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Geplante Konsum- und Abgabeverbot von E-Zigaretten und E-Shishas

 Medizin am Abend Fazit: 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachlink: Anhörung

Das geplante Konsum- und Abgabeverbot von E-Zigaretten und E-Shishas wird von Experten einhellig begrüßt. 

In einer öffentlichen Anhörung des Familienausschusses am Montag sprachen sich die geladenen sieben Sachverständigen ausdrücklich für den entsprechenden Gesetzentwurf der Bundesregierung 18/6858 aus.

Zugleich mahnten sie jedoch verstärkte Bemühungen im Bereich der Prävention an und forderten an mehreren Stellen Verschärfungen der Gesetzesvorlage.

Mit dem Gesetz soll das Abgabe- und Konsumverbote für Tabakwaren im Jugendschutzgesetz und im Jugendarbeitsschutzgesetz auf elektronische Zigaretten und Wasserpfeifen ausgeweitet werden. Die Experten betonten, dass der Konsum von elektronischen Zigaretten und Shishas entgegen der weitverbreiteten Meinung zu gravierenden Gesundheitsschäden führen kann.

Der Leiter des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes Berlin-Mitte, Matthias Brockstedt, und Heino Stöver von der Frankfurt University of Applied Sciences sprachen sich für verstärkte Präventionsmaßnahmen aus, um Jugendliche über die gesundheitsschädliche Wirkung von E-Zigaretten und E-Shishas zu informieren. "Verbote allein reichen nicht aus", sagte Brockstedt. Dieser Forderung schlossen sich übereinstimmend alle anderen Experten an. Karl-Josef Eßer von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und Robert Loddenkemper von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beratungsmedizin warnten zudem eindringlich vor den gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Passivrauchens von elektronischen Zigaretten. 

Im Sinne des Jugendschutzes müsse über ein Konsumverbot für Erwachsene in der Anwesenheit von Minderjährigen beispielsweise in Autos nachgedacht werden. Auch diese Forderung von den übrigen Sachverständigen unterstützt.

Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum forderte die Abgeordneten auf, die geplante Gesetzesnovelle für eine umfassende Umsetzung des Rahmenübereinkommens der Weltgesundheitsorganisation zur Eindämmung des Tabakgebrauchs, das auch von Deutschland ratifiziert worden ist, zu nutzen.

Diese empfehle unter anderem ein Verbot von Zigarettenautomaten.

Trotz der kartenbasierten Alterskontrolle seien Automaten für Minderjährige weiterhin die drittwichtigste Bezugsquelle für Zigaretten. 

Ebenso sehe das WHO-Übereinkommen ein Verkaufsverbot von Süßigkeiten, Spielzeug und anderen Gegenständen in Zigarettenform vor. 

  • Pötschke-Langer sprach sich ebenso wie Andreas Luch vom Bundesinstitut für Risikobewertung dafür aus, herkömmliche Wasserpfeifen, mit denen nikotinfreie Stoffe, zum Beispiel Kräuter, geraucht werden, ebenso in das Abgabe- und Konsumverbot des Jugendschutzgesetzes einzubeziehen. 
Zustimmung zum Gesetzesvorhaben kam auch von der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände. Ursula Krickl vom Deutschen Städte und Gemeindebund wies zugleich darauf hin, dass die entstehenden Mehrkosten für die Kommunen für den verstärkten Kontrollaufwand von den Ländern ausgeglichen werden müssten.

Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom): Besserung mit Hemmstoff eines Eiweissfragment (intravenös)

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Immunzellen blockieren, um Bauchspeicheldrüsenkrebs zu hemmen

Forscher aus Heidelberg und den USA zeigten: Aktivieren Immunzellen im Kampf gegen den Bauchspeicheldrüsenkrebs einen bestimmten Signalweg, fördern sie damit das Tumorwachstum statt es zu hemmen. Durch die Blockade dieses Mechanismus im Tierversuch, lässt sich das Fortschreiten der aggressiven Krebserkrankung verlangsamen. Die Ergebnisse sind in Nature Medicine erschienen. 

Immunzellen (T-Zellen) im Bauchspeicheldrüsenkrebs, die ihre Entzündungsstoffe (Zytokine) über den alternativen p38-Signalweg bilden und dadurch das Tumorwachstum fördern.
 Immunzellen (T-Zellen) im Bauchspeicheldrüsenkrebs, die ihre Entzündungsstoffe (Zytokine) über den alternativen p38-Signalweg bilden und dadurch das Tumorwachstum fördern. Pathologisches Institut, Universitätsklinikum Heidelberg
 
  • Sammeln sich Immunzellen um einen Tumor, um ihn zu bekämpfen, kann das manchmal dem Tumor sogar eher nützen als schaden. 
Wie es dazu kommt, haben Wissenschaftler des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg und des National Cancer Institutes in Bethesda, Maryland, USA, im international renommierten Journal „Nature Medicine“ beschrieben.

Sie zeigten am Beispiel des äußerst aggressiven Bauchspeicheldrüsenkrebs, dass der weitere Verlauf der Erkrankung – sowohl im Tierversuch als auch bei Patienten – entscheidend davon abhängt, wie häufig in den versammelten Immunzellen ein bestimmter Signalweg aktiviert wird, mit dem diese die Produktion von Entzündungs-Botenstoffen in Gang setzen.

Bilden viele sogenannte T-Zellen ihre Entzündungsstoffe über diesen Mechanismus, den sogenannten alternativen p38-Signalweg, regen sie damit das Tumorwachstum an. Blockierten die Forscher diesen Signalweg, der nur in diesen Immunzellen vorkommt, wuchs der Krebs deutlich langsamer. Die Arbeit ist vorab online in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine erschienen.

„Das eröffnet neue Behandlungsmöglichkeiten: Durch die Blockade dieses Signalwegs könnte man etablierte Therapien durch die Wachstumshemmung entscheidend unterstützen und so Zeit für die Patienten gewinnen“, sagt Dr. Matthias Gaida, einer der Erstautoren und Pathologe in Heidelberg.

Botenstoffe bei chronischen Entzündungsreaktionen fördern Tumorwachstum

  • In von Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) befallenem Gewebe findet sich in der Regel eine dichte Anhäufung von Immunzellen. 
Diese schütten Botenstoffe, die sogenannten Zytokine, aus, locken damit weitere Immunzellen an und halten eine chronische Entzündungsreaktion am Laufen.

Zytokine sind zwar wichtig, um den Angriff des Immunsystems auf den Tumor zu koordinieren, einige von ihnen fördern aber auch die Vermehrung, Wanderung und Ausreifung von Zellen – eben auch der Tumorzellen.

Da sie dank der Abwehrreaktion des Immunsystems rund um den Tumor in hoher Konzentration vorkommen, erhalten die Krebszellen einen regelrechten Wachstumsschub.

  1. Diese tumorfördernde Wirkung haben aber vor allem Zytokine, die von T-Zellen über einen speziellen Stoffwechselweg hergestellt werden, wie die Forscher um Dr. Matthias Gaida und seinen US-amerikanischen Kollegen Dr. Muhammad S. Alam herausfanden. 

Diesen Immunzellen stehen zwei Wege zur Bildung von Zytokinen zur Verfügung. Kritisch ist der sogenannte „alternative p38-Signalweg“, benannt nach dem Protein p38, das die zentrale Rolle in dieser Reaktionskette spielt. Die Untersuchung von Gewebeproben von 192 Patienten mit Pankreaskarzinom ergab, dass die Menge der T-Zellen mit aktiviertem alternativem p38-Signalweg in der Umgebung des Tumors den weiteren Verlauf der Erkrankung beeinflusst.

Patienten, bei denen nur ein Zehntel der T-Zellen oder weniger diesen Signalweg aktivierten, überlebten länger, im Durchschnitt rund 20 Monate, der Krebs breitete sich langsamer aus.

Bei einem höheren Anteil wirkten die Zytokine der T-Zellen tumorfördernd und die Überlebenszeit der Patienten lag im Mittel bei knapp zehn Monaten. Versuche mit verschiedenen Mauslinien bestätigten dieses Ergebnis.

Behandlung des Immunsystems verhindert Resistenzen beim Tumor
  • Blockierten die Wissenschaftler im Tierversuch gezielt den alternativen Signalweg mit einem eigens entwickelten Hemmstoff, wurde die entzündungs- und tumorfördernde Zytokinbildung unterdrückt: 
  • Der Übergang von Krebsvorstufen zum Pankreaskarzinom dauerte länger, bestehende Tumoren wuchsen langsamer und die Neubildung kleiner Blutgefäße zur Versorgung des Tumorgewebes verzögerte sich. 
Bei dem Hemmstoff handelt es sich um ein Eiweißfragment, das intravenös verabreicht wurde und keine Nebenwirkungen auslöste. „Der Vorteil dieses Therapieansatzes ist, dass er sich nicht gegen die Tumorzellen selbst richtet, die ihre Eigenschaften ständig verändern und so schnell resistent gegen die Behandlung werden, sondern ausschließlich gegen die stabile Zellpopulation der T-Zellen“, so Gaida.

Literatur:
Alam MS*, Gaida MM*, Bergmann F, Lasitschka F, Giese T, Giese NA, Hackert T, Hinz U, Hussain SP, Kozlov SV, Ashwell JD. Selective inhibition of the p38 alternative activation pathway in infiltrating T cells inhibits pancreatic cancer progression. Nat Med. 2015 Nov;21(11):1337-43. doi: 10.1038/nm.3957. Epub 2015, Oct 19. PubMed PMID: 26479921.
*these authors contributed equally
Abstract: http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/full/nm.3957.html

 
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Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg. www.klinikum.uni-heidelberg.de

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http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Pathologisches-Institut.112.0.html Pathologisches Institut

360°TOP-Thema: Diabetes Typ 2 - und tödliche Herzinfarkte bei Frauen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Frauenherzen leiden stärker unter Diabetes Typ 2 – mehr tödliche Herzinfarkte

Ein Typ-2-Diabetes ist für Frauen mit dem Verlust ihres geschlechtsbedingten Schutzes vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Sie erleiden nach neuen Erkenntnissen häufiger als zuckerkranke Männer einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. 

Frauen können den Nachteil jedoch durch eine intensivere medizinische Betreuung und eine Änderung des Lebensstils wieder ausgleichen, stellt die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) anlässlich eines wissenschaftlichen Statements der American Heart Association fest. 


„Seit langem ist bekannt, dass Frauen vor den Wechseljahren deutlich seltener einen Herzinfarkt erleiden als gleichaltrige Männer“, berichtet Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, Vizepräsident und Mediensprecher der DDG. 
  • „Dass eine Diabeteserkrankung dieses Verhältnis umkehrt, ist der Öffentlichkeit dagegen nicht bewusst“, fügt der Experte hinzu.
Die Datenlage, die US-Kardiologen jetzt in einer ausführlichen Übersicht dargelegt haben, ist jedoch eindeutig: 
  • Frauen mit Typ-2-Diabetes erkranken früher an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, und sie sterben häufiger daran. 
  • Auch ein chronisches Herzversagen, eine Spätfolge eines überlebten Herzinfarktes, ist bei Frauen mit Typ-2-Diabetes häufiger. 
Die Ursachen sind laut Müller-Wieland nicht ganz klar. „Ein Grund könnte sein, dass die Folgen des Typ-2-Diabetes für Frauen von Ärzten und Betroffenen unterschätzt werden“, vermutet der Experte.
  • So erhalten Frauen seltener Medikamente gegen hohen Blutdruck oder gegen hohe Cholesterinwerte, die wichtige Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall sind. 
  • „Sie nehmen zudem nach einem Herzinfarkt seltener Aspirin ein, das einem zweiten Herzinfarkt vorbeugen kann“, fügt Müller-Wieland hinzu. 
  • Unabhängig davon lassen sich bei Patientinnen mit Typ-2-Diabetes häufig aufgrund der hormonellen Lage die Blutzucker-, Blutfett- und Blutdruckwerte schwerer einstellen als bei männlichen Patienten.
Hormonelle Störungen könnten ebenfalls eine Rolle bei dem Geschlechterunterschied spielen. 
Zwischen sechs und acht Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter haben ein polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS). 

Es ist neben Zyklusstörungen und einem Anstieg männlicher Geschlechtshormone auch mit einem Wirkungsverlust von Insulin verbunden.

 „Frauen mit PCOS sind häufig übergewichtig mit einer ungünstigen Ansammlung von Fettgewebe im Bauchbereich, die das Risikoprofil weiter verschlechtert“, berichtet DDG-Präsident Professor Dr. med. Baptist Gallwitz vom Universitätsklinikum Tübingen.

  • Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft appelliert deshalb an die Ärzte, das besondere Risiko von Frauen mit Diabetes bei der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu beachten. 

„Aber auch die Frauen selbst können etwas tun“, meint DDG-Präsident Gallwitz.

„Studien zeigen, dass Frauen mit Typ-2-Diabetes stärker als Männer von einer Änderung des Lebensstils profitieren.“

Dazu gehört neben einer gesunden Ernährung auch körperliche Aktivität.

Frauen müssen laut Studienlage zwar mehr Engagement zeigen als Männer, die Hürden sind jedoch nicht unüberwindbar. „In der Nurses Health Study, einer Langzeitstudie an amerikanischen Krankenschwestern, konnten Frauen mit Diabetes ihr Herz-Kreislauf-Risiko bereits mit zwei Stunden Sport in der Woche senken“, berichtet Gallwitz.

Quelle:
Regensteiner JG et al. Sex Differences in the Cardiovascular Consequences of Diabetes Mellitus: A Scientific Statement From the American Heart Association. Circulation 2015; doi: 10.1161/CIR.0000000000000343
http://circ.ahajournals.org/content/early/2015/12/06/CIR.0000000000000343.full.p...


Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft:
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit fast 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.



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Schuppenflechte Psoriasis: Als T-Zell-vermittelte Autoimmunreaktion gegen Melanozyten

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Mechanismus der Autoimmunerkrankung bei Psoriasis aufgeklärt

"Diese Krankheit ist ein Fluch", sagte einmal der berühmte US-Schriftsteller John Updike und sprach seinen Leidensgenossen mit Schuppenflechte aus dem Herzen. 

Was viele Mitmenschen ekelt, aber nicht ansteckend ist, entsetzt Psoriasis-Patienten häufig selbst. 

Auf ihrer Haut bilden sich schuppige, zuweilen großflächige Beläge, sogenannte Plaques. 

Sie sind entzündet und jucken, sie spannen und schmerzen, dabei schimmern sie silbern wie zerknitterte Alufolie. 

Forscher des Klinikums der Universität München sind jetzt auf der Suche nach der Krankheitsentstehung einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. 
 
Die Schuppenflechte, so hat es ein Dermatologe einmal formuliert, könne ein Dasein zwar nicht beenden, aber ruinieren – nicht nur durch die Erkrankung selbst, sondern vor allem durch die Stigmatisierung von außen.

Forscher des Klinikums der Universität München sind jetzt auf der Suche nach der Krankheitsentstehung einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. „Wir haben erstmals nachgewiesen, dass die Psoriasis auf einer Autoimmunreaktion gegen die pigmentbildenden Zellen der Haut beruht“, sagt Prof. Jörg Prinz von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie des LMU-Uniklinikums. „Das“, so Prinz weiter, „erklärt den hautspezifischen Charakter der Schuppenflechte, da diese Melanozyten vorwiegend in der Haut vorkommen.“ Der Dermatologe erhofft sich hieraus mittel- und langfristig neue Therapien gegen die Psoriasis.

Neuen Daten zufolge werden allein in Deutschland jährlich zwei Millionen Menschen gegen die Schuppenflechte behandelt.

Einmal ausgebrochen, kommen die entzündlichen „Plaques“ bei vielen immer wieder. 

Seit langem sind Wissenschaftler wie Prinz den Ursachen der Erkrankung auf der Spur. 
  • Offenbar spielt das Immunsystem der Haut einen bösen Streich. T-Zellen, potente weiße Blutkörperchen im Kampf gegen Krankheitserreger, greifen Zellen der Haut an und lösen die Entzündung aus. 
Nur welche Zellen zum Opfer werden, das war bisher unbekannt. So wie überhaupt die Krankheitsmechanismen von T-Zell-vermittelten Autoimmunerkrankungen – dazu zählt beispielsweise auch das Rheuma – im Dunkeln liegen.

Nicht, wie sonst in der medizinischen Forschung üblich, anhand von Tierversuchen, sondern mit menschlichem Psoriasis-Hautgewebe ist es den Forschern durch trickreiche, mehrjährige Experimente gelungen, die Art der attackierten Zellen zweifelsfrei zu bestimmen.

Es sind die pigmentbildenden Zellen. Mehr noch: 

Das Team um Jörg Prinz und Klaus Dornmair hat auch den komplizierten Mechanismus der Erkrankung weitgehend aufgeklärt. Bisher war bekannt:

Wer für die Krankheit empfänglich ist, trägt bestimmte Varianten (Allele) bestimmter Gene in seinen Zellen. 

Das Hauptrisiko-Gen für die Psoriasis heißt HLA-C*06:02. Es ist eines von vielen sogenannter HLA-Gene. Sie codieren die Bauanleitung für HLA-Moleküle, die auf der Oberfläche aller Zellen sitzen. Die HLA-Moleküle wiederum präsentieren den T-Zellen Teile von Krankheitserregern. Die T-Zellen erkennen daraufhin den Krankheitserreger und kurbeln eine Immunantwort gegen ihn an.

Die Münchner Forscher haben gezeigt: Die Risikovariante von HLA-C*06:02 präsentiert Teile von Molekülen, die die Melanozyten selbst produzieren und die von den T-Zellen erkannt werden. So nimmt das Übel seinen Lauf.

Prinz sieht einen „vollkommen unbekannten und unerwarteten autoimmunen Aktvierungsweg bei der Psoriasis” – für ihn eine „bahnbrechende Entdeckung“. Denn erstmals sei ein Krankheitsmechanismus für eine Autoimmunerkrankung derart umfassend aufgeklärt worden – beispielhaft für die Erforschung anderer entsprechender Leiden.

Die Aufklärung der Psoriasis als T-Zell-vermittelte Autoimmunreaktion gegen Melanozyten bietet den Patienten „nun erstmalig eine Rationale zur Erklärung ihres Krankheitsbildes“. 

Hierdurch, so hofft Prinz, würden sich auch die soziale Wahrnehmung der Psoriasis verändern und die hiermit verbundenen Unsicherheiten und ablehnenden Reaktionen vermindern. Jörg Prinz: „Das sollte die soziale Akzeptanz und persönliche Selbstwahrnehmung von Patienten mit Psoriasis erheblich verbessern.”

Literatur:
Melanocyte antigen triggers autoimmunity in human psoriasis
J. Exp. Med. 2015, Vol. 212, Nr. 13, 2203-2212
www.jem.org/cgi/doi/10.1084/jem.20151093

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Univ.-Prof. Dr. Jörg C. Prinz
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Philipp Kressirer Klinikum der Universität München

Biologische neuronale Netzwerke (BNN): Alzheimer oder Chorea Huntington

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Angriff auf die Netzwerke im Gehirn

Was das Trennen von Verbindungen in neuronalen Netzen über deren Dynamik aussagt 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Private Versicherte   

Was passiert, wenn 90 Prozent der Verbindungen in einem neuronalen Netzwerk getrennt werden? 

„Nicht viel, solange die wichtigsten intakt bleiben“, sagt Simachew Abebe Mengiste. In seiner Publikation „Effect of edge pruning on structural controllability and observability of complex networks”, erschienen in „Scientific Reports“, einem Online-Magazin der Zeitschrift „Nature“, befasst sich der Doktorand des Bernstein Centers Freiburg (BCF) damit, was beim Angriff auf ein komplexes Netzwerk geschieht, indem er systematisch Verbindungen trennt.

Seine Erkenntnisse könnten helfen, die Mechanismen hinter neurodegenerativen Krankheiten sowie das Verhalten komplexer Netzwerke besser zu verstehen.



Bildunterschrift siehe Text.


Grafik: Kiyoshi Takahase Segundo / ktsimage / www.stockami.com
Wie in einem Straßennetz können in einem neuronalen Netzwerk bis zu 90
Prozent aller Verbindungen unterbrochen werden – und trotzdem kann die
essentielle Netzwerkfunktion sichergestellt werden, solange die kritischen
Verbindungen intakt bleiben.

Netzwerke wie das Elektrizitätsnetz oder das Internet bestimmen den Alltag. Biologische neuronale Netzwerke (BNN) sind das komplexeste Beispiel solch interaktiver Systeme.

  • Der Zustand der Nervenzellen im Gehirn, der Knotenpunkte des neuronalen Netzwerks, verändert sich im Lauf des Lebens stetig – auch im Hinblick auf das Muster ihrer Interaktionen über ihre Synapsen, die Kontaktstellen zwischen Neuronen. 
Mengiste erforscht, wie solche Systeme gesteuert und beobachtet werden können – insbesondere, wenn sie angegriffen werden, wie bei einer neurodegenerativen Erkrankung. Ziel ist es, jene Voraussetzungen zu verstehen, die für die strukturabhängige Steuerbarkeit eines Netzwerkes notwendig sind. „Steuerbarkeit bedeutet im Kontext dynamischer Systeme die Fähigkeit, ein Netzwerk aus seinem aktuellen in einen gewünschten Zustand zu überführen“, erläutert Mengiste.

Netzwerke sind in ihrer Struktur meist unbeständig. Darum besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich mit strukturellen Veränderungen auch die optimale Steuerungsstrategie ändert: „Betrachten wir zum Beispiel das Straßennetz in einer Stadt: Wenn Bauarbeiten stattfinden, müssen manche Straßen gesperrt werden. Dies ähnelt dem Kappen einer Verbindung in einem Netzwerk“, erklärt Mengiste. Um den Verkehrskollaps zu verhindern, sollten die Behörden sicherstellen, dass alle Stadtteile erreichbar bleiben. Darum sei es notwendig, die meistbefahrenen Straßen zu identifizieren und die Verkehrsführung anzupassen. „Mithilfe der strukturellen Steuerbarkeit können wir nicht nur die wichtigsten Verbindungen zwischen zwei Orten identifizieren, sondern auch berechnen, wie viele Straßen gesperrt werden könnten, während das Hauptnetzwerk trotzdem intakt bleibt.“

Wie die meisten Netzwerke in der Umwelt sind BNN im Hinblick auf das Kappen ihrer Verbindungen relativ widerstandsfähig.

Ist ihre Gesamtstruktur unbekannt, führt ein systematisches und progressives Unterbrechen von Verbindungen dazu, dass das Netzwerk seine Steuerung auf effiziente Art und Weise anpasst.

Ist die Netzwerkstruktur bekannt, kann Mengiste noch effizientere Strategien zur Unterbrechung von Verbindungen herleiten, die eine Steuerbarkeit entweder nicht beeinflussen oder das System lahmlegen können. „Die Erkenntnisse könnten dabei helfen, komplexe Netzwerke in ihrer Struktur zu erhalten und zu verstehen, die im Hinblick auf ihre kritischen Verbindungen empfindlich sind. Sie eröffnen zudem wirksame Angriffsstrategien auf schädliche Netzwerkdynamiken, wie sie bei der Verbreitung von Pandemien auftreten, indem sie zeigen, wie schädliche Strukturen effektiv vom System abgetrennt werden können.“

Diese Strategien könnten bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Chorea Huntington, die zu absterbenden Neuronen und dem Ausfall von Synapsen führen, zum Einsatz kommen.

„Bei solchen Krankheiten verkümmern die Netzwerkstrukturen bis zu einem Punkt, an dem die natürlichen Kompensationsmechanismen den Verlust an Neuronen und Synapsen nicht weiter ausgleichen können“, sagt Mengiste.

„Informationen können ihr Ziel nicht mehr erreichen.“ Darum sei es nützlich, die Steuerungsstrukturen angegriffener Netzwerke neu zu analysieren und aufzuzeigen, wo zusätzliches Eingreifen notwendig wird.

Originalveröffentlichung:
Mengiste SA, Aertsen A, Kumar A (2015) Effect of edge pruning on structural controllability and observability of complex networks. Scientific Reports, http://www.nature.com/articles/srep18145.


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Simachew Abebe Mengiste
Bernstein Center Freiburg
Albert-Ludwigs-Universität
E-Mail: simachew.mengiste@bcf.uni-freiburg.de

Michael Veit
Bernstein Center Freiburg
Albert-Ludwigs-Universität
Tel.: 0761/203-9322
E-Mail: michael.veit@bcf.uni-freiburg.de
Rudolf-Werner Dreier Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Mers-Virus - Überträger der Infektionskrankheit auf den Menschen

Medizin am Abend Berlin:   Strategie gegen Mers-Seuche – Kamel-Impfstoff wirksam

Ein deutsch-niederländisches Forscherteam hat Dromedare gegen das Mers-Virus erfolgreich geimpft. Sie gelten als Überträger der Infektionskrankheit auf den Menschen.  

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Arzneimittel-Index 

  • Das Mers-Virus löst eine Erkrankung der Atemwege aus, die bei Menschen tödlich verlaufen kann. 
Als Überträger des Virus gelten Dromedare, einhöckrige Kamele. Forscher um Professor Dr. Albert Osterhaus von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, um Professor Dr. Gerd Sutter, Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und um Professor Dr. Bart L. Haagmans vom Erasmus Medical Center (MC) in Rotterdam haben ihren Impfstoffkandidaten MVA-MERS-S nun erfolgreich an Dromedaren getestet. „Wir haben zum ersten Mal gezeigt, dass durch unseren Impfstoff die Viruslast in Kamelen signifikant reduziert wird“, sagt Gerd Sutter. Die Ergebnisse veröffentlicht das Forscherteam im renommierten Magazin Science.


Dromedare gelten als Überträger des MERS-Virus. Das Virus löst eine Erkrankung der Atemwege aus, die bei Menschen tödlich verlaufen kann.

Dromedare gelten als Überträger des MERS-Virus. Das Virus löst eine Erkrankung der Atemwege aus, die bei Menschen tödlich verlaufen kann. Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Der Impfstoffkandidat MVA-MERS-S wurde von Gerd Sutter bereits vor zwei Jahren entwickelt. Der Virologe hat in Zusammenarbeit mit Forschern der Philipps-Universität Marburg und des Erasmus MC ein Mers-Gen in ein abgeschwächtes Pockenvirus (MVA) geschleust und so ein Impfvirus hergestellt. Die Wirksamkeit von MVA-MERS-S wurde in den vergangenen Jahren bereits in mehreren Tests nachgewiesen. In der aktuellen Untersuchung wurde der Impfstoff erstmals an Kamelen getestet.

Impfstoff schützt vor zwei Krankheiten
Das Mers-Virus wurde 2012 in Saudi-Arabien identifiziert, bislang wurden weltweit 1.400 Infektionen bei Menschen gemeldet, wovon etwa ein Drittel einen tödlichen Verlauf nahm. Eigentlich befällt das Virus Dromedare, wie Untersuchungen zeigen. In den Tieren wurden unter anderem Antikörper gegen das Virus nachgewiesen. Die Infektion verläuft bei den Tieren unauffällig, doch offenbar sind sie die Quelle für die menschlichen Infektionen.

 Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich.

Eine hochwirksame Impfung der Tiere gilt als ideale Strategie gegen das Mers-Virus: Sie würde ihm seinen Wirt nehmen, die Krankheit könnte nicht mehr zum Menschen überspringen, so die Überlegung, und die Gefahr einer Seuche wäre gebannt.

Der Impfstoff aus dem Labor von Gerd Sutter bietet einen weiteren Vorteil: „MVA-MERS-S schützt zugleich gegen die Pockenerkrankung bei Kamelen, einer den Menschenpocken sehr ähnlichen Infektion, die für die Tiere lebensgefährlich sein kann“, sagt Bart L. Haagmans vom Erasmus MC.

Bei Kamelen äußert sich eine Infektion mit dem Mers-Virus vor allem in den oberen Atemwegen. In der aktuellen Studie haben die Forscher acht Kamele gezielt mit dem Erreger angesteckt. Die eine Gruppe wurde drei Wochen zuvor sowohl intranasal als auch intramuskulär mit MVA-MERS-S geimpft. „Durch die Impfung hatten die Tiere bereits ausreichend Antikörper entwickelt, sodass eine Virusvermehrung und Erkrankung geblockt werden konnten“, sagt Dr. Asisa Volz von der LMU. Die Antikörper konnten sowohl in der Nasenschleimhaut als auch im Blut der Tiere nachgewiesen werden. Die nicht-geimpften Tiere entwickelten dagegen die typische Nasen- und Nasennebenhöhleninfektion mit Symptomen wie bei einem kräftigen Schnupfen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Impfung mit MVA-MERS-S die Anzahl ansteckender Mers-Erreger in der Nasenschleimhaut von Kamelen deutlich reduziert“, sagt Albert Osterhaus von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Klinischer Test am Menschen in Vorbereitung

MVA-MERS-S gilt auch als Impfstoffkandidat für Menschen. Nach mehreren Tests erfüllt MVA-MERS-S inzwischen bereits wichtige Voraussetzungen, um im Rahmen einer klinischen Studie erstmals am Menschen getestet zu werden. Gerd Sutter leitet dafür am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung das Projekt „GMP manufacture and Phase I clinical investigation of MVA-MERS-S, an experimental prophylactic vaccine against the Middle East Respiratory Virus Syndrome“.

Bislang gibt es noch keinen Impfstoff, der Menschen im Fall einer größeren Ansteckungswelle schützen könnte.

In Südkorea erkrankten im Frühsommer dieses Jahres mehr als 180 Menschen. Der Ausbruch ging auf einen einzelnen Patienten zurück, der zuvor arabische Länder bereist hatte.

  • Alle bisher bestätigten Infektionen hängen direkt oder indirekt mit der arabischen Halbinsel zusammen, daher heißt das Virus „Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus“ (MERS-CoV). 
  • In Deutschland gab es bislang drei Patienten mit einer Mers-Infektionen, die sich zuvor im saudi-arabischen Raum angesteckt hatten.

Die Originalpublikation

An orthopoxvirus-based vaccine reduces virus excretion after MERS coronavirus infection in dromedary camels
Bart L. Haagmans, Judith M.A. van den Brand, V. Stalin Raj, Asisa Volz, Peter Wohlsein, Saskia L. Smits, Debby Schipper, Theo M. Bestebroer, Nisreen Okba, Robert Fux, Albert Bensaid, David Solanes Foz, Thijs Kuiken, Wolfgang Baumgärtner, Joaquim Segalés Coma, Gerd Sutter, Albert D.M.E. Osterhaus
Science, DOI: 10.1126/science.aad1283

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Professor Dr. Albert Osterhaus
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Research Center for Emerging Infections and Zoonoses
Tel.: +49 511 953-6140
albert.osterhaus@tiho-hannover.de

Professor Dr. Gerd Sutter
Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München
Lehrstuhlinhaber Virologie
Tel.: +49 89 2180 2514
gerd.sutter@lmu.de

Professor Dr. Wolfgang Baumgärtner, PhD
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
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Tel.: +49 511 953-8620
wolfgang.baumgaertner@tiho-hannover.de
Sonja von Brethorst Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

360° TOP-TagesThema: Warum reißen Achillessehnen?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Dissertation erforscht Gründe für Achillessehnenrupturen

In den vergangenen Jahren ist eine Zunahme von Achillessehnenverletzungen feststellbar, obwohl diese die stärksten Sehnen des menschlichen Körpers sind. Eine Ursache dafür ist die ungleichmäßige Belastung der Achillessehne durch schräge Fußhaltung, aber auch hohe gleichmäßige Belastung kann zu Problemen führen. 

Die Dissertation, die M. Eng. Majid Kardeh vom Fachbereich Informatik und Ingenieurswissenschaften der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) vorgelegt hat, beschäftigt sich mit einer „Methode zur Beurteilung des Achillessehnenruptur-Risikos auf Basis bildgebender Verfahren und der Finite Elemente-Methode“. 
 
Kardeh entwickelte ein virtuelles Verfahren, das die Belastung der Achillessehne unter verschiedenen Bedingungen simuliert und Schwachstellen erkennt.


 Majid Kardeh von Frankfurt UAS entwickelte ein virtuelles Verfahren, das die Belastung der Achillessehne unter verschiedenen Bedingungen simuliert und Schwachstellen erkennt.
Quelle: Privat

„Unter Berücksichtigung von Majid Kardehs Erkenntnissen können künftig vorbeugende Maßnahmen bei der Entwicklung von Schuhen getroffen werden, die dem Risiko einer Achillessehnenruptur entgegenwirken“, ordnet der Betreuer Prof. Dr.-Ing. Gerhard Silber von der Frankfurt UAS die Bedeutung der Dissertation ein. „Das Potenzial des genutzten Verfahrens liegt in der Entwicklung und Optimierung von Schuhen am Computer, die sowohl im Komfort als auch im Schutz besonders gefährdeter Muskeln und Sehnen verbessert werden können.“ Die Arbeit wurde in enger Kooperation mit Prof. Dr. Dr. med. Thomas J. Vogl vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main verfasst. Die radiologischen Aufgaben beinhalteten insbesondere die Entwicklung und Analyse spezifischer Magnetresonanztomographie-Sequenzen zur Bildgebung.

In das Forschungsförderungsprogramm LOEWE (Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz) war der Fachbereich Informatik und Ingenieurwissenschaften der Frankfurt UAS im Rahmen des Schwerpunktes „Präventive Biomechanik – PräBionik“ eingebunden. Kardeh entwickelte innerhalb dieses Schwerpunktes eine Methode, welche die Interaktion von Fuß, Schuh und Untergrund simuliert. Gleichzeitig zeigt sie die Belastungen der jeweiligen Weichgewebe im Fuß auf. Mit Hilfe dieser Methode untersuchte Kardeh die besonderen Anforderungen an die Achillessehne bei verschiedenen Fußstellungen. Dabei wurden auch unterschiedliche Konstellationen der drei Parameter Fuß, Schuh und Untergrund überprüft.

Das virtuelle Verfahren ermöglicht die genaue Darstellung der inneren Belastung der Achillessehne in verschiedenen Szenarien. Die Beine von Versuchsteilnehmer(-inne)n wurden mittels des Magnetresonanztomographie-Verfahrens digitalisiert und die mechanischen Eigenschaften des Weichgewebes durch Versuche, die das hyperelastische Verhalten von Materialien ermitteln, identifiziert. In Kombination mit Laufanalysen konnten mittels eines Mehrkörpersystems, das die Berechnung der Bewegung verschiedener Körper in einem System ermöglicht, die erforderlichen Muskelkräfte für das virtuelle Modell ermittelt werden.

  • Kardeh kommt zu dem Ergebnis, dass die größte Spannung und Dehnung der Achillessehne beim Laufen in neutraler Fußhaltung im Bereich der Achillessehnentaille besteht
  • Diese Stelle wird auch als „kritische Stelle“ bezeichnet, da 80 % aller Achillessehnenrisse in diesem Bereich auftreten. Bei einer ungleichmäßigen bzw. asymmetrischen Belastung der Achillessehne ist je nach Art der Asymmetrie der innere – bei einer Eversion – oder der äußere – bei einer Inversion – Teil der Sehne stärker gefährdet. 
  • Bei einer Inversion ist das Risiko für eine Ruptur insgesamt höher als bei einer Eversion.
Kardeh hat sein Diplom in Maschinenbau und auch seinen Master in Automotive Engineering an der Frankfurt UAS absolviert. Er ist seit 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Materialwissenschaften und Lehrender am Fachbereich Informatik und Ingenieurswissenschaften. Seine kooperative Promotion in theoretischer Medizin schloss er im November 2015 an der Goethe-Universität Frankfurt erfolgreich ab. Sie wurde von zwei Gutachtern betreut: Prof. Dr.-Ing. Gerhard Silber ist Professor am Fachbereich Informatik und Ingenieurwissenschaften der Frankfurt UAS und Direktor des Instituts für Materialwissenschaften; Prof. Dr. Dr. med. Thomas J. Vogl ist Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Bereits 2012 befasste sich Christophe Then von der Frankfurt UAS in seiner Dissertation im LOEWE-Schwerpunkt „Präventive Biomechanik – PräBionik“ mit einem besseren Verständnis der biomechanischen Vorgänge bei Liegegeschwüren und zeigte Möglichkeiten zu ihrer Vermeidung auf. Der Titel der von Then in englischer Sprache verfassten Dissertation lautete: „Application of the Finite Element Method to Optimize Interaction of Human Soft Tissue and Soft Polymeric Foam Supports”.

Die Frankfurt UAS, die Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Philipps-Universität Marburg und die Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach wurden für ihre gemeinsame Forschung im biomechanischen Bereich von 2010 bis 2013 mit rund 3,8 Millionen Euro aus dem LOEWE-Programm gefördert. Konsortialführer des LOEWE-Schwerpunkts war Prof. Dr.-Ing. Gerhard Silber, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Materialwissenschaften (IfM) der Frankfurt UAS.

Das Institut für Materialwissenschaften (IfM) ist als Forschungsschwerpunkt an der Frankfurt UAS am Fachbereich Informatik und Ingenieurwissenschaften angesiedelt und widmet sich den Materialwissenschaften, der Biomedizin und der Biomechanik. Das Institut setzt sich aus den Laboren für Materialwissenschaft, Kunststoff und Kautschuk, Werkstoffe und für Computeralgebra zusammen. Geschäftsführender Direktor des Instituts ist Prof. Dr.-Ing. Gerhard Silber.


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Frankfurt University of Applied Sciences
Institut für Materialwissenschaften (IfM)
Prof. Dr.-Ing. Gerhard Silber
Telefon: 069/1533-3035
E-Mail: silber@fb2.fra-uas.de
Nicola Veith Frankfurt University of Applied Sciences


Weitere Informationen unter: http://www.frankfurt-university.de/ifm

Reizdarmpatienten: Besonders sensiblen und leicht reizbaren Darm? Nein - wirklich....!

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Reizloser Reizdarm: Darmnerven von Reizdarmpatienten sind wenig sensibel

Erstmals wurde an Biopsien von Reizdarmpatienten nachgewiesen, dass die Nerven ihrer Darmwand kaum auf einen Entzündungscocktail reagieren. Dies widerlegt die bisherige These, Reizdarmpatienten hätten einen besonders sensiblen und leicht reizbaren Darm. Die neue Studie von TUM-Wissenschaftlern ist in Kooperation mit mehreren deutschen Kliniken entstanden. 
 
Das Reizdarmsyndrom quält rund zehn bis 15 Prozent der Menschen in den Industrieländern. 
  • Die Erkrankung geht mit typischen Symptomen wie Bauchweh, Blähungen oder Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang einher. 
Lange war gemutmaßt worden, dass es eine psychosomatische Störung ist, die vor allem durch Stress ausgelöst wird. Eine eindeutige Therapie für betroffene Patienten gibt es bislang nicht, lediglich für einzelne Symptome. Unumstritten ist inzwischen jedoch, dass es sich um eine organische Erkrankung handelt. Die vielfältigen Ursachen sind allerdings mit heutigen Messmethoden im Praxisalltag noch nicht nachweisbar ist. Eine neue Studie – veröffentlicht in „Frontiers in Neuroscience“ – belegt nun erstmals, dass es zu messbaren Veränderungen an den Nerven der Darmwand von Reizdarmpatienten kommt.

Nervensensibilisierung kann ausgeschlossen werden

„Eine mögliche Ursache der Symptome bei einer Gruppe von Reizdarmpatienten ist eine erhöhte Ausschüttung von Botenstoffen“, sagt Professor Michael Schemann vom TUM-Lehrstuhl für Humanbiologie. „Die unter anderem bei entzündlichen Prozessen eine Rolle spielen.“ Basierend auf früheren, eigenen Studien postulierten die TUM Forscher daher eine Sensibilisierung der Nerven in der Darmwand von Reizdarmpatienten. Die Forscher haben deshalb die Reaktion an Biopsien von Reizdarmpatienten sowie gesunden Probanden einerseits auf elektrische Stimulation sowie auf Nikotin überprüft. Beides sind etablierte Methoden, um die Ansprechbarkeit der Darmnerven zu testen: 
  • Elektrische Stimulation führt zur synaptischen Übertragung, während Nikotin direkt die Darmnerven aktiviert
Erstaunlicherweise reagierten bei diesen Tests die Nerven beider Gruppen vergleichbar, so dass eine generelle Nervensensibilisierung ausgeschlossen werden kann.

Verblüffendes Ergebnis: Ein Reizdarm ist wenig sensibel

Andererseits wurde ein Entzündungscocktail mit Histamin, Proteasen, Serotonin und TNF-alpha verabreicht, um das Milieu in der Darmwand der Reizdarmpatienten zu simulieren und die Reaktion darauf zu untersuchen. Diese Tests förderten verblüffende Ergebnisse zutage: 
  • „Genau das Gegenteil unserer anfänglichen Vermutung war der Fall: Die Nerven der Reizdarmpatienten haben signifikant schwächer auf die von uns verabreichten Cocktails reagiert als die Biopsien der gesunden Probanden“, sagt Professor Schemann. „Die Darmwand dieser Patienten ist offenbar desensibilisiert durch eine ursprünglich zu starke Aktivierung. Das kann eine Schutzmaßnahme sein, um eine Überreizung zu vermeiden.“
Um diese Schlussfolgerung zu verifizieren, wurden Darmnerven für mehrere Stunden einer Reizung ausgesetzt. Das Ergebnis: „Sind die Nerven die ganze Zeit gereizt, regeln sie die Reaktion quasi herunter“, erklärt Schemann, der seit Jahren das Reizdarmsyndrom erforscht und betont, dass dies aufwändige experimentelle Untersuchungen seien, weit entfernt von Routine-Diagnosemethoden. „Es bleibt offen, wie die beobachtete Desensibilisierung der Nerven auf ganz bestimmte Botenstoffe die eigentlichen Symptome verursacht und ob dieses Phänomen neue Therapieoptionen eröffnet“.

Zwar beweisen die Untersuchungen eine verminderte Reaktion auf einen Entzündungscocktail, schließen aber eine mögliche Sensibilisierung durch andere Stoffe nicht aus.
Die Studie wurde möglich durch die Mitarbeit der Teams von Professor Ewert Schulte-Frohlinde vom Klinikum Freising, Professor Christian Pehl vom Krankenhaus Vilsbiburg, Professor Manfred Kurjak der Gastroenterologischen Fachpraxis in München, Professor Thomas Frieling vom Helios Klinikum Krefeld und Professor Paul Enck vom Universitätsklinikum Tübingen.

Publikation:

Reduced responses of submucous neurons from irritable bowel syndrome patients to a cocktail containing histamine, serotonin, TNF and tryptase (IBS-cocktail). Front. Neurosci. Nov. 2015
doi: 10.3389/fnins.2015.00465

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Prof. Dr. Michael Schemann
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Lehrstuhl für Humanbiologie
Tel: +49 (0)8161/ 71-5483
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Dr. Ulrich Marsch Technische Universität München

Schilddrüsenerkrankung: Die Hormonfabrik - TSH

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Regulierung der Hormonproduktion in der Schilddrüse

Obwohl Schilddrüsenerkrankungen in der Bevölkerung sehr häufig vorkommen, konnte die Wissenschaft bisher eine grundlegende Frage dazu nicht ausreichend beantworten: 

Wie wird die Produktion von Hormonen in der Schilddrüse eigentlich molekular reguliert? 

Wissenschaftler der Universität Leipzig haben nun unter der Leitung von Prof. Dr. Torsten Schöneberg in einer Studie wichtige Erkenntnisse über diesen Prozess gewonnen und sie in dieser Woche im Fachblatt "The Journal of Biological Chemistry" veröffentlicht. 

Die Resultate ihrer Arbeit liefern auch neue Ansätze, wie Erkrankungen der Schilddrüse und auch anderer, ähnlich funktionierender Drüsen therapiert werden könnten. 
 
Millionen Menschen in aller Welt sind von Schilddrüsenerkrankungen betroffen. Zu den bekanntesten gehören die Schilddrüsenüberfunktion, wie bei der Basedow Erkrankung, und die Schilddrüsenunterfunktion mit Kropfbildung.

Sehr viele Menschen mit Schilddrüsenfunktionsstörungen wissen nicht einmal davon, jedoch können diese für Herzrhythmusstörungen, Gewichtsprobleme, Unfruchtbarkeit (Infertilität) und psychische Störungen verantwortlich sein. 
  • Deshalb werden auch Neugeborene routinemäßig auf Schilddrüsenfunktionsstörungen untersucht.
Die Schilddrüse ist eine Hormonfabrik, die unter normalen Bedingungen durch das Schilddrüsen-stimulierende Hormon TSH reguliert wird.

TSH bindet an einen speziellen Rezeptor, den TSH-Rezeptor, der sich an der Oberfläche von Schilddrüsenzellen befindet. 
  • Dieses TSH-Signal führt zu einer Produktion und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen, genannt Thyroxin und Triiodthyronin. 
  • Diese beiden Hormone sind für nahezu alle Prozesse im Körper - Stoffwechsel, Entwicklung und Wachstum, Reproduktion - essentiell. 
Manchmal jedoch können auch Autoantikörper oder Mutationen, die die gleiche Wirkung auf den TSH-Rezeptor haben, die Schilddrüse unkontrolliert aktivieren. Dies führt dann zu einer übermäßigen Hormonproduktion mit zum Teil fatalen Folgen für den Gesamtorganismus.
Ein Wissenschaftlerteam vom Institut für Biochemie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig widmete sich nun der Frage, wie TSH, Autoantikörper und Mutationen unabhängig voneinander die gleiche aktivierende Wirkung auf die Schilddrüse haben können. Die Antwort dafür lag im TSH-Rezeptor selbst.

"Wir fanden eine kurze Peptidsequenz - wir nennen diese p10, da sie aus zehn Aminosäuren besteht - innerhalb des TSH-Rezeptors. Bei Bindung des TSH oder von Autoantikörpern funktioniert diese interne Sequenz als Aktivator für den Rezeptor. Der Rezeptor schaltet sich also selber an, wenn TSH, ein Autoantikörper oder eine Mutation ihn dazu bewegen", sagt Studienleiter Schöneberg. "Bei den meisten anderen Hormon-Rezeptorsystemen im Körper aktiviert das Hormon den Rezeptor direkt", erklärt die Nachwuchswissenschaftlerin und Erstautorin der Arbeit, Antje Brüser.

Diese neu gewonnenen Informationen über den Mechanismus des An- und Ausschaltens dieser Rezeptorfamilie können Wissenschaftler nutzen, um gezielt therapeutische Substanzen zu entwickeln.

  • "Zum Beispiel ist es uns gelungen, mit modifizierten p10 Peptiden die Aktivierung des TSH-Rezeptors durch Autoantikörper zu blockieren. 
Auch wenn man diese Peptide noch nicht therapeutisch einsetzen kann, so zeigen sie, dass es prinzipiell möglich ist, solche Rezeptorfehlfunktionen direkt zu beeinflussen", erläutert Schöneberg. Diese Ergebnisse eröffnen nun die Möglichkeit zur Entwicklung von Pharmaka, die bei Schilddrüsenerkrankungen und Fertilitätsstörungen ihren Einsatz finden könnten.

Originaltitel der Veröffentlichung in "The Journal of Biological Chemistry":

"The Activation Mechanism of Glycoprotein Hormone Receptors with Implications in the Cause and Therapy of Endocrine Diseases" doi: 10.1074/jbc.M115.701102

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Prof. Dr. Torsten Schöneberg
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Susann Huster Universität Leipzig


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Multiorganerkrankung: Präeklampsie + Schwangerschaftsvergiftung: Proteine sFlt-1/PlGF Quotient - Serumtest bitte!

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Durchbruch bei der Früherkennung von Schwangerschaftsvergiftung

Gefährliche Präeklampsie und ihre Folgen vermeiden 
 
Eine internationale Multicenterstudie konnte jetzt zeigen, dass das Verhältnis bestimmter Botenstoffe im Blut von Schwangeren eine Präeklampsie zuverlässig ausschließen und drohende Komplikationen vorhersagen kann.

Die Studie ist unter maßgeblicher Beteiligung von Geburtsmedizinern der Charité – Universitätsmedizin Berlin entstanden. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des New England Journal of Medicine* erschienen.

Die Ursachen einer Präeklampsie, umgangssprachlich auch Schwangerschaftsvergiftung genannt, sind bislang nicht vollständig geklärt. 
  • Doch die Multiorganerkrankung zählt heute zu den Hauptursachen für Komplikationen während der zweiten Schwangerschaftshälfte. 
  • Bei zwei bis fünf Prozent aller werdenden Mütter tritt diese Erkrankung mit den typischen Merkmalen Bluthochdruck und einer erhöhten Ausscheidung von Eiweiß im Urin auf. Da eine Präeklampsie häufig zu spät erkannt wird, kann sie im schlimmsten Fall zum Tod von Mutter und Kind führen.
  • Bisher konnten ein erhöhter Blutdruck und Eiweißausscheidungen im Urin die Erkrankung und die dadurch bedingten Komplikationen nur ungenau vorhersagen. 

In der PROGNOSIS-Studie** ist es den Forschern gelungen, einen sogenannten Trennwert für den sFlt-1/PlGF-Quotienten zu ermitteln, der die Erkrankung zuverlässig innerhalb einer Woche ausschließen und auch das Auftreten der Erkrankung und dadurch bedingter Komplikationen prognostizieren kann. 

Das Verhältnis der Proteine sFlt-1 und PlGF, die beide in der Plazenta produziert werden und im mütterlichen Blut zirkulieren, spielt eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung. 
Mit einem Serumtest kann dieser Quotient aus den beiden plazentaren Faktoren bestimmt werden und auch bei fehlenden Symptomen anzeigen, ob eine Frau eine Präeklampsie oder dadurch verursachte Komplikationen entwickeln wird. 
In der Multicenterstudie sind über tausend Schwangere untersucht worden, die ein hohes Risiko oder klinische Anzeichen für die Erkrankung hatten.
  • „Das Hauptproblem an der Präeklampsie ist, dass die Symptomatik häufig nicht eindeutig oder das klinische Bild unklar ist. 
Der sFlt-1/PlGF Quotient kann uns helfen, die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Erkrankung oder deren Verlauf besser einzuschätzen“, betont Privatdozent Dr. Stefan Verlohren von der Klinik für Geburtsmedizin der Charité und korrespondierender Autor der Studie. Er fügt hinzu:  

„So können wir vermeiden, dass eine Schwangere zu früh entbunden oder zu spät behandelt wird. Vor allem ist es jetzt möglich, die Erkrankung sicher für eine Woche auszuschließen und das trägt entscheidend zur Beruhigung der Patientinnen bei.“

An der Studie nahmen insgesamt 1.273 Schwangere mit Verdacht auf Präeklampsie aus 14 Ländern teil. Bei allen wurde der sFlt-1/PlGF-Quotient im Blut mittels eines Serumtests bestimmt. 

  • Bei einem Wert von unter 38 konnte eine Präeklampsie mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit innerhalb einer Woche ausgeschlossen werden. 
  • War der Wert von 38 überschritten, so betrug die Vorhersagewahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Präeklampsie innerhalb der nächsten vier Wochen 36,7 Prozent. 
  • Das Auftreten von mütterlichen oder kindlichen Komplikationen einer Präeklampsie innerhalb der nächsten vier Wochen konnte mit einer 65,5 prozentigen Genauigkeit vorhergesagt werden.

* Harald Zeisler, Elisa Llurba, Frederic Chantraine, Manu Vatish, Anne Cathrine Staff, Maria Sennström, Matts Olovsson, Shaun P. Brennecke, Holger Stepan, Deirdre Allegranza, Peter Dilba, Maria Schoedl, Martin Hund und Stefan Verlohren: Predictive Value of the sFlt-1/PlGF Ratio in Women with Suspected Preeclampsia. In: New England Journal of Medicine (NEJM).
2016;374:13-22. DOI:10.1056/NEJMoa1414838.

** PROGNOSIS: Prediction of short-term outcome in pregnant women with suspected preeclampsia study

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