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Fötale Blutbildungzellen: Akute myeloische Leukämie (AML) bei Kindern und Jugendlichen
Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Warum bestimmte Leukämieformen nur bei Kindern vorkommen
Eine bestimmte Krebsform – die akute myeloische Leukämie (AML) – bei Kindern ist eine seltene, aber schwere Krankheit, die noch in vielen Fällen nicht geheilt werden kann.
In einer Studie haben nun Forschende von der Universität Basel und vom Gustave Roussy Institute in Paris Anhaltspunkte gefunden, warum gewisse Formen der Krankheit vor allem bei Kleinkindern vorkommen.
Ebenso stiessen sie auf wichtige Hinweise zur gezielten Therapie, wie sie im US-Fachblatt «Cancer Discovery» berichten.
In den letzten Jahrzehnten wurden die Forschungen über Krebs bei Kindern intensiviert und die Behandlungen verbessert, doch die Prognosen bleiben für diese jungen Patienten besonders ungünstig.
- Die sogenannte akute myeloische Leukämie (AML) macht 15 % der bei Kindern und Jugendlichen diagnostizierten Leukämiefälle aus.
- Ihre Überlebensrate nach fünf Jahren beträgt etwa 60 %, wobei Rückfälle die häufigste Todesursache bilden.
Abnormale Fusion zweier Proteine
Von den verschiedenen Subtypen von AML gehört die akute megakaryoblastische Leukämie (AML-M7) zu den aggressivsten, denn ist mit einer Behandlungsresistenz und einer besonders ungünstigen Prognose verbunden.
Auf diese Form der Leukämie konzentrierten sich die Forschungsteams von Prof. Dr. Jürg Schwaller (Universitäts-Kinderspital beider Basel und Departement Biomedizin der Universität Basel) und Prof. Dr. Thomas Mercher (INSERM U1170, Institute Gustave Roussy, Université Paris-Saclay).
2012 fanden die Forschenden um Mercher dass die Krankheit AML-M7 bei Kindern häufig genetische Veränderungen aufweist, die zur Expression eines abnormen Proteins führen.
Dieses entsteht durch die Fusion von zwei normalerweise unabhängigen Genen in der Zelle. Obwohl diese Fusion – bekannt als ETO2-GLIS2 – in 30 % der Fälle von AML-M7 identifiziert wurde, konnten die Forschenden diese Anomalie bisher nicht erklären. Ebenso unklar war bisher, warum Kinder mit AML-M7 und diesem Fusionsgen meist jünger als zwei Jahre alt sind, während ältere Kinder mit dieser Veränderung meist an einer anderen AML-Form leiden.
Gezieltes Unterbrechen
Um diese Fragen zu beantworten, entwickelten die Forschenden ein Mausmodell von AML-M7 mit einer ETO2-GLIS2-Fusion. Mit diesem Modell konnten die Forscher erstmals zeigen, dass sich bei einer Aktivierung der ETO2-GLIS2-Fusion in Zellen der fötalen Blutbildung sehr rasch eine aggressive Leukämie entwickelte – die der AML-M7 beim Kind sehr ähnlich ist.
Wurde dagegen die Fusion in Blutbildungszellen von erwachsenen Tieren aktiviert, trat diese typische kindliche Leukämie nicht auf, während sich andere AML-Formen erst viel später entwickelten.
Wenn die Forschenden die Ausbildung der ETO2-GLIS2-Fusion unterbrachen, konnten sich die zuvor leukämischen Zellen wieder in normale Blutzellen ausdifferenzieren.
- Diese Beobachtungen weisen darauf hin, dass diese Leukämie deshalb nur bei Kleinkindern auftritt, weil die fötalen Blutbildungszellen – anders als die erwachsenen – eine höhere Empfindlichkeit für bestimmte genetische Mutationen wie die ETO2-GLIS2-Fusion besitzen.
Die Studie zeigt auch, dass die ETO2-GLIS2-Fusion der eigentliche Motor dieser kindlichen Leukämieform bildet.
Die Forschenden werden nun versuchen, die Aktivität dieser Fusion in den Tumorzellen gezielt zu unterbrechen.
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Prof. Dr. Jürg Schwaller
Departement Biomedizin, Universität Basel und Universitätskinderspital beider Basel
Tel. +41 61 265 35 17, E-Mail: j.schwaller@unibas.ch
Christoph Dieffenbacher Universität Basel
Petersgraben 35, Postfach
4001 Basel
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Telefon: 0041 61 207 30 15
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E-Mail-Adresse: ch.dieffenbacher@unibas.ch
Originalpublikation:
Cécile K. Lopez et al.Ontogenic changes in hematopoietic hierarchy determine pediatric specificity and disease phenotype in fusion oncogene-driven myeloid leukemia
Cancer Discovery | doi: 10.1158/2159-8290.CD-18-1463
https://cancerdiscovery.aacrjournals.org/content/early/2019/10/25/2159-8290.CD-1...
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Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: UKE-Projekt: Neue Hilfsangebote für Kinder von psychisch kranken oder suchtkranken Eltern
Kinder und Jugendliche mit psychisch kranken oder suchtkranken Eltern sollen künftig bessere Hilfe erhalten:
Im Rahmen des bundesweiten Forschungsvorhabens „CHIMPS-NET“ werden daher in den kommenden drei Jahren unter Federführung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) neue familienbasierte, psychotherapeutische Interventionsmaßnahmen entwickelt und geprüft.
Das Projekt wird vom Innovationsfonds der Bundesregierung mit insgesamt 6,8 Millionen Euro gefördert.
„Ziel des Projektes ist es, in jedem Bundesland an mindestens einem Standort für Kinder und Jugendliche mit psychisch kranken oder suchtkranken Eltern Versorgungsformen bereitzustellen, die sich am Bedarf der jeweiligen Familien orientieren“, sagt Prof. Dr. Silke Wiegand-Grefe von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE.
Nach Beendigung des Forschungsvorhabens sollen die erfolgreich bewerteten neuen Versorgungsformen in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden.
„So können wir einer Chronifizierung und der generationenübergreifenden Weitergabe von psychischen Erkrankungen begegnen.“
- Kinder und Jugendliche mit psychisch kranken oder suchtkranken Eltern sind der Familienpsychologin zufolge eine jahrzehntelang vom Gesundheitssystem übersehene Risikogruppe;
- sie haben ein mehrfach erhöhtes Erkrankungsrisiko für eine eigene psychische Erkrankung.
„Wir haben in anderen Verbundprojekten gelernt, dass wir unsere Hilfsmaßnahmen noch stärker an die Situation in den Familien anpassen müssen“, sagt Prof. Wiegand-Grefe.
Die Forscherinnen und Forscher wollen gefährdete Kinder und Jugendliche daher nun bereits während der Behandlung der Eltern auf psychische Auffälligkeiten hin untersuchen und ihnen und ihrer Familie passende Behandlungsangebote machen.
- Kinder und Jugendliche, die noch nicht psychisch auffällig sind, sollen eine Präventionsmaßnahme unter Beteiligung eines Sozialarbeiters erhalten.
- Kinder und Jugendliche, die bereits psychisch auffällig sind, sollen in einer familienorientierten Therapie bei einem Psychotherapeuten behandelt werden.
Kindern und Jugendlichen in ländlichen Regionen, die nur eingeschränkt Zugang zu Versorgungsangeboten haben, soll zudem eine Online-Intervention mit therapeutischer Begleitung angeboten werden.
Die Wirksamkeit aller Maßnahmen soll mithilfe wissenschaftlicher Studien mit der derzeit üblichen Standardbehandlung ohne Familienunterstützung verglichen werden.
Kliniken, Krankenkassen und Sozialverbände als Konsortialpartner
Das Forschungsvorhaben mit dem Projektnamen „CHIMPS-NET“ (Children of mentally ill parents - network) wird seit dem 1. Oktober für drei Jahre aus Mitteln des Innovationsfonds der Bundesregierung gefördert. Der Gesamtverbund aller Projektpartner bekommt dafür 6,8 Millionen Euro, auf das UKE entfallen rund 1,8 Millionen Euro. „Bei uns laufen alle Fäden zusammen“, erläutert Prof. Wiegand-Grefe. „Wir haben das Netzwerk gestrickt und leiten den Verbund.“ Neben dem UKE sind 20 Kliniken in allen Bundesländern beteiligt. Hinzu kommen unter anderem acht Krankenkassen sowie Sozialverbände aus den Bereichen Gemeindepsychiatrie, Erziehungshilfe und Jugendfürsorge. Der Innovationsfonds der Bundesregierung hat das Ziel, die Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland qualitativ weiterzuentwickeln. Über die Vergabe der Fördergelder entscheidet ein beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eingerichteter Innovationsausschuss.
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Kontakt für Rückfragen
Prof. Dr. Silke Wiegand-Grefe
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
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Die Hauptschlagader - Aortenaneurysma (Erweiterung der Hauptschlagader).
Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neues Leben dank neuer Hauptschlagader
Bei Patienten mit dem seltenen Loeys-Dietz-Syndrom kann es zu einer Erweiterung der Hauptschlagader kommen, die plötzlich zu einer Überdehnung und einem tödlichen Riss führen kann.
Um dies zu verhindern, muss die Schlagader durch eine Prothese ersetzt werden.
Am Universitätsspital Zürich wagte ein Ärzteteam der Gefässchirurgie die lebensrettende Operation nun weltweit und notfallmässig als eine der ersten bei einem Kind.
Ersatz eines Aortenabschnitts durch eine Gefässprothese.
© JOTEC GmbH
Das Loeys-Dietz-Syndrom (LDS) ist eine angeborene Bindegewebserkrankung;
Ursache ist eine genetische Mutation.
Die Krankheit zeigt sich vor allem in einem Aortenaneurysma (Erweiterung der Hauptschlagader).
- Betroffene leiden aufgrund des veränderten Bindegewebes unter anderem aber auch an Gefässveränderungen im gesamten Körper,
- Gesichtsauffälligkeiten
- überbeweglichen Gelenken
- generellen Körperinstabilität führen können.
Meistens geht mit LDS auch ein angeborener Herzfehler einher. Patientinnen und Patienten mit LDS müssen regelmässig mittels Ganzkörper-MRI untersucht werden, um gefährliche Gefässveränderungen frühzeitig zu erkennen.
Das gilt insbesondere für die Hauptschlagader.
LDS wurde erst 2005 als eigenständige Krankheit beschrieben. Die Krankheit ist extrem selten, in der Schweiz gibt es nur wenige betroffene Personen.
Die gespaltene Schlagader drohte zu platzen
Prof. Alexander Zimmermann (USZ) und Prof. René Prêtre
Michael Hofmann, USZ
Zu den wenigen Patientinnen und Patienten in der Schweiz gehört der 9-jährige Fabian (Name fiktiv).
Als er starke Rückenschmerzen bekam, brachten ihn seine Eltern deshalb umgehend ins Kinderspital Zürich. Dort wurde eine Aortendissektion festgestellt, die Wandschichten seiner Aorta hatten sich aufgespalten – ein akut lebensbedrohlicher Zustand, denn in Folge der Dehnung der Aorta können die Organe ungenügend durchblutet werden oder die Aorta kann sogar platzen.
Unbehandelt kann dieser Zustand innerhalb weniger Tage zum Tod führen.
Weil es am Kinderspital Zürich keine Gefässspezialisten gibt, wurde Fabian in die Klinik für Gefässchirurgie am Universitätsspital Zürich verlegt. Prof. Alexander Zimmermann, Klinikdirektor und Gefässspezialist, entschloss sich, den einzig möglichen rettenden Eingriff zu wagen und die geschädigte Aorta bis auf einen nicht von der Dissektion betroffenen Gefässanteil im Bauch vollständig durch eine Gefässprothese zu ersetzen.
Dafür wurden zwei Operationen im Abstand von drei Tagen nötig. In der ersten wurde der Aortenbogen oberhalb des Herzens ersetzt. Für diesen schwierigen Eingriff konnte zusätzlich der renommierte Kinderherzchirurg Prof. René Prêtre gewonnen werden. In der zweiten Operation wurde fast der gesamte Teil der senkrecht verlaufenden Hauptschlager im Brustkorb und Bauch ersetzt. Insgesamt mussten ca. 40 cm ersetzt werden.
Mit zwei grossen Operationen wird Fabians Leben gerettet
Der kleine Patient überstand die beiden Eingriffe sehr gut und erholte sich rasch. Schon nach 26 Tagen konnte er nach Hause entlassen werden und benötigte lediglich eine ambulante Rehabilitation. Wenn der verbliebene, nicht ersetzte Teil der Aorta ausreicht, um das zu erwartende Grössenwachstum auszugleichen, ist auch keine weitere Anpassungsoperation mehr nötig. «Wir sind sehr froh, dass es uns gelang, Fabian zu retten», sagt Alexander Zimmermann. «Die Teams von Gefässchirurgie, Anästhesie, Intensivstation und des Kinderspitals haben dafür hervorragend zusammengearbeitet. Die zwei Operationen innerhalb kürzester Zeit und die erste kritische Phase danach waren für den Patienten, seine Familie und das ganze Behandlungsteam eine grosse Belastung.»
Fabians Eltern sind erleichtert: «Wir haben uns in diesen schweren Wochen am USZ zu jeder Zeit hervorragend betreut gefühlt und waren froh, in Prof. Zimmermann und Prof. Prêtre die Experten gefunden zu haben, denen wir vertrauen und die sich diese ungewöhnlich schwere Aufgabe zutrauten. Dafür sind wir unsagbar dankbar und freuen uns im nächsten Jahr den "1. Aorten-Geburtstag" unseres Sohnes zu feiern!»
Weltweit sind nur drei Fälle von LDS-Patienten bekannt, bei denen schon im Kindesalter der Ersatz der Hauptschlagader aufgrund einer Aortendissektion nötig war.
Alexander Zimmermann ist es deshalb ein Anliegen, den Fall auch in der Fachwelt bekannt zu machen, damit Kolleginnen und Kollegen und ihre Patienten von seiner Erfahrung profitieren können.
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Alexander Zimmermann, Prof. Dr. med.
Klinikdirektor der Klinik für Gefässchirurgie, Universitätsspital Zürich
Tel.: 044 255 86 20 (Medienstelle); E-Mail: medien@usz.ch
Nathalie Plüss Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich
Schweiz
Zürich
Nathalie Plüss
Telefon: +41 44 255 86 60
E-Mail-Adresse: nathalie.pluess@usz.ch
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Gehirnblutung: Freies Hämaglobin - rote Blutkörperchen und die Nervenzellen
Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Bluteiweiss schützt vor neurologischen Schäden nach Hirnblutung
Überleben Betroffene eine Hirnblutung, können zeitlich verzögert schwere Hirnschädigungen auftreten.
Verantwortlich dafür ist freies Hämoglobin, das von den roten Blutkörperchen stammt und Nervenzellen schädigt.
Forschende der Universität Zürich und des Universitätsspitals Zürich haben nun ein körpereigenes Schutzprotein namens Haptoglobin entdeckt, das dies verhindert.
Blutungen in den engen Raum zwischen der inneren und mittleren Hirnhaut sind für betroffene Patientinnen und Patienten lebensbedrohlich.
Verursacht wird diese Art der Hirnblutung meistens durch kleine Gefässausbuchtungen der grossen Arterien an der Hirnbasis, die ohne Vorwarnung platzen können.
Ein Drittel der häufig jungen Patienten verstirbt durch den massiven Druckanstieg im Schädelinneren.
«Auch wenn es uns gelingt, die Blutung zu stoppen und den Patienten zu stabilisieren, können in den ersten zwei Wochen nach der Blutung verzögert Hirnschäden auftreten. Diese führen oft zu schweren Behinderungen oder verlaufen gar tödlich», erklärt Luca Regli, Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsspitals Zürich (USZ).
Freies Hämoglobin im Hirnwasser schädigt Nervenzellen
Trotz enormer Forschungsanstrengungen kann diese schwere Folge von Blutungen in den Hirnwasserraum bisher nicht verhindert werden.
Ein interdisziplinäres Team von Forschenden der Universität Zürich (UZH), des USZ und des Tierspitals Zürich hat nun eine aussichtsreiche Strategie entdeckt:
Haptoglobin, ein körpereigenes Schutzeiweiss im Blut, bindet das ins Hirnwasser freigesetzte Hämoglobin, bevor dieses seine schädigende Wirkung entfalten kann.
«Wir haben schon lange beobachtet, dass sich in den Tagen nach der Blutung das abgelagerte Blut langsam zersetzt und das Hämoglobin aus den abgebauten roten Blutkörperchen in den Hirnwasserraum gelangt», sagt Emanuela Keller, Leiterin der neurochirurgischen Intensivstation des USZ.
Dieses Eiweiss, das normalerweise für den Sauerstofftransport zuständig ist, spielt eine wichtige Rolle in der Entstehung der verzögerten neurologischen Schäden.
«Anhand von Patientenproben und Versuchen an Schafen konnten wir nun zeigen, dass das Hämoglobin zu Krämpfen der Hirnarterien führt und tief ins Hirngewebe eindringt, wo es Nervenzellen direkt schädigen kann», sagt Studienleiter Dominik Schaer, UZH-Professor und Leitender Arzt der Klinik für Innere Medizin des USZ.
Haptoglobin bindet Hämoglobin und macht es unschädlich
Verantwortlich für die gefährliche Eigenschaft des Hämoglobins ist das Eisen, das sich im Zentrum des Proteins befindet:
Es verfügt über eine hohe Bereitschaft, chemische Reaktionen einzugehen. Krankheiten wie Malaria, bei denen ebenfalls Hämoglobin freigesetzt wird, haben dazu geführt, dass der menschliche Körper im Verlauf der Evolution ein körpereigenes Schutzprotein namens Haptoglobin gebildet hat.
- Im Blut bindet Haptoglobin freies Hämoglobin und verhindert so dessen toxische Effekte in Blutgefässen und Nieren.
- Allerdings ist die Konzentration von Haptoglobin im Gehirn sehr gering und bietet keinen ausreichenden Schutz nach einer Hirnblutung.
Indem die Forschenden Schafen gereinigtes Haptoglobin über einen Katheter direkt ins Hirnwasser verabreicht haben, machten sie sich diesen natürlichen Schutzmechanismus nun zu Nutze.
«Wir konnten zeigen, dass gereinigtes Haptoglobin Gefässkrämpfe verhindert und das Eindringen von freiem Hämoglobin ins Hirngewebe blockiert», erklärt Dominik Schaer.
Entdeckung ermöglicht neuen Therapieansatz
Für Patienten mit Blutungen in den Hirnwasserraum haben diese Resultate ein grosses medizinisches Potenzial:
«Wir haben eine Möglichkeit gefunden, wie die Toxizität von freiem Hämoglobin nach einer Hirnblutung möglicherweise verhindert werden kann.
Für Betroffene würde dies die neurologische Prognose und die langfristige Lebensqualität bedeutend verbessern», sagt der Neurochirurg und Erstautor der Studie Michael Hugelshofer.
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Prof. Dr. med. Dominik Schaer
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
Universitätsspital Zürich
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Rita Ziegler
Seilergraben 49
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E-Mail-Adresse: rita.ziegler@kommunikation.uzh.ch
Originalpublikation:
Michael Hugelshofer et. al. Haptoglobin administration into the subarachnoid space prevents hemoglobin-induced cerebral vasospasm. The Journal of Clinical Investigation. 27 August 2019. DOI: 10.1172/JCI130630 [Epub ahead of print].
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CAVE-Untersucher: Selbsttranszendenz und verminderter Selbstfokussierung Depression und Angststörungen
Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Achtsamkeitsmeditation verstärkt positive Effekte von Psilocybin
Seit einigen Jahren zeichnet sich ein wachsendes Interesse am klinischen Einsatz klassischer Psychedelika ab.
- Im Fokus steht vor allem deren therapeutisches Potenzial bei Depressionen und Angststörungen.
Forschende der Universität Zürich zeigen nun, dass Achtsamkeitsmeditation die positiven Effekte einer Einzeldosis Psilocybin, das in Pilzen vorkommt, verstärken kann – auch längerfristig.
- Halluzinogene Stoffe wie LSD oder Psilocybin, das in den sogenannten Zauberpilzen steckt, verändern die Wahrnehmung:
- Die Grenzen des Selbst beginnen sich aufzulösen und ein Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen und der Welt breitet sich aus.
Solche Erfahrungen von Selbsttranszendenz und verminderter Selbstfokussierung gleichen den Zuständen, die auch in der Achtsamkeitsmeditation auftreten.
- Sie können zu Stressabbau, anhaltenden Glücksgefühlen sowie zu mehr Empathie und Altruismus führen.
- Im Gegensatz dazu sind eine überhöhte Selbstzentrierung, wiederkehrende negative Gedanken und Gefühle gegenüber der eigenen Person und ein beeinträchtigtes Sozialverhalten charakteristische Merkmale von psychischen Störungen wie Depressionen.
Intensivere Erfahrung von Selbsttranszendenz
Forschende an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich untersuchten nun erstmals mögliche Synergieeffekte zwischen Achtsamkeitsmeditation und Psilocybin.
Dazu rekrutierten die Wissenschaftler vierzig meditationserfahrende Teilnehmer eines fünftägigen Achtsamkeits-Retreats. Diese erhielten am vierten Tag des Aufenthalts im Double-blind-Verfahren entweder eine Einzeldosis Psilocybin oder ein Placebo verabreicht.
Mit diversen psychometrischen und neurokognitiven Messungen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die Meditation positive Effekte des Psilocybins steigerte und zugleich möglichen belastenden Aspekten der psychedelischen Erfahrung entgegenwirkte.
«Das Psilocybin steigerte die Meditationstiefe und die Intensität der positiv empfundenen Selbsttranszendenz-Erfahrung, ohne dass negative Reaktionen wie Angst oder Orientierungslosigkeit auftraten», berichtet Erstautor Lukasz Smigielski, der die Studie unter Leitung von UZH-Psychiatrieprofessor Franz Vollenweider durchführte.
Positive Effekte halten auch längerfristig an
Vier Monate nach Abschluss des Retreats zeigten die Meditierenden, die Psilocybin eingenommen hatten, ein positiveres psychosoziales Verhalten, eine bessere Selbstakzeptanz und mehr Empathie als diejenigen aus der Placebo-Gruppe.
Eine entscheidende Rolle für diese dauerhaften Veränderungen spielte laut Vollenweider das Ausmass der während des Retreats erlebten Selbsttranszendenz.
In einer bereits publizierten Studie konnten er und sein Team mit Magnetresonanztomografie zeigen, dass die Selbsttranszendenz-Erfahrung neuronale Verbindungen im Gehirn nachhaltig verändert und zwar in den Hirnregionen, die aktiv sind, wenn wir über uns selbst nachdenken.
Wie die Forschungsgruppe herausfand, begünstigen nebst der Meditationstiefe auch die Offenheit und der Optimismus der Meditierenden eine positive Reaktion auf das Psilocybin.
«Diese Faktoren können uns helfen, eine positive Reaktion vorherzusagen», so Vollenweider.
Gleichzeitig scheinen Fähigkeiten, die in der Achtsamkeitsmeditation eingeübt werden – etwa die Aufmerksamkeit zu regulieren und Gefühle urteilsfrei wahrzunehmen –, potenzielle negative Reaktionen auf Psilocybin abzufedern.
Perspektive für die Behandlung affektiver Störungen
«Unsere Ergebnisse beleuchten die Wechselwirkungen zwischen pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Faktoren beim Erleben psychedelischer Zustände», resümiert Vollenweider.
«Sie deuten darauf hin, dass Achtsamkeitstraining die positive Wirkung einer Einzeldosis Psilocybin verstärkt, zu mehr Empathie und einer dauerhaften Verringerung egozentrischer Züge führen kann.
- Damit eröffnen sich neue therapeutische Perspektiven, etwa zur Behandlung von Depressionen, die oft mit einer starken Selbstfokussierung und sozialen Defiziten einhergehen.»
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Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich (PUK)
Prof. Dr. Franz X. Vollenweider
E-Mail: vollen@bli.uzh.ch
Tel: +41 44 384 26 04
Dr. Lukasz Smigielski
E-Mail: lukasz.smigielski@uzh.ch
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Originalpublikation:
Lukasz Smigielski, Michael Kometer, Milan Scheidegger, Rainer Krähenmann, Theo Huber, Franz X. Vollenweider. Characterization and prediction of acute and sustained response to psychedelic psilocybin in a mindfulness group retreat. Scientific Reports, 24 October 2019. DOI: 10.1038/s41598-019-50612-3Lukasz Smigielski, Milan Scheidegger, Michael Kometer, Franz X. Vollenweider. Psilocybin-assisted mindfulness training modulates self-consciousness and brain default mode network con-nectivity with lasting effects. Neuroimage, 1 August 2019. DOI: 10.1016/j.neuroimage.2019.04.009
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Kalt, Misstrauisch, Gleichgültig, Unzuverlässig, Nachlässig
Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Du nicht! – Warum Menschen andere ausgrenzen
Eine aktuelle Studie zeigt:
- Wenig verträgliche und unzuverlässige Menschen werden mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ausgegrenzt.
-
- Soziale Ausgrenzung haben viele bereits erlebt - in der Schule, bei der Arbeit oder im Freundes- und Familienkreis.
Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen von den Universitäten Basel (Schweiz) und Virginia (USA) hat Juniorprofessorin Dr. Selma Rudert von der Universität Koblenz-Landau untersucht, ob bestimmte Persönlichkeitseigenschaften das Risiko erhöhen, von anderen Menschen ausgegrenzt zu werden.
„In unserer Studie kommen wir zum Ergebnis, dass Persönlichkeit ein wichtiger Risikofaktor für soziale Ausgrenzung ist. Wenig verträgliche und unzuverlässige Menschen werden mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ausgegrenzt“, berichtet Sozialpsychologin Selma Rudert.
- „Somit haben Menschen, die sich gegenüber anderen Menschen häufig kalt, misstrauisch und gleichgültig verhalten oder in der Zusammenarbeit mit anderen unzuverlässig und nachlässig sind, ein erhöhtes Risiko, von anderen ausgegrenzt zu werden.“
Das Forschungsteam um Rudert hat sich bei seinen Studien auf die so genannten „Big Five“ der Persönlichkeit fokussiert:
Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit, Extravertiertheit, emotionale Stabilität und Offenheit für Neues.
Die beiden Risikofaktoren „niedrige Verträglichkeit“ und „niedrige Gewissenhaftigkeit“ haben sie als besonders relevant identifiziert.
Dieses Ergebnis lasse sich gut aus einer evolutionspsychologischen Perspektive erklären, meint Rudert:
- Menschen würden andere Menschen insbesondere dann ausschließen, wenn sie diese für schlechte Kooperationspartner halten.
Dies treffe insbesondere auf unverträgliche und wenig gewissenhafte Personen zu.
- „Menschen, die sich durch eine geringe Verträglichkeit auszeichnen, stellen oftmals eine Bedrohung für den Zusammenhalt der Gruppe dar, da sie sich nicht an soziale Regeln halten.
- Und Menschen mit einer geringen Gewissenhaftigkeit könnten sich schnell als eine Belastung für eine Gruppe herausstellen, insbesondere wenn diese bestimmte Ziele erreichen möchte“, so die Sozialpsychologin.
Bisherige Forschung zu sozialer Ausgrenzung konzentrierte sich oftmals auf das Erleben der ausgegrenzten Person.
„Um das Phänomen der sozialen Ausgrenzung zu verstehen und ihm entgegenwirken zu können, ist es jedoch notwendig zu verstehen, warum es überhaupt zur Ausgrenzung kommt“, erklärt Rudert den neuen Fokus der aktuellen Studien.
Insgesamt hat das Forschungsteam sieben Studien online und im Labor mit 40 bis 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern pro Studie durchgeführt. Den teilnehmenden Personen wurden Beschreibungen von Menschen mit unterschiedlich ausgeprägten Persönlichkeitsmerkmalen vorgelegt. Im Anschluss mussten sie zum Beispiel entscheiden, ob sie die Person aus einer zukünftigen Gruppenaktivität ausschließen wollten. In anderen Studien sollten sie Angaben dazu machen, wie wahrscheinlich sie der Person gegenüber ausgrenzendes Verhalten zeigen würden.
Die Untersuchungen seien wichtig für Themen wie Mobbing und Ausgrenzung in der Schule oder am Arbeitsplatz, so die Wissenschaftlerin.
- Rudert weist aber darauf hin, dass auch freundliches und zuverlässiges Verhalten in diesen Kontexten nicht vollständig vor sozialer Ausgrenzung schützen könne.
„Vielmehr gibt es neben der Persönlichkeit der ausgegrenzten Person natürlich auch situative Umstände, die soziale Ausgrenzung bedingen können.“
- Konkret könne beispielsweise starke Konkurrenz innerhalb bestimmter Gruppen zu sozialer Ausgrenzung führen oder auch einfach Zufall, weil eine Person versehentlich übergangen wird.
Will man Ausgrenzung in Gruppen verringern, muss man diesen Prozessen entgegenwirken.
- Dies könne durch Maßnahmen erreicht werden, die internen wie externen Druck sowie den Konkurrenzkampf innerhalb einer Gruppe vermindern.
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Rudert, S. C., Keller, M., Hales, A. H., Walker, M., & Greifeneder, R. (in press). Who do we ostracize? A personality perspective on risk and protective factors of ostracism. Journal of Personality and Social Psychology. doi:10.1037/pspp0000271Oder:
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Verträglichkeit
CAVE-Untersucher: Schlafschwierigkeiten - Schlafstörungen
Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Jugendliche aus sozial schwächeren Familien weisen häufigere Schlafschwierigkeiten auf
- Ungefähr jedes 5. Kind hat Schlafschwierigkeiten und Jugendliche aus sozial schwächeren Familien sind dabei einem erhöhten Risiko ausgesetzt.
Dies waren Ergebnisse einer Studie des Forschungszentrums für Zivilisationserkrankungen (LIFE Child) der Universität Leipzig. Die Ergebnisse dieser Studie werden auf der 27. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), die vom 7.-9. November 2019 in Hamburg stattfindet, vorgestellt.
„Wir empfinden das als sehr besorgniserregend“, sagt Christiane Lewien, Medizinstudentin an der Universität Leipzig, die im Rahmen ihrer Doktorarbeit in der Forschungsgruppe um Professor Dr. Wieland Kiess und Dr. Tanja Poulain an der Studie beteiligt war.
Es sei dringend notwendig, hier weitere Studien zur Kausalität anzusetzen, um den Zusammenhang besser zu verstehen und Familien mit niedrigerem sozialem Hintergrund gezielt unterstützen zu können.
- Da Schlafschwierigkeiten ein zunehmendes Problem für die öffentliche Gesundheit darstellen, ist es wichtig, sich einen Überblick über besonders gefährdete Personengruppen zu verschaffen.
Im Kindes- und Jugendalter haben Schlafstörungen in den letzten Jahren zugenommen.
Worin liegen die Schlafschwierigkeiten und wie sind sie verteilt?
Um dies zu klären, wurden im Rahmen der LIFE Child-Studie in Leipzig 1.902 4–17-jährige Kinder und Jugendliche zu Schlafschwierigkeiten befragt.
„Von 855 4-9-Jährigen beantworteten die Eltern einen Fragebogen und 1.047 10–17-Jährige gaben Selbstauskunft.
Es wurden Zusammenhänge zwischen Schlafauffälligkeiten und dem Alter und Geschlecht der Kinder sowie der sozialen Stellung der Familie untersucht“, erklärt Frau Lewien das Vorgehen.
Bei 22,6% der 4–9-jährigen und 20% der 10–17-jährigen Kinder und Jugendlichen wurden Schlafauffälligkeiten festgestellt.
Wie zu erwarten, wurden unter Kindern besonders Widerstand beim Zubettgehen und Durchschlafschwierigkeiten angegeben, während Jugendliche vorwiegend Tagesschläfrigkeit berichteten.
Während Geschlechtsunterschiede bisher meist nur ab der Pubertät beschrieben sind, zeigte sich in dieser Studie auffälliges Schlafverhalten bereits im Kindesalter häufiger bei Jungen und im Jugendalter häufiger bei Mädchen.
Zusätzlich zeigten die Analysen bei den 10–17-Jährigen, dass Jugendliche aus niedrigeren Sozialschichten mehr Schlafschwierigkeiten angaben, als jene aus höheren Sozialschichten.
Warum dieser Zusammenhang erst im Jugendalter zu beobachten ist, muss noch näher untersucht werden.
Möglicherweise werden Verhaltensweisen, die die Schlafqualität mindern und in niedrigeren Sozialschichten häufiger zu beobachten sind (z.B. körperliche Inaktivität, Mediengebrauch, schulische Überforderung) erst in diesem Alter relevant.
Alle Informationen zur Jahrestagung der DGSM finden Sie unter www.dgsm-kongress.de.
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Originalpublikation:
Schlafauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen*C. Lewien1, C. Meigen1, W. Kiess2, T. Poulain2
Universität Leipzig, Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen (LIFE Child), Department für Frauen- und Kindermedizin, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Center for Pediatric Research (CPL), Leipzig, Deutschland
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Tageschläfrigkeit
Orale Kontrazeptiva: Das Extinkionslernen - Nachteilig auf zentrale Lern- und Gedächtsprozesse
Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Pille beeinflusst Effektivität von Angsttherapie
Wie sich die Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln auf die Effektivität einer Angsttherapie auswirkt, haben Psychologen der Ruhr-Universität Bochum untersucht.
- Sie zeigten, dass Frauen, die die Pille einnahmen, weniger von einer Konfrontationstherapie profitierten, als Frauen, die keine oralen Kontrazeptiva einnahmen.
Die Ergebnisse beschreibt ein Team um Friederike Raeder und Prof. Dr. Armin Zlomuzica im Journal of Psychiatric Research, online vorab veröffentlicht am 28. September 2019.
Prof. Dr. Armin Zlomuzica © RUB, Kramer
In die Studie schlossen die Forscherinnen und Forscher 28 Frauen ein, die hormonell verhüteten, und 26, die keine oralen Kontrazeptiva einnahmen.
Alle litten unter Spinnenangst und nahmen an der gleichen Behandlung im Bochumer Zentrum für Psychotherapie teil. Bei der Konfrontationstherapie lernten sie schrittweise, sich den Spinnen anzunähern.
Subjektive und objektive Maße für Spinnenangst
Die Forscherinnen und Forscher erhoben zum einen die Symptomschwere bei Teilnehmerinnen anhand von verschiedenen Spinnenangst-Fragebögen. Zum anderen absolvierten die Frauen den sogenannten Behavioural Approach Test. Dabei werden sie gebeten, sich einer Spinne in einem Terrarium so weit wie möglich anzunähern – der Abstand ist ein Maß für die Vermeidung des angstauslösenden Objekts.
Die Tests fanden vor der Konfrontationstherapie, unmittelbar nach der Behandlung und sechs Wochen später noch einmal statt.
Bei allen Teilnehmerinnen reduzierte sich die Symptomschwere durch die Therapie.
Außerdem wagten sich alle Frauen nach der Behandlung näher an das Terrarium mit der Spinne heran als vor der Therapie.
Allerdings ging die Symptomschwere sechs Wochen nach der Behandlung bei Frauen, die nicht hormonell verhüteten, stärker zurück als bei Frauen, die orale Kontrazeptiva einnahmen.
Ohne hormonelle Verhütung profitierten die Patientinnen also mehr von der Konfrontationstherapie.
Zentrale Lernprozesse beeinflusst
- „Ein Grund für diese Ergebnisse könnte sein, dass sich orale Kontrazeptiva nachteilig auf zentrale Lern- und Gedächtnisprozesse bei der Konfrontationsbehandlung auswirken“, sagt Armin Zlomuzica.
- Forscher vermuten, dass der Konfrontationsbehandlung das sogenannte Extinktionslernen zugrunde liegt, bei dem zuvor erlernte Assoziationen zwischen Reizen und Reaktionen verlernt werden.
Tierexperimentelle Untersuchungen und Humanstudien anderer Forschungsgruppen hatten gezeigt, dass das Extinktionslernen durch die Gabe oraler Kontrazeptiva beeinträchtigt wird.
- Das könnte unter anderem an einem niedrigen Östradiolspiegel liegen, der durch die hormonelle Verhütungsmittel bedingt wird.
„Der negative Einfluss oraler Kontrazeptiva auf den Therapieausgang war erst nach sechs Wochen beobachtbar.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass mögliche hormonelle Einflüsse im Rahmen psychotherapeutischer Behandlung beobachtet und berücksichtigt werden sollten“, folgert Armin Zlomuzica.
Es sei jedoch derzeit unklar, wie die Effekte oraler Kontrazeptiva auf der biologischen Ebene vermittelt werden.
Förderung
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft förderte die Studie im Rahmen des Sonderforschungsbereichs SFB 1280 und der Forschungsgruppe 1581.
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Prof. Dr. Armin Zlomuzica
Lehrstuhl Klinische Psychologie und Psychotherapie
Fakultät für Psychologie
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Dr. Julia Weiler Ruhr-Universität Bochum
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E-Mail-Adresse: info@ruhr-uni-bochum.de
Originalpublikation:
Friederike Raeder, Franziska Heidemann, Manfred Schedlowski, Jürgen Margraf, Armin Zlomuzica: No pills, more skills: The adverse effect of hormonal contraceptive use on exposure therapy benefit, in: Journal of Psychiatric Research, 2019, DOI: 10.1016/j.jpsychires.2019.09.016
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