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Prof. Anja Hilbdert: Adventszeit 2023 - Weihnachtsfest: Die Binge-Eating-Störung - häufigste Essstörung: Hilfe mit der Neurofeedback als Therapieansatz

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie lässt sich die Kontrolle von Essanfällen verbessern?

  • Die Binge-Eating-Störung ist die häufigste Essstörung in Deutschland. Menschen, die daran leiden, verlieren oft die Kontrolle beim Essen und nehmen große Nahrungsmengen zu sich. 
  • Anja Hilbert, Professorin für Verhaltensmedizin an der Universität Leipzig, untersucht, wie man die Erkrankung heilen kann. 

In einer aktuellen Pilotstudie hat sie mit ihrem Forschungsteam einen positiven Effekt von nahrungsbezogenem Neurofeedback festgestellt. 

Die Ergebnisse sind aktuell in der Fachzeitschrift Psychological Medicine veröffentlicht worden. 

Aufbau des fNIRS-Neurofeedback: Auf dem Monitor sehen die Teilnehmenden Bilder von Nahrungsmitteln, die während eigener Essanfälle gegessen wurden. Aufbau des fNIRS-Neurofeedback: Auf dem Monitor sehen die Teilnehmenden Bilder von Nahrungsmitteln, die während eigener Essanfälle gegessen wurden. Ricarda Schmidt

Bei der Binge-Eating-Störung verlieren Menschen die Kontrolle darüber, was und wie viel sie essen. 

  • Starkes Übergewicht ist oft die Folge dieser psychischen Erkrankung. 
  • „Der Kontrollverlust führt zu psychischem Leid. 
  • Den Betroffenen fällt es schwerer als anderen, ihre Essimpulse zu kontrollieren. 

Die Selbstregulation ist beeinträchtigt“, erklärt Anja Hilbert, Professorin für Verhaltensmedizin an der Universität Leipzig. 

Prof. Dr. Anja Hilbert

 Prof. Dr. Anja Hilbert Stefan Straube / UKL

Die Standardbehandlung für eine Binge-Eating-Störung ist Psychotherapie. 

Die Psychologin Hilbert untersucht, ob man diese Essstörung auch auf anderem Wege heilen kann.

Bei der Binge-Eating-Störung verfolgt das Forschungsteam der Universitätsmedizin Leipzig Neurofeedback als Therapieansatz. 

Dabei messen bildgebende Verfahren, beispielsweise die funktionelle Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS) oder die Elektroenzephalographie (EEG), die Hirnaktivität und machen sie auf einem Monitor für die Patient:innen sichtbar. 

  • Diese versuchen dann, anhand dieses Feedbacks ihre Hirnaktivität in gewünschter Weise zu beeinflussen – in Echtzeit. 
  • Funktionelle Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS) ist ein nicht invasives bildgebendes Verfahren, das erfasst, wenn Änderungen in der Hirnaktivität zu Veränderungen der optischen Eigenschaften von Hirngewebe führen.


In der aktuellen randomisiert-kontrollierten Pilotstudie erhielten 72 Patient:innen über einen Zeitraum von zwei Monaten zwölf einstündige Sitzungen mit fNIRS- oder EEG-Neurofeedback oder sie befanden sich auf einer Warteliste für Neurofeedback. Beim Neurofeedback wurden die Patient:innen angeleitet, ihre Hirnaktivität bei Bildern von individuell problematischen Nahrungsmitteln, wie zum Beispiel Schokolade, zu regulieren

  • Das fNIRS-Neurofeedback zielte etwa darauf ab, die Hirnaktivität in individuell bestimmten Regionen des präfrontalen Kortex beim Anblick dieser Nahrungsmittel zu steigern, um ihnen besser widerstehen zu können.
  • Die Ergebnisse der Pilotstudie zeigen, dass das fNIRS-Neurofeedback die Essanfälle ebenso reduzieren konnte wie das EEG-Neurofeedback, und zwar tendenziell stärker als bei Patienten auf einer Warteliste für Neurofeedback. 

Die Effekte zeigten sich sechs Monate nach Beendigung der Therapie. Dies deutet auf eine verzögerte Wirkung nach dem Hirntraining hin. Auch Heißhunger, Ängste und der Body-Mass-Index der Teilnehmenden waren nach beiden Neurofeedback-Therapien stärker verbessert als bei den Patient:innen auf der Warteliste.

„Die Ergebnisse zeigen erstmals eine gute Durchführbarkeit des fNIRS-Neurofeedback als neuen Therapieansatz für die Binge-Eating-Störung, ähnlich wie beim EEG-Neurofeedback, und geben erste Hinweise auf die Wirksamkeit. 

Zukünftig ist wichtig, die kurz- und langfristigen Effekte sowie Wirkmechanismen in einer größer angelegten Studie zu untersuchen. 

Auch sollte erforscht werden, bei welcher Intensität Neurofeedback seine optimale Wirkung entfaltet“, sagt Prof. Hilbert und ergänzt: 

„Aus klinischer Sicht sprechen die im Vergleich zur Psychotherapie geringer ausfallenden Effekte eher für einen begleitenden als alleinigen Einsatz von nahrungsspezifischem Neurofeedback in der Behandlung der Binge-Eating-Störung, zum Beispiel während kognitiver Verhaltenstherapie. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Labor des Hormon Leptin in Zusammenhang mit dem BMI Verlauf 

  • Weitere Analysen zeigen, dass vor allem Patientinnen und Patienten mit einem geringeren Body-Mass-Index und weniger starken Essstörungssymptomen von Neurofeedback profitieren.“ 
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Prof. Dr. Anja Hilbert
Forschungsbereich Verhaltensmedizin
Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Leipzig
Telefon: +49 341 97 15361
E-Mail: anja.hilbert@medizin.uni-leipzig.de

Medizinische Fakultät Anne Grimm Universität Leipzig

Goethestraße 6
04109 Leipzig
Deutschland
Sachsen

Telefon: 0341 97 15 790
E-Mail-Adresse: anne.grimm@medizin.uni-leipzig.de

Originalpublikation:

Originalpublikation in Psychological Medicine: Near-infrared spectroscopy and electroencephalography neurofeedback for binge-eating disorder: an exploratory randomized trial. DOI: https://doi.org/10.1017/S0033291723002350

Personalisierte Nahrungsergänzungsmittel: INULIN: Von Präbiotika in der Ernährung und der Darmgesundheit

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue Studie legt Grundstein für personalisierte Nahrungsergänzungsmittel

Neue Forschungsergebnisse enthüllen eine überraschende Vielfalt von Darmbakterien, die auf Inulin (Inulin ist ein natürlicher Ballaststoff, den man beispielsweise in Chicorée, Topinambur und Zwiebeln findet. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: Inulin - Stufendiagnostik im Labor 

Wie alle Ballaststoffe bringt Inulin den Darm in Schwung und wirkt gegen Verstopfung) reagieren

Eine bahnbrechende Studie unter der Leitung von David Berry und Alessandra Riva vom Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaften (CeMESS) an der Universität Wien hat das Verständnis von Präbiotika in der Ernährung und der Darmgesundheit erheblich erweitert. 

Die aktuell in Nature Communications veröffentlichte Studie enthüllt die umfassenden und vielfältigen Auswirkungen von Inulin, einem weit verbreiteten Präbiotikum, auf das menschliche Darmmikrobiom. 

Die Wissenschafter*innen sehen in ihrer Methode einen zukunftsweisenden Schritt in Richtung personalisierter Nahrungsergänzungsmittel.

In den vergangenen Jahren haben Präbiotika wie Inulin zunehmend die Aufmerksamkeit der Lebensmittel- und Ergänzungsmittelbranche auf sich gezogen.

  • Präbiotika sind nicht verdauliche Nahrungsbestandteile, die das Wachstum nützlicher Mikroorganismen im Darm fördern. 
  • Inulin, eines der beliebtesten kommerziellen Präbiotika, ist von Natur aus in Lebensmitteln wie Bananen, Weizen, Zwiebeln und Knoblauch reichlich vorhanden. 
  • Wenn wir diese Lebensmittel verzehren, gelangt das Inulin in unseren Dickdarm, wo es von Darmbakterien abgebaut und fermentiert wird.


Studien haben gezeigt, dass Inulin positive Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben könnte, z. B. eine entzündungshemmende Wirkung und krebshemmende Eigenschaften

Die komplexe Natur des menschlichen Darms, in dem etwa 100 Billionen Mikroben leben, stellt jedoch eine Herausforderung bei der Entschlüsselung der genauen Auswirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln wie Inulin dar.

Innovativer Ansatz zur Verfolgung der Auswirkungen von Inulin

In einer aktuellen Studie unter der Leitung von Forscher*innen der Universität Wien wurden fluoreszenzmarkierte Nanopartikel verwendet, um die Interaktion von Inulin mit Darmbakterien zu verfolgen. Diese mit Inulin gepfropften Nanopartikel ergaben bei der Inkubation mit menschlichen Stuhlproben ein überraschendes Ergebnis: Eine breite Palette von Darmbakterien, weit mehr als bisher angenommen, kann an Inulin binden.

"Die meisten präbiotischen Verbindungen werden nur von einigen wenigen Arten von Mikroben selektiv verwertet", erklärt David Berry, der leitende Forscher. "Wir haben jedoch herausgefunden, dass die Fähigkeit, an Inulin zu binden, in unserer Darmmikrobiota weit verbreitet ist". Mit Hilfe einer hochmodernen Technik zur Identifizierung der Zellen, die aktiv Proteine synthetisieren, entdeckte das Team, dass eine vielfältige Gruppe von Bakterien aktiv auf Inulin reagiert, darunter auch einige Arten denen diese Eigenschaft bisher nicht zugeordnet wurde, etwa Mitglieder der Bakterienklasse der Coriobacteriia.

"Inulin-Nahrungsergänzungsmittel sind seit Jahren auf dem Markt, aber präzise wissenschaftliche Belege zur gesundheitsfördernden Wirkung dieser fehlen bislang", sagt Berry. "Bisher dachten wir, dass Inulin hauptsächlich die Bifidobakterien, die so genannten 'guten Bakterien', anregt, aber jetzt wissen wir, dass die Wirkung von Inulin viel komplexer ist. Unsere Studie ist richtungsweisend für die Zukunft der mikrobiombasierten Medizin: Mit unserer Methode können Nahrungsergänzungsmittel künftig personalisiert, präzise konzipiert und wissenschaftlich fundiert werden."

Die Mikrobiota eines jeden Menschen reagiert anders auf Präbiotika

"Interessanterweise haben wir beim Vergleich von Stuhlproben verschiedener Personen erhebliche Unterschiede in den Mikrobengemeinschaften festgestellt, die auf Inulin reagieren", sagt Alessandra Riva, ebenfalls Leiterin der Studie. "Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig die Berücksichtigung individueller Unterschiede bei der Entwicklung von Ernährungsempfehlungen und mikrobiombasierten Maßnahmen ist", erklärt Riva. Die CeMESS-Forschung trägt nicht nur zu einem besseren Verständnis des präbiotischen Stoffwechsels im menschlichen Verdauungstrakt bei, sondern auch zu einem besseren Rahmen für dessen Untersuchung. "Unser Ansatz zur Markierung und Sortierung von Zellen auf der Grundlage ihrer Stoffwechselaktivität ist relativ neu", erklärt Riva. "Wir hoffen, dass unsere Studie als Rahmen für die künftige Forschung und Entwicklung neuer mikrobiombasierter Therapien dienen kann."

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Prof. Dr. David Berry
Centre for Microbiology and Environmental Systems Science (CeMESS)
Universität Wien
1030 Wien, Djerassiplatz 1
T +43-1-4277-91212
david.berry@univie.ac.at
www.univie.ac.at

Theresa Bittermann Universität Wien

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Österreich
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Veronika Schallhart
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E-Mail-Adresse: veronika.schallhart@univie.ac.at 
Originalpublikation:

Riva, A., Rasoulimehrabani, H., Cruz-Rubio, J. M., Schnorr, S. L., von Baeckmann, C., Inan, D., Nikolov, G., Herbold, C. W., Hausmann, B., Pjevac, P., Schintlmeister, A., Spittler, A., Palatinszky, M., Kadunic, A., Hieger, N., Del Favero, G., von Bergen, M., Jehmlich, N., Watzka, M., Lee, K. S., Wiesenbauer, J., Khadem, S., Viernstein, H., Stocker, R., Wagner, M., Kaiser, C., Richter, A., Kleitz, F., and Berry, D. Identification of inulin-responsive bacteria in the gut microbiota via multi-modal activity-based sorting. Nature Communications 14 (2023).
DOI: 10.1038/s41467-023-43448-z
https://www.nature.com/articles/s41467-023-43448-z

 

Leo Pölzl: Herz-Operation (Aortenklappen, Bypass) + Biomarker Troponin Laborwert: Die Troponin-Werte sensitives kardiales Troponin T, hs-cTnT

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neuer Grenzwert für Infarkt-Marker Troponin verändert Risikoeinschätzung nach Herz-OP

Innsbrucker Herzchirurgie-Team untersuchte Blutwerte von über 8.000 PatientInnen: 

  • Die Prognose nach einer Herz-Operation wird maßgeblich vom Biomarker Troponin bestimmt. 
  • Dieses Protein kann nach einem Herzinfarkt, aber auch nach einer Bypass- oder Aortenklappen-OP im Serum erhöht sein und markiert das Ausmaß geschädigter Herzmuskelzellen. 

Nun belegen die Ergebnisse einer neuen Studie der Medizinischen Universität Innsbruck, dass der Grenzwert für Troponin für die Sterblichkeit bislang zu niedrig definiert war. 

Der neu berechnete Wert liegt deutlich höher. 

Herzoperation an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Herzchirurgie. Herzoperation an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Herzchirurgie. David Bullock MedUniIbk/Bullock

Die Bestimmung und Überprüfung von Grenzwerten (Cut-offs) nimmt für Prognose und Therapieentscheidung eine zentrale Rolle ein – so auch in der Herzmedizin. 

Ausgangspunkt für die kritische Überprüfung der Troponin-Grenzwerte durch ein Team der Innsbrucker Univ.-Klinik für Herzchirurgie (Direktor: Michael Grimm) war nicht zuletzt der Diskurs zwischen ExpertInnen aus Herzchirurgie und Kardiologie über die Bedeutung des Biomarkers Troponin für das 30-Tage- und das 5-Jahres-Überleben.

Der im Blut gemessene Troponin-Wert erlaubt Hinweise auf den Untergang von Herzmuskelzellen, wie er infolge eines Herzinfarkts eintritt.  

Troponin kann aber auch nach einer Bypass-OP oder anderen invasiven Eingriffen am Herzen massiv erhöht sein. 

„Auf der Basis bisher geltender Grenzwerte müsste bei jedem zweiten Patienten nach einer Bypass-Operation ein Herzinfarkt diagnostiziert werden – eine Schlussfolgerung, die entscheidenden Einfluss auf die postoperative Prognose und Behandlung hat“, berichtet Can Gollmann-Tepeköylü.

Erhöhte Sterblichkeit erst bei höherer Troponinausschüttung
 

Um die Relevanz des Troponin-Werts für das mit dem Untergang von Herzmuskelzellen zusammenhängende Sterblichkeitsrisiko realistisch beurteilen zu können, haben die Herzchirurgen Can Gollmann-Tepeköylü, Nikolaos Bonaros, Johannes Holfeld und Leo Pölzl die Troponin-Werte (sensitives kardiales Troponin T, hs-cTnT) von 8.292 PatientIn-nen, die in Innsbruck zwischen 2010 und 2020 einer Bypass-, Aortenklappen- oder einer anderen Herz-OP unterzogen worden waren, retrospektiv analysiert. 

Alle Daten wurden vom Zentrallabor der Klinik Innsbruck zur Verfügung gestellt.
In der im Fachjournal Journal of the American College of Cardiology veröffentlichten Studie kommt das Innsbrucker Team zum Schluss, dass die postoperativ gemessenen Troponin T-Grenzwerte zur Bestimmung des Sterblichkeitsrisikos höher liegen als in den aktuellen Definitionen vorgeschlagen wird. 

 „Der von uns neu berechnete Troponin-Wert für das 5-Jahres Überleben liegt um ein Vielfaches höher als der bislang definierte Ausgangswert. 

Das bedeutet, dass derzeitige Definitionen des postoperativen Herzinfarkts schlichtweg falsch sind“, sagt Erstautor Leo Pölzl. 

Die derzeitigen Definitionen zeigen keinen Zusammenhang mit dem 30-Tage Überleben, die neu berechneten jedoch schon.

Diese Ergebnisse lassen weitreichende Auswirkungen auf die Anpassung der Leitlinien erwarten und werden auch in den Diskurs über die Entscheidungsfindung für die Behandlung koronarer Herzerkrankungen einfließen. 

„In jedem Fall geben die Ergebnisse unserer Analyse nun mehr Sicherheit bei der Bewertung von OP-Ergebnissen“, betont Klinikdirek-tor Michael Grimm.

Das Team der Innsbrucker Herzchirurgie sieht zudem auch die Notwendigkeit individualisierter Troponin-Grenzwerte. 

Ziel ist es, angepasste, auf den Patienten und die Patientin zugeschnittene Cut-offs zu definieren, die sich an Kriterien wie der Herzmuskelmasse oder dem Geschlecht orientieren. 

Bis zu 80 Prozent des Bypass-Kollektivs sind Männer,.
Frauen haben oft andere, diffusere Gewebsveränderungen und auch genuine Nachteile, die es bei Bypass-Operationen zu berücksichtigen gilt. 

Eine Folgestudie nach Genderkriterien ist bereits in Planung.


Originalpublikation:

Association of High-Sensitivity Cardiac Troponin T With 30-Day and 5-Year Mortality After Cardiac Surgery.
https://doi.org/10.1016/j.jacc.2023.07.011

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Doris Heidegger Medizinische Universität Innsbruck

Innrain 52
6020 Innsbruck
Österreich
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Doris Heidegger
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Die Anamnesebogen neu: Therapie: Das „vertiefte Lesen“, auch „Deep Reading“ von Bücher ist Ihre Gesundheit.....!

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: 

Bücherlesen in der zweiten Lebenshälfte 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachlink: Gesundheit zum Lesen 

Das Leseverhalten von Kindern und Jugendlichen steht regelmäßig im Fokus, insbesondere dann, wenn gerade wieder internationale Studien deutschen Schüler*innen mangelnde Lesekompetenzen attestieren. Doch wie viele Bücher werden in der zweiten Lebenshälfte gelesen? 

Und gibt es Zusammenhänge mit Aspekten eines guten Lebens im Alter?

Mit Daten des Deutschen Alterssurveys wurde untersucht, wie viele Bücher die 46- bis 85-Jährigen in den vorangegangenen zwölf Monaten gelesen haben. 

Es zeigte sich, dass mehr als zwei Fünftel (41,7 Prozent) 6 Bücher und mehr gelesen hatte. 

Auch konnte festgestellt werden, dass die durchschnittlich gelesene Zahl der Bücher in den letzten 20 Jahren nicht abgenommen hat. Von einer Krise des Lesens kann in dieser Altersgruppe also keine Rede sein.

  • Zudem zeigte sich, dass Menschen, die vergleichsweise viele Bücher gelesen haben, eher von häufigen positiven Emotionen berichteten und ihre Gesundheit besser einschätzten als Menschen, die gar nicht lasen. 
  • So gaben fast 86 Prozent der „Viel-Leser*innen“ an, häufige positive Gefühle zu erleben und über 63 Prozent in dieser Gruppe schätzten ihre Gesundheit gut oder sehr gut ein.

Diese Ergebnisse sind mit Vorsicht zu betrachten, da die Wirkrichtung hier nicht abgebildet werden konnte, das heißt, dass nicht zwingend das Bücherlesen Emotionen und Gesundheitsempfinden positiv beeinflusst, sondern es auch sein könnte, dass Menschen, die sich wohl und gesund fühlen, mehr lesen.

  • Studien aus anderen Ländern legen jedoch nahe, dass das Lesen von Büchern sich sehr wohl positiv auf verschiedene Aspekte eines guten Alterns auswirken kann. 
  • Dabei spielt scheinbar das „vertiefte Lesen“, auch „Deep Reading“ genannt, eine entscheidende Rolle, bei dem sich die/der Leser*in empathisch und emotional auf das Gelesene einlässt – im Gegensatz zu dem oft flüchtigen Lesen in digitalen Medien.

CAVE: 

Wenn sich der Befund erhärtet, dass das Lesen von Büchern für die Lebensqualität in der zweiten Lebenshälfte förderlich ist, sollte es Interventionen geben, um Lesen auch in dieser Lebensphase besser zu fördern und zu ermöglichen: 

Durch Aufrechterhaltung bzw. Förderung von Bibliotheksangeboten sowie von Bücherbussen und Onlineangeboten, oder durch Lesepatenschaften, bei denen ältere Menschen Kinder und Jugendliche beim Lesenlernen unterstützen und durch ihr Engagement selbst sozial eingebunden werden.

Die detaillierten Ergebnisse sind nachzulesen in: Hartmann, S., Klasen, L., Keller, N., & Huxhold, O. (2023). Bücher lesen in der zweiten Lebenshälfte: Welche Zusammenhänge gibt es mit Aspekten von Lebensqualität und Gesundheit? [DZA Aktuell 04/2023]. Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen.

Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) ist eine repräsentative Quer- und Längsschnittbefragung von Personen in der zweiten Lebenshälfte. 

Im Rahmen der Studie werden seit mehr als zwei Jahrzehnten Menschen auf ihrem Weg ins höhere und hohe Alter regelmäßig befragt. 

Der Deutsche Alterssurvey wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

 https://www.dza.de/fileadmin/dza/Bilder/Pressebilder/PM_Abb_DZAAktuell_04_2023_Lesen.JPG

 

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Stefan Sauerland: Gallenkolik und Gallenblasenentfernung: Bitte Anspruch auf Zweitmeinungsverfahren nutzen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Sollte bei Problemen mit Gallensteinen rasch eine Gallenblasen-OP geplant werden? 

Nicht zu voreilig!

https://www.asv-servicestelle.de/ 

Laut einer aktuellen Studie, die von IQWiG-Experte Stefan Sauerland kommentiert wurde, kann Abwarten bei symptomatischer Gallensteinerkrankung eine sinnvolle Option sein.

  • Wenn Gallensteine Beschwerden machen und beispielsweise eine Kolik verursachen, so ist dies die klassische Indikation zum Entfernen der Gallenblase. 
  • Denn dadurch lassen sich nicht nur die akuten Beschwerden lindern, sondern auch Komplikationsrisiken vermindern. 
  • Bei Gallensteinen fürchtet man vor allem, dass diese in die Gallenwege rutschen und dort Blockaden und schwere Entzündungen verursachen. 
  • CAVE: Dadurch könnten auch Leber und Bauchspeicheldrüse geschädigt werden.


OP-Indikation oft nicht eindeutig


Weil das Gallensteinleiden in Deutschland sehr häufig ist, zählt die Gallenblasenentfernung zu den häufigsten Operationen: 

Pro Jahr wird bei etwa 175 000 Frauen und Männern die Gallenblase entfernt – schon nach einer ersten Gallenkolik kommt es bei etwa 20 Prozent der Patientinnen und Patienten zur Gallenblasenentfernung. 

Dabei bleibt aber die genaue Indikation und der richtige Zeitpunkt für die Gallenblasenentfernung eine Grauzone: 

Einige Experten und Expertinnen plädieren für ein zügiges Operieren. 

Man weiß aber, dass etwa die Hälfte aller Patientinnen und Patienten in den folgenden zehn Jahren auch ohne Operation beschwerdefrei bleiben würde. 

So plädieren auch Stefan Sauerland, Leiter des IQWiG-Ressorts Nichtmedikamentöse Verfahren, und sein Kollege Mike Ralf Langenbach, Leiter der Klinik für Allgemein-, Viszeralchirurgie und Koloproktologie des Evangelischen Krankenhauses Lippstadt, in einem Editorial im British Medical Journal (BMJ) für eine zurückhaltende Behandlung mit individueller Risikoabwägung.

C-GALL-Studie zeigt kaum Unterschiede zwischen Operation und Abwarten

Anlass für das Editorial war eine große vergleichende Studie namens C-GALL. 

In dieser Studie wurde bei Erwachsenen mit unkompliziert symptomatischen Gallensteinen gemäß zufälliger Zuteilung entweder die Gallenblase minimalinvasiv entfernt oder konservativ behandelt. 

Da die Ergebnisse zu Schmerzen, Lebensqualität und Komplikationsraten nach einem Studienjahr in beiden Gruppen ähnlich waren, schlussfolgern die Autorinnen und Autoren der Studie, dass die konservative Behandlung eine vertretbare Option für Patienten mit unkomplizierten symptomatischen Gallensteinen sei und bei bestimmten Patienten sogar vorzuziehen sein könnte. 

Auch Stefan Sauerland und sein chirurgischer Kollege Ralf Langenbach teilen diese Einschätzung. Zwar ist in manchen Fällen die rasche Entfernung der Gallenblase eindeutig die beste Lösung. Abhängig von individuellen Risikofaktoren und Patientenwunsch sei aber bei vielen Patientinnen und Patienten eine konservative Behandlung zumindest einen Versuch wert. Die Operation als Standardlösung für ein Gallensteinleiden sei keine gute Idee – insbesondere nicht bei weniger schweren und atypischen Symptomen, weil hier eine Operation zum Teil keine Symptomverbesserung bringe. In einer niederländischen Studie habe man durch ein bewusst zurückhaltendes Behandlungskonzept die Rate der Gallenblasenoperationen um acht Prozent senken können, ohne dass mehr Komplikationen auftraten. 

Unverzichtbar sei in jedem Fall eine individuelle Entscheidung gemeinsam mit den Betroffenen.

IQWiG bietet Entscheidungshilfe an


Für Patientinnen und Patienten hat das IQWiG bereits eine Entscheidungshilfe entwickelt, die dabei helfen soll, sich über grundsätzliche und über die persönlichen Vor- und Nachteile einer Gallenblasenentfernung zu informieren. 

Zuvor hatte das IQWiG bereits im Rahmen eines G-BA-Auftrags vorgeschlagen, in Deutschland auch ein Zweitmeinungsverfahren für die Gallenblasenentfernung zu ermöglichen, damit sich Betroffene bei Zweifeln vor einer möglichen Operation eine zweite ärztliche Meinung einholen können. 

Seit 2023 haben gesetzlich Versicherte in Deutschland einen Anspruch auf dieses Zweitmeinungsverfahren. 

Bemerkenswert an der C-GALL-Studie zur Gallenblasenentfernung ist im Übrigen auch, dass diese im Rahmen des britischen HTA-Programms finanziert wurde. HTA (= Health Technology Assessment) bezeichnet die systematische Bewertung von Gesundheitsleistungen. 

Das IQWiG als deutsche HTA-Organisation verfügt – anders als die britischen Nachbarn – jedoch kaum über Möglichkeiten, um bedeutsame Gesundheitsfragen durch klinische Studien beantworten zu lassen. 

„Es ist schade, dass wir immer wieder relevante Lücken im medizinischen Wissen feststellen, für das Schließen dieser Lücken aber keine Handlungsoptionen in den Händen halten“, kommentiert Stefan Sauerland diese Situation. 

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Jens Flintrop Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Im Mediapark 8
50670 Köln
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Jens Flintrop
Telefon: 0221 35685-151
E-Mail-Adresse: jens.flintrop@iqwig.de 
Originalpublikation: https://www.bmj.com/content/383/bmj.p2624


Ausschreibung Promotionsthemen in der Klinik fr Infektiologie und Intensivmedizin

Liebe Studierende,

heute möchten wir Sie auf fünf spannende Promotionsthemen in der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin (CVK) aufmerksam machen. 

Neben einem klinisch-experimentellen Thema bieten wir Ihnen vier Themen mit bioinformatischen Anteilen oder Schwerpunkten an, die sich für Interessierten auch als Einstieg in eine tiefere Auseinandersetzung mit programmatischer Datenanalyse eignen. 

Für alle Themen suchen wir Studierende ab dem siebten Semester. 

Die Details zu den unten genannten Themen finden Sie im Anhang.

Projekt 1: Charakterisierung der zeitlichen Koevolution von HIV-Persistenz und antiviralen Immunantworten (KOHIVI)
 

Projekt 2: Bringing artificial intelligence to the clinic ? a randomized trial on AI-based guideline matching for chronic diseases

Projekt 3: The impact of pathogen genetics on the transmissibility of Mycobacterium tuberculosis
 

Projekt 4: Pathogen-specific disease mechanisms in pneumonia
 

Projekt 5: Deconvolution-enhanced infection classification based on host blood RNA sequencing data
 

Die ausschreibenden Arbeitsgruppen (AG Buchauer, AG Gaebler, AG Gröschel) sowie weitere Forschungsgruppen in der Infektiologie (AG Sander, AG Kurth und weitere) befinden sich in direkter räumlicher Nähe zueinander und stehen in regem interdisziplinären Austausch, wodurch sich ein dynamisches, anregendes Forschungsumfeld mit vielen Promovierenden und Postdocs ergibt.

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung und wünschen Ihnen und Ihrer Familie eine angenehme Weihnachtszeit.

Christian Gaebler, Matthias Gröschel und Lisa Buchauer

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Prof. Dr. rer. nat. Lisa Buchauer
Systems Biology of Infectious Diseases
https://libuchauer.github.io

Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin
Charité 

Universitätsmedizin Berlin
Augustenburger Platz 1 / Südring 2
13353 Berlin