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Doping am Arbeitsplatz

Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Doping am Arbeitsplatz Gefährlich,

Kaffee, Nikotin und Alkohol sind die Klassiker. Beim Versuch, die eigene Leistungsfähigkeit zu steigern und berufliche Stresssituationen besser zu meistern, greifen immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft aber auch auf verschreibungspflichtige Arzneimittel und sogar auf illegale Drogen zurück. Das ist eine sehr bedenkliche und gleichzeitig auch ziemlich riskante Tendenz. Viele Präparate haben erwiesenermaßen gefährliche Nebenwirkungen. Dazu zählen Herzrhythmusstörungen, Unruhe und Schlafprobleme. Manchmal sogar Selbstmordwünsche. Nicht von der Hand zu weisen ist auch der Suchtfaktor. Am Anfang sind es vielleicht nur ein paar Pillen gegen Müdigkeit, aber am Ende befinden sich die Menschen in einem Teufelskreislauf chronischer Medikamentenabhängigkeit. Ein zusätzliches Risiko entsteht dadurch, dass das Leistungsverhalten am Arbeitsplatz häufig auch in der Freizeit stattfindet. Der Sport oder andere Aktivitäten werden dann nicht mehr als Ausgleich, sondern als zusätzlicher Stress empfunden. Es ist für das einzelne Individuum fast unmöglich, dem Leistungsdruck in der Gesellschaft zu entrinnen. Pausen am Arbeitsplatz können sich viele nicht mehr leisten - oder sie glauben das zumindest. Körper und Geist brauchen allerdings Phasen der Regeneration. Bunte Pillen sind dafür bestimmt kein adäquater Ersatz.


Medizin am Abend DirektKontakt

Neue Westfälische News Desk Telefon: 0521 555 271  

Hubertus Gärtner, nachrichten@neue-westfaelische.de

GenderMedizin: Gesundheitsvorsorge- Gesundheitsförderung für lesbische, bisexuelle und queere Frauen

Medizin am Abend Fazit:  Forschungsprojekt soll Gesundheit lesbischer, bisexueller und queerer Frauen verbessern 


Lesbisch und bisexuell lebende Frauen erfahren in der Gesellschaft zunehmend Akzeptanz und rechtliche Gleichstellung. Ihre gesundheitlichen Anliegen werden bisher jedoch kaum wahrgenommen und thematisiert. So erleben etliche lesbische, bisexuelle und queere Frauen Diskriminierung in der Gesundheitsversorgung.

Diese Diskriminierung zeigt sich beispielsweise darin, wenn allen Frauen eine heterosexuelle Lebensweise unterstellt wird oder Partnerinnen nicht als wichtige Bezugsperson anerkannt werden. Auch gibt es nahezu keine Gesundheitsinformationen, Präventions- oder Gesundheitsangebote speziell für diese Zielgruppe.

„Frauen, die Frauen lieben und mit Frauen leben, wird in unserer Gesellschaft immer noch nicht derselbe Respekt und dieselbe Anerkennung für ihre Lebensweise zuteil wie heterosexuell lebenden Menschen. Diskriminierung durch Dritte ist besonders in der Gesundheitsversorgung fatal, weil sich Menschen, die auf gesundheitliche Hilfe angewiesen sind, in einer besonders verletzlichen Situation befinden.“, so Prof. Dr. Dennert.

Diese Themen geht jetzt ein partizipatives Forschungsprojekt an, das von Frau Prof. Dr. Gabriele Dennert (Professorin für Sozialmedizin und Public Health am Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften an der Fachhochschule Dortmund) in Zusammenarbeit mit einem interdisziplinär besetzten Expert_innenkreis durchgeführt wird.

Das Projekt (Laufzeit bis Frühjahr 2016) wird mittels einer großangelegten Befragung von Fachleuten die Themen erarbeiten, die lesbische, bisexuelle und queere Frauen in Bezug auf Gesundheit am meisten beschäftigen.

Im Expert_innenkreis kooperieren:

- Sati Arikpinar, Gesundheitszentrum für Migrantinnen und Migranten Köln
- Dr. Muriel Gonzalez, Universität zu Köln
- Marta Grabski, Rosa Strippe e.V. Bochum
- Ulrike Janz, Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW
- Prof. Dr. Marianne Kosmann, Fachhochschule Dortmund
- Dr. Constance Ohms, Frankfurt/Main
- Gema Rodríguez Díaz, Integrationsagentur im rubicon e.V. Köln
- Helga Seyler, Familienplanungszentrum Hamburg und Fachgruppe „Gesundheit lesbischer und bisexueller Frauen“ im Arbeitskreis Frauengesundheit AKF e.V.
- Dr.in Gabi Stummer, Köln
- Dr. Gesa C. Teichert, HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen
- Maria Zemp, Körperpsychotherapie, Heilpraktikerin, Schwerpunkt: Fachreferentin für Frauengesundheit Euskirchen und (internationale) Psychosoziale Traumarbeit, regelmässige Consultant für medica mondiale
und weitere Fachpersonen aus den Bereichen Beratung und psychosoziale Versorgung.

Hier können Interessierte auch den elektronischen Newsletter des Projektes abonnieren.

Medizin am Abend DirektKontakt

Frau Prof. Dr. Gabriele Dennert, Tel.: 0231 / 7556830, E-Mail: gabriele.dennert@fh-dortmund.de
Cornelia von Soosten Fachhochschule Dortmund


Weitere Informationen für Medizin am Abend Beteiligte sind bei:
http://www.fh-dortmund.de/queergesund

Epileptisches Gehirn - Anfallsleiden

Medizin am Abend Fazit: Fatale Entkopplung im epileptischen Gehirn

Bei der Epilepsie handelt es sich um ein weit verbreitetes Anfallsleiden. Rund ein Drittel der Patienten ist nicht therapierbar. Ein Forscherteam unter Federführung des Instituts für Zelluläre Neurowissenschaften der Universität Bonn hat nun eine neue Ursache zur Erklärung der Entstehung von Schläfenlappenepilepsien herausgefunden: In einem frühen Stadium werden Astrozyten voneinander entkoppelt. Dies hat die Anreicherung von Kaliumionen und Botenstoffen zur Folge, wodurch es zur typischen Übererregbarkeit der Neurone kommt. Die Ergebnisse werden vorab online im Fachjournal „Brain“ vorgestellt. Die Druckausgabe erscheint im Mai. 

Ein Astrozyt wurde mit einem Marker (rot) gefüllt, der bei intakter Kopplung in benachbarte Astrozyten diffundiert, wodurch ein Netzwerk sichtbar wird.
Ein Astrozyt wurde mit einem Marker (rot) gefüllt, der bei intakter Kopplung in benachbarte Astrozyten diffundiert, wodurch ein Netzwerk sichtbar wird.
Foto: Institut für Zelluläre Neurowissenschaften/Uni Bonn


Etwa zwei Prozent der Bevölkerung leidet unter Epilepsie. „Trotz immenser Anstrengungen in der Forschung sind die Ursachen dieser Erkrankung noch immer weitgehend unklar“, sagt Prof. Dr. Christian Steinhäuser, Direktor des Instituts für Zelluläre Neurowissenschaften der Universität Bonn. Rund ein Drittel der Patienten ist therapieresistent. „Bei einigen häufigen Formen, wie der Schläfenlappen-Epilepsie, ist dieser Anteil sogar bedeutend höher“, so der Forscher. Deshalb suchen Wissenschaftler nach neuen Wegen bei der Erforschung der Epilepsie, um die Grundlage für neue Therapiekonzepte zu schaffen.

Astrozyten: vom „Gehirnkitt“ zum wichtigen Partner der Neurone


Solch ein neuer Ansatz in der Erforschung der Epilepsie-Ursachen ist nun einem Team um Prof. Steinhäuser gelungen. Zusammen mit Neurochirurgen des Bonner Universitätsklinikums sowie Epileptologen des Universitätsklinikums Freiburg untersuchte das Institut für Zelluläre Neurowissenschaften der Universität Bonn die funktionellen Eigenschaften von Astrozyten. Dabei handelt es sich um Zellen des Nervensystems, die zu den Gliazellen zählen. Galten sie ursprünglich lediglich als „Kitt“, der das Gehirn zusammenhält, entpuppten sich die Astrozyten in den vergangenen Jahren zunehmend als wichtige Partner der Neurone.

Anreicherung von Kaliumionen führt zu Übererregbarkeit

„Die Epilepsie-Forschung ist dominiert von der Annahme, dass veränderte Eigenschaften von Nervenzellen Epilepsie verursachen“, sagt Prof. Steinhäuser. Seine Arbeitsgruppe hat nun nachgewiesen, dass Fehlfunktionen von Gliazellen bei der Entstehung von Epilepsien von entscheidender Bedeutung sind. Im Hirngewebe, das Patienten mit Schläfenlappenepilepsien zur Eindämmung der Anfallsaktivität entfernt wurde, beobachteten die Forscher, dass Astrozyten komplett fehlten. „Damit können auch keine funktionellen Netzwerke durch Kopplung der Astrozyten untereinander über interzelluläre Kanäle mehr ausgebildet werden“, sagt Erstautor Dr. Peter Bedner. Weil astrozytäre Netzwerke fehlen, können sich in diesem Gewebe für die Signalübertragung wichtige Kaliumionen und Botenstoffe, wie zum Beispiel Glutamat, anreichern. Dies führt zur Übererregbarkeit der betroffenen Nervenzellen und schließlich zu epileptischen Anfällen.

Ist der Verlust der astrozytären Kopplung Ursache für Epilepsie beim Menschen oder handelt es sich dabei um eine Folge der Übererregbarkeit? Um dieser Frage nachgehen zu können, entwickelten die Wissenschaftler eigens ein Mausmodell, das Merkmale aufweist, wie sie für die Schläfenlappenepilepsie beim Menschen typisch sind. „In diesem Modell konnten wir nun zeigen, dass im Verlauf der Epilepsieentstehung zuerst die Kopplung zwischen den Astrozyten verloren geht und Veränderungen in den Neuronen erst später stattfinden“, berichtet Prof. Steinhäuser.

Entkopplung ist im frühen Stadium reversibel

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Entkopplung der Astrozyten durch Entzündungen vermittelt wird. Ursache sind wahrscheinlich sogenannte Zytokine, die im Gehirn durch aktivierte Mikrogliazellen oder Astrozyten ausgeschüttet werden. „Wir konnten zeigen, dass die Entkopplung - zumindest im frühen Stadium der Epilepsie - rückgängig gemacht werden kann“, sagt Prof. Steinhäuser. Die Wissenschaftler hoffen nun, dass ihre Ergebnisse aus der Grundlagenforschung Ansatzpunkte für neue Therapien zur Behandlung der Schläfenlappenepilepsie ermöglichen.

 Im Gewebe von Patienten mit Schläfenlappen-Epilepsie verbleibt das Biozytin in der initial gefüllten Zelle. Eine Ausbreitung in Nachbar-Zellen ist nicht möglich, da die Zellen entkoppelt sind.
Im Gewebe von Patienten mit Schläfenlappen-Epilepsie verbleibt das Biozytin in der initial gefüllten Zelle. Eine Ausbreitung in Nachbar-Zellen ist nicht möglich, da die Zellen entkoppelt sind. Foto: Institut für Zelluläre Neurowissenschaften/Uni Bonn

Publikation: Astrocyte uncoupling as a cause of human temporal lobe epilepsy, Fachjournal “Brain”, DOI: 10.1093/brain/awv067, vorab online. Die Druckausgabe erscheint im Mai.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Christian Steinhäuser
Direktor des Institutes für Zelluläre Neurowissenschaften
Universität Bonn
Tel. 0228/28714669
E-Mail: christian.steinhaeuser@ukb.uni-bonn.de
Johannes Seiler Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Wechseljahre des Mannes? Testosteronmangel? Modeerkrankung

Medizin am Abend Fazit: Wechseljahre des Mannes gibt es nicht: Altersbedingter Testosteronmangel betrifft nur wenige

Wenn ältere Männer über Antriebsschwäche, Müdigkeit oder Libidoverlust klagen, wird häufig ein altersbedingter Testosteronmangel vermutet. Doch tatsächlich sind in Deutschland nur drei bis fünf Prozent der Männer über 60 von einem echten Testosteronmangel betroffen. Es gebe keine „Wechseljahre“ beim Mann, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Wann eine Testosteronbehandlung angezeigt ist, erläutern Experten auf der Pressekonferenz anlässlich des 58. Symposiums der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) am 18. März 2015 in Lübeck. 
 
Ab etwa dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel des Mannes jedes Jahr um ein bis zwei Prozent, was zumeist keine spürbaren Auswirkungen hat. Männer über 60 Jahre leiden häufiger an depressiven Verstimmungen, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Nervosität und Libidoverlust, seltener auch an einer Art Hitzewallungen. „Diese Beschwerden können vielfältige Ursachen haben, auch das Absinken des Testosteronspiegels kann mit ein Grund sein“, erklärt Professor Dr. med. Sven Diederich, Ärztlicher Leiter ENDOKRINOLOGIKUM Berlin am Gendarmenmarkt, Zentrum für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, und Vize-Präsident der DGE. „Jedoch haben die meisten Männer keinen behandlungsbedürftigen Testosteronmangel. Ein solcher kann etwa dann auftreten, wenn Erkrankungen des Hodens oder ein großer Tumor der Hirnanhangdrüse, die die Testosteronproduktion reguliert, vorliegen. „In diesem Fall behandeln wir die Patienten sehr erfolgreich mit Testosteronpräparaten“, so Professor Diederich.

Denn liegt ein wirklicher Hormonmangel vor, ist eine Testosteronbehandlung begründet. Aber in der Altersgruppe der 60- bis 79-Jährigen haben nur drei bis fünf Prozent einen Testosteronmangel, der den Libidomangel und andere Symptome wie erektile Dysfunktion erklärt. Dieser Gruppe, zu denen auch stark übergewichtige Männer mit erhöhtem Blutdruck, erhöhten Blutfetten und/oder erhöhtem Blutzucker gehören, könne durch eine Hormontherapie geholfen werden, betont Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Mediensprecher der DGE aus Bochum.

Beim Mann sinke der Testosteronspiegel sehr langsam und kontinuierlich ab. Erst wenn der Testosteronspiegel einen bestimmten Grenzwert unterschreite, träten Beschwerden auf – und dies auch nicht bei jedem Mann. „Man kann nicht von einem männlichen Klimakterium sprechen“, sagt Professor Schatz.

Nichtsdestoweniger sind die vermeintlichen „Wechseljahre des Mannes“ eine „Modeerkrankung“ und daher ein viel diskutiertes Thema in der Bevölkerung und in den Medien. Unabhängig von den Kontroversen unter Fachleuten wird mit Hormonprodukten Geld verdient.

Kontrovers diskutiert und weiter erforscht wird, ob und welche Risiken, etwa kardiovaskuläre Erkrankungen, die Testosterontherapie bei älteren Männern hat. Die Arzneimittelbehörde in den Vereinigten Staaten (FDA), nicht aber die in Europa (EMA), fordert von den Herstellern, Warnhinweise in die Beipackzettel aufzunehmen.

Professor Schatz bilanziert: „Wir warnen davor, Testosteron kritiklos zu verschreiben, nur wenn manche Anzeichen für einen Testosteronmangel sprechen, insbesondere ohne Bestimmung des Hormonspiegels. Jeder Fall muss auch individuell entschieden und der Patient muss regelmäßig kontrolliert werden.“

Literatur:
Professor Dr. med. Sven Diederich: Redemanuskript DGE-Pressekonferenz, 18.03.2015

Weitere Informationen zur Tagung und das Programm finden Sie im Internet unter: http://www.dge2015.de und

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.


Medizin am Abend DirektKontakt:

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Dagmar Arnold
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-167
arnold@medizinkommunikation.org
http://www.endokrinologie.net
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
 

Herzkatheter - Sterblichkeit - Blutungen

Medizin am Abend Fazit: Herzkatheter: Wechsel der Methode reduziert Sterblichkeit deutlich

Länder - Hintergrundlink: 

http://www.srf.ch/gesundheit/gesundheitswesen/herzkatheter-lukrative-spurensuche

Aktuell erfolgt der Zugang zum Herzen bei Untersuchungen oder Behandlungen mit Herzkathetern meist via Leiste. Deutlich besser schneidet als Methode jedoch der Zugang übers Handgelenk ab. Dies zeigt eine internationale Studie, an der die Universität Bern massgeblich beteiligt ist, die heute in der Fachzeitschrift «Lancet» publiziert wurde. 

 ablationhalsschlagader
 
Pro Jahr werden in der Schweiz rund 46'000 Herzkatheter-Untersuchungen durchgeführt, etwa 22'000 sind verbunden mit einer Behandlung der Herzkranzgefässe. Dabei werden die Gefässe –etwa bei einem Herzinfarkt – mit einem kleinen Ballon erweitert und mit einem medikamentenbeschichteten Stent gestützt, so dass der Herzmuskel wieder ausreichend mit Blut versorgt wird. Aktuell erfolgt die Mehrheit aller Interventionen mit dem Herzkatheter noch über den Leistenzugang. Der alternative Zugang über das Handgelenk wird in der Schweiz seltener gewählt, da er technisch anspruchsvoller ist.

Die Umstellung auf diese Methode hat jedoch bereits begonnen. Zu Recht, wie die bisher grösste randomisierte Studie zum Vergleich von Handgelenk und Leiste als Zugangsorte für Herzkatheter-Untersuchungen zeigt. Denn der Zugang über das Handgelenk kann Leben retten: Die Methode reduziert nicht nur das Risiko für Blutungen, sie senkt auch die Sterblichkeit der Patientinnen und Patienten um mehr als einen Viertel. Die Studie wird heute in der Medizinfachzeitschrift Lancet publiziert. «Die beobachtete Reduktion der Gesamtsterblichkeit wurde durch eine Meta-Analyse aller relevanten Studien untermauert», sagt einer der Hauptverantwortlichen, Professor Peter Jüni, neuer Direktor des Instituts für Hausarztmedizin der Universität Bern. «Deswegen sollte nun baldmöglichst von der Leiste aufs Handgelenk umgestellt werden», so Jüni.

Weniger Todesfälle, keine Mehrkosten

Die Studie, an der Forschende der Universität Bern gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Italien, Spanien, Schweden und den Niederlanden gearbeitet haben, wurde in der Zeitschrift «Lancet» publiziert. Sie basiert auf den Daten von rund 8400 Patienten mit akutem Herzinfarkt oder hohem Risiko dafür. Nach 30 Tagen wurden bei Patientinnen und Patienten, bei denen das Handgelenk als Zugangsort für den Herzkatheter gewählt wurde, 66 Todesfälle beobachtet, bei Patienten mit Leiste als Zugangsort 91Todesfälle.

«Bisherige Studien haben eine Reduktion des Blutungsrisikos gezeigt, aber keine klaren Vorteile bezüglich Sterblichkeit», meint der Erstautor der Studie, Dr. Marco Valgimigli von der Universität Rotterdam, Niederlande, und erklärt: «Die dank unserer Analysen nun ebenfalls gesicherte Reduktion der Gesamtsterblichkeit geht vor allem auf eine Verminderung grösserer Blutungen an der Zugangsstelle zurück.» In der Studie wurden beim Handgelenkszugang 16, beim Leistenzugang hingegen 43 dieser Blutungen beobachtet.

«Aufgrund dieser Zahlen gehen wir davon aus, dass mit einer vollständigen Umstellung des Zugangs von der Leiste auf das Handgelenk in der Schweiz jährlich mehrere hundert Blutungen oder Todesfälle vermieden werden können», sagt Jüni, «und dies gänzlich ohne Mehrkosten.» Die Studie sei damit ein typisches Beispiel für eine grosse Studie mit simpler Fragestellung, welche die Praxis verändere und die Behandlungsstrategie massgeblich verbessere. «Viele dieser einfachen Fragestellungen sind uninteressant für die Industrie, aber hochrelevant für unsere Patientinnen und Patienten», führt der Berner Professor für Hausarztmedizin aus. Deswegen brauche es in der Schweiz – wie in anderen Ländern längst der Fall – industrieunabhängige Finanzierungsquellen für die patientenzentrierte klinische Forschung, welche in Zukunft die zur Durchführung solcher Studien notwendigen ein- oder zweistelligen Millionenbeträge aufbringen können.

Umstellung auf die neue Methode braucht Ausbildung

Der Zugang am Handgelenk ist technisch allerdings anspruchsvoller als jener via Leiste. Denn die Arterie, welche am Handgelenk für die Einführung des Herzkatheters verwendet wird, ist kleiner als diejenige in der Leiste. Der Zugang über diesen Weg erfordert genügend Erfahrung und eine hohe technische Fertigkeit. «Eine sofortige Umstellung ist deshalb nicht möglich, es braucht dazu eine entsprechende Ausbildung», erläutert Professor Stephan Windecker, Chefarzt Kardiologie am Inselspital Bern. «Zudem ist bei einem kleinen Prozentsatz der Patientinnen und Patienten ein Zugang via Handgelenk aus technischen Gründen nicht möglich, sie müssen trotzdem über die Leiste behandelt werden.» Windecker, Hauptverantwortlicher für die entsprechende Richtlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, war nicht in die Studie involviert. Trotzdem ist er zuversichtlich, wie er sagt: «Eine Trendwende hat bereits stattgefunden, welche durch die Studienresultate weiter beflügelt wird».

Medizin am Abend DirektKontakt

Angaben zur Publikation:
Valgimigli M, et al, Radial versus femoral access in patients with acute coronary syndromes. Lancet 2015; published online March 16.
http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(15)60292-6


Marcus Moser
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lic. phil. Nathalie Matter
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Deutscher Pflegetag 2015 in Berlin

Medizin am Abend Fazit: Kommunen können Geld sparen, wenn sie Familien stark machen, die Angehörige pflegen

Projektabschluss „Quartiersnahe Unterstützung pflegender Angehöriger“ mit Tagung am 12. Juni 2015/Prof. Klaus Dörner als Gastredner 
 
Jeder Tag, den ein älterer Mensch noch zu Hause statt im Heim gepflegt wird, bringt den Kommunen bares Geld, weil die Heimkosten stetig steigen. „Und dabei müssen die Kommunen noch nicht mal viel Geld in die Hand nehmen, sie müssen nur die vielen Angebote, die es schon gibt, richtig steuern und managen“, sagt Prof. Dr. Angelika Zegelin, Leiterin des zu Ende gehenden Projektes zu den Ergebnissen. Im Projekt „Quartiersnahe Unterstützung pflegender Angehöriger“ haben Wissenschaftlerinnen der Universität Witten/Herdecke untersucht, dass es sich auch rein ökonomisch lohnt, die pflegenden Angehörigen zu stärken und zu entlasten. Wenn die Kommunen Familien stärken, die einen Angehörigen zu Hause pflegen, entlastet das die Familien UND den Haushalt der Kommune.

Weitere Ergebnisse gibt es auf der Tagung zum Projektende an der Universität Witten/Herdecke am 12.6.15, von 10 bis 16.30 Uhr, im Audimax, Alfred – Herrhausen - Str. 50 in Witten. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich bei Frau Koch (britta.koch@uni-wh.de).

Projektbeteiligte stellen Verlauf und Ergebnisse vor, Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner spricht als Gastredner über bürgerschaftliches Engagement im Pflegefeld. Die Veranstaltung richtet sich an alle Akteure im Bereich häuslicher Pflege, an Pflegeberatungsstellen und vor allem auch Planungsverantwortliche in Kommunen und Kreisen.

Prof. Dr. Angelika Zegelin

Das Programm ist abrufbar unter: www.uni-wh.de/pflege

Medizin am Abend DirektKontakt: 

Prof. Dr. Zegelin, 02302/926-379, angelika.zegelin@uni-wh.de
Kay Gropp Universität Witten/Herdecke

Über uns:

Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1983 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.000 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Entzündungen im Körper bei Sepsis/Blutvergiftung - Interleukin-3 http://www.infectcontrol.de

Medizin am Abend Fazit: Körpereigener Botenstoff lässt Entzündung aus dem Ruder laufen

https://www.youtube.com/watch?v=EHS_Dp4Ucjg

Internationalem Wissenschaftlerteam aus Harvard, Heidelberg und Dresden ist ein Durchbruch in der Erforschung der Entzündungsreaktionen bei Sepsis gelungen / Botenstoff Interleukin-3 startet und befeuert überschießende Immunreaktion / Ergebnisse aktuell in „Science“ erschienen 

Die Erforschung neuer Therapiestrategien bei Sepsis ist ein Schwerpunkt an der Anästhesiologischen Universitätsklinik Heidelberg. Die Erforschung neuer Therapiestrategien bei Sepsis ist ein Schwerpunkt an der Anästhesiologischen Universitätsklinik Heidelberg. Universitätsklinikum Heidelberg

Medizin am Abend Link Hinweis:    http://www.infectcontrol.de



Täglich sterben in Deutschland mehr als 140 Menschen an Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt. Bisher stehen nur wenige Medikamente zur Verfügung, um die überschießende Immunreaktion zu stoppen, denn die komplexen molekularen Abläufe sind in weiten Teilen noch unklar. Ein Durchbruch in der Aufklärung der Sepsis ist nun einem internationalen Team unter Leitung von Wissenschaftlern der Harvard Medical School, USA, und dem Universitätsklinikum Dresden in Zusammenarbeit mit Sepsis-Experten des Universitätsklinikums Heidelberg gelungen: Sie zeigten in ihrer gemeinsamen, aktuell in „Science“ erschienen Forschungsarbeit, dass der körpereigene Botenstoff Interleukin-3 (IL-3) ein entscheidendes Signal zur Ausweitung der Entzündung gibt. Sie entschlüsselten zudem die zugrundeliegenden Regelkreise. „Dies ist ein Meilenstein in der immunologischen Sepsisforschung“, freut sich Prof. Dr. Markus A. Weigand, der Ärztliche Direktor der Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums Heidelberg. „Diese Erkenntnisse werden uns bei der Suche nach neuen und besser wirksamen Therapiekonzepten einen großen Schritt weiter bringen.“

Die bisher kaum zu stoppende Entzündungsreaktion stellt nach wie vor eine der großen Herausforderungen der modernen Intensivmedizin dar. Aktuellen Zahlen zufolge erkranken in Deutschland etwa 180.000 Patienten pro Jahr an einer Sepsis. Bei der schwersten Verlaufsform, dem septischen Schock, sterben trotz moderner intensivmedizinischer Versorgung mehr als 60 Prozent der Patienten; bei weniger dramatisch verlaufenden Entzündungsreaktionen sind die Überlebenschancen etwas besser. Zusammengenommen überlebt rund ein Drittel der Patienten die außer Kontrolle geratene Infektion nicht. Für diese verheerende Bilanz gibt es drei Hauptgründe: „Es treten zunehmend aggressivere Krankheitserreger auf, gleichzeitig werden weniger neue Antibiotika entwickelt. Darüber hinaus erschweren die bisher nur ansatzweise verstandenen Krankheitsmechanismen der septischen Immunreaktion die Entwicklung neuer Medikamente“, so Weigand.

Schlechtere Überlebenschancen bei hoher Konzentration Interleukin-3 im Blut

Dank der internationalen Zusammenarbeit ist man nun einen Schritt weiter: Im Tierversuch identifizierten die Wissenschaftler eine Untergruppe von Immunzellen (Innate Response Activator (IRA) B-Zellen), die zu Beginn der Sepsis große Mengen des Botenstoffes IL-3 ins Blut abgeben. Dies hat wiederum zur Folge, dass sich andere Entzündungszellen des Immunsystems vermehren, im Blut patrouillieren und ihrerseits Botenstoffe, sogenannte Zytokine, ausschütten. „Der Körper wird von Zytokinen überflutet. Wir sprechen von einem Zytokinsturm, der Entzündungsreaktionen im gesamten Körper entfacht. Die neu entdeckte Untergruppe von Immunzellen dient dabei als Signalverstärker der Immunreaktion“, sagt der Heidelberger Experte. „Dieser Mechanismus war bisher noch völlig unbekannt und ist wahrscheinlich für die lebensgefährlichen Komplikationen einer Sepsis verantwortlich.“ Blutproben von Sepsispatienten an den Universitätsklinika Heidelberg und Dresden zeigten: Ein stark erhöhter IL-3-Spiegel ging mit schlechteren Überlebenschancen einher und zwar unabhängig von anderen Risikofaktoren.

Wurde bei Mäusen die Wirkung von IL-3 blockiert, verbesserte sich deren Überlebenschance bei Sepsis signifikant um ca. 88 Prozent. „Dieses Ergebnis eröffnet neuartige Therapiemöglichkeiten, um endlich die Prognose bei schwerer Sepsis bzw. septischem Schock verbessern zu können“, sagt Dr. Thorsten Brenner, der als anästhesiologischer Oberarzt derzeit für die Versorgung von septischen Patienten auf der Interdisziplinären Operativen Intensivstation der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg zuständig ist. Die Erforschung neuer Therapiestrategien bei Sepsis ist ein Schwerpunkt an der Anästhesiologischen Universitätsklinik Heidelberg.

Entzündungen führen zu Kreislaufkollaps und Organversagen

Die Sepsis entwickelt sich infolge schwerer Erkrankungen wie beispielsweise einer Lungenentzündung, infizierten Verletzungen oder nach großen Operationen.

Gefährdet sind vor allem schwerkranke Patienten auf Intensivstationen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem: Ihre körpereigene Abwehr reagiert auf eine Infektion nur verzögert; ausgehend vom Krankheitsherd breiten sich die Erreger daher im ganzen Körper aus. Doch dann kommt es innerhalb kürzester Zeit überall zu heftigen Entzündungsreaktionen: Der gesamte Körper sowie die inneren Organe schwellen an, der Kreislauf kollabiert und der Organismus gerät in einen Schockzustand, die Blutgerinnung wird überaktiv und die Adern verstopfen. Schließlich versagen Nieren, Leber, Lunge und Herz.

Literatur:
G. F. Weber, B. G. Chousterman, S. He, A. M. Fenn, M. Nairz, A. Anzai, T. Brenner, F. Uhle, Y. Iwamoto, C. S. Robbins, L. Noiret, S. L. Maier, T. Zönnchen, N. N. Rahbari, S. Schölch, A. Klotzsche-von Ameln, T. Chavakis, J. Weitz, S. Hofer, M. A. Weigand, M. Nahrendorf, R. Weissleder, F. K. Swirski.
Interleukin-3 amplifies acute inflammation and is a potential therapeutic target in sepsis. Science (2015). 347 (6227): p. 1260-1265. DOI: 10.1126/science.aaa4268

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. med. Markus A. Weigand
Ärztlicher Direktor
Anästhesiologische Universitätsklinik Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-6350
E-Mail: Anae.Sekretariat@med.uni-heidelberg.de
Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

Das Logo des Konsortiums InfectControl 2020
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Das Logo des Konsortiums InfectControl 2020 Luo Yu/HKI

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Mein Gehirn - objektbasierte Aufmerksamkeit?

Medizin am Abend Fazit: Reale und gedachte Objekte
behandelt das Gehirn gleich

Das Gehirn kann aus einer Flut von Informationen herausfinden, welche
Teile zu einem Ganzen gehören. Psychologen der Goethe-Universität haben
nun herausgefunden, dass dies auch für vorgestellte Objekte gilt.

Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf die Tür eines Hauses
richten, registriert das Gehirn auch bevorzugt dessen Fenster, nicht aber
die benachbarten Häuser. Psychologen der Goethe-Universität haben nun
herausgefunden, dass dieses als "objektbasierte Aufmerksamkeit" bekannte
Phänomen auch auftritt, wenn Teile der Objekte lediglich in unserem
Gedächtnis abgespeichert sind.

„Wahrnehmung und Gedächtnis sind in der bisherigen Forschung meist
getrennt betrachtet worden“, erklärt Benjamin Peters, Doktorand am
Institut für Medizinische Psychologie in der Arbeitsgruppe von Prof.
Jochen Kaiser. Dabei sind Parallelen naheliegend, denn genauso, wie wir
äußere Reize selektiv verarbeiten können, sind wir auch in der Lage, uns
auf diejenigen Gedächtnisinhalte zu konzentrieren, die momentan am
wichtigsten sind. Dies sind essentielle Fähigkeiten unseres Gehirns, die
eng mit der Intelligenz zusammenhängen und bei verschiedenen
psychiatrischen Krankheiten gestört sind.

In seiner Studie untersuchten Peters und Kollegen das in der
Wahrnehmungsforschung bestens bekannte Phänomen der "objektbasierten
Aufmerksamkeit". Die Erfahrung, dass wir, wenn wir nur ein Teil eines
Objekts betrachten, unsere Aufmerksamkeit automatisch auf das gesamte
Objekt ausdehnen – wie bei der Haustür und den Fenstern. In dem Versuch
wurden die Probanden gebeten, ihre Aufmerksamkeit abwechselnd auf eine von
vier Bildschirmpositionen zu richten. Zu sehen waren diese als Endpunkte
von je zwei künstlichen Objekten. Gemäß dem Prinzip der objektbasierten
Aufmerksamkeit konnten die Probanden ihre Aufmerksamkeit schneller
zwischen zwei Positionen des gleichen Objekts verschieben als zwischen
denen, die zu verschiedenen Objekten gehörten. Neu war, dass dieser Effekt
auch dann auftrat, wenn sich die Probanden diese Positionen nur im
Kurzzeitgedächtnis vorstellten.

Physiologisch konnten die Forscher den Effekt beschreiben, indem sie die
Hirndurchblutung mit Hilfe des Magnetresonanztomographen (MRT)
untersuchten. Zunächst fanden sie, wie erwartet, eine erhöhte Aktivität an
denjenigen Stellen der Hirnrinde, in denen die aktuell fokussierte
Position repräsentiert wurde (visueller und parietaler Kortex). Diese
erhöhte Aktivität breitete sich aber auch auf die Bereiche des Gehirns
aus, die die jeweils zugehörige Position desselben Objekts
repräsentierten, obwohl der Proband sich nicht darauf konzentrierte. „Das
ist insofern bemerkenswert, als dass dieser Effekt in Regionen des Gehirns
beobachtbar war, die normalerweise Wahrnehmungen repräsentieren, obwohl es
sich hier lediglich um Gedächtnisinhalte handelte“, erläutert Peters das
Versuchsergebnis. Dagegen blieben die Bereiche unverändert, in denen die
gleich weit entfernten Positionen des anderen Objektes repräsentiert
werden.

Diese Übereinstimmung eines grundlegenden Prinzips der Aufmerksamkeit in
der Wahrnehmung und im Gedächtnis legt nahe, dass sich viele Funktionen
der menschlichen Kognition möglicherweise auf wenige grundlegende
Mechanismen zurückführen lassen.

Publikation:
Benjamin Peters et al.: Activity in Human Visual and Parietal Cortex
Reveals Object- Based Attention in Working Memory, in: The Journal of
Neuroscience, February 25, 2015, 35(8):3360 –3369

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Benjamin Peters, Institut für Medizinische Psychologie,
Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-84735, peters@med.uni-frankfurt.de

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der
europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 gegründet mit rein privaten
Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern
fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto "Wissenschaft für
die Gesellschaft" in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen
und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100
Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den
Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie,
Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann
sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als
Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist
sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten
Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften
sowie Geisteswissenschaften."

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Dr. Anne Hardy,
Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main Telefon (069) 798 – 1
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Langanhaltender Schmerz im Sinne von chronischem Schmerz

Medizin am Abend Fazit: Gehirn verarbeitet langanhaltende Schmerzen emotionaler

Eine kurze Unachtsamkeit und schon ist der Finger eingeklemmt, der Kopf gestoßen oder der Fuß verstaucht – und schmerzt. Schmerz ist ein Schutzmechanismus des Körpers und gleichzeitig ein komplexes neurologisches Phänomen, das von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird. Langanhaltender Schmerz im Sinne von chronischem Schmerz ist zudem eine eigene und häufig schwer zu behandelnde Krankheit. Ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM) hat jetzt gezeigt, dass langandauernder Schmerz im Gehirn emotionaler verarbeitet wird als kurzer. 
 
Prof. Markus Ploner, Heisenberg-Professor für Human Pain Research an der TUM Fakultät für Medizin, und sein Team untersuchten mit ihren Experimenten die Schmerzwahrnehmung: Wie beeinflusst die Dauer des Schmerzes oder die Wirkung von Placebo die Aktivitäten im Gehirn? Sie benutzten für ihre Messungen Elektroenzephalogramme – kurz EEGs. Hierbei trägt der Proband eine Kappe mit 64 Elektroden, die während des gesamten Versuchs die Nervenzellaktivität des Gehirns messen können. Mit dieser Methode lässt sich zeitlich sehr genau darstellen, mit welchen Signalen Nervenzellen auf einen Schmerzreiz antworten.

Schmerz trifft Emotion

Die Wissenschaftler wählten folgenden Versuchsaufbau: 41 Studienteilnehmer erhielten über zehn Minuten schmerzhafte Hitzereize auf die Hand, die während des gesamten Zeitraums in ihrer Stärke variierten. Mit der anderen Hand sollten die Probanden mit Hilfe eines Schiebreglers kontinuierlich die momentan empfundene Schmerzstärke auf einer Skala von eins bis hundert bewerten.

„Das Ergebnis hat uns selbst sehr verblüfft: Schon über wenige Minuten veränderte sich die subjektive Schmerzwahrnehmung der Teilnehmer – sie spürten zum Beispiel Änderungen des Schmerzes, wenn der objektive Reiz unverändert blieb. Die Empfindung von Schmerz löste sich somit bereits über wenige Minuten vom objektiven Reiz“, beschreibt Markus Ploner die Ergebnisse.

Bisherige Studien zeigten, dass kurze Schmerzreize eher von sensorischen Hirnbereichen wahrgenommen werden. Diese verarbeiten die Signale aus den Sinnesorganen wie zum Beispiel der Haut. Bei den Experimenten mit langandauernden Schmerzen präsentierte sich den Wissenschaftlern im EEG aber ein anderes Bild: hier waren auch emotionale Hirnbereiche aktiv.

„Dauert ein Schmerz über einen längeren Zeitraum an, so wandelt er sich offensichtlich von einem reinen Wahrnehmungsprozess zu einem mehr emotionalen Prozess. Diese Erkenntnis ist hochinteressant für die Diagnose und Therapie von chronischen Schmerzen bei denen der Schmerz über Monate und Jahre andauert“, so Ploner, der auch Oberarzt an der Neurologischen Klinik am
TUM Klinikum rechts der Isar ist.

Placebo verändert Schmerzwahrnehmung

Dass nicht nur die Dauer, sondern alleine die Erwartung an einen Schmerzreiz die Wahrnehmung beeinflusst, zeigte ein zweites Experiment. Zwanzig Probanden erhielten zuerst unterschiedlich starke schmerzhafte Laserpulse abwechselnd auf zwei Bereiche auf ihrem Handrücken. Die Wahrnehmung eines jeden Schmerzreizes wurde anschließend mündlich bewertet. Im weiteren Verlauf des Experiments erhielten sie die gleichen Reize noch einmal mit dem Unterschied, dass vorher beide Bereiche eingecremt wurden. Obwohl beide Cremes wirkstofffrei waren, bekamen die Probanden gesagt, dass eine der Cremes eine schmerzlindernde Wirkung habe.

Das Ergebnis: „Die Probanden bewerteten die Schmerzen auf dem Hautbereich mit der angeblich schmerzlindernden Creme signifikant schwächer als auf der anderen Hautstelle“, so Ploner. Die Wissenschaftler konnten diesen Placebo-Effekt auch im Gehirn sichtbar machen: obwohl die Probanden die gleichen Schmerzreize erhielten, feuerten die Nervenzellen beim zweiten Durchlauf ein anderes Muster von Signalen.

„Unsere Ergebnisse zeigen, wie unterschiedlich unser Gehirn sogar objektiv gleiche Schmerzreize verarbeitet. Dieses komplexe neurologische Phänomen ‚Schmerz‘ im Gehirn systematisch zu kartieren und besser zu verstehen, ist eine große Herausforderung – für eine bessere Therapie von Schmerzpatienten aber dringend notwendig.“, meint Ploner.

Prof. Dr. Markus Ploner ist Tenure Track Assistant Professor an der TUM. Mehr zum TUM Faculty Tenure Track, dem deutschlandweit einmaligen Berufungs- und Karrieresystem: www.tum.de/tenure-track

Bildmaterial zum Download: https://mediatum.ub.tum.de/?id=1243430#1243430

Originalpublikationen
E. Schulz, E. S. May, M. Postorino, L. Tiemann, M. M. Nickel, V. Witkovsky, P. Schmidt, J. Gross, M. Ploner, Prefrontal gamma oscillations encode tonic pain in humans, Cerebral Cortex, Februar 2015.
DOI: 10.1093/cercor/bhv043

L. Tiemann, E. S. May, M. Postorino, E. Schulz, M. M. Nickel, U. Bingel, M. Ploner, Differential neurophysiological correlates of bottom-up and top-down modulations of pain, Pain, 2015, Feb;156(2):289-96.
DOI: 10.1097/01.j.pain.0000460309.94442.44

Medizin am Abend Kontakt

Prof. Dr. Markus Ploner
Neurologische Klinik und Poliklinik
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Tel.: 089 4140 – 4608
ploner@lrz.tu-muenchen.de
www.painlabmunich.de 


360° TOP-Thema: Wenn Laufen das Herz tötes und Darmkrebs und Kalorien gegen Krebs / Ernährungsmediziner

Medizin am Abend: Wenn Laufen das Herz tötet

Hier geht es zum heutigen Fachlink: 

http://www.praxisvita.de/wenn-laufen-das-herz-totet


Wenn der Herzmuskel entzündet ist, sprechen Ärzte von einer Myokarditis
Wenn der Herzmuskel entzündet ist, sprechen Ärzte von einer Myokarditis

Weiter mit Medizin am Abend Fazit: Neuer Strategieansatz gegen Darmkrebs

Team von Freiburger Forschern zeigt, wie bestimmte Enzym-Hemmer auf
Signalprozesse in kolorektalen Karzinomen wirken

Das kolorektale Karzinom, eine Form von Darmkrebs, ist bei Männern und
Frauen in Deutschland die zweithäufigste Tumorerkrankung. Das so genannte
mikrosatellitenstabile kolorektale Karzinom mit Mutationen im BRAF-Gen
stellt eine besonders aggressive Form dar. Das BRAF-Gen produziert das
Enzym B-Raf, das eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle der
Zellteilung spielt. Ein Forschungsteam aus Freiburg und Stuttgart mit der
Biologin Dr. Ricarda Herr und dem Biologen Dr. Tilman Brummer von der
Albert-Ludwigs-Universität hat in Zellkulturen gezeigt: B-Raf-Hemmer
können kolorektale Krebszellen in stärker differenzierte Zellen, die auf
eine bestimmte Funktion spezialisiert sind und sich oft weniger aggressiv
verhalten, umwandeln. Kombinationsstrategien mit B-Raf-Hemmern, die in
verschiedenen internationalen klinischen Studien untersucht werden,
könnten also verhindern, dass der Krebs streut. Die Forschungsergebnisse
hat das Team in der Fachzeitschrift „Cancer Research“ veröffentlicht.

Das Signalnetzwerk in menschlichen Zellen reguliert B-Raf und
gewährleistet, dass das Enzym nur unter bestimmten Umständen aktiviert
wird. Mutationen im BRAF-Gen führen zur Produktion eines veränderten
Proteins, das ständig aktiv ist. Eine so mutierte Zelle wird in das
Zellteilungsprogramm versetzt, vermehrt sich unentwegt und startet damit
eine Kette von Ereignissen, die zu Krebs führen. Es gibt mehrere
Medikamente, die hauptsächlich das mutierte B-Raf hemmen. Sie
konzentrieren sich besonders auf das Zellteilungsprogramm in den
Tumorzellen, während sie die gesunden Zellen größtenteils nicht
beeinträchtigen. Solche Medikamente gehören zur Standardtherapie bei dem
BRAF-mutierten metastasierenden Melanom, einer Art Hautkrebs. Wenig
bekannt ist bislang, wie sie bei anderen Krebsarten wirken – etwa beim
BRAF-mutierten kolorektalen Karzinom, für das es nur wenige
Therapiemöglichkeiten gibt.

Um dies herauszufinden, benutzten Brummer, Herr und ihr Team eine
dreidimensionale Zellkultur. Sie entdeckten einen neuartigen Effekt: Die
Forscherinnen und Forscher zeigten, dass die B-Raf-Hemmer nicht nur die
Zellteilungsrate der kolorektalen Krebszellen verringern, sondern auch
deren Differenzierung bewirken. Sie beobachteten beispielsweise, dass die
behandelten Krebszellen zunehmend Zelladhäsionsmoleküle produzieren. Diese
Moleküle befinden sich auf der Zelloberfläche und verbinden benachbarte
Zellen. So hindern sie die Krebszellen daran, sich vom primären Tumor
abzulösen und Metastasen zu bilden. Als das Team das mutierte B-Raf in
kolorektale Krebszellen ohne BRAF-Mutation einschleuste, erhielt es einen
eher undifferenzierten Zelltyp. Dies deutet darauf hin, dass BRAF-mutierte
Tumore einen eher undifferenzierten Charakter besitzen und dadurch ein
größeres Risiko der Metastasierung in sich bergen.

Erste kleine klinische Studien mit kolorektalen Krebspatientinnen und
Krebspatienten zeigen, dass B-Raf-Hemmer als alleiniger Wirkstoff
möglicherweise nicht so effektiv bei der Blockierung der Zellteilung sein
könnte, wie es bei Melanomen zu beobachten war. Die von Brummers Team
veröffentlichten Ergebnisse legen dennoch nahe, dass eine Kombination von
B-Raf-Hemmern mit anderen Substanzen wirkungsvoller sein könnte. Die
Forscher wollen dieses Konzept in Nachfolgestudien weiter verfolgen.

Brummer leitet eine Forschungsgruppe am Institut für Molekulare Medizin
und Zellforschung der Albert-Ludwigs-Universität und ist zudem Mitglied
des Freiburger Exzellenzclusters BIOSS Centre for Biological Signalling
Studies sowie maßgeblich beteiligter Wissenschaftler im
Sonderforschungsbereich 850 an der Universität Freiburg. Herr ist
Postdoktorandin in Brummers Forschungsgruppe.

Originalpublikation:
R. Herr, M. Köhler, H. Andrlová, F. Weinberg, Y. Möller, S. Halbach, L.
Lutz, J. Mastroianni, M. Klose, N. Bittermann, S. Kowar, R. Zeiser, M. A.
Olayioye, S. Lassmann, H. Busch, M. Boerries, T. Brummer (2015). B-Raf
Inhibitors Induce Epithelial Differentiation in BRAF-Mutant Colorectal
Cancer Cells. Cancer Res. 75(1):216-29. doi: 10.
1158/0008-5472.CAN-13-3686.


Medizin am Abend DirektKontakt:

Dr. Tilman Brummer
Institut für Molekulare Medizin und Zellforschung
BIOSS Centre for Biological Signalling Studies
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761 / 203 - 9610
E-Mail: tilman.brummer@zbsa.de
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, Rudolf-Werner Dreier

Ergänzend hierzu von Medizin am Abend Team:

Kalorien gegen Krebs / Ernährungsmediziner beklagen zu geringe Aufmerksamkeit auf die Ernährung

Krebs zehrt an den Reserven des Körpers. Da sollte es eigentlich selbstverständlich sein, Krebspatienten so gut wie möglich zu ernähren. Professor Hartmut Bertz, Onkologe und Ernährungsmediziner an der Tumorabteilung des Universitätsklinikums Freiburg, kritisiert, dass sich die meisten Onkologen zu sehr auf die Krebsbekämpfung beschränken. "Dass nebenbei auch der Patient schrumpft, sehen sie nicht", sagt er in der "Apotheken Umschau". Ernährungstherapien wirken dem zerstörerischen Krebsprozess entgegen - auch wenn sie ihn längst nicht immer umkehren können, verbessern sie doch die Lebensqualität. Kritisch steht der Experte Krebsdiäten gegenüber, die den Tumor "aushungern" sollen. "Da ist viel Scharlatanerie dabei. Es gibt keinerlei Daten, dass diese Diäten wirken", sagt Bertz.

Das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau" 2/2015 B liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.