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Prof. Mark Coburn und PD Dr. Ana Kowark: Studie zur Wirkung von präoperativ, oral verabreichtem Midazolam (Benzodiazepine) bei älteren Patientinnen und Patienten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Erstmals große randomisierte Studie zur Wirkung von präoperativem Midazolam bei älteren Patienten

Prof. Mark Coburn und PD Dr. Ana Kowark von der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des Universitätsklinikums Bonn (UKB) haben die bislang größte randomisierte Studie zur Wirkung von präoperativ, oral verabreichtem Midazolam bei älteren Patientinnen und Patienten durchgeführt. 

  • Mittels Placebo-Kontrolle fanden die Medizinerinnen und Mediziner heraus, dass das Medikament bei niedrigdosiertem Einsatz die Patientenzufriedenheit und -sicherheit nicht beeinträchtigt. 

Die Ergebnisse wurden heute in der renommierten Fachzeitschrift JAMA Surgery veröffentlicht.

  • Midazolam ist ein Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine. 
  • In der Anästhesie wird es mitunter eingesetzt, um Patientinnen und Patienten vor einer OP zu beruhigen. 

„Trotz des weitverbreiteten Einsatzes ist die Wirkung von Midazolam bei oraler Verabreichung auf die Patientenzufriedenheit bei älteren Patientinnen und Patienten vor einem Eingriff bislang nicht abschließend geklärt“, sagt Prof. Mark Coburn, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des UKB. 

Deswegen wurde in neun deutschen Kliniken die bisher größte randomisierte Studie mit Placebo-Kontrolle zu dieser Fragestellung durchgeführt. 

Die mehr als 600 Studienteilnehmenden waren zwischen 65 und 80 Jahren alt und standen vor der Durchführung eines geplanten operativen Eingriffs mit mindestens 30-minütiger Vollnarkose und geplanter Extubation (d.h. geplantem Entfernen des Beatmungsschlauches).

Etwa der Hälfte der Studienteilnehmenden wurde oral eine geringe Einzeldosis Midazolam von 3,75 mg verabreicht, die andere Hälfte erhielt ein Placebo. 

In die Auswertung einbezogen wurden ein nach dem Operationstag auszufüllender Fragebogen und die Kontrolle von Vitalwerten, möglichen Komplikationen und der kognitiven Erholung innerhalb eines Monats nach der OP. 

„Wir haben herausgefunden, dass sich die Patientensicherheit der Midazolam- und der Placebo-Gruppe – bis auf einen höheren Anteil von Bluthochdruckpatientinnen und –patienten in der Placebo-Gruppe – nicht unterschieden. 

Eine geringdosierte Einzelmedikation von Midazolam bei älteren Patientinnen und Patienten vor einer Operation oder mit Angstzuständen verändert die Patientenzufriedenheit als auch die Patientensicherheit nicht“, so PD Dr. Ana Kowark, Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des UKB und Erstautorin der Publikation.

Originalpublikation:
Ana Kowark, MD; András P Keszei, PhD; Gerhard Schneider, MD; Stefanie Pilge, MD; Frederick Schneider, MD; David P Obert, MD; Marie-Therese Georgii, MD; Markus Heim, MD; Rolf Rossaint, MD; Sebastian Ziemann, MD; Julia van Waesberghe, MD; Michael Czaplik, PhD; Friedrich K Pühringer, MD; Christian Minarski, MD; Verena May, MD; Tobias Malisi, MD; Berthold Drexler, MD; Carmen Maria Ring, MD; Phillip Engler, MD; Roman Tilly, MD; Petra Bischoff, MD; Ulrich Frey, MD; Maria Wittmann, MD; Martin Soehle, MD; Thomas Saller, MD; Peter Kienbaum, MD; Moritz Kretzschmar, PhD; Mark Coburn*, MD; for the I-PROMOTE study group; Preoperative Midazolam and Patient-Centered Outcomes of Older Patients; DOI: 10.1001/jamasurg.2023.6479

Zum Universitätsklinikum Bonn: Im UKB werden pro Jahr etwa 500.000 Patient*innen betreut, es sind ca. 9.000 Mitarbeiter*innen beschäftigt und die Bilanzsumme beträgt 1,6 Mrd. Euro. Neben den über 3.300 Medizin- und Zahnmedizin-Studierenden werden pro Jahr weitere 585 Personen in zahlreichen Gesundheitsberufen ausgebildet. Das UKB steht im Wissenschafts-Ranking sowie in der Focus-Klinikliste auf Platz 1 unter den Universitätsklinika (UK) in NRW und weist den dritthöchsten Case Mix Index (Fallschweregrad) in Deutschland auf. Das F.A.Z.-Institut hat das UKB 2022 und 2023 als Deutschland begehrtesten Arbeitgeber und Ausbildungs-Champion unter den öffentlichen Krankenhäusern in Deutschland ausgezeichnet. 

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PD Dr. med. Ana Kowark
Oberärztin Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des Universitätsklinikums Bonn (UKB)
E-Mail: ana.kowark@ukbonn.de

Viola Röser Universitätsklinikum Bonn

Venusberg-Campus 1
53127 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Viola Röser
Telefon: +49 228 287-10469
E-Mail-Adresse: viola.roeser@ukbonn.de
Originalpublikation:

Preoperative Midazolam and Patient-Centered Outcomes of Older Patients; DOI: 10.1001/jamasurg.2023.6479



Prof. Dr. Dr. Christian Bachmann: Vermehrte Verwendung des atypischen Antipsychotikums Quetiapin

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Mehr Antipsychotika für Kinder und Jugendliche | Neue Studie zeigt besorgniserregenden Trend

  • Antipsychotika (AP) sind Medikamente, die zur Behandlung von Erkrankungen wie Schizophrenie oder bipolaren Störungen eingesetzt werden. 

Obwohl das Wissen über die Sicherheit und Wirksamkeit des AP-Einsatzes bei Kindern und Jugendlichen begrenzt ist, werden AP zunehmend auch bei anderen Indikationen wie Unruhe, Angst und Schlafstörungen eingesetzt. 

 Medizin am Abend Berlin - Zusatzfachlink Laborerhebung

Eine neue Studie am Universitätsklinikum Ulm (UKU) zeigt nun, dass der AP-Gebrauch bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. 

Der AP-Gebrauch bei Kindern und Jugendlichen hat in Deutschland in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Der AP-Gebrauch bei Kindern und Jugendlichen hat in Deutschland in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Quelle: Universitätsklinikum Ulm

Die Studie „Trends in antipsychotic use among children and adolescents in Germany: a study using 2011–2020 nationwide outpatient claims data“ untersuchte die Verordnung von Antipsychotika bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland von 2011 bis 2020 anhand von bundesweiten Abrechnungsdaten aus der ambulanten Versorgung.

 „Wir konnten zeigen, dass Antipsychotika in diesem Zeitraum immer häufiger verschrieben wurden“, erklärt Prof. Dr. Dr. Christian Bachmann, Leiter der AG Versorgungsforschung an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie des UKU und Erstautor der Studie. 

Dabei stieg die Verwendung von typischen Antipsychotika, also AP der ersten Generation, von 1,16 pro 1.000 auf 1,35 pro 1.000 Kindern und Jugendlichen, das ist ein Anstieg um 16 Prozent. 

  • Die Verwendung von atypischen Antipsychotika, also modernere AP, die im Vergleich zu typischen AP weniger Bewegungsstörungen mit sich bringen, nahm von 2,35 auf 2,75 pro 1.000 zu. Dies entspricht einem Anstieg von 17 Prozent. 
  • Besonders stark war die Zunahme bei Mädchen.
  • „Der markante Anstieg des AP-Gebrauchs bei weiblichen Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren, der größtenteils auf eine vermehrte Verwendung des atypischen Antipsychotikums Quetiapin zurückzuführen ist, ist bemerkenswert. 

Mögliche Gründe für diesen Anstieg – z.B. ein unzureichender Zugang zu psychosozialen Therapien – sollten sorgfältig analysiert werden“, betont Prof. Bachmann. 

  • Aktuelle Studien haben gezeigt, dass das Risiko für negative Veränderungen im Stoffwechsel und schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse selbst bei niedrigdosiertem Quetiapin-Gebrauch erhöht ist. 

Aufgrund des deutlichen Anstiegs des Gebrauchs und des Mangels an Daten für diese vulnerable Gruppe empfehlen die Forschenden, die Sicherheit des Quetiapin-Gebrauchs bei Kindern und Jugendlichen weiter zu untersuchen. 

Darüber hinaus könnte die Einführung von Monitoring-Maßnahmen – z.B. restriktivere Verschreibungsrichtlinien oder Schulungen für Verschreiber – in Betracht gezogen werden.

„Ob der Anstieg des Antipsychotika-Gebrauchs in Deutschland nun auf eine zunehmende Belastung durch psychische Störungen, auf einen Ausgleich fehlender psychotherapeutischer Kapazitäten oder auf andere Gründe zurückzuführen ist, muss in weiteren Forschungsarbeiten überprüft werden.  

Fest steht jedoch, dass insbesondere die Sicherheit des Antipsychotika-Gebrauchs bei Kindern und Jugendlichen weiter untersucht werden muss“, resümiert Prof. Bachmann.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS in Bremen, dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Berlin und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg durchgeführt und in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Frontiers in Psychiatry" veröffentlicht.

Originalpublikation:

Michael Dörks, Christian J. Bachmann, Maike Below, Falk Hoffmann, Lena M. Paschke and Oliver Scholle. Trends in antipsychotic use among children and adolescents in Germany: a study using 2011–2020 nationwide outpatient claims data
DOI: https://doi.org/10.3389/fpsyt.2023.1264047

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Nina Schnürer Universitätsklinikum Ulm

Albert-Einstein-Allee 29
89081 Ulm
Deutschland
Baden-Württemberg

Telefon: 0731 500 43025
Fax: 0731 500 43026
E-Mail-Adresse: nina.schnuerer@uniklinik-ulm.de


Professor Manolis Pasparakis: Die Darmschleimhaut- Aufnahme und Transport von Nährstoffen aus verdauter Nahrung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie Mitochondrien die Verarbeitung von Nahrungsfetten beeinflussen

Ein Kölner Forschungsteam hat einen neuen Mechanismus entdeckt, der die Aufnahme von Fetten aus verdauter Nahrung kontrolliert

  • Die Aufrechterhaltung eines ausgewogenen Verhältnisses von Fetten (Lipidhomöostase) ist für unsere Gesundheit von entscheidender Bedeutung. 

Der Verzehr übermäßiger Mengen fetthaltiger Lebensmittel trägt zwar zu Stoffwechselkrankheiten wie Übergewicht und Arterienverkalkung bei. 

Dennoch ist Fett ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Ernährung. 

Verdaute Fette versorgen den Körper mit essentiellen Bausteinen und erleichtern die Aufnahme wichtiger Vitamine. 

Die Studie, die von einem Forschungsteam unter der Leitung von Professor Manolis Pasparakis und unter Mitwirkung von Professorin Aleksandra Trifunovic und Professor Christian Frezza vom Alternsforschungs-Exzellenzcluster CECAD der Universität zu Köln sowie Professor Jörg Heeren von der Universität Hamburg durchgeführt wurde, wurde unter dem Titel „Mitochondrial dysfunction abrogates dietary lipid processing in enterocytes“ im Fachjournal Nature veröffentlicht.

Die Forscher*innen untersuchten die Funktion von Mitochondrien – Organellen, die als Kraftwerke der Zelle wirken – in Enterozyten, Zellen der Darmschleimhaut, die für die Aufnahme und den Transport von Nährstoffen aus verdauter Nahrung zuständig sind. 

Sie fanden heraus, dass eine Störung der mitochondrialen Funktion im Darm von Mäusen eine übermäßige Ansammlung von Nahrungsfett in den Enterozyten und eine beeinträchtigte Abgabe von Lipiden in die anliegenden Organe verursachte. 

  • Ein zentrales Ergebnis der Studie war, dass eine Störung der Mitochondrien die Verpackung und den Transport von Nahrungsfetten in kleine Bälle, die Chylomikronen genannt werden, in Enterozyten hemmt. 
  • Chylomikronen sind wichtige Träger von Nahrungsfetten, deren ordnungsgemäße Bildung und Transport die Aufnahme von Nährstoffen von entscheidender Bedeutung sind.

„Diese Entdeckung ist ein bedeutender Fortschritt im Verständnis der entscheidenden Rolle von Mitochondrien beim Transport und Stoffwechsel von Nahrungsfetten“, so Dr. Chrysanthi Moschandrea, Erstautorin der Studie. 

Die Auswirkungen dieser Entdeckung gehen über den Bereich der Grundlagenforschung hinaus.

 „Diese Ergebnisse bieten neue Perspektiven für ein besseres Verständnis der gastrointestinalen Symptome von Patienten mit mitochondrialen Erkrankungen und können auch zu neuen therapeutischen Ansätzen führen“, ergänzt Professorin Aleksandra Trifunovic. 

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Dr. Chrysanthi Moschandrea
CECAD – Cluster of Excellence Cellular Stress Responses in Aging-Associated Diseases der Universität zu Köln
+49 221 478-96980
c.moschan@uni-koeln.de 

Anna Euteneuer Universität zu Köln

Albertus-Magnus-Platz 1
50923 Köln
Deutschland
Nordrhein-Westfalen  

Telefon: 0221-47884043
E-Mail-Adresse: anna.euteneuer@uni-koeln.de

Originalpublikation:

https://www.nature.com/articles/s41586-023-06857-0

TOP - Einladung zur Studie: Rückkehr in das Berufsleben nach Ihrer Krebserkrankung. Bitte beteiligen Sie sich daran.

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Nach dem Krebs zurück in den Beruf? 

Studie sucht Teilnehmende für Umfrage

http://Zum Studien-Fragebogen: https://s2survey.net/mobil-md/

Für eine wissenschaftliche Studie zur Rückkehr ins Berufsleben nach einer Krebserkrankung sucht das Institut für Medizinische Soziologie der Universitätsmedizin Halle Teilnehmende aus Mitteldeutschland.

  • Bessere Frühdiagnosen und häufigere Krebserkrankungen im mittleren Alter führen dazu, dass immer mehr erwerbstätige Menschen eine Krebsdiagnose erhalten. 
  • Nach einer Krebsbehandlung kehren schätzungsweise zwei von drei Personen wieder in das Berufsleben zurück. 

Die Rolle von sozialer Ungleichheit, rehabilitativen Maßnahmen, finanziellen Nöten und weiteren Faktoren auf die berufliche Wiedereingliederung sind bisher jedoch kaum untersucht. Auch nicht im BEM - Betrieblichen Eingliederungsmanagement und ganz besonders ohne Vorbereitungen ASV - Ambulante Spezialärztliche Versorgung.

Ziel der aktuellen Studie „Mobil-MD“ ist es, die Herausforderungen und Barrieren des Wiedereinstiegs nach einer Krebserkrankung sowie mögliche psychosoziale Konsequenzen zu identifizieren.

  • Für die Studie werden Personen aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen gesucht, die eine maligne („bösartige“) Krebserkrankung hatten, zum Zeitpunkt der Erstdiagnose zwischen 18 und 60 Jahren alt waren und bereits eine Krebsbehandlung abgeschlossenen haben. 

Die Diagnose sollte zudem zwischen 2017 und 2021 liegen. 

Die Art des Tumors oder welche berufliche Situation vor oder nach der Erkrankung bestand, ist nicht entscheidend. 

Eine Teilnahme ist online über einen Fragebogen möglich und dauert ca. 45 Minuten.

Einige Studienteilnehmende werden anschließend für freiwillige wissenschaftliche Interviews eingeladen. 

Das Projekt wird durch die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland gefördert. 

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Universitätsmedizin Halle
Institut für Medizinische Soziologie
Dr. Julia Roick (Projektleitung) und Christian Heckel

Jonas Machner Universitätsmedizin Halle

http://Zum Studien-Fragebogen: https://s2survey.net/mobil-md/

http://Interessierte, die einen gedruckten Fragenbogen nutzen möchten oder Rückfragen haben, können sich an christian.heckel@medizin.uni-halle.de wenden.

Kiefernweg 34
06120 Halle (Saale)
Deutschland
Sachsen-Anhalt

Telefon: 0345-557 1345
E-Mail-Adresse: jonas.machner@uk-halle.de


Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke: Die Heimdialyse: Peritonealdialyse - Heimhämodialyse zum Weihnachtsfest 2023

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: SKIP-SH-Projekt zur Stärkung der Peritonealdialyse

Bereits im Jahr 2021 hat die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) einen 10-Punkte-Plan zur Stärkung der Heimdialyse veröffentlicht. 

Das Modellprojekt SKIP-SH gestaltet diesen nun konkret aus. 

  • Durch verschiedene Maßnahmen soll die Peritonealdialyse in Schleswig-Holstein gestärkt werden. 

Das Projekt wird durch die DGfN unterstützt und soll perspektivisch deutschlandweit Schule machen.

  • Die Heimdialyse – darunter fallen die Peritonealdialyse und die Heimhämodialyse – ist in Deutschland nach wie vor unterrepräsentiert, gewinnt aber nicht zuletzt auch wegen der zunehmend kritischen Versorgungssituation in Deutschland an Bedeutung. 

Der Fachkräftemangel in der Nephrologie ist hoch. 

Er betrifft sowohl den pflegerischen als auch den ärztlichen Bereich, einige Dialysezentren mussten sogar schon schließen.

„Die Heimdialyse ist aber keinesfalls ein aus der Not geborenes ‚Lückenbüßerverfahren‘“, erklärt Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke, von der DGfN. 

Im Gegenteil, die Dialyse zu Hause habe viele Vorteile. 

So könne der Körper häufiger als dreimal pro Woche, wie im Dialysezentrum üblich, entgiftet werden. 

  • Heimdialysepatientinnen und -patienten führen die Dialyse täglich durch, häufig in der Nacht, also quasi im Schlaf. 
  • Das bedeutet, dass die Konzentration von Giftstoffen im Blut nicht so hoch ansteigt wie bei größeren Intervallen und sich die Betroffen daher oft besser fühlen.

„Vielsagend ist, dass sich die Mehrheit der Nephrologinnen und Nephrologen, sollten sie selbst dialysepflichtig werden, für ein Heimverfahren entscheiden würden [1]. 

Das wäre nicht der Fall, wenn die Verfahren der Heimdialyse aus medizinischer Sicht zweitrangig wären.“ 

Hinzu kommen Vorteile im Hinblick auf die Lebensqualität: 

  • Insbesondere Peritonealdialysepatientinnen und -patienten haben mehr Freiheit, sie können auch reisen, sind nicht an feste Dialysezeiten gebunden und können daher auch oft noch ihren Beruf ausüben. 

„Vieles spricht also für die Stärkung der Heimdialyseverfahren“, so das Fazit der Expertin.

  • Der Anteil an Peritonealdialysepatientinnen und -patienten in Deutschland liegt zurzeit bei ca. 6 % [2], der von Heimhämodialysepatientinnen und -patienten liegt noch weit darunter. 

Bereits in unserem Nachbarland Dänemark sieht die Versorgungsrealität ganz anders aus, hier liegt der Anteil der Peritonealdialyse-Patientinnen und -Patienten über 20 %. 

Weltmeister in puncto Peritonealdialyse ist Hongkong mit einem Anteil von 68 % [3].

Die Gründe für die Verhaltenheit gegenüber der Heimdialyse in Deutschland sind vielfältig. 

Sie liegen u.a. in der aktuellen Versorgungsstruktur sowie in der Weiterbildung und Lehre. Konsequenterweise hatte die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie vor diesem Hintergrund einen 10-Punkte-Plan zur Stärkung der Heimdialyse vorgelegt [4], der in einem multimodalen Ansatz im Schulterschluss mit dem G-BA eine Kehrtwende erreichen will.  

Ein Projekt in Schleswig-Holstein füllt dieses Vorhaben nun mit Leben.

„Inspiriert durch den 10-Punkte-Plan der DGfN sowie die Versorgungsrealität im Flächenland Schleswig-Holstein haben wir ein Konzept zur flächendeckenden Stärkung der Peritonealdialyse (PD) in Schleswig-Holstein entwickelt“, erklärt Projektleiter PD Dr. Kevin Schulte.

Das Konzept basiert auf drei Säulen:

- Erstens sollen klinische Behandlungspfade etabliert und bestehende strukturelle Hürden abgebaut werden, um den Beginn der PD einfach und unkompliziert zu gestalten. 

Dafür wird eine Koordinierungsstelle bei Bedarf als Ansprechpartner für Patientinnen und Patienten und niedergelassene Ärztinnen und Ärzte bereitstehen.

- Zweitens sollen Lehre, Aus- und Weiterbildung in Sachen PD gestärkt werden. Die Mehrzahl der Nephrologinnen und Nephrologen wünscht sich eine höhere Gewichtung der PD in der Aus- und Weiterbildung. Konkret werden alle Studierenden der Humanmedizin in Schleswig-Holstein im Rahmen des Projekts Kontakt zur PD bekommen und das Verfahren an sich selbst (in virtueller Realität) durchführen. Alle Assistenzärztinnen und -ärzte in Weiterbildung durchlaufen zudem eine PD-Rotation.

- Die dritte Säule stellt die wissenschaftliche Begleitung von SKIP-SH dar. „Hierzu haben wir eine prospektive Registerstudie begonnen, in die alle Patientinnen und Patienten, die vor oder nach Beginn der Dialyse Kontakt zu unserer Koordinierungsstelle hatten, eingeschlossen werden. Letztlich möchten wir mit dieser Studie die Frage beantworten, ob sich durch das Projekt eine messbare Änderung der Dialyseversorgung in unserer Region einstellt“, erklärt Schulte. „Mit der Erfassung von klinischen Daten möchten wir darüber hinaus weitere versorgungswissenschaftliche und translationale Forschungsprojekte ermöglichen und so hoffentlich zur weiteren Verbreitung der PD beitragen.“

„Als medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft unterstützen wir das Projekt nicht nur, weil es Real Life-Daten zur Peritonealdialyse generieren wird, sondern auch, weil wir uns seit Jahren für die Stärkung dieses Verfahren einsetzen, das medizinisch mindestens gleichwertig ist, darüber hinaus perspektivisch auch die angespannte Personalsituation in den Dialysezentren entlasten könnte“, erklärt DGfN-Pressesprecherin Prof. Weinmann-Menke. Auch Prof. Dr. Roland Schmitt, seit Dezember neuer Direktor der Nephrologischen Klinik am UKSH, freut sich über die Förderung des Landes: 

„SKIP-SH passt hervorragend in unsere Strategie, die Nephrologie Kiel zu einem Schwerpunktzentrum für Peritonealdialyse in Deutschland zu entwickeln“. 

Das Projekt SKIP-SH ist am 01.09.2023 gestartet, zunächst ist eine Laufzeit von drei Jahren vorgesehen. 

Unterstützt wird das Projekt durch den Versorgungssicherungsfond des Landes Schleswig-Holstein, das Kuratorium der DGfN sowie Fresenius Medical Care,BaxterNovartis, Astra Zeneca, Astellas, RiePharm, MEDICE und Sandoz.

Referenzen
[1] http://www.maupd.uni-koeln.de/wp-content/uploads/2020/03/MAUPDErgebnisflyerDruck...
 

[2] https://www.g-ba.de/downloads/39-261-4568/2020-11-20_QSD-RL_IQTIG-Jahresbericht-...
 

[3] https://usrds-adr.niddk.nih.gov/2023/end-stage-renal-disease/11-international-co...
 

[4] https://www.dgfn.eu/pressemeldung/staerkung-der-heimdialyse-dgfn-legt-10-punkte-...

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Dr. Bettina Albers Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)

DGfN

c/o albersconcept, Zöllnerstraße 23
99423 Weimar
Deutschland
Thüringen

E-Mail-Adresse: albers@albersconcept.de

Telefon: 03643 / 776423
E-Mail-Adresse: presse@dgfn.eu

 

 

 


Professor Dr. Jens Kroll: Ein Zuviel essenziellen Fettsäure......, Diabetiker und die Oxidationprodukte der Omega-6-Fettsäuren

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Omega-6-Fettsäuren und Herz-Kreislauferkrankungen

Neue Ursache von Nebenwirkungen entdeckt 

  • Wird tt-DDE nicht durch das Enzym ALDH9a1b abgebaut, erhöht sich seine Konzentration im Körper. Dies hemmt die Insulinwirkung und die Aufnahme von Glukose in die Zellen und kann zu einem erhöhten Blutzucker und zur Diabetischen Retinopathie führen. Wird tt-DDE nicht durch das Enzym ALDH9a1b abgebaut, erhöht sich seine Konzentration im Körper. 
  • Dies hemmt die Insulinwirkung und die Aufnahme von Glukose in die Zellen und kann zu einem erhöhten Blutzucker und zur Diabetischen Retinopathie führen. Jens Kroll

Welche Rolle spielen Omega-6-Fettsäuren bei Herz-Kreislauferkrankungen und beim Diabetes?  

Mannheimer Wissenschaftler haben zusammen mit Forschenden aus Heidelberg, Frankfurt und Hangzhou in China den Abbau von Omega-6-Fettsäuren untersucht und dabei neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie deren Oxidationsprodukte den Stoffwechsel beeinflussen. 

Unter der Leitung von Professor Dr. Jens Kroll vom European Center for Angioscience (ECAS) der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg kamen die Forschenden einem Abbauprodukt von Omega-6-Fettsäuren auf die Spur und entwickelten im Zebrafisch ein Modell, in dem sie die unerwünschten Effekte dieses Oxidationsprodukts mit der Bezeichnung tt-DDE (für trans,trans-2,4-Decadienal) untersuchen können.

Landläufig denkt man, Omega-Fettsäuren seien gesund, doch dieser gute Glauben wackelt.  

  • Epidemiologische Studien und ein so genannter Rote-Hand-Brief, in dem acht pharmazeutische Unternehmen über Risiken im Zusammenhang mit Omega-3-Fettsäuren informieren (Quelle: BfArM, 16.11.2023), weisen darauf hin, dass das Thema komplexer ist, als gedacht.
  • Omega-6-Fettsäuren gehören wie Omega-3-Fettsäuren zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren. 
  • Und wie diese, haben sie verschiedene Funktionen im Körper und müssen dem Organismus über die Nahrung zugeführt werden. 

Welche Rolle Omega-6-Fettsäuren in Bezug auf Herz-Kreislauferkrankungen spielen, ist widersprüchlich. 

  • Einerseits senken Omega-6-Fettsäuren vermutlich das Risiko, an kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erkranken, indem sie den Fettspiegel und den Blutdruck positiv beeinflussen. 
  • Ein Zuviel dieser essenziellen Fettsäuren steht jedoch im Verdacht, über ihre entzündungsfördernde Wirkung frühe Stadien der Gefäßverkalkung zu induzieren und damit wiederum Herz-Kreislauferkrankungen zu begünstigen.


Die Arbeitsgruppe von Professor Kroll an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg nahm sich zusammen mit Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) sowie der Universität Frankfurt und der Zhejiang Universität Hangzhou, China, der Thematik von einer neuen Seite her an, indem sie das Oxidationsprodukt tt-DDE untersuchten, das auch in Dämpfen von Speiseöl reichlich vorhanden ist. 

Um zu verstehen, was erhöhte tt-DDE Spiegel bewirken können, mussten sie zunächst herausfinden, welches Enzym das tt-DDE abbaut. 

Sie entdeckten, dass die Aldehyd-Dehydrogenase 9a1b diese Aufgabe übernimmt: Schaltet man dieses Enzym aus, so steigen die tt-DDE Spiegel.

Mit diesen Informationen gelang es den Wissenschaftlern, im Zebrafisch ein Modell zu entwickeln, mit dem sich die Auswirkungen hoher tt-DDE Spiegel erforschen lassen. 

Sie stellten fest, dass mit einem erhöhten tt-DDE Spiegel eine Störung des Zuckerstoffwechsels einhergeht – vergleichbar mit einem milden Diabetes – sowie eine Störung der Funktion und Bildung von Blutgefäßen, wie sie ebenfalls für Diabetes typisch ist.

Auch dem Mechanismus kamen die Forscher auf die Spur: 

Sie konnten nachweisen, dass tt-DDE die Funktion des Insulinrezeptors hemmt, indem es an ihn bindet. 

  • Die blutzuckersenkende Wirkung des Insulin, das im gesunden Organismus unter anderem den Glukosetransport aus dem Blut in die Zelle aktiviert, kann sich damit nicht entfalten und ist vermutlich verantwortlich für die beobachtete Überzuckerung im Blut.


Professor Kroll sagt dazu: 

„Wir haben bei der Untersuchung eines Abbauprodukts von Omega-6-Fettsäuren eine neue Funktion der Aldehyd-Dehydrogenase 9a1b entdeckt. 

Da das Enzym den Spiegel an tt-DDE reguliert, ist es auch ein wichtiger Regulator des Glukosemetabolismus und könnte ein wichtiger Bestandteil bei der Entstehung der Diabeteserkrankung sein. 

  • Wir wollen nun zunächst erforschen, ob es eine Subgruppe von Diabetikern gibt, die aufgrund eines zu hohen tt-DDE-Spiegels Folgeschäden entwickeln – entweder, weil der tt-DDE Abbau zu gering oder die tt-DDE Anflutung durch Oxidation von Omega-6-Fettsäuren zu hoch ist.“

Daran schließt sich eine wichtige Frage an, der die Wissenschaftler ebenfalls nachgehen wollen: 

Gibt es Menschen mit einem milden Diabetes, der durch eine Störung der Aldehyd-Dehydrogenase 9a1 Funktion verursacht wird – und könnte die Aldehyd-Dehydrogenase 9a1 der Schlüssel zu einer neuen Therapie sein?

Der Arbeitsgruppe von Professor Kroll ist mit dieser Arbeit ein wichtiger Meilenstein im Verständnis, wie Oxidationsprodukte der Omega-6-Fettsäuren den Stoffwechsel beeinflussen, gelungen, der möglicherweise auch etwas Licht in die doch etwas komplexeren Wirkungen von Omega-Fettsäuren bringen wird. 

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Prof. Dr. Jens Kroll
Head Metabolism and Microvascular Dysfunction group
European Center for Angioscience (ECAS)
Dept. of Vascular Biology & Tumor Angiogenesis
Medical Faculty Mannheim
Heidelberg University
Ludolf-Krehl-Str. 13-17
68167 Mannheim
Germany
Email: jens.kroll@medma.uni-heidelberg.de

Dr. Eva Maria Wellnitz Universitätsmedizin Mannheim

http://www.umm.de

Theodor-Kutzer-Ufer 1-3

68167 Mannheim
Deutschland
Baden-Württemberg

Dr. Eva Maria Wellnitz

Telefon: 0621 / 383-71115
Fax: 0621 / 383-71103
E-Mail-Adresse: eva.wellnitz@medma.uni-heidelberg.de


Originalpublikation:

Xin Qian, Stephan Klatt, Katrin Bennewitz, David Philipp Wohlfart, Bowen Lou, Ye Meng, Michael Buettner, Gernot Poschet, Jakob Morgenstern, Thomas Fleming, Carsten Sticht, Ingrid Hausser, Ingrid Fleming, Julia Szendroedi, Peter Paul Nawroth, Jens Kroll.
Impaired Detoxification of Trans, Trans-2,4-Decadienal, an Oxidation Product from Omega-6 Fatty Acids, Alters Insulin Signaling, Gluconeogenesis and Promotes Microvascular Disease.
Adv. Sci. 2023, 2302325
https://doi.org/10.1002/advs.202302325