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360° - MFA TOP-Thema: Versorgungsstärkungsgesetz

Der vom Bundesgesundheitsminister eingebrachte Entwurf eines so genannten Versorgungsstärkungsgesetzes soll Wartezeiten in Facharztpraxen durch Vermittlung an Krankenhausambulanzen beseitigen.

Andererseits sollen aber Praxen wegen angeblicher Überkapazitäten durch Quasi-Enteignungen aus der Versorgung herausgenommen werden. Dies widerspricht sich. Von den Ärzten wird dahinter ein grundsätzlicher Plan vermutet, der auf eine Abschaffung der niedergelassenen Facharztpraxis und die Einrichtung poliklinischer Strukturen wie in der ehemaligen DDR hinausläuft.

Nach Auffassung des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen (BDC) ist die Versorgung der Bevölkerung gerade in der Fläche sowohl durch Kliniken für die stationäre Betreuung als auch durch chirurgische Facharztpraxen für die ambulante Behandlung garantiert. Es handelt sich hierbei nicht um doppelt vorgehaltene Strukturen, sondern um unterschiedliche Tätigkeitsfelder, die sich gegenseitig ergänzen. "Die immer wieder vorgetragene Floskel der so genannten doppelten Facharztschiene verkennt die Tatsache, dass bei Wegnahme einer Schiene jeder Zug entgleisen wird", erklärte der Vizepräsident des BDC, Dr. Jörg-A. Rüggeberg.

Die geplante Vermittlung von Patienten an Klinikambulanzen schränkt nicht nur die freie Arztwahl der Menschen ein, sondern senkt auch das bisherige Niveau hochqualifizierter Facharztmedizin in der ambulanten Versorgung auf den Standard einer Notfallambulanz mit nachgeordneten Ärzten. "Bisher war die freie Arztwahl ebenso ein unumstößliches Primat der Politik wie ein Maximum an Qualität." so Rüggeberg. "Wer diese Eckpfeiler der Versorgung umreißt, sollte nicht von Stärkung der Versorgung reden, sondern das Kind beim wahren Namen nennen." Ganz abgesehen davon steht nichts im Gesetzentwurf, was den Kliniken helfen könnte, die zusätzliche Belastung personell und finanziell zu bewältigen.

In vielen Ländern ist es durchaus übliche Praxis, Facharztmedizin ausschließlich bei Krankenhäusern anzusiedeln. Die Konsequenzen sind allerdings lange Wartezeiten und eine klare Rationierung von Leistungen. In Deutschland garantiert die duale Versorgung einen höchstmöglichen Standard und kompetente Behandlungen auf allen Ebenen der Versorgungskette. "Man kann sich ohne Frage auch andere Gesundheitssysteme als das unsrige vorstellen, zum Beispiel das, der ehemaligen DDR" erklärte Rüggeberg weiter. " Aber bei einer derartigen Umstrukturierung des Systems muss die Bevölkerung über die Konsequenzen aufgeklärt werden."

Die geplante Enteignung von Praxen in Ballungsräumen ist Indiz für den eingeleiteten Systemwechsel. Es ist verblüffend, wie der Gesetzgeber einen freien Beruf mit Enteignung bedroh - in vollem Widerspruch zu den Prinzipien unseres Rechtsstaates!"

Medizin am Abend DirektKontakt: 

Kathrin Reisinger Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC) Fon: 030/28004-200 Fax: 030/28004-109 Mobil: 0160/3621563

Behandlung von MRSA am Menschen/Klinikärzte

Das niederländische Biotech-Unternehmen Micreos hat mit Staphefekt(TM) ein bakterientötendes Enzym bzw. Endolysin speziell für Staphylococcus aureus entwickelt, das zum Abtöten von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) und Methicillin-sensitiven Staphylococcus aureus (MSSA) gleichermassen geeignet ist.

Staphefekt(TM) ist zudem das erste erhältliche Endolysin, das sich zur Behandlung auf unversehrter Haut am Menschen[1] eignet. Endolysine sind Enzyme, die von Bakteriophagen (Phagen) abstammen. Diese Mikroorganismen töten ausschliesslich Bakterien ab. In der Natur nutzen Phagen Bakterien zur Reproduktion. Bei diesem Prozess wird die Zellwand des Bakteriums durch Endolysine zerstört. Der Wirkmechanismus der Endolysine unterscheidet sich grundsätzlich von Antibiotika, was bedeutet, dass selbst antibiotikaresistente Bakterien auf die Behandlung ansprechen.

In der Klinik: Fahrtüchtigkeit von Senioren prüfen

An einem Bielefelder Krankenhaus gibt es einen neuartigen Test, um die Fahrtüchtigkeit von Senioren zu überprüfen. Das berichtet die in Bielefeld erscheinende Neue Westfälische (Mittwochausgabe). Das Evangelische Krankenhaus (EvKB) bietet in seiner Psychiatrische Institutsambulanz die Möglichkeit, unabhängig von Behörden kognitive und körperliche Fähigkeiten älterer Autofahrer zu überprüfen.

Anhand eines neu ausgearbeiteten Katalogs von Risikofaktoren schätzt eine interdisziplinäre Gruppe von Ärzten die Fahrtüchtigkeit ein. Zu Risikofaktoren zählen die Mediziner neben Erkrankungen wie Diabetes oder Schlaganfall auch nachlassende Sehfähigkeit, nur eingeschränkt mögliches Kopfdrehen, aggressives Verhalten und Rechts-Links-Schwächen.

Auch kognitive Fähigkeiten werden getestet. Im Gegensatz zur von Amts wegen angeordneten Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) beim TÜV finden die Tests im Krankenhaus auf freiwilliger Basis und in Zusammenarbeit mit den Angehörigen statt. Sie unterliegen zudem der ärztlichen Schweigepflicht. Die Daten werden nicht an eine Behörde weitergeleitet. Psychiater Stefan Spannhorst: "Wir haben das bisher alles gütlich mit den Betroffenen regeln können. Im Zweifelsfall haben die Senioren das Autofahren aufgegeben." Die Liste der Risikofaktoren schaffe dabei Transparenz für die Patienten."

Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ) hat seine Weihnachtsdatenbank

Mit dem Weihnachtsgruß rund um den Globus: Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ) hat seine Weihnachtsdatenbank wieder online gestellt. Unter www.bdue.de lässt sich kostenlos nach der Übersetzung von "Frohe Weihnachten" in mehr als 75 Sprachen recherchieren. Mit dabei sind alle gängigen Sprachen wie Englisch, Spanisch oder Französisch sowie seltenere Sprachen wie zum Beispiel Suaheli. Die Unterschiede zwischen den Sprachen sind groß. Während die Schweden schlicht "God Jul!" sagen, lautet der Weihnachtsgruß auf Türkisch "Mutlu Noeller". Da viele Sprachen andere Schriftzeichen verwenden, stehen alle Übersetzungen in Form einer fertigen Text- beziehungsweise Grafikdatei zum Herunterladen zur Verfügung. Eine Besonderheit ist der Weihnachtsgruß in der Gebärdensprache - dieser ist als Video zu sehen. Die Übersetzungen stammen von Mitgliedern des Verbandes, allesamt geprüfte Übersetzer. Dies gibt Nutzern die Sicherheit, dass die Übersetzungen auch korrekt sind.
Die Weihnachtsdatenbank des BDÜ ist bei Privatpersonen, Unternehmen und Behörden gleichermaßen beliebt. "Uns erreichten schon E-Mails und Anrufe, wann die internationalen Weihnachtsgrüße wieder auf der Website stehen", so André Lindemann, BDÜ-Präsident. Es fragte zum Beispiel der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst eines Gesundheitsamtes in Baden-Württemberg nach den Übersetzungen für seine Weihnachtspost. In diesem Jahr will der Dienst die Grüße an Schulen und Kindergärten mit einem Teamfoto gestalten und jedem Mitarbeiter den Weihnachtsgruß in einer anderen Sprache zuordnen. Lindemann: "Wir freuen uns, mit der Datenbank einen kleinen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten."

Seit 2006 gibt es die Weihnachtsdatenbank des Verbandes und die Fangemeinde wächst. Wer nicht nur "Frohe Weihnachten", sondern persönliche Wünsche zu Weihnachten und Neujahr verschicken möchte, der findet in der Mitgliederdatenbank des Verbandes über 7.500 Dolmetscher und Übersetzer für mehr als 80 Sprachen:

Medizin am Abend DirektKontakt:

Birgit Golms Tel. 030 88627644

www.wettlauf-gegen-den-eisprung.de

Der Kreativ-Wettbewerb "Wettlauf gegen den Eisprung" lädt Jugendliche von 13 bis 20 Jahren ein, sich künstlerisch mit der brisanten Thematik "Verhütungspannen und Pille danach" auseinanderzusetzen. Von November 2014 bis Januar 2015 können Malereien, Zeichnungen, Collagen etc. eingereicht werden. Wissenswertes zur Notfallverhütung und weitere Infos zum Wettbewerb sowie zu den Teilnahmebedingungen erhalten interessierte Jugendliche, Eltern und Lehrer auf der Internetseite www.wettlauf-gegen-den-eisprung.de.

Umfrage deckt Wissenslücken auf Mythen und Unwissen in Sachen Verhütung, Schwangerschaft und vor allem Pille danach sind unter Jugendlichen keine Seltenheit. Eine Umfrage(1) hat ergeben, dass 59 % der befragten Mädchen und Frauen unsicher sind oder nicht wissen, ob die Pille danach zu Unfruchtbarkeit führt. Weitere 37 % halten die Pille danach für 100 % sicher, wenn sie am Tag nach dem Geschlechtsverkehr genommen wird und 34 % der Befragten glauben, dass sie abtreibt. Um Mythen aufzuklären und Jugendlichen eine lockere, spielerische Herangehensweise an dieses Thema zu ermöglichen, lädt der Kreativ-Wettbewerb "Wettlauf gegen den Eisprung" nun zum Mitmachen ein. Stefan Pertschi, Hamburger Künstler und Jury-Mitglied, ist vom Wettbewerb überzeugt: "Die künstlerische Herangehensweise nimmt der Thematik die Brisanz und macht die Jugendlichen mit ihr vertraut."

Von 13 bis 20 Jahren - von November 2014 bis Januar 2015
Ziel des Kreativ-Wettbewerbs ist es vor allem auch, den Jugendlichen Denkanstöße zu geben, sodass sie sich individuell mit dem Thema auseinandersetzen können. Außerdem ist es "nötig, aufzuklären und so zu verhindern, dass junge Menschen, die noch nicht reif für eine Elternschaft sind, in schwierige Lebenssituationen geraten", erklärt Pertschi seine Motivation mitzumachen. Neben ihm sitzen unter anderem die Künstlerin Tina Oelker sowie ein Mitglied von der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e. V. (ÄGGF) in der Jury, die nach Ablauf des Wettbewerbs die Siegerentwürfe auf einer Vernissage in Hamburg vorstellt und die Gewinner kürt. Von November 2014 bis Januar 2015 sind Jugendliche von 13 bis 20 Jahren eingeladen mitzumachen und Malereien, Zeichnungen, Colla-en, Fotografien etc. einzureichen.

Viele Hintergrundinformationen zur Thematik und weitere Details zum Wettbewerb sowie zu den Teilnahmebedingungen erhalten interessierte Jugendliche, Eltern und Lehrer auf der Internetseite www.wettlauf-gegen-den-eisprung.de.

(1) Umfrage: im Auftrag von HRA Pharma, befragt wurden 1.114 Frauen im Alter zwischen 16 und 45 Jahren im September 2012

Heller Hautkrebs soll als Berufskrankheit anerkannt werden

Beim hellen Hautkrebs handelt es sich um die häufigste Krebserkrankung der
Haut in Deutschland / Experten vom Hauttumorzentrum am UKJ helfen
Erkrankten

Ab Januar 2015 soll Hautkrebs in Deutschland als Berufskrankheit anerkannt
werden. „Beim hellen Hautkrebs handelt es sich um die häufigste
Krebserkrankung der Haut in Deutschland“, so Prof. Dr. Peter Elsner,
Leiter des Hauttumorzentrums am Universitätstumorzentrum Jena und Direktor
der Klinik für Hautkrankheiten am Uniklinikum Jena (UKJ).
 Besonders gefährdet sind die rund 2,5 bis 3 Millionen Menschen,
die regelmäßig im Freien arbeiten – wie Landwirte, Gärtner und Bauarbeiter.

Wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass sich das Hautkrebsrisiko
für diejenigen verdoppelt, die berufsbedingt um bis zu 40 Prozent stärker
der Sonne ausgesetzt sind als die übrige Bevölkerung, so Prof. Elsner.

Daher hat der Ärztliche Sachverständigenbeirat 2013 beim Bundesministerium
für Arbeit und Soziales empfohlen, den hellen Hautkrebs als
Berufskrankheit anzuerkennen. Bedingung für die Aufnahme in die Liste der
Berufskrankheiten ist neben dem wissenschaftlichen Nachweis die Zustimmung
der Politik, die hierbei als sicher gilt. „Beschäftigte im Außenbereich –
auch wenn sie bereits in Rente sind – die an einem hellen Hautkrebs
erkranken, sollten ihren Hautarzt aufsuchen und um eine Meldung an die
zuständige Berufsgenossenschaft bitten“
, rät Prof. Elsner. Wird der
Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt, erhalten die Versicherten eine
Behandlung „mit allen geeigneten Mitteln“ zu Lasten der
Unfallversicherung. In ausgeprägten Fällen kann auch eine
Rentenberechtigung bestehen.

Von 100.000 Einwohnern erkranken jedes Jahr 20 bis 30 an einem
Plattenepithelkarzinom der Haut, zehn Mal mehr erkranken an den Vorstufen,
den aktinischen Keratosen. Die modernen Behandlungsmöglichkeiten, die den
Hautärzten für den hellen Hautkrebs zur Verfügung stehen, erlauben in den
allermeisten Fällen eine Heilung. Schwere und ausgedehnte Fälle von
beruflichem Hautkrebs sollten entsprechend dem Nationalen Krebsplan in
einem von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Hauttumorzentrum
behandelt werden.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Hauttumorzentrum des Universitätsklinikums Jena
Tel. 03641 /937 322 oder 937 502.

Repräsentative Umfrage Meinungspuls 2014 - Studie

Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck. Die großen Zivilisationskrankheiten sind auf dem Vormarsch - und schuld ist der Lebensstil. Patienten, Ärzte und Krankenkassen gleichermaßen sehen dringlichen Handlungsbedarf. Und auch das Gesundheitsministerium setzt das Thema mit dem Referentenentwurf eines Präventionsgesetzes - der vierte bislang - jetzt erneut auf die Agenda. Doch wen sehen die Menschen in Deutschland überhaupt als Ansprechpartner in Präventionsfragen? Die repräsentative Umfrage Meinungspuls 2014 der Techniker Krankenkasse (TK) gibt Antworten.

Ansprechpartner Nummer eins für die Menschen in Deutschland sind ihre Ärzte: Fast neun von zehn Befragten würden sich an sie wenden. Sieben von zehn sehen aber auch ihre Krankenkasse oder Krankenversicherung als Experten, wenn es um eine gesunde Lebensführung geht - gesetzlich Versicherte mit 73 Prozent deutlich stärker als privat Versicherte (53 Prozent).

Staatliche Stellen wie etwa Gesundheitsämter gelten nur vier von zehn Befragten (42 Prozent) als vertrauenswürdige Informationsquellen, private Anbieter wie Fitnessstudios nur jedem Vierten (24 Prozent). 

Dem Referentenentwurf zufolge sollen die Krankenkassen künftig insgesamt 35 Millionen Euro an die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung überweisen.

Großer Zuspruch für Prävention in Lebenswelten 

Der Richtwert der gesetzlichen Kassen für Prävention soll von gut drei auf sieben Euro je Versicherten und Jahr angehoben werden, der größte Teil in sogenannte Settings fließen. Zwei Euro sind davon für die Lebenswelten Kindertagesstätte und Schule vorgesehen, zwei Euro für die Betriebliche Gesundheitsförderung. 

Großen Zuspruch für Prävention in den Lebenswelten zeigt auch der TK-Meinungspuls. 90 Prozent der Menschen in Deutschland halten den Setting-Ansatz für sinnvoll, also Präventionsangebote und gesundheitsförderliche Strukturen dort zu etablieren, wo sich Menschen in ihrem Alltag ohnehin aufhalten.

Für den TK-Meinungspuls 2014 hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa bevölkerungsrepräsentativ 2.001 Erwachsene in Deutschland befragt. Der 48-seitige Studienband mit allen Ergebnissen, Infografiken  zum Thema Prävention sowie die Thesen des TK-Verwaltungsrats sind erhältlich über:

Medizin am Abend DirektKontakt:
 
Teresa Urban Tel. 040-6909 2121 E-Mail: teresa.urban@tk.de

Nach Biss schneller ans Gegengift: DNA-Test erkennt Schlangenart

Auf der Jahrestagung der American Society of Tropical Medicine and Hygiene
(ASTMH) in New Orleans wurde heute die erste Studie vorgestellt, die die
Wirksamkeit eines DNA-Tests für Schlangenbisse untersucht hat. Das
Prüfverfahren zur Identifizierung wurde vom Frankfurter Wissenschaftler
Dr. Ulrich Kuch entwickelt. Hunderttausende Bissopfer könnten davon
profitieren.

Schlangenbisse stellen für die Menschen in großen Teilen der Welt eine
ernsthafte Bedrohung dar. Genaue Zahlen liegen nicht vor, aber Experten
gehen von mehren Millionen Menschen aus, die jedes Jahr von Giftschlangen
gebissen werden. Hunderttausende sterben oder überleben nur mit schweren
Behinderungen. Ein zentrales Problem für die Ärzte besteht darin, dass
meist nicht bekannt ist, welche Schlangenart zugebissen hat. Diese
Information ist aber entscheidend für die richtige Behandlung der
Vergiftung. Auf der Jahrestagung der ASTMH wurde heute eine in Nepal
durchgeführte klinische Studie vorgestellt, die erstmalig die
Zuverlässigkeit eines genetischen Schlangenbisstests untersucht hat. Wenn
die Forscher aus der Bisswunde DNA-Spuren der Schlange entnehmen konnten,
waren sie in 100 Prozent der Fälle in der Lage, die Schlangenart anhand
ihrer Gensequenz zu identifizieren. Den Test entwickelt hat Dr. Ulrich
Kuch, Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Public Health im Institut
für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin des Universitätsklinikums
Frankfurt. „Die Studienergebnisse sind ein wesentlicher Schritt zu einer
besseren medizinischen Versorgung in Regionen, in denen Schlangenbisse ein
erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen. Der DNA-Test kann dazu
beitragen, die Diagnostik verbessern und damit die Chancen der Patienten
erhöhen, zu überleben und sich wieder vollständig zu erholen“, so Kuch.

Hunderttausende Opfer jedes Jahr
Zuverlässige Daten über die weltweite Todesrate gibt es bisher nicht.
Allerdings lassen regional begrenzte Studien das Ausmaß erahnen. So hat
beispielsweise eine in der Fachzeitschrift PLoS Neglected Tropical
Diseases veröffentlichte Untersuchung aus dem Jahr 2011 ergeben, dass
alleine in Indien jedes Jahr rund 46.000 Menschen an den Folgen von
Schlangenbissen sterben. Viele weitere Opfer überleben nur mit schweren
Behinderungen wie amputierten oder massiv geschädigten Gliedmaßen. In den
meisten Fällen kann nicht festgestellt werden, welche Schlangenart den
Biss verursacht hat. Diese Information ist aber wichtig, weil sich die
Behandlung je nach Art der Schlange und damit des injizierten Giftes
unterscheidet. In Nepal zum Beispiel gehören Kobras und Kraits zu den
häufigsten Giftschlangenarten. Die Symptome bei einem Biss dieser
Schlangen sind ähnlich: Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und
Lähmungserscheinungen, die zum Tod durch Atemstillstand führen. Doch die
molekularen Mechanismen und daher auch die richtige Behandlung dieser
Vergiftungen unterscheiden sich fundamental. So kann das lokal übliche
Gegengift zwar Lähmungen durch Vergiftungen nach Kobrabissen aufheben,
nicht aber die nach dem Biss eines Krait auftretenden. In der Folge wird
daher häufig die Dosis mehrfach gegeben, was zusätzliche Kosten verursacht
und für den Patienten sogar schwere Nebenwirkungen bedeuten kann. Auch
mögliche Komplikationen, auf die Ärzte vorbereitet sein müssen,
unterscheiden sich je nach Schlangenart. Daher ist es sehr wichtig, den
Urheber der Vergiftung genau zu kennen.

Zuverlässige Diagnose – Grundlage für richtige Behandlung

Der jetzt in einer Studie unter der Leitung von Prof. François Chappuis,
Direktor der Abteilung Tropenmedizin und Humanitäre Medizin am
Universitätsklinikum Genf und Prof. Sanjib K. Sharma, B.P. Koirala
Institute of Health Sciences in Nepal untersuchte Test könnte eine Lösung
für diese Probleme bieten. Im Rahmen der Studie konnte im Durchschnitt aus
einer von vier Bisswunden Schlangen-DNA isoliert werden. Ursache dafür,
dass eine DNA-Entnahme nicht möglich ist, können eigenmächtige Wasch- und
Desinfektionsversuche der Patienten vor Aufnahme in die Klinik sein. Von
194 sichergestellten Schlangen-DNAs stammten 87 von einer Giftschlange.
Insgesamt 21 Patienten hatten die Schlange, die sie gebissen hatte, mit in
die Klinik gebracht. Damit konnte das Ergebnis für diese Proben unabhängig
überprüft und festgestellt werden, dass der DNA-Test in allen diesen
Fällen die korrekte Spezies identifizierte.

Hoher Nutzen

Die Ergebnisse der Studie zeigten auch, dass ein großer Teil der Bisse von
ungiftigen Schlangen verursacht worden war. Gerade auch in diesen Fällen
könnte der Test die Gesundheitssysteme der besonders betroffenen Länder
entlasten. Schlangenbissopfer werden in der Regel 24 Stunden im
Krankenhaus observiert. Diese Beobachtung könnte entfallen, wenn die
verantwortliche Schlange definitiv als ungiftig identifiziert wurde. Wird
andererseits eine bestimmte Giftschlangenart als Urheber des Bisses
erkannt, könnten sofort das richtige Gegengift verabreicht sowie andere
spezifische Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden, ohne erst das
Auftreten schwerer, irreversibler Vergiftungserscheinungen abwarten zu
müssen. Um diagnostische Tests für Schlangenbisse in der alltäglichen
Praxis tatsächlich nutzbar zu machen, entwickelt das Forscherteam gerade
ein Schnellverfahren, das ähnlich einem Schwangerschaftstest funktioniert
und das Schlangengift im Blut der Patienten nachweist. Ein solcher
Schnelltest wäre insbesondere auch für ländliche Regionen von
Entwicklungsländern sinnvoll. „Gerade hier sind robuste, einfach
anzuwendende, spezifische und sensitive Schnelltests besonders wertvoll,
weil sie auf unkomplizierte Weise helfen, Patienten früher und besser zu
behandeln und die begrenzten medizinischen Ressourcen effektiv zu nutzen“,
erläutert Dr. Kuch.

Die besondere Stärke des DNA-Tests liegt in seiner speziellen Eignung als
Instrument zur Erforschung der Artenvielfalt der Schlangen, die in einer
bestimmten Gegend Bisse verursachen. So lässt sich beispielsweise
herausfinden, wie die Verteilung der Schlangenbisse in verschiedenen
Regionen aussieht. Damit könnte die Zuweisung von Gegengiften in Zukunft
effektiver gestaltet werden. Genauso wichtig ist sein Nutzen als
unabhängige Identifizierungs-Methode in klinischen Forschungsprojekten,
welche die Zuverlässigkeit neuer Schnelltests bewerten sollen. Eine solche
Studie in deutlich größerem Umfang ist aktuell in Myanmar und Nepal in
Vorbereitung. Diese Länder haben mit die höchsten Todesraten durch
Schlangenbisse weltweit. Die aktuelle Studie wurde gefördert durch die UBS
Optimus Foundation und den Schweizerischen Nationalfonds.


Studie: Hohe Entzündungs- und Insulinwerte weisen auf erhöhtes Leberkrebsrisiko hin

Wie eine große Langzeitbeobachtungs-Studie (EPIC*)
zeigt, weisen erhöhte Blutwerte von vier Biomarkern auf ein erhöhtes
Leberkrebsrisiko hin und zwar unabhängig von bislang bekannten
Risikofaktoren. Zu den Biomarkern zählen u. a. Entzündungsmarker wie
Interleukin-6 und ein hoher Insulinspiegel. Das Wissenschaftlerteam um
Krasimira Aleksandrova und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für
Ernährungsforschung (DIfE) sowie Tobias Pischon vom Max-Delbrück-Centrum
für Molekulare Medizin (MDC), veröffentlichte seine Ergebnisse kürzlich in
der Fachzeitschrift Hepatology (Aleksandrova 2014; 60:858-871).

„Eine zusätzliche Untersuchung der vier Biomarker könnte Medizinern
zukünftig dabei helfen, das Leberkrebsrisiko einer Person genauer
abzuschätzen als dies bislang möglich ist“, sagt Erstautorin Aleksandrova.
„Zudem geben unsere Ergebnisse Hinweise auf die Stoffwechselvorgänge, die
an einer Leberkrebsentstehung beteiligt sein können und liefern so neue
Anhaltspunkte für Präventionsmaßnahmen“, ergänzt Tobias Pischon, der am
MDC die Forschungsgruppe Molekulare Epidemiologie leitet.

Leberkrebs steht weltweit an Position sechs der häufigsten bösartigen
Tumorerkrankungen. In Ländern mit westlichem Lebensstil ist diese Krebsart
zwar relativ selten, dennoch ist in den vergangenen Jahren die Zahl der
Neuerkrankungen in diesen Ländern inklusive Deutschland wieder
angestiegen. Die Krankheit verläuft meist tödlich. Die
5-Jahres-Überlebensrate liegt bei unter fünf Prozent.
Leberkrebs kann
verschiedene Ursachen haben, wie zum Beispiel Virusinfektionen oder
Alkoholmissbrauch. Aber auch Übergewicht und die damit verbundenen
Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes stehen im Verdacht, besonders
in den USA und Westeuropa zur Krankheitsentstehung beizutragen.

Um mehr über die Ursachen und Stoffwechselmechanismen zu erfahren, die in
den westlichen Ländern an dem Anstieg der Leberkrebserkrankungen beteiligt
sind, werteten die Wissenschaftler die Daten und Blutproben einer
Untergruppe der etwa 500.000 EPIC-Studienteilnehmer aus, von denen 296
während einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 7,7 Jahren erstmals
an Leberkrebs oder einem Krebs der Gallenwege erkrankt waren.

Wie die Wissenschaftler nun erstmals an den Daten dieser europäischen
Bevölkerungsgruppe zeigen, besteht ein starker Zusammenhang zwischen einem
erhöhten Leberkrebsrisiko und erhöhten Blutwerten der Entzündungsmarker
Interleukin-6 und CRP**, des Biomarkers Adiponektin*** sowie einem
erhöhten Insulinspiegel, dessen Höhe die Epidemiologen anhand des
Biomarkers C-Peptid****
einstuften. Dabei hatten die Studienteilnehmer mit
den höchsten Interleukin-6- und C-Peptid-Blutwerten im Vergleich zu den
Teilnehmern mit den niedrigsten Werten ein 3,8-fach bzw. ein 3,1-fach
höheres Leberkrebsrisiko.

„Unsere Beobachtungen sprechen dafür, dass zumindest bei einem Teil der
europäischen Bevölkerung übergewichtsbedingte Entzündungsreaktionen sowie
ein zu hoher Insulinspiegel, der zum Beispiel bei einer beginnenden Typ-2
-Diabetes-Erkrankung auftritt, an der Entstehung von Leberkrebs beteiligt
sein können“, sagt Pischon.
Wie klinische Studien belegen, setzt insbesondere das viszerale Fett im
Bauchraum verstärkt den Botenstoff Interleukin-6 frei, der wiederum die
Freisetzung von CRP in der Leber stimuliert. Beide Biomarker sind an
Immunreaktionen des Körpers beteiligt und weisen auf Entzündungsprozesse
hin, welche die Leberzellen schädigen und letztendlich zur Krebsentstehung
beitragen können. Der Botenstoff Insulin stimuliert dagegen die
Zellvermehrung und wirkt dem natürlichen Zelltod entgegen und könnte
hierdurch das Tumorwachstum fördern. Der vom Fettgewebe freigesetzte
Botenstoff Adiponektin beeinflusst die Signalwirkung des Insulins auf die
Leberzellen und spielt ebenso eine Rolle bei Entzündungsprozessen.

„Eine gesunde Lebensweise könnte somit nicht nur dazu beitragen,
krankhaftem Übergewicht und Typ-2-Diabetes vorzubeugen, sie könnte
gleichzeitig dem Anstieg der Leberkrebserkrankungen in Westeuropa
entgegenwirken“, folgert Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie.

Hintergrundinformationen:

* EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Die
EPIC-Studie ist eine prospektive (vorausschauende) Studie, die
Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen
Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23
Studienzentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519.000
Studienteilnehmern im Erwachsenenalter beteiligt. Die Potsdamer EPIC-
Studie ist mit mehr als 27.000 Teilnehmern ein Teil der EPIC-Studie.

** CRP: C-reaktives Protein wird in der Leber gebildet und ins Blut
abgegeben. Es gehört zu den Eiweißen, deren Konzentration im Rahmen von
entzündlichen Erkrankungen akut ansteigt. Es ist Teil des Immunsystems und
bindet an tote und sterbende Körperzellen sowie an einige Bakterienarten
und stimuliert dadurch deren Abbau über das Immunsystem.

*** Adiponektin ist ein von Fettzellen abgegebenes Hormon.

**** Das C-Peptid (connecting peptide) ist Teil des Proinsulins. Bei der
Umwandlung von Proinsulin zu Insulin wird das C-Peptid abgespalten, und
danach mit dem Insulin aus den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse ins Blut
abgegeben. Die Bestimmung des C-Peptids erlaubt Rückschlüsse auf die
Insulinkonzentration im Blut.

Medizin am AbendDirektkontakt:

Dr. Krasimira Aleksandrova
Abteilung Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal
E-Mail: Krasimira.Aleksandrova@dife.de

Prof. Dr. Heiner Boeing
Abteilung Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal
Tel.: +49 (0)33200 88 2711
E-Mail: boeing@dife.de

Prof. Dr. Tobias Pischon
Forschungsgruppe Molekulare Epidemiologie
Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0)30 9406 - 4563
E-Mail: tobias.pischon@mdc-berlin.de

Krankenhäuser, Behandlungsfälle, Kosten in Berlin/Brandenburg


 Krankenhäuser im Land Berlin

Teil I Grunddaten

2013
http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/publikationen/Stat_Berichte/2014/SB_A04-02-00_2013j01_BE.pdf , http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/publikationen/Stat_Berichte/2014/SB_A04-02-00_2013j01_BE.xlsx

Krankenhäuser im Land Brandenburg

Teil I Grunddaten

2013
http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/publikationen/Stat_Berichte/2014/SB_A04-02-00_2013j01_BB.pdf , http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/publikationen/Stat_Berichte/2014/SB_A04-02-00_2013j01_BB.xlsx



2013
http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/OTab/2014/OT_A04-04-00_231_201300_BE.pdf , http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/OTab/2014/OT_A04-04-00_231_201300_BE.xlsx

Grunddaten und Kosten der Krankenhäuser in Berlin

2013
http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/OTab/2014/OT_A04-06-00_231_201300_BE.pdf , http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/OTab/2014/OT_A04-06-00_231_201300_BE.xlsx

Entlassene vollstationäre Behandlungsfälle in Brandenburg

2013
http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/OTab/2014/OT_A04-05-00_231_201300_BB.pdf , http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/OTab/2014/OT_A04-05-00_231_201300_BB.xlsx

Grunddaten und Kosten der Krankenhäuser in Brandenburg

2013
http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/OTab/2014/OT_A04-07-00_231_201300_BB.pdf , http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/OTab/2014/OT_A04-07-00_231_201300_BB.xlsx