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Eltern: Bindehautentzündung in Kitas und Kindergärten


Medizin am Abend Fazit:   Ins Auge gegangen / Bindehautentzündungen verbreiten sich in Kitas ziemlich schnell.


Eine Bindehautentzündung kommt in Kitas und Kindergärten selten allein - sie macht oft die Runde. Die betroffenen Kinder haben gerötete, geschwollene Augen, ein Fremdkörpergefühl und Juckreiz, viele sind lichtscheu oder haben sogar leichte Sehstörungen. Bei bakteriellen Infektionen bilden sich Eiter und kleine Krusten. "Die Schleimhaut am Auge ist sehr dünn und empfindlich, deshalb kann sie sich schnell entzünden", erklärt Kinder- und Jugendarzt Dr. Burkhard Lawrenz aus Arnsberg im Apothekenmagazin "Baby und Familie". Eltern sollten immer mit dem Kind zum Augenarzt gehen. Oft sind antibiotische Augentropfen nötig. Solange das Kind Symptome hat, muss es zuhause bleiben. Gegen den Juckreiz helfen Augentropfen mit dem pflanzlichen Wirkstoff des Augentrosts.

Medizin am Abend DirektKontakt

Ruth Pirhalla Tel. 089 / 744 33 123 Fax 089 / 744 33 459 E-Mail: pirhalla@wortundbildverlag.de www.wortundbildverlag.de www.baby-und-familie.de

 

Schwarzer Hautkrebs -Hautdiagnostik - Ganzkörper-Hautkrebs-Früherkennungssystem

Medizin am Abend Fazit:  Hautkrebs schnell erkennen

 

Der »Schwarze Hautkrebs« ist aggressiv und lebensbedrohlich. Wird er nicht frühzeitig erkannt, sinken die Heilungschancen – doch die Vorsorgeuntersuchungen sind kompliziert. Fraunhofer-Forscher haben mit mehreren Projektpartnern ein Assistenzsystem entwickelt, das Dermatologen bei der Diagnostik unterstützt. 

Mit dem Dermascanner wird die Hautoberfläche des Patienten aus verschiedenen Positionen gescannt.
Mit dem Dermascanner wird die Hautoberfläche des Patienten aus verschiedenen Positionen gescannt. © Dirk Mahler/Fraunhofer IFF
 
Jedes Jahr erkranken laut der Deutschen Krebsgesellschaft rund 200.000 Menschen an Hautkrebs. 

Besonders gefährlich ist der »schwarze« Hautkrebs: Dringt dieser erst einmal in tiefere Hautschichten ein, sinken die Heilungschancen auf unter 10 Prozent.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind der einzige Weg, um kritische Hautveränderungen frühzeitig zu erkennen. Der Arzt inspiziert dazu mit einem Dermatoskop – einem Mikroskop, mit dem er bis in tiefere Hautschichten hinein sehen kann – atypische Leberflecken, Experten nennen sie Nävuszellnävi, auf Merkmale wie Größe, Textur und Umrandungen und beobachtet, ob sie sich im Laufe der Zeit verändern. Da die meisten Menschen viele davon haben, ist das eine zeitaufwändige Prozedur. Zudem ist es schwierig, Veränderungen wie etwa das Wachstum einzelner Leberflecke im Auge zu behalten, da sie der Arzt bei der nächsten Untersuchung oft nicht zweifelsfrei identifizieren kann.

Ganzkörperscanner unterstützt Hautdiagnostik

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF entwickelten auf Initiative und gemeinsam mit der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie Magdeburg sowie den Partnern Dornheim Medical Images GmbH und Hasomed GmbH einen dermatologischen Ganzkörperscanner, der Ärzte künftig bei der Hautdiagnostik unterstützen soll:

»Der Scanner liefert standardisierte Daten, um die Haut zu beurteilen. Er ermöglicht zugleich eine verbesserte Verlaufsdokumentation jedes einzelnen aufgefallenen Leberflecks«, sagt Dr. Christian Teutsch vom IFF. Zu Beginn der Untersuchung wird die Hautoberfläche des Patienten aus verschiedenen Positionen gescannt und in etwa 100 Einzelbilder unterteilt. Solche bildbasierten Dokumentationen gibt es bereits. »Der Knackpunkt ist aber, dass man allein anhand der Aufnahmen die tatsächliche Größe und Wachstumsveränderungen nicht eindeutig erkennen kann«, erklärt Teutsch.

Der Dermascanner erstellt daher zusätzlich 3D-Messdaten, die mit den 2D-Aufnahmen fusioniert werden. Dadurch wird jedem einzelnen Pixel im Bild ein Maßstab zugeordnet. Damit dies funktioniert, integrieren die Experten mehrere 3D-Sensoren in den Scanner. Die Sensoren und Kameras werden kalibriert, so dass ihre räumliche Lage exakt bekannt ist. Treffen nun Lichtstrahlen aus der Kamera auf den Leberfleck, kann man ihnen einen genauen 3D-Abstand zuordnen. Selbst wenn verschiedene Aufnahmen nicht aus der exakt gleichen Entfernung aufgenommen wurden – was kaum möglich ist – kann der Arzt anhand des Maßstabs die tatsächlichen Größenverhältnisse eindeutig bestimmen. Die Messdaten und Bildaufnahmen werden in eine Analysesoftware eingespeist, dort ausgewertet und durch eine automatische Klassifizierung vorsortiert. Existieren Verlaufsaufnahmen früheren Datums, vergleicht die Software diese mit den aktuellen Bildern. »Mit unserer Technologie erkennt man ein Wachstum ab einem halben Millimeter«, sagt Teutsch. Ein weiterer Vorteil: Die 3D-Messdaten erlauben dem Arzt eine eindeutige Re-Lokalisierung jedes einzelnen Leberflecks.

»Es kommt häufig vor, dass ein einzelner Patient mehrere hundert Leberflecke aufweist«, berichtet Prof. Dr. Harald Gollnick, Direktor der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie. Wenn sich ein solcher Hochrisikopatient nach einiger Zeit erneut beim Arzt vorstellt, lässt sich bei einer mit Pigmentmalen übersäten Haut mit herkömmlichen Untersuchungsmethoden nicht nachvollziehen, ob Stelle und Größe der Leberflecke noch identisch sind. Gollnick: »Mit dem neuen Ganzkörper-Hautkrebs-Früherkennungssystem ist erstmals eine annähernd standardisierte Beurteilung von Zustand und Veränderungen der Haut möglich.«

»Die Diagnose selbst ist und bleibt Sache des Arztes«, betont Teutsch. Dazu stehen dem Arzt sowohl die Messergebnisse als auch die Bildaufnahmen mit einer zusätzlichen 3D-Tiefenkarte zur Verfügung, auf der die Entfernung der einzelnen Pixel in der Aufnahme verzeichnet ist. Da schon minimale Veränderungen eines atypischen Leberflecks von Bedeutung sein können, müssen die Mess- und Bilddaten zu jedem Zeitpunkt und auch zwischen verschiedenen Geräten vergleichbar sein. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Entwicklung war daher die Standardisierung des Dermascanners – ebenfalls eine Expertise des IFF: »Wir kalibrieren alle relevanten Bestandteile wie zum Beispiel Lichtquellen und rechnen die Bildaufnahmen in einen einheitlichen Farbraum um«, erklärt Teutsch. Dies stellt sicher, dass Effekte wie etwa ein Nachlassen der Leuchtstärke im Laufe der Zeit die Ergebnisse nicht beeinflussen.

Der Dermascanner steht kurz vor der Marktreife, erste Pilotanlagen wurden realisiert. Kürzlich wurde das Projektteam zudem für seine Entwicklung vom Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft mit dem Hugo-Junkers-Preis 2014 für Forschung und Innovation aus Sachsen-Anhalt ausgezeichnet (www.hugo-junkers-preis.de).

Hinweis: Nun steht die Suche nach Investoren an, um den Hautscanner in die Serienproduktion zu bringen. 

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Britta Widmann
Telefon: (089) 1205 - 1302
E-Mail-Adresse: britta.widmann@zv.fraunhofer.de



Bauchfett und Diabetes-Risiko - Die Frau in den Wechseljahren www.myWomensCare.de

Medizin am Abend Fazit:  Was Frauen über die Wechseljahre wissen sollten

Früher oder später ist es bei jeder Frau soweit: Mit durchschnittlich 51 Jahren kommt sie in die Wechseljahre. In diesem Zeitraum, der zwischen sieben bis 15 Jahre dauern kann, verändert sich der Körper, der Hormonhaushalt stellt sich radikal um.

Durch den Mangel an Östrogenen können Hitzewallungen, Herzrasen, Haarausfall, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme und ein erhöhtes Risiko für Osteoporose oder Diabetes auftreten. 

Lediglich ein Drittel aller Frauen bleibt symptomfrei, ein Drittel hat leichte Beschwerden und ein weiteres Drittel leidet so stark unter klimakterischen Beschwerden, dass das Alltagsleben massiv beeinträchtigt wird.

Doch was können betroffene Frauen tun? 

Die drei Phasen der Wechseljahre 

Wie stark die Wechseljahre bei einer Frau ausfallen, lässt sich nicht vorhersagen. Auch die Dauer kann stark variieren. Die wenigsten Frauen können benennen, wann genau sie in die Wechseljahre gekommen sind. Denn die ersten hormonellen Umstellungen im Körper laufen noch recht unbemerkt ab. Wird die Monatsblutung durch den Hormonmangel dann unregelmäßiger und bleibt schließlich ganz aus (Menopause), beginnt die Postmenopause - eine Phase, in der sich der Körper der veränderten hormonellen Situation anpasst.

Sport, Vitamine und Hormone 

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Wechseljahre gibt es leider nicht. Bei leichten Beschwerden können Pflanzen wie Traubensilberkerze, sibirischer Rhabarber oder Johanniskraut Linderung verschaffen, die Wirkung ist jedoch nicht immer belegt. Auch eine Umstellung der Lebensweise - z.B. vitaminreiche Ernährung und viel Bewegung - kann Erleichterung bringen. Gegen starke Wechseljahresbeschwerden kann dies allein jedoch nicht helfen.

Laut Gynäkologen-Verbänden ist es am effektivsten, den Hormonmangel im Körper auszugleichen. So wird es auch bei fehlenden Schilddrüsenhormonen gemacht.

Bundesweite Erhebungen ergaben, dass mittlerweile 44 Prozent der Frauen, die wegen ihrer Wechseljahresbeschwerden zum Frauenarzt gehen, Hormongaben erhalten. Denn aktuelle Studien und individuelle Behandlungsmethoden erlauben heute einen differenzierten Blick auf Hormontherapien, die mit dem Abbruch der WHI-Studie ("Women's Health Initiative") seit 2002 zu Unrecht verteufelt wurden: 

Werden Hormone zeitnah nach der Menopause eingenommen, senkt dies mögliche Nebenwirkungen. So zeigt eine dänische Studie von 2012, dass die Teilnehmerinnen über einen Zeitraum von 16 Jahren kein erhöhtes Risiko für Brustkrebs oder Gefäßerkrankungen hatten.

Vorteile für Fettstoffwechsel und Knochen 

Zusätzlich bietet die Hormontherapie einen präventiven Gesundheitsnutzen, z.B. kann das Diabetes-Risiko gesenkt werden. Da viele Frauen in den Wechseljahren vor allem am Bauch vermehrt Fett einlagern, haben sie dadurch auch ein höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken.

Östrogene reduzieren den Insulinbedarf und bremsen bestimmte ungünstige Veränderungen im Fettstoffwechsel und haben dadurch einen positiven Effekt auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Hormongabe hat zudem einen günstigen Einfluss auf die Osteoporose. 

Welche Maßnahmen individuell geeignet sind, die Wechseljahre zu erleichtern, hängt davon ab, wie stark die Beschwerden sind und welche Vorerkrankungen bestehen. Dies sollte immer in einem ausführlichen Gespräch mit dem Frauenarzt geklärt werden.

Weitere Tipps, um gut durch die Wechseljahre zu kommen, gibt es auf dem neuen Internetportal www.myWomensCare.de.
 
Anwendungsempfehlungen, 2012 Bühling K, Sichtweise von Frauenärzten sowie Patientinnen zur HRT, Frauenarzt 54 (2013) 


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Dr. Rhoda Busch Im Mediapark 6c 50760 Köln Telefon: 0221-569104-24 Telefax: 0221-569104-29 r.busch@signumpr.de

Speichelprobe zur Testosteronkonzentrationsbestimmung

Medizin am Abend Fazit:  Neue Studie: Testosteron ist besser als sein Ruf – es fördert auch soziales Verhalten

Dass eine hohe Konzentration von Testosteron im Blut den Menschen aggressiv macht, ist eine bekannte Tatsache. Neu ist, dass das männliche Sexualhormon auch soziales Verhalten fördert. Den Einfluss von Testosteron auf das menschliche Sozialverhalten hat Luise Reimers, Doktorandin im Forschungsteam von Jun.-Prof. Dr. Esther Diekhof (Arbeitsgruppe Neuroendokrinologie in der Abteilung Humanbiologie am Biozentrum Grindel der Universität Hamburg) untersucht. Das Ergebnis der Studie wurde jetzt im Schweizer open access-Journal „Frontiers in Neuroscience“ veröffentlicht. 
 
Testosteron ist bekannt für seinen Einfluss auf das Verhalten in Situationen von Konkurrenz bzw. Wettbewerb und Bedrohung, und man verbindet mit dem Hormon eher negative Eigenschaften wie erhöhte Aggressionsbereitschaft, Dominanz oder unsoziales Verhalten. Obwohl es auch Studien gibt, die einen prosozialen Effekt von Testosteron nachweisen konnten, wurden bisher Faktoren wie „Gruppenzugehörigkeit“ nicht in Testosteron-Verhaltensstudien einbezogen. Daher hat die Nachwuchswissenschaftlerin erforscht, inwiefern Testosteron das Verhalten während einer Konkurrenzsituation zwischen Gruppen beeinflusst.


Bei der Studie wurden 50 männliche Fußballfans getestet, die am PC ein sogenanntes Gefangenendilemma spielen mussten. Das Gefangenendilemma wird in der Verhaltensforschung angewendet, um Altruismus (Selbstlosigkeit) in Form von kooperativem Verhalten bzw. Egoismus zu erforschen. Bei dem Spiel wird untersucht, inwieweit die Spielerinnen und Spieler nur ihren eigenen Nutzen maximieren oder auch die Interessen anderer in ihre Entscheidungen mit einbeziehen und mit ihnen kooperieren. In dieser Studie wurde die körpereigene Testosteronkonzentration anhand von Speichelproben gemessen, die am Morgen des Testtages abgegeben wurden.

Die Fußballfans spielten das Gefangenendilemma auf zweierlei Weise: Zum einen sollten sie für sich selbst Punkte sammeln. Zum anderen gab es einen Wettbewerb, bei dem sie in der Gruppe gegen Fans der anderen Vereine spielen sollten und am Ende der Verein gewann, der als Gruppe die meisten Punkte hatte – die Teilnehmer mussten also zwischen persönlichem Gewinn und dem Erfolg ihrer Gruppe abwägen.

Die Daten zeigten, dass Testosteron bei Männern z.B. den Verzicht auf persönliche Vorteile zum Wohle der eigenen Gruppe oder eine erhöhte Kooperationsbereitschaft gegenüber eigenen Gruppenmitgliedern fördert. 

Dies galt vor allem in Situationen, bei denen sie sich für die eigene Gruppe einsetzen und gegen andere behaupten mussten.


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Luise Reimers
Universität Hamburg
Biozentrum Grindel und Zoologisches Museum
Tel.: 040 42838-9213
E-Mail: luise.reimers@uni-hamburg.de
Birgit Kruse Universität Hamburg

Zum Original-Artikel: http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fnins.2015.00183/full

CED - Chronisch entzündliche Darmerkrankung: Online-Fragebogen unterstützt Mitarbeit


Medizin am Abend Fazit:


Der Fragebogen im Internet. Bearbeitungszeit ca. 30 Minuten.

www.ced-aktiv-werden.de

 

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Erstellung und Redaktion:
Prof.Dr.Dr. Heiner Raspe
Dr. Angelika Hüppe
Jana Langbrandtner, Dipl.-Gesundheitswirtin

Technische Umsetzung:
Christian Himstedt, Dipl.-Informatiker Herausgeber:
Seniorprofessur für Bevölkerungsmedizin
Universität zu Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck

Vitamin E - Herpes Viren

Medizin am Abend Fazit:    Vitamin E bügelt Gendefekt aus


Oxidativer Stress schadet dem Immunsystem. ETH-Forschende um Prof. Manfred Kopf zeigen nun erstmals auf, dass erhöhte Vitamin-E-Dosen diesen Stress auf Immunzellen mildern. 

 
Ein Tag im Hochgebirge, blendend weisser Schnee, die Sonne strahlt vom Himmel: beste Bedingungen fürs Skifahren - und mögliche Voraussetzung dafür, dass nach dem Skitag von Herpes-Viren erzeugte Fieberbläschen blühen. Denn die erhöhte UV-Strahlung lässt im Körper freie Radikale entstehen. Dadurch kommt der Körper unter oxidativen Stress, was das Immunsystem schwächt. Dies wiederum begünstigt die Vermehrung der Herpes-Viren.

Oxidativer Stress ist zu einem grossen Thema geworden, an vielen Krankheiten soll er mitbeteiligt wenn nicht sogar ursächlich sein. Neben UV-Strahlung führen auch andere Umwelteinflüsse zu einem hohen oxidativen Stress im Körper, etwa Luftverschmutzung, Rauchen oder Alkoholkonsum und nicht zuletzt Infektionen. Und immer wieder ist die Rede davon, dass man mit entsprechender Vitamin-Nahrungsergänzung die freien (Sauerstoff-)Radikale bekämpfen kann.

T-Zellen teilen sich nach Feindkontakt

Forscherinnen und Forscher aus der Gruppe von Manfred Kopf, Professor am Institut für molekulare Gesundheitswissenschaften der ETH Zürich, sind nun ausgehend von diesen Fragen auf ein Phänomen gestossen, das die Auswirkungen von oxidativem Stress auf Immunzellen erklärt.

Dringt ein Fremdkörper wie ein Virus oder irgendein anderer Erreger in den Körper ein, so reagieren bestimmte Immunzellen, die sogenannten T-Zellen, mit starker und rascher Vermehrung. Eine Unterklasse davon, die CD8+T-Zellen, töten beispielsweise die von einem Virus befallenen Körperzellen und eliminieren so das Virus. Wiederum andere T-Zellen, die CD4+ T-Zellen, koordinieren die Immunantwort gegen alle Arten von Erreger. Sie sind die Generäle des Immunsystems.

Bis diese T-Zellen aber wirksam eingreifen können, dauert es eine Woche, weil es zu Beginn einer Infektion zu wenige davon gibt, die spezifisch einen bestimmten Erreger erkennen können.. Erst nach diesem «Feindkontakt» teilen sich die wenigen «Späher», dann aber alle acht bis zwölf Stunden, um Kopien (Klone) herzustellen, so dass es nach wenigen Tagen hunderttausende davon gibt. Erst diese Übermacht kann die Infektion erfolgreich bekämpfen.

Ohne Reparaturwerkzeug keine Immunantwort

Dies funktioniert allerdings nicht, wenn starker oxidativer Stress die T-Zellen schädigt und dem Körper das richtige Werkzeug fehlt, um die Schäden zu beheben, wie Kopfs Forschungsgruppe, namentlich Doktorandin und Erstautorin Mai Matsushita, nun in ihrer neuen Publikation in der Fachzeitschrift «Journal of Experimental Medicine» aufzeigt.

Fehlt den Immunzellen das Reparatur-Enzym Gpx4 (oder ist es defekt), sterben die sich teilenden T-Zellen ab, das Immunsystem kann die Erreger nicht eliminieren und die Infektion wird chronisch. Das Enzym ist dafür zuständig, oxidative Schäden an der Zellmembran zu reparieren.

Vitamin E als Retter in der Not

Zu ihrer Überraschung konnten die Forscher aber die Immunzellen vor dem Zelltod retten, indem sie den Versuchstieren, in deren Immunzellen das Reparatur-Enzym fehlte, eine hohe Dosis von Vitamin E ins Futter mischten. Diese Menge des Antioxidans‘ reichte aus, um die Zellmembran der T-Zellen vor Schäden zu schützen, so dass sie sich vervielfältigen und die Virusinfektion erfolgreich abwehren konnte. Die Menge an Vitamin E im Mäusefutter lag mit 500 Milligramm pro Kilogramm Futter um das zehnfache höher als in der standardisierten Normalnahrung.

Zeigen konnten dies die Forscher anhand eines Mausmodells, für welches sie Tiere verwendeten, bei denen das Gpx4-Gen zellspezifisch oder zu einem beliebigen Zeitpunkt inaktiviert werden kann. Diese Mäuse wurden von Forschenden des Helmholtz Zentrums München entwickelt. Die ETH-Wissenschaftler haben diesen Mäusestamm nun so verändert, dass das Gpx4-Gen nur in T- Zellen oder in bestimmten Fresszellen des Immunsystems inaktiv war.

Vitamin-Supplementierung umstritten

«Der Nutzen von Vitamintabletten ist ein kontroverses Thema», sagt Manfred Kopf. Starke wissenschaftliche Beweise, dass diese Vitaminzusätze nützen, gebe es nur wenige. Umso interessanter sei deshalb ihre Studie, die einen Nutzen von Vitamin E belege. «Unsere Arbeit zeigt, dass sogar ein genetischer Defekt eines Hauptbestandteils der antioxidativen Maschinerie einer Zelle durch Verabreichung einer hohen Dosis Vitamin E kompensiert werden kann. Das ist neu und überraschend.»

Als wissenschaftlich wertvoll und bedeutend beurteilt Kopf die Tatsache, dass die Immunzellen bei oxidativem Stress den gleichen Tod erleiden wie bestimmte Arten von Krebszellen bei Behandlung mit einem Zytostatikum. Dieser programmierte Zelltod wird Ferroptose genannt und wurde erstmals im Jahr 2012 in einer wissenschaftlichen Publikation beschrieben. «Wir sind die ersten, die aufzeigen können, dass Immunzellen genauso wie Krebszellen aufgrund des oxidativen Stresses denselben Tod erleiden», sagt Kopf.

Was die Resultate ihrer Studie für die menschliche Gesundheit bedeutet, darüber ist sich der ETH-Professor noch nicht im Klaren. Menschen, die normal gesund seien und sich ausgewogen ernährten, würden keine Vitamin-Supplementierung benötigen, findet er. Es könne aber durchaus sinnvoll sein bei oxidativem Stress, wie er im Alltag bei Infektionen oder durch UV-Licht entstehen kann, an eine Ergänzung mit Vitamin E oder anderen fettlöslichen Antioxidantien zu denken.

Ein massiver oxidativer Stress besteht bei Patienten mit bestimmten neurodegenerativen Erkrankungen oder Diabetes, wobei Antioxidantien eine gute Unterstützung einer Behandlung sein können.


Wie gross die Mengen sein sollten, kann der Forscher aufgrund der Ergebnisse seiner Studie nicht sagen. Das sei auch nicht analysiert worden, da sie ihre Untersuchungen lediglich anhand eines Mausmodells gemacht hätten.

Literaturhinweis

Matsushita M, Freigang S, Schneider C, Conrad M, Bornkamm GW, Kopf M. T cell lipid peroxidation induces ferroptosis and prevents immunity to infection. Journal of Experimental Medicine, 30. März 2015. doi: 10.1084/jem.20140857

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Peter Rüegg Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)


360° TOP-Thema: Pfingsten 2015: Regelmäßiger Gottesdienst - Weniger Arbeitsplatzverlust

Medizin am Abend Fazit:  Wer regelmäßig zum Gottesdienst geht, leidet weniger unter einem Jobverlust

 

Menschen, die regelmäßig einen Gottesdienst besuchen, leiden weniger unter einem Jobverlust als andere. Außerdem gewöhnen sie sich schneller an ein Leben ohne Arbeit. Das belegt eine Studie, die kürzlich Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universität Amsterdam auf der Basis von Daten der Längsschnitterhebung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) erstellt haben. „Wer einmal pro Woche eine Kirche, Moschee oder Synagoge besucht, ist nach drei Jahren Arbeitslosigkeit nahezu genauso zufrieden mit seinem Leben wie zuvor“, sagt der Jenaer Psychologe Clemens Lechner, einer der Autoren.

Weniger religiöse Menschen leiden hingegen deutlich unter einer Arbeitslosigkeitserfahrung. Die Studie wurde kürzlich im Journal for the Scientific Study of Religion veröffentlicht.

Wie mehrere frühere Studien auf der Basis von SOEP-Daten gezeigt haben, zählt ein Jobverlust zu den Lebensereignissen, die die Zufriedenheit der Menschen am stärksten beeinträchtigen. Clemens Lechner und sein Co-Autor, der Soziologe Thomas Leopold von der Universität Amsterdam, haben nun erstmals auf der Basis der für Deutschland repräsentativen SOEP-Daten gezeigt, dass Religiosität den Schock nach einem Jobverlust lindern kann.

Die Berechnungen der Wissenschaftler belegen für das erste Jahr nach dem Jobverlust: Je häufiger Menschen ohne Arbeit an religiösen Veranstaltungen teilnehmen, desto weniger ist ihre Lebenszufriedenheit durch den Jobverlust beeinträchtigt. Bei den Befragten, die einmal wöchentlich einen Gottesdienst besuchten, ging die gemessene Lebenszufriedenheit weniger als halb so stark zurück wie bei denjenigen, die nie einen Gottesdienst besuchen.

Darüber hinaus zeigen die SOEP-Daten: Auf längere Sicht können Menschen ohne Arbeit den Jobverlust umso schneller verarbeiten, je häufiger sie in die Kirche, die Moschee oder die Synagoge gehen. Wer einmal pro Woche an einer religiösen Veranstaltung teilnimmt, ist drei Jahre nach dem Jobverlust fast wieder genauso zufrieden mit seinem Leben wie zuvor. Menschen, die seltener oder nie einen Gottesdienst besuchen, sind zu diesem Zeitpunkt fast noch genauso unzufrieden wie ein Jahr nach Verlust des Arbeitsplatzes.

Warum sind Besucher von Gottesdiensten besser gegen den Schock durch den Verlust des Arbeitsplatzes gewappnet? „Arbeitslose finden in religiösen Gemeinschaften Unterstützung in ihrer schwierigen Lebenssituation“, vermutet Clemens Lechner. Darüber hinaus sei der Glaube eine Quelle von Trost und Zuversicht. Denn nach Auffassung vieler Gläubigen sind vor Gott alle Menschen gleich – unabhängig davon, ob sie wirtschaftlich erfolgreich sind oder nicht.

Für ihre Untersuchung hatten die Forscher Daten von 5446 im SOEP befragten Menschen ausgewertet, die im Zeitraum von 1990 bis 2012 arbeitslos wurden und anschließend bis zu drei Jahre ohne Arbeit blieben.

STICHWORT SOEP & ZUFRIEDENHEITSFORSCHUNG MIT SOEP-DATEN

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft von Bund und Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung mehrere tausend Menschen befragt. Zurzeit sind es etwa 30.000 Befragte in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

Das SOEP befragt seit seinem Gründungsjahr 1984 jährlich mehr als 10.000 Personen zu ihrer Lebenszufriedenheit. Auf einer Skala von 0 bis 10 geben die Befragten an, wie zufrieden sie derzeit alles in allem mit ihrem Leben sind. Die Zahl null bedeutet „ganz und gar unzufrieden“, zehn hingegen steht für „ganz und gar zufrieden“. Die Zufriedenheitsforschung (in den Medien meist „Glücksforschung“ genannt) hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Forschungsfelder auf der Basis von SOEP-Daten entwickelt. „Daten zur persönlichen Lebenszufriedenheit sind eine wichtige Größe bei der Messung von Lebensqualität“, sagt SOEP-Direktor Jürgen Schupp. „Wer umfassende Aussagen zur Lebensqualität treffen möchte, muss neben den objektiven Lebensbedingungen auch die subjektive Lebenszufriedenheit im Blick haben.“

DIE STUDIE:

Lechner, C. M., & Leopold, T. (2015). Religious Attendance Buffers the Impact of Unemployment on Life Satisfaction: Longitudinal evidence from Germany. Journal for the Scientific Study of Religion, 54(1), 166–174.
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jssr.12171/pdf


Medizin am Abend DirektKontakt:

Dr. Clemens Lechner, Center for Applied Developmental Science (CADS), Friedrich-Schiller-Universität Jena, E-Mail: clemens.lechner@uni-jena.de
Monika Wimmer Pressestelle Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)


Weitere Informationen für die international Medizin am Abend Beteiligte:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jssr.12171/pdf Link zur Studie: Lechner, C. M., & Leopold, T. (2015). Religious Attendance Buffers the Impact of Unemployment on Life Satisfaction: Longitudinal evidence from Germany. Journal for the Scientific Study of Religion, 54(1), 166–174.

http://www.diw.de/soep Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP)

http://www.facebook.com/soepnet.de Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) auf Facebook

Nervenschmerzen - Chili - Pflaster: Hyperalgesie, Gürtelrose, Polyneuropathie, peripheren neurophatischen Schmerzen

Medizin am Abend Fazit:   Nervenschmerzen messen – und den Behandlungserfolg des „Chili-Pflasters“ vorab einschätzen!


Mit der Quantitativ Sensorischen Testung (QST) lässt sich die Funktion von Nervenfasern genau analysieren. Damit gelang es Mitgliedern des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz e.V. (DFNS e.V.) in einer neuen Studie, nicht nur das Sensibilitätsprofil von Patienten mit peripherem Nervenschmerz zu ermitteln. Sie konnten auch zeigen, dass ein spezieller Schmerzphänotyp mit einer erfolgreicheren Behandlung mit dem „Chili-Pflaster“ (Capsaicin 8%) einhergeht. Die Ergebnisse stützen den mechanismen-basierten Leitgedanken des DFNS, Nervenschmerzen gezielt gemäß ihrer Ursache zu behandeln. 
 
Das hoch dosierte Capsaicin-Pflaster (8%) wird äußerlich auf der Haut unmittelbar im Bereich der Nervenschmerzen appliziert. Es bewirkt eine reversible funktionelle Desensibilisierung sehr dünner Schmerzfasern in der Haut und damit eine lang anhaltende Linderung peripherer Nervenschmerzen (außerhalb von Gehirn und Rückenmark). Bisher wurde unzureichend untersucht, ob die Schmerzen nach Capsaicin Anwendung umso stärker gelindert werden, je stärker der Funktionsverlust dieser sehr dünnen Nervenfasern, der so genannten C-Fasern, ist. „Uns interessierte darüber hinaus, ob die Wirksamkeit des Capsaicin-Pflasters bereits vor Behandlungsbeginn einzuschätzen ist.

Für beide Fragestellungen nutzten wir die Quantitativ Sensorische Testung, kurz QST, um das Sensibilitätsprofil von Patienten zu erheben und damit Veränderungen in der Funktion der C-Fasern sowie weitere mögliche Prädiktoren zu analysieren“, so Dr. Tina Mainka, Ruhr Universität Bochum (jetzt Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf).

Mit der QST zum Schmerzphänotyp

Bei 20 Patienten mit peripheren neuropathischen Schmerzen nach Nervenverletzung, Gürtelrose oder durch Polyneuropathie wurde die QST nach DFNS-Standard vor der Capsaicin-Behandlung sowie zwei, vier, sechs und acht Wochen danach durchgeführt. Mit sieben QST-Tests lassen sich so die Wahrnehmung und das Schmerzempfinden für Kälte, Wärme, feine und spitze Berührungen sowie Vibration und Druck pro Testareal in etwa 30 Minuten erheben. Damit erhält man eine genaue Analyse der schmerzhaften sensorischen Symptome und sensiblen Defizite eines Patienten.

Vorab zur Therapiewirksamkeit

Obwohl die Fähigkeit Wärme wahrzunehmen zwar bei allen Patienten acht Wochen nach Capsaicin-Therapie signifikant abnahm, was für den Funktionsverlust von C-Fasern spricht, ließ sich kein Zusammenhang mit dem Grad der Schmerzlinderung ermitteln. Prof. Christoph Maier, Ruhr Universität Bochum:

 „Wir konnten allerdings mit 100 prozentiger Spezifität Patienten, die auf die Capsaicin-Therapie ansprachen, identifizieren. Eine Hyperalgesie, also eine Überempfindlichkeit auf Kälte- sowie stumpfe Nadelreize vor Therapiebeginn war wegweisend. Liegen diese beiden Kriterien vor Behandlungsbeginn vor, lässt sich offenbar vorhersagen, ob ein Patient auf das Capsaicin-Pflaster anspricht.

Die Studie ist damit ein wichtiger Schritt in Richtung einer möglichst zielgerichteten mechanismen-basierten Therapie für den individuellen Patienten, die sich nicht nur an der Grunderkrankung ausrichtet.


Literatur (doi: 10.1002/ejp.703):
Mainka T et al. (2015) Presence of hyperalgesia predicts analgesic efficacy of topically applied capsaicin 8% in patients with peripheral neuropathic pain.Eur J Pain.[Epub ahead of print]


Über den DFNS e.V.:

Ziel des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz e.V. (DFNS e.V.) ist, die medizinische Versorgung von Patienten mit Nervenschmerzen grundlegend zu verbessern. Im Fokus stehen die Optimierung einer qualitativ hochwertigen Diagnostik sowie der Therapie- und Versorgungsforschung neuropathischer Schmerzen. Der gemeinnützige Verein ist Nachfolger des DFNS, der von 2002 bis 2012 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde. Die Geschäftsstelle ist am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München angesiedelt.


Medizin am Abend DirektKontakt:

Dr. med. Tina Mainka
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
e-mail: t.mainka@uke.de

Vedrana Romanovic
DFNS e.V.
Neurologische Klinik
Klinikum rechts der Isar
Technische Universität München
Ismaninger Str. 22
81675 München

Tel.: +49 89 4140 - 7915
Fax: +49 89 4140 - 4655
e-mail: romanovic@lrz.tum.de
Tanja Schmidhofer Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

Mukoviszidose-Lungen - Biofilme - chronische Lungeninfektionen

Medizin am Abend Fazit:    Bakterien in Mukoviszidose-Lungen bilden besonders widerstandsfähige Biofilme


Zystische Fibrose, besser bekannt unter dem Namen Mukoviszidose, ist eine tückische Erbkrankheit. 

Durch eine Stoffwechselstörung enthalten die Körpersekrete der Patienten zu wenig Wasser. Eine der Folgen: Der Schleim in den Bronchien der Patienten ist besonders zähflüssig. Sie leiden unter chronischem Husten und unter immer wiederkehrenden schweren Infektionen der Lunge. Der Grund: In dem zähen Schleim siedeln sich Krankheitserreger wie Pseudomonas aeruginosa dauerhaft an und bilden widerstandsfähige Biofilme. Über 90 Prozent der Patienten sterben an den Folgen dieser chronischen Lungeninfektion.

Einige Formen von P. aeruginosa haben sich besonders gut an die Bedingungen in der zäh verschleimten Lunge angepasst – sie bilden sehr kompakte Kolonien, sind häufig resistent gegen Antibiotika und tendieren dazu, fest aneinander zu kleben. Wissenschaftler am TWINCORE haben nun herausgefunden, worin sich diese auf Mukoviszidose-Patienten spezialisierten Krankheitserreger von ihren Verwandten unterscheiden – und haben damit den Grundstein für neue therapeutische Ansätze gelegt.

Ihren Namen verdanken diese besonderen P. aeruginosa Stämme ihrem Aussehen auf Kulturplatten im Labor. Sie bilden besonders kompakte, kleine Kolonien und heißen daher „Small Colony Variants“, kurz SCV. Es gibt unterschiedliche Typen der SCV – allen gemeinsam ist ihre Spezialisierung auf die Bedingungen in den Lungen von Mukoviszidose-Patienten. „Sie sind besonders starke Biofilmbildner und damit maßgeblich am chronischen Verlauf der Lungeninfektion beteiligt“, sagt Andrea Blanka, Wissenschaftlerin am Institut für Molekulare Bakteriologie. Denn wenn die Bakterien sich erst einmal zu einem Biofilm zusammengeschlossen haben, sind sie für das Immunsystem kaum noch sichtbar und Antibiotika dringen nicht in die schleimige Matrix eines Biofilms ein. „Wir haben uns gefragt, welche Faktoren in unserem klinischen P. aeruginosa Isolat für diese Veränderung und die damit einhergehende Anpassung an die kranke Lunge von Mukoviszidose-Patienten verantwortlich sind.“

Um hinter die Besonderheiten der kompakten Kolonien zu kommen, haben die Wissenschaftler des TWINCORE gemeinsam mit Kollegen des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover die Gene der Bakterien und die Erscheinungsform dieser speziellen Variante mit gewöhnlichen P. aeruginosa Stämme verglichen.

„Wir haben herausgefunden, dass bei dem von uns untersuchten SCV-Stamm ein Gen mutiert ist, das für die Herstellung langkettiger Fettsäuren verantwortlich ist“, sagt Andrea Blanka.

„Durch diese Mutation werden weniger langkettige Fettsäuren von den Bakterien produziert und in die Membran eingebaut.“ Dies ist das entscheidende Puzzleteil, denn die Länge der Fettsäuren, aus denen sich die umhüllende Membran der Bakterien zusammensetzt, beeinflusst ein sogenanntes chemosensorisches System von P. aeruginosa, das in der Membran lokalisiert ist. Neben anderen Regulatoren steuert es, wie viel des Botenstoffes „zyklisches di-Guanosinmonophosphat“, kurz c-di-GMP, in den Zellen gebildet wird. Produzieren die Bakterien wenig c-di-GMP, schwimmen sie einzeln und frei im Lungensekret des Patienten. Produzieren die Bakterien viel c-di-GMP, schließen sich die Bakterien zu den widerstandsfähigen Biofilmen zusammen.

„Wir haben bislang nur eine von mehreren klinischen SCV-Isolaten genau untersucht und wollen jetzt mithilfe von 150 verschiedenen SCV-Isolaten aus Mukoviszidose-Lungen analysieren, ob all diese Isolate durch unterschiedliche Mechanismen zu den besonders biofilmfreudigen Varianten von P. aeruginosa werden“, so die Biochemikerin. „Die Beeinflussung der c-di-GMP Ausschüttung über Fettsäuren war allerdings bislang unbekannt.“

Nun untersuchen die Wissenschaftler am Institut für Molekulare Bakteriologie, wie sie das Wissen um diese Small Colony Variants von P. aeruginosa für neue therapeutische Ansätze zur Behandlung chronischer Lungeninfektionen bei Mukoviszidose nutzen können.


Hören Sie auch den Podcast: http://podcasts.aaas.org/science_signaling/ScienceSignaling_150414.mp3.

Literatur:
A. Blanka, J. Düvel, A. Dötsch, B. Klinkert, W.-R. Abraham, V. Kaever, C. Ritter, F. Narberhaus, S. Häussler, Constitutive Production of c-di-GMP Is Associated with Mutations in a Variant of Pseudomonas aeruginosa with Altered Membrane Composition. Sci. Signal. 8, ra36 (2015).
Die vollständige Publikation finden Sie unter folgendem Link: http://stke.sciencemag.org/cgi/content/full/sigtrans;8/372/ra36?ijkey=GbJWAQU6Ql...


Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Susanne Häußler, susanne.haeussler(at)twincore.de
Tel: +49 (0)511-220027-212
Dr. Andrea Blanka, andrea.blanka(at)twincore.de
Tel: +49 (0)511-220027-229

Dr. Jo Schilling TWINCORE - Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung

360° TOP-Thema: Herpes Viren: Schwere Lungenentzündung / Gehirnentzündung

Medizin am Abend Fazit:   Herpesviren in Aktion

Wie Herpesviren die Molekularbiologie menschlicher Zellen in Unordnung bringen: Wissenschaftler aus Würzburg, Cambridge und München präsentieren in „Nature Communications“ neue Ergebnisse. Sie stellen damit frühere Erkenntnisse der Virenforschung in Frage. 
 
Wenn eine Erkältung im Anmarsch ist, merken das viele Leute daran, dass ihre Lippen anfangen zu jucken. Grund dafür ist das Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1). Es verursacht beim Menschen die harmlosen Lippenbläschen, doch es kann auch lebensbedrohlich werden.  

So führt das Virus zum Beispiel bei Patienten auf Intensivstationen zu schweren Lungenentzündungen.

Bei Gesunden kann es spontan eine Gehirnentzündung verursachen, die häufig irreversible Gehirnschäden nach sich zieht.

Das Erbmaterial des Virus besteht aus DNA, wie beim Menschen. Sobald es in menschliche Zellen eingedrungen ist, schleust es sein Erbgut in den Zellkern ein. Dort befindet sich die molekulare Maschinerie, mit der genetische Information von der DNA abgelesen und in RNA-Moleküle umgeschrieben wird. Diese RNA bestimmt dann, welche Proteine von der Zelle gebildet werden.

Im Zellkern übernimmt das Virus innerhalb weniger Stunden nach der Infektion die vollständige Kontrolle über diese Maschinerie. Es nutzt sie dazu, um die eigenen Proteine von der Zelle produzieren zu lassen und sich massenhaft zu vermehren. Die Bildung zelleigener Proteine wird so schnell zur Nebensache. Am Ende stirbt die Wirtszelle ab und entlässt Tausende neuer Viren, die wieder andere Zellen infizieren.

Ablesen der menschlichen DNA wird gestört

Virologen um Professor Lars Dölken von der Uni Würzburg stellen jetzt in Kooperation mit dem Bioinformatik-Team von Professorin Caroline Friedel (LMU München) neue Details aus diesem Prozess vor. Ihre Arbeiten sind im Journal „Nature Communications“ veröffentlicht.

Die Forscher haben in Zellkulturen analysiert, wie eine Infektion menschlicher Bindegewebszellen (Fibroblasten) mit HSV-1 zeitlich verläuft und was dabei mit der Gesamtheit der RNA-Moleküle in den Zellen passiert. Dabei setzten sie eine neue Methode ein. Mit ihr können sie zu bestimmten Zeiten nach dem Beginn der Infektion die gebildeten RNA-Moleküle selektiv aufreinigen und mit Hochdurchsatz-Sequenzierung untersuchen.

Schon drei bis vier Stunden nach der Infektion konnten die Wissenschaftler einen völlig unerwarteten Effekt beobachten: Der Ablesevorgang an der menschlichen DNA stoppt nicht mehr an den vorgesehenen Stellen, sondern läuft einfach weiter, und das oft über mehrere benachbarte Gene hinweg.  

So entstehen massenhaft unbrauchbare RNA-Produkte, die nicht mehr ordnungsgemäß zu Proteinen weiterverarbeitet werden.

Die DNA des Virus wird dagegen völlig korrekt abgeschrieben. So verhindert das Virus wahrscheinlich Abwehrreaktionen der Wirtszelle und erhöht die Produktion seiner eigenen Proteine.

Hunderte Gene werden geweckt, bleiben aber stumm

Der neu entdeckte Mechanismus kann den Anschein erwecken, dass das Virus sehr viele Gene in der Zelle zusätzlich aktiviert – was aber nicht stimmt. „Experimentelle Daten wurden daher in der Vergangenheit wahrscheinlich falsch interpretiert“, so die Schlussfolgerung der Forscher. Ihren Erkenntnissen zufolge sind Hunderte von zellulären Genen, die von den Viren scheinbar aktiviert werden, selbst acht Stunden nach der Infektion nicht in Proteine übersetzt. „Abweichend von anderen Studien fanden wir zudem keinen Hinweis darauf, dass die Viren die Weiterverarbeitung der RNA im Zellkern, das so genannte Splicing, generell hemmen“, so Dölken. Stattdessen komme es zu ungewöhnlichen Splice-Vorgängen, die bisher so noch nicht beschrieben waren.

Das Forschungsteam aus Würzburg, Cambridge und München hat mit dieser Arbeit einen methodischen Meilenstein gesetzt: Mit einem einzigen experimentellen Ansatz ist es möglich, die Gesamtheit der Veränderungen beim Ablesen und der Weiterverarbeitung der RNA sowie deren Auswirkungen auf die Proteinproduktion zu erfassen.

„Wide-spread disruption of host transcription termination in HSV-1 infection“, Andrzej J. Rutkowski, Florian Erhard, Anne L’Hernault, Thomas Bonfert, Markus Schilhabel, Colin Crump, Philip Rosenstiel, Stacey Efstathiou, Ralf Zimmer, Caroline C. Friedel, Lars Dölken. Nature Communications, 20. Mai 2015, DOI: 10.1038/ncomms8126


Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Lars Dölken, Institut für Virologie und Immunbiologie, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, T (0931) 31-88185, lars.doelken@vim.uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Caroline Friedel, Institut für Informatik (Bioinformatik), Ludwig-Maximilians-Universität München, T (089) 2180-4056, Caroline.Friedel@bio.ifi.lmu.de
Robert Emmerich Julius-Maximilians-Universität Würzburg