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Dr. Malte Tiburcy: Reoxygenierungsschaden - Sauerstoffversorgung des Herzens - Therapie der Blutarmut bei Nierenschwäche

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schutz nach Herzinfarkt

Herzforscher*innen der Universitätsmedizin Göttingen haben den Effekt der Substanz „Roxadustat“ in einem Herzmuskelmodell getestet und einen schützenden Effekt festgestellt. Veröffentlicht in der kardiologischen Fachzeitschrift „Circulation“. 

 Dr. Malte Tiburcy, Institut für Pharmakologie und Toxikologie, UMG

 Dr. Malte Tiburcy, Institut für Pharmakologie und Toxikologie, UMG Foto: umg

 Jedes Jahr erleiden rund 220.000 Menschen einen Herzinfarkt, 50.000 Patient*innen sterben daran. 

Bei einem Herzinfarkt wird das Herzmuskelgewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt (Hypoxie). Ursache ist der akute Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Je mehr Zeit ohne Behandlung vergeht, desto mehr Herzmuskelzellen sterben. Um den Schaden für das Herz durch einen Herzinfarkt einzugrenzen, ist es besonders wichtig, die Herzdurchblutung zeitnah wieder herzustellen. 

  • Allerdings kann die Wiederherstellung des unterbrochenen Blutflusses (Reperfusion) die Zellen des Herzmuskels zusätzlich schädigen, wenn die Sauerstoffversorgung im Gewebe schlagartig ansteigt
  • Die Folge ist ein sog. Reoxygenierungsschaden.


Herzforscher*innen der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) unter der Leitung von Dr. Malte Tiburcy, Institut für Pharmakologie und Toxikologie der UMG, haben nun einen Weg entdeckt, mit dem sich die unerwünschte Schädigung der Herzzellen nach einer Wiederherstellung des Blutflusses vermindern ließe. In einem humanen, präklinischen Modell von Herzmuskulatur, die durch Sauerstoffmangel und erhöhte Sauerstoffversorgung (Reoxygenierung) geschädigt wurde, haben sie untersucht, welchen Effekt die Gabe der Substanz Roxadustat hat. Der Wirkstoff ist bekannt dafür, dass er den zell-internen Sauerstoffsensor stabilisiert, den Hypoxia Inducible Factor, kurz HIF.  

In den Untersuchungen zeigte sich, dass eine kurzzeitige Gabe von Roxadustat im Anschluss an die Hypoxie einen schützenden Effekt vor einem Reoxygenierungsschaden hat. Zusätzlich verbesserte sich die Fähigkeit des Herzmuskels, sich aktiv zusammen-zuziehen, deutlich. Die Forschungsergebnisse sind veröffentlicht in der kardiologischen Fachzeitschrift „Circulation“.

  • „Da sich Roxadustat bereits als Therapie der Blutarmut bei Nierenschwäche im europäischen Zulassungsverfahren befindet, besteht die Hoffnung, dass die herzschützende Wirkung der Substanz zügig auch in die Therapie nach Herzinfarkt weiterentwickelt werden kann“, sagt Dr. Tiburcy.


Originalveröffentlichung: Elif Levent, Claudia Noack, Laura C. Zelarayán, Dörte M. Katschinski, Wolfram-Hubertus Zimmermann, Malte Tiburcy: Inhibition of Prolyl-Hydroxylase Domain Enzymes Protects From Reoxygenation Injury in Engineered Human Myocardium. Circulation (2020), doi: 10.1161, October 27th, 2020.

HIF-Faktor, der Sauerstoff-Sensor

Zellen „spüren“, wie viel Sauerstoff sie zur Zellatmung zur Verfügung haben, und passen sich entsprechend an. 

Immer wieder müssen sie mit wechselnder Sauerstoffversorgung zurechtkommen, z.B. bei Krankheit oder beim Sport. 

Vor mehr als 20 Jahren entdeckten drei Forscher aus den USA und Großbritannien ein Protein, das als Sauerstoffsensor in den Zellen dient: 

den Hypoxia Inducible Factor, kurz HIF. 

Ist die Sauerstoffversorgung ausreichend, enthält eine Zelle kaum HIF, besteht Sauerstoffmangel, steigt die HIF-Menge. 

Zellen produzieren stetig neue HIF-Moleküle und bauen sie ebenso stetig ab. 

Der Abbau funktioniert aber nur solange genügend Sauerstoff vorhanden ist. 

Die Entdeckung des HIF-Systems wurde 2019 mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet.

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Originalveröffentlichung: Elif Levent, Claudia Noack, Laura C. Zelarayán, Dörte M. Katschinski, Wolfram-Hubertus Zimmermann, Malte Tiburcy: Inhibition of Prolyl-Hydroxylase Domain Enzymes Protects From Reoxygenation Injury in Engineered Human Myocardium. Circulation (2020), doi: 10.1161, October 27th, 2020.


Prof. Dr. med. Wolfram Windisch: nicht-invasive und invasive Beatmung

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Atemversagen bei COVID-19 - Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse nach einem Jahr Pandemie

Zu Beginn der Pandemie wurden hohe Sterberaten von über 80% bei intubierten Corona-Patienten beobachtet. 

Die Rolle nicht-invasiver Therapieverfahren bei einem Atemversagen (High-Flow-Sauerstoff, CPAP, nicht-invasive Beatmung/NIV) ergänzend zur konventionellen Sauerstoffgabe wird diskutiert. 

Deren hervorragende Wertigkeit ist inzwischen deutlich. 

Allerdings muss bei einigen Patienten nach Ausschöpfung nicht-invasiver Verfahren auf eine invasive Beatmung umgestellt werden. 

In den Leitlinien der Fachgesellschaften wird bei einem schweren Atemversagen ein Stufenschema vorgeschlagen.

Eine Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus kann zu einer Lungenentzündung und in deren Folge zu einer mitunter schweren Störung der Atemfunktion kommen. S

Spätestens dann ist eine stationäre Behandlung in der Klinik angezeigt. Hier stehen neben medikamentösen Behandlungsstrategien unterschiedliche Therapieverfahren zur Verbesserung der Sauerstoffversorgung des Körpers zur Verfügung. 

Diese werden in nicht-invasive und invasive Verfahren eingeteilt, wobei nicht-invasiv, also nicht „in den Körper hineingehend“, zum Ausdruck bringt, dass die Verbindungstelle zwischen den biologischen Atemwegen des Menschen einerseits und den künstlichen, Sauerstoff-zuführenden Schlauchsystemen andererseits außerhalb des menschlichen Körpers liegen, z.B. über eine Gesichtsmaske.

  • Als nicht-invasive Verfahren sind in der Medizin die Sauerstoffzufuhr über Nasenbrillen oder Gesichtsmasken, die High-Flow-Sauerstofftherapie mit hohen Sauerstoffkonzentrationen und Anfeuchtung der zugeführten Atemluft ebenfalls über Nasenbrillen und schließlich die nicht-invasive Beatmung (NIV = non-invasive ventilation) über Gesichtsmasken etabliert. 
  • Bei der NIV wird zusätzlich zur Sauerstoffgabe auch mit erhöhten Atemwegsdrücken gearbeitet, so dass zusätzlich zur Sauerstoffgabe damit entweder eine Beatmungstherapie mit unterschiedlichen Drücken während der Ein- und Ausatmung oder lediglich CPAP (continuous positive airway pressure) durchgeführt wird. 

Im Gegensatz dazu muss für die Gewährleistung der invasiven Beatmung ein Beatmungsschlauch (Tubus) über den Mund in die Luftröhre gelegt werden, ein Vorgang, den man als endotracheale Intubation bezeichnet.

Die genannten Verfahren unterscheiden sich zum Teil erheblich in ihrer Wirksamkeit, in ihren Voraussetzungen zur korrekten Durchführung sowie ebenfalls in ihrem Nebenwirkungsprofil. 

Zudem richtet sich ihr Einsatz nach den individuellen Bedingungen der Patienten/innen. Wichtig ist die Erkenntnis, dass eine invasive Beatmung nach Intubation zwar das effektivste Verfahren darstellt, wohl aber auch das weitaus größte Nebenwirkungs- und Komplikationsprofil aufweist. Dies ist unter anderem darin begründet, dass für die Dauer einer invasiven Beatmung über einen Endotrachealtubus in der Regel ein künstliches Koma aufrechterhalten werden muss, was eine 

Reihe von körpereigenen Funktionen über mehrere Tage oder sogar Wochen außer Kraft treten lässt, was wiederum Begleittherapien und entsprechende Komplikationen nach sich ziehen kann. 

  • Aus diesen Gründen gilt für schwere akute Atmungsstörungen grundsätzlich, eine Intubation mit nachfolgender invasiver Beatmung so lange wie möglich hinauszuzögern, ihren Zeitpunkt aber auch nicht zu verpassen, da dies ebenfalls mit einer erhöhten Komplikationsrate einhergehen kann.


Nun ist in Deutschland eine Diskussion zur richtigen Anwendung dieser Verfahren entstanden. Diese Diskussion wird allerdings weniger in Fachkreisen geführt, findet aber vielmehr über die mediale Kommunikation eine erhebliche Verbreitung. Dies hat zu vielen Fragen und mitunter schweren Verunsicherungen in der Laien-Bevölkerung geführt.

Insbesondere wird postuliert, dass eine zu frühe Intubation für eine Vielzahl von Todesfällen in Deutschland verantwortlich sei. In der Tat haben sehr frühe wissenschaftlich ausgewertete Beobachtungen auch sehr hohe Todeszahlen für COVID-19-Infizierte zeigen können, wenn sie intubiert gewesen sind. Diese Behauptung der Intubations-verursachten Todesfälle ist für die aktuelle Phase der Pandemie in Deutschland dennoch sicherlich nicht haltbar: 

Denn die genannten Beobachtungen stammen primär aus anderen Ländern als Deutschland wie China oder Italien während der initialen Phase der Pandemie ohne entsprechende Vorbereitung und reflektieren vielmehr die damals chaotischen Zustände in den dortigen massiv überfüllten Notaufnahmen mit zudem schwer eingeschränkten Möglichkeiten zur intensivmedizinischen Überwachung. Entsprechend kann daraus nicht abgeleitet werden, dass eine invasive Beatmung nach Intubation per se den Tod von COVID-19-Patienten bedingt, wie es an einigen Stellen in der allgemeinen Presse suggeriert wird.

Tatsächlich existieren national und international keine vergleichenden Studien, welche nicht-invasive und invasive Therapieverfahren in ihrer Wirksamkeit und Komplikationsrate bei COVID-19 gegenüberstellen. Dies ist medizinisch-wissenschaftlich auch nicht nur sehr schwierig unter der Prämisse, „Real-Life-Bedingungen“ durchzuführen, sondern mitunter auch nicht sinnvoll. So sind nicht-invasive und invasive Beatmung grundsätzlich ja nicht kompetitiv zueinander ausgerichtet, sondern reflektieren unterschiedliche Therapiestrategien, die bei unterschiedlichen Schweregraden des Atemversagens ihre Einsatzberechtigung haben.

  • Aktuelle Studien, insbesondere aus Frankreich und Italien, haben aber zeigen können, dass nicht-invasive Verfahren auch bei schwerster Störung der Atmungsfunktion ausreichend sein können, ohne dass eine Intubation notwendig wird. 

Dies bleibt aber im Einzelfall in Abhängigkeit von sehr vielen unterschiedlichen Parametern der Krankheitsschwere zu entscheiden. Dabei besteht heute ebenfalls Klarheit darüber, dass unter den Bedingungen erhaltener intensivmedizinischer Kapazitäten eine invasive Beatmung nach Intubation sehr wohl auch in der Lage ist, das Leben des Patienten zu retten und dass demgegenüber das kompromisslose Festhalten an nicht-invasiven Therapieverfahren prognostisch wiederum ungünstig sein kann.

Aus den genannten Gründen haben die wesentlichen an der Intensivmedizin beteiligten medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften unter der Mitarbeit führender Wissenschaftler in Deutschland im Konsens Leitlinien und Therapieempfehlungen zu COVID-19 publiziert. Danach wird ein Therapiealgorithmus als sinnvoll erachtet, welcher im Sinne eines Stufenschemas zunächst die Sauerstofftherapie und dann die High-Flow-Sauerstofftherapie als Therapiemaßnahme vorsieht, um dann auf nicht-invasive Beatmungsverfahren zu eskalieren, wenn die Initialtherapie unzureichend ist. Sollte auch diese nicht genügen, sind die Intubation und konsekutiv die invasive Beatmung zu erwägen. Es ist wichtig zu betonen, dass nach Maßgabe der Leitlinien nicht einzelne Parameter zu einer Therapieeskalation führen sollten. Vielmehr ist es das klinische Gesamtbild, welches unter den wachsamen Augen erfahrener Intensivmediziner/innen die Entscheidung zur Therapie-Eskalation oder auch –Deeskalation prägen soll.

Es ist zudem wichtig festzustellen, dass in Deutschland bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Engpässe in der intensivmedizinischen Versorgung von COVID-19-Patienten/innen aufgetreten sind und für die Zukunft gegenwärtig auch nicht erwartet werden. Deutschland verfügt über eine Vielzahl von Intensivstationen mit hoch qualifiziertem ärztlichen und pflegerischen Personal. Es gibt daher keinen Zweifel daran, dass Patienten/innen mit schwerer COVID-19-Infektion und Atemversagen flächendeckend in Deutschland gut und sachgerecht behandelt werden. Hier schaffen auch die gegenwärtig überarbeiteten Therapie-Leitlinien, welche die Pandemie-Erfahrungen über ein Jahr integrieren, Sicherheit für alle Krankenhäuser.

Vor diesen Hintergründen muss eine medial geführte Debatte zum richtigen oder falschen Zeitpunkt der Intubation als kontraproduktiv gelten. Eine solche Diskussion führt selbstverständlich beim medizinischen Laien zu Unsicherheit und mangelndem Vertrauen in die Medizin. Sie führt außerdem zu einer künstlichen Spaltung der Gesellschaft, indem sie fälschlicherweise suggeriert, es gäbe viele Mediziner die viel zu früh intubierten und damit das Leben von Betroffenen gefährdeten einerseits sowie solche, die fast immer ohne Intubation erfolgreich behandelten andererseits.

Die medial geführte Debatte zur Intubation bei COVID-19-Erkrankung reiht sich außerdem in eine Summe von öffentlichen Diskussionen ein, die auch das Ziel verfolgen, Verantwortliche und Schuldige zu benennen, die maßgeblich an einer Verschlechterung der Pandemie-Situation beteiligt sind. Dies untergräbt allerdings die tatsächliche Gefährlichkeit der Erkrankung. Tatsächlich sterben Patienten an COVID-19 sowohl unter den Bedingungen einer invasiven Beatmung als auch unter Fortsetzung nicht-invasiver Therapiemaßnahmen. Dies zeigt nur einmal mehr die Bedeutung von Hygienemaßnahmen und vom Impfen als wesentliche Maßnahmen der Pandemiebekämpfung.

Im Falle eines schweren Krankheitsverlaufes einer COVID-19 Erkrankung stehen aber nach einem Jahr Pandemieerfahrung unterschiedliche medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen zur Verfügung, die in der Regel im Rahmen von Stufenschemata nach klinischer Einschätzung und unterstützt durch Leitlinien-Empfehlungen der Fachgesellschaften zum Einsatz kommen.

Dies hat zu einer deutlichen Verbesserung der stationären Behandlungsmöglichkeiten geführt. 

Zum Arsenal der Beatmung gehören somit sowohl nicht-invasive als auch invasive Verfahren, die weder besser noch schlechter als das jeweils andere Verfahren sind, als vielmehr abhängig vom Schweregrad der Erkrankung sowie abhängig von Ko-Morbiditäten und anderen Patienten-individuellen Bedingungen zum Einsatz kommen.

Zum weiteren Lektüre sei an dieser Stelle verwiesen auf
1) Einen Übersichtsartikel zur invasiven und nicht-invasiven Beatmung bei COVID-19:
https://www.aerzteblatt.de/archiv/214735/Invasive-und-nichtinvasive-Beatmung-bei...,


2) die aktuellen Leitlinien zur stationären Behandlung der COVID-19-Erkrankung:
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/113-001.html,


3) die Internetseite des deutschen Intensivregisters der DIVI:
https://www.intensivregister.de/#/index

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Prof. Dr. med. Wolfram Windisch
Lungenklinik, Kliniken der Stadt Köln gGmbH
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Dr. Ulrich Kümmel
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Originalpublikation:

https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/113-001.html


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.aerzteblatt.de/archiv/214735/Invasive-und-nichtinvasive-Beatmung-bei... Übersichtsartikel zur invasiven und nicht-invasiven Beatmung bei COVID-19:


https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/113-001.html Leitlinien zur stationären Behandlung der COVID-19-Erkrankung


https://www.intensivregister.de/#/index Internetseite des deutschen Intensivregisters der DIVI


Durchführung von Rehasport (Lungensport) zu Pandemiezeiten: Der Rehabilitationssport in Gruppen https://www.lungensport.org/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Durchführbarkeit von Rehasport (Lungensport) zu Pandemiezeiten - Stellungnahme der AG Lungensport in Deutschland e.V.

Training, z. B. in ambulanten Lungensportgruppen, verbessert die Belastbarkeit von chronisch Lungenerkrankten. 

Diese Therapieoption hilft den Betroffenen, trotz eingeschränkter Lungenfunktion, den Alltag leichter zu bewältigen und Lebensqualität zu gewinnen. 

Lungensport ist eine medizinisch notwendige Leistung. 

Die im Rehasport geforderte Fläche von 5qm/Teilnehmer übertrifft den geforderten Mindestabstand von 1,50m weit. 

Im Rahmen des Rehabilitationssports ist die Nachverfolgbarkeit von möglichen Infektionen „systembedingt" zu 100% gegeben. 

Die AG Lungensport fordert, dass Lungensport unter Beachtung entsprechender Schutz- und Hygienekonzepte unter fachlicher Leitung stattfinden kann.

Bei der Frage der Durchführung von Rehasport (Lungensport) zu Pandemiezeiten muss abgewogen werden zwischen dem Risiko einer Infektion und den Risiken, die eine Unterbrechung des Rehasports mit sich bringt. 

Beide Risiken betreffen dasselbe Schutzgut, nämlich die Gesundheit. Einerseits birgt Rehasport in Gruppen die Gefahr einer Infektion, andererseits gefährdet die Untersagung das angestrebte Ziel des Rehasports, nämlich die gesundheitliche Rehabilitation. Von zentraler Bedeutung ist das Erlebnis des gemeinsamen Sporttreibens trotz krankheitsbedingter Leistungslimitierung.

Auch beim Rehasport hat die Gesundheit höchste Priorität. Kürzlich wurde eine Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. zu Hygienemaßnahmen bei der Behandlung von Patienten mit Lungenerkrankungen in der ambulanten Physiotherapie und dem Lungensport zu Pandemiezeiten publiziert (Hellmuth T et al. Pneumologie 2021; 75: 57-59). Die Umsetzung der beschriebenen Sicherheits- und Hygienestandards ist praktikabel und problemlos möglich. So ist beispielsweise durch die im Rehasport geforderten 5qm pro Teilnehmer immer ein Abstand von 2,50m gegeben. Der übliche Mindestabstand von 1,50 ist somit weit übertroffen. Weitere Maßnahmen umfassen die Erklärung der Sicherheits- und Hygienemaßnahmen durch Gruppenleiter, die Desinfektion verwendeter Materialien (auch Hocker) vor und nach jeder Übungsstunde, die Lüftung des Übungsraumes, die Kontrolle des Zugangs und die Bereitstellung von medizinischen Masken, Desinfektionsmitteln und Einmalhandtüchern. Auf die Nutzung von Umkleidekabinen und Gemeinschaftsräumen kann verzichtet werden.

Rehabilitationssport verlangt ausdrücklich nicht die Durchführung von maximaler körperlicher Leistung an Trainingsgeräten (wie in einem Fitnessstudio) und vermeidet dadurch hohe Atemluftströmungen bzw. vermehrte Aerosolbildung. Beim Training wird die Maske durchgehend getragen, und die Räumlichkeiten werden regelmäßig gelüftet. Jedem Teilnehmer wird ein fester Platz zugewiesen – beispielsweise im Sitzen auf dem Hocker. Zu Pandemiezeiten finden keine Partnerübungen statt. Von Bedeutung ist vielmehr das Erlebnis des gemeinsamen - also ort- /und zeitgleichen – Trainierens.

Der Rehabilitationssport in Gruppen findet unter Leitung eines zertifizierten Übungsleiters statt. Dieser Übungsleiter verfügt über (Fach-) Kenntnisse in Biologie und Medizin. Außerdem wird die Rehasportgruppe bei Bedarf von einem Arzt beraten. Diese Beratung umfasst auch die erforderlichen Hygienebestimmungen. Erfahrungsgemäß haben die Aussagen von Ärzten besonderes Gewicht und bieten deshalb eine besondere Gewähr dafür, dass Hygieneschutzbestimmungen eingehalten werden. Die Einhaltung eines Schutz- und Hygienekonzeptes kann also – anders als bei Individualtraining in Fitnessstudios von einer medizinisch fachkundigen Person kontrolliert werden.

Das Ministerium argumentiert, dass der Rehabilitationssport gerade für Teilnehmer aus „vulnerablen Gruppen“ untersagt werden muss. Diese Aussage konterkariert aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. In Norwegen wurden zunächst wie in anderen europäischen Ländern im Rahmen der Lockdown-Maßnahmen die Fitness-Studios geschlossen. Das norwegische Gesundheitsministerium hat daraufhin wissenschaftlich prüfen lassen, ob die Studios unter bestimmten Bedingungen wieder öffnen können. Die TRAiN-Studie („Rapid-Cycle Re-Implementation of Training Facilities in Norway“) der Oslo Universität ist eine randomisierte Studie zum Infektionsrisiko in Fitnessstudios. Das Virus zirkulierte während der Studienzeit in der Stadt. 

Doch die Fitness-Studios hat es unter den Sicherheitsstandards, die beim Rehasport deutlich höher sind, nicht erreicht (https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/114193/SARS-CoV-2-Wie-sich-Infektionen-im...).

Natürlich gibt es kein NULL-Risiko für eine CORONA-Infektion, doch muss das minimale Risiko in der „vulnerablen Gruppe“ der Lungenkranken unter den oben skizzierten Voraussetzungen in Beziehung gesetzt werden zum Risiko durch Unterbrechung des evidenzbasiert wirksamen Lungensports, das ungleich höher ist.

Weiter ist zu berücksichtigen, dass der ärztlich verordnete Rehabilitationssport in Gruppen schon ausweislich der gesetzlichen Leistungsbeschreibung in § 64 Abs. 1 Nr. 3 SGB IX „unter ärztlicher Betreuung und Überwachung“ steht und es deshalb nicht nur möglich, sondern gesetzlich vorgeschrieben ist, dass der betreuende und überwachende Arzt diejenigen Teilnehmer, bei denen ausnahmsweise derzeit der Besuch der Rehasportgruppe aus infektionsschutzgründen medizinisch nicht vertretbar ist, von der Teilnahme ausschließt.

  • Besonders schwer trifft die Entscheidung, Lungensport in ordentlicher Form zu untersagen, die Patienten mit Post-COVID-Syndrom. 

Gerade für diese Patienten ist Reha-Sport von besonderer Bedeutung. Dass die Betroffenen Rehasport nicht durchführen dürfen (ungeachtet der Tatsache, dass sie ja immun sind…), erscheint nicht plausibel.

Ein kleiner, aber relevanter Punkt ist, dass im Rahmen des Rehabilitationssports die Nachverfolgbarkeit von möglichen Infektionen „systembedingt" zu 100% gegeben ist.

Wir appellieren deshalb an die zuständigen Behörden, die Untersagung der Teilnahme am Reha-/Lungensport in kleinen Gruppen unter strikter Beachtung des oben genannten Schutzkonzeptes und der Hygienestandards aufzuheben, da diese Maßnahme in keinem angemessenen Verhältnis zum Ziel der Infektionsverhinderung bzw. Virusverbreitung durch Kontaktvermeidung steht, die Rehabilitation der Betroffenen sonst aber immer mehr gefährdet ist.

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Prof. Dr. Heinrich Worth

Dr. Sebastian Teschler, Essen
Prof. Dr. Heinrich Worth, Fürth 

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Prof. Dr. Alfred Königsrainer: Risiken chirurgischer Eingriffe bei Patientinnen und Patienten mit Coronavirus-Infektionen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-DirektKontakt: Neue internationale Studie zur Sicherheit von chirurgischen Eingriffen nach Coronavirus-Infektionen

Bereits im Mai 2020 belegten erste Daten des Forschungsnetzwerks COVIDSurg, dass Patientinnen und Patienten mit einer Coronavirus-Infektion bei chirurgischen Eingriffen eine erhöhte Sterblichkeit aufweisen. 

  • In einer der bislang größten internationalen Beobachtungsstudien konnte das Forschungsteam nun aktuell herausfinden, dass planbare (sog. elektive) Operationen von auf SARS-CoV-2 positiv getesteten Personen um mindestens sieben Wochen aufgeschoben werden sollten, um das postoperative Sterblichkeitsrisiko zu senken. 

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Anaesthesia veröffentlicht.

  • Operationen, die bis zu sechs Wochen nach einer Infektion mit dem Coronavirus erfolgen, sind mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. 

Das zeigen die Ergebnisse einer neuen Studie des Forschungsnetzwerks COVIDSurg, die aktuell in der Fachzeitschrift Anaesthesia erschienen sind. 

  • Demnach liegt bei Patientinnen und Patienten mit positivem Coronavirus-Testbefund während dieses Zeitraums ein mehr als zweieinhalbfach erhöhtes Risiko vor, in Folge einer Operation zu versterben – unabhängig von einer anhaltenden Erkrankungssymptomatik. 

Für die Studie hat das Forschungsteam unter der Leitung der Universität Birmingham Daten von 140.727 Personen aus 1.674 Kliniken in insgesamt 116 Ländern erhoben und ausgewertet. Zeitpunkt der Erhebung war Oktober 2020.

Von den in der Studie eingeschlossenen Personen waren 2,2 Prozent zu verschiedenen Zeitpunkten positiv auf COVID-19 getestet worden, die restlichen 97,8 Prozent waren nicht mit dem Virus infiziert und bildeten die Vergleichsgruppe. Die Mortalität innerhalb von 30 Tagen nach einem chirurgischen Eingriff (Studienendpunkt) betrug demnach bei den negativ getesteten Personen nur 1,5 Prozent. Die entsprechende Sterblichkeit bei den Personen, die während der ersten vier Wochen nach einer Coronavirus-Infektion operiert wurden, betrug dagegen vier Prozent und nach fünf bis sechs Wochen immer noch 3,6 Prozent. Die Mortalität sank erst sieben Wochen nach dem Infektionsnachweis wieder auf das Ausgangsniveau von 1,5 Prozent ab.

Diese Ergebnisse waren über alle Altersgruppen und unabhängig von der Schwere der Begleiterkrankung, der Dringlichkeit und vom Ausmaß des Eingriffs konsistent. 

Jedoch wiesen Patientinnen und Patienten mit anhaltenden COVID-19-Symptomen auch noch nach sieben Wochen eine mit sechs Prozent stark erhöhte Mortalität auf, im Gegensatz zu Personen, bei denen die Symptome bereits abgeklungen waren (2,4 Prozent) bzw. die trotz Infektion ohne Erkrankungssymptome blieben (1,3 Prozent).

Entsprechend rät das Forschungsteam bei positivem Coronavirus-Nachweis, planbare Operationen um mindestens sieben Wochen zu verschieben und abzuwarten, bis entsprechende COVID-19-Symptome abgeklungen sind. 

 „Allerdings ist es absolut essenziell, die Entscheidung über den Aufschub einer Operation für jeden Patienten und jede Patientin individuell zu treffen“, so Professor Dr. Alfred Königsrainer, klinischer Leiter der Studie in Tübingen und Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie. „Die Risiken und der mögliche Nutzen einer verzögerten Operation nach einem Coronavirus-Nachweis müssen in jedem Einzelfall genau abgewogen werden“.

Über das Forschungsnetzwerk COVIDSurg:

Die COVIDSurg Collaborative ist ein Forschungsnetzwerk, das die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die chirurgische Versorgung untersucht. Am Netzwerk sind zwischenzeitlich über 15.000 Ärztinnen und Ärzte bzw. Forscherinnen und Forscher aus über 100 Ländern der Welt beteiligt. COVIDSurg hat im Oktober 2020 eine der bislang größten Beobachtungsstudien unter dem Titel COVIDSurg-Week zu chirurgischen Risiken im Zusammenhang mit Coronavirus-Infektionen durchgeführt und gleichzeitig chirurgische Vergleichsdaten und Qualitätsindikatoren erhoben, die zukünftig dabei helfen sollen, die chirurgische Versorgung weltweit zu vergleichen und zu verbessern https://globalsurg.org/surgweek/.

Erste wegweisende Erkenntnisse zu den Risiken chirurgischer Eingriffe bei Patientinnen und Patienten mit Coronavirus-Infektionen konnten vom Forschungsnetzwerk COVIDSurg bereits im Mai 2020 in der Fachzeitschrift The Lancet publiziert werden (https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)31182-X).

Zu den Personen:

Prof. Dr. Alfred Königsrainer und Dr. Markus Quante sind die klinischen Studienleiter in Tübingen, die gemeinsam mit weiteren Kollegen wie Dr. Can Yurttas die COVIDSurg Studien durchführen und sich an dieser weltweiten Initiative beteiligen.

Dr. Markus Löffler ist Mitglied im nationalen Leitungsgremium der COVIDSurg Collaborative und unterstützt die Initiative und die Studiendurchführung in Deutschland.

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Universitätsklinikum Tübingen
Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie
Dr. Can Yurttas
Hoppe-Seyler-Straße 3, 72076 Tübingen
Tel. 07071 29-86620
can.yurttas@med.uni-tuebingen.de

Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie
Dr. Markus Löffler
Hoppe-Seyler-Straße 3, 72076 Tübingen
Tel. 07071 29 80992
markus.loeffler@med.uni-tuebingen.de

Universität Birmingham
COVIDSurg an der Universität Birmingham
Tony Moran
Leiter Internationale Kommunikation
Tel. +44 782 783 2312 bzw. +44 7789 921 165 (Zentrale)
t.moran@bham.ac.uk

Bianca Hermle Universitätsklinikum Tübingen

Hoppe-Seyler-Str. 6
72076 Tübingen
Postfach 2668
72016 Tübingen
Deutschland
Baden-Württemberg

Bianca Hermle
Telefon: 07071 / 29 88548
E-Mail-Adresse: presse@med.uni-tuebingen.de 
Originalpublikation:

Timing of surgery following SARS-CoV-2 infection: an international prospective cohort study- COVIDSurg Collaborative; https://doi.org/10.1111/anae.15458

Prof. Daniel und Prof. Skurk: 40 verschiedene Zucker und Zuckerverbindungen im Blut

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Mit neuen Biomarkern Diabetes-Typ-2 frühzeitig erkennen - Zucker und Zuckerverbindungen im Fokus

463 Millionen Erwachsene weltweit leben mit Diabetes mellitus. 

Rund 90 Prozent davon weisen einen Diabetes-Typ-2 auf, der im Gegensatz zum Typ-1 maßgeblich durch den Lebensstil bedingt ist. 

Etwa die Hälfte der Fälle wird nicht frühzeitig diagnostiziert. 

Mit Hilfe einer am Max Rubner-Institut, entwickelten Analytik für eine Vielzahl von Zuckerverbindungen und deren Abkömmlingen konnten in einer Studie einige bisher im Blut nicht bekannte Zuckerverbindungen gefunden werden, die sich mit der Erkrankung an Diabetes-Typ-2 veränderten. 

Sie könnten daher als Biomarker für eine frühzeitige und verbesserte Diagnose dienen.

Eine frühzeitige Diagnose von Diabetes-Typ-2 kann durch präventive Maßnahmen, wie zum Beispiel einer Ernährungsumstellung und mehr Bewegung, die Erkrankung verhindern und gar die Heilung früher Stadien des Diabetes-Typ-2 ermöglichen. 

  • Blutglucosespiegel, Glucose im Urin und glykiertes Hämoglobin (HbA1C) im Blut sind gute Marker für die Diagnose, das Fortschreiten und die Überwachung der Erkrankung. 

Doch Marker, die noch früher, schnell, einfach und sicher eine Diagnose vor dem Auftreten von Symptomen ermöglichen, sind wünschenswert.

In den letzten Jahren werden vermehrt sogenannte Metabolomics-Methoden genutzt, um neue Biomarker zu finden. Diese Ansätze ermöglichen eine umfangreiche Analyse aller Verbindungen, die zum Beispiel in Urin oder Blut vorkommen. Metabolom-Daten gewähren daher tiefergehende Einblicke in das Stoffwechselgeschehen und können helfen, die Entwicklung von Erkrankungen besser zu verstehen.  

Obwohl es sich bei Diabetes um eine Erkrankung handelt, die vor allem den Zuckerstoffwechsel betrifft, wurden bisher nur wenige Zucker und Zuckerverbindungen im Zusammenhang mit einer Insulinresistenz, als verändert identifiziert.  

  • Insulin-Resistenz ist eine der wichtigsten Stoffwechselveränderungen zu Beginn einer Diabetes-Erkrankung, bei der der Körper zunehmend unempfindlich auf die Insulinausschüttung infolge einer zuckerreichen Mahlzeit reagiert. 

Eine Schwierigkeit bei der Suche nach Zuckern als Biomarker sind analytische Probleme, weil diese Stoffklasse viele sehr ähnliche Verbindungen umfasst, die meist nicht separiert werden können. Mit Hilfe einer speziellen Methode hat das Institut für Sicherheit und Qualität bei Obst und Gemüse nun die Möglichkeit, eine Vielzahl von Zuckern und Zuckerverbindungen in biologischen Proben zu erfassen. 

  • Dabei werden nicht nur typische Mono- und Disaccharide
  • wie Glucose, 
  • Fructose,  
  • Saccharose nachgewiesen, sondern auch die davon abgeleiteten 
  • Zuckeralkohole, 
  • Zuckersäuren
  • Aminozucker
  • seltene Zucker.


Am Max Rubner-Institut wurde das Zuckerprofil im Blut gesunder, prädiabetischer und diabetischer Probanden einer humanen Interventionsstudie untersucht, die an der Technischen Universität München (Zusammenarbeit mit Arbeitsgruppe von Prof. Daniel und Prof. Skurk) durchgeführt wurde. 

Insgesamt konnten 40 verschiedene Zucker und Zuckerverbindungen im Blut gefunden werden. 

Davon wurden 27 Zuckerverbindungen eindeutig identifiziert, während die verbleibenden 13 Verbindungen bisher nur bestimmten Klassen von Zuckerverbindungen zugeordnet werden konnten. 

Auch seltene und unübliche Zuckerverbindungen wie Allulose, Trehalose oder Xylonsäure wurden im Blut nachgewiesen.


Die Analysen ergaben, dass sich das Zuckerprofil im Blut von Gesunden, Prädiabetikern und Diabetikern bereits im Nüchternzustand deutlich unterschied: 

  • Nicht nur beim klassischen „Blutzucker“ Glucose, sondern auch bei anderen Zuckern wie Mannose, Maltose, Trehalose, Fructose und 1,5-Anhydrosorbitol wurden signifikant unterschiedliche Mengen im Plasma im Vergleich zu gesunden Probanden nachgewiesen. 

Weiterhin konnte gezeigt werden, dass es Zuckerverbindungen gibt, die unabhängig vom Diabetes-Status der Probanden nach Gabe des Test-Getränks anstiegen, z.B. Allulose und eine weitere, bisher nicht genau identifizierte Zuckerverbindung. 

Andere Verbindungen (u.a. Trehalose, Mannose, Fructose, Threitol) zeigten nach Aufnahme des Test-Getränks ähnliche zeitliche Konzentrationsverläufe wie Glucose. 

Welche Zusammenhänge hier zum Insulinstoffwechsel bestehen, ist noch unklar. 

Die Ergebnisse aus Nüchternplasma und den Befunden aus dem oralen Glucosetoleranztest machen jedoch deutlich, wie wenig bisher über den Stoffwechsel der „anderen“, bisher oft nicht erfassten und daher nicht beachteten Zucker bekannt ist.

  • Aufgrund der charakteristischen Unterschiede einiger Zucker und Zuckerverbindungen zwischen Gesunden, Prädiabetikern und Diabetikern erscheint es lohnenswert, deren Verwendbarkeit als frühzeitige Marker für Diabetes-Typ-2 zu prüfen. 
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Prof. Dr Christoph Binder: Senkung des venösen Thromboserisikos (Blutgerinnung): Antikörperbestimmung Immunglobulin-M (IgM)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neuer Therapieansatz für Senkung des Thromboserisikos entdeckt

Eine Studie der Forschungsgruppe von Christoph Binder, Principal Investigator am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie Professor an der Medizinischen Universität Wien, erklärt, wie Antikörper des Typs Immunglobulin-M (IgM) Thrombosen verhindern können.

  • Der thrombotische Verschluss von Blutgefäßen führt zu Herzinfarkten, Schlaganfällen und venösen Thromboembolien und stellt die Hauptursache für frühzeitige Todesfälle weltweit dar. 

Eine neue Studie der Forschungsgruppe von Christoph Binder, Principal Investigator am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie Professor an der Medizinischen Universität Wien, erklärt nun, wie Antikörper des Typs Immunglobulin-M (IgM) Thrombosen verhindern können.  

  • Diese – so zeigt die im Fachjournal Blood veröffentlichte Studie – können sogenannte Mikrovesikel, Membranabschnürungen, die von Zellen freigesetzt werden und thrombosefördernd wirken, identifizieren, binden und so einen schützenden Effekt erzielen. 

Die Ergebnisse liefern damit einen neuen Ansatzpunkt zur Reduktion des Thromboserisikos durch IgM-Antikörper.

Antikörper sind ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems. 

  • Diese Eiweißstoffe dienen im Körper einerseits zur Abwehr von Mikroben wie Bakterien, Pilze und Viren, andererseits zum Abbau von körpereigenem „Zellabfall“. 

Eine wesentliche Rolle spielen dabei natürlich vorkommende Antikörper vom Typ Immunglobulin-M (IgM). 

  • Im Kontext von Thrombosen belegten frühere Studien, dass Menschen mit einer niedrigen Zahl an IgM-Antikörpern ein erhöhtes Risiko für venöse Thrombosen aufweisen. 

Eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Christoph Binder, Professor für Atheroskleroseforschung an der Medizinischen Universität Wien und Principal Investigator am CeMM, konnte in einer 2009 publizierten Studie zeigen, dass ein großer Anteil aller natürlichen IgM-Antikörper sogenannte oxidations-spezifische Epitope bindet, jene molekularen Strukturen, die dafür sorgen, dass absterbende Zellen vom Immunsystem erkannt und abtransportiert werden können. 

In der aktuellen Studie identifizierte Binders Forschungsgruppe jene Mechanismen, welche der antithrombotischen Wirkung von IgM-Antikörpern zugrunde liegen.

IgM-Antikörper binden gerinnungsfördernde Mikrovesikel

  • Mikrovesikel sind Membranabschnürungen, welche von der Zellmembran freigesetzt werden und eine wichtige Rolle in der Blutgerinnung und bei Thrombosen spielen. 

Die Studienautoren Georg Obermayer und Taras Afonyushkin aus Christoph Binders Forschungsgruppe, beide an CeMM und MedUni Wien affiliiert, konnten nun zeigen, dass natürliche IgM-Antikörper, welche oxidations-spezifische Epitope binden, die Blutgerinnung in humanen Proben und Thrombosen in Mäusen verhindern können, welche durch Mikrovesikel verursacht werden.

  •  „Wir gehen davon aus, dass genau diese spezifischen Mikrovesikel besonders entzündungs- und gerinnungsfördernd sind“, so die Wissenschafter. 

Sowohl bei Versuchen am Mausmodell als auch direkt an menschlichen Blutproben konnten die Wissenschafter zeigen.

--dass durch das Hinzufügen von IgM-Antikörpern die durch spezifische Mikrovesikel verursachte Blutgerinnung gehemmt wird. 

  • Umgekehrt zeigte sich auch, dass sich durch Depletion der IgM-Antikörper die Blutgerinnung und Thrombose verstärkte.


Möglicher Ansatzpunkt für zukünftige Therapien

Die Studienautoren erklären:

 „Die Studie lässt uns erstmals verstehen, warum Menschen mit einer niedrigen Zahl an natürlichen IgM-Antikörpern ein erhöhtes Thromboserisiko aufweisen.“ Projektleiter Christoph Binder ergänzt: 

„Die Ergebnisse bieten hohes Potenzial für neue Behandlungen zur Senkung des Thromboserisikos. 

  • Die Beeinflussung des IgM-Antikörper-Spiegels bei RisikopatientInnen könnte eine sinnvolle Ergänzung zur bisher etablierten Blutverdünnung darstellen, da diese bekanntermaßen auch mit Nebenwirkungen wie verstärkter Blutungsneigung bei Verletzungen einhergeht.“ 

Zudem leistet die Studie einen wichtigen Beitrag für die Wissenschaft. 

„Mikrovesikel wurden als Bestandteil der Blutgerinnung auf wissenschaftlicher Seite in den vergangenen Jahren zunehmend als wichtig anerkannt. Die Studie schaffte allerdings erstmals die Möglichkeit, sie therapeutisch zu beeinflussen“, so Binder.

Die Studie „Natural IgM antibodies inhibit microvesicle-driven coagulation and thrombosis“ erschien in der Zeitschrift Blood, online am 8. Dezember 2020. DOI: https://doi.org/10.1182/blood.2020007155.

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AutorInnen: Georg Obermayer*, Taras Afonyushkin*, Laura Göderle, Florian Puhm, Waltraud Schrottmaier, Soreen Taqi, Michael Schwameis, Cihan Ay, Ingrid Pabinger, Bernd Jilma, Alice Assinger, Nigel Mackman, Christoph J. Binder; *geteilte Erstautorenschaft

Förderung: Die Studie wurde vom Spezialforschungsbereich SFB-54 "InThro" des Wissenschaftsfonds FWF, dem Christian-Doppler-Labor für Innovative Therapieansätze in der Sepsis und dem CCHD (Cell Communication in Health and Disease) des FWF unterstützt.

Christoph Binder wurde 1973 in Wien geboren. Nach Abschluss seines Medizinstudiums an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien 1997, absolvierte er ein PhD-Programm an der University of California in San Diego. Im Jahr 2005 wechselte Christoph Binder am Institut für Labormedizin der Medizinischen Universität Wien, wo er 2009 zum Professor für Atheroskleroseforschung ernannt wurde. 2006 kam er als Principal Investigator an CeMM. Binder ist Spezialist für Labormedizin und leitet eine Forschungsgruppe, die sich mit der Rolle von Immunfunktionen bei Atherosklerose beschäftigt und wie diese für therapeutische Interventionen genutzt werden können. Er beschrieb erstmals die atheroprotektive Wirkung der Pneumokokken-Impfung und des natürlichen IgM T15/E06 (Binder et al., 2003). Seine Arbeitsgruppe entdeckte, dass bestimmte oxidationsspezifische Epitope, die aus der Lipidperoxidation stammen, wichtige Ziele für natürliche Antikörper (Chou et al., 2009) und für den Komplementfaktor H (Weismann et al., 2011) sind. Er identifizierte auch die atheroprotektiven Rollen und Mechanismen der Zytokine IL-5 (Binder et al., 2004) und IL-13 (Cardilo-Reis et al., 2012) sowie der natürlichen IgM-Antikörper (Gruber et al., 2016; Tsiantoulas et al., 2017). Seine jüngsten Arbeiten konzentrierten sich auf die Identifizierung und Charakterisierung von mitochondrialen extrazellulären Vesikeln (Puhm et al., C2019). Im Laufe seiner Karriere gewann Christoph Binder zahlreiche renommierte Stipendien und Preise und ist Autor von über 130 Publikationen in renommierten Fachzeitschriften wie Nature Medicine und Nature.

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Das CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist eine internationale, unabhängige und interdisziplinäre Forschungseinrichtung für molekulare Medizin unter wissenschaftlicher Leitung von Giulio Superti-Furga. Das CeMM orientiert sich an den medizinischen Erfordernissen und integriert Grundlagenforschung sowie klinische Expertise um innovative diagnostische und therapeutische Ansätze für eine Präzisionsmedizin zu entwickeln. Die Forschungsschwerpunkte sind Krebs, Entzündungen, Stoffwechsel- und Immunstörungen, sowie seltene Erkrankungen. Das Forschungsgebäude des Institutes befindet sich am Campus der Medizinischen Universität und des Allgemeinen Krankenhauses Wien. www.cemm.at

Die Medizinische Universität Wien (kurz: MedUni Wien) ist eine der traditionsreichsten medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten Europas. Mit rund 8.000 Studierenden ist sie heute die größte medizinische Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum. Mit 5.500 MitarbeiterInnen, 30 Universitätskliniken und zwei klinischen Instituten, 12 medizintheoretischen Zentren und zahlreichen hochspezialisierten Laboratorien zählt sie auch zu den bedeutendsten Spitzenforschungsinstitutionen Europas im biomedizinischen Bereich. www.meduniwien.ac.at


Originalpublikation:

https://doi.org/10.1182/blood.2020007155.

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Prof. Dr. Christoph Nissen: Schlaf in Phasen von intensiven Leistungsanforderungen in Beruf oder Alltag nicht durch Ruhe ersetzt werden kann

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schlaf für Erholung des Gehirns unersetzlich

Forscher*innen des Universitätsklinikums Freiburg weisen erstmals direkt nach, dass während des Schlafens im Gehirn aktive Erholungsprozesse ablaufen, die sich nicht durch Ruhe ersetzen lassen / Erkenntnisse relevant für optimale Leistung

Schlaf ist im Tierreich allgegenwärtig und lebensnotwendig. 

Auch seine Bedeutung für die Verstetigung und Verstärkung von Leistungen des Gehirns ist seit langem bekannt. 

Strittig war bislang allerdings, ob dies vor allem darauf zurückzuführen ist, dass das Gehirn im Schlaf keine neuen Reize verarbeiten muss oder ob aktive neuronale Prozesse unwichtige Informationen und Verbindungen im Gehirn schwächen. 

Nun ist es Forscher*innen des Universitätsklinikums Freiburg gelungen nachzuweisen, dass Schlaf für die Verbesserung kognitiver Fähigkeiten mehr ist als die Abwesenheit äußerer Reize. Die Erkenntnisse, die am 6. Januar 2021 im Fachmagazin Sleep erschienen sind, geben wichtige Hinweise für die Planung intensiver Lernphasen wie das Abitur oder Prüfungsabschlüsse.

„Schlaf ist für die Erholung des Gehirns unersetzlich.  

Er lässt sich für eine Leistungsverbesserung nicht durch Ruhephasen ersetzen. 

Das zeigen wir in dieser Studie erstmals eindeutig. 

Der Zustand des Gehirns während des Schlafs ist einmalig“, sagt Prof. Dr. Christoph Nissen, der als Forschungsgruppenleiter an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg die Studie leitete und mittlerweile an der Universität Bern, Schweiz, tätig ist. 

Bereits in früheren Studien konnten Nissen und sein Team zeigen, dass Schlaf eine Doppelfunktion für das Gehirn hat: 

  • Nicht benötigte Verbindungen werden geschwächt und relevante Verbindungen gestärkt.


In der aktuellen Studie führten die Forscher*innen ein visuelles Lernexperiment mit 66 Proband*innen durch. Zunächst übten alle Teilnehmer*innen, bestimmte Muster zu unterscheiden. Im Anschluss war eine Gruppe wach und sah dabei Videos oder spielte Tischtennis. Eine Gruppe schlief für eine Stunde und die dritte Gruppe blieb wach, war jedoch in einem abgedunkelten Raum ohne äußere Reize und unter kontrollierten Schlaflaborbedingungen. Die Gruppe, die geschlafen hatte, schnitt im Anschluss nicht nur deutlich besser ab als die Gruppe die wach und aktiv war. Auch die passiv-wache Gruppe konnte sie übertreffen. 

Die Leistungsverbesserung war an typische Tiefschlafaktivität des Gehirns gebunden, die eine wichtige Funktion für die Verknüpfungsstärke von Nervenzellen hat. 

„Das zeigt, dass es der Schlaf selbst ist, der den Unterschied macht“, sagt Ko-Studienleiter Prof. Dr. Dieter Riemann, Leiter des Schlaflabors an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. 

In Kontrollexperimenten stellten die Freiburger Forschenden sicher, dass Müdigkeit und andere allgemeine Faktoren keinen Einfluss auf das Ergebnis hatten.

Die Studie zeigt, dass Schlaf in Phasen von intensiven Leistungsanforderungen in Beruf oder Alltag nicht durch Ruhe ersetzt werden kann.

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Prof. Dr. Christoph Nissen
Forschungsgruppenleiter
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Freiburg
Christoph.Nissen@upd.ch

Breisacher Straße 153
79110 Freiburg
Deutschland
Baden-Württemberg

Benjamin Schoch-Waschow
Telefon: (0761) 270 - 19090
Fax: (0761) 270 - 19030
E-Mail-Adresse: benjamin.waschow@uniklinik-freiburg.de 
Originalpublikation:

Original-Titel der Studie: Sleep is more than rest for plasticity in the human cortex
DOI: 10.1093/sleep/zsaa216
 

Link zur Studie: https://academic.oup.com/sleep/advance-article-abstract/doi/10.1093/sleep/zsaa21...


TOP-Einladung zum Online-Seminar: Corona-Impfung und Transplantation: 15. März um 18 Uhr

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: MHH bietet Online-Seminar zu Corona-Impfung und Transplantation an

Herz, Lunge, Leber, Niere: Veranstaltung für Patienten vor und nach Organtransplantation und ihre Angehörigen am 15. März um 18 Uhr

Wie effektiv und sicher sind die Impfstoffe gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2? 

Wie unterscheiden sie sich? 

Was müssen transplantierte Patientinnen und Patienten beachten? 

Das interdisziplinäre Transplantationszentrum der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) lädt Patientinnen und Patienten vor und nach Transplantation sowie Angehörige ein, sich über das Thema „Corona-Impfung und Organtransplantation“ zu informieren.

Expertinnen und Experten des MHH-Transplantationszentrums stellen den aktuellen wissenschaftlichen Stand vor und beantworten Fragen am:

• Montag, 15. März 2021
• um 18 Uhr

Anmeldung zum Online-Seminar sind zwingend erforderlich unter 

http://www.mhh.de/transplantationszentrum/patientenseminare.

Ihre Gesprächspartner sind:

• Prof. Dr. Heiner Wedemeyer, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie
• Prof. Dr. Hermann Haller, Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen
• Prof. Dr. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie
• Prof. Dr. Christine Falk, Leiterin des Instituts für Transplantationsimmunologie
• Dr. Elmar Jäckel, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie

Die Impfungen gegen COVID-19 sind angelaufen und werden voraussichtlich bald allen Personen mit einem höheren Risiko zur Verfügung stehen. Dazu gehören auch Patientinnen und Patienten, die auf ein Spenderorgan warten oder bereits transplantiert sind.

SERVICE:
Weitere Informationen erhalten Sie bei Camilla Mosel, 

transplantationszentrum@mh-hannover.de

Telefon (0511) 532-6793.

Den Flyer zu der Veranstaltung finden Sie unter

https://www.mhh.de/fileadmin/mhh/transplantationszentrum/Veranstaltungen/Corona-...

 

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Prof. Dr. Michael Schindler: Neutralisierungsfähigkeit der Antikörper - spezifische Antikörperreaktion

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue Studie zeigt die Komplexität der Immunität gegen SARS-CoV-2

Da keine beziehungsweise nur wenig wirksame Behandlungsmethoden für COVID-19 verfügbar sind, wurde in vielen Ländern die therapeutische Verwendung von Blutplasma genesener Patienten zugelassen, in denen Antikörper gegen das Coronavirus nachgewiesen wurden. 

Aber nicht jede Art von Antikörper kann das Virus neutralisieren und es somit inaktivieren.

"Was wir im Rahmen der Plasmatherapie brauchen, ist nicht nur ein hoher Anteil an SARS-CoV-2 spezifischen Antikörpern, sondern auch eine hohe Neutralisierungsfähigkeit dieser Antikörper", sagt der Virologe Professor Michael Schindler vom Universitätsklinikum Tübingen.


Die Fähigkeit, Viren zu neutralisieren, kann jedoch je nach Antikörpertyp stark variieren, berichten Schindler und seine Kollegen diese Woche im Open Access Journal der American Society for Microbiology mSphere. 

Die Forscher analysierten COVID-19-Antikörper im Blut von 49 Personen mit asymptomatischen oder milden Verläufen und testeten diese Antikörper dann an menschlichen Zelllinien, die mit dem Virus infiziert wurden, auf ihre Neutralisierungsfähigkeit. 

In Übereinstimmung mit anderen Studien fanden sie heraus, dass in der überwiegenden Mehrheit der Fälle (88 Prozent) infizierte Personen eine SARS-CoV-2-spezifische Antikörperreaktion entwickelten.  

Bei diesen korrelierte die Neutralisierung mit der Häufigkeit von Antikörpern gegen die rezeptorbindende Domäne des S-Oberflächenproteins des Coronavirus.

Aber das war noch nicht alles, betont Schindler. Nur sechs Probanden produzierten Antikörper in ausreichender Menge, um das Virus bei hohen Serumverdünnungen zu neutralisieren. Vier Probanden, die Symptome zeigten und positiv auf eine Infektion getestet wurden, entwickelten überhaupt keine spezifischen Antikörper gegen SARS-CoV-2. Weitere vier Probanden entwickelten ziemlich hohe Antikörperspiegel, konnten das Virus in den Infektionsexperimenten an menschlichen Zelllinien aber nur unzureichend neutralisieren, so Schindler.

"Das zeigt, dass wir keine allgemeinen Aussagen über Antikörper oder deren neutralisierende Aktivität nach überstandener Infektion machen können“, erläutert die Virologin Dr. Natalia Ruetalo, ebenfalls am Universitätsklinikum Tübingen. Ruetalo, 

Erstautorin der Studie, fügt hinzu, dass nicht jeder Mensch die gleiche Immunantwort hat.

  • Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Teil der Patienten eine Immunreaktion zeigt, die nicht zur Bildung neutralisierender Antikörper führt, sagt Ruetalo. 

"Diese Menschen können unterhalb einer gewissen Schwelle der schützenden Immunität bleiben und können theoretisch ein weiteres Mal infiziert werden", führt sie weiter aus.


In anschließenden Experimenten verwendeten die Forscher einen Test, der von Dr. Markus Templin und Kollegen am NMI Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut in Reutlingen entwickelt wurde, um die Konzentration von Antikörpern anderer Coronaviren im Serum der Probanden zu quantifizieren. 

Diese Ergebnisse korrelierten sie mit der Fähigkeit der Seren, SARS-CoV-2 zu neutralisieren. 

Dabei fanden sie überraschenderweise einen Zusammenhang mit Antikörpern gegen das Coronavirus 229E, das zu den einfachen Erkältungsviren gehört und mit SARS-CoV-2 fern verwandt ist. 

„Antikörper, die im Kontext einer Infektion mit dem Erkältungscoronavirus 229E gebildet werden, sind wahrscheinlich nicht ausreichend, um eine Person vor COVID-19 zu schützen“, so Schindler, aber sie könnten dem Körper helfen, das Virus zu neutralisieren und somit zu einem milden Krankheitsverlauf beitragen.


Die neue Arbeit unterstreicht die Komplexität im Bestreben, Antikörper als Beweis oder Surrogatmarker für eine Immunität gegen SARS-CoV-2 zu verwenden, ohne deren spezifische Neutralisationskapazität zu kennen, so Schindler. 

Seine Gruppe führt nun ähnliche Experimente durch, um herauszufinden, wie die neutralisierende Immunantwort gegen Varianten von SARS-CoV-2 a

 

 

ussieht, die in Südafrika und anderswo aufgetaucht sind.

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Universitätsklinikum Tübingen
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Bianca Hermle
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Originalpublikation:

10.1128/mSphere.01145-20


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https://msphere.asm.org/content/6/1/e01145-20/article-info Publikation


Dr. phil., Betr. oec. Sandra Oppikofer: Erinnerungsarbeit mit Musik und Geräusche: Musikspiegel

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Vertonte Erinnerungen als Stimmungsaufheller

Klänge, die an positive autobiografische Erlebnisse geknüpft sind, können das Wohlbefinden von Menschen mit Gedächtnisschwierigkeiten deutlich steigern, depressive Verstimmungen verringern und Verhaltensauffälligkeiten mildern. 

Dies zeigt eine Interventionsstudie der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Praxis. 

Von der Erinnerungsarbeit mit Musik profitieren auch Pflege- und Betreuungspersonen. 

 Individuell abgestimmte Musik oder Geräusche, die an schöne Erlebnisse geknüpft sind, ermöglichen Menschen mit Demenz, freudige und sinnstiftende Erfahrungen zu machen.

Individuell abgestimmte Musik oder Geräusche, die an schöne Erlebnisse geknüpft sind, ermöglichen Menschen mit Demenz, freudige und sinnstiftende Erfahrungen zu machen. Jos Schmid

  • Erinnerungen bestimmen zu einem grossen Teil, wer wir sind. 
  • Geräusche und Musik, die an schöne Erlebnisse geknüpft sind, können positive Assoziationen wecken und so die Stimmung heben – ganz besonders bei Menschen mit Gedächtnisschwierigkeiten. 

Dies geht aus einer Studie des Zentrums für Gerontologie und des Forschungsschwerpunktes «Dynamik Gesunden Alterns» der Universität Zürich hervor. 

Zusammen mit verschiedenen Institutionen aus der Praxis wurde darin das Potenzial einer musikalischen Intervention, die auf biografischen Erinnerungen basiert, bei Menschen mit Demenz untersucht. 

«Individuell abgestimmte, bedeutsame Musik oder Geräusche ermöglichen Menschen mit Demenz, freudige und sinnstiftende Erfahrungen zu machen», resümiert Studienleiterin Sandra Oppikofer die Erkenntnisse. «Über die Klänge können sie mit ihrem Umfeld in Verbindung treten, sich engagieren und dabei positive Episoden des Lebens aufleben lassen.»

Wencke Myhre weckt Erinnerungen an Goalie-Zeit

Ausgangspunkt der Studie war der sogenannte «Musikspiegel», eine von der britischen Musikpädagogin Heather Edwards entwickelte Methode. 

Dafür werden positive Erinnerungen von Demenzbetroffenen in deren eigenen Worten festgehalten und mit Geräuschen oder Musik kombiniert, die mit den entsprechenden Lebensepisoden zusammenhängen.

 Oppikofer verdeutlicht an einem Beispiel: 

«In unserer Studie erinnerte sich ein Mann daran, dass er seine Frau auf dem Fussballplatz kennengelernt hatte – als Goalie beim FC Wettingen. 

Diese biografische Episode verknüpfte er mit dem Lied ‹Er steht im Tor› von Wencke Myhre.»

Hilfe in anspruchsvollen Alltagssituationen

Pflege- und Betreuungspersonen setzten solche akustisch eingebetteten biografischen Erinnerungstexte anschliessend während eines Zeitraums von sechs Wochen regelmässig in kritischen Alltagssituation ein; etwa wenn sie als Nachtwache den Spätdienst ablösten und eine vertrauensvolle Beziehung zu ihrem Patienten aufbauen wollten oder wenn sich eine Patientin einem Verbandwechsel verweigerte.  

In einem Tagebuch hielten sie den Kontext sowie ihre Beobachtungen fest

Auf dieser Basis analysierte das Forschungsteam, wie sich der Einsatz des Musikspiegels auf die Gefühlslage und das Verhalten der Demenzbetroffenen auswirkte. Berücksichtigt wurden zudem Effekte auf die Pflegebelastung und die Nähe zwischen Pflegepersonen und Patienten.

Die Resultate zeigen, dass die Musikspiegel-Methode das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz deutlich steigern kann: 

  • sowohl Alltagssituationen als auch bei herausforderndem Verhalten wie Unruhe, Apathie oder Aggression. 

Darüber hinaus machten die Forschenden mittelfristige positive Effekte aus: 

So verringerten sich während der Intervention depressive Verstimmungen und abweichende Bewegungsmuster – darunter etwa Rastlosigkeit oder wiederholtes Öffnen von Schubladen.

UZH-Projektmitarbeiter Andrea Hess im Gespräch mit Studienteilnehmer.

UZH-Projektmitarbeiter Andrea Hess im Gespräch mit Studienteilnehmer. Jos Schmid


Stärkere Verbindung zwischen Patienten und Betreuungspersonen

Doch nicht nur die Patientinnen und Patienten profitierten: 

Auch die Grundstimmung von Betreuungs- und Pflegepersonen verbesserte sich, während das akute Stressempfinden sank. 

Darüber hinaus stieg die wahrgenommene Nähe zwischen den Betreuungs- und Pflegepersonen und den an Demenz erkrankten Menschen. 

«Eine Pflegefachperson erinnerte sich über den Musikspiegel ihrer Patientin plötzlich wieder an den Musikstil ihrer bereits verstorbenen Eltern, was auch bei ihr selbst viele Emotionen auslöste und eine neue Verbindung zur Patientin schuf», erzählt Oppikofer.

 «Dies zeigt, wie der Einsatz von Musikspiegeln positive Beziehungen fördern und den Betreuungs- und Pflegealltag auf emotionaler Ebene bedeutend verbessern können.»


Publikation:

«Musikspiegel – Klangspuren des Lebens». Eine Anleitung zur audiobiografischen Unterstützung in der Pflege und Betreuung von Menschen mit Gedächtnisschwierigkeiten (inkl. Notizheft), CHF 15.00

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Musikspiegel inspirieren zu Klangkollagen

Wie können Erinnerungen und Lebensmomente durch Klänge ausgedrückt und musikalisch gestaltet werden? 

Acht Studierende der Hochschule Luzern – Musik schufen unter der Leitung von Dr. Magda Mayas, Fachverantwortliche für Improvisation, Klangkollagen aus Musikspiegeln. 

Sie arbeiteten mit mehreren Musikspiegeln, wobei sie diese zum Ausgangspunkt für Inspiration nahmen.

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