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360°TOP-Thema: Blutarmut: Eisen zu therapeutischen Zwecken

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Wenn weniger tatsächlich mehr ist

Wird Eisen zu therapeutischen Zwecken in zu rascher Folge verabreicht, könnte es weniger Wirkung haben: Ein Eiweissmolekül blockiert selbst 24 Stunden nach der letzten Gabe die Aufnahme des Eisens im Darm, zeigen Forschende der ETH Zürich in einer neuen Studie. 
 
Leidet jemand an Blutarmut, steckt oft Eisenmangel dahinter.

In dem Fall werden der betroffenen Person – meist ist das eine Frau – Eisentabletten zur täglichen Einnahme verschrieben. 

Bei starkem Mangel wird die Dosis auf mehrere Tabletten täglich erhöht.

Eine neue Studie, die soeben in der Fachzeitschrift Blood veröffentlicht wurde, zeigt nun aber auf, dass der Körper Eisen, das ihm im 24-Stunden-Rhythmus zugeführt wird, möglicherweise gar nicht in den gewünschten und benötigten Mengen aufnehmen kann.

Schuld daran ist ein kleines, eiweissähnliches Molekül namens Hepcidin.

Sobald der Körper Eisen erhält, setzt in der Leber die Hepcidin-Produktion ein. 

Das winzige Eiweiss – es besteht nur gerade aus 25 Aminosäure-Bausteinen gelangt über das Blut auch in den Darm. 

Dort reguliert es unter anderem, wie viel Eisen aus dem Nahrungsbrei in den Körperaufgenommen wird. 

Wie eine Gruppe von Forschenden um Diego Moretti, Oberassistent bei ETH-Professor Michael B. Zimmermann nun zeigt, hemmt Hepcidin bei der Eisensupplementierung die Eisenaufnahme im Darm stärker als bisher angenommen.

Hepcidin macht Strich durch die Rechnung

In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler über 50 junge Frauen, deren Eisenvorrat erschöpft war, die jedoch noch nicht an Blutarmut litten. Die Frauen erhielten eine tägliche Dosis von mindestens 40 Milligramm Eisen, wie sie üblicherweise bei Eisenmangel verabreicht wird. Danach massen die Forschenden, wie sich die Hepcidin-Konzentration entwickelte und quantifizierten deren Effekt auf die Absorption der nachfolgenden Eisendosen.

Dabei zeigte sich, dass die Hepcidin-Konzentration nach sechs bis acht Stunden ihren Höhepunkt erreichte, aber auch 24 Stunden nach der ersten Eisengabe noch immer in genügend hohen Mengen vorlag, um die Aufnahme der zweiten Eisendosis markant zu reduzieren. 
Diese zweite Dosis, die entweder schon am gleichen Tag oder 24 Stunden nach der ersten verabreicht wurde, konnte der Körper demnach verglichen mit der ersten Gabe nur in verminderter Menge absorbieren.
Kleckern besser als Klotzen?

Bei der herkömmlichen Eisensupplementierung treten oft unerwünschte Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden auf.

Diese stehen in einem engen Verhältnis zur verabreichten Eisenmenge und sind mit ein Grund, weshalb viele Patientinnen die Eisenergänzung abbrechen.

Könnte man die Absorptionseffizienz verbessern, wäre es möglich, mit einer kleineren Eisendosis einen grösseren biologischen Effekt zu erzielen, und dies bei verminderten Nebenwirkungen.

«Wahrscheinlich wäre es effizienter, mit der nächsten Dosis länger zu warten, um die prozentuale Absorption zu verbessern», sagt Moretti.

Er räumt jedoch ein, dass die Aussagekraft dieser Studie aus zwei Gründen begrenzt ist: Bei den Testpersonen handelte es sich ausschliesslich um gesunde, junge Frauen, und die Eisenabsorption wurde nur während zwei Tagen untersucht. Wie sich die Hepcidin-Konzentration während einer mehrwöchigen Eisensupplementierung verhält, wird in einer Folgestudie, die bereits in Arbeit ist, untersucht. Dabei testen die Wissenschaftler die Eisensupplementierung während zwei respektive vier Wochen.

Um die Eisenresorption zu untersuchen, verwendeten die Forscher stabile Eisenisotope als Indikatorsubstanzen. Diese Stoffe haben ein modifiziertes Verhältnis von stabilen Eisen-Isotopen. In der Natur ist Eisen-56 das häufigste stabile Eisen-Isotop (91,7 Prozent), gefolgt von Eisen-54 (5,8 Prozent) und Eisen-57 (2,1 Prozent). Eisen-58 liegt nur in Spuren vor. Für ihre Untersuchung benutzen die Wissenschaftler Tabletten mit einem erhöhten Gehalt an Eisen-57, Eisen-54 und Eisen-58. Anhand der Veränderung des Isotopen-Verhältnisses im Körper konnten die Forschenden die körpereigene Eisenabsorption bestimmen.

Hunderte Millionen Betroffene

Weltweit leiden hunderte Millionen von Menschen an Eisenmangel. 

  • Häufigste Ursachen sind hohe Eisenverluste etwa durch Blutungen (insbesondere bei Frauen durch die Regelblutung) und eine einseitige Ernährung, die arm ist an Vitamin C und tierischen Produkten. 

Nahrungsmittel mit einem hohen Eisengehalt sind beispielsweise Fleisch, Leber, Blutwurst, Hülsenfrüchte oder Vollkornprodukte.

  • In grossen Mengen ist Eisen als Ergänzung jedoch toxisch, weshalb es der Körper nur schlecht resorbiert. 

Im Durchschnitt liegen im menschlichen Körper 5 bis 7 Gramm Eisen vor, 60 Prozent davon im roten Blutfarbstoff, dem Hämoglobin.

Literaturhinweis

Moretti D, Goede JS, Zeder C et al. (2015) Oral iron supplements increase hepcidin and decrease iron absorption from daily or twice-daily doses in iron-depleted young women. Blood 126, 1981-1989. DOI: 10.1182/blood-2015-05-642223

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Peter Rüegg Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Gelenkentzündung - rheumatoide Arthritis: Besser Doppler-Ultraschall

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Licht spürt Arthritis auf

Gelenkentzündungen kommen häufig vor und können verschiedene Ursachen haben. Viele Formen, wie die rheumatoide Arthritis, sind nicht heilbar. Doch je früher man die Krankheit erkennt, desto besser lässt sie sich mit Medikamenten behandeln. Deshalb entwickeln Fachleute derzeit in dem EU-Projekt IACOBUS unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik IBMT einen Fingerscanner, mit dem sich Arthritis-Erkrankungen künftig sehr früh diagnostizieren lassen. Vom 16. bis 19. November präsentieren sie auf der Messe MEDICA in Düsseldorf einen Prototyp (Halle 10, Stand G05). 

Der Fingerscanner erkennt Arthritis im Frühstadium.
Der Fingerscanner erkennt Arthritis im Frühstadium. © Fraunhofer IBMT/Bernd Müller


Die Gelenke des Menschen sind Hightech-Apparate. Sie sind dank einer Knorpelschicht perfekt gelagert und besitzen mit der Gelenkinnenhaut eine Hülle, die permanent einen eigenen Schmierstoff produziert. Bei Menschen aber, die an einer chronischen Arthritis leiden, funktioniert dieser Prozess nicht.

  • Insbesondere bei der rheumatoiden Ausprägung, der häufigsten Form einer chronischen Arthritis, kommt es zu einer Entzündung der Gelenkinnenhaut. Im Laufe der Zeit werden die Knorpel und sogar Knochen der Gelenke angegriffen und geschädigt. Starke Schmerzen und eine Versteifung der Gelenke sind die Folge.

Heilen lässt sich diese Krankheit nicht.

Aber sofern sie im Frühstadium erkannt wird, kann man sie mit Medikamenten gut in Schach halten. Doch mit herkömmlicher strahlungsbelastender Röntgenuntersuchung lässt sich die Erkrankung oft erst dann erkennen, wenn sie weit fortgeschritten ist.

  • Eine Alternative ist der Doppler-Ultraschall, der Veränderungen im lokalen Blutfluss erkennt. 

Ein vermehrter Blutfluss in der entzündeten, verdickten Gelenkinnenhaut ist ein typisches Phänomen der Entzündung. Dieser entsteht sowohl durch eine Weitung vorhandener Blutgefäße als auch durch die Bildung neuer Blutgefäße infolge des Entzündungsprozesses. Zu Beginn der Erkrankung sind die Gefäße aber oft sehr klein, und der Blutfluss ist entsprechend gering, sodass die Erkrankung im Frühstadium trotzdem übersehen werden kann.

Die Magnetresonanztomografie wird standardmäßig nicht für die Arthritis-Früherkennung genutzt, da sie aufwendig und teuer ist.

  • Scanner tastet Gelenke nach Entzündungsherden ab

Um die Früherkennung von Arthritis-Erkrankungen zu verbessern, entwickelt ein europäisches Konsortium aus mehreren Forschungseinrichtungen und Unternehmen derzeit unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik IBMT im Saarland im Projekt IACOBUS ein alternatives Diagnoseverfahren, in dem Ultraschalltechnik mit neuen Detektionsmethoden kombiniert wird. Im Detail handelt es sich um einen 3D-Fingerscanner, der die Gelenke nach Entzündungsherden und krankhaften Veränderungen abtastet. »Das hat unter anderem den Vorteil, dass sich die Krankheit bereits im Frühstadium erkennen lässt, da bei vielen Formen von Arthritis die Finger zuerst befallen sind«, sagt Dr. Marc Fournelle, IACOBUS-Projektleiter am IBMT.

Der Scanner arbeitet mit einem optoakustischen Bildgebungsverfahren. Bei dieser Methode wird der Finger mit extrem kurzen Laserlichtpulsen beleuchtet. Die Absorption der kurzen Lichtpulse führt im Gewebe zu einer minimalen Erwärmung, die eine minimale Ausdehnung des Gewebes bewirkt. Die Ausdehnung wiederum führt zu schwachen Druckpulsen, die der Scanner, wie bei einem Ultraschallverfahren, mit einem Schallwandler registriert.

Aus dem Muster der Druckpulse kann das Gerät sehr genau herauslesen, wo sich eine Entzündung entwickelt. Um die Diagnose weiter zu verfeinern, wird das optoakustische Verfahren durch ein Hyperspectral-Imaging-System ergänzt. In diesem Fall wird der Finger mit starkem Weißlicht durchleuchtet. Entzündetes Gewebe absorbiert bestimmte Wellenlängen. Analysiert man das zurückgestreute Licht Wellenlänge für Wellenlänge, lässt sich erkennen, ob eine Erkrankung vorliegt. Da die beiden Verfahren vor allem das Weichgewebe und insbesondere die Blutgefäße abbilden, bietet das System zusätzlich ein Ultraschallbild, das ebenfalls mit dem Schallwandler des Scanners erzeugt wird.

»Der Ultraschall bildet, wie gewohnt, auch das Weichgewebe wie zum Beispiel Muskeln oder die Gelenkkapsel sowie den Knochen ab, sodass unser Scanner dem Arzt das bekannte Bild liefert, an dem er sich orientieren kann«, sagt Fournelle. Das Ultraschallbild wird dann mit den Daten des Hyperspectral-Imaging und des optoakustischen Verfahrens kombiniert, sodass deutlich zu sehen ist, wo sich die Entzündung befindet.

An dem von der Europäischen Kommission geförderten Projekt IACOBUS sind folgende Partner beteiligt: EKSPLA UAB (Litauen), Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT in Sulzbach und St. Ingbert, Justus-Liebig Universität Gießen, Norsk Elektro Optikk AS (Norwegen), Norwegian University of Science and Technology, Trondheim (Norwegen), Vermon SA (Frankreich), tp21 GmbH (Berlin).


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Britta Widmann
Telefon: (089) 1205 - 1302
E-Mail-Adresse: britta.widmann@zv.fraunhofer.de


360° TOP-Thema: MSP - Mammographie-Screening: Frauen mit türkischem Migrationshintergrund

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Mammographie-Screening: Nur jede dritte Frau ist gut informiert


Gesundheitswissenschaftler der Universität Bielefeld veröffentlichen Studie

Nur jede dritte Frau, die am Mammographie-Screening-Programm (MSP) teilnimmt, ist gut über die Untersuchung informiert. Je höher das Bildungsniveau, desto eher trafen Frauen eine informierte Entscheidung. Das sind Studienergebnisse, die Bielefelder Gesundheitswissenschaftler welche am 03.11.2015 in der internationalen Fachzeitschrift PLoS One veröffentlicht worden sind. „Es bedarf weiterer Informations- und Unterstützungsangebote, um besonders bildungsfernen Frauen und Frauen mit türkischem Migrationshintergrund mehr Wissen über das Programm zu vermitteln“, resümiert Juniorprofessor Jacob Spallek, der gemeinsam mit Professorin Petra Kolip die Studie leitete.

  • Das Mammographie-Screening ist ein Programm, zu dem Frauen in Deutschland ab einem Alter von 50 Jahren eingeladen werden. 
  • Dadurch kann eine Brustkrebs-Erkrankung früh erkannt und entsprechend behandelt werden. 

Weil aber nicht jedes Ergebnis der Brustkrebs-Früherkennung eindeutig ist, kommt es manchmal zu Fehldiagnosen, Übertherapien oder Stress durch falsche Befunde. 

Jacob Spallek: „Jede Frau sollte sich deshalb sorgfältig über Risiken und Nutzen informieren, ehe sie die Einladung zum Mammographie-Screening annimmt.“ 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben untersucht, wie viel Frauen über die Untersuchung und wie sie sich dann dafür oder dagegen entscheiden.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Früherkennungen mittels eines Mammographie-Screenings können helfen, die Sterblichkeitsrate zu senken. Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden alle zwei Jahre eingeladen, am Mammographie-Screening-Programm teilzunehmen. Allerdings ist umstritten, ob die Vorteile der Untersuchung mögliche Nachteile aufwiegen. Aus diesem Grund ist das Konzept der „informierten Entscheidung“ in den Gesundheitswissenschaften immer wichtiger geworden. Das besagt: Wer ausreichend über ein Vorhaben weiß, kann eine eigene Einstellung dazu entwickeln und eine Entscheidung bewusst treffen.

  • Ziel des Projekts war es zu beschreiben, welcher Anteil an Frauen sich insgesamt und von Frauen mit türkischem Migrationshintergrund für oder gegen die Teilnahme am Mammographie-Screening-Programm entscheidet – und zwar informiert entscheidet. 
„Für das Ergebnis war es unerheblich, ob die Entscheidung für oder gegen die Untersuchung ausfiel“, erklärt Spallek. „Wichtig war nur, dass sie bewusst getroffen wurde auf Basis ausreichender Informationen.“

Befragt wurden rund 5.000 Frauen aus Westfalen-Lippe, die zum ersten Mal zu einer Früherkennung im MSP eingeladen wurden. Insgesamt trafen 27,1 Prozent der eingeladenen Frauen eine informierte Entscheidung für oder gegen die Teilnahme am MSP.

Während 28,2 Prozent der Frauen ohne Migrationshintergrund eine informierte Entscheidung trafen, waren es bei Spätaussiedlerinnen 21,8 und bei Frauen anderer Herkunftsländern 20 Prozent.

  • Den geringsten Anteil informierter Entscheidungen verzeichneten Frauen mit türkischem Migrationshintergrund mit einem Anteil von 5 Prozent.

 „Insgesamt ist der Anteil an informierten Entscheidungen im MSP in Deutschland ausbaufähig“, ist Jacob Spalleks Fazit.

Originalveröffentlichung:
Berens, Eva-Maria; Reder, Maren; Razum, Oliver; Kolip, Petra; Spallek, Jacob (2015) Informed choice in the German mammography screening program by education and migrant status: survey among first-time invitees. PLoSOne. Nov 3. Doi: 10.1371/journal.pone.0142316


Medizin am Abend DirektKontakt:

Jun.-Prof. Dr. Jacob Spallek, Universität Bielefeld
Fakultät für Gesundheitswissenschaften, AG 3 Epidemiologie & International Public Health
Telefon: 0521 106-2554
E-Mail: jacob.spallek@uni-bielefeld.de

Eva-Maria Berens, Universität Bielefeld
Fakultät für Gesundheitswissenschaften, AG 6 Versorgungsforschung
Telefon: 0521 106-4818
E-Mail: eva-maria.berens@uni-bielefeld.de
Sandra Sieraad Universität Bielefeld

Ungenügende psychiatrische Versorgung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Psychologische Betreuung von Flüchtlingen dringend notwendig

In einem Kommentar des im Nature-Verlag erscheinenden Fach-Journals „Molecular Psychiatry“ beschreibt ein Team um Dr. med. Enrico Ullmann von der Medizinischen Klinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus aktuelle Ergebnisse einer Erhebung unter Flüchtlingen in Dresden (DOI: 10.1038/MP.2015.164). Die Daten zeigen, dass 50 Prozent der Personen in der Stichprobe die diagnostischen Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung erfüllen. 

Besonders die ungenügende psychiatrische Versorgung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die aufgrund ihres Alters und der fehlenden Bezugspersonen intensive Hilfe benötigen, beunruhigt die Ärzte und Wissenschaftler. 
 
Für ihre Untersuchung zogen die Wissenschaftler eine Stichprobe von 23 Flüchtlingen heran, die sich im Rahmen der ehrenamtlichen psychiatrischen/psychosomatischen Sprechstunde vorstellten und die seit Juli in Dresden ankamen. In der Stadt befinden sich derzeit mehr als 1.700 Flüchtlinge, vorrangig aus Syrien und den umliegenden Krisengebieten. Die ärztliche Behandlung für diese Menschen wurde in der Stadt bereits nach zwei Wochen erweitert und schließt gegenwärtig sechs Stunden pro Woche an psychiatrischer Hilfe ein.

Die sprachliche Barriere beim Umgang mit Flüchtlingen heben Enrico Ullmann, Stefan Bornstein, Julio Licinio und Kollegen als besondere Herausforderung in der psychiatrischen Versorgung hervor. So besteht auch ein Mangel an Dolmetschern – ein klares Hindernis beim Sammeln psychiatrischer klinischer Daten. 

Medizin am Abend Berlin Zusatzfachlink hier 


 „Hier hat unsere Arbeitsgruppe vor wenigen Tagen einen Projektantrag namens „SaxMedApp“ beim Freistaat Sachsen eingereicht, um den Ärztinnen und Ärzten zügig eine Lösung an die Hand zu geben“, erläutert Enrico Ullmann. Dabei handelt es sich um eine Applikation (app), die es ermöglicht, audiovisuell anamnestische Angaben digital vor dem Arztkontakt auf einem Tablet zu erfassen.

Zusätzlich suchen die Forscher nach möglichen diagnostischen Markern wie Haarsteroiden oder epigenetischen Kandidaten (FKBP5), die unter Umgehung der sprachlichen Barriere Rückschlüsse auf seelische Traumata zulassen. Auch hier hat die Arbeitsgruppe soeben eine Veröffentlichung in Arbeit, die die Zusammenhänge zwischen Haarsteroiden und mentalen Belastungen sowie Sport aufzeigen.

  • Ullmann und Kollegen weisen darauf hin, dass auch wenn alle Flüchtlinge Trauma und Stress erfahren, einige für das Entwickeln geistiger Krankheit verwundbarer sind als andere.
In Anbetracht beschränkter Mittel empfehlen die Autoren, dass die Behandlung psychischer Erkrankungen besonders auf diejenigen eingestellt werden sollte, die mit größerer Wahrscheinlichkeit eine posttraumatische Belastungsstörung oder eine Depression entwickeln werden.

  • Die Autoren unterstreichen, dass Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren besonders unter der Flucht und den vorgelagerten Kriegs- und Krisenzuständen leiden und eine hohe psychiatrische Aufmerksamkeit erfahren sollten.

Quelle
E. Ullmann, A. Barthel, S. Taché, A. Bornstein, J. Licinio and SR Bornstein: Refugee mental health: challenges and opportunities - Emotional and psychological trauma in refugees arriving in Germany in 2015; in: Molecular Psychiatry, advanced online publication, 3 November2015; doi:10.1038/mp.2015.164

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Dr. med. Enrico Ullmann
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
E-Mail: enrico.ullmann@uniklinikum-dresden.de
Konrad Kästner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.uniklinikum-dresden.de/mk3

Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische KHK: Koronare Herzkrankheit (KHK)

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Koronare Herzkrankheit

Die überarbeiteten Kapitel der Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische KHK stehen ab sofort bis zum 4. Dezember 2015 zur öffentlichen Konsultation bereit. Fachkreise und Interessierte sind eingeladen, die Leitlinie kritisch zu begutachten und zu kommentieren. 
 
Die Koronare Herzkrankheit (KHK) gehört zu den wichtigsten Volkskrankheiten. Ziel der NVL Chronische KHK ist es zu beschreiben, wie eine bestmögliche, sektorenübergreifende Versorgung von Patienten mit chronischer KHK erfolgen sollte. Für die 4. Auflage der NVL Chronische KHK wurden die Kapitel 1 Definition und Therapieziele, 2 Epidemiologie, 3 Schweregrade und Klassifizierungen sowie die 5 Diagnostik bei (Verdacht auf) KHK komplett überarbeitet.

Die überarbeiteten Kapitel wurden in die NVL integriert und stehen zur öffentlichen Konsultation bereit. Fachkreise und Interessierte sind eingeladen, ihre Kommentare zu diesen Kapiteln bis einschließlich 4. Dezember 2015 abzugeben.

Diese können nur dann bearbeitet werden, wenn sie mit dem Kommentierungsbogen per E-Mail an nvl@azq.de oder per Post an das ÄZQ gesendet werden.

Die eingegangenen Kommentare werden nach Ablauf der Konsultationsphase an die Mitglieder des Expertenkreises der NVL Chronische KHK weitergeleitet. Diese Autorengruppe entscheidet dann nach sorgfältiger Prüfung über deren Berücksichtigung.

Das Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien steht unter der Trägerschaft von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Mit der Durchführung wurde das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin beauftragt.

Zu ausgewählten Krankheitsbildern arbeiten Experten verschiedener Organisationen zusammen, um im Rahmen der strukturierten Versorgung chronisch kranker Menschen die angemessene und evidenzbasierte Patientenversorgung darzustellen.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Corinna Schaefer M.A. Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin


Weitere Informationen für international  Medizin am Abend Berlin Beteiligte

http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/khk/khk-4aufl-konsultation.pdf 

- Konsultationsfassung NVL Chronische KHK, 4. Auflage

http://www.leitlinien.de/mdb/edocs/word/kommentierungsbogen-khk-4aufl-konsultati... 

- Kommentierungsbogen

http://www.leitlinien.de/nvl/khk 

- NVL Chronische KHK

http://www.leitlinien.de/nvl 

 - Programm für Nationale Versorgungsleitlinien

Grippe: Sinkflug der Impfraten in Deutschland gestoppt

Medizin am Abend Berlin Fazit:      Handlungsbedarf in den alten Bundesländern

In der Grippesaison 2013/2014 haben sich die Influenza-Impfraten in Deutschland stabilisiert. Diese waren seit 2009 stetig gesunken. In einigen Regionen verzeichnen die Wissenschaftler vom Versorgungsatlas in einer aktuellen Studie sogar einen leichten Anstieg. Die von der WHO und der Europäischen Kommission empfohlene Durchimpfungsrate von 75 Prozent bei den über 60-Jährigen wird nur etwa zur Hälfte erreicht. 
 
Diagramm Entwicklung der Impfraten gegen Influenza in den Bundesländern 2009/2010 und 2013/2014

Diagramm Entwicklung der Impfraten gegen Influenza in den Bundesländern 2009/2010 und 2013/2014
Pressestelle Versorgungsatlas

  • Seit Jahren wird in Deutschland konsequent das Ziel der WHO verfehlt, bei älteren Menschen eine Durchimpfungsrate gegen die Influenza von 75 Prozent zu erreichen. 
  • Schlimmer noch: Nach einer aktuellen Untersuchung der Wissenschaftler vom Versorgungsatlas ist die bundesweite Impfrate von 47 Prozent in der Saison 2009/2010 auf 38 Prozent in der Saison 2013/2014 gesunken. 

Nur im Vergleich mit der vorausgegangenen Saison 2012/2013 zeigte sich ein geringfügiger Anstieg von 37 auf 38 Prozent. „Dies spricht dafür, dass sich die Impfraten zumindest stabilisiert haben“, erklärt Dr. Jörg Bätzing-Feigenbaum, der Erstautor der Studie und Leiter des Versorgungsatlas.

Ost-West-Gefälle.

Wie bei nahezu allen Impfungen variiert das Impfverhalten auch bei der Immunisierung gegen Influenza regional.

Es besteht ein deutliches Ost-West-Gefälle. In den neuen Bundesländern ließen sich in der Saison 2009/2010
61 Prozent der über 60-Jährigen impfen, in den alten Bundesländern waren dazu nur 43 Prozent der Senioren bereit. In der Saison 2013/14 waren die Raten in den neuen Bundesländern auf 54 Prozent und in den alten auf 33 Prozent gesunken. Die niedrigsten Impfraten finden sich in Baden-Württemberg und Bayern. Auf Kreisebene zeigten sich extreme Unterschiede der Impfraten, die in 2013/14 zwischen 13,5 und 65 Prozent lagen. Bundesweiter Vorreiter war 2009 die Kreisfreie Stadt Frankfurt/Oder mit einer Impfrate von 71 Prozent.

  • In der Saison 2013/14 führt der Kreis Demmin in Mecklenburg-Vorpommern die Liste an.

Mögliche Ursachen.

Gründe für den rückläufigen Trend lassen sich aus der Datenanalyse nicht herauslesen. Allerdings belegen Umfragen, dass die Influenza von vielen Menschen nicht mehr als schwere Krankheit wahrgenommen wird. Hinzu kommen Zweifel an der Sicherheit und Wirksamkeit der Impfung. Außerdem haben in den vergangenen Jahren Rabattverträge zwischen Krankenkassen und bestimmten Herstellern immer wieder zu Lieferengpässen bei Grippeimpfstoffen geführt.

Impfraten verbessern.

„Krankenkassen, Ärzte und der Öffentliche Gesundheitsdienst sollten gemeinsam zielgerichtete Maßnahmen ergreifen, um die Impfraten deutlich zu verbessern“, betont Dr. Bätzing-Feigenbaum. Und sein Appell an die Bürger lautet: „Die jährliche Influenzawelle setzt in Deutschland meist nach der Jahreswende ein. Es dauert 10 bis 14 Tage, bis sich der Impfschutz nach der Immunisierung aufgebaut hat. Deshalb ist es auch jetzt noch nicht zu spät, sich gegen die Influenza zu wappnen. Neben Menschen ab 60 ist dies auch für Patienten wichtig, die aufgrund bereits bestehender chronischer Krankheiten besonders stark von der Grippe betroffen sein können, etwa für Patienten mit Asthma, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“

Für ihre Untersuchung hat das Wissenschaftler-Team des Versorgungsatlas die vertragsärztlichen Abrechnungsdaten der Jahre 2009 bis 2014 ausgewertet und jene Patienten betrachtet, die älter als 60 Jahre waren. In diesen Daten ist jede gesetzlich krankenversicherte Person erfasst, die im entsprechenden Abrechnungszeitraum mindestens einen ambulanten Kontakt mit einem Vertragsarzt hatte.

  • INFLUENZA. Jährlich sterben weltweit 250.000 bis 500.000 Menschen an der Influenza, allein in Deutschland zwischen 5000 bis 10000. Besonders Ältere und chronisch kranke Patienten sind überdurchschnittlich häufig betroffen. Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt darum Älteren sowie chronisch kranken Patienten und medizinischem Personal eine jährliche Influenza-Impfung.

DER VERSORGUNGSATLAS. www.versorgungsatlas.de ist eine Einrichtung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Er wurde institutionalisiert als öffentlich zugängliche Informationsquelle mit Studien zur medizinischen Versorgung in Deutschland. Schwerpunkt der Studien sind regionale Unterschiede in der Versorgung sowie deren unterschiedliche Strukturen und Abläufe. Die Analysen sollen Anhaltspunkte liefern, wie die Versorgung verbessert werden kann. In Diskussionsforen kann jeder Beitrag öffentlich diskutiert werden. Die Analysen der Wissenschaftler des Versorgungsatlasses basieren auf den bundesweiten Abrechnungsdaten der vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland. Die Internet-Plattform steht aber auch anderen Forschergruppen zur Verfügung, die ihre Untersuchungen nach einem Peer-Review veröffentlichen können.


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Biol. Barbara Ritzert
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Stress: Gewohnheitsverhalten

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Stress lässt Kleinkinder in Gewohnheiten verfallen

Unter Stress neigen Menschen dazu, in Gewohnheiten zu verfallen und weniger Neues auszuprobieren. 

Dass das nicht nur auf Erwachsene zutrifft, sondern auch auf Kleinkinder berichten Psychologinnen und Psychologen der Ruhr-Universität Bochum und Technischen Universität Dortmund in der Zeitschrift PNAS.

  • Ungewohnte Alltagssituationen lassen Stresshormon Cortisol ansteigen

Dr. Sabine Seehagen aus Bochum und Prof. Dr. Norbert Zmyj aus Dortmund untersuchten mit ihren Kolleginnen 26 Kleinkinder im Alter von 15 Monaten, die eine Lernaufgabe absolvierten. Ungefähr die Hälfte der Kinder erfuhr zuvor stressige Situationen, wie sie im Alltag vorkommen können: Eine unbekannte Person setzte sich neben sie, ein Tanzroboter spielte laute Musik und bewegte sich, die Eltern verließen für maximal vier Minuten den Raum. Das bewirkte einen Anstieg des Stresshormons Cortisol. Die Kinder in der Kontrollgruppe spielten in der gleichen Zeit mit ihren Eltern.
  • Gestresste Kinder testen kaum alternative Verhaltensweisen

Dann bekamen die Kinder eine Box mit zwei Lampen präsentiert und lernten, dass eine von ihnen bei Druck rot leuchtete, die andere blau. Sie durften eine der Lampen so häufig drücken, wie sie wollten, während der Zugang zu der anderen Lampe gesperrt war. Beim folgenden Test hatten die Kinder die Wahl, sich mit beiden Lampen zu beschäftigen, jedoch leuchtete keine davon mehr auf. 

Obwohl die Lampe nicht mehr funktionierte, drückten Kinder in der Stressgruppe dennoch immer weiter auf diejenige Lampe, an die sie sich zuvor gewöhnt hatten. Kinder in der Kontrollgruppe hingegen zeigten ein flexibleres Verhalten und probierten signifikant häufiger die andere Lampe aus.

Versuchsdesign von Erwachsenenstudien für Kinder angepasst
  • Für Erwachsene ist inzwischen gut belegt, dass Stress Gewohnheitsverhalten fördert und die kognitive Flexibilität verringert. 
Das Team aus Bochum und Dortmund passte ein Versuchsdesign aus Erwachsenenstudien an, so dass die Forscher gleiche Zusammenhänge auch bei Kleinkindern analysieren konnten.

 „Wenn Kleinkinder wiederholt Stress ausgesetzt sind und deshalb keine alternativen Verhaltensweisen ausprobieren, könnte sich das negativ auf ihren Wissenserwerb auswirken“, sagt Sabine Seehagen. „Der Effekt sollte in weiteren Studien genauer untersucht werden.“

Titelaufnahme

S. Seehagen, S. Schneider, J. Rudolph, S. Ernst, N. Zmyj (2015): Stress impairs cognitive flexibility in infants, PNAS, DOI: 10.1073/pnas.1508345112

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt 

Dr. Sabine Seehagen, Arbeitseinheit Klinische Kinder- und Jugendpsychologie, Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum, Bochumer Fenster 3/ 10, Massenbergstraße 9-13, 44787 Bochum, Tel. 0234/32-28537; E-Mail: sabine.seehagen@rub.de

Prof. Dr. Norbert Zmyj, Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie, Fakultät 12 Erziehungswissenschaft, Psychologie und Soziologie, TU Dortmund, Emil-Figge-Str. 50, 44227 Dortmund, Tel. 0231/7556571 oder 0177/2723923, E-Mail: norbert.zmyj@tu-dortmund.de

Dr. Julia Weiler Ruhr-Universität Bochum


Röntgendichter Brust: Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms

Medizin am Abend  Berlin Fazit:    Mehr Information und Beratung

 

Die deutsche Leitlinie für die „Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms“ empfiehlt, die Mammografie bei einer dichten Brustdrüse durch eine Ultraschalluntersuchung zu ergänzen. Doch während betroffene Patientinnen in Österreich direkt im Anschluss an die Mammografie eine Ultraschalluntersuchung erhalten, mangelt es hierzulande an Information und Beratung. „Frauen sollten darüber Bescheid wissen, dass die dichte Brust ein erhöhtes Brustkrebsrisiko bedeuten kann“, fordern Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) auf einer Pressekonferenz heute in Berlin. 
 
Die DEGUM rät Ärzten, betroffene Patientinnen darauf hinzuweisen, dass Krebsgeschwüre bei der Mammografie übersehen werden können. Zudem sollten sie die Patientinnen über die Möglichkeiten einer ergänzenden Ultraschalluntersuchung aufklären. Bei der Beratung sei das Gesamterkrankungsrisiko der Frau zu berücksichtigen. Dieses wird durch Alter, Familienanamnese und Vorerkrankungen besonders beeinflusst. Auch Probleme möglicher Überdiagnostik und zusätzlicher Kosten gelte es zu bedenken, so die Fachgesellschaft.

Bei Frauen mit einem hohen Drüsen- und Bindegewebeanteil innerhalb der Brust sprechen Mediziner von einer "röntgendichten Brust". Mehr als jede dritte Frau über 50 ist betroffen. Ein hoher Anteil an Drüsengewebe in der weiblichen Brust erhöht das Krebsrisiko.

  • Gleichzeitig können die Tumoren mit der Mammografie schwerer erkannt werden. 

„Da sowohl das Drüsengewebe wie auch ein Tumor typischerweise eine höhere Dichte als das Fettgewebe aufweisen und im Bild weiß erscheinen, ist ein Tumor bei der Frau mit dichter Brust in der Mammographie schwerer zu erkennen“, erklärt Professor Dr. med. Markus Müller-Schimpfle, Leiter der Diagnostik im Brustzentrum und Chefarzt der Klinik für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin am Klinikum Frankfurt Höchst.

Ein Brustultraschall sei als ergänzende Untersuchung hier oftmals sinnvoll, um Unsicherheiten der Mammographie auszuräumen.

„Zumal gerade die Frau mit dichterer Brust gegenüber der Frau mit fettreicher Brust ein höheres Brustkrebsrisiko in sich trägt“, so der Experte.

Statistisch betrachtet haben jüngere Frauen eine dichtere Brust als ältere. Während der Menopause wandeln sich Anteile des Drüsengewebes in Fettgewebe um, allerdings bleibt bei einem beträchtlichen Teil der Frauen die Brust auch dann "röntgendicht". Obwohl das Screening-Programm mit größtmöglicher Qualitätssicherung durchgeführt werde, sei es daher möglich, dass Tumore trotz der Teilnahme am Mammografie-Screening unentdeckt blieben, warnt die DEGUM. Knapp ein Drittel aller in einem eingeladenen Screeningkollektiv auffallenden Karzinome würden nicht durch die Bildgebung, sondern durch symptomatische Befunde außerhalb des Screenings entdeckt, erklärt Müller-Schimpfle. Mit Hilfe ergänzender Ultraschalluntersuchungen ließe sich die Zahl dieser „Intervallkarzinome“ reduzieren. Die Zahl damit einhergehender falsch-positiver Befunde, also Ergebnisse die zu einem „falschen Alarm“ führen, dürften nicht verschwiegen werden, so der Experte. „Meiner Erfahrung nach erzeugt eine offene Kommunikation bei den Frauen weniger Stress als unglaubhafte Beschwichtigungsversuche“, berichtet Müller-Schimpfle.

Zudem habe die Ultraschalluntersuchung der Brust bei der Abklärung verdächtiger Mammografie-Befunde eine herausragende Bedeutung, betont Arbeitskreisleiter Professor Dr. med. Werner Bader, Chefarzt des Zentrums für Frauenheilkunde am Klinikum Bielefeld.

Gerade bei einer Brust mit dem höchsten Dichtegrad sei der Ultraschall der Tomosynthese, einer 3D-Mammografie, überlegen, so der Experte.

Als Methode für eine Reihenuntersuchung kommt der Ultraschall allerdings nicht in Frage:

Die Sonografie ist zu zeitaufwändig und die Ergebnisse sind sehr von der Qualität der Geräte und der Erfahrung des Untersuchers abhängig.

Besteht ein Verdacht, können Ärzte die Ultraschalluntersuchung der Brust jederzeit anordnen.

Die Leistung wird dann von den Krankenkassen übernommen.

Darüber hinaus können Patientinnen die Mammasonografie auch als IGeL-Leistung in Anspruch nehmen und die Kosten, rund 50 Euro, aus eigener Tasche bezahlen.

  • Frauen, die aufgrund vieler Krebsfälle in ihrer Familie ein besonders hohes Erkrankungsrisiko haben, sollten eine humangenetische Beratung in Anspruch nehmen. 

Bei ihnen sei eine genetische Testung und intensivierte Früherkennung unter Einbeziehung von Ultraschall und MR-Tomographie zu erwägen.


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Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Irina Lorenz-Meyer
Anna Julia Voormann
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70451 Stuttgart
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Fax: 0711 8931-984
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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.degum.de

APOE - Gen: Entorhinale Kortex prüfen - Alzheimer-Demenz

Medizin am Abend Fazit:   Alzheimer-Risiko beeinträchtigt „Navi“ des Gehirns

Junge Erwachsene mit genetisch erhöhtem Alzheimer-Risiko haben veränderte Aktivierungsmuster in einer Hirnregion, die wichtig für die räumliche Navigation ist. Das berichtet das Team um Prof. Dr. Nikolai Axmacher von der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam mit Kollegen der Universitäten in Bonn, Nimwegen und Ulm in der Fachzeitschrift „Science“, die am 23. Oktober erschien.
 
Entorhinaler Kortex früh von Alzheimer-Krankheit betroffen

  • Alzheimer-Patienten leiden an starkem Gedächtnisverlust und an Desorientiertheit. 

  • Mit als Erstes von der Krankheit betroffen ist eine Hirnregion, die für die Navigation erforderlich ist.

Dieses Hirnareal, der sogenannte entorhinale Kortex, enthält Zellen, die in einem räumlichen Gittermuster feuern, die „grid cells“. Das ergaben Tierstudien. 2010 zeigte Christian Doeller, heute an der Radboud-Universität in Nimwegen, dass das „grid cell“-System bei Menschen mittels funktioneller Magnetresonanztomografie indirekt erfasst werden kann, wenn Probanden in einer virtuellen Umgebung navigieren.

Gittermuster im entorhinalen Kortex bei Risikoträgern verändert

Diese Methode wandte Nikolai Axmacher an, zusammen mit seinem Doktoranden Lukas Kunz, Christian Doeller und weiteren Kollegen aus Bonn, Nimwegen und Ulm. Das Team untersuchte das „grid cell“-System im entorhinalen Kortex von jungen Studierenden mit und ohne Alzheimer-Risikogen.

  • „Die Risikoträger zeigten ein weniger stabiles Gittermuster im entorhinalen Kortex – und das Jahrzehnte, bevor bei ihnen möglicherweise die Alzheimer-Demenz auftreten könnte“, sagt Lukas Kunz, der das Experiment am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn durchführte. 

Darüber hinaus bewegten sich die Risikoträger weniger häufig in der Mitte der virtuellen Landschaft, was auf eine veränderte Navigationsstrategie hindeutet.

Die Hirnaktivität im Gedächtnissystem war bei der Risikogruppe insgesamt erhöht. Das könnte als kurzfristige Kompensation der verminderten Gittermuster dienen, aber langfristig zur Entwicklung der Alzheimer-Demenz beitragen, so die Forscher.

Ausprägung des APOE-Gens ist ein Risikofaktor

  • Zurzeit ist es kaum möglich, die Alzheimer-Demenz zu behandeln. Ein potenzieller Grund: Medikamente werden erst dann gegeben, wenn bereits große Teile des Gehirns zerstört sind. 

Ziel ist es daher, die Alzheimer-Demenz früher zu erkennen und frühe Krankheitsstadien besser zu verstehen. Das APOE-Gen scheint eine wichtige Rolle bei der Krankheit zu spielen.

Einer von sechs Menschen weist eine Risikovariante auf und hat damit ein dreifach erhöhtes Alzheimer-Risiko. 

  • Die Untersuchung von jungen Erwachsenen mit einer Risikoausprägung des APOE-Gens eröffnet daher potenzielle Einblicke in sehr frühe Stadien der Erkrankung.
Besseres Verständnis früher Veränderungen bei der Alzheimer-Demenz

„Unsere Studie trägt entscheidend zu einem besseren Verständnis früher Veränderungen der Alzheimer-Demenz bei“, so Axmacher. 

„Jetzt muss überprüft werden, ob ähnliche Veränderungen auch bei älteren Menschen im Frühstadium der Alzheimer-Demenz auftreten und ob sie sich durch Medikamente beeinflussen lassen.“

Titelaufnahme

Kunz et al. (2015): Reduced grid-cell-like representations in adults at genetic risk for Alzheimer’s Disease, Science, DOI: 10.1126/science.aac8128

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Prof. Dr. Nikolai Axmacher
Abteilung Neuropsychologie
Institut für Kognitive Neurowissenschaft
Ruhr-Universität Bochum
44780 Bochum
Tel. 0234/32-22674
E-Mail: nikolai.axmacher@rub.de
Dr. Julia Weiler Ruhr-Universität Bochum

Neuropsychologie an der RUB
http://www.ruhr-uni-bochum.de/neuropsy

Labor von Christian Doeller in Nimwegen
http://www.doellerlab.com

Herzbildgebung - bSSFP-fMRT - bSSFP-Methode (balanced steady-state free precession)

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Hochauflösende MRT-Bilder

Im ultrahohen Magnetfeld lässt sich die Gehirnaktivität genauer nachweisen

Die im Ultrahochfeld aufgenommenen MRT-Hirnscans sind sehr viel detaillierter als herkömmliche Scans Die im Ultrahochfeld aufgenommenen MRT-Hirnscans sind sehr viel detaillierter als herkömmliche Scans
Philipp Ehses / Max Planck Institut für biologische Kybernetik, Tübingen

  • Je stärker, desto besser? Auf Magnetresonanztomografie-Magneten scheint das zuzutreffen – wenn die richtige Methode eingesetzt wird. 

Prof. Klaus Scheffler, Direktor der Abteilung Biomedizinische Magnetresonanz an der Universität Tübingen und Leiter der Abteilung Hochfeld-Magnetresonanz am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, und Dr. Philipp Ehses forschen an einer hochauflösenden MRT-Messmethode. Damit gelang es ihnen, Hirnstrukturen um ein Vielfaches genauer darzustellen und Gehirnaktivität besser zu lokalisieren.

  • In der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) hängt die Aussagekraft der Aufnahmen stark von der Signalstärke und damit von der Magnetfeldstärke des Gerätes ab. 

Eine hohe Auflösung ist für die richtige Interpretation des Signals wichtig, da die Nervenzellaktivität durch MRT nur indirekt gemessen werden kann.

Die Forscher der Abteilung Hochfeld-Magnetresonanz am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik arbeiten mit einem 9,4 Tesla-Magneten, wodurch sich die Auflösung der Hirnscans auf weniger als 1 mm reduzieren lässt. Kein Wunder: Das Magnetfeld ist mindestens dreimal so stark, wie das der medizinisch verwendeten Tomografen.

Das in der Studie verwendete fMRT-Verfahren basiert auf der sogenannten bSSFP-Methode (balanced steady-state free precession), die vor einigen Jahren bei wesentlich kleineren Magnetfeldern erstmals von Klaus Scheffler vorgestellt wurde. Dr. Philipp Ehses, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Hochfeld-Magnetresonanz, über die Vorteile:  

„Diese Methode zielt vor allem darauf ab, den Signalanteil aus der Mikrovaskulatur in der grauen Hirnsubstanz gegenüber größeren Gefäßen zu erhöhen. Denn dort findet die tatsächliche Nervenzellaktivität statt.“ Da die Herkunft des fMRT-Signals entscheidend ist, liegt darin die Stärke der Methode.

Der Versuchsaufbau war simpel gehalten, denn es sollte lediglich die Sehrinde aktiviert werden – sie produziert ein besonders starkes Signal. Die Versuchspersonen betrachteten daher abwechselnd einen schwarzen Bildschirm und ein flackerndes Schachbrettmuster. Der Vergleich der MRT-Bilder dieser beiden Bedingungen lieferte dann eine Karte der Gehirnaktivierung.

Klaus Scheffler und Philipp Ehses wollen die mikroskopischen Prozesse, die für das fMRT-Signal verantwortlich sind, verstehen. Denn dies ist wesentliche Voraussetzung, um die richtigen Schlüsse aus neurowissenschaftlichen Experimenten zu ziehen und Messverfahren zu verbessern. Doch selbst in den hochaufgelösten fMRT-Bildern der Studie befinden sich in jedem Bildpixel immer noch Millionen von Gehirnzellen und Tausende kleinerer Gefäßen. Zusätzliche Berechnungen durch Computersimulationen sind daher unerlässlich: Sie sollen im nächsten Schritt den Einfluss der Hirnstruktur auf das Signal ermitteln. Diese Kalkulationen müssen dann wiederum im Experiment bestätigt werden.

Obwohl die Signaleffizienz pro Zeiteinheit sehr gut ist, ist die bSSFP-fMRT gegenüber der klassischen Bildgebung bislang noch zwei- bis dreimal langsamer. Die Forscher wollen als Nächstes daran arbeiten, die Aufnahmezeit ihrer Methode soweit zu verringern, dass sie hinsichtlich der Geschwindigkeit mithalten kann.

Die bSSFP-Methode könnte in neurowissenschaftlichen Studien zum Einsatz kommen, aber auch im medizinischen Bereich, wie Prof. Klaus Scheffler erklärt: „Bisher wird die Methode routinemäßig in der Herzbildgebung eingesetzt.

Wir könnten uns auch bei der Planung von Hirnoperationen eine Anwendung vorstellen - wichtige Hirnregionen könnten vor der Operation viel genauer lokalisiert werden.“

Originalpublikation:
Klaus Scheffler, Philipp Ehses; High-Resolution Mapping of Neuronal Activation
with Balanced SSFP at 9.4 Tesla; Magnetic Resonance in Medicine, 2015

DOI: 10.1002/mrm.25890

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt 

Dr. Philipp Ehses
Tel.: 07071 601- 937
E-Mail: philipp.ehses@tuebingen.mpg.de

Christina Bornschein
Tel.: 07071 601-777
E-Mail: presse-kyb@tuebingen.mpg.de

Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik forscht an der Aufklärung von kognitiven Prozessen auf experimentellem, theoretischem und methodischem Gebiet. Es beschäftigt rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 40 Ländern und hat seinen Sitz auf dem Max-Planck-Campus in Tübingen. Das MPI für biologische Kybernetik ist eines der 82 Institute und Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.