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Entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems/Rückenmark/Gehirn

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Therapien für die Autoimmunerkrankung Neuromyelitis optica im Vergleich

In einer deutschlandweiten Studie haben Mediziner verschiedene Behandlungen der Neuromyelitis optica verglichen, einer entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. 

Die konventionelle Therapie mit Steroiden schnitt dabei nicht am besten ab. 

Das Team berichtet unter Leitung der Ruhr-Universität Bochum und der Medizinischen Hochschule Hannover in der Zeitschrift „Annals of Neurology“. 
 

In einer deutschlandweiten Studie haben Mediziner verschiedene Behandlungen der Neuromyelitis optica verglichen, einer entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Die konventionelle Therapie mit Steroiden schnitt dabei nicht am besten ab. Das Team berichtet unter Leitung der Ruhr-Universität Bochum und der Medizinischen Hochschule Hannover in der Zeitschrift „Annals of Neurology“.



Die Standorte der deutschlandweiten Neuromyelitis-Optica-Studiengruppe, kurz NEMOS gennant
Die Standorte der deutschlandweiten Neuromyelitis-Optica-Studiengruppe, kurz NEMOS gennant
© NEMOS-Netzwerk

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Rentenbericht 2015 


Schubförmiger Krankheitsverlauf

Die Neuromyelitis optica verläuft schubförmig.

Daten über die Behandlung von 871 Schüben von 185 Patientinnen und Patienten gingen in die Untersuchung ein. Sie wurden an verschiedenen Standorten der Neuromyelitis-Optica-Studiengruppe (NEMOS) gewonnen, einem Zusammenschluss von neurologischen Universitätskliniken und Versorgungskrankenhäusern. Prof. Dr. Ingo Kleiter von der Neurologischen Klinik der Ruhr-Universität am St. Josef Hospital und PD Dr. Corinna Trebst von der Klinik für Neurologie der Medizinischen Hochschule Hannover leiteten die Studie.

Konventionelle Therapie nicht am wirksamsten

Die Analyse bestätigte frühere Erkenntnisse, dass sich die Schubsymptome nur in einem Fünftel der Fälle komplett zurückbilden.

  • Insbesondere Entzündungen des Rückenmarks lassen sich schwer heilen. 

„Angesichts dieser schlechten Prognose ist eine möglichst frühzeitige und intensive Behandlung der Schübe wichtig“, sagt Prof. Dr. Ingo Kleiter.

  • Eine Kombination verschiedener Behandlungen ist dafür besser geeignet als einzelne Therapien, lautet ein Fazit der Studie. 

Bei Rückenmarksentzündungen erwies sich die konventionelle Therapie mit Steroidpräparaten als weniger wirksam als Blutwäscheverfahren. 

Für diese Austauschverfahren wird das Blut der Patienten ähnlich wie bei der Dialyse über Filter gereinigt und dem Patienten über eine Infusion wieder zugeführt, oder es wird durch Blutersatzmittel wie Albumin ersetzt.

Über die Krankheit

Die Neuromyelitis optica ist eine seltene Autoimmunerkrankung des Rückenmarks und Gehirns, die lange Zeit als Unterform der Multiplen Sklerose galt. Seit einigen Jahren ist bekannt, dass es bei der Krankheit zu einem Angriff der Immunzellen auf den Wasserkanal Aquaporin-4 der Gehirnzellen kommt.

Während der Schübe kommt es häufig zu einer Entzündung der Sehnerven oder des Rückenmarks. Langfristig können die Patienten daran erblinden oder schwere Behinderungen davontragen.

Titelaufnahme

I. Kleiter et al. on behalf of NEMOS (2015): Neuromyelitis optica: evaluation of 871 attacks and 1153 treatment courses. Annals of Neurology, DOI: 10.1002/ana.24554





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Prof. Dr. med. Ingo Kleiter
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Gesundheitsplanung mit dem Karriereziele 2016: Jeder dritte Deutsche möchte nach Feierabend besser abschalten

Medizin am Abend Berlin Fazit:   17 Prozent wollen effizienter arbeiten, 15 Prozent sind auf dem Sprung / Weniger Gehaltsforderungen als im Vorjahr

Mehr Gelassenheit und eine stärkere Abgrenzung zwischen Beruflichem und Privatem sind die Top-Ziele der deutschen Arbeitnehmer für das kommende Jahr 2016. Mehr als ein Drittel der Deutschen haben sich zum Ziel gesetzt, nach Feierabend besser abzuschalten, um sich ihrem Privatleben widmen zu können. Mehr Gelassenheit im Job nehmen sich 32 Prozent vor. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie "Karriereziele 2016" des Personaldienstleisters ManpowerGroup Deutschland. Hierfür wurden 1.004 Deutsche ab 18 Jahren zu ihren beruflichen Vorsätzen und Karrierewünschen befragt.

Medizin am Abend Berlin Zusatzlink: StudienErgebnisse  


Auf Platz drei der guten Karrierevorsätze folgt eine erstaunlich ehrgeizige Antwort: 17 Prozent haben sich selbst zum Ziel gesetzt, effizienter zu arbeiten. "Die zunehmende Komplexität am Arbeitsplatz erfordert neue und effizientere Arbeitsweisen. Mitarbeiter erkennen, dass sie mit Hilfe von Flexibilität und neuen Technologien ihre Arbeit besser erledigen können, ohne dafür das Privatleben zu opfern", sagt Herwarth Brune, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland. Wunschlos glücklich und ohne gute Karrierevorsätze ist nur noch etwa jeder zehnte Deutsche (elf Prozent). Das waren vor drei Jahren noch 19 Prozent. Die Ansprüche der Arbeitnehmer an ihr Arbeitsumfeld und ihre berufliche Entwicklung sind gestiegen. Einen Jobwechsel zu einem neuen Arbeitgeber planen wie in den Vorjahren 15 Prozent der Befragten. Innerhalb des Unternehmens wollen weitere fünf Prozent die Position wechseln.

Auch Arbeitgeber bekommen To-do-Liste

An den Arbeitgeber stellen die Bundesbürger ebenfalls Forderungen: 45 Prozent fordern mehr Gehalt. Dieser Anteil ist innerhalb eines Jahres um sechs Prozentpunkte gesunken. "Das Gehalt ist nicht mehr das Maß aller Dinge, es zählen viele weitere Faktoren", sagt Brune. So wünscht sich jeder vierte Angestellte mehr Wertschätzung für seine Leistungen. 20 Prozent würden ihre Arbeitszeit gern selbstständig einteilen dürfen. Gesunken sind die Wünsche, vielseitigere Aufgaben zu erhalten (17 Prozent im Vergleich zu 21 Prozent im Vorjahr) sowie mehr Verantwortung übertragen zu bekommen (neun Prozent, vorher 14 Prozent). "Zu mehr Leistungen sind die Arbeitnehmer nur bereit, wenn das Gesamtpaket stimmt und sie in ihrer Entwicklung gefördert werden", sagt der Deutschland-Chef des Workforce Solutions Anbieters. So wünschen sich 18 Prozent der Angestellten, ihre Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern, 13 Prozent wollen mehr IT-Know-how erwerben und neun Prozent haben Interesse an einem Coaching in sozialen Kompetenzen. "Wünsche nach Qualifizierung sollten die Arbeitgeber erfüllen, zum Beispiel auch mit Kooperationspartnern. Für Unternehmen gibt es doch nichts Besseres als motivierte Mitarbeiter, die ihre Fähigkeiten erweitern", so Brune. Die ManpowerGroup stellt ihren Mitarbeitern ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm zur Verfügung.

Die Top 15 der Karriereziele für 2016 

   1.  Nach Feierabend besser abschalten (36 %)
   2.  Die Arbeit lockerer sehen (32 %)
   3.  Effizienter arbeiten (17 %)
   4.  Weniger arbeiten, z.B. Stunden reduzieren, um mehr Freizeit zu
       haben (15 %)
   5.  Sich bei einem anderen Arbeitgeber bewerben (15 %)
   6.  Besser mit den Kollegen zusammenarbeiten (12 %)
   7.  Die eigenen Kompetenzen selbstbewusster präsentieren (12 %)
   8.  Sich stärker im Job engagieren (11 %)
   9.  Mehr Zeit in die Karriere investieren (10 %)
   10. Studium oder Ausbildung beginnen bzw. fortzuführen (10 %)
   11. Mehr Networking zu betreiben (9 %)
   12. Weiterbildung bzw. neben dem Job weiterzubilden (9 %)
   13. Um eine Beförderung bemühen (7 %)
   14. Berufliche Auszeit / Sabbatical zu nehmen (5 %)
   15. Innerhalb des Unternehmens Position wechseln (5 %) 

Hintergrundinformation 

Die Studie "Karriereziele 2016" basiert auf einer Online-Befragung unter 1.004 Deutschen ab 18 Jahren. Sie wurde im Auftrag der ManpowerGroup Deutschland im November 2015 durchgeführt. Die Ergebnisse sind gewichtet und repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.



Über die ManpowerGroup
Die ManpowerGroup ist weltweit führend in der Bereitstellung innovativer Lösungen und Dienstleistungen, mit denen Unternehmen in der sich verändernden Welt der Arbeit erfolgreich sein können. Unter dem Dach der ManpowerGroup agieren in Deutschland an 160 Standorten die Gesellschaften Manpower, Experis, ManpowerGroup Solutions und Right Management. Zusammen mit den Joint Ventures Bankpower, AviationPower und Vivento Interim Services ist die Unternehmensgruppe Vorreiter in der Branchen- und Fachspezialisierung.
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Lungenerkrankung Primary Ciliary Dyskinesia, kurz PCD

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Erstes internationales Patientenregister für seltene Lungenerkrankung PCD online

Wissenschaftler um Prof. Heymut Omran von der Universität Münster haben das erste internationale Patientenregister für die seltene Lungenerkrankung PCD eingerichtet. Die Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse durch die Dokumentation möglichst vieler Fälle betroffener Patienten. 
 
Der erfolgreiche Online-Start des ersten internationalen Patientenregisters für die seltene Lungenerkrankung PCD durch ein internationales Wissenschaftlerteam um Prof. Heymut Omran von der Universität Münster eröffnet neue Heilungschancen.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: HIV positive Menschen  


  • Die Lungenerkrankung Primary Ciliary Dyskinesia, kurz PCD, verursacht lang anhaltende und immer wiederkehrende Atemwegsinfekte. 

Bislang steht keine erfolgreiche Therapie zur Behandlung der Erkrankung zur Verfügung, vor allem besteht keine Aussicht auf Heilung.

Trotz Fortschritten in der Erforschung der seltenen Erkrankung konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler viele Aspekte wie die unterschiedliche Symptomatik bei Patienten und die Auswirkungen einzelner therapeutischer Interventionen noch nicht vollständig verstehen. Zur Generierung grundlegend neuer Forschungserkenntnisse wird eine Vielzahl von dokumentierten Fällen benötigt. Patientenregister sind gerade bei seltenen Erkrankungen effektive Instrumente zur Dokumentation der gesundheitlichen Konstitution der betroffenen Patienten, des Krankheitsverlaufs und der Reaktion auf die angewandten Therapien.

PCD tritt bereits bei Kindern auf und wird durch einen Gendefekt ausgelöst. 

  • Die Flimmerhärchen in den Atemwegen, Nasennebenhöhlen und dem Mittelohr werden unbeweglich. In der Folge sammelt sich Schleim in diesen Organen an, der nicht abtransportiert werden kann. Es entstehen irreversible, sackförmige Bronchienweiterungen, die langfristig auch zu Lungenversagen führen können. 

In der aktuellen Studie, heute im European Respiratory Journal online publiziert, beschreiben Wissenschaftler, wie sie das neue Register als eine internationale Online-Plattform zur systematischen Dokumentation von PCD-Diagnosen, -Symptomen, -Therapien und -Krankheitsverläufen einsetzen. Die münstersche Arbeitsgruppe um Prof. Heymut Omran, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Münster (UKM), kooperierte eng mit international führenden Wissenschaftlern und Patientenorganisationen.

Bis heute wurden 201 Patienten nach ihrer Zustimmung im PCD-Register durch Gesundheitsexperten aufgenommen.

Dr. Claudius Werner, Erstautor der Studie am Universitätsklinikum Münster fasst die Erwartungen der Wissenschaftler zusammen: "PCD ist eine seltene, langsam die Atemwege zerstörende Erkrankung, bei der noch immer Unsicherheiten hinsichtlich der Diagnose und Therapie bestehen.

Wir glauben, das neue Online-Register wird das Verständnis dieser seltenen Erkrankung verbessern und uns helfen, Patienten für klinische Studien zu gewinnen, um schließlich die Heilungschancen von PCD zu steigern.“

Dr. Werner weiter: „Durch die Rekrutierung weiterer Referenzzentren werden wir mehr Patienten einbeziehen können, um damit die Basis für weitere wissenschaftliche Analysen zu schaffen. 

Wir planen auch, regionale Registrierungs-Koordinatoren zu etablieren, um den Forschungsstand breiter zu kommunizieren und den Patienten-Zugang aus Ländern außerhalb des Konsortiums zu erleichtern.“




Dr. Claudius Werner, Leiter des Bereichs Pädiatrische Pneumologie in der münsterschen Uniklinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie Erstautor der Publikation zum PCD-Online-Register

Dr. Claudius Werner, Leiter des Bereichs Pädiatrische Pneumologie in der münsterschen Uniklinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie Erstautor der Publikation zum PCD-Online-Register Foto: FZ


Originalpublikation:

Werner C. et al. (2015): An international registry for primary ciliary dyskinesia. European Respiratory Journal online; DOI: 10.1183/13993003.00776-2015

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Lebermetastasen von Patienten mit Dickdarmkrebs streuen

Medizin am Abend Berlin Fazit:   .....intakte Tumorzellen in die Blutbahn

Die Größe der durch einen Dickdarmkrebs gebildeten Lebermetastase ist dabei entscheidend für das Risiko, ob von dieser Metastase Tumorzellen in die Blutbahn gestreut werden, welche möglicherweise zu Fernmetastasen in weiteren Organen, wie zum Beispiel der Lunge führen können. 

Das spricht für eine besonders engmaschige Überwachung nach der Operation und gegebenenfalls eine Chemotherapie bei Patienten, denen große Metastasen chirurgisch entfernt wurden. 

Zu diesen Erkenntnissen kommt ein Forscherteam um die Dresdner Chirurgen PD Dr. Nuh Rahbari, Dr. Ulrich Bork und Dr. Sebastian Schölch von der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzfachThema: Elektronische Gesundheitskarte    

 

Die Studie, für die bei über 100 Patienten zirkulierende Tumorzellen in unterschiedlichen Blutkompartimenten intraoperativ untersucht wurden, fand unter der Leitung von Klinikdirektor Prof. Dr. Jürgen Weitz in Kooperation mit Heidelberger Kollegen der Klinischen Forschergruppe KFO 227 statt. Das angesehene Fach-Journal „Annals of Surgery” veröffentlichte die Studie vorab online.

Metastasen bilden die Todesursache Nummer eins beim Dickdarmkrebs. 

Das Verständnis der metastatischen Aktivität von Metastasen und welche Patienten ein hohes Risiko für die Verbreitung von Tumorzellen haben können, hat daher maßgeblichen Einfluss auf die individualisierte Krebsbehandlung in der Zukunft.

Durch Blutentnahmen während der Operation konnten die Dresdner Ärzte in ihrer aktuellen Studie die Anzahl von frei zirkulierenden Tumorzellen vor und nach dem Durchfluss der Leber in Pfortader und Lebervene ermitteln.

So konnten sie aufzeigen, dass die Lebermetastasen selbst intakte Tumorzellen freisetzen, die ihrerseits auch Fähigkeiten einer metastasierenden Tumorzelle besitzen, und somit möglicherweise zur weiteren Metastasierung des ursprünglichen Darmkrebses beitragen können. Dabei entdeckten die Wissenschaftler auch einen Zusammenhang zwischen der Größe der Metastasen und dem Nachweis freigesetzter Tumorzellen.

„Das spricht in unseren Augen für eine stärkere postoperative Überwachung von Patienten mit großen Lebermetastasen sowie – wegen des besonders hohen Risikos einer weiteren Streuung – gegebenenfalls für eine postoperative Chemotherapie“, unterstreicht Privatdozent Dr. Nuh Rahbari, Erstautor der Studie.

Die Forscher planen deshalb genau dazu Folgestudien, um einen Nachweis für den Vorteil von postoperativen Chemotherapien bei großen Lebertumoren zu erbringen und um zu untersuchen, ob bestimmte Operationstechniken das Risiko für weitere Metastasen bei diesen Patienten senken können.

Publikation
Rahbari NN, Bork U, Schölch S, Reissfelder C, Thorlund K, Betzler A, Kahlert C, Schneider M, Ulrich AB, Büchler MW, Weitz J, Koch M.: Metastatic Spread Emerging from Liver Metastases of Colorectal Cancer - Does the Seed Leave the Soil Again?; in: Annals of Surgery, 2015, Oct 22. [Epub ahead of print]

Privatdozent Dr. Nuh Rahbari, Arzt und Wissenschaftler an der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie.
Privatdozent Dr. Nuh Rahbari, Arzt und Wissenschaftler an der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie.
Foto: TU Dresden / Stephan Wiegand


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Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie
Privatdozent Dr. Nuh Nabi Rahbari
Tel.: +49 (0)351 458 19260
E-Mail: Nuh.Rahbari@uniklinikum-dresden.de
Holger Ostermeyer Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

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Laboruntersuchung für Schüler und Studenden: Vorhersage über Lernerfolge möglich

Medizin am Abend Berlin:  Neurotransmitter GABA sagt Lernerfolge vorher

In einer internationalen Kooperationsstudie mit der Johns Hopkins Universität in Baltimore haben Neurowissenschaftler der Ruhr-Universität untersucht, wie die Konzentration des Neurotransmitters GABA im Gehirn Lernprozesse beeinflusst.

Mithilfe der Magnetresonanzspektroskopie konnten sie zeigen, dass Lernerfolge durch das Basisniveau des Botenstoffes GABA vorhergesagt werden können. Das Fachjournal „Cerebral Cortex“ hat die Ergebnisse der Studie veröffentlicht. 
 
Botenstoff GABA spielt entscheidende Rolle in neuronaler Verarbeitung

  • Bei der Informationsverarbeitung im Gehirn kommunizieren die meisten Nervenzellen über chemische Botenstoffe, die sogenannten Neurotransmitter. 

Sie werden von den Synapsen der Nervenzellen entsendet und passen wie ein Schlüssel ins Schloss eines Rezeptors an der empfangenden Nervenzelle.

  • Dort erzeugen die Botenstoffe ein erregendes oder hemmendes Signal, das anschließend weiterverarbeitet wird. 
  • Der wichtigste hemmende Neurotransmitter im zentralen Nervensystem ist die γ-Aminobuttersäure, kurz GABA genannt. 

Studien zur synaptischen Plastizität, also zur Anpassungs- und Lernfähigkeit des Gehirns, haben gezeigt, dass GABA eine entscheidende Rolle bei der Regulierung neuronaler Erregung spielt.

Zusammen mit Wissenschaftlern an der Johns Hopkins University und des Kirby Center for Functional Brain Imaging in Baltimore, haben Forscher der Ruhr-Universität nun zum ersten Mal beim Menschen eine Verbindung zwischen sensorischen Lernerfolgen und dem Basisniveau der GABA-Konzentration nachgewiesen.

Passive Stimulation erzeugt Lernprozesse

Für ihre Forschung stützen sich die Neurowissenschaftler auf Erkenntnisse früherer Studien. Diese haben gezeigt, dass passive Stimulation, ähnlich wie aktives Training, Lernprozesse im Gehirn auslöst. Für ihre eigene Studie erzeugte das Forscher-Team bei einer Gruppe von Probanden über passive Stimulation der Fingerspitzen durch elektrische Impulse, eine Verbesserung des Tastsinnes. Durch die Passivität dieses Vorgangs konnten Lernprozesse im Gehirn und ihr Zusammenhang mit dem Botenstoff GABA unter Laborbedingungen beobachtet werden. Die Konzentration von GABA lässt sich dabei durch die Magnetresonanzspektroskopie bestimmen. Sie ermöglicht es den Wissenschaftlern, chemische Substanzen im Gewebe zu identifizieren und zu messen.

Vorhersage über Lernerfolge möglich

Die Messungen der interdisziplinären Arbeitsgruppe Neurowissenschaftliche Bildgebung am Bergmannsheil Universitätsklinikum, zeigen, dass sich die Konzentration von GABA im Laufe des Lernprozesses nicht ändert.

Vielmehr ist das Basisniveau des Neurotransmitters entscheidend dafür, wie erfolgreich der Lernprozess sein wird. 

  • „Neben anderen genetischen und anatomischen Faktoren, nimmt der Botenstoff GABA eine wichtige Rolle beim Lernen ein. Die Basiskonzentration dieses Neurotransmitters lässt uns vorhersagen, wie erfolgreich jemand lernen wird“, erklärt die Arbeitsgruppe. 

Kollaboration im DFG-geförderten Sonderforschungsbereich
Die Studie wurde, unter anderem, durch eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft für den Sonderforschungsbereich 874 „Integration und Repräsentation sensorischer Prozesse“ an der Ruhr-Universität Bochum ermöglicht. Sie ist das Ergebnis einer Kollaboration von Prof. Dr. Martin Tegenthoff, PD Hubert Dinse und Prof. Dr. Tobias Schmidt-Wilcke, die jeweils eigene Teilprojekte im SFB 874 leiten.

Titelaufnahme

Heba, S, Puts, N A J, Kalisch, T, Glaubitz, B, Haag, L M, Lenz, M, Dinse, H R, Edden, R A E, Tegenthoff, M, Schmidt-Wilcke, T (2015) Local GABA Concentration Predicts Perceptual Improvements After Repetitive Sensory Stimulation in Humans Cerebral Cortex doi: 10.1093/cercor/bhv296.

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Dr. Stefanie Heba
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Neurologische Klinik und Poliklinik
Forschungsgruppe Plastizität
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel: (0234) 302-3866
Stefanie.heba@rub.de
Annegret Kalus Ruhr-Universität Bochum

Studierenden mit einer diagnostizierten psychischen Erkrankung und einer ärztlichen Verschreibung

Medizin am Abend Berlin Fazi:  Hirndoping ist bei Schweizer Studierenden unbeliebt

In der Schweiz wird ehrlich studiert: Die überwiegende Mehrheit der befragten Studierenden sprachen sich gegen pharmazeutische kognitive Leistungssteigerung aus. Dennoch sollte das Thema von den Universitäten aktiver behandelt werden, fordert die im Wissenschaftsjournal Plos One veröffentlichte Studie. 
 
Kognitive Leistungssteigerung durch Arzneimittel ist unfair – diese Meinung vertreten 70% der Studierenden in der Schweiz. In einer Studie mit über 3000 Teilnehmenden erforschte das Team von Prof. Matthias Liechti vom Universitätsspital Basel in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung der Universität Zürich die Haltung von Hochschülern zum Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten.
Ritalin versus Energydrinks


Der Fragebogen, der von Studierenden der Universitäten Basel und Zürich und der ETH Zürich beantwortet wurde, fragte nach Gebrauch und Einstellung zu Substanzen wie Ritalin, Antidepressiva, dem gegen Schlafkrankheiten eingesetzten Modasomil und Betablockern sowie einer Vielzahl an Freizeitdrogen.

22% der Befragten gaben an, mindestens einmal einen der genannten Stoffe zum effektiveren Lernen benutzt zu haben.

  • Studierende, die Erfahrung mit Leistungssteigerung durch Arznei hatten, bewerteten die Nutzung denn auch deutlich wohlwollender (24% halten sie für fair), als solche ohne (11%).


Unfair und unsicher

  • Ein Grossteil der Teilnehmenden drückte Bedenken hinsichtlich Risiken und Nebenwirkungen der Arzneimittel aus. 
  • Ebenfalls zeigten sich viele besorgt, dass bei verbreitetem Gebrauch Druck auf Nicht-Anwender entstehen könnte, die kognitiven Fähigkeiten ebenfalls durch pharmazeutische Wirkstoffe zu erhöhen. 

Die Frage, ob die Hochschulen deren Verwendung strikt regulieren sollten, spaltete die Befragten jedoch in zwei gleich grosse Lager.

Der grösste Kritikpunkt blieb aber die Fairness. Zwei Drittel verglichen die pharmazeutische kognitive Leistungssteigerung mit Doping im Sport und 80% waren der Meinung, mit dieser Praxis erreichte Resultate verdienten geringere Anerkennung und seien in einem kompetitiven Umfeld nicht akzeptabel.

Lediglich bei Studierenden mit einer diagnostizierten psychischen Erkrankung und einer ärztlichen Verschreibung wurde die Nutzung von Medikamenten mehrheitlich gebilligt (64%).

Liechti und sein Team zeigten sich zufrieden mit dem Umfang der Meinungsäusserung, räumten aber ein, dass bei einer Beteiligungsrate von lediglich 10% (fast 30'000 Fragebögen waren verschickt worden), möglicherweise nicht die Meinung aller Studierenden an Schweizer Universitäten repräsentiert sei. Sie kamen zum Schluss, dass die pharmazeutische kognitive Leistungssteigerung an Hochschulen künftig überwacht werden soll. Ausserdem sollten Studierende umfassend über das Thema informiert werden – vor allem die Bedenken zum Mitmachzwang sei vermutlich auf mangelndes Verständnis des tatsächlich geringen Nutzens des Hirndopings zurückzuführen.

Originalbeitrag
Larissa J. Maier, Evangelia Liakoni, Jan Schildmann, Michael P. Schaub, Matthias E. Liechti
Swiss university students’ attitudes toward pharmacological cognitive enhancement
Plos One (2015), doi: 10.1371/journal.pone.0144402

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Prof. Matthias E. Liechti, Universitätsspital Basel, Forschungsgruppe Psychopharmakologie, Tel. +41 61 328 68 68, E-Mail: matthias.liechti@usb.ch

PD Dr. Michael P. Schaub, Universität Zürich, Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung, Tel. +41 44 448 11 65, E-Mail: michael.schaub@isgf.uzh.ch
Reto Caluori Universität Basel

Depressive Stimmung bei Dauerlärm durch Straßenverkehr incl. Nachtlärm

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Traurige Beschallung: Straßenlärm kann depressive Symptome auslösen

Dass Dauerlärm durch Straßenverkehr auch depressive Verstimmungen auslösen kann, konnte nun erstmals weltweit in einer großen Langzeitstudie gezeigt werden. 

Auf die Erkenntnis stießen Wissenschaftlerinnen vom Zentrum für Urbane Epidemiologie (CUE) der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen bei ihrer Arbeit an der Heinz Nixdorf Recall Studie am Universitätsklinikum Essen (UK Essen). 
 
Im Mittelpunkt der Studie stehen unter anderem Umwelteinflüsse, die sich auf die Herzgesundheit auswirken können.

  • Nun entdeckten die Forscherinnen aber auch den Zusammenhang dieser Umgebungsfaktoren mit depressiven Symptomen. 

Hierüber berichtet aktuell das internationale Wissenschaftsmagazin Environmental Health Perspectives.

Dass Lärm nicht nur unangenehm ist, sondern auch krank machen kann, ist bekannt.

Mehrere Studien haben bereits nachgewiesen, dass Lärm z.B. Herzerkrankungen auslöst.

  • Hinweise dafür, dass er auch die Seele belastet, fanden sich nun in einer großen bevölkerungsbasierten Studie aus dem Ruhrgebiet. 

Untersucht wurden die Daten von 3.300 Teilnehmern und Teilnehmerinnen im Alter zwischen 45 und 75 Jahren.

Anhand von Lärmkarten wurden die Städte Bochum, Essen und Mülheim/R untersucht. Ergebnis:

Die Studienteilnehmer, die an Straßen mit viel Verkehrslärm wohnen, entwickelten im Zeitraum von fünf Jahren häufiger depressive Symptome, als die, die in vergleichsweise ruhigen Straßen wohnen. 

Die Studie ergab, dass das Risiko um ca. 25 Prozent steigt und zwar sowohl für gemittelte 24-Stunden- als auch für Nachtlärmwerte über 55 bzw. 50 Dezibel.

Auffällig ist zudem, dass insbesondere Menschen mit geringerer Bildung empfindlicher auf Lärm reagieren.

„Über die Gründe hierfür kann man zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren.

Es könnte damit zusammenhängen, dass Menschen mit niedriger Bildung in der Regel häufiger Stressoren ausgesetzt sind. Durch die Vielzahl der belastenden Faktoren könnte die Widerstandsfähigkeit verringert sein.

Dies müssen aber zukünftige Studien gezielt untersuchen“, so Ester Orban vom CUE. Sie betont zudem, „dass die Erkenntnisse erneut bestätigen, wie wichtig der Lärmschutz für die Gesundheit der Bevölkerung ist.“

Die Heinz Nixdorf Recall Studie ist eine Forschungsstudie, die seit dem Jahr 2000 Menschen aus dem Ruhrgebiet (Essen, Bochum, Mülheim/R) regelmäßig untersucht und befragt. Neben Aspekten der Herzkreislauferkrankungen, untersuchen die Wissenschaftler dabei auch, welchen Einfluss die gebaute Stadt auf die Gesundheit der Menschen haben könnte. Rund 4.800 Bürgerinnen und Bürger sind an diesem Langzeitprojekt beteiligt.


http://ehp.niehs.nih.gov/14-09400/

 
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Christine Harrell
Tel. 0201/723-1615
christine.harrell@uk-essen.de
Beate Kostka M.A. Universität Duisburg-Essen

Herzinfarkt - Botschaft: Verhinderung durch SKY-Peptid?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Herzinfarkt - Botschaft blockiert

LMU-Forschern ist es gelungen, die Ansammlung von Monozyten an einer Entzündungsstelle zu stoppen. Dafür haben sie im Labor ein Peptid entwickelt, das einen entscheidenden chemischen Signalweg stört. 
 
Monozyten spielen eine wesentliche Rolle bei der Immunabwehr.

  • Die weißen Blutkörperchen können aber auch zur Gefahr für den eigenen Körper werden, wenn sie sich in großen Mengen an der inneren Gefäßwand ansammeln und dadurch Entzündungen auslösen. 

Forscher um Professor Oliver Söhnlein vom Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislauferkrankungen (IPEK) der LMU ist es gelungen, die Ansammlung von Monozyten in entzündeten Geweben zu stoppen. Über ihre Ergebnisse berichten sie aktuell in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine.

  • Verschiedene chemische Signalwege sorgen dafür, dass die Monozyten an der Gefäßwand anheften und schließlich in diese eindringen. 
Die Forscher um Oliver Söhnlein haben untersucht, in welcher Weise Neutrophile, die häufigsten weißen Blutkörperchen, und Blutplättchen bei der Aktivierung von Monozyten kooperieren.

„Beide haben in ihren Zellkörpern Vesikel mit Proteinen, die sie freisetzen können, sobald sie am Gewebe kleben“, sagt Söhnlein.

  • Die Proteine formen zusammen Heteromere, die als Andockstation für die Monozyten fungieren und ihnen überhaupt erst ermöglichen, an der Gefäßinnenwand zu haften.

Fatale Signale

„Diese Heteromere eignen sich als therapeutisches Angriffsziel. Wenn sich ihre Bildung verhindern lässt, fehlt der Signalweg, durch den die Monozyten sonst an die Gefäßinnenwand binden“, sagt Oliver Söhnlein. Um diesen Prozess zu unterbinden, haben die Forscher die Interaktion von Proteinen aus Neutrophilen und Plättchen genauer analysiert. Auf Basis einer Strukturanalyse der von ihnen freigesetzten Proteine, haben sie ein eigenes Molekül entwickelt, das SKY-Peptid. „Es ist HNP1, einem Protein, das von den Neutrophilen freigesetzt wird, strukturell sehr ähnlich“, sagt Söhnlein. Mithilfe des SKY-Peptids lässt sich die Interaktion stören

Das SKY-Peptid bindet an das Protein CCL5, das von den Plättchen freigesetzt wird. 

Ohne die Interaktion von HNP1 und CCL5 können sich keine Heteromere bilden. 

Die Monozyten können somit nirgendwo andocken und wandern in der Blutbahn weiter.

„Das Peptid SKY hat das höchstmögliche Potenzial, die Interaktion zwischen CCL5 und HNP1 zu stören“, sagt Söhnlein. Dabei stört SKY nicht die grundsätzliche Funktion der beiden Botenstoffe, sondern verhindert nur die Bildung von Heteromeren. „Die reguläre Immunantwort wird durch SKY also nicht beeinträchtig“, sagt Söhnlein, der inzwischen das SKY-Peptid zum Patent angemeldet hat.

Die IPEK-Forscher haben die Interaktion von Neutrophilen und Plättchen in der aktuellen Studie am Beispiel eines Herzinfarkts untersucht. 

„Doch dieser grundsätzliche Mechanismus ist immer dann relevant, wenn Neutrophile und Plättchen parallel aktiviert werden. Wir gehen davon aus, dass er sich auf verschiedene Erkrankungen übertragen lässt“, sagt Söhnlein. 

In ihrer Studie haben die Forscher nur die Interaktion der Signalproteine CCL5 und HNP1 untersucht.

„Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch andere Signalbotenstoffe miteinander interagieren und bestimmte Wirkungen hervorrufen. Unter anderen Bedingungen könnten auch andere Heteromere relevant sein.“ 

Um einen möglichen therapeutischen Nutzen ihres Ansatzes zu überprüfen, sind daher weitere Untersuchungen notwendig. „Unsere Ergebnisse weisen auf jeden Fall darauf hin, dass die gezielte Störung ausgewählter Signalwege ein therapeutischer Ansatzpunkt sein könnte“, sagt Oliver Söhnlein.

Publikation:
J.-E. Alard, A. Ortega-Gomez, K. Wichapong, D. Bongiovanni, M. Horckmans, R.T.A. Megens, G. Leoni, B. Ferraro, J. Rossaint, N. Paulin, J. Ng, H. Ippel, D. Suylen, R. Hinkel, X. Blanchet, F. Gaillard, M. D’Amico, P. von Hundelshausen, A. Zarbock, C. Scheiermann, T.M. Hackeng, S. Steffens, C. Kupatt, G.A.F. Nicolaes, C. Weber, O. Soehnlein
„Recruitment of classical monocytes can be inhibited by disturbing heteromers of neutrophil HNP1 and platelet CCL5“

In: Science Translational Medicine 2015
http://stm.sciencemag.org/content/7/317/317ra196

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Univ.-Prof. Dr. Dr. med. Oliver Söhnlein
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Vaskuläre Immuntherapie
Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten
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Ludwig-Maximilians-Universität München Luise Dirscherl


Durchfallerkrankung: Infektion mit dem Bakterium Clostridium difficile aus dem Krankenhaus

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Darmflora-Übertragung: Wie kommt die gesunde Darmflora in eine Kapsel?

DZIF-Wissenschaftler an der Uniklinik Köln stellen gefrorene Darmflora-Präparate in Kapseln her. Das Herstellungsprotokoll ist für interessierte Kollegen frei zugänglich. 
 
Eine Infektion mit dem Bakterium Clostridium difficile ist die weltweit am häufigsten im Krankenhaus erworbene Durchfallerkrankung.

  • Besonders hartnäckige Fälle werden zunehmend mit der Übertragung der Darmflora, also des Stuhls einer gesunden Person in den Darm des Patienten behandelt. 
Diese Therapieform wird als Darmflora-Übertragung oder Stuhltransplantation bezeichnet; sie ist zwar noch nicht als Therapie zugelassen, wird aber als individueller Heilversuch an einigen Kliniken erfolgreich durchgeführt.

Die mit dem Stuhl übertragenen Bakterien siedeln sich im Darm des Empfängers an und scheinen dort ein gesundes Zusammenspiel der Mikroorganismen zu fördern – die Krankheitserreger können verdrängt werden.


Kapsel mit gefrorener Darmflora gegen Durchfallerkrankungen
Kapsel mit gefrorener Darmflora gegen Durchfallerkrankungen

Bis vor kurzem war für diese Behandlung eine Darmspiegelung notwendig.

2014 publizierten Ärzte der Harvard Medical School in Boston, USA, erstmals Daten zum erfolgreichen Transfer von Darmflora über den Einsatz von Kapseln. Eine genaue Herstellungsanleitung wurde jedoch nicht angegeben. Das Team um PD Dr. Maria J.G.T. Vehreschild hat nun eine solche Anleitung ausgearbeitet und an der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln etabliert.

Open-Access-Angebot für Herstellungsprotokoll

„Die Möglichkeit der Darmflora-Übertragung auf Basis gefrorener Kapseln bietet uns und unseren Patienten eine ganz neue zeitliche Flexibilität und Sicherheit in der Planung und Umsetzung dieser Therapieform“, erklärt die Infektiologin Maria Vehreschild, die die Darmflora-Übertragung im Rahmen des DZIF weiterentwickelt.

Ein wichtiger Vorteil bestehe auch darin, dass endlich Patienten geheilt werden könnten, die für eine Darmspiegelung zu geschwächt sind. „Wir möchten diese Möglichkeit allen interessierten Wissenschaftlern und allen Klinikärzten zur Verfügung stellen“, bekräftigt die Medizinerin.

Das Team um Vehreschild verfolgt noch ein weiteres Ziel.

Es möchte den Einsatz der Darmflora-Übertragung in Studien überprüfen. 

Nur so könne das Potenzial dieser Therapieform neben der Clostridium-difficile-Infektion auch zur Behandlung anderer Erkrankungen erprobt werden.

Bisher ist eine solche Prüfung in Deutschland allerdings nicht möglich. 

Ein großes Hindernis ist dabei die zurzeit noch begrenzte Datenlage zur Wirksamkeit und Sicherheit der Darmflora-Übertragung.

Um dieses Problem zu lösen, gründeten die Kölner Mediziner zusammen mit Dr. Stefan Hagel, Uniklinik Jena, das Register MicroTrans zur Erfassung von Darmflora-Übertragungen. MicroTrans hilft Standards zu entwickeln und mögliche Sicherheitsrisiken der Transplantation zu identifizieren.

„Wir möchten möglichst bald die klinischen Studien planen, auf die unsere Patienten in Deutschland warten“, hofft Maria Vehreschild.


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PD Dr. Maria Vehreschild
Uniklinik Köln
T +49 221-478-6494
E-Mail: maria.vehreschild@uk-koeln.de

DZIF
Karola Neubert und Janna Schmidt
T +49531-6181-1170/1154
E-Mail: presse@dzif.de
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickeln bundesweit rund 300 Wissenschaftler aus 35 Institutionen gemeinsam neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.dzif.de

Malaria - Parasiten: Besondere Gefahr für Kinder unter 5 Jahren

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Gezielter Schnitt im Genom schwächt Malaria-Parasiten

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg veröffentlichen neue Technik im Journal „Genome Biology“ 
 
Heidelberger Wissenschaftlern sind einem Impfstoff gegen Malaria ein kleines Stück näher gekommen:

  • Es gelang ihnen, Malaria-Erregern einen Teil des Genoms mit mehr als 200 Genen zu amputieren. 
  • Die gentechnisch veränderten Parasiten können sich im Wirtskörper nicht mehr vollständig entwickeln und sind daher ein leichtes Ziel für das Immunsystem.
 Das Bild zeigt sich entwickelnde Parasiten (rot) in einer kultivierten Leberzelle (gelb); DNA der Parasiten und Leberzelle ist in Cyan dargestellt.
 Das Bild zeigt sich entwickelnde Parasiten (rot) in einer kultivierten Leberzelle (gelb); DNA der Parasiten und Leberzelle ist in Cyan dargestellt. Mirko Singer, Universitätsklinikum Heidelberg

Eine Impfstudie mit Mäusen brachte trotzdem keinen 100-prozentigen Erfolg. Zwar waren die meisten geimpften Tiere anschließend vor Infektionen geschützt, ein kleiner Teil der abgeschwächten Parasiten schaffte es allerdings, den Schaden am Erbgut zu kitten. Sie verwendeten dazu einen Reparaturmechanismus, mit dem man bei den Erregern nicht gerechnet hatte. „Wir haben wieder einmal gelernt, wie widerstandsfähig diese Einzeller sind“, sagt Professor Dr. Friedrich Frischknecht vom Zentrum für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg. „Trotzdem sind wir sicher, dass sich die neue Technik z.B. in Kombination mit anderen Strategien dazu eignet, einen sicheren Impfstoff zu entwickeln.“ Bisher ließen sich maximal drei Gene der Parasiten ausschalten. Die Arbeit ist jetzt online im Journal „Genome Biology“ erschienen.

Mehr als 300 Millionen Menschen erkranken jährlich an Malaria, einer Krankheit der Ärmsten in Afrika, Südasien und Südamerika - mehr als eine halbe Million sterben jedes Jahr daran; betroffen sind besonders Kinder unter fünf Jahren.

Die Erreger, sogenannte Plasmodien, werden von Stechmücken übertragen und befallen als erstes Leberzellen.

Dort entwickeln sie sich zu einer aggressiven Form weiter, die in rote Blutzellen eindringt, sich dort massenhaft vermehrt und die Blutzellen zerstört.

Dies verursacht die häufig lebensgefährlichen Symptome der Malaria: Fieber, Blutarmut bis hin zu Organversagen. Es wurden zwar inzwischen zahlreiche Medikamente zur Bekämpfung der Parasiten im Körper entwickelt, doch meist entwickeln sich früher oder später Resistenzen. 

Helfen kann wahrscheinlich auf lange Sicht nur eine Impfung.

Impfstoffe mit dem gesamten, unschädlich gemachten Erreger entwickeln

Erste Impfstoffkandidaten, die bereits in klinischen Studien getestet wurden, richten sich gegen einzelne Proteine des Parasiten. Der erste wurde dieses Jahr auch für Impfungen zugelassen, bietet aber keinen ausreichenden Schutz. Mehr Hoffnung setzen manche Forscher dagegen in Impfstoffe mit dem gesamten, unschädlich gemachten Erreger. Dazu werden Plasmodien genetisch so verändert, dass sie zwar noch in die Leberzellen eindringen und so das Immunsystem alarmieren und aktivieren, ihren Entwicklungsprozess in der Leber allerdings nicht abschließen können. Diese Strategie wurde am Universitätsklinikum Heidelberg entwickelt, im Tierversuch erprobt und 2004 und 2005 veröffentlicht. Das Team um Dr. Kai Matuschewski, heute Professor an der Humboldt Universität in Berlin, zerstörte damals erstmals gezielt ein Schlüsselgen im Plasmodiengenom, das für das Wachstum des Parasiten in der Leberzelle essentiell ist. Seither feilten Wissenschaftler weltweit weiter an dieser Methode.

Sie stellten gentechnisch veränderte Parasiten her, denen bis zu drei verschiedene Gene fehlten, um einen ausreichend sicheren Impfstoff zu erhalten. Doch immer gelingt es einzelnen Parasiten, Malaria auszulösen.

Mirko Singer und seine Kollegen der Abteilung Parasitologie am Zentrum für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg gingen daher noch einen Schritt weiter: Mit Hilfe eines gezielt eingesetzten, DNS-schneidenden Proteins trennte er einen ganzen Abschnitt des Genoms mit rund 200 Genen von der restlichen Erbinformation ab.

Dazu ergänzte er das Erbgut der Erreger um den genetischen Bauplan für das benötigte Schneideprotein, eine sogenannte Zinkfinger-Nuklease.  

Rufen die Parasiten bei ihrem Eintritt in die Leberzellen bestimmte Informationen ihres Erbguts ab, die sie für ihre weitere Entwicklung benötigen, aktivieren sie automatisch auch die Nuklease, die das Genom zerteilt.

Die dabei entstehenden nahezu glatten Schnittkanten hätten eigentlich irreparabel sein sollen, der Parasit schaffte es zur Überraschung der Forscher in wenigen Fällen aber trotzdem. Die Heidelberger Forscher konnten den dazu benutzten Mechanismus identifizieren. „Wir haben gezeigt, dass Zinkfinger-Nukleasen in Plasmodium sehr gut und zuverlässig funktionieren. Die nächste Herausforderung besteht nun darin, den Reparaturmechanismus mit mehrfachen Schnitten komplett zu überfordern“, so der Ersautor Singer.

Literatur:
Zinc finger nuclease-based double-strand breaks attenuate malaria parasites and reveal rare microhomology-mediated end joining. Singer Mirko, Marshall Jennifer, Heiss Kirsten, Mair Gunnar, Grimm Dirk, Mueller Ann-Kristin, Frischknecht Friedrich.

Genome Biology.2015, 16:249. DOI: 10.1186/s13059-015-0811-1. URL:

http://www.genomebiology.com/2015/16/1/249


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:

Prof. Dr. Friedrich Frischknecht
Abteilung Parasitologie
Zentrum für Infektionskrankheiten
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel: 06221 56-6537
E-Mail: freddy.frischknecht@med.uni-heidelberg.de
Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg


Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg. www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://Weitere Informationen zur Forschungsgruppe

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Malaria-3-Frischknecht.100117.0.html

Zentrum für Infektiologie

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/UEberblick.1208.0.html