu beseitigen und welche nicht. Dabei richten Professorin Dr. Britta Eiz-Vesper vom Institut für Transfusionsmedizin und Transplantat Engineering und Professorin Dr. Britta Maecker-Kolhoff aus der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie den Blick auf die BKV-spezifischen T-Zellen. Das sind Immunzellen, die das Virus gezielt erkennen und beseitigen. „Patientinnen und Patienten mit schwachen T-Zell-Reaktionen und einer beträchtlichen BKV-bedingten Nierenschädigung könnte eine sogenannte adoptive T-Zelltherapie eine neue Behandlungsmöglichkeit bieten“, stellt Oberärztin Professorin Maecker-Kolhoff fest. Bei diesem Verfahren werden lebende Immunzellen von Gesunden isoliert und dann dem Patienten mit Hilfe einer Transfusion verabreicht. T-Zellen sind vielversprechende Kandidaten, da sie die krankmachenden Antigene passgenau erkennen und ihre Zielzellen töten können. Auf diese Weise soll eine spezifische zelluläre Immunität von gesunden Menschen auf Kranke übertragen werden.

T-Zell-Therapie bereits erfolgreich angewendet

Das Verfahren haben die beiden Wissenschaftlerinnen bereits erfolgreich bei schweren Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus angewendet. Die Immunzellen stammen aus dem deutschlandweit einmaligen T-Zell-Spenderregister alloCELL der MHH. Dies besteht seit 2013 und führt inzwischen mehr als 4.500 potenzielle Spenderinnen und Spender. „Dank unserer Erfahrung sind wir in der Lage, die T-Zellen innerhalb weniger Tage herzustellen“, sagt Professorin Eiz-Vesper. Das gelingt so zügig, weil im alloCELL-Register nicht nur die für die Wirksamkeit und Verträglichkeit wichtigen HLA-Gewebemerkmale der Blutzellen gespeichert sind, sondern gleichzeitig auch die Anzahl spezifischer T-Gedächtniszellen gegen die unterschiedlichen Viren. „So können wir für eine Zelltherapie sehr schnell wirksame und verträgliche T-Zellen von Spendern verwenden, auch wenn sie mit den potenziellen Empfängern nicht verwandt sind.“

Personalisierte Diagnose und Behandlung

Das Forschungsteam will nun untersuchen, welche viralen Antigene und welche HLA-Marker ausgewählt werden müssen, um eine wissenschaftlich nachgewiesene, optimale Spenderauswahl für die personalisierte T-Zell-Therapie von Nierentransplantierten mit schwacher BK-Virusabwehr zu ermöglichen. Gesamtziel des Projektes ist es, ein genau auf die jeweiligen Patientinnen und Patienten zugeschnittenes klinisches Diagnose- und Behandlungsschema zu entwickeln. „Dieser Ansatz der personalisierten Medizin soll für die klinische Praxis geeignet sein und kann dann in einer zukünftigen klinischen Studie getestet werden“, sagt Professor Hinze.

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Professor Dr. Christian Hinze, 

hinze.christian@mh-hannover.de.

Schwer behandelbare Form der Herzschwäche

Forschende des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) identifizierten ein Schlüsselmolekül für eine bislang schwer behandelbare Form der Herzschwäche.

Herzschwäche trotz normaler Pumpleistung – die sogenannte Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) – betrifft immer mehr Menschen, insbesondere wenn Adipositas oder Bluthochdruck vorliegen. 

Doch während es für andere Formen der Herzschwäche bewährte Therapien gibt, fehlen bei HFpEF bislang gezielte Behandlungsansätze.

Ein Forscherteam um Prof. Johannes Backs am Universitätsklinikum Heidelberg und der Medizinischen Fakultät Heidelberg hat nun einen entscheidenden Mechanismus identifiziert, der zur Entstehung von HFpEF beiträgt: 

Das Enzym NNT (Nicotinamid-Nukleotid-Transhydrogenase), es sitzt in den Mitochondrien – den „Kraftwerken“ unserer Zellen. Dort reguliert es das Gleichgewicht zwischen Energieproduktion und Schutz vor schädlichem Stress durch ein Übermaß an freien Radikalen.

Erstautor Dr. Mark Pepin vom Institut für Experimentelle Kardiologie am Universitätsklinikum Heidelberg sagt: „Unsere Studie ist die erste, die zeigt, dass kardiometabolische HFpEF nicht nur eine Folge von Systemerkrankungen wie Übergewicht und Bluthochdruck ist, sondern dass es auch Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt gibt.“

Zentrale Rolle bei krankhaftem Umbau

In einem Tiermodell konnten die Forschenden zeigen, dass Mäuse ohne funktionierendes NNT deutlich besser vor der Entwicklung von HFpEF geschützt sind – obwohl sie wie ihre Artgenossen Übergewicht, Bluthochdruck und Glukoseintoleranz entwickelten. Die Studie weist damit erstmals nach, dass NNT eine zentrale Rolle bei der krankhaften Umgestaltung des Herzmuskels spielt.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass nicht allein die Stoffwechselkrankheiten entscheidend sind – sondern wie das Herz auf den daraus entstehenden Stress reagiert“, so Pepin. Besonders auffällig war dabei die Rolle des Wachstumshormons FGF1, das durch NNT aktiviert wird und mit einer Versteifung des Herzmuskels assoziiert ist.

Neue Perspektiven für eine bislang therapieresistente Krankheit

Die Erkenntnisse eröffnen neue Perspektiven für die Entwicklung gezielter Therapien gegen HFpEF – etwa durch die Hemmung von NNT. „Das ist ein vielversprechender Ansatz, um eine der häufigsten und am schwersten behandelbaren Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zukunft besser zu verstehen und zu therapieren“, so Backs.

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Prof. Dr. Johannes Backs, Institut für Experimentelle Kardiologie, Universitätsklinikum Heidelberg und Medizinische Fakultät Heidelberg, johannes.backs@cardioscience.uni-heidelberg.de

Originalpublikation:
Pepin ME, Konrad PJM, Nazir S, et al. Mitochondrial NNT Promotes Diastolic Dysfunction in Cardiometabolic HFpEF. Circulation Research, Mai 2025, https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.125.326154

Die Pflege - MaAB Reflexionen

Was bedeutet Pflege für mich?
Was sind meine täglichen Beobachtungen?

Selbstreflexion durchgeführt. 

Pflege braucht Perspektive Menschlichkeit, Verantwortung und gute Bedingungen für alle Pflegeberufe

Pflege ist mehr als ein Beruf. Sie ist Beziehungsarbeit, Verantwortung und eine tägliche Auseinandersetzung mit Leben, Krankheit, Schmerz und Sterben. Wer sich für die Pflege entscheidet, sei es in der Ausbildung oder nach Jahren im Beruf tut das meist aus Überzeugung und mit dem Wunsch, einen sinnvollen Beitrag für andere Menschen zu leisten. Doch dieser Idealismus gerät zunehmend unter Druck. 
Die Realität sieht oft anders aus: chronische Überlastung, fehlende Anerkennung, unklare Verantwortungsstrukturen und Ausbildungsbedingungen, die viele entmutigen, bevor sie überhaupt richtig begonnen haben.

Bedürfnisse und Nöte im Pflegeberuf

Pflegende wünschen sich vor allem eines: 

Zeit für gute Pflege. Zeit, um zuzuhören. Um Schmerzen zu lindern, Angehörige einzubeziehen, Autonomie zu ermöglichen und Entscheidungen auf Augenhöhe zu treffen. Stattdessen dominiert vielerorts der Druck: Dokumentation im Akkord, Dienstpläne am Limit, Personalmangel auf allen Ebenen. Wer sich engagiert, wird schnell zur „Lückenbüßerin“, die einspringt, Aufgaben übernimmt, die eigentlich nicht zu bewältigen sind oft unter der ständigen Angst vor Fehlern oder Überlastung.

Pflege bedeutet Verantwortung. Aber sie darf nicht zur permanenten Überforderung werden.

Pflegeausbildung: Anspruch trifft auf Überforderung

Die generalistische Pflegeausbildung wurde eingeführt, um den Beruf attraktiver, vielfältiger und anschlussfähiger zu machen. Im Kern ist das richtig: Pflege braucht ein breites Fachwissen, braucht interdisziplinäres Denken und die Fähigkeit, in unterschiedlichsten Settings professionell zu agieren. Doch die Umsetzung wirft erhebliche Probleme auf:
Viele Auszubildende fühlen sich überfordert und unzureichend begleitet, insbesondere bei wechselnden Einsätzen in den verschiedenen Versorgungsbereichen.
Es fehlt an Praxisanleitung, an Zeit zur Reflexion und an pädagogisch geschultem Personal.
Besonders belastend sind häufige Sprünge zwischen Einrichtungen, mangelnde Struktur und die ständige Umstellung auf neue Teams und Arbeitsbedingungen.
Die Abbrecherquote bleibt hoch, nicht selten aus Frust, Angst oder schlicht Erschöpfung.

Diese jungen Menschen wollen lernen, Verantwortung übernehmen und wachsen – aber sie brauchen dafür Rahmenbedingungen, die Entwicklung ermöglichen statt sie zu behindern.

Pflegefachassistenz: Mitdenken statt abgrenzen

Die Einführung der Pflegefachassistenz ist ein sinnvoller Baustein zur Entlastung und Differenzierung in der Pflege. Doch ihre Integration gelingt nur, wenn Rollen und Zuständigkeiten klar definiert und wertschätzend kommuniziert werden. Es darf nicht zu Abwertung oder Hierarchisierung kommen, sondern zu echter Teamarbeit auf Augenhöhe. Pflegefachassistenz kann dann eine wichtige Brücke sein – für Menschen, die in die Pflege einsteigen, sich entwickeln wollen und Verantwortung übernehmen möchten, ohne direkt eine dreijährige Ausbildung zu absolvieren.

Doch auch hier braucht es:

verlässliche Anleitung,
klare Delegationsregeln,
und berufliche
Anschlussmöglichkeiten auch im Sinne der Durchlässigkeit im System.

Verantwortung braucht Struktur – nicht nur guten Willen

Pflegende übernehmen täglich Verantwortung für Menschen in Krisen, für komplexe Situationen, für Sicherheit und Würde. Dieses Verantwortungsbewusstsein ist eine große Stärke des Berufs – aber es darf nicht zur Last werden, wenn die Strukturen fehlen, die es tragen.

Was die Pflege heute braucht, ist nicht nur ein Appell an Berufsethos oder Resilienz, sondern politische und gesellschaftliche Rückendeckung:
-verlässliche Personalschlüssel,
  -faire Ausbildungsbedingungen,
  -Integration statt Abgrenzung im    Berufsgefüge
-und ein klarer gesetzlicher Rahmen, der professionelle Pflege stärkt und schützt.

Meine persönliche Haltung:

Ich bin Praxisanleiterin.
Ich bin für Euch da, weil ich an Euch glaube.
Ich sehe Eure Stärke, Eure Fragen, Eure Unsicherheiten – und Euren Willen, diesen Beruf mit Würde und Kompetenz auszuüben. Aber das System, in dem wir arbeiten, lässt mich oft hilflos zurück. Es verlangt von mir, Euch gut auszubilden – aber es gibt mir kaum Zeit, kaum Raum, kaum Unterstützung.
Ich stehe für Ausbildung – und gleichzeitig gegen ein System, das gute Ausbildung erschwert.
Nicht, weil ich es will, sondern weil ich muss.
Weil ich Verantwortung trage – für Euch, für unsere Zukunft in der Pflege.
Ich stelle mich gegen die Strukturen, weil ich an die Pflege glaube.
Weil ich will, dass Ihr bleibt. Und weil Ihr Besseres verdient.

Pflege ist ein Beruf mit Kopf, Herz und Haltung.
Was er braucht, sind Strukturen, die ihm gerecht werden.
Denn wer Pflege will, muss Bedingungen schaffen, in denen Pflege möglich ist menschlich, professionell und zukunftsfähig.

Erinnerung- 🫶🏽
#Idref

Ein Lied das mich seit Jahren trägt, geprägt hat.

Danke, an Ferdi Cebi!

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT