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Schädel-Hirn-Trauma: Mikrostrukturen im Gehirn und das Neurofeddback

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Studie am Dresdner Uniklinikum: Schädel-Hirn-Trauma – bleibt´s beim kurzen Schrecken?

Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden haben sich die Kliniken für Kinderchirurgie, für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie die Abteilung für Neuropädiatrie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin zusammengeschlossen, um im Rahmen eines neuen Kooperationsprojektes Bedarf und Wirksamkeit eines Nachsorgeprogramms für Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma zu ermitteln. 

Der Fokus des Projektes und der damit verbundenen wissenschaftlichen Untersuchungen liegt auf Kindern und Jugendlichen, die aufgrund eines Schädel-Hirn-Trauma stationär im Universitätsklinikum behandelt wurden. 
 
Wenn noch Monate nach dem Klinikaufenthalt Probleme bei verschiedenen Denkvorgängen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder Handlungsplanung feststellbar sind, haben im Rahmen des Projekts Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 15 Jahren die Chance, diese Probleme mit der Methode des Neurofeedbacks zu therapieren.

Vor allem Jungs lieben es, ihre Limits auszutesten – beispielsweise auf dem Skateboard oder dem Fahrrad kann es dabei schon einmal zum Crash kommen, der in der Notaufnahme eines Krankenhauses endet.

Die Klinik für Kinderchirurgie zählte allein im Jahr 2018 rund 10.000 Kinder und Jugendliche, die nach Unfällen aller Art eingeliefert wurden. Neben Knochenbrüchen, Platz- und Risswunden diagnostizieren die Chirurgen gemeinsam mit ihren Kollegen der Anästhesie und Neuropädiatrie in 554 Fällen auch ein Schädel-Hirn-Trauma – Grund genug, den Patienten zur Beobachtung ins Uniklinikum aufzunehmen.

Während sich nach der Entlassung auch die Eltern freuen, dass Wunden und Brüche in der Regel schnell verheilen, beobachten sie in einigen Fällen – Experten schätzen bei etwa 20 Prozent der Patienten – Veränderungen im Verhalten und der geistigen Leistungsfähigkeit ihrer Kinder.

Früher so aufmerksame Schüler schaffen es auch Monate nach dem Unfall plötzlich nicht mehr, sich eine Schulstunde lang zu konzentrieren, sie sind häufiger müde oder haben wiederkehrende Kopfschmerzen.

Klar zu diagnostizierende Schädigungen des Gehirns, die zum Beispiel auf einem MRT-Bild erkennbar sind, haben diese Patienten in der Regel nicht.

Und doch kann es sein, dass das Schädel-Hirn-Trauma Mikrostrukturen im Gehirn in Mitleidenschaft gezogen hat – etwa lange Nervenfasern, die Areale des Gehirns verbinden.

  • Auch die Weiße Substanz, die einzelne Hirnregionen voneinander isoliert, kann durch den Unfall oder Sturz Schaden genommen haben und zu Problemen in den Denkvorgängen führen. 

Das neue Kooperationsprojekt hat zum Ziel, für solche psychologischen Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas ein gezieltes ambulantes Versorgungsangebot für betroffene Patienten zu schaffen.
  • Glücklicherweise hat das Gehirn genügend Kapazitäten, um diese von kleinen Läsionen verursachten Defizite durch ein gezieltes Training auszugleichen. 

Das Projekt will dazu das Neurofeedback als neuen Therapieansatz für Kinder und Jugendliche nach einem Schädel-Hirn-Trauma nutzen. Ein weiteres Ziel des fachübergreifenden Projektes ist es daher, die Wirksamkeit dieser Methode für betroffene Patienten zu optimieren und entsprechende individuelle Behandlungsoptionen in der Nachsorge zu schaffen. Dazu können sich die Eltern bereits bei der Entlassung aus dem Krankenhaus entscheiden, ob Sie grundsätzlich an einer Teilnahme an dem Projekt interessiert sind. Drei Monate später werden sie dann von dem Forscherteam erstmals kontaktiert und gefragt, ob sie seit dem Schädel-Hirn-Trauma Probleme in der Aufmerksamkeit oder anderen Denkvorgängen ihrer Kinder beobachtet haben. Falls dies der Fall ist, erhalten die Kinder und Jugendlichen einen Diagnostiktermin im Uniklinikum. In diesem Rahmen werden Aufmerksamkeit, Gedächtnis und das allgemeine geistige Leistungsvermögen getestet, über Fragebögen die Symptome erfasst und die Gehirnaktivität mittels EEG gemessen. Dazu müssen die Probanden Aufmerksamkeitsaufgaben am PC erledigen. Sollten sich bei diesen Untersuchungen die geschilderten Probleme bestätigen und die Teilnahme sinnvoll und notwendig erscheinen, kann die Aufnahme in die Neurofeedbackbehandlung erfolgen.

Was ist eigentlich Neurofeedback?

Traditionell ist Neurofeedback an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie ein Angebot für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen wie zum Beispiel ADHS. Ziel des Neurofeedbacks ist es, die mit Aufmerksamkeit verbundene Gehirnaktivität zu erhöhen. Dafür wird die mit fünf Elektroden gemessene Gehirnaktivität in ein einfaches Computerspiel – etwa ein Autorennen – umgewandelt. Mit einem höheren Konzentrationslevel geht eine Erhöhung der Gehirnaktivität einher – dadurch lässt sich beim Neurofeedback das Autorennen steuern. Durch ein intensives Training besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich auch generell Fortschritte beim Leistungsvermögen erreichen lassen. Der Patient kann so lernen, seine Konzentration bewusster zu steuern. Der Therapeut erarbeitet mit dem Patienten Konzentrationsstrategien, die auch im Alltag nutzbar sind. Das Training wird durch psychotherapeutische Elemente unterstützt. Um eine bedeutsame Verringerung der Aufmerksamkeitsprobleme in verschiedenen Bereichen zu erreichen, findet das Neurofeedback acht Wochen lang je zweimal wöchentlich statt. Neben einer psychischen Erkrankung oder einem Unfall können auch verschiedenen körperliche Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen zu Aufmerksamkeitsproblemen führen. Auch in diesem Fall kann nach erfolgter Diagnostik eine Neurofeedbackbehandlung passend sein.

Die Leiter des neuen Kooperationsprojektes streben mit dieser Initiative an, die längerfristige klinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Schädel-Hirn-Trauma zu verbessern und auszuweiten.

Damit soll ein entscheidender Beitrag zur Patientenversorgung und auch zum wissenschaftlichen Kenntnisstand zu Spätfolgen eines Schädel-Hirn-Traumas geleistet werden.

Kontakt für Patienten
 
Betroffene, die an einer Teilnahme interessiert sind, wenden sich bitte an: 

Univer-sitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie Telefon: 
0351 - 4 58 7168
E-Mail: KJPForschung@uniklinikum-dresden.de

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Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Direktor: Prof. Dr. med. Veit Rößner
Telefon: 0351 458 22 44
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Fetscherstraße 74
01307 Dresden
Deutschland
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Holger Ostermeyer
Telefon: 0351 / 458-4162
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CAVE: Kreislauflabor - EKG - Akuten Herzinfarkt https://compass-mi.com/

Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: UKE: Personalisierter Algorithmus hilft Herzinfarkt schneller und sicherer zu erkennen

  • Herzforscher des UKE entwickeln einen Risiko-Kalkulator für Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt

Patienten mit Verdacht auf akuten Herzinfarkt können auf eine schnellere und sicherere Diagnose hoffen: 


Dank eines neuen auch online verfügbaren Risiko-Kalkulators „Compass MI“ können Kardiologen, Neurologen, Nephrologen, Gastrologen, Urologen und andere medizinische/pflegerische Ausrichtungen nun früher und sicherer als bislang abschätzen, ob tatsächlich ein Infarkt vorliegt. 

Entwickelt wurde die Diagnosehilfe von einem internationalen Wissenschaftlerteam unter Federführung der Medizinerinnen und Mediziner des Universitären Herz- und Gefäßzentrums des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). 

v.l. Prof. Dr. Stefan Blankenberg, Ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums und Studienleiter Dr. Johannes Neumann, Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie.
v.l. Prof. Dr. Stefan Blankenberg, Ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums und Studienleiter Dr. Johannes Neumann, Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie. UKE
 
Grundlage der Diagnosehilfe sind moderne Tests, die auch sehr geringe Troponin-Konzentrationen feststellen können.

Troponin ist ein Proteinkomplex, der nur im Herzmuskel vorkommt und bei Schädigungen der Muskelzellen ins Blut gelangt.

  • „Mithilfe der gemessenen Troponin-Werte und der genauen Zeit zwischen den Messungen kann man nun unter Berücksichtigung der Art des verwendeten Bluttests ausrechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der betreffende Patient einen akuten Herzinfarkt hat. 

Das ist ein Novum“, erklärt Dr. Johannes Neumann, Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie des Universitären Herz- und Gefäßzentrums.

Entscheidend für die Infarktdiagnose sei nicht mehr ein fester Grenzwert der Troponin-Konzentration im Blut, sondern das Ansteigen der Troponin-Werte während des Messzeitraums.

„Wir haben das in den medizinischen Leitlinien niedergeschriebene Konzept zur Diagnose eines akuten Herzinfarkts aufgebrochen“, sagt Prof. Dr. Stefan Blankenberg, Ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums.

Für die klinische Praxis bedeutet das: 

Wenn bei Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt das EKG (Elektrokardiogramm) keine eindeutigen Zeichen für einen Infarkt liefert, können Ärzte dennoch innerhalb von rund einer Stunde zu einer gesicherten Diagnose kommen, um dann die notwendigen Therapiemaßnahmen einzuleiten. 

  • Bislang konnte es passieren, dass solche Patienten bis zu zwölf Stunden warten mussten, bis die Ärzte einen Infarkt sicher diagnostizieren oder ausschließen konnten.

Weltweite Studie mit 22.000 Patienten führt zu Neudefinierung

Das neue Konzept haben die Hamburger Herzforscherinnen und Herzforscher gemeinsam mit internationalen Kollegen in der aktuellen Ausgabe der renommierten medizinischen Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Es ist das Ergebnis der Datenauswertung von mehr als 22.000 Patienten aus weltweit 13 Ländern. Bei allen Patientinnen und Patienten, die mit Verdacht auf einen Herzinfarkt in eine Notaufnahme kamen, maßen die Ärzte unmittelbar bei der Eingangsuntersuchung und bis zu dreieinhalb Stunden später jeweils mithilfe hochsensitiver Bluttests die Konzentration von Troponin I oder Troponin T.

 
„Wir haben hier in Hamburg den Algorithmus entwickelt.

Dazu haben wir die weltweiten Daten harmonisiert und dann als gemeinsamen Datensatz für die Analyse verwendet“, erklärt Dr. Neumann, der auch einer der beiden Erstautoren der Veröffentlichung ist.

Lediglich 15 Prozent der Studienpatienten hatten tatsächlich einen Herzinfarkt.

Geringe Ausgangskonzentrationen an Troponin und ein geringer Konzentrationsanstieg waren mit einer geringen Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt verknüpft. 

  • Diese Patienten hatten zudem ein geringes Risiko für weitere Herz-Kreislauf-Komplikationen in den kommenden 30 Tagen. 
  • Mit einer Ausgangskonzentration an Troponin I von unter 6 Nanogramm pro Liter (<6 ng/L) und einem nur geringen Anstieg (<4 ng/L) innerhalb von 45 bis 120 Minuten gehörte insgesamt mehr als die Hälfte aller Patienten (57%) zu dieser Niedrig-Risiko-Gruppe.

Im ersten Schritt lieferte die Studie den Wissenschaftlern wertvolle Daten zur Erstellung des Algorithmus, um im zweiten Schritt daraus einen Risiko-Kalkulator zu entwickeln, der künftig den Ärztinnen und Ärzten bei der Entscheidung zu weiteren therapeutischen Maßnahmen die Richtung weist.

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Prof. Dr. Stefan Blankenberg
Klinik und Poliklinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie
Universitäres Herz- und Gefäßzentrum Hamburg
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Telefon: 040 7410-53972
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Saskia Lemm Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

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Originalpublikation:
Literatur:
Neumann J.T., Twerenbold R. et al. Application of High-Sensitivity Troponin in Suspected Myocardial Infarction. Doi: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1803377

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Typologie von Schichtarbetisbiografien - Gesundheitsverhalten?

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Prekäre Arbeitsfähigkeit? Neue Studie zur Schichtarbeit

Schichtarbeit ist weit verbreitet, beeinträchtigt jedoch häufig das soziale Leben und die Gesundheit der Beschäftigten. 

  • Unternehmen stehen vor der Frage, wie sie die Arbeitsfähigkeit ihrer älter werdenden Mitarbeiter fördern und angesichts knapper Fachkräfte einen leistungsfähigen Schichtbetrieb sichern können. 

Und die Probleme der Schichtarbeit in unterschiedlichen Branchen, sie macht überdies deutlich, dass ein langfristiger und gesunder Verbleib in Schichtarbeit neben den betrieblichen Bedingungen auch von den jeweiligen biografischen Konstellationen der Beschäftigten abhängig ist. 
 
Immer mehr Menschen arbeiten im Schicht- und Nachtdienst.

Die gesundheitlichen Belastungen der Schichtarbeit sind in vielen arbeitsmedizinischen Studien beschrieben worden. 

  • Darüber hinaus wird der Alltag der Beschäftigten durch den Schichtplan strukturiert, mit Folgen für das soziale und familiäre Leben. 
  • Unternehmen wiederum stehen vor der Frage, wie sie die Arbeitsfähigkeit ihrer Schichtarbeitenden langfristig erhalten und auch mit älter werdenden Belegschaften einen leistungsfähigen Schichtbetrieb organisieren können. 

Der Praxis der Schichtarbeit in verschiedenen Branchen und den damit verbundenen Herausforderungen geht eine aktuelle Studie des Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) in Saarbrücken nach, die im Rahmen der bundesweiten Initiative Neue Qualität der Arbeit gefördert wurde.

Fallstudien aus der Stahlerzeugung und der verarbeitenden Industrie, aus dem Gesundheitswesen und der Energieerzeugung verdeutlichen, dass Schichtarbeit nicht gleich Schichtarbeit ist und dass sich die Arbeitsbiografien von Schichtbeschäftigten unterschiedlich entwickeln. 

  • Manche können gesund und zufrieden bis zum Renteneintritt im Schichtbetrieb verbleiben, andere leiden unter Beeinträchtigungen ihrer Gesundheit und ihrer Lebensqualität. 
  • Eine Typologie von Schichtarbeitsbiografien zeigt die Faktoren, die zu einem gelingenden Verbleib oder zu einem Ausstieg aus der Schichtarbeit führen. 

Da die betrieblichen Optionen für gesundheitsbedingte Schichtbefreiungen an Grenzen stoßen, suchen die Unternehmen nach innovativen Konzepten, wie sie die Arbeitsfähigkeit und Motivation ihrer Beschäftigten im Schichtbetrieb langfristig erhalten können.

Originalpublikation:
Volker Hielscher, Elena Kreutzer, Ingrid Matthäi (2019): Schichtarbeit unter Veränderungsdruck. Praxiserfahrungen – Herausforderungen – Zielkonflikte. Edition sigma in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden Baden. ISBN 978-3-8487-5913-2

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E-Mail-Adresse: preuth@iso-institut.de


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CAVE: Untersucher-Kreislauflabor. Bradykarde + tachykarde Rhythmusstörungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: Dramatische Versorgungslücke bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen und Synkope

• Jeder zweite Mensch erleidet im Laufe seines Lebens eine Synkope, also eine kurze Ohnmacht, deren Ursache nicht selten Herzrhythmusstörungen sind.
• Europäische Leitlinien empfehlen zur sicheren und raschen Diagnostik implantierbare Ereignisrekorder.
• Diese Ereignisrekorder können derzeit bei gesetzlich versicherten Patienten nicht leitliniengerecht angewendet werden, da sie nicht erstattet werden.
Bei etwa einem Drittel aller Schlaganfälle wird zunächst keine Grunderkrankung festgestellt. 


Auch hier können implantierbare Ereignisrekorder bei der Suche helfen, damit rasch eine wirksame Therapie eingeleitet werden kann. 
 
Synkopen sind ein häufig auftretendes Problem.

In dem meisten Fällen handelt es sich um sogenannte Reflexsynkopen oder vasovagale Synkopen, die meistharmlos sind.

„Davon abzugrenzen – und das macht die Diagnostik kompliziert – sind Synkopen, die durch kardiale Erkrankungen entstehen, allen voran durch bradykarde oder tachykarde Rhythmusstörungen“, sagt Prof. Dr. Wolfgang von Scheidt, der federführende Autor des deutschen Kommentars zu der europäischen Leitlinie Diagnostik und Management von Synkopen.

  • „Die Ursachen können für den Patienten lebensgefährlich sein. 
  • Die Synkope von heute kann der plötzliche Herztod von morgen sein.“
  • Ereignisrekoder sind für eine effektive Diagnostik von Synkopen unerlässlich

Patienten, bei denen die Ursache für ihre wiederkehrenden Ohnmachten in einer Störung des Herzrhythmus vermutet wird, erhalten ein Langzeit-EKG, um die Rhythmusstörung identifizieren und wirkungsvoll behandeln zu können. 

  • Da ein Langzeit-EKG aber nur bei 4 % der Patienten ein Ergebnis erfasst, empfiehlt die Leitlinie, es nur bei Patienten anzuwenden, die häufiger als einmal pro Woche eine Synkope erleiden. 

Dies ist allerdings nur bei dem geringsten Teil der Betroffenen der Fall.

  • Das international etablierte diagnostische Verfahren zum Nachweis der bei Synkopen zugrundeliegenden Rhythmusstörungen ist der implantierbare Ereignisrekorder. 

Es handelt sich hierbei um einen kleinen Chip, der innerhalb weniger Minuten unter die Haut implantiert werden kann und über drei Jahre hinweg den Herzrhythmus aufzeichnet.

„Sollte also Wochen oder Monate nach der Implantation die nächste Ohnmacht auftreten, kann der Ereignisrekorder ausgelesen werden und offenbart den Herzrhythmus zum Zeitpunkt der Synkope“, erklärt von Scheidt.

Ereignisrekorder finden Vorhofflimmern deutlich öfter

Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet des Ereignisrekorders ist der kryptogene Schlaganfall. 

Bei rund einem Drittel der Schlaganfall-Patienten wird keine Grundkrankheit entdeckt, die erklären könnte, warum es zum Schlaganfall gekommen ist. In diesen Fällen spricht man von kryptogenen Schlaganfällen.

Schon 2014 zeigte eine große Studie, dass bei einem weitaus größeren Teil der Patienten mit kryptogenem Schlaganfall ein gelegentliches anfallsartiges Vorhofflimmern (paroxsysmales Vorhofflimmern) auftritt, als man zuvor angenommen hatte.

  • Während die herkömmlichen Diagnoseverfahren EKG und Langzeit-EKG innerhalb von 12 Monaten nur bei 2 % der Patienten Vorhofflimmer-Episoden aufdecken konnten, wurden mit dem implantierten Ereignisrekorder im gleichen Zeitraum bei 12,4 % der Patienten Vorhofflimmern mit einer Länge von mehr als 30 Sekunden gefunden. 

Bei der Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern kommt es zu schnellen, chaotischen Kontraktionen der Vorhöfe des Herzens, wodurch sich die Strömung des Blutes im Herzen verändert.

Es können sich Gerinnsel bilden, die in das Gehirn geschwemmt werden und dort einen Schlaganfall verursachen.

  • Eine frühzeitige Erkennung von Vorhofflimmern mit Ereignisrekordern erlaubt das rechtzeitige Einleiten einer Antikoagulantientherapie und so das Verhindern von Schlaganfällen.

Mangelnde Vergütung von Implantation und Nachsorge führt zu Unterversorgung


Obwohl der klinische Nutzen der Detektion von selten und unregelmäßig auftretenden Herzrhythmusstörungen mit implantierten Ereignisrekordern durch zahlreiche Studien und Metaanalysen belegt ist, besteht in Deutschland bezüglich der Versorgung mit den Rekordern eine von ärztlicher und Patientenseite unerträgliche Situation, wie die DGK in einer Stellungnahme (https://doi.org/10.1007/s12181-018-0297-7) erörtert. 

„Leider wird die Implantation eines Ereignisrekorders bisher von den Krankenkassen als letzter Schritt in der Diagnostik angesehen, obwohl man schon sehr schnell an dem Scheideweg in der Diagnostik angekommen ist, in der er gewinnbringend eingesetzt werden kann“, stellt von Scheidt hinsichtlich der Abklärung von Synkopen fest.


  •  „In der Realität muss, damit die Implantation vergütet wird, eine lange Diagnostikkaskade vorweggehen, die bei weiten Teilen dieser Patienten unnötig ist, beispielsweise neurologische Untersuchungen. 

Eine ambulante Implantation wird derzeit sogar überhaupt nicht vergütet, obwohl der Eingriff ambulant sehr gut und gefahrlos durchgeführt werden kann.

“ Er resümiert: 

„Die Vorgaben der Krankenkassen widersprechen der Leitlinienempfehlung.“ Prof. Dr. Thomas Deneke, Sprecher der Arbeitsgruppe Rhythmologie der DGK, bestätigt: 

„Es wird in der Synkopendiagnostik sehr viel Geld für Maßnahmen ausgegeben, die unnütz sind. Dieses Geld sollte man eher in die Versorgung mit Ereignisrekordern stecken.“

Doch nicht nur die Vergütung der Implantation ist unzureichend. 

„Die Nachsorge können wir derzeit überhaupt nicht abrechnen“, so Deneke. 

„Die Ereignisrekorder müssen idealerweise telemedizinisch nachgesorgt werden. Ich sehe mir im Schnitt am Tag 200-300 zum Teil auch fehldetektierte Episoden von etwa 50 Patienten an, nach dem Wochenende auch mal von 150 Patienten.“ 

Die mangelnde Vergütungssituation sowohl von Implantation als auch von Nachbetreuung führt allerdings häufig dazu, dass die Ereignisrekorder gar nicht erst eingesetzt werden können.

Durch die genannten Sachverhalte besteht in Deutschland eine Unterversorgung von Patienten mit Herzrhythmusstörungen und Synkopen, wie es in der Stellungnahme der DGK heißt. 

Eine leitliniengerechte Diagnosestellung und Initiierung von zum Teil lebenswichtigen Therapien ist daher in vielen Fällen nicht möglich und erhöht das Risiko der Patienten, Folgeerkrankungen zu erleiden oder zu versterben. 

„Die Implantation und Nachsorge von Ereignisrekordern muss dringend vergütet werden, sowohl stationär als auch ambulant. Und zwar möglichst unkompliziert“, fordert Deneke. 

Von Scheidt fügt hinzu: 

„Die Krankenkassen müssen ihre Haltung zu implantierbaren Ereignisrekordern unserer Meinung nach dringend überdenken!“

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Deutsche Gesellschaft für Kardiologie
Prof. Dr. Michael Böhm (Homburg/Saar)
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Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 10.000 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org

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SuperCAVE: Vermehrtes viszerales Fett? Hormon Östradiol - Östrogene

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Sexualhormon Östradiol schützt weibliches Gehirn in der Lebensmitte

  • Wie wirken sich Sexualhormone und Körpergewicht auf das emotionale und kognitive Wohlbefinden aus? 

Die Forscherinnen Julia Sacher und Rachel Zsido fanden mit ihrem Team heraus, dass das Hormon Östradiol eine entscheidende Rolle dabei spielt, vor allem in der Lebensmitte Netzwerke im weiblichen Gehirn strukturell intakt und das Gedächtnis gesund zu erhalten. 

Sie analysierten dafür Daten von 974 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus einer großen bevölkerungsbasierten Studie des Leipziger Forschungszentrums für Zivilisationskrankheiten (LIFE).

Erhöhtes Organfett (Scan unten) beschleunigt die Alterung von Gehirnnetzwerken. Östradiol (Oe) scheint das Gehirn von Frauen während der Lebensmitte vor strukturellen Schäden (rechts oben).
Erhöhtes Organfett (Scan unten) beschleunigt die Alterung von Gehirnnetzwerken. 
Östradiol (Oe) scheint das Gehirn von Frauen während der Lebensmitte vor strukturellen Schäden (rechts oben). MPI CBS
 
  • Aktuelle Forschung deutet darauf hin, dass vermehrtes viszerales Fett - das ist Körperfett, das eine Reihe wichtiger innerer Organe wie Leber, Bauchspeicheldrüse und Darm umgibt - das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen im späteren Lebensalter birgt. 

"Unser Ziel war es, zu untersuchen, ob überschüssiges Organfett mit einer Verringerung der strukturellen Netzwerke sowie der Speicherleistung unseres Gehirns über die gesamte Lebensdauer verbunden ist.

Wir wollten auch herausfinden, ob dieses Wechselspiel durch Östradiol beeinflusst werden kann.", sagt Studienautorin Rachel Zsido.

Östradiol ist ein aus Cholesterin bestehendes Hormon und das stärkste der drei natürlich produzierten Östrogene. 
  • Es ist das wichtigste Hormon im weiblichen Körper und hat viele erstaunliche Funktionen - vor allem aber trägt es entscheidend zur Erhaltung des weiblichen Fortpflanzungssystems bei. 
  • Auch Männer produzieren Östradiol, allerdings in viel geringeren Mengen. 
  • Bei beiden Geschlechtern wird Östradiol zusätzlich durch Fettgewebe, das Gehirn und in den Wänden der Blutgefäße produziert. 

Außerdem wirkt es gefäßerweiternd und antioxidativ. 

So kann Östradiol helfen, die Myelinarchitektur zu erhalten – und damit die Membran, die unsere Nerven schützt.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Hormon-Labor  

Obwohl viszerales Fett und Östradiol offenbar gegensätzliche Rollen im Zusammenhang mit dem gesunden Alterungsprozess des Gehirns spielen, blieb bisher unklar, wie und zu welchem Zeitpunkt sie die Gehirnstruktur wechselseitig beeinflussen.

Um dieses Rätsel zu lösen, haben Zsido und ihre Kollegen einen großen Datensatz gesunder Erwachsener im Alter zwischen 20 und 80 Jahren, 501 Männer und 473 Frauen, aus der LIFE-Studie genauer untersucht.

"Wir schauten uns die Gehirnstruktur und das Körperfett der Probanden auf Bildern an, die aus dem Magnetresonanztomographen stammten, sowie die Gedächtnisleistung und den Östradiolspiegel im Blut.

  • Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass vermehrtes Organfett den negativen Einfluss des Alterns auf Hirnnetzwerke bei Männern und Frauen verstärkt. 
  • Wir haben außerdem festgestellt, dass Männer dieses Organfett früher ansetzen, während Frauen vor allem in der Lebensmitte davon betroffen sind.", erklärt die Wissenschaftlerin.

Hormone stärker berücksichtigen bei Risikoerkennung für Demenz oder Depression
 
"Durch die Abnahme von Östradiol in dieser mittleren Lebensphase wird der normale Alterungsprozess beschleunigt.

Es scheint aber so, als würde Östradiol das Gehirn von Frauen während der Lebensmitte vor strukturellen Schäden an der Grauen Substanz schützen", ergänzt Julia Sacher, die mit ihrer Forschungsgruppe untersucht, wie sich hormonelle Veränderungen auf Stimmung, emotionales Wohlbefinden und Kognition auswirken. 

"Wir haben uns eine Untergruppe von Frauen im Alter von 35 bis 55 Jahren genauer angesehen und festgestellt, dass ein niedriger Östradiolwert mit einer schwächeren Gedächtnisleistung während der Mitte des Lebens einhergeht.

  • Das ist auch der Altersbereich, in dem der Übergang in die Menopause stattfindet, die anfangs durch abrupte Östradiolschwankungen und schlussendlich durch den Stopp der Fortpflanzungsphase gekennzeichnet ist. 
  • Unserer Meinung nach bietet die Phase vor der Menopause daher ein wichtiges Zeitfenster, um eine beschleunigte Alterung des Gehirns und damit die Entwicklung neurodegenerativer Krankheiten wie Demenz oder Depression bei Frauen zu verhindern".

Eine zweite gemeinsame Studie unter der Leitung von Julia Sacher und Steffi Riedel-Heller vom Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) zeigte zudem eine entscheidende Interaktion zwischen ungünstigen Stoffwechselzuständen und einem anderen wichtigen Sexualhormon, dem Testosteron. 

  • Das Team fand heraus, dass erhöhte Testosteronwerte und Veränderungen im Körpergewicht die Anfälligkeit für Depressionen bei Frauen vor und nach dem Übergang in die Menopause unterschiedlich beeinflussen. 

„Zusammen betonen die Ergebnisse aus beiden Studien die Notwendigkeit, geschlechtsspezifische Unterschiede und Sexualhormone noch mehr zu berücksichtigen, wenn wir das Risiko für neurodegenerative Krankheiten untersuchen.“, fasst Julia Sacher zusammen.

Wichtig sei dies insbesondere in der Lebensmitte, da diese Übergangsphase für Frauen eine besondere Chance zur Prävention biete.

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PD Dr. Julia Sacher
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E-Mail: sacher@cbs.mpg.de

Rachel Zsido
Doktorandin, Doktorandenvertreterin
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Originalpublikation:
JAMA Network Open (2019): "Association of estradiol and visceral fat with structural brain networks and cognitive health: A lifespan approach"

Doi:10.1001/jamanetworkopen.2019.6126

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Die fußballspezifische taktische Leistungsfähigkeit von Frauen und Männern in Europa?

Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: Frauen vs. Männer – Taktische Leistungsfähigkeit im Fußball

UEFA fördert Studie zu geschlechtsspezifischen Unterschieden im europäischen Fußball. 

Erstmals kommen Positionsdaten zum Einsatz. 
 Wissenschaftler*innen der Deutschen Sporthochschule Köln vergleichen die fußballspezifische taktische Leistungsfähigkeit von Frauen und Männern in Europa mit Hilfe von Positionsdaten.
Wissenschaftler*innen der Deutschen Sporthochschule Köln vergleichen die fußballspezifische taktische Leistungsfähigkeit von Frauen und Männern in Europa mit Hilfe von Positionsdaten.
Foto: DSHS


Im modernen Fußball ist Taktik in allen Altersbereichen und Leistungsniveaus relevant; im Trainingsprozess wurde ihr lange wenig Aufmerksamkeit gewidmet.

Deshalb bietet die taktische Leistungsfähigkeit heute riesige Potenziale.

In einem neuen Projekt vergleichen Wissenschaftler*innen der Deutschen Sporthochschule Köln die fußballspezifische taktische Leistungsfähigkeit von Frauen und Männern in Europa mit Hilfe von Positionsdaten. Gefördert wird die Studie durch die Union Europäischer Fußballverbände (UEFA).

Mit einem provokanten Werbespot haben die deutschen Fußballerinnen im Vorfeld der Fußball-WM der Frauen humorvoll mit einem Klischee gespielt, dem wohl viele schon einmal begegnet sind:

Frauen- und Männerfußballspiele unterscheiden sich. 

Im Spot heißt es über Frauenfußball:

 „Wie Amateurfußball, nur in Zeitlupe“.

  • Doch wo liegen objektive Unterschiede zwischen dem Spielverhalten von Frauen und Männern und wie stellen sich diese Unterschiede im europaweiten Vergleich dar?

Professor Daniel Memmert, Leiter der Studie:

„Wir suchen Gemeinsamkeiten und Unterschiede im taktischen Verhalten von Frauen- und Männer-Nationalmannschaften und wollen einen Vergleich zwischen verschiedenen Ländern in Europa ziehen. 

Um einen geschlechtsspezifischen Bias bei der Bewertung zu vermeiden, setzen wir auf Positionsdaten statt der sonst üblichen Videodaten.“

Als objektive Analysewerkzeuge kommen neu entwickelte Key Performance Indizes und sportinformatische Analyseverfahren zum Einsatz, die auf künstlichen neuronale Netzen basieren.

Das Projekt des Instituts für Trainingswissenschaft und Sportinformatik wurde von der UEFA als eines von nur sechs Projekten ausgewählt (Bewilligungsquote: 10%), dem eine Förderung zukommt.

Die Erkenntnisse sollen objektive Rückschlüsse auf die Ausbildung von Spieler*innen in verschiedenen Kulturen ermöglichen, zur Weiterentwicklung und Professionalisierung des Frauenfußballs im Bereich Taktik beitragen und eine Unterstützung dazu leisten, die öffentliche Wahrnehmung und die Attraktivität des Frauenfußballs auf Basis objektiver Bewertungskriterien zu fördern.

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Univ.-Prof. Dr. Daniel Memmert
Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik
d.memmert@dshs-koeln.de

Sabine Maas Deutsche Sporthochschule Köln

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CAVE: Rettungsstellen-Mitarbeiter - Fragen Sie sich selbst einmal.....? Frühzeitiges Schmerzmanagement

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit:

Antidepressiva können das empathische Einfühlungsvermögen verringern

  • Depression ist eine Störung, die oft mit starken Beeinträchtigungen des Soziallebens einhergeht. 
  • Bisher galt die Annahme, dass auch empathisches Einfühlungsvermögen, eine wesentliche Fähigkeit für ein gelingendes Sozialleben, bei der Depression beeinträchtigt ist. 

Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von ExpertInnen von der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien konnte nun gezeigt werden, dass die Beeinträchtigungen des empathischen Einfühlungsvermögens bei Schmerzwahrnehmung offenbar auch auf Antidepressiva zurückgeführt werden können. 

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Translational Psychiatry veröffentlicht.  

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Die Geburt  

Medizin am Abend Berlin Einladungs-Hinweis zur Fortbildung: Schmerzmanagement  

 
Ein Forschungsteam um Claus Lamm vom Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden an der Universität Wien, Rupert Lanzenberger von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien und Christian Windischberger vom Zentrum für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik der Medizinischen Universität Wien hat Empathie bei depressiven PatientInnen auf neurowissenschaftlicher Ebene untersucht. Die Forschung wurde durch den interdisziplinären Forschungscluster "Multimodal Neuroimaging in Clinical Neurosciences" der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien möglich gemacht.

Um die potentiell unterschiedlichen Einflüsse von akuter Depression und Antidepressiva auf das empathische Einfühlungsvermögen getrennt voneinander zu betrachten, untersuchten die ForscherInnen eine Gruppe von PatientInnen zu zwei Zeitpunkten:

Das erste Mal während einer akuten depressiven Phase, und zwar bevor sie Medikamente eingenommen hatten, und das zweite Mal nach dreimonatiger psychopharmakologischer Therapie mit Antidepressiva (hauptsächlich Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer).

Beide Male wurden die PatientInnen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie untersucht, während sie Videos von Menschen sahen, die eine schmerzhafte medizinische Prozedur durchmachten.

Ihre Hirnaktivität sowie ihre empathischen Beurteilungen der Videos wurden mit einer gesunden Kontrollgruppe verglichen.

Es zeigte sich, dass vor der Behandlung weder die Hirnaktivität noch die Beurteilungen der akut depressiven Gruppe von der Kontrollgruppe abwichen. 

Erst nach dreimonatiger Einnahme von Antidepressiva konnten deutliche Unterschiede festgestellt werden: 

  • Die Patientengruppe zeigte wesentlich geringere empathische Reaktionen sowohl auf der Hirn-, als auch auf der Verhaltensebene. 
  • Betroffen waren Hirnregionen, die eng mit dem empathischen Einfühlungsvermögen, aber auch mit dem Schmerzempfinden in Zusammenhang stehen.
CAVE: "Diese verringerte Reaktion bei der Wahrnehmung von Schmerzen anderer war nicht auf eine allgemein gesenkte Empfindsamkeit gegenüber negativen Emotionen zurückzuführen", wie Markus Rütgen, Erstautor der Studie betont:

"Der geringere emotionale Einfluss negativer Ereignisse im sozialen Bereich könnte eventuell die Genesung erleichtern.

Wie sich die verminderte empathische Reaktion aber tatsächlich auf das Sozialverhalten der PatientInnen auswirkt, wird Gegenstand zukünftiger Forschung sein."

Publikation in "Translational Psychiatry"
Rütgen, M., Pletti, C., Tik, M., Kraus, C., Pfabigan, D. M., Sladky, R., Klöbl M., Woletz, M., Vanicek T., Windischberger, C., Lanzenberger, R., Lamm, C. Antidepressant treatment, not depression, leads to reductions in behavioral and neural responses to pain empathy. Translational Psychiatry, 9(1), 164. Published June 7, 2019.
DOI: https://doi.org/10.1038/s41398-019-0496-4

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Originalpublikation:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31175273

Sensorische Wahrnehmungen und Infektionn: CALCIUM und der ph-Wert im Blut

Medizin am Abend Berlin MaAB- Fazit: 

Ionenkanal mit Türsteher: Calcium-Ionen blockieren Kanalöffnung in Abhängigkeit vom pH-Wert

Biochemiker entdecken Ringstruktur an der Öffnung des Ionenkanals TRPML2, die von Calcium-Ionen verschlossen werden kann 
 http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/09_biochemie_TRPML2_ionenkanal.jpg

 Ein Ring als Türsteher: Die extrazelluläre/lumenale Domäne des humanen TRPML2-Ionenkanals, dessen Struktur hier erstmals aufgeklärt wurde, arbeitet als pH-abhängiger Calcium-Kontrolleur – so wird die Funktion des Kanals in verschiedenen Zellkompartimenten reguliert. Abb./©: Kerstin K. Viet

  • Ionenkanäle sind Poren in der Membran von Zellen oder Zellorganellen, die den Transport von positiv oder negativ geladenen Teilchen, sogenannten Ionen, durch diese Membranen ermöglichen. 

Biochemikerinnen und Biochemiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) haben nun erstmals einen hochaufgelösten Blick auf den menschlichen Calcium-Ionenkanal TRPML2 und die Struktur eines großen Rings geworfen, den der Kanal auf einer Seite der Membran besitzt.

Dieser Ring fungiert praktisch als Türsteher und entscheidet über die Öffnung oder Schließung des Ionentransportwegs.

 „Wir konnten mit unserer Studie zum ersten Mal zeigen, wie die Struktur des Rings, der auch extrazelluläre/lumenale Domäne genannt wird, in menschlichem TRPML2 aussieht und dass er für die Interaktion mit Calcium verantwortlich ist“, teilt Jun.-Prof. Dr. Ute Hellmich von der JGU dazu mit.

  • Je nach pH-Wert können die Calcium-Ionen den Durchlass öffnen oder aber blockieren, sodass sie selbst nicht mehr passieren können.

Die Arbeitsgruppe um Ute Hellmich ging der Frage nach, welche strukturellen Eigenschaften des Ionenkanals dafür verantwortlich sind, dass er Calcium-Ionen durchlässt.

 „Calcium ist ein wichtiges zelluläres Signal, das auch bei vielen Krankheiten eine Rolle spielt“, so Hellmich.

 Das Element erfüllt zahlreiche Aufgaben im Körper, unter anderem reguliert es Enzyme und hilft bei Membranfusionen.

TRPML2, die Abkürzung steht für „Transient Receptor Potential Mucolipin“, ist ein Ionenkanal der Mucolipin-Unterfamilie der TRP-Kanäle, die beim Menschen für sensorische Wahrnehmungen relevant sind.

TRPML2 spielt unter anderem eine Rolle bei der Immunantwort auf Infektionen und erhöht die Infektiosität von Zika- und Dengue-Viren.

Mutationen in TRPML-Ionenkanälen führen im Menschen außerdem zu Blind- und Taubheit und zu neurologischen Schäden.

pH-Wert für Aktivität des Ionenkanals entscheidend

Ionenkanäle, so macht Hellmich deutlich, sind nicht einfach nur ein Loch oder eine Pore, sondern die Kanäle öffnen und schließen sich.

Dies wiederum bedingt, ob und wie zelluläre Prozesse ablaufen.

 „Bei TRPML2 haben wir jetzt entdeckt, dass die extrazelluläre/lumenale Domäne, die oben auf dem Kanal sitzt, in Abhängigkeit vom pH-Wert Calcium bindet“, erklärt Kerstin Viet, Erstautorin der Veröffentlichung im Fachmagazin Structure. Sie hat die Untersuchungen im Rahmen ihrer Masterarbeit vorgenommen und dafür den Preis der Adolf Todt-Stiftung erhalten.
  • Bei einem hohen pH-Wert, also bei einem Wert von etwa 7 außerhalb der Zelle, können die Calcium-Ionen an den Ring koppeln und ihn dadurch verschließen. 
  • Umgekehrt ist es den Calcium-Ionen bei einem niedrigen pH-Wert, wie er in bestimmten intrazellulären Kompartimenten vorherrscht, nicht mehr möglich, die Öffnung zu verriegeln. 

„Der Ring funktioniert wie ein Türsteher für den Rest des Ionenkanals“, beschreibt Viet die Aufgabe.

Damit reguliert er die Aktivität des Kanals:

  • Der Ionenkanal soll nur im Innern der Zelle, wo ein niedriger pH-Wert vorherrscht, aktiv sein beziehungsweise dann aktiv werden, wenn ein bestimmtes Signal in der Zelle Calcium anfordert. 

Wäre er auch an der Zelloberfläche aktiv, so könnte es zu Zellschädigungen kommen. 

„Das ist recht schlau geregelt und wichtig dafür, wie die Zelle zum Beispiel auf eine virale Infektion reagiert“, so Hellmich mit einem Hinweis darauf, dass der gesamte Ablauf, wann und wie ein Ionenkanal geöffnet oder geschlossen wird, insgesamt noch nicht wirklich gut verstanden ist.

Bei den anderen beiden Ionenkanälen der menschlichen Mucolipin-Unterfamilie, TRPML1 und TRPML3, ist ebenfalls ein solcher Türsteher-Ring vorhanden, sodass die drei Arten nun auch erstmals miteinander verglichen werden können.

Die Darstellung der ersten strukturellen Informationen über den Ionenkanal TRPML2 erfolgte durch die Arbeitsgruppe Membranbiochemie in enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis von Prof. Dr. Tanja Schirmeister in der Pharmazie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie mit Wissenschaftlern der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) in Grenoble und den Arbeitsgruppen von Jun.-Prof. Dr. Nina Morgner, Goethe-Universität Frankfurt, und Prof. Dr. Hermann Schindelin, Universität Würzburg.

Weiterführende Links: 

https://www.blogs.uni-mainz.de/fb09hellmich/membrane-biochemistry/ -

Arbeitsgruppe Hellmich: Membranbiochemie

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Originalpublikation:
Kerstin K. Viet et al.
Structure of the Human TRPML2 Ion Channel Extracytosolic/Lumenal Domain
Structure, 6. Juni 2019
DOI: https://doi.org/10.1016/j.str.2019.04.016
https://www.cell.com/structure/fulltext/S0969-2126(19)30161-3

 

Cannabis in der Medizin: Cannabisarzeimittel

Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: Statement: Cannabis als Medizin

Prof. Dr. Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung der Frankfurt UAS nimmt Stellung zum Einsatz von Cannabis in der Medizin und dem Recht von Kranken auf dieses Medikament 

Prof. Dr. Heino Stöver
 Prof. Dr. Heino Stöver Frankfurt UAS


Mit dem am 10. März 2017 in Kraft getretenen Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften hat der Gesetzgeber die Möglichkeiten zur Verschreibung von Cannabisarzneimitteln erweitert. 

Prof. Dr. Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) ist erstaunt, dass das Gesetz keine Indikationsbereiche festgelegt hat. Dies ist aus seiner Sicht für Deutschland sehr ungewöhnlich, da man sonst in Gesetzen sehr detaillierte Vorgaben mache.

  • Stöver sieht darin für Cannabispatientinnen und -patienten und deren behandelnde Ärztinnen und Ärzte große Vorteile, da deren Handlungsspielraum somit vergrößert wurde. 
  • Bis Deutschland zu einer Regelversorgung mit Cannabis gekommen ist, sei es aber noch ein weiter Weg. 

Während im Vorfeld des Gesetzeserlasses von rund 2.000 betroffenen Patientinnen und Patienten ausgegangen wurde, sind es mittlerweile vermutlich über 40.000 Betroffenen, die Cannabis als Medizinprodukt nutzen. 

Im zweiten Jahr nach der Gesetzesänderung hat die Zahl der Cannabisrezepte weiter deutlich zugelegt:

Man kann daher heute von etwa 15.000 Patienten ausgehen, die eine Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen erhalten. 
  • Weitere 15.000-30.000 Patienten erhalten vermutlich Privatrezepte mit oder ohne Kostenerstattung (Quelle: ACM-Mitteilungen vom 10. März 2019 unter 

https://www.cannabis-med.org/german/acm-mitteilungen/ww_de_db_cannabis_artikel.p...

„Cannabis ist in Deutschland leider noch kein Medikament wie jedes andere. Mit dem Cannabis als Medizin-Gesetz wurden jedoch sehr gute rechtliche Voraussetzungen geschaffen“, so Stöver. Deutschland stehe mit dem Gesetz bei diesem Thema weltweit an der Spitze – zumindest auf dem Papier sei die gesetzliche Neuregelung der Therapie mit Cannabis-Medikamenten beispiellos.

  • Das Besondere an der gesetzlichen Regelung ist die Möglichkeit einer Verschreibung durch jede Ärztin/jeden Arzt in Deutschland in Kombination mit dem Anspruch auf eine Kostenerstattung durch die Krankenkassen.

„In Deutschland könnten mehr als eine Millionen Menschen von einer Therapie mit Cannabis profitieren“, schätzt Stöver.

„Ein zentrales Problem aber ist, dass in den meisten Fällen weder die Patientinnen und Patienten noch die Ärztinnen und Ärzte wissen, dass Cannabis als Medizin helfen könnte.

Die Wissenslücke in der Ärzteschaft ist ein Flaschenhals beim Einsatz von Cannabis in Deutschland. 

  • Zahlreiche Ärztinnen und Ärzte lehnen eine Behandlung mit Cannabis ab, weil sie diesem skeptisch gegenüberstehen, verunsichert sind, Angst vor negativer Reputation haben oder die bürokratischen Hürden fürchten.“

„Erst wenn es für jeden, dem Cannabis helfen könnte, eine reale Therapieoption mit vielfältigen Cannabis-Medikamenten gibt, haben wir eine Normalität und hierdurch eine Regelversorgung erreicht“, betont Stöver.  

Der Weg von der Ausnahmemedizin in die Regelversorgung ist jedoch lang. Gegenwärtig wird die Versorgung mit Cannabis noch aus den Niederlanden und Kanada gedeckt.

  • In den kommenden Jahren soll medizinisches Cannabis dann auch in Deutschland angebaut werden. 

Wann genau, steht noch in den Sternen.

Das Gesetz sieht gemäß den Vorgaben des Einheits-Übereinkommens von 1961 über Suchtstoffe der Vereinten Nationen die Einrichtung einer staatlichen Stelle, der so genannten Cannabisagentur, vor.

Diese wird den Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke in Deutschland steuern und kontrollieren.

  • Im April 2019 wurden erste Zuschläge für den Anbau und die Ernte von insgesamt 7200 kg Cannabis für vier Jahre erteilt. 


„Durch das jahrzehntelange Verbot von Cannabis und dem Verbot damit zu forschen, ist viel Wissen um Cannabis als Medizin verloren gegangen.

Es ist essentiell, dieses vergessene Wissen wieder in die Köpfe, in Hochschulen und Lehrbücher zu bringen“, plädiert Stöver. „Die Arzneipflanze Cannabis zeichnet sich durch ein weites Einsatzspektrum aus. 

Die zahlreichen unterschiedlichen Sorten Cannabis könnten eine ganze Apotheke füllen.

Gerade für chronisch kranke Menschen, die über viele Jahre Medikamente einnehmen müssen, sind die vergleichsweise geringen Nebenwirkungen von Cannabis ein Gewinn an Lebensqualität“, betont Stöver. „Cannabis ist vielseitig anwendbar. Die orale Einnahme und das Inhalieren sind nur die beiden gängigsten Anwendungsformen.

  • Möglich sind diverse Rezepturen für die speziellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten von Zäpfchen über Tee bis zu Salben.“

Gemeinsam mit Maximilian Plenert, der selbst ADHS- und Cannabispatient ist und sich die Medikation auf dem Rechtsweg erstritten hat, hat Stöver

 „Cannabis als Medizin Praxisratgeber für Patienten, Ärzte und Angehörige“ verfasst. 

Der Ratgeber stellt die erste umfassende Publikation zu dieser Thematik im deutschsprachigen Raum dar.

Neben einer Einführung zur Cannabispflanze und deren Wirkung gibt er Antworten auf rechtliche wie medizinische Fragen und zeigt auf, wie man eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse erreichen kann und welche Widerspruchsvorlage man verwenden sollte.

Da die Cannabisblüte noch ohne Beipackzettel abgegeben wird, stellt das Werk diesen erstmals für Patientinnen und Patienten zur Verfügung.

Plenert, Maximilian; Stöver, Heino: Cannabis als Medizin Praxisratgeber für Patienten, Ärzte und Angehörige, Fachhochschulverlag Frankfurt am Main 2019, ISBN: 978-3-943787-90-0, 19 Euro (zuzüglich Portokosten)


Zur Person Stöver:
Prof. Dr. Heino Stöver ist Dipl.-Sozialwissenschaftler und Professor für sozialwissenschaftliche Suchtforschung am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS. Er leitet seit über zehn Jahren das Institut für Suchtforschung Frankfurt am Main (ISFF). Stövers Forschungsschwerpunkte sind von großer gesellschaftlicher Bedeutung, da die Zielgruppen seiner Forschung gesundheitlich und teils sozial stark belastet sind und oft zu spät behandelt werden; die späte Behandlung verursacht hohe Kosten und kann zum Tod führen. In den letzten fünf Jahren hat Stöver mehr als 20 Forschungsprojekte für nationale und internationale Auftraggeber durchgeführt und dafür Dritt- und Forschungsfördermittel in Höhe von mehr als 2,5 Mio. Euro eingeworben. Zurzeit leitet er u.a. das Teilprojekt „Evaluation von Maßnahmen zur Schadensminimierung im Hinblick auf offene Drogenszenen“ im Rahmen des BMBF-Verbundvorhabens DRUSEC. Darüber hinaus ist er an mehreren EU-Verbundprojekten beteiligt. Stöver hat beispielsweise am Projekt „Central Asia Drug Action Programme“ mitgewirkt, bei dem eine Beratungs- und Behandlungsstruktur für Drogenkonsumierende in Zentralasien entwickelt wurde und das von der EU Kommission mit insgesamt 900.000 Euro gefördert wurde.

Zum Institut für Suchtforschung (ISFF):
Das Institut für Suchtforschung (ISFF) an der Frankfurt UAS arbeitet seit 1997 an der Weiterentwicklung zielgruppenspezifischer und lebensweltnaher Prävention, Beratung und Behandlung von Suchterkrankungen. Es erforscht Sucht in ihren verschiedenen Erscheinungsformen sowie die mit Sucht in Zusammenhang stehenden Probleme und Aspekte. Das Institut fördert den Ausbau von interdisziplinären Beziehungen zu Kooperationspartnern auf nationaler und internationaler Ebene. Forschungsprozesse und -resultate finden in Lehre und Studium Berücksichtigung.


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Frankfurt University of Applied Sciences
Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit
Prof. Dr. Heino Stöver
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E-Mail: hstoever@fb4.fra-uas.de

Nibelungenplatz 1
60318 Frankfurt am Main
Deutschland
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Sarah Blaß
Telefon: 069/1533 3041
Fax: 069/1533 2403
E-Mail-Adresse: blass@kom.fra-uas.de


Weitere Informationen zum Institut für Suchtforschung unter:

 http://www.frankfurt-university.de/isff

 

Fortgeschrittener Lymphdrüsenkrebs: B-Zell-Lymphomen/akute lymphatischer Leukämie

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: 

Erster Patient am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) erfolgreich mit Gentherapie Kymriah behandelt

Erstmals ist am UKL unter Federführung von Prof. Uwe Platzbecker, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I und Leiter des Bereichs Hämatologie und Zelltherapie sowie den Oberärzten Dr. Georg-Nikolaus Franke und Dr. Vladan Vucinic die Gentherapie Kymriah bei einem Patienten angewendet worden. 

Der Mann leidet an fortgeschrittenem Lymphdrüsenkrebs. 

Bei ihm sind alle verfügbaren medizinischen Therapien bereits ausgeschöpft worden. 

Eine erfolgreiche Behandlung mit Kymriah könnte sogar zu einer Heilung führen. 

  • Das UKL ist derzeit das einzige Zentrum in Ostdeutschland, das für die Behandlung mit Kymriah qualifiziert ist. 
 
Die ersten Tage haben gezeigt, dass die Therapie angeschlagen hat.

Der Patient ist frei von Nebenwirkungen, sein Zustand hat sich bereits wesentlich verbessert.

  • Die Gentherapie Kymriah mit dem Wirkstoff Tisagenlecleucel ist eine Kombination aus Zell- und Gentherapie. 
  • Mit ihr können aggressive Formen von B-Zell-Lymphomen und akuter lymphatischer Leukämie behandelt werden. 

Als erste so genannte CAR-T-Zelltherapie weltweit wurde Kymriah im Jahr 2017 in den USA zugelassen.

In Europa erfolgte die Zulassung im August 2018, Hersteller ist das Schweizer Pharma-Unternehmen Novartis.

Die Kosten für eine Behandlung betragen rund 340.000 Euro.

"Für die Zelltherapie verwenden wir angereicherte Immunzellen.

Die benötigten Bestandteile werden mittels Apherese, auch als Blutaustausch oder Blutwäsche bezeichnet, direkt aus dem Blut des Patienten gesammelt, gehen dann in ein Speziallabor in den USA und werden dort gentechnisch so manipuliert, dass sie zielgerichtet gegen einen ganz bestimmten Tumor vorgehen, nachdem sie dem Betroffenen wieder zugeführt wurden", erläutert Prof. Platzbecker.


  • "Neu ist dabei, dass kein Antikörper die Krebszelle bindet und zerstört, sondern die Immunzelle, also die T-Zelle selbst. 
  • Das bezeichnet man als CAR-T." 
  • CAR-T steht für "Chimeric Antigen Receptor T-Zell-Therapie".


Bei der Gentherapie Kymriah richtet sich die Manipulation ganz konkret gegen das Molekül CD19, das auf den Krebszellen zu finden ist.

Dank dieses Rezeptors können die CAR-T-Zellen alle CD19-tragenden Zellen identifizieren und beseitigen.

Patient bleibt nebenwirkungsfrei - erster Teilerfolg

 
Die ersten zehn Tage nach Rückgabe des veränderten Zellmaterials in den Körper des Patienten werden als kritischer Zeitraum gesehen, weil schwere Nebenwirkungen wie Fieber, Lungenentzündungen bis hin zu einem so genannten Zytokinsturm auftreten können. 

  • Als Zytokinsturm bezeichnet man eine grippe-artige, überschießende Immunreaktion, etwa wie nach einer Impfung, bei der zu viele Hormone freigesetzt werden. 
  • Bei dieser Entzündungsreaktion kann der ganze Körper in Mitleidenschaft gezogen werden.

Nach Ablauf dieser Zeit kann Prof. Platzbecker jedoch die gute Nachricht verkünden, dass es dem ersten Leipziger Kymriah-Patienten bestens gehe.

"Bei ihm traten keine schweren Nebenwirkungen auf, das ist hervorragend", freut sich der UKL-Experte über den ersten Teilerfolg.

  • Nun können die manipulierten Zellen ihre "Wanderung" in die Lymphknoten des Mannes angehen und beginnen, die Krebszellen zu zerstören. 

Nach den Worten Platzbeckers darf dies allerdings nicht in einem zu schnellen Tempo passieren: "Wir wollen einen sanften Abbau", meint der Hämatologe.


Von einem Erfolg würde er sprechen, wenn der Tumor nach drei Monaten mindestens nicht weiter gewachsen sei und nach einem Jahr im besten Fall komplett oder zumindest zur Hälfte verschwunden sei.

Die erste Bildgebung nach der Therapie zeigte bereits ein teilweises Ansprechen.

Für Klinikdirektor Platzbecker, der seit Oktober 2018 am UKL tätig ist, soll die neue Zelltherapie zu den zentralen Aspekten seiner klinischen Arbeit hier gehören.

Der erste Einsatz der Kymriah-Therapie stellt daher einen wichtigen Meilenstein für ihn dar.

Weitere Anwendungen werden wohl folgen.

 Bei vier Patienten am UKL haben die Krankenkassen bereits ihre Genehmigung erteilt.

Und auf der Warteliste befinden sich fünf weitere Personen.

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