Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Schützende Großfamilie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Kleineres Krebsrisiko in grösseren Familien

Kinderreiche Familien haben ein geringeres Krebsrisiko. 

Die Familiengrösse reduziert das Risiko nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer. 

Forschende der Universitäten Zürich und Adelaide haben diesen Zusammenhang in einer weltweiten Studie anhand von Daten aus 178 Ländern festgestellt. 
 
Die Forscher des Instituts für Evolutionäre Medizin der Universität Zürich und der Adelaide Medical School haben Daten aus 178 Ländern ausgewertet und einen Zusammenhang zwischen der Familiengrösse und dem Krebsrisiko gefunden.

Weltweit nimmt die Häufigkeit verschiedener Krebsarten zu, je kleiner die Familien sind. "Und dieser Effekt ist unabhängig von Einkommen, Urbanisierungsgrad und Alter", erklärt Maciej Henneberg, Akademischer Gast an der UZH und Letztautor der Studie.

Wie die Forscher um Prof. Frank Rühli herausfanden, hat nicht nur die Grösse der Kernfamilie - Eltern und Kinder -, sondern auch die Grösse des Haushalts einschliesslich der Mitglieder der Grossfamilie eine schützende Wirkung gegen Krebserkrankungen.

Zusammenhang zwischen Familiengrösse und Krebsrisiko


So korreliert die Familiengrösse, gemessen an der Anzahl der Kinder, die eine Mutter während ihres Lebens gebärt und der Haushaltsgrösse negativ mit der Häufigkeit aller Krebserkrankungen. Dies ist unabhängig vom Alter der Personen. Je grösser die Familiengrösse sind, desto weniger häufig sind bestimmte Krebsarten wie Hirntumor, Blasen-, Lungen-, Magen-, Haut-, Brust-, Dickdarm-, Eierstock- und Gebärmutterkrebs. Der schützende Effekt der Familiengrösse ist stärker für Männer als Frauen.

Bekannt war bisher, dass Krebsarten bei Frauen wie Brust- oder Eierstockkrebs von der Anzahl der Schwangerschaften abhängen. 
Je mehr Schwangerschaften eine Frau hat, desto geringer ist die Gefahr, an Eierstock- oder Brustkrebs zu erkranken. 

  • Überraschend in der aktuellen Studie ist, dass die Familiengrösse die Männer sogar besser schützt als die Frauen.

Schützendes Familienleben

Dass das Krebsrisiko bei Männern von der Fruchtbarkeit ihrer Partnerinnen und der Haushaltsgrösse abhängt, ist zwar erstaunlich aber erklärbar.  

So schafft das Familienleben, auch wenn es in mancher Hinsicht stressig sein kann, ein besonderes emotionales Umfeld, welches sich positiv auf die allgemeine Resistenz gegen Krankheiten und eben auch gegen Krebs auswirken kann.

Menschen passen sich seit rund 4 Millionen Jahren dem Leben in klassischen Familien mit Eltern und Kindern an.

Die gemeinsame Erziehung durch Vater und Mutter ist eine der ersten spezifischen menschlichen Eigenschaften, die sich entwickelt hat.

Nun zeigt sich, dass Familienmitglieder, die sich gegenseitig in einem gesunden Lebensstil unterstützen, auch vor Krebs schützen.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com










Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.


Prof. Dr. Frank Rühli
Institut für Evolutionäre Medizin
Universität Zürich
Tel. +41 44 635 05 15
E-Mail: frank.ruehli@iem.uzh.ch

Seilergraben 49
8001 Zürich
Schweiz
Zürich 

Melanie Nyfeler
Telefon: +41 634 44 78
E-Mail-Adresse: melanie.nyfeler@kommunikation.uzh.ch

Originalpublikation:
Literatur:
Wenpeng You, Frank J Rühli, Renata J Henneberg and Maciej Henneberg. Greater family size is associated with less cancer risk: an ecological analysis of 178 countries. BMC Cancer. 2018, September 24. Doi: 10.1186/s12885-018-4837-0

 

CAVE: Rohkost, Blattsalate, frische Kräuter: Gülle, Klärschlamm

Medizin am Abend Berlin Fazit: Resistente Keime: Können Rohkost und Salat ein Gesundheitsrisiko sein?

Wissenschaftliche Studie des Julius Kühn-Instituts (JKI) weist antibiotikaresistente Bakterien mit mehreren übertragbaren Resistenzgenen auf Frischeprodukten nach. 

Salate sind beliebte Lebensmittel, um sich ausgewogen und gesund zu ernähren.

Für den Konsum werden sie oft bereits fertig geschnitten und in Folie verpackt zum Kauf angeboten. Von solchen Frischeprodukten ist bekannt, dass sie mit Hygiene-relevanten Keimen kontaminiert sein können.

Dass darunter auch Keime sind, die Resistenzen gegen Antibiotika tragen, hat eine Arbeitsgruppe unter Federführung von Prof. Dr. Kornelia Smalla vom Julius Kühn-Institut (JKI) nachgewiesen.

Die Ergebnisse sind kürzlich unter dem Titel „The transferable resistome of produce“ in der Fachzeitschrift mBio erschienen https://doi.org/10.1128/mBio.01300-18. „Diesem Befund müssen wir auf den Grund gehen“, sagte Dr. Georg Backhaus, Präsident des Julius Kühn-Instituts. Bekannt ist, dass antibiotikaresistente Bakterien in Gülle, Klärschlamm, Boden und Gewässern vorkommen.

„Dieser besorgniserregende Nachweis auf Pflanzen reiht sich in ähnliche Befunde bei anderen Lebensmitteln ein“, ergänzt Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). „Was dies für das gesundheitliche Risiko von Verbraucherinnen und Verbrauchern bedeutet, wird jetzt vordringlich bewertet.“

Für die Untersuchungen erwarb die Arbeitsgruppe von Professor Smalla in deutschen Supermärkten Mix-Salate, Rucola und die Gewürzpflanze Koriander. 

Die Proben wurden anschließend untersucht, um die Gesamtheit der übertragbaren Antibiotika-Resistenzgene (die Forscher sprechen vom übertragbaren Resistom) in Escherichia coli, einem meist harmlosen Darmbakterium, auf diesen Lebensmitteln zu ermitteln.

Die Expertinnen und Experten konzentrierten sich bei den Untersuchungen auf den Teil der Escherichia coli-Bakterien, die gegen den Wirkstoff Tetrazyklin resistent sind. Denn Tetrazyklinantibiotika werden in der Tierhaltung eingesetzt, wo sie etwa im Darm der Nutztiere die Entwicklung und Vermehrung resistenter Keime fördern können.

  • Diese Keime, aber auch ein Teil der Antibiotika werden ausgeschieden und kommen dann über organische Dünger wie Gülle auf die Felder. 

Smallas Fazit: „Die Ergebnisse aus den umfangreichen Untersuchungen zeigen eindeutig, dass eine beachtliche Vielfalt von übertragbaren Plasmiden, das sind außerhalb der Chromosomen vorkommende Erbträger in Bakterien, mit Resistenzgenen in den E. coli aus Frischeprodukten gefunden wurde. Diese tragen Resistenzen gegen jeweils mehrere Antibiotikaklassen. E. coli-Bakterien mit diesen Eigenschaften waren auf allen drei geprüften Lebensmitteln zu finden.“

  • Kommen solche an sich harmlosen Bakterien auf pflanzlichen Lebensmitteln vor, können sie bei deren Rohverzehr in den menschlichen Darm gelangen. 
  • Einmal aufgenommen, können die Bakterien ihre Plasmide im Darm an dort vielleicht vorkommende krankmachende Bakterien

weitergeben. Man bezeichnet das als horizontalen Gentransfer. In der Natur versetzt der horizontale Gentransfer Bakterien in die Lage, sich schnell an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen. Wird ein Patient mit Antibiotika behandelt, haben Bakterien, die solche übertragbaren Resistenzgene in ihr Erbgut aufgenommen haben, einen Vorteil und vermehren sich stärker als ihre nicht so ausgestatteten Konkurrenten. Wie häufig es angesichts der geringen Belastung mit E. coli auf Salat zu einer Übertragung von Resistenzen im menschlichen Darm kommt, ist bisher nicht bekannt. Wenig bekannt ist auch, ob und in welchem Umfang es zu Erkrankungen durch so entstandene resistente Bakterien kommt.

Die Studie des Julius Kühn-Instituts, der Universität Gießen sowie der University of Idaho zu antibiotikaresistenten Keimen auf Pflanzen ist in der Oktoberausgabe der Fachzeitschrift mBio erschienen: Blau K, Bettermann A, Jechalke S, Fornefeld E, Vanrobaeys Y, Stalder T, Top E.M, Smalla K. 2018: The transferable resistome of produce. mBio 9:e01300-18 (DOI = https://doi.org/10.1128/mBio.01300-18)

Das BfR gibt Aufgrund der Studie folgende Empfehlungen:

  • Generell sollten Verbraucherinnen und Verbraucher Rohkost, Blattsalate und frische Kräuter vor dem Verzehr gründlich mit Trinkwasser waschen, um das Risiko der Aufnahme von Krankheitserregern oder antibiotikaresistenten Bakterien zu minimieren.

Schwangere und Personen, deren Abwehrkräfte durch hohes Alter, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme geschwächt sind, sollten darüber hinaus zum Schutz vor lebensmittelbedingten Infektionen auf den Verzehr von vorgeschnittenen und verpackten Salaten vorsichtshalber verzichten und stattdessen Salate aus frischen und gründlich gewaschenen Zutaten kurz vor dem Verzehr selbst zubereiten. 


  • Durch das Waschen lassen sich die auf den pflanzlichen Lebensmitteln möglicherweise vorhandenen Krankheitserreger oder antibiotikaresistenten Bakterien jedoch nicht sicher entfernen. 
Deshalb ist es in seltenen Einzelfällen notwendig, dass besonders immungeschwächte Personen gemäß Anweisung ihrer behandelnden Ärzte, Gemüse und frische Kräuter vor dem Verzehr ausreichend (mindestens zwei Minuten auf 70°C im Inneren des Lebensmittels) erhitzen.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com











Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Kornelia Smalla
Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Fachinstitut für Epidemiologie und Pathogendiagnostik
Messeweg 11-12, 38104 Braunschweig
Tel.: 0531 299-3814
E-Mail: kornelia.smalla@julius-kuehn.de


Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

Messeweg 11-12
38104 Braunschweig
Deutschland
Niedersachsen
E-Mail-Adresse: pressestelle@julius-kuehn.de

Dr. Gerlinde Nachtigall
Telefon: 0531/299-3204
Fax: 0531/299-3000
E-Mail-Adresse: gerlinde.nachtigall@julius-kuehn.de


Dipl.-Biol. Stefanie Hahn
Telefon: 0531/299 3207
Fax: 0531/299 3000
E-Mail-Adresse: stefanie.hahn@julius-kuehn.de


Originalpublikation:
Blau K, Bettermann A, Jechalke S, Fornefeld E, Vanrobaeys Y, Stalder T, Top E.M, Smalla K. 2018: The transferable resistome of produce. mBio 9:e01300-18 https://doi.org/10.1128/mBio.01300-18

 

CAVE: ZNA - Rettungsstellen-KANZEL: Stressbedingte Lern- und Gedächtnisstörungen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Individuelle Stressempfindlichkeit, Zuckerstoffwechsel und Gehirnfunktion hängen zusammen

Wissenschaftler der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz und des Deutschen Resilienz-Zentrums Mainz (DRZ) haben Störung im Zuckerstoffwechsel des Gehirns als Ursache für stressbedingte Lern- und Gedächtnisstörungen im Tiermodell identifiziert. 

Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe der hochrangigen Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht. 
 
  • Insbesondere chronischer Stress gilt als ein Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Erkrankungen wie beispielsweise depressive Störungen. 
  • Zudem kann er sich negativ auf den Stoffwechsel und besonders auf den Zuckerstoffwechsel auswirken. 

Nun haben Wissenschaftler der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz und des Deutschen Resilienz-Zentrums Mainz (DRZ) im Tiermodell untersucht, ob Stress, eine Störung des Zuckerstoffwechsels und psychische Symptome direkt und ursächlich miteinander verknüpft sind. Ihre Untersuchungen zeigten, dass sich in zeitlichem Zusammenhang mit Stress eine Störung des Glukosestoffwechsels entwickeln kann, und zwar sowohl im Blut als auch im Gehirn.

  • Demnach kann eine stressinduzierte Störung des Zuckerstoffwechsels mit der Entstehung von stressabhängigen psychischen Erkrankungen zusammenhängen. 

Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe der hochrangigen Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.

Das menschliche Gehirn benötigt selbst unter Ruhebedingungen sehr viel Energie: 

  • Die benötigte Menge beträgt das Zehnfache der Energiemenge, die alle übrigen Körperorgane zusammen verbrauchen. 

Die Hirnfunktionen sind damit in hohem Maße abhängig von einer optimalen Energiezufuhr.

Die Aufnahme der Zuckerart Glukose aus dem Blut ist dabei besonders wichtig. 

  • Wenn sich das Gleichgewicht des Glukosestoffwechsels auch nur geringfügig verändert, reagiert das Gehirn sehr empfindlich.

Warum führt chronischer Stress bei manchen Personen zur Entwicklung psychischer Symptome, wie beispielsweise zu depressiver Stimmung oder einer Funktionsstörung des Gedächtnisses, während andere Menschen unter identischen Lebensbedingungen gesund bleiben und seelisch widerstandsfähig, also resilient sind?

Welche Rolle spielt chronischer Stress für die Entwicklung einer stressabhängigen Veränderung des Zuckerstoffwechsels, dem sogenannten Glukosestoffwechsel? Und sind Stress, Glukosestoffwechsel und psychische Veränderungen möglicherweise sogar ursächlich miteinander verknüpft? Diesen Fragen widmeten sich Wissenschaftler einer Arbeitsgruppe um Univ.-Prof. Dr. Marianne Müller, Leiterin Translationale Psychiatrie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, gemeinsam mit interdisziplinären Kooperationspartnern.

Für die hier vorgestellte Studie beobachteten die Forscher in einem Tiermodell für sozialen Stress über längere Zeit die Veränderungen im Glukosestoffwechsel. Sie konnten zeigen, dass sich in zeitlichem Zusammenhang mit Stress sowohl im Blut als auch in jenen Gehirnarealen, die für Lernen und Gedächtnisfunktionen verantwortlich sind, eine Störung des Glukosestoffwechsels entwickeln kann: Die gestressten Tiere wiesen erhöhte Blutzuckerwerte und eine deutliche Störung der Glukoseregulation im Gehirn auf – und das sogar noch nach Beendigung der Stressphase. Für ihre Forschungen nutzten die Wissenschaftler den aus der Diabetesbehandlung bekannten SGLT-2-Hemmer Empagliflozin. Dieser sorgt dafür, dass vermehrt Glukose mit dem Urin ausgeschieden wird, wodurch der Blutzuckerspiegel sinkt. Durch die Behandlung mit Empaglifozin normalisierte sich die Störung des Glukosestoffwechsels.

Bei der detaillierten Auswertung der Daten machten die Mainzer Wissenschaftler aber eine interessante Entdeckung:

Nicht alle Tiere reagierten gleich stark. Innerhalb der Gruppe der gestressten Tiere gab es Untergruppierungen. So beobachteten sie sehr empfindliche, so genannte suszeptible Tiere, die auf den Stress mit einer deutlichen Störung des Glukosestoffwechsels, konkret mit einer erhöhten Glukosekonzentration, reagierten.

Diese ging mit einer Störung der Gedächtnisfunktion einher. 

Eine andere Untergruppe, jene der resilienten Tiere, zeigte hingegen keine nennenswerten Veränderungen und schnitt in den Untersuchungen ähnlich gut ab wie die Kontrollgruppe.

Wie die Wissenschaftler zudem herausfanden, ging mit der Behandlung mit Empagliflozin nur in der suszeptiblen Untergruppe von Tieren eine verbesserte Gedächtnisleistung einher. In der Untergruppe der „resilienten“ Tiere, bei denen der Stress keine erhöhte Glukosekonzentration ausgelöst hatte, führte die Gabe von Empagliflozin hingegen sogar zu schlechteren Gedächtnisleistungen.

„Diese Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig eine Bewertung der individuellen Faktoren im Rahmen therapeutischer Entscheidungen ist. Durch den frühzeitigen Einsatz von personalisierter, also einer individuell maßgeschneiderten Medizin lassen sich möglicherweise Spätfolgen von Stress vermindern.

Da auch Menschen auf widrige Lebenssituationen in unterschiedlichem Maße verletzlich (vulnerabel) oder seelisch widerstandsfähig (resilient) reagieren, sind Erkenntnisse über einen ursächlichen Zusammenhang dieser Faktoren von hoher medizinischer Relevanz. 

Dies unterstreicht auch die Tatsache, dass Stress und psychische Erkrankungen in der Bevölkerung immer weiter verbreitet sind“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Marianne Müller, Leiterin Translationale Psychiatrie der Universitätsmedizin Mainz, in deren Arbeitsgruppe die Studie gemeinsam mit interdisziplinären Kooperationspartnern durchgeführt wurde.

„In der vorliegenden Studie haben wir uns zu Nutze gemacht, dass es bei Mäusen ähnlich ist wie beim Menschen:

Ein Teil der Tiere reagiert relativ gelassen auf chronischen Stress, während eine andere Gruppe durch den Stress deutliche Verhaltensänderungen und insbesondere eine Störung ihrer Gedächtnisleistung aufweist. 

Für uns ist es wichtig zu hinterfragen, ob unsere Befunde auch auf den Menschen übertragbar sind.

Es gilt herauszufinden, ob wir durch unsere Erkenntnisse dazu beitragen können, die Therapiemöglichkeiten für stressassoziierte Erkrankungen langfristig zu verbessern“, erklären Dr. Michael van der Kooij und Tanja Jene, beide gemeinsame Erstautoren der Studie.

Weitere Informationen zur Originalpublikation:

“Chronic social stress-induced hyperglycemia in mice couples individual stress susceptibility to impaired spatial memory”; Michael A van der Kooij, Tanja Jene, Giulia Treccani, Isabelle Miederer, Annika Hasch, Nadine Voelxen, Stefan Walenta, Marianne Mueller;
PNAS published ahead of print October 9, 2018 https://doi.org/10.1073/pnas.1804412115


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com































Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.
 
Univ.-Prof. Dr. Marianne B. Müller,
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz
und Forschungszentrum Translationale Neurowissenschaften (FTN)
der Johannes Gutenberg-Universität Mainz,
Telefon 06131 39-21349, E-Mail: Marianne.Mueller@uni-mainz.de

Barbara Reinke,
Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131 17-7428, Fax 06131 17-3496

Langenbeckstraße 1
55131 Mainz
Deutschland
Rheinland-Pfalz


Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.400 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Originalpublikation:
“Chronic social stress-induced hyperglycemia in mice couples individual stress susceptibility to impaired spatial memory”; Michael A van der Kooij, Tanja Jene, Giulia Treccani, Isabelle Miederer, Annika Hasch, Nadine Voelxen, Stefan Walenta, Marianne Mueller;
PNAS published ahead of print October 9, 2018 https://doi.org/10.1073/pnas.1804412115

 

CAVE: Zoonosen - Krankheitserreger Listerien: Rohwürste/Tee/Mettwurst/Masthähnchen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Rohwürste können Krankheitserreger enthalten

BVL veröffentlicht Bericht zum Zoonosen-Monitoring 2017
 
Die Ergebnisse des repräsentativen Zoonosen-Monitorings 2017, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute veröffentlicht hat, zeigen, dass streichfähige Rohwürste (z. B. Tee- und Mettwurst) eine mögliche Ansteckungsquelle des Menschen mit verschiedenen Krankheitserregern sind. 

In jeder achten Probe fanden die Untersuchungsämter Listerien. 

  • Einige Rohwürste waren zudem mit STEC/VTEC-Bakterien kontaminiert, die beim Menschen eine EHEC-Erkrankung auslösen können. 
  • Bei Masthähnchen sind die Untersuchungsergebnisse unverändert. Erneut wurde in mehr als der Hälfte der Fleischproben der Krankheitserreger Campylobacter nachgewiesen.

Die Überwachungsbehörden der Bundesländer haben für das Zoonosen-Monitoring 2017 insgesamt 6.922 Proben auf allen Ebenen der Lebensmittelkette genommen und auf das Vorkommen der wichtigsten über Lebensmittel übertragbaren Erreger untersucht.

Dabei wurden 2.414 Bakterien-Isolate gewonnen und in den Nationalen Referenzlaboratorien am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weitergehend charakterisiert und auf ihre Resistenz gegen ausgewählte Antibiotika untersucht. Die wichtigsten Ergebnisse sind:

Listeria monocytogenes

In 12,2 % der Proben von streichfähigen Rohwürsten wurden Listeria monocytogenes nachgewiesen. In zwei Proben wurden Keimgehalte an Listeria monocytogenes gemessen, die eine potenzielle Gesundheitsgefahr für den Menschen darstellen (220 bzw. 550 koloniebildenden Einheiten pro Gramm – KbE/g). Die Ergebnisse unterstreichen die besondere Bedeutung, die den Eigenkontrollen des Lebensmittelunternehmers zukommt. Zudem zeigen sie die Notwendigkeit, Betriebe, die solche Lebensmittel herstellen oder vermarkten, regelmäßig im Rahmen der amtlichen Überwachung zu kontrollieren.

Die Ergebnisse machen ebenfalls deutlich, dass streichfähige Rohwürste ein Risiko für eine Infektion des Menschen mit Listeria monocytogenes darstellen und somit von empfindlichen Verbrauchergruppen wie Kleinkindern, älteren und immungeschwächten Menschen sowie Schwangeren nicht verzehrt werden sollten.  

  • Infektionen mit Listerien treten im Vergleich zu Salmonellen- und Campylobacter-Infektionen seltener auf, aufgrund der Schwere der Erkrankung, die sie auslösen können, spielen sie aber eine wichtige Rolle.

Campylobacter

Bei der Reduzierung von Campylobacter spp. in der Lebensmittelkette Masthähnchen wurden immer noch keine Fortschritte erzielt. Etwa ein Viertel der Halshautproben (22,7 %) von Masthähnchen am Schlachthof wies hohe Keimzahlen von über 1.000 KbE/g auf. Inwieweit die Einführung des Prozesshygienekriteriums für Campylobacter spp. auf Masthähnchenschlachtkörpern im Jahr 2018 zu einer Verbesserung der Situation führen wird, werden die fortlaufenden Untersuchungen im Zoonosen-Monitoring zeigen. Die Nachweisrate von Campylobacter spp. in Proben von frischem Hähnchenfleisch lag bei 51,5 % und damit ebenfalls auf demselben Niveau wie in den Jahren zuvor (2014: 54,0 % und 2016: 47,2 % positive Proben).

Salmonellen

Der in den letzten Jahren zu beobachtende Rückgang der Salmonellen-Nachweisrate in Proben von Schweinehackfleisch hat sich 2017 weiter fortgesetzt: Mit 0,7 % positiver Proben wurden Salmonellen in Hackfleischproben deutlich seltener nachgewiesen als in den Vorjahren (2009: 5 % und 2011: 1,3 % positive Proben). Auch Schweineschlachtkörper waren mit 2,9 % positiver Proben tendenziell seltener mit Salmonella spp. kontaminiert als im Zoonosen-Monitoring der Vorjahre (2011: 4,0 % und 2015: 4,5 % positive Proben). Möglicherweise steht dies mit Verbesserungen bei der Schlachthygiene im Zusammenhang, da der Eintrag von Salmonellen in die Schlachtbetriebe über Salmonella-positive Tiere (6,1 % positive Proben von Blinddarminhalt) und damit das Risiko einer Kontamination des Fleisches im Rahmen der Schlachtung im Vergleich zu den Vorjahren gleich geblieben ist.

Shigatoxin-/verotoxinbildende E. coli (STEC/VTEC)

Die Ergebnisse zeigen eine hohe Belastung von Rehen (40,2 % positive Kotproben) und Fleisch von Wildwiederkäuern (29,8 % positive Proben) mit STEC/VTEC. STEC/VTEC sind Bakterien, die akute Darmentzündungen (EHEC) hervorrufen können, die z. T. einen schweren Verlauf nehmen. Insbesondere bei Kindern kann eine Infektion mit STEC/VTEC zur Ausbildung eines hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) führen, das u. a. mit einem akuten Nierenversagen einhergeht. Die STEC/VTEC-Nachweisrate in Proben von frischem Kalb- und Jungrindfleisch lag dagegen bei nur etwa 6,3 %. Allerdings ist ein erheblicher Teil der Mastkälber und Jungrinder ebenfalls mit STEC/VTEC besiedelt, wie die Ergebnisse aus dem Zoonosen-Monitoring der Vorjahre zeigen (etwa 25 % positive Proben von Blinddarminhalt).

Die höheren Kontaminationsraten von Wildfleisch im Vergleich zu Fleisch von Nutztieren stehen vermutlich mit den schlechter kontrollierbaren Bedingungen bei der Wildfleischgewinnung im Zusammenhang. Diese gehen im Vergleich zum Schlachtprozess bei Nutztieren mit einem erhöhten Risiko einer Kontamination mit Keimen einher (z. B. durch schussbedingte Verletzungen des Verdauungstrakts und verzögertes Ausweiden der Wildkörper).





  • Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die bestehenden Hygienevorschriften besser eingehalten werden müssen, um die Übertragung von Zoonoseerregern aus dem Darm auf das Fleisch zu verhindern.

In Proben von Tatar/Schabefleisch wurden STEC/VTEC zu 3,5 % nachgewiesen. Damit stellt Tatar ein Vehikel für die Übertragung von STEC/VTEC auf den Menschen dar, was aufgrund des üblichen Rohverzehrs von Schabefleisch besonders problematisch ist.

  • Streichfähige Rohwürste stellen ebenso eine mögliche Ansteckungsquelle für den Menschen mit STEC/VTEC dar: 1,7 % der untersuchten Proben waren positiv für STEC/VTEC.

Antibiotika-Resistenzlage

Die Ergebnisse der Antibiotikaresistenzuntersuchungen zeigen, dass sich der Anteil resistenter E. coli-Isolate bei Mastschweinen im Vergleich zum Zoonosen-Monitoring 2015 eher verringert hat, während bei Bakterien, die von Mastkälbern/Jungrindern stammen, keine Verbesserungen beobachtet wurden.

Auch die Nachweisrate von ESBL/AmpC-bildenden E. coli im Blinddarminhalt von Mastkälbern und Jungrindern am Schlachthof ist mit 68,0 % erneut sehr hoch und gegenüber dem Zoonosen-Monitoring 2015, in dem 60,6 % der Proben positiv für ESBL/AmpC-bildende E. coli waren, sogar noch gestiegen. Bei Salmonella-Isolaten aus der Lebensmittelkette Mastschweine traten vereinzelt Resistenzen gegenüber Fluorchinolonen (Ciprofloxacin), Cephalosporinen der 3. Generation und Colistin auf. Dies muss weiter beobachtet werden, da es sich hierbei um kritische wichtige Antibiotika mit höchster Priorität für die Humanmedizin handelt (nach WHO „Highest Priority Critically Important Antimicrobials“).

Isolate von Rehen und aus Wildwiederkäuerfleisch wiesen eine geringe Resistenzrate von 2 bis 3 % auf, was den geringen antimikrobiellen Selektionsdruck widerspiegelt, dem die Darmbakterien von Wild durch die fehlende Einwirkung von Antibiotika unterliegen.

Bei der Interpretation der Ergebnisse der Resistenzuntersuchungen muss beachtet werden, dass die minimalen Hemmkonzentrationen (MHK) anhand der epidemiologischen Cut-Off-Werte bewertet wurden. Diese bestimmen den Anteil mikrobiologisch resistenter Isolate und geben frühzeitig Hinweise auf eine beginnende Resistenzentwicklung, erlauben aber keine unmittelbare Aussage über die Wahrscheinlichkeit eines Therapieerfolges mit einem Antibiotikum.

Der vollständige Bericht zum Zoonosen-Monitoring 2017 ist online abrufbar unter: http://www.bvl.bund.de/ZoonosenMonitoring

Verbrauchertipps zum Schutz gegen lebensmittelbedingte Infektionen sind dargestellt unter: http://www.bvl.bund.de/lebensmittelhygiene

Hintergrund

Zoonosen sind Krankheiten bzw. Infektionen, die auf natürlichem Weg direkt oder indirekt zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Zoonoseerreger können von Nutztieren zum Beispiel während der Schlachtung und Weiterverarbeitung auf das Fleisch übertragen werden. Mit Zoonoseerregern kontaminierte Lebensmittel stellen eine wichtige Infektionsquelle für den Menschen dar. Häufige Erreger lebensmittelbedingter Infektionen sind Campylobacter spp. und Salmonella spp. Infektionen mit Listeria monocytogenes oder verotoxinbildende E. coli (STEC/VTEC) treten seltener auf. Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) und ESBL/AmpC-bildende E. coli sind weltweit verbreitete Erreger von zum Teil schwerwiegenden Krankenhausinfektionen. Bei Nutztieren hat sich ein spezifischer Typ von MRSA ausgebreitet. Eine Besiedlung des Menschen mit diesen „Nutztier-assoziierten“ MRSA-Stämmen scheint jedoch nur in seltenen Fällen zu schweren Krankheitserscheinungen zu führen.

Die Richtlinie 2003/99/EG zur Überwachung von Zoonosen und Zoonoseerregern verpflichtet alle EU-Mitgliedstaaten dazu, repräsentative und vergleichbare Daten über das Auftreten von Zoonosen und Zoonoseerregern sowie deren Antibiotikaresistenzen in Lebensmitteln, Futtermitteln und lebenden Tieren zu erfassen, auszuwerten und zu veröffentlichen, um so Aufschluss über Entwicklungstendenzen und Quellen von Zoonosen und Zoonoseerregern zu erhalten. Dabei werden vor allem diejenigen Zoonoseerreger überwacht, die eine besondere Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen. Das Zoonosen-Monitoring wird von den Behörden der Bundesländer seit dem Jahr 2009 auf Grundlage einer Verwaltungsvorschrift bundesweit einheitlich jährlich im Rahmen der amtlichen Lebensmittel- und Veterinärüberwachung durchgeführt. Die Untersuchungsergebnisse werden vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gesammelt, ausgewertet und zusammen mit den Ergebnissen der Typisierung und Resistenztestung sowie der Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im Bericht über die Ergebnisse des jährlichen Zoonosen-Monitorings veröffentlicht. Das BfR übermittelt die Ergebnisse gemäß den Bestimmungen des Artikels 9 der Richtlinie 2003/99/EG an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Im Zoonosen-Monitoring werden repräsentative Daten zum Vorkommen von Zoonoseerregern bei den wichtigsten Lebensmittel liefernden Tierarten und ihren Produkten sowie anderen Lebensmitteln und Futtermitteln gewonnen. Diese ermöglichen es, die Exposition der Verbraucher gegenüber den Zoonoseerregern abzuschätzen. Die Resistenzuntersuchungen tragen dazu bei, Beziehungen zwischen dem Antibiotikaeinsatz in der Tierproduktion und der Entwicklung von Antibiotikaresistenzen besser analysieren zu können.

Medizin am Abend Berlin Direktkontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com










Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.


Mauerstraße 39-42
10117 Berlin
Deutschland
Berlin


Nina Banspach

 
 

Medizin am Abend Berlin: Fortbildungsteam VOR ORT

Alkoholfreies Bier - Start in die KarnevalSaison

Medizin am Abend Berlin Fazit: „Wer (alkoholfreies) Bier trinkt, lebt hundert Jahre“

FAU-Forscher untersuchen gesunde Inhaltsstoffe im Bier 
 
  • Bierinhaltsstoffe als Mittel gegen Entzündungen und Fettleibigkeit? 

Forscher um Prof. Dr. Claus Hellerbrand, Institut für Biochemie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), haben für ihr Forschungsprojekt, das Bierinhaltsstoffe hinsichtlich ihrer entzündungshemmenden Wirkung untersucht, den Forschungspreis der European Foundation for Alcohol Research und der European Brewery Convention über 60.000 Euro erhalten.

„Wer Bier trinkt, lebt hundert Jahre“, so lautet ein italienisches Sprichwort, in dem vielleicht mehr Wahrheit steckt, als erwartet. 

Bier enthält die Stoffe Xanthohumol und Iso-Alphasäuren. 

  • Laut Studien der Arbeitsgruppe von Prof. Hellerbrand hemmt Xanthohumol die durch Übergewicht und Fehlernährung hervorgerufene Leberverfettung und verhindert, dass die Leber vernarbt. 
  • Zudem tötet es Leberkrebszellen ab und verhindert bei Überernährung die Gewichtszunahme. 
  • Auch die Iso-Alphasäuren haben eine positive Wirkung auf die Gesundheit. 
  • Sie hemmen Leberschäden und beeinflussen den Fett- und Zuckerstoffwechsel positiv.

In neuen Forschungsarbeiten fanden die Wissenschaftler gemeinsam mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ina Bergheim, Universität Wien, außerdem heraus, dass die beiden Substanzen biologische Prozesse besonders in der Kombination günstig beeinflussen. Zusammen hemmen sie beispielsweise Entzündungsprozesse noch effektiver. Bereits sehr niedrige Konzentrationen bremsen deutlich die Produktion von Entzündungsfaktoren in Leber- und Blutzellen

Ob auch noch weitere Krankheitsmechanismen wie Diabetes oder Krebs durch die Kombination der beiden Substanzen effektiver bekämpft werden können, soll in dem nun geförderten Forschungsprojekt untersucht werden. Ferner sollen die Mechanismen, die dieser guten kombinatorischen Wirkung zugrunde liegen, entschlüsselt werden.

Hopfen – Gelbes Gold


Xanthohumol gehört zu den Pflanzenpolyphenolen – den aromatischen Verbindungen, die für Farbe und Geschmack der Pflanzen sorgen. 

Der Stoff ist ausschließlich im Hopfen zu finden und für den gelben Farbton der Hopfenblüten verantwortlich. Hopfen spielt eine wichtige Rolle beim Brauen von Bier, bei dem Xanthohumol jedoch in großen Teilen abgebaut wird. Im Bier selbst liegt nur ein geringer Anteil des Stoffes vor. Ein weiterer Inhaltsstoff des Hopfens sind die Bittersäuren, die den typischen Biergeschmack hervorrufen. Eine Gruppe von ihnen sind die alpha-Säuren, die durch die Erhitzung beim Brauprozess in Iso-Alphasäuren umgewandelt werden.

Minuspunkt: Alkohol
  • Die derzeit einzige Art, wie Xanthohumol und Iso-Alphasäuren vom Menschen aufgenommen werden, ist über den Genuss von Bier, wenn auch hier in relativ geringer Konzentration. 

Bier ist jedoch keine Medizin. 

Der Grund: 

der Alkoholgehalt. „Es ist jedoch denkbar, dass durch den Konsum von alkoholfreiem Bier oder anderen hopfenhaltigen Nahrungsmitteln und Getränken wie Hopfenlimonade oder Hopfentee eine positive Wirkung zu erzielen ist. 

Gerade zur Behandlung oder Prävention von Leberschädigung durch Fettleibigkeit scheinen Xanthohumol und Iso-Alphasäuren sehr vielversprechend“, erläutert Hellerbrand. 

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com










Über Google: Medizin am Abend Berlin  
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Claus Hellerbrand
Tel.: 09131/85-24191 (Sekretariat)
claus.hellerbrand@fau.de

Schlossplatz 4
91054 Erlangen
Deutschland
Bayern


Dr. Susanne Langer
E-Mail-Adresse: susanne.langer@fau.de


Sandra Kurze
stellv. Leiterin
Telefon: 09131/85-70211
Fax: 09131/85-70220
E-Mail-Adresse: sandra.kurze@fau.de


Vitamin-D-Mangel: Brüchige Knochen / Atemwegserkrankung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Kakao: Eine leckere Quelle für Vitamin D?

Viele Menschen sind nicht mit ausreichend Vitamin D versorgt. 

  • Brüchige Knochen und ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen können die Folge eines Vitamin-D-Mangels sein. 

Eine neue, bislang unbekannte Quelle für Vitamin D2 hat nun eine Forschergruppe der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Max Rubner-Instituts ausgemacht: 

Kakao und kakaohaltige Lebensmittel enthalten nennenswerte Mengen des wichtigen Nährstoffs. 

Den höchsten Vitamin-D2-Gehalt haben laut den Forschern Kakaobutter und dunkle Schokolade. 

Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie kürzlich in der Fachzeitschrift "Food Chemistry". 


Vitamin D ist für den menschlichen Körper von zentraler Bedeutung.

Er kommt in zwei Varianten vor:

Vitamin D2 und D3.

Vitamin D3 wird in der menschlichen Haut durch die Einwirkung von Sonnenstrahlen gebildet. So deckt der Mensch 90 Prozent seines Vitamin-D-Bedarfs. Den Rest nimmt der Mensch im Idealfall über die Nahrung zu sich, also etwa fetthaltigen Fisch oder Hühnereier.

Vitamin D2, das ebenfalls vom menschlichen Körper genutzt werden kann, kommt zudem in Pilzen vor. "Viele meisten Menschen sind nicht optimal mit Vitamin D versorgt. Das Problem steigert sich in den sonnenarmen Monaten im Winter noch einmal", sagt die Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Gabriele Stangl von der MLU.

In ihrer neuen Studie untersuchten die Forscher den Vitamin-D-Gehalt von Kakao und kakaohaltigen Produkten, weil sie darin eine bisher unbekannte Quelle des Vitamins vermuteten. Kakaobohnen werden nach der Fermentation getrocknet.

Dazu werden sie auf Matten gelegt und ein bis zwei Wochen der Sonne ausgesetzt. Durch dieses Sonnenlicht wandeln sich die Vorstufen des Vitamin D, die vermutlich aus harmlosen Pilzen stammen, zu Vitamin D2 um. Um ihre Idee zu testen, analysierte die Forschergruppe verschiedene Kakaoprodukte und -pulver mit Hilfe moderner Massenspektrometrie.

Das Ergebnis: Kakaohaltige Produkte sind eine Quelle für Vitamin D2, der Gehalt variiert aber von Lebensmittel zu Lebensmittel sehr stark. Während dunkle Schokolade über einen relativen hohen Vitamin-D2-Gehalt verfügt, fanden die Forscher in weißer Schokolade nur wenig davon. "Das ist nicht verwunderlich, da der Kakaogehalt in weißer Schokolade deutlich geringer ist. Das bestätigt unsere Annahme, dass Kakao die Quelle für das Vitamin D2 ist", so Stangl weiter.

Aus ihrem Befund leitet die Ernährungswissenschaftlerin aber nicht die Empfehlung ab, große Mengen Schokolade zu verzehren: "Man müsste Unmengen an Schokolade essen, um darüber den Bedarf an Vitamin D2 zu decken. Das wäre aufgrund des hohen Zucker- und Fettanteils extrem ungesund", sagt Stangl.

Das Ergebnis der Studie sei vielmehr dafür wichtig, korrekte Daten darüber zu erlangen, welche Nährstoffe die Bevölkerung im Durchschnitt zu sich nimmt.

In Nationalen Verzehrstudien wird dazu der Lebensmittelverzehr der Bevölkerung ermittelt.

In Kombination mit dem Bundeslebensmittelschlüssel, einer umfangreichen Nährstoffdatenbank, berechnet das Max Rubner-Institut daraus die tägliche Nährstoffzufuhr der Bevölkerung.

Fehlt in dieser Datenbank eine Quelle für Vitamin D, so stimmen die Zahlen am Ende nicht.

Deshalb empfehlen die Forscher, die Lebensmittel- und Nährstoffdatenbanken regelmäßig zu überarbeiten.

Auch die Arbeitsgruppe an der MLU nutzt die Erkenntnisse der neuen Studie in einem Folgeprojekt:

"Kakao ist ein spannender Lebensmittelrohstoff, weil er zusätzliche sekundäre Pflanzenstoffe beinhaltet, die zum Beispiel förderlich für das Herzkreislauf-System sind", sagt Ernährungswissenschaftlerin Stangl.

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Kompetenzclusters nutriCARD untersucht ihr Team, ob sich zuckerfreie, kakaohaltige Lebensmittel, zum Beispiel Teigwaren, produzieren lassen und ob diese einen Beitrag zu einem verbesserten Vitamin-D2-Spiegel beim Menschen leisten können.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com












Über Google: Medizin am Abend Berlin  
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Postfach
06099 Halle (Saale)
Deutschland
Sachsen-Anhalt

Tom Leonhardt
Telefon: 03455521438
E-Mail-Adresse: tom.leonhardt@rektorat.uni-halle.de


Originalpublikation:
Kühn, J., Schröter, A., Hartmann, B.M., Stangl, G.I., Cocoa and chocolate are sources of vitamin D2, Food Chemistry (2018), doi: 10.1016/j.foodchem.2018.06.098

Erbsitten: Die Zeugung: Der Geburtstag - Der Tod - Das Vererben

Medizin am Abend Berlin Fazit: Faire Erbschaften fördern soziale Gleichheit

Deutsche Gemeinden, in denen Familien gerecht vererbten, haben bis heute mehr Frauen in Kommunalparlamenten 
 
Soziale Gleichheit ist auch das Ergebnis historischer Erbpraktiken. 

Deutsche Gemeinden, in denen innerhalb von Familien gerecht vererbt wurde, sind bis heute sozial ausgewogener.

Umgekehrt gilt: 

  • Wenn Männer oder Erstgeborene das Erbe allein antraten, verstärkt das soziale Ungleichheit. 


Diese Auswirkungen historischer Erbpraktiken belegt eine WZB-Studie von Anselm Rink.

Konkret hat Rink landwirtschaftliche Erbpraktiken im 19. Jahrhundert untersucht. Diese variierten in Deutschland von Gemeinde zu Gemeinde stark. Somit lässt sich der Zusammenhang von historischen Erbschaften und sozialer Gleichheit auf lokaler Ebene gut untersuchen. Um soziale Gleichheit zu messen, nutzt die Studie den Anteil von Frauen in Kommunalparlamenten und den Anteil von Adligen in Rotary Clubs.

Die Analysen zeigen, dass historische Erbpraktiken nachhaltig soziale Gleichheit geprägt haben. 

Gemeinden, in denen in der Vergangenheit fair vererbt wurde, sind bis zum heutigen Tage sozial ausgewogener. 

Dort sitzen mehr Frauen in Kommunalparlamenten, und Mitglieder von Rotary Clubs tragen seltener adlige Namen. 

Faire Erbschaften unterstützen also historisch benachteiligte Gruppen – wie Frauen –, während sie historisch einflussreiche Gruppen – wie Adlige – eher bremsen.

Die Studie erklärt diesen Zusammenhang mit zwei Mechanismen:

Erstens stellen faire Erbsitten sicher, dass Vermögen gleich verteilt wird. 

  • Dies erlaubt es insbesondere Frauen, sich stärker gesellschaftlich einzubringen. 
  • Zweitens gewöhnen faire Erbsitten Menschen daran, dass Wohlstand zu teilen ist. 

„Diese Gewohnheit führt vermutlich dazu, dass sich Menschen stärker für Gleichheit einsetzen.

Gleichheit wird dadurch zur Norm“, erklärt Anselm Rink.

Die Studie erscheint in Kürze im American Journal of Political Science.

Eine Kurzfassung der Studie finden Sie im aktuellen Heft der „WZB-Mitteilungen:
"Das Rätsel der Ungleichheit. Historische Erbsitten haben Auswirkungen bis heute" (PDF)

Anselm Rink ist Juniorprofessor für Politische Ökonomie an der Universität Konstanz und war wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Migration, Integration, Transnationalisierung des WZB.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

www.medizin-am-abend.blogspot.com
















Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Claudia Roth
Tel.: 030 254 91 510
claudia.roth@wzb.eu

Dr. Anselm Rink
Tel.: 0151-5155 2863
anselm.rink@gmail.com

Dr. Harald Wilkoszewski Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH


Reichpietschufer 50
10785 Berlin
Deutschland
Berlin

Dr. Harald Wilkoszewski
Telefon: 03025491509
E-Mail-Adresse: harald.wilkoszewski@wzb.eu

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://onlinelibrary.wiley.com/journal/15405907 American Journal of Political Science

https://bibliothek.wzb.eu/artikel/2018/f-21477.pdf Kurzfassung der Studie




Geburtsgewicht - Gewichtszuwachs - Übergewicht - Adipositas

Medizin am Abend Berlin Fazit: Übergewicht entwickelt sich bereits in der frühen Kindheit – und bleibt dann bestehen

Forscher der Leipziger Universitätsmedizin haben herausgefunden, dass schon die frühe Kindheit entscheidend für die Entwicklung von Übergewicht und Adipositas ist. 

Sie analysierten dazu die Entwicklung des Gewichts von mehr als 51.000 Kindern von der Geburt bis in die Adoleszenz. 

Das Ergebnis ist eindeutig: 

Fast 90 Prozent der Kinder, die im Alter von drei Jahren übergewichtig waren, waren es auch als Jugendliche. 

  • Bei ihnen erfolgte der stärkste Gewichtszuwachs im Kleinkindalter von zwei bis sechs Jahren.

Die Ergebnisse haben die Wissenschaftler aktuell im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht. 
 
Noch bevor ein Kind in die Schule geht, wird der Grundstein für Übergewicht und Adipositas gelegt.

„Die Erkrankung manifestiert sich häufig schon sehr früh in der Kindheit. Zugleich liegt die Wahrscheinlichkeit, dass kleine Kinder mit Adipositas zu einem Normalgewicht in der Jugend zurückkehren, bei weniger als 20 Prozent. Diese Effekte konnten wir in einer großen Längsschnittstudie nachweisen mit direkten Implikationen für die Praxis“, sagt Prof. Dr. Antje Körner, Professorin für Pädiatrische Forschung an der Universität Leipzig und Arbeitsgruppenleiterin am Center for Pediatric Research Leipzig (CPL) des Universitätsklinikums Leipzig. In der Untersuchung analysierten die Wissenschaftler um Studienleiterin Antje Körner Daten zum Gewichtsverlauf von 51.505 Kindern aus dem CrescNet Register im Alter von 0 und 18 Jahren.

Das Kleinkindalter von zwei bis sechs Jahren ist das kritische Alter des Gewichtsanstiegs

In ihrer statistischen Analyse konnten die Forscher feststellen, dass in den ersten zwei Lebensjahren die Chancen für Kinder, die adipös waren, später zu einem Normalgewicht zurückzukehren gerade einmal bei 50:50 stehen. 

Waren die Kinder hingegen schon drei Jahre alt, waren es nur noch knapp zehn Prozent – das bedeutet:

Rund 90 Prozent dieser Kinder waren auch als Jugendliche übergewichtig oder adipös. 

„Wir konnten mit unseren Daten zeigen, dass das Gewicht von Jugendlichen mit Übergewicht und Adipositas am stärksten zwischen zwei und sechs Jahren zugenommen hat“, so Körner. Auch danach stiegen der BMI weiter stetig an, wodurch sich das Ausmaß der Adipositas weiter Jahr für Jahr verschlimmerte.

Auch Geburtsgewicht und Gewicht der Mutter haben Einfluss

 
Mit Daten der LIFE Child-Studie konnten auch die Bedeutung von Geburtsgewicht und Gewicht der Mutter auf das kindliche Adipositasrisiko nachgewiesen werden.

  • So hatte fast die Hälfte der Babys, die zur Geburt sehr groß und schwer waren, einen höheren BMI in ihrer Kindheit und Jugend. 

Demgegenüber entwickelten weniger als 30 Prozent der Kinder mit normalem oder niedrigem Geburtsgewicht Übergewicht oder Adipositas im Jugendalter. 

Kinder von Müttern mit Übergewicht hatten ein deutlich höheres Risiko für kindliches Übergewicht als Kinder von Müttern, die normalgewichtig waren.

Übergewicht im frühen Kindesalter bleibt meist bestehen

 
  • „Die meisten Kinder und Jugendliche mit Übergewicht haben es auch noch im Erwachsenenalter. 

Natürlich ist die Prävalenz, das heißt die Häufigkeit, von Übergewicht bei Erwachsenen noch höher und nicht jeder übergewichtige Erwachsene war ein übergewichtiges Kind.

Wenn jedoch Übergewicht bereits im (frühen) Kindesalter einsetzt, bleibt es zuallermeist bestehen - mit allen Konsequenzen beispielsweise für die Entwicklung von Folgeerkrankungen bereits im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter.

Eine übermäßige Gewichtszunahme bei Kindern unter sechs Jahren kann ein frühes Anzeichen für spätere Adipositas sein. 

  • Wachstum und Gewicht müssen von Kinderärzten, Erziehern und Eltern schon früh genau beobachtet werden, um Kinder mit erhöhtem Risiko zu erkennen“, sagt Prof. Dr. Antje Körner.

Die Studie wurde durch den DFG-Sonderforschungsbereich „Mechanismen der Adipositas“ (SFB 1052), durch das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum AdipositasErkrankungen (IFB) sowie durch das Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen (LIFE Child) unterstützt.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com



















Über Google: Medizin am Abend Berlin  
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.
Prof. Dr. Antje Körner
Telefon: +49 341 97-26500
Email: antje.koerner@medizin.uni-leipzig.de

Dr. Katarina Werneburg Universität Leipzig
Ritterstraße 26
04109 Leipzig
Deutschland
Sachsen 
Telefon: 0341-9735021
E-Mail-Adresse: katarina.werneburg@medizin.uni-leipzig.de

Originalpublikation:
„Acceleration of BMI in Early Childhood and Risk of Sustained Obesity“; DOI: 10.1056/NEJMoa1803527

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.nejm.org/do/10.1056/NEJMdo005405/full/?requestType=popUp&related...

In Not reagieren....? Altruistisches Verhalten: Eye Tracking

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wenn aus Einfühlsamkeit Altruismus wird

Wie wir auf Menschen in Not reagieren, zeigt sich bereits daran, wie wir als Babys auf ängstliche Gesichter reagiert haben. 
,
Das zeigt eine Studie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und der Universität von Virginia in Charlottesville, USA. 
 
Altruistisches Verhalten wird als eine der wesentlichen Voraussetzungen für Kooperation in menschlichen Gesellschaften gesehen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: RAUCHEN  

  • Altruismus bezeichnet dabei ein soziales Verhalten gegenüber einer anderen Person, mit der wir weder verwandt sind noch in einem anderen engen sozialen Verhältnis stehen, ohne dass wir einen direkten persönlichen Nutzen oder Gegenwert erwarten. 

Dennoch variiert diese Tendenz, sich altruistisch zu verhalten, zwischen einzelnen Menschen sehr stark. Während es bei einigen besonders deutlich ausgeprägt ist, etwa bei jenen, die einem Unbekannten eine Niere spenden, scheint es bei anderen, etwa antisozialen Psychopathen, kaum vorhanden zu sein.

Bisher war wenig darüber bekannt, wann im Laufe des Lebens sich welche Tendenz herausbildet. Frühere Studien haben jedoch bereits belegt, dass Menschen, die sensitiver auf angstverzerrte Gesichter reagieren, sich gleichzeitig prosozialer verhalten – und das bereits im Vorschulalter.

Damit scheint die unterschiedliche Reaktion von Kindern auf ängstliche Gesichter eine Möglichkeit zu sein, die Vorstufen altruistischen Verhaltens zu untersuchen.

Um dieser Frage nachzugehen, nutzte ein Team des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Leipzig und der Universität von Virginia in Charlottesville, USA, das sogenannte Eye Tracking. Dabei werden die Blickbewegung der Kleinen gemessen, während sie ängstliche, fröhliche oder wütende Gesichter zu sehen bekommen.

Die Forscher beobachteten zunächst, wie Babys im Alter von sieben Monaten auf diese Gesichter reagierten.

Sieben Monate später untersuchten sie wiederum in einem Test, wie prosozial sich die Kleinen verhalten – und ob es dabei möglicherweise einen Zusammenhang mit ihrer Reaktion auf die Gesichter gibt.

Dazu ließ der Versuchsleiter einen Gegenstand vom Tisch fallen und wartete ab, ob ihm das Kleinkind zu Hilfe eilt, um ihn wieder aufzuheben.

Und tatsächlich:

  • Anhand der Reaktion der Kleinen auf ängstliche Gesichter im Alter von sieben Monaten konnten die Wissenschaftler voraussagen, wie hilfsbereit sich die Kinder sieben Monate später zeigen würden. 

Und nicht nur das: Diese Unterschiede spiegelten sich sogar in ihren Hirnaktivitäten wider. Babys, die stärker auf die ängstlichen Gesichtsausdrücke reagierten und sich demzufolge einige Monate später als prosozialer herausstellten, zeigten andere Muster im sogenannten dorsolateralen präfrontalen Cortex als die weniger prosozialen. 

Diese Zusammenhänge zeigten sich wiederum nicht, wenn sie mit fröhlichen oder wütenden Gesichtern konfrontiert wurden.

“Unsere Ergebnisse offenbaren, dass sich bereits in unserer sehr frühen Entwicklung anhand unserer Reaktion auf hilfebedürftige Menschen und unserer Hirnaktivitäten erkennbar wird, wie unterschiedlich stark sich altruistisches Verhaltens bei uns später ausprägen wird“, so Tobias Grossmann, Studienleiter und Erstautor der zugrundeliegenden Studie, die aktuell im Fachmagazin PLOS Biology erschienen ist. 

„Außerdem wissen wir nun, dass unsere Reaktion auf Menschen mit Angst eine Vorstufe von altruistischem Verhalten bildet.“ 


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com


















Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.
Prof. Dr. Tobias Grossmann
Gastwissenschaftler am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS), Leipzig
Telefon: +1(434) 924 3651
E-Mail: grossmann@virginia.edu

Verena Müller Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

Stephanstraße 1a
04103 Leipzig
Postfach 500355
04303 Leipzig
Deutschland
Sachsen


Bettina Hennebach
Telefon: 0341 9940-148
E-Mail-Adresse: hennebach@cbs.mpg.de 

Originalpublikation:
Grossmann T, Missana M, Krol KM (2018) The neurodevelopmental precursors of altruistic behavior in infancy. PLOS Biology 16(9): e2005281. https://doi.org/10.1371/journal.pbio.2005281