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Komplexer angeborener Herzfehler

Medizin am Abend Berlin Fazit: Den genetischen Ursachen angeborener Herzfehler auf der Spur

Mithilfe modernster Genanalysemethoden konnte ein deutsches Forscherteam zeigen, dass ein komplexer angeborener Herzfehler seinen Ursprung in mehreren Genen hat und wie diese Genveränderungen zusammenwirken. 

Das Team untersuchte dafür über viele Jahre eine 19-köpfige Familie, in der zwölf Personen von einer bestimmten Genveränderung betroffen sind. 

Die Ergebnisse der Studie präsentieren die Forscherinnen und Forscher in Scientific Reports. 
 
  • Angeborene Herzfehler sind die häufigsten Organfehlbildungen und kommen bei circa einem Prozent der Neugeborenen vor. 

Die Fehlbildungen des Herzens lassen sich immer besser behandeln, weshalb sich Betroffene zunehmend dafür entscheiden, selbst eine Familie zu gründen.

Mediziner und Biologen interessieren sich aus diesem Grund wieder mehr für die molekularen Ursachen dieser Erkrankungen, um die therapeutischen und auch diagnostischen Möglichkeiten zu verbessern.

Zusammenspiel mehrerer Genveränderungen

An Fehlbildungen des Herzens sind eine Vielzahl von Genen beteiligt.

Nur eine geringe Anzahl dieser Erkrankungen wird durch Mutationen in einzelnen Genen, sogenannten monogenen Mutationen, verursacht.

Als Gen bezeichnet man eine Code-Abfolge in der Erbsubstanz DNA, die den Bauplan für ein Protein enthält. 

Die Vermutung liegt nahe, dass zahlreiche angeborene Herzerkrankungen durch das gleichzeitige Auftreten von Mutationen in unterschiedlichen Genen verursacht werden.

Eine der dringendsten Herausforderungen bei der Suche nach den Ursachen von angeborenen Herzfehlern ist es somit, das Zusammenspiel dieser vielfachen Genveränderungen besser zu verstehen.

Das Forscherteam aus Deutschland konnte nachweisen, dass Familienuntersuchungen mittels modernster DNA-Sequenziertechnik geeignet sind, auch komplexe, sprich multigene, Ursachen zu identifizieren. Anschließend modellierten sie diese Genveränderungen im Zebrafisch und konnten so zeigen, wie diese sich auf das Herz auswirken.

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, der Medizinischen Hochschule Hannover, des Deutschen Herzzentrums München, der Universitätsmedizin Göttingen, der Universität zu Lübeck sowie der Universität Potsdam präsentieren in der Studie die Sequenzierungsdaten einer Familie mit unterschiedlichen komplexen angeborenen Herzfehlern, einschließlich der Ebstein-Anomalie, dem atrioventrikulären Septumdefekt und anderen. Insgesamt zwölf von 19 Familienmitgliedern tragen eine familienspezifische Mutation im BMPR1A-Gen auf Chromosom 10. Diese Mutation geht einher mit einer bislang unbekannten Mutation innerhalb einer Region des Chromosom 1 und führt zur Entstehung dieser schweren Herzfehlbildungen.

Kleinere Herzklappen beim Zebrafisch

Das Rezeptorprotein BMPR1A und seine Liganden sind an der Übertragung chemischer Signale von der Zellmembran zum Kern beteiligt und regulieren somit das Zellwachstum und die Zellteilung sowie die Aktivität bestimmter Gene. Im Zebrafisch konnte nun gezeigt werden, dass die kontinuierliche Überexpression der menschlichen BMPR1A-Mutation mit der Entwicklung kleinerer Herzklappen assoziiert ist, zur Herabregulation des für die Herzentwicklung so wichtigen Wnt/ß-Catenin-Signalwegs führt und zudem Gewebswucherungen an den Herzklappen verursacht. Dies ist ein Zeichen dafür, dass BMPR1A an der Herzentwicklung beteiligt ist.

Dieser Befund eröffnet die Möglichkeit, die genetische Interaktionen zwischen BMPR1A und anderen Kandidatengenen innerhalb der Region auf Chromosom 1 zu testen und damit komplexere genetische Ursachen für angeborene Herzfehler aufzuspüren.

Moderne Sequenzierungsverfahren brachten den Durchbruch

Prof. Jeanette Erdmann von der Universität zu Lübeck erläutert: „Die Studie ist auch ein Paradebeispiel für Ausdauer in der Forschung, denn die Anfänge datieren zurück ins Jahr 1996, als die erste Patientin aus der Familie in der Uniklinik in Regensburg vorstellig wurde. Nur durch die rasante technologische Entwicklung der letzten Jahre, hier vor allem das sogenannte Next-Generation-Sequencing-Verfahren, konnte die Studie positiv abgeschlossen werden. Zudem war natürlich auch die Geduld der Familie unabdingbar“.

Prof. Salim Seyfried von der Universität Potsdam ergänzt: „Die Untersuchungen am Zebrafisch waren letztendlich entscheidend, um die Krankheitsrelevanz der Kandidatenmutation nachzuweisen. Diese vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung geförderte Kooperation belegt, wie wichtig heutzutage das Zusammenwirken von Arbeitsgruppen mit unterschiedlichsten Expertisen für die moderne arbeitsteilige Biomedizin geworden ist.“

Das Projekt wurde in den vergangenen Jahren von dem Exzellenzcluster REBIRTH, dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), der Universität zu Lübeck, der Deutschen Herzstiftung sowie der DFG gefördert.

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Prof. Dr. Salim Seyfried
MHH-Institut für Molekularbiologie und Universität Potsdam
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Salim.Seyfried@uni-potsdam.de

Prof. Dr. Jeanette Erdmann
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Christine Vollgraf

Telefon: 030 3465 52902
E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de
Originalpublikation:
A familial congenital heart disease with a possible multigenic origin involving a mutation in BMPR1A. Scientific Reports (2019)

https://www.nature.com/articles/s41598-019-39648-7

Dein Gewitter im Gehirn .- chronische Epilepsie: Die Calciuzmkanalporen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Epilepsie: Dreiecksbeziehung im Gehirn

Wenn es im Gehirn zu einem epileptischen Anfall kommt, dann geraten die Nervenzellen aus ihrem gewohnten Takt und feuern in einem sehr schnellen Rhythmus. 

Ursache ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. 

Wissenschaftler der Universität Bonn haben nun die wichtige Rolle eines Beteiligten entdeckt: α2δ4 (alpha2delta4). Es handelt sich dabei um einen zentralen Player zwischen den Nervenzellen, der als ein Puzzlestein an der Entwicklung von Epilepsien maßgeblich beteiligt und ein möglicher Ansatzpunkt für Therapien ist. 

Die Ergebnisse erscheinen nun in „The Journal of Neuroscience“. 

 Erforschen die Ursache von Epilepsien (von links): Prof. Dr. Dirk Dietrich, Prof. Dr. Susanne Schoch und Dr. Karen van Loo im Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Bonn.
 Erforschen die Ursache von Epilepsien (von links): Prof. Dr. Dirk Dietrich, Prof. Dr. Susanne Schoch und Dr. Karen van Loo im Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Bonn. (c) Foto: Katharina Wislsperger/UKB


  • Bei einem epileptischen Anfall feuern die Nervenzellen gleichzeitig in einem sehr schnellen Rhythmus – wie bei einem Gewitter im Gehirn. 

Krampfanfälle sind dann die Folge. 

Aus einem solchen kurzen Anfall kann sich langfristig durch Veränderungen im Gehirn eine chronische Epilepsie entwickeln.

„Bei der Suche nach neuen Therapien geht es vor allem auch darum, die allmähliche Ausbildung solcher schweren Anfallsformen zu verhindern“, sagt Prof. Dr. Albert J. Becker vom Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Bonn (UKB).

Wenn es zu einem epileptischen Anfall kommt, sind auch Gene und deren Regulation beteiligt.

Gene sind Blaupausen der DNA. 

Von ihnen werden bei der Transkription Abschriften erstellt, die an unterschiedliche Orte in den Nervenzellen gelangen und deren Funktion beeinflussen.

Wie die Wissenschaftler der Universität Bonn bereits vor einigen Jahren zeigen konnten, regelt der Transkriptionsfaktor Early growth response 1 (Egr1) die Calciumkanäle in den Nervenzellen hoch.

  • Calcium kann dann vermehrt in die Poren der Nervenzellenkanäle einströmen. Dadurch beginnen diese, im Gleichtakt zu feuern – ein epileptischer Anfall beginnt.

Fahndung nach Epilepsie-Genen

„Allerdings ist das Geschehen deutlich komplexer, wie wir nun herausgefunden haben“, sagt Dr. Karen M. J. van Loo, Nachwuchsgruppenleiterin am UKB. „Es sind weitere Faktoren beteiligt.“ Wie bei einer Rasterfahndung suchte die Wissenschaftlerin mit ihren UKB-Kollegen Prof. Dr. Dirk Dietrich von der Neurochirurgie und Prof. Dr. Sandra Blaess vom Institut für Rekonstruktive Neurobiologie mit bioinformatischen Methoden nach weiteren Epilepsie-Genen, die an den Anfällen beteiligt sind.

Anschließend beobachteten die Forscher an menschlichem Gewebe, das bei der operativen Entfernung von Epilepsieherden aus den Gehirnen von Patienten gewonnen wurde, und Mäusen das Zusammenspiel der epilepsieauslösenden Faktoren.

Im Wesentlichen geht es um die Dreiecksbeziehung aus dem bereits bekannten Transkriptionsfaktor Egr1 sowie den spezialisierten Calciumkanal-Poren Cav3.2 und α2δ4 (alpha2delta4). Van Loo: „Vor allem die Rolle von α2δ4 wurde bislang deutlich unterschätzt.“ Die Wissenschaftler sorgten bei den Mäusen durch eine Hochregulierung des Transkriptionsfaktors dafür, dass deren Nervenzellen im Gehirn deutlich mehr α2δ4 produzierten. „Je mehr α2δ4 vorhanden war, desto stärker war die Anfallsneigung“, fasst Prof. Dr. Susanne Schoch-McGovern vom Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Bonn die Ergebnisse zusammen. Dieser Zusammenhang bestätigte sich auch bei den Untersuchungen mit menschlichem Hirngewebe.

Wie das Antiblockiersystem beim Auto

Die Nervenzellen im Gehirn schützen sich normalerweise durch einen stabilen Rhythmus vor einem epileptischen Anfall. 

„Das lässt sich mit dem Antiblockiersystem beim Auto vergleichen, das ebenfalls vor einem Überreagieren schützt“, sagt Becker.

Verschiedene Sensoren messen, ob ein Rad blockiert und dosieren dadurch optimiert die Bremskraft des Fahrzeugs.

Wird α2δ4 hochreguliert, fällt dadurch in dem Nervenzellennetzwerk im übertragenen Sinn das Antiblockiersystem aus und das Gaspedal wird dabei voll durchgetreten:

Der gewohnte Nervenzellenrhythmus gerät aus dem Takt und beschleunigt – ein epileptischer Anfall bahnt sich an.

„Es reicht nicht aus, sich einzelne Moleküle im Gehirn anzusehen, um den Ausbruch eines epileptischen Anfalls zu verstehen“, sagt Karen van Loo.

„Vielmehr ist das ganze Netzwerk zu betrachten.“

Die Wissenschaftler sehen die Calciumkanalporen α2δ4 und Cav3.2 in Kombination mit dem Transkriptionsfaktor Egr1 als einen vielversprechenden therapeutischen Ansatzpunkt, um möglicherweise den Ausbruch von Epilepsien zu hemmen.

„Es ist aber noch intensive Forschung erforderlich“, betont Susanne Schoch-McGovern.

Die Studie wurde im Rahmen des Sonderforschungsbereichs SFB 1089 und der Forschungsgruppe 2715 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

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Prof. Dr. Albert J. Becker
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Originalpublikation:
Karen M.J. van Loo, Christine K. Rummel, Julika Pitsch, Johannes Alexander Müller, Arthur F. Bikbaev, Erick Martinez-Chavez, Sandra Blaess, Dirk Dietrich, Martin Heine, Albert J. Becker, Susanne Schoch: Calcium channel subunit α2δ4 is regulated by early growth response 1 and facilitates epileptogenesis, „The Journal of Neuroscience“, DOI: https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.1731-18.2019

Untersucher-CAVE: Denken, Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Tasten,

Medizin am Abend Berlin Fazit: Pharmakologischer Generalschlüssel zur Beruhigung von Nervenaktivität entdeckt

Forscherteam aus Berlin und Kiel entdeckt neuen pharmakologischen Mechanismus in Kaliumkanälen, mit diesem kann zu hohe elektrische Aktivität in Nerven- oder Muskelzellen eingedämmt werden. 

Die Ergebnisse sind in dem renommierten Wissenschaftsjournal Science publiziert.  
  • Elektrische Signale bilden die Grundlage vieler Lebensvorgänge – sie ermöglichen, dass das Herz schlägt, und dass wir denken, sehen, hören, schmecken, riechen oder tasten können. 
  • Überschießende elektrische Aktivität von Nervenzellen oder Muskelzellen kann aber auch schädlich sein und zu Epilepsie, Herzarrhythmien, Bluthochdruck, Migräne und anderen Schmerzzuständen führen.

Elektrische Signale entstehen durch das gezielte Öffnen und Schließen von Ionenkanälen, das sind Poren in der Zellmembran, durch die elektrisch geladene Teilchen (wie z.B. Natriumionen und Kaliumionen) transportiert werden.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass viele Medikamente auf Ionenkanäle wirken und dass insbesondere Medikamente, die überschießende elektrische Aktivität reduzieren, von großem pharmakologischem Interesse sind.

Dabei liegt der Forschungsschwerpunkt auf einer besonderen Klasse der Ionenkanäle, den sogenannten Kaliumkanälen. 

Im menschlichen Körper gibt es etwa 80 verschiedene Varianten von Kaliumkanälen und viele von ihnen haben die Aufgabe, überschießende elektrische Aktivität in Nervenzellen und Muskelzellen zu unterdrücken. 

Ohne diese elektrische Beruhigung würden Zellen durch Übererregung absterben.
Wissenschaftler*innen am Physiologischen Institut der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) haben jetzt einen neuartigen Mechanismus entdeckt und pharmakologisch beeinflusst und konnten somit, wie mit einem Generalschlüssel bestimmte Ionenkanäle gleichzeitig öffnen und dadurch überschießende Aktivität in Zellen unterdrücken.

Dr. Han Sun (FMP) bestimmte anhand von Molekulardynamik-Simulationen in Kombination mit Röntgenkristallographischen und funktionellen Mutgenese-Daten, wo sich die negativ geladenen Aktivatoren in den Kanälen befinden. „Interessanterweise befindet sich die negativ geladene Gruppe der Aktivatoren direkt unter dem Selektivitätsfilter, wo sie mit Kaliumionen unter dem Filter interagiert,“ sagt Dr. Sun. Mit Hilfe von aufwendigen Computersimulationen, die sie zum Teil beim Norddeutschen Verbund für Hoch- und Höchstleistungsrechnen (HLRN) durchführte, konnte der Ionenfluss durch den Selektivitätsfilter simuliert werden. Aus dieser Analyse konnten die Forscher den Mechanismus entschlüsseln, mit dem negativ geladene Aktivatoren die Kanäle öffnen und den Ionenfluss beschleunigen. „Dieser Mechanismus ist überraschenderweise für eine Reihe verschiedener wichtiger neuroprotektiver Kanäle universell gültig und könnte einen Ausgangspunkt für rationale Medikamentenentwicklung darstellen,“ ergänzt Dr. Sun.

Die Kieler Arbeitsgruppe „Ionenkanäle“ um Professor Thomas Baukrowitz untersuchte die molekulare Biophysik von Ionenkanälen, also jene Prozesse, die zum Öffnen und Schließen von Ionenkanälen in der Zelle führen.

„Kaliumkanäle sind für uns Grundlagenforscher deshalb so interessant, weil sie vielseitig regulierbar sind: Sie lassen sich durch Spannung, Temperatur oder mechanischen Stress öffnen – aber auch durch den Einsatz bestimmter Substanzen“, erklärt Prof. Baukrowitz. Solche Substanzen befinden sich in einem Teststadium und sind noch nicht für Versuchsreihen oder den Pharmamarkt zugelassen. In ihrer Publikation mit internationaler Beteiligung entdeckten die Kieler Forschenden, dass eine Reihe schon lange bekannter Substanzen (Versuchspharmaka) nicht wie ursprünglich gedacht spezifisch auf eine Sorte von Kaliumkanäle wirken, sondern gleichzeitig viele unterschiedliche Kaliumkanäle öffnen.

Diese sogenannte Polypharmakologie (Vielfachwechselwirkung) war bis dahin für Kaliumkanäle unbekannt. Teilweise wurden die in dieser Arbeit verwendeten Substanzen am FMP in der Arbeitsgruppe von Dr. Marc Nazaré synthetisiert.

„Ähnlich einem Generalschlüssel öffnen die Substanzen alle Kaliumkanäle mit diesem Klappenmechanismus gleichzeitig“ erzählt Dr. Schewe aus Kiel. Prof. Baukrowitz ergänzt „Die Versuchssubtanzen zweckentfremdeten gewissermaßen die natürliche Funktionsweise der Kanalpore, um diese zu öffnen.

Dass dieser Klappenmechanismus in verschiedenen Sorten von Kaliumkanälen auf sehr ähnliche Weise funktioniert, war so nicht bekannt und liefert ein besseres Verständnis der Funktionsweise von Kaliumkanälen.“

Das Wissen darum, wie die Testpharmaka in Kaliumkanälen wirken, könnte beispielsweise Pharmaunternehmen helfen, effizientere neue Medikamente zu entwickeln, insbesondere bei solchen, die zur Behandlung von Krankheiten wie Epilepsie, Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien), Gefäßverengungen oder verschiedenen Schmerzzuständen zum Einsatz kommen.

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Quelle:
Schewe M, Sun H, Mert Ü, Mackenzie A, Pike ACW, Schulz F, Constantin C, Vowinkel KS, Conrad LJ, Kiper AK, Gonzalez W, Musinszki M, Tegtmeier M, Pryde DC, Belabed H, Nazare M, de Groot BL, Decher N, Fakler B, Carpenter EP, Tucker SJ, Baukrowitz T., A pharmacological master key mechanism that unlocks the selectivity filter gate in K+ channels., Science. 2019 Feb 22;363(6429):875-880. doi: 10.1126/science.aav0569.

CAVE-Zecken: FSMEFrühsommer-Meningoenzephalitis -Erkrankungen, Hirnhautentzündung, Zecken-Fieber

Medizin am Abend Berlin Fazit: Tropen-Zecken in Deutschland: Uni Hohenheim bittet um Zusendung auffälliger Zeckenfunde

Eingewanderte Hyalomma-Zecke: 

Bevölkerung kann Forschung zu neuer Zeckenart unterstützen / 2018 bescherte Höchststand bei FSME-Erkrankungen seit 19 Jahren 

Bis zu dreimal so groß wie ihr europäischen Verwandter, der gemeine Holzbock (links) - die tropische Zecke Hyalomma (rechts)
Bis zu dreimal so groß wie ihr europäischen Verwandter, der gemeine Holzbock (links) - die tropische Zecke Hyalomma (rechts) Quelle: Uni Hohenheim/Marco Drehmann
 
Sie ist doppelt bis dreimal so groß wie ihre europäischen Verwandten und hat auffällig geringelte Beine:

Im vergangenen Jahr vermeldete Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim in Stuttgart die ersten Funde der tropischen Hyalomma-Zecke in Deutschland. Auf der stattgefunden Medien-Konferenz bat sie die Bevölkerung um Mithilfe bei der Forschung zur Ausbreitung der neuen Art.

Auch die klassische Holzbock-Zecke war 2018 besonders aktiv:

Bundesweit erkrankten 583 Menschen an der von ihr übertragenen Hirnhautentzündung.

Die meisten Krankheitsfälle traten in Baden-Württemberg auf.

Gleichzeitig benennt das Robert-Koch-Institut neue Risikogebiet. 

Vermutlich wurde sie durch Vögel eingeschleppt:

Die auffällige Hyalomma-Zecke, die ursprünglich aus Afrika, Asien und Südeuropa stammt. „Der Klimawandel scheint es der Hyalomma Zecke zu erlauben, auch dauerhaft in Deutschland Fuß zu fassen“, erklärt Prof. Dr. Mackenstedt, Parasitologin und Expertin für Zecken an der Universität Hohenheim.

Auch in ihrem Jagdverhalten unterscheidet sich die neue Art von ihren europäischen Verwandten: 

  • Letztere klettern an Gräsern, Kräutern und Büschen in die Höhe, wo sie sich von Wildtieren und Wanderern abstreifen lassen. 

„Die Hyalomma-Zecke jagt dagegen aktiv:

  • Sie erkennt Warmblütler auf Distanzen von bis zu 10 Metern und kann sie über mehrere 100 Meter verfolgen“, so Prof. Dr. Mackenstedt.

Wie weit die neue Art auch Krankheiten überträgt, ist noch unklar

„In ihrer Heimat gilt die Hyalomma-Zecke als Überträgerin einiger Krankheitserreger.

Dazu gehören die Erreger des sogenannten Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers, des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers und einer Form des Zecken-Fleckfiebers.“

 Letztere (Rickettsien) seien in einigen der 2018 gefundenen Exemplare auch nachgewiesen worden. Die Erreger der hämorrhagischen Fieber-Formen bislang jedoch noch nicht.

Um die Ausbreitung und mögliche Gefahren durch die neue Hyalomma-Zecke zu erforschen, bittet die Zecken-Expertin nun die Bevölkerung um Mithilfe: „Wir sind dankbar um jede eingesandte Hyalomma-Zecke, die wir im Labor erforschen können.“

  • Vor allem Reiterinnen und Reiter sollten beim täglichen Pferdestriegeln aufmerksam sein, da die Hyalomma-Zecke gerne große Säugetiere befällt. 

Festgebissene Zecken am besten wie auch europäische Zecken mit Zeckenzange, Zeckenkarte oder Pinzette entfernen und in kleinen, festverschlossenen Containern senden an

Universität Hohenheim
Prof. Dr. Ute Mackenstedt
Fachgebiet für Parasitologie
Emil-Wolff-Straße 34
70599 Stuttgart

Rekordjahr auch für klassische Holzbock-Zecke und FSME-Erkrankungen


Auch in anderer Hinsicht war das vergangene Jahr 2018 auffällig: „Die hohen Temperaturen und eine hohe Aktivität der Zecken bescherten uns auch ein Rekordjahr an FSME-Erkrankungen“, diagnostizierte PD Dr. Gerhard Dobler, Mikrobiologe und Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr.

Bundesweit erkrankten 583 Menschen an der eigentlich vermeidbaren Erkrankung.

„Diese hohen Krankheitszahlen sind eigentlich unnötig“, betont Mikrobiologe PD Dr. Dobler. Anders als z.B. in Österreich seien in Deutschland nur 20 bis 40 Prozent der Bevölkerung gegen FSME geimpft.

Die Krankheitszahlen in Deutschland lägen deshalb rund viermal höher als in der Alpenrepublik, wo 80 Prozent der Bevölkerung geimpft seien.

Baden-Württemberg an Spitze der FSME-Statistik

Im Jahr 2018 wurden die meisten Krankheitsfälle nicht mehr aus Bayern, sondern aus Baden-Württemberg gemeldet, berichtet Dr. Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Baden-

Zum besonderen HotSpot entwickle sich hier der Landkreis Ravensburg. „Bereits im Jahr 2017 traten dort 19 Fälle auf. Mit 23 Fällen hat sich die Zahl im Jahr 2018 noch einmal gesteigert“, so Dr. Oehme.

Neue HotSpots: Deutschland wird zum bundesweiten Risikogebiet

Doch auch in nördlicheren Bundesländern ist der FSME-Erreger auf dem Vormarsch. „Erstmals finden wir 2018 mit dem Landkreis Emsland auch in Niedersachsen ein Risikogebiet“, berichtet PD Dr. Dobler.

„Generell beobachten wir seit einigen Jahren, dass sich das Risiko nicht mehr lokal eingrenzen lässt“, erläutert Prof. Dr. Mackenstedt. Manche HotSpots mit besonders hohem Krankheitsrisiko blieben über Jahre stabil. Andere tauchten von Jahr zu Jahr neu auf, verschöben sich und verschwänden wieder. „Im vergangenen Jahr trat jede fünfte Erkrankung außerhalb der bekannten Risikogebiete auf.“

„Ein Fazit ist, dass man dem FSME-Risiko in Deutschland nicht mehr ausweichen kann“, erklärt die Parasitologin. Das gelte nicht nur für Waldgebiete, sondern auch für Grünanlagen oder den eigenen Garten, wie die Universität Hohenheim bereits zwischen 2014 bis 2016 in Studien belegt habe.

Grund zur Panik sei dies jedoch keiner: „Unsere Nachbarländer machen uns vor, wie erfolgreich eine möglichst flächendeckende Impfung die Krankheitszahlen nach unten drückt.

  • Die Impfung werde von der Krankenkasse bezahlt und wird in endemischen Regionen gleich für die ganze Familie empfohlen.

HINTERGRUND: Tropenzecke Hyalomma

Die beiden Arten Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes stammen ursprünglich aus den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas. Mit ihren gestreiften Beinen sind sie eine auffällige Erscheinung und viel größer als der normale Holzbock-Im eurasischen Raum sind sie potentielle Überträger des Hämorrhagischen Krim-Kongo-Fiebers und des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers und können eine Form des Zecken-Fleckfiebers auslösen. Erwachsene Zecken bevorzugen große Tiere als Wirte, auf die sie sich aktiv bis zu 100 Meter zu bewegen. Larven und Nymphen befallen vor allem Vögel und Kleinsäuger. Sie bleiben bis zu 28 Tage auf ihrem Wirt und können so mit Zugvögeln nach Deutschland eingeschleppt werden.

HINTERGRUND: Hirnhautentzündung oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

FSME-Erreger werden durch europäische Zecken wie den europäischen Holzbock übertragen.  
In den Risikogebieten liege die Wahrscheinlichkeit einer FSME-Infektion nach einem Zeckenstich bei 1:50 bis 1:100. 

Danach träten nach zirka 10 Tagen grippeähnliche Symptome auf. 

Bei ca. einem Drittel der Patienten kommt es nach vorübergehender Besserung zu einem erneuten Fieberanstieg und der 2. Krankheitsphase. 

Bei leichten Verläufen klagten die Patienten vorwiegend über starke Kopfschmerzen. 

Bei schwereren Verläufen seien Gehirn und Rückenmark beteiligt. 

Zu den Symptomen gehören Koordinationsstörungen, Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen sowie Bewusstseinsstörungen und epileptische Anfälle. 

Für ca. 1 % der Patienten ende die Krankheit tödlich. 

Ist die Krankheit erst einmal ausgebrochen, können nur die Symptome therapiert werden.

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Heute Aprilscherze -. und ab morgen wird wieder gelogen.....schwarze Lügen/weiße Lügen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Lügenforscher: Darum lügen wir

Am 1. April werden wieder Aprilscherze gemacht. 

Jedes Jahr fallen Menschen auf frei erfundene Geschichten herein. 

An diesem Tag sind Lügen erlaubt und werden anschließend aufgedeckt. 

Aber auch an anderen Tagen im Jahr wird gelogen. 

Warum eigentlich? 

Ist das immer verwerflich? 

Und gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern? 

Diese Fragen beantwortet Dr. Philipp Gerlach, Psychologe und Dozent an der Hochschule Fresenius in Hamburg, im Interview. 
 
Schon Kinder lernen früh: Du darfst nicht lügen.

Am 1. April haben wir sozusagen die offizielle Erlaubnis, Unwahrheiten zu verbreiten, um andere damit zu veräppeln. 

Hier steht sicher die Schadenfreude im Vordergrund. 

Inwiefern unterscheiden sich Aprilscherze von Lügen?

Der Aprilscherz ist eine spezielle Form der Lüge. Aprilscherze sind gesellschaftlich akzeptiert und dienen i.d.R. nicht dem persönlichen Profit.

Man verliert daher auch nicht seinen guten Ruf, wenn man am 1. April jemanden hereinlegt. Ein Grund ist auch, dass Aprilscherze vom Lügner selbst aufgelöst werden („April, April“). Eine solche Auflösung geschieht bei den „üblichen Lügen“ meist nicht durch den Lügner selbst und eher unfreiwillig.

Was sind überhaupt Lügen? Und wie entstehen sie?

Wie Sie beim Aprilscherz vielleicht bemerkt haben, gibt es verschiedene Formen der Lüge. Die Lügen, die wir untersucht haben, dienen dem persönlichen Profit und werden auch „schwarze Lügen“ genannt.

„Schwarze Lügen“ sind oft eine Versuchung:

Entweder man sagt die Wahrheit oder man entscheidet sich dagegen, um persönlich zu profitieren, z. B. in Form von Geld, sozialer Anerkennung, mehr Wählerstimmen. Normalerweise birgt jede Lüge aber auch das Risiko aufzufliegen.  

Langfristig ist es i.d.R. besser, wenn man seinen guten Ruf als ehrlicher Mensch behält. 

Kurzfristig kann es aber sein, dass man der Versuchung nicht wiederstehen kann.

Manchmal kann es auch schmerzhaft sein, die Wahrheit zu hören. Gibt es auch gerechtfertigte Lügen?

  • Es gibt neben Aprilscherzen und „schwarzen Lügen“ auch „weiße Lügen“. 

Das sind Lügen, bei denen beide Seiten von der Lüge profitieren. 

Nehmen wir an, Sie hatten heute so einen richtig miesen Tag. Nun werden Sie von einer Kassiererin gefragt, wie es Ihnen geht. Die Antwort „ach, ganz gut“ erspart Ihnen und der Kassiererin eine lästige Unterhaltung — auch wenn es sich dabei klar um eine Lüge handelt. „Weiße Lügen“ sind daher auch gesellschaftlich akzeptiert, im Gegensatz zu den „schwarzen Lügen“.

  • Sie haben in Ihrer Studie herausgefunden, dass Männer mehr lügen als Frauen. Woran liegt das?

Ja stimmt, wir haben 565 Experimente mit über 44.000 Teilnehmern untersucht. Im Schnitt haben Männer mehr „schwarze Lügen“ als Frauen erzählt. Der Unterschied war nicht wahnsinnig groß, aber er war recht eindeutig und über viele Experimente hinweg so zu finden. Es ist unklar, warum es zu diesem Geschlechterunterschied kommt.

Es gibt Studien, die zeigen, dass Männer risikobereiter sind als Frauen.  

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Befristungen vom Ärztlichen Dienst  

Diese Risikobereitschaft könnte erklären, warum Männer eher bereit sind, „schwarze Lügen“ zu erzählen. Eine alternative Erklärung ist, dass Frauen häufig prosozialer sind.

  • Einige Studien zeigen, dass Frauen unehrliches Verhalten vor allem dann scheuen, wenn andere Menschen unter den Folgen ihrer Lüge leiden. 

Beide Erklärungen sind aber reine Spekulationen.

Wir wissen es schier nicht.


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CAVE- Untersucher-Einladung: Kinder- und Jugendliche

Medizin am Abened Berlin Fazit: Verrät mir mein Körper, wie ich mich fühle? Studie der Uni Mainz zu Kindern und Jugendlichen

Studie zu Körperbeschwerden und Emotionen bei Kindern und Jugendlichen - Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer im Alter von 12 bis 17 Jahren gesucht 
 
  • Emotionen spielen in unserem Alltag eine wesentliche Rolle. 

Dabei unterscheiden sich Menschen in ihrer Art, Emotionen zu regulieren.

In den letzten Jahren steht das Thema Emotionsregulation im Fokus der Forschung.

  • Allerding wissen wir bisher sehr wenig über den Zusammenhang zwischen Emotionen und Körpererleben sowie körperlichen Beschwerden bei Kindern und Jugendlichen.

Die Abteilung für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Experimentelle Psychopathologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) möchte daher der Frage nachgehen, wie sich verschiedene Arten des Umgangs mit Emotionen auf das emotionale und körperliche Befinden von Kindern und Jugendlichen auswirken.
  • Für die Studie „Verrät mir mein Körper, wie ich mich fühle?“ werden Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren aus der Allgemeinbevölkerung gesucht. 

Die Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer erhalten eine angemessene Aufwandsentschädigung.

Wenn gewünscht, geben die Studienleiter zudem eine individuelle Rückmeldung zum Untersuchungsbefund. 

Fragen zur Studie oder Anmeldungen können per Mail an

Studie-Gesundheit-Jugendliche@uni-mainz.de 

gesendet werden.

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Die Überbringung von Todesnachrichten: Verantwortungsvoll

Medizin am Abend Berlin Fazit: Krisenkommunikation für PolizistInnen

Konstanzer Kulturwissenschaftlerin hat in Kooperation mit polizeilichen Einrichtungen Kurs in verantwortlichem Überbringen von Todesnachrichten entwickelt 

Prof. Kirsten MahlkeProf. Kirsten Mahlke Universität Konstanz

 
Der Blended-Learning-Kurs „Todesnachrichten verantwortungsvoll überbringen“ unterstützt PolizistInnen bei einer ihrer herausforderndsten Aufgaben.

Die Lernanwendung ist das Ergebnis eines wissenschaftlichen Transferprojekts von Kirsten Mahlke, Professorin für Kulturtheorie und Kulturwissenschaftliche Methoden im Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ der Universität Konstanz, und ihrer Mitarbeiterinnen.

Er wurde in Kooperation mit polizeilichen Einrichtungen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen entwickelt.

Blended learning bedeutet, dass die didaktischen Vorteile des digitalen Lernens im Selbststudium kombiniert werden mit Gruppendiskussion und praktischem Training im Präsenzunterricht.

 Die Transferarbeit der Universität Konstanz ist in den Handlungsfeldern „Kommunizieren“, „Beraten“ und „Anwenden“ zusammengefasst.

„Es gibt keine schlimmere Nachricht zu übermitteln, als die vom unnatürlichen Tod eines Angehörigen“, beschreibt Projektleiterin Kirsten Mahlke eine Situation, die letztlich alle BürgerInnen und alle PolizistInnen einmal treffen kann.

Doch auf die Aufgabe, eine solche Nachricht zu überbringen, fühlen sich die wenigsten von ihnen angemessen vorbereitet.

In der Ausbildung angehender PolizistInnen in Baden-Württemberg beispielsweise behandeln nur ein paar Sitzungen den Umgang mit den Angehörigen von Menschen, die durch einen plötzlichen Unfall oder auch ein Gewaltverbrechen aus dem Leben gerissen werden. 

Dabei kommen in Deutschland mehr als 30.000 Menschen jährlich auf diese Weise zu Tode. 



https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2019/Bilder/Krisenkommunikation_PolizistInnen.jpg

Der Blended-Learning-Kurs „Todesnachrichten verantwortungsvoll überbringen“ unterstützt PolizistInnen bei einer ihrer herausforderndsten Aufgaben. Copyright: Manuel Plewnia

„Ziel unserer Lernanwendung ist, Polizistinnen und Polizisten für die Bedürfnisse von Angehörigen in einer solchen Situation zu sensibilisieren und auf die Krisenkommunikation nicht nur beim Klingeln an der Haustür bestmöglich vorzubereiten.“

  • Ein Versagen an dieser Stelle, so die Wissenschaftlerin, kann für die Angehörigen schwerwiegende, traumatisierende Folgen nach sich ziehen.

Keine bedauerlichen Einzelfälle

Wie eine vom Opferschutz der Polizeibehörde in Kleve durchgeführte Untersuchung und die publik gewordenen Beschwerden von Angehörigen nach Großschadensereignissen gezeigt haben, handelt es sich nicht um bedauerliche Einzelfälle.

Dass Probleme in dieser Art von Krisenkommunikation nicht behoben werden, hängt mit Arbeitsstrukturen, Gewohnheiten, aber auch ungeprüften Vorannahmen in Polizeidienststellen zusammen.

„Da eine polizeiinterne Qualitätskontrolle bislang nicht üblich ist, gehen Polizeibehörden oft davon aus, dass Todesnachrichten im eigenen Umfeld gut überbracht werden, so lange es keine Beschwerden von Seiten Angehöriger gibt.

Doch beschweren sich traumatisierte Betroffene oft nur deshalb nicht, weil sie sich den Behörden gegenüber ohnmächtig fühlen“, gibt die Kulturwissenschaftlerin zu bedenken.

  • Sehr häufig begegnete sie in Gesprächen mit PolizistInnen auch der Meinung, dass Todesnachrichten zu überbringen eine eher psychosoziale Aufgabe sei, die von besonders empathiefähigen Personen übernommen werden sollte. 

Dagegen wendet Mahlke ein: 

„Es handelt sich dabei um eine genuin polizeiliche Aufgabe, die ureigentliche Polizeiverantwortung berührt:

Gefahrenabwehr, Opferschutz und Ermittlungsarbeit. 

Und das Rüstzeug für die verantwortungsvolle Krisenkommunikation ist durchaus erlernbar.“

Nicht nur beim Überbringen der Nachricht, sondern auch in den Tagen danach geht es darum, den Angehörigen alle wichtigen Informationen zum Tod des Betroffenen mitzuteilen, ihnen Kontaktadressen für Nachfragen zu geben und sie über ihre Rechte aufzuklären.

Außerdem kann allein die Polizei eine Türöffnerfunktion gegenüber Staatsanwaltschaft oder Gerichtsmedizin wahrnehmen, wenn beispielsweise die Angehörigen den Verstorbenen noch einmal sehen wollen, um Abschied von ihm zu nehmen.

Von der Berliner Landespolizei eingeladen
Die elektronische Lernanwendung wurde in Kooperation mit dem Opferschutz der Polizeibehörde in Kleve, der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung und Polizei in Duisburg, der Polizei in Stuttgart sowie der Abteilung Technik, Service und Logistik der Polizei Freiburg entwickelt. Sie verzahnt Lerneinheiten für den Präsenzunterricht im Rahmen der Aus- oder Weiterbildung mit Informationen und Checklisten, die jederzeit elektronisch abgerufen werden können. So bietet sie Know-how, das leicht zugänglich und in überschaubarer Zeit zu erlernen ist. „Wir freuen uns, dass die Lernanwendung in Baden-Württemberg eingeführt werden wird. Nun wollen wir sie auch an die entsprechenden Bedürfnisse in anderen Bundesländern anpassen“, erklärt Kirsten Mahlke. „Von der Berliner Landespolizei sind wir bereits eingeladen, den Blended-Learning-Kurs vorzustellen.“

Faktenübersicht:

• Kooperations- und Transferprojekt der Universität Konstanz „Todesnachrichten verantwortungsvoll überbringen“ der Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Kirsten Mahlke mit polizeilichen Einrichtungen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen
• Kooperationspartner: Opferschutz der Polizeibehörde in Kleve, Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung und Polizei in Duisburg, Polizei in Stuttgart, Abteilung Technik, Service und Logistik der Polizei Freiburg
• Ergebnis: Blended-Learning-Kurs zur Krisenkommunikation für angehende PolizistInnen
• Gefördert als ERC-Projekt des Europäischen Forschungsrates (European Research Council).

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Claudia Marion Voigtmann
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Prostatakrebs-Prostatakarzinom: Kurzzeitigen hochdosierten Radiochirurgie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Präzisionsbestrahlung bei Prostatakrebs: HYPOSTAT-Studie beendet – HYPOSTAT-II-Studie folgt

Bei jedem 10. Mann über 50 wird in Deutschland ein Prostatakarzinom diagnostiziert. 

Die von den Universitätskliniken Schleswig-Holstein (UKSH) und Frankfurt (KGU), sowie den Saphir Radiochirurgie Zentren und dem europäischen CyberKnife Zentrum München-Großhadern durchgeführte HYPOSTAT-Studie zu diesem Thema konnte Anfang Dezember 2018 die Rekrutierung der geplanten 85 Patienten erfolgreich abschließen. 

Die HYPOSTAT-Studie befasste sich als bisher einzige Studie in Deutschland mit einer neuen Form der kurzzeitigen hochdosierten Radiochirurgie mithilfe eines robotergestützten Linearbeschleunigers für die Behandlung von Prostatakarzinomen, dem sogenannten „CyberKnife“. 

Prof. Dr. Jürgen Dunst ist HYPOSTAT-Studienleiter der HYPOSTAT-Studien.
Prof. Dr. Jürgen Dunst ist HYPOSTAT-Studienleiter der HYPOSTAT-Studien.
UKSH


Im Rahmen der HYPOSTAT-Studie wird die Prostata mit dem CyberKnife mit besonderer Präzision bestrahlt und die Gesamtzahl der Einzelbestrahlungen auf fünf Sitzungen innerhalb ein bis zwei Wochen reduziert.

Dabei ist die extrem hypofraktionierte Radiochirurgie beim Prostatakrebs kein neues Behandlungskonzept. Bereits seit über 15 Jahren wird in den USA aktiv diese Behandlungstechnik geprüft, die auf der Annahme basiert, dass eine hochdosierte kurzzeitige Strahlentherapie für die Prostata biologisch vorteilhafter ist als eine konventionelle fraktionierte Strahlentherapie.

Diese Annahmen beruhen auch auf den guten Ergebnissen der Hochdosis-Brachytherapie aus dem UKSH, Campus Kiel, seit den 1990er-Jahren. Anfang 2019 wurden nun Langzeitdaten zur CyberKnife Radiochirurgie aus den USA mit über 2.000 Patienten publiziert. Die 7-Jahres-Prostatakrebs-Kontrolle lag bei 85-95 Prozent je nach Risikoeinteilung bei deutlich unter 1 Prozent akuten und deutlich unter 3 Prozent langzeitigen klinisch relevanten Nebenwirkungen. Hier scheint sich nun der biologische Vorteil der Radiochirurgie im Verhältnis zu vielen anderen konventionellen Bestrahlungstechniken zu bewahrheiten.

  • Die Daten aus den USA haben jetzt dazu geführt, dass die hypofraktionierte Radiochirurgie beim Prostatakrebs ein fester Bestandteil der amerikanischen Leitlinien ist und auch in Deutschland wurde in der S3-Leitlinie für die Behandlung von Prostatatumoren die Erprobung der Radiochirurgie in klinischen Studien ausdrücklich empfohlen.

Neben den guten Ergebnissen aus den USA wurde kürzlich auch die Rekrutierung für den ersten Arm der PACE-Studie aus England beendet, die randomisiert Radiochirurgie mit konventionell fraktionierter Strahlentherapie und in einem anderen Studienarm sogar mit Operation direkt vergleicht.

„Wir erwarten mit Spannung die Ergebnisse von über 850 behandelten Patienten in dieser Studie, die mit großen Wahrscheinlich einen signifikanten Einfluss auf die Leitlinien haben wird“, sagt Prof. Dr. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie am UKSH und der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und HYPOSTAT-Studienleiter.

„Wir stehen in Deutschland leider erst am Anfang, aber wir können berichten, dass in unserer ersten Studie alle Patienten sehr zufrieden waren. Die Nebenwirkungen sind erwartungsgemäß gering ausgefallen, bei gleichzeitigem guten Ansprechen auf die Tumorerkrankung“, so Prof. Dunst in Einklang mit Prof. Dr. Alexander Muacevic vom europäischen CyberKnife Zentrum München-Großhadern, Co-Studienleiter für die Nachfolgestudie.

Erste Ergebnisse der HYPOSTAT-I Studie sind Ende 2019 zu erwarten, da jeder Patient in der Studie eine Mindestnachsorgezeit von zwölf Monaten erreichen muss.

Parallel zur Auswertung der HYPOSTAT-I Studie wurde eine größere Studie, die nun auch die Langzeitwirkung der Radiochirurgie für Prostata-Tumore in Deutschland untersuchen soll, gestartet. 

Da diese Studie vom Konzept und Behandlung identisch mit der ersten Studie ist, wurde diese HYPOSTAT-II getauft und 500 Patienten sollen eingeschlossen werden.

„Die Studie wurde vom Bundesamt für Strahlenschutz und von der führenden Ethikkommission in Kiel freigegeben und am 5.3.2019 offiziell in Kiel gestartet, so dass wir eine nahezu nahtlose Weiterführung für die Radiochirurgie für Prostata-Tumore in Deutschland gewährleisten konnten“, sagt Dr. Oliver Blanck, Studienkoordination der beiden HYPOSTAT-Studien.

 „Zudem starten wir nun die Studie mit fünf Radiochirurgie Zentren in Kiel/Güstrow, Frankfurt, München, Berlin und Köln gleichzeitig, um so die Prostata-Radiochirurgie in Deutschland flächendeckend und langfristig zu evaluieren“, so Dr. Blanck weiter.

Literatur:
Jiang P, Krockenberger K, Vonthein R, Tereszczuk J, Schreiber A, Liebau S, Huttenlocher S, Imhoff D, Balermpas P, Keller C, Dellas K, Baumann R, Rödel C, Hildebrandt G, Jünemann KP, Merseburger AS, Katz A, Ziegler A, Blanck O, Dunst J. Hypo-fractionated SBRT for localized prostate cancer: a German bi-center single treatment group feasibility trial. Radiat Oncol. 2017 Aug 18;12(1):138.

Kishan AU, Dang A, Katz AJ, Mantz CA, Collins SP, Aghdam N, Chu FI, Kaplan ID, Appelbaum L, Fuller DB, Meier RM, Loblaw DA, Cheung P, Pham HT, Shaverdian N, Jiang N, Yuan Y, Bagshaw H, Prionas N, Buyyounouski MK, Spratt DE, Linson PW, Hong RL, Nickols NG, Steinberg ML, Kupelian PA, King CR. Long-term Outcomes of Stereotactic Body Radiotherapy for Low-Risk and Intermediate-Risk Prostate Cancer. JAMA Netw Open. 2019 Feb 1;2(2):e188006.

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Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Klinik für Strahlentherapie, Prof. Dr. Jürgen Dunst
Tel.: 0431 500-26500, E-Mail: juergen.dunst@uksh.de

Oliver Grieve Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Deutschland
Schleswig-Holstein
E-Mail-Adresse: presse@uksh.de

Telefon: 0431 / 597 - 5544
Fax: 0431 / 597 - 4218
E-Mail-Adresse: oliver.grieve@uksh.de
 

Tumorheterogenität: Stresshormone - Cortisol - Chemotherapie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Stresshormone fördern die Metastasierung von Brustkrebs

  • Seit Langem wird angenommen, dass Stress zum Krebswachstum beiträgt. 

Forschende von Universität Basel und Universitätsspital Basel haben nun die molekularen Mechanismen aufgedeckt, die Brustkrebsmetastasen mit erhöhten Stresshormonen verbinden. 

  • Weiter haben sie herausgefunden, dass synthetische Derivate von Stresshormonen, die häufig als entzündungshemmende Mittel in der Krebstherapie eingesetzt werden, die Wirksamkeit der Chemotherapie verringern können. 

Diese Ergebnisse basieren auf Modellen menschlichen Ursprungs in Mäusen und könnten sich auf die Behandlung von Patientinnen mit Brustkrebs auswirken. 

Das berichten die Forschenden in der Fachzeitschrift «Nature». 
 
Ein grosses Hindernis bei der Behandlung von metastasierendem Brustkrebs ist das Phänomen der Tumorheterogenität. 

  • Das heisst, im Verlauf der Erkrankung wird der Tumor vielfältiger und die wachsenden Unterschiede zwischen den einzelnen Krebszellen können zu einem unzureichenden Therapieerfolg führen.

Da die zu Grunde liegenden Mechanismen dieses Phänomens unklar waren, untersuchte die Forschungsgruppe von Prof. Mohamed Bentires-Alj vom Departement Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel die Zellen einer bestimmten Krebsform, die häufig metastasiert, des sogenannten dreifach negativen Brustkrebses. Diese Krebsart ist resistent gegen Standardtherapien und bietet für die Patientinnen weniger Behandlungsmöglichkeiten.

  • Stress beschleunigt Metastasenbildung

Um die Heterogenität zwischen Tumoren und Metastasen zu untersuchen, haben die Forschenden die Aktivität von Genen in einem Maus-Krebsmodell gemessen.

  • Sie stellten fest, dass Metastasen eine erhöhte Aktivität bei den sogenannten Glukokortikoid-Rezeptoren (GR) verzeichnen, die Stresshormone wie etwa Cortisol binden.

Mäuse mit Metastasen hatten höhere Konzentrationen von Stresshormonen als Mäuse ohne Metastasen.

  • Die Studie zeigt, dass erhöhte Stresshormonlevels die GR aktivieren, was zu einer verstärkten Kolonisierung und Heterogenität der Krebszellen – und letztlich zu einer verkürzten Lebensdauer führt.

Reduzierte Wirkung der Chemotherapie

  • Die GR binden auch synthetische Derivate von Cortisol wie etwa Dexamethason, das oft eingesetzt wird, um die Nebenwirkungen der Chemotherapie zu lindern. 
  • Die Forschungsgruppe zeigte, dass Dexamethason die Wirksamkeit des Medikaments Paclitaxel beeinträchtigen kann, welches vielfach als Chemotherapie angewendet wird.
  • Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass bei der Verschreibung von Glukokortikoid-Hormonen an Patientinnen mit Brustkrebs Vorsicht geboten ist. 

Die Studie macht auch deutlich, dass die Blockierung der GR von Vorteil sein kann und zur Entwicklung neuer Therapien für die Bekämpfung der Metastasierung von Brustkrebs führen könnte.

«Die Tumorheterogenität ist ein grosses Hindernis bei der Behandlung. Die Bedeutung von Stressmanagement kann nicht überbetont werden – insbesondere bei Patientinnen mit dreifach negativem Brustkrebs», sagt Prof. Bentires-Alj.

  •  «Moderates Bewegungstraining und Entspannungstechniken sind nachweislich mit einer verbesserten Lebensqualität und Lebenserwartung der Patientinnen verbunden.»

Brustkonsortium Basel

Das Brustkonsortium Basel wurde 2014 von Prof. Mohamed Bentires-Alj und Prof. Walter Paul Weber, Chefarzt der Abteilung für Brustchirurgie am Universitätsspital Basel, gegründet. Hier engagieren sich mehr als 160 Forschende und Klinikerinnen und Kliniker aus Wissenschaft und Industrie sowie Patientenvertreterinnen und Patientenvertreter für die Förderung und Umsetzung der Grundlagenforschung in hochmodernen klinischen Brustkrebsstudien.

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Prof. Dr. Mohamed Bentires-Alj, Universität Basel und Universitätsspital Basel, Departement Biomedizin/Experimentelle Chirurgische Onkologie, Tel. +41 61 265 33 13, E-Mail: m.bentires-alj@unibas.ch

Iris MickeinUniversität Basel

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Originalpublikation:
Milan M.S. Obradović, Baptiste Hamelin, Nenad Manevski, Joana Pinto Couto, Atul Sethi, Marie-May Coissieux, Simone Münst, Ryoko Okamoto, Hubertus Kohler, Alexander Schmidt, Mohamed Bentires-Alj
Glucocorticoids promote breast cancer metastasis
Nature (2019), doi: 10.1038/s41586-019-1019-4

SommerZeit-Umstallung CAVE: Schichtarbeit - Nachtarbeit - Circadianeee Störungen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Biologischer Zeitgeber blaues Licht und Nachtarbeit

In einer Studie mit Beschäftigten in der Pflege konnte das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) erstmals eingehend beschreiben, wie sich 24-Stunden-Lichtprofile durch die Schichtarbeit verändern. 
 
  • Licht ist der stärkste Zeitgeber für unsere innere biologische Uhr. 

Gerät diese aus dem Takt, kann das die Gesundheit beeinträchtigen. Im Rahmen einer Studie zur Schichtarbeit wurden vom Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) bei Beschäftigten in der Pflege über 24 Stunden personenbezogene Lichtmessungen durchgeführt. Sie erlauben eine detaillierte Analyse der Unterschiede zwischen Tag- und Nacharbeit. Erstmals konnte eingehend beschrieben werden, wie sich 24-Stunden-Lichtprofile durch die Schichtarbeit verändern.

Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt in der Ausgabe der Zeitschrift Science of The Total Environment veröffentlicht.

Nachtarbeit nimmt zu

  • Spätestens seit die internationale Krebsagentur langjährige Schichtarbeit, die mit circadianen Störungen verbunden ist, als wahrscheinlich Krebs erregend (Gruppe 2A) einstufte, sind die Auswirkungen von Schichtarbeit in den Fokus der Forschung gelangt. 
  • Laut Mikrozensus von 2017 arbeiten mehr als 4,5 Millionen Menschen in Deutschland in Nachtarbeit, Tendenz weiter steigend.

Untersuchung von Beschäftigten im Schichtdienst

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IPA untersuchten weibliche Beschäftigte in der Krankenpflege im Schichtdienst.

Das Kollektiv bestand aus Frauen, die sowohl in Tag- als auch in Nachtschichten in der Klinik arbeiteten.

Die Vergleichsgruppe bestand aus Frauen, die ausschließlich in Tagschichten arbeiteten.

Erfasst wurden in der Studie typische 24-Stunden-Profile des Lichts während Phasen mit Tagarbeit und Phasen mit Nachtarbeit. Dazu trugen die Teilnehmerinnen der Studie Lichtmessgeräte, mit denen die Lichtexpositionen in verschiedenen Spektralbereichen – hierunter auch das Blaulicht, welches für die biologischen Tagesrhythmen eine besondere Rolle spielt – alle 10 Sekunden aufgezeichnet wurden. „Wir haben so ein engmaschiges Lichtprofil über den Tag erhalten und konnten gezielt bestimmte Zeitabschnitten untersuchen“, erläutert die Leiterin der Studie Dr. Sylvia Rabstein.

„Natürlich waren wir davon ausgegangen, dass die Lichtprofile bei Nachtarbeit eine erhöhte Blaulichtexposition im Vergleich zu Phasen mit Tagschicht zeigen“, so Prof. Thomas Behrens.

  • „Es zeigte sich, dass das 24-Stunden-Blaulichtprofil bei Nachtschichtarbeit nicht nur zeitlich verschoben ist, sondern auch eine ganz andere Form hat. 

So fehlten insbesondere die längeren Phasen an Dunkelheit, die für die Synchronisation der inneren Uhren durch den Wechsel zwischen hell und dunkel wichtig sein können und die auch für eine gute Schlafqualität sorgen“ ergänzt Sylvia Rabstein.

  •  Mit Blick auf die tägliche Praxis könnte dies bedeuten, dass es sinnvoll ist, den Schlafraum beim Tagschlaf noch stärker abzudunkeln.

„Für uns sind diese Ergebnisse insbesondere wichtig im Hinblick auf zukünftige Studien und natürlich auch die Prävention gesundheitlicher Folgen von Nachtarbeit“, so Prof. Thomas Brüning, Direktor des IPA. „So wissen wir jetzt, dass wir bei der Beurteilung der Lichtexposition den ganzen Tag im Blick haben müssen und neben Beleuchtung am Arbeitsplatz auch das individuelle Beleuchtungsverhalten berücksichtigen müssen.

Wie sich die Unterschiede in den Lichtprofilen auf Schlaf, Hormone und weitere Parameter auswirkt, wird nun weiter untersucht werden.

Nachgefragt: Blaulicht

Licht ist der für den Menschen sichtbare Bereich der elektromagnetischen und optischen Strahlen, der durch die Stäbchen und Zapfen des Auges wahrgenommen wird.

Um die Jahrtausendwende konnte gezeigt werden, dass es weitere Rezeptoren gibt, die insbesondere auf Strahlung im Spektralbereich des blauen Lichts ansprechen und eine nichtvisuelle Wirkung im Körper hervorrufen. 

Diese sorgt dafür, dass der biologische Tagesrhythmus im Körper mit dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus der Umwelt synchronisiert wird. 

So beeinflusst blaues Licht insbesondere unseren natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus, aber auch den Hormonhaushalt und viele weitere Prozesse im Körper. 

  • Zu viel Blaulicht in der Nacht kann dazu führen, dass die nächtliche Ausschüttung des auch als „Schlafhormon“ bezeichneten Melatonins unterdrückt wird. 

Daher wird eine extensive Nutzung von Lichtquellen wie PC, Tablet, Smartphone und Co vor dem Schlafengehen als kritisch gesehen, da diese bei erhöhtem Blaulichtanteil das Einschlafen verzögern und die Melatonin-Ausschüttung verschieben kann.

Originalpublikation:

S. Rabstein, K Burek, M. Lehnert, A. Beine, C. Vetter, V. Harth, S. Putzke, T. Kantermann, J. Walther, R Wang-Sattler, D. Pallapies, T. Brüning, T. Behrens. Differences in twenty-four-hour profiles of blue-light exposure between day and night shifts in female medical staff. Sci Tot Environ 2019: 653; 1025-1033.

Das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV

Das IPA - Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ist als Institut der Ruhr-Universität Bochum (RUB) an der Schnittstelle zwischen arbeitsmedizinischer Forschung und der Praxis für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen positioniert.
Zum einen ist es daher für die medizinisch-akademische Forschung und Lehre im Fach Arbeitsmedizin der Ruhr-Universität Bochum verantwortlich; zum anderen unterstützt das IPA die gewerblichen Berufsgenossenschaften, die Unfallkassen und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) bei der Erfüllung ihrer Aufgaben.

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Dr. Sylvia Rabstein
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel. 030 13001 4213
E-Mail: rabstein@ipa-dguv.de

Elke Biesel Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung - DGUV
Telefon: 030 / 288 763 - 767
Fax: 030 / 288 763 - 771
E-Mail-Adresse: elke.biesel@dguv.de
Glinkastraße 40
10117 Berlin
Deutschland
Berlin 

Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA)
Alte Heerstraße 111
53757 Sankt Augustin
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
E-Mail-Adresse: ifa@dguv.de
Ina Neitzner
Telefon: (02241) 231 2721
Fax: (02241) 231 2234
E-Mail-Adresse: ina.neitzner@dguv.de


Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG)
Königsbrücker Landstr. 2
01109 Dresden
Deutschland
Sachsen
E-Mail-Adresse: iag@dguv.de
Sabine Strickrodt
Telefon: 0351 / 4571107
Fax: 0351 / 4571005
E-Mail-Adresse: sabine.strickrodt@dguv.de


Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV - Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
E-Mail-Adresse: ipa@ipa-dguv.de
Dr. Monika Zaghow
Telefon: 0234/3024-564
Fax: 0234/3024-505
E-Mail-Adresse: zaghow@ipa-dguv.de
Originalpublikation:
S. Rabstein, K Burek, M. Lehnert, A. Beine, C. Vetter, V. Harth, S. Putzke, T. Kantermann, J. Walther, R Wang-Sattler, D. Pallapies, T. Brüning, T. Behrens. Differences in twenty-four-hour profiles of blue-light exposure between day and night shifts in female medical staff. Sci Tot Environ 2019: 653; 1025-1033.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969718341895?via%3Dihub