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PIA - Psychiatrische Institutsambulanz: psychosoziale Unterstützung - wirklichkeitsnahe Selbsteinschätzung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Gefährliche Fehleinschätzungen bei Patienten mit angeborenen Herzfehlern

Angeborene Herzfehler sind schwere chronische Erkrankungen. 

Trotzdem schätzen die meisten Patienten mit angeborenen Herzfehlern im Alter zwischen zehn und 30 Jahren ihre eigene Gesundheit als gut bis sehr gut ein. 

  • Auch fühlen sie sich in ihrem Alltag kaum beeinträchtigt. Beratung durch Psychologen oder Sozialarbeiter nehmen nur sehr wenige Patienten in Anspruch. 

Zu diesem aus Expertensicht bedenklichen Ergebnis kommt eine vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) geförderte Studie des Nationalen Registers für angeborene Herzfehler. 
 
„Grundsätzlich ist es sehr erfreulich, dass die Patienten ihren Gesundheitszustand so positiv bewerten“, sagt Paul Helm, Psychologe und einer der Autoren der Studie.

„Trotzdem hat uns das Ergebnis auch beunruhigt. Schließlich geht es um schwere chronische Erkrankungen, die mit erheblichen Beeinträchtigungen verbunden sind und eine kontinuierliche medizinische Vorsorge und Betreuung erfordern.“

  • Wird die eigene Gesundheit falsch eingeschätzt und daher die notwendige Gesundheitsvorsorge vernachlässigt, kann das zu lebensbedrohlichen Folgeerkrankungen führen.

An der Studie des Nationalen Registers für angeborene Herzfehler nahmen 587 Patienten mit leichten und komplexen Herzfehlern im Alter zwischen zehn und 30 Jahren sowie 231 Eltern von Patienten teil.

Die Eltern bewerteten den gesundheitlichen Status ihrer Kinder sogar noch besser als diese selbst.

Auch alltägliche Einschränkungen wurden von ihnen als schwächer angesehen als von ihren betroffenen Kindern. Für die Wissenschaftler ein Anzeichen dafür, wie nötig gezielte Beratung und Unterstützung für die Patienten und ihre Angehörigen ist.

Bessere Einschätzung durch psychosoziale Unterstützung

Doch noch werden Unterstützungsangebote durch Sozialarbeiter oder Psychologen wenig wahrgenommen. Nur 6,5 Prozent der Patienten gaben an, solche Angebote genutzt zu haben.

  • Helm hält das für bedenklich. Denn die wenigen Patienten, die psychosoziale Unterstützung erhalten hatten, beurteilten ihre Gesundheit und die damit verbundenen alltäglichen Schwierigkeiten durchaus realistischer als der Durchschnitt. Und so eine wirklichkeitsnahe Selbsteinschätzung ist laut dem Experten wichtig und wünschenswert für den richtigen Umgang mit der Erkrankung.

Eine mögliche Erklärung für die positive Bewertung durch die Patienten sei, dass man den Unterscheid zwischen gesund und krank selbst nie erlebt hat, wenn man eine angeborene Erkrankung hat, vermutet der Psychologe. 

Außerdem belegen die Zahlen der Studie, dass unter den befragten Teilnehmern insbesondere Jugendliche ihre Gesundheit falsch einschätzen. „In der Übergangsphase vom Kind zum Erwachsenen leiden viele der Patienten darunter, nicht mit den Altersgenossen mithalten zu können und haben Angst, deshalb ausgegrenzt zu werden“, erklärt Helm. „Dass man krank ist, wird deshalb oft heruntergespielt.“

Psychosoziale Unterstützung kann hier einen wertvollen Beitrag leisten, um sich selbst richtig einzuschätzen und einen positiven Umgang mit der Krankheit zu lernen.

Hilfe ist weder uncool noch verrückt

Die Wissenschaftler nehmen außerdem an, dass viele Patienten und auch ihre Eltern aus Angst vor einer Stigmatisierung keinen Psychologen oder Sozialarbeiter aufsuchen.

„Ein zentrales Ziel ist es deshalb, in den Köpfen fest zu verankern, dass es alles andere als schwach, verrückt oder uncool ist, sich professionelle Hilfe zu holen“, wünscht sich Dr. Ulrike Bauer, Ärztin und Geschäftsführerin des Nationalen Registers für angeborene Herzfehler.

Denn von sich aus geeignete Hilfe anzufordern, ist laut der Ärztin der Schlüssel zu einer guten Lebensqualität. Adressen von seriösen Unterstützungsangeboten gibt es beim behandelnden Arzt und beim Bundesverband Herzkranke Kinder e. V.

Originalarbeit: Helm PC, Kempert S, Koerten M-A, Lesch W, Specht K, Bauer UMM. Congenital heart disease patients’ and parents’ perception of disease-specific knowledge: Health and impairments in everyday life. Congenital Heart Disease. 2018;00:1–7. DOI: 10.1111/chd.12581


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Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK)

Paul Helm, Nationales Register für angeborene Herzfehler, helm(at)kompetenznetz-ahf.de

Dr. Ulrike Bauer, Kompetenznetz Angeborene Herzfehler, ubauer(at)kompetenznetz-ahf.de

Oudenarder Straße 16
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Christine Vollgraf
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Halbmarathon Berlin: Rettungsstellen-Kanzel

Medizin am Abend Berlin Fazit: Langzeit-Sterblichkeit nach Herzinfarkt: Alter, Gewicht und Akuttherapie sind entscheidende Faktoren

  • Eine erfolgreiche Katheter-Intervention nach einem Herzinfarkt ist der wichtigste Faktor, der die Langzeit-Sterblichkeit positiv beeinflusst. 

Untergewichtige haben schlechtere Karten als leicht übergewichtige Menschen. 

Das zeigt eine Studie des Bremer Instituts für Herz- und Kreislaufforschung, die auf der DGK-Jahrestagung in Mannheim vorgestellt wurde. 
 
Etwa ein Viertel interventionell behandelter Herzinfarkt-Patienten sind nach fünf Jahren nicht mehr am Leben. 

Neben dem Alter der Patienten und der Schwere des Infarkts ist die Langzeit-Sterblichkeit auch vom Body-Mass-Index abhängig. Der wichtigste Faktor zum Erreichen einer niedrigen 5-Jahres-Mortalität ist die erfolgreiche Durchführung einer Katheter-Intervention (PCI) in der Akuttherapie des Infarktes. Das sind zentrale Ergebnisse einer Untersuchung des Bremer Instituts für Herz- und Kreislaufforschung am Klinikum Links der Weser, die auf der 84. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim präsentiert wurde Vom 4. bis 7. April 2018 trafen zu diesem Kongress mehr als 8.500 aktive Teilnehmer zusammen.

Ausgewertet wurden die 5-Jahres-Nachbeobachtungsdaten von Patienten, die von Januar 2006 bis Dezember 2012 wegen eines ST-Hebungs-Myokardinfarkts (STEMI) interventionell behandelt wurden. Im Bremer STEMI-Register (BSR) sind seit 2006 Daten aller STEMI-Patienten in einer großen Region in Nordwest-Deutschland mit rund einer Million Einwohner erfasst.

Es wurden 3.736 Patienten untersucht. 95,3 Prozent der Patienten hatten in der Akuttherapie eine erfolgreiche Katheter-Intervention erhalten. Die Akut-Mortalität der Patienten betrug 8,4 Prozent, nach fünf Jahren waren 21,3 Prozent der Patienten verstorben.

Prädiktoren der 5-Jahres-Mortalität: Alter, BMI, erfolgreiche PCI

Die stärksten Prädiktoren für ein erhöhtes Langzeit-Mortalitätsrisiko waren ein Alter über 75, eine eingeschränkte Nierenfunktion mit Kreatininwerten von oder über 2 mg/dl  
und die Größe des Infarkts mit CPK-Werten von oder über 3000 U/I. 

Ein Body-Mass-Index zwischen 25 und 35 kg/m² war mit einer niedrigeren Langzeit-Mortalität assoziiert, während bei einem BMI von mehr als 35 kg/m² keine signifikante Assoziation zur Mortalität bestand und ein BMI von weniger als 20 kg/m² mit einer signifikant erhöhten Mortalität assoziiert war. 

  • Die Klinik-Aufnahme der Herzinfarkt-Patienten am Wochenende oder an einem Werktag hatte keinen Einfluss auf die Mortalität.

„Bezüglich therapeutischer Maßnahmen zeigte sich, dass eine erfolgreiche PCI mit einer deutlichen Senkung der Langzeit-Mortalität assoziiert war“, berichten die Studienautoren.

„Auch der Einsatz des neuen Thrombozytenaggregationshemmers Prasugrel versus Clopidogrel war mit einer geringeren 5-Jahres-Sterblichkeit verbunden.“

Der Einsatz von speziellen Systemen zur Thromben-Absaugung (Thrombaspiration) blieb hingegen ohne Effekt auf die Mortalität.

Quelle: A. Kudaibergenow et al. 5-Jahres-Outcome nach STEMI – welche Patienten haben den bes-ten Langzeit-Verlauf? Clin Res Cardiol 107, Suppl 1, April 2018

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Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

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Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 10.000 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org

HEUTE: Berliner Halbmarathon 2018: Deine Stimme zählt

Medizin am Abend Berlin Fazit: Outsport

Europäisches Forschungsprojekt gestern  gestartet
 
Die Deutsche Sporthochschule Köln forscht im Rahmen eines EU-Projektes zu den Erfahrungen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans- und Intersexuellen im Sport.

Begleitet wird die Studie von der Social-Media-Kampagne #yourvoicecounts, die zur Teilnahme an der europaweiten Online-Befragung motivieren soll.
Outsport-Umfrage - Deine Stimme zählt!



Outsport-Umfrage - Deine Stimme zählt!

Das Projekt verfolgt das Ziel, Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, um Diskriminierung und Gewalt im Sport aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität entgegen zu wirken. Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen und Intersexuellen (LGBTI) soll auf diese Weise die Teilnahme am Sport auf allen Ebenen erleichtert werden.

Als Grundlage für die Entwicklung dieser Maßnahmen führt das Institut für Soziologie und Genderforschung der Deutschen Sporthochschule Köln unter der Leitung von Professorin Dr. Ilse Hartmann-Tews eine wissenschaftliche Studie durch.

Die europaweite Online-Befragung richtet sich an alle LGBTI, die älter als 16 Jahre sind und in der Europäischen Union Leben. Auch sportlich inaktive Personen sind ausdrücklich zur Teilnahme eingeladen. Erste Ergebnisse werden Ende 2018 veröffentlicht (www.out-sport.eu).

Für eine weitreichende Verbreitung des Fragebogens startet zeitgleich die Kommunikationskampagne #yourvoicecounts. 

Über Soziale Medien und weitere Informationskanäle werden Fotos und Videos mit bekannten FürsprecherInnen veröffentlicht, die zur Teilnahme an der Studie aufrufen.

Outsport wird über das Förderprogramm Erasmus+ durch die Europäische Kommission finanziert.

Das Verbundprojekt wird in Zusammenarbeit von fünf europäischen Partnern durchgeführt:

Italian Association for Culture and Sport (AICS), LEAP Sports Scotland, Wiener Institut für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit (VIDC), FRIGO Hungary, Deutsche Sporthochschule Köln (DSHS Köln).

Zur Online-Umfrage:

Die europaweite Online-Umfrage in sechs verschiedenen Sprachen (Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch und Ungarisch) kann unter folgendem Link abgerufen werden:  

https://ww2.unipark.de/uc/Projekt_Outsport/ed19/

Informationsmaterial:

Das gesamte Informationsmaterial der Kampagne ist hier abrufbar:  


http://www.out-sport.eu/?page_id=2585&lang=de


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Univ.-Prof. Dr. phil.
Ilse Hartmann-Tews
Institut für Soziologie und Genderforschung
Tel.: 0221 4982-3770
i.hartmann@dshs-koeln.de

Sabine Maas Deutsche Sporthochschule Köln
Am Sportpark Müngersdorf 6
50933 Köln
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Sabine Maas
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Defektes Uhr-Gen: Innere biologische Uhr von Leber, Herz, Niere - zirkadianischen Rhythmus

Medizin am Abend Berlin Fazit: Innere Uhr gibt den Kraftwerken der Zellen den Rhythmus vor

  • Auch der Energiestoffwechsel innerhalb von Zellen folgt dem Rhythmus der inneren Uhr. 

Wie das genau funktioniert, zeigt eine Studie der Universität Basel, die erstmals die Wechselbeziehung zwischen dem zirkadianischen Rhythmus und dem mitochondrialen Netzwerk beleuchtet. 

Der rund 24 Stunden lange zirkadianische Rhythmus beeinflusst den Energiestoffwechsel von Mitochondrien.Innere Uhr gibt den Kraftwerken der Zellen den Rhythmus vor. Der rund 24 Stunden lange zirkadianische Rhythmus beeinflusst den Energiestoffwechsel von Mitochondrien.
(Illustration: Universität Basel)
 
  • In unserem Körper ticken unzählige, genetisch gesteuerte innere Uhren, zum Beispiel in den Zellen der Leber, der Nieren, und des Herzens. Sie leiten unter anderem viele Stoffwechselprozesse in die Wege, damit diese zur optimalen Tageszeit ablaufen.
  • Eine wichtige Rolle bei diesen Prozessen in den Zellen spielen die Mitochondrien – kleine Organellen, die in fast jeder Zelle vorkommen und sie mit Energie versorgen. 
  • Unklar war bislang, wie der rund 24 Stunden lange zirkadianische Rhythmus den Energiestoffwechsel genau reguliert.

Teilungsprotein gibt den Rhythmus vor

In den meisten Zellen verbinden sich Mitochondrien zu einem sich ständig wandelnden Netzwerk, das sich an verschiedene Bedingungen anpassen kann. So können Mitochondrien miteinander verschmelzen und sich auch wieder teilen. Gerät diese Dynamik aus Fusions- und Teilungsprozessen aus dem Gleichgewicht, kann dies zu Krankheiten führen.

Wie das mitochondriale Netzwerk genau mit der inneren biologischen Uhr zusammenhängt, haben Forscher nun in vitro und anhand von Mausmodellen untersucht, die ein defektes Uhr-Gen aufwiesen oder bei denen die mitochondriale Teilung gestört war.

So konnten sie zeigen, dass die Abfolgen von mitochondrialen Teilung und Fusion durch das Teilungsprotein Drp1 gesteuert wird, das wiederum von einer inneren biologischen Uhr getaktet wird.

Dieser Rhythmus bestimmt wesentlich, wann die Mitochondrien wieviel Energie bereitstellen können.

«Die Tageszeit bestimmt die Gestalt des mitochondrialen Netzwerks, und dieses beeinflusst wiederum die Energiekapazität der Zellen», fasst Studienleiterin Prof. Dr. Anne Eckert von der Transfakultären Forschungsplattform Molecular and Cognitive Neurosciences MCN der Universität Basel die Resultate zusammen.

Wechselwirkung zwischen innerer Uhr und Energieproduktion

Die Forscher konnten zudem zeigen, dass das mitochondriale Netzwerk seinen Rhythmus verliert, wenn die zirkadiane Uhr gestört ist, wodurch die Energieproduktion in der Zelle abfällt.

Ähnlich führt eine pharmakologische oder genetische Hemmung des Teilungsprotein DRP1 zu einem Verlust der Rhythmik in der Energieproduktion, was seinerseits den Takt der inneren Uhr beeinträchtigt.

Diese Befunde können bei der Entwicklung von therapeutischen Strategien eine Rolle spielen, zum Beispiel für Erkrankungen, bei denen sowohl Störungen der inneren Uhr als auch eine beeinträchtigte mitochondriale Funktion beschrieben sind wie zum Beispiel bei der Alzheimerkrankheit.

An der Studie, die im Fachmagazin «Cell Metabolism» erschienen ist, waren unter anderem Forschende der Universität Basel, der Universität Zürich und der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel beteiligt.

Originalbeitrag

Karen Schmitt, Amandine Grimm, Robert Dallmann, Bjoern Oettinghaus, Lisa Michelle Restelli, Melissa Witzig, Naotada Ishihara, Katsuyoshi Mihara, Jürgen A. Ripperger, Urs Albrecht, Stephan Frank, Steven A. Brown, Anne Eckert
Circadian Control of DRP1 Activity Regulates Mitochondrial Dynamics and Bioenergetics
Cell Metabolism (2018), doi: 10.1016/j.cmet.2018.01.011

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Prof. Dr. Anne Eckert, Universität Basel
Transfakultäre Forschungsplattform Molecular and Cognitive Neurosciences / Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel, Tel. +41 61 325 5487, E-Mail: anne.eckert@unibas.ch

Petersgraben 35, Postfach
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Cornelia Niggli
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Polizeibeamte - Körperverletzung: Opferstudie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Opferstudie zu rechtswidriger Polizeigewalt startet

Obwohl sie immer wieder Thema öffentlicher Debatten ist, gibt es kaum empirische Untersuchungen über Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamte. 

Ein auf zwei Jahre angelegtes Projekt am Lehrstuhl für Kriminologie der Ruhr-Universität Bochum, das am 1. März 2018 startet, soll das ändern. 

Erstmals nehmen die Forscherinnen und Forscher die Opferperspektive ein und ermitteln, welche Personen in welchen Situationen Opfer von Gewalt durch Polizeibeamte werden, wer warum Anzeige erstattet oder nicht und wie das Dunkelfeld aussieht. 

Das Projekt unter Leitung von Prof. Dr. Tobias Singelnstein wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. 

Angeklickt

Projektwebseite http://kviapol.rub.de/

 
Opferbefragung und Experteninterviews

Das Forscherteam wird eine quantitative Opferbefragung durchführen, um systematisch Daten zu Opfern rechtswidriger Polizeigewalt zu erheben. „Wir wollen wissen, ob es zum Beispiel bestimmte Personengruppen gibt, die ein höheres Risiko tragen, Opfer von Gewalt durch Polizeibeamte zu werden“, erläutert Tobias Singelnstein.

Die Ergebnisse dieser Erhebung werden die Forscher vertiefen und ergänzen, indem sie qualitative Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern von Polizei, Staatsanwaltschaft, Opferberatungsstellen und weiteren Experten sowie Anwältinnen und Anwälten durchführen.

Beirat sichert die Qualität

Ein interdisziplinärer Beirat begleitet und unterstützt das Projekt. Er soll sich aus Vertreterinnen und Vertretern von Opferverbänden, der Polizei, Justiz-Praxis, Wissenschaft und Medien zusammensetzen. „Der Beirat soll dazu beitragen, dass die Perspektiven der verschiedenen beteiligten Gruppen und Akteure angemessen Eingang finden“, so Singelnstein.

Außerdem soll er den Forschern helfen, Ansprechpartner für die empirischen Erhebungen zu finden, die Qualität der Ergebnisse sichern und zur Vermittlung der Forschungsergebnisse beitragen.

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Prof. Dr. Tobias Singelnstein
Lehrstuhl für Kriminologie
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Ruhr-Universität Bochum
Tel: 0234 32 25245
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Meike Drießen Ruhr-Universität Bochum

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Regelschmerzen während der Periode: Akupressur mit App Luna

Medizin am Abend Berlin Fazit: Akupressur bei Regelschmerzen

Lassen sich Regelschmerzen mit Akupressur nachhaltig reduzieren? 

Ist die Selbsthilfe per Smartphone-App für junge Frauen besonders attraktiv? 

Diese Fragen haben Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin in einer aktuellen Studie untersucht. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin American Journal of Obstetrics and Gynecology* veröffentlicht.  
  • Rund 50 bis 90 Prozent aller jungen Frauen kennen Schmerzen während der Periode, die sich vor allem in intensiven Krämpfen im Unterbauch äußern. 
Weitere Symptome können Kopf- und Rückenschmerzen sowie Übelkeit oder Durchfall sein.

Akupressur ist ein Verfahren aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), das im Vergleich zur Akupunktur die Möglichkeit bietet, es selbst zu Hause durchzuführen.

Dabei werden die entsprechenden Punkte am Körper nicht genadelt, sondern gedrückt beziehungsweise massiert.

Das Forscherteam wollte herausfinden, ob sich die Beschwerden bei 18- bis 34-jährigen Frauen mit starken Regelschmerzen durch die Selbstakupressur nachhaltiger reduzieren lassen als mit der alleinigen Normalversorgung, beispielsweise mit Schmerztabletten oder hormonellen Kontrazeptiva. 

Dafür wurden die 221 Teilnehmerinnen den zwei Studiengruppen zufällig zugeteilt: Beide Gruppen erhielten eine Studien-App inklusive einer kurzen Einweisung; nur die Interventionsgruppe bekam eine App-Version, die die Selbstakupressur kurz vor und während der Menstruation anleitete. Vorteil einer App ist insbesondere die bildhafte Darstellung, die genau zeigt, welchen Punkt die Probandinnen für den gewünschten Heilungseffekt drücken müssen, sowie regelmäßige Erinnerungen. Darüber hinaus wurden die gesamten Studiendaten über die App erhoben.

„Ursprünglich wollten wir nur eine Studie zu Selbsthilfeverfahren bei Regelschmerzen durchführen. Wir hatten aber betroffene Frauen schon bei der Planung mit einbezogen und diese haben sich eine App gewünscht“, berichtet Studienleiterin Prof. Dr. Claudia Witt vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie. Die App habe den Probandinnen geholfen, eine einfache Selbstakupressur von drei Akupunkturpunkten durchzuführen.

Nach drei Monaten in der Akupressurgruppe erreichten 37 Prozent der Teilnehmerinnen eine fünfzigprozentige Schmerzreduktion. Nach sechs Monaten waren es mit 58 Prozent sogar mehr als die Hälfte. In der Kontrollgruppe waren es zu beiden Zeitpunkten rund fünfundzwanzig Prozent der Teilnehmerinnen.

  • Zudem musste die Akupressurgruppe weniger Schmerzmedikamente einnehmen und berichtete insgesamt über eine geringere Schmerzintensität als die Kontrollgruppe.

„Wir waren erstaunt, dass nach sechs Monaten noch zwei Drittel der Teilnehmerinnen die Selbstakupressur weiterhin durchführten.

Bisher ist der medizinische Nutzen von Apps wenig untersucht und nur für einige von ihnen wurden überhaupt randomisierte kontrollierte Studien durchgeführt“, sagt Dr. Daniel Pach vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie.

Er ergänzt: „Wir konnten zeigen, dass sich auch eine App gut in einer klinischen Studie untersuchen lässt.

Allerdings mussten wir trotz unserer großen Erfahrung bei der Durchführung von ‚klassischen‘ Studien auch viel Neues dazulernen – was sehr spannend und erkenntnisreich für uns war.“

  • Die App Luna wurde für iOS gerade noch einmal inhaltlich und technisch aktualisiert.

*Susanne Blödt, Daniel Pach, Sanna von Eisenhart-Rothe, Fabian Lotz, Stephanie Roll, Katja Icke, Claudia M. Witt: Effectiveness of app-based self-acupressure for women with menstrual pain compared to usual care: a randomized pragmatic trial. In: American Journal of Obstetrics and Gynecology, Volume 218, Issue 2, February 2018, Pages 227.e1-227.e9. DOI: 10.1016/j.ajog.2017.11.570.

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Tumorzellen und das Immunsystem: PD--Antikörper

Medizin am Abend Berlin Fazit: Tumorzellen legen Immunsystem lahm

Krebsverursachende Genmutation schwächt gleichzeitig Immunzellen / Erster Patient erfolgreich behandelt / Publikation in Science Translational Medicine 
 
Dass Krebserkrankungen von einer Schwäche des Immunsystems profitiert, ist seit längerem bekannt.

Je weniger effektiv Immunzellen arbeiten, desto leichter können sich Tumorzellen bilden und verbreiten.

Bislang war jedoch unklar, wie Tumorzellen selbst dazu beitragen, das Immunsystem lahmzulegen.

Eine internationale Forschergruppe um Prof. Dr. Robert Zeiser, Oberarzt und Leiter der Sektion für Tumorimmunologie an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg, konnte nun zeigen, dass dafür eine spezifische Genmutation verantwortlich ist.

Diese Mutation führt zur unkontrollierten Vermehrung von Zellen und schwächt gleichzeitig Stoffwechsel und Zellaktivität von T-Immunzellen, so dass diese die Tumorzellen weniger gut attackieren können. 

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscherinnen und Forscher am 21. Februar 2018 in der renommierten Fachzeitschrift Science Translational Medicine.


Prof. Dr. Robert Zeiser, Oberarzt und Leiter der Sektion für Tumorimmunologie an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg
Prof. Dr. Robert Zeiser, Oberarzt und Leiter der Sektion für Tumorimmunologie an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg DKFZ/Uwe Anspach Tumorzellen legen Immunsystem lahm

Die Tumorspezialisten untersuchten zunächst eine Genmutation, die bekanntlich für eine Reihe seltener, bösartiger Erkrankungen des Knochenmarks verantwortlich ist. Bei diesen sogenannten myeloproliferativen Neoplasien (MPN) ist ein Molekül verändert, das die Zellteilung reguliert. 

  • Aufgrund der Mutation kann das Molekül JAK2 bei den Patienten nicht mehr ausgeschaltet werden und die betroffenen Zellen beginnen, sich ungebremst zu teilen – es kommt zur Krebserkrankung.

Die Wissenschaftler untersuchten in Zellkulturen und im Mausmodell die Auswirkung der Mutation auf das Immunsystem. „Wir wussten, dass JAK2 in der Nähe eines Gens liegt, das die Immunabwehr hemmt. Darum haben wir die Auswirkungen der Mutation auf das Immunsystem unter die Lupe genommen“, sagt Prof. Zeiser. Im Labor konnten Alessandro Prestipino und Alica Emhardt, Doktoranden in Prof. Zeisers Arbeitsgruppe und Erstautoren der Studie, zeigen, dass in Zellen mit überaktivem JAK2 auch das Molekül Programmed death ligand-1 (PD-L1) verstärkt vorhanden war.

Dieses verteilt sich im gesamten Blutkreislauf und hemmt Stoffwechsel und Zellteilung der T-Immunzellen. Folglich konnten diese Immunzellen weniger effektiv gegen die Tumorzellen vorgehen. „Die für die Tumorentstehung verantwortliche Mutation legt gleichzeitig das Immunsystem lahm und begünstigt so die Ausbreitung der Tumorzellen“, fasst Prof. Zeiser die Erkenntnisse der Forscher zusammen.

Der neu entdeckte Mechanismus liefert einen vielversprechenden Ansatzpunkt zur Entwicklung wirksamer Therapien für MPN-Patienten.

„Wir hoffen, dass eine medikamentöse Senkung der PD-L1-Aktivität das Immunsystem bei der Bekämpfung des Tumors entscheidend unterstützen kann“, sagt Zeiser.

Bei einem ersten Patienten zeigte die Behandlung mit PD-1-Antikörpern, die bereits für die Behandlung anderer Krebserkrankungen zugelassen sind, gute Ergebnisse.

In einer klinischen Studie soll nun in den USA überprüft werden, wie eine große Zahl von MPN-Patienten auf die Behandlung reagiert.

Titel der Original-Studie: Oncogenic JAK2V617F causes PD-L1 expression, mediating immune escape in myeloproliferative neoplasms
DOI: 10.1126/scitranslmed.aam7729
Link zur Studie: http://stm.sciencemag.org/content/10/429/eaam7729

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Prof. Dr. Robert Zeiser
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Klinik für Innere Medizin I
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-34010
robert.zeiser@uniklinik-freiburg.de

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Glioblastomtherapie mit Methadon?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Hirntumor: Methadon verstärkt nicht die Wirksamkeit der Chemotherapie

Viele Glioblastom-Patienten werden in Deutschland mit Methadon behandelt und zwar ohne Datengrundlage aus klinischen Studien. 

  • Nun sprechen neueste Forschungsergebnisse in der Zellkultur gegen eine Wirkung dieser Substanz bei bösartigen Hirntumoren. 

Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) stellten auf dem 33. Deutschen Krebskongress vom 21. bis 24. Februar 2018 in Berlin ihre experimentellen Befunde vor. 
 
„Diese aktuellen Daten widerlegen die Hypothese, dass Methadon beim Glioblastom die Wirkung einer Chemotherapie in der Zelle verstärkt“, kommentiert Professor Uwe Schlegel, einer der federführenden Autoren für die Leitlinie „Hirntumoren“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Mitglied im Beirat der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft in der Deutschen Krebsgesellschaft. Hirntumor-Experten der DGN raten davon ab, Methadon außerhalb von kontrollierten klinischen Studien einzusetzen.
  • Glioblastome zählen zu den Krebserkrankungen mit besonders schlechter Prognose. 

Hoffnungen auf den Nutzen von Methadon als begleitende Therapie, welche die Wirkung von Chemotherapeutika beim Glioblastom verstärken soll, haben viele Patienten und Angehörige stark verunsichert. Zahlreiche Patienten fordern Methadon ein, obwohl es keine wissenschaftlich gesicherten Belege für seine Wirksamkeit beim Glioblastom gibt. Darauf wiesen die Neuroonkologische Arbeitsgemeinschaft in der Deutschen Krebsgesellschaft sowie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie bereits im Jahre 2015 hin. Nun liegen neue Daten aus Zellkulturexperimenten vor, in denen sich das Opioid Methadon als wirkungslos erwies.

Für die Studie untersuchten die Forscher im Labor den spezifischen Effekt von Methadon auf Glioblastomzellen. Dafür behandelten sie Zellkulturen des bösartigen Hirntumors – entweder mit dem Chemotherapie-Medikament Temozolomid allein, mit Methadon allein oder mit einer Kombination aus Temozolomid und Methadon. Unbehandelte Zellkulturen dienten als Kontrolle.

„Leider mussten wir feststellen, dass Methadon die Wirksamkeit der Chemotherapie nicht verstärkt. 

Das Opioid hat keinerlei sensibilisierende Wirkung für die bei Glioblastomen eingesetzte Standardtherapie mit Temozolomid. 

Auch Methadon allein hat keinen nachweisbaren Effekt auf das Überleben oder Sterben der Krebszellen“, erklärt der Leiter der Arbeitsgruppe, Professor Wolfgang Wick, Direktor der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg.

Andockstellen für Methadon fehlen

Die Forscher fanden auch eine mögliche Erklärung für die fehlende Wirksamkeit von Methadon:

In der überwiegenden Mehrzahl der Zellen von humanen Glioblastomen fehlte die spezifische Andockstelle, der Opioidrezeptor, für das Medikament. 

Ohne Andockstelle an der Krebszelle kann Methadon keine Anti-Tumor-Wirkung entfalten. „Opioidrezeptoren sind offenbar recht exklusiv auf spezialisierten Nervenzellen exprimiert“, erläutert Professor Schlegel. 

 „In der aktuellen Studie ist mit Zellen gearbeitet worden, die der Situation beim Patienten ähnlich sind“, so der Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Bochum weiter. „Sie besitzen ebenso wie reale Glioblastome im Menschen keine Opioidrezeptoren und können leider deshalb gar nicht auf Methadon ansprechen.“

Diese neuen Erkenntnisse sprechen gegen einen Einsatz von Methadon als unterstützende Behandlung zur Chemotherapie bei Glioblastom. „Außerhalb von klinischen Studien ist von einer „supportiven“ Methadon-Therapie des Glioblastoms dringend abzuraten“, betont Schlegel.
  • Auf die Wirkung von Methadon auf andere Tumorentitäten oder andere Chemotherapien lässt sich aus den Ergebnissen nicht schließen.

Quellen

Latzer P, Kessler T, Sahm F, Rübmann P, Hielscher T, Platten M, Wick W. Methadone does not increase toxicity of temozolomide in glioblastoma cells. Poster 33. Deutscher Krebskongress, 21.–24. Februar 2018, Berlin; Oncol Res Treat 2018;41(suppl 1):1–221

„Gliomtherapie mit Methadon: bisher nur experimentell getestet – Wirkung beim Menschen völlig unklar“; Gemeinsame Stellungnahme der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft in der Deutschen Krebsgesellschaft (NOA) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) vom 26. März 2015

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Prof. Dr. Wolfgang Wick
Neurologische Klinik & Nationales Centrum für Tumorerkrankungen
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Direktor der Klinik für Neurologie am
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Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren rund 9000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

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ZNA-RettungsKanzel: Calciumaufnahme: Herzschwäche mit beinträchtiger Energiegewinnung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Regulierung der Calciumaufnahme in Herzmuskelzellen könnte Kindern mit Herzschwäche helfen

Eine Herzschwäche ist oft genetisch bedingt und erfordert bei vielen Betroffenen eine Herztransplantation. 

Das Barth-Syndrom ist eine der Erbkrankheiten, die zu dieser krankhaften Veränderung des Herzmuskels führt. 

Es betrifft nur Jungen und tritt schon im frühen Kindesalter auf. 

Einen wichtigen neuen Einblick in den Krankheitsmechanismus hat jetzt das Forschungsteam um Prof. Dr. Christoph Maack entdeckt. 

  • Die durch den Gendefekt beeinträchtige Energiegewinnung der Herzmuskelzellen hängt mit dem Calciumhaushalt zusammen, wie die Forscher vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) jetzt herausgefunden haben. 
 
Frühere Arbeiten deuteten bereits darauf hin, dass eine Störung der Atmungskette in den Kraftwerken der Zelle, den Mitochondrien, bei den Patienten mit Barth-Syndrom die Entwicklung der Herzschwäche zur Folge hat.

  • Denn das Barth-Syndrom geht auf einen Defekt des Tafazzin-Gens zurück. 

Dieser Gen-Defekt beeinträchtigt die Produktion von Cardiolipin, einem wichtigen Bestandteil der Mitochondrienmembran.

Ein Mangel an Cardiolipin stört nach bisherigen Erkenntnissen die Aneinanderreihung der Atmungskette in der Mitochondrienmembran, wodurch weniger Energie in Form von ATP (Adenosintriphosphat) produziert wird. Gleichzeitig gleiten Elektronen ab und produzieren gefährliche Sauerstoffradikale. 

Der Energiemangel und der „oxidative Stress“ beeinträch-tigen die Herzfunktion.

Calciumdefekt = weniger Energie + mehr Sauerstoffradikale 


Da ein wichtiger Prozess an der Mitochondrienmembran auch der Transport von Calcium über Kanäle ist, nahm die Arbeitsgruppe um Christoph Maack vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) das Zusammenspiel zwischen den Calciumspeichern der Zellen und den Mitochondrien genauer unter die Lupe.

  • Denn sowohl die Energie-Produktion als auch die Entgiftung von Sauerstoffradikalen ist auf die Aufnahme von Calcium angewiesen.  

Und tatsächlich: In Untersuchungen von Mäusen, die einen vergleichbaren Defekt des Tafazzin-Gens hatten wie Patienten mit Barth-Syndrom, stellte sich heraus, dass den Defekten in der Atmungskette eine frühe und deutliche Beeinträchtigung der Calciumaufnahme in Mitochondrien vorausgeht.

„Die fehlende Calciumaufnahme beeinträchtigt die notwendige Aktivierung des Citratzyklus, welcher Elektronen für die ATP Herstellung an der Atmungskette, aber auch für die Entgiftung von Sauerstoffradikalen herstellt.

Hierdurch kann die defekte mitochondriale Calciumaufnahme sowohl das Energiedefizit als auch den oxidativen Stress erklären, die bei der Erkrankung typischerweise beobachtet werden“, erklärt Christoph Maack.

Herzschwäche ist dominantes Merkmal des Barth-Syndroms


Edoardo Bertero fügt hinzu: „Interessant war bei den Arbeiten, dass wir diesen Calciumdefekt ausschließlich in den Mitochondrien der Herzmuskelzellen, aber nicht in den Mitochondrien der Skelettmuskeln oder des Gehirns beobachtet haben“, erklärt Edoardo Bertero vom DZHI. „Dies könnte erklären, warum die Herzschwäche ein dominantes Merkmal des Barth-Syndroms ist. Da dieser Befund auch in Stammzellen von Patienten mit Barth Syndrom bestätigt wurde, glauben wir, dass dieser neue und weitreichende Befund auch für den Menschen gilt.

Daher könnte die Regulierung der gestörten Calciumaufnahme ein vielversprechendes therapeutisches Ziel für die Behandlung dieser Krankheit sein.“

DZHI untersucht auf Mitochondrien abzielende Therapie-Ansätze
Ein mögliches Therapiekonzept sind Medikamente, die in Mitochondrien aufgenommen werden und dort den oxidativen Stress verringern. „Eines dieser Medikamente ist derzeit bereits in klinischer Erprobung bei Herzschwäche und bindet an Cardiolipin, dem Membranbestandteil, der beim Barth Syndrom verändert ist“, berichtet Christoph Maack. „Es ist derzeit aber noch unklar, ob dieses Medikament bei der Erkrankung wirksam ist. Diesen und andere auf Mitochondrien abzielende Therapieansätze wollen wir in den nächsten Jahren am DZHI genauer untersuchen.“

Von der Deutschen Herzstiftung gefördert
Das Forschungsprojekt zum Barth Syndrom wurde bereits im Jahr 2014 mit der Margret Elisabeth Strauß-Projektförderung der Deutschen Herzstiftung mit 91.000 Euro unterstützt. Die Projektförderung hat die Weiterentwicklung der Behandlungsmethoden auf dem Gebiet der Herz-schwäche und insbesondere der Dilatativen Kardiomyopathie, einer oft genetisch bedingten Herzschwäche zum Ziel. Das Forscherteam von Christoph Maack war zu Beginn des Projekts noch am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg tätig. Seit August 2017 leitet Maack das Department Translationale Forschung am DZHI und fungiert zudem als Sprecher des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums.

Auszeichnung durch Young Investigator Award
Für die Vorstellung der ersten Forschungsergebnisse wurde der Doktorand Edoardo Bertero jetzt beim Winter Meeting der Heart Failure Association der ESC (European Society of Cardiology) in der Schweiz mit dem Young Investigator Award ausgezeichnet.
Ein wichtiger Aspekt der Forschungsarbeiten war, dass mehrere Experten aus unterschiedlichen Bereichen zu der Entdeckung beigetragen haben. „Dieser Preis stellt die Anerkennung jahrelanger Teamarbeit dar“, kommentiert Edoardo Bertero die Auszeichnung. „Erfolgreiche Forschung wird einzig und allein dadurch erreicht, dass man als Gruppe seine Bemühungen koordiniert und seine Ideen aus-tauscht. Am wichtigsten ist, dass wissenschaftliches Denken keine immanente Haltung ist, sondern eine erworbene Fähigkeit, die kontinuierlichen Fleiß und Bildung erfordert. Dafür möchte ich mich bei allen Kollegen und vor allem bei Professor Christoph Maack herzlich bedanken.“

Das traditionelle Winter Meeting der Heart Failure Association (HFA) in der Schweiz hat sich seit seiner ersten Ausrichtung im Jahr 1983 mittlerweile zum wohl besten europäischen Grundlagen-Kongress zur Herzschwäche entwickelt. Die auf dem Kongress von weltweit führenden Wissenschaftlern vorgestellte Forschung ist eine einzigartige Kombination aus Grundlagenforschung und klinischer Forschung, die darauf ab-zielt, die Mechanismen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Angriff zu nehmen und in durchführbare therapeutische Strategien umzusetzen.

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Maligner Pleuraerguss (MPE) - Wasser in der Brust

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wasser in der Brust – neue Erkenntnisse zum Pleuraerguss

Vor allem Lungenkrebspatienten leiden an malignem Pleuraerguss, bei dem sich Flüssigkeit zwischen Lungen- und Rippenfell ansammelt. 

Forscherinnen und Forscher am Helmholtz Zentrum München, Partner im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL), hatten vergangenes Jahr einen neuen Mechanismus entdeckt, wie es dazu kommt. Die aktuelle Arbeit in ‚Nature Communications‘ verfeinert das mechanistische Bild weiter. 

Die Analyse zeigt eine spezifische Reaktion von KRAS mutierten Zellen auf den Botenstoff IL-1β in Rot. Andere Botenstoffe hatten keinen Effekt (blau).
Die Analyse zeigt eine spezifische Reaktion von KRAS mutierten Zellen auf den Botenstoff IL-1β in Rot. Andere Botenstoffe hatten keinen Effekt (blau). Quelle: Helmholtz Zentrum München
 
Ein maligner Pleuraerguss (MPE) tritt häufig bei Patientinnen und Patienten mit metastasierendem Brust- beziehungsweise Lungenkrebs auf.  

Dabei handelt es sich um eine übermäßige Flüssigkeitsansammlung im Brustkorb zwischen Lungen- und Rippenfell, begleitet von bösartigen Zellen. 

Die Lunge ist von Flüssigkeit umgeben, was unter anderem zu Atemnot und Brustschmerzen (bis hin zum Tod) führen kann.


Zusammenfassung der Ergebnisse

Zusammenfassung der Ergebnisse Quelle: Helmholtz Zentrum München

„Nach wie vor ist die Ursache nicht vollends verstanden, was die Suche nach geeigneten Therapien erschwert“, erklärt Prof. Dr. Georgios Stathopoulos, Arbeitsgruppenleiter am Institut für Lungenbiologie (ILBD) und Comprehensive Pneumology Center (CPC) am Helmholtz Zentrum München. „Allerdings sind wir auf diesem Weg nun ein gutes Stück weitergekommen.“

In der aktuellen Arbeit baute das Team auf Erkenntnissen auf, die sie im Mai 2017 ebenfalls in ‚Nature Communications‘ publiziert hatten. „Damals konnten wir zeigen, dass Krebszellen mit einer bösartigen Mutation im KRAS-Gen* den Pleuraerguss auslösen“, so Dr. Antonia Marazioti, Erstautorin vom Labor für Molecular Respiratory Carcinogenesis der Universität Patras in Griechenland, welches Georgios Stathopoulos in enger Vernetzung mit seiner ILBD/CPC-Tätigkeit am Helmholtz Zentrum München ebenfalls leitet.

Dieses Wissen konnten die Autoren nun erweitern. „Unsere Versuche zeigen, dass in den mutierten Krebszellen durch Entzündungsbotenstoffe des Immunsystems – vor allem das sogenannte Interleukin-1β – ein Signalweg aktiviert wird, der langfristig den Pleuraerguss auslösen kann“, erklärt Stathopoulos.

Bei dem Signalweg spielt das Molekül IKKα** eine entscheidende Rolle, indem es wiederum weitere Botenstoffe (CXCL1) aussendet, die zu einer starken Entzündungsreaktion führen (siehe Grafik). „In der Folge wandern Immunzellen über die Milz in die Pleurahöhle ein und verursachen dort die Flüssigkeitsansammlung“, erklärt der Lungenkrebsexperte.

Doppelt hemmt besser

Um zu überprüfen, inwieweit die Ergebnisse künftig auch für die Therapie relevant sein könnten, versuchten die Forscher den entdeckten Signalweg im Versuchsmodell von zwei Seiten zu unterbinden. Dazu setzten sie sowohl einen Hemmstoff für KRAS, als auch für IKKα ein. „Tatsächlich ließ sich durch diese Doppelstrategie sowohl das Auftreten, als auch das Voranschreiten eines MPE signifikant reduzieren“, beschreibt Stathopoulos die Ergebnisse. Auch ließen sich so Resistenzen gegen eine Einzelbehandlung reduzieren.

„Fast zwei Drittel aller MPEs sind die Folge einer Lungenkrebserkrankung.

Angesichts der nach wie vor zahlreichen Raucher sind entsprechende Therapien dringend nötig“, so Georgios Stathopoulos. „Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass Medikamente gegen den von uns gefundenen Mechanismus eine Therapieoption werden könnten. Hier wollen wir künftig weiter in die Tiefe gehen und die Ergebnisse zusammen mit der Asklepios Klinik in Gauting auch im translationalen Ansatz an Lungentumorpatienten weiter bestätigen.“

Weitere Informationen

* KRAS ist bekannt dafür, eine entscheidende Rolle für das Wachstum verschiedener bösartiger Tumoren zu besitzen.

** IKKα steht für inhibitor of nuclear factor-κΒ kinase α


Hintergrund:
Die Koautoren Malamati Vreka und Georgia A. Giotopoulou sind Doktoranden in der CPC Research School und Teilnehmer am Doktoranden-Ausbildungsprogramms Helmholtz Graduate School Environmental Health, kurz HELENA.

Original-Publikation:
Marazioti, A. et al. (2018): Myeloid-derived Interleukin-1β drives oncogenic KRAS-NF-κΒ addiction in malignant pleural effusion. Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-018-03051-z

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de

Das Institut für Lungenbiologie (ILBD) gehört dem Comprehensive Pneumoloy Center (CPC) an, einem Zusammenschluss des Helmholtz Zentrums München mit dem Universitätsklinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München und den Asklepios Fachkliniken München-Gauting. Ziel des CPC ist die Erforschung chronischer Lungenerkrankungen, um neue diagnostische und therapeutische Strategien zu entwickeln. Das ILBD führt mit der Untersuchung zellulärer, molekularer und immunologischer Mechanismen von Lungenerkrankungen den Schwerpunkt der experimentellen Pneumologie an. Das CPC ist ein Standort des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL). http://www.helmholtz-muenchen.de/ilbd

Das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) ist ein nationaler Verbund, der Experten auf dem Gebiet der Lungenforschung bündelt und Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung verzahnt. Standorte sind Borstel/Lübeck/Kiel/Großhansdorf, Gießen/Marburg/Bad Nauheim, Hannover, Heidelberg und München. Ziel des DZL ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz Antworten auf offene Fragen in der Erforschung von Lungenkrankheiten zu finden und damit einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung von Prävention, Diagnose und Therapie zu leisten. http://www.dzl.de

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Prof. Dr. Georgios Stathopoulos, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Comprehensive Pneumology Center, Max-Lebsche-Platz 31, 81377 München - Tel. +49 89 3187 4846 - E-Mail: stathopoulos@helmholtz-muenchen.de