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Passiven und indirekten Sterbehilfe - Aktive Sterbehilfe und assistierter Suizid -Tötung auf Verlangen - Patiententötungen

Medizin am Abend Berlin -MaAB-Fazit: Sterbehilfe: Befragung beleuchtet Haltung und Praxis bei medizinischem Personal in Deutschland

Rund 5.000 Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegende antworten auf sehr genau differenzierte Fragen

Prof. Dr. Karl H. Beine Prof. Dr. Karl H. Beine UW/H

Erstmals haben insgesamt rund 5.000 Ärztinnen und Ärzte bzw. Pflegerinnen und Pfleger zu differenzierten Fragen zum Thema Sterbehilfe Stellung genommen: 

Die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte und ein Drittel der Pflegenden berichten von Fällen der:

  • passiven bzw. indirekten Sterbehilfe; 

aktive Sterbehilfe und assistierter Suizid kommen dagegen nur sehr selten vor. 

Das sind die Hauptaussagen einer Studie von Prof. Dr. Karl H. Beine, emeritierter Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie der Universität Witten/Herdecke. Die Studie ist aktuell in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift erschienen DOI: 10.1055/a-1235-6550

„Zwischen den Themenfeldern Sterbehilfe, assistierter Suizid, Tötung auf Verlangen und Patiententötungen kommt es immer wieder zu Abgrenzungsproblemen. 

  • Das Bundesverfassungsgericht hat im Februar 2020 geurteilt, dass Menschen, die frei entscheiden können, für ihren Suizid auch die Hilfe von Dritten in Anspruch nehmen dürfen. 

Für Ärztinnen und Ärzte und Pflegende in den Kliniken sind Grenzsituationen häufig und belastend, und um die ging es in der Studie“, schildert Prof. Beine das Design der Studie. Er hat in seiner Befragung genau unterschieden zwischen passiver Sterbehilfe, indirekter Sterbehilfe, assistiertem Suizid und aktiver Sterbehilfe. (sehe dazu den Kasten unten)

„In den Benelux-Staaten ist auch aktive Sterbehilfe erlaubt, in Deutschland nicht, und die Mehrheit der Ärzteschaft lehnt es auch ab“, erläutert Beine die vorherrschende Meinung. 

In seiner Umfrage spiegelt sich das bei den Ärztinnen und Ärzten auch genau so wider, lediglich die Pflegenden äußerten teilweise Zustimmung, wenn auch eine aktive Sterbehilfe von Ärztinnen und Ärzten durchgeführt würde. 

  • Über die Hälfte der Pflegenden berichteten zudem, dass sie in mindestens einem konkreten Fall der Auffassung gewesen seien, dass aktive Sterbehilfe „um jemanden von seinem Leid zu erlösen“ sinnvoll gewesen wäre. Nur ein Viertel der Ärztinnen und Ärzte kam zu dieser Haltung.


Über die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte sowie mehr als ein Drittel der Pflegenden berichteten für die 24 Monate vor der Befragung von passiver oder indirekter Sterbehilfe, die unbeabsichtigt das Leben verkürzt hat. Diese Art der Sterbehilfe macht über 90 Prozent der berichteten Fälle aus.

Aktive Sterbehilfe hatten der Studie zufolge 84 Ärztinnen und Ärzte in den letzten zwei Jahren ausgeführt und 65 Pflegende. Im Mittel gaben beide Gruppen zwei Fälle von aktiver Sterbehilfe in den zurückliegenden zwei Jahren an.

„Besonders vor dem Hintergrund unterschiedlicher Regelungen der Sterbehilfe in Nachbarländern und der kontroversen Diskussionen hierzulande sollte mehr gesichertes Wissen über die Praxis der Sterbehilfe in deutschen Kliniken generiert werden. Die jetzige Studie liefert dazu empirische Befunde.“

Definitionen der sog. Sterbehilfe

„Passive Sterbehilfe“ bezeichnet das Zurückhalten/den Entzug einer lebenserhaltenden oder –verlängernden Behandlung (z. B. künstliche Beatmung, Ernährung oder (weitere) Gabe eines Medikaments) nach entsprechender Einwilligung des/der Patienten/-in, dessen/deren erfolgter Tod nicht gewollt, sondern eine unbeabsichtigte oder in Kauf genommene Folge darstellt.

„Indirekte Sterbehilfe“ bezeichnet die Gabe eines Medikaments (z. B. Opioide, Benzodiazepine, Barbiturate) zur Schmerzlinderung nach entsprechender Einwilligung des/der Patienten/-in, dessen/deren erfolgter Tod nicht gewollt, sondern eine unbeabsichtigte oder in Kauf genommene Folge darstellt.

„Assistierter Suizid“, häufig wird „ärztlich“ vorangestellt, bezeichnet die Aushändigung eines Medikaments an eine/n Patienten/-in zur selbstständigen Beendigung seines/ihres Lebens.

Aktive Sterbehilfe“ bezeichnet aktive Handlungen (Behandlungen, Interventionen etc.), die eine aktive Beendigung des Lebens eines/-r Patienten/-in beabsichtigen bzw. zum Ziel haben.


Zudem wird hier unterschieden zwischen:

 
• „Tötung auf Verlangen“2 nach diesbezüglicher expliziter Willensäußerung des/der Patienten/-in wird häufig juristisch synonym verwendet.
• „Tötung ohne explizite Willensäußerung“ 2 wird üblicherweise nicht der aktiven Sterbehilfe zugeordnet, ist in einigen Fällen jedoch schwer abgrenzbar.


Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.700 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

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Knochenbrüche, Bein- und Gedächtsnisfunktionen und Kraftraining

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren fördern Gesundheit in Untergruppen von aktiven älteren Menschen

Die DO-HEALTH-Studie unter Leitung der Zürcher Altersmedizinerin Prof. Heike Bischoff-Ferrari untersucht den Effekt von einfachen Massnahmen auf die Gesundheit von gesunden Erwachsenen im Alter von 70+. 

  • Die erste Auswertung zeigt keine signifikante Verbesserung in Bezug auf Knochenbrüche, Bein- und Gedächtnisfunktion durch die Einnahme von Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und Krafttraining. 

Bestimmte Gruppen könnten aber dennoch profitieren

Im Jahr 2030 wird in Europa einer von drei Menschen über 65 Jahre alt sein. 

Sie alle wünschen sich, das Leben aktiv bis ins hohe Alter geniessen zu können. 

Die wichtigste Voraussetzung dafür ist der Erhalt der körperlichen und geistigen Gesundheit.

Gesucht: Einfache und kostengünstige Prävention

Die im letzten Jahr publizierte VITAL-Studie aus den USA wies darauf hin, dass Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren das Risiko von neuen Krebserkrankungen und grossen Herz-Kreislaufereignissen bei 50-Jährigen nicht reduzieren können. 

Die grösste europäische Altersstudie DO-HEALTH fokussiert nun auf die Wirkung dieser Supplemente auf den Alterungsprozess. 

Das von der EU finanzierte Projekt steht unter Leitung von Heike A. Bischoff-Ferrari, Professorin für Geriatrie und Altersforschung der Universität Zürich, Klinikdirektorin des Universitätsspitals Zürich sowie Chefärztin der Universitären Klinik für Akutgeriatrie am Stadtspital Waid und Triemli.

  • Die nun vom internationalen Studienteam veröffentlichte erste Auswertung der dreijährigen Datenerhebung zeigte keine Effekte bezüglich Bein- und Gedächtnisfunktion sowie Knochenbrüche. 
  • In vordefinierten Untergruppen zeigte die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D im Vergleich zur Kontrollgruppe grössere Vorteile bei der Verminderung von Infekten und dem systolischen Blutdruck.


Grösste randomisierte, doppelblinde Altersstudie

Für die Studie rekrutierten die Forschenden 2157 relativ gesunde zu Hause lebende Erwachsene im Alter von 70+, ohne wesentliche Vorerkrankungen. Etwa die Hälfte davon stammte aus der Schweiz, die übrigen aus Österreich, Deutschland, Frankreich und Portugal.

Die Teilnehmenden wurden zufällig in acht Gruppen eingeteilt und erhielten entweder keine, eine, zwei oder alle drei der folgenden Interventionen: Einnahme von einem Gramm Omega-3-Fettsäuren pro Tag, Einnahme von 2000 Internationalen Einheiten (IE) Vitamin D3 pro Tag und/oder ein einfaches Krafttraining für zu Hause. Weder den Studienzentren noch den Versuchspersonen war die Gruppenzugehörigkeit bekannt. Die Kontrollgruppen erhielten Präparate ohne Wirkstoffe (Placebos) und führten ein Kontroll-Training für Gelenk-Mobilität durch.

Während drei Jahren erfassten die sieben europäischen Studienzentren in umfassenden Ganz-Tages-Visiten jährlich den gesundheitlichen und funktionellen Zustand der Teilnehmenden. Zusätzlich gab es alle drei Monate ausführliche Telefonbefragungen. Untersucht wurden zum Beispiel Knochen- und Muskeldichte, Blutdruck, das Gedächtnis, Geschwindigkeit beim Gehen sowie wichtige Biomarker. Protokolliert wurden zudem Ereignisse wie neue Erkrankungen, Infekte, Stürze, Arztbesuche und Spitalaufenthalte.

Massgebliche positive Effekte nur in Untergruppen

«Die Resultate legen nahe, dass zusätzliches Vitamin D und Omega 3-Einnahmen bei aktiven über 70-Jährigen ohne Vorerkrankungen keine Vorteile für das Knochenbruchrisiko, die Muskeln und Gedächtnisfunktion bringen. Wir vermuten jedoch einen Zusammenhang mit Infekten, wie es auch Covid-19 einer ist», so Bischoff-Ferrari.

  • Omega-3-Fettsäuren senkten das Risiko von Infekten total 11 Prozent – besonders im Bereich der oberen Atemwege (10 Prozent) und Harnwege (62 Prozent). 
  • Vitamin D senkte den systolischen Blutdruck bei Männern um 2.5 mmHg und das Risiko von jeglicher Infektion bei den jüngeren Teilnehmern (70-74 Jahre) um 16 Prozent. 

 «Angesichts der Sicherheit und Erschwinglichkeit der Supplemente sowie der hohen Sterblichkeit durch Infektionen bei älteren Erwachsenen haben diese Ergebnisse eine Relevanz für die Volksgesundheit», so Bischoff-Ferrari. Auch der geschlechtsspezifische Effekt von Vitamin D auf die Senkung des systolischen Blutdrucks gebühre einer weiteren Untersuchung.

Ergebnisse richtig einordnen

Das Studienteam führt die fehlenden Effekte bezogen auf Knochenbrüche, und Muskelfunktion und Gedächtnisfunktion auf den relativ guten Gesundheitszustand der Teilnehmenden zurück. Die Allermeisten waren regelmässig sportlich aktiv und etwa die Hälfte sogenannte «Healthy Ager» ohne Grunderkrankungen und ohne Vitamin-D-Mangel. Auch durften alle neben der Studienmedikation zusätzlich 800 IE Vitamin D täglich einnehmen. «Daher stellen die Resultate die heutigen Empfehlungen des BAG bezüglich Vitamin-D-Supplementation bei älteren Erwachsenen mit Vitamin-D-Mangel und Sturzrisiko nicht in Frage – ebenso die belegte präventive Wirkung von Trainingsprogrammen», so Bischoff-Ferrari.

Einzigartige Datenbank für die Altersforschung

Das Studienteam erwartet nun als nächstes die Resultate der DO-HEALTH-Interventionen bezogen auf die Prävention von Krebserkrankungen, den Cholesterinspiegel, Herz-Kreislauferkrankungen, Stürze, Gebrechlichkeit und Gesundheitskosten. «Dann können wir die umfängliche Rolle der Supplemente in der präventiven Altersmedizin beurteilen», sagt Bischoff-Ferrari. Die umfangreichen Daten und Biobank der DO-HEALTH Studie sollen in Zukunft ausserdem dabei helfen, den Alterungsprozess und Krankheitsrisiken für jeden Menschen individuell und frühzeitig abzuschätzen, mit dem Ziel einer personalisierten Prävention. «Letztendlich soll DO-HEALTH mehr Menschen ermöglichen, gesund und aktiv älter zu werden», so Bischoff-Ferrari.

Literatur:
Heike A. Bischoff-Ferrari et all. for the DO-HEALTH Research Group. Effect of Vitamin D Supplementation, Omega-3 Fatty Acid Supplementation, or a Strength-Training Exercise Program on Clinical Outcomes in Older Adults. The DO-HEALTH Randomized Clinical Trial. JAMA, 10. November 2020. Doi: 10.1001/jama.2020.16909

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Originalpublikation:

Heike A. Bischoff-Ferrari et all. for the DO-HEALTH Research Group. Effect of Vitamin D Supplementation, Omega-3 Fatty Acid Supplementation, or a Strength-Training Exercise Program on Clinical Outcomes in Older Adults. The DO-HEALTH Randomized Clinical Trial. JAMA, 10. November 2020. Doi: 10.1001/jama.2020.16909



Polypen – wissenschaftlich Polyposis nasi: Nasenpolypen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Ein Neustart für die Nase

  • Nasenpolypen lassen sich chirurgisch entfernen, kommen aber nach der Behandlung oft wieder. 

Warum das so ist, und was man dagegen tun kann, hat Dr. Stijn Bogaert aus der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde des St. Elisabeth-Hospitals, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum (RUB) gezeigt: 

  • Nach der Entfernung der gesamten Schleimhaut von Nebenhöhlen gelang eine Art Neustart mit deutlich weniger Entzündung sowie einer geringeren Rückfallrate. 

Für die Arbeit, die in der Zeitschrift „Allergy“ vom 8. August 2020 veröffentlicht wurde, wurde Stijn Bogaert im Oktober 2020 mit dem Nachwuchsförderpreis der Deutschen Gesellschaft für Allergie und Klinik Immunologie ausgezeichnet. 

Stijn Bogaert bei der Preisverleihung Stijn Bogaert bei der Preisverleihung DGAKI

Bei Polypen – wissenschaftlich Polyposis nasi – handelt es sich um eine Entzündung der Nase und der Nasennebenhöhlen mit gutartigen Wucherungen der Nasenschleimhaut. 

Die aktuelle Standardtherapie ist eine chirurgische Entfernung der Polypen. 

„Das große Problem und die wissenschaftliche Herausforderung ist, dass die Polyposis nasi oft wieder auftritt“, sagt Stijn Bogaert. 

„Wir wussten schon, dass sich Nasenpolypen durch bestimmte Immunbotenstoffe – Zytokine – auszeichnen, die so ähnlich auch bei den Entzündungsprozessen bei Asthma und Neurodermitis vorkommen.“

Bogaert und seine Kolleginnen und Kollegen konnten zeigen, dass diese Entzündung auch in der Schleimhaut nachweisbar ist, wo sich keine Polypen befinden. 

Die dortige Entzündung ist genauso stark wie in den Nasenpolypen und auch in allen unterschiedlichen Nasennebenhöhlen ähnlich.

  • Im zweiten Teil der Studie hat das Team eine neue chirurgische Methode untersucht, bei der nicht nur die Nasenpolypen entfernt werden, sondern auch die gesamte Schleimhaut aller Nasennebenhöhlen. 

„Deswegen wird sie auch Reboot- oder Neustart-Technik genannt“, erläutert der Mediziner. 

Ein Jahr nach der Operation wurden die Patientinnen und Patienten nachuntersucht. 

Dabei konnten die Forscherinnen und Forscher feststellen, dass die Entzündung in der neugeformten Nasennebenhöhlenschleimhaut deutlich geringer und die Rückfallrate niedriger war. 

  1. „Da die Schleimhaut abseits der Polypen bei der konventionellen Operation nicht mit entfernt wird, könnte sie also ein Grund für das häufige Wiederauftreten der Polypen sein“, folgert Stijn Bogaert.


Zur Person

Stijn Bogaert wurde 1993 in Belgien geboren, wo er 2010 sein Abitur machte. Im Anschluss studierte er Medizin in Gent. Nach praktischer Tätigkeit an Kliniken in Gent, Brüssel, Heidelberg und Gießen wechselte er 2018 als Assistenzarzt ans RUB-Klinikum.

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Dr. Stijn Bogaert
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
St. Elisabeth Hospital
Klinikum der Ruhr-Universität Bochum
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Arne Dessaul Ruhr-Universität Bochum

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Deutschland
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Meike Drießen
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Jens Wylkop M.A.
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Fax: 0234/32-14136
E-Mail-Adresse: jens.wylkop@uv.ruhr-uni-bochum.de


Originalpublikation:

Karin Jonstam*, Saeed Alsharif*, Stijn Bogaert*, Nicole Suchonos, Gabriele Holtappels, Jonas Jae‐Hyun Park, Claus Bachert: Extent of inflammation in severe nasal polyposis and effect of sinus surgery on inflammation, in: Allergy, 2020, DOI: 10.1111/all.14550

*die Autoren haben gleichermaßen beigetragen

 

Saisonale Influenza - Asthmakranke Kinder und Jugendliche : Gehen Sie bitte zur Grippeschutzimpfung.....

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Asthmakranke Kinder sollen sich gegen Grippe impfen lassen

Junge Kinder sind besonders häufig von der saisonalen Influenza betroffen. 

  • Allergiekranke Kinder und Jugendliche mit einer chronischen Krankheit der Atmungsorgane (auch Asthma bronchiale) gehören zu der Gruppe von Risikopersonen, die nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) jährlich gegen die saisonale Influenza geimpft werden sollten.
  • Geimpfte schützen nicht nur sich, sondern auch indirekt ihre Eltern und Großeltern. 
  • Diese wiederum haben ein hohes Erkrankungsrisiko an COVID-19 und dürfen nicht noch gleichzeitig an einer schweren Grippe erkranken.

Die Grippewelle beginnt. 


Medizin am Abend Berlin: Gehen Sie zur Grippeimpfung bitte

Besonders häufig von der saisonalen Influenza betroffen sind junge Kinder. 

  • Sie stecken sich besonders schnell an und infizieren andere Kinder und ihre Betreuungspersonen, so auch ihre Eltern und Großeltern bei einem Kontakt. 
  • Junge Kinder gelten daher als „das Feuer der Influenza“.


Mit der jährlich den aktuellen Bedingungen angepassten Influenza-Impfung kann die Erkrankung verhindert oder zumindest abgeschwächt werden. 

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Impfung gegen die saisonale Influenza auch in der COVID-19 Pandemie nicht für alle Personen, sondern für solche mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf der Grippe

Dazu gehören u.a. Personen ab 60 Jahren, Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel (bei chronisch Kranken auch schon im ersten Drittel) und chronisch kranke Personen ab einem Alter von 6 Monaten mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens. 

In die letztgenannte Gruppe gehören auch allergiekranke Kinder und Jugendliche mit einer chronischen Krankheit der Atmungsorgane, auch mit einem Asthma bronchiale. 

CAVE-Untersucher: Eine Pollen-Allergie der Atemwege ist keine Kontraindikation für eine Influenza-Impfung!

Da die meisten Grippe- Impfstoffe Hühnereiweiß enthalten, gelten für Personen mit einer Hühnereiweiß-Allergie einige Besonderheiten. 

  • Laut STIKO können Personen, die nur mit leichten Symptomen auf den Konsum von Hühnereiweiß reagieren, mit allen zugelassenen Influenza-Impfstoffen geimpft werden. 

Klinisch schwerwiegende Allergien (z.B. Anaphylaxie) gegenüber Hühnereiweiß sind selten

Bei Personen, bei denen eine ärztlich diagnostizierte schwere Allergie gegen Hühnereiweiß vorliegt, ist die Indikation zur Impfung mit Hühnerei-basierten Influenzaimpfstoffen streng zu stellen. 

Diese Personen benötigen eine Überwachung nach der Impfung mit der Möglichkeit der Behandlung einer ggf. auftretenden anaphylaktischen Reaktion. Allerdings traten in Studien allergische Reaktionen nicht häufiger auf als bei Personen ohne Hühnereiweißallergie. Es ist inzwischen aber auch ein hühnereiweißfreier, d.h. in Zellkulturen hergestellter Influenzaimpfstoff verfügbar, der ab 9 Jahren zugelassen ist.

Die meisten Impfstoffe werden mit einer Spritze in den Oberarm verabreicht. 

Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 17 Jahren können auch mit einem Influenza- Lebendimpfstoff geimpft werden, der in die Nase gesprüht wird. Bei Hindernissen für eine Injektion (z. B. Spritzenangst, Gerinnungsstörungen) sollte besser der Lebendimpfstoff verwendet werden. 

Diese Impfung wird jedoch aufgrund fehlender Erfahrungen für Allergiker mitschwerer Hühnereiweißallergie nicht empfohlen. Kinder, die zuvor noch nicht gegen saisonale Influenza geimpft wurden, sollten frühestens nach 4 Wochen eine zweite Dosis bekommen. 

  • Da die STIKO die Impfung für Risikopersonen empfohlen hat, übernehmen die Krankenkassen die Kosten der Impfung. 
  • In einigen Bundesländern wird die Grippeimpfung sogar für alle Personen empfohlen.


Für Deutschland wurden in diesem Jahr 26 Millionen Impfdosen geordert. Das hört sich zunächst viel an. Da die Bereitschaft zur Impfung in der Corona - Pandemie jedoch gestiegen ist, könnten die Impfdosen bald aufgebraucht sein. Es ist daher wichtig, dass die Risikogruppen rechtzeitig in möglichst großem Umfang geimpft werden. Die beste Zeit für eine Impfung liegt in den Monaten Oktober und November. Bis das Immunsystem einen Schutz aufgebaut hat, vergehen nach der Impfung noch einmal 2 Wochen.

  • Im Gegensatz zur Influenza erkranken junge Kinder deutlich seltener an COVID-19, sie können aber die Grippe besonders leicht auf andere Personen übertragen. 

Und dies könnte für ihre Eltern und Großeltern gefährlich werden, die dann an Influenza und COVID-19 erkranken können. Wie kann es dazu kommen? Kinder werden bei z.B. Quarantäne-bedingten Schließungen von Kindertagesstätten und Schulen zu Hause bleiben müssen. Falls die Eltern die Betreuung der Kinder nicht übernehmen können, werden auch die Großeltern in die Kinderbetreuung eingebunden. Bei dem dann engen Kontakt wird das Grippe-Virus durch Husten oder Niesen leicht übertragen. Sogar durch normales Sprechen oder Atmen können kleine Tröpfchen verbreitet werden, die länger in der Luft schweben und andere Personen infizieren können. Darüber hinaus ist eine Übertragung auch über die Hände durch direkten Kontakt zu Virus-kontaminierten Oberflächen möglich. Bei anschließender Berührung des Mundes oder der Nase oder durch Händeschütteln werden die Viren übertragen.

Zwar gab es noch nie so viele Impfdosen eines Grippeimpfstoffes, trotzdem kann es zeitlich und lokal zu Lieferengpässen kommen, wie momentan in einigen Bundesländern. 

  • Daher sollten alle Risikopersonen, zu denen auch allergiekranke Kinder und Jugendliche mit einer chronischen Krankheit der Atmungsorgane (auch Asthma bronchiale) gehören, sich rechtzeitig impfen lassen. 

Eine Hühnereiallergie ist in der Regel kein Hindernis. 

Geimpfte schützen nicht nur sich, sondern auch indirekt ihre Eltern und Großeltern. 

Diese wiederum haben ein hohes Erkrankungsrisiko an COVID-19 und dürfen nicht noch gleichzeitig an einer schweren Grippe erkranken.

Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPAU)

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Priv.-Doz. Dr. med. Sebastian Schmidt, Greifswald

Dr. Ulrich Kümmel | MedCom, Friesenstr. 14
53175 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

E-Mail-Adresse: ulrich.kuemmel@medcomuk.de

Telefon: 0228 2863 4593
Fax: 0228 2863 4594


 

 

Asthma: Konzentration von Butyrat im Stuhl:

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie Bauernhöfe vor Asthma im Kindesalter schützen

Millionen Kinder erkranken bereits in jungen Jahren an Asthma. 

Bauernhofkinder haben ein geringeres Asthmarisiko als Kinder, die nicht auf einem Bauernhof leben. 

Die Mechanismen, die hinter der Schutzwirkung des Bauernhofs vor Asthma im Kindesalter stehen, sind nicht vollständig bekannt. 

Eine Forschungsgruppe des Helmholtz Zentrums München und des Dr. von Haunerschen Kinderspitals der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) klärte nun, wie das Darmmikrobiom von Kindern an diesem Schutzprozess beteiligt ist.

Ab Geburt sind wir einer Umwelt voller kleiner Organismen ausgesetzt, sogenannte Mikrobiota. 

  • In den ersten Minuten und Stunden unseres Lebens beginnen sie unser Immunsystem herauszufordern, es aber auch zu trainieren. 
  • Das größte Immunorgan ist unser Darm, weshalb die Reifung des Immunsystems untrennbar mit der Reifung der kolonisierenden Bakterien, dem Darmmikrobiom, verbunden ist. 

Nach tiefgreifenden Veränderungen im ersten Lebensjahr, dem Reifungsprozess, stabilisiert sich die Zusammensetzung des Darmmikrobioms allmählich und begleitet uns ein Leben lang. 

Frühere Studien der Münchner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigten, dass ein vielfältiges Umweltmikrobiom zu einer Schutzwirkung vor Asthma führt, die besonders bei Bauernkindern ausgeprägt ist. Die Forschungsgruppe untersuchte nun, ob dieser Effekt auf den Reifungsprozess des Darmmikrobioms bei Kindern zurückzuführen sein könnte.

Leben auf dem Bauernhof fördert die Reifung des Darmmikrobioms bei Kindern
Dazu analysierten die Forschenden Stuhlproben von mehr als 700 Kindern im Alter von zwei bis zwölf Monaten, die teilweise auf traditionellen Bauernhöfen aufwuchsen. Die Proben stammten aus PASTURE, einer europäischen Geburtenkohorte, die bereits seit knapp 20 Jahren läuft und von der Europäischen Kommission gefördert wird.

„Wir stellen fest, dass ein vergleichsweise großer Teil der Schutzwirkung des Bauernhofs vor Asthma im Kindheitsalter auf die Reifung des Darmmikrobioms im ersten Lebensjahr zurückzuführen ist“, erklärt Dr. Martin Depner, Biostatistiker am Helmholtz Zentrum München, und stellt weiter fest: „Dies deutet darauf hin, dass Bauernhofkinder mit Umweltfaktoren, wahrscheinlich Mikrobiota, in Berührung kommen, die mit ihrem Darmmikrobiom interagieren und diesen Schutzeffekt herbeiführen.“

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gingen davon aus, dass die Ernährung zur Reifung des Darmmikrobioms beiträgt. Sie waren jedoch überrascht, dass bauernhofspezifische Einflüsse wie der Aufenthalt in Tierställen einen starken Einfluss auf die Reifung hatten. Dies bestätigt, dass die Umwelt, in der man aufwächst, eine Rolle für die Schutzwirkung vor Asthma im Kindesalter spielt. 

  • Für die Zeit der ersten zwei Lebensmonate trugen eine vaginale Geburt und Stillen des Kindes ebenfalls zur Schutzfunktion des Mikrobioms bei.
  • Darüber hinaus stellten die Forschenden eine inverse Assoziation von Asthma mit der gemessenen Konzentration von Butyrat im Stuhl fest. 

Butyrat ist eine kurzkettige Fettsäure, von der bekannt ist, dass sie bei Mäusen eine asthmaschützende Wirkung hat. 

  • Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass Darmbakterien wie Roseburia und Coprococcus, die kurzkettige Fettsäuren produzieren, auch beim Menschen zum Asthmaschutz beitragen könnten. 
  • Kinder mit einem ausgereiften Darmmikrobiom wiesen im Vergleich zu anderen Kindern eine höhere Menge an Roseburia- und Coprococcus-Bakterien auf.


„Unsere Studie liefert weitere Hinweise darauf, dass der Darm einen Einfluss auf die Gesundheit der Lunge haben kann. 

Die Atemwege der untersuchten Kinder wurden durch ein ausgereiftes Darmmikrobiom mit einem hohen Gehalt an kurzkettigen Fettsäuren geschützt. 

Dies spricht für die Idee einer relevanten Darm-Lungen-Achse beim Menschen“, sagt Dr. Markus Ege, Professor für klinisch-respiratorische Epidemiologie am Dr. von Haunerschen Kinderspital. „Das bedeutet aber auch, dass ein unreifes Darmmikrobiom zur Entstehung von Krankheiten beitragen kann.  

Umso wichtiger sind Präventionsstrategien im ersten Lebensjahr, wenn das Darmmikrobiom noch leicht beeinflusst werden kann.“

Prävention mit Probiotika
Die Studie zeigt weiterhin, dass es kein einziges Bakterium gibt, das alleine für den Asthmaschutz verantwortlich ist. Vielmehr ist die Reifung des gesamten Darmmikrobioms der Schlüsselfaktor. Diese Erkenntnis stellt den Einsatz einzelner Bakterien als Probiotika zur Asthma-Prävention in Frage. 

  • Vielmehr sollten Probiotika im Hinblick auf ihre nachhaltige Wirkung auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms und dessen Reifung geprüft werden.


Weitere Studien mit Kuhmilch
Ernährungsspezifische Aspekte der Studie können für Präventionsstrategien genutzt werden, zum Beispiel Kuhmilch. Unverarbeitete Rohmilch kann jedoch wegen des Risikos lebensbedrohlicher Infektionen wie EHEC nicht empfohlen werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft des Dr. von Haunerschen Kinderspitals führen derzeit eine klinische Studie über die Auswirkungen von minimal verarbeiteter, aber mikrobiologisch sicherer Milch zur Vorbeugung von Asthma und Allergien durch (MARTHA-Studie).

Helmholtz Zentrum München
Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Forschungszentrum die Mission, personalisierte medizinische Lösungen zur Prävention und Therapie umweltbedingter Krankheiten für eine gesündere Gesellschaft in einer sich schnell verändernden Welt zu entwickeln. Es erforscht das Entstehen von Volkskrankheiten im Kontext von Umweltfaktoren, Lebensstil und individueller genetischer Disposition. Besonderen Fokus legt das Zentrum auf die Erforschung des Diabetes mellitus, Allergien und chronischer Lungenerkrankungen. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.500 Mitarbeitende und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands mit mehr als 40.000 Mitarbeitenden in 19 Forschungszentren.

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Dr. Martin Depner
Helmholtz Zentrum München
Institut für Asthma- und Allergieprävention
E-Mail: martin.depner@helmholtz-muenchen.de

Verena Schulz Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Ingolstädter Landstr.1
85764 Neuherberg
Deutschland
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Telefon: 089-3187-43902
E-Mail-Adresse: verena.schulz@helmholtz-muenchen.de
Originalpublikation:

Depner et al., 2020: Maturation of the gut microbiome during the first year of life contributes to the protective farm effect on childhood asthma. Nature Medicine, DOI: 10.1038/s41591-020-1095-x


Die Schrittmacherzellen: Der Sinuskonoten - vegetative Nervensystem - Sick-Sinus-Syndrom

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue Erkenntnisse über Regulation des Herzschlags

MHH-Studie widerlegt bisherige Lehrbuch-Theorie 

Professor Dr. Christian Wahl-Schott mit einem Modell des menschlichen Herzens.Professor Dr. Christian Wahl-Schott mit einem Modell des menschlichen Herzens. Karin Kaiser Karin Kaiser / MHH

Unser Herz ist ein Hochleistungsmotor. 

Ohne Pause pumpt der Hohlmuskel Blut durch den Körper und sorgt dafür, dass alle Zellen mit Sauerstoff versorgt werden. 

Bei einem gesunden Erwachsenen geschieht das in jeder Minute etwa 60 bis 80 Mal, im Laufe eines Lebens sind das etwa drei Milliarden Herzschläge. 

Sogar außerhalb des Organismus kann das Herz seine Arbeit mit konstanter Frequenz leisten. 

Denn der Herzschlag entsteht im Herzen selbst. 

Spezialisierte Herzmuskelzellen im rechten Vorhof bilden als Schrittmacherzellen den sogenannten Sinusknoten.

  • Ob unser Herz bei Anstrengung schneller oder im Ruhezustand langsamer schlägt, reguliert das autonome, sogenannte vegetative Nervensystem. 

Eine Forschungsgruppe um Professor Dr. Christian Wahl-Schott, Leiter des Instituts für Neurophysiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), hat nun in Kooperation mit dem Institut für Pharmakologie für Naturwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München genauer untersucht, wie dieser Mechanismus funktioniert und dabei eine gängige Lehrmeinung widerlegt. Die gemeinsame Studie ist jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht worden.

Ionenkanäle stabilisieren den Herzrhythmus

Schrittmacherzellen sind elektrisch aktiv. 

Spezielle Ionenkanäle leiten positiv geladene Teilchen durch die Zellmembranen im Sinusknoten. 

Diese HNC-Kanäle (hyperpolarisation-activated cyclic nucleotid-gated cation channels) werden durch ein bestimmtes Signalmolekül moduliert, das cAMP (zyklisches Adenosinmonophosphat). 

„Jahrzehntelang galt die Hypothese, dass eine höhere cAMP-Konzentration die Herzfrequenz erhöht, eine niedrigere den Herzschlag verlangsamt“, erklärt Professor Wahl-Schott. 

Doch widersprüchliche Beobachtungen aus der Praxis zogen die Theorie zunehmend in Zweifel. 

Um die alte Annahme nun molekularbiologisch zu überprüfen, hat das Forschungsteam bei Mäusen die Bindungsstelle für cAMP in den HNC-Kanälen im Herzen genetisch verändert und verhindert, dass der Botenstoff die Kanäle anschaltet. 

„Die Mäuse haben dadurch zwar einen unregelmäßigen Herzschlag entwickelt“, sagt der Mediziner. „Entgegen der bislang geltenden Vermutung ließ sich der Herzrhythmus aber weiterhin regulieren.“

Da die Bindungsstelle zwischen Botenstoff und Ionenkanal bei Maus und Mensch sehr ähnlich sind, lassen sich die Ergebnisse der Studie vom Tiermodell auf den Menschen übertragen: 

  • Sie zeigen, dass vor allem die Ionenkanäle der Untereinheit HNC4 den Herzrhythmus stabilisieren und überschießende Reaktionen des autonomen Nervensystems verhindern. 
  • Einzelne Schrittmacherzellen pausieren sogar minutenlang und feuern gar keine elektrischen Signale an die Herzmuskelzellen, wodurch sie die Herzfrequenz direkt regulieren. „

Die Erkenntnisse sind wichtig, um etwa die Mechanismen von Herzerkrankungen wie Rhythmusstörungen oder das Sick-Sinus-Syndrom künftig besser zu verstehen“, betont Professor Wahl-Schott. 

Die neuen Beobachtungen über den Taktgeber des Herzschlags könnten sich aber auch auf die Behandlung von Herzerkrankungen auswirken – etwa bei der Verwendung von Medikamenten, die die HCN-Kanäle gezielt beeinflussen.

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Originalpublikation:

Originalpublikation „cAMP-dependent regulation of HNC4 controls the tonic entrainment process in sinoatrial node pacemaker cells”:
https://www.nature.com/articles/s41467-020-19304-9.epdf?sharing_token=gOPLPxluFo...

 

Arbeitsbedingter Stress: Der Körper und seine Stresshormone Kortisol

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Arbeitsunterbrechungen führen zu körperlichem Stress

Mit einem Experiment in einem simulierten Grossraumbüro haben ETH-Forschende erstmals nachgewiesen, dass der Körper verstärkt Stresshormone ausschüttet, wenn die Arbeit immer wieder unterbrochen wird. 

Doch den psychologischen, bewusst empfundenen Stress erhöhen sie nicht in gleichem Masse.

Beinahe ein Drittel der Arbeitnehmenden in der Schweiz erlebt arbeitsbedingten Stress, wie dem Job-Stress-Index 2020 der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz zu entnehmen ist. 

Wenn sich dieser Stress chronifiziert, kann er zu Erschöpfungszuständen führen, die sich nachteilig auf die öffentliche Gesundheit auswirken und grosse wirtschaftliche Folgekosten verursachen.

Digitales Frühwarnsystem als Ziel

Um diesen Erschöpfungszuständen zuvorkommen zu können, arbeitet am Mobiliar Lab für Analytik der ETH Zürich ein interdisziplinäres Team an einem digitalen Frühwarnsystem, das im Büroalltag mithilfe von Methoden des maschinellen Lernens in Echtzeit Stress erkennen soll. «Dazu wollten wir in einer ersten Etappe herausfinden, wie sich die Auswirkungen von sozialem Druck und Arbeitsunterbrechungen – zwei der häufigsten Stressoren am Arbeitsplatz – messen lassen», sagt die Psychologin Jasmine Kerr. 

Sie treibt das Projekt gemeinsam mit der Mathematikerin Mara Nägelin und dem Computerwissenschaftler Raphael Weibel voran.

Nun berichten die drei Doktoranden – alle zusammen als Erstautoren – in der Fachzeitschrift Psychoneuroendocrinology über ihre soeben abgeschlossene Studie. Über eine universitäre Plattform haben sie 90 Teilnehmende rekrutiert, die sich bereit erklärten, an einem knapp zweistündigen Experiment teilzunehmen. Für den Versuch haben Kerr, Nägelin und Weibel das Decision Science Laboratory der ETH Zürich in drei Grossraumbüros verwandelt. An jedem Arbeitsplatz stand ein Stuhl, ein Computer mit Bildschirm – und das Zubehör für die Entnahme von Speichelproben.

Denn während die Teilnehmenden – als Angestellte einer imaginären Versicherung – typische Büroarbeiten verrichteten, also etwa handschriftlich ausgefüllte Formulare abtippten oder Termine von Versicherungsberatenden mit ihren Kunden vereinbarten, interessierten sich die Forschenden für ihre psychobiologischen Reaktionen. 

An insgesamt sechs Zeitpunkten gaben die Studienteilnehmenden auf Fragebögen an, wie gut oder schlecht gelaunt sie gerade waren, ein mobiles EKG-Gerät mass durchgehend ihren Herzschlag. 

Und im Speichel bestimmten die Forschenden die Konzentration des Stresshormons Kortisol.

Kandidaten für eine Beförderung

Für ihr Experiment teilten die Forschenden die Teilnehmenden in drei Gruppen ein, die unterschiedlichem Stress ausgesetzt waren. Zwar hatten alle Gruppen die gleiche Arbeit zu verrichten. Und in der Mitte des Versuchs kriegten auch alle Teilnehmenden Besuch: Zwei Schauspieler traten als Mitarbeitende der Personalabteilung der Versicherung auf. Während sie die Teilnehmenden in der Kontrollgruppe einen Verkaufsdialog vorlesen liessen, gaben die Schauspieler in den beiden Stressgruppen vor, unter den Teilnehmenden die geeignetsten Kandidaten für eine Beförderung zu suchen.

Die beiden Stressgruppen unterschieden sich dadurch, dass die Teilnehmenden in der ersten Stressgruppe ihre Arbeiten nur jeweils für die Speichelentnahmen auf die Seite legten. 

Aber die Teilnehmenden der zweiten Stressgruppe mussten zusätzliche Arbeitsunterbrechungen in Kauf nehmen, wenn sie Chatnachrichten ihrer Vorgesetzten erhielten, in denen diese dringenden Auskünfte verlangten.

Fast doppelt so viel Kortisol

Die Auswertung der Daten zeigte, dass auch eine Konkurrenzsituation um eine frei erfundene Beförderung ausreicht, um den Herzschlag in die Höhe zu treiben und das Stresshormon Kortisol freizusetzen. «Die Teilnehmenden der zweiten Stressgruppe schütteten aber fast doppelt so viel Kortisol aus wie diejenigen der ersten Gruppe», sagt Mara Nägelin. Und Raphael Weibel ergänzt: «Bisher wurden Arbeitsunterbrechungen meist nur hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Arbeitsleistung und Produktivität erforscht. Mit unserer Studie zeigen wir erstmals, dass sie sich auch auf die Menge des freigesetzten Kortisols – und also tatsächlich auch auf die biologische Stressreaktion – auswirken».

  • Überrascht waren die Forschenden von dem subjektiv wahrgenommenen, also dem psychologischen Stress. 

Sie stellten fest, dass sich die Teilnehmenden der zweiten Stressgruppe mit Chat-Unterbrechungen als ruhiger und besser gelaunt einschätzten als die Teilnehmenden der ersten Stressgruppe ohne Chat-Unterbrechungen. 

Interessanterweise bewerteten sie die Situation zwar als gleich herausfordernd, aber weniger bedrohlich als die erste Stressgruppe. 

Die Forschenden vermuten dabei, dass die zusätzlichen Arbeitsunterbrechungen über die Kortisolfreisetzung mehr körperliche Ressourcen mobilisierten und dass dadurch die emotionale und kognitive Stressbewältigung unterstützt wurde. 

Zudem ist es möglich, dass die Arbeitsunterbrechungen die Teilnehmenden von der bevorstehenden sozialen Stresssituation ablenkten, wodurch sie weniger Bedrohung und folglich weniger Stress empfanden.

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Originalpublikation:

Kerr JI, Naegelin M, Weibel RP, Ferrario A, La Marca R, von Wangenheim F, Hoelscher C, Schinazi VC. The effects of acute work stress and appraisal on psychobiological stress responses in a group office environment. Psychoneuroendocrinology (2020). doi: 10.1016/j.psyneuen.2020.104837


Endothelzellen und der Blutdurchfluss: Herzinfarkten und Schlaganfällen und die Blutversorgung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: KIT: Blutgefäße gezielt und schnell vergrößern

Bei Herzinfarkten und Schlaganfällen muss die Blutversorgung möglichst schnell sichergestellt werden, um größere körperliche Schäden zu vermeiden. Zoologen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) setzen auf einen neuen Mechanismus, um die Endothelzellen zu vergrößern und damit binnen Stunden den Blutdurchfluss zu verbessern. 

Das Team hat die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht. (DOI: 10.1038/s41467-020-19008-0). 

 Darstellung natürlich wachsender lebender Arterien und fluoreszenzmikroskopische Darstellung des Blutflusses und des endothelialen Aktin Zytoskellets. Ausführliche Bildbeschreibung am Textende. (Abb.: ZOO, KIT)

Darstellung natürlich wachsender lebender Arterien und fluoreszenzmikroskopische Darstellung des Blutflusses und des endothelialen Aktin Zytoskellets. Ausführliche Bildbeschreibung am Textende. (Abb.: ZOO, KIT) ZOO, KIT 

Bei Herzinfarkten und Schlaganfällen muss die Blutversorgung möglichst schnell sichergestellt werden, um größere körperliche Schäden zu vermeiden. Zoologen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) setzen auf einen neuen Mechanismus, um die Endothelzellen zu vergrößern und damit binnen Stunden den Blutdurchfluss zu verbessern. Das Team hat die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht. (DOI: 10.1038/s41467-020-19008-0).

„Wir verfolgen einen völlig neuen Ansatz“, betont Professor Ferdinand le Noble, Leiter der Abteilung Zell- und Entwicklungsbiologie am Zoologischen Institut (ZOO) des KIT. „Unser Fokus richtet sich nicht darauf, die Anzahl an Blutgefäßen zu erhöhen.  

Wir wollen die bereits vorhandenen Arterien erweitern, damit sie mehr Blut durchlassen“. Bereits kleine Veränderungen des Gefäßdurchmessers haben immense Auswirkungen auf den Blutfluss. 

Hierzu werden natürliche Prozesse genutzt, die dafür sorgen, dass im Laufe der Entwicklung aus kleinen Arterien größere Arterien entstehen. 

Typischerweise wird diese Entwicklung durch physikalische Prozesse, also den Blutfluss, ausgelöst und dauert relativ lange.  

Bis, zum Beispiel nach einem Gefäßverschluss, neue Blutgefäße nachgewachsen sind, braucht es in der Regel mehrere Tage

Diese Zeit hat kein Kardiologe, der einen akuten Herzinfarkt behandeln muss“, erklärt de Noble.

Um den röhrenförmigen Innenraum der Blutgefäße schneller zu erweitern, sind prinzipiell zwei Mechanismen denkbar. 

Zum einen die vermehrte Produktion von Endothelzellen und zum zweiten die Vergrößerung bereits vorhandener Endothelzellen. 

Um nach einem Gefäßverschluss die Blutgefäße zu erweitern, sollten die Mechanismen strömungsunabhängig sein.

  • Das Protein VEGF ist als Schlüsselprotein in der Gestaltung und Ausbildung des Gefäßsystems bekannt. 

Gezielte Gefäßerweiterungen setzen voraus, dass VEGF nur lokal, also dort, wo es wirken soll, aktiv ist. Die Expertinnen und Experten am ZOO zeigen einen Mechanismus, mit dem sich die lokale Menge an VEGF dosieren lässt. VEGF gibt das Signal für eine gezielte Vermehrung der Endothelzellen und für eine Neumodellierung des endothelialen Zytoskeletts, in deren Folge sich der Durchmesser der Arterie erweitert. 

Die Neumodellierung des Zytoskellets ist insofern entscheidend, als mit einer Größenzunahme der Endothelzellen auch eine Veränderung der Stabilität dieser Zellen einhergehen muss. 

  • Damit sie sich nicht nur schnell, sondern auch stabil ohne Verletzungen oder Ausstülpungen ausdehnen können, kommt mit Trio ein weiteres Protein zum Einsatz. 
  • Es sorgt als „Masterregulator“ dafür, dass der Umbau des endothelialen Gerüstes an den richtigen Stellen stattfindet.


„Wir hoffen, dass wir mit unserer Forschung langfristig zu einer Verbesserung der Behandlung akuter Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen können“, betont le Noble. 

An Zebrafischembryonen und Modellen von Endothelzellen erfolgreich nachgewiesen soll der neue Mechanismus jetzt weiter präklinisch erprobt werden. 

Perspektivisch könnten die Ergebnisse der Forschungen am ZOO in die Entwicklung von Wirkstoffen einfließen, die zum einen mittels VEGF in Arteriolen selektiv Wachstumsprozesse anregen, zum anderen das Protein Trio aktivieren und deaktivieren

An der vierjährigen Studie waren neben dem KIT auch das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) mit seinen Standorten Heidelberg, Göttingen und München sowie Forschungskollegen aus den Niederlanden und Finnland beteiligt.

Originalpublikation:

Klems, A., van Rijssel, J., Ramms, Anne S., Wild, R., Hammer, J., Merkel, M., Derenbach, L. Préau, L., Hinkel, R., Suarez-Martinez, I., Schulte-Merker, S., Vidal, R., Sauer, S., Kivelä, R., Alitalo, K., Kupatt, C., van Buul, J. D., le Noble, F. (2020): The GEF Trio controls endothelial cell size and arterial remodeling downstream of Vegf signaling in both zebrafish and cell models. Nature Communications, 2020, DOI: 10.1038/s41467-020-19008-0

Weitere Materialien:

Publikation in Nature Communications: https://doi.org/10.1038/s41467-020-19008-0

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Originalpublikation:

Originalpublikation:
Klems, A., van Rijssel, J., Ramms, Anne S., Wild, R., Hammer, J., Merkel, M., Derenbach, L. Préau, L., Hinkel, R., Suarez-Martinez, I., Schulte-Merker, S., Vidal, R., Sauer, S., Kivelä, R., Alitalo, K., Kupatt, C., van Buul, J. D., le Noble, F. (2020): The GEF Trio controls endothelial cell size and arterial remodeling downstream of Vegf signaling in both zebrafish and cell models. Nature Communications, 2020, DOI: 10.1038/s41467-020-19008-0

https://doi.org/10.1038/s41467-020-19008-0


TOP-Untersucher-Hinweis: Komplizierte Einblutungen - Plaque-Bildgebung mittels MRT

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Plaques in den Halsschlagadern – eine zu wenig beachtete Schlaganfallursache

  • Ärzte des LMU Klinikums konnten in einer Studie zeigen, dass vulnerable nicht-stenosierende Plaques in der Halsschlagader eine wichtige Schlaganfallursache sind. Abbildung: Gefährliche Plaques in der Halsschlagader

 

Schlaganfälle sind die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen und zweithäufigste Todesursache. 

Die Ermittlung des zugrundeliegenden Mechanismus (z.B. einer Engstelle in der Halsschlagader oder einer Embolie bei Vorhofflimmern) ist für eine effektive Behandlung essenziell. 

Jedoch bleibt die Schlaganfallursache auch bei ausführlicher Diagnostik in bis zu 30 Prozent der Fälle unklar.

Ein Team von Ärzten des LMU Klinikums unter Leitung von Prof. Martin Dichgans (Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung) und Prof. Tobias Saam (ehemals Klinik und Poliklinik für Radiologie des LMU Klinikums) konnte nun zeigen, dass bei fast einem Drittel der Patienten mit ungeklärter Schlaganfallursache sogenannte komplizierte Plaques in der dem Schlaganfall vorgeschalteten Halsschlagadern zu finden sind.

Dazu erhielten 234 Schlaganfall-Patienten an insgesamt vier Studienzentren (Universität Freiburg, Universität Tübingen, Technische Universität München und Ludwig-Maximilians-Universität München) eine hochauflösende, kontrastmittelverstärkte Plaque-Bildgebung mittels Magnetresonanztomographie (MRT).

Es zeigte sich eine klare Assoziation zwischen komplizierten Karotisplaques und Schlaganfällen im abhängigen Gefäßgebiet bei Patienten mit einer unbekannten Schlaganfallätiologie. 

  • Die Wissenschaftler konnten zudem zeigen, dass eine Plaque-Einblutung das häufigste Merkmal für eine komplizierte Plaque ist. 

Damit lässt sich die ausführliche Plaque-Bildgebung im MRT erheblich vereinfachen: 

Es muss zukünftig lediglich auf eine mögliche Plaque-Einblutung untersucht werden – eine komplexe MRT-Untersuchung mit Halsspule und Kontrastmittel ist hierfür nicht notwendig.

  • Die Autoren der Studie sprechen sich dafür aus, die Plaque-Bildgebung mittels MRT in die klinische Routinediagnostik des Schlaganfalls aufzunehmen. 

Die erhobenen Befunde könnten Konsequenzen für die gezielte Behandlung nach einem Schlaganfall haben. 

Dies soll in weiterführenden Studien geklärt werden.

Das Studienergebnis ist  bereits online seit 2. November 2020 (19 Uhr) im Journal of the American College of Cardiology veröffentlicht worden.

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Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Fachärztin für Neurologie
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Originalpublikation:

https://www.jacc.org/doi/10.1016/j.jacc.2020.09.532


Chronische Herzschwäche - Verbesserung der Herzfunktion

 Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Hoffnung für Menschen mit chronischer Herzschwäche

MHH-Studie weist Verbesserung der Herzfunktion durch mikroRNA-Blocker nach 

 Dr. Sandor Batkai mit einem Screening-Bild zur Analyse der Herzfunktion.

 Dr. Sandor Batkai mit einem Screening-Bild zur Analyse der Herzfunktion. Copyright: „Karin Kaiser/MHH“.

Chronische Herzschwäche ist eine schwerwiegende Erkrankung, bei der das Herz nicht mehr ausreichend Blut in den Körperkreislauf pumpen und die Körperzellen nur noch unzureichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen kann. 

Um die mangelnde Pumpleistung auszugleichen, vergrößert sich der Herzmuskel krankhaft und wird dadurch weiter geschwächt. Herzinsuffizienz ist bislang nicht heilbar und kann zum Tode führen.  

  • Bei Tieren und Menschen reguliert die nicht-kodierende mikroRNA miR132 das krankhafte Wachstum der Herzmuskelzellen. 

Mit Hilfe der synthetisch hergestellten Gegen-Verbindung CDR132L ist dem Team um Professor Dr. Dr. Thomas Thum von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) jetzt im Großtiermodell der Nachweis gelungen, dass die Substanz den Hauptschalter für die kardiale Hypertrophie blockieren und die chronische Herzschwäche rückgängig machen kann. Die internationale Studie unter der Leitung des Direktors des Instituts für Molekulare und Translationale Therapiestrategien ist im European Heart Journal veröffentlicht. Erstautor der Studie ist Dr. Sandor Batkai.

Wirksam und sicher

CDR132L gehört zu der sogenannten RNA-basierten Medizin

  • Das Medikament ist ein künstlich hergestelltes, passgenaues Gegenstück zu der mikroRNA miR132, die im erkrankten Herzen vermehrt gebildet wird. 
  • Das Antisense-Oligonukleotid blockiert den regulatorischen Schalter und verhindert dadurch, dass miR132 die Herzmuskelzellen zum krankhaften Wachstum anregen kann. 

„Wir haben in unserer Studie gezeigt, dass CDR132L therapeutisch wirksam und nebenwirkungsfrei war“, betont der Professor Thum. 

Die Substanz sei somit eine neue Möglichkeit, nicht nur wie bislang die Symptome der Herzinsuffizienz zu behandeln, sondern die Erkrankung selbst im chronischen Stadium heilen zu können, sagt der Kardiologe. 

Das Molekül wird nun bereits an Patienten mit Herzschwäche im Rahmen einer klinischen Studie getestet.

  • CDR132L ist bei Cardior Pharmaceuticals hergestellt worden, einem Biopharmaunternehmen, das als MHH-Ausgründung auf Grundlage der Forschungsarbeiten am IMTTS auf die Entwicklung innovativer Herztherapeutika spezialisiert ist.
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Originalpublikation:

Die Originalpublikation „CDR132L improves systolic and diastolic function in a large animal model of chronic heart failure” ist unter https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehaa791... online verfügbar.