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Dr. rer. nat. Carsten Mahrenholz: Chronische Wunden: Kaltplasmatherapie (CPT) http://www.powerstudie.com

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Deutliche Überlegenheit der Kaltplasma-Therapie bei Behandlung chronischer Wunden

Das „Journal of Clinical Medicine“ (MDPI) hat die Zwischenergebnisse der klinischen Studie „POWER“ („Plasma on chronic Wounds for Epidermal Regeneration“) veröffentlicht. In der randomisierten, kontrollierten, multizentrischen klinischen Studie wurde die Wirksamkeit einer neuartigen Therapieform (Kaltes Plasma) zur Behandlung chronischer, nicht heilender Wunden im Vergleich zur Standardtherapie untersucht.

  • Chronische Wunden stellen sowohl für Millionen Patienten als auch für die Gesundheitssysteme eine erhebliche medizinische und finanzielle Herausforderung dar. 
  • Die Versorgung der Wunde mit der Standardwundtherapie (SWT) gilt derzeit als Goldstandard. 
  • Jüngste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Kaltplasmatherapie (CPT) eine vielversprechende Möglichkeit zur Verbesserung chronischer Wunden bietet. 

Vor diesem Hintergrund wurde die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte „POWER“-Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit einer großflächigen Plasmatherapie zur Behandlung chronischer, nicht heilender Wunden im Vergleich zur Standardwundtherapie durchgeführt.

Die Studie belegt, dass die Kombination der Plasmabehandlung (CPT) mit einer Standardwundbehandlung (SWT) dem aktuellen Goldstandard gegenüber schon allein in Bezug auf die Wirksamkeit überlegen ist. 

Eines der wesentlichen Resultate ist die signifikante Verbesserung der Wundheilungsrate bei Anwendung der CPT-Therapie um 214 Prozent. 

  • Die Beschleunigung der Wundheilung machte sich bereits nach der ersten Behandlung mit CPT bemerkbar und verbesserte sich kontinuierlich bis Tag 25. 

Deshalb hat dieses Ergebnis neben der ambulanten Versorgung auch eine Bedeutung für die klinische Praxis im Krankenhaus. 

Aber auch in den Bereichen Wundverschluss, Reduzierung der Antibiotika- Therapie oder Steigerung der Lebensqualität konnten herausragende Ergebnisse erreicht werden.

Verwendet wurde eine aktive Wundauflage (CPT®patch), die ein homogenes Plasmafeld über eine große Behandlungsfläche (10x10cm) erzeugt und eine optimale Behandlung in nur zwei Minuten erreicht. Die Behandlung läuft vollautomatisch und wirkoptimiert ab und ist unabhängig von Wundgröße- und -tiefe auch von nichtärztlichem Personal durchführbar.  

Die signifikanten Ergebnisse im Einzelnen:
1. Beschleunigte Wundheilungsrate: CPT führte zu einer signifikanten Beschleunigung der Wundheilungsrate im Vergleich zur Standardwundtherapie. Der Wundverschlussfaktor erhöhte sich um 214 Prozent in der CPT-Gruppe im Vergleich zur SWT-Gruppe.  
2. Reduzierter Antibiotikabedarf: Die CPT-Gruppe benötigte nur 4 Prozent Antibiotika im Vergleich zu 23 Prozent in der SWT-Gruppe.
3. Schmerzlinderung: Patienten in der CPT-Gruppe berichteten von weniger Wundschmerzen und eine Reduzierung des passiven Schmerzes auf 0 (median) wurde verzeichnet.
4. Steigerung der Lebensqualität: Bei Patienten der CPT-Gruppe konnte eine starke und klinisch bedeutsame Verbesserung der Lebensqualität festgestellt werden.

Über die Technologie und Behandlung mit dem CPT®patch

Die Behandlung mit kaltem Plasma, ein neuartiger medizinischer Ansatz, nutzt einen physikalischen Aggregatzustand, der durch die teilweise Ionisation der Umgebungsluft erzeugt wird. Dieses erzeugte Plasmagas entfaltet durch verschiedene physikalische Mechanismen antibakterielle, antivirale und zellaktivierende Effekte und fördert so letztendlich die Wundheilung.

Die Kaltplasmabehandlung innerhalb der „POWER“-Studie wurde mit der Therapieeinheit CPT®cube (Spannungsversorgung) und CPT®patch (Applikator) durchgeführt. 

Hierbei handelt es sich um eine sterile, aktive Wundauflage aus verschiedenen funktionellen Polymerschichten, in die gedruckte Elektronik eingebettet ist, die der Erzeugung eines physikalischen Plasmas dient. 

Über den CPT®cube erfolgt die Spannungsversorgung und die vollautomatische Steuerung der Behandlung (Dauer: 2 Minuten pro Behandlung). Genutzt wird bei dieser Therapie, die von Coldplasmatech entwickelte und patentierte „Active Glow-Technologie“. Mit der Behandlungseinheit ist es erstmals möglich, ein homogenes Plasmafeld über eine große Behandlungsfläche (10x10cm) zu erzeugen und eine optimale Behandlung in nur zwei Minuten zu erreichen. Die Behandlung ist unabhängig von Wundgröße- und -tiefe und auch von nichtärztlichem Personal durchführbar.

Über Coldplasmatech

Die Coldplasmatech GmbH, mit Sitz in Greifswald/Mecklenburg-Vorpommern, wurde 2015 als Ausgründung des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung von den Geschäftsführern Dr. rer. nat. Carsten Mahrenholz und Tobias Güra gegründet. Das Unternehmen hat sich auf die medizinische Entwicklung und Anwendung von Kaltplasmatherapie zur Heilung chronischer Wunden spezialisiert. Mit ihrer selbst entwickelten Behandlungseinheit und der einzigartigen CPT®-Kaltplasma-Therapie hat sich das Unternehmen als führender Anbieter auf dem Gebiet der Kaltplasmatechnologie etabliert. Die Coldplasmatech GmbH verfolgt mit der Wundtherapie den Grundsatz „Heilen statt Versorgen“. Das Unternehmen setzt sein Produkt in Zusammenarbeit mit Kliniken, Wundzentren und Wundexperten ein, die nach speziellen Kriterien ausgewählt und als „CPT®-Plasma.Kompetenz.Zentrum.“ zertifiziert werden. In den bundesweiten Behandlungszentren werden chronische Wunden mithilfe der Technologie erfolgreich therapiert. Die CPT®-Therapie wurde vielfach ausgezeichnet u. a. mit dem deutschen (2018) und dem bayerischen Innovationspreis (2022).  

Über das „Journal of Clinical Medicine“
Das „Journal of Clinical Medicine“ (ISSN 2077-0383) ist eine internationale, von Fachleuten begutachtete, frei zugängliche Zeitschrift für klinische und vorklinische Forschung. Sie gehört im Bereich der allgemeinen Medizin zu den führenden Zeitschriften. Die Publikation selbst wurde auf Vorschlag der Reviewer als „feature paper“ mit hohem Impact deklariert.
MDPI ist Mitglied des Committee on Publication Ethics (COPE). MDPI übernimmt die Verantwortung, ein strenges Peer-Review-Verfahren zusammen mit strikten ethischen Richtlinien und Standards durchzusetzen, um sicherzustellen, dass qualitativ hochwertige wissenschaftliche Arbeiten in den Bereich der wissenschaftlichen Veröffentlichungen aufgenommen werden.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Die Autoren der Studie
• Prof. Dr. med. Markus Stücker, Klinik für Dermatologie, Venerologie/Allergologie, Ruhr-Universität Bochum, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie
• Prof. Dr. med. Martin Storck, Städtisches Klinikum Karlsruhe, Präsident des Deutschen Wundrats
• Dr. Nessr Abu Rached, Klinik für Dermatologie, Venerologie/Allergologie, Ruhr-Universität Bochum
• Dr. Thomas Meyer, Klinik für Dermatologie, Venerologie/Allergologie, Ruhr-Universität Bochum, Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie – Vorsitzender Diagnostische Verfahren
• Dr. Susanne Kley, Wissenschaftliches Institut für Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemforschung, Leipzig


Originalpublikation:

Cold Plasma Therapy in Chronic
Wounds – A Multicenter, Randomized Controlled Clinical Trial (Plasma on Chronic Wounds for Epidermal Regeneration Study): Preliminary Results. (J. Clin. Med. 2023, 12(15), 5121; https://doi.org/10.3390/jcm12155121)

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TOP-CAVE: Studieneinladung für Linkshänder und deren Stress

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Probanden gesucht: Wie das Gehirn von Linkshändern Stress verarbeitet

  • Für eine Studie im Bereich der Stressforschung suchen Forschende der Ruhr-Universität-Bochum männliche Probanden, die Linkshänder sind. 
  • Ziel ist es zu verstehen, wie unter Stress ein Netzwerk an Hirnregionen aktiv wird und welche Rolle dabei die linke und die rechte Gehirnhälfte spielen. 

Dazu unterziehen sich die Probanden einer MRT-Untersuchung im Leibniz-Institut für Arbeitsforschung in Dortmund. 

Wer mitmachen möchte, kann sich per Mail unter kognition-mrt@rub.de melden. 

Die Teilnehmenden erhalten eine Aufwandsentschädigung von 75 oder 150 Euro, je nachdem ob sie an einem oder an zwei Tagen benötigt werden. 

Männliche Linkshänder sind für eine Studie am Institut für Kognitive Neurowissenschaft der Ruhr-Universität Bochum gefragt. Männliche Linkshänder sind für eine Studie am Institut für Kognitive Neurowissenschaft der Ruhr-Universität Bochum gefragt. RUB, Marquard

Eingeladen sind alle Männer zwischen 18 und 35 Jahren mit einem Body-Mass-Index von 18 bis 27.

Teilnehmer der Studie müssen über gute Deutschkenntnisse verfügen, normal hören können und psychisch wie körperlich gesund sein. 

Neben der MRT-Untersuchung bearbeiten die Probanden verschiedene Aufgaben am Computer, lösen Höraufgaben, füllen Fragebögen aus und werden einer alltäglichen Stresssituation ausgesetzt. 

Außerdem werden verschiedene körperliche Reaktionen gemessen, unter anderem die Herzrate sowie per Speichelprobe das Stresshormon Cortisol.

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Lena Pfeifer
Institut für Kognitive Neurowissenschaft
Abteilung für Kognitionspsychologie
Fakultät für Psychologie
Ruhr-Universität Bochum
E-Mail: lena.pfeifer@ruhr-uni-bochum.de

Niklas Ruddigkeit  

Dr. Julia Weiler

Telefon: +49 234 32 25228
E-Mail-Adresse: julia.weiler@rub.de


Berlin - Marathon September 2023: Präzisionstherapien zur Bekämpfung von Stoffwechselstörungen wie Adipositas und Diabetes sowie Muskelerkrankungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Einfluss von Bewegung und Muskelregulation auf Diabetes und Adipositas

Was passiert eigentlich auf molekularer Ebene in unseren Muskeln, wenn wir uns aktiv bewegen? 

Forschende von Helmholtz Munich und des DIfE haben die zelluläre Grundlage und die Signalwege, die für die positive Auswirkung körperlicher Aktivität auf unsere Gesundheit ausschlaggebend sind, unter die Lupe genommen. 

Ihre Erkenntnis: 

  • Regulatorische T-Zellen, eine spezielle Art von Immunzellen, sind entscheidend für die reibungslose Muskelfunktion. 
  • Dieses Wissen trägt dazu bei, in Zukunft Präzisionstherapien zur Bekämpfung von Stoffwechselstörungen wie Adipositas und Diabetes sowie Muskelerkrankungen zu entwickeln. 

Die Ergebnisse wurden nun im Fachjournal Cell Metabolism veröffentlicht.

Adipositas und Typ-2-Diabetes nehmen weltweit zu. Eine übermäßige Nahrungsaufnahme und zu wenig Bewegung tragen zur Entwicklung dieser Erkrankungen bei. 

Dabei ist Bewegung ein Schlüsselfaktor für die Gesundheit: so kann nicht nur das Krankheitsrisiko für Adipositas und Diabetes verringert werden, sondern auch beispielsweise das Immunsystem gestärkt werden. Forschende des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) bei Helmholtz Munich und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) haben nun neue Zusammenhänge zwischen Bewegung, Muskelfunktion und dem Immunsystem enthüllt. 

  • Diese neuen Erkenntnisse können nicht nur Menschen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes und Patient:innen mit Muskelerkrankungen zugutekommen, sondern sind auch für professionelle Sportler:innen entscheidend. 

Das bessere Verständnis der Wechselwirkungen zwischen dem Immunsystem und der Muskulatur beschleunigt die Entwicklung von Präzisionsimmuntherapien für Diabetes und andere Erkrankungen.

Regulatorische T-Zellen sichern die Muskelfunktion

Die positiven Auswirkungen von Bewegung auf den Stoffwechsel und das Immunsystem sind allgemein bekannt. Die genauen Mechanismen, wie körperliche Aktivität die Immunzellen im Muskel beeinflusst, waren bisher jedoch nicht vollständig verstanden. 

Das Forscherteam hat jetzt die molekularen Mechanismen entschlüsselt, durch die eine spezielle Art von Immunzellen im menschlichen Körper, die regulatorischen T-Zellen (Tregs), die Kommunikation zwischen den Muskeln im Ruhezustand, während der Bewegung und bei Muskelverletzungen steuern.  

  • Durch mehr Bewegung sind die Tregs vermehrt in Muskeln zu finden und sorgen so dafür, dass diese ihre Funktion aufrechterhalten können und sich nach der Aktivität regenerieren.


In der neuen Studie wurden Tregs auf vielfältige Weisen im Labor manipuliert, um ihre Funktion bei der Regulierung der Muskelfunktion, -kraft und bei der Regeneration zu verstehen. 

  • Dadurch wurde ein Signalweg, der an der Immunantwort und verschiedenen anderen physiologischen Prozessen beteiligt ist, der Interleukin-6 (IL6) Signalweg über den IL6 Rezeptor (IL6R) in T-Zellen, als entscheidend für die Funktionalität der Tregs identifiziert. 
  • Nur wenn der IL6R auf der Oberfläche der T-Zellen vorhanden ist, können die Tregs die Muskelfunktion steuern.
  • Die neuen Erkenntnisse können auch erklären, warum klinische Behandlungen von Entzündungen, die auf IL6R abzielen, oft zu einer Muskelschwäche als Nebenwirkung führen. 

Die Ergebnisse unterstreichen zusammenfassend, welchen entscheidenden Beitrag ein besseres Verständnis der Wechselwirkungen zwischen dem Immunsystem und dem Stoffwechsel bei Erkrankungen wie Diabetes und Adipositas für die Entwicklung von Präzisionsmedikamenten, die gezielt auf Tregs in unterschiedlichen Umgebungen und Kontexten wirken, leisten kann. 

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Dr. Maike Becker, Postdoc in der Abteilung Type 1 Diabetes Immunology am Helmholtz Diabetes Center bei Helmholtz Munich
Dr. Sini S. Joseph, Postdoc am Institut für Diabetes and Regeneration am Helmholtz Diabetes Center bei Helmholtz Munich
Prof. Dr. Carolin Daniel, Principal Investigator und Abteilungsleiterin für Type 1 Diabetes Immunology am Helmholtz Diabetes Center bei Helmholtz Munich
Kontakt: carolin.daniel@helmholtz-munich.de

Luisa Hoffmann  Helmholtz Zentrum München Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH)

E-Mail-Adresse: luisa.hoffmann@helmholtz-munich.de

Ingolstädter Landstr.1
85764 Neuherberg
Deutschland
Bayern  


Originalpublikation:

Maike Becker et al. (2023): Regulatory T cells require IL6 receptor alpha signaling to control skeletal muscle function and regeneration. Cell Metabolism. https://doi.org/10.1016/j.cmet.2023.08.010

Prof. Dr. Oliver Borst: Die komplexe Rolle von Lipiden - Störung des Lipidstoffwechsel und der Thrombopoese/Megakarvozyten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Störungen im Fettstoffwechsel beeinflussen die Produktion von Blutplättchen

  • Blutplättchen sind im menschlichen Körper für die Blutgerinnung entscheidend und verhindern übermäßige Blutungen. 

Bei ihrer Produktion kommt Lipiden in ihrer Funktion als "Bausteinen der Zellmembran" eine wichtige Bedeutung zu. 

In einer aktuellen Studie, veröffentlicht in "Nature Cardiovascular Research", untersuchten der Chemiker Robert Ahrends von der Universität Wien und der Kardiologe Oliver Borst von der Universität Tübingen die komplexe Rolle von Lipiden bei der Bildung lebenswichtiger Blutbestandteile. 

Sie fanden heraus, dass sich Störungen des Lipidstoffwechsels wie etwa bei Fettleibigkeit auf die Blutplättchen-Produktion und damit auf Herz und Gefäße allgemein auswirken könnten.

  • Blutplättchen sind winzige scheibenförmige kernlose Zellen in unserem Blutkreislauf. 
  • Der Prozess der Plättchen-Bildung, bekannt als Thrombopoese, beginnt mit der Differenzierung mehrkerniger Zellen im Knochenmark, den Megakaryozyten. 
  • Diese Megakaryozyten durchlaufen eine Reihe von Verwandlungen, die schließlich zur Entstehung Tausender von Blutplättchen, abgeschnürt in die Gefäße des Knochenmarks, aus einem Megakaryozyten führen.

Trotz ihrer klinischen Bedeutung gibt es bislang keine "Landkarte" des Lipidstoffwechsels von Megakaryozyten. 

Die Erforschung der Differenzierung von Megakaryozyten und der Produktion von Blutplättchen konzentrierte sich ausschließlich auf Enzyme, die mit dem Stoffwechsel von Sphingolipiden, den wichtigsten Bestandteilen der Zellmembran, in Zusammenhang stehen. 

Die genaue Art der beteiligten Lipidspezies sowie ihrer verstoffwechselnden Enzyme und ihre Auswirkungen auf den Prozess waren weitgehend unbekannt. 

Mithilfe modernster Massenspektrometrie-basierter Multiomic untersuchte das Forschungsteam die Mechanismen der Lipidom-Modulation von Megakaryozyten während ihrer Reifung und Bildung zu Blutplättchen.

Lipidgesteuerte Transformation der Zellmembranen

  • Während der Differenzierung der Megakaryozyten veränderte sich die Zusammensetzung der Lipidmembran erheblich, was das Team als "anionischen Membran-Phänotyp" bezeichnet. 

"Wir stellten fest, dass diese Veränderung direkt mit der Regulierung wichtiger Proteine und Kinasen zusammenhängt, die unmittelbar an der Bildung von Blutplättchen beteiligt sind", erklärt Robert Ahrends.

Die Studie betonte auch die Rolle der Fettsäuren – der Bausteine der Lipide – in diesem Prozess. 

  • Die Forscher fanden heraus, dass die Aufnahme von Fettsäuren während der Reifung der Megakaryozyten deutlich zunahm, während gleichzeitig die Fettsäuresynthese gesteigert wurde. 
  • MaAB-CAVE: Wenn sie diese Prozesse manipulierten, führte dies zu einer ausgeprägten Thrombozytopenie, einem Zustand, der durch eine abnorm niedrige Zahl von Blutplättchen gekennzeichnet ist.


Bedeutung für die kardiovaskuläre Fitness

  • Die neue Studie bietet eine bemerkenswerte neue Perspektive auf die Differenzierung von Megakaryozyten und die Produktion von Blutplättchen, indem sie das Zusammenspiel von Lipiden und Proteinen bei der Transformation der Zellmembranen hervorhebt. 

"Unsere Studie legt den Grundstein für die Erforschung der Frage, wie sich Störungen des Lipidstoffwechsels, die bei Erkrankungen wie Fettleibigkeit auftreten, auf die Blutplättchen-Produktion und die Entstehung kardiovaskulärer Ereignisse auswirken könnten", sagt der Kardiologe Oliver Borst. 

Jenseits wissenschaftlicher Erkenntnisse verspricht diese Entdeckung auch die Perspektive für neue Wege zur Bewältigung der Herausforderungen bei Herz- und Gefäßerkrankungen. 

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Prof. Dr. Robert Ahrends
Institut für Analytische Chemie
Universität Wien
1090 - Wien, Währinger Straße 38
+43-1-4277-52304
robert.ahrends@univie.ac.at
https://lipidomics.at/

 Alexandra Frey Universität Wien

Universitätsring 1
1010 Wien
Österreich
Wien

Veronika Schallhart

Universität Wien, Forschung und Lehre
Telefon: 0043 / 1 / 4277 - 175 30
Fax: 0043 / 1 / 4277 - 9175
E-Mail-Adresse: veronika.schallhart@univie.ac.at

Cornelia Blum
Telefon: 0043 / 1 / 4277 - 100 12
Fax: 0043 / 1 / 4277 - 9100
E-Mail-Adresse: cornelia.blum@univie.ac.at
Originalpublikation:

Publikation in “Nature Cardiovascular Research”:
Critical shifts in lipid metabolism promote megakaryocyte differentiation and proplatelet formation; Bianca de Jonckheere, Ferdinand Kollotzek, Patrick Münzer, Vanessa Göb, Melina Fischer, Kristina Mott, Cristina Coman, Nina Nicole Troppmair, Mailin-Christin Manke, Monika Zdanyte, Tobias Harm, Manuel Sigle, Dominik Kopczynski, Andrea Bileck, Christopher Gerner, Nils Hoffmann, David Heinzmann, Alice Assinger, Meinrad Gawaz, David Stegner, Harald Schulze, Oliver Borst, Robert Ahrends, in Nature Cardiovascular Research 2023,
DOI: 10.1038/s44161-023-00325-8
https://www.nature.com/articles/s44161-023-00325-8


Prof. Dr. Claudia Sommer: Stress, Dehydrierung und der Menstruationszyklus als häufigste Trigger von Migräneattacken

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Unterschätzt und unterdiagnostiziert: Migräne ist nicht einfach nur ein Kopfschmerz

Jedes Jahr am 12. September findet der Europäische Kopfschmerz- und Migränetag statt. 

Mit ihm machen die European Migraine & Headache Alliance (EMHA) sowie zahlreiche nationale Vereinigungen auf Kopfschmerzerkrankungen, Versorgungsdefizite und Prävention aufmerksam. 

In der Universitätsmedizin Würzburg laufen verschiedene Studien zur verbesserten Diagnostik und Behandlung der Migräne, für die noch Teilnehmende gesucht werden. 

QEEG-Messung eines Probanden während einer Verhaltensentscheidung QEEG-Messung eines Probanden während einer Verhaltensentscheidung Sebastian Evers / UKW

Obwohl Kopfschmerzerkrankungen zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen gehören, werden sie in der Öffentlichkeit nicht als ernsthaft wahrgenommen, da sie meist nur episodisch auftreten, nicht ansteckend sind und in der Regel nicht zum Tod führen. 

Doch Kopfschmerzen sind nicht nur schmerzhaft, sie können auch das Familien-, Sozial- und Berufsleben beeinträchtigen.* 

Laut einer Studie des Robert Koch Instituts ist jeder zweite Bundesbürger mindestens einmal im Jahr von Kopfschmerzen betroffen. 14,8 % der Frauen und 6,0 % der Männer erfüllen die kompletten Kriterien für Migräne. 10,3 % der Frauen und 6,5 % der Männer sind von Spannungskopfschmerzen betroffen.

Kopfschmerzen werden in Umfang und Ausmaß der Belastung oft unterschätzt

Der European Migraine & Headache Alliance (EMHA) zufolge ist die Migräne die dritthäufigste Krankheit der Welt; etwa eine von sieben Personen leidet unter Migräne, die ihren Alltag und ihre Lebensqualität auch über die reine Zeit der Attacken hinaus stark einschränkt**. 

Doch warum kennen wir so wenige Betroffene? 

„Weil Kopfschmerzerkrankungen in ganz Europa nach wie vor zu wenig diagnostiziert und behandelt werden. Viele Betroffenen leiden leise, schätzungsweise jeder zweite behandelt sich selbst, statt professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen“, weiß Prof. Dr. Claudia Sommer, leitende Oberärztin in der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Leiterin des Projekts „Approach and avoidance behaviour in pain management“ im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Graduiertenkolleg 2660. Mit dem Europäischen Kopfschmerz- und Migränetag will die EMHA das Bewusstsein für diese unterschätzte Krankheit schärfen. Das UKW nimmt diesen Tag zum Anlass, um über seine Migräneforschung zu berichten.
Claudia Sommer leitet gemeinsam mit Andrea Kübler, Professorin für Psychologie an der Universität Würzburg, derzeit drei ineinandergreifende Studien, um die Diagnose und Therapie von Migräne zu verbessern. Zum einen wollen die beiden Forscherinnen, die im Research.com-Ranking unter den besten 100 Wissenschaftlerinnen in Deutschland und unter den besten 1.000 weltweit gelistet sind, die Pathophysiologie der Migräne besser verstehen, also wie der Körper unter den krankhaften Veränderungen abweichend funktioniert und welche Funktionsmechanismen zur krankhaften Veränderung führen. Zum anderen erproben sie mit ihren Teams neue Ansätze zum Umgang mit Migränetriggern, also Auslösern von Attacken. „Dem adäquaten Triggermanagement kommt großes Potential in der Verbesserung des Lebens von Menschen mit Migräne zu“, betont Claudia Sommer.

Stress, Dehydrierung und der Menstruationszyklus als häufigste Trigger von Migräneattacken

So wurden in einer Fragebogenstudie mit bislang insgesamt 432 Migränepatientinnen und -patienten Stress, Dehydrierung und der Menstruationszyklus als häufigste Trigger von Attacken identifiziert, wovon allerdings nicht alle gut vermieden werden können. Auch zeigten sich Korrelationen von Triggersensitivität mit Markern für schlechtere Lebensqualität. Vorläufige Daten wurden auf dem World Congress on Pain 2022 im kanadischen Toronto veröffentlicht.

Verbesserte Probenentnahme und Messung des CGRP-Spiegels bei Migränepatienten

In einer weiteren Studie steht das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) im Fokus. 

„Migräne gilt als eine neuronale Erregbarkeitsstörung, bei der das trigeminovaskuläre System, also das Zusammenspiel von Nerven und Blutgefäßen in den Hirnhäuten, eine Schlüsselrolle zu spielen scheinen“, erläutert Morgane Paternoster, Doktorandin in der Würzburger Neurologie. 

  • Bekannt ist, dass der Beginn eines Migräneanfalls mit einem Anstieg entzündungsfördernder Moleküle und Neuropeptide verbunden ist, darunter das CGRP. 
  • Das aus 37 Aminosäuren bestehende Neuropeptid zählt zu den stärksten gefäßerweiternden Substanzen, den so genannten Vasodilatatoren
  • Wenn also die durch äußere und innere Stimuli getriggerten Nerven vermehrt CGRP freisetzen, wird das trigeminovaskuläre System aktiviert.

Für die neurobiologische Charakterisierung einer Migräne wurden bislang in der Neurologischen Klinik am UKW die CGRP-Spiegel von 136 Patientinnen und Patienten mit und ohne Migräne untersucht und verglichen. 

Um die zuverlässigste Methode zur Probenentnahme und -messung des CGRP-Spiegels festzulegen wurde von allen Teilnehmenden Blut, Tränenflüssigkeit und Speichel gesammelt. „Eventuell könnten im Zuge einer personalisierten Medizin anhand der CGRP-Spiegel Vorhersagen über das Ansprechen des einzelnen Patienten auf CGRP-Hemmer getroffen werden. Neueste Publikationen zeigen diesbezüglich vielversprechende Ergebnisse“, kommentiert Morgane Paternoster. Erste Ergebnisse der Würzburger CGRP-Kohorte werden im November 2023 auf dem Society for Neuroscience Kongress im US-amerikanischen Washington D.C. präsentiert.

Neurofeedback für bewusstes und ausgeglichenes Verhalten zu Auslösern

In der dritten Studie untersucht das interdisziplinäre Team den möglichen Einsatz von Neurofeedback zur Unterstützung der Migränebehandlung. 

„Da viele Betroffene bestimmte Trigger ihrer Migräne identifizieren können, ist der Umgang mit diesen Auslösern ein vielversprechender Ansatz für eine solche Unterstützung“, erklärt Morgane Paternoster. Zu diesem Zweck finden in Kooperation mit der Universität Würzburg hochauflösende EEG-Messungen an je 30 Personen mit und ohne Migräne statt. Während der Messung der Gehirnaktivität mit 128 Elektroden werden die Studienteilnehmenden mit bestimmten Triggern konfrontiert und daraufhin vor Verhaltensentscheidungen gestellt. „Hierdurch möchten wir die Gehirnprozesse identifizieren, die am Vermeidungsverhalten von Menschen mit Migräne beteiligt sind, und das beste Stimulationsziel für eine Neurofeedback-Modulation auswählen. Dadurch sollen die Betroffenen ein ausgeglichenes und bewusstes Verhalten zu den individuellen Auslösern ihrer Migräne erlangen. Zusätzlich soll eine objektive Messmethode zur Ermittlung des Vermeidungsverhaltens von Menschen mit Migräne etabliert werden“, beschreibt Sebastian Evers, ebenfalls Doktorand in der Arbeitsgruppe von Claudia Sommer, die Ziele der Studie.

Die ersten Ergebnisse werden Ende des Jahres erwartet, auf deren Grundlage die ersten Neurofeedback-Sitzungen in der Mitte nächsten Jahres gestartet werden sollen.

MaAB - CAVE: Weitere Studienteilnehmende werden gesucht


  • Das Team von Prof. Dr. Sommer ist immer auf der Suche nach neuen Studienteilnehmenden, die an Migräne leiden und die Diagnostik und Behandlung verbessern möchten. Betroffene können sich bei Interesse und für weitere Informationen gerne bei Morgane Paternoster und Sebastian Evers melden: 
  • Paternoste_M(at)ukw.de oder Evers_S(at)ukw.de 
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  •  Salomea Löffl (links) und Morgane Paternoster bei der Probenanalyse im Labor

Salomea Löffl (links) und Morgane Paternoster bei der Probenanalyse im Labor Sonja Gommersbach / UKW


Typische Kopfschmerzerkrankungen

Kopfschmerzen können durch eine lebensbedrohliche Erkrankung wie etwa ein Hirntumor verursacht werden. In den meisten Fällen handelt es sich bei Kopfschmerzerkrankungen jedoch um eine gutartige, nicht lebensbedrohliche Erkrankung, die allerdings mit einem hohen Leidensdruck einhergeht.

Die häufigsten Kopfschmerzerkrankungen sind Migräne und Spannungskopfschmerz. 

Während der dumpf, ziehende und beidseitig vorkommende Spannungskopfschmerz oft als normaler Kopfschmerz wahrgenommen wird, ist die Migräne mit Übelkeit und/oder Erbrechen sowie einer Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen verbunden. 

  • Charakteristisch für die Migräne ist ein pulsierender oder pochender, einseitiger Schmerz, der durch körperliche Aktivität verstärkt wird. 
  • Bei einer Migräne mit einer so genannten Aura kommen noch Flimmern oder Blitzen vor den Augen sowie Schwäche, Lähmung oder Taubheitsgefühl eines Armes oder Beines oder Sprachstörungen hinzu. 
  • Ferner gibt es das Syndrom des chronischen täglichen Kopfschmerzes sowie die eher seltenen Erkrankungen Clusterkopfschmerz und Trigeminusneuralgie.

Gelegentliche Kopfschmerzen sind in der Regel harmlos und verschwinden oft schon mit einem Spaziergang an der frischen Luft, ausreichend Schlaf und Flüssigkeitszufuhr oder einer einzelnen Tablette. 

Treten starke Kopfschmerzen jedoch gehäuft auf, sollte ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden, bei plötzlichen und extrem starken Kopfschmerzen ist der Notarzt zu rufen.

* Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört allein die Migräne zu den zehn häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit und betrifft 12-15 % der Bevölkerung. Die verlorenen Arbeitstage und Produktivitätseinbußen kosten die europäische Wirtschaft jährlich 27 Milliarden Euro (Cost of Brain Disorders in Europe, 2006)

** Stovner, L. J., Nichols, E., Steiner, T. J., Abd-Allah, F., Abdelalim, A., Al-Raddadi, R. M., Ansha, M. G., Barac, A., Bensenor, I. M., Doan, L. P., Edessa, D., Endres, M., Foreman, K. J., Gankpe, F. G., Gopalkrishna, G., Goulart, A. C., Gupta, R., Hankey, G. J., Hay, S. I., . . . Murray, C. J. L. (2018). Global, regional, and national burden of migraine and tension-type headache, 1990–2016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016. The Lancet Neurology, 17(11), 954-976. https://doi.org/https://doi.org/10.1016/S1474-4422(18)30322-3

Unterschätzt und unterdiagnostiziert: Migräne ist nicht einfach nur ein Kopfschmerz

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Deutschland
Sachsen

Katrin Presberger 
Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://ls1.psychologie.uni-wuerzburg.de/so/mig/ Link zur Migräne-Studie


Nicht-Infarktgefäße - durch Ablagerungen verengt: Koronarer Mehrgefäßerkrankungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Herzkranzgefässe sofort erweitern

Nach einem Herzinfarkt kann es sich lohnen, bereits bei der ersten Intervention zur Behandlung des Herzinfarktes auch Engstellen in Nicht-Infarktgefässen zu behandeln. 

In einer grossen, internationalen Studie konnten USZ Kardiolog:innen zeigen, dass diese Behandlungsstrategie gegenüber einem zeitlich versetzten Vorgehen Vorteile hat. 

Das Resultat ist hochrelevant für die klinische Praxis. 

 Dank sofortiger Behandlung aller Herzkranzgefässe kann das Risiko für spätere Herzinfarkte und auch die Notwendigkeit eines erneuten Eingriffes reduziert werden.

Dank sofortiger Behandlung aller Herzkranzgefässe kann das Risiko für spätere Herzinfarkte und auch die Notwendigkeit eines erneuten Eingriffes reduziert werden. USZ / Christoph Stulz

  • Ein Herzinfarkt wird durch den akuten Verschluss eines Herzkranzgefässes verursacht. 
  • Damit der Herzmuskel wieder durchblutet wird, werden die betroffenen Gefässe mittels einer sofortigen minimalinvasiven Intervention wiedereröffnet. 
  • Bei der Hälfte der Patienten sind weitere Nicht-Infarktgefässe durch Ablagerungen verengt. 

Diese Patienten haben ein erhöhtes Risiko zukünftiger kardiovaskulärer Ereignisse.  

Studien haben gezeigt, dass mit einer Behandlung von Engstellen in Nicht-Infarktgefässen statt einer alleinigen Behandlung des Infarktgefässes weitere Herzinfarkte und erneute Eingriffe verhindern kann.
Der optimale Zeitpunkt der Behandlung von Engstellen in Nicht-Infarktgefässen war aber bisher unklar.
Sofortige oder zeitlich versetzte Behandlung?

In ihrer Studie ging das Forschungsteam um Barbara Stähli, Leitende Ärztin an der Klinik für Kardiologie des USZ, der Frage nach, ob eine Behandlung von Engstellen in Nicht-Infarktgefässen unmittelbar im Anschluss an die Wiedereröffnung des Infarktgefässes einer elektiven Behandlung in einem Zweiteingriff nicht unterlegen ist. 

Für die Studie wurden an 37 Spitälern in ganz Europa insgesamt 840 Patientinnen und Patienten mit Herzinfarkt und koronarer Mehrgefässerkrankung untersucht. 

Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen geteilt: In einer Gruppe erfolgte die Behandlung von Engstellen in Nicht-Infarktgefässen sofort, in der anderen in einem geplanten Zweiteingriff nach 19 bis 45 Tagen. Analysiert wurde, ob nach einem Jahr eines der folgenden Ereignisse eingetreten war: Tod, erneuter Herzinfarkt, Schlaganfall, ein erneuter ungeplanter Ischämie-bedingter Eingriff oder eine Hospitalisation aufgrund einer Herzschwäche.

Deutlich weniger Herzinfarkte

Die Studie hat gezeigt, dass dies bei 35 Patienten (8,5%) in der Gruppe, die sofort behandelt worden war, und bei 68 Patienten (16,3%) in der Gruppe, bei welcher eine zweizeitige Behandlung durchgeführt wurde, der Fall war. Dabei stachen zwei Ergebnisse hervor: Nur acht Patienten (2%) in der ersten Gruppe erlitten einen erneuten Herzinfarkt, während es bei der zweiten Gruppe deren 22 waren (5,3%). Ein ungeplanter Ischämie-bedingter erneuter Eingriff war in der ersten Gruppe bei 17 Patienten (4,1%), in der zweiten bei deren 39 (9,3%) notwendig. Keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen wurde in Bezug auf die Anzahl Todesfälle sowie die Anzahl Schlaganfälle und Hospitalisationen aufgrund einer Herzschwäche beobachtet. Für Barbara Stähli ein eindrückliches Resultat:

 «Wir konnten erstmals zeigen, dass die sofortige Behandlung aller Herzkranzgefässe das Risiko für spätere Herzinfarkte und auch die Notwendigkeit eines erneuten Eingriffes reduziert».

Auswirkungen auf die klinische Praxis

  • Die Studienergebnisse sind für die klinische Praxis hochrelevant, da sie aufzeigen, dass eine sofortige Intervention keine Nachteile für die Patienten mit sich bringt. 

Im Gegenteil: 

  • Eine sofortige Behandlungsstrategie bringt eine niedrigere Rate an Reinfarkten und erneuten, ungeplanten Eingriffen mit sich, zugleich kann den Patienten dadurch ein zweiter geplanter Eingriff mit Hospitalisation erspart werden. 

Auch volkswirtschaftlich ist die Studie deshalb letztlich von Interesse. 

Die Studie und deren Auswirkungen auf die Empfehlungen der Fachgesellschaft wurden am vergangenen Wochenende am Europäischen Kongress für Kardiologie (ESC) breit diskutiert. 

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Barbara Stähli, Prof. Dr. med.
Leitende Ärztin, Stv. Leiterin Andreas Grüntzig Herzkatheterlabore, Klinik für Kardiologie
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Nathalie Plüss Universitätsspital Zürich

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lic. phil. Martina Pletscher
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Originalpublikation:

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2307823