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Kleinste Blut einen günter im Urin

Eine neue S3-Leitlinie zur Abklärung der Mikrohämaturie bei Kindern und Jugendlichen dient der Früherkennung von Nierenkrankheiten. 

Bei kleinsten Blutbeimengungen im Urin soll bereits bei der Vorsorgeuntersuchung U8 im Alter von vier Jahren möglichst noch in der Kinderarztpraxis eine Ultraschalluntersuchung erfolgen. 

Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) betont, dass dadurch jährlich bei bis 1000 Kindern die Entwicklung einer chronischen Nierenkrankheit verhindert oder verzögert werden könne. Für die Leitlinie waren federführend die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN) und die Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie e.V. (GPN) verantwortlich.

Link zur Leitlinie: 

https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/166-005

Wenn sich im Urin eines Kindes ständig winzige Mengen Blut befinden, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind, spricht man von einer persistierenden asymptomatischen Mikrohämaturie.


Beschwerden haben die Kinder keine, die Ursachen für das Blut im Urin können vielfältig und sowohl harmlos als auch schwerwiegend sein. 


Hierzu zählen häufig Harnwegsinfektionen, Nierensteine, Fehlbildungen der Harnwegsorgane und sogenannte glomeruläre Nierenerkrankungen wie das Alport-Syndrom. 


„Unbehandelt werden Kinder mit Alport-Syndrom im Durchschnitt mit 22 Jahren dialysepflichtig und haben eine mittlere Lebenserwartung von nur 55 Jahren“, erklärt Professor Dr. med. Markus Meier, Nephrologe am Nierenzentrum Reinbek und DEGUM-Beauftragter für die S3-Leitlinie. Jährlich trifft diese Diagnose in Deutschland 800 bis 1000 Kinder.


Zur Kindervorsorgeuntersuchung U8 im Alter von vier Jahren gehört seit jeher ein Urintest. 


Eine Ultraschalluntersuchung war bisher nur im Ausnahmefall vorgesehen. 


Gemeinsam mit Vertretern der DGfN und der GPN hat Meier einen diagnostischen Algorithmus entwickelt, der mit geringem Aufwand bereits bei der U8 behandlungsbedürftige Patientinnen und Patienten identifiziert. 


Dieser diagnostische Workflow beginnt mit einer Mikroskopie des Urins und leitet den Untersucher dann über eine exakte Familienanamnese zu weiteren diagnostischen Maßnahmen, darunter einer Nierenbiopsie. 


Schon bei geringstem Verdacht auf eine glomeruläre Nierenerkrankung sollte eine Sonografie erfolgen. 


In Abhängigkeit der Befunde innerhalb des Behandlungspfades erfolgt dann am Ende gegebenenfalls eine medikamentöse Therapieempfehlung. 


„Wir wissen aus zahlreichen Publikationen, dass eine möglichst frühe Erkennung einer Nierenschädigung die beste Langzeitprognose für Betroffene hat“, sagt Meier. 

Der Vorteil der Sonografie sei zudem, dass sie nicht invasiv und in Deutschland flächendeckend sowohl bei Kinderärzten als auch bei Nephrologen verfügbar ist.

Fortbildung in Ultraschalldiagnostik für Kinderärzte und Nephrologen

„Entscheidend ist jedoch, dass der Ultraschall in hoher Qualität durchgeführt wird, um Fehldiagnosen auszuschließen und oftmals unnötige, zusätzliche Bildgebung wie MRT oder CT zu vermeiden“, erklärt Meier. 


Die DEGUM hat sich zum Ziel gesetzt, die qualifizierte Ultraschalldiagnostik bei den entsprechenden Fachärztinnen und -ärzten für Kinderheilkunde und Nephrologie zu fördern. „Die Fortbildungs- und Zertifizierungsprogramme der verschiedenen DEGUM-Sektionen bieten die Möglichkeit, sich entsprechend fortzubilden, damit die Vorgaben der neuen S3-Leitlinie bundesweit umgesetzt werden können“, betont Meier. Aus Sicht der Expertenkommission ist dafür ein Ausbildungsniveau erforderlich, das mindestens der DEGUM-Stufe I entspricht. „Derzeit ist die Zahl der DEGUM-zertifizierten niedergelassenen Nephrologinnen und Nephrologen in Deutschland noch gering“, sagt Meier. Daraus lasse sich aber keineswegs ableiten, dass die Qualität der von nicht DEGUM-zertifizierten Kolleginnen und Kollegen durchgeführten Ultraschalluntersuchungen unzureichend ist. Dennoch sei ein einheitlicher, überprüfbarer Ausbildungsstandard wünschenswert, den DEGUM und DGfN gemeinsam anstreben. „So könnte auch in Zukunft bundesweit ein hohes Ausbildungsniveau des ärztlichen Nachwuchses sichergestellt und die Leitlinie langfristig umgesetzt werden.“

Die Früherkennung progredienter Nierenerkrankungen bei Kindern entsprechend der S3-Leitlinie wäre auch aus ökonomischer Sicht für das deutsche Gesundheitssystem von Vorteil. 


Die Kosten für eine differentialdiagnostische Abklärung aller Kinder mit Mikrohämaturie sind um ein Vielfaches geringer als die hohen Dialysekosten, die durch eine frühzeitige Therapie vermieden werden können.



Alkoholkonsumstörungen In Zusammenhang mit Adipositaschirurgie

Eine aktuelle Studie der DAK Gesundheit in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS sowie dem Adipositaszentrum am Städtischen Klinikum Dresden-Neustadt zeigt, dass ein substanzieller Anteil an Personen nach einer Adipositaschirurgie Alkoholkonsumstörungen entwickelt. 

Dies gilt insbesondere für Männer und Personen, deren Eingriff schon länger zurückliegt.

Die Ergebnisse zeigen, dass eine langfristige Nachsorge notwendig ist, um die Gesundheit von Operierten langfristig zu schützen. 

Die Studie wurde im International Journal of Obesity Research & Clinical Practice veröffentlicht.

In der Studie wurden insgesamt 2151 Personen untersucht. 

Die meisten dieser Personen waren Frauen (80,7 Prozent), und im Durchschnitt lag die bariatrische Operation 6 Jahre zurück (zwischen 4 und 9 Jahren). 

Die häufigsten Eingriffe waren entweder ein Magenbypass (50 Prozent) oder eine Schlauchmagen-Operation (43 Prozent).

Eine ergänzende Befragung zum Alkoholkonsum beantworteten 1496 Personen. 

Das Ergebnis war besorgniserregend: 9,4 Prozent der Operierten zeigten ein zumindest riskantes oder sogar schädliches Trinkverhalten. 

Ein erhöhter Alkoholkonsum hing laut der Studie mit dem Geschlecht, größerem zeitlichem Abstand zur Operation und Unzufriedenheit mit dem Gewichtsverlust zusammen.

Die Rolle des Gesundheitssystems

„Unsere Ergebnisse deuten an, dass Alkoholkonsumstörungen nach bariatrischen Eingriffen relativ häufig vorkommen. 

Die Gefahren von Alkohol sind bei dieser Personengruppe jedoch besonders hoch“, ordnet Erstautor PD Dr. Oliver Riedel vom BIPS die Ergebnisse ein.

 „Besonders betroffen könnten Personen sein, deren Operationen schon länger zurückliegen. 

Es scheint daher wichtig zu sein, die Patientinnen und Patienten auch langfristig engmaschig zu betreuen und auf die negativen Folgen von Alkoholkonsum nach bariatrischen Operationen hinzuweisen.“ 


Riedel mahnt allerdings auch zur Vorsicht bei der Interpretation dieser Befunde, da aufgrund einer anderen Hauptfragestellung die Methodik der Studie nicht spezifisch auf die Untersuchung von Alkoholkonsumstörungen ausgerichtet war.


Ein auffälliger Befund der Studie war, dass viele Personen mit Alkoholkonsumstörungen keine psychotherapeutische Unterstützung erhielten. 


Dies deutet auf eine mögliche Unterversorgung hin, die dringend adressiert werden sollte, so das Forschungsteam.
Weiterer Forschungsbedarf

„Diese Studie zeigt deutlich, dass die medizinische Nachsorge für Menschen nach einer Adipositaschirurgie noch weiter verbessert werden muss. 


Zukünftige Studien sollten untersuchen, wie Betroffene besser unterstützt werden können, um Gefahren wie Alkoholkonsumstörungen zu verringern“, so Riedel.

Förderhinweis

Die Studie wurde durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert.

Das BIPS – Gesundheitsforschung im Dienste des Menschen

Die Bevölkerung steht im Zentrum unserer Forschung. Als epidemiologisches Forschungsinstitut sehen wir unsere Aufgabe darin, Ursachen für Gesundheitsstörungen zu erkennen und neue Konzepte zur Vorbeugung von Krankheiten zu entwickeln. Unsere Forschung liefert Grundlagen für gesellschaftliche Entscheidungen. Sie informiert die Bevölkerung über Gesundheitsrisiken und trägt zu einer gesunden Lebensumwelt bei.

Das BIPS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der 96 selbstständige Forschungseinrichtungen gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 20.000 Personen, darunter 10.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.


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Riedel, Oliver, PD Dr. rer. nat.
Abteilung: Klinische Epidemiologie
Tel.: +49 (0)421 218-56883
Fax: +49 (0)421 218-56941
riedel(at)leibniz-bips.de

Originalpublikation:
Riedel O, Braitmaier M, Dankhoff M, Hornschuch M, Klein M, Zachariassen W, Hoyer J. Quality of life in bariatric patients up to twelve years after surgery - Results from a nationwide retrospective cohort study. Obesity Research & Clinical Practice. 2023;17(4):353-360.
https://doi.org/10.1016/j.orcp.2023.08.001
https://repository.publisso.de/resource/frl:6453534

Metastasierender Brustkrebs (MBC)

Eine umfassende Analyse von Brustkrebsmetastasen vergleicht verschiedene Methoden und ermöglicht neue Einblicke in die Biologie der Tumoren.

Metastasierender Brustkrebs (MBC) ist die häufigste krebsbedingte Todesursache für Frauen weltweit. 

Trotz erheblicher Fortschritte in der Krebstherapie und moderner zielgerichteter Behandlungsansätze sind viele metastasierende Tumoren immer noch unheilbar. 

Ein Grund dafür ist die komplexe Heterogenität der Tumoren, die bisher auch aufgrund methodischer Herausforderungen nur begrenzt untersucht werden konnte. Ein internationales Team unter der Leitung der LMU-Biomedizinerin Johanna Klughammer zusammen mit Daniel Abravanel, Aviv Regev and Nikhil Wagle, Forschende am Dana-Farber Cancer Institute und Broad Institute des MIT und der Harvard University, hat nun in einer umfassenden Studie verschiedene Methoden eingesetzt, um die Vielfalt der metastatischen Zellen und ihrer Interaktion mit der Umgebung zu analysieren. Die Ergebnisse sind eine wertvolle Basis für zukünftige Studien und ermöglichen neue Einblicke in die Biologie von metastasierendem Brustkrebs.

Die Forschenden analysierten im Rahmen des Human Tumor Atlas Network (HTAN) die Gesamtheit aller RNA-Moleküle aus insgesamt 67 Biopsien von 60 Patientinnen mit Brustkrebs-Metastasen. 


Diese sogenannten Transkriptome zeigen, welche Gene zu einem bestimmten Zeitpunkt aktiv sind. 


Dabei nutzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zwei verschiedene Ansätze: Entweder wird das gesamte Transkriptom der Zellen gemessen oder nur das des Zellkerns. 


Allerdings geht bei diesen Methoden die Information über die räumliche Anordnung der Zellen verloren. Um auch diese zu erfassen, erstellten die Forschenden für 15 Proben zusätzlich räumliche Expressionsprofile und analysierten serielle Gewebeschnitte mit bis zu vier verschiedenen räumlich aufgelösten Methoden.

Umfangreicher Datensatz

„Mit diesem umfangreichen Datensatz konnten wir die verschiedenen Methoden vergleichen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzeigen. Unsere Ergebnisse können Forschenden in Zukunft helfen, die für ihre Fragestellung geeignetste Methode auszuwählen“, sagt Klughammer, die für die Datenanalyse zuständig war. 


Die untersuchten Metastasen stammten von neun unterschiedlichen Orten im Körper – unter anderem aus Gehirn, Leber und Knochen – und umfassten unterschiedliche klinisch relevante Subtypen. 


„Die breite Herangehensweise schränkt die statistische Aussagekraft für einzelne Variablen etwas ein, dennoch haben wir interessante Hinweise auf die Biologie der metastatischen Zellen gefunden“, sagt Klughammer. Dazu gehören Informationen darüber, welche Zelltypen in den Metastasen vorkommen, wie bestimmte Gene in diesen Zellen aktiviert werden und wie die Zellen in den Metastasen räumlich angeordnet sind.

Überraschend für die Forschenden war etwa, dass die malignen (bösartig entarteten) Zellen im Körper einer Patientientin sehr stabile Expressionsprofile zeigten. 

„Wir haben von einigen Patientinnen mehr als eine Biopsie untersucht und fanden sehr ähnliche Expressionsprofile, auch wenn die Metastasen aus verschiedenen Körperteilen stammten oder bis zu 200 Tage zwischen den Probenahmen lagen“, sagt Klughammer. Zwischen den Patientinnen dagegen fanden die Forschenden große Unterschiede.

Verschiedene Zellprofile charakterisiert

Auch einige klinische Merkmale konnten die Forschenden in Zusammenhang mit unterschiedlichen malignen Expressionsphänotypen bringen: 


Die meisten bösartigen Zellen zeigten typische Merkmale von Epithelzellen. In einigen Proben beobachteten die Forschenden jedoch auch die Expression von Genen, die mit Stammzellen, Neuronen oder Knorpelgewebe in Verbindung stehen. Dabei stammte die Probe mit stammzellartigem Verhalten von einer Patientin, die trotz früher Diagnose und richtiger Behandlung die kürzeste Überlebenszeit in der Gruppe hatte. Die Probe mit „knorpelartigem“ Verhalten war die einzige mit einer Histologie, wie sie für eine seltene und oft schwer behandelbare Form von Brustkrebs typisch ist.

Metastasen bestehen in der Regel aus Krebszellen, den natürlichen Zellen des befallenen Gewebes sowie eingewanderten Immunzellen, die potenziell Krebszellen bekämpfen können. „Ein spannender Fund war, dass sich das Expressionsprofil der malignen Zellen unterschied, je nachdem, ob sie bestimmte Immunzellen (sogenannte T-Zellen oder NK-Zellen) in ihrer Nähe hatten oder nicht“, sagt Klughammer. 


So fanden die Forschenden etwa, dass maligne Zellen, die keine T/NK-Zellen in ihrer Nähe aufwiesen, vermehrt das SOX4-Gen exprimieren. 


Dies deutet darauf hin, dass Immunfluchtmechanismen möglicherweise sehr lokalisiert wirken und nicht nur auf der Ebene der gesamten Metastase.

„Insgesamt bietet unsere Studie neue Einblicke in die Biologie von metastasierendem Brustkrebs und zeigt, das Potenzial räumlich aufgelöster Analysen,“ erklärt Klughammer. 

„Langfristig könnten unsere Ergebnisse dazu beitragen, Patientinnen nuancierter einzustufen und zielgerichtetere Therapieansätze zu entwickeln.“

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Prof. Johanna Klughammer
Gene Center and Department of Biochemistry, LMU München
Tel.: +49 (0)89 - 2180 71050
klughammer@genzentrum.lmu.de
https://www.genzentrum.uni-muenchen.de/research-groups/klughammer/index.html

Originalpublikation:
J. Klughammer et al.: A multi-modal single-cell and spatial expression map of metastatic breast cancer biopsies across clinicopathological features. Nature Medicine 2024
https://doi.org/10.1038/s41591-024-03215-z

Einladung zur Mutter-Kind Studieren Angst

Psycholog*innen der Universität Mannheim erforschen derzeit die Frage, ob zwischen elterlichen und kindlichen Einstellungen und Gefühlen Zusammenhänge bestehen. 

Dazu führen die Wissenschaftler*innen eine kindgerechte Studie durch, an der Mütter gemeinsam mit einem ihrer Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren teilnehmen können.

Die Teilnahme an der Studie dauert etwa eine Stunde. 

Als Dankeschön erhalten die Kinder am Ende eine Teilnahmeurkunde sowie eine kleine Überraschung. Die Aufwandsentschädigung beträgt 20 Euro. 


Alle Teilnehmenden erhalten zudem die Gelegenheit, spannende Forschung hautnah zu erleben und unterstützen dabei das Forschungsprojekt zur Prävention von Angst.

Interessierte können sich für weitere Informationen, Anmeldung und zwecks Terminvereinbarung per E-Mail an klips-studienteilnahme.psychologie@uni-mannheim.de wenden. 


Alternativ können sie auch eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter des Lehrstuhls unter 0621 181-2092 hinterlassen – mit Angabe des Namens, der Telefonnummer und des Titels der Studie „Mutter-Kind-Studie“. 


Mitarbeitende des Lehrstuhls für Klinische und Biologische Psychologie und Psychotherapie rufen dann umgehend zurück.

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Prof. Dr. Antje Gerdes
Lehrstuhl für Klinische und Biologische Psychologie und Psychotherapie
Universität Mannheim
Tel: +49 621 181–2125
E-Mail: gerdes@uni-mannheim.de

Ungelernte Pflegehelfer

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen in Betriebsräten, Mitarbeitervertretungen, Personalräten der Berliner Krankenhäuser,

 

wir wenden uns an heute an Sie/euch mit einer Frage zu den ungelernten Pflegehelfer:innen und deren Weiterbildungsbedarf zur Pflegefachassistentin.


In den Häusern und inzwischen auch in den Medien schlägt die auslaufende Refinanzierung ungelernter Pflegehelfer:innen über das Pflegebudget Wellen. 


Mehrere Häuser haben Entlassungen angekündigt, andere lösen die Problematik über Weiterbildung zur PFA, Verschiebungen in den Aufgaben der Kolleg:innen oder ihren Transfer in Langzeitpflege-Bereiche.


Dass in Zeiten des Arbeits- und Fachkräftemangels den Häusern hier an verschiedenen Stellen Kündigungen ausgesprochen oder Auflösungsverträge abgeschlossen wurden, wird von vielen zurecht als absurd empfunden, ganz zu schweigen von der fehlenden Wertschätzung gegenüber diesen oft langjährigen Kolleg:innen und des massiven Einschnitts für diese selbst.


Im Abgeordnetenhaus und Gesundheitssenat wird – besser spät als nie - nun diskutiert, Kolleg:innen mit langjähriger Berufserfahrung für einen Übergangszeitraum eine verkürzte Ausbildungszeit (3-4 Monate) zur PFA anzubieten.


Das geht allerdings nur, wenn es dafür genügend Bedarf gibt.

 

Deshalb möchten wir von euch kurzfristig wissen:

 

                Wieviele ungelernte Pflegehelfer:innen/Servicekräfte gibt es (noch) bei euch?

                Wieviele davon könnten sich eurer Einschätzung nach für eine solche verkürzte Ausbildung interessieren?

 

Wir brauchen zu diesem Zeitpunkt keine völlig exakten Angaben, sondern nur eine ungefähre Größenordnung, das dafür aber möglichst schnell.

 

Bitte schickt eure Antwort gern bis Mittwoch, 13.11. direkt an mich als zuständige Person für das Gesundheitswesen in Berlin bei ver.di: gisela.neunhoeffer@verdi.de

Es wäre großartig, wenn wir mit eurer Unterstützung diese Chance für die Kolleg:innen organisieren könnten!


Für Rückfragen stehe ich gern auch unter 0171 90 77 415 zur Verfügung.

 

Herzliche Grüße,

 

Gisela Neunhöffer

 

Stellv. Landesfachbereichsleitung für Gesundheit, Soziale Dienste, Bildung und Wissenschaft in Berlin-Brandenburg

 

Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Bildung und Wissenschaft

ver.di Bezirk Berlin

Am Bahnhof Westend 3

14059 Berlin

 

Mobil: +49 171 90 77 415

Mail: gisela.neunhoeffer@verdi.de

 

Arbeitsrechtsanfragen: Für alle Fragen zur Rechtsberatung und rund um die ver.di-Mitgliedschaft (Eintritt, Beitrag, Leistungen, Wechsel, etc.) ist der ver.di-Service unter service.bb@verdi.de  Tel. (030) 88666 erreichbar.

 

! ACHTUNG ! Unsere neue Anschrift ab 01.12.2023:

ver.di Bezirk Berlin

Am Bahnhof Westend 3

14059 Berlin

Die Grenzen der Schweigepflicht

 „Die Grenzen der Schweigepflicht –

Eine gesetzliche Verpflichtung wird zur Haftungsfalle“

Am Mittwoch, 11. Dezember, findet von 15:00 bis 16:30 Uhr das letzte Online-Seminar der PWG-Seminare im laufenden Jahr statt: 

In „Die Grenzen der Schweigepflicht – Eine gesetzliche Verpflichtung wird zur Haftungsfalle“, mit Rechtsanwalt Hubert Klein, geht es um einen für Ärzte und Einrichtungen rechtlich heiklen Bereich.

Schweigepflicht und Datenschutz dienen dem Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrechts.

Danach entscheidet grundsätzlich nur der Patient, wann und inwieweit medizinische und persönliche Angaben über ihn offenbart werden dürfen.

Diese Verpflichtung führt gerade im Gesundheitswesen häufig zu Problemen. 

Denn die Zulässigkeit des „Offenbarens“ von Patienteninformationen ist rechtlich extrem eng umrissen. 

Die Breite des Datenschutzes oder die Geltung der Schweigepflicht auch gegenüber Ehegatten, Eltern, Betreuern ist in der Praxis häufig nicht oder nur unzureichend bekannt.

Hinzu kommmt die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die einerseits als weltweit stärkstes Datenschutz-Bürgerrecht gilt, aber andererseits auch als Schreckgespenst für EDV-Anwender. 

Aus alledem resultieren eklatante Rechtsverstöße, die – wie die steigende Zahl der Gerichtsprozesse belegt – zur straf- und zivilrechtlichen Haftung führen.

Straffen und verstärken Sie Ihre Organisation rechtssicher! 

Und zwar von der EDV-Ausrichtung bis zur Dienstanweisung für persönliche und telefonische Auskünfte nach außen.

Fachtermine....

Montag, 11.11.2024

5. Brandenburger Kongress für Versorgungsforschung

13:00 Uhr

Sozialstaatssekretär Dr. Thomas Götz spricht ein Grußwort und nimmt am 5. Brandenburger Kongress für Versorgungsforschung „Gesundheitsversorgung und Versorgungsforschung in Brandenburg im Jahre 2030 - Erwartungen, Ziele und Herausforderungen“ teil.

Seebad 82/83 15562 Rüdersdorf bei Berlin

 

 

Mittwoch, 13.11.2024

Brandenburger Pflegefachtag 2024

09:30 Uhr

Sozialministerin Ursula Nonnemacher spricht ein Grußwort und nimmt am Brandenburger Pflegefachtag 2024 der LIGA Brandenburg teil.

Mercure Hotel Potsdam City, Lange Brücke, 14467 Potsdam

 

30. Plattform Gesundheit

15:00 Uhr

Gesundheitsstaatssekretär Dr. Thomas Götz nimmt an der 30. Plattform Gesundheit mit dem Titel „Medikamentierung versus Prävention“ der Gemeinsamen Vertretung der Innungskrankenkassen (IKK) e.V. teil.

Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt, Luisenstraße 18, 10117 Berlin

 

Oberlinrede 2024

19:00 Uhr

Sozialministerin Ursula Nonnemacher nimmt an der „Oberlinrede 2024 - Begegnung mit Gesine Schwan“ teil.

Oberlinkirche, Rudolf-Breitscheid-Straße 24, 14482 Potsdam


 

Donnerstag, 14.11.2024

Berlin im Dialog - Gesundheitswesen kontrovers diskutiert

13:30 Uhr

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher nimmt an der Veranstaltung „Berlin im Dialog“ zum Thema „Morgen hat schon begonnen - wer gestaltet wie das Gesundheitssystem der Zukunft?“ teil.

Hotel Meliá, Friedrichstraße 103, 10117 Berlin

 

Gründung Innovations- und Netzwerkrat

14:00 Uhr

Gesundheitsstaatssekretär Dr. Thomas Götz nimmt an der Veranstaltung zur Gründung eines Innovations- und Netzwerkrates an der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem teil.

Wasserverband Lausitz, Am Stadthafen 1, 01968 Senftenberg

 

 

Freitag, 15.11.2024

Fachtag „Kinderschutz als Dauerprojekt(ion)

10:00 Uhr

Sozialstaatssekretär Dr. Thomas Götz spricht ein Grußwort auf dem Fachtag „Kinderschutz als Dauerprojekt(ion)“ anlässlich der Verabschiedung von Hans Leitner, Fachstelle Kinderschutz im Land Brandenburg.

Hennigsdorfer Stadtclubhaus, Edisonstraße 1, 16761 Hennigsdorf

 

Sprache öffnet Türen

13:30 Uhr

Gesundheitsstaatssekretär Dr. Thomas Götz nimmt am Werkstattgespräch „Implementierung von Sprachmittlung in verschiedenen Strukturen und Settings“ teil, eine Veranstaltung der Zukunftskonferenz für Sprachmittlung im Gesundheitswesen.

Salon Babette, Karl-Marx-Allee 36, 10179 Berlin


korrespondenten.cafe:
STUDIE ÜBER NEUE RUSSLAND-SANKTIONEN

PRÄSENTATION DER STUDIE:
Wie kann das europäische Sanktionsregime gegen Russland optimiert und
gleichzeitig der wirtschaftliche Schaden für den Westen reduziert
werden? 


Wie lässt sich der Druck auf das russische Regime
aufrechterhalten und gleichzeitig die wirtschaftliche Belastung der
EU-Volkswirtschaften minimieren?

Die Studie von CASE zeigt die aktuelle Lage der russischen Wirtschaft,
die Wirksamkeit der westlichen Sanktionen sowie Strategien für deren
Modernisierung. 


Sie stellt viele gängige Meinungen in Frage. 


Die
wichtigsten Aussagen: 


Die Auswirkungen der Sanktionen werden
überschätzt. 


Eine Wirtschaftskrise in Russland in den nächsten zwei bis
drei Jahren ist entgegen allen Behauptungen unwahrscheinlich. 


Die
westlichen Sanktionen müssen neu überarbeitet werden.

Die Studie wird am 12. November im Auswärtigen Amt vorgestellt, im
korrespondenten.cafe jedoch schon einen Tag vorher!

CASE:
Das Center for Analysis and Strategies in Europe (CASE), gegründet von
prowestlichen Russen, ist ein unabhängiger Think Tank für
Russlandstudien und Expertenanalysen zu den politischen und
wirtschaftlichen Entwicklungen in den postsowjetischen Ländern und in
der russischen Diaspora.

REDNER:
Dmitry GUDKOV, Gründer von CASE, ehemaliger Parlamentsabgeordneter und
einer der wichtigsten Führer der russischen Opposition
Dmitri NEKRASSOW, ehemaliger Berater in der Regierung von Präsident
Medwedew
Sergey ALEKSASHENKO, ehemaliger stv. Vorsitzender der Russischen
Zentralbank

WANN: Montag, 11.11.2024, 10:00-11:30 Uhr
WO: Steigenberger Hotel Am Kanzleramt (Ella-Trebe-Str. 5, neben
Hauptbahnhof)
Codewort beim Betreten des Frühstücksraums im 1. OG:
„Korrespondentencafe“

SPRACHE: Englisch
KOSTEN: 30 € (für Raummiete und Hotelfrühstück). Auf Wunsch Quittung.
ANMELDUNG: einfach hier antworten (event@korrespondenten.cafe)
(Wer sich schon angemeldet hat, muss dies nicht nochmals tun)

Mit herzlichen Grüßen
Ewald König
(0151 2162 7154)

 

Autoimuneekrankungen

2022 über 6,3 Millionen gesetzlich Versicherte mit mindestens einer Autoimmunerkrankung // 

Jeder 12. Versicherte betroffen //

 Erkrankungshäufigkeit zwischen 2012 und 2022 um 22 Prozent stark angestiegen

Die Prävalenz diagnostizierter Autoimmunerkrankungen ist unter gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. 


Die vertragsärztlichen Abrechnungsdaten zeigen zwischen 2012 und 2022 eine Zunahme von 7,06 auf 8,61 Prozent. 


Das entspricht einem relativen Anstieg um 22 Prozent. Insgesamt ist im Jahr 2022 bei mehr als 6,3 Millionen Patientinnen und Patienten (von insgesamt 73,24 Millionen gesetzlich Versicherten) mindestens eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert worden. 


Die höchste Prävalenz wies Hashimoto-Thyreoiditis mit 2,3 Prozent auf, gefolgt von Psoriasis (1,85 Prozent) und Rheumatoider Arthritis (1,36 Prozent).

Bei 28 von 30 Autoimmunerkrankungen stieg die Prävalenz an. 

Die höchste Zunahme mit +130 Prozent war bei Zöliakie zu verzeichnen, gefolgt von Autoimmunhepatitis (+80 Prozent), Hashimoto-Thyreoiditis (+72 Prozent) und primärer biliärer Zirrhose (+68 Prozent).

Lediglich bei zwei Erkrankungen (Diabetes mellitus Typ 1 und Sjögren-Syndrom) war ein Rückgang der Prävalenz zu beobachten (–18 bzw. –27 Prozent). Bei weiblichen Versicherten fiel die Zunahme stärker aus als bei männlichen Versicherten (+28 versus +14 Prozent). Zudem war die Zunahme bei Erwachsenen im Vergleich zu Kindern und Jugendlichen höher.

Regional betrachtet zeigten sich weitere Unterschiede: 

Insgesamt war die Prävalenz in den östlichen Bundesländern überdurchschnittlich höher als in den westlichen (Sachsen-Anhalt: 10,26 Prozent, Brandenburg: 9,65 Prozent, Thüringen: 9,39 Prozent). 

Den niedrigsten Anstieg zeigten die ausgewerteten Daten in Berlin (+9 Prozent), den höchsten im Saarland (+35 Prozent) und in Baden-Württemberg (+30 Prozent). Auf Kreisebene zeigten die vertragsärztlichen Abrechnungsdaten Anstiege in fast allen Regionen mit Ausnahme von zwei Kreisen: Im Kyffhäuserkreis in Thüringen und im Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz konnte eine rückläufige Prävalenz beobachtet werden (–13 und –3,1 Prozent).

Das sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Versorgungsatlas-Studie zur „Entwicklung der Prävalenz diagnostizierter Autoimmunerkrankungen im Zeitraum 2012–2022“, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) heute veröffentlicht hat.

„Unsere aktuelle Studie liefert erstmals belastbare epidemiologische Kennzahlen für die Erkrankungshäufigkeit eines breiten Spektrums an Autoimmunerkrankungen. Die Anzahl der Patientinnen und Patienten mit Autoimmunerkrankungen in Deutschland liegt deutlich höher als bisher angenommen. Jeder 12. gesetzlich Versicherte in Deutschland leidet an mindestens einer der 30 untersuchten Autoimmunerkrankungen – Tendenz steigend! Bei den meisten Autoimmunerkrankungen, die oftmals chronisch verlaufen, ist die Ursache ungeklärt. Daher ist es wichtig, das epidemiologische Geschehen genau zu beobachten“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Weltweit steigt die Zahl der Menschen mit Autoimmunerkrankungen. Bei einer Autoimmunerkrankung handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der das Immunsystem körpereigene Zellen und Gewebe angreift. Bekannt sind bis zu 80 verschiedene Autoimmunerkrankungen, von denen mehr als die Hälfte selten vorkommen und eine Prävalenz von ≤0,05 Prozent aufweisen. Die Ursachen von Autoimmunerkrankungen werden im Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Faktoren vermutet. Zu den häufigsten Risikofaktoren zählen diverse bakterielle und virale Infektionen, Umweltschadstoffe und Lebensstilfaktoren. Zudem ist bekannt, dass Frauen ein höheres Risiko für Autoimmunerkrankungen haben als Männer. Das höhere Risiko für Autoimmunerkrankungen bei Frauen ist auf die geschlechtsspezifischen genetischen und hormonellen Unterschiede zurückzuführen.

Datengrundlage der heute veröffentlichten Studie waren die bundesweiten vertragsärztlichen Abrechnungsdaten gemäß § 295 SGB V aus den Jahren 2012 bis 2022. Der Datensatz umfasst Diagnosen von allen gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland, die in den jeweiligen Jahren mindestens einmal eine vertragsärztliche Leistung in Anspruch genommen haben. Insgesamt sind 30 Autoimmunerkrankungen untersucht worden. Die Studienpopulation (weibliche und männliche gesetzlich Versicherte jeden Alters) variierte zwischen 68.959.472 Versicherten im Jahr 2012 und 73.241.305 Versicherten im Jahr 2022.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildung en VOR ORT
Dr. Manas K. Akmatov
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland
Salzufer 8 – 10587 Berlin – Tel. (030) 220056114 – E-Mail: makmatov@zi.de

Originalpublikation:
Akmatov MK, Holstiege J, Dammertz L, Kohring C, Müller D. Entwicklung der Prävalenz diagnostizierter Autoimmunerkrankungen im Zeitraum 2012–2022. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 24/05. Berlin 2024 > https://doi.org/10.20364/VA-24.05

Insolvenz von Personen- und Kapitalgeselkschaften

Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einer heute veröffentlichten Analyse feststellt, ist die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland im Oktober sprunghaft auf 1 530 angestiegen. 

Das ist der höchste Oktoberwert seit 20 Jahren.

Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland liegt laut IWH-Insolvenztrend im Oktober bei 1 530. 

Das sind 17% mehr als im Vormonat und 48% mehr als im Oktober 2023. 

Der aktuelle Wert liegt zudem 66% über dem durchschnittlichen Oktoberwert der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie. 

Das letzte Mal, dass in einem Oktober mehr Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert wurden, war im Jahr 2004.

Steffen Müller, Leiter der Insolvenzforschung am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), führt die aktuell hohen Insolvenzzahlen auf das Zusammentreffen mehrerer Faktoren zurück. Eine anhaltende konjunkturelle Schwächephase trifft auf stark gestiegene Kosten bei Löhnen und Energie, während gleichzeitig Nachholeffekte aus der Pandemie sowie eine teils verzögerte Anpassung der Wirtschaft an neue strukturelle Rahmenbedingungen sichtbar werden. Während der Pandemie erhielten insbesondere schwächere Unternehmen Unterstützung durch staatliche Hilfsprogramme, wodurch Insolvenzen hinausgezögert wurden. Diese Insolvenzen holen die Unternehmen nun nach. Hinzu kommt, dass sich in der Niedrigzinsphase auch unproduktive Unternehmen mithilfe günstiger Kredite über Wasser halten konnten. Seit den Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) im Jahr 2022 trifft die hohe Verschuldung diese Unternehmen nun besonders hart, sodass es verstärkt zu Insolvenzen kommt.

„Die derzeitige Insolvenzwelle ist das Ergebnis eines perfekten Sturms aus langanhaltender konjunktureller Schwäche und drastisch gestiegenen Kosten“, sagt Steffen Müller. „Viele schwächere Unternehmen, die in der Niedrigzinsphase und mit Unterstützung während der Pandemie überlebt haben, stehen nun bei stark gestiegenen Kosten unter massivem Druck. Das treibt nun insbesondere hochverschuldete Firmen in die Insolvenz.“ Zu den besonders betroffenen Branchen zählen das Baugewerbe, der Handel und unternehmensnahe Dienstleistungen. Im verarbeitenden Gewerbe lagen die Zahlen ebenfalls auf sehr hohem Niveau.

Schließungen großer Arbeitgeber führen häufig zu erheblichen und dauerhaften Einkommens- und Lohnverlusten bei den betroffenen Beschäftigten. Die Zahl der von Großinsolvenzen betroffenen Jobs liefert zudem eine gute Annäherung an die Gesamtzahl der von Insolvenz betroffenen Arbeitsplätze. Laut IWH-Insolvenztrend waren im Oktober in den größten 10% der insolventen Unternehmen trotz der hohen Zahl an Insolvenzen lediglich knapp 11 000 Arbeitsplätze betroffen. Damit liegt die Zahl der betroffenen Beschäftigten mehr als die Hälfte unter dem Vormonatswert, in etwa auf dem Niveau von Oktober 2023, aber 30% über dem Durchschnitt eines typischen Oktobers der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019.

Die trotz hoher Insolvenzzahlen vergleichsweise geringe Zahl an betroffenen Jobs geht auf das Fehlen sehr großer Insolvenzen zurück. Große Insolvenzfälle hatten noch die Vormonate geprägt. Anders als die hohen Insolvenzzahlen vermuten lassen, waren die Auswirkungen des Insolvenzgeschehens auf den Arbeitsmarkt im Oktober somit überschaubar.

Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorauslaufen. Im Juli stiegen diese Indikatoren stark an. Daher war im Oktober mit einem hohen Wert zu rechnen gewesen. Da die Frühindikatoren zwischen August und Oktober wieder etwas unter das Niveau von Juli gefallen sind, sind im November und Dezember leichte Rückgänge bei den Insolvenzzahlen möglich, erwartet Steffen Müller. Allerdings werden die Insolvenzzahlen damit auch weiterhin deutlich über dem Niveau von vor der Doppelkrise aus Pandemie und Kostenschocks liegen.

IWH-Insolvenztrend: Hintergrund, Daten, Methodik

Deutlich schneller als die amtliche Statistik liefert der IWH-Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) jeden Monat einen belastbaren Befund zum bundesweiten Insolvenzgeschehen für Personen- und Kapitalgesellschaften. Die Ergebnisse weisen nur geringfügige Abweichungen von den amtlichen Zahlen auf, die mit etwa zwei Monaten Zeitverzug eine umfassende Einschätzung der Lage erlauben.

Der IWH-Insolvenztrend ist deshalb ein verlässlicher Frühindikator für das Insolvenzgeschehen und die wirtschaftliche Entwicklung. Für seine Analysen wertet das IWH die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen betroffener Unternehmen. Dank seiner langjährigen Expertise, gebündelt in der IWH-Insolvenzforschungsstelle, gehört das Institut bundesweit zu den führenden Einrichtungen auf diesem Themengebiet.

Die im IWH-Insolvenztrend gemeldeten Insolvenzen für Kapital- und Personengesellschaften umfassen in der Regel mehr als 90% der von Unternehmensinsolvenz betroffenen Arbeitsplätze und 95% der Forderungen. Damit bilden diese Zahlen verlässlich die direkten volkswirtschaftlichen Konsequenzen des Insolvenzgeschehens ab.

Auch die amtliche Statistik weist monatlich vorläufige Insolvenzzahlen aus. Diese beziehen sich jedoch auf alle Regelinsolvenzen. Regelinsolvenzen umfassen neben den im IWH-Insolvenztrend erfassten Personen- und Kapitalgesellschaften auch die gesamtwirtschaftlich wenig relevante Gruppe der Kleinstunternehmen. Zudem werden auch bestimmte natürliche Personen wie Selbstständige oder ehemals selbstständig Tätige mit unüberschaubaren Vermögensverhältnissen sowie privat haftende Gesellschafter und Einzelunternehmer gemeldet.

Regelinsolvenzen sind also nicht mit Unternehmensinsolvenzen gleichzusetzen. Die Zahl der insolventen Personen- und Kapitalgesellschaften macht weniger als die Hälfte der Regelinsolvenzen aus. Die prozentualen monatlichen Veränderungen bei den Regelinsolvenzen können sich aufgrund der Vielzahl gesamtwirtschaftlich unbedeutender Insolvenzfälle deutlich von denen der Personen- und Kapitalgesellschaften unterscheiden.

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Professor Dr. Steffen Müller
Tel +49 345 7753 708
Steffen.Mueller@iwh-halle.de


Weitere Informationen finden Sie unter


Alle zugrundeliegenden Daten als Excel-Download finden Sie unter diesem Link: https://www.iwh-halle.de/fileadmin/user_upload/data/insolvenztrend/iwh-insolvenztrend_daten.xlsx

 Mehr zur IWH-Insolvenzforschung und zur Methodik hinter dem IWH-Insolvenztrend: 

https://www.iwh-halle.de/insolvenzforschung

Die Anmeldung zur Borderline-Persönlichkeitsstörung BPS

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung, die unter anderem durch emotionale Instabilität und impulsives Verhalten gekennzeichnet ist. Etwa 1 bis 2 Prozent der deutschen Bevölkerung, also schätzungsweise bis zu 1,6 Millionen Menschen, sind betroffen. Um diesen Personen zu helfen, bietet das Universitätsklinikum Bonn (UKB) in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn im Rahmen einer Therapiestudie ab sofort eine kostenfreie Gruppentherapie an. Sie richtet sich an Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren, die unter Ärgergefühlen, Reizbarkeit und aggressiven Verhaltensimpulsen leiden.

Das Programm umfasst 14 Sitzungen über etwa acht Wochen. Vor und nach der Therapie erfolgen Untersuchungen, um den Therapieerfolg zu messen. Interessierte aus Bonn und Umgebung, die aktuell nicht in psychotherapeutischer Behandlung sind, können sich ab sofort melden.

Instabil und wütend – so beschreiben viele Betroffene ihr tägliches Erleben. Die Kontrolle über Gefühle und Impulse zu verlieren, ist typisch für Menschen mit Borderline-Symptomen. Schon Kleinigkeiten können heftige Wutausbrüche auslösen und zu zwischenmenschlichen Konflikten führen. Die emotionale Instabilität ist oft auch geprägt von tiefen Selbstzweifeln und Unsicherheiten in vielen Lebensbereichen. Für Betroffene gleicht der Alltag einer emotionalen Achterbahnfahrt: Kleinste Auslöser führen zu explosiven Gefühlsausbrüchen, die oft nur kurz andauern, aber starke innere Unruhe hinterlassen. Diese ständige Überforderung belastet sowohl die Betroffenen selbst als auch ihr Umfeld erheblich.

Neues Therapieangebot zur Reduktion von Ärger und Aggression

Um betroffenen Personen gezielt zu helfen, bietet die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des UKB (Leitung: Prof. Dr. Alexandra Philipsen) eine kostenfreie Gruppenpsychotherapie an. Die 14 Sitzungen der Interventionsphase, die sich über einen Zeitraum von sieben bis zehn Wochen erstrecken, richten sich an Personen im Alter von 18 bis 60 Jahren, die unter starkem Ärger, Reizbarkeit und aggressiven Impulsen leiden. Teilnahmevoraussetzung ist, dass die Betroffenen aktuell keine andere Psychotherapie erhalten.

Im Rahmen der Therapie lernen die Teilnehmenden auf unterschiedliche Weise, besser mit ihren aggressiven Verhaltensimpulsen umzugehen. Ziel ist es, eine langfristige Verbesserung der emotionalen Stabilität und der sozialen Beziehungen zu erreichen.

Regelmäßige Studienbegleitende Untersuchungen zur Messung des Therapieerfolges

Die Therapie ist Teil einer größeren durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten wissenschaftlichen Studie, die an sechs Standorten in Deutschland durchgeführt wird. Vor und nach der Therapie werden Interviews sowie Online-Befragungen durchlaufen, um den Erfolg der Intervention zu dokumentieren und die Wirkung der Behandlung zu überprüfen. Der Nachbeobachtungszeitraum erstreckt sich über sechs Monate.

Wer kann teilnehmen?

• Personen zwischen 18 und 60 Jahren,
• die unter Borderline-Symptomen oder Schwierigkeiten in der Verhaltenskontrolle
leiden,
• die regelmäßig mit Ärger, Reizbarkeit oder aggressiven Verhaltensimpulsen kämpfen,
• und die derzeit keine psychotherapeutische Behandlung erhalten.

Kontakt und Anmeldung:

• E-Mail: maapstudie@ukbonn.de
• Telefon: 0228 287 16623

Dieses kostenfreie Therapieangebot bietet Betroffenen die Chance, wertvolle Techniken zur Emotionsregulation zu erlernen und ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Interessierte können sich ab sofort informieren und melden.
Bei Interesse erfolgt dann zunächst ein telefonisches Vorgespräch sowie die Terminvereinbarung für eine ausführliche Psychodiagnostik, auf deren Basis dann über die Eignung für die Studienteilnahme entschieden wird.