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Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Kunst spricht für sich und lässt Herzen schneller schlagen

Informationen zu einem Kunstwerk haben keinen Einfluss auf das ästhetische Erlebnis von Museumsbesucherinnen und -besuchern. 

Viel stärker wirken sich die Eigenschaften eines Gemäldes selbst auf die Betrachtenden aus. 

Zu diesem Schluss kommen Psychologinnen und Psychologen der Universität Basel in einer neuen Studie. 
 
  • Beim ästhetischen Erleben handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel von Wahrnehmungsweisen und kognitiven Prozessen: 

Merkmale der Kunstwerke wie die Farbgebung und die dargestellten Inhalte spielen eine Rolle, aber auch individuelle Eigenschaften des Betrachters wie seine Fachkenntnis sowie kontextbezogene Faktoren – etwa der Titel eines Kunstwerks.

Wie Kontextinformationen zu den Kunstwerken das ästhetische Empfinden beeinflussen, haben Forschende der Universität Basel um die Psychologen Prof. Jens Gaab und Prof. Klaus Opwis in einer realen Ausstellungssituation untersucht. Insbesondere gingen sie der Frage nach, ob und wie sich verschiedene Arten von Informationen auf die ästhetische Erfahrung von Museumsbesucherinnen und -besucher auswirken.

Frühere Forschung hat gezeigt, dass Kontextinformationen die Wahrnehmung und das Erleben massgeblich prägen können – etwa wenn Wein den Konsumenten besser schmeckt, wenn sein Preis höher angegeben wird.

Studie unter realen Bedingungen

Für die vorliegende Studie betrachteten 75 Probanden an der «Future Present»-Ausstellung im «Schaulager» in Münchenstein sechs Gemälde verschiedener Künstler aus der Zeit des flämischen Expressionismus. Die Teilnehmenden wurden nach dem Zufallsprinzip in eine von zwei Gruppe zugeteilt und erhielten entweder einfache, beschreibende Informationen zu den Gemälden oder aber ausführliche, vertiefende Informationen wie zum Beispiel eine Interpretation.

Die Intensität ihrer ästhetischen Erfahrung bewerteten die Probanden einerseits mit einem Fragebogen. Andererseits massen die Forschenden die durch die Kunstbetrachtung ausgelösten Emotionen anhand von psychophysiologischen Daten wie der Herzfrequenz und der Hautleitfähigkeit.

Erläuternden Beschreibungen, so die Annahme der Forschenden, sollten sich stärker auf die kognitiven Prozesse und das ästhetische Erleben auswirken als beschreibende Informationen.

Kunstwerke beeinflussen Herzfrequenz

Die Ergebnisse zeigen aber, dass weder die beschreibende noch die erklärenden Informationen das ästhetische Empfinden beeinflussen. Zwischen den beiden Gruppen liessen sich keine Unterschiede nachweisen, nicht bei der subjektiven Einschätzung und auch nicht bei den körperlichen Reaktionen.

Hingegen wirkten sich die Eigenschaften der Kunstwerke selbst auf das ästhetische Erleben aus.

So waren die körperlichen Reaktionen einerseits stärker als vor Beginn der Kunstbetrachtung und unterschieden sich auch signifikant je nach Gemälde.

Das Kunstwerk, das die grösste Reaktion zum ästhetischen Erleben hervorrief, war James Ensors «Les masques intrigués» aus dem Jahr 1930. «Die Kunstwerke von Ensor wirken meist bizarr oder absurd, weshalb gerade diese besondere Ausdrucksweise möglicherweise die Betrachter zu extremeren Bewertungen verleitet hat», erklärt die Erstautorin Luisa Krauss.

Die im Journal «Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts» veröffentlichte Studie relativiert somit die Bedeutung von Begleitinformationen und unterstreicht gleichzeitig, wie der Kontext des Museums das ästhetische Erleben beeinflusst. «Museumsbesucherinnen und -besucher brauchen nicht zwingend Informationen, um gesättigt aus einer Ausstellung zu laufen. Die Kunst spricht also für sich», fasst Prof. Jens Gaab zusammen.

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Prof. Dr. Jens Gaab
Universität Basel, Fakultät für Psychologie, Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Tel. +41 61 207 07 48, E-Mail: jens.gaab@unibas.ch

Originalpublikation:
Luisa Krauss, Celine Ott, Klaus Opwis, Andrea Meyer, Jens Gaab
Impact of contextualizing information on aesthetic experience and psychophysiological responses to art in a museum: A naturalistic randomized controlled trial
Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts (2019), doi: 10.1037/aca0000280
http://doi.org/10.1037/aca0000280

TOP-Untersucherhinweis von Marika Vetter: Gabe von Cytotec (Misoprostol) zur Geburtseinleitung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Stellungnahme zur Berichterstattung über „Cytotec zur Geburtseinleitung“

Recherchen der SZ und des BR hinsichtlich der Gabe von Cytotec (Misoprostol) zur Geburtseinleitung haben zu einem breiten Medienecho geführt. 

In einem ausführlichen wissenschaftlichen Statement beziehen die DGGG e. V., die AGG e. V. in der DGGG, die DGPM e. V., die DGPGM e. V. sowie die BLFG e. V. Stellung zum Einsatz des Medikaments und relativieren die einseitige Berichterstattung, um insbesondere eine mögliche Verunsicherung der Patientinnen zu vermeiden. 
 
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG), die Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin e. V. in der DGGG (AGG), die Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) e. V., die Deutsche Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin e. V. (DGPGM) sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Ärztinnen und Ärzte in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe e. V. (BLFG) möchten zur Berichterstattung über „Cytotec zur Geburtseinleitung“ Stellung nehmen.

Es wurde berichtet, dass mit „Cytotec“ ein Magenmedikament zur Geburtseinleitung verwendet wird, das in der Geburtshilfe „umstritten“ ist und in einer „bisher unveröffentlichten Umfrage“ in rund der Hälfte der deutschen Kliniken verwendet wird.

Es ist richtig, dass „Cytotec 200“ ein Medikament ist, das zum Schutz der Schleimhaut des Magens zugelassen wurde.

  • Der Wirkstoff „Misoprostol“, ein Prostaglandin-E1-Analogon, hat wie andere Wirkstoffe auch Effekte an verschiedenen Organen. 

Es führt so zum Beispiel an der Gebärmutter zu einer Reifung des Gebärmutterhalses und Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur, weshalb es auch zur Geburtseinleitung verwendet wird.
Entgegen der Berichterstattung ist der Wirkstoff Misoprostol zur Geburtseinleitung bei geburtshilflichen Experten nicht umstritten, weshalb fast alle Perinatalzentren höchster Ordnung diesen Wirkstoff verwenden.
  • Hierbei wird nicht „Cytotec 200“ genutzt, sondern ein Misoprostol-Präparat geringerer Dosierung.

Die Behauptung, dass sich die Ärzte hierbei lediglich auf „Erfahrungswerte und Anwendungsbeobachtungen stützen“, ist falsch; es gibt keinen Wirkstoff zur Geburtseinleitung, der ähnlich gut in Studien untersucht wurde!

Mittlerweile gibt es mehr als 80 randomisiert-kontrollierte Studien zur Verwendung von oralem Misoprostol zur Geburtseinleitung und dutzende randomisiert-kontrollierte Studien zur vaginalen Applikation.

Die Evidenz ist unstrittig: Der Wirkstoff Misoprostol ist das effektivste Medikament zur Geburtseinleitung und führt vor allem bei der oralen Anwendung zu weniger Kaiserschnitten als mit anderen Medikamenten (Dinoproston, Oxytocin).

Es ist korrekt, dass jedes Medikament potenzielle Nebenwirkungen haben kann.

Zu den seltenen Nebenwirkungen von Misoprostol gehören erhöhte Temperatur/Fieber, Zittern und Überstimulation.

In der Berichterstattung wurde von „in seltenen Fällen verstarben Mütter, nachdem ihre Gebärmutter nach der Gabe von Cytotec gerissen war“ gesprochen und sogar von „vielen mütterlichen Todesfällen“ und „mehrere Babys verstarben“ war die Rede.


Diese Einzelfälle betreffen vor allem Geburten, bei denen im Vorfeld eine Operation der Gebärmutter (z. B. Kaiserschnitt, Entfernung von Myomen oder Endometriose) erfolgte. 

Hier gibt es unabhängig von einer Geburtseinleitung immer das Risiko, dass es zu einer Uterusruptur mit entsprechendem erhöhtem Risiko für Mutter und Kind kommen kann.

  • In dieser Situation darf Misoprostol nicht zur Geburtseinleitung verwendet werden, was seit vielen Jahren bekannt ist und im klinischen Alltag beachtet werden muss. 
  • Ebenso dürfen Prostaglandin-Präparate (Misoprostol und Dinoproston) nicht gegeben werden, wenn Wehentätigkeit vorhanden ist, da dies zu Überstimulationen („Wehenstürmen“) führen kann. 

Komplikationen wie mütterliche und kindliche Todesfälle sowie peripartale Morbidität werden sehr wohl im Rahmen der Qualitätserhebung erfasst und an das IQTIQ (Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen) weitergeleitet.


„Cytotec 200“ ist nicht zur Geburtseinleitung zugelassen worden und darf daher nur im „Off-Label-Use“ hierfür verwendet werden. 

Da Zulassungsstudien fast aller Medikamente Kinder und Schwangere ausschließen, werden in der Geburtshilfe und Kinderheilkunde überwiegend Antibiotika, Bluthochdruckmittel und Medikamente zur kindlichen Lungenreifung „off-label“ angewendet.

Auch die in der Berichterstattung erwähnten „zugelassenen“ Alternativen (Prostaglandine, Oxytocin) zur Geburtseinleitung sind nur in bestimmten Situationen je nach Gebärmutterhalsbefund zugelassen. 
Nicht erwähnt wurde in der Berichterstattung, dass der Wirkstoff Misoprostol in vielen Ländern zur Geburtseinleitung zugelassen wurde – und somit eher eine Besonderheit in Deutschland besteht. 

Diese Präparate heißen nicht „Cytotec“, sondern beispielsweise Angusta® oder Vagiprost®. 

Auch wenn manche internationale Gesundheitsbehörden wie die französische ANSM vor „Cytotec“ warnten, wurde dort das niedriger dosierte Misoprostol-Präparat Angusta® genauso wie in allen skandinavischen Ländern zur Geburtseinleitung zugelassen. Nachdem es bis zum letzten Jahr mit Misodel® ein zugelassenes Misoprostol-Präparat zur Geburtseinleitung in Deutschland gab, soll auch Ende 2020 in Deutschland mit der Zulassung von Angusta® gestartet werden.

Angesichts dieser ganzen Datenlage sind wir irritiert über die aktuelle einseitige Berichterstattung, die zu einer unnötigen und gefährlichen Verunsicherung der Schwangeren und der in die Betreuung der Schwangeren eingebundenen Fachkräfte führt(e).

Die Frauenärztinnen und Frauenärzte in Deutschland engagieren sich seit Jahren für eine hohe Qualität auch in der Geburtshilfe. Daher werden Komplikationen kontinuierlich erfasst und diese an zentrale Stellen gemeldet. Wir können aus den Daten entgegen der Berichterstattung schlussfolgern, dass Frauen, die zur Geburt eingeleitet werden (und keine Gebärmutteroperation in der Anamnese haben) sogar ein niedrigeres Risiko für schwere Komplikationen erleiden.

Hinsichtlich der kindlichen Komplikationsraten muss immer das Risiko berücksichtigt werden, das zur Einleitung geführt hat.

Aktuell ist eine S2k-Leitlinie zur Geburtseinleitung der DGGG, der SGGG (Schweizer Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) und der OEGGG (Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) in Erstellung. Nach Sichtung der Literatur wird die Verwendung von Misoprostol zur Geburtseinleitung in der DACH-Region im Einklang mit den anderen internationalen Leitlinien, z. B. USA (ACOG, American College of Obstetricians), Kanada (SOGC, Society of Obstetricians and Gynaecologists of Canada), Großbritannien (NICE, National Institute for Health and Care Excellence) und Frankreich (CNGOF, French national college of obstetricians and gynecologists), sowie der FIGO (International Federation of Gynaecology and Obstetrics) und der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization) empfohlen werden.

Die Stellungnahme wurde von Prof. Dr. med. habil. Sven Kehl und Prof. Dr. med. Michael Abou-Dakn verfasst.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V.


Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) ist eine der großen wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie hat sich der Stärkung der Fachgebiete der Frauenheilkunde und Geburtshilfe verschrieben und fördert das gesamte Fach und seine Subdisziplinen, um die Einheit des Faches Frauenheilkunde und Geburtshilfe weiter zu entwickeln. Als medizinische Fachgesellschaft engagiert sich die DGGG fortwährend für die Gesundheit von Frauen und vertritt die gesundheitlichen Bedürfnisse der Frau auch in diversen politischen Gremien.

Die Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin e. V.

Die Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin e. V. (AGG) in der DGGG ist eine selbständige Untergliederung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. Sie verfolgt die Förderung der Wissenschaft und Forschung sowie der Aus- und Weiterbildung von Medizinern in dem Themen- und Aufgabenbereichen der Pränatal- und Geburtsmedizin. Er befasst sich mit allen klinischen, wissenschaftlichen und organisatorischen Anliegen auf diesem Gebiet.

Die Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin e. V.

Die Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin e. V. (DGPM) ist die älteste und mit Abstand größte Fachgesellschaft für das interdisziplinäre Gebiet „Perinatale Medizin" (Geburtshilfe/ Neonatologie und Nachbargebiete) im deutschsprachigen Raum. Aktuelle Entwicklungen des Faches im wissenschaftlichen oder politischen Bereich werden von der Gesellschaft unmittelbar durch Publikationen oder öffentliche Stellungnahmen begleitet.

Die Deutsche Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin e. V.

Die Deutsche Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin e. V. (DGPGM) ist eine der großen Fachgesellschaften in Deutschland mit dem Ziel, das Gebiet der Frauenheilkunde in Praxis, Klinik und Forschung zu vertreten. Darüber hinaus soll der Pränatal- und Geburtsmedizin im Interesse von Müttern, Kindern und Familien zu einer den Fortschritten entsprechenden Anerkennung und einer angemessenen Förderung verholfen werden.

Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Ärztinnen und Ärzte in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe e. V.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Ärztinnen und Ärzte in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe e. V. (BLFG) vertritt die Interessen der Chefärztinnen und -ärzte der Frauenheilkunde und Geburtshilfe aus Deutschland zum Wohl der Patientinnen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft setzt sich dafür ein, allgemein das Verständnis der Belange des Berufsstandes zu verbessern. Auf dem alle zwei Jahre stattfinden Chefärzte-Kongress werden politisch, wissenschaftlich und gesellschaftlich relevante Aspekte thematisiert und diskutiert.

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Darm-Hirn-Achse: Infektion im Magen-Darm-Trakt - Die Darmbeweglichkeit

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Darmentzündung: Immunzellen schützen Nervenzellen nach Infektion

Internationales Forschungsteam unter Beteiligung des Exzellenzclusters PMI veröffentlicht neue Erkenntnisse zu den Funktionen der Darm-Hirn-Achse 
 
  • Bei einer Infektion im Magen-Darm-Trakt entzündet sich ein Teil des Gewebes und Darmnervenzellen sterben ab. 
Dieser Verlust wiederum führt häufig unter anderem zu einer Einschränkung der Darmbeweglichkeit, die für eine gesunde Verdauung nötig ist. 

In vielen Fällen folgen auch zusätzliche Erkrankungen wie etwa das sogenannte Reizdarmsyndrom. 

Wie es zu dem Absterben der Nervenzellen kommt, war bisher unklar. Einem internationalen Forschungsteam unter Beteiligung von Professor Philip Rosenstiel, Direktor am Institut für klinische Molekularbiologie (IKMB) an der Christian- Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), ist es nun gelungen, den Mechanismus, der zum Absterben der Nervenzellen führt, genauer zu beschreiben. Bestimmte Immunzellen im Darm schützen dabei offenbar die Nervenzellen, wie das Team in einer aktuellen Forschungsarbeit zeigen konnte. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Professor Daniel Mucida von der Rockefeller University in New York vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift Cell veröffentlicht.

  • Der menschliche Magen-Darm-Trakt ist von Nervenzellen durchzogen, die ein eigenständiges Darmnervensystem bilden. 
  • Es steuert die Verdauung weitestgehend selbständig, indem es beispielsweise die Darmbeweglichkeit reguliert. 
  • Vorangegangene Studien haben gezeigt, dass dabei auch das Immunsystem im Darm eine wichtige Rolle spielt. 
  • So regulieren beispielsweise bestimmte Immunzellen die Aktivität der Nervenzellen im gesunden Zustand.
  • diese Wechselwirkungen zwischen Nerven- und Immunzellen sind bei Krankheiten wie etwa chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder dem Reizdarmsyndrom gestört.

„Die nun veröffentlichte Arbeit zeigt, dass Immunzellen auch für das Überleben von Nervenzellen bei Infektionen wichtig sind“, sagt Professor Philip Rosenstiel, Vorstandsmitglied im Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI).

Demnach erkennen bestimmte Immunzellen die Infektion und begrenzen den Schaden bei den Nervenzellen. 

Dabei handelt es sich um sogenannte Makrophagen in der Darm-Muskelschicht. 

Das sind Fresszellen, die Krankheitserreger erkennen und beseitigen.
Bei einer Infektion werfen diese Makrophagen ein Schutzprogramm an, in dem sie bestimmte Stoffe produzieren, durch die letztlich die Nervenzellen geschützt werden.
Dieses Schutzprogramm ist wiederum offenbar abhängig von den im Darm lebenden Mikroorganismen, dem sogenannten Mikrobiom.
Fehlen diese oder ist ihr Gleichgewicht gestört, sind auch die Nervenzellen nicht mehr geschützt.

„Die sogenannte Darm-Hirn-Achse, über die das Darmmikrobiom, die Darmzellen und das zentrale Nervensystem zusammenarbeiten, ist ein wichtiges Zukunftsthema im Exzellenzcluster PMI.

Denn die Darm-Hirn-Achse könnte neue Ansätze zur Behandlung von chronischen Darmentzündungen oder auch neurologischen Erkrankungen liefern“, sagt Professor Rosenstiel. „Der jetzt in Zusammenarbeit mit Professor Daniel Mucida und seinem Team aus New York entdeckte Mechanismus, über den das Immunsystem im Darm die Nervenzellen bei einer Infektion schützt, ist ein wichtiger Baustein in der Erforschung der Darm-Hirn-Achse. Darauf wollen wir im Exzellenzcluster aufbauen und zukünftig verstärkt in diesem Bereich forschen“, so Rosenstiel weiter.


Über den Exzellenzcluster PMI:
Der Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen/Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) wird von 2019 bis 2025 durch die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder gefördert (ExStra). Er folgt auf den Cluster Entzündungsforschung „Inflammation at Interfaces“, der bereits in zwei Förderperioden der Exzellenzinitiative (2007-2018) erfolgreich war. An dem neuen Verbund sind rund 300 Mitglieder in acht Trägereinrichtungen an vier Standorten beteiligt: Kiel (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Muthesius Kunsthochschule, Institut für Weltwirtschaft und Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik), Lübeck (Universität zu Lübeck, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein), Plön (Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie) und Borstel (Forschungszentrum Borstel - Leibniz Lungenzentrum).

Ziel ist es, die vielfältigen Forschungsansätze zu chronisch entzündlichen Erkrankungen von Barriereorganen in ihrer Interdisziplinarität verstärkt in die Krankenversorgung zu übertragen und die Erfüllung bisher unbefriedigter Bedürfnisse von Erkrankten voranzutreiben. Drei Punkte sind im Zusammenhang mit einer erfolgreichen Behandlung wichtig und stehen daher im Zentrum der Forschung von PMI: die Früherkennung von chronisch entzündlichen Krankheiten, die Vorhersage von Krankheitsverlauf und Komplikationen und die Vorhersage des individuellen Therapieansprechens.


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Exzellenzcluster Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen
Wissenschaftliche Geschäftsstelle, Leitung: Dr. habil. Susanne Holstein
Postanschrift: Christian-Albrechts-Platz 4, D-24118 Kiel
Kontakt: Sonja Petermann
Telefon: (0431) 880-4850, Telefax: (0431) 880-4894
E-Mail: spetermann@uv.uni-kiel.de
Twitter: PMI @medinflame
precisionmedicine.de

Frederike Buhse
Telefon: (0431) 880 4682 E-Mail: fbuhse@uv.uni-kiel.de
Exzellenzcluster Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen
c/o Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Christian-Albrechts-Platz 4
24118 Kiel
Deutschland
Schleswig-Holstein
E-Mail-Adresse: info@inflammation-at-interfaces.de


Prof. Dr. Philip Rosenstiel
Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB)
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH)
Tel.: 0431/500 15111
p.rosenstiel@mucosa.de

Originalpublikation:
Fanny Matheis, Paul A. Muller, Christina L Graves, Ilana Gabanyi, Zachary J. Kerner, Diego Costa-Borges, Thomasz Ahrends, Philip Rosenstiel, Daniel Mucida: Adrenergic Signaling in Muscularis Macrophages Limits Infection-Induced Neuronal Loss. Cell (2020). doi.org/10.1016/j.cell.2019.12.002

 

 

Altersleukämie: Myelodysplastischen Syndrom (MDS)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Mit dem molekularen „Staubsauger“ gegen Blutarmut bei Altersleukämie: Neues Medikament erfolgreich getestet

  • Bei Menschen mit myelodysplastischen Syndrom (MDS), einer zumeist gutmütigen Form der Altersleukämie, produziert der Körper zu wenig funktionstüchtige Blutzellen. 

Sie leiden an einer Anämie, im Volksmund auch „Blutarmut“ genannt, die eine Vorstufe zur akuten Leukämie sein kann. 

  • Für die Patienten gibt es bisher außer regelmäßigen Bluttransfusionen kaum Behandlungsmöglichkeiten. 

Das Medikament Luspatercept, das im übertragenen Sinne wie ein „Staubsauger“ fungiert, konnte in einer Studie der deutschen MDS-Studiengruppe die Blutwerte von Betroffenen deutlich verbessern. Die weltweite Nachfolgestudie unter Leitung von Prof. Dr. Uwe Platzbecker hat die Wirksamkeit des Präparats bestätigt. 

Prof. Dr. Uwe Platzbecker

Mit dem molekularen „Staubsauger“ gegen Blutarmut bei Altersleukämie: Neues Medikament erfolgreich getestet Prof. Dr. Uwe Platzbecker Universitätsklinikum Leipzig/Stefan Straube


  • MDS zählt zu den häufigsten bösartigen Bluterkrankungen des Knochenmarks, die vor allem ältere Menschen betrifft. 

Etwa 80 bis 90 Prozent der Patienten werden mit regelmäßigen Transfusionen von Erythrozytenkonzentraten, also roten Blutkörperchen, behandelt. 
  • Auf die Dauer kann das jedoch die Symptome nicht entscheidend verbessern und auch zu Eisenüberladung und Organschädigungen führen. 
Die Ursachen der Erkrankung sind multifaktoriell.

„Wir wissen, dass ursächlich eine oder mehrere genetische Veränderungen in der Stammzelle des Knochenmarks vorliegen müssen, damit MDS entsteht. Parallel haben unsere Forschungsergebnisse auch gezeigt, dass die Knochenmarkumgebung und bestimmte Hormone, die sich negativ auf die Blutbildung auswirken können, ganz wesentlich zur Entwicklung der Erkrankung beitragen“, sagt Prof. Dr. Uwe Platzbecker, Professor für Hämatologie an der Universität Leipzig und Leiter des Bereichs Hämatologie und Zelltherapie am hiesigen Universitätsklinikum.

229 Patienten nahmen an der Untersuchung teil
In einer weltweiten Phase-III-Studie wurde nun das Medikament Luspatercept auf Wirksamkeit und Nebenwirkungen getestet. Die Substanz wirkt wie ein molekularer Staubsauger, in dem sie negative „Hormone“ aus dem Knochenmark entfernt und so die Blutbildung ankurbelt. 229 Patienten nahmen an der Untersuchung teil: 153 von ihnen bekamen 24 Wochen lang das Medikament Luspatercept, die anderen 76 Placebo. Im Ergebnis benötigten rund 38 Prozent der Teilnehmer mit Luspatercept mindestens acht Wochen lang keine Bluttransfusion. In der Placebo-Gruppe waren es nur 13 Prozent. 28 Prozent der Patienten, die das Medikament einnahmen, waren sogar mehr als 12 Wochen transfusionsfrei (Placebo: 8 Prozent). „Luspatercept kann für viele Betroffene eine gut verträgliche und vor allem hocheffektive Therapie sein. Viele Teilnehmer der Untersuchung blieben zum Teil über mehrere Jahre transfusionsunabhängig. Wir haben damit eine neue Therapieoption für eine Patientengruppe entwickelt, für die es bislang außer Transfusionen keine Behandlungsoptionen gibt“, so Platzbecker. Zudem zeichnet sich Luspatercept auch durch ein gutes Nebenwirkungsprofil aus: Die Studienteilnehmer berichteten lediglich etwas vermehrt Müdigkeit, Durchfall, Übelkeit und Schwindelgefühle.

Medikament fängt Hormone ein

Das Präparat Luspatercept wird als sogenannte Liganden-Falle bezeichnet.  

Das bedeutet, dass es Hormone anzieht und einfängt, die die Bildung der roten Blutkörperchen im Knochenmark unterdrücken. Sind diese Hormone eingefangen, kann die Blutbildung wieder wie gewohnt ablaufen. Für das Medikament wurde nun die Zulassung in den USA und in Europa beantragt. „Wir hoffen, dass es Ende 2020 in Deutschland auf den Markt kommt“, so Prof. Dr. Uwe Platzbecker. In der Zwischenzeit plant die Deutsche MDS-Studiengruppe unter der Leitung von Prof. Platzbecker aktuell weitere Folgestudien, in denen der Wirkstoff mit anderen Substanzen kombiniert wird, um die Ansprechraten zu erhöhen. Die aktuelle Studie wurde von Celgene in Zusammenarbeit mit Acceleron Pharma unterstützt.

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Prof. Dr. Uwe Platzbecker
Tel.: +49 341 97 13 050

Dr. Katarina Werneburg Universität Leipzig
Telefon: 0341-9735021
E-Mail-Adresse: katarina.werneburg@medizin.uni-leipzig.de
Ritterstraße 26
04109 Leipzig
Deutschland
Sachsen 


Originalpublikation:
Luspatercept in Patients with Lower-Risk Myelodysplastic Syndromes, DOI: 10.1056/NEJMoa1908892

 

Akute Entzündungsreaktionen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie Durchfallerreger bei Körpertemperatur auf Angriff schalten

Viele bakterielle Krankheitserreger scheiden Giftstoffe aus, sobald sie sich im Wirt befinden, um dessen Immunantwort zu unterdrücken. 

Was genau auf molekularer Ebene passiert, wenn der Durchfallerreger Yersinia pseudotuberculosis auf Angriff schaltet, haben Forscherinnen und Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB) untersucht.

Sie nahmen dazu sogenannte RNA-Thermometer unter die Lupe, die den Bakterien signalisieren, ob sie sich im Wirt befinden. 

In Kooperation mit Kollegen des Helmholtz-Instituts für Infektionsforschung Braunschweig zeigten sie außerdem, dass Bakterien mit deaktiviertem RNA-Thermometer keine Infektion mehr auslösen können. 
 
Über die Studie berichtet die Zeitschrift Plos Pathogens online am 17. Januar 2020.

Bei 37 Grad Celsius schmilzt das RNA-Thermometer auf

„Aus vorangegangenen Arbeiten wussten wir, dass Yersinia-Bakterien sehr sensibel auf Temperaturänderungen reagieren und die Anwesenheit in ihrem Wirt anhand der Körpertemperatur erkennen“, sagt Prof. Dr. Franz Narberhaus vom RUB-Lehrstuhl für Biologie der Mikroorganismen. Verantwortlich für die Temperaturmessung sind die RNA-Thermometer.

  • Dabei handelt es sich um Abschnitte in der Boten-RNA vieler Gene, die den Bauplan für die krankmachenden Substanzen enthalten.
  • Bei niedrigen Temperaturen, also außerhalb des Wirts, verhindern die RNA-Thermometer, dass die RNA abgelesen und in Proteine übersetzt wird. 
  • Erst nach erfolgreicher Infektion des warmblütigen Wirtes, also bei einer Temperatur von etwa 37 Grad Celsius, schmelzen die RNA-Strukturen auf. 

Dann können sie in Proteine umgeschrieben werden, die eine für den Wirt schädliche Wirkung entfalten.

In der aktuellen Publikation beschreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den zugrunde liegenden Schmelzmechanismus des RNA-Thermometers für einen der Giftstoffe von Yersinia pseudotuberculosis, das CnfY-Toxin.

Bakterien mit nicht funktionellen Thermometern machen nicht krank

Der Bochumer Doktorand Christian Twittenhoff zeigte anhand von isolierten Zellbestandteilen des Durchfallerregers, an welchen Stellen das RNA-Thermometer für das CnfY-Toxin aufschmilzt und welche Struktur es dabei annimmt. Der Biologe erstellte ein Modell, das dokumentiert, wie sich das Thermometer öffnet. Es zeigt auch, wie das Ribosom – der Zellbestandteil, an dem die Boten-RNA in ein Protein übersetzt wird – an die Boten-RNA andockt.

In Zusammenarbeit mit der Gruppe von Prof. Dr. Petra Dersch, früher am Helmholtz-Institut in Braunschweig, jetzt an der Universität Münster, demonstrierten die Forscher außerdem, welche Rolle das RNA-Thermometer für den Krankheitsprozess spielt. Sie infizierten Mäuse mit Yersinia-Bakterien, die entweder funktionierende RNA-Thermometer besaßen oder inaktivierte RNA-Thermometer, die nicht bei 37 Grad Celsius aufschmelzen konnten. Die Bakterienstämme mit modifizierten RNA-Thermometern waren nicht in der Lage, Mäuse krank zu machen. „Die Ergebnisse haben gezeigt, wie wichtig ganz kurze regulatorische RNA-Sequenzen für den erfolgreichen Infektionsverlauf eines Bakteriums sein können“, resümiert Christian Twittenhoff, der Erstautor dieser Studie.

Ähnliche Mechanismen in anderen Bakterien vermutet

Christian Twittenhoff verglich das Gen des CnfY-Toxins mit Toxin-Genen anderer Krankheitserreger mithilfe von bioinformatischen Methoden.

Die Analyse legt nahe, dass auch andere Toxin-Gene durch RNA-Thermometer reguliert sein könnten.

„Obwohl die Sequenzen sehr unterschiedlich sind, können wir vorhersagen, welche RNA-Strukturen vermutlich als Thermometer fungieren“, erklärt er.

„RNA-Thermometer funktionieren über einen sehr einfachen Mechanismus, der sich wahrscheinlich im Laufe der Evolution bewährt und deshalb vielfach und unabhängig voneinander entwickelt hat“, vermutet Franz Narberhaus.  

Grundsätzlich könne man einer bakteriellen Infektion vorbeugen, indem man das Aufschmelzen solcher RNA-Strukturen verhindere.

 „Substanzen, die RNA-Thermometer im geschlossenen Zustand einfrieren, sind aber bisher nicht bekannt“, so Narberhaus weiter.

Über den untersuchten Erreger

Der Durchfallerreger Yersinia pseudotuberculosis ist nahe verwandt mit dem Pesterreger Yersinia pestis.  

Das Bakterium wird über verunreinigte Lebensmittel übertragen.  

Sobald es im Darm des warmblütigen Wirts angekommen ist, sekretiert es das sogenannte CnfY-Toxin, welches akute Entzündungsreaktionen auslöst und die Wirkung anderer krankmachender Substanzen verstärkt.

Förderung


Die Deutsche Forschungsgemeinschaft förderte das Projekt mit dem Förderkennzeichen NA 240/10-2.

Originalveröffentlichung

Christian Twittenhoff, Ann Kathrin Heroven, Sabrina Mühlen, Petra Dersch, Franz Narberhaus: An RNA thermometer dictates production of a secreted bacterial toxin, in: PLoS Pathogens, 2019, DOI: 10.1371/journal.ppat.1008184

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Prof. Dr. Franz Narberhaus
Lehrstuhl Biologie der Mikroorganismen
Fakultät für Biologie und Biotechnologie
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 32 23100
E-Mail: franz.narberhaus@rub.de

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Meike Drießen Ruhr-Universität Bochum
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Originalpublikation:
Christian Twittenhoff, Ann Kathrin Heroven, Sabrina Mühlen, Petra Dersch, Franz Narberhaus: An RNA thermometer dictates production of a secreted bacterial toxin, in: PLoS Pathogens, 2019, DOI: 10.1371/journal.ppat.1008184

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https://journals.plos.org/plospathogens/article?id=10.1371/journal.ppat.1008184 - Orinigalveröffentlichung

MERS-Coronavirus: (nCoV-2019): Autophagie in Zellen vorantreihen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Zelluläre Müllabfuhr entsorgt Coronaviren

Wissenschaftler entdecken einen möglichen Ansatzpunkt für Medikamente zur Behandlung von Coronavirus-Infektionen 
 
Die Erforschung grundlegender zellulärer Abläufe führt immer wieder zu unvermuteten Entdeckungen.

Eine Studie von Forschern des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München, des Uniklinikums Bonn und der Charité in Berlin ist ein anschauliches Beispiel dafür, dass auch Grundlagenforschung zu neuen medizinischen Behandlungen führen kann.

Die Wissenschaftler haben Proteine für das Recycling von Abfallstoffen untersucht, mit denen die Zellen des Körpers Stress bewältigen. Dabei haben sie entdeckt, dass sie diese Proteine mit bereits zugelassenen Medikamenten regulieren können. Da Zellen mit diesen Proteinen auch eingedrungene Coronaviren abbauen, könnten die Wirkstoffe möglicherweise auch gegen die Krankheitserreger eingesetzt werden. Am Lead Discovery Center in Dortmund suchen Forscher nun nach weiteren Wirkstoffen, mit denen sie die zelluläre Müllabfuhr gegen die Viren aktivieren können.

Psychischer und physischer Stress ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung psychiatrischer Krankheiten.

Auch die Zellen des Körpers reagieren auf Stress. 

  • Insbesondere bei physischem Stress entsorgen sie zum Beispiel verstärkt nicht mehr benötigte oder schädliche Zellbestandteile.
  • Dadurch kann die Zelle Mangelsituationen überstehen und beschädigte zelluläre Bestandteile erneuern. 
  • Sie kann aber durch diese Art der Müllentsorgung auch manche Viren bekämpfen.

Die Arbeitsgruppe von Theo Rein am Max-Planck-Institut für Psychiatrie hat kürzlich entdeckt, dass das Stressprotein FKBP51 diese auch als Autophagie bezeichnete Recyclingmaschinerie steuert. Nils Gassen, der inzwischen eine Arbeitsgruppe am Universitätsklinikum Bonn leitet, ist bei seinen Untersuchungen auf ein weiteres an der Müllentsorgung beteiligtes Protein gestoßen, das sich durch verschiedene Substanzen regulieren lässt. „Darunter sind auch bereits zugelassene Medikamente“, sagt Theo Rein. Zusammen mit Marcel Müller und Christian Drosten vom Institut für Virologie der Charité in Berlin haben die Max-Planck-Forscher entdeckt, dass diese Wirkstoffe die Vermehrung des MERS-Coronavirus in Zellen eindämmen können.

Das MERS-Coronavirus ist wie das SARS-Coronavirus ein Verwandter des neuen Coronavirus (nCoV-2019), das für den aktuellen Ausbruch in China verantwortlich ist. 
Das MERS-Coronavirus kann beim Menschen eine schwere Lungenentzündung auslösen, die in mehr als 30 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Bislang gibt es weder eine zugelassene Therapie noch einen Impfstoff.

„Ob die zelluläre Müllabfuhr zur Abwehr von Coronaviren im Menschen eingesetzt werden kann, muss sich erst noch zeigen“, so Rein.

Derzeit untersuchen Wissenschaftler am Lead-Discovery-Center in Dortmund, einer Ausgründung der Max-Planck-Gesellschaft, Substanzen, die die Autophagie in Zellen auslösen können. Auf diese Weise sollen neue Medikamente zur Behandlung von Coronavirus-Infektionen sowie verschiedenster weiterer Krankheiten entwickelt werden.

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Dr. Theo Rein
Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München
+49 89 30622-531
theorein@psych.mpg.de

Hofgartenstraße 8
80539 München
Deutschland
Bayern 

Dr. Harald Rösch
E-Mail-Adresse: harald.roesch@gv.mpg.de

Originalpublikation:
Nils C. Gassen, Daniela Niemeyer, Doreen Muth, Victor M. Corman, Silvia Martinelli, Alwine Gassen, Kathrin Hafner , Jan Papies, Kirstin Mösbauer, Andreas Zellner, Anthony S. Zannas, Alexander Herrmann, Florian Holsboer, Ruth Brack-Werner, Michael Boshart, Bertram Müller-Myhsok, Christian Drosten, Marcel A. Müller & Theo Rein
SKP2 attenuates autophagy through Beclin1-ubiquitination and its inhibition reduces MERS-Coronavirus infection.
Nature Communications

Die Entzündung ausbremsen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Lichttherapie für Immunzellen hilft bei Nebenwirkungen von Krebstherapie

Eine häufige Nebenwirkung von Krebs-Immuntherapien lässt sich vermutlich durch Lichtaktivierung von Immunzellen stoppen, wie Forscher des Universitätsklinikums Freiburg zeigen / Publikation im New England Journal of Medicine 

Vor Beginn der Therapie ist der Darm entzündet und geschwollen. Durchfälle sind die Folge. Nach der Phototherapie hat sich der Zustand des Darms wieder vollständig normalisiert.
Vor Beginn der Therapie ist der Darm entzündet und geschwollen. Durchfälle sind die Folge. Nach der Phototherapie hat sich der Zustand des Darms wieder vollständig normalisiert.
The New England Journal of Medicine ©2020
 
Erst seit wenigen Jahren ist schwarzer Hautkrebs, auch Melanom genannt, medikamentös behandelbar.
  • Allerdings kommt es bei jedem zweiten Patienten zu starken Autoimmunreaktionen wie Hautausschlag oder Durchfall. 

Dass sich diese mit einer speziellen Lichttherapie aufhalten lassen, haben jetzt Forscherinnen und Forscher des Universitätsklinikums Freiburg mit schweizerischen Kollegen gezeigt.

Medizin am Abend Berlin ZusatzThema: Notarzteinsätze  

Einen 29-jährigen Krebspatienten mit einer schweren Entzündung der Darmschleimhaut behandelten sie sehr erfolgreich mittels Extrakorporaler Photopherese (ECP).

Dabei werden Immunzellen außerhalb des Körpers mit einem lichtreaktiven Medikament versetzt, mit UV-Licht bestrahlt und in den Körper zurückgegeben. Durch das Verfahren werden vermutlich Immunzellen aktiviert, die die Entzündung stoppen. Die Photopherese-Therapie führte bei dem Patienten zu einem vollständigen Abklingen der Beschwerden, während durch die fortlaufende Krebstherapie der Hautkrebs erfolgreich behandelt werden konnte. Bisherige, etablierte Behandlungsansätze waren im Vorfeld erfolglos geblieben. Die Fallbeschreibung erschien am 15. Januar 2020 im renommierten Fachmagazin New England Journal of Medicine.

„Der Patient sprach unglaublich gut auf unseren neuen Therapieansatz an.

Mit der Extrakorporalen Photopherese haben wir für ihn und hoffentlich für viele weitere Patienten eine wichtige Therapiemöglichkeit gefunden“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Robert Zeiser, Leiter der Abteilung Tumorimmunologie der Klinik für Innere Medizin I (Schwerpunkt: Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation) am Universitätsklinikum Freiburg.

 „Prinzipiell ist der Therapieansatz auch bei immunvermittelten Nebenwirkungen anderer Krebstherapien denkbar“, so Zeiser. Die Wirksamkeit der ECP konnte die Forschungsgruppe um Zeiser in Zusammenarbeit mit Dr. Frank Meiß undProf.Dr. Dagmar von Bubnoff, beide Oberärzte an der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Freiburggemeinsam mit Prof. Dr. Burkhard Becher vomInstitut für Experimentelle Immunologie der Universität Zürich nachweisen.

Ersatz für nebenwirkungsreiche Kortisontherapie

Bei der Behandlung von schwarzem Hautkrebs und vielen anderen Krebsarten kommen sogenannte Immuncheckpoint-Inhibitoren zum Einsatz. 

„Krebszellen haben oft eine Art Deckmäntelchen, das sie für die körpereigene Immunantwort unsichtbar macht.

Immuncheckpoint-Inhibitoren entreißen ihnen dieses Deckmäntelchen und ermöglichen so einen Angriff des Immunsystems auf die Krebszellen“, erklärt Zeiser.

Allerdings beginnt das Immunsystem oft auch, körpereigene Strukturen zu zerstören. 

  • Diese Nebenwirkungen können verschiedene Organe betreffen wie zum Beispiel Darm, Haut, Schilddrüse, Leber oder Gehirn. 

„Bisher werden Patienten mit derartigen Nebenwirkungen einer Krebs-Immuntherapie meist längere Zeit mit Kortison oder anderen immunmodulierenden Wirkstoffen behandelt, was aber nicht immer wirkt oder starke Nebenwirkungen haben kann“, so Zeiser.

Außerdem steht Kortison im Verdacht, die Immunantwort auf den Tumor zu blockieren und damit die Krebsbehandlung zu torpedieren.

Die ECP-Behandlung wurde bei dem Patienten acht Monate lang alle zwei bis vier Wochen wiederholt.

Bereits kurz nach Beginn der Therapie kam es zu einem kompletten Rückgang des entzündungsbedingten starken Durchfalls.

Wie die Forscher feststellten, wurde während der ECP-Therapie eine bestimmte Art von Immunzellen größer und aktiver.

„Wir gehen davon aus, dass diese vergrößerten Immunzellen auf andere Teile des Immunsystems einwirken und so die Entzündung ausbremsen“, erklärt Zeiser. Auch im präklinischen Tiermodell erwies sich der Therapieansatz als sicher.

Unterschied auf Zellebene: Während vor der Therapie das Gewebe unstrukturiert wuchert, sind am Ende der Therapie die schleimbildenden Zellverbünde wieder gut zu erkennen.
Unterschied auf Zellebene: Während vor der Therapie das Gewebe unstrukturiert wuchert, sind am Ende der Therapie die schleimbildenden Zellverbünde wieder gut zu erkennen.
The New England Journal of Medicine ©2020


„Ganz wichtig für die begleitende Therapie war, dass die ECP-Behandlung keinen negativen Einfluss auf die Anti-Tumor Wirkung der Immunmedikamente hatte“, so Zeiser.

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Prof. Dr. Robert Zeiser
Leiter der Abteilung für Tumorimmunologie
Klinik für Innere Medizin I (Schwerpunkt: Hämatologie, Onkologie, Stammzelltransplantation)
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-34580
robert.zeiser@uniklinik-freiburg.de

Breisacher Straße 153
79110 Freiburg
Deutschland
Baden-Württemberg

Benjamin Schoch-Waschow
Telefon: (0761) 270 - 19090
Fax: (0761) 270 - 19030
E-Mail-Adresse: benjamin.waschow@uniklinik-freiburg.de

Originalpublikation:
Originaltitel der Publikation: Extracorporeal Photopheresis for Colitis Induced by Checkpoint-Inhibitor Therapy
DOI: 10.1056/NEJMc1912274

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http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc1912274?query=featured_home

TOP - Einladung zur EUCLID - Coronavirus-Studie-Umfrage

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Online-Studie zum Coronavirus gestartet

Psychologie-Studierende an der Universität Konstanz laden zur Teilnahme ein 
 
Seit Dezember 2019 ist ein neues Coronavirus (2019-nCoV) im Umlauf.

Zunächst im chinesischen Wuhan ausgebrochen, verbreitet sich das neue Coronavirus seitdem auch über China hinaus.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 30. Januar 2020 eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite ausgerufen. 

Im Rahmen dieser Entwicklung ist an der Universität Konstanz die Online-Studie „EUCLID“ zum Coronavirus gestartet.

Hier geht es zur Umfrage:

Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: EUCLID-Umfrage  

Unter dem Namen „Elektronische Umfrage zur Coronavirus-Lage in Deutschland“ (EUCLID) untersuchen Masterstudierende des Konstanzer Fachbereichs Psychologie unter der Leitung der Gesundheitspsychologin Prof. Dr. Britta Renner das Verhalten und die Einschätzung der Bevölkerung in Bezug auf das neue Coronavirus. 

Über die aktuelle Umfrage hinaus ist eine umfassende Untersuchung über den zeitlichen Verlauf der Verbreitung des Virus hinweg geplant, mit der beispielsweise auch der Einfluss der Medien auf das Verhalten und die Einschätzung der Menschen genauer analysiert wird.

Faktenüberblick:
• Coronavirus-Studie EUCLID an der Universität Konstanz
• Master-Studierende im Fachbereich Psychologie starten Online-Umfrage
• Unter der Leitung der Gesundheitspsychologin Prof. Dr. Britta Renner von der Universität Konstanz
• Zur Online-Umfrage: cutt.ly/euclid-umfrage

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Julia Wandt Universität Konstanz

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78464 Konstanz
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Baden-Württemberg
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Julia Wandt
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Tau-Proteine im Gehirn: tau-PET Untersucherung: Alzheimer-Demenz (AD)

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Infektiöse Proteine bei Alzheimer

Im Zuge der Alzheimer-Demenz mit immer weiter fortschreitendem geistigem Verfall reichern sich im Gehirn fehlgefaltete Amyloid- und Tau-Proteine an. 

  • Dabei scheinen sich die Tau-Proteine in zusammenhängenden neuronalen Netzwerken wie bei einer Infektion zu verbreiten. 

Das haben Wissenschaftler des Instituts für Schlaganfall- und Demenzforschung am LMU Klinikum nun erstmals in einer Längsschnitt-Studie bei Alzheimer Patienten nachgewiesen. 
 
Die Alzheimer-Demenz (AD) zählt zu den häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems und ist die Hauptursache für Demenz im Alter.

Weltweit sollen 44 Millionen Menschen betroffen sein. 

  • Im Verlauf der AD werden die Nervenzellen und Kontaktstellen zwischen den Neuronen, die Synapsen, immer weiter zerstört. 

Die Folge:

Gedächtnis- und Orientierungsstörungen
Sprachstörungen
 Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit.
Sie machen die Bewältigung des Alltagslebens immer schwieriger.

Erst Beta-Amyloid, dann Tau


  • Die Krankheit beginnt nach derzeitiger Kenntnis mit der Ablagerung von Beta-Amyloid-Proteinen im Gehirn in Form sogenannter Plaques, die sich außerhalb der Nervenzellen anreichern. 
  • Bald darauf häufen sich die Tau-Proteine innerhalb der Nervenzellen im Gehirn an, die für das Fortschreiten der Demenz offenbar entscheidend sind. 

„Je stärker die Tau-Pathologie, desto ausgeprägter ist in der Regel die klinische Symptomatik der Patienten“, betont Dr. Nicolai Franzmeier vom Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung. In Zell- und Tierversuchen stellte sich jüngst heraus:  

Die Tau-Proteine breiten sich über miteinander verbundene Nervenzellen aus und werden, ähnlich einer ansteckenden Erkrankung, an den Synapsen an andere Neurone weitergegeben.

Daten aus zwei bildgebenden Verfahren

Die Forscher der LMU Medizin um Arbeitsgruppenleiter Prof. Michael Ewers und den Erstautor der Studie, Dr. Nicolai Franzmeier, haben nun in einer internationalen Arbeit mit einem ausgefeilten bildgebenden Verfahren, der sogenannten tau-PET, die Verteilung der Tau-Proteine im Gehirn von Alzheimer-Patienten beleuchtet. Die Forscher untersuchten zwei Stichproben mit jeweils etwa 50 Alzheimer-Patienten, die über ein bis zwei Jahre mit der Tau-PET-Untersuchung nachverfolgt wurden. Zu Studienbeginn wurden die Gehirne der Patienten außerdem mit einem anderen bildgebenden Verfahren untersucht, der funktionellen Magnetresonanz-Tomografie. Sie kann erfassen, welche Nervenzellen bzw. Hirnregionen in funktionellen Netzwerken eng verknüpft sind.

„Mit diesen Längsschnitt-Daten“, erklärt Franzmeier, „haben wir analysiert, ob sich die Ausbreitung der Tau-Proteine im Verlauf anhand der Topologie funktioneller Hirnnetze vorhersagen lässt.“

Eine bessere individuelle Risikovorhersage erscheint möglich

„Tatsächlich verbreitet sich die Tau-Pathologie im Verlauf der Erkrankung vornehmlich entlang miteinander vernetzter Hirnregionen“, resümiert Franzmeier das wichtigste Ergebnis der Studie.

 „Diese Vernetzung der Hirnregionen ist zentral für mentale Leistungen.

Die Vorhersage der Ausbreitung von Tau in diesen Netzwerken könnte sich damit auch als wichtig für die Vorhersage der zukünftigen Abnahme in der mentalen Leistung erweisen“, erläutert Ewers. 

Langfristig gesehen planen die Forscher, die Modelle zur individuellen Vorhersage der Verbreitung der Tau-Pathologie zu nutzen. Damit ließe sich der mitunter sehr unterschiedliche Verlauf der Erkrankung für den einzelnen Patienten besser prognostizieren.

Publikation: “Functional brain architecture is associated with the rate of tau accumulation in Alzheimer’s disease”, DOI: 10.1038/s41467-019-14159-1

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Dr. Nicolai Franzmeier
Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung
LMU Klinikum München
Tel: 089 4400-46162
Fax: 089 4400-46113
E-Mail: nicolai.franzmeier@med.uni-muenchen.de

Philipp Kressirer Klinikum der Universität München
Pettenkoferstraße 8a
80336 München
Deutschland
Bayern
Telefon: 089 / 4400 - 58070
Fax: 089 / 4400 - 58072
E-Mail-Adresse: philipp.kressirer@med.uni-muenchen.de

Originalpublikation:
https://www.nature.com/articles/s41467-019-14159-1

Weitere Informationen:
https://www.isd-research.de/isd-research-news

Paradoxen Effekt: CAVE: zu geringe Bioverfügbarkeit

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wenn der Hemmstoff aktiviert – Zu geringe Dosis hat schwerwiegende Folgen

Ein Wirkstoff soll eine Reaktion im Körper unterdrücken, stattdessen verstärkt er sie zusätzlich: 

Dieser Effekt kann zum Beispiel in der Krebstherapie fatal sein, wenn es darum geht, das unkontrollierte Wachstum erkrankter Zellen zu hemmen? 

Ein internationales Team unter Leitung der Universität Duisburg-Essen (UDE) hat nun eine Erklärung für diesen paradoxen Effekt gefunden. 
 
Dass ein Medikament einen Prozess aktiviert statt ihn wie geplant zu hemmen, geschieht vor allem dann, wenn der Wirkstoff in nur geringer Konzentration am Zielort ankommt und dort zudem mehrere potenzielle Bindestellen vorliegen. 

Das fanden Wissenschaftler um UDE-Professor Dr. Michael Ehrmann heraus und publizierten ihre Erkenntnisse im Fachjournal PNAS.

Den Forschern zufolge führen in diesem Fall strukturelle Veränderungen am Zielort dazu, dass die freigebliebenen Bindestellen noch aktiver werden als ohne gebundenen Hemmstoff.

  • Der Sinn der Therapie ist damit nicht nur verfehlt, sondern sogar ins schädliche Gegenteil verkehrt.

Ursache der fehlgeschlagenen Behandlung ist in diesen Fällen eine zu geringe Bioverfügbarkeit: 

Sie gibt an, wie viel Wirkstoff tatsächlich am Zielort angekommen ist, denn Medikamente verteilen sich nicht gleichmäßig im Körper.

„Der Effekt ist nun bekannt und kann überprüft werden“, erklärt Ehrmann.

„Wir schlagen daher vor, die mögliche unerwünschte Aktivierung bei der Entwicklung von Medikamenten zu berücksichtigen.“


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Telefon: 0203 / 379-2427
Fax: 0203 / 379-2428
E-Mail-Adresse: birte.vierjahn@uni-due.de
Prof. Dr. Michael Ehrmann
Zentrum für Medizinische Biotechnologie (ZMB)
Tel. 0201/18 3-2949, michael.ehrmann@uni-due.de

Forsthausweg 2
47057 Duisburg
Deutschland
Nordrhein-Westfalen 

Originalpublikation:
„Activation by substoichiometric inhibition.“
Merdanovic M, Burston SG, Schmitz AL, Köcher S, Knapp S, Clausen T, Kaiser M, Huber R, Ehrmann M., PNAS, 2020 Jan 6.
doi: 10.1073/pnas.1918721117
https://www.pnas.org/content/early/2020/01/03/1918721117