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Prof. Dr. Dr. Dagmar Führer-Sakel: SNMTP - Therapie bei Schilddrüsenkarzinom

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Individualisierte chirurgische Therapie bei Schilddrüsenkarzinom

Bei Schilddrüsenkarzinomen stellt sich die Frage: 

Muss die ganze Schilddrüse entfernt werden oder reicht es, nur einen Lappen zu entfernen? 

Um diese Frage klar und sicher beantworten zu können, arbeiten Endokrinolog:innen, Chirurg:innen und Patholog:innen eng zusammen. 

An der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und der Universitätsmedizin Essen haben Forschende aller drei Disziplinen nun gemeinsam ihre Erfahrungen kürzlich im Fachmagazin „Surgery“ veröffentlicht. 

  • Sie konnten zeigen, dass bei Patient:innen mit sporadischem medullärem Schilddrüsenkrebs unter bestimmten Voraussetzungen eine Hemithyreoidektomie ausreicht, also die chirurgische Entfernung nur eines Lappens.

„Der entscheidende Faktor scheint das Vorliegen einer Desmoplasie zu sein, also der überschießenden Bildung von faserreichem Bindegewebe, die auch als Marker für Knotenmetastasen interpretiert wird“, erklärt Prof. Dr. Dr. Dagmar Führer-Sakel, Direktorin der Klinik für Endokrinologie am Universitätsklinikum Essen. 

„Liegt keine Desmoplasie vor, ist ein begrenzter chirurgischer Eingriff unseren Daten zufolge genauso erfolgversprechend für die Betroffenen wie eine Totaloperation und vermindert gleichzeitig die Risiken für die Patient:innen“, ergänzt Prof. Dr. Frank Weber, der die Leitung der Endokrinen Chirurgie zum 1. Oktober 2023 von Prof. Dr. Henning Dralle übernommen hat.

„Die Anpassung des Operationsumfangs erlaubt uns, die Risiken der Operation insbesondere der permanenten Nebenschilddrüsenunterfunktion weiter zu reduzieren und kann eine lebenslange Schilddrüsenhormon Substitution verhindern.“
Die Essener Forscher:innen schlagen vor, diese Art von Schilddrüsenkarzinom in der Nomenklatur von anderen Schilddrüsenkarzinomen abzugrenzen.

 „Desmoplasie-negative und knotennegative, nicht metastasierende unifokale Tumoren sollten als sporadische nichtinvasive medulläre Schilddrüsenneoplasie, kurz SNMTP, bezeichnet werden“, so die Autor:innen. 

Durch die namentliche Kennzeichnung dieser Untergruppe wird es den behandelnden Ärzt:innen zukünftig leichter möglich sein, die entsprechende Diagnose zu stellen und die individuelle chirurgische Behandlung einzuleiten.


Originalpublikation:

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37821265/

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Therapie von medullären Schilddrüsendkarzinom - MTC

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schilddrüsenkrebs: Wirksamkeit von Arzneimittel Vandetanib (Caprelsa®) untersucht

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Magdeburg publiziert Ergebnisse einer Post-hoc-Analyse zur Medikamenten-Therapie von medullären Schilddrüsenkarzinomen 

Prof. Dr. med. Michael Kreißl, Leiter Nuklearmedizin
Prof. Dr. med. Michael Kreißl, Leiter Nuklearmedizin
Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
 
Ein internationales Forscherteam um Prof. Dr. med. Michael Kreißl, Leiter der Nuklearmedizin an der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin (KRN) Magdeburg, hat in einer sogenannten Post-hoc-Analyse die Wirksamkeit und Sicherheit des Wirkstoffes Vandetanib (Caprelsa®) bei der Behandlung von Patienten mit einem fortgeschrittenen medullären Schilddrüsenkarzinom (MTC) untersucht. Die Ergebnisse der Analyse wurden in dem renommierten Wissenschaftsjournal „Journal of Clinical Oncology“ veröffentlicht.

Vandetanib (Caprelsa®) zeigte, auch innerhalb der von der europäischen Arzneimittelbehörde genehmigten Indikation (aggressiv/fortschreitend und symptomatisch), einen klinischen Nutzen – so lautet die Erkenntnis der Experten um Erstautor Prof. Dr. Kreißl.

  • Unter der Einnahme von Vandetanib (Caprelsa®) verlängerte sich das progressionsfreie Überleben (PFS) im Vergleich zur Placebo-Gruppe signifikant von 8 auf 21 Monate.

Insgesamt untersuchten die Wissenschaftler 331 Patienten aus der vorangegangenen Zulassungsstudie „ZETA-Studie“.

Im Februar 2012 war Vandetanib (Caprelsa®) zur Behandlung des aggressiven und symptomatischen MTC bei Patienten mit nicht resektabler, lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung zugelassen worden. 

In der Zulassungsstudie waren ein aggressives Wachstum und eine Symptomatik jedoch kein Eingangskriterium gewesen.

In der aktuell publizierten Analyse wurden die ursprünglichen Patientendaten in vier Untergruppen – entsprechend der Ausprägung der Krankheit – eingeteilt: „Progression und Symptome“, „nur Symptome“, „nur Progression“ und „keine Progression und keine Symptome“.

Schilddrüsenkrebs ist die häufigste bösartige Neubildung einer hormonbildenden Drüse. 

Das medulläre Schilddrüsenkarzinom (MTC) ist eine eher seltene Unterart, die von den C-Zellen der Schilddrüse ausgeht und macht etwa 5% aller neu diagnostizierten Schilddrüsenkarzinome aus.

Bei jährlich ca. 7.000 erstdiagnostizierten Erkrankungen in Deutschland liegt die Anzahl von neu diagnostizierten MTC bei etwa 300-400 pro Jahr.

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Originalpublikation:
Originalpublikation:
https://ascopubs.org/doi/pdf/10.1200/JCO.19.02790

Originalarbeit: Michael C. Kreißl, Lars Bastholt, Rossella Elisei, Robert Haddad, Ole Hauch, Barbara Jarząb, Bruce Robinson, Raffaella Colzani, Meredith Foster, Richard Weiss and Martin Schlumberger, Efficacy and Safety of Vandetanib in Progressive and Symptomatic Medullary Thyroid Cancer: Post Hoc Analysis From the ZETA Trial