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Impfstoffe und Krebsmedikamente: USA der freie Markt bei der Preisfestsetzung

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Hohe Kosten bei Krebsmedikamenten sind nicht immer gerechtfertigt

Ist ein Mittel gegen Krebs so teuer, weil es besonders gut wirkt? 

  • Eine internationale UZH-Studie kommt zum Schluss, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem klinischen Nutzen und den Kosten eines Medikamentes gibt.

Die Forschenden fordern daher, die potentielle Wirksamkeit bei der Preisgestaltung besser zu berücksichtigen. 
 
Immer mehr neue Krebsmedikamente kamen in den letzten Jahren auf den Markt und trotzdem sind die Preise für die Therapien in Europa und in den USA gestiegen.

Dies treibt die Gesundheitskosten in die Höhe – eine Herausforderung, nicht nur für das Sozialversicherungssystem in der Schweiz, sondern auch für Patientinnen und Patienten auf der ganzen Welt.  

Aber: Sind diese hohen Preise für Krebsmedikamente gerechtfertigt? 

Entsprechen die Kosten auch der Wirksamkeit bei der Bekämpfung der Krankheit?

Diesen Fragen ging ein internationales Forschungsteam der Universität Zürich und der Harvard Medical School in einer Studie nach.

Kostenvergleich von 65 Krebsmedikamenten

Die Wissenschaftler um Kerstin Noëlle Vokinger, Professorin an der Universität Zürich, analysierten die Kosten für Krebsmittel in der Schweiz, Deutschland, England und Frankreich sowie in den USA.  

Die Preise von 65 neueren Onkologika für feste Tumore sowie für Blutkrebs wurden auf die monatlichen Behandlungskosten eines Standardpatienten angepasst.

Die Forschenden eruierten in einem zweiten Schritt, ob es einen Zusammenhang zwischen den monatlichen Behandlungskosten und dem klinischen Nutzen der Krebsmedikamente für solide Tumore gibt. Die Wirksamkeit der Arzneimittel, die sowohl von der amerikanischen und europäischen Zulassungsbehörde zugelassen wurden, berechneten sie anhand von zwei etablierten medizinischen Nutzenbewertungssystemen für Krebstherapien, dem «American Society of Clinical Oncology Value Framework» und dem «European Society of Medical Oncology Magnitude of Clinical Benefit Scale».

Kein Zusammenhang zwischen Kosten und Nutzen

«Unsere Studie zeigt klar, dass es für die Schweiz, Deutschland, England und die USA keinen Zusammenhang gibt zwischen dem klinischen Nutzen von Krebsmedikamenten und ihren Preisen», erklärt Erstautorin Kerstin Vokinger.

  • Einzig für Frankreich gibt es basierend auf einem der zwei Nutzenbewertungssysteme eine Korrelation.

  •  «Zudem wird deutlich, dass die Preise für Krebsmedikamente in den USA wesentlich höher sind als in den vier europäischen Ländern – im Schnitt bezahlen die Amerikaner doppelt so viel für das gleiche Medikament.»

Dies liegt daran, dass in den USA der freie Markt bei der Preisfestsetzung spielt. 

In Europa dagegen verhandeln die nationalen Behörden mit den Herstellern. 

  • Von den untersuchten europäischen Ländern hat die Schweiz gemäss Studie hinter England die zweithöchsten Tarife, in Deutschland und Frankreich sind die Medikamente günstiger. 
  • Zu berücksichtigen ist allerdings, dass England für gewisse Arzneimittel interne, der Öffentlichkeit nicht bekannte Rabatte kennt und so die tatsächlichen Preise tiefer liegen können.

Medikamentenpreise sind nicht gerechtfertigt

«Die Preisgestaltung bei Krebsmedikamenten ist nur teilweise gerechtfertigt. Arzneimittel mit einer geringen Wirksamkeit sollten tiefere Preise haben als solche mit einer hohen Wirksamkeit», fordert die UZH-Professorin. 

  • «Die nationalen Behörden sollten bei ihren Preisverhandlungen vermehrt den Nutzen eines Medikaments miteinbeziehen und Medikamente mit hohem Nutzen im Preisfestsetzungsverfahren auch prioritär behandeln.» 

Nur so könne aufgrund der limitierten finanziellen Ressourcen der Gesundheitssysteme den betroffenen Patientinnen und Patienten der Zugang zu wichtigen Arzneimitteln gegen Krebs gewährleistet werden, ist Vokinger überzeugt.

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Prof. Dr. iur. et Dr. med. Kerstin Noëlle Vokinger
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Originalpublikation:
Literatur:
Kerstin N Vokinger, Thomas J Hwang, Thomas Grischott, Sophie Reichert, Ariadna Tibau, Thomas J Rosemann, Aaron S Kesselheim: Prices and clinical benefit of cancer drugs in the USA and Europe: a cost–benefit analysis.
The Lancet Oncology, 30. April 2020. DOI: 10.1016/S1470-2045(20)30139-X https://doi.org/10.1016/S1470-2045(20)30139-X



Einladung zur COVID-19 Genetik-Kohorten - Studie: variable Krankheitsverläufe

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Covid-19: Genetik-Studie zu Ursachen variabler Krankheitsverläufe - Studien-Teilnehmer gesucht

Forscher am Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Bonn wollen jetzt molekulare Einflussfaktoren auf die Infektion mit SARS-CoV-2 und den Krankheitsverlauf von COVID-19 untersuchen. 

  • Für die Studie werden Menschen mit nachgewiesener Infektion gesucht. 

Auch Angehörige, die im gleichen Haushalt leben, können teilnehmen. 

Erforderlich sind das Ausfüllen eines Fragebogens und die Abgabe einer Speichelprobe, welche per Post an das Studienzentrum in Bonn geschickt wird. 

Im Forschungslabor am Bonner Institut für Humangenetik: Zur Bestimmung von Unterschieden in den Erbanlagen mittels Genotypisierung werden im Hochdurchsatz systematisch genetische Informationen von Studienteilnehmern erhoben.
 Im Forschungslabor am Bonner Institut für Humangenetik: Zur Bestimmung von Unterschieden in den Erbanlagen mittels Genotypisierung werden im Hochdurchsatz systematisch genetische Informationen von Studienteilnehmern erhoben. © Humangenetik / UK Bonn


Das SARS-CoV-2-Virus hat sich weltweit in einer extrem hohen Geschwindigkeit ausgebreitet, begleitet von einer vergleichsweise hohen Infektionsrate und erheblichen Sterblichkeit. 

„Die COVID-19 Pandemie ist ein globaler Notstand, der die weltweiten Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften enorm belastet. Ein besseres Verständnis der molekularen Mechanismen, die der Virusinfektion und dem Krankheitsverlauf unterliegen, ist dringend erforderlich. Das Ziel der Forschung ist es Risikopersonen zu identifizieren, zu schützen, und sowohl therapeutische als auch präventive Ansätze für COVID-19 zu entwickeln“, erklärt Prof. Dr. Markus Nöthen, Direktor des Instituts für Humangenetik des Universitätsklinikums Bonn, die Motivation für die neue Bonner Studie, die in das Netzwerk Deutsche COVID-19 OMICS Initiative (DeCOI) eingebunden ist.

Wie löst SARS-CoV-2 beim Menschen eine Krankheit aus?


Aufgrund der Neuartigkeit des SARS-CoV-2-Virus sind die molekularen Mechanismen, wie es eine Krankheit beim Menschen auslöst, bisher weitgehend unbekannt. Die COVID-19-Erkrankung selbst ist gekennzeichnet durch einen höchst variablen Krankheitsverlauf. Während einige meist ältere Patienten starke Beschwerden entwickeln und auf die Intensivstation eingewiesen werden müssen, überstehen andere die SARS-CoV-2-Infektion ohne oder mit nur sehr milder Symptomatik. „Darüber hinaus scheinen sich einige Menschen sehr leicht, andere hingegen trotz erheblicher Viruslast gar nicht zu infizieren. Diese unterschiedliche Reaktion auf eine SARS-CoV-2-Infektion könnte zumindest teilweise auf genetische Faktoren des Einzelnen zurückzuführen sein“, sagt Dr. Kerstin Ludwig, die das Projekt am Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Bonn leitet. „Dabei erwarten wir, dass die genetischen Variationen das gesamte Spektrum umfassen, von häufigen Gen-Varianten mit moderaten Effektstärken bis hin zu seltenen Gen-Varianten mit größeren Effektstärken. Und es kann neben solchen Risiko-Varianten auch Faktoren geben, die eine bessere Widerstandskraft vermitteln.“

Deutschlandweit Teilnehmer für große Kohorten-Studie gesucht

Um die genetischen Faktoren, die die Empfindlichkeit gegenüber dem SARS-CoV-2-Virus, das Erkrankungsrisiko oder den Krankheitsverlauf bestimmen, zuverlässig zu entdecken, müssen viele Personen untersucht werden.

Daher suchen die Bonner Humangenetiker für ihre „Bonner Studie zur COVID-Genetik“ (BoSCO) deutschlandweit Menschen mit nachgewiesener Infektion und, wenn vorhanden, auch ihre Angehörige, die im gleichen Haushalt leben, und laden sie zur Studienteilnahme ein.

Interessierte können sich per E-Mail unter mitmachen@bosco-studie.de oder unter der Telefonnummer 0228/6885-421 beim Studienteam melden.

Mehr Informationen zur Deutschen COVID-19 OMICS Initiative (DeCOI) gibt es unter: 

http://decoi.eu/


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Prof. Dr. Markus M. Nöthen
Direktor des Instituts für Humangenetik
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E-Mail: markus.noethen@ukbonn.de

Dr. Inka Väth Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
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Fax: 0228/73-7451
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Der Dünndarm: Die Nährstoffaufnahme - vermindert? Mangelernährung?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Altern und Diät haben Einfluss auf die Proteine im Darm

Der Dünndarm ist eine der wichtigsten Schnittstellen zwischen der Umwelt und unserem Körper. 

  • Er ist für die Nährstoffaufnahme verantwortlich und bildet eine Barriere vor potenziell schädlichen Umwelteinflüssen. 

Unter Leitung von Forschern des Leibniz-Instituts für Alternsforschung (FLI) in Jena untersuchte ein internationales Team den Einfluss des Alterns und der Ernährung auf das Darmepithel von Mäusen. 

Sie konnten je nach Darmabschnitt spezifische Effekte auf das Proteom und altersbedingte Anpassungsschwierigkeiten an Nährstoffveränderungen nachweisen. 

Die Studie liefert ein Bild der räumlichen Struktur des Dünndarmproteoms in der Maus und wurde im Journal Cell Reports veröffentlicht. 

Das Proteom in verschiedenen Abschnitten des Dünndarms reagiert unterschiedlich auf Diät und Altern. So zeigen sich u.a. altersbedingte Anpassungsstörungen bei Nährstoffveränderungen.
Das Proteom in verschiedenen Abschnitten des Dünndarms reagiert unterschiedlich auf Diät und Altern. So zeigen sich u.a. altersbedingte Anpassungsstörungen bei Nährstoffveränderungen. (Quelle: FLI / Alessandro Ori & Nadja Gebert. Created with BioRender.com)
 
  • Der Dünndarm, der längste Teil des Verdauungstraktes, stellt eine der wichtigsten Schnittstellen zwischen der Umwelt und unserem Körper dar. 

Er hat zwei Hauptfunktionen: 

Zum einen ist er für die Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung, die wir essen, verantwortlich und zum anderen fungiert er als Barriere, um den Eintritt von Schadstoffen in den Körper zu begrenzen. 
  • Das Organ ist sehr anpassungsfähig und reagiert dynamisch auf Nährstoffveränderungen oder kalorienreduzierte Ernährung (Diät). 
  • Die Zellschicht, die die Dünndarmoberfläche bildet, das sogenannte Darmepithel, unterliegt einem kontinuierlichen Erneuerungsprozess, der etwa 3-5 Tage dauert.

Einige Auswirkungen des Alterns und der Ernährung auf den Dünndarm wurden bereits untersucht.

  • So ist bekannt, dass der Alternsprozess zu einer verminderten Aufnahme von Nährstoffen durch das Epithel führt und somit zur Mangelernährung bei älteren Menschen beitragen kann. 

Darüber hinaus konnten anatomische Unterschiede zwischen verschiedenen Abschnitten des Dünndarms nachgewiesen werden.

Abschnittsabhängige Auswirkungen von Altern und Ernährung auf die Gesamtheit aller Proteine (Proteom), die Teil des Darmepithels sind, wurden jedoch noch nicht untersucht.

Eine Studie eines internationalen Forscherteams des Leibniz-Instituts für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena und ihrer Kollegen vom Koch Institute for Integrative Cancer Research at MIT, Cambridge, USA; Genentech Inc., San Francisco, USA und der Friedrich-Schiller-Universität Jena, widmet sich nun diesem Thema. Mit Hilfe modernster Proteomanalysen mittels Massenspektrometrie untersuchten die Forscher alters- und abschnittsabhängige Unterschiede in der zellulären Zusammensetzung der Darmkrypten, anatomischen Einsenkungen im Darmepithel, in denen sich die intestinalen Stammzellen und einige differenzierte Zellen befinden, die für die Regeneration des Darms notwendig sind. Ihre Ergebnisse liefern ein vollständiges Bild des räumlichen Aufbaus des Proteoms im Dünndarm der Maus.

Einfluss des Alterns auf das Darmepithel


Durch die Analyse von Veränderungen im Proteom in 12 verschiedenen Teilen des Dünndarms konnten die Forscher Unterschiede in der Proteinhäufigkeit entlang des Organs charakterisieren und regionale Unterschiede in der zellulären Zusammensetzung der Darmkrypten identifizieren.

Die Ergebnisse zeigen zum Beispiel, dass die Anzahl von Becherzellen, einem Zelltyp, der vor allem zur Bildung der Darmschleimhaut beiträgt, im Endteil des Dünndarms signifikant erhöht ist.

  • Die Unterschiede des Proteoms in Darmkrypten aus unterschiedlichen Darmabschnitten stimmen mit der bekannten anatomischen Aufteilung des Darms in die drei Hauptteile Zwölffingerdarm, Leerdarm und Krummdarm überein.

In einem nächsten Schritt untersuchte das Team die Auswirkungen des Alterns auf Darmkrypten aus verschiedenen Abschnitten und verglich über 5000 Proteine von jungen und alten Mäusen miteinander. Die Analysen ergaben, dass Proteine, die im Alternsprozess beeinflusst werden, je nach Darmabschnitt in unterschiedlicher Häufigkeit auftreten. Dies bedeutet, dass der Alternsprozess unterschiedliche Auswirkungen auf verschiedene anatomische Regionen der Dünndarmschleimhaut hat.

  • "Unsere Ergebnisse zeigen einen klaren alterungsbedingten Einfluss auf die Zusammensetzung der Proteine und Zellen der Darmkrypten. 

So fanden wir gravierende Veränderungen bezüglich entzündungsbedingten Proteinen und verringerte Werte von Stammzellmarkern bei alten Mäusen.

  • Dies zeigt, dass die empfindliche Struktur des Epithels während des Alternsprozesses gestört wird, was zu Entzündungen und verminderter Selbstregeneration führt. Besonders der Krummdarm-Abschnitt zeigt ausgeprägte Alterungszeichen", erklärt Nadja Gebert, Erstautorin der Studie, die wichtigsten Ergebnisse, die sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit herausfand.

Auswirkung von Diät auf den Darm junger und alter Mäuse

In einem weiteren Schritt untersuchte das Forschungsteam, wie junge und alte Mäuse auf Ernährungsumstellung reagieren.

Sie setzten junge und alte Tiere einen Monat lang auf Diät (eine bekannte Anti-Aging-Intervention mit reduzierter Nahrungsaufnahme ohne Mangelernährung) und gewährten einigen Tieren nach der Diät wieder uneingeschränkten Zugang zum Futter.

Sowohl die kurzzeitige Diät als auch die Diät mit anschließender Fütterung zeigte bei jungen Tieren Auswirkungen auf Hunderte von Proteinen, bei alten Tieren waren weniger Proteine betroffen.

Dies weist auf eine verminderte Fähigkeit alter Tiere hin, sich an die Änderung der Ernährung anzupassen. V

Vor allem die alten Tiere hatten Probleme, ihr Körpergewicht zu stabilisieren: Auch mehrere Tage nach Beginn der Ernährungsumstellung verloren sie weiter an Gewicht, während jüngere Tiere ihr Körpergewicht nach einigen Tagen stabilisieren konnten. Die Autoren stellten aber fest, dass ein Diätzyklus mit anschließendem uneingeschränkten Zugang zum Futter ausreicht, um die zelluläre Zusammensetzung der Darmkrypten alter Mäuse teilweise wiederherzustellen, was auf mögliche Anti-Aging-Effekte dieser Maßnahme hindeutet.

"Insbesondere der Wechsel zwischen Diät und normaler Ernährung, und nicht nur die Diät allein, hat positive Effekte auf die Darmschleimhaut und führt zu einer teilweisen Verjüngung der Proteine in den Darmkrypten von alten Mäusen.

Dies könnte als Untermauerung der positiven Auswirkungen der Ernährungsmethode Intervallfasten interpretiert werden. Andererseits zeigt die schlechtere Anpassungsfähigkeit des Darmepithels von alten Mäusen, welche drastischen Auswirkungen bei Älteren durch Ernährungsumstellung oder medikamentöse Behandlungen hervorgerufen werden können", sagt Dr. Alessandro Ori, Gruppenleiter am FLI.

Rolle von intestinalen Stammzellen

Bei näherer Untersuchung zeigte sich, dass sich unter kurzfristiger Diät mit anschließender normaler Ernährung, Stammzellen im Darmepithel wieder verstärkt in spezialisierte Becherzellen weiterentwickeln (Differenzierung). Die Forscher konnten ein Enzym (Hmgcs2) identifizieren, das auf Ernährungsveränderungen reagiert und so diesen Prozess der Stammzelldifferenzierung beeinflusst. Diät führt zu einer erhöhten Konzentration dieses Enzyms in den Stammzellen im Dünndarm, die dadurch ihr Differenzierungsverhalten ändern.

Bei einer breiteren Betrachtung der Stoffwechselveränderungen fanden die Forscher regionale Unterschiede in der Anzahl von Enzymen, die andere wichtige Stoffwechselwege, wie den Stoffwechsel von Glukose, einschränken.

Dies deutet darauf hin, dass der Stoffwechsel der Darmepithelzellen und die Menge der dabei entstehenden Zwischenprodukte entlang des Dünndarms variieren und damit auch die Gesundheit und Anpassungsfähigkeit der Darmschleimhaut.

"Mit dieser breit angelegten Proteomik-Studie konnten wir ein Art Atlas erstellen, der die räumliche Struktur des Dünndarmproteoms in der Maus wiedergibt.

Die Ergebnisse stehen als kostenlose Online-Ressource zur Verfügung und können für weitere Studien verwendet werden", sagt Ori.

In weiterführenden Studien suchen die Forscher nun nach medizinischen Möglichkeiten, die die Regenerationsfähigkeit des Darms im Alter wiederherstellen können und so zu einer gesunden Lebensspanne älterer Menschen beitragen.

Publikation

Nadja Gebert, Chia-Wei Cheng, Joanna M. Kirkpatrick, Domenico Di Fraia, Jina Yun, Patrick Schädel, Simona Pace, George B. Garside, Oliver Werz, K. Lenhard Rudolph, Henri Jasper, Ömer Yilmaz, Alessandro Ori. Region-specific proteome changes of the intestinal epithelium during aging and dietary restriction. Cell Reports. https://doi.org/10.1016/j.celrep.2020.107565

Website der Online-Ressource: https://orilab.shinyapps.io/IntestineAging/

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Hintergrundinformation

Das Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena widmet sich seit 2004 der biomedizinischen Alternsforschung. Rund 350 Mitarbeiter aus ca. 40 Nationen forschen zu molekularen Mechanismen von Alternsprozessen und alternsbedingten Krankheiten. Näheres unter www.leibniz-fli.de.

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 96 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 20.000 Personen, darunter 10.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 2,1 Milliarden Euro (www.leibniz-gemeinschaft.de).

Originalpublikation:
Nadja Gebert, Chia-Wei Cheng, Joanna M. Kirkpatrick, Domenico Di Fraia, Jina Yun, Patrick Schädel, Simona Pace, George B. Garside, Oliver Werz, K. Lenhard Rudolph, Henri Jasper, Ömer Yilmaz, Alessandro Ori. Region-specific proteome changes of the intestinal epithelium during aging and dietary restriction. Cell Reports. https://doi.org/10.1016/j.celrep.2020.107565

Brandenburger Kinder und Jugendlichen: Wichtige Erkenntnisse über die gesundheitliche und soziale Entwicklung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: BTU-Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Brandenburg

Brandenburger Kinder und Jugendlichen haben eine hohe Lebenszufriedenheit, machen aber zu wenig Sport – diese und weitere Erkenntnisse zu Gesundheit, Sozialverhalten und Homeschooling ermittelt die HBSC-Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Ludwig Bilz.

Prof. Dr. Ludwig Bilz Prof. Dr. Ludwig Bilz Foto: Christiane Starke


Unter der Projektleitung von Prof. Dr. Ludwig Bilz ist jetzt gemeinsam mit zwei brandenburgischen Ministerien sowie einer Krankenkasse eine Studie veröffentlicht worden, die wichtige Erkenntnisse über die gesundheitliche und soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Brandenburg liefert. 
 
Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen:

Medizin am Abend Berlin ZusatzHinweis: Kinderpneumologie COVID-19 Untersuchungen/Abstriche  


Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Studienergebnisse 

1. Hohe Lebenszufriedenheit

Der überwiegende Teil der Brandenburger Kinder und Jugendlichen schätzt seine Gesundheit als ausgezeichnet oder gut ein und berichtet eine hohe Lebenszufriedenheit. Knapp ein Drittel berichtet indes von mehrmals wöchentlich auftretenden psychosomatischen Beschwerden, insbesondere Einschlafproblemen. Mädchen sind häufiger davon betroffen, während Jungen eher problematische Ausprägungen des Sozialverhaltens zeigen. Höhere Belastungswerte sind bei Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwächeren Familien und an Ober- und Förderschulen zu finden. Handlungsbedarfe werden insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheit deutlich.

2. Mehr Obst- aber auch mehr Tabakkonsum als der Bundesdurchschnitt

Brandenburger Kinder und Jugendliche frühstücken regelmäßiger und essen mehr Obst als Gleichaltrige im Bundesdurchschnitt. Sie trinken zudem deutlich weniger Alkohol und rauchen viel weniger als noch vor 15 Jahren. Während an Gymnasien 0,3 Prozent angeben, täglich zu rauchen, sind es an Oberschulen 6,7 Prozent.

3. Zu wenig Sport

Nur 14,2 Prozent der Brandenburger Kinder und Jugendlichen erreichen die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen 60 Minuten körperliche Aktivität am Tag. Deutlich zu wenig angesichts des Zusammenhangs zwischen körperlicher (In-)Aktivität und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, psychischen Erkrankungen sowie Einschränkungen der schulischen Leistungsfähigkeit.

4. Die Mehrzahl ist online unterwegs

Online kommunizieren zählt für die große Mehrheit der Brandenburger Kinder und Jugendlichen zur täglichen Routine und zwar in allen drei untersuchten Altersgruppen gleichermaßen. Ungünstige Auswirkungen auf die Gesundheit scheinen sich nur dann zu ergeben, wenn aufgrund sehr intensiver Nutzung suchtähnliche Konsummuster auftreten. Diese wurden in Brandenburg bei 6,4 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler festgestellt.

5. Familiäre Voraussetzungen für digital unterstütztes Homeschooling fallen je nach Schulform unterschiedlich gut aus

Eine aktuelle Zusatzauswertung der Daten hat gezeigt, dass in den Familien von drei Viertel der Befragten mehr als zwei Computer (einschließlich Laptops und Tablets) vorhanden sind, wobei es deutliche Unterschiede zwischen den Schulformen gibt: 21,9 Prozent der Familien von Förderschulkindern besitzen keinen oder nur einen Computer, bei Familien mit Oberschul-Kindern sind es 11,5 Prozent (Gesamtschule: 2,6 Prozent, Gymnasien: 3,6 Prozent). Über einen ruhigen Arbeitsplatz zu Hause verfügt mit 95,7 Prozent die große Mehrheit der befragten Schülerinnen und Schüler, wobei es auch hier deutliche Schulformunterschiede gibt. Sind die Eltern im Home-office oder Kurzarbeit und gibt es mehrere Kinder in der Familie, verschlechtern sich die Möglichkeiten des online-gestützten Lernens wegen fehlender sächlicher Voraussetzungen. 

Insgesamt haben Förderschülerinnen und Förderschüler die schlechtesten Bedingungen fürs Homeschooling.

In Kooperation mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS), dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz (MSGIV) sowie der AOK Nordost wurden unter der Projektleitung von Prof. Dr. Ludwig Bilz, Fachgebiet Pädagogische Psychologie in Gesundheitsberufen der BTU, mehr als 3.000 Brandenburger Schülerinnen und Schüler an 55 Schulen und Schulzentren für die internationale HBSC-Studie („Health Behaviour in School-aged Children“) zu folgenden Themen schriftlich befragt:

subjektive körperliche und psychische Gesundheit,
Bewegungs-, Ernährungs- und Risikoverhalten,
Zahnhygiene,
Substanzkonsum und abhängige Verhaltensweisen,
Familie und soziale Lage sowie Freundeskreis,
Schule bzw. Schulklima
eigene Gesundheitskompetenz,
Sexualverhalten und Konsum illegaler Drogen (nur 15-Jährige).


Die Autoren der Studie schlagen in ihrem Fazit einen ganzen Katalog an Maßnahmen für Verbesserungen vor, u.a. eine stärkere Bedarfsorientierung in der schulischen Gesundheitsförderung.

Hintergrund der Studie

Die HBSC-Studie ist ein internationales kooperatives Forschungsvorhaben, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit über 30 Jahren unterstützt und in mittlerweile 49 Ländern durchgeführt wird. Die Studie dient der Datengewinnung und -analyse der Gesundheit und gesundheitsbezogenen Wahrnehmungen, Einstellungen und Verhaltensweisen von Schülerinnen und Schülern der 5., 7. und 9. Klassen und untersucht die personalen und sozialen Rahmenbedingungen, die eine gesunde Entwicklung der Kinder und Jugendlichen positiv oder negativ beeinflussen. Die Kooperationspartner haben sich zusammengeschlossen, damit sich Brandenburg erstmals mit einer repräsentativen Stichprobe an der HBSC-Studie beteiligt. Der Ergebnisbericht der HBSC-Studie Brandenburg ist im Verlag Pabst Science Publishers erschienen.


Titelseite der HBSC-Gesundheitsstudie
Titelseite der HBSC-GesundheitsstudieVerlag Pabst Science Publishers



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Kathrin Schlüßler
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Ralf-Peter Witzmann Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg
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Fax: 03573 / 85-289
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Prof. Dr. phil. Ludwig Bilz
Pädagogische Psychologie in Gesundheitsberufen
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Deutschland
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mehr zur HBSC-Studie Brandenburg

Hirnschlag, Herzinfarkt, Magen-Darm-Krebs und chronisch obstruktive Lungenerkrankung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Ähnlicher als gedacht: Männer und Frauen gleichen ihr Gesundheitsverhalten nach Einschnitt an

  • Zu Beginn einer Krankheit übersehen Männer Symptome zwar eher und gehen seltener zum Hausarzt als Frauen. 
  • Nach einer Behandlung im Krankenhaus gleicht sich das Gesundheitsverhalten von Männern und Frauen jedoch an. 
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: geschlechtsspezifischer Lebenserwartung

Das zeigen MPIDR-Forscher*innen erstmals mit der Auswertung von mehr als 65.000 Datensätzen aus dänischen Gesundheitsregistern. 
 Die Forscher*innen analysierten Daten aus dänischen Gesundheitsregistern, um herauszufinden, ob Männer und Frauen mit der selben Erkrankung unterschiedlich häufig zum Hausarzt gehen.
Die Forscher*innen analysierten Daten aus dänischen Gesundheitsregistern, um herauszufinden, ob Männer und Frauen mit der selben Erkrankung unterschiedlich häufig zum Hausarzt gehen.
MPIDR
 
  • Erst nach einem gravierenden gesundheitlichen Einschnitt, wie etwa einem Krankenhausaufenthalt, gehen auch Männer häufiger zum Hausarzt. 

Damit gleichen sich Geschlechterunterschiede im Gesundheitsverhalten an.

In den knapp drei Jahren bevor dänische Männer wegen eines Hirnschlags, eines Herzinfarkts oder mit Magen-Darm-Krebs ins Krankenhaus kamen, waren im Durchschnitt nur etwa 75 Prozent von ihnen beim Hausarzt.

Bei den dänischen Frauen waren es rund 85 Prozent. Nach einem Herzinfarkt jedoch lassen sich 98 Prozent der männlichen Patienten zwischen 60 und 69 Jahren von ihrem Hausarzt weiter betreuen. Damit gleicht sich das Gesundheitsverhalten an, denn 99 Prozent aller Frauen waren nach dem Krankenhausaufenthalt auch weiter in ärztlicher Behandlung.

Das zeigen Andreas Höhn, Jutta Gampe und Anna Oksuzyan vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock nachdem sie Daten aus dänischen Gesundheitsregistern ausgewertet haben. Für den Zeitraum von 1996 bis 2011 untersuchten sie über 65.000 anonymisierte Patientendatensätze auf die Anzahl der Hausarztbesuche in den 33 Monaten vor und nach einem Krankenhausaufenthalt zur Behandlung einer der folgenden vier schweren Krankheiten:

Hirnschlag, Herzinfarkt, Magen-Darm-Krebs und chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Journal of Epidemiology and Community Health.

„Wir haben zum ersten Mal sehr detailliert und mit einem Datensatz für eine gesamte Bevölkerung untersucht, wie sich Männer und Frauen mit der selben Erkrankung verhalten“, sagt Andreas Höhn, seit kurzem Forscher an der University of Edinburgh. Gleichzeitig erfassten die Forscher*innen auch jene Personen, die keinen Hausarzt aufsuchen – denn genau diese konnten bei ähnlichen Studien in der Vergangenheit oft nicht berücksichtigt werden. „Unsere Analysen deuten darauf hin, dass es auch für manche Frauen nicht leicht ist, mit Symptomen einer schweren Erkrankung zum Hausarzt zu gehen. Bei den Männern ist der Anteil aber meist deutlich höher“, sagt Andreas Höhn.

Es gibt nur eine Ausnahme: 

das Gesundheitsverhalten von Männern und Frauen bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). 

Patienten leiden hier schon vor einer Krankenhausbehandlung unter deutlichen Symptomen. 

Deshalb lassen sie sich ärztlich behandeln, unabhängig vom Geschlecht: 

94 Prozent der Männer, die später im Krankenhaus wegen der Lungenkrankheit behandelt werden, waren vorher beim Hausarzt. Bei den Frauen sind es 97 Prozent.

Dass es nach dem Krankenhausaufenthalt trotzdem noch einen kleinen Geschlechterunterschied bei der Anzahl der Hausarztbesuche gibt, erklären die Forscher*innen mit den unterschiedlichen Überlebenschancen von Männern und Frauen. „Selbst wenn Männer und Frauen genau das gleiche Gesundheitsverhalten an den Tag legen, überleben mehr Frauen eine schwere Krankheit“, sagt Andreas Höhn.

Sie müssten wegen gesundheitlicher Einschränkungen in Folge der Erkrankung dann aber öfter zum Hausarzt.

Über das MPIDR

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock untersucht die Struktur und Dynamik von Populationen. Die Wissenschaftler*innen des Instituts erforschen politikrelevante Themen wie den demografischen Wandel, Altern, Geburtendynamik und die Verteilung der Arbeitszeit über die Lebensspanne, genauso wie den digitalen Wandel und die Nutzbarmachung neuer Datenquellen für die Erforschung von Migrationsströmen. Das MPIDR ist eine der größten demografischen Forschungseinrichtungen in Europa und zählt international zu den Spitzeninstituten in dieser Disziplin. Es gehört der Max-Planck-Gesellschaft an, der weltweit renommierten deutschen Forschungsgemeinschaft.

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Silvia Leek – MPIDR
TELEFON +49 381 2081 – 143
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Andreas Höhn
E-MAIL hoehn@demogr.mpg.de

Jutta Gampe – Leiterin des Arbeitsbereichs Statistische Demografie
TELEFON +49 381 2081-243
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Anna Oksuzyan – Wissenschaftliche Mitarbeiterin
TELEFON +49 381 2081-178
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Mecklenburg-Vorpommern

Originalpublikation:
Höhn A, Gampe J, Lindahl-Jacobsen R, Christensen, K., Oksuzyan, A.: Do men avoid seeking medical advice? A register-based analysis of gender-specific changes in primary healthcare use after first hospitalisation at ages 60+ in Denmark. Journal of Epidemiology and Community Health (2020). DOI: 10.1136/jech-2019-213435
 

Chefarzt Prof. Dr. Stepha Schubert: Kinderkardiologie

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Bad Oeynhausen: Prof. Dr. Stephan Schubert wird Klinikdirektor der Kinderkardiologie

Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat Prof. Dr. Stephan Schubert (45) auf die vakante Position des Klinikdirektors der Kinderkardiologie am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, berufen. 

Zum 1. Juli 2020 wird Prof. Dr. Stephan Schubert der neue Chefarzt der Kinderkardiologie am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen. 

Prof. Dr. Stephan Schubert
Prof. Dr. Stephan Schubert (Foto: Marcel Mompour).
 
  • Der erfahrene Kinderkardiologe und Wissenschaftler ist derzeit als Oberarzt und Leiter des Herzkatheterlabors am Deutschen Herzzentrum Berlin tätig. 
  • Er hat zusätzlich eine W3-Professur für interventionelle Kinderkardiologie an der Charité Berlin inne.

Somit bietet sich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bad Oeynhausener Zentrums für angeborene Herzfehler und dessen Patienten eine hervorragende und zügige Perspektive, nachdem Kinderkardiologe Prof. Dr. Matthias Peuster das Klinikum im vergangenen Jahr nach nur neunmonatiger Tätigkeit verlassen hatte.

Übergangsweise hatte PD Dr. Kai Thorsten Laser die Klinik für Kinderkardiologie nunmehr zum zweiten Mal in kommissarischer Leitung übernommen.

  • „Die Versorgung unserer kleinen Patienten konnten wir auch dank der kollegialen Unterstützung durch das Deutsche Herzzentrum Berlin nahtlos sicherstellen“, betont Dr. Overlack mit einem ausdrücklichen Dank an den dortigen Chefarzt Prof. Dr. Felix Berger. 
  • Seit Anfang des Jahres ist Prof. Schubert regelmäßig in Bad Oeynhausen, um die Klinik für Kinderkardiologie insbesondere bei Eingriffen im Herzkatheterlabor zu unterstützen. Dienstantritt des neuen Chefarztes ist am 1. Juli 2020.

Im Bad Oeynhausener Kinderherzzentrum und Zentrum für angeborene Herzfehler werden Patienten aus ganz Deutschland therapiert und ambulant nachbehandelt.

Das Zentrum ist hochmodern ausgestattet und bietet das gesamte Spektrum der Versorgung von Neugeborenen, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern einschließlich Herztransplantationen und Einsatz künstlicher Herzunterstützungssysteme an.

 In chefärztlicher Doppelspitze mit Herzchirurg Dr. Eugen Sandica werden rund 1.000 Eingriffe zur Behandlung angeborener Herzfehlbildungen jährlich durchgeführt.

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Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Anna Reiss
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 97-1955
Fax 05731 97-2028
E-Mail: info@hdz-nrw.de

CAVE-Untersucher: Eigenschaften von Blutgefäßen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Gefäßverengungen behandeln oder nicht

Wenn sich in Arterien Ablagerungen gebildet haben, die das Blutgefäß zu verschließen drohen oder sich lösen und kleinere Gefäße verstopfen könnten, stehen Medizinerinnen und Mediziner vor der Frage, ob und wie sie eingreifen sollten. 

Methoden wie die Ballondilatation sind nicht ohne Risiko. 

Die Teams der Mechaniker Prof. Dr. Daniel Balzani und Prof. Dr. Klaus Hackl an der Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften der Ruhr-Universität Bochum (RUB) arbeiten daran, die Eigenschaften von Blutgefäßen so exakt zu modellieren, dass eine Vorhersage des Risikos möglich wird. Das könnte eine Entscheidungshilfe im klinischen Alltag bedeuten. 
 Die glatte Muskulatur beeinflusst aktiv das Verhalten von Arterien. Dieses Verhalten lässt sich anhand von Simulationen eines Herzschlags analysieren.
 Die glatte Muskulatur beeinflusst aktiv das Verhalten von Arterien. Dieses Verhalten lässt sich anhand von Simulationen eines Herzschlags analysieren. © Roberto Schirdewahn
 
Bei der Ballondilatation wird von der Leiste des Patienten oder der Patientin durch einen Katheter ein kleiner Ballon bis zur verkalkten Stelle der Arterie vorgeschoben und dort mit Druck aufgeblasen. Dadurch erweitert sich das Gefäß, und das Blut kann wieder fließen. 

Ist der Druck allerdings zu hoch, wird das Blutgefäß zu weit aufgedehnt und der Plaque kann einreißen. Oder es kommt zu so starken Verletzungen der Gefäßwand, dass es später Komplikationen gibt.

Um solche Vorkommnisse vorhersehen und vermeiden zu können, stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufwändige Berechnungen an. Sie simulieren das Verhalten elastischer Gewebe wie Blutgefäße. Daniel Balzani und sein Team konzentrieren sich dabei darauf, das Risiko für mögliche Schädigungen vorab zu berechnen. Die Berechnung eines solchen Risikos ist allerdings alles andere als einfach.

Optimales Material wachsen lassen

Neben der verschiedenen Orientierung von Fasern des Gefäßes müssen viele andere Effekte bei Simulationen berücksichtigt werden, zum Beispiel die Elastizität der Gefäßwand, die Eigenspannung in der Arterie, die Aktivität der glatten Muskelzellen, die das Gefäß umgeben und seinen Durchmesser aktiv beeinflussen, und die Schädigungen bei einer möglichen Überdehnung des Gefäßes. 

Ganz zu schweigen von der Beschaffenheit der Plaques, die für die Verengung von Blutgefäßen verantwortlich sind.

Die Ingenieure setzen bei ihren Berechnungen darauf, dass sich die Strukturen jeweils angepasst an die jeweilige Belastung entwickeln, ganz ähnlich wie sich Muskeln bei stetiger Beanspruchung verdicken.

„Mit diesen Informationen können wir sozusagen das optimal passende Material in der Simulation wachsen lassen“, erklärt Balzani.

Für jede Gefäßeigenschaft entwickeln die Ingenieure einen eigenen Algorithmus.

Schließlich müssen sie alle miteinander gekoppelt und alles zeitgleich berechnet werden.

„Ganz so weit sind wir noch nicht“, schränkt Daniel Balzani ein. Einzelne Kombinationen sind jedoch schon umgesetzt.

Für die Berechnung dieser miteinander verschränkten Algorithmen müssen Großrechner ran.

„Selbst die brauchen einige Tage für die Berechnung zweier Herzschläge“, so Balzani.

Auch Klaus Hackl arbeitet mit seinem Team daran, den Erfolg einer möglichen Ballondilatation vorherzusagen.

Sein Hauptaugenmerk liegt dabei jedoch auf der Computersimulation der Heilung verletzter Gefäße.

Ausführlicher Beitrag in Rubin

Einen ausführlichen Beitrag zu dem Thema finden Sie im Wissenschaftsmagazin Rubin unter https://news.rub.de/wissenschaft/2020-04-30-mechanik-gefaessverengungen-behandel....

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Prof. Dr. Daniel Balzani
Lehrstuhl für Kontinuumsmechanik
Fakultät für Bauingenieurwesen
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 32 26048
E-Mail: daniel.balzani@rub.de

Prof. Dr. Klaus Hackl
Lehrstuhl Mechanik-Materialtheorie
Fakultät für Bauingenieurwesen
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 32 26025
E-Mail: klaus.hackl@rub.de

Dr. Julia Weiler Ruhr-Universität Bochum

Universitätsstr. 150
44780 Bochum
Postfach 10 21 48
44780 Bochum
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
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Meike Drießen
Telefon: 0234/32-26952
Fax: 0234/32-14136
E-Mail-Adresse: meike.driessen@presse.rub.de

Studienkoordination/Studienlabor Prof. Dr. med. Christian Drosten Institut für Virologie Charité – Universitätsmedizin Berlin / https://kinderarztpraxis-st-hedwig.de/doctor/dr-kai-sostmann/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: SARS-CoV-2 KIDS-Studie: Große multizentrische Studie mit Kindern und Jugendlichen

Eine Studie, zwei Ziele: Medizin am Abend Berlin ZusatzFachHinweis: Kinderarzt

Realistische Einschätzung, wie viele Kinder tatsächlich infiziert sind / Verlauf der Virusverbreitung über das Jahr hinweg 

Erhebung zur besseren Einschätzung, wie viele Kinder tatsächlich mit SARS-CoV-2 infiziert sind.
Erhebung zur besseren Einschätzung, wie viele Kinder tatsächlich mit SARS-CoV-2 infiziert sind
 
  • Die Kinderklinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) hat eine große bundesweite Studie mit Kindern und Jugendlichen initiiert, die eine verlässliche Aussage darüber erlauben soll, wie hoch der Anteil der mit dem SARS-CoV-2 Virus Infizierten in dieser Bevölkerungsgruppe tatsächlich ist – und wie er sich im Laufe eines Jahres entwickelt.
  • Die Infektion mit SARS-CoV-2 verläuft bei Kindern und Jugendlichen vergleichsweise harmlos, häufig sogar ganz ohne Symptome – dies zeigen die aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen einhellig. 
  • Im Umkehrschluss gehen die Wissenschaftler davon aus, dass eine hohe Zahl an Infektionen in diesem Alter unentdeckt bleibt.

Für das Verständnis der Virus-Epidemiologie, auf deren Basis wichtige Entscheidungen über Schutzmaßnahmen getroffen werden, ist aber eine belastbare Einschätzung darüber, wie groß der Anteil an Infizierten in der Bevölkerung insgesamt sowie in bestimmten Altersgruppen ist, maßgeblich. Bislang gibt es jedoch kaum Informationen zu relevanten epidemiologischen Kenngrößen der Coronavirus-Infektion bei Kindern.

  • Für die von Mannheim aus geleitete prospektive Studie wurden 14 Kinderkliniken in ganz Deutschland ausgewählt. 

Ihre Aufgabe ist es, ihre Patienten als Probanden zu gewinnen:

Das Blut von Kindern und Jugendlichen, das aufgrund anderer Indikationen ohnehin entnommen wird, soll zusätzlich auf spezifische SARS-CoV-2 Antikörper getestet werden – selbstverständlich mit deren Zustimmung und anonymisiert.

Insgesamt 1.500 Proben sollen jeden Monat in den 14 Kliniken gesammelt und im Institut des Virologen Professor Dr. Christian Drosten, an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, auf Antikörper gegen das Coronavirus getestet werden. Über den Zeitraum der Studie werden somit voraussichtlich Daten von mehr als 18.000 Kindern ausgewertet. Die Daten geben Auskunft über die Verbreitung des Virus und die Viruszirkulation und beschreiben den Jahresverlauf der Pandemie bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland.

Die bundesweite Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 500.000 Euro finanziert. Initiiert wurde die Studie von Professor Dr. Horst Schroten, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der UMM, eines der größten universitären Zentren für Kinderinfektiologie in Deutschland.

Die Studie wird außerdem von zwei weiteren ausgewiesenen Experten getragen: dem Virologen Professor Dr. Christian Drosten, der die Blutproben analysiert, und dem Epidemiologen Professor Dr. Rüdiger von Kries, MSc, vom Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin der Ludwigs-Maximilians-Universität München, der die Daten auswertet.

Für die Kinder bedeutet die Studie keine Belastung, da nicht extra Blut abgenommen werden muss. Gleichzeitig sorgt das Studiendesign für maximal unabhängige Daten:

„Da wir bei der Akquise der Probanden keinen Einfluss nehmen, sondern die möglichen Probanden quasi zufällig in unseren Kliniken vorfinden, erwarten wir sehr repräsentative Ergebnisse“, erläutert Professor Schroten.

Die an der Studie Beteiligten hoffen, dass die Daten dazu beitragen werden, auch Voraussagen über den zukünftigen Pandemieverlauf treffen zu können.

Die Studie: Seroprävalenz von SARS-CoV-2 (COVID-19) bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren in Deutschland: Zeitreihe in Sentinel Kinderkliniken

Ärztliche Studienleitung
Prof. Dr. med. Horst Schroten
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsmedizin Mannheim

Datenzentrale und statistische Auswertung
Prof. Dr. med. Rüdiger von Kries, MSc
Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin
Ludwig-Maximilians-Universität München

Studienkoordination/Studienlabor
Prof. Dr. med. Christian Drosten
Institut für Virologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin


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Prof. Dr. med. Horst Schroten
Universitätsmedizin Mannheim
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Theodor-Kutzer-Ufer 1-3
68167 Mannheim
Tel. +49 621 383-2248
horst.schroten@umm.de

Dr. Eva Maria Wellnitz Medizinischen Fakultät Universitätsmedizin Mannheim
Theodor-Kutzer-Ufer 1-3
68167 Mannheim
Deutschland
Baden-Württemberg

Telefon: 0621 / 383-71115
Fax: 0621 / 383-71103
E-Mail-Adresse: eva.wellnitz@medma.uni-heidelberg.de


Plasmaspende: Antikörper-Therapie bei COVID-19-Patienten www.blutspendehamburg.de

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Asklepios Kliniken rufen Hamburger zur Plasmaspende auf und starten Antikörper-Therapie bei COVID-19-Patienten

• Genesene „Corona“-Patienten können schwer am Virus Erkrankten ab sofort mit einer Blutplasmaspende helfen. 

Hotline eingerichtet: (040) 20 00 22 00 

• Antikörper im „Rekonvaleszenten-Plasma“ eröffnen Chancen auf Heilung


• Asklepios-Transfusionsmediziner, Laborspezialisten und die Internisten und 

Intensivmediziner der Asklepios Klinik Altona starten ab sofort die Plasma-Entnahme, Aufbereitung und Therapie mit der passiven Immunisierung 

Prof. Dr. Dirk Arnold
Prof. Dr. Dirk Arnold Foto: Asklepios
 
Schon jetzt: In Hamburg erstmals lebensbedrohlich an COVID-19 erkrankte Patienten mit einer neuen Immuntherapie behandelt werden – mit Antikörpern, die aus dem Blut genesener „Corona“-Patienten gewonnen werden.

Asklepios-Spezialisten des Zentralinstituts für Transfusionsmedizin (ZIT), der Laborgesellschaft Medilys und der auf Hämatologie (Bluterkrankungen) spezialisierten Ärzte der Asklepios Klinik Altona arbeiten dabei Hand in Hand, um das Plasma zu gewinnen, aufzubereiten und dann in Form einer Antikörpertherapie den schwer kranken, meist bereits beatmeten Patienten zu verabreichen.

„Wir erwarten uns von dem neuen Therapieansatz günstige Auswirkungen auf die Krankheitsverläufe von COVID-19-Patienten mit sehr schwerem Krankheitsverlauf“, sagt Prof. Dr. Dirk Arnold (https://www.asklepios.com/hamburg/altona/experten/onkologie/), Chefarzt der Abteilung Onkologie, Hämatologie, Palliativmedizin und Rheumatologie der Asklepios Klinik Altona.

Die Hamburger Gesundheitsbehörde hat dem Antrag von Asklepios auf Herstellung des sogenannten Rekonvaleszenten-Plasmas als Arzneimittel sehr kurzfristig stattgegeben und ermöglicht somit auch rechtlich den schnellen Einsatz des neuen Therapieansatzes für Patienten mit einer schweren, lebensbedrohlichen COVID-19-Infektion.

„Mit den Antikörpern aus dem Blut von genesenen Patienten wurden bereits andere gefährliche Viruserkrankungen bekämpft, von der Diphterie über die Spanische Grippe bis hin zu Ebola. Das Prinzip ist immer das Gleiche: Die Antikörper von gesunden Spendern, die die Krankheit überstanden haben, sollen den Krankheitsverlauf der Schwerkranken positiv beeinflussen, indem sie eine passive Immunisierung bewirken. Bei COVID-19-Patienten würden die Antikörper somit im Idealfall das neue, gefährliche Coronavirus neutralisieren und den schwer erkrankten Patienten dadurch wertvolle Zeit schenken, um eine eigene Virusabwehr aufzubauen. Das ist unsere Hoffnung“, so Prof. Arnold, der auch Vorstand des Asklepios Tumorzentrums mit rund 200 Spezialisten an sieben Klinikstandorten von Asklepios in Hamburg ist. „Die Chance, die uns die Antikörpertherapie bietet, ist auch deshalb so wertvoll, weil es aktuell weltweit noch keinen einzigen wirklich überzeugenden sonstigen Therapieansatz zur Beherrschung dieser schweren Erkrankung gibt“, so der renommierte Internist und Hämatologe.  

Das neue Arzneimittel mit den Sars-CoV 2-Antikörpern wird aus dem Blutplasma von Patienten gewonnen, die an COVID-19 erkrankt waren, positiv auf das neue Coronavirus (Sars-CoV 2) getestet wurden und bei denen der Beginn der Krankheitssymptome mindestens vier Wochen zurückliegt.

Für die Produktsicherheit der Plasmen werden bei der MEDILYS Laborgesellschaft analog zu Blutprodukten Testungen auf verschiedene Viren, wie z. B. HIV, HCV und HBV durchgeführt. Erst nachdem keine dieser Viren in den Produkten nachweisbar sind, werden die Plasmen weiter vom ZIT zu Arzneimitteln verarbeitet. Weiterhin wird in den Proben der Gehalt an Sars-CoV-2-Antikörpern (sog. IgG) bestimmt. Erst wenn der Genesene eine ausreichende Menge an spezifischem IgG-Antikörper gebildet hat, kann das Plasma für die schwerstkranken Patienten eingesetzt werden.

Aufruf an die Hamburger zur Blutplasmaspende

„Wir rufen alle Hamburgerinnen und Hamburger, die eine COVID-19-Erkrankung gut überstanden haben, dazu auf, sich beim Blutspendedienst Hamburg unter der Hotline (040) 20 00 22 00 zu melden.

Wir prüfen dann schnellstmöglich, ob sie für eine Plasmaspende in Frage kommen“, so Dr. Melanie Braun, Ärztliche Leiterin des Zentralinstituts für Transfusionsmedizin der Asklepios Kliniken, zu der auch der Blutspendedienst Hamburg https://www.blutspendehamburg.de/ gehört.

  • Die Einrichtung zählt zu den wenigen in Deutschland, die in der Lage sind, entsprechendes Plasma mithilfe der Plasmapherese herzustellen. 

Die Plasmaspenden erfolgen am bekannten Standort im Einkaufszentrum Quarree (Hamburg-Wandsbek), wo der Blutspendedienst Hamburg eine technisch hervorragend ausgestattete Einrichtung betreibt.

  • Die Spender werden zunächst zu einer Laborkontrolle einbestellt – und nach einem Nachweis auf die nötige Zahl Antikörper im Blut erfolgt wenige Tage später die Plasmaentnahme. 

Dabei wird das Plasma während der Blutspende aus dem Blut entnommen, während dem Patienten die festen Bestandteile des Blutes (vorwiegend die roten Blutkörperchen) wieder in die Vene zurückgegeben werden. 

  • Insgesamt werden pro Plasmaspende innerhalb von 45 Minuten drei Beutel Plasma à 220 ml entnommen. 

„Plasmaspenden kann im Grunde jeder, der auch für eine normale Vollblutspende in Betracht kommt – nur, dass es hier auf genesene COVID-19-Patienten ankommt“, so Dr. Braun.

„Unser Körper kann das Plasma übrigens schon in wenigen Tagen neu bilden. 

Damit ist das Plasmaspenden sogar noch weniger belastend als eine Vollblutspende“, so Dr. Braun.

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Rübenkamp 226
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Dr.med. Franz Jürgen Schell
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Mathias Eberenz
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Pflege-Blog: „Wir sind Pflege“ https://wir-sind-pflege.blog

Über Asklepios
Die Asklepios Kliniken zählen zu den führenden privaten Betreibern von Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland. Die Klinikgruppe steht für eine hoch qualifizierte Versorgung ihrer Patienten mit einem klaren Bekenntnis zu medizinischer Qualität, Innovation und sozialer Verantwortung. Auf dieser Basis hat sich Asklepios seit der Gründung vor 35 Jahren dynamisch entwickelt. Aktuell verfügt der Konzern bundesweit über rund 160 Gesundheitseinrichtungen. Dazu zählen Akutkrankenhäuser aller Versorgungsstufen, Fachkliniken, psychiatrische und forensische Einrichtungen, Rehakliniken, Pflegeheime und Medizinische Versorgungszentren. Im Geschäftsjahr 2019 wurden 2,5 Mio. Patienten in Einrichtungen des Asklepios Konzerns behandelt. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 49.000 Mitarbeiter.
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Hirn-Wahrnehmungen in dem Herzzyklus: Systolische Phase - diastolische Phase

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie das Herz die Wahrnehmung beeinflusst

Unser Herz und unser Gehirn kommunizieren ständig miteinander. 

  • Geraten wir etwa in eine gefährliche Situation, sorgen Signale aus dem Gehirn dafür, dass der Puls steigt – und entsprechend wieder sinkt, wenn die Gefahr vorüber ist. 
  • Umgekehrt sendet auch das Herz Informationen ans Gehirn und beeinflusst darüber auch unsere Wahrnehmung. 

Bislang ist jedoch unklar, wie das funktioniert. 

Forscherinnen des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Leipzig und der Berlin School of Mind and Brain haben nun zwei entscheidende Mechanismen dafür entdeckt – und wie diese zwischen einzelnen Personen variieren. 
 
  • Schlägt das Herz in seinem regelmäßigen Rhythmus, zieht es sich während der sogenannten systolischen Phase zusammen und pumpt Blut in den Körper. 
  • In der anschließenden diastolischen Phase fließt das Blut zurück, das Herz füllt sich wieder. 

Aus einer früheren Studie am MPI CBS weiß man:

Im Laufe dieses Zyklus verändert sich unsere Wahrnehmung.

Während der ersten Phase, der Systole, nehmen wir mit geringer Wahrscheinlichkeit einen elektrischen Reiz am Finger wahr als in der zweiten, der Diastole.

In der aktuellen Studie entdeckten nun die Wissenschaftlerinnen, was der Grund für diese veränderte Wahrnehmung ist: 

Mit dem Herzzyklus verändert sich auch die Hirnaktivität. 

  • Während der ersten Zyklusphase ist ein entscheidender Teil der Hirnaktivität unterdrückt, die sogenannte P300-Komponente. 

Bei der geht man davon aus, dass sie sonst den Übergang ins Bewusstsein kennzeichnet.

Wird sie unterbunden, wird demnach die eintreffende Information nicht bewusst wahrgenommen. Das Gehirn scheint also zu erkennen, dass die durch den Puls hervorgerufenen Veränderungen im Körper nicht real als Reaktion auf eine veränderte Umgebung auftreten. Sie sind vielmehr nur eine Reaktion auf den regelmäßig wiederkehrenden Herzschlag. Dadurch stellt es sicher, dass wir uns nicht jedes Mal aufs Neue von unserem Puls stören lassen. 

Dieser Mechanismus scheint aber auch zu bewirken, dass echte äußere Reize während dieser Phase nicht wahrgenommen werden – zumindest entsprechend schwache.

Während ihrer Untersuchungen entdeckten die Forscherinnen noch einen zweiten Effekt:

Je stärker das Gehirn einer Person auf den Herzschlag reagiert, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie den äußeren Reiz wahrnimmt. 

„In dieser Zeit scheint sich die Aufmerksamkeit von Signalen, die von außen eintreffen, auf solche zu verschieben, die wir aus dem Inneren erhalten“, erklärt Esra Al, Erstautorin der Studie, die jetzt im renommierten Fachmagazin PNAS erschienen ist. 
  • Eine starke Reaktion des Gehirns auf den Herzschlag bedeute demnach, dass es sich in einem Zustand befindet, in dem es sich mehr auf Informationen aus dem Körper und den Organen konzentriere. 
  • Eindrücke aus der äußeren Welt blieben in dem Moment eher außen vor.

Die Ergebnisse sind auch medizinisch von Interesse.

Sie erklären nicht nur bei Gesunden den Zusammenhang von Herz- und Hirnfunktion, sondern auch bei Erkrankungen dieser Organe. 

Das könnte erklären, warum Menschen nach Schlaganfall oft gleichzeitig am Herzen erkranken, und warum – andersherum – Menschen mit Herzerkrankungen gleichzeitig in ihren kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt sind – obwohl die dafür zuständigen Hirnareale gar nicht direkt betroffen sind“, erklärt Studienleiter Arno Villringer.

Untersucht haben die Forscherinnen diese Zusammenhänge mithilfe von schwachen elektrischen Signalen, die sie den Studienteilnehmern über Elektroden am Finger gaben.

Parallel dazu erfassten sie die Hirnaktivitäten der Teilnehmer mithilfe von EEG und deren Herzaktivitäten mittels EKG.

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Esra Al
Doktorandin
esraal@cbs.mpg.de

Prof. Dr. Arno Villringer
Direktor
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villringer@cbs.mpg.de

Verena Müller Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften
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Sachsen


Verena Müller
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E-Mail-Adresse: verenamueller@cbs.mpg.de
Originalpublikation:
Esra Al, Fivos Iliopoulos, Norman Forschack, Till Nierhaus, Martin Grund, Paweł Motyka, Michael Gaebler, Vadim V. Nikulin, and Arno Villringer
Heart–brain interactions shape somatosensory perception and evoked potentials
PNAS (2020) https://doi.org/10.1073/pnas.1915629117