Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

transösophageale Echokardiographie-Untersuchungen

Die Leipzig Perioperative TEE* Masterclass am Herzzentrum Leipzig findet vom 12. bis 14. Mai 2025 bereits das vierte Jahr in Folge statt. 

Zum dritten Mal wird sie als hybrides Format umgesetzt, das eine Teilnahme vor Ort und online ermöglicht. 

Während der Veranstaltung werden transösophageale Echokardiographie-Untersuchungen live aus den OP-Sälen des Herzzentrums Leipzig in den Hörsaal und in den Livestream übertragen und von Fachexpert:innen detailliert erläutert. Interessierte können sich ab sofort unter www.tee-masterclass.de anmelden.

An drei Tagen analysieren erfahrene Ärzt:innen mehr als 30 Operationen und Katheterinterventionen, die in hochauflösender HD-Qualität direkt aus den Operationssälen übertragen werden. Sie kommentieren die Untersuchungen, erklären den optimalen Umgang mit der Sonde, besprechen Geräteeinstellungen und interpretieren Ultraschallbilder. In diesem Jahr vertiefen sie die Fallanalysen durch Live-Annotationen und stellen erstmals einen erwachsenen Patienten mit einem angeborenen Herzfehler vor – eine Erweiterung des bisherigen Fallspektrums.

Das internationale Fachpublikum verfolgt die Untersuchungen auf einem dreigeteilten Bildschirm, der das Echtzeit-TEE-Bild, die Sondenführung und die/den durchführende:n Echokardiograph:in zeigt. Fragen aus dem Hörsaal leitet der Vorsitz direkt in den OP weiter. Online-Teilnehmende nutzen eine moderierte Chat-Funktion, um sich aktiv einzubringen.

Prof. Dr. med. habil. Jörg Ender betont: "Die vergangenen Veranstaltungsjahre haben uns gezeigt, dass es für die anwesenden Ärztinnen und Ärzte sehr hilfreich ist, den gesamten Untersuchungsprozess in Echtzeit verfolgen zu können. So erleben die Teilnehmer:innen, wie Messungen und Diagnosen im OP-Alltag tatsächlich ablaufen. Durch die Live-Annotationen im Anschluss an die OP bieten wir die Möglichkeit für einen intensiven Austausch."

Dr. med. Massimiliano Meineri ergänzt: "Durch die Live-Aufzeichnung im OP ermöglichen wir unseren Teilnehmenden, sich unmittelbar in die Perspektive der Echokardiograph:innen hineinzuversetzen: Sie blicken ihnen direkt über die Schulter, begleiten Schritt für Schritt die Untersuchung und interagieren in Echtzeit."

Hands-on-Workshops und Zugriff auf die Mediathek

Vor-Ort-Teilnehmer:innen profitieren von einem erweiterten Programm. Neben wissenschaftlichen Vorträgen und einer Industrieausstellung stehen praxisorientierte Workshops zu strukturellen Herzinterventionen, 3D-Bildgebung und hämodynamischem Monitoring auf dem Plan. Diese können zwischen den Live-Sessions besucht werden.
Alle Veranstaltungseinheiten werden aufgezeichnet. Angemeldete Teilnehmer:innen erhalten exklusiven Zugang zur Mediathek und können die Videos ein Jahr lang abrufen.
Das vollständige Programm sowie Video-Ausschnitte aus den vergangenen Jahren sind auf der offiziellen Website abrufbar: www.tee-masterclass.de.

Zielgruppe und CME-Zertifizierung

Die Veranstaltung richtet sich an Echokardiograph:innen, Kardioanästhesist:innen, Herzchirurg:innen, Kardiolog:innen, Anästhesist:innen, Internist:innen und Intensivmediziner:innen sowie Medizinstudierende. Die Sächsische Landesärztekammer vergibt 27 CME-Punkte für die TEE Masterclass. Die Zertifizierung durch den European Accreditation Council for Continuing Medical Education (EACCME) erfolgt derzeit.

Das Herzzentrum Leipzig unter Leitung von Prof. Dr. med. habil. Jörg Ender, Chefarzt der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin, ist Organisator und Gastgeber der TEE Masterclass. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) sowie die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK) unterstützen die Veranstaltung als Schirmherrn.

*TEE: transesophageal echocardiography (Ultraschalluntersuchung des Herzens über die Speiseröhre)

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildung en VOR ORT
Prof. Dr. med. habil. Jörg Ender, Chefarzt der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin: https://www.helios-gesundheit.de/standorte-angebote/kliniken/leipzig-herzzentrum...

Dr. med. Massimiliano Meineri, Leitender Oberarzt der Abteilung Anästhesiologie und Intensivmedizin: https://www.helios-gesundheit.de/standorte-angebote/kliniken/leipzig-herzzentrum...

Das Soziale Rezept und das Soziale Konzept

Mit einem Rezept führt der Weg für gewöhnlich zur Apotheke oder einem Therapieangebot. 

Nicht so beim Sozialen Rezept, englisch:

Social Prescribing. 

Dahinter steht ein neuer, in England entwickelter Ansatz, der die Lücke zwischen hausärztlicher Versorgung und sozialen, nicht-medizinischen Unterstützungsangeboten schließen soll. 

Unter Federführung der Charité – Universitätsmedizin Berlin werden in den kommenden fünf Jahren 22 europäische Gesundheits- und Forschungseinrichtungen die Effekte des Sozialen Rezepts insbesondere bei benachteiligten Personengruppen untersuchen. Die Europäische Kommission unterstützt das Vorhaben mit rund 6,9 Millionen Euro.

Das Soziale Rezept: 

Europaweites Forschungsprogramm zur Wirksamkeit startet

Auch soziale Belastungen können krank machen. 

Für solche Situationen ist das Soziale Rezept entwickelt worden. 

Es soll den Zugang zu vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten erleichtern. Ärzt:innen überweisen hierbei Patient:innen an geschultes Fachpersonal, sogenannte Link Workers. 

Diese lernen die Patient:innen in Gesprächen besser kennen und helfen dabei, sie an Gruppen, Aktivitäten oder soziale Dienstleistungen in ihrer Umgebung zu vermitteln.

Leiden beispielsweise Patient:innen unter Einsamkeit, werden sie dabei unterstützt, sich etwa einem Kunstkurs oder einer Laufgruppe anzuschließen. 

Dort treffen sie auf andere Menschen und können positive Erlebnisse teilen. 

Oder es geht darum, Patient:innen zu helfen, die aufgrund einer Schuldenlast unter Schlafstörungen leiden. 

Sie erhalten Unterstützung bei der Navigation im Sozialsystem oder beim Zugang zu Schuldnerberatungen.

Trägt nun das Soziale Rezept dazu bei, dass wohnortnahe Angebote zur Verbesserung der Lebenssituation stärker in Anspruch genommen werden? Und kann es die Gesundheit vor allem bei Risikogruppen fördern? Das wollen die Forschenden in den nächsten Jahren auf europäischer Ebene herausfinden.

„Das Soziale Rezept ist ein innovatives Konzept, um Menschen mit sozialen Problemen aus der hausärztlichen Versorgung an Angebote vor Ort zu vermitteln“, erklärt Prof. Wolfram Herrmann, Leiter des europäischen Social-Prescribing-Projektes. „Bisher war dieser Ansatz nicht speziell auf die Bedürfnisse besonders gefährdeter Personengruppen zugeschnitten. Wir konzentrieren uns daher insbesondere auf ältere alleinlebende Menschen, LGBTIQ-Personen sowie Geflüchtete und Einwander:innen in erster Generation, um die Wirksamkeit des Ansatzes zu prüfen.“ Das Projekt wird eine vergleichende Studie zum Sozialen Rezept in acht Ländern umfassen. In fünf Ländern wird sie ergänzt durch eine qualitative Analyse, um Erfolgsfaktoren und Hindernisse beim Zugang zu den Angeboten zu erkennen.

Erste Praxen in Deutschland nutzen das Soziale Rezept

Während das Soziale Rezept in England bereits in der Versorgung angekommen ist, ist es hierzulande noch kaum bekannt. Ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Modellprojekt startete unter Charité-Leitung im vergangenen Jahr. Unter den teilnehmenden Hausarztpraxen ist das MVZ Zerbaum und Kollegen in Brandenburg an der Havel. „Wir arbeiten hier an der Basis, wobei wir immer wieder Menschen antreffen, für die eine soziale Diagnose zutrifft“, sagt Dr. Benjamin Senst. „Die Menschen kommen mit körperlichen Beschwerden zu uns, die Ursachen sind aber häufig mit Wohnungsproblemen, finanziellen Sorgen, Schwierigkeiten bei der Arbeit, in der Beziehung oder mit Alkoholmissbrauch verbunden.“

Einmal wöchentlich besucht eine Link Workerin des Modellprojektes die Praxis Zerbaum, vermittelt gezielt an Beratungsstellen, soziale Hilfsangebote, Vereine, Entzugsbehandlungen. „Es gibt sehr viele Hilfsangebote, die oft nicht bekannt sind, oder zu denen die Menschen allein den Zugang nicht finden“, sagt Dr. Senst. „Wir können nicht allen weiterhelfen. Bei Menschen, die jahrelang nicht am gesellschaftlichen Leben teilhatten, ist es besonders schwer. Wir haben aber auch Erfolge, beispielsweise konnte ein Patient mit schwerem Belastungssyndrom in einen Stressbewältigungskurs seiner Krankenkasse vermittelt werden. Heute ist er gesund und wieder in Vollzeit tätig.“

Es gibt eine Vielzahl nicht-medizinischer Faktoren, die die Gesundheit von Menschen negativ beeinflussen. Das Soziale Rezept gilt als ein vielversprechender Ansatz, sie zu mildern. Bestätigt das europäische Social-Prescribing-Programm dies, kann es zur Transformation der Gesundheitssysteme in Europa beitragen. In England ist das Soziale Rezept mit mehr als 3.500 Link Workers schon jetzt zentraler Bestandteil der primären Gesundheitsversorgung.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildung en VOR ORT


Prof. Wolfram Herrmann
Stellvertretender Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin
Charité – Universitätsmedizin Berlin
T: +49 30 450 514 107
Email: wolfram.herrmann@charite.de


Weitere Informationen finden Sie unter
https://allgemeinmedizin.charite.de/
https://www.hausarzt-zerbaum.de/
https://socialprescribingacademy.org.uk/

Failure to Rescue (FTR= Rettungsversagen

Patientinnen und Patienten sollten bei der Wahl ihres Krankenhauses nicht nur auf die Erfahrung des Operateurs achten. 

Denn gerade bei komplexen und risikoreichen Eingriffen kommt es neben dem erfolgreichen Eingriff auch auf das Beherrschen der Komplikationen an, die danach auftreten können. 

Diese Zahl gibt die sogenannte Failure to Rescue (FTR= Rettungsversagen) - Rate wieder: Sie besagt, dass eine lebensbedrohliche Komplikation nicht rechtzeitig erkannt oder nicht adäquat behandelt wurde und im schlechtesten Fall zum Tod geführt hat.

Patientinnen und Patienten sollten bei der Wahl ihres Krankenhauses nicht nur auf die Erfahrung des Operateurs achten. Denn gerade bei komplexen und risikoreichen Eingriffen kommt es neben dem erfolgreichen Eingriff auch auf das Beherrschen der Komplikationen an, die danach auftreten können. Diese Zahl gibt die sogenannte Failure to Rescue (FTR= Rettungsversagen) - Rate wieder: Sie besagt, dass eine lebensbedrohliche Komplikation nicht rechtzeitig erkannt oder nicht adäquat behandelt wurde und im schlechtesten Fall zum Tod geführt hat. Studien zeigen, dass in spezialisierten Zentren mit hohen Fallzahlen die FTR-Rate niedriger und damit die Überlebenswahrscheinlichkeit höher ist (1, 2, 3, 4, 5). Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) spricht sich deshalb im Vorfeld ihres 142. Deutschen Chirurgie Kongresses (DCK 2025) unter dem Motto „Sichere Chirurgie für alle“ vom 26. bis 28. März 2025 in München dafür aus, dass Krankenhäuser zur Erhöhung der Transparenz die FTR auch in ihren Qualitätsberichten ausweisen. Gleichzeitig unterstützt die Fachgesellschaft weiterhin die Infrastrukturvorgaben (Zentrumsbildung) im Rahmen der geplanten Krankenhausstrukturreform.

Unerwartete Blutungen, innere Wundheilungsstörungen, Infektionen, Nierenversagen, Sepsis und Schock: Nicht alle Komplikationen lassen sich vermeiden. Dies gilt vor allem bei komplexen chirurgischen Eingriffen: „Das sind Operationen an der Bauchspeicheldrüse, Speiseröhre oder Leber. Auch Bauchaortenaneurysmen, Aortendissektionen, Polytraumata oder Transplantationen gehören dazu“, nennt Professorin Dr. med. Christiane Bruns, 1. Vize-Präsidentin der DGCH, als Beispiele. „Hier ist entscheidend, wie schnell und effektiv darauf reagiert wird", sagt Bruns, Direktorin der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Transplantationschirurgie an der Uniklinik Köln.
Sie betont: „Die Qualität eines Krankenhauses zeigt sich nicht nur im OP, sondern auch im Komplikationsmanagement. Das kann gerade bei Hochrisiko-Eingriffen über Leben und Tod entscheiden.“ Eine gute Personalausstattung, engmaschige Überwachung, rechtzeitige Intensivtherapie und interdisziplinäre Zusammenarbeit, - von einer guten Fehlerkultur getragen -, seien für eine niedrige FTR-Rate entscheidend.

Spezialisierte Zentren haben oft niedrigere FTR-Raten
Zahlreiche Studien belegen einen Zusammenhang von Leistungsmenge und Behandlungsqualität. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen dabei auch, dass etwa spezialisierte Krebszentren signifikant niedrigere FTR-Raten haben (5). Doch trotz der Empfehlungen etwa des Nationalen Krebsplans werden immer noch über 40 Prozent aller Krebspatienten in nicht zertifizierten Krankenhäusern erstbehandelt.

Gutes Komplikationsmanagement ist ein wichtiger Qualitätsindikator
„Die FTR-Problematik ist ein wichtiger Grund für die Einführung und Diskussion von Mindestmengen in der Chirurgie“, so Bruns. Mindestmengen sollen dazu beitragen, die Versorgungsqualität zu verbessern und FTR-Raten zu senken. „FTR ist messbar, beeinflussbar und damit ein zentraler Ansatzpunkt zur weiteren Senkung der postoperativen Sterblichkeit. Dies sollten wir zur weiteren Verbesserung der Ergebnisqualität nutzen“, sagt Bruns.

Mehr Transparenz: Krankenhäuser sollten ihre FTR-Rate ausweisen
„Komplikationen lassen sich nie ganz vermeiden, aber das Ziel ist, dass kein Patient mehr an einer behandelbaren Komplikation sterben muss“, sagt Professor Dr. med. Thomas Schmitz-Rixen, Generalsekretär der DGCH. „Patientinnen und Patienten sollte es daher möglich werden, ihre Krankenhauswahl auch an der FTR zu orientieren.“ „Von den Krankenhäusern ist zu fordern, dass sie ihre FTR bei ihren Leistungen ausweisen. Dies ist momentan noch nicht der Fall“, so Schmitz-Rixen.

In der Zwischenzeit könne man sich aber schon über Qualitätsurteile von bestehenden Plattformen, etwa dem bundesweiten Klinikatlas, sowie über Teilaspekte und alternative Qualitätsindikatoren informieren. Dazu gehören Komplikations- und Sterberaten und Personalausstattung. Und er rät: Bei komplexen Eingriffen lohne es sich, ein spezialisiertes Zentrum aufzusuchen - auch wenn der Weg dorthin weiter sei.

Infektionswelle das Mpox-Virus global

Bereits eine Dosis des Pocken-Impfstoffs Imvanex verleiht gegen Mpox eine Schutzwirkung von 84 Prozent. 

Das hat eine Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin jetzt ergeben. 

Bei Menschen mit HIV ist dagegen nach einer Impfdosis der Schutz noch unzureichend. 

Alle Risikogruppen, insbesondere aber Menschen mit HIV, sollten daher die empfohlene zweite Impfdosis erhalten. 

Die Ergebnisse sind jetzt im Fachmagazin The Lancet Infectious Diseases* veröffentlicht.

Seit 2022 eine Infektionswelle das Mpox-Virus global verbreitete, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) Personen mit erhöhtem Mpox-Risiko eine Impfung mit dem Impfstoff Imvanex. 

Ursprünglich zum Schutz vor den echten Pocken entwickelt, wurde die Vakzine im Juli 2022 angesichts der gesundheitlichen Notlage von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) auch zum Schutz vor Mpox zugelassen. 

Das Mpox-Virus ist mit dem ursprünglichen Pockenvirus (Variola major) verwandt. Basis der Zulassung waren Labordaten, nach denen die Impfung einen sogenannten Kreuzschutz verleiht. Wie stark der schützende Effekt, insbesondere bei Risikogruppen, ausfällt, war bisher jedoch nicht geklärt.

Umfassende Studie mit mehr als 9.300 Teilnehmenden

Im Auftrag der EMA hat ein Team um Prof. Leif Erik Sander, Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin der Charité und Leiter der Arbeitsgruppe für Personalisierte Infektionsmedizin am Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), die Wirksamkeit der Impfung gegen Mpox nun in einer umfangreichen Studie untersucht und erstmals auch für Menschen mit und ohne HIV verglichen. 

„Unsere Ergebnisse bestätigen, dass schon eine Impfdosis zumindest kurzfristig gut vor Mpox schützt“, sagt der Infektiologe. 

„Das gilt allerdings nur für Menschen, die nicht mit HIV leben. 

Bei Menschen mit HIV – selbst wenn sie gut wirksame Medikamente nehmen – sehen wir nach einer Impfdosis leider keine ausreichende Schutzwirkung.“

An der Studie nahmen zwischen Juli 2022 und Dezember 2023 mehr als 9.300 Männer oder trans Menschen teil, die angaben, mit wechselnden Männern oder trans Menschen Sex zu haben. Sie gehören zu den Personengruppen, denen eine Impfung von der STIKO empfohlen wird. Die Hälfte der Teilnehmenden erhielt eine Dosis der Imvanex-Impfung, die andere Hälfte blieb ungeimpft. Für beide Gruppen wurde im Durchschnitt über knapp zwei Monate hinweg erhoben, wie viele Menschen sich mit Mpox infizierten.

Eine Dosis schützt immungesunde Menschen

Bei den Probanden ohne HIV traten in der geimpften Gruppe deutlich weniger Mpox-Fälle auf als in der ungeimpften, die Schutzwirkung betrug 84 Prozent. „Das ist ein sehr guter Wert, der vermutlich durch die zweite Impfdosis noch weiter erhöht wird“, sagt Leif Erik Sander. Aufgrund des stark zurückgehenden Infektionsgeschehens im zweiten Halbjahr 2022 ließ sich die zusätzliche Wirkung der zweiten Impfdosis jedoch in der Studie nicht ermitteln.

Bei Personen, die mit HIV leben, zeigte sich dagegen nur ein kleiner Schutzeffekt, der statistisch nicht signifikant war. „Der Grund liegt vermutlich darin, dass für den Aufbau des Immunschutzes nach der Impfung bestimmte Immunzellen, die T-Zellen, nötig sind“, erklärt der Mediziner. „Bei Menschen mit HIV sind diese T-Zellen häufig reduziert und nicht voll funktionsfähig, sodass die Immunantwort schwächer ausfällt. Dazu passt auch unsere Beobachtung, dass bei ihnen nach der Impfung weniger lokale und systemische Nebenwirkungen auftraten.“

Zwei Impfdosen für alle empfohlen, insbesondere für Menschen mit HIV

„Wir gehen davon aus, dass sich bei Menschen mit HIV nach der zweiten Impfdosis ein Schutz gegen Mpox entwickelt, und legen ihnen dringend nahe, sich die von der STIKO empfohlenen zwei Impfdosen verabreichen zu lassen“, betont Prof. Florian Kurth. Der Leiter der Arbeitsgruppe für klinische Infektionsforschung an der Charité hat die Studie zusammen mit Leif Erik Sander federführend verantwortet. „Wir empfehlen auch allen anderen Risikogruppen, die beiden Impfungen zu komplettieren. Das Immunsystem baut typischerweise einen länger andauernden Immunschutz auf, wenn es sich mehr als einmal mit dem Vakzin auseinandergesetzt hat.“ Wie hoch die Schutzwirkung bei den verschiedenen Personengruppen nach zwei Impfungen genau sein wird, müssen weitere Studien zeigen.

Das Forschungsteam beobachtete, dass geimpfte Personen schwächere Symptome zeigten, wenn sie sich dennoch mit dem Virus ansteckten: Sie entwickelten weniger Pocken auf der Haut, die außerdem schneller abheilten, und berichteten seltener über systemische Erkrankungsanzeichen wie Fieber. „Wir gehen davon aus, dass die Zweitimpfung die Ausprägung der Symptome noch weiter reduzieren wird“, sagt Florian Kurth. „Mit weniger Pocken sinkt mutmaßlich auch das Risiko einer Übertragung des Virus. Eine vollständige Impfung dürfte einem Wiederaufflammen von Mpox-Ausbrüchen daher entgegenwirken.“

Impfung ist gut verträglich

Die Forschenden untersuchten zudem bei über 6.500 Personen die Verträglichkeit und Sicherheit der Mpox-Impfung. 

Als Impfreaktion gaben die Probanden am häufigsten Schmerzen an der Einstichstelle an. Weniger als drei Prozent der Geimpften berichteten über stärkere Empfindungen wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerz, Übelkeit oder Durchfall. „Die Mpox-Impfung ist also sicher und insgesamt gut verträglich“, resümiert Florian Kurth. 

„Zu beachten ist, dass der Impfschutz erst nach etwa 14 Tagen vollständig aufgebaut ist. 

Zusätzlich sollten allgemeine Präventionsmaßnahmen wie die Nutzung von Kondomen ergriffen werden – auch zum Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten.“

Da im Studienzeitraum die Klade IIb des Mpox-Virus in Deutschland zirkulierte, gelten die Ergebnisse zum Impfschutz für diese Viruslinie. Aufgrund des hohen Verwandtschaftsgrades mit der Klade I, die momentan in Zentralafrika und angrenzenden Regionen grassiert, gehen die Forschenden jedoch von einem sehr hohen Kreuzschutz aus. Ihnen zufolge dürften die Studienergebnisse deshalb auch für den aktuellen Klade-I-Ausbruch in Afrika relevant sein. Noch unklar ist, wie lange der Impfschutz anhält. Im nächsten Schritt plant das Forschungsteam dazu Langzeitstudien und will zusätzlich untersuchen, welche Wirkung eine dritte Impfdosis entfaltet.

*Hillus D et al. Safety and effectiveness of MVA-BN vaccination against Mpox: A combined prospective and retrospective cohort study (SEMVAc/TEMVAc). Lancet Infect Dis 2025 Mar 18. doi: 10.1016/S1473-3099(25)00082-9

Über Mpox
Mpox (bis 2022: Affenpocken) werden durch das Monkeypox-Virus ausgelöst, das mit den humanen Pockenviren verwandt ist. Das Krankheitsbild ähnelt dem der echten Pocken, die seit 1980 als ausgerottet gelten. Waren die Pocken eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit, verläuft Mpox in der Regel milder. Es kommt zu Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, die Lymphknoten schwellen an. Einige Tage später bilden sich Pusteln auf der Haut oder den Schleimhäuten. Diese Pocken können teilweise sehr stark jucken und auch schmerzhaft sein. Tödliche Verläufe sind sehr selten und betreffen vor allem Kinder und immungeschwächte Personen. Jedoch können schwere Krankheitsverläufe zu starken Vernarbungen und langfristigen Schäden führen. Das Mpox-Virus wird durch engen Körperkontakt übertragen.

Zum Mpox-Infektionsgeschehen
Auf Basis genetischer Unterschiede wird das Mpox-Virus in sogenannte Kladen eingeteilt. Im Mai 2022 kam es zu einem weltweiten Ausbruch der Klade IIb, bei dem sich das Virus vor allem durch engen Körperkontakt und Sexualkontakte ausbreitete. Seither sind mehr als 100.000 Fälle in 122 Ländern erfasst worden. Während das Infektionsgeschehen seit Herbst 2022 in Europa deutlich zurückgegangen ist, wurden 2024 in einzelnen Ländern wie den USA, Brasilien oder Australien teils deutlich mehr als 1.000 Fälle registriert. Aktuell werden neue Klade-IIb-Fälle in Australien, Südafrika und Südamerika gemeldet. Seit 2023 werden zusätzlich vermehrt Mpox-Infektionen der Klade I (inklusive einer neuen Variante Ib) in Afrika registriert, insbesondere in der Demokratischen Republik Kongo. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte 2022 für den Klade-II-Ausbruch und 2024 für den Klade-I-Ausbruch eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite (PHEIC).

Über den Mpox-Impfstoff
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Mpox-Impfung mit dem in der EU zugelassenen Impfstoff Imvanex. Er ist seit 2013 zum Schutz vor Pocken und seit Juli 2022 auch zum Schutz vor Mpox zugelassen. In den USA und Kanada gilt die Zulassung gegen Mpox seit mehreren Jahren, dort unter dem Impfstoff-Namen Jynneos bzw. Imvamune. Es handelt sich um einen Lebendimpfstoff mit Viren, die im Menschen nicht vermehrungsfähig sind. Das Präparat beruht auf einem abgeschwächten Kuhpockenvirus (modifiziertes Vaccinia-Virus Ankara, MVA-Impfstoff), das als eine Art Prototyp der Pockenviren gilt und so einen Kreuzschutz auch gegen andere Pockenviren hervorrufen kann. Zu den Gruppen, denen die Impfung empfohlen wird, zählen Männer ab 18 Jahren, die Sex mit Männern haben und häufig die Partner wechseln, sowie Laborpersonal, das mit infektiösen Mpox-Proben arbeitet. Die Grundimmunisierung erfolgt mit zwei Impfdosen.

Über die Studie
Die Studie war in zwei Studienarme geteilt, um die Verträglichkeit bzw. die Wirksamkeit der Mpox-Impfung zu ermitteln. Zur Bestimmung der Sicherheit und Verträglichkeit wurden rund 6.500 Personen prospektiv untersucht und regelmäßig befragt. Zur Ermittlung der Wirksamkeit kam ein Rolling-Cohort-Design in einem sogenannten Target Trial zum Einsatz, das durch einen rückblickenden Vergleich der Daten von über 9.300 Geimpften und Ungeimpften mit vergleichbaren demografischen und klinischen Merkmalen eine randomisierte klinische Studie simuliert. Über die gesamte Gruppe der Teilnehmenden hinweg – also mit oder ohne HIV – ergab sich eine durchschnittliche Schutzwirkung von 58 Prozent. Die Studie wurde gefördert durch das BIH und die EMA.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildung en VOR ORT


Prof. Leif Erik Sander
Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin
Charité – Universitätsmedizin Berlin
T: +49 30 450 553 332
E-Mail: leif-erik.sander@charite.de

Originalpublikation:
https://doi.org/10.1016/S1473-3099(25)00018-0
Weitere Informationen finden Sie unter
Originalpublikation
Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin

Zentrum für IntensivMedizin

Am LMU Klinikum München hat das Zentrum für IntensivMedizin München (ZIMM-LMU) unter Leitung von Prof. Dr. Bernhard Zwißler sowie der Koordination von PD Dr. Ines Schroeder und PD Dr. Stephanie Stecher die operative Arbeit aufgenommen – als eines der ersten seiner Art in Deutschland.

Jedes Jahr müssen in Deutschland etwa zwei Millionen Menschen aufgrund von lebensbedrohlichen Erkrankungen oder Verletzungen intensiv überwacht und behandelt werden. 


Hierfür ist eine interdisziplinäre und multiprofessionelle Versorgung unerlässlich, die nur ein hochspezialisiertes Team aus Intensivmedizinern und Intensivpflegenden gewährleisten kann. 

Umso wichtiger ist es, dass die intensivmedizinische und -pflegerische Expertise möglichst fach- und ortsübergreifend genutzt werden kann – um zum Beispiel auch kritisch kranken Patienten in kleineren Häusern rasch und unkompliziert helfen zu können. 

Der Gemeinsame Bundesausschusses (G-BA) hat deshalb im Oktober 2023 die Einrichtung von Zentren für Intensivmedizin beschlossen: Das sind Krankenhäuser, die künftig als intensivmedizinische Kompetenz- und Koordinierungszentren neben der Patientenversorgung besondere Aufgaben wahrnehmen.

Als eines der ersten Zentren für Intensivmedizin in Deutschland wurde – nach Zuweisung der entsprechenden Zentrumsaufgaben durch das Bayerische Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Februar 2024 – das Zentrum für IntensivMedizin München (ZIMM-LMU) gegründet. „Ziel des ZIMM-LMU ist es, die am LMU Klinikum bestehende umfangreiche fach- und berufsgruppenübergreifende intensivmedizinische Expertise zu nutzen, um die Behandlung schwerstkranker Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern aller Versorgungsstufen zu optimieren und so auch in der Fläche die Voraussetzungen für eine Therapie auf höchstem Niveau zu schaffen“, sagt der Leiter des ZIMM-LMU Prof. Dr. Bernhard Zwißler.

Zehn beteiligte Fachdisziplinen

Am ZIMMLMU sind zehn Fachdisziplinen beteiligt, die auf zehn Erwachsenen-Intensivstationen insgesamt 120 Intensivbetten betreiben. Die dort behandelten Patientinnen und Patienten werden rund um die Uhr von mehr als 350 Gesundheits- und Krankenpflegerinnen bzw. -pflegern betreut. „Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit wollen wir außerdem das Qualitätsmanagement ebenso wie die Weiterbildung, Lehre und klinische Forschung auf dem Gebiet der Intensivmedizin weiterentwickeln – und dies soll auch den im Netzwerk teilnehmenden Kliniken zugutekommen“, erklärt PD Dr. Ines Schroeder, die Koordinatorin des ZIMM-LMU.

Teleintensivmedizinische Anbindung

Viele weitere Projekte sind bereits in Entwicklung. Diese reichen beispielsweise von der Entwicklung gemeinsamer Standards zur Patientenversorgung über Qualitätszirkel und die Etablierung eines Peer Review Verfahrens bis hin zu einer intensivmedizinischen Fortbildungsreihe sowie der Stärkung von Nachhaltigkeitsaspekten durch ein Green Team. Ein besonderer Fokus wird dabei neben der internen fach- und berufsübergreifenden Zusammenarbeit auf die Vernetzung nach außen gelegt: Die teleintensivmedizinische Anbindung der Schön Klinik Bad Aibling sowie des Klinikums Garmisch-Partenkirchen sind bereits etabliert. 

Aber auch jenseits der Telemedizin ist eine unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen dem Zentrum und den zukünftig im Netzwerk angebundenen Kliniken geplant. So können über eine zentrale Anlaufstelle jederzeit medizinische Expertise sowie Übernahmen intensivpflichtiger Patientinnen und Patienten angefragt werden. Zudem stehen den angebundenen Netzwerkkliniken die vielfältigen Fortbildungsangebote des ZIMM-LMU und perspektivisch auch qualitätssichernde Maßnahmen (z.B. Peer Review, Empfehlungen zu Therapiestandards) zur Verfügung.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildung en VOR ORT 


PD Dr. Ines Schroeder
Zentrum für IntensivMedizin München
LMU Klinikum München
Tel: +49 89 4400-44111
E-Mail: ZIMM@med.uni-muenchen.de
Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.lmu-klinikum.de/zimm-lmu

Das Gewicht der Mutter

Das Gewicht werdender Mütter könnte eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL) bei Töchtern spielen – Söhne dagegen sind nicht betroffen. Das zeigten Forschende vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Die akute lymphoblastische Leukämie ist zwar insgesamt selten, macht aber rund ein Viertel der Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter aus. Um möglichen Risikofaktoren auf die Spur zu kommen, analysierte ein Team um Mahdi Fallah, DKFZ und NCT Heidelberg, gemeinsam mit Kollegen der Universität Lund die Daten von fast 3 Millionen Geburten in Schweden über einen Zeitraum von 35 Jahren. Datengrundlage war das landesweite schwedische Familien-Krebsregister.

Im Untersuchungszeitraum erkrankten in Schweden insgesamt 1.388 Kinder an ALL. Die Ergebnisse zeigen: Mädchen, deren Mütter bereits zu Beginn der Schwangerschaft übergewichtig oder fettleibig waren (BMI 25 und darüber), hatten ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko, an ALL zu erkranken.

Dieser Zusammenhang konnte bei Söhnen hingegen nicht nachgewiesen werden. „Unsere Ergebnisse waren auch für uns überraschend“, sagt Mahdi Fallah, leitender Wissenschaftler der Untersuchung. „Sie deuten darauf hin, dass mütterliches Übergewicht ein bislang übersehener Risikofaktor für kindliche Leukämie sein könnte – und zwar geschlechtsspezifisch.“

Die Forscher vermuten, dass hormonelle Einflüsse, insbesondere ein erhöhter Östrogenspiegel in der Schwangerschaft, eine Schlüsselrolle spielen könnten. Östrogene beeinflussen nachweislich die Genexpression und könnten das Leukämierisiko bei weiblichen Nachkommen steigern.

Erfreulicherweise zeigte die Studie keinen Zusammenhang zwischen der Gewichtszunahme während der Schwangerschaft und dem ALL-Risiko – eine Erleichterung für werdende Mütter, die sich Sorgen um ihr Schwangerschaftsgewicht machen.

Die Wissenschaftler planen nun weitere Untersuchungen, um die biologischen Mechanismen hinter diesem überraschenden geschlechtsspezifischen Phänomen besser zu verstehen. Die Erkenntnisse könnten langfristig zu neuen Präventionsstrategien führen. „Schwangerschaft ist eine entscheidende Phase für die kindliche Gesundheit“, betont Studienleiter Fallah. „Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, werdende Mütter frühzeitig über gesunde Lebensgewohnheiten aufzuklären – nicht nur für ihr eigenes Wohlbefinden, sondern auch für das ihrer Kinder.“

Jiaye Liu, Elham Kharazmi, Qunfeng Liang, Yafei Chen, Jan Sundquist, Kristina Sundquist and Mahdi Fallah: Maternal weight during pregnancy and risk of childhood acutelymphoblastic leukemia in offspring.
Leukemia 2025, DOI: https://doi.org/10.1038/s41375-025-02517-6

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.

Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland Translationszentren:

Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein Helmholtz-Institut des DKFZ
DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)

Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildung en VOR ORT

Dr. Sibylle Kohlstädt
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2843
E-Mail: S.Kohlstaedt@dkfz.de
E-Mail: presse@dkfz.de
www.dkfz.de

Originalpublikation:
Jiaye Liu, Elham Kharazmi, Qunfeng Liang, Yafei Chen, Jan Sundquist, Kristina Sundquist and Mahdi Fallah: Maternal weight during pregnancy and risk of childhood acutelymphoblastic leukemia in offspring.
Leukemia 2025, DOI: https://doi.org/10.1038/s41375-025-02517-6

Höhentraining

Die Erkenntnis, dass man so winzig ist in dieser unaufhörlichen Felswand, macht einiges leichter“, sagt Profikletterer Rudolf Hauser aus Salzburg. 

Wie die Psyche am Berg unter Belastung reagiert, was sie mit unserer körperlichen Fähigkeit macht und warum uns rationales Denken in extremen Situationen so schwerfällt, darüber spricht der Sportler, Filmemacher und Referent auf dem 40. Jahreskongress der GOTS in der Donauuniversität Krems.

Wenn man beobachtet, wie angstfrei Babys und Kinder eigentlich sind, bis sie auf die Mimik der Eltern stoßen und diese verstehen, kann man ahnen, was mentale Freiheit bedeutet. Eine Unbedarftheit kann beim Klettern am Berg niemand gebrauchen. Jedoch: „Trotz aller Sportlichkeit kommt unser Körper dort oben irgendwann ans Limit. Zum Großteil übernimmt dann der Kopf“, so Hauser.

Viele sehr junge Kletterer strotzen vor Kraft und Ausdauer, haben teils ein Gefühl der Unsterblichkeit und trauen sich Dinge, die weit über ihre Möglichkeiten hinaus gehen. Häufig ist dann auch ein Quantum Glück dabei. Hauser´s Mentor prägte den Satz: „Wenn´s soweit ist, dass man sich vor seinem eigenen Mut fürchten muss, fehlt die Vorbereitung.“

Etwas älter geworden, mit Verantwortung im Leben, vielleicht auch mit Familie, werden viele Extremsportler rationaler, planen besser und handeln bewusster. Nicht umsonst sind alle großen namhaften Bergsteiger, die noch leben, rationale, clevere Typen. Sie wissen, wann man umkehren muss, so Hauser.

Zum Extrem-Klettersport gehören hartes Training und eine perfekte Vorbereitung. Zu den ganz freien kurzen Genuss-Momenten, der höchsten Kletterleistung am Berg, tastet man sich Schritt für Schritt hin.

Das Credo, so Hauser, ist hier: Work ethik eliminate fear. Heißt: Die Arbeit, die du gezielt in eine Sache investierst, eliminiert deine Ängste. Hauser: „Das ist wie mit einem Vortrag vor Hunderten Leuten. Hast du ihn nicht ordentlich vorbereitet, wirst du schlecht schlafen davor, weil du weißt, das wird nichts. Ist alles gut vorbereitet, kann ich körperlich und mental ganz andere Limits erreichen.“

Das mentale Training wird heute noch überwiegend dem Sportler individuell überlassen. Hauser: „Hier liegt – auch in den Kletterschulen und Vereinen – noch viel Potential brach.“ Denn körperlich seien viele Athleten gleich gut und hochtrainiert. Einige haben jedoch eine mentale Überlegenheit.

„Nicht die Stärksten sind in diesem Sport die Besten, sondern die Ausgeglichensten“, sagt der Kletterer. Am Berg gingen die Gedanken häufig Richtung Endgültigkeit, man müsse immer auch den Respekt vor dem Berg behalten.

Übersetzt heißt das, du musst deine Hausaufgaben gemacht haben. 


Bin ich gut vorbereitet? Wo muss ich schnell sein, in welcher Passage kann ich mich vielleicht ein bisschen ausruhen, von woher können Steine herabfallen?

Von der Tour-Planung bis zum Wetter, von der körperlichen Verfassung bis zur Psyche – die Checkliste ist lang. Und dann kommt da noch die Tagesverfassung. Ein Extrem-Kletterer muss aufwachen und spüren, ok. es passt heute. Ich hab´s tausendmal gemacht, ich bin flüssig. Ich hab keinen Kraftverlust wegen Problemen in meiner psychischen Verfassung. Am Ende steht die Konsequenz der Entscheidung.

„Ein Restrisiko bleibt immer“, sagt Hauser, „dann musst du dich fragen, was ist es mir wert? Unser Gehirn ist wie ein Schutzschalter – es schaltet dir den Saft ganz schnell ab. 

Wenn du in der Nacht davor Ängste bekommst oder dich unzureichend vorbereitet fühlst, muss du morgens dann doch absagen.“


Weitere Informationen finden Sie unter
https://gots.org/mediacenter/hoehenmedizin/

Bauchoperation und Eileiter

Wenn Bauchoperationen bei Frauen mit abgeschlossener Familienplanung genutzt werden, um die Eileiter zu entfernen, kann die Zahl der Eierstockkrebserkrankungen um etwa 15 Prozent gesenkt werden. 

Das würde das Gesundheitssystem jährlich um rund zehn Millionen Euro entlasten, so das Ergebnis der gesundheitsökonomischen Modellrechnung eines Forschungsteams am Universitätsklinikum Jena.

Jährlich wird bei ca. 7000 Frauen in Deutschland Eierstockkrebs festgestellt. 


Das geschieht häufig erst im fortgeschrittenen Stadium, denn die Erkrankung verursacht zunächst keine Beschwerden und es gibt keine wirksame Früherkennung. 


Die aggressiven Tumoren machen etwa ein Viertel der Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane aus und führen bei mehr als der Hälfte der Patientinnen innerhalb von fünf Jahren zum Tode. Die Eileiter spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Eierstockkrebs: Beim Eisprung können Krebsvorstufen, die sich im Eileiter oder der Gebärmutter gebildet haben, auf die Eierstöcke übergehen.

Bereits seit 20 Jahren werden deshalb an der Jenaer Frauenklinik Patientinnen vor einer notwendigen Gebärmutterentfernung auch über die Möglichkeit der Eileiteroperation informiert. 


Dieses Angebot haben die Frauen nach ausführlicher Aufklärung fast ausnahmslos angenommen. Bei Patientinnen mit abgeschlossener Familienplanung bieten alle geplanten Unterleibseingriffe, wie z. B. eine Bauchspiegelung, die Gelegenheit zur vorsorglichen Entfernung der Eileiter, die auch als opportunistische Salpingektomie bezeichnet wird. Vor den Wechseljahren verbleiben die Eierstöcke wegen ihrer Rolle für die Hormonproduktion funktionstüchtig im Körper. „Unsere Daten zeigen, dass diese Maßnahme nicht nur das Auftreten von Eierstockkrebs signifikant senkt, sondern auch weitere Erkrankungen reduziert, die von den Eileitern ausgehen können – ohne zusätzliche Komplikationen“, so der ehemalige Klinikdirektor Prof. Dr. Ingo Runnebaum.

Die vorsorgliche Eileiterentfernung bei geplanten Bauchoperationen ist als Präventionsmaßnahme auch bereits gut etabliert, sie wird von vielen Frauenärztinnen und -ärzten angewandt. Das hatte eine frühere Befragung und die Auswertung medizinstatistischer Daten eines Forschungsteams der Jenaer Frauenklinik ergeben. Es gibt jedoch bislang keine Empfehlung der medizinischen Fachgesellschaften für die opportunistische Salpingektomie als Krebspräventionsmaßnahme. Der operative Mehraufwand wird nicht von den Kassen vergütet.

Das Jenaer Team lieferte jetzt weitere wissenschaftliche Argumente für die Sinnhaftigkeit der Maßnahme. Diese in einer auf Jahrzehnte angelegten prospektiven, kontrollierten Studie nachzuweisen, ist nicht realistisch. Die Gruppe zeigte die Vorteile vielmehr in einer gesundheitsökonomischen Modellrechnung. „Wir entwickelten ein mathematisches Modell in verschiedenen Szenarien, um die Auswirkungen auf die Erkrankungsraten für Eierstockkrebs und die damit verbundenen Kosten zu beziffern“, so die Medizininformatikerin Dr. Angela Kather.Je nachdem, ob die Eileiter nur bei Gebärmutterentfernungen oder Sterilisationen, im Rahmen von weiteren gynäkologischen Operationen oder bei allen geeigneten Bauchoperationen entfernt werden, würden sich die Eierstock-Krebsfälle um etwa fünf, zehn bzw. 15 Prozent verringern. „Da die Behandlung einer Patientin mehrere Tausend Euro pro Jahr kostet, ließen sich damit jährlich mehr als zehn Millionen Euro an Ausgaben im Gesundheitswesen einsparen“, ergänzt der Gesundheitsökonom und Direktor der Jenaer Klinikumsapotheke Prof. Dr. Michael Hartmann.

„Da die opportunistische Entfernung der Eileiter im Rahmen einer geplanten Operation durchgeführt wird, stellt sie kein zusätzliches Risiko dar. Im Gegensatz zu anderen präventiven chirurgischen Maßnahmen erfordert sie keine individuelle Risikoeinschätzung, sondern kann bei allen Frauen mit abgeschlossener Familienplanung eingesetzt werden“, betont Angela Kather. Die Ergebnisse fließen jetzt in die Überarbeitung der Fach-Empfehlungen und Leitlinien ein und bieten die Grundlage für die Berechnung einer möglichen Vergütung, damit die opportunistische Salpingektomie als Kassenleistung erstattet werden kann.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT


Dr. Angela Kather
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Fortpflanzungsmedizin, Universitätsklinikum Jena
Angela.Kather@med.uni-jena.de

Originalpublikation:
Kather A et al. Ovarian cancer prevention through opportunistic salpingectomy during abdominal surgeries: A cost-effectiveness modeling study. PLoS Med. 2025 Jan 30;22(1):e1004514. https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1004514

Anbahnende Demenz

Das DZNE untersucht unter der Mitwirkung von bundesweit rund 30 Facharztpraxen, ob spezielle Gedächtnistests auf dem Smartphone helfen können, leichte kognitive Beeinträchtigungen frühzeitig zu erkennen. 

Derlei Symptome können auf eine sich anbahnende Demenz hindeuten. Als digitales Hilfsmittel kommt dabei eine App des Magdeburger Start-Ups „neotiv“ zum Einsatz. Die damit erfassten Testergebnisse dienen der Diagnose in der Arztpraxis. Weiterer Projektpartner ist „Lilly Deutschland GmbH“: Das Pharmaunternehmen fördert die Versorgungsstudie mit 1,3 Millionen Euro.

Der Begriff „leichte kognitive Beeinträchtigungen“ umschreibt ein breites Spektrum an kognitiven Auffälligkeiten wie Gedächtnisprobleme oder Konzentrationsschwierigkeiten. Solche Symptome – als Fachbegriff auch „Mild Cognitive Impairment“ (MCI) genannt – können Vorboten einer Demenz sein. „Menschen mit MCI haben messbare kognitive Defizite, sind im Alltag aber wenig eingeschränkt“, erläutert Prof. Stefan Teipel, Demenzforscher am DZNE-Standort Rostock/Greifswald. „Es wird immer wichtiger, MCI rechtzeitig zu erkennen. Denn Menschen mit MCI haben ein erhöhtes Risiko für Demenz und neuartige Medikamente deuten sich an, die zumindest im Fall einer zugrundeliegenden Alzheimer-Krankheit den Krankheitsverlauf verzögern können, vorausgesetzt, die Behandlung beginnt frühzeitig. Untersuchungen zeigen gleichwohl, dass im Rahmen der medizinischen Grundversorgung weniger als zehn Prozent der MCI-Fälle erkannt werden. Wir müssen bei der Frühdiagnostik also besser werden.“

Testung zu Hause – Diagnose in der Praxis

In der aktuellen Versorgungsstudie wird untersucht, ob digitale Tests auf einem Mobilgerät niedergelassenen Fachärzten bei der Erkennung einer MCI helfen können. „Für die Diagnose von MCI gibt es bewährte Verfahren. Doch häufig sind diese Verfahren in der ambulanten Versorgung nicht ausreichend etabliert, so dass eine ergänzende digitale Testung hilfreich sein kann. Zumal sich diese bequem und selbstständig zu Hause durchführen lässt. In unserer Studie untersuchen wir diesen Ansatz mit Hilfe einer speziellen App. Sie ist ein digitales Medizinprodukt, das ärztlich verschrieben wird“, sagt Teipel. Diese App läuft auf Smartphones und Tablets und fordert einmal pro Woche zu einem interaktiven Gedächtnistest auf. Im aktuellen Forschungsprojekt geschieht dies über einen Zeitraum von insgesamt drei Monaten, wobei ein einzelner Test rund 20 Minuten in Anspruch nimmt. „Die App generiert ein Protokoll der Testergebnisse, das die Ärztin beziehungsweise den Arzt bei der Diagnosestellung unterstützt. Die App selbst erstellt keine Diagnose“, so Teipel.

Nutzen in der Regelversorgung

Die App mit dem Namen „neotivCare“ wurde vom Magdeburger Start-Up „neotiv“ auf der Grundlage langjähriger Forschung des DZNE entwickelt und ist als Medizinprodukt zugelassen. „In vorherigen Studien wurde bereits nachgewiesen, dass diese App Gedächtnisprobleme erkennen kann. In unserem Fall geht es nun um den Einsatz in der Regelversorgung. Wir wollen ermitteln, welchen Nutzen diese Art der Testung in der Praxis hat. Konkret, ob Verdachtsfälle auf MCI damit schneller erkannt und abgeklärt werden“, so Prof. Emrah Düzel, Demenzforscher am DZNE-Standort Magdeburg und Mitentwickler der App. Unterstützt wird das Projekt von der Lilly Deutschland GmbH mit einer Fördersumme von 1,3 Millionen Euro über zwei Jahre. Das US-amerikanische Unternehmen arbeitet bereits seit mehr als 35 Jahren an diagnostischen und therapeutischen Lösungen für Menschen mit Alzheimer-Krankheit.

Mehrstufiges Verfahren

Innerhalb von knapp zwei Jahren will das Forschungsteam um Teipel und Düzel etwa 300 Probanden mit kognitiven Auffälligkeiten in die Studie einschließen. In den teilnehmenden Praxen werden diese Personen zunächst nach herkömmlicher Methodik getestet und ihre kognitive Situation durch die zuständige Ärztin beziehungsweise Arzt beurteilt. Danach folgt die Testung mit der App. „Bei Verdacht auf MCI erfolgt im Allgemeinen eine Überweisung an eine Gedächtnisambulanz zur endgültigen Abklärung. Das ist die Vorgehensweise in der Regelversorgung. Wir möchten herausfinden, ob digitale Tests diesen Prozess in sinnvoller Weise unterstützen“, erläutert Teipel. „Insbesondere geht es darum, ob die Ergebnisse der digitalen Testung die ursprüngliche Diagnose und somit die Notwendigkeit einer Überweisung verändern oder nicht. Die Entscheidung trifft die betreuende Ärztin beziehungsweise Arzt aufgrund eigener Erfahrung und Expertise. Darüber hinaus geht es darum zu verstehen, welche Barrieren für den Einsatz digitaler Technologien Ärzte und Patienten wahrnehmen.“ Im nächsten Schritt werden alle Probanden in einem Studienzentrum des DZNE oder in einer Ambulanz aus dem Deutschen Netzwerk Gedächtnisambulanzen noch genauer untersucht. Die daraus folgende Diagnose gilt als Maßstab. „Anhand der verschiedenen Befunde wird sich zeigen, wie gut ein digitaler Test dabei helfen kann, MCI korrekt und frühzeitig zu erkennen – und wo Hindernisse für einen Einsatz in der Regelversorgung bestehen. Die Studienergebnisse sollten 2027 vorliegen“, so Teipel.“

Transparenzhinweis: Emrah Düzel, Demenzforscher am DZNE, ist auch Mitgründer und Chief Medical Officer von „neotiv“.

--

Über das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE): Das DZNE ist eines der weltweit führenden Forschungszentren für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und ALS, die mit Demenz, Bewegungsstörungen und anderen schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Gesundheit einhergehen. Diese Erkrankungen bedeuten enorme Belastungen für Betroffene und ihre Angehörigen, aber auch für die Gesellschaft und Gesundheitsökonomie. Das DZNE trägt maßgeblich zur Entwicklung neuer Strategien der Prävention, Diagnose, Versorgung, Behandlung und Pflege bei – und zu deren Überführung in die Praxis. Es hat bundesweit zehn Standorte und kooperiert mit Universitäten, Universitätskliniken und anderen Institutionen im In- und Ausland. Das DZNE wird staatlich gefördert, es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft und der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. https://www.dzne.de

Über neotiv: Die neotiv GmbH wurde 2017 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Magdeburg. Das Digital Health-Unternehmen ist eine Ausgründung der OVGU Magdeburg in enger Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Ziel des Unternehmens ist es, neuste Erkenntnisse der Neurowissenschaften in Produkte zu überführen, die in der Wissenschaft und im Gesundheitssystem Anwendung finden. Der Fokus liegt hierbei auf mobilen Apps für Smartphones und Tablets. Das Medizinprodukt neotivCare unterstützt Ärzte bei der medizinischen Einschätzung von selbst wahrgenommenen Gedächtnisproblemen ihrer Patient:innen , um eine mögliche Erkrankung, wie zum Beispiel Alzheimer, frühzeitig zu identifizieren. 

https://www.neotiv-care.com

Wirkung von oralem Vitamin D3 (Cholecalciferol) in einer Dosierung von 100.000 IU alle zwei Wochen

Cholecalciferol in einer Dosierung von 100.000 IU (internationale Einheiten) alle zwei Wochen zeigte beim klinisch isolierten Syndrom, der Erstmanifestation einer Multiplen Sklerose, einen Effekt, der mit dem einer krankheitsmodifizierenden Immuntherapie vergleichbar ist. 

Die Studie unterstreicht die Empfehlung, einen Vitamin-D-Mangel bei Menschen mit MS auszugleichen. 

Experten der DGN warnen jedoch davor, Vitamin D in hohen Dosierungen ohne ärztliche Überwachung einzunehmen.

Eine aktuelle randomisierte, Placebo-kontrollierte, multizentrische Studie aus Frankreich [1] überraschte mit einem positiven Ergebnis. 


Sie untersuchte die Wirkung von oralem Vitamin D3 (Cholecalciferol) in einer Dosierung von 100.000 IU alle zwei Wochen auf die Krankheitsaktivität bei Patientinnen und Patienten mit sogenanntem klinisch isoliertem Syndrom, dem mutmaßlich ersten Symptom einer Multiplen Sklerose (MS). Personen, deren Vitamin-D-Spiegel über 100 nmol/l lag, wurden aus Sicherheitsgründen nicht in die Studie aufgenommen.

Insgesamt 316 Personen mit klinisch isoliertem Syndrom (mittleres Alter, 34 [28-42] Jahre; 70 % weiblich) wurden randomisiert, 288 schlossen die Studie ab. Wie sich zeigte, führte die Vitamin-D-Gabe über zwei Jahre zu einer geringeren Krankheitsaktivität, definiert durch das Auftreten von MS-Schüben und/oder neuen oder Kontrastmittel-aufnehmenden Läsionen im MRT. Krankheitsaktivität wurde bei 94 Betroffenen (60,3 %) in der Vitamin-D-Gruppe und bei 109 (74,1 %) in der Placebogruppe beobachtet (HR: 0,66 [95%CI, 0,50-0,87]; p = 0,004). Die mediane Dauer bis zum Auftreten von Krankheitsaktivität war in der Vitamin-D-Gruppe signifikant länger (432 vs. 224 Tage; p = 0,003). Ebenso wiesen die Ergebnisse der Bildgebung auf einen positiven Effekt der Vitamin-D-Gabe hin: Bei nur 89 der behandelten Patientinnen und Patienten [57,1 %] gegenüber 96 der nicht-behandelten [65,3 %] zeigte sich MRT-Aktivität, neue Läsionen traten bei 72 vs. 87 Patientinnen und Patienten auf, Kontrastmittel-aufnehmende Läsionen bei 29 vs. 50.

In einer Subgruppenanalyse wurden aus der Studienpopulation gesondert 247 Personen ausgewertet, welche die McDonald-Diagnosekriterien für eine schubförmig remittierende Multiple Sklerose erfüllten, aber noch keine krankheitsmodifizierende Immuntherapien erhalten hatten. Bei ihnen konnten vergleichbare positive Effekte der Vitamin-D-Gabe beobachtet werden.

„Dieser Befund könnte bedeuten, dass Vitamin D die Krankheitsprogression nicht nur beim klinisch isolierten Syndrom, sondern auch in der Frühphase der MS signifikant verlangsamen kann“, erklärt Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). „Immerhin wurde in dieser Studie durch die Vitamingabe eine Schubratenreduktion erzielt wie unter einem Immuntherapeutikum. Daher muss dieser Therapieansatz weiter untersucht werden, möglicherweise auch in Kombination mit den etablierten krankheitsmodifizierenden Immuntherapien.“

Die vor wenigen Tagen publizierte S3-Leitinie zur Diagnose und Therapie der MS, NMOSD und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen [2] empfiehlt derzeit die Vitamin-D-Supplementierung nur, wenn ein Mangel besteht. Bei Normalwerten könne aber die Gabe bis in den hochnormalen Bereich von 50-125 nmol/l erwogen werden, die tägliche Dosis sollte dabei aber nicht 4.000 IU überschreiten.

„Es gibt Patientinnen und Patienten, die sogenannte Ultra-Hochdosis-Therapien von bis zu 100.000 IU Vitamin D pro Tag einnehmen. 

Von solchen hohen Dosen raten wir ab, da sie zu schweren Folgekrankheiten wie Nierenversagen oder Herzrhythmusstörungen führen können. 


In dieser Studie wurden alle 14 Tage 100.000 IU verabreicht, was einer täglichen Dosis von gut 7.000 IU entspricht. 


Und die Patientinnen und Patienten wurden vorab sorgfältig ausgewählt, Menschen mit Vitamin-D-Spiegeln über 100 nmol/l durften nicht teilnehmen, ebenso wie jene, bei denen eine Hyperkalzämie bekannt war“, erklärt Leitlinienautor Prof. Dr. med. Achim Berthele von der Klinik und Poliklinik für Neurologie der TU München. 


Der Experte warnt daher ausdrücklich davor, Vitamin D in hoher Dosierung ohne ärztliche Verschreibung einzunehmen. 


„Leider ist es so, dass solche positiven Studienergebnisse oft dazu führen, dass Betroffene in Eigenregie und ohne ärztliche Begleitung das Vitamin als Nahrungsergänzungsmittel in hohen Dosierungen einnehmen – doch davon raten wir dringend ab.“

Prof. Berthele gibt auch zu bedenken, dass eine randomisierte, doppelblinde Studie aus Neuseeland und Australien 2023 [3] keinen Nutzen einer Vitamin-D-Supplementierung mit täglicher Dosis von bis zu 10.000 IU im Hinblick auf die Konversion von einem klinisch isolierten Syndrom zu einer MS ergeben hatte. „Die Datenlage im Hinblick auf die Wirkung ist also zu diesem Zeitpunkt noch heterogen.“

Welche praktische Konsequenz sollten MS-Patientinnen und -Patienten seiner Meinung nach aus der neuen Studie ziehen? „Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich niemandem, der auf eine krankheitsmodifizierende Immuntherapie eingestellt ist, dazu raten, diese wirksame Therapie abzubrechen und auf Vitamin D umzustellen.


 Eine Vitamin D-Substitution darf auch nicht den Beginn einer Immuntherapie mit dafür zugelassenen Medikamenten verzögern. Die Studie unterstreicht aber klar die Bedeutung einer Vitamin D-Bestimmung zum Krankheitsbeginn, denn Personen mit erniedrigten Vitamin D-Spiegeln profitierten am deutlichsten. Ein Vitamin D-Mangel sollte also ganz unabhängig von anderen therapeutischen Entscheidungen immer ausgeglichen werden."

Nach Ansicht des Experten bedarf es unbedingt weiterer Studien zum Stellenwert von Vitamin D, bevor Therapieregimes und Leitlinienempfehlungen verändert werden. „Es ist ein bisschen schade: Die Studie zeigt beeindruckende Ergebnisse, trifft aber unsere Behandlungsrealität nicht. Die Frage, ob Vitamin D eine 'klassische' Immuntherapie ersetzen kann, kann so nicht beantwortet werden. Wir brauchen mehr Daten zu den additiven Effekten einer Vitamin D-Behandlung in der ganz frühen Phase der MS und zu einer möglichen Wirkung in der präsymptomatischen Phase der Erkrankung.“

[1] Thouvenot E, Laplaud D, Lebrun-Frenay C et al.; D-Lay MS Investigators. High-Dose Vitamin D in Clinically Isolated Syndrome Typical of Multiple Sclerosis: The D-Lay MS Randomized Clinical Trial. JAMA. 2025 Mar 10. doi: 10.1001/jama.2025.1604. Epub ahead of print. PMID: 40063041.
[2] Hemmer B., Gehring K. et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen, S2k-Leitlinie, 2024, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 13.03.2025)
[3] Butzkueven H, Ponsonby AL, Stein MS et al.; PREVANZ Investigators. Vitamin D did not reduce multiple sclerosis disease activity after a clinically isolated syndrome. Brain. 2024 Apr 4;147(4):1206-1215. doi: 10.1093/brain/awad409. PMID: 38085047; PMCID: PMC10994527.


Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Pressesprecher: Prof. Dr. Peter Berlit
Leiterin der DGN-Pressestelle: Dr. Bettina Albers
Tel.: +49(0)174 2165629
E-Mail: presse@dgn.org

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren 13.000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern und zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

Präsidentin: Prof. Dr. Daniela Berg
Stellvertretender Präsident: Prof. Dr. Dr. Sven Meuth
Past-Präsident: Prof. Dr. Lars Timmermann
Generalsekretär: Prof. Dr. Peter Berlit
Geschäftsführer: David Friedrich-Schmidt
Geschäftsstelle: Budapester Str. 7/9, 10787 Berlin, Tel.: +49 (0)30 531437930, E-Mail: info@dgn.org

Originalpublikation:
doi: 10.1001/jama.2025.1604