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Kognitive Störungen - Demenz in Akutkrankenhäusern

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: iso-Institut präsentiert Praxisleitfaden zum Aufbau demenzsensibler Krankenhäuser

Jeden Tag werden in deutschen Krankenhäusern rund 76.000 ältere Patientinnen und Patienten mit kognitiven Störungen behandelt. 

  • Meist besteht Ratlosigkeit, wie die steigende Zahl an Patienten mit der Nebendiagnose Demenz in Akutkrankenhäusern angemessen versorgt werden soll.

Dringend sind Maßnahmen zur Erhöhung der Demenzsensibilität von Akutkliniken erforderlich. 

Nun wurde der Öffentlichkeit ein umfassender Praxisleitfaden vorgestellt, den das Saarbrücker Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) im Auftrag der Robert Bosch Stiftung erarbeitet hat. 

Dieser Leitfaden unterstützt Krankenhäuser dabei, in Zukunft demenzsensible Strukturen und Prozesse aufbauen zu können. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Studie  
 
Der Praxisleitfaden basiert im Wesentlichen auf einer Analyse des Förderprogramms „Demenz im Krankenhaus“ der Robert Bosch Stiftung durch das iso-Institut.

Den wichtigsten Fundus an Erfahrungen stellten dabei 17 von der Robert Bosch Stiftung geförderte Projekte aus verschiedenen Regionen Deutschlands dar.

Neben diesen Gute-Praxis-Krankenhäusern wurden weitere Erkenntnisquellen einbezogen, darunter insbesondere Dokumente und Literatur zum Thema, Zusatzprojekte der Stiftung zur Epidemiologie und zur Umgebungsgestaltung sowie Erkenntnisse aus dem ebenfalls von der Robert Bosch Stiftung geförderten Studiengang zur Demenz und dem Graduiertenkolleg „Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus“.


Als Gesamtergebnis ist ein Praxisleitfaden zur modularen Umsetzung von Maßnahmen entstanden, die in der Summe ein demenzsensibles Krankenhaus ausmachen.

  • Zielgruppe sind Führungskräfte und Beschäftigte von Akutkrankenhäusern, die mithilfe des Praxisleitfadens ihr eigenes berufliches Handeln mit Blick auf die Bedürfnisse von Menschen mit kognitiven Einschränkungen reflektieren und auf dieser Basis Schritte zur Organisationsentwicklung einleiten möchten. 
  • Der Leitfaden beschreibt Gestaltungsansätze und Wege, wie Maßnahmen zur Demenzsensibilität entwickelt und umgesetzt werden können.


Im Hauptteil des Leitfadens sind die wichtigsten zehn Bausteine eines demenzsensiblen Krankenhauses in modularer Form aufbereitet.

Beginnend mit dem Wissensaufbau, der von zentraler Bedeutung ist, werden Themen wie Delir-Management, Konzepte für spezielle Abteilungen und für die Notaufnahme, Angehörigenarbeit und Umgebungsgestaltung dargestellt. 

Dabei wird die Umsetzung für jedes Thema durch verschiedene Elemente unterstützt:


• einen Kurzcheck zur Selbsteinschätzung, mit dem sich die Leserinnen und Leser einen schnellen Überblick über den Umsetzungsstand der eigenen Klinik bei dem jeweiligen Baustein verschaffen können,
• eine Erläuterung zur Relevanz des Bausteins und der bei der Umsetzung zu erwartenden Vorteile,
• eine Darstellung des jeweiligen Erkenntnisstandes sowie von Gestaltungsansätzen Guter Praxis,
• eine Empfehlung für angepasste Arbeitsprozesse und organisatorische Abläufe sowie
• nützliche Instrumente und Prozessbeschreibungen.

Der Praxisleitfaden kann kostenfrei bei Robert Bosch Stiftung als Print- oder als Onlineversion bestellt werden:

https://www.bosch-stiftung.de/de/publikation/praxisleitfaden-zum-aufbau-demenzse...

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Originalpublikation:
Kirchen-Peters, Sabine; Krupp, Elisabeth (2019): Praxisleitfaden zum Aufbau demenzsensibler Krankenhäuser. Stuttgart.

Alte und bettlägerigen Menschen: Vorbeugen von Muskelschwund

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Von den Bären lernen

  • Grizzlybären verbringen viele Monate im Winterschlaf, ohne dass ihre Muskeln unter der fehlenden Bewegung leiden. 

Wie ihnen das gelingt, berichtet ein Team um Michael Gotthardt im Fachblatt „Scientific Reports“. 

Die Strategien der Bären könnten helfen, Muskelschwund auch beim Menschen vorzubeugen. 

Bei Grizzlybären überstehen die Muskeln den Winterschlaf beinahe unbeschadet. Forscher*innen suchen nun nach den Mechanismen, um so auch bettlägerigen Menschen zu helfen.
Bei Grizzlybären überstehen die Muskeln den Winterschlaf beinahe unbeschadet. Forscher*innen suchen nun nach den Mechanismen, um so auch bettlägerigen Menschen zu helfen. AG Gotthardt, MDC
 
Ein Grizzlybär kennt eigentlich nur drei Jahreszeiten.

Seine aktive Zeit beginnt zwischen März und Mai.

Um den September herum fängt der Bär an, große Mengen zu fressen.

Und irgendwann zwischen November und Januar fällt er in den Winterschlaf. 

Aus physiologischer Sicht ist diese Zeit die merkwürdigste.

  • Der Stoffwechsel und der Herzschlag des Bären sinken rapide. 
  • Er scheidet weder Urin noch Fäkalien aus. 
  • Die Menge an Stickstoff im Blut steigt drastisch und zudem wird der Grizzlybär resistent gegenüber dem Hormon Insulin.

Ein Mensch würde diese rund viermonatige Phase kaum gesund überstehen.

Er oder sie hätte im Anschluss womöglich mit Thrombosen oder auch psychischen Veränderungen zu kämpfen. 

Vor allem aber würden die Muskeln unter der langen Auszeit leiden.

Das weiß jeder, der schon einmal einen Arm oder ein Bein für ein paar Wochen in Gips hatte oder wegen einer Krankheit längere Zeit im Bett liegen musste.

Ein bisschen träge, aber ansonsten wohlauf

Nicht so der Grizzlybär: Im Frühling erwacht er aus seinem Winterschlaf, ist zunächst vielleicht noch ein bisschen träge, aber ansonsten rundum wohlauf. Schon lange interessiert sich daher eine Vielzahl von Wissenschaftler*innen für die Strategien des Bären, mit denen sich das Tier an seine drei Jahreszeiten anpasst.

Wie es die Muskeln schaffen, den Winterschlaf praktisch unbeschadet zu überstehen, hat jetzt ein Team um Professor Michael Gotthardt, den Leiter der Arbeitsgruppe „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin untersucht. Dabei interessierten sich die Forscherinnen und Forscher aus Berlin, Greifswald und den USA insbesondere für die Frage, welche Gene in den Muskelzellen der Bären abgelesen und in Proteine umgesetzt werden und welchen Effekt das auf die Zellen ausübt.

Die Tricks der Natur verstehen und kopieren

„Muskelschwund ist beim Menschen ein echtes Problem, das unter vielen Umständen auftritt.
Wir sind noch immer nicht sonderlich gut darin, ihm vorzubeugen“, sagt die Erstautorin der Studie, Dr. Douaa Mugahid, die einst Mitglied in Gotthardts Arbeitsgruppe war und inzwischen als Postdoc im Labor von Professor Marc Kirschner vom Department of Systems Biology der Harvard Medical School in Boston forscht.

„Die Schönheit unserer Arbeit bestand für mich darin, zu lernen, wie die Natur eine Möglichkeit perfektioniert hat, den Muskel unter den schwierigen Bedingungen des Winterschlafs zu erhalten“, sagt Mugahid. „Wenn wir diese Strategien besser verstehen, könnten wir nicht-intuitive und neuartige Methoden entwickeln, um Muskelschwund bei Patientinnen und Patienten besser zu verhindern und zu behandeln.“

Per Gensequenzierung und Massenspektrometrie

Um den Tricks der Bären auf die Spur zu kommen, untersuchte das Team um Mugahid und Gotthardt Muskelproben von Grizzlybären während und außerhalb des Winterschlafs, die sie von der Washington State University zur Verfügung gestellt bekommen hatten. „Wir wollten durch die Kombination moderner Sequenziermethoden und Massenspektrometrie ermitteln, welche Gene und Proteine während und außerhalb des Winterschlafs hochreguliert oder heruntergefahren werden“, erklärt Gotthardt.

„Diese Aufgabe erwies sich als knifflig – schon allein deshalb, weil weder das vollständige Genom noch das Proteom, also die Gesamtheit aller Proteine, des Grizzlybären bekannt waren“, sagt der MDC-Forscher. In einem weiteren Schritt planten er und sein Team, die erhaltenen Befunde mit Beobachtungen bei Menschen, Mäusen und Fadenwürmern abzugleichen.

Nicht-essenzielle Aminosäuren ließen Muskelzellen wachsen

Wie die Forscher*innen in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ berichten, fanden sie bei ihren Experimenten auf Proteine, die während des Winterschlafs der Bären deren Aminosäurestoffwechsel stark beeinflussen.

Dadurch befinden sich in den Muskelzellen erhöhte Mengen bestimmter nicht-essenzieller Aminosäuren (non-essential amino acids, NEAA).

„In Experimenten mit isolierten Muskelzellen von Menschen und Mäusen mit Muskelschwund ließen sich auch diese Zellen durch die NEAA zum Wachstum anregen“, sagt Gotthardt.

  • Aus früheren klinischen Studien wisse man allerdings, dass die Gabe der Aminosäuren in Form von Tabletten oder Pulvern nicht ausreiche, um Muskelschwund bei älteren oder bettlägerigen Menschen zu verhindern.

Offenbar ist es von Bedeutung, dass der Muskel diese Aminosäuren selbst produziert – ansonsten gelangen sie womöglich nicht an die Orte, an denen sie gebraucht werden“, spekuliert der MDC-Forscher. Dennoch könne der Versuch, den menschlichen Muskel in längeren Ruhephasen dazu zu bringen, die NEAA durch Aktivierung der entsprechenden Stoffwechselwege mit geeigneten Wirkstoffen selbst herzustellen, ein Ansatzpunkt für eine Therapie sein.

Gewebeproben von bettlägerigen Menschen

Um herauszufinden, welche Signalwege dazu im Muskel angeschaltet werden müssen, verglich das Team um Gotthardt die Aktivität der Gene bei Grizzlybären, Menschen und Mäusen. Die dafür erforderlichen Daten kamen beispielsweise von alten oder bettlägerigen Patient*innen und von Mäusen, die an Muskelschwund litten – etwa infolge reduzierter Bewegung nach Anlegen eines Gipsverbandes. „Auf diese Weise wollten wir erfahren, welche Gene bei Lebewesen, die Winterschlaf halten, und solchen, die es nicht tun, unterschiedlich reguliert sind“, erklärt Gotthardt.

Dabei stießen die Wissenschaftler*innen allerdings auf eine ganze Reihe solcher Gene. Um die möglichen Kandidaten, die Ansatzpunkt für eine Therapie gegen Muskelschwund sein könnten, weiter einzugrenzen, führte das Team im Anschluss Experimente mit Fadenwürmern durch. „Beim Wurm lassen sich einzelne Gene relativ leicht ausschalten und man kann schnell sehen, welche Effekte das auf das Wachstum seiner Muskeln hat“, erläutert Gotthardt.

Ein Gen für circadiane Rhythmen

Mithilfe dieser Experimente hat sein Team nun eine knappe Handvoll von Genen gefunden, deren Einfluss sie in künftigen Arbeiten an Mäusen weiter untersuchen wollen.

  • Mit dabei sind beispielsweise die Gene Pdk4 und Serpinf1, die am Glukose- und Aminosäurestoffwechsel beteiligt sind, sowie das Gen Rora, das zur Entstehung circadianer Rhythmen beiträgt. 

„Wir werden nun als Nächstes schauen, welche Effekte es hat, wenn wir diese Gene ausschalten“, sagt Gotthardt. „Denn als Angriffspunkt für eine Therapie eignen sie sich natürlich nur dann, wenn das keine oder nur wenige Nebenwirkungen hat.“ (bro)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

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Prof. Dr. Michael Gotthardt
Leiter der Arbeitsgruppe „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
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Jana Schlütter Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft
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13125 Berlin
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E-Mail-Adresse: jana.schluetter@mdc-berlin.de

Originalpublikation:
Douaa Mugahid et al. (2019): „Proteomic and Transcriptomic Changes in Hibernating Grizzly Bears Reveal Metabolic and Signaling Pathways that Protect against Muscle Atrophy“, Scientific Reports, DOI: 10.1038/s41598-019-56007-8.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.mdc-berlin.de/de (MDC-Webseite)

https://www.mdc-berlin.de/de/gotthardt (AG Gotthardt)

https://www.nature.com/articles/s41598-019-56007-8 (Paper)



Das Herz und sein Organisationsgrad: Die Muskelkontraktion

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie das Herz altert

Alter gehört zu den größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) haben nun erforscht, was tief im Herzen passiert, wenn es altert. 

Dafür haben sie in abertausenden alten und jungen Herzzellen untersucht, welche Gene in ihnen aktiv sind. 

Ihr Ergebnis: 
  • Im Alter verliert das Herz seinen hohen Organisationsgrad. 
  • Insbesondere Bindegewebszellen, die Fibroblasten, geraten zunehmend außer Kontrolle. 

Dr. Sascha Sauer
Dr. Sascha Sauer David Ausserhofer / MDC
 
„Wir haben uns angeschaut, was im gesunden Herz passiert, wenn es unter standardisierten Bedingungen altert“, sagt Dr. Sascha Sauer vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin. Die Ergebnisse offenbaren, wo das alternde Herz besonders verletzlich ist und liefern damit auch eine mögliche Grundlage für neue therapeutische Ansatzpunkte.

Die Wissenschaftler setzten eine neue Methode ein, die Einzelzelltranskriptionsanalyse. Sie ermöglicht es, für jede Zelle gesondert zu analysieren, welche Gene in ihr abgelesen werden. Insgesamt rund 28.000 Herzzellen von jungen und alten Mäusen haben die Berliner Forscher zusammen mit der Arbeitsgruppe von Prof. Stefanie Dimmeler, Goethe Universität Frankfurt, auf diese Weise untersucht. Damit entstand ein umfassender Zellatlas der Genaktivität in alten Herzen von Säugetieren.

Gene arbeiten nicht mehr so synchron

Die größten Unterschiede zwischen Jung und Alt waren bei Bindegewebszellen, den sogenannten Fibroblasten, zu beobachten. In Fibroblasten aus Herzen von jungen Mäusen waren in jeder Zelle jeweils Gene ähnlich aktiv. Bei den älteren Mäusen sah das von Zelle zu Zelle nicht mehr so einheitlich aus. „Betrachtet man wenige Zellen ist das Muster noch halbwegs in Ordnung“, berichtet Sauer. 
  • „Doch all die kleinen Abweichungen führen insgesamt dazu, dass die alten Zellen sich mehr und mehr unterscheiden und somit nicht mehr so gut zusammenarbeiten. 
  • Dadurch gerät das hochkomplexe System Herz etwas durcheinander.“

In der äußersten Schicht des Herzens, dem Epikard, fanden Sauer, Dimmeler und Kollegen in alten Herzen zudem eine Gruppe von Bindegewebszellen, in denen Gene aktiv waren, die zur Verkalkung führen.

 „Es ist zwar bekannt, dass im Alter die Gefäße zunehmend verkalken, aber dass im gesunden Herzen ein bestimmter Subtyp von alternden Fibroblasten dazu beiträgt, ist neu“, so Sauer.
 Parallele Analyse der Genaktivität von einzelnen Zellen in miniaturisierten Formaten
Parallele Analyse der Genaktivität von einzelnen Zellen in miniaturisierten Formaten
David Ausserhofer / MDC

Wie das Herz altert

Schlechter Einfluss

  • In alten Herzen senden Fibroblasten außerdem bestimmte Eiweiße, die sogenannten Serpine, an Endothelzellen aus. 

Diese Zellen kleiden die Blutgefäße von innen aus. 

  • Die Serpine bewirken, dass sich die Endothelzellen schlechter zusammenfinden, was negative Folgen für die Blutgefäßauskleidung haben kann. 

Setzten die Forscher Antikörper gegen die Serpine ein, konnten sie die negativen Effekte auf die Endothelzellen wieder rückgängig machen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass das Zusammenspiel von Fibroblasten und Endothelzellen tatsächlich noch viel komplexer ist.

Denn auch weitere für die Zellkommunikation zuständige Gene sind in alten Fibroblasten anders reguliert als in jungen.

Hohe Spezialisierung geht verloren

Bei den Herzmuskelzellen fanden die Forscher erst dann altersbedingte Unterschiede, als sie speziell nach Genen schauten, die für die Muskelkontraktion wichtig sind.

Diese Gene verhielten sich in alten Herzmuskelzellen sehr variabel.

Andere Gene, die zum Beispiel für Stoffwechselwege codieren und in allen Zellen identisch sind, waren in alten und jungen Herzmuskelzellen hingegen gleichermaßen aktiv.

„Wenn man sich grob vorstellt, wie sich ein Organismus entwickelt, dann treten hoch spezialisierte Zellen eher später auf.

Und was spät kommt, verliert man anscheinend wieder früh, beziehungsweise sind gerade die spät ausgeprägten Spezialisierungen sehr anfällig im Alter“, sagt Sauer.

Sauer und sein Team wollen nun herausfinden, wodurch die Genaktivität in den einzelnen Zellen im Alter so variabel wird.

Dafür betrachten sie Marker auf der DNA, sogenannte Methylierungen, die darüber entscheiden, ob ein Gen abgelesen wird oder nicht.

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Dr. Sascha Sauer
 Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), Sascha.Sauer@mdc-berlin.de

Originalpublikation:
Transcriptional heterogeneity of fibroblasts is a hallmark of the aging heart. Vidal R, Wagner JUG, Braeuning C, Fischer C, Patrick R, Tombor L, Muhly-Reinholz M, John D, Kliem M, Conrad T, Guimarães-Camboa N, Harvey R, Dimmeler S, Sauer S. JCI Insight. 2019 Nov 14;4(22). pii: 131092. DOI:10.1172/jci.insight.131092


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Christine Vollgraf

Telefon: 030 3465 52902
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Vorhofseptumdefekt: Verschluss von Defekten der Herzscheidewand - Atrium-Septum-Defekt (ASD)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Kinderkardiologische Premiere

Zum europaweit ersten Mal wurde am DHZB ein neuartiges Implantat zum Verschluss von Defekten der Herzscheidewand eingesetzt. 

Es passt sich dem umliegenden Gewebe noch besser an und kann den Patiententen in manchen Fällen sogar eine offene Operation am Herzen ersparen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Notfallsanitäter 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Medikamente  
  • Der Vorhofseptumdefekt oder Atrium-Septum-Defekt (ASD) ist – vereinfacht gesagt – ein „Loch“ in der Scheidewand zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens und gehört zu den häufigsten angeborenen Herzfehlern.

In den meisten Fällen können ASD heute schonend über Herzkatheter verschlossen werden, eine Operation am offenen Herzen ist dann nicht mehr nötig.


  • Dabei wird ein sogenannter Okkluder, ein doppelter Schirm aus einem Drahtgeflecht über die Blutgefäße bis in den Herzvorhof geschoben und an beiden Seiten des „Lochs“ aufgespannt.

Nach diesem schonenden und risikoarmen Eingriff wächst der Okkluder ein und ermöglicht eine meist uneingeschränkte Lebensqualität und –Erwartung.

Zum europaweit ersten Mal ist am Deutschen Herzzentrum Berlin nun ein neuartiger Okkluder eingesetzt worden.

Wie die bisher eingesetzten Schirme besteht auch das Gerüst dieses Modells aus einer speziellen formstabilen und gleichzeitig weichen Metalllegierung.

Der Unterschied: 

  • Die Maschen des Geflechts sind wesentlich weiter, die dabei entstehenden Zwischenräume werden mit einer Kunststoffmembran verschlossen.

„Der Okkluder wird durch dieses neue Konstruktionsprinzip insgesamt weicher und flexibler, er passt sich dem umliegenden Gewebe also noch besser an, kann damit sehr gut einheilen und wird aufgrund des geringeren Metallanteils auch in seltenen Fällen einer Metall-Unverträglichkeit besser aufgenommen“, erläutert Kinderkardiologe Prof. Dr. med. Stephan Schubert, Oberarzt und Leiter des Herzkatheterlabors an der Klinik für Angeborene Herzfehler – Kinderkardiologie am DHZB.

  • Das neue System stammt aus den USA, wurde dort bereits rund hundertmal erfolgreich eingesetzt und hat Ende 2019 auch die EU-Zulassung erhalten. 

Am Montag, also vor vier Tagen,  haben Professor Schubert und sein Team den „Cardioform Occluder“ den ersten vier Patienten im Alter von drei bis 17 Jahren implantiert.

Die Eingriffe dauerten jeweils nur etwa eine Stunde und verliefen ohne Komplikationen.

Bei einer der „Premieren“-Patienten kam ein weiterer großer Vorteil des neuen Implantats zum Tragen:

Bei der vierjährigen Emilia aus Berlin lag der ASD sehr nahe an der Mündung der Hauptschlagader (Aorta). 

Ein herkömmlicher Schirm aus engmaschigem Metallgewebe hätte hier womöglich nicht eingesetzt werden können, da er langfristig die Aortenwand hätte verletzen können.

Beim neuen Cardioform Occluder besteht diese Gefahr nicht.

Eine Operation am offenen Herzen blieb Emilia damit erspart.

Schon am übernächsten Morgen nach dem Katheter-Eingriff konnte sie das DHZB beschwerdefrei verlassen.

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CAVE-Untersucher: Erhöhtes Risiko für Schluckstörungen (Dysphagie Screening)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:  Zwei Teelöffel Wasser können Leben retten: Dysphagie Screening Tool Geriatrie (DSTG) vorgestellt

Zwei Teelöffel Wasser und ein Wasserglas – mehr braucht es nicht, um bei hochbetagten Menschen ein erhöhtes Risiko für Schluckstörungen zu erkennen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: Untersucher-Bogen  

Diese Erkenntnis hat die Arbeitsgemeinschaft Dysphagie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) just veröffentlicht und ihr Dysphagie Screening Tool Geriatrie (DSTG) vorgestellt. „Wir haben mit einem einseitigen Durchführungsbogen einen sehr praktikablen Schluckstörungstest, gut einsetzbar für geschultes Personal wie z. B. Chefarzt/Oberarzt/Facharzt-Arzthelfer, Arzthelferinnen, Pflegekräfte oder Ärzte, entwickelt“, erklärt Dr. Martin Jäger, Leiter der AG Dysphagie und ärztlicher Direktor Geriatrie am Hüttenhospital Dortmund. 
 
Jägers Ziel ist es, Schluckstörungen bei sehr alten Menschen in Kliniken, Arztpraxen sowie ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen deutlich schneller und häufiger zu erkennen und durch weitere Tests dann zu verifizieren. 

Denn Früherkennung in der Grundversorgung kann Komplikationen verhindern! 

„Die Gefahr für diese Patienten sich zu verschlucken, in der Folge zu ersticken oder auch eine Lungenentzündung zu entwickeln, Zeichen von Muskelschwund oder Mangelernährung aufzuweisen, ist sehr hoch“, warnt Jäger.

„Ich möchte deshalb alle Kollegen aufrufen: Nutzt ab sofort das DSTG bei euren geriatrischen Patienten. Es kann Leben retten!“

Medizin am Abend Berlin ZusatzHinweis: Diagnostik Schluckstörungen  

In der Literatur finden sich Prävalenzen für Schluckstörungen bei unabhängig lebenden Älteren von bis zu 33 Prozent, bei Pflegeheimbewohnern von mehr als 50 Prozent und bei Patienten in geriatrischen Kliniken von bis zu 70 Prozent – somit sind Schluckstörungen in der Geriatrie ein häufig auftretendes und schwerwiegendes Problem.

Positiver Likelihood Quotient des DSTG liegt bei 4,95


Die Durchführung des Tests ist wie gesagt bewusst einfach gehalten:

Ist der Patient in der Lage zu sitzen und ausreichend wach, ist der erste Schritt des Screenings bereits durchlaufen.

In Schritt zwei sollte der Untersuchende beobachten, ob sich die Zunge des Patienten frei bewegen lässt, keine auffälligen Beläge oder Nahrungsreste im Mund zu finden sind und der Patient spontan husten kann. 


Schritt drei ist dann entscheidend:

  • Der Patient bekommt zwei Mal hintereinander einen Teelöffel mit Wasser angereicht. 
  • Es folgt zwei Mal ein Schluck Wasser aus einem normalen Wasserglas. 

Muss der Patient räuspern oder husten?

Ist eine Stimmveränderung bemerkbar?

Falls nur eine dieser Fragen mit „Ja!“ beantwortet wird, liegt mit bis zu fünf Mal so hoher Wahrscheinlichkeit eine Dysphagie vor und sollte unbedingt ein weiteres Vorgehen mit dem behandelnden Arzt bzw. Logopäden des Patienten besprochen werden.

Die fünf Mal so hohe Wahrscheinlichkeit, durch das DSTG eine Dysphagie mit weiteren Untersuchungsmethoden zu bestätigen, bescheinigt der erfahrene Geriater und ehemaliges Vorstandsmitglied Prof. Dr. Ulrich Thiem. Thiem, Chefarzt der Geriatrie sowie Inhaber der Stiftungsprofessor für Geriatrie und Gerontologie an der Universität Hamburg, wertete die Daten der AG Dysphagie der DGG aus, nachdem das Screening Tool in eine erste Evaluierungsphase in den vergangenen 18 Monaten ging.

„Das Tool funktioniert gut!“, sagt Thiem.

„Es gibt kein anderes für geriatrische Patienten.

Deshalb sollte es jetzt unbedingt zum Einsatz kommen. Denn ein Tool ist besser als kein Tool!“

DSTG: einfache Methode kann Großes bewirken

So freut sich AG-Leiter Dr. Martin Jäger jetzt auf die Einführung des DSTG: „Wir haben viele Jahre entwickelt und evaluiert und es zeigt sich: Einfache Methoden können sehr Großes bewirken. Dieser einfach durchzuführende Früherkennungstest zeigt deutlich, ob die Gefahr einer Schluckstörung, einer Dysphagie, beim geriatrischen Patienten vorliegt und ob weitere Maßnahmen notwendig werden.

Das DSTG, validiert für geriatrische Patienten, ist das erste Screening Tool seiner Art.



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Dr. Martin Jäger, Leiter der AG Dysphagie und ärztlicher Direktor Geriatrie am Hüttenhospital Dortmund

Torben Brinkema Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)

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CAVE: Sepsis (Infektion) ist k e i n e Blutvergiftung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Sepsis: Früherkennung rettet Leben

In Europa erkrankt jährlich etwa eine halbe Million Menschen an einer Sepsis, in Österreich gibt es rund 18.000 Fälle pro Jahr, 7.500 sterben daran. 

Die Sepsis ist nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen weltweit. 

Der Welt-Sepsis-Tag am 13. September soll te helfen, das Bewusstsein für Sepsis zu erhöhen, um die frühzeitige Erkennung dieser schwerwiegenden Erkrankung zu fördern. 
 
  • Wenn Infektionen im Körper außer Kontrolle geraten, spricht man von einer Sepsis – fälschlicherweise bekannt auch als Blutvergiftung. 

Besonders gefährdet sind ältere, aber auch Kinder unter einem Jahr oder Menschen mit chronischen Erkrankungen. 

  • Sie wird durch Bakterien, Viren oder Pilze und deren Gifte ausgelöst und ist eine der aggressivsten Versionen einer Infektion. 
  • Ursachen können etwa Wund- und Harnwegsinfektionen, Lungenentzündungen, eine Bauchfellentzündung oder eine Grippe sein.

Im Versuch, die Infektion zu bekämpfen, kommt es zu einer übermäßigen Reaktion des Körpers.

  • So ist der Patient/die Patientin weniger durch den Angriff etwa von Bakterien, sondern vielmehr durch die fehlgeleitete Reaktion des eigenen Körpers auf diesen Angriff gefährdet. 

„Es kommt zu einer immunologischen Dysfunktion des Wirtes“, erklärt der Innsbrucker Intensivmediziner, Michael Joannidis, Leiter der Gemeinsame Einrichtung für Internistische Notfall- und Intensivmedizin an der Medizinischen Universität Innsbruck.

Ist die Sepsis einmal da, ist Zeit ein entscheidender Faktor: 

Zur schnellen Erkennung von RisikopatientInnen durch Sepsis außerhalb von Intensivstationen wurde der quickSOFA-Score eingeführt, der aus drei einfachen klinischen Kriterien -

eine Atemfrequenz von 22/min oder mehr, 
Bewusstseinstrübung und ein systolischer Blutdruck von weniger als 100 mm Hg - besteht. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Sepsis Labor  

Wenn mindestens zwei dieser Kriterien erfüllt sind, ist die Wahrscheinlichkeit für eine schwere Sepsis erhöht.

Die rechtzeitige Behandlung mit den richtigen Antibiotika ist die Basis einer erfolgreichen Sepsis-Therapie.

Beim Verdacht auf eine Sepsis schickt der Intensivmediziner deshalb so schnell wie möglich Blut bzw. Harn zur Untersuchung an das mikrobiologische Labor.

Bei schweren Fällen bzw. später Diagnose führt eine Sepsis zu Organversagen und eine Intensivbetreuung ist notwendig. Das am häufigsten betroffene Organ ist dabei die Niere.

Vorherrschende Ursache bei Nierenversagen

„70 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Sepsis erleiden eine akute Nierenschädigung“, weiß Intensivmediziner Michael Joannidis.

„Wir nehmen an, dass dabei eine Nierenentzündung und eine Mangelversorgung mit Sauerstoff (Hypoxie) wichtige Rollen spielen.

Eine neue Therapie sollte auf diese beiden Prozesse abzielen. 

Die Ergebnisse wurden in einer Studie im „Journal of the American Medical Association“ veröffentlicht. Der Innsbrucker Mediziner Michael Joannidis war als Mitglied des Steering Committee und nationaler Studienkoordinator an dieser Publikation maßgeblich beteiligt. Die aktuellen Forschungen auch an der Medizinischen Universität Innsbruck auf diesem Gebiet sollen künftig Intensivpatientinnen und -patienten bessere Behandlungen bringen und weiteren Stress durch eine Nierenersatztherapie ersparen.

Neue Studie in Phase III

Die im „Journal of the American Medical Association“ veröffentlichte Studie zeigt, dass das Enzym „Alkalische Phosphatase“ mit seinem dualen Wirkmechanismus ein vielversprechender Kandidat für eine Therapie sein könnte.

„Eine intravenöse Verabreichung von rekombinanter Alkalischer Phosphatase über drei Tage konnte zwar nicht, wie erwartet, in den ersten Wochen, aber nach 28 Tagen eine Verbesserung der Nierenfunktion bewirken“, erklärt Joannidis. 

Darüber hinaus zeigte sich ein unerwartet deutlicher Effekt auf das Überleben der PatientInnen nach einem bzw. drei Monaten. 

Die Sterblichkeit bei diesen schwer kranken Intensiv-PatientInnen mit Sepsis und Nierenschädigung ging um mehr als 40 Prozent zurück.

Im Herbst 2019 startet die Studie in die Phase III, in der nun in den USA und in Europa überprüft wird, ob sich die Wirksamkeit und die Unbedenklichkeit bestätigen lässt.

Das Hauptaugenmerk liegt nun auf dem signifikanten Wirkungsnachweis und den Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Originalpublikation:
"Effect of Human Recombinant Alkaline Phosphatase on 7-Day Creatinine Clearance in Patients With Sepsis-Associated Acute Kidney Injury" https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2710776

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REM-Schlaf, oder auch Traumschlaf: Alpha-Synukleinopathie - Parkinson-Krankheit

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: 80% aller Betroffenen mit einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung entwickeln eine Parkinson-Krankheit

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (engl. abgekürzt RBD) ist durch lebhafte Träume und körperliche Aktivität im Traumschlaf gekennzeichnet: 

Die Betroffenen schreien, treten oder schlagen um sich im Schlaf. 

Oft schämen sie sich und gehen nicht zum Arzt. 

Dabei können Medikamente Linderung verschaffen. 

Hinzu kommt, dass es einen Zusammenhang zwischen RBD und der Parkinson-Krankheit gibt – 4 von 5 Betroffenen erkranken im Laufe von 15 Jahren an der Parkinson-Krankheit. 

Derzeit wird an einem Test gearbeitet, der verlässlich vorhersagen kann, ob eine RBD in eine Parkinson-Krankheit mündet oder nicht. 
 
Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (engl. „REM sleep behaviour disorder“ - RBD) wird laut der Internationalen „Classification of Sleep Disorders“ (ICSD) den sogenannten Parasomnien zugeteilt.

Darunter versteht man Schlafstörungen mit störenden Begleitsymptomen. 

  • Der REM-Schlaf, oder auch Traumschlaf, wechselt sich mit dem Non-REM-Schlaf (Leicht- und Tiefschlaf) mehrmals pro Nacht ab und ist durch die schnellen Augenbewegungen („rapid eye movements - REM“) bei geschlossenen Augenlidern charakterisiert. 
Während der REM-Schlafphase herrscht im Gehirn eine erhöhte Durchblutung und Stoffwechselaktivität, die Atem- und Herzfrequenzen steigen an, die Muskulatur ist aber in einem vollständigen Ruhezustand. 

In dieser Schlafphase träumen wir. 

Bei Betroffenen, die unter der RBD leiden, kommt es in dieser REM-Schlafphase zu heftigen Träumen, die sie – im Gegensatz zu „normal Träumenden“ – auch körperlich durchleben und „aktiv“ werden lassen.

Nicht selten schreien die Betroffenen laut, sie treten oder schlagen unkontrolliert um sich, kratzen oder beißen, in einigen Fällen kann es sogar zu Selbstverletzungen oder Verletzungen des Partners kommen.

„Die RBD ist für Betroffene oft ein Tabuthema.

Sie schämen sich und haben Sorge, als aggressiv oder unbeherrscht eingestuft zu werden. Ihnen – und oft auch dem Partner – ist nicht klar, dass eine Krankheit ursächlich für die nächtliche Aktivität ist“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang Oertel von der Universität Marburg.

„Es ist wichtig, diese Tabus abzubauen und allgemein bekannt zu machen, dass es sich bei der RBD um ein Vorzeichen einer Erkrankung handelt.

Betroffene sollten sich ihrem Hausarzt anvertrauen, der sie bei Bedarf an einen Neurologen überweist, denn die RBD ist behandelbar.“

Eine medikamentöse Therapie kann die Lebens-und Schlafqualität vieler Patienten verbessern.

Zum Einsatz kommen beispielsweise Clonazepam, eine Substanz, die vor allem bei Epilepsie eingesetzt wird (auch wenn RBD keine epileptische Erkrankung ist!), und Melatonin, ein Hormon, das den Wach-Schlaf-Rhythmus steuert. 

Aber selbst, wenn die medikamentöse Therapie nicht anschlägt, ist für viele Betroffene allein die Diagnose ein Segen.

„Ihnen fällt ein Stein vom Herzen, wenn sie erfahren, dass ihr Leiden eine echte Erkrankung ist, sie nicht `unnormal´ sind oder gar Sorge haben müssen, verrückt zu werden,“ so Prof. Oertel.

Es gibt aber noch einen weiteren wichtigen Grund, warum eine rechtzeitige Diagnose wichtig ist:

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung wurde als ein Risikofaktor zur Entwicklung eines Parkinson-Syndroms eingestuft.

Es ist mittlerweile bekannt, dass 80% aller Betroffenen mit einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung in den nächsten 15 Jahren an einer sogenannten alpha-Synukleinopathie erkranken werden.

In dieser Erkrankungsgruppe stellt die Parkinson-Krankheit die häufigste Krankheit dar.

„Was für die Betroffenen zunächst wie eine Hiobsbotschaft klingt, denn eine Parkinson-Erkrankung ist auch heute noch nicht heilbar, hat zumindest einen positiven Aspekt:

Durch die RBD erhalten Betroffene die Möglichkeit, sich mit der drohenden Parkinson-Erkrankung auseinanderzusetzen und frühzeitig mit einer Therapie zu beginnen. Darüber hinaus können die von der RBD Betroffenen hoffen, dass laufende Forschungsanstrengungen neue Therapie-Verfahren finden und entwickeln, die das Fortschreiten einer Parkinson-Krankheit verlangsamen“, so der Experte.

Die Parkinson-Krankheit ist weltweit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Die hierbei zu beobachtenden Störungen des Bewegungsablaufes (siehe unten) lassen sich auf den Untergang dopaminerger Neurone der Substantia nigra im Mittelhirn zurückführen.

Prinzipiell ist der Teil des Mittelhirns an der Ausgestaltung von Bewegungsabläufen beteiligt, was die typischen Parkinson-Symptome erklärt. 
  • Durch die Erkrankung kommt es im Verlauf zu einer Bewegungsarmut bis hin zur vollständigen Bewegungslosigkeit (Akinese), zur versteiften Muskulatur (Rigor) und dem Zittern von Armen und Beinen in Ruhe (Tremor).

Der Zusammenhang zwischen RBD und der Parkinson-Krankheit wird derzeit intensiv beforscht.

Prof. Oertel und sein Team gehen der Frage nach, welche der RBD-Patienten zu den mehr als zwei Dritteln mit dieser Traum-Schlafstörung gehören, die auf eine Parkinson-Erkrankung zusteuern.

  • Mit der sogenannten Fluoro-Desoxy-Glukose- (FDG-) PET-Technik haben sie den Energieverbrauch des Gehirns genau gemessen. 

Es stellte sich heraus, dass Parkinson-Patienten ein typisches Muster von Abweichungen des Energiehaushaltes im Gehirn zeigen.

„Bei zwei Drittel von 25 untersuchten RBD-Patienten haben wir festgestellt, dass dieses Parkinson-Muster bereits im Vorstadium der Parkinson-Krankheit anwesend ist.

Nun gilt es zu klären, ob das Muster tatsächlich für eine valide Vorhersage der Parkinson-Krankheit herangezogen werden kann, also ob es tatsächlich auch diejenigen RBD-Patienten mit dem typischen Parkinson-Muster sind, die an der Parkinson-Krankheit erkranken werden, und ob umgekehrt die RBD-Patienten ohne Parkinson-Muster gesund bleiben“, erklärt der Marburger Neurologe und Past-Präsident der DGN.

 „Wenn das der Fall ist, haben wir einen Parkinson-Frühtest für Menschen, die unter RBD leiden.“ Das wichtige Forschungsprojekt wird vom ParkinsonFonds Deutschland gefördert.

 Die ersten Ergebnisse dieser Verlaufsstudie werden 2020 erwartet.

Für Betroffene und Angehörige ist der Verein REM-Schlafstörung e.V. eine wichtige Anlaufstelle.

Auf der Internetseite http://www.rem-schlafverhaltensstoerung.de/ findet man zahlreiche Informationen und u.a. einen RBD-Selbsttest.



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Bakterielle Infektion: Komplikation bei Lungenentzündung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Haut- und Schleimhautreaktionen als Komplikation der Lungenentzündung

  • Erkranken Kinder an einer Lungenentzündung, kann es zu schmerzhaften Entzündungen der Haut- und der Schleimhaut kommen. 

Ein Forschungsteam am Universitäts-Kinderspital Zürich hat nun einen Bluttest entwickelt, der solche bakteriellen Infektionen frühzeitig erkennt. 

So kann auch schneller mit der Therapie begonnen werden. 

Bakterielle Infektionen können bei Kindern schwere Haut- und Schleimhautreaktionen hervorrufen.
Bakterielle Infektionen können bei Kindern schwere Haut- und Schleimhautreaktionen hervorrufen. Susanne Staubli
 
  • Rasant absterbende Schleimhautzellen im Bereich des Mundes, der Augen und der Genitalien, Bläschen und Blasen auf der Haut: 

Solche Symptome treten bei Medikamenten-Allergien oder bei Infektionen auf.

Letztere werden oft durch das Bakterium Mycoplasma pneumoniae (Myko-plasmen) ausgelöst, das im Kindesalter häufig Lungenentzündungen verursacht. 

  • Mykoplasmen können aber auch ausserhalb der Lunge ihr Unwesen treiben und schwere, schmerzende Haut- und Schleimhautreaktionen auslösen.

Frühe und eindeutige Diagnose bakterieller Infektionen

Allerdings ist der Zusammenhang zwischen Mykoplasmen-Infektion und Haut- und Schleimhaut-entzündungen schwierig zu beweisen: Routinetests können zwar die Mykoplasmen nachweisen, beantworten jedoch nicht die Frage, ob diese die Ursache für die Infektion sind oder ob die Bak-terien nur den Nasen-Rachen-Raum ohne Folgen kolonisieren.

Ein Forschungsteam des Universitäts-Kinderspitals hat deshalb den ELISpot-Bluttest («Enzyme-linked Immunospot»-Test) entwickelt, der innerhalb von 24 Stunden spezifische Abwehrzellen nachweisen kann. Die Abwehrzellen sind direkt gegen die Mykoplasmen gerichtet und werden nur bei einer Infektion aktiv. «Eine frühe und eindeutige Erkennung der bakteriellen Infektion ist wichtig, damit die Bakterien als Auslöser der Haut- und Schleimhautreaktionen durch eine gezielte antibiotische Behandlung rasch eliminiert werden können», sagt Patrick Meyer Sauteur, Ober-arzt für Infektiologie und Spitalhygiene am Kinderspital Zürich.

Schwere Reaktionen als Komplikation einer Lungenentzündung

Der neue ELISpot-Bluttest wurde bereits in einer Pneumonie-Studie am Kinderspital Zürich ein-gesetzt, bei der Haut- und Schleimhautreaktionen erstmals bei 152 Kindern mit Lungenentzün-dung beobachtet wurden. Bei einem Drittel der Patientinnen und Patienten konnten Mykoplasmen als Ursache der Lungenentzündung nachgewiesen werden. Bei 23 Prozent der betroffenen 44 Kindern erzeugten Mykoplasmen Haut- und Schleimhautreaktionen – bei drei von ihnen kam es zu schweren Läsionen vor allem der Schleimhaut. Nur 3 Prozent der Kinder mit Infektionen anderer Ursache hatten Haut- und Schleimhautreaktionen.

Weshalb Infektionen mit Mykoplasmen – neben Atemwegssymptomen – oft zu Erkrankungen der Haut und der Schleimhäute führen, ist noch nicht vollständig geklärt.

  • In der Studie zeigte sich, dass das Immunsystem bei Kindern, die mit Mykoplasmen infiziert waren und Haut- sowie Schleimhautreaktionen zeigten, viel stärker aktiviert war als bei ebenfalls infizierten Kindern, die ausschliesslich Atemwegssymptome aufwiesen.

 «Dies lässt eine interessante Schlussfolgerung zu:

Nicht die Mykoplasmen sind die direkte Ursache der Haut- und Schleimhautreaktionen, sondern das Immunsystem selbst, das auf die Mykoplasmen reagiert», so Meyer Sauteur.

Bakterien führen das Immunsystem in die Irre

Aktuell erforscht das Team am Kinderspital, welche Komponenten diese Immunreaktion auslösen und welche Strukturen der Haut und der Schleimhaut angegriffen werden.

Frühere Studien zeigten, dass die Oberfläche der Mykoplasmen eine grosse Ähnlichkeit mit körpereigenen Strukturen verschiedener Gewebe haben können.

Daher wird vermutet, dass sich das Immunsystem sowohl gegen die Mykoplasmen als auch gegen die ähnlichen, körpereigenen Strukturen richtet, weil es die beiden nicht auseinanderhalten kann.

Der neue Bluttest erlaubt es, die Immunreaktion im Blut genau zu erforschen und bei den Patienten mit einer Mykoplasmen-Infektion eine exakte Diagnose zu stellen.

«Unsere Forschungser-gebnisse wirken sich direkt auf die Behandlung aus:

Bei Mykoplasmen-Infektionen können nicht nur Antibiotika eine Besserung der Symptome bewirken, sondern zusätzlich auch Medikamente, die das Immunsystem gezielt unterdrücken», sagt der Infektiologe.

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Dr. med. Patrick M. Meyer Sauteur
Oberarzt Infektiologie und Spitalhygiene
Universitäts-Kinderspital Zürich
Telefon +41 44 266 78 96
E-Mail: patrick.meyer@kispi.uzh.ch

Rita Ziegler Universität Zürich
Seilergraben 49
8001 Zürich
Schweiz
Zürich 
Telefon: 0041446344460
E-Mail-Adresse: rita.ziegler@kommunikation.uzh.ch


Originalpublikation:
Patrick M. Meyer Sauteur, Martin Theiler, Michael Buettcher, Michelle Seiler, Lisa Weibel, Chris-toph Berger. Mycoplasma pneumoniae-induced mucocutaneous disease: a prospective longitudi-nal cohort study. JAMA Dermatology, 18 Dezember 2019. Doi: 10.1001/jamadermatol.2019.3602



Kindheitliches Übergewicht, Diabetes, chronische Krankheiten,

Medizin am Abend Berlin -MaAB-Fazit: Je älter Kinder werden, desto weniger bewegen sie sich – doch die urbane Umgebung kann diesen Effekt stark beeinflussen

Mit jedem gewonnenen Lebensjahr bewegen sich Kinder täglich zwei Minuten weniger. 

Was nach einem kleinen Effekt klingt, addiert sich im gesamten Zeitraum des Aufwachsens zu 20 Minuten verlorener Aktivität pro Tag – knapp einem Drittel der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Verhindern können das bestimmte stadtplanerische Maßnahmen – zumindest zum Teil. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Klinik-Entlassungsmanagement  
 
Toben, rennen, spielen – Kinder bewegen sich in der Regel gerne.

Das bereitet ihnen nicht nur Freude, sondern schützt sie auch vor Übergewicht, Diabetes und vielen anderen Gesundheitsproblemen im späteren Leben.

Das zeigen zahlreiche Studien.

Körperliche Aktivität gilt als eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen vor chronischen Krankheiten.

  • Doch von dieser wertvollen „Medizin“ bekommen Kinder im Laufe ihres Heranwachsens immer weniger.

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS in einer Studie, die sie vor Kurzem in der Fachzeitschrift International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity veröffentlicht haben. Das Besondere daran: Sie stützen sich dabei auf eine Langzeituntersuchung der IDEFICS / I.Family-Kohorte – vergleichbare Studien beruhen sonst meist nur auf Querschnittsdaten und können darum keinen zeitlichen Verlauf darstellen.

Die Daten zeigen, dass sich Kinder mit etwa vier Jahren im Schnitt knapp 60 Minuten am Tag moderat bis intensiv bewegen.

Bis sie 14 Jahre alt sind, sinkt dieser Wert auf durchschnittlich etwa 40 Minuten.

Pro Lebensjahr entspricht das zwei Minuten täglicher Aktivität, die verloren geht. Demnach erreichen Kinder mit vier Jahren im Durchschnitt noch die Empfehlung der WHO, mit 14 Jahren fehlt ihnen schon knapp ein Drittel davon. Ein ähnlicher Effekt zeigt sich bei der leichten Bewegung: Diese fällt im selben Zeitraum von etwas mehr als 350 Minuten täglich auf knapp 150 Minuten.

„Das Besondere an unseren Daten ist, dass wir bei ca. 2.500 Kindern aus Studienzentren in Deutschland, Italien und Schweden eine Entwicklung über die Zeit von 3 bis 15 Jahren aufzeigen konnten“, sagt Dr. Christoph Buck, Wissenschaftler am BIPS und Erstautor der Studie. „So konnten wir aufzeigen, dass bei Kindern die Bewegung mit steigendem Lebensalter abnimmt – und welche Faktoren im urbanen Raum diesen Effekt abschwächen.“

Dazu haben die Wissenschaftler die Messungen von Bewegungssensoren mit Daten zur Wohndichte, der Landnutzung, dem Straßennetzwerk, der Verfügbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel und gestalteter Freiflächen wie Spielplätzen oder Parks verknüpft.

Dabei zeigt sich: Die Verfügbarkeit öffentlicher Freiflächen war für die Förderung von moderater und intensiver Bewegung in der Kindheit relevanter, während im Jugendalter die Wohnungs- und die Vernetzungsdichte an Bedeutung gewannen.

„Die Erkenntnis, dass Spielplätze Kindern dazu anregen, sich mehr zu bewegen, kommt natürlich nicht überraschend“, sagt Dr. Buck. „Der Effekt ist allerdings sehr deutlich und das Ergebnis sollte Politikern und Städteplanern noch einmal aufzeigen, wie wichtig diese Orte für ein gesundes Aufwachsen sind und dass es wichtig ist, sie instand zu halten und für Kinder attraktiv zu gestalten. Ab einem Alter von acht bis zehn Jahren wird dann eine sichere Infrastruktur von Fuß- und Fahrradwegen immer wichtiger. Diese fördert nicht nur die Aktivität im Alltag, sondern kann eine von Eltern unabhängige Mobilität unterstützen, um früh einen aktiven und gesunden Lebensstil zu etablieren.“

Das BIPS – Gesundheitsforschung im Dienste des Menschen

Die Bevölkerung steht im Zentrum unserer Forschung. Als epidemiologisches Forschungsinstitut sehen wir unsere Aufgabe darin, Ursachen für Gesundheitsstörungen zu erkennen und neue Konzepte zur Vorbeugung von Krankheiten zu entwickeln. Unsere Forschung liefert Grundlagen für gesellschaftliche Entscheidungen. Sie klärt die Bevölkerung über Gesundheitsrisiken auf und trägt zu einer gesunden Lebensumwelt bei.

Das BIPS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der 95 selbstständige Forschungseinrichtungen gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 19.100 Personen, darunter 9.900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro.

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Buck, Christoph, Dr. rer. nat.
Abteilung: Biometrie und EDV
Tel.: +49 (0)421 218-56944
Fax: +49 (0)421 218-56941
buck(at)leibniz-bips.de

Rasmus Cloes Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS
Achterstr. 30
28359 Bremen
Deutschland
Bremen


Rasmus Cloes
Telefon: 0421 21856780
E-Mail-Adresse: cloes@leibniz-bips.de
Originalpublikation:
Buck C, Eiben G, Lauria F, Konstabel K, Page A, Ahrens W, Pigeot I, on behalf of the IDEFICS and I.Family consortia. Urban moveability and physical activity in children: Longitudinal results from the IDEFICS and I.Family cohort. International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity. 2019; https://doi.org/10.1186/s12966-019-0886-2



Der Gerinnungshemmer Heparin: Beinvenenthrombosen, venösen Thrombosen, arterielle Thrombosen, Herzinfarkt

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Heparintherapie - Gefährliche Nebenwirkungen stoppen

  • Paradoxerweise kann der viel verwendete Gerinnungshemmer Heparin bei einigen Patienten zur Bildung von Blutgerinnseln führen. 
  • LMU-Mediziner haben nun gezeigt, dass die Hemmung eines bestimmten Enzyms dieses Risiko vermindern könnte.  
  • Der Gerinnungshemmer Heparin wird häufig verwendet zur postoperativen Prophylaxe von Beinvenenthrombosen, zur Therapie von venösen Thrombosen und zur Prävention arterieller Thrombosen bei drohendem Herzinfarkt. 

Als Nebenwirkung kann dabei allerdings die sogenannte Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) auftreten. 

Medizin am Abend BerlinZusatzHinweis: Gerinnungszentrum Berlin  

Bis zu drei Prozent der mit Heparin behandelten Patienten entwickeln eine immunologisch bedingte Unterform von HIT (HIT Typ II), die aufgrund von Thrombosen in den Blutgefäßen potenziell lebensbedrohlich ist.

Der durch die Thrombosen bedingte Thrombozytenverbrauch erklärt die Abnahme der Thrombozytenzahl (Thrombozytopenie) bei der Erkrankung. LMU-Mediziner um Wolfgang Siess, Professor für Kardiovaskuläre Pathobiochemie am Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten (IPEK), haben nun gezeigt, dass bestimmte Hemmstoffe diese gefährliche Nebenwirkung in vitro vollständig unterbinden können.

Damit eröffnen sie eine neue Therapie-Option für HIT Typ II, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin Blood Advances berichten. Die Studie wurde in Kooperation mit den Gruppen von Professor Michael Spannagl (Hämostaseologie, Klinikum der LMU), Professor Christian Weber und Dr. Philipp von Hundelshausen (beide IPEK) durchgeführt.


  • HIT Typ II entsteht durch die Bildung von Antikörpern gegen einen bestimmten Heparin-Protein-Komplex. 

Diese Antikörper binden mit ihrem sogenannten Fc-Teil an den entsprechenden Fc-Rezeptor auf den Thrombozyten.

Dadurch können diese stark aktiviert werden und verklumpen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Lebenserwartungen  

  • Zudem werden spezifische Proteine freigesetzt, die eine Bindung der Thrombozyten an die Gefäßinnenwände und bestimmte weiße Blutkörperchen (Monozyten, neutrophile Granulozyten) vermitteln.  
  • MaAB-CAVE: Laborwerte mit Differential Blutbild-Laborwerten erheben.

In der Folge kommt es zu Thrombosen in den Blutgefäßen – paradoxerweise tritt also genau der Effekt ein, den das Heparin ursprünglich verhindern sollte. 

„Die komplexe Entstehung der Erkrankung ist recht gut verstanden, sie wird allerdings noch nicht optimal therapiert“, sagt Siess.

  • Eine frühere Studie hatte bereits gezeigt, dass die Aktivierung des Fc-Rezeptors in Thrombozyten die Aktivierung des Enzyms Bruton-Tyrosinkinase (Btk) zur Folge hat. 

„Deshalb haben wir untersucht, ob Btk-hemmende Wirkstoffe die durch die Stimulierung des Fc-Rezeptors induzierte Aktivierung der Thrombozyten vermindern könnten.

  • Tatsächlich haben alle sechs eingesetzten Btk-Hemmer sowohl die Aktivierung des thrombozytären Fc-Rezeptors im Blut in vitro als auch die Interaktion der Thrombozyten mit neutrophilen Granulozyten – und damit die gefährliche Verklumpung – vollständig gehemmt“, sagt Siess. 

„Dies war für uns eine sehr erfreuliche Überraschung, weil frühere Arbeiten gezeigt hatten, dass ein anderer Thrombozyten-aktivierender Rezeptor durch Btk-Inhibitoren nur teilweise gehemmt wird.“

Damit bieten Btk-Hemmer eine neue Therapie-Option für HIT Typ II, da sie erstmals ermöglichen, einen frühen und entscheidenden Schritt der Krankheitsentstehung zu stoppen. 

Zudem haben die untersuchten Btk-Hemmer den Vorteil, dass sie für die Therapie anderer Erkrankungen bereits zugelassen sind, beziehungsweise schon in klinischen Studien getestet wurden.

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Prof. em. Dr.med. Wolfgang Siess
Institut für Prophylaxe der Kreislaufkrankheiten
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E-mail: wsiess@med.uni-muenchen.de
http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Institut-fuer-Prophylaxe-und-Epidemiologie-d...

Geschwister-Scholl-Platz 1
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Constanze Drewlo
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E-Mail-Adresse: c.drewlo@lmu.de
Originalpublikation:
Oral Bruton tyrosine kinase inhibitors block activation of the platelet Fc receptor CD32a (FcgRIIA): a new option in HIT?
Luise Goldmann, Rundan Duan, Thorsten Kragh, Georg Wittmann, Christian Weber, Reinhard Lorenz, Philipp von Hundelshausen, Michael Spannagl, and Wolfgang Siess
Blood Advances 2019;3 (23):4021-4033
https://ashpublications.org/bloodadvances/article/3/23/4021/429246/Oral-Bruton-t...