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Unterschenkelamputierten Weitspringers und Paralympics-Siegers Markus Rehm

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Wissenschaftliche Untersuchung mit Weitspringer Markus Rehm

Für die Inhalte einer japanischen TV Sendung startet in Kürze eine wissenschaftliche Untersuchung des unterschenkelamputierten Weitspringers und Paralympics-Siegers Markus Rehm. 

Für die Sendung soll vor allem geklärt werden, warum Markus Rehm so viel weiter als andere Athleten mit vergleichbarer Behinderung springt und auch mit den besten Springern der Welt ohne Behinderung mithalten kann. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Ärztestatistik  

 
Im Anschluss möchten die Wissenschaftler objektiv Erkenntnisse herausarbeiten, ob und inwiefern Markus Rehms Leistungen mit denen nicht gehandicapter Athleten vergleichbar sind und ob der u.a. vom Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) unterstellte Vorteil vorliegt.

Für weitere Studien stellt der japanische Sender den Wissenschaftlern die erlangten Daten aus der Sendung zur Verfügung.

Die internationale Studie wird vom Institut für Biomechanik und Orthopädie der Deutschen Sporthochschule Köln (Prof. Dr. Wolfgang Potthast), dem “National Institute of Advanced Industrial Science and Technology”/Human Informatics Research Institute, Tokyo (Dr. Hiroaki Hobara) und der University of Colorado Boulder, Department of Integrative Physiology, Boulder/Colorado (Dr. Alena M Grabowski) gemeinsam durchgeführt.

Markus Rehm und auch der Deutsche Behindertensportverband erhoffen sich aus den Ergebnissen die dringend benötigte Klarheit darüber, ob ein gemeinsamer Start bei nationalen und internationalen Leichtathletikwettkämpfen in Zukunft möglich sein wird. 

Die Ergebnisse sollen Anfang Juni in Köln präsentiert werden.

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Der Darm von Fernreisenden / Antibiotika-Resistenzen / Typ-2-Diabetes

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie sich Antibiotika-Resistenzen und Typ-2-Diabetes vermeiden lassen

Der Darm von Fernreisenden ist eine bisher unterschätzte Eintrittspforte für Bakterien, gegen die viele Antibiotika nicht mehr wirken. 

Dies zeigt eine Studie, für die Privatdozent Dr. Christoph Lübbert vom Universitätsklinikum Leipzig in diesem Jahr den Präventionspreis der Deutschen Stiftung Innere Medizin (DSIM) und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) erhält. Er teilt sich den mit 10 000 Euro dotierten Preis mit dem ebenfalls ausgezeichneten Tübinger Diabetologen Professor Dr. med. Norbert Stefan, dessen Arbeit erklärt, warum Diabetesprävention einigen Menschen schwerer fällt als anderen. 
 
  • Fernreisende bringen immer häufiger „Souvenirs“ mit, die ihnen gesundheitliche Probleme bereiten: fremde Krankheitserreger, gegen die Medikamente nicht wirken. 

In seiner prämierten Arbeit untersuchte Dr. Lübbert die Stuhlproben von 225 gesunden Touristen vor und nach einer Fernreise.

Das Ergebnis: Etwa 30 Prozent der Touristen waren bei der Rückkehr mit sogenannten ESBL-bildenden Enterobacteriaceae besiedelt. Diese Darmbakterien produzieren das Enzym Extended-Spectrum-Betalaktamasen, kurz ESBL. 

Das versetzt sie in die Lage, Antibiotika abzubauen, und es macht sie unempfindlich gegen Medikamente, die bei schweren Infektionen lebensrettend sein können. Besonders häufig betroffen waren Reisende, die aus Indien zurückkehrten. Auch fast jeder zweite Südostasien-Reisende erwarb den „Problemkeim“.

  • Bei über 70 Prozent der Touristen waren die ESBL-Bakterien sechs Monate nach Reiseende wieder aus dem Darm verschwunden. 

Gründliche Händehygiene bietet jedoch keinen sicheren Schutz, und die Träger der Erreger können andere anstecken.

Reisende sollten rohe Nahrungsmittel meiden, empfiehlt Dr. Lübbert. Zudem sollten Ärzte hierzulande ihre Patienten bei der Aufnahme in Kliniken nach Reisen in den letzten sechs Monaten fragen.

Nach einem Aufenthalt in Indien und Fernost könnte ein Stuhltest und die Isolation von Keimträgern sinnvoll sein, um andere Patienten zu schützen.

„Die Arbeit macht deutlich, dass weltweite Anstrengungen notwendig sind, um die weitere Ausbreitung derartiger Keime zu kontrollieren, und dass eine ausführliche Reiseanamnese notwendig ist, wenn Fernreisende eine Aufnahme in einer medizinischen Einrichtung benötigen“, sagt Professor Dr. med. Manfred Weber, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Innere Medizin (DSIM).

Die zweite prämierte Arbeit hinterfragt, warum sich eine drohende Diabeteserkrankung nicht immer wirksam verhindern lässt.

Denn das Tübinger Lebensstil-Interventionsprogramm „TULIP“ hat sich bei vielen Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko als erfolgreich erwiesen.

Gewichtsverlust senkt das Risiko, tatsächlich zu erkranken. 

  • Doch bei etwa 40 Prozent der Studien-Teilnehmer bessern sich trotz Abnahme von Körpergewicht und Fettmasse die Blutzuckerwerte nicht. 
In seiner Studie zeigte Professor Stefan, dass diese Teilnehmer schon vor Beginn der Studie eine Fettleber hatten.

Sie sezernierten deshalb das blutzuckersenkende Hormon Insulin in geringerem Maße. Damit war die Chance, unter Diät normale Blutzuckerwerte zu erreichen, um das 4,5-Fache geringer.

Professor Stefan legt nahe, dass Menschen mit einer Insulinsekretionsstörung oder einer Fettleber eine intensivierte Lebensstil-Änderung brauchen, um einen Diabetes zu verhindern. „Die Arbeit ermöglicht eine frühe Identifizierung der Risikogruppe jener Menschen, die eher einen Diabetes entwickeln. Außerdem erhalten wir durch die Ergebnisse ein besseres Verständnis diabetischer Komplikationen“, sagt Professor Dr. med. Dr. h. c. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel.

Die Deutsche Stiftung Innere Medizin zeichnet gemeinsam mit der DGIM mit dem Präventionspreis jährlich die beste aus dem deutschsprachigen Raum vorgelegte Arbeit auf dem Gebiet der Primär- und Sekundärprävention innerer Erkrankungen aus. Sowohl experimentelle Ergebnisse als auch epidemiologisch interessante Fragestellungen kommen für die Preisverleihung in Betracht. Die Jury überreicht den Preis im Rahmen ihres Jahreskongresses der DGIM in Mannheim.

Literatur:

Lübbert C, Straube L, Stein C, Makarewicz O, Schubert S, Mössner J, Pletz MW, Rodloff AC. Colonization with extended-spectrum beta-lactamase-producing and carbapenemase-producing Enterobacteriaceae in international travelers returning to Germany. Int J Med Microbiol 2015; 305: 148–56
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25547265

Stefan N, Staiger H, Wagner R, Machann J, Schick F, Häring HU, Fritsche A. A high-risk phenotype associates with reduced improvement in glycaemia during a lifestyle intervention in prediabetes. Diabetologia 2015; 58: 2877–84
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26404062

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360° TOP-Einladung zum Benchmarking-Studie Krankenhäuser - Beteiligen Sie sich bitte h e u t e !

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Was können Krankenhäuser von Singapore Airlines lernen?

Medizinökonom Prof. Dr. Dr. von Eiff von der HHL Leipzig Graduate School of Management präsentiert neuen „HHL-Vergleichs-Ansatz für Gesundheitsdienstleistungen“, mit der Kliniken besser werden können. 

Medizin am Abend Berlin: Hier geht es zu Ihrer Studien-Teilnahme:

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: HERZINFARKTE

Was können Krankenhäuser vom Ansatz der “schlanken Fertigung” des Autobauers Toyota, vom Boxenstopp in der Formel 1 oder der Fluglinie Singapure Airlines lernen, um ihre eigene strategische Position zu verbessern?

Warum differiert die durchschnittliche Verweildauer zwischen 7.5 Tagen in einem deutschen Krankenhaus zu 5.2 Tagen in einer französischen und 6.4 Tagen in einer spanischen Klinik?

Das englischsprachige Buch „International Best Practices in Health Care Management” (deutsch: „International bewährte Verfahren im Gesundheitsmanagement“), das Prof. Dr. Dr. von Eiff, Akademischer Direktor des Ludwig Fresenius Center for Health Care Management and Regulation an der HHL Leipzig Graduate School of Management, gemeinsam mit Prof. Dr. Sandra Buttigieg (University of Malta) und Prof. Cheryl Rathert, PhD (Virginia Commenwealth University) herausgegeben hat, zielt darauf ab, den internationalen Vergleichs-Prozess („Benchmarking“) im Krankenhaus-Bereich neu zu definieren.

Das Buch „International Best Practices in Health Care Management” ist im Verlag Emerald Group Publishing Limited erschienen.

Medizinökonom Prof. Dr. Dr. von Eiff von der HHL Leipzig Graduate School of Management präsentiert neuen „HHL-Vergleichs-Ansatz für Gesundheitsdienstleistungen“, mit der Kliniken besser werden können. Medizinökonom Prof. Dr. Dr. von Eiff von der HHL Leipzig Graduate School of Management präsentiert neuen „HHL-Vergleichs-Ansatz für Gesundheitsdienstleistungen“, mit der Kliniken besser werden können.
Foto: Hendrik Schmidt

Gesundheitsdienstleister können bei artfremden Branchen abgucken

Das neue „HHL Benchmarking Model for Health Services“ (deutsch: „HHL-Vergleichs-Modell für Gesundheitsdienstleistungen“) orientiert sich an der Philosophie eines sogenannten Input-Output-Models.

Gespeist wird dieser Ansatz von praktischen Beispielen aus verschiedenen Industriezweigen in zahlreichen Ländern. Prof. von Eiff erläutert: “Der Vergleichs-Prozess ist nicht als Projekt mit einem fixen Start- bzw. End-Punkt zu verstehen.

Vielmehr geht es uns um eine kontinuierliche Initiative, die Leistungskennzahlen, Prozessstrukturen und bewährte Verfahren von in ihrer Branche führenden Unternehmen miteinander vergleicht.”

Vergleiche man nur Kennzahlen, wie beispielswiese die durchschnittliche Dauer des Aufenthalts, die Kosten der Eingriffe oder die Infektionsrate, führe dies laut der Autoren leicht zu falschen Schlussfolgerungen und Entscheidungen mit oft katastrophalen Folgen.

„Es ist notwendig, über die reinen Zahlen hinaus zu sehen und so zu verstehen, wie Prozesse funktionieren und letztlich zu Best-in-Class-Ergebnissen führen“, so der Krankenhausökonom.

Vorbildliche Beispiele von ganz anderen Industrien als der Gesundheitsbranche wie aber auch aus verschiedenen Gesundheitssystemen außerhalb des eigenen Landes verschafften Krankenhäuser Vorteile hinsichtlich der Patientenorientierung, klinischer Exzellenz und Wirtschaftlichkeit.

„Das Buch kann dazu beitragen, den internationalen Austausch von Best Practices zu fördern und Beispiele dafür zu liefern, dass Länder- und gesundheitssystemüberschreitendes Lernen zur Einführung innovativer Versorgungsansätze sowie der Optimierung klinischer Prozesse dienen kann“, resümiert Prof. von Eiff.

Aktuell führt Prof. von Eiff eine Benchmarking-Studie durch, an der Krankenhäuser aufgerufen sind, sich zu beteiligen. 

Den Online-Fragebogen findet man auf der Instituts-Homepage http://www.hhl.de/chcmr

Prof. von Eiff ist Mitorganisator des HHL-Health-Care-Management-Dialogs sowie 12. Management- und Strategiekongress (MARA) am 8./9. September 2016 in Düsseldorf. Neben Trends und Chancen für eine erfolgreiche Betriebsführung von Krankenhäusern, Reha-Kliniken und MVZ können Entscheider aus der Gesundheitsbranche konkrete bewährte Verfahren („Best Practices“) kennenlernen.

Informationen: http://www.mara-kongress.de

Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff

Prof. von Eiff ist Academic Director am Ludwig Fresenius Center for Health Care Management and Regulation der HHL Leipzig Graduate School of Management. Zudem hat er hier die außerplanmäßige Professur für Health Care Management inne und ist damit in die akademische Gruppe Economics und Regulation integriert. Außerdem leitet er seit 1994 das Centrum für Krankenhaus-Management an der Universität Münster. Zu seinen Arbeitsfeldern zählen Einkaufs- und Logistik-Management, Mergers and Acquisitions, Qualitäts- und Risikomanagment, Medical Controlling sowie Benchmarking. Dem International Institute for Health Economics steht Prof. von Eiff als Berater im Bereich der Gesundheitsökonomie zur Seite.

Prof. von Eiff ist an der HHL im Bereich der Lehre u.a. in dem berufsbegleitenden MBA General Management mit Spezialisierung auf „Hospital Management and Health Services“ eingebunden. http://www.hhl.de/chcmr

Die HHL Leipzig Graduate School of Management ist eine universitäre Einrichtung und zählt zu den führenden internationalen Business Schools. Ziel der traditionsreichsten betriebswirtschaftlichen Hochschule im deutschsprachigen Raum ist die Ausbildung leistungsfähiger, verantwortungsbewusster und unternehmerisch denkender Führungspersönlichkeiten. Die HHL zeichnet sich aus durch exzellente Lehre, klare Forschungsorientierung und praxisnahen Transfer sowie hervorragenden Service für ihre Studierenden. Das Studienangebot umfasst Voll- und Teilzeit-Master in Management- sowie MBA-Programme, ein Promotionsstudium sowie Executive Education. Die HHL ist akkreditiert durch AACSB International. http://www.hhl.de

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GenderMedizin-Anamese: Staub, Rauch, Gase und Dämpfe . Noxen und die Berufskrankheit

Medizin am Abend Berlin Fazit:  BAuA-Faktenblatt zu Belastungen durch Staub, Rauch, Gase und Dämpfe

Staub. Im Alltag ebenso verbreitet wie unbeachtet und dennoch gefährlich.

Denn Staub, Rauch, Gase und Dämpfe schädigen die Gesundheit vieler Berufstätiger. 

Etwa jeder achte Erwerbstätige ist bei der Arbeit häufig Staub, Rauch, Gasen oder Dämpfen ausgesetzt. 

Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in einer Detailanalyse der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2012.  

Besonders häufig betroffen sind unter anderem Männer, die in Vollzeit arbeiten, Beschäftigte im Baugewerbe oder Beschäftigte mit einem geringen Bildungsniveau. Husten, Hautreizungen und eine laufende Nase gehören zu den Beschwerden, die unter den Betroffenen wesentlich häufiger auftreten als unter den Erwerbstätigen, die nur selten mit diesen Noxen in Kontakt kommen.

Diese und weitere Daten und Fakten fasst die BAuA in dem nun veröffentlichten Faktenblatt "Bloß keinen Staub aufwirbeln - Belastungen durch Staub, Rauch, Gase und Dämpfe" zusammen.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Arztregister  


  • Rund 6.000 Fälle staubbedingter Atemwegserkrankungen werden laut BAuA-Bericht "Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2014" jährlich als Berufskrankheit anerkannt. 

Auch wenn Staub keine gefährlichen Chemikalien enthält, kann er die Gesundheit gefährden. Besonders kleine Staubpartikel können in die feinen Lungenbläschen eindringen und dort Entzündungen oder sogar Krebs hervorrufen.

  • Gröbere Staubteilchen, die zwar nicht bis in die Lunge vordringen, können dennoch Schäden in Nase, Hals und Rachenraum verursachen. 

Um die Belastung durch Staub, Rauch, Gase und Dämpfe am Arbeitsplatz abzubilden, hat die BAuA die Daten der Erwerbstätigenbefragung differenziert nach Branchen und einzelnen Berufen ausgewertet.

  • Fast jeder zweite, der häufig mit komplexen Gefahrstoffen wie Staub arbeitet, fühlt sich dadurch belastet. 
  • In der Vollzeitarbeit kommen Männer mit 16 Prozent deutlich häufiger mit Staub in Kontakt als Frauen mit 9 Prozent. 

Eine hohe Staubbelastung tritt oftmals in Berufen auf, die nur eine geringe Qualifikation erfordern. Somit sind Erwerbstätige ohne oder mit nur einem niedrigen Schulabschluss überdurchschnittlich betroffen (19 %).

Gerade im Baugewerbe (29 %) und im produzierenden Gewerbe (19 %) sind viele Erwerbstätige bei der Arbeit Staub, Rauch, Gasen und Dämpfen ausgesetzt.

Von denjenigen, die mit diesen Stoffen bei der Arbeit häufig in Kontakt kommen, geben 22 Prozent ihren Gesundheitszustand mit weniger gut bis schlecht an. Mit 28 Prozent leiden doppelt so viele der Belasteten an Husten als Erwerbstätige, die nur selten unter Einfluss dieser Stoffe arbeiten. Hautreizungen und Juckreiz treten sogar dreimal so häufig auf (24 %).

Mithilfe des Einfachen Maßnahmenkonzepts Gefahrstoffe (EMKG) der BAuA lassen sich Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen am Arbeitsplatz systematisch beurteilen. Um die Beschäftigten vor gesundheitlichen Schäden durch Gefahrstoffe wie Staub, Rauch, Gase und Dämpfe zu schützen, rät die BAuA außerdem dazu, Arbeitsschutzmaßnahmen fest in die Arbeitsabläufe zu integrieren.

Das Faktenblatt "Bloß keinen Staub aufwirbeln - Belastungen durch Staub, Rauch, Gase und Dämpfe" gibt es als PDF auf der Internetseite der BAuA unter www.baua.de/arbeitsbedingungen im Bereich BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2012.
 
Hintergrund
Bei der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2012 handelt es sich um eine repräsentative Erhebung unter 20.000 Erwerbstätigen in Deutschland. Durch sie werden differenzierte Informationen über ausgeübte Tätigkeiten, berufliche Anforderungen, Arbeitsbedingungen und -belastungen, den Bildungsverlauf der Erwerbstätigen sowie über die Verwertung beruflicher Qualifikationen gewonnen.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben – im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Über 700 Beschäftigte arbeiten an den Standorten in Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.
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Drogen - Suchtmittel von jungen Menschen und jungen Erwachsenen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Neue BZgA-Studie: Suchtmittelkonsum junger Menschen rückläufig

In Berlin wurden die zentralen Studienergebnisse der repräsentativen Befragung „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2015“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vorgestellt: Die Raucherquote bei den 12- bis 17-Jährigen liegt schon seit längerem auf historisch niedrigem Niveau, jetzt ist das Rauchen auch bei den 18- bis 25-Jährigen deutlich rückläufig. Regelmäßiger Alkoholkonsum nimmt unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiterhin kontinuierlich ab. Die Verbreitung des Rauschtrinkens ist immer noch zu hoch. 
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler hat zusammen mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zentrale Studienergebnisse der repräsentativen BZgA-Befragung „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2015“ in Berlin vorgestellt.

Marlene Mortler: „Die Ergebnisse der Drogenaffinitätsstudie zeigen, dass wir in der Drogen- und Suchtprävention auf dem richtigen Weg sind. Das Rauchen gehört in Deutschland längst nicht mehr zum Lebensgefühl junger Menschen.

Die auf Prävention ausgerichtete Tabakpolitik der Bundesregierung zeigt Wirkung. Aber wir dürfen in unseren Anstrengungen nicht nach-lassen: Zum 1. April dieses Jahres haben wir verpflichtende Bildwarnhinweise auf Zigaretten-packungen eingeführt.

Außerdem brauchen wir ein Verbot der Tabakaußenwerbung.

Die Wissenschaft zeigt, dass Tabakwerbeplakate gerade junge Menschen ansprechen. 

Beim Alkohol ist die langfristige Entwicklung erfreulich: Jugendliche und junge Erwachsene trinken weniger Alkohol. Sorgen bereitet mir nach wie vor das Rauschtrinken.

Zudem zeigen die neuen Zahlen, wie verbreitet der Cannabiskonsum unter Jugendlichen ist. Wer in dieser Situation die vollumfängliche Legalisierung von Cannabis fordert, der sorgt dafür, dass noch mehr Jugendliche zum Joint greifen!“ 

Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA, bemerkt: „Die Studie der BZgA zum Suchtmittelkonsum junger Menschen zeigt insgesamt positive Entwicklungen. Nachdem die Raucherquote bei den 12- bis 17-Jährigen schon seit längerem auf historisch niedrigem Niveau liegt, ist das Rauchen auch bei den 18- bis 25-Jährigen deutlich rückläufig.

Auch die tendenziell positiven Trends beim Alkoholkonsum zeigen, dass breit angelegte Präventionsmaßnahmen und Informationsangebote, wie unter anderem die BZgA-Kampagne ‚Alkohol? Kenn dein Limit.‘, wirken.

Besorgniserregend ist allerdings die noch immer hohe Zahl junger Menschen, die Rauschtrinken praktizieren.

Außerdem konsumieren noch zu viele junge Erwachsene die illegale Droge Cannabis.“ Den Studienergebnissen zufolge rauchen aktuell 7,8 Prozent der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren. Die Raucherquote liegt damit in dieser Altersgruppe auf dem niedrigsten Stand aller Studien, die die BZgA seit den 1970er Jahren durchgeführt hat.

  • Gleichzeitig stieg die Zahl der Jugendlichen, die in ihrem Leben noch nie geraucht haben, weiter an und liegt nun mit 79,1 Prozent auf dem höchsten Stand. 
Auch unter den 18 bis 25 Jährigen ist die Raucherquote mit aktuell 26,2 Prozent weiter rückläufig, während die Nieraucherquote auf 38,8 Prozent angestiegen ist. Regelmäßiger Alkoholkonsum, das heißt mindestens einmal pro Woche, nimmt unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiterhin kontinuierlich ab. Von den 12- bis 17-Jährigen geben aktuell 10,0 Prozent und von den 18- bis 25-Jährigen 33,6 Prozent an, dass sie regelmäßig Alkohol trinken (2005: 12- bis 17-Jährige 18,6 Prozent, 18- bis 25-Jährige 40,5 Prozent). Etwa jeder Dritte im Alter von 12 bis 17 Jahren sagt, dass er oder sie im Leben noch nie Alkohol getrunken hat. Obwohl die Verbreitung des Rauschtrinkens teilweise zurückgeht, ist sie insgesamt immer noch zu hoch: 15,9 Prozent der männlichen und 12,5 Prozent der weiblichen Jugendlichen geben an, dass sie sich mindestens einmal im Monat in einen Rausch trinken, bei den 18- bis 25-Jährigen sind es bei den Männern 44,6 Prozent und bei den Frauen 32,9 Prozent.  

Bei den illegalen Drogen ist Cannabis nach wie vor die mit Abstand am meisten konsumierte Substanz. 9,7 Prozent der 12- bis 17-Jährigen erklären, schon einmal im Leben Cannabis konsumiert zu haben. Bei den 18- bis 25-Jährigen sind es bereits 34,5 Prozent. In dieser Altersgruppe ist allerdings die Zahl derjenigen, die in ihrem Leben schon einmal andere illegale Suchtmittel konsumiert haben (Lebenszeitprävalenz) weitaus niedriger: sie liegt bei Ecstasy bei 4,0 Prozent, für Amphetamine ebenfalls bei 4,0 Prozent, für Kokain bei 2,9 Prozent sowie bei den neuen psychoaktiven Substanzen, den sogenannte „Legal Highs“ bei 2,2 Prozent.

  • Im Rahmen der Befragung wurde erstmals auch die Lebenszeitprävalenz von Crystal Meth erfragt. 
  • Hier geben 0,6 Prozent der 18- bis 25-Jährigen an, die Substanz schon einmal in ihrem Leben konsumiert zu haben.
     
Die Drogenaffinitätsstudie der BZgA wird seit 1973 in regelmäßigen Abständen durchgeführt und ist das zentrale Instrument zur Erfassung von Trends im Suchtmittelkonsum junger Menschen in Deutschland.

Für die Drogenaffinitätsstudie 2015 wurden 7.004 Personen im Alter von 12 bis 25 Jahren im Zeitraum von März bis Juni 2015 befragt.

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360°TOP-Hinweis Rettungsstelle: Einige Billig-Fahrräder aus Supermärkten, Discountern und Baumärkten

Medizin am Abend Berlin: Gefährliche Billig-Fahrräder - Stichprobe ergibt krasse Sicherheitsmängel

Einige Billig-Fahrräder aus Supermärkten, Discountern und Baumärkten sind ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Nach Recherchen des Verbraucher- und Wirtschaftsmagazins "Markt" im NDR Fernsehen weisen mehrere Modelle Mängel auf, die zu schweren Unfällen oder Verletzungen führen können.

Stichprobenartig wurden Fahrräder getestet, die vorübergehend im Sortiment der Discounter Aldi und Lidl, bei der Supermarktkette Real sowie bei Hagebau verfügbar waren. Die Preise lagen beim Einkauf zwischen 199,00 und 299,00 Euro.

Im Auftrag von "Markt" haben Sachverständige die Fahrräder in einem zertifizierten Labor für Fahrradtechnik in Ludwigsburg nach aktuellen Prüfnormen unter die Lupe genommen.

Ergebnis: Bei allen vier Modellen haben die Prüfer unterschiedliche sicherheitsrelevante Mängel festgestellt - unter anderem Lenkerbrüche, verrutschte Felgenbänder, lockere Lenker-Vorbauten, eine Unwucht im Reifen und abrutschende Lenkergriffe. 

  • Nach Ansicht der Sachverständigen sind die Mängel so gravierend, dass die Fahrräder in diesem Zustand nicht verkauft werden dürften. 

Die Hersteller haben auf die "Markt"-Recherchen reagiert: 

Hagebau hat aus Sorge um die Sicherheit seiner Kunden einen Verkaufsstopp umgesetzt, der Lieferant hat sogar einen Produktrückruf gestartet.

Auch Lidl bietet das Modell nun nicht mehr an.

Für Real antwortet der Hersteller des Fahrrads, die Mängel seien für ihn nicht erklärbar.

Aldi geht auf den Lenkerbruch bei seinem Rad nicht ein. Zur Kritik an abrutschenden Lenkergriffen schreibt der Discounter, ein Prüflabor habe festgestellt, dass sie verdrehsicher sind.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Redaktion Fahrräder aus dem Billigsegment getestet, mit ähnlich erschreckenden Ergebnissen.

Händler und Hersteller hatten damals angekündigt, verstärkt auf die Sicherheit bei ihren Modellen zu achten.

Offenbar gibt es aber nun erneut krasse Qualitätsmängel.

Mehr dazu in der Sendung "Markt" am Montag, 18. April, um 20.15 Uhr im NDR Fernsehen. Informationen zur Sendung unter www.NDR.de/markt

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Norddeutscher Rundfunk

Ralf Pleßmann

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Windkraftanlagen - Körper- oder Luftschall? Akustische und seismische Wellen?

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Wieviel Lärm machen Windkraftanlagen?

Windenergie soll einen entscheidenden Anteil am erneuerbaren Energiemix der Zukunft haben. Der bundesweite Projektverbund TremAc will deswegen die Planung, Entwicklung und Akzeptanz von Windkraftanlagen verbessern und objektive Kriterien für deren Emissionen entwickeln. Hierfür erforschen die Experten nun das Zusammenwirken akustischer und seismischer Schwingungen von Windkraftanlagen und planen, ein Rechenmodell zu erstellen, das beide Emissionen abbildet. Das BMWi fördert TremAc mit 1,85 Millionen Euro. 
 Im Projektverbund TremAc soll eine einzige Modellierungskette für die schwingenden Teile von Windkraftanlagen und deren Umgebung entwickelt werden.
Im Projektverbund TremAc soll eine einzige Modellierungskette für die schwingenden Teile von Windkraftanlagen und deren Umgebung entwickelt werden. Bild: WindForS)

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Feuerwehr-Leitstelle   

  • „Wir wollen die gesamte Wirkungskette von der Anlage bis zum Anwohner nachrechnen“, erklärt Theodoros Triantafyllidis, Koordinator des Projektverbunds TremAc und Leiter des Instituts für Bodenmechanik und Felsmechanik am KIT.
  • Im Projektverbund TremAc soll dabei eine einzige Modellierungskette die Rechenmodelle für alle schwingenden Anlagenteile und die Umgebung zusammenführen, also drehende Rotorblätter, Triebstrang, Gondelaufhängung und Turmstruktur, Fundament und Baugrund mit verschiedenen topographischen Geländeformen sowie Luft bis hin zu nahe gelegenen Wohngebäuden und Arbeitsstätten.
Die Wissenschaftler wollen Schwingungen, die sich in der Atmosphäre als akustische und zugleich im Untergrund als seismische Wellen ausbreiten, an einer einzelnen Windenergieanlage und in einem Windpark messen und die Rechenmodelle damit validieren.

Parallel dazu sollen Anwohner mit Hilfe umweltmedizinischer und –psychologischer Fragebögen interviewt und subjektiv empfundene Beschwerden mit objektiven Messungen in Gebäuden in Beziehung gesetzt werden.

Die Emission und Wahrnehmung von Geräuschen einerseits und Erschütterungen andererseits ist bislang zumeist isoliert betrachtet worden.

„Dies greift jedoch zu kurz, um zu verstehen, warum Anwohner über Belästigungen durch Windkraftanlagen klagen, auch wenn die vorgeschriebenen Pegelwerte eingehalten werden und Menschen physiologisch gar nichts mehr hören dürften“, betont Triantafyllidis.

  • Deshalb will das Projekt TremAc nun insbesondere die Wechselwirkungen zwischen Luftschall und Körperschall untersuchen.

Die im Rahmen des Projektes zu entwickelnden, gekoppelten Rechenmodelle sollen helfen, Emissionen von geplanten Windkraftanlagen besser zu prognostizieren und in Abhängigkeit von Anlagenleistung, Entfernung zur Wohnbebauung und Topographie realistische Grenzwerte zu definieren und kontinuierlich zu überprüfen.

Zudem wollen die Ingenieure die Wechselwirkungen zwischen einzelnen Anlagenkomponenten unter die Lupe nehmen, die Ursachen für die Emissionsorte erkunden und technische Lösungen zur Minimierung des Körper- oder Luftschalls entwickeln.

  • Nicht zuletzt sollen durch die Zusammenarbeit von ingenieurtechnischen und humanwissenschaftlichen Experten die Beurteilungskriterien objektiviert werden.

Der Forschungsverbund TremAc (Objektive Kriterien zu Erschütterungs- und Schallemissionen durch Windenergieanlagen im Binnenland) wurde initiiert vom süddeutschen Forschungscluster WindForS. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert ihn von 2016 bis 2019 mit rund 1,85 Millionen Euro. Partner sind das Karlsruher Institut für Technologie, die Universität Stuttgart, die Technische Universität München, die Universität Bielefeld, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Firma Mesh Engineering in Stuttgart. Hersteller und Betreiber von Windkraftanlagen sollen den Verbund ergänzen.

Mehr zum Projekt TremAc: http://www.windfors.de/tremac.html


Verbundpartner im Einzelnen:

Institut für Bodenmechanik und Felsmechanik (IBF), Geophysikalisches Institut (GPI), Versuchsanstalt für Stahl, Holz und Steine (VAKA) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Lehrstuhl für Windenergie (SWE) der Universität Stuttgart, Institut für Aerodynamik und Gasdynamik (IAG), Lehrstuhl für Windenergie an der Technischen Universität München (TUM), Fakultät Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld, Arbeitsgruppe Umwelt- und Gesundheitspsychologie des Instituts für Psychologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Firma Mesh Engineering in Stuttgart.

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Kosta Schinarakis, PKM – Themenscout,
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Monika Landgraf Karlsruher Institut für Technologie

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation zu einer Mission. Mit rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25 000 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

KIT – Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.
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360° TOP-Einladung: Eindämmung von Typ-1-Diabetes: Risikobestimmung für Typ-1-Diabetes bei Neugeborenen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Weltgesundheitstag - Europäische Initiative

Die flächendeckende Einführung einer Risikobestimmung für Typ-1-Diabetes bei Neugeborenen ist das Ziel von GPPAD (Global Platform for the Prevention of Autoimmune Diabetes). 

Die europäische Initiative möchte im nächsten Schritt den ermittelten Risikopersonen eine antigen-basierte Therapie zur Verhinderung der Krankheit anbieten. 

Das Modell könnte auch zur Behandlung weiterer Kinderkrankheiten, insbesondere Autoimmunerkrankungen und Allergien dienen. 
 
Der Fokus des diesjährigen Weltgesundheitstags liegt auf dem Thema Diabetes.

  • Weltweit sind etwa 350 Millionen Menschen betroffen und die Zahl steigt stetig an. Doch gerade im Bereich Typ-1-Diabetes tut sich viel – auch und vor allem in Deutschland.

Mit einer langfristigen und umfassenden Vision startete das Projekt GPPAD im vergangenen Jahr seine groß angelegte Initiative: Insgesamt 1.160 Kinder im Alter zwischen vier und neun Monaten mit einem Erkrankungsrisiko für Typ-1-Diabetes von mindestens zehn Prozent sollen an einer randomisierten kontrollierten Studie zur Primärprävention teilnehmen können.

  • Um diese große Anzahl an geeigneten Teilnehmern zu gewinnen, sollen 400.000 bis 500.000 Säuglinge im Rahmen des Neugeborenen-Screenings der Geburtskliniken oder der U2, U3 oder U4-Untersuchung beim Kinderarzt auf Diabetesrisikogene getestet werden.

Noch 2016 Pilotstudie in Sachsen und Thüringen

  • Darüber hinaus soll eine Plattform für verschiedene Studien geschaffen werden, die neben den Screening-Zentren für Neugeborene auch ein Datenkoordinationszentrum, eine eigene Apotheke sowie ein Kommunikationszentrum umfassen soll. In Sachsen und Thüringen ist bereits in diesem Jahr eine Pilotstudie mit 5.000 Neugeborenen geplant, um die neu entwickelte Plattform auszutesten und die Durchführbarkeit eines großangelegten Diabetesrisikoscreenings zu prüfen.

Primärpräventions-Studie als Herzstück

Das Herzstück der europäischen Initiative GPPAD soll eine Primärpräventionsstudie mit oraler Insulintherapie bilden, auf der weitere Beobachtungsstudien und mechanistische Studien aufbauen werden. Diese sollen neue Einblicke in die Entstehungsmechanismen des Typ-1-Diabetes liefern und die Entwicklung weiterer Biomarker zur Erkennung von Risikopersonen vorantreiben.

Die antigen-basierte Therapie wird auf den Erfolg versprechenden Ergebnissen der Pre-POINT Studie und den Ergebnissen der gerade gestarteten Nachfolgestudie Pre-POINTearly aufbauen.

Pre-POINT Studie wies den Weg

Bei Pre-POINT erhielten Kinder im Alter zwischen zwei und sieben Jahren über bis zu 18 Monate einmal täglich Insulinpulver mit der Nahrung. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass orales Insulin das Immunsystem stimuliert, ohne Hypoglykämien hervorzurufen“, so Prof. Ezio Bonifacio vom DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien Dresden und Exzellenzcluster an der TU Dresden, der die multizentrische Studie leitete.

  • „Wird Insulin über die Mundschleimhaut aufgenommen, wird es zersetzt, so dass es keinerlei Einfluss auf den Blutzuckerspiegel hat. Gleichzeitig bewirkte es offenbar eine Immunantwort, die sich positiv unterschied von derjenigen bei Kindern, die einen Typ-1-Diabetes entwickelten“.
  • Insulin gilt als Schlüsselantigen, das den Autoimmunprozess möglicherweise in Gang setzt, der letztlich zu einem Typ-1-Diabetes führen kann. 
Die Wissenschaftler hoffen, die Erkrankung verhindern zu können, sofern das Immunsystem durch die Therapie mit Insulinpulver eine Toleranz gegenüber dem Insulin entwickeln sollte.

Je früher desto besser?

Auf genau dem gleichen Prinzip fußt auch die Pre-POINTearly Studie, die nun schon Kinder im Alter zwischen neun Monaten und zwei Jahren mit oralem Insulin behandelt. Die Direktorin des an der GPPAD maßgeblich beteiligten Instituts für Diabetesforschung, Prof. Dr. Anette-G. Ziegler, erläutert, warum sich dieses Lebensalter besonders für die präventive Insulintherapie eignet: „Hierfür gibt es zwei Gründe:

Zum einen beginnt in diesem frühen Zeitfenster häufig der Autoimmunprozess.* Wir erwarten die höchste Wirksamkeit präventiver Therapien, wenn dieser Prozess bei Beginn der Behandlung noch nicht eingesetzt hat.

Zum anderen sind die natürlichen Mechanismen, die zum Aufbau einer Immuntoleranz gegen nützliche Mikroorganismen und Nahrungsbestandteile führen, im Säuglingsalter noch voll aktiv.“ 

Falls sich die Pre-POINTearly Studie als genauso sicher und wirkungsvoll erweisen sollte wie Pre-POINT – und davon gehen die Wissenschaftler aus – kann die von der GPPAD geplante Studie an den Start gehen.


Weitere Informationen

Hintergrund:
An GPPAD beteiligt sind neben dem Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München, weitere Studienzentren in Dresden, Hannover, Leipzig und Großbritannien. Unterstützt wird die Initiative durch den US-amerikanischen Leona M. & Harry B. Helmsley Charitable Trust.

  • * Wird ein Kind geboren, muss das Immunsystem erst einmal trainiert werden, damit es zwischen fremden und körpereigenen Strukturen zu unterscheiden lernt. Das passiert zunächst im Thymus: Immunzellen, die spezifische Antigene erkennen und mit ihnen eine Bindung eingehen, werden durch Zelltod „aussortiert“. Dadurch wird im Normalfall verhindert, dass autoreaktive Immunzellen in den Körper gelangen. Das heißt: Es verlassen nur diejenigen Zellen den Thymus, welche nicht auf körpereigene Strukturen reagieren, dagegen jedoch fremde Strukturen wie Viren oder Bakterien erkennen. Entwischt eine autoreaktive Immunzelle diesem natürlichen Selektionsprozess, greifen die regulatorischen T-Zellen als zweites Kontrollsystem ein. Diese Zellen verhindern überschießende Immunreaktionen, indem sie Immunzellen, und im speziellen Fall auch autoreaktive Immunzellen, in ihrer Aktivität unterdrücken. Regulatorische T-Zellen können unter anderem durch Kontakt mit Anti-genen gebildet werden, die über die Schleimhaut von Mund und Magen-Darmtrakt aufgenommen werden. Dadurch entsteht eine sogenannte „orale Toleranz“ gegenüber dem spezifischen Antigen.

Webseiten zum Thema:

http://www.type-1-diabetes-prevention.org

 http://www.typ1diabetes-verhindern.de


Originalpublikation:
Ziegler A et al. (2016) Primary Prevention of Beta-cell Autoimmunity and Type 1 Diabetes – The Global Platform for the Prevention of Autoimmune Diabetes (GPPAD). Molecular Metabolism (2016), doi: 10.1016/j.molmet.2016.02.003.

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. Das Helmholtz Zentrum München ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V. http://www.helmholtz-muenchen.de

Das Institut für Diabetesforschung (IDF) befasst sich mit der Entstehung und Prävention von Typ 1 Diabetes und Typ 2 Diabetes als Spätfolge eines Gestationsdiabetes. Ein vorrangiges Projekt ist die Entwicklung einer Insulin-Impfung gegen Typ 1 Diabetes. In groß angelegten Langzeitstudien untersucht das IDF den Zusammenhang von Genen, Umweltfaktoren und Immunsystem für die Pathogenese von Typ 1 Diabetes. Mit den Daten der Geburtskohorte BABYDIAB, die 1989 als weltweit erste prospektive Diabetes-Geburtskohorte etabliert wurde, konnten Risikogene sowie Antikörperprofile identifiziert werden. Diese lassen Vorhersagen über Entwicklung und Ausbruch von Typ 1 Diabetes zu und werden die Klassifizierung und den Diagnosezeitpunkt verändern. Das IDF ist Teil des Helmholtz Diabetes Center (HDC). http://www.helmholtz-muenchen.de/idf

Das CRTD wurde als interdisziplinäres, eng verbundenes Netzwerk mit 17 Forschungsgruppen im Kernzentrum sowie mehr als 75 Vollmitgliedern an sieben verschiedenen Dresdner Forschungsinstituten gegründet. Zurzeit forschen sieben Professoren und zehn Forschungsgruppenleiter am CRTD. Die Mitglieder des CRTD-Netzwerks arbeiten unter anderem am Biotechnologischen Zentrum der TU Dresden, am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik, am Max-Bergmann-Zentrum für Biomaterialien, in Kliniken des Universitätsklinikums "Carl Gustav Carus" oder an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. 8 Partner aus der Wirtschaft unterstützen ebenfalls das Netzwerk des CRTD, das die notwendige Expertise bündelt, um neuartige regenerative Therapien schnell und effizient zu entwickeln. http://www.crt-dresden.de

The Leona M. and Harry B. Helmsley Charitable Trust aspires to improve lives by supporting exceptional nonprofits and other mission-aligned organizations in health, selected place-based initiatives, and education and human services. Since 2008, when the Trust began its active grantmaking, it has committed more than $1 billion. The Helmsley Type 1 Diabetes Program is the largest private foundation funder of T1D in the United States focused on understanding the disease, developing better treatments and improving care and access. For more information, visit http://www.helmsleytrust.org.

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Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler
Helmholtz Zentrum München
Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH)
Institut für Diabetesforschung
Ingolstädter Landstr. 1
85764 Neuherberg
Tel. +49 89 3187 3405
E-Mail: anette-g.ziegler@helmholtz-muenchen.de
Sonja Opitz Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Kristallines Cholesterin: Besser mit ringförmigen Zucker „Cyclodextrin“

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Ringförmiger Zucker hilft bei Arteriosklerose

Die Folgen der Arteriosklerose zählen zu den häufigsten Todesursachen in Industrieländern: dazu zählen vor allem Herzinfarkte und Schlaganfälle. Kristallines Cholesterin kann zu den lebensgefährlichen Entzündungen in den Arterien beitragen. Ein internationales Forscherteam von Immunologen und Kardiologen der Universität Bonn hat nun herausgefunden, dass der ringförmige Zucker „Cyclodextrin“ die gefährlichen Ablagerungen verhindern und sogar zurückbilden kann. Die Ergebnisse werden nun im Fachjournal “Science Translational Medicine” veröffentlicht.  

Ringförmiger Zucker hilft bei Arteriosklerose
Erforschten die Wirkung eines Zuckers auf Arteriosklerose: Prof. Dr. Eicke Latz und Alena Grebe sowie Dr. Sebastian Zimmer vom Universitätsklinikum Bonn.
Erforschten die Wirkung eines Zuckers auf Arteriosklerose: Prof. Dr. Eicke Latz und Alena Grebe sowie Dr. Sebastian Zimmer vom Universitätsklinikum Bonn. (c) Foto: Barbara Frommann/Uni Bonn
 
Für Forscher ist es immer wieder eine Herausforderung, den richtigen Ansatz für eine wissenschaftliche Fragestellung zu finden. Doch manchmal geben auch medizinische Laien wichtige Tipps, die anschließend zu echten Durchbrüchen führen. So war es auch mit Chris Hempel aus den USA, deren Zwillingstöchter an der seltenen Erkrankung „Niemann Pick Type C“ leiden.

Genmutationen führen bei dieser Krankheit dazu, dass der Cholesterintransport in den Zellen nicht richtig funktioniert. 

  • Bei den Betroffenen kommt es nach anfänglich normaler Entwicklung bereits im Kindesalter zur rapiden Verschlechterung der neurologischen Funktion mit kognitiven und motorischen Behinderungen. 

Es gab für „Niemann Pick C“ keine Therapie, bis Chris Hempel aktiv wurde. Mit Hilfe von Wissenschaftlern entwickelte die Mutter eine neuartige Therapie mit dem ringförmigen Zucker „Cyclodextrin“, der zu einem besseren Abtransport von überschüssigem Cholesterin aus den Gehirnzellen führt. Derzeit laufen hierzu klinische Studien in den USA.

Wie kristallines Cholesterin massive Immunreaktionen hervorruft und zu lebensgefährlichen Entzündungen in Arterienwänden führt, erforscht Prof. Dr. Eicke Latz vom Institut für Angeborene Immunität der Universität Bonn.
Zum Zusammenhang von Arteriosklerose und Immunsystem hat er im Jahr 2010 im renommierten Fachjournal „Nature“ eine Studie veröffentlicht. Darin zeigte das Forscherteam um Prof. Latz, dass Cholesterin-Kristalle einen wichtigen Rezeptorkomplex des angeborenen Immunsystems aktivieren können und damit die Entzündungsreaktion in der Arteriosklerose verstärken. Chris Hempel wurde darauf aufmerksam und berichtete dem Immunologen über ihre Erfahrungen mit Cyclodextrin.

Cholesterinreiche Diät für Mäuse

Mit einem internationalen Forscherteam aus Deutschland, den USA, Norwegen, Australien und Schweden untersuchten die Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen des Universitätsklinikums Bonn unter Federführung von Prof. Latz, ob Cyclodextrin auch bei Arteriosklerose eine Wirkung zeigt. Die Forscher verabreichten Mäusen acht Wochen eine besonders cholesterinreiche Ernährung und spritzten den Tieren Cyclodextrin unter die Haut. „Sie waren weit weniger von Plaques in ihren Blutgefäßen betroffen, als eine Kontrollgruppe, die kein Cyclodextrin bekam“, sagt Dr. Sebastian Zimmer von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Bonn.

  • Offensichtlich programmiert der ringförmige Zucker die Zellen auf eine Weise um, die zu einem besseren Abtransport von überschüssigem, kristallinem Cholesterin und zugleich zu einem Abklingen der Entzündung in den Blutgefäßen führt.

Cyclodextrin verstärkt natürlichen Cholesterinabbau in den Zellen

Der Transkriptionsfaktor „Leber-X-Rezeptor“ (LXR) ist ein Schlüsselregulator des Cholesterinmetabolismus und spielt daher im Zusammenhang mit Arteriosklerose eine wichtige Rolle. 

„Ist zu viel Cholesterin vorhanden, gibt LXR ein Signal. Daraufhin werden Gene aktiviert, die für den Abtransport in der Zelle zuständig sind“, berichtet Alena Grebe, Doktorandin im Team von Prof. Latz. „Außerdem reguliert dieser Faktor Entzündungen herunter.“ Wurde bei Mäusen das Gen für LXR stumm geschaltet, funktionierte diese Signalkette nicht und Cyclodextrin zeigte keine Wirkung.  

  • Der ringförmige Zucker übernimmt offensichtlich die Rolle eines Vermittlers, der die natürlichen Mechanismen des Cholesterinabbaus in den Zellen verstärkt und zusätzlich die Entzündungsreaktion vermindert.

Das Team untersuchte auch an menschlichen arteriosklerotischen Gefäßen, ob Cyclodextrin die gleiche Wirkung hat wie bei Mäusen.

Die Forscher kultivierten Plaques, die aus den Halsschlagadern von Arteriosklerose-Patienten operativ entfernt wurden, um deren Blutdurchfluss zu verbessern. Wurde in die Nährlösung Cyclodextrin gemischt, zeigten die Zellen die gleiche Umprogrammierung wie die der Nager:

  • Die Mechanismen zur Rückbildung der Plaques sprangen an und die entzündliche Reaktion klang ab.

  • Wirkstoff ist bereits auf dem Markt

Prof. Latz hofft darauf, dass Cyclodextrin als ein Medikament zur Behandlung von Arteriosklerose weiterentwickelt werden kann.

„Als Lösungsvermittler von Wirkstoffen ist es bereits auf dem Markt. 

Für die neue Anwendung sind jedoch noch kostspielige klinische Studien erforderlich“, sagt der Immunologe der Universität Bonn. Chris Hempel, die auf den Wirkstoff Cyclodextrin hingewiesen hat, steht übrigens als Mitautorin in der Veröffentlichung des Fachjournals.

Publikation: Cyclodextrin promotes atherosclerosis regression via macrophage reprogramming, “Science Translational Medicine”, DOI: 10.1126/scitranslmed.aad6100

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Prof. Dr. Eicke Latz
Direktor des Instituts für angeborene Immunität
Universität Bonn
Tel. 0228/28751239
E-Mail: eicke.latz@uni-bonn.de
Johannes Seiler Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

360° TOP-Hinweis: Geburtsgewicht: Schwangerschaft + Hoher Blutdruck

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Hoher Blutdruck in der Schwangerschaft verringert Geburtsgewicht

Ein normaler Blutdruck ist eine wichtige Voraussetzung für eine gut verlaufende Schwangerschaft. 

Ein Anstieg kann auf eine gestörte Funktion der Plazenta hinweisen. 

Eine aktuelle Studie zeigt: Die Folge ist die Geburt von Kindern mit einem verminderten Geburtsgewicht, welches Spätfolgen haben kann. Die Deutsche Hochdruckliga e.V. (DHL®) – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention rät daher Schwangeren, an den Terminen zur Schwangerschaftsvorsorge teilzunehmen und den Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren. 
 
Die schädliche Wirkung eines erhöhten Blutdrucks in der Schwangerschaft ist seit längerem bekannt. Medizinische Bedenken bestanden bisher erst, wenn der obere systolische Blutdruckwert 140 oder der untere Wert 90 mm Hg überschreitet. Dann liegt eine Schwangerschaftshypertonie, auch Gestationshypertonie genannt, vor. Diese zeigt ein erhöhtes Risiko für Mutter und Kind an.

„Die Ursache ist häufig eine Funktionsstörung der Plazenta, die das Kind mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt“, erläutert Professor Martin Hausberg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. „Viele Frauen erholen sich“, fügt der DHL-Vorstandsvorsitzende hinzu:

„Doch in etwa der Hälfte der Fälle kündigt die Gestationshypertonie eine Präeklampsie an.

Bei der Präeklampsie wird auch die Niere der Mutter geschädigt. 

Es kommt zu einem Eiweißverlust über den Urin. 


„Die Präeklampsie bedroht nicht nur das Leben des Kindes, sondern auch die Gesundheit der Mutter“, sagt Professor Hausberg.

„Die Präeklampsie ist daher auch der häufigste Grund für die vorzeitige Einleitung der Geburt.“
  • Wenn die Plazenta nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe liefert, kann das Kind nicht gedeihen
  • Die Folge ist ein geringes Geburtsgewicht. 
Wie empfindlich die ungeborenen Kinder auf einen Anstieg des Blutdrucks der Mutter reagieren, zeigt eine aktuelle Untersuchung der Universitäten in Exeter und Bristol, die im amerikanischen Ärzteblatt veröffentlicht wurde. „Jeder Anstieg des systolischen Wertes um 10 mm Hg war mit einem Rückgang des Geburtsgewichts um etwa 150 bis 200 Gramm verbunden“, erklärt Professor Hausberg, Direktor der Medizinischen Klinik I am Städtischen Klinikum Karlsruhe.

„Dies macht deutlich, dass ein Anstieg des Blutdrucks in der Schwangerschaft immer ernst genommen werden muss.“ Langzeitstudien zeigen, dass Kinder mit einem geringen Geburtsgewicht nicht nur schlechtere Startchancen im Leben haben. Der Experte erläutert: „Die Mangelgeburt erhöht auch das Risiko, dass die Kinder im Erwachsenenalter chronische Erkrankungen entwickeln, zu denen nicht zuletzt auch ein Bluthochdruck gehört.“
  • Die Behandlung der Gestationshypertonie besteht zunächst in einer körperlichen Schonung sowie einer ausgeglichenen Ernährung. 
Medikamente werden erst bei einem Anstieg auf über 150/100 mm Hg eingesetzt. „Nicht alle Wirkstoffe sind für Schwangere geeignet“, erklärt Professor Hausberg: 
  • „Diuretika können die Durchblutung der Placenta beeinträchtigen, ACE-Hemmer und Angiotensin-Antagonisten stehen im Verdacht, Fehlbildungen auszulösen.“ 
  • Ein starker Blutdruckabfall zu Beginn der Behandlung könne ebenfalls die Gesundheit des Kindes gefährden. 

Die Behandlung des Bluthochdrucks in der Schwangerschaft mit Medikamenten sollte nach Auskunft des Experten deshalb unter engmaschiger Beobachtung erfolgen.

Am besten ist es, wenn der Blutdruck bereits vor der Schwangerschaft nicht erhöht ist.

Professor Hausberg betont: „Sport und die Vermeidung von Übergewicht durch eine ausgewogene Ernährung bieten am ehesten einen Schutz.

Auch Rauchen kann durch seine schädliche Wirkung auf die Arterien den Blutdruck erhöhen.

  • Während der Schwangerschaft sollten alle Frauen ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren. Den besten Schutz bietet die Teilnahme an der gesetzlichen Schwangerschaftsvorsorge, die die regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks vorsehen.

Quelle:
Tyrrell J et al. Genetic Evidence for Causal Relationships Between Maternal Obesity-Related Traits and Birth Weight.JAMA 2016;315(11):1129-40

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