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Die peripartale Herzschwäche (PPCM)

MHH-Forschende veröffentlichen zwei neue Studien zur Behandlung mit Bromocriptin und zur Möglichkeit einer Folgeschwangerschaft bei Frauen mit PPCM

Die peripartale Herzschwäche (PPCM) ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung, die zuvor herzgesunde Frauen wenige Wochen vor oder nach der Geburt eines Kindes treffen kann. 


Dabei kommt es aus ungeklärten Gründen zu einer stark eingeschränkten Pumpleistung der linken Herzkammer. 

Die Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist das europaweit führende PPCM-Zentrum und betreut in einer Spezialambulanz Patientinnen in einem multiprofessionellen Team aus den Bereichen Kardiologie, Geburtsmedizin und Neonatologie. 

Die Erkrankung wird in der Klinik nicht nur behandelt, sondern ist auch einer ihrer Forschungsschwerpunkte mit einem sehr großen PPCM-Register mit Daten und Biomaterialien von mehr als 200 Patientinnen. 

MHH-Präsidentin Professorin Denise Hilfiker-Kleiner hat das Forschungsfeld vor mehr als 20 Jahren an der MHH etabliert und zusammen mit Klinikdirektor Professor Dr. Johann Bauersachs und ihren Teams grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse über PPCM veröffentlicht.

So fand Professorin Hilfiker-Kleiner mit ihrer Arbeitsgruppe bereits im Jahr 2007 heraus, dass bei den betroffenen Frauen das Stillhormon Prolaktin in ein gefäßschädigendes Spaltprodukt zerlegt wird, welches die Herzgefäße schädigt und dadurch eine Herzschwäche bewirkt. 


Diverse Pilotstudien und Fallberichte deuteten darauf hin, dass die Blockade von Prolaktin mit dem Abstillmedikament Bromocriptin die Heilung von PPCM begünstigt. 


Zehn Jahre später konnte über eine wissenschaftliche Studie gezeigt werden, dass die Gabe von Bromocriptin über sieben Tage zusätzlich zur Herzinsuffizienztherapie ausreichend ist. 


Neben neuen Therapiemöglichkeiten beschäftigen sich die Forschenden mit der Frage, wie hoch das Risiko für ein Wiederauftreten oder Fortschreiten der Herzinsuffizienz bei Müttern ist, die nach einer PPCM erneut schwanger werden.

Zu beiden Themen haben Professorin Hilfiker-Kleiner und Professor Bauersachs nun neue Untersuchungen im Fachmagazin „European Heart Journal“ veröffentlicht. 


Die eine Studie belegt die gute Wirksamkeit der Behandlung mit Bromocriptin als Ergänzung der üblichen Therapie der Herzschwäche, ohne dass sich dadurch das Risiko für eine Thrombose erhöht. 

Die zweite zeigt, dass selbst für Frauen mit leichter fortbestehender Herzschwäche eine Folgeschwangerschaft bei engmaschiger kardiologischer Betreuung möglich ist.

Bromocriptin verbessert Herzgesundheit

PPCM betrifft eine unter 1.500 bis 2.000 Schwangeren. 

Die lebensbedrohliche Erkrankung des Herzens ereilt Betroffene ohne Vorwarnung und kann binnen kurzer Zeit zu schwerem Herzversagen und sogar zum Tode führen. 


Die Symptome ähneln Beschwerden, die gegen Ende einer Schwangerschaft und kurz nach einer Entbindung häufiger vorkommen: 


Abgeschlagenheit, Atemnot, Husten, Gewichtszunahme, besonders durch Wassereinlagerungen in Lunge und Beinen, sowie Herzrasen. 


PPCM wird daher oft nicht erkannt und tritt vermutlich häufiger auf als angenommen. 


Mit Hilfe eines Herz-Ultraschalls und bestimmter Markerproteine im Blut lässt sich die Herzschwäche jedoch eindeutig nachweisen. 


Rechtzeitig behandelt, erholt sich das Herz oft vollständig, es kann jedoch auch eine Herzschwäche zurückbleiben.

„Bromocriptin ist zusätzlich zur Therapie mit üblicherweise bei Herzschwäche eingesetzten Medikamenten eine vielversprechende Behandlungsoption bei PPCM“, sagt Professorin Hilfiker-Kleiner. 


„In einem großen weltweiten PPCM Register mit 552 PPCM-Patientinnen haben wir die Wirksamkeit bestätigt und gezeigt, dass Bromocriptin die Herzgesundheit der Mütter eindeutig verbessert.“ 


Fallberichte über ein höheres Risiko für Gefäßverstopfungen unter einer Behandlung mit dem Abstillmedikament bestätigten sich hingegen nicht. 


„Diese Daten bekräftigen nicht nur die Wirksamkeit, sondern auch die Sicherheit unseres Therapieansatzes“, erklärt die PPCM-Expertin.

Risiko für Folgeschwangerschaft niedriger als erwartet

In der zweiten Studie ging es um die Frage, ob Frauen mit PPCM von einer erneuten Schwangerschaft generell abzuraten ist. Teilnehmende waren Patientinnen des globalen PPCM-Registers der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie. „Wir haben in früheren Untersuchungen gezeigt, dass Patientinnen, die mit einer noch stark reduzierten Herzfunktion wieder schwanger werden, ein höheres Risiko für eine Verschlechterung der Pumpfunktion des Herzens bei einer Folgeschwangerschaft haben“, sagt Professor Bauersachs. „In der aktuellen Studie haben wir jedoch festgestellt, dass das Risiko der Mütter, schwer zu erkranken oder gar zu versterben, niedriger war als erwartet.“ Selbst bei Frauen, die nach der Geburt weiterhin an einer leichten Herzschwäche litten, verschlechterte sich der Zustand des Herzens nicht nach erneuter Schwangerschaft.

„Die Daten unserer neuesten Studie deuten darauf hin, dass nicht nur bei erholter, sondern auch bei leicht eingeschränkter Herzfunktion eine Folgeschwangerschaft bei PPCM-Patientinnen mit einem vertretbaren Risiko möglich zu sein scheint“, sagt Professor Bauersachs. Diese Lockerung könne allerdings nur in Betracht gezogen werden, wenn die Patientin weiterhin von einem erfahrenen, interdisziplinären medizinischen Team betreut werde und eine angemessene medikamentöse Behandlung erhalte. „In unserer Spezialambulanz ist das der Fall, dort betreuen wir solche Frauen seit Jahren erfolgreich“, betont Professor Bauersachs.

SERVICE:

Die Originalarbeit zur Bromocriptin-Wirksamkeit “Bromocriptine treatment and outcomes in peripartum cardiomyopathy: the EORP PPCM registry” finden Sie unter: 


https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehae559...

Die Originalarbeit zu den Risiken einer Folgeschwangerschaft nach PPCM „Subsequent pregnancies in women with peripartum cardiomyopathy: prospective longitudinal data from the global ESC EORP PPCM Registry” finden Sie unter: https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehaf006...


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Professorin Denise Hilfiker-Kleiner, 

hilfiker-kleiner@mh-hannover.die


Professor Dr. Johann Bauersachs, 

bauersachs.johann@mh-hannover.de.

Versorgungszentren für Kinder und Jugendliche mit Long Covid und verwandten Erkrankungen

Das Bundesgesundheitsministerium fördert künftig vier Projekte zu langfristigen Folgen von Covid-19 bei Kindern und Jugendlichen mit insgesamt knapp 45 Millionen Euro. Darunter ist auch das mit 41 Millionen Euro geförderte Konsortium PEDNET-LC, das am Klinikum der Technischen Universität München (TUM Universitätsklinikum) koordiniert wird.

Im Rahmen des Projekts werden bundesweit 20 spezialisierte Versorgungszentren für Kinder und Jugendliche mit Long Covid und verwandten Erkrankungen aufgebaut und neue Forschungsinfrastrukturen zu diesem Thema geschaffen

Ziel des Projekts ist es, in allen Bundesländern spezialisierte Einrichtungen aufzubauen – einzig Brandenburg und Berlin teilen sich ein Zentrum. 


In dem Netzwerk soll Wissen zu Häufigkeit, Diagnostik, Behandlung und Prognose der Erkrankung generiert, gebündelt und in die klinische Versorgung überführt werden. 


Der PEDNET-LC-Verbund wird unter anderem Versorgungsrichtlinien entwickeln, Infrastrukturen für Kommunikation und Forschung aufbauen sowie klinische und Evaluationsstudien durchführen.

Die Zentren von PEDNET-LC, kurz für „Pädiatrisches Netzwerk zur Versorgung und Erforschung von postakuten Folgen von Covid-19, ähnlichen postakuten Infektions- und Impfsyndromen sowie ME/CFS“, sind interdisziplinär und multiprofessionell konzipiert. 


Sie sind an renommierten Kliniken angesiedelt und werden jeweils von den Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin gemeinsam mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie geleitet. 

Die Zentren kooperieren mit Vertreterinnen und Vertretern von Betroffenen und ihren Eltern, mit Sozialpädiatrischen Zentren, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten, sozial- und palliativmedizinischen Teams, Krankenkassen, Berufsverbänden, Fachgesellschaften, Politik und öffentlichen Institutionen wie Schulen.

Koordination am TUM Universitätsklinikum

PEDNET-LC wird vom MRI Chronische Fatigue Centrum für Junge Menschen (MCFC) des TUM Universitätsklinikums in Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Lenkungsausschuss koordiniert. „Mit unserem Netzwerk möchten wir eine einheitliche, bedarfsgerechte Versorgung von jungen Menschen mit Long Covid, ME/CFS und ähnlichen Erkrankungen aufbauen. Die Betroffenen sollen möglichst frühzeitig identifiziert, auch schwer Betroffene angemessen versorgt und Bildungsangebote trotz Krankheit zugänglich werden“, sagt Prof. Uta Behrends, Leiterin des MCFC. Das Projekt wird bis Dezember 2028 gefördert.

Weitere Informationen:

• An PEDNET-LC beteiligt sind klinische und wissenschaftliche Partner in Augsburg, Berlin, Bielefeld, Bremen, Bruchweiler, Datteln, Dresden, Essen, Freiburg, Garmisch-Partenkirchen, Greifswald, Hamburg, Hannover, Homburg, Jena, Kassel, Köln, Lübeck, Magdeburg, Mainz, Marburg, München, Neuburg, Passau, Regensburg, Rostock, Wangen, Worms und Würzburg.

• Neben PEDNET-LC werden künftig auch die Projekte „NKG4Family“, „pedMYC-VAC“ und „COVYOUTHdata“ durch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) gefördert. Der neu vom BMG gestartete Förderschwerpunkt mit „Modellmaßnahmen zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Long Covid und Erkrankungen, die eine ähnliche
Ursache oder Krankheitsausprägung aufweisen“ ergänzt den bereits gestarteten Förderschwerpunkt „Erforschung und Stärkung einer bedarfsgerechten Versorgung rund um die Langzeitfolgen von Covid-19 (Long Covid)“. Letzterer umfasst 30 wettbewerblich ausgewählte Projekte zur versorgungsnahen Forschung mit einem Gesamtvolumen von 73 Millionen Euro, dessen Projektleitende am 10. Februar 2025 erstmalig zusammenkamen.

• Prof. Uta Behrends ist Mitglied der TUM School of Medicine and Health. Das MCFC ist in der Kinderpoliklinik der TUM angesiedelt. Standort ist die Kinderklinik Schwabing, eine Kooperation von TUM, TUM Universitätsklinikum und Klinikum München. 

https://www.mri.tum.de/chronische-fatigue-centrum-fuer-junge-menschen-mcfc

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Prof Dr. Uta Behrends
Technische Universität München
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
uta.behrends@tum.de
https://www.mri.tum.de/chronische-fatigue-centrum-fuer-junge-menschen-mcfc

Kontakt im TUM 

Paul Hellmich

Tel. +49 89 289 22731

www.tum.de


Prof Dr. Uta Behrends
Technische Universität München
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
uta.behrends@tum.de
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Eine Stuhlprobe und die Niere

Studie untersucht das Darmmikrobiom von Empfänger:innen einer transplantierten Niere aus der DZIF-Transplantationskohorte und stellt einen Zusammenhang zwischen mikrobiellen Veränderungen des Darmmikrobioms und der Abstoßung des Transplantats und der Transplantatdysfunktion her. Die Ergebnisse bieten einen möglichen Ansatzpunkt dafür, das Risiko einer Abstoßung frühzeitig zu erkennen.

Nieren sind das meisttransplantierte Organ in Deutschland. 2023 wurden laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation insgesamt 1.514 Nieren nach postmortaler Organspende transplantiert, bei insgesamt 2.986 transplantierten Organen. Für Patient:innen mit fortgeschrittenem Nierenversagen ist eine Nierentransplantation weiterhin die beste Behandlungsoption. Entsprechend groß ist der Bedarf: 2023 standen 6.513 Patient:innen auf der Warteliste für eine Nierentransplantation. Ein schwerwiegendes Risiko für bereits transplantierte Patient:innen besteht in einer Abstoßung des Transplantats. Darunter versteht man eine Abwehrreaktion des Körpers gegen das fremde Gewebe, was im Ernstfall zu einem kompletten Verlust der Organfunktion führen kann. Warum Transplantate manchmal abgestoßen werden und manchmal nicht, hängt weitgehend von Immunmechanismen ab, deren Ursachen komplex und oftmals unzureichend verstanden sind. Um zu dieser Frage einen Beitrag zu leisten, haben Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Max Delbrück Center für Molekulare Medizin, sowie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) die Veränderungen in der Zusammensetzung und Funktion des Darmmikrobioms von Nierentransplantierten analysiert, die in die DZIF-Transplantationskohorte aufgenommen wurden. Dabei entdeckten sie eine veränderte Signatur im Darmmikrobiom, die Abstoßungsreaktionen des Transplantats vorausgingen. Diese Studie, veröffentlicht im American Journal of Transplantation, bietet einen möglichen Ansatzpunkt dafür, das Risiko einer Abstoßung frühzeitig zu erkennen.

Unser Darm beherbergt unzählige Mikroorganismen, die eine wichtige Rolle dabei spielen, wie unser Immunsystem funktioniert. Das ist das sogenannte Mikrobiom. Ein Großteil davon, nämlich über 90 %, sind Bakterien. Diese Bakterien und die Substanzen, die sie herstellen, kommunizieren mit unserem Körper – insbesondere mit den Zellen, die uns vor Krankheiten schützen. Sie helfen also dabei, unser Immunsystem zu steuern und zu stärken, was sowohl für gesunde als auch für kranke Menschen wichtig ist. Bei Patient:innen mit chronischer Nierenerkrankung ist die Zusammensetzung des Darmmikrobioms stark verändert, was zu einer niedrigeren Konzentration an entzündungshemmenden kurzkettigen Fettsäuren (SCFA) und erhöhten Konzentrationen an entzündungsfördernden Metaboliten aus dem Mikrobiom führt.

Die Forschenden um die Erstautoren Johannes Holle und Rosa Reitmeir aus der Arbeitsgruppe von Nicola Wilck vom Experimental and Clinical Research Center, einer gemeinsamen Institution der Charité und des Max Delbrück Center in Berlin, haben in ihrer Studie die Veränderungen in der Zusammensetzung und der Funktion des Darmmikrobioms von Patient:innen nach Nierentransplantation analysiert und Veränderungen im Darmmikrobiom festgestellt, die bereits vor der Abstoßungsreaktion des Transplantats nachweisbar waren. Alle in dieser Studie analysierten Patient:innen waren Teil der prospektiven Kohortenstudie des DZIF, die an fünf deutschen Transplantationszentren in Universitätskliniken in Heidelberg, Hannover, Tübingen und in München an der Technischen Universität und der Ludwig-Maximilians-Universität durchgeführt wurde. Diese Zentren decken zusammen über 20 % der Organtransplantationen in Deutschland ab und liefern ein repräsentatives Bild des Verlaufs nach der Nierentransplantation.

Die Analyse der insgesamt 562 Stuhlproben, gruppiert nach gesunden Nierenspender:innen, Patient:innen vor der Nierentransplantation, 0-3 Monate nach der Nierentransplantation, 3-12 Monate, 12-24 Monate und über 24 Monate nach Nierentransplantation, zeigt eine dynamische Regeneration des Mikrobioms im Laufe der Zeit nach der Nierentransplantation, wobei sich das Mikrobiom wieder dem natürlichen und gesunden Zustand annähert.

„Da wir diese dynamische Veränderung beobachtet haben, wollten wir verstehen, ob und wie Transplantatabstoßungen diesen Prozess beeinflussen“, erklärt Johannes Holle. „Und auch umgekehrt, wie sich Mikrobiomveränderungen auf die Immunität und Abstoßung von Transplantaten auswirken können“, ergänzt Rosa Reitmeir. Die Forschenden stellten fest, dass Patient:innen, bei denen es zu einer Transplantatabstoßung gekommen ist, bereits vor der klinisch auffälligen und bioptisch nachgewiesen Abstoßungsreaktion eine veränderte Zusammensetzung des Darmmikrobioms aufwiesen.

So war auffällig, dass bei Patient:innen, die eine Abstoßungsreaktion zeigten, Bakterien wieder zunahmen, die typischerweise bei Patient:innen mit fortgeschrittenem Nierenversagen vorkommen, wie Fusobacterium und krankheitsassoziierten Gattungen wie Streptococcus. Bei der anderen untersuchten Gruppe, der „Nicht-Abstoßungs-Gruppe“, war das nicht der Fall. Insgesamt zeigten die Analysen, dass sich das Produktionspotenzial kurzkettiger Fettsäuren im Stuhl vor der Abstoßung der Niere reduziert. Darauf weist die verminderte Häufigkeit von bakteriellen Enzymen, aus denen kurzkettige Fettsäuren hervorgehen, vor der Abstoßung hin.

Die zuvor festgestellte dynamische Regeneration des Mikrobioms nach einer Nierentransplantation ist im Falle einer Transplantatabstoßung womöglich erheblich gestört: Vor der Abstoßung treten tiefgreifende Veränderungen in der Zusammensetzung des Mikrobioms auf, die durch eine verminderte Diversität und eine geringe Anzahl von SCFA-produzierenden Bakterienpopulationen gekennzeichnet sind. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Mikrobiom eine wichtige Rolle dabei spielt, wie das Immunsystem nach einer Nierentransplantation reagiert. Diese Beobachtung kann dabei helfen, die Gefahr einer Transplantatabstoßung frühzeitig zu erkennen oder vielleicht therapeutisch zu beeinflussen“, fassen Johannes Holle und Rosa Reitmeir zusammen.

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Dr. Daniela Schindler
DZIF-Transplantationskohorte
daniela.schindler@tum.de
https://www.dzif.de/de/arbeitsgruppe/transplantationskohorte

Originalpublikation:
Holle J, Reitmeir R, Behrens F, Singh D, Schindler D, Potapenko O, McParland V, Anandakumar H, Kanzelmeyer N, Sommerer C, Hartleif S, Andrassy J, Heemann U, Neuenhahn M, Forslund-Startceva SK, Gerhard M, Oh J, Wilck N, Löber U, Bartolomaeus H. Gut microbiome alterations precede graft rejection in kidney transplantation patients. Am J Transplant. 2025 Feb 18:S1600-6135(25)00093-0. doi: 10.1016/j.ajt.2025.02.010. Epub ahead of print. PMID: 39978595. https://doi.org/10.1016/j.ajt.2025.02.010

Chemotherapie

Wenn die erste Therapielinie beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) versagt und die Erkrankung erneut auftritt, ist bei Spätrezidiven (mehr als 12 Monate nach Erstlinientherapie) eine Hochdosis-Chemotherapie mit einer autologen Stammzelltransplantation das Mittel der Wahl. 

Demgegenüber können Patientinnen und Patienten mit einem Frührezidiv (weniger als 12 Monate nach Erstlinientherapie) eher von einer CAR-T-Zell-Therapie profitieren.

Direkt zum Podcast: https://lymphome.de/podcast


In dem aktuell vom Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. veröffentlichen Podcast diskutieren Peter Borchmann und Björn Chapuy über den Stellenwert der Hochdosis-Chemotherapie. Zentrale Fragen sind, ob und welche Alternativen es zur Hochdosistherapie gibt bzw. mit welchen Substanzen sich die Erstlinientherapie so verbessern lässt, damit Patient:innen mit einem grundsätzlich Chemotherapie-sensitiven DLBCL möglichst gleich mit der ersten Therapielinie eine tiefe Remission erreichen und spätere Rezidive möglichst erst gar nicht auftreten.

Björn Chapuy ist Professor für Translationale Lymphomforschung, Oberarzt und Leiter des Schwerpunkts Lymphome an der Berliner Charité am Campus Benjamin Franklin sowie Sprecher der AG DLBCL in der German Lymphoma Alliance (GLA). Seine international sehr sichtbare Forschung hat maßgeblich dazu beigetragen die genomische Landschaft des DLBCL zu entschlüsseln. Des weiteren leitet Björn Chapuy mit der R-Pola-Glo-Studie die bestrekrutierende Studie beim DLBCL in Deutschland. Peter Borchmann ist seit 2006 Oberarzt der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln und leitet dort den klinischen Schwerpunkt „maligne Lymphome“. Für das Kompetenznetz Maligne Lymphome spricht Peter Borchmann in loser Folge mit Expertinnen und Experten über verschiedene Fragestellungen der Lymphom- und Leukämieforschung.

Die Podcast-Reihe wird aus Spenden an das Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. finanziert.

Podcasts unter: https://lymphome.de/podcast

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Silke Hellmich
Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.
Tel.: 0221 - 478 96005
Fax: 0221 - 478 96001
E-Mail: silke.hellmich@lymphome.de

Prof. Dr. med. Peter Borchmann, Uniklinik Köln
Prof. Dr. med. Björn Chapuy, Charité Universitätsmedizin

NeuroDance Programm" auf die Motorik von Parkinson-Patienten

Betroffene als Probanden für Pilotphase gesucht

In einem europaweiten Forschungsprojekt entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ein evidenzbasiertes Interventionsprogramm unter Verwendung von Musik und von Mitteln und Methoden des Tanzes und der Gymnastik. 

Sie wollen untersuchen, welche Effekte das "NeuroDance Programm" auf die Motorik von Parkinson-Patienten und Patientinnen hat, ob sich motorische Fähigkeiten verbessern und ob sich dadurch die Lebensqualität der Betroffenen erhöht.

Gemeinsam mit Forschungsteams aus Tschechien, Slowenien und Griechenland wollen die Magdeburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausfinden, wie ein individuell angepasstes körperliches und musikorientiertes Training auf typische Symptome wie Bewegungssteifigkeit, Gangunsicherheit oder das sogenannte „Freezing“ – das plötzliche Erstarren beim Gehen – wirkt. „Tanzen erfordert die zeitliche und räumliche Koordination von Arm-, Rumpf- und Beinbewegungen zu musikalischen Impulsen und trainiert Gehirn und Körper", erklärt die Leiterin der Studie, Prof. Dr. Anita Hökelmann vom Lehrstuhl Sport und Technik der Uni Magdeburg. „Gerade bei Parkinson kann die Kombination aus rhythmisch akzentuierter Musik und gezielter Bewegung helfen, verloren gegangene Bewegungsmuster und Abläufe zurückzugewinnen. Das kann das Vertrauen in die eigene Bewegungsfähigkeit stärken – Freude an der Bewegung wecken und schafft die Motivation, in einer Gruppe regelmäßig zu trainieren.“

Die Studie ist Teil des EU-geförderten Forschungsverbundes für "Innovative Intervention für Parkinson Betroffene". Ziel des Projektes ist es, die Wirksamkeit von musikbasierten Bewegungsinterventionen als ergänzende Therapieform langfristig zu belegen und weiterzuentwickeln.

Für die erste Phase der Projektphase sucht das Forschungsteam aus Magdeburg Betroffene, die Freude an Musik und Bewegung haben. Tanzerfahrung ist nicht notwendig. Zusätzlich zum Training werden psychologische sowie sport- und bewegungswissenschaftliche Tests durchgeführt. Sie messen die Entwicklung motorischer und kognitiver Fähigkeiten sowie die Lebensqualität der Teilnehmenden.

Das Training beginnt, nach einem Eignungstest, Mitte Mai und findet zweimal wöchentlich statt – jeweils mittwochs und freitags von 9:00 bis 10:00 Uhr oder 10:00 bis 11:00 Uhr in der Sporthalle 2 der Universität (Zschokkestraße 32, Gebäude 40). Ein wissenschaftliches Team begleitet die Teilnehmenden individuell. Auch wer zu diesen Zeiten verhindert ist, kann an den Eingangstests teilnehmen und sich für das Anschlussprogramm im Februar 2026 vormerken lassen. Die Teilnahme an Tests und Training ist kostenfrei.

Eine Anmeldung ist per E-Mail kathrin.rehfeld@ovgu.de oder telefonisch unter 67 56 980 möglich.

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Prof. Anita Hökelmann
Bereich für Sportwissenschaft
0391 67-54727
anita.hoekelmann@ovgu.de

Auch „High Protein“-Produkte verleiten zum Überessen

Kieler Studie zeigt: Auch „High Protein“-Produkte verleiten zum Überessen

Müsliriegel für den Muskelaufbau, Fitnesspizza oder Proteinpudding: Immer mehr Lebensmittel im Supermarkt werben mit dem Zusatz „High Protein“ und vermitteln den Eindruck, gesünder zu sein oder beim Abnehmen zu helfen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Ein Forschungsteam der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat nun untersucht, ob proteinangereicherte Fertigprodukte einen Unterschied machen und kommt zu einem klaren Ergebnis: Auch diese Produkte führen zu Überessen, wenngleich in etwas abgeschwächter Form. „Hochverarbeitete Lebensmittel haben Eigenschaften, die auch bei Anreicherung mit zusätzlichem Eiweiß weiterhin eine zu hohe Energieaufnahme fördern – und damit das Risiko für Übergewicht steigern“, betont Professorin Anja Bosy-Westphal vom Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde.

Für die Studie wurden 21 junge Erwachsene in sogenannten Stoffwechselräumen untersucht. Dort konnten die Forschenden die aufgenommene und verbrauchte Energie präzise messen. Die Teilnehmenden erhielten nacheinander zwei Diäten mit hochverarbeiteten Lebensmitteln: einmal in normaler, einmal in proteinreicher Variante. Essen konnten sie so viel sie wollten. Bei der proteinreichen Variante lag die tägliche Kalorienaufnahme zwar rund 200 Kilokalorien niedriger und der Energieverbrauch war rund 130 Kilokalorien höher. „Dennoch blieb ein deutlicher Überschuss – es wurden rund 18 Prozent mehr Kalorien gegessen, als der Körper verbrauchte. Bei der normalen Variante waren es sogar 32 Prozent“, berichtet Dr. Franziska Hägele.

Zu viel, zu schnell, zu kalorienreich

Hochverarbeitete Lebensmittel wie Fertiggerichte, Snacks, aromatisierte Joghurts oder proteinreiche Riegel zeichnen sich durch eine Reihe typischer Eigenschaften aus: Sie enthalten viele Kalorien pro Gramm, sind besonders schmackhaft und lassen sich oft schnell und ohne viel zu Kauen essen. „Diese Kombination macht es schwer, rechtzeitig mit dem Essen aufzuhören“, erklärt Anja Bosy-Westphal.

Warum helfen dann proteinreiche Varianten zumindest ein bisschen? Zum einen benötigt der Körper mehr Energie, um Eiweiß zu verdauen – ein Teil der Kalorien verpufft also gleich wieder. Zum anderen beeinflusst Eiweiß das körpereigene Hungergefühl: Das Hungerhormon Ghrelin sinkt, während Sättigungshormone wie Peptid YY steigen. „Außerdem haben wir beobachtet, dass eiweißreiche Produkte langsamer gegessen werden, etwa weil sie eine andere Konsistenz haben“, erläutert Bosy-Westphal. „Das gibt dem Körper mehr Zeit, Sättigungssignale zu senden.“ Doch entscheidend bleibt: Nicht das Eiweiß ist das Problem, sondern die Art des Lebensmittels. „Auch ein angereicherter Pudding lässt sich schnell essen und schmeckt genauso gut wie ein normaler. Also isst man auch davon mehr als man braucht“, fasst Franziska Hägele zusammen.

Für die meisten unnötig, für wenige hilfreich

Etwa die Hälfte der täglichen Kalorienaufnahme in Deutschland stammt aus hochverarbeiteten Lebensmitteln. Eiweißzusätze – meist aus kostengünstigem Milcheiweiß – machen diese Produkte nicht automatisch gesünder. Für die breite Bevölkerung ist die zusätzliche Eiweißzufuhr auch überflüssig. „Die meisten Menschen in Deutschland essen mehr als genug Protein“, sagt Anja Bosy-Westphal. Eine Ausnahme sieht sie bei älteren Menschen mit chronischen Erkrankungen, bei Appetitmangel, Untergewicht oder Schluckstörungen. Dann können proteinreiche, leicht essbare Produkte eine sinnvolle Zwischenlösung sein.

Wer sich jedoch ausgewogen ernähren und sein Gewicht im Griff behalten möchte, braucht keine speziell angereicherten Produkte. Hülsenfrüchte, Quark, Fisch oder Joghurt liefern genauso viel Eiweiß. Entscheidend ist oft auch die Textur: Was gekaut werden muss, macht meist schneller satt. „Die Menschen sollten sich nicht von Etiketten wie ‚High Protein‘ täuschen lassen“, rät die Ernährungswissenschaftlerin. „Denn auch eine proteinangereicherte Fertigpizza bleibt am Ende eben doch eine Kalorienbombe.“

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Professorin Dr. Dr. Anja Bosy-Westphal
Dr. Franziska Hägele
Abteilung für Humanernährung
Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Tel.: +49-431-880 5674
E-Mail: abosyw@nutrition.uni-kiel.de
E-Mail: fhaegele@nutrition.uni-kiel.de

Originalpublikation:
Franziska A. Hägele, Catrin Herpich, Jana Koop, Jonas Grübbel, Rebecca Dörner, Svenja Fedde, Oliver Götze, Yves Boirie, Manfred J. Müller, Kristina Norman & Anja Bosy-Westphal (2025): Short-term effects of high-protein, lower-carbohydrate ultra-processed foods on human energy balance, Nature Metabolism, https://doi.org/10.1038/s42255-025-01247-4

Risikogruppen für kardiometabolische Komplikationen,

Eine aktuelle Studie belegt, dass sich bei Personen ohne Diabetes sechs Risikogruppen für kardiometabolische Komplikationen, die zuvor bei mittleren Altersgruppen identifiziert wurden, auch bei älteren Menschen nachweisen lassen. 

Die Forschenden des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) zeigten in Kooperation mit Helmholtz Munich zudem, dass es eine besondere Risikogruppe gibt, die sich durch die Kombination von hoher inflammatorischer Last, einem Maß für unterschwellige Entzündungsprozesse, und hohem Risiko für Typ-2-Diabetes und Folgeerkrankungen auszeichnet.

Im Rahmen der prospektiven Bevölkerungsstudie KORA F4/FF4 (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg) wurden 843 Personen im Alter von 61 bis 82 Jahren ohne Typ-2-Diabetes sechs Risikogruppen, sogenannten Clustern, zugeordnet. Die Cluster wurden initial von Prof. Dr. Robert Wagner, Leiter des Klinischen Studienzentrums des Instituts für Klinische Diabetologie und stellvertretender Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD), und Mitarbeitenden beschrieben und unterscheiden sich hinsichtlich des Risikos für die Entstehung von Typ-2-Diabetes sowie für (prä-)diabetesbedingte Folgeerkrankungen wie chronische Nierenerkrankungen, Nervenschäden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Risiko für Typ-2-Diabetes und Folgeerkrankungen variiert je nach Cluster
Cluster 2 („sehr niedriges Risiko“) wies das geringste Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die niedrigsten Entzündungswerte auf, während Cluster 5 („hohes Risiko mit insulinresistenter Fettleber“) sowohl die höchsten Entzündungswerte als auch eine hohe Krankheitslast zeigte. Die Häufigkeit der Neuerkrankungen (Inzidenz) für Typ-2-Diabetes war in den Clustern 3, 4, 5 und 6 signifikant erhöht im Vergleich zu Cluster 2.
Basierend auf 73 Entzündungsmarkern wurde ein Entzündungsindex, die sogenannte inflammatorische Last, abgeleitet. Diese Last war insbesondere in Cluster 5 deutlich erhöht, was auf umfassende Entzündungsprozesse als möglichen Treiber von Stoffwechselentgleisungen hindeutet.

„Die Ergebnisse verdeutlichen die Bedeutung einer frühzeitigen Differenzierung von Risikogruppen – auch im höheren Alter.“, betont Prof. Dr. Christian Herder, stellvertretender Direktor und Leiter der Arbeitsgruppe Inflammation des Instituts für Klinische Diabetologie am DDZ. Prof. Dr. Michael Roden, Wissenschaftlicher Geschäftsführer und Sprecher des Vorstands des DDZ und Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am UKD, erläutert: „Diese Studie unterstreicht die individuellen Unterschiede im Risiko für Diabetes und diabetesbezogene Krankheiten und weist so den Weg zu einer präziseren Früherkennung und Vorsorge auch im höheren Alter.“

Originalpublikation:
Huemer MT, Spagnuolo MC, Maalmi H, Wagner R, Bönhof GJ, Heier M, Koenig W, Rathmann W, Prystupa K, Nano J, Ziegler D, Peters A, Roden M, Thorand B, Herder C. 2025. Phenotype-based clusters, inflammation and cardiometabolic complications in older people before the diagnosis of type 2 diabetes: KORA F4/FF4 cohort study. Cardiovasc Diabetol. 24(1):83.
https://doi.org/10.1186/s12933-025-02617-8

Bariatrischen Operation; Prädiabetes-Klassifizierung für Personen mit schwerer Adipositas

Menschen mit Risikofaktoren für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes haben ein unterschiedlich hohes Risiko, Typ-2-Diabetes und Folgeerkrankungen zu entwickeln. 

DZD-Forschende sich gemeinsam mit Team aus Lille und Ron die verschiedenen Untergruppen nun genauer angeschaut. 

Die Ergebnisse zeigen, dass die neuartige Klassifikation der Diabetesrisiko-Subtypen helfen kann, Personen zu identifizieren, die besonders stark von einer bariatrischen Operation profitieren. 

Dies kann ein wichtiger Schritt zur Präzisionsmedizin sein.

Weltweit haben mehr als 2,5 Milliarden Erwachsene Übergewicht bzw. Adipositas. Viele entwickeln einen Typ-2-Diabetes (T2D) und weitere Folgeerkrankungen. 

Die bariatrische Operation ist eine wirksame Behandlungsoption, um das Gewicht deutlich zu reduzieren und das Risiko von Folgeerkrankungen zu verringern. Es ist jedoch nach wie vor schwierig, den Nutzen einer bariatrischen Operation für Menschen ohne T2D vorherzusagen. Forscherinnen und Forscher aus Deutschland, Frankreich und Italien untersuchten, ob sich Unterschiede in den metabolischen Verbesserungen bei Menschen aus verschiedenen Diabetesrisiko-Subtypen identifizieren lassen. Sie analysierten zwei Kohorten von Personen, die sich einer bariatrischen Operation unterzogen, und einer Kontrollgruppe.

Einteilung in Diabetesrisiko-Subtypen vor der bariatrischen Operation:::


Zunächst wurden übergewichtige Personen ohne T2D, aber mit einem Risiko für Diabetes (definiert u.a. durch einen erhöhten BMI), den verschiedenen Diabetesrisiko-Subtypen* zugeordnet.

 „Menschen mit Übergewicht, die den Subtypen 3, 5 und 6 angehören, haben das höchste Risiko für die Entwicklung von T2D und/oderFolgeerkrankungen“, erläutert DZD-Forscherin Leontine Sandforth vom Universitätsklinikum Tübingen. 

Sie ist gemeinsam mit Violeta Raverdy von der Universität Lille Erstautorin der Publikation. 


Dem Subtyp 4 gehören Menschen mit Übergewicht/Adipositas mit einem niedrigen Diabetesrisiko an. 

Die Subtypen 1, 2 und 3 haben meist kein oder nur wenig Übergewicht und ein niedrigeres Diabetesrisiko.

Menschen einer Kohorte aus Lille (Frankreich) sowie einer Kohorte aus Rom (Italien) unterzogen sich einer bariatrischen Operation. 

Eine Kontrollkohorte in Tübingen (Deutschland) erhielt eine Lebensstilintervention mit Verhaltensänderung. Um den Erfolg des Eingriffs zu bestimmen, wurden Glukoseregulation, Prädiabetes-Remission (Normalisierung der Glukoseregulation), Leberfett, die Insulinresistenz und Betazellfunktion jeweils vor und nach der Lebensstilanpassung und der Operation untersucht.


Hochrisiko-Subtypen profitieren deutlich von der bariatrischen Chirurgie:::


Die Ergebnisse: Von der bariatrischen Chirurgie profitierten Menschen der Hochrisiko-Subtypen 5 und 6 am stärksten. Die Betazellfunktion sowie die Insulinempfindlichkeit verbesserten sich. 


Zudem normalisierten sich die Blutzuckerwerte (Prädiabetes-Remission) und das Leberfett wurde reduziert. Darüber hinaus ging die Mehrheit der Hochrisikogruppen nach der bariatrischen Operation in Niedrigrisikogruppen über. 


Dies war in der Kontroll-Kohorte mit einer Beratung zur Lebensstiländerung nicht der Fall. Obwohl der relative Gewichtsverlust bei allen Subtypen ähnlich war, hatten Teilnehmende aus dem Niedrigrisiko-Subtyp 4 überraschenderweise eine niedrigere Remissionsrate des Prädiabetes und profitierten somit weniger im Hinblick auf die Verbesserung der Blutzuckerregulation.

Präzisionsmedizinische Ansätze
„Unsere Ergebnisse zeigen die Relevanz der Prädiabetes-Klassifizierung für Personen mit schwerer Adipositas auf. 

Wir konnten unterschiedliche Reaktionen der Subtypen auf die bariatrische OP identifizieren“, fasst Prof. Dr. Reiner Jumpertz von Schwartzenberg, Oberarzt in der Abteilung für Diabetologie, Endokrinologie und Nephrologie am Universitätsklinikum Tübingen und Leiter des Studienzentrums am DZD-Partner Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) von Helmholtz Munich an der Universität Tübingen,die Studie zusammen. „Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, präzisionsmedizinische Ansätze in der bariatrischen Chirurgie voranzutreiben“.

An der Studie beteiligt waren:
• Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrums München an der Universität Tübingen, Deutschland
• Innere Medizin IV, Endokrinologie, Diabetologie und Nephrologie, Universitätsklinikum Tübingen, Deutschland
• Deutsches Zentrum für Diabetesforschung, Tübingen, Deutschland
• Universität Lille, INSERM, CHU Lille, Institut Pasteur de Lille, UMR 1190 Translationale Forschung für Diabetes, Europäisches Genomisches Institut für Diabetes, Lille, Frankreich
• CHU Lille, Integriertes Zentrum für Adipositas, Allgemein- und Endokrine Chirurgie, Lille, Frankreich

Kernbotschaften:
• Die Hochrisiko-Untergruppen 5 und 6 profitierten stärker von der bariatrischen Chirurgie in Bezug auf Insulinresistenz, Beta-Zell-Funktion und Prädiabetes-Remission.
• Diese Studie könnte dazu beitragen, die Präzisionsmedizin bei Menschen mit erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes und Adipositas voranzubringen.

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Prof. Dr. Reiner Jumpertz-von Schwartzenberg

Universitätsklinikum Tübingen
Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen von Helmholtz Munich an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Otfried-Müller-Str. 10
72076 Tübingen
reiner.jumpertz-vs@med.uni-tuebingen.de

Originalpublikation:
Sandforth L, Raverdy V, Sandforth A, Bauvin P, Chatelain E, Verkindt H, Mingrone G, Guidone C, Verrastro O, Zhou K, Archid R, Mihaljevic A, Caiazzo R, Baud G, Marciniak C, Chetboun M, Ganslmeier M, Minelli Faiao V, Heni M, Fritsche L, Moller A, Kantartzis K, Peter A, Lehmann R, Wagner R, Prystupa K, Fritsche A, Stefan N, Preissl H, Birkenfeld AL, Jumpertz von Schwartzenberg R, Pattou F. Subphenotype-Dependent Benefits of Bariatric Surgery for Individuals at Risk for Type 2 Diabetes. Diabetes Care, 2025 Apr 11:dc250160 doi: 10.2337/dc25-0160. PMID: 40214701.

Kinder Diabetes

Ab dem 1. Mai 2025 wird die Studie „Fr1da: Typ-1-Diabetes früh erkennen, früh gut behandeln“ auf Hessen und Rheinland-Pfalz ausgeweitet. 

Kinder- und Jugendarztpraxen in diesen Bundesländern haben dann die Möglichkeit, Familien mit Kindern im Alter von zwei bis zehn Jahren ein kostenloses Screening auf Inselautoantikörper anzubieten. 

Ziel der Erweiterung der Fr1da-Studie ist es, die Früherkennung von Typ-1-Diabetes in ganz Deutschland voranzutreiben, um betroffene Kinder frühzeitig zu identifizieren und eine optimale Betreuung zu gewährleisten.

Fr1da-Studie: Projekt zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes seit 2015
Die Fr1da-Studie wurde 2015 vom Institut für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich ins Leben gerufen und bietet ein bevölkerungsweites Screening zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes an. In den teilnehmenden Bundesländern Bayern, Sachsen, Niedersachsen und Hamburg wurden bereits rund 220.000 Kinder getestet. Bei mehr als 600 Kindern (0,3 Prozent) wurde ein Frühstadium von Typ-1-Diabetes festgestellt. Familien mit betroffenen Kindern werden zum Fr1da-Schulungs- und Vorsorgeprogramm eingeladen. Dadurch profitieren die Kinder von einer frühzeitigen Diagnose bei der klinischen Manifestation des Typ-1-Diabetes, die das Risiko einer schweren Stoffwechselentgleisung erheblich reduziert.

„Mit der Ausweitung der Fr1da-Studie setzen wir einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Früherkennung von Typ-1-Diabetes. Die Möglichkeit, die Krankheit in einem frühen Stadium zu identifizieren, gibt betroffenen Familien die Chance, sich rechtzeitig auf die Diagnose einzustellen und therapeutische Maßnahmen zu ergreifen. Wir hoffen, dass auch der nächste Schritt bald geschafft ist und die Früherkennung von Typ-1-Diabetes bundesweit im Rahmen der Regelversorgung verfügbar wird,“ so Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Leiterin der Studie und Direktorin des Instituts für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich.

Auch Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ), betont die Unterstützung der Studie durch den Berufsverband: „Die Ausweitung der Fr1da-Studie auf Rheinland-Pfalz und Hessen ist ein wichtiger Schritt, um noch mehr Kindern den Zugang zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes zu ermöglichen. Die frühe Diagnose ermöglicht einen behutsamen Einstieg in die Therapie und hilft, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Wir als Berufsverband unterstützen dieses Angebot ausdrücklich und ermutigen Kolleginnen und Kollegen in den neuen Regionen, sich an der Studie zu beteiligen.“

Unterstützung aus der Politik
Bayerns Gesundheits- und Präventionsministerin Judith Gerlach begrüßt den Erfolg der Fr1da-Studie: „Das Bayerische Gesundheitsministerium förderte ‚Fr1da‘ als Pilotprojekt 2015 im Rahmen der Initiative ‚Gesund.Leben.Bayern.‘ – eine hervorragende Investition in die Kindergesundheit. Die Gesundheitskompetenz ist mir ein besonderes Anliegen: Das Wissen über die Erkrankung und ihre Symptome ist für betroffene Kinder und ihre Eltern sehr wichtig. Ich freue mich, dass diese wichtige Forschung ihren Ausgangspunkt in Bayern genommen hat und nun auf noch mehr Bundesländer ausgerollt wird. Ich danke den teilnehmenden Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten für ihre wertvolle Arbeit.“

Typ-1-Diabetes früh erkennen, früh gut behandeln
Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Dadurch kann der Körper kein Insulin mehr produzieren, was einen lebenslangen Insulinbedarf zur Folge hat. Die Antikörperbildung beginnt meist im Kindes- oder Jugendalter und entwickelt sich oft schleichend über Monate oder Jahre, ohne dass Eltern oder Ärzt:innen erste Anzeichen erkennen. In Deutschland erkrankt eines von 250 Kindern an Typ-1-Diabetes. Ohne rechtzeitige Diagnose und Behandlung kann der Typ-1-Diabetes vor allem bei der Erstmanifestation zu schweren Stoffwechselentgleisungen führen. Durch die Früherkennung mittels eines einfachen Bluttests können betroffene Kinder frühzeitig identifiziert und engmaschig überwacht werden.

Dies bietet zahlreiche Vorteile:

Sanfterer Einstieg in die Therapie: Eltern und Kinder haben Zeit, sich auf die Diagnose einzustellen und sich mit der Behandlung vertraut zu machen, bevor akute Symptome auftreten.

Reduziertes Risiko für eine Ketoazidose: Eine der größten Gefahren bei unerkannter Diabetes-Erkrankung ist die diabetische Ketoazidose, eine lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung. In der Kohorte der Fr1da-Studie wiesen zum Zeitpunkt der klinischen Manifestation nur 2,5 Prozent der Fälle eine diabetische Ketoazidose (DKA) auf. Diese Rate liegt deutlich unter der durchschnittlichen DKA-Rate bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes in Deutschland, die seit Jahren über 20 Prozent beträgt und zeitweise sogar über 40 Prozent angestiegen ist.

Teilnahme an Präventionsstudien: Kinder mit einem nachgewiesenen Frühstadium können an Studien teilnehmen, die darauf abzielen, den Ausbruch der Erkrankung hinauszuzögern oder gar zu verhindern. Beispielsweise können sie über die Studienteilnahme Zugang zum immunmodulatorischen Medikament Teplizumab erhalten, das den Krankheitsverlauf um durchschnittlich drei Jahre verzögern kann. Es ist bisher in den USA zugelassen und kann in Deutschland über ein Härtefallprogramm des Paul-Ehrlich-Instituts bereitgestellt werden.

Informationen für Familien und Kinder- und Jugendarztpraxen
Eltern, die ihre Kinder kostenlos testen lassen wollen, können sich jetzt auch neu an teilnehmende Praxen in Hessen und Rheinland-Pfalz wenden. Ärzt:innen, die sich an der Fr1da-Studie beteiligen möchten, erhalten alle relevanten Informationen sowie Unterstützung bei der Durchführung der Tests über die Studienleitung. Weitere Informationen sind auf der Webseite www.typ1diabetes-frueherkennung.de verfügbar. Zudem steht die Fr1da-Hotline unter 0800 464 88 35 sowie per E-Mail unter diabetes.frueherkennung@helmholtz-munich.de für Fragen zur Verfügung.

Über Helmholtz Munich
Helmholtz Munich ist ein biomedizinisches Spitzenforschungszentrum. Seine Mission ist, bahnbrechende Lösungen für eine gesündere Gesellschaft in einer sich schnell verändernden Welt zu entwickeln. Interdisziplinäre Forschungsteams fokussieren sich auf umweltbedingte Krankheiten, insbesondere die Therapie und die Prävention von Diabetes, Adipositas, Allergien und chronischen Lungenerkrankungen. Mittels künstlicher Intelligenz und Bioengineering transferieren die Forschenden ihre Erkenntnisse schneller zu den Patient:innen. Helmholtz Munich zählt rund 2.500 Mitarbeitende und hat seinen Sitz in München/Neuherberg. Es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, mit mehr als 43.000 Mitarbeitenden und 18 Forschungszentren die größte Wissenschaftsorganisation in Deutschland. Mehr über Helmholtz Munich (Helmholtz Zentrum München Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt GmbH): www.helmholtz-munich.de

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT


Prof. Anette-Gabriele Ziegler, E-Mail: diabetes.frueherkennung@helmholtz-munich.de
Weitere Informationen finden Sie unter
Fr1da Ausweitung auf Hessen & Rheinland-Pfalz https://vimeo.com/1078304578
Fr1da Studie Erfahrungsbericht Kinderärztin https://vimeo.com/1078308919

Die Krankenhäuser in Deutschland

Die Krankenhäuser in Deutschland müssen in den kommenden Jahren mit weniger Personal eine deutlich steigende Zahl von hochaltrigen Patientinnen und Patienten versorgen. Auf diese doppelte demografische Herausforderung sind die Kliniken bisher nur unzureichend vorbereitet. Das zeigt der aktuelle Krankenhaus-Report 2025 zum Thema „Versorgung Hochbetagter“.

Ein Schlüssel zur Lösung des Problems und zur Verbesserung der Behandlung Hochaltriger liegt aus Sicht der Autoren in einer besseren ambulanten Versorgung pflegebedürftiger Patientinnen und Patienten: Dadurch könnten nach einer Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) rund 1,4 Millionen Krankenhaus-Aufenthalte pro Jahr vermieden werden. Nach dem Vorbild anderer europäischer Länder sollte zudem die vor- und nachklinische Versorgung hochaltriger Menschen verbessert werden.

Laut Krankenhaus-Report ist der Anteil der Menschen über 80 Jahren an allen Krankenhausfällen in den letzten knapp zwanzig Jahren kontinuierlich gestiegen – von 13 Prozent im Jahr 2005 auf 22 Prozent im Jahr 2023. Bei den Hochaltrigen liegen meist mehrere Erkrankungen gleichzeitig vor. Zudem haben sie beispielsweise infolge von Demenz oder starker Gebrechlichkeit oft einen besonders hohen medizinischen und pflegerischen Bedarf, auf den die Kliniken in vielen Fällen nur unzureichend vorbereitet sind. Bei diesen Patientinnen und Patienten gibt es ein hohes Risiko für Komplikationen, Versorgungslücken oder Brüche in der Versorgung.

Die Besonderheiten der Versorgung Hochaltriger spiegeln sich auch in der ökonomischen Betrachtung dieser Fälle wider: Die Krankenhaus-Verweildauer ist bei den Hochbetagten über 80 Jahren mit durchschnittlich 8,1 Tagen fast doppelt so hoch wie bei den Menschen unter 60. Die durchschnittlichen Krankenhaus-Kosten waren bei den über 80-Jährigen mit 3.351 Euro im Jahr 2023 fast sieben Mal so hoch wie bei den unter 60-Jährigen mit 470 Euro. Mit dem Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter werden die Herausforderungen durch die Versorgung von Hochaltrigen im Krankenhaus in den nächsten Jahren noch wachsen.

Hohe regionale Varianz bei Krankenhaus-Aufenthalten von Hochaltrigen

Gleichzeitig machen die Analysen des Krankenhaus-Reports deutlich, dass sich die Versorgungsmuster bei den hochaltrigen Patientinnen und Patienten in den letzten zehn Jahren kaum verändert haben: Nach wie vor entfällt über die Hälfte der Ausgaben für die Versorgung hochbetagter Menschen auf den Krankenhausbereich. Der regionale Vergleich zeigt große Unterschiede bei der Häufigkeit von Krankenhaus-Aufenthalten der über 80-Jährigen: Während 2023 im Land NRW mit der höchsten Krankenhausdichte im Schnitt 68 Krankenhaus-Aufenthalte Hochbetagter je 100 Einwohner zu verzeichnen waren, waren es in Baden-Württemberg nur 50 Klinikbehandlungen je 100 Einwohner. „Überspitzt könnte man sagen: Wo es besonders viele Krankenhäuser gibt, landen auch besonders viele Hochbetagte in der Klinik“, sagt Dr. David Scheller-Kreinsen, stellvertretender WIdO-Geschäftsführer und Mitherausgeber des Reports.

Der Krankenhaus-Report zeigt verschiedene Ansätze auf, wie die Versorgungsstrukturen verbessert werden können, um eine Überforderung der Kliniken und massive Ausgabensteigerungen in den nächsten Jahren zu verhindern. Dazu gehört aus Sicht der Expertinnen und Experten vor allem die Verhinderung stationärer Behandlungen durch Stärkung der vor- und nachklinischen Versorgung: „Wir müssen dafür sorgen, dass nur die Menschen im Krankenhaus behandelt werden, deren stationäre Behandlung nicht vermieden werden kann“, so Scheller-Kreinsen. Eine Stärkung der ambulanten Versorgung sei für die Betroffenen in der Regel medizinisch sinnvoller, ökonomisch günstiger und könne helfen, die kostbaren Krankenhaus-Ressourcen „sparsam und zukunftsfest“ einzusetzen.

1,4 Millionen pflegesensitive Krankenhausfälle pro Jahr vermeidbar

Laut einer Analyse des WIdO für den Report hätten bei einer besseren ambulanten Versorgung sogenannter „pflegesensitiver Fälle“ in der Arztpraxis, im Pflegeheim oder zuhause allein im Jahr 2022 rund 1,4 Millionen Krankenhausaufenthalte vermieden werden können. Das entspricht etwa 36 Prozent aller Krankenhausfälle von pflegebedürftigen Personen. Am höchsten ist das Potenzial vermeidbarer Krankenhaus-Aufenthalte in Bayern mit 295 Fällen je 1.000 Pflegebedürftige, am niedrigsten in Bremen mit 203 Fällen je 1.000 Pflegebedürftige. Als pflegesensitive Fälle bezeichnen die Experten Krankenhausfälle von Pflegebedürftigen mit Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Diabetes, die idealerweise von einem niedergelassenen Arzt oder im Pflegesetting versorgt werden sollten. Das WIdO setzt für die Analyse auf wissenschaftlichen Konzepten auf, die in der jüngeren Vergangenheit in der Versorgungsforschung entwickelt wurden.

Lernen von europäischen Nachbarn bei prä- und poststationärer Versorgung

Eine strukturell andere Organisation der Versorgung Hochaltriger vor und nach einem Krankenhaus-Aufenthalt forderte auch Professor Dr. Clemens Becker, Leiter der „Unit Digitale Geriatrie“ am Geriatrischen Zentrum des Universitätsklinikums Heidelberg. Deutschland erziele bei deutlich höheren Kosten schlechtere Ergebnisse, beispielsweise bei der Lebenserwartung.

Der Experte plädierte dafür, aus den Erfahrungen im europäischen Ausland zu lernen und das Gesundheitssystem mit Blick auf die demografischen Herausforderungen neu zu fokussieren. „Wir müssen runter mit den Ausgaben für Arzneimittel und die stationäre Versorgung und stattdessen mehr in die Allgemeinmedizin und die Prävention investieren. Das verbessert die Versorgung von Hochaltrigen und ist gleichzeitig günstiger“, sagte Becker. Dänemark und die Niederlande hätten bereits entsprechende Weichenstellungen vorgenommen und seien damit deutlich besser auf den demografischen Wandel eingestellt, so der Experte. 

Auch könne man von Projekten wie „Hospital@Home“ in der Schweiz lernen, mit denen stationäre Aufenthalte reduziert und die häusliche Versorgung gestärkt werden. Dabei spiele auch die Delegation von ärztlichen Leistungen eine wichtige Rolle, die zu einer deutlichen Stärkung der pflegerischen und therapeutischen Berufe beitragen könne. „Wenn eine deutliche Verkürzung der Verweildauern erreicht werden soll, muss im Gegenzug die Postakutversorgung besser organisiert werden“, betonte Becker. Hierzu gehörten ein flächendeckendes Angebot an geriatrischer Rehabilitation und eine besser koordinierte Kurzzeitpflege.

Krankenhaus-Report 2025 beleuchtet viele Aspekte der Versorgung Hochbetagter

Der diesjährige Krankenhaus-Report beleuchtet auf mehr als 500 Seiten verschiedene Aspekte der stationären Versorgung Hochbetagter. Er enthält Daten und Fakten zur aktuellen Versorgung dieser Gruppe und zur Abschätzung des zukünftigen Versorgungsbedarfs – auch im internationalen Vergleich. Zudem thematisiert er verschiedene Stationen im Versorgungspfad von der Notaufnahme über die intensivmedizinische Versorgung bis zur Geriatrie. Spezifische Versorgungsfragen und Managementherausforderungen, die mit der Behandlung dieser besonders vulnerablen Patientengruppe verbunden sind, werden im Report vertieft. Dazu gehören die Themen Fragilität, Demenz, postoperatives Delir, Polypharmazie oder der Einsatz digitaler Versorgungselemente sowie das Entlassmanagement. Nicht zuletzt geht es in dem Report um Ansätze zur Vermeidung nicht notwendiger Krankenhaus-Aufenthalte von Hochaltrigen. In der Rubrik „Zur Diskussion“ befasst sich der Report zudem mit dem aktuellen Stand der Krankenhausreform und bietet eine Analyse zum Thema Krankenhaus-Insolvenzen.

Originalpublikation:
Jürgen Klauber, Jürgen Wasem, Andreas Beivers, Carina Mostert, David Scheller-Kreinsen (Hg.): Krankenhaus-Report 2025. Versorgung Hochbetagter. Springer-Verlag 2025.
DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-662-70947-4