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Prof. Dr. Mustafa Özcürümez: TOP - Einladung zur Studie zur Fettlebererkrankungen (nicht-alkoholischen Fettleber)und dem Biorhythmus und innere Uhr

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Studie: Wie Biorhythmus und Fettleber zusammenhängen

Unsere innere Uhr steuert uns durch Tag und Nacht und hat weitreichende Auswirkungen auf unseren Stoffwechsel. 

Wenn sie aus dem Gleichgewicht gerät, kann das gesundheitliche Folgen haben. 

Ob und wie Störungen des Biorhythmus die Entstehung einer nicht-alkoholischen Fettleber begünstigen, soll eine Studie erhellen, die Prof. Dr. Mustafa Özcürümez von der Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Knappschaftskrankenhaus Bochum gemeinsam mit der dortigen Augenklinik unter der Leitung von Prof. Dr. Burkhard Dick startet. 

Mustafa Özcürümez mit einer Probandin, die ein Lichtdosimeter trägt. Mustafa Özcürümez mit einer Probandin, die ein Lichtdosimeter trägt. © Knappschaftskrankenhaus Bochum

Für die Studie werden Teilnehmende gesucht, die unter anderem bereit sind, ein an der Hochschule Luzern unter der Leitung von Prof. Dr. Björn Schrader eigens entwickeltes Licht-Dosimeter zu tragen, das Aufschluss über die Auswirkung nicht sichtbaren Lichts gibt. 

Als weiterer Kooperationspartner konnte Prof. Dr. Achim Kramer als ausgewiesener Experte im Bereich der Chronobiologie als Kooperationspartner gewonnen werden.

Alle Informationen zur Studienteilnahme gibt es online:

https://redcap.kk-service.de/surveys/?s=LAEJCMJDDK7J87TM

Schlafstörungen und Müdigkeit

Unsere innere Uhr wird durch viele Faktoren gestellt: 

Zum einen ist es genetisch bedingt, ob wir eher Frühaufsteher oder Nachtmenschen sind, zum anderen tragen aber auch die Zeiten, zu denen wir essen, schlafen oder Licht ausgesetzt sind, dazu bei. Letzteres muss nicht unbedingt sichtbares Licht sein:  

  • Bestimmte Fotorezeptoren im Auge vermitteln direkt und indirekt Signale nicht sichtbaren Lichts an unsere zentrale innere Uhr und die organspezifische Rhythmik. 

Dieses komplexe Zusammenspiel ist anfällig für Störungen, die weitreichende Folgen haben können.

„Das Spektrum an Störungen des Biorhythmus ist sehr breit“, betont Mustafa Özcürümez. „Und was es nicht einfacher macht, ist, dass Müdigkeit und Schlafprobleme oftmals als normal und Privatsache angesehen werden.“ 

Hinzu komme, dass Lichtverschmutzung, Schichtarbeit, abendliches blaues Licht durch Handy im Bett oder spätes Arbeiten am PC und der sogenannte Social Jetlag, bei dem man am Wochenende zu lange aufbleibt, nicht unbedingt zu Schlafstörungen führen müssen. 

Dennoch beeinflussen diese Faktoren den Biorhythmus und führen zu einer ungünstigen Stoffwechsellage, die in einer Fettleber münden kann.
„Die Fettlebererkrankung ist ein multifaktorielles Geschehen, das sich über Jahre bis Jahrzehnte hinweg entwickelt“, erklärt Mustafa Özürümez. Ziel der startenden Studie ist es, alle Faktoren, die dazu beitragen, so breit wie möglich zu erfassen.

Großes Instrumentarium

Dazu haben die Beteiligten ein Instrumentarium entwickelt, das neben dem Licht-Dosimeter Fragebögen, genetische Untersuchungen, Blut- und Speicheluntersuchungen bis hin zu Metabolom-Analysen umfasst. 

Das Studienteam sucht für das Projekt sowohl Teilnehmende, die an einer nicht-alkoholischen Fettleber leiden, als auch gesunde Kontrollpersonen, die allerdings keine Schichtarbeit verrichten dürfen. 

„Wer teilnimmt, erfährt eine ganze Menge über sich selbst“, sagt Mustafa Özcürümez. 

Neben einer Aufwandsentschädigung sollen die Probandinnen und Probanden auch einen ausführlichen Bericht über ihren Chronotyp und viele andere Ergebnisse der Untersuchungen erhalten.

„Sollte sich ein Einfluss des Chronotyps auf die Entwicklung einer Fettlebererkrankung bestätigen, könnte man Ansätze zur Prävention ableiten“, sagt Mustafa Özcürümez. 

  • Außerdem gibt es therapeutische Ansätze wie Lichttherapie, Brillen mit Blaulichtfilter, die Einnahme von Melatonin und verhaltenstherapeutische Maßnahmen, die den Schlaf verbessern

Wie Biorhythmus und Fettleber zusammenhängen

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Prof. Dr. Mustafa Özçürümez
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http://Infos zur Studie: https://redcap.kk-service.de/surveys/?s=LAEJCMJDDK7J87TM

Professor Dr. med. Achim Kaasch: SAB Behandlung von Blutstrominfektionen (Sepsis-Blutvergiftung) mit dem Erreger Staphylococcus aurus

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue Behandlungsmöglichkeiten für Infektionen der Blutbahn

https://intensivmed.de/podcast/ 

Studie belegt Wirksamkeit und Sicherheit einer oralen Antibiotikatherapie in Tablettenform bei Blutstrominfektionen durch Staphylococcus aureus. 

Bislang sind Infusionen der Behandlungsstandard / Veröffentlichung in „The Lancet Infectious Diseases“. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: SpezialKlinik Reha nach Blutvergiftung 

Eine internationale klinische Studie unter der Leitung von Professor Dr. med. Achim Kaasch, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und Professor Dr. med. Harald Seifert, ehemaliger stellvertretender Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene der Uniklinik Köln und Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), konnte entscheidende neue Erkenntnisse zur Behandlung von Blutstrominfektionen mit dem Erreger Staphylococcus aureus gewinnen. 

  • Die Forschungsarbeit zeigt, dass bei Patient*innen mit niedrigem Risiko für das Auftreten von Infektionskomplikationen eine frühzeitige Umstellung auf eine orale Antibiotikatherapie genauso wirksam und sicher ist wie die Fortsetzung der herkömmlichen intravenösen Behandlung.  
  • Für Patient*innen ermöglicht dieser neue Therapieansatz eine einfachere Behandlung und eine schnellere Entlassung aus dem Krankenhaus. 

Die Ergebnisse der Studie, an der neben Forschenden in Magdeburg und Köln auch Wissenschaftler*innen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und des DZIF beteiligt waren, sind unter dem Titel „Efficacy and safety of an early oral switch in low-risk Staphylococcus aureus bloodstream infection (SABATO): an international, open-label, randomised, controlled, non-inferiority trial“ im Fachjournal The Lancet Infectious Diseases veröffentlicht worden.

Das Bakterium Staphylococcus aureus ist weltweit einer der häufigsten Krankheitserreger, der schwere Blutstrominfektionen – auch Sepsis oder Blutvergiftung genannt – verursachen kann. 

Schätzungsweise 30.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr allein an dieser Infektion, etwa 25 Prozent der Betroffenen versterben in den ersten 3 Monaten. Professor Kaasch erklärt: 

„Wenn eine SAB nicht ausreichend behandelt wird, besteht die ernsthafte Gefahr, dass die Infektion auf andere Körperteile übergreift. 

Selbst nach einer erfolgreichen Behandlung kann sich eine Infektion oft über mehrere Monate hinweg negativ auf den Genesungsprozess der Betroffenen auswirken.“

Eine herkömmliche Behandlung von SAB erfolgt für mindestens 14 Tage mit intravenös verabreichten Antibiotika im Krankenhaus.  

Die Untersuchung der Forschungsgruppe fokussierte sich auf die Frage, ob bei Patient*innen mit SAB eine orale Therapie mit Tabletten genauso effektiv ist wie die herkömmliche intravenöse Behandlung. 

„Wir haben herausgefunden, dass eine frühzeitige Umstellung auf eine orale Antibiotikatherapie nach 5 bis 7 Tagen einer intravenösen Behandlung genauso sicher und wirksam ist, wie die etablierte intravenöse Standardtherapie“, so Kaasch.  

#Dennoch sei laut dem Mikrobiologen eine sorgfältige Beurteilung von Patient*innen auf Anzeichen und Symptome erforderlich, um zu klären, ob Infektionskomplikationen bereits vorliegen. 

Nur wenn diese ausgeschlossen sind, könne eine orale Umstellungstherapie in Betracht gezogen werden.

Die Ergebnisse dieser wegweisenden Studie markieren einen entscheidenden Fortschritt in der Behandlung von Staphylococcus aureus Blutstrominfektionen und bieten Hoffnung auf eine verbesserte Versorgung von Patient*innen weltweit. 

„Mit diesen Erkenntnissen eröffnet sich die Möglichkeit, die Behandlung zu vereinfachen und Patientinnen und Patienten schneller zu entlassen“, betont Kaasch.
In weiteren Studien wollen die Wissenschaftler*innen verschiedene Fragen zur Diagnose und Behandlung von SAB untersuchen. 

„Besonders relevant ist nun die Prüfung einer Umstellung auf eine orale antibiotische Therapie nach initialer intravenöser Behandlung auch bei Patient*innen mit komplizierten Staphylococcus aureus Blutstrominfektionen“, erläutert Professor Seifert von der Kölner Universitätsmedizin und Initiator der Studie.

 „Dazu liegen bislang noch keine Erkenntnisse vor.“

Bei der durchgeführten Studie handelt es sich um eine multizentrische, kontrollierte klinische Nichtunterlegenheits-Studie. Sie wurde an 31 Standorten in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Spanien durchgeführt. Eine solche Studie soll zeigen, dass eine neue Behandlungsmethode gleichwertige Ergebnisse zur etablierten Behandlung erzielt. Insgesamt wurden Daten von über 5.000 Patient*innen erhoben. Die Studie schloss 213 Teilnehmer*innen ein, wobei 108 der oralen Gruppe und 105 der intravenösen Gruppe zufällig zugeteilt wurden. Sie wurde gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. 

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Dr. Anna Euteneuer
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Verantwortlich: Dr. Elisabeth Hoffmann – e.hoffmann@verw.uni-koeln.de 

Gabriele Meseg-Rutzen Universität zu Köln

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Prof. Dr. med. Harald Seifert
Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene der Uniklinik Köln
Und Institut für Translationale Forschung am Alternsforschungs Exzellenzcluster
CECAD der Universität zu Köln
harald.seifert@uni-koeln.de


Originalpublikation:

Veröffentlichung:
Efficacy and safety of an early oral switch in low-risk Staphylococcus aureus bloodstream infection (SABATO): an international, open-label, randomised, controlled, non-inferiority trial; The Lancet Infectious Diseases; 18.01.2024; DOI: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(23)00756-9

 

Univ.-Prof. Dr. Christoph Reinhardt: Der Cholesterinstoffwechsel in Zusammenhang mit dem Knochenmark: Blutzellen und Blutkreislauf

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie beeinflussen Darmbakterien Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Ein Verbundprojekt unter der Federführung der Universitätsmedizin Mainz erforscht, wie Darmbakterien die kardiovaskuläre Gesundheit beeinflussen können. 

Im Fokus stehen dabei Entzündungsreaktionen in der Leber und Blutbildungsprozesse im Knochenmark. 

Ziel der Forschenden ist es, diese zugrundeliegenden Mechanismen aufzuklären, um neue Ansätze zur Prävention und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln zu können. 

Die vom BMBF geförderten Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) unterstützen die Studie im Rahmen ihres Innovation Funds „Mikrobiom“ mit rund 640.000 Euro über einen Zeitraum von zwei Jahren. 

Das von den Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung geförderte Verbundprojekt der Uni-versitätsmedizin Mainz untersucht die Rolle von Darmbakterien bei Gefäßentzündungen und der Blutbildung. Das von den Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung geförderte Verbundprojekt der Uni-versitätsmedizin Mainz untersucht die Rolle von Darmbakterien bei Gefäßentzündungen und der Blutbildung. UM / via canva.com

Forschungsprojekt der Universitätsmedizin Mainz untersucht die Rolle des Mikrobioms bei Gefäßentzündungen und Blutbildung

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Sie verursachen hierzulande etwa 40 Prozent aller Sterbefälle. Neben der hohen Sterberate können Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen.  

  • Gefäßentzündungen können zu kardiovaskulären Erkrankungen, wie Atherosklerose (Arterienverkalkung) und Atherothrombose (entzündlich bedingte Blutgerinnsel im arteriellen Gefäßsystem) führen. 
  • Der Cholesterinstoffwechsel und die im Knochenmark gebildeten Blutzellen, die in den Blutkreislauf einwandern, beeinflussen die Ausprägung von Gefäßentzündungen. 
  • Dabei handelt es sich um Prozesse, die von den Mikroorganismen im Darm, dem Darmmikrobiom, moduliert werden.

„Wie die Zusammenhänge sich genau gestalten und wie die Mechanismen dahinter funktionieren, ist bisher wenig erforscht. 

Unser Forschungsprojekt soll diese zellulären Hintergründe aufklären“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Christoph Reinhardt, Arbeitsgruppenleiter am Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz und Fellow am Gutenberg Forschungskolleg der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Bekannt ist, dass die Ernährung einen Einfluss auf die kardiovaskuläre Gesundheit hat. Aktuelle Studien zeigen, dass Menschen, die sich ballaststoffreich ernähren, ein niedrigeres Risiko haben, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln.

„Das zunehmende Problem in westlichen Ländern ist: 

Es werden zu wenig Ballaststoffe und zu viel zucker- und fetthaltiges Essen konsumiert. 

Dadurch kann es zum sogenannten metabolischen Syndrom kommen, also zum gemeinsamen Auftreten von Übergewicht, Bluthochdruck sowie Zucker- und Fettstoffwechselstörungen. 

Dies sind alles Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen“, betont Professor Reinhardt.

  • Ballaststoffe, insbesondere aus Gemüse und Vollkornprodukten, werden durch bestimmte Bakterien des Darmmikrobioms zu kurzkettigen Fettsäuren umgewandelt. 

Eines dieser Stoffwechselprodukte, die sogenannte Propionsäure, reduziert die Konzentration von Fetten im Blut wie beispielsweise Cholesterin. 

„Hohe Blutfettwerte sind einer der Haupttreiber für Gefäßentzündungen. 

Die Propionsäure könnte daher eine vielversprechende Substanz für neue Therapieansätze bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen“, so Professor Reinhardt.

Im Fokus der Forschenden steht die Leber als stoffwechselaktives Organ. 

  Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist das Knochenmark, das als blutbildendes System ebenfalls eine maßgebliche Rolle bei der Herz-Kreislauf-Gesundheit spielt.

„Das Darmmikrobiom beeinflusst nicht nur den Stoffwechsel, sondern auch die Bildung von Blutzellen im Knochenmark, die sogenannte Hämatopoese und hier vor allem die Myelopoese, also die Bildung von myeloischen Zellen, die normalerweise zum Beispiel Bakterien bekämpfen. 

Im Rahmen unseres Verbundprojekts werden wir untersuchen, wie das Mikrobiom die Gefäße im Knochenmark beeinflusst, wie es die Myelopoese reguliert und auch wie die neu gebildeten Blutplättchen in den Blutkreislauf gelangen – alles wichtige Aspekte für die kardiovaskuläre Gesundheit“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Daniela Krause, Direktorin des Instituts für Transfusionsmedizin – Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz.

Um unter der Vielzahl von Darmbakterien einzelne Bakterienarten im Detail erforschen zu können, wenden die Forschenden eine besondere Untersuchungsmethode an, die sogenannte Gnotobiotik. Damit können sie unter keimfreien Bedingungen im Tiermodell einzelne Bakterien-interaktionen und ihren Einfluss auf die Leber und das Knochenmark spezifisch untersuchen.

Für das DZG-Verbundprojekt hat sich ein interdisziplinäres Team aus Forschenden des Centrums für Thrombose und Hämostase, des Zentrums für Kardiologie – Kardiologie I und des Instituts für Transfusionsmedizin – Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz zusammengeschlossen. Das Forschungskonsortium wird ergänzt durch Wissenschaftler:innen der Technischen Universität Dresden (Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin (PD Dr. Arash Haghikia). Die Forschenden des Verbundprojekts gehören zudem verschiedenen Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung an: dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK), dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) sowie dem Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK).

Der DZG Innovation Fund (DZGIF) ist ein gemeinsames Forschungsförderprogramm der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Er unterstützt krankheitsübergreifende Forschungsideen, die das Wissen zur Prävention und Behandlung von Volkskrankheiten voranbringen können. Ziel des DZGIF ist es, die Forschenden zu vernetzen, die gemeinsame Forschung zu erleichtern und so zwischen den DZG interdisziplinäre Synergien zu schaffen. Für die zweite Ausschreibung des Förderprogramms zum Thema „Mikrobiom“ wurden insgesamt acht Anträge eingereicht. Das Mainzer Verbundprojekt „The gut microbiome as a functional modifier of myelopoiesis and inflammatory vascular endothelial phenotypes in cardiometabolic disease“ zählt zu den zwei Projekten, die aufgrund der herausragenden Bewertung für die Förderung ausgewählt wurden.

Mehr Informationen: https://deutschezentren.de/dzg-innovation-fund/

Wie beeinflussen Darmbakterien Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

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Univ.-Prof. Dr. Christoph Reinhardt, Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH), Universitätsmedizin Mainz, Telefon 06131 17-8280,
E-Mail Christoph.Reinhardt@unimedizin-mainz.de

Univ.-Prof. Dr. Daniela Krause, Institut für Transfusionsmedizin – Transfusionszentrale, Universitätsmedizin Mainz, Telefon 06131 17-3210,
E-Mail Daniela.Krause@unimedizin-mainz.de

Dr. Natkritta Hüppe, Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131 17-7771, E-Mail pr@unimedizin-mainz.de

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Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich mehr als 345.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Mehr als 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 670 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 8.700 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter https://www.unimedizin-mainz.de




Prof. Dr. Martin Reincke: Volkskrankheit Adipositas (Fettleibigkeit): Cushing-Sysndrom mit rundem Gesicht und Stiernacken per Harnsteroidanalyse

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie Stresshormone Fettleibigkeit beeinflussen können

Gießener und Münchner Forschende entwickeln neue Methode zur Diagnose des lebensbedrohlichen Cushing-Syndroms 

Das Muster der Steroidhormone (Pfeile), die Verteilung der Patientinnen und Patienten (Punkte) und die ermittelten Cluster (farbige Flächen) weisen auf die Ursache des jeweiligen Cushing-Syndroms (Subtyp) hin. Grafik: Jörn Pons-Kühnemann Das Muster der Steroidhormone (Pfeile), die Verteilung der Patientinnen und Patienten (Punkte) und die ermittelten Cluster (farbige Flächen) weisen auf die Ursache des jeweiligen Cushing-Syndroms (Subtyp) hin. Grafik: Jörn Pons-Kühnemann

Die Volkskrankheit Adipositas (Fettleibigkeit) birgt schwerwiegende gesundheitliche Risiken wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. 

  • Nicht immer ist das jeweilige Essverhalten die Ursache – auch ein Überschuss am Stresshormon Kortisol kann Adipositas begünstigen. 

Die Betroffenen leiden dann am sogenannten „Cushing Syndrom“, das sich neben einem stark erhöhten Körpergewicht auch durch ein extrem rundes Gesicht und einen Stiernacken äußert. 

Bislang war die genaue Diagnostik dieses Syndroms aufwendig und langwierig. 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Gießen und München haben nun eine Methode entwickelt, mit dem das Cushing-Syndrom schnell und sicher diagnostiziert werden kann. 

Die Ergebnisse dieser Studie sind in der Lancet-Fachzeitschrift „EBioMedicine“ veröffentlicht worden.

Um die hormonellen Ursachen der Erkrankung zu ermitteln, untersuchten die Forschenden den Urin von betroffenen Patientinnen und Patienten im Steroidforschungslabor der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Dazu wendeten sie die Analysetechnik Gaschromatographie-Massenspektrometrie an. Die erforderlichen Proben wurden von Prof. Dr. Martin Reincke, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV des LMU Klinikums München, zur Verfügung gestellt. 

Er gründete und leitet das Deutsche Cushing-Register, die weltweit umfangreichste Datensammlung zu dieser Erkrankung. 

Die Ergebnisse der Harnuntersuchung wurden anschließend am Institut für Medizinische Informatik der JLU unter Leitung von Dr. Jörn Pons-Kühnemann ausgewertet.

„Die neue Methode zur Abklärung des Cushing-Syndroms ist das Ergebnis einer überaus erfolgreichen Zusammenarbeit – und vor allem ein großer medizinischer Fortschritt“, erläutert Prof. Dr. Stefan Wudy, Leiter des Gießener Forschungslabors, das zu den weltweit führenden Institutionen auf dem Gebiet zählt. 

„Diese Harnsteroidanalyse ist für die Patientinnen und Patienten nicht belastend und das Ergebnis liegt deutlich schneller vor als bei herkömmlichen Tests.“ 

Bislang seien dafür mehrere Blutentnahmen, teilweise auch ein stationärer Krankenhausaufenthalt mit komplizierten Eingriffen nötig gewesen. Außerdem hätten die Betroffenen monatelang auf eine effektive Therapie warten müssen.

Mithilfe der neu entwickelten Hormonanalyse konnten die Forschenden aber nicht nur schnelle, sondern auch umfangreiche Informationen über die genauen Ursachen des Cushing-Syndroms im Körper erhalten. 

„So wiesen Betroffene mit Tumoren der Hirnanhangdrüse deutlich andere Verteilungsmuster der Steroidhormone auf als solche, die Tumoren oder Vergrößerungen der Nebennieren hatten“, erläutert die Erstautorin der Studie, PD Dr. Leah Braun, Assistenzärztin an der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV des LMU Klinikums.

Um die Ergebnisse der Studie langfristig auch in der medizinischen Praxis zu verankern, soll die erfolgreiche Kooperation zwischen Gießen und München in Folgeprojekten fortgesetzt werden. 

Wie Stresshormone Fettleibigkeit beeinflussen können

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Prof. Dr. Stefan Wudy
Allgemeine Pädiatrie, Schwerpunkt Kinder-Endokrinologie und Kinder-Diabetologie
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Originalpublikation:

Delineating endogenous Cushing's syndrome by GC-MS urinary steroid metabotyping. Braun LT, Osswald A, Zopp S, Rubinstein G, Vogel F, Riester A, Honegger J, Eisenhofer G, Constantinescu G, Deutschbein T, Quinkler M, Elbelt U, Künzel H, Nowotny HF, Reisch N, Hartmann MF, Beuschlein F, Pons-Kühnemann J, Reincke M, Wudy SA. EBioMedicine. 2023 Dec 20; 99:104907. Online ahead of print. PMID: 38128413

https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2023.104907


 

Pupillometrie: Neurotransmitter Noradrenalin: Pupillenreaktion bei Depression - Symptome wie Antriebslosigkeit

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Ein-Blicke in die Depression

In einer Studie fanden Forschende einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Pupillenreaktion und dem Verlust, Freude zu empfinden. 

Diese Entdeckung trägt dazu bei, die physiologischen Mechanismen hinter einer Depression besser zu verstehen. 

Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera können WissenschaftlerInnen u.a. die Veränderung der Pupillengröße beobachten Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera können WissenschaftlerInnen u.a. die Veränderung der Pupillengröße beobachten Martin Otter MPI Psychiatrie

WissenschaftlerInnen des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie maßen die Pupillenreaktion von TeilnehmerInnen während sie eine Aufgabe lösten. 

  • Bei gesunden ProbandInnen erweiterten sich die Pupillen bei der Erwartung auf eine Belohnung während der Aufgabe, wohingegen diese Reaktion bei TeilnehmerInnen mit Depressionen weniger ausgeprägt war: 
  • „Besonders deutlich war die geringere Pupillenreaktion bei PatientInnen, die keine Freude mehr empfinden konnten und von einem Mangel an Energie berichteten“, so Andy Brendler, Erstautor der Studie. 

Diese beschriebene Antriebslosigkeit ist eines der meist beobachteten Symptome der Depression.

"Diese Erkenntnis hilft uns, die physiologischen Mechanismen, die hinter Antriebslosigkeit stecken, besser zu verstehen", erklärt Forschungsgruppenleiter Victor Spoormaker. 

Die Pupillenreaktion ist unter anderem ein Marker für die Aktivität im Locus Coeruleus, eine Gehirnstruktur mit der größten Ansammlung noradrenerger Neuronen im zentralen Nervensystem. 

Noradrenerge Nervenzellen reagieren auf den Neurotransmitter Noradrenalin. 

Der ist ein wichtiger Bestandteil der Stressreaktion sowie der Hochregulierung des Arousals, also der Aktivierung des Nervensystems. 

"Die geringere Pupillenreaktion bei PatientInnen, die unter höherer Antriebslosigkeit litten weist darauf hin, dass eine mangelnde Aktivierung des Locus Coeruleus einen entscheidenden physiologischen Prozess darstellt, der dem Gefühl der Antriebslosigkeit unterliegt", so Spoormaker. 

Die Pupillenreaktion war umso schwächer, je mehr depressive Symptome die Teilnehmenden zeigten. 

Diesen Zusammenhang hatten die Forschenden schon in einer früheren Studie gefunden. 

Die Reproduzierbarkeit neuropsychiatrischer Methoden ist eher die Ausnahme und zeigt die Zuverlässigkeit von Pupillometrie-Messungen.

Die Pupillometrie könnte als ergänzende Methode zur Diagnosestellung eingesetzt werden. 

Sie könnte auch dazu beitragen, individualisierte Behandlungsstrategien für Depression zu entwickeln. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Pupillenreaktionsuntersuchung 

Wenn beispielsweise ein/e PatientIn starke Beeinträchtigungen in der Pupillenreaktion zeigt, könnten Antidepressiva, die auf das noradrenerge System wirken, effektiver als andere Medikamente sein. 

Auch könnte die Medikamentendosierung anhand der Pupillenreaktion optimiert werden. 

Etwa 30 Prozent aller depressiven PatientInnen sprechen auf eine medikamentöse Behandlung nicht an . 

Ein verbessertes Verständnis der physiologischen Mechanismen der Depression und eine entsprechende Weiterentwicklung von Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten ist daher dringend erforderlich. 

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Anke Schlee Max-Planck-Institut für Psychiatrie

spoormaker@psych.mpg.de

Kraepelinstrasse 2-10
80804 München
Deutschland
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Annalena Huber
E-Mail-Adresse: annalena_huber@psych.mpg.de

Anke Schlee
Telefon: 08930622263
E-Mail-Adresse: anke_schlee@psych.mpg.de 
Originalpublikation:

Scientific reports 14, 2024
https://doi.org/10.1038/s41598-023-48792-0



Behandlung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)- COPD-Schub: Dreifachkomibination: bronchenerweiternd und entzündungshemmend

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Cochrane Review: 

  • Dreifachtherapie verbessert die Lebensqualität bei schwerer COPD

Bei der Behandlung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) kombiniert man oft mehrere Wirkstoffe zum Inhalieren. 

  • Ein Cochrane Review bestätigt nun, dass eine Dreifachkombination mit zwei bronchienerweiternden und einem entzündungshemmenden Wirkstoff gegenüber der verbreiteten Zweifachtherapie den Betroffenen weitere Vorteile bringt.
  • Medikamente zum Inhalieren können bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) die Beschwerden lindern und Atemproblemen vorbeugen. 

Die dafür gebräuchlichen Inhalatoren können einen oder mehrere verschiedene Wirkstoffe enthalten. 

In Frage kommen einerseits lang wirksame Bronchodilatatoren zur Erweiterung der Atemwege wie langwirksame Beta‐2‐Agonisten (LABA) und langwirksame Muskarin‐Antagonisten (LAMA)

  • Eine weitere Stoffklasse sind inhalierbare Kortikosteroide (ICS) wie Fluticason, Beclometason oder Budesonid, die entzündungshemmend wirken.

Es hat sich gezeigt, dass sich die Therapietreue und die Ergebnisse für die Betroffenen verbessern, wenn man zwei atemwegserweiternde Mittel (LABA und LAMA) kombiniert anwendet. 

Kommt es dennoch häufig zu akuten Verschlechterungen, kann diese Kombination um ein Kortikosteroid zu einer Dreifachtherapie erweitert werden. 

Ob eine solche Dreifachkombination zusätzliche Vorteile und Risiken mit sich bringt, war Frage des aktuellen Cochrane Reviews.

Die Autor*innen fanden vier Studien mit insgesamt mehr als 15.000 COPD‐Patient*innen, in denen die LABA/LAMA/ICS-Dreifachtherapien mit LABA/LAMA‐Zweifachtherapien verglichen wurden. 

Die meisten Studienteilnehmenden waren Mitte sechzig, litten unter schweren oder sehr schweren COPD‐Symptomen und hatten in letzter Zeit mindestens einen COPD‐Schub erlitten. 

An den Studien nahmen mehr Männer als Frauen teil.

Evidenz von hoher Vertrauenswürdigkeit zeigt, dass sich die Lebensqualität der Betroffenen mit der Dreifachtherapie im Vergleich zur LABA/LAMA‐Zweifachtherapie verbessert. 

Die mit der Dreifachtherapie behandelten Personen haben jedoch wahrscheinlich ein höheres Risiko für eine Lungenentzündung (moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE).

  • Die Dreifachtherapie könnte sich im Vergleich zu den Zweifach-Inhalationen auch positiv auf die Häufigkeit von COPD‐Schüben auswirken. 

Dies ist jedoch unsicher, da sich hier die Ergebnisse der einzelnen Studien deutlich unterschieden. 

Eine mögliche Erklärung: 

Möglicherweise senkt die Dreifachkombination die Zahl akuter Schübe in besonderem Maße bei Patient*innen mit einer großen Menge bestimmter weißer Blutkörperchen (Eosinophile) im Blut.


Originalpublikation:

van Geffen WH, Tan DJ, Walters JAE, Walters EH. Inhaled corticosteroids with combination inhaled long‐acting beta2‐agonists and long‐acting muscarinic antagonists for chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database of Systematic Reviews 2023, Issue 12. Art. No.: CD011600. DOI: 10.1002/14651858.CD011600.pub3

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Georg Rüschemeyer Cochrane Deutschland


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Baden-Württemberg

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E-Mail-Adresse: rueschemeyer@cochrane.de

Medizinischen Behandlung stark übergewichtiger Menschen

 

Medizinische Behandlung stark übergewichtiger Menschen

Mit der medizinischen Behandlung stark übergewichtiger Menschen befasst sich die Unionsfraktion in einer Kleinen Anfrage (20/9995). Adipositas sei eine chronisch-fortschreitende Krankheit, die aufgrund der Vielzahl an Folge- und Begleiterkrankungen eine enorme Herausforderung für Patienten, Ärzte und das Gesundheitssystem darstelle, heißt es in der Anfrage.

In der Regel spreche man von Adipositas bei einem Body-Maß-Index (BMI) über 30 und von extremer Adipositas bei einem BMI von über 40. Die Krankheit führe schon bei Kindern und Jugendlichen zu erhöhten Blutdruckwerten, einer Insulinresistenz, Fettstoffwechselstörungen sowie Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Die Abgeordneten wollen wissen, welche Initiativen die Bundesregierung ergriffen hat, um die aus ihrer Sicht bestehenden Versorgungslücken in der Adipositas-Therapie gemäß dem in der Nationalen Diabetes Strategie formulierten Auftrag zu schließen.

Prof. Dr. Susanne Herold: Viralen Lungenentzündung bis hin zum Lungenversagen: Alveolarmakrophagen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie der Körper das Lungengewebe nach einer viralen Lungenentzündung repariert

Internationales Forschungsteam unter Federführung der Gießener Lungenforschung entdeckt neuen Reparaturmechanismus mit therapeutischem Potenzial – Veröffentlichung in „Nature Communications“

Wie repariert der Körper Schäden des Lungengewebes nach einer viralen Lungenentzündung und wie lassen sich diese Prozesse therapeutisch beeinflussen? 

Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein internationales Forschungsteam unter Federführung der Gießener Lungen- und Infektionsforscherin Prof. Dr. Susanne Herold, Professur für Innere Medizin, Infektiologie und experimentelle Pneumologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). 

Infektionen mit Atemwegsviren wie Influenza-Viren, den Auslösern der Virusgrippe, RS-Viren oder Coronaviren können eine virale Lungenentzündung auslösen, die im schlimmsten Fall zum Lungenversagen führt. 

  • Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten nun ein Protein identifizieren, das die Lungenschädigung durch Influenza-Viren mildert und therapeutisches Potenzial besitzen könnte. 

Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht worden.

  • Mit einer schweren Lungenentzündung ist ein rascher Rückgang des Gasaustauschs in der Lunge verbunden, so dass eine schnelle Regeneration des geschädigten Lungengewebes vonnöten ist. 
  • Eine wichtige Rolle bei der Reparatur von entzündungsbedingten Lungenschäden spielen Makrophagen, auch Fresszellen genannt. 
  • Sie sind ein wesentlicher Bestandteil in den Prozessen der Immunabwehr und sorgen unter anderem dafür, dass Erreger im Körper abgebaut werden. 
  • Dabei unterscheidet man zwischen ortsunabhängigen Makrophagen, die bei Bedarf über das Blut zum Einsatzort gelangen, und „sesshaften“ Gewebsmakrophagen, die an ein spezifisches Gewebe gebunden sind, wie die Alveolarmakrophagen in der Lunge. 
  • Gewebeansässige Alveolarmakrophagen sind langlebige Zellen in den Lungenbläschen (Alveolen), wo der Gasaustausch zwischen Blut und Atemluft stattfindet. 

Hier sorgen sie für stabile Verhältnisse im Lungengewebe (Gewebehomöostase) und sind an der unmittelbaren Abwehr von Erregern beteiligt. 

Mehrere Studien haben gezeigt, dass Alveolarmakrophagen bei einer viralen Lungenentzündung dezimiert und im Verlauf der Infektion allmählich durch aus dem Knochenmark stammende, mobile Makrophagen ersetzt werden.
Diese verwandeln sich in der entzündeten Lunge zu Alveolarmakrophagen.
Das Forschungsteam hat herausgefunden, dass während des Transformationsprozesses der mobilen Makrophagen zu Alveolarmakrophagen in hohem Maße das Protein Plet1 produziert wird. 

Plet1 erfüllt eine wichtige Funktion für die Lungenreparatur, indem es die Vermehrung von Alveolarepithelzellen – spezialisierte Zellen, die die Lungenbläschen auskleiden – und die Wiederversiegelung dieser Zellschichtbarriere induziert. 

Diese positiven Auswirkungen ließen sich auch von außen herbeiführen: 

Die Verabreichung von Plet1 milderte im präklinischen Modell die virale Lungenschädigung und führte zu einer deutlich schnelleren Erholung nach einer schweren Infektion, die ansonsten tödlich verläuft. 

„Wir haben erstmals einen Faktor identifiziert, der die Reparatur der geschädigten Lunge direkt vermittelt. 

Dieser Befund unterstreicht das therapeutische Potenzial von Plet1 zur Bekämpfung schwerer Lungenschäden bei einer viralen Lungenentzündung, und möglicherweise auch bei anderen Formen des akuten oder chronischen Lungenversagens“, so Prof. Herold.

An der Studie beteiligt waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Einrichtungen der Gießener Infektions- und Lungenforschung – Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) am Standort Gießen, Universities of Giessen and Marburg Lung Center (UGMLC), Deutsches Zentrum für Lungenforschung (DZL), Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), Institut für Lungengesundheit (ILH), Herz-Lunge-Exzellenzcluster Cardiopulmonary Institute (CPI), der Universitäten Heidelberg und Bonn, des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim sowie des Instituto de Investigación en Biomedicina de Buenos Aires (IBioBA) in Buenos Aires (Argentinien). 

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Originalpublikation:

Pervizaj-Oruqaj, L., Selvakumar, B., Ferrero, M.R. et al. Alveolar macrophage-expressed Plet1 is a driver of lung epithelial repair after viral pneumonia. Nat Commun 15, 87 (2024). https://doi.org/10.1038/s41467-023-44421-6