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Forschende der Universität Zürich haben einen neuen Biomarker-Score entwickelt, der das Takotsubo-Syndrom («Broken-Heart-Syndrom») bereits vor einer invasiven Herzkatheteruntersuchung mit hoher Genauigkeit erkennen kann. Das neue Instrument könnte die Diagnose in der Notfallmedizin vereinfachen und liefert zugleich neue Hinweise zu den biologischen Mechanismen dieser häufig verkannten Herzerkrankung. Das Takotsubo-Syndrom ist eine akute Herzerkrankung, die vor allem Frauen nach den Wechseljahren betrifft und häufig durch starken emotionalen oder körperlichen Stress ausgelöst wird. Obwohl sie rund zwei Prozent aller Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt betrifft – bei Frauen mit akutem Koronarsyndrom sogar bis zu jede Zehnte – ist die Erkrankung bis heute nur schwer von einem Herzinfarkt zu unterscheiden.
Die Betroffenen entwickeln plötzlich Brustschmerzen, Veränderungen im Elektrokardiogramm und erhöhte Herzenzyme – Symptome, die einem Herzinfarkt nahezu gleichen. Anders als beim Herzinfarkt sind die Herzkranzgefässe jedoch nicht verschlossen. Da sich beide Erkrankungen bei der Erstbeurteilung kaum unterscheiden lassen, müssen die meisten Patientinnen und Patienten zunächst mittels invasiver Herkatheteruntersuchung abgeklärt werden.
Ein internationales Forschungsteam unter enger Zusammenarbeit von Forscheden der Universitäten Zürich und Greifswald hat nun einen einfachen diagnostischen Score entwickelt und validiert, der das Takotsubo-Syndrom bereits vor einer Herkatheteruntersuchung erkennen kann.
Hohe Genauigkeit Der neue BioTAK-Score berücksichtigt neben dem Geschlecht verschiedene Biomarker im Blut, die unterschiedliche Vorgänge im Herz-Kreislauf-System abbilden. Mithilfe künstlicher Intelligenz identifizierten die Forschenden die aussagekräftigste Kombination dieser Marker und entwickelten daraus eine diagnostische Entscheidungshilfe. In einer unabhängigen Validierung mit knapp 1'800 weiteren Patientinnen und Patienten konnte BioTAK das Takotsubo-Syndrom mit hoher Genauigkeit erkennen. Vordefinierte Grenzwerte ermöglichten bereits vor der Herzkatheteruntersuchung eine korrekte Einordnung von nahezu 90 Prozent der untersuchten Personen.
«Unsere Studie zeigt, dass eine einfache Kombination aus Blutbiomarkern und dem Geschlecht die Patientinnen und Patienten bereits vor einer Herzkatheteruntersuchung mit bemerkenswerter Genauigkeit identifizieren kann», sagt Co-Erstautor der Studie, Florian A. Wenzl vom Center for Molecular Cardiology der Universität Zürich und Radcliffe Department of Medicine der University of Oxford. «Gleichzeitig liefern die Biomarker Hinweise auf die biologischen Prozesse, die das Takotsubo-Syndrom vom klassischen Herzinfarkt unterscheiden», fügt der zweite Co-Erstautor Victor Schweiger vom Universitätspital Zürich hinzu.
Neue Hinweise auf Krankheitsmechanismen Die Studie liefert auch neue Hinweise auf die Krankheitsmechnismen des Takotsubo-Syndroms. Der BioTAK-Score beinhaltet zwei neuartige Einweissstoffe, die auf die zentrale Rolle der sogenannte Gehirn-Herz-Achse sowie auf eine Atherosklerose-unabhängige Krankheitsentstehnung hindeuten. Das eine Eiweiss ist an der Aktivierung zahlreicher Neuropeptide beteiligt ist, welche Stressreaktionen, Angst, den Gefässtonus und die Aktivität des vegetativen Nervensystems regulieren, das andere steht mit der Stabilität atherosklerotischer Plaques in Zusammenhang. So ergibt sich ein biologisches Muster, das sich grundlegend von jenem eines klassischen Herzinfarkts unterscheidet. «Indem der BioTAK-Score Signalwege von Stressreaktionen, Herzmuskelfunktionsstörungen und Plaquestabilität erfasst, übersetzt er komplexe Krankheitsmechanismen in ein praxistaugliches diagnostisches Instrument», erklärt Co-Letztautor Thomas Lüscher vom National Heart and Lung Institute des Imperial College London.
Potenzial für die klinische Praxis Die Forschenden sehen im BioTAK-Score eine wertvolle Ergänzung der frühen Notfallabklärung von Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom. «Der BioTAK-Score ersetzt keine Herzkatheteruntersuchung, wenn diese medizinisch erforderlich ist. Er könnte jedoch helfen, diagnostische Abläufe gezielter zu steuern und bei ausgewählten Patientinnen und Patienten unnötige invasive Untersuchungen zu vermeiden», so der zweite Co-Letztautor Christian Templin, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B der Universitätsmedizin Greifswald und Gründer des InterTAK Registry. «Unser Ziel ist es, Patientinnen und Patienten mit Takotsubo-Syndrom künftig früher und zuverlässiger zu identifizieren und gleichzeitig die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen besser zu verstehen.»
Zukünftige Studien sollen nun zeigen, ob die Integration des BioTAK-Scores in die klinische Routine die Diagnostik und Behandlung der Patientinnen und Patienten weiter verbessern kann.
Literatur Florian A. Wenzl, Victor Schweiger, Maria A. Smolle, Daniel Zech, Alexander Akhmedov, Peizhi Wang, et al. Takotsubo syndrome diagnosis: the biomarker-based BioTAK score. European Heart Journal 2026. DOI: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehag597
Zusammenspiel Internationaler Forschungsinfrastrukturen Die Studie basiert auf zeitlich und örtlich überlappender prospektiver Patient:innnenkohorten, aus der Schweiz, dem SPUM-ACS Register und dem International Takotsubo (InterTAK) Registry. Das InterTAK Registry wurde 2010 initiiert und gehört zu den weltweit grössten internationalen Forschungsinfrastrukturen zum Takotsubo-Syndrom. Für die im European Heart Journal publizierte Studie wurden Daten von mehr als 3'600 Patientinnen und Patienten mit akutem Koronarsyndrom oder Takotsubo-Syndrom ausgewertet.
MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT Nathalie Huber Dr. Florian A. Wenzl, MD PhD FESC Center for Molecular Cardiology Universität Zürich florian.wenzl@uzh.ch +41 76 749 42 50
Prof. Thomas F. Lüscher, MD FESC Royal Brompton and Harefield Hospitals Guy's and St Thomas' NHS Foundation Trust thomas.luescher@zhh.ch +44 7502 008 487
Originalpublikation: Florian A. Wenzl, Victor Schweiger, Maria A. Smolle, Daniel Zech, Alexander Akhmedov, Peizhi Wang, et al. Takotsubo syndrome diagnosis: the biomarker-based BioTAK score. European Heart Journal 2026. DOI: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehag597
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