Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Gefährliche weiße Finger - Neue Therapie beim Raynaud-Phänomen
Die Rheumatologie und die Neurochirurgie des Universitätsklinikums Bonn (UKB) erforschen eine neue, vielversprechende Therapie zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Raynaud-Phänomen.
Die neuromodulative Behandlung erzielt in einer Pilotstudie erste, vielversprechende Ergebnisse bei Schwererkrankten.
(v. l.) Prof. Jaroslaw Maciaczyk setzt das Implantat zur Neurostimulation eines Patienten mit Raynau ...
J.F. Saba Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Weiße, eiskalte Finger sind das wohl ausgeprägteste Symptom beim Raynaud-Phänomen.
Auch wenn der Name vielleicht nicht geläufig ist, tritt die Krankheit häufig (bis zu 5 Prozent der Bevölkerung) auf.
Betroffen sind vor allem jüngere Menschen und Frauen, aber auch Männer leiden darunter.
Kälte und Stress sind die Auslöser, ebenso wie das Rauchen.
Beim Raynaud-Phänomen handelt es sich um eine Gefäßerkrankung, bei der die Blutgefäße krampfartig verengt werden und Zehen und Finger dadurch zu wenig durchblutet sind.
Das kann im Extremfall zur Gefahr
werden und zum Absterben und Verlust einzelner Finger oder Zehen führen.
Primäres und sekundäres Raynaud-Phänomen
Während das etwa 80 Prozent aller Fälle ausmachende primäre
Raynaud-Phänomen ohne andere Krankheitssymptome auftritt, liegen bei
einer sekundären Erkrankung oft andere, vor allem rheumatologische
Grunderkrankungen vor. Leichte Fälle von Raynaud können durch
Präventionsmaßnahmen wie Schutz vor Kälte (z.B. das Tragen von
Baumwollhandschuhen), Entspannungsübungen oder Nikotinentzug therapiert
werden. „Der Leidensdruck bei Schwererkrankten ist aber oft extrem groß,
da die Anfälle unkontrollierbar und Betroffene mitunter in ihrem Alltag
stark eingeschränkt sind. Medikamente helfen meist nicht ausreichend“,
so PD Dr. Valentin Schäfer, Leiter der Sektion Rheumatologie und
klinische Immunologie am UKB.
Neue Therapie mittels Neurostimulation
Seit kurzem gibt es die Hoffnung, auf eine neue Therapiemöglichkeit.
Dafür haben sich PD Dr. Schäfer und Prof. Jaroslaw Maciaczyk, Leiter der
Sektion Stereotaktische und Funktionelle Neurochirurgie am UKB,
zusammengetan und eine Pilotstudie ins Leben gerufen. Darin werden
schwer erkrankte Patientinnen und Patienten mit einem schweren Raynaud-
Phänomen eingeschlossen. „Die neue Therapie beinhaltet eine
Rückenmarkstimulation. Den Erkrankten wird in einer OP minimalinvasiv
ein kleines Implantat in der Nähe des Rückenmarkes eingesetzt, das
Stromimpulse abgibt, die dafür sorgen, dass die Gefäße – vor allem in
den Fingern und Zehen – weiter werden“, so Prof. Maciaczyk. Die
Behandlung ist unschädlich für den Körper und zeigt sich nach den ersten
Auswertungen im Falle der vom primären und sekundären Raynaud- Phänomen
betroffenen Patienten als sehr wirksam. Wenn die Ergebnisse sich im
Laufe der Studie weiter bestätigen, bedeutet das eine große
Errungenschaft für die bisher unzureichenden Behandlungsmöglichkeiten
beim Raynaud- Phänomen.
(v. l.) Prof. Jaroslaw Maciaczyk und PD Dr. Valentin Schäfer therapieren am UKB Patientinnen und P ...
J.F. Saba Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Betroffene können sich zur Diagnostik und bei Interesse an der Studie in
der Rheumatologie und klinischen Immunologie, Medizinische Klinik III
oder der Sektion stereotaktische und funktionelle Neurochirurgie des UKB
melden:
rheumatologie@ukbonn.de
Zentrale: +49 228 287-17000
Sekretariat funktionelle Neurochirurgie:
Karin.Ittner@ukbonn.de
Tel.: +49 228 287-16531
Viola Röser
Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Tel.: 0228 287-10469; E-Mail: viola.roeser@ukbonn.de
Petra Sandow Universitätsklinikum Bonn
Venusberg-Campus 1
53127 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
Felix Heyder
Telefon: 0228 / 287-11904
E-Mail-Adresse: felix.heyder@ukbonn.de
Zum Universitätsklinikum Bonn: Im UKB werden pro Jahr über 400.000
Patient*innen betreut, es sind 8.300 Mitarbeiter*innen beschäftigt und
die Bilanzsumme beträgt 1,3 Mrd. Euro. Neben den über 3.300 Medizin- und
Zahnmedizin-Studierenden werden pro Jahr rund 600 junge Menschen in
anderen Gesundheitsberufen ausgebildet. Das UKB steht im
Wissenschafts-Ranking auf Platz 1 unter den Universitätsklinika (UK) in
NRW, weist den vierthöchsten Case Mix Index (Fallschweregrad) in
Deutschland auf und hatte 2020 als einziges der 35 deutschen
Universitätsklinika einen Leistungszuwachs und die einzige positive
Jahresbilanz aller Universitätsklinika in NRW.
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