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Einladung: TU Berlin: Armut und Gesundheit 5. und 6. März 2015 an der TU Berlin

Medizin am Abend Fazit: Einladung zum Public Health-Kongress mit mehr als 2.200 Teilnehmenden am 5. und 6. März 2015 an der TU Berlin

Mehr als 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden im März 2015 zum
Kongress Armut und Gesundheit an der TU Berlin erwartet. Insgesamt 100
Veranstaltungen werden beim größten Public Health-Kongress in Deutschland
angeboten. In diesem Jahr wird unter dem Motto „Gesundheit gemeinsam
verantworten“ vor allem die ressortübergreifende Zusammenarbeit im
Mittelpunkt der Diskussionen stehen.

Die soziale Schieflage nimmt beständig zu. Zwar wächst der Wohlstand, aber
nur für einen Teil der Gesellschaft. Was außerdem wächst, sind Altersarmut
und prekäre Arbeitsverhältnisse sowie die Zahl der Kinder und
Jugendlichen, die in Armut oder mit erhöhtem Armutsrisiko leben und deren
Chancen auf Gesundheit damit von Anfang an eingeschränkt sind. Der Unmut
über solche Verhältnisse bestärkt sowohl die Veranstalter – Gesundheit
Berlin-Brandenburg, die Deutsche Gesellschaft für Public Health und das
Zentrum Technik und Gesellschaft sowie Gesundheits-ökonomisches Zentrum
Berlin der TU Berlin – als auch die mehr als 450 Referierenden und
Moderierenden darin, dass der Kongress auch im 20. Jahr seines Bestehens
nicht an Aktualität verliert.


Hier werden die auch Podiumsgäste gemeinsam diskutieren, inwiefern das
Präventionsgesetz in seiner jetzigen Form zum Abbau gesundheitlicher
Chancenungleichheit beiträgt.

Der Kongress findet an den folgenden Tagen statt:

Zeit: 5. und 6. März 2015
Ort: TU Berlin, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin, Hauptgebäude

Weitere Informationen sowie das Kongressprogramm unter:
www.armut-und-gesundheit.de

Medizin am Abend DirektKontakt

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Marion Amler
Gesundheit Berlin-Brandenburg
Friedrichstraße 231, 10969 Berlin
Tel.: 030/44 31 90 72
E-Mail: amler@gesundheitbb.de
www.gesundheitbb.de
Technische Universität Berlin, Stefanie Terp

Grippe-Impfstoff wirkt nicht wie gedacht

Medizin am Abend Fazit: Experten des HZI geben eine Einschätzung der Lage und erklären die Ursachen

Der diesjährige Grippe-Impfstoff wirkt nicht optimal. Eine Impfung ist dennoch sinnvoll.

Der diesjährige Grippe-Impfstoff wirkt nicht optimal. Eine Impfung ist dennoch sinnvoll. @El Alvi CC BY 2.0

Der Grippeimpfstoff dieser Saison wirkt offenbar nicht optimal. Bei einem der drei derzeit zirkulierenden Virustypen müsse mit einer schwächeren Wirksamkeit gerechnet werden, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) mit. Prof. Klaus Schughart, Leiter der Abteilung „Infektionsgenetik“ und Prof. Carlos Guzmán, Leiter der Abteilung „Vakzinologie“ am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig äußern sich zur aktuellen Lage und den Hintergründen.

In den vergangenen Wochen gingen Schlagzeilen wie „Grippe: Eine Impfung schützt nicht so gut wie früher“, „Grippewelle rollt an: Grippeviren breiten sich aus“ oder „Impfstoff bereitet Probleme: Tausende Deutsche kämpfen mit der Grippe“ durch die Medien. Grund für die schwächere Wirksamkeit ist eine in diesem Jahr kursierende H3N2-Variante, die gegenüber dem Impfstoffvirus leicht verändert ist. „Der Influenzastamm für die Herstellung des Impfstoffs wird im vorausgehenden Jahr bestimmt. Hierfür wird eine Voraussage auf Basis des Vorjahres und den zu dem Zeitpunkt kursierenden Influenzaviren getroffen. Die Voraussagen sind meistens sehr gut, nur leider nicht immer“, sagt Schughart.

Und das, obwohl sich die Vorhersage auf Daten aus über 100 nationalen Referenzlaboratorien in der Welt an die WHO bezieht. Auf Basis dieser wird dann nach Beratung mit Experten den Stamm für die Herstellung des Impfstoffs auswählt. „Trotz aller Bemühungen bleibt es schwer, die genauen Influenza-Subtypen, gegen die der Impfstoff wirken muss, so weit im Voraus schon zu bestimmen“, sagt Guzmán. „Wir müssen also weiter an besseren Methoden für die Vorhersagen arbeiten und darüber hinaus nach neuen Impfstoffen suchen, die Schutz gegenüber allen Influenza-A-Typen bieten.“

Für dieses Jahr ist das zu spät und es muss mit einer stärkeren Grippewelle gerechnet werden als in den vergangenen Jahren. „In den USA ist die Grippewelle bereits vorbei und das dort kursierende Virus scheint stärkere Symptome zu verursachen, als in vorangegangenen Epidemien“, sagt Schughart. „In Deutschland steht der Gipfel noch bevor. Wir müssen aber mit einem ähnlichen Verlauf rechnen“. Bereits in den vergangenen drei Wochen ist die Zahl der Influenzainfektionen in Deutschland stark gestiegen, der Höhepunkt wird aber erst in den kommenden drei Wochen erwartet.

Obwohl der aktuelle Impfstoff nicht so effektiv ist wie erhofft, sind sich die HZI-Forscher einig, dass eine Impfung dennoch empfehlenswert ist. "Teilweiser Schutz ist besser als keiner. Daher sollte man sich dennoch impfen lassen, auch wenn die Impfung gegen einen Stamm weniger gut schützt, als erwartet", sagt Guzmán. „Außerdem schützt der diesjährige Impfstoff gegen mehrere Viren– das saisonale H1N1-, das Influenza-B-Virus und das besagte H3N2-Virus. Eine gute Schutzwirkung gegen die H1N1- und Influenza-B-Viren ist gegeben“, ergänzt Schughart.

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. Am seinem Standort in Braunschweig-Stöckheim blickt das Zentrum auf eine jahrzehntelange Historie zurück. Bereits 1965 begannen hier die ersten Arbeiten; 2015 feiert das HZI 50-jähriges Jubiläum.

Aktueller Hintergrund:

http://www.welt.de/gesundheit/article137691292/Das-ist-der-Hotspot-der-Grippewelle-in-Deutschland.html


Medizin am Abend DirektKontakt

Rebecca Winkels
Telefon: 0531 6181-1403
rebecca.winkels@helmholtz-hzi.de
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Rebecca Winkels
http://www.helmholtz-hzi.de/

Panikattacken in der Menschenmenge


Bei Panikattacken in der Menschenmenge schnell Hilfe holen / TÜV Rheinland: Platzangst kann gut behandelt werden / Symptome erinnern an einen Herzinfarkt

Auch nach der fünften Jahreszeit herrscht entlang der großen Umzüge dichtes Gedränge. Überfüllte Straßenbahnen und das Gerangel um den besten Platz an der Wegstrecke oder in der Kneipe werden schnell zum Stresstest. "Menschen, die Klaustrophobie, also Angst vor geschlossenen, engen und vollen Räumen haben, leiden ganz besonders unter solchen Situationen", sagt Kristina Soldo, Psychologin bei TÜV Rheinland. Aber auch für Agoraphobiker, die öffentliche Plätze und Menschenaufläufe meiden, gehört Karneval nicht zur schönsten Zeit im Jahr. "Durch diese Platzangst sind sie so gehemmt, dass sie das Haus nicht mehr verlassen oder gar reisen, auch weil sie fürchten, dass ihnen im Notfall niemand helfen kann", erläutert Kristina Soldo. Was aber, wenn gerade Phobiker im tiefsten Herzen große Jecken sind? "Dann ist die Motivation, etwas zu ändern, umso größer", weiß die Expertin. 

Spezielle Atemübungen gegen Angststörungen 

Generell seien Angststörungen gut und zügig therapierbar. "Die Betroffenen erfahren, welches Muster hinter ihrer Furcht steckt, oft handelt es sich um eigene fehlgeleitete Lernerfahrungen", so Kristina Soldo. Im Anschluss würden gemeinsam mit einem Therapeuten die angstfördernden, häufig völlig irrationalen Gedanken analysiert. Was dann folgt, ist die Expositionstherapie, der Betroffene muss sich bewusst seiner Angst aussetzen. "Die Patienten lernen, dass die Panik nachlässt, weil unser Körper das nicht dauerhaft aushalten kann." Spezielle Atemübungen oder progressive Muskelentspannung und Yoga helfen zudem.

Menschenmenge möglichst schnell verlassen 

Wer noch nie davon betroffen war, dann aber an Karneval in der Menschenmenge plötzlich eine Panikattacke bekommt, ist erst einmal komplett überfordert. Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Druck auf der Brust und Übelkeit seien die ersten Symptome. "Viele denken, sie hätten einen Herzinfarkt", erklärt die Psychologin. Auf jeden Fall gilt es, die Situation zu verlassen, langsam durchzuatmen und ruhig von zehn bis null runterzuzählen. "Man sollte möglichst jemanden mitnehmen, der den Notarzt ruft, um andere körperliche Ursachen tatsächlich auszuschließen."

Medizin am Abend DirektKontakt

Jörg Meyer zu Altenschildesche,Tel.: 0221/806-2255 

Sportliche Aktivität erhöht Beschäftigungschancen und Einkommen


Medizin am Abend Fazit: Sportliche Aktivität erhöht Beschäftigungschancen und Einkommen

Der Stellenwert sportlicher Fitness für die Überwindung von
Arbeitslosigkeit wird vielfach unterschätzt. Dabei belegen zahlreiche
Studien, dass Sport neben der Gesundheit auch die kognitiven und nicht-
kognitiven Fähigkeiten fördert – einschließlich sozialer Kompetenzen wie
Teamwork, Selbstdisziplin, Ausdauer, Stressbewältigung und
Selbstvertrauen. Für IZA World of Labor, eine Online-Plattform des
Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), hat Michael Lechner diesen
Zusammenhang untersucht. Seine Analyse legt nahe, dass die Förderung
sportlicher Betätigung als Maßnahme der aktiven Arbeitsmarktpolitik die
Wiederbeschäftigungschancen gerade von Langzeitarbeitslosen deutlich
steigern könnte.

Mit der Sportausübung geht der Studie zufolge in aller Regel eine
gesteigerte individuelle Leistungsbereitschaft und Produktivität einher.
Bei Erwerbstätigen kann sich dies positiv auf den individuellen Erfolg am
Arbeitsmarkt auswirken und zu Lohnsteigerungen zwischen vier und 17
Prozent führen. Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) für Deutschland
belegen beispielsweise ein fünfprozentiges Einkommensplus für Männer, die
mindestens einmal pro Woche sportlich aktiv sind. Besonders wirksam sind
Sportarten im Freien, doch auch Fitnesstraining zahlt sich aus.

Schon Kinder und Jugendliche profitieren vom Sport durch bessere
schulische Leistungen und „Soft Skills“, die sich wiederum positiv auf die
späteren Arbeitsmarktchancen auswirken. So zeigen SOEP-Daten ebenfalls,
dass Frauen, die bereits als 15-Jährige regelmäßig Sport trieben, im
Durchschnitt rund sechs Prozent mehr verdienen.

Aber auch Stellensuchende werden durch die Effekte sportlicher Aktivitäten
mit höherer Wahrscheinlichkeit zu intensiveren Suchanstrengungen und
selbstbewussterem Auftreten in Bewerbungsverfahren angeregt. Sport sollte
dabei allerdings nicht den Zeiteinsatz für die Rückkehr auf den
Arbeitsmarkt oder eine Qualifizierung reduzieren, sondern eher
„unproduktive“ Zeiten etwa vor dem Fernseher verringern.

„Die gezielte Förderung sportlicher Betätigung könnte als
arbeitsmarktpolitische Maßnahme zur Aktivierung von Langzeitarbeitslosen,
beispielsweise in Form von Laufgruppen oder Mannschaftsporttraining,
durchaus sinnvoll sein“, erklärt Lechner. Auf diese Weise ließen sich die
körperliche und geistige Fitness der freiwilligen Teilnehmer steigern
sowie deren Teamgeist und Durchhaltevermögen fördern. „Das sind alles
Eigenschaften, die auf dem Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle spielen“, so
der Ökonom von der Universität St. Gallen.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) kooperiert auf diesem Gebiet seit
einigen Jahren mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem
Deutschen Fußball-Bund (DFB). Ein „vielversprechender Ansatz“, findet
Lechner. Evaluationsstudien müssten nun zeigen, welche konkreten
Umsetzungen sich in der Praxis bewährt haben. Denn bislang gibt es zwar
einzelne lokale Projekte, aber noch kein flächendeckendes Angebot.

Die englischsprachige Studie ist über IZA World of Labor abrufbar:


Medizin am Abend DirektKontakt

Mark Fallak
fallak@iza.org
(0228) 3894-223

Ehrenamtliche Aufgaben - bessere Gesundheit

Medizin am Abend Fazit: Auch Erwerbstätige profitieren von Freiwilligenarbeit

Erwerbstätige Menschen, die nebenbei ehrenamtliche Aufgaben wahrnehmen,
erfreuen sich besserer Gesundheit. Sie sind mit dem Ausgleich zwischen
Privat- und Arbeitsleben zufriedener als Menschen, die keine
Freiwilligenarbeit leisten. Zu diesem Schluss gelangt eine vom
Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderte Studie.

Obwohl die Mehrheit ehrenamtlich tätiger Menschen im Arbeitsleben steht,
untersuchten frühere Studien vor allem den positiven Einfluss von
Freiwilligenarbeit auf Rentner. Nun haben Forschende der ETH Zürich und
der Universität Zürich volljährige Erwerbstätige in der deutschen Schweiz
befragt – und die Auswertung der insgesamt 746 Fragebögen veröffentlicht
(*).

Freiwilligenarbeit vermittelt das Gefühl von Ausgeglichenheit

Ungefähr ein Drittel der untersuchten Erwerbstätigen arbeitet nebenbei
auch freiwillig. Diese Personen sind trotz zusätzlicher Belastung
zufriedener in Bezug auf das Gleichgewicht zwischen Berufs- und
Privatleben als Erwerbstätige ohne Nebenarbeit. Der Unterschied ist zwar
klein, doch die Forschenden erklären ihn damit, dass zusätzlich und
freiwillig verrichtete Arbeit das Gefühl vermitteln kann, dass die eigene
Zeit gut eingeteilt ist. Dieses Erfolgsgefühl sowie die Überzeugung, etwas
Sinnvolles für die Gesellschaft zu leisten, scheinen wiederum einen
günstigen Einfluss auf die Gesundheit zu haben, wie zum Beispiel weniger
Stresssymptome oder erhöhtes psychisches, emotionales und soziales
Wohlbefinden. Romualdo Ramos, der für die ETH Zürich und die Universität
Zürich tätig ist, stellt aber klar: "Wir können mit unserer Studie nicht
ausschliessen, dass dieser Zusammenhang daher rührt, dass jene Menschen,
die gesünder sind, einfach eher dazu neigen, ehrenamtlich zu arbeiten, als
solche, denen es gesundheitlich schlechter geht."

Die vorteilhaften Effekte der Freiwilligenarbeit zeigten sich ausserdem
nur dann, wenn die Motivation dahinter aufrichtig sei.

 "Werden ehrenamtliche Aufgaben aufgrund sozialen Drucks oder aus Karrieredenken übernommen, bleiben positive Nebeneffekte aus", 
sagt Ramos.

Im Pensionsalter soziale Kontakte herstellen

Die positiven Begleiterscheinungen der Freiwilligenarbeit bei
Erwerbstätigen sind bei Pensionierten, die ehrenamtlich tätig sind,
deutlicher ausgeprägt. Gemäss Ramos könne dies unter anderem damit zu tun
haben, dass bei älteren Personen die intrinsische Motivation zur
Freiwilligenarbeit grösser ist als bei Erwerbstätigen. Ein allfälliger
Mangel an sozialen Kontakten kann mit einem ehrenamtlichen Engagement zum
Beispiel gut kompensiert werden. Generell scheinen Menschen, die über eher
schwache psychosoziale Ressourcen verfügen (wie zum Beispiel Arbeitslose
oder Migranten), am deutlichsten von den positiven Effekten zu
profitieren, die mit Freiwilligenarbeit in Zusammenhang stehen.

(*) Busy Yet Socially Engaged: Volunteering, Work-Life Balance and Health
in the Working Population, R. Ramos, R. Brauchli, G. Bauer, T. Wehner and
O. Hämmig, Journal of Occupational and Environmental Medicine (in press).
doi: 10.1097/JOM.0000000000000327 (Für Medienvertreter beim SNF per E-Mail
unter com@snf.ch erhältlich.)

Medizin am Abend DirektKontakt

Romualdo Ramos
Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention
Universität Zürich
Winterthurerstrasse 30
8006 Zürich
Tel: +41 44 634 63 86
E-Mail: romualdo.ramos@ifspm.uzh.ch

TK-Langzeitstudie: Sport ist auch bei schweren Erkrankungen

Langzeitstudie der Techniker Krankenkasse zeigt: Sport ist auch bei schweren Erkrankungen eine gute Therapie

Wer sich viel bewegt, bleibt körperlich fit und länger gesund - das ist unumstritten. Doch was ist mit Menschen, die so schwer erkranken, dass sie kaum noch den Mut und den Antrieb haben, sich zu bewegen? Antworten auf diese Frage gibt jetzt eine Langzeitstudie der Techniker Krankenkasse (TK) mit Diabetikern und Herz-Kreislauf-Erkrankten. Sie belegt erstmalig außerhalb einer klinischen Studie:

Überlebenswichtige Gesundheitsparameter lassen sich mit Sport auch im höheren Lebensalter langfristig verbessern. So stieg die Leistungsfähigkeit nach sechs Monaten um fast ein Zehntel, der Insulinbedarf reduzierte sich um knapp die Hälfte (46 Prozent) und die Herzfrequenz verbesserte sich in dem Maße, als wenn die Patienten ein entsprechendes Medikament genommen hätten.

Marianne Deubzer aus München ist über sechzig und täglich darauf angewiesen, ihren Blutzuckerspiegel im Auge zu behalten und Insulin zu spritzen. Sie weiß, dass jedes Kilo zu viel auf der Waage eine Zusatzbelastung für ihren Körper ist und dass Bauchumfang und Lebenserwartung in einem direkten Zusammenhang miteinander stehen. "Das Programm hat mich motiviert, mich mehr zu bewegen. Ich habe damit mein Gewicht verringert und spritze deutlich weniger Insulin", freut sich die 62-Jährige, die heute regelmäßig viel Sport treibt.

Möglich machte dies das Programm "Sport als Therapie", das der Münchener Sportmediziner Prof. Dr. Martin Halle entwickelt hat. Seit drei Jahren können TK-Versicherte daran teilnehmen und seit der ersten Stunde wird das Programm wissenschaftlich begleitet. Das Ziel: zu überprüfen, ob sich damit die Leistungsfähigkeit schwerkranker Menschen langfristig wieder steigern lässt.
"Es ging uns darum, ein alltagsfähiges Programm zu entwickeln, das auf Eigenverantwortung setzt und den Menschen dabei hilft, ihren Alltag besser meistern zu können", sagte Dr. Jens Baas bei der Präsentation der Studienergebnisse in Berlin. "Und die Ergebnisse zeigen, dass wir mit einer Mischung aus sportmedizinischer Betreuung, aktiver Trainingshilfe und motivierendem Coaching auf dem richtigen Weg sind", so der TK-Vorstandsvorsitzende.

Prof. Halle fasste in Berlin die Zwischenergebnisse nach dreijähriger Forschung zusammen: Danach besserten sich nach sechsmonatigem Training bei den im Durchschnitt 65 Jahre alten Patienten sowohl das Gewicht und der Bauchumfang, aber auch die Cholesterinwerte und der Langzeitblutzuckerwert. Auch die Sauerstoffaufnahme pro Kilogramm Körpergewicht nahm bei den Patienten deutlich zu und die (in Watt) gemessene Leistungsfähigkeit stieg bei den Teilnehmern deutlich an. Und: Insulinpflichtige Patienten konnten durch die gesteigerte körperliche Aktivität ihren Verbrauch an Insulin deutlich reduzieren.

"Durch unsere Studie können wir jetzt erstmals auf der Patienten-Versorgungsebene bestätigen, dass Sport signifikant die Leistungsfähigkeit und das kardiovaskuläre Risikoprofil bei Herz-Kreislaufpatienten und Diabetikern verbessert", so Halle.

Zum Hintergrund: In einem Zeitraum von drei Jahren hat die TK 1352 Risiko-Patienten mit Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen oder beidem angerufen und auf das Programm hingewiesen. Knapp die Hälfte interessierte sich für das Programm, jeder Vierte nahm schließlich daran teil. Die Teilnehmer waren mehrheitlich männlich (81,5 Prozent) und im Schnitt knapp 66 Jahre alt.

Aufgrund der positiven Ergebnisse kündigte die TK an, ein ähnliches Programm ab diesem Herbst auch für Krebspatienten anzubieten.

Medizin am Abend DirektKontakt

Hermann Bärenfänger Tel. 040-6909 2058 

Fitness schützt vor altersbedingten Chromosomenschäden

Medizin am Abend Fazit: Fitness schützt vor altersbedingten Chromosomenschäden

Forschungsplattform "Active Ageing" legt neue Studien vor

Im Rahmen der Forschungsplattform "Active Ageing" wird der Einfluss von
Krafttraining, Ernährung und kognitivem Training auf Gesundheit,
Wohlbefinden und körperliche Fitness bei PensionistInnen untersucht. Erste
Ergebnisse einer zweijährigen Studie unter der Leitung von
Ernährungswissenschafter Karl-Heinz Wagner und der Molekularbiologin
Barbara Wessner vom Institut für Sportwissenschaft – beide forschen an der
Universität Wien – zeigen neue Erkenntnisse zu molekularen Mechanismen und
Biomarkern des Alterns.

"Wir wollen Altersprozesse besser verstehen und untersuchen deshalb die
Effizienz von Lebensstilaktivitäten für das gesundheitliche Wohl von
PensionistInnen", erklärt Karl-Heinz Wagner, Leiter der
Forschungsplattform "Active Ageing" an der Universität Wien. Das
interdisziplinäre Team aus den Bereichen Ernährungswissenschaften,
Sportwissenschaft und Pharmakognosie rekrutierte gemeinsam mit
MitarbeiterInnen des Kuratoriums Wiener Pensionistenwohnhäuser knapp 120
ProbandInnen mit einem Durchschnittsalter von 84 Jahren.

Die StudienteilnehmerInnen wurden per Zufall in drei Interventionsgruppen
eingeteilt, die – unterteilt in Krafttraining, Krafttraining und
Nahrungsergänzung, Gedächtnistraining – einer 18-monatigen Intervention
unterzogen wurden. "Alle sechs Monate wurden nicht nur
Standarduntersuchungen wie Körperzusammensetzung, Blutparameter oder
Muskelfunktionstests durchgeführt, sondern auch Muskelbiopsien genommen",
so Barbara Wessner, Molekularbiologin am Institut für Sportwissenschaft
der Universität Wien, zur Vorgangsweise für die Studie.

Mikrokernbildung stagniert im hohen Alter

Erste Ergebnisse auf molekularer Ebene zeigten, dass die ProbandInnen
geringere als für das hohe Alter zu erwartende Chromosomenschäden
aufwiesen. Jene Fehler bei der Zellteilung von Lymphozyten – sogenannten
Mikrokernen –, die durch altersbedingte Chromosomenschädigung auftraten,
unterschieden sich nicht von jüngeren SeniorInnen. "Damit konnten wir
erstmals zeigen, dass das Mikrokernauftreten bei Personen an oder über der
Lebenserwartung einen Plateaueffekt, also eine Stagnation aufweist", so
Karl-Heinz Wagner.

Aktivität reduziert die Bildung von Mikrokernen

Durch die ersten sechs Monate Aktivität konnte die Häufigkeit von
Mikrokernen um 15 bis 20 Prozent reduziert werden. Das ist höchst
gesundheitsrelevant, da Mikrokerne mit dem Aufkommen verschiedener
Krankheiten, wie etwa Krebs und Diabetes, verbunden sind. Zudem waren DNA-
Einzel- und Doppelstrangbrüche stark reduziert und die Aktivität von
Enzymen der oxidativen Abwehr signifikant erhöht. "Wie in der Literatur
bekannt, steht eine optimale Versorgung der Vitamine B12 und Folsäure in
einem direkten Zusammenhang mit einer reduzierten Mikrokernhäufigkeit", so
Wagner. Bereits nach sechs Monaten Krafttraining in Verbindung mit
Nahrungsergänzung waren sowohl ein Anstieg des Vitamin B12-Plasmaspiegels
als auch eine reduzierte Mikrokernfrequenz erkennbar.

Beeinträchtigung der Immunfunktion im Alter

Ein weiterer Schwerpunkt der ersten Auswertungen lag im Bereich der
altersassoziierten Veränderungen im Immunsystem. Im Besonderen wurde hier
der Zusammenhang von Alter, körperlicher Fitness, und verschiedenen
Signalwegen in Immunzellen untersucht, wobei der Körperfettgehalt der
StudienteilnehmerInnen zu Beginn der Studie eine größere Rolle zu spielen
scheint als die körperliche Fitness selbst.

"Wir sind schon gespannt auf die Ergebnisse der laufenden Analysen, die zeigen werden, ob das Krafttraining oder die Nahrungsergänzung, die neben einem hohen Eiweißgehalt auch die Vitamine D, B2 und B12 enthielt, einen positiven
Einfluss auf das Immunsystem hatte", so Barbara Wessner.

Zusammenhang zwischen Muskelmasse und Biomarkern im Blut entdeckt

Klinisch relevant ist wohl auch die jüngste Publikation, die sich dem
Thema der muskelassoziierten Biomarker im Blut widmete. Aus einem Set an
vielversprechenden Markern waren es vor allem die Proteine GDF-15 und
IGF-1 die einen Zusammenhang mit dem Alter und der Muskelmasse aufwiesen.
Diese Kandidaten bilden die Grundlage für Folgestudien, die sich mit der
Diagnostik der Sarkopenie (des altersbedingten Verlusts an Muskelmasse und -funktion) im klinischen Kontext auseinandersetzen werden.

Unter Beteiligung zahlreicher NachwuchswissenschafterInnen der Universität
Wien sowie von nationalen und internationalen Projektpartnern sind im
Rahmen der Studie bereits vier Artikel in renommierten Fachjournalen
erschienen. Mit der Forschungsplattform "Active Ageing" und der damit
verbundenen, sehr breit angelegten Studie, liefert die Universität Wien
einen wichtigen Beitrag zur Altersforschung im internationalen Kontext.

Publikationen in:
Franzke B, Halper B, Hofmann M, Oesen S, Jandrasits W, Baierl A, Tosevska
A, Strasser EM, Wessner B, Wagner KH; The Vienna Active Ageing Study
Group. The impact of six months strength training, nutritional
supplementation or cognitive training on DNA damage in institutionalised
elderly. Mutagenesis. 2015; 30(1):147-53. doi: 10.1093/mutage/geu074.

Franzke B, Halper B, Hofmann M, Oesen S, Peherstorfer H, Krejci K, Koller
B, Geider K, Baierl A, Tosevska A, Strasser EM, Wessner B, Wagner KH; The
Vienna Active Ageing Study Group. The influence of age and aerobic fitness
on chromosomal damage in Austrian institutionalised elderly. Mutagenesis.
2014; 29(6):441-5. doi: 10.1093/mutage/geu042

Halper B, Hofmann M, Oesen S, Franzke B, Stuparits P, Vidotto C, Tschan H,
Bachl N, Strasser EM, Quittan M, Wagner KH, Wessner B. Influence of age
and physical fitness on miRNA-21, TGF-β and its receptors in leukocytes of
healthy women. Exercise Immunology Reviews. 2015; 21:133-42.

Hofmann M, Halper B, Oesen S, Franzke B, Stuparits P, Tschan H, Bachl N,
Strasser EM, Quittan M, Ploder M, Wagner KH, Wessner B. Serum
concentrations of Insulin-like Growth Factor-1, members of the TGF-beta
superfamily and Follistatin do not reflect different stages of dynapenia
and sarcopenia in elderly women. Experimental Gerontology. 2015 (in
press). doi: 10.1016/j.exger.2015.02.008

Weitere Informationen unter: http://activeageing.univie.ac.at/home/

Medizin am Abend DirektKontakt 

Univ.-Prof. Mag. Dr. Karl-Heinz Wagner
Leiter der Forschungsplattform Active Ageing
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14 (UZA II)
T +43-1-4277-549 30
karl-heinz.wagner@univie.ac.at

Ass.-Prof. DI Dr. Barbara Wessner
Stv. Leiterin der Forschungsplattform Active Ageing
Universität Wien
1150 Wien, Auf der Schmelz 6
T+43-1-4277-287 72
barbara.wessner@univie.ac.at

Mag. Veronika Schallhart
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at
Universität Wien, Stephan Brodicky

Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten
Europas: An 15 Fakultäten und vier Zentren arbeiten rund 9.700
MitarbeiterInnen, davon 6.900 WissenschafterInnen. Die Universität Wien
ist damit auch die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die
größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 92.000
nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit über 180 Studien
verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die
Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in
Österreich. 1365 gegründet, feiert die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis
im Jahr 2015 ihr 650-jähriges Gründungsjubiläum.

1365 gegründet, feiert die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis im Jahr
2015 ihr 650-jähriges Gründungsjubiläum mit einem vielfältigen
Jahresprogramm – unterstützt von zahlreichen Sponsoren und
Kooperationspartnern. Die Universität Wien bedankt sich dafür bei ihren
KooperationspartnerInnen, insbesondere bei: Österreichische Post AG,
Raiffeisen NÖ-Wien, Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und
Wirtschaft, Stadt Wien, Industriellenvereinigung, Erste Bank, Vienna
Insurance Group, voestalpine, ÖBB Holding AG,

Charité: Wie Viren die Wirtszelle umprogrammieren

Medizin am Abend Johanniter - Unfall - Hilfe e.V. Hinweis:

http://www.johanniter.de/die-johanniter/johanniter-unfall-hilfe/juh-vor-ort/landesverband-berlinbrandenburg/berlin/aktuelles/nachrichten/archiv-2015/neuer-standort-in-mitte-offiziell-eroeffnet/

Und nun zum Fachbericht.....,

Viren nutzen die zelluläre Maschinerie des Wirtes für ihre eigene Zwecke.
Um sich zu vermehren, programmieren sie die Ribosomen ihres Wirtes zur
Herstellung viraler Proteine um. Wissenschaftlern der Charité –
Universitätsmedizin Berlin ist es mittels der Kryo-Elektronenmikroskopie
gelungen, den Mechanismus dieser Übernahme ein Stück weiter aufzuklären.
Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe der Fachjournals Molecular
Cell* veröffentlicht.

Ribosomen sind die Eiweißfabriken in den Zellen aller Lebewesen. Von ihnen
werden Proteine anhand eines vorgegebenen genetischen Codes hergestellt.

Für die Produktion der Eiweiße werden zwei verschiedene Typen von
Nukleinsäuren benötigt – die sogenannte Messenger-RNA (mRNA), die den
Bauplan des Proteins enthält, und die Transfer-RNA (tRNA), die diesen
Bauplan Schritt für Schritt in das Protein übersetzt. Um auf den sehr
komplexen Bauplänen den richtigen Startpunkt für die Produktion zu finden,
benötigt das Ribosom eine Vielzahl an Hilfsproteinen sowie den Grundstein,
die Initiator-tRNA. In einigen Fällen jedoch, wenn die mRNA eine spezielle
dreidimensionale Faltung aufweist, als IRES-Struktur (interne ribosomale
Eintrittstelle) bekannt, kann die Proteinbiosynthese auch mit weniger
Helfern ausgelöst werden. Einige Viren nutzen solche dreidimensionalen
IRES-Strukturen, um Wirts-Ribosomen zu entern und die eigenen Eiweiße
produzieren zu lassen.

Die Forscher um Prof. Dr. Christian Spahn, Direktor des Instituts für
Medizinische Physik und Biophysik am Campus Charité Mitte, haben in ihrer
Studie das IRES-Element eines bestimmten Virus – des Cricket-Paralysis-
Virus (CrPV) – untersucht. Dieses Virus befällt Insekten und eignet sich
besoders gut als Modellbeispiel, da es mithilfe seiner IRES (CrPV IRES)
die Bindung der mRNA an das Ribosom direkt und ohne jegliche Helfer sowie
ohne Initiator-tRNA vermitteln kann. Dies ist möglich, da die CrPV IRES
die Struktur des tRNA-mRNA Komplexes perfekt nachahmt.

Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass nach der Bindung der CrPV IRES
an das Ribosom die Eiweißsynthese direkt beginnen kann. Neuere Studien
legen jedoch nahe, dass die dafür notwendige tRNA-Bindung durch die CrPV
IRES blockiert wird. Die IRES muss erst innerhalb des Ribosoms verschoben
werden, um die tRNA-Bindungsstelle zugänglich zu machen. „Unsere Studie
liefert den ersten direkten Nachweis dieses verschobenen IRES-Zustandes“,
erklärt Margarita Muhs, die sich mit Tarek Hilal die Erstautorenschaft
teilt.

*Margarita Muhs, Tarek Hilal, Thorsten Mielke, Maxim A. Skabkin, Karissa
Y. Sanbonmatsu, Tatyana V. Pestova, Christian M.T. Spahn. Cryo-EM of
Ribosomal 80S Complexes with Termination Factors Reveals the Translocated
Cricket Paralysis Virus IRES. Molecular Cell, Feb. 2015. doi:
10.1016/j.molcel.2014.12.016.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Christian Spahn
Direktor des Instituts für Medizinische Physik und Biophysik
Campus Charité Mitte
t: +49 30 450 524 131
christian.spahn@charite.de
Charité – Universitätsmedizin Berlin, Dr. Julia Biederlack

http://biophysik.charite.de/

Ungestörter Schlaf

Medizin am Abend Fazit: Ungestörter Schlaf hält Stammzellen jung

Blutverlust, Infektionen, Entzündungen: Es sind alltägliche
Gesundheitsprobleme, die die Blutstammzellen im Knochenmark immer wieder
aus ihrem Schlafzustand reißen und zur Teilung anregen. Dabei sammeln sich
regelmäßig Erbgutdefekte an, die schließlich zum Versagen der Stammzellen
führen können, wie Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum
und vom Stammzellinstitut HI-STEM nun in der Zeitschrift Nature
veröffentlichen.

Die Forscher zeigten an normalen Mäusen, wie es zu dieser typischen
Alterserscheinung kommt. Bei Mäusen mit einem defekten Erbgut-
Reparatursystem führte die wiederholte Aktivierung der Blutstammzellen
sogar zum völligen Versagen des Knochenmarks und damit zu Symptomen des
vorzeitigen Alterns. Die Erbgutschädigungen stehen auch im Verdacht,
Stammzellen zu Krebs entarten zu lassen.

Während der gesamten Lebensspanne erneuern und erhalten Stammzellen die
Gewebe unseres Körpers. Besteht gerade kein Bedarf an Zell-Nachschub, so
verharren Stammzellen, etwa die des blutbildenden Systems im Knochenmark,
in einem tiefen Schlaf. Während dieser Ruhephase teilen sie sich nicht und
verbrauchen auch sehr wenig Energie.

Blutverlust, Infektionen und Entzündungen wirken wie ein Wecker auf
schlafende Blutstammzellen. Unverzüglich beginnen sie mit der Zellteilung
und produzieren Nachschub – etwa, um Immunzellen für die Virenabwehr
bereitzustellen oder um einen Verlust an roten Blutkörperchen oder
Blutplättchen auszugleichen.

„Unsere Theorie war, dass dieser Schlafzustand die Blutstammzellen vor
DNA-Schäden und damit vor vorzeitigem Altern schützt“, sagt Dr. Michael
Milsom. Der Stammzellexperte leitet eine Nachwuchsgruppe, die im DKFZ und
im von der Dietmar Hopp Stiftung geförderten Heidelberger Institut für
Stammzelltechnologie und Experimentelle Medizin (HI-STEM gGmbH)
angesiedelt ist. Milsom und seine Mitarbeiter untersuchten nun an Mäusen,
ob Wecksignale tatsächlich zu DNA-Schäden und damit zu einem Versagen der
Blutstammzellen führen können.

Dr. Dagmar Walter und Amelie Lier, die Erstautorinnen der Arbeit,
behandelten Mäuse mit einer Substanz, die dem Körper eine Virusinfektion
vortäuscht. Anschließend untersuchten sie die Blutstammzellen, die durch
die vermeintliche Virusinfektion erwartungsgemäß aus dem Tiefschlaf
geweckt worden waren und die Zellteilung wieder aufgenommen hatten. Dabei
hatten sich im Erbgut viele neue Defekte angehäuft. „Die Blutstammzellen
müssen in kürzester Zeit von Tiefschlaf auf maximale Aktivität umschalten.
Hierfür steigern sie ihre Stoffwechselaktivität drastisch, um neue
Tochterzellen zu produzieren. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass
etwas schief geht“, erklärt Michael Milsom.

In der Tat enthielten aufgeweckte Stammzellen mehr schädliche reaktive
Stoffwechselprodukte, die als wichtige Ursache für DNA-Schäden gelten.
Diese Erbgutschäden können zum Verlust von Stammzellen oder – noch
schlimmer – zu Krebs führen.

Glücklicherweise sind Stammzellen mit Reparatursystemen ausgestattet, die
den größten Teil dieser DNA-Schäden wieder reparieren. Werden die Zellen
jedoch zu häufig oder sogar chronisch solchen Stressfaktoren ausgesetzt,
wird das Reparatursystem überlastet. Dies führt dazu, dass die Stammzellen
mit zunehmendem Alter immer mehr Erbgutschäden ansammeln und schließlich
versagen und sterben. „Unsere Versuche belegen, wie es zur Anhäufung von
DNA-Schäden kommt. Damit können wir erklären warum die
Regenerationsfähigkeit unserer Gewebe und Organe im Alter zurückgeht“,
erläutert Milsom.

In Blutstammzellen mit eingeschränkter Reparaturkapazität, so vermuteten
Milsom und Kollegen, müssten die Konsequenzen der Erbgutschädigung noch
deutlicher zu tragen kommen als in normalen Blutstammzellen. Sein Team
untersuchte daher Mäuse mit einem defekten Reparatursystem. In Menschen
führt dieser Defekt zur Fanconi-Anämie. Patienten, die von dieser
Erbkrankheit betroffen sind, altern frühzeitig und ihr blutbildenden
Systems stellt bereits in jungen Jahren den Zell-Nachschub ein, was auch
als Knochenmarksversagen bezeichnet wird.

Die Fanconi-Mäuse wurden mit der Substanz behandelt, die dem Körper einen
Virusinfekt vortäuscht. Normale Tiere verloren daraufhin einen Teil der
Blutstammzellen im Knochenmark. Mäuse mit dem Reparaturdefekt konnten die
stressinduzierten DNA-Schäden nicht reparieren, was zu einem kompletten
Verlust aller Blutstammzellen führte. „Die Tiere zeigten genau die
gleichen Symptome wie Patienten, die an einer Fanconi-Anämie leiden“, sagt
Milsom.

Prof. Dr. Andreas Trumpp, Abteilungsleiter am DKFZ und Geschäftsführer der
HI-STEM gGmbH, hält die Arbeit für entscheidend für das Verständnis von
altersbedingten Krankheiten und von Krebs: „Es sind die ganz normalen
Gesundheitsbeschwerden, mit denen der Körper ein Leben lang ständig fertig
werden muss, die die Blutstammzellen aus dem Schlaf reißen und in den
Zellteilungszyklus zwingen: Blutverluste, Infektionen oder Entzündungen.
Auf die Dauer gesehen führt das zu einem spürbaren Verschleiß der
Blutstammzellen. Oder die DNA-Schäden lassen Stammzellen entarten und zum
Saatkorn einer Krebserkrankung werden. Das ganz normale Leben lässt uns –
und unsere Stammzellen – altern!“

Dagmar Walter, Amelie Lier, Anja Geiselhart, Frederic B. Thalheimer, Sina
Huntscha, Mirko C. Sobotta, Bettina Moehrle, David Brocks, Irem Bayindir,
Paul Kaschutnig, Katja Muedder, Corinna Klein, Anna Jauch, Timm Schroeder,
Hartmut Geiger, Tobias P. Dick, Tim Holland-Letz, Peter Schmezer, Steven
W. Lane, Michael A. Rieger, Marieke A. G. Essers, David A. Williams,
Andreas Trumpp und Michael D. Milsom: Exit from dormancy provokes DNA
damage-induced attrition in haematopoietic stem cells. Nature 2015, DOI:
10.1038/nature14131

Quelle: Michael Milsom, DKFZ
Legende: Nach einer Behandlung, die schlafende Blutstammzellen aufweckt:
Das Knochenmark normaler Mäuse (links) ist vollgepackt mit Blutzellen
verschiedener Reifestadien. Bei einer Maus mit dem Fanconi-Defekt dagegen
führt diese Behandlung zum „Knochenmarksversagen“, anstelle der Blutzellen
haben sich Fettzellen angesiedelt.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische
Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen
Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass
Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen
Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt
werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des
Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und
interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem
Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für
Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende
Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im
Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der
sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ
Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die
Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen
Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die
Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land
Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-
Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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Hunger-Hormon das Beta-Endorphin

Medizin am Abend Fazit: Heißhunger durch Cannabinoide: Unerwarteter Mechanismus zur Steuerung des Essverhaltens entdeckt

Bestimmte Nervenzellen, die normalerweise ausschließlich darauf gepolt
sind, den Appetit zu drosseln, können, beeinflusst durch Inhaltsstoffe der
Hanfpflanze (Cannabinoide), die gegenteilige Wirkung entfalten und so
Heißhunger auslösen. Eine Feststellung, die nicht nur eine deutsch-
amerikanische Wissenschaftlergruppe erstaunte. Ihre Erkenntnisse zur
Appetit-anregenden Wirkung von Cannabinoiden wurden jetzt auch im
international renommierten Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht.

Cannabinoide kommen in der Hanfpflanze vor und sind biochemische
Botenstoffe, die Reize zwischen Nervenzellen weitergeben. Damit ihre
Nachricht in der Reizempfangenden Zelle gelesen werden kann, hat sie eine
Art Aufnahmeeinrichtung, die sogenannten Cannabinoid-Rezeptoren, erläutert
der Leipziger Neuroanatom Marco Koch, der seit vielen Jahren an den
Effekten von Cannabinoiden im Gehirn arbeitet. “Es ist ja seit längerem
bekannt, dass Konsumenten von Marihuana Heißhunger entwickeln. Der Effekt
tritt sogar dann auf, wenn ihr Magen gut gefüllt ist. Mit dem Cannabinoid
1-Rezeptor ist der für die Appetit-stimulierende Wirkung verantwortlichen
Rezeptor bekannt. Noch nicht ganz klar ist jedoch, welche Mechanismen für
den Heißhunger tatsächlich verantwortlich sind und das wird unter
Forschern nach wie vor kontrovers diskutiert.“

Im Hypothalamus-Areal des Gehirns gibt es eine Gruppe von spezialisierten
Nervenzellen, die nach einer Mahlzeit aktiv wird und Sättigungsgefühl
auslöst. Dabei handelt es sich um sogenannte Pro-opiomelancortin-haltige
Nervenzellen oder kurz POMC-Neurone. Sie drosseln den Appetit, indem sie
ein bestimmtes Hormon freisetzen. Es sorgt dafür, dass sich ein Organismus
satt fühlt. „Da komplett gesättigte Mäuse, nach einer Injektion von
Cannabinoiden weiter fraßen, gingen wir zunächst selbstverständlich davon
aus, dass dadurch die Appetit-zügelnden POMC-Neurone ausgeschaltet
würden“, beschreibt Koch die Erwartungshaltung der Wissenschaftler vor den
Untersuchungen. Überraschender Weise stellten die Forscher jedoch fest,
dass die POMC-Neurone keineswegs ausgeschaltet, sondern ganz im Gegenteil
tatsächlich aktiviert wurden. Und noch überraschender veränderten sie ihre
Bestimmung und feuerten den Hunger sogar noch an. Die Cannabinoide polten
die POMC-Neurone um und brachten sie dazu, ein hungrig machendes Hormon
als Botenstoff freizusetzen. Dieses „Hunger-Hormon“, das Beta-Endorphin,
veranlasste die satten Mäuse weiter zu fressen. „Zur Gegenkontrolle haben
wir die Rezeptoren für das Beta-Endorphin blockiert, bevor wir die
Cannabinoide injizierten. Und tatsächlich, dann haben die Mäuse nicht mehr
gefressen.“

Möglicher Therapieansatz für Adipöse

Aufgrund der dramatisch ansteigenden Zahl von Menschen mit starkem
Übergewicht hat sich eine internationale Wissenschaftlerkooperation
besonders für das Essverhalten interessiert. Marco Koch, Mitarbeiter am
Institut für Anatomie der Universität Leipzig, hat in den vergangenen
Jahren mit Tamas Horvath an der US-amerikanischen Yale Universität
geforscht und dabei auch mit Kollegen aus Dallas und dem australischen
Clayton zusammengearbeitet. Ihre aktuell veröffentlichten Erkenntnisse
könnten in Zukunft auch in Leipzig noch größere Bedeutung entwickeln. Mit
dem Sonderforschungsbereich „Mechanismen der Adipositas“ und dem
Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum Adipositas-Erkrankungen
bestehen an der Universität Leipzig zwei überregionale Kompetenzzentren,
die sich unter anderem damit beschäftigen, wie das menschliche Gehirn das
Essverhalten steuert. „Möglicherweise können unsere Ergebnisse beitragen,
Therapien zur Behandlung von Essstörungen zu entwickeln“, weist Koch auf
eine mögliche medizinische Anwendung hin.

DOI: 10.1038/nature14260

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. med. Ingo Bechmann
Institut für Anatomie, Medizinische Fakultät der Universität Leipzig
Tel. +49(0)341 97-22000
ingo.bechmann@medizin.uni-leipzig.de
Universität Leipzig, Diana Smikalla

Weitere Informationen finden Sie als Medizin am Abend Leser  unter
http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/full/nature14260.html
Link zur Fachveröffentlichung

http://www.uni-leipzig.de/~anatomie/
Link zum Institut für Anatomie Leipzig