Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Das Labor für die Patienten

 

Krisensitzung der fachärztlichen Labore – „Die Lage ist ernst: Konsequenzen und Handlungsoptionen zur EBM-Laborreform“


Die bevorstehende Laborreform 2025 bedeutet einen der größten Einschnitte seit vielen Jahren für die fachärztlichen Labore und alle ärztlichen Fachgruppen, die ihrerseits Laboruntersuchungen für die eigenen Patienten erbringen.

Sie wird erhebliche Auswirkungen auf die Patientenversorgung haben, weil diese Reform eine für die Versorgung mit Laborleistungen deutlich schlechtere Honorarsituation bewirkt, die die Existenz von medizinischen Laboren gefährdet.

Der fachärztliche Berufsverband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e.V.) setzt sich seit Monaten mit konstruktiven Lösungsvorschlägen ein, um diese negativen Folgen abzuwenden und somit die für Patientinnen und Patienten sowie die zuweisenden Arztpraxen aus dem haus- und fachärztlichen Versorgungsbereich zeitgerechte Versorgung mit ärztlicher Labordiagnostik flächendeckend und wohnortnah aufrechtzuerhalten.

Unterstützt wird die Initiative des ALM e.V. vom Berufsverband der Ärztinnen und Ärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie (BÄMI e.V.) sowie weiteren ärztlichen Fachrichtungen, Patientinnen und Patienten und auch der IVD-Industrie, wie der gemeinsame offene Brief von ALM e.V. und BÄMI e.V. mit bereits mehreren tausend Unterschriften zur Unterstützung belegt.


Die Kritik der Verbände und Labormitarbeitenden sowie Unterstützer richtet sich gegen einen systematischen Abzug von Mitteln für eine bedarfsgerechte und bestmögliche medizinische Labordiagnostik hin in andere Bereiche, der aus der innerärztlichen Debatte um die Verteilung der von den Krankenkassen für die ambulante vertragsärztliche Versorgung bereitgestellten Finanzmittel herrührt. Vielerorts ist spürbar, dass durch die Verlagerung von zunehmend mehr Diagnostik und Behandlung vom stationären in den ambulanten Bereich zwar mehr Leistungsbedarf entsteht, die dafür im stationären Bereich erhaltenen Finanzmittel jedoch nicht mit übertragen werden. Die interdisziplinär auf Bundesebene erarbeiteten diagnostischen Empfehlungen zur Verbesserung der Indikationsstellung von Labor sind ein weiterer wichtiger Ansatz, sinnvolle Labordiagnostik mit entsprechender Indikationsqualität sachgerecht verfügbar zu machen. 

Da trotz verschiedener Gespräche der Verbände ALM e.V. und BÄMI e.V. mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und den regionalen KVen bisher nicht erkennbar ist, dass die Beschlüsse der Selbstverwaltung im Sinne einer bedarfs- und patientengerechten Versorgung angepasst und verbessert werden, trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der niedergelassenen Labore zu einer Krisensitzung, um über Konsequenzen und Handlungsoptionen zu diskutieren. Der offene Brief der Mitglieder im fachärztlichen Berufsverband ALM e.V. und im Berufsverband BÄMI e.V. von Ende Juli, in dem beide Ihre große Sorge über die Beschlussfassung des Bewertungsausschusses (709. Sitzung, 19.04.2024) und die Vorgaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gemäß § 87b Abs. 4 SGB V zur Honorarverteilung äußerten, erfährt somit weiterhin zunehmende Unterstützung durch zahlreiche Einzelpersonen aus der Patientenversorgung und von Patientenvertretungen selbst. 

Dr. Michael Müller (erster Vorsitzender des ALM e.V.) betonte: „Es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum diese Reform ohne einen äußeren Anlass gegen den Willen, die Bedenken und auch die konstruktiven Vorschläge von uns jetzt quasi um jeden Preis durchgedrückt wird, und das letztlich auf dem Rücken von Patientinnen und Patienten. Der absehbare systematische Abzug von Finanzmitteln aus dem Labor hin in andere Bereiche berührt empfindlich das auch auf Fairness und Gerechtigkeit ausgelegte System der Honorarverteilung.“

Prof. Dr. Jan Kramer (stellvertretender Vorsitzender ALM e.V.) führte aus: „In den letzten 15 Jahren wurden bereits fast 30 Prozent Honorar aus der Laborvergütung für die Laborleistungen bei gesetzlich krankenversicherten Patientinnen und Patienten entzogen. Jetzt werden unsere originären Laboruntersuchungen um weitere gut 10 Prozent abgewertet. Die Kassenärztlichen Vereinigungen wollen zusätzlich die Absenkung der Mindesterstattungsquote von jetzt bereits nur 89 Prozent auf 85 Prozent. Auf der anderen Seite sind die Kosten in den medizinischen Laboren, was wir der KBV nachgewiesen haben, in den Jahren 2017 bis 2021 um 19 Prozent und 2022 bis heute um weitere 15 Prozent gestiegen. Zahlreiche Laboranalysen, die in der Patientenversorgung unverzichtbar sind, sind somit nicht mehr kostendeckend durchführbar. Die Labore müssen auf die Leistungen, z. B. auch in der Früherkennung von Erkrankungen, draufzahlen. Die medizinischen Labore sind dadurch wirtschaftlich in ihrer Existenz bedroht und flächendeckende Patientenversorgung mit Labor wird gefährdet. Es wird aus Kostengründen zu Einschränkungen in der Probenabholung aus Arztpraxen kommen sowie die Frequenz der Durchführung von Analysen durch Zusammenfassung von Analytik verlängert werden. Dies wird medizinische Versorgungsprozesse zeitlich einschränken und unnötigerweise an anderen Stellen Kosten verursachen. Es ist mir unbegreiflich, wie die Entscheider bei KBV und Kassenärztlichen Vereinigungen trotz eindringlicher Warnungen durch Berufsverbände und Fachexperten aller Verbände aus der Labordiagnostik eine sachlich nicht begründete Umverteilung von Mitteln durchzieht. Mit seit Jahren einem relativen Kostenanteil unter 3 Prozent der Gesundheitsausgaben ist medizinische Labordiagnostik in Deutschland hoch effektiv. Ohne Labormedizin kann keine Patientenversorgung stattfinden. Das ist jeder Ärztin und jedem Arzt klar. Deswegen werden wir auch von unseren zuweisenden Praxen und Patientinnen und Patienten in unserer Kritik unterstützt.“
 
Evangelos Kotsopoulos (Vorstandsmitglied des ALM e.V.) stellte die Frage: „Die Art und Weise, mit der diese Laborreform in die Wirtschaftlichkeit der einzelnen und unterschiedlich strukturierten Labore eingreift, ist sehr komplex. Welche Kollateralschäden ist die KBV bereit zu tolerieren? Wollen wir in Deutschland auch weiterhin in der Fläche Labore haben? Oder sollen Patienten aus strukturschwachen Regionen länger auf ihren Befund warten müssen, da solche kleinen und mittelgroßen Labore nicht mehr aufrechtzuerhalten sind? Was ist hier der akzeptierte Kollateralschaden?“

Als stellvertretender Vorsitzender des BÄMI e.V. erklärte Prof. Dr. Ralf Ignatius: „Die beschlossene Absenkung der EBM-Vergütung gefährdet die flächendeckende labordiagnostische Versorgung von Infektionspatienten, da nicht kostendeckende Leistungen zunehmend nicht mehr erbracht werden können.“

Prof. Dr. Dr. Jörg Kriegsmann ging auf die Bedeutung der geplanten Reform für die Pathologie ein: „Durch eine Absenkung der Vergütung in der Pathologie wird sich der Pathologenmangel verstärken, was zu einer Verlängerung der Diagnosezeiten und zu einer Gefährdung der Gesundheit und der flächendeckenden medizinischen Versorgung führen wird.“

„Die Laborreform 2025 bedeutet einen massiven Einschnitt für die labordiagnostische Versorgung. Es ist keine reine Honorarreform, sondern ein massiver Einschnitt, der erhebliche Auswirkungen auf die Patientenversorgung haben wird, sofern diese am 1. Januar 2025 so in Kraft treten sollte. Wir appellieren daher an die Selbstverwaltung die bisher geplante Reform auszusetzen und stattdessen eine patienten- und versorgungsorientierte Reform umzusetzen, für die wir als ALM e.V. bereits Vorschläge unterbreitet haben“, so Dr. Michael Müller abschließend.

Weitere Informationen zur geplanten Laborreform 2025 finden Sie auf unserer Themenseite. 

Den offenen Brief des ALM e.V. sowie des BÄMI finden Sie hier. Weiterführende Informationen zur Versorgungsleistung der fachärztlichen Laborstrukturen finden Sie auf unserer neuen Themenseite „Wir versorgen Deutschland mit Labor – unsere Beispiele aus der Praxis zeigen das“ sowie Fallbeispiele in unserer digitalen Sonderausgabe von „Labor erleben“.
 

Über den ALM e.V.

ALM e.V. ist der Interessenverband der akkreditierten medizinischen Labore in Deutschland. Der Verband vertritt derzeit über 200 medizinische Labore mit mehr als 1.000 Fachärzt:innen, rund 500 Naturwissenschaftler:innen und etwa 25.000 qualifizierten Mitarbeiter:innen. Der Zweck des Vereins ist die Förderung und Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen labormedizinischen Patientenversorgung in Deutschland. Der Zweck des Vereins ist die Förderung und Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen labormedizinischen Patientenversorgung in Deutschland. Die Mitglieder des Verbandes sichern eine flächendeckende Patientenversorgung, auch in strukturschwachen Gebieten. Die Mitgliedslabore sind nach der höchsten Qualitätsnorm für medizinische Laboratorien (DIN ISO EN 15189) akkreditiert und erfüllen uneingeschränkt die Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung labormedizinischer Untersuchungen (RiliBÄK). 

Kontakt

ALM – Akkreditierte Labore in der Medizin e.V.
Daniel Schaffer (Geschäftsführer)
HELIX HUB, Invalidenstraße 113
10115 Berlin
Telefon: 030 403 688 4100
E-Mail: presse@alm-ev.de
www.alm-ev.de

Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin (einschließlich Arbeitsbereich Lipidstoffwechsel) der Charité.

 


Berlin, 02.10.2024
Porträtfoto von Prof. Knut Mai. Er trägt eine schwarz umrandete Brille und einen Blazer mit Charité-Anstecker über einem blauen Hemd.












Prof. Knut Mai hat zum 1. Oktober die Professur für Innere Medizin mit Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin angetreten. 

Damit verbunden ist die Leitung der Medizinischen Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin (einschließlich Arbeitsbereich Lipidstoffwechsel) der Charité. Der Hormon- und Stoffwechselexperte hatte diese Funktion bereits seit vergangenem Jahr kommissarisch inne und folgt auf Prof. Joachim Spranger, der Anfang 2023 das Amt des Dekans an der Charité übernahm.

Von Diabetes über Bluthochdruck und Schilddrüsenerkrankungen bis Krebs: Die Endokrinologie beschäftigt sich mit sehr vielfältigen Krankheiten. Ihnen gemeinsam ist, dass sie von hormonellen Prozessen im Körper beeinflusst werden. Viele von ihnen gehören zu den Seltenen Erkrankungen, betreffen also höchstens eine von 2.000 Personen. Das macht ihre Diagnose und Therapie zu einer besonderen Herausforderung.

Die Verschränkung der Schwerpunkte Endokrinologie, Stoffwechsel und Seltene Erkrankungen spiegelt sich in den Funktionen, die Knut Mai zusätzlich zur Klinikdirektion innehat: So wird er weiterhin den Fachbereich Endokrinologie & Stoffwechsel bei der Labor Berlin – Charité Vivantes GmbH, das Team Erwachsene des Berliner Centrum für Seltene Erkrankungen (BCSE) sowie den Studienstandort Berlin des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) leiten. Daneben ist er Leiter der Abteilung Humanernährung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE).

Persönlich zugeschnittene Krebstherapien und Ernährungspläne

Knut Mai arbeitet darauf hin, Patient:innen mit endokrinologischen Erkrankungen neue Behandlungsansätze anbieten zu können, die immer stärker auf sie persönlich zugeschnitten sind. „Der Schlüssel dazu sind innovative Diagnostik sowie eine gute interprofessionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit“, sagt der Mediziner. Zum Beispiel im Bereich der seltenen endokrinen Tumoren: „Mit neuen molekularpathologischen Diagnostikmethoden und Bildgebungstechniken sowie in enger Zusammenarbeit mit Partnern innerhalb und außerhalb der Charité wollen wir vermehrt personalisierte Diagnostik- und Therapiekonzepte für Menschen mit Tumoren der Nebenniere, der Hypophyse oder der Schilddrüse entwickeln.“

Auch Patient:innen mit Diabetes und anderen kardiometabolischen Erkrankungen sollen künftig von einer individuelleren Behandlung profitieren. Dazu erforscht Knut Mai, welche Lebensstil- und Ernährungskonzepte bei welchen Menschen am erfolgversprechendsten sind. „Wie groß die Effekte einer Ernährungsumstellung sind, ist individuell sehr unterschiedlich“, erklärt er. „Mit meiner Forschung möchte ich Faktoren identifizieren, die vorhersagen können, wie gut die Umstellung auf eine bestimmte Ernährung bei einzelnen Personen umsetzbar ist und Wirkung zeigen wird. Auf Basis dieser Erkenntnisse wollen wir personalisierte Ernährungsstrategien entwickeln. Dabei spielt die Anpassung des Stoffwechsels auf Veränderungen von Nahrung, Lebensstil und Körpergewicht eine sehr große Rolle. Diese teilweise gewebsspezifische Anpassung wollen wir unter Nutzung von Multiomics-Techniken, also der detaillierten Analyse beispielsweise der Genaktivität und des Stoffwechsels, besser verstehen.“

Was ist die Perspektive der Betroffenen?

Im Einklang mit der Strategie „Wir denken Gesundheit neu – Charité 2030“ der Berliner Universitätsmedizin will der neue Klinikdirektor künftig die Perspektive der Patient:innen noch stärker in den Fokus rücken. Dazu werden diese in einzelnen ambulanten Bereich seit rund einem Jahr mithilfe eines Tablets standardisiert befragt, wie sie ihren Gesundheitszustand während und nach einer Behandlung selbst einschätzen. „Patient Reported Outcome Measures“ (PROMs) nennt man solche Fragebögen. Knut Mai plant, die PROMs Schritt für Schritt auf weitere ambulante Bereiche der Klinik für Endokrinologie auszuweiten.

Der Endokrinologe ist zudem Vorsitzender der PJ-Kommission, die die Organisation des Medizinischen Praktischen Jahres (PJ) der Studierenden am Ende ihrer akademischen Ausbildung verantwortet. Zu seinen Zielen im Bereich der Lehre sagt er: „Mir ist es ein besonderes Anliegen, die klinische Ausbildung evidenzbasiert und im engen Austausch mit den Studierenden weiterzuentwickeln. Wichtig ist mir auch, die interprofessionelle Zusammenarbeit und interdisziplinäre Behandlungsstrategien bereits im Studium zu vermitteln und wissenschaftliche Aspekte noch intensiver einzuflechten. Während des PJ sollten sich die Studierenden gut betreut fühlen und zugleich die Möglichkeit bekommen, konkret in der Patientenversorgung mitzuarbeiten, um sie auf die eigenständige Arbeit als Ärztin oder Arzt gut vorzubereiten.“
 

Kurzvita
Knut Mai studierte Humanmedizin an der Charité und wurde dort 2007 an der Klinik für Nuklearmedizin promoviert. Ab 2011 war er zunächst als Oberarzt, später als leitender Oberarzt in der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Endokrinologie, Diabetes und Stoffwechselmedizin tätig, wo er sowohl die endokrinologisch-metabolische Hochschulambulanz als auch die klinisch-translationale Forschungs-Unit leitete. Seine Habilitation sowie Lehrbefugnis erhielt er 2012 für seine Arbeit zu endokrinen Effekten von Fettsäuren bei komplexen Stoffwechselerkrankungen. Der Facharzt für Innere Medizin (2009), Endokrinologie (2014) sowie Diabetologie (2015) hatte, gefördert durch den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, von 2017 bis 2022 die Stiftungsprofessur für Diabetesentstehung und -therapie an der Charité inne. Seit 2023 ist er kommissarischer Direktor der Medizinischen Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin der Charité. Er wurde für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Menarini-Preis der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Über die Medizinische Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin
Die Medizinische Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin (einschließlich Arbeitsbereich Lipidstoffwechsel) ist auf folgende Erkrankungen spezialisiert: Übergewicht und Adipositas, Bluthochdruck, Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2, Fettstoffwechselstörungen, Schilddrüsenerkrankungen, Störungen des Knochenstoffwechsels (z.B. Osteoporose), maligne endokrine Tumore sowie Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse und der Nebennieren. Darüber hinaus werden Patient:innen mit seltenen endokrinen Erkrankungen, seltenen Stoffwechselstörungen aber auch Patient:innen mit allgemeinen internistischen Erkrankungen betreut. Die enge Verknüpfung zu Grundlagen- und klinischer Forschung innerhalb der Klinik stellt sicher, dass die aktuellsten Therapien angeboten werden können.

Über das BCSE
Das Berliner Centrum für Seltene Erkrankungen (BCSE) der Charité macht die kombinierte Expertise der zahlreichen Fachabteilungen der Charité für Patient:innen mit Seltenen Erkrankungen verfügbar. Es unterstützt so, schnellstmöglich die richtigen fachlichen Ansprechpersonen zu finden bzw. bei ungeklärten Beschwerden eine interdisziplinäre Diagnosestellung zu erwirken. Das BCSE arbeitet in zwei Teams mit unterschiedlichen Altersschwerpunkten (BCSE-Pädiatrie und BCSE-Erwachsene). Expert:innen aus den unterschiedlichen Bereichen der Kinder- und Jugendmedizin und der Erwachsenenmedizin bearbeiten so Anfragen aus dem gesamten Spektrum der Seltenen Erkrankungen.

Bezahlung am Uniklinikum

Beschäftigte zahlen nicht für politisches Versagen – ver.di lehnt Verhandlungen über Einfrieren der Löhne am Uniklinikum Ruppin-Brandenburg ab

Die Gewerkschaft ver.di lehnt Verhandlungen über das Einfrieren der Löhne am Uniklinikum Ruppin-Brandenburg ab. 

Zu entsprechenden Verhandlungen hatte die Geschäftsleitung des Uniklinikum die Gewerkschaften aufgefordert.

Die Beschäftigten des Uniklinikums erhalten bis heute nicht den vollen Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes, der ihnen eigentlich zusteht und an hunderten Krankenhäusern bundesweit gilt. 

Sie leisten damit bereits seit Jahren einen Beitrag zur wirtschaftlichen Sanierung der Einrichtung.

Die aktuelle wirtschaftliche Schieflage des Uniklinikums ist nach Einschätzung von ver.di Folge eines von der Bundespolitik bewusst in Kauf genommenen finanziellen Ausblutens der Krankenhäuer. 

Denn die Kostensteigerung durch die Inflation wurden für die Krankenhäuser nicht ausreichend ausgeglichen. ver.di fordert deshalb seit langem eine Kompensation für die Kostensteigerung, um ungeplante Krankenhausschließungen zu verhindern. 

Ca. 70% der Krankenhäuser sind aktuell bundesweit in wirtschaftlicher Schieflage. Notlagentarifverträge haben die Funktion, wirtschaftlich angeschlagenen Krankenhäusern eine ökonomische Brücke zu bauen und nicht verantwortungslose Politik zu kompensieren.

„Die wirtschaftliche Schieflage des Uniklinikums Ruppin-Brandenburg ist nicht die Schuld der Beschäftigten, sondern die Folge einer verantwortungslosen Krankenhauspolitik, die aktuell die flächendeckende Gesundheitsversorgung gefährdet.

Was die Krankenhäuser jetzt brauchen, ist eine verantwortungsbewusste Politik, die für ein ausreichende Finanzierung sorgt. Was die Krankenhäuser nicht brauchen, ist eine erneute Sparorgie beim Personal mit der Folge, dass die Beschäftigten den Krankenhäusern den Rücken kehren.“ erklärt Gisela Neunhöffer, stellv. Landefachbereichsleiterin Gesundheit bei ver.di Berlin-Brandenburg.

„Wir haben die Aufforderung der Geschäftsleitung zu Verhandlungen abgelehnt. 

Wir sind jederzeit bereit, zusammen mit der Geschäftsleitung Gespräche mit der Politik zu führen und in Aktion zu gehen, um für eine anständige Finanzierung zu sorgen. 

Aber die Beschäftigten am Universitätsklinikum Ruppin-Brandenburg stehen für weitere Einschnitte nicht zur Verfügung. 

Ein Einfrieren der Löhne würde Reallohnverlust bedeuten“, erklärt der zuständige ver.di Gewerkschaftssekretär Torsten Schulz.

MaAB - Medizin am Abend Berlin VOR ORT 

Torsten Schulz

torsten.schulz@verdi.de

±49170 5748522 

MFA - Fortbildungen VOR ORT Klimawandel und Gesundheit

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) setzt mit ihrer innovativen Fortbildung für medizinische Fachangestellte (MFA) neue Maßstäbe in der klimabewussten Ausbildung im Gesundheitswesen. 

Die Fortbildung zur Gesundheitslotsin für „Klimawandel und Gesundheit“ wurde für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Gesundheit nominiert.

Der Klimawandel wirkt sich auch auf die menschliche Gesundheit aus: Hitzeperioden und Extremwetterlagen bringen neue und veränderte Krankheitsbilder mit sich und stellen die Mitarbeitenden in Kliniken, Ambulanzen und Praxen vor neue Anforderungen. Um medizinische Fachangestellte (MFA) darauf vorzubereiten, hat die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) im August 2023 als eine der ersten und als bisher einzige universitäre Einrichtung in Deutschland ausgelernten MFA aus Hausarztpraxen sowie Krankenhausambulanzen eine kostenlose Fortbildung zum Gesundheitsloten beziehungsweise zur Gesundheitslotsin für „Klimawandel und Gesundheit“ auf universitärem Niveau angeboten.

Jetzt wurde dieses innovative Projekt für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Gesundheit nominiert. „Diese Nominierung ist für uns eine Bestätigung darin, dass wir mit dieser innovativen MFA-Fortbildung neue Akzente setzen auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen und klimabewussten Ausbildung und Patientenbetreuung im Gesundheitswesen“, sagt Dr. Konstanze Ballüer, Leiterin des MHH-Geschäftsbereiches Klinikmanagement. Insgesamt wurden bei dieser ersten Fortbildung 13 MFA zu Gesundheitslotsen für eine klimabewusste und nachhaltige Versorgung im Gesundheitswesen ausgebildet.

MFA als wichtige Multiplikatoren

Die MFA bilden eine sehr große Berufsgruppe im Gesundheitswesen. Ihre medizinisch basierten Empfehlungen finden Gehör bei Patientinnen und Patienten. MFA sind Multiplikatoren mit vielfältigen Aufgaben. Sie haben bei der Ausübung ihrer medizinischen Leistungen engen Patientenkontakt, übernehmen Aufgaben in Verwaltung und Dokumentation und kennen sich in der Praxisorganisation aus.

Die Fortbildung nach dem Mustercurriculum der Bundesärztekammer für MFA „Klimawandel und Gesundheit“ soll dieser Schnittstellenfunktion gerecht werden, wie Dr. Ballüer erklärt. Sie zielt einerseits auf die bessere Betreuung der Patientinnen und Patienten ab, andererseits auf mehr Nachhaltigkeit und ressourcenschonendes Arbeiten in Ambulanzen und Praxen. In fünf Modulen geht es thematisch beispielsweise um die Ursachen des Klimawandels, die Auswirkungen auf die Gesundheit, Gesundheitskompetenz und Präventionsmaßnahmen sowie Handlungsfelder in Gesundheitseinrichtungen.

Sensibilisierung für klimawandelbedingte Gesundheitsgefahren

Als Gesundheitslotsen für eine klimaresiliente Versorgung tragen die Absolventinnen und Absolventen der Fortbildung dazu bei, insbesondere vulnerable Gruppen, wie ältere Patientinnen und Patienten, für die direkten und indirekten Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit zu sensibilisieren und die individuelle Gesundheitskompetenz zu stärken.

Konkrete Kennzahlen zur Wirkung der Gesundheitslotsen existieren noch nicht. Es darf aber angenommen werden, so Dr. Ballüer, dass jede Form der Sensibilisierung für klimawandelbedingte Gesundheitsgefahren wie zum Beispiel Flüssigkeitsverlust bei Hitzewellen sowie deren eigenverantwortliche Vermeidung hilft, die Anzahl von ambulanten und stationären Arztbesuchen wegen Hitzschlag, Austrocknung oder Verschlimmerung von Organerkrankungen und anderen indirekten Auswirkungen zu verringern und so Gesundheit zu stärken.

Auch Pflegekräfte könnten Gesundheitslotsen werden

Bei der Fortbildung – unter der Federführung der MFA-Ausbildungsstelle – arbeiten Dozentinnen und Dozenten aus der MHH zusammen mit einer Hausarztpraxis und einem MHH-Experten für Geriatrie mit Unterstützung der Landeshauptstadt Hannover an der Vision, den Gesundheitsberuf MFA dauerhaft mit einer klimasensitiven und abrechenbaren Beratungskompetenz anzureichern und Gesundheitslotsen als innovativen Baustein für die Stärkung der Gesundheit zu etablieren. Eine Übertragung eines angepassten Fortbildungsangebots für Pflegekräfte in ambulanten oder stationären Pflegeeinrichtungen hält Dr. Ballüer für denkbar und wünschenswert.

Um einen effektiveren Beitrag in den Transformationsfeldern Wertschöpfung, Umwelt und Klima leisten zu können und Gesundheit nachhaltig stärken zu können, stellt die Schaffung einer Refinanzierungsmöglichkeit für die Tätigkeit der als Gesundheitslotsen qualifizierten MFA ein wesentlicher Meilenstein dar. Mittelfristiges Ziel der MHH ist es, eine analoge Vorgehensweise zum Land Baden-Württemberg für Niedersachsen zu erwirken, um einen finanziellen Ausgleich für die fortgebildeten MFA zu erhalten.

SERVICE:

Den Flyer zur Fortbildung „Werden Sie Gesundheitslotsin Klimawandel und Gesundheit“ finden Sie unter: 


https://www.mhh.de/fileadmin/mhh/patienten-servicecenter/bilder/230417_Flyer_Kli...

Machtmissbrauch an Universitäten - Hochschulen und ihre

Von unzulässiger Mehrarbeit über Mobbing bis zu sexuellen Übergriffen: Missbrauch von Macht an Hochschulen ist kein Einzelfall

Machtmissbrauch an Universitäten ist kein neues Problem, aber es wird zunehmend sichtbar. 

Mobbing, Demütigungen, die unzulässige Übertragung von Aufgaben und sexuelle Übergriffe stellen ein relativ weit verbreitetes und strukturell verankertes Phänomen dar. Obwohl es sich nicht um Einzelfälle handelt, die von Machtmissbrauch betroffen sind, dringen die Fälle nur selten an die Öffentlichkeit. „Die Machtstrukturen an Universitäten begünstigen den Missbrauch und verhindern gleichzeitig eine Veröffentlichung“, sagt Prof. Dr. Cornelia Schweppe von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU).

 „Die Betroffenen haben Angst, ihre Lage bekannt zu machen, weil sie negative Konsequenzen fürchten.“ 

Von Machtmissbrauch können alle Personen an Universitäten betroffen sein. 

Einem besonderen Risiko ist der sogenannte akademische Mittelbau ausgesetzt, der zum Großteil von befristeten Verträgen und von einzelnen Professoren oder Professorinnen abhängig ist. 

Organisiert von Cornelia Schweppe findet am 11. Oktober 2024 in Mainz eine Tagung zu dem Thema „Machtmissbrauch an Universitäten“ statt.

Viele Bausteine sind nötig, um Machtmissbrauch aufzudecken und zu unterbinden

Die Strukturen an den Universitäten tragen mit ihren Hierarchien und Abhängigkeiten zum Risiko für den Missbrauch von Macht bei, wozu etwa auch die unrechtmäßige Aneignung geistigen Eigentums zählt. Obwohl dies bekannt ist, wird dem nur zögerlich und unzureichend begegnet. Es gibt bislang kaum geeignete Maßnahmen, um Machtmissbrauch abzubauen. Nach Einschätzung von Cornelia Schweppe wird es keine einfachen Lösungen geben. „Ich denke, es muss an vielen Stellschrauben gedreht werden, um dem Problem zu begegnen; das Problem ist komplex“, sagt die Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik.

Die Veränderung der Arbeits- und Betreuungsstrukturen von wissenschaftlichen Mitarbeitenden ist sicherlich eine dieser Stellschrauben, um ihre Abhängigkeit von einzelnen Professorinnen beziehungsweise Professoren zu verringern. Genauso wichtig ist die Verbesserung von Maßnahmen, die die Offenlegung und Aufklärung von Machtmissbrauch fördern und ermöglichen. Transparente und leicht zugängliche Beschwerdewege und verbesserte Kontrollinstanzen wären ein wichtiger Schritt. Ebenso muss über die Stärkung von Unterstützungs- und Hilfestrukturen für Betroffene von Machtmissbrauch nachgedacht werden, denn die Konsequenzen sind gravierend. Machtmissbrauch beeinträchtigt die körperliche und seelische Gesundheit und schadet häufig den Karrierewegen.

Ankündigung der Tagung auf große Resonanz gestoßen

Zu der Tagung „Machtmissbrauch an Universitäten“ werden am 11. Oktober von 9:00 bis 18:00 Uhr im Erbacher Hof in Mainz rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Ebenen des Wissenschaftssystems und von allen Fächern erwartet.

Berichterstattungen über die Tagung sind sehr willkommen. 

Bitte melden Sie sich bei Interesse vorab bei Frau Prof. Cornelia Schweppe unter der Telefonnummer 06131 39-20727 oder der Mailadresse c.schweppe@uni-mainz.de.

Prof. Dr. Cornelia Schweppe

Institut für Erziehungswissenschaft

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

55099 Mainz

Tel. +49 6131 39-20727

E-Mail: c.schweppe@uni-mainz.de

https://www.sozialpaedagogik.fb02.uni-mainz.de/mitglieder-der-ag-sozialpaedagogi...

Interleukin-15 und die Grippeimpfung

 CiiM-Studie identifiziert Schlüsselmoleküle und mögliche Ansätze zur Verbesserung der Impfantwort


Für ältere Menschen gibt es sogenannte Hochdosis-Grippeimpfstoffe. 


Der Grund: Ihr Immunsystem spricht auf die Standard-Grippeimpfstoffe nicht immer ausreichend gut an. 


Warum das so ist und welche molekularen Prozesse dahinterstecken, ist bislang noch unverstanden. 


In ihrer aktuellen Forschungsarbeit, einer Kohortenstudie mit rund 230 Teilnehmer:innen über 65 Jahren, konnten Wissenschaftler:innen des Zentrums für Individualisierte Infektionsmedizin (CiiM), einer gemeinsamen Einrichtung des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), nun aber entscheidende Schlüsselmoleküle identifizieren. Die Forscher:innen hoffen, dass ihre Ergebnisse künftig dabei helfen, die Immunantwort auf die Grippeimpfung bei Älteren weiter zu erhöhen. Die Studie ist im Fachjournal „Science Advances“ erschienen.

Alle Jahre wieder ab Anfang Oktober ist es soweit: 


Die Grippewelle rollt an. 


„Weil insbesondere ältere Menschen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, sind wirksame Impfstoffe für sie besonders wichtig“, sagt Prof. Yang Li, Wissenschaftliche Direktorin des CiiM und Leiterin der Abteilung „Bioinformatik der Individualisierten Medizin“ am HZI. Für Menschen ab 60 bzw. 65 Jahren gibt es sogenannte Hochdosis-Grippeimpfstoffe, da die Standard-Grippeimpfstoffe bei ihnen nicht hinreichend gut wirken. 

Doch warum ist das so? 


„Mit dem Alter kann das Immunsystem offensichtlich nicht mehr so eine schlagkräftige Immunantwort aufbauen“, erklärt Li. „Mit unserer Studie wollten wir herausfinden, womit genau dies zusammenhängt, welche molekularen Prozesse hier eine Rolle spielen – und Ansätze identifizieren, mit denen die Immunantwort verbessert werden könnte.“

Die Basis der Studie bildete eine Kohorte aus 234 Teilnehmer:innen über 65 Jahre, die gegen Grippe geimpft wurden. Ihnen wurde zu insgesamt fünf unterschiedlichen Zeitpunkten – vor und nach der Impfung – Blut entnommen. Das wurde mit Hilfe modernster molekularbiologischer Methoden, die unter dem Begriff „Multi-Omics“ zusammengefasst werden, eingehend untersucht. Die dabei generierten riesigen Datenmengen analysierten die Forscher:innen mit Hilfe von Statistik- und Computermodellen. Dabei verfolgten sie die Frage, wie sich die Immunantwort zwischen denjenigen die gut auf die Impfung ansprechen (Respondern) und denjenigen, bei denen die Impfung nicht wirkt (Non-Respondern) unterscheidet. „Wir konnten eine ganze Reihe wichtiger Moleküle ausmachen, die nach der Impfung mit der guten Immunantwort von Respondern korrelierten. Bei den Non-Respondern waren sie dagegen reduziert oder aber gar nicht vorhanden“, erklärt Dr. Saumya Kumar, Wissenschaftlerin in der Arbeitsgruppe von Yang Li am CiiM und Erstautorin der Studie. „Und anders als die Responder zeigten die Non-Responder eine erhöhte Zahl bestimmter aktivierter Immunzellen im Blut, sogenannte natürliche Killerzellen. Die Unterschiede, die wir zwischen Respondern und Non-Respondern auf verschiedensten Untersuchungsebenen ausmachen konnten, waren tatsächlich sehr deutlich.“
In ihrer Studie gingen die Wissenschaftler:innen außerdem der Frage nach, ob sich bereits vor der Impfung vorhersagen lässt, wie gut die Immunantwort ausfallen wird. „Dafür haben wir uns die Blutproben angeschaut, die vor der Impfung genommen wurden. 


Die späteren Non-Responder wiesen vor der Impfung erhöhte Werte von Interleukin-15 auf. 


Hohe Werte dieses Botenstoffs können bei älteren Menschen ein Hinweis auf sich entwickelnde chronische Entzündungsprozesse sein“, sagt Li. 


In anschließenden Untersuchungen im Mausmodell konnten die Forscher:innen zeigen, dass Mäuse, denen die Rezeptoren für den Botenstoff fehlten, eine verbesserte Antwort auf Immunisierung aufwiesen. „Interleukin-15 ist offensichtlich für die ausbleibende Immunantwort verantwortlich und könnte sich daher gut als Vorhersage-Biomarker eignen“, sagt Li. 


„Denkbar wäre auch, erhöhte Werte von Interleukin-15 vor der Impfung durch Gabe geeigneter Wirksubstanzen zu reduzieren, um die Immunantwort zu verbessern. Doch solch ein Ansatz ist tatsächlich noch Zukunftsmusik.“

Die Wissenschaftler:innen zeigten in ihrer Studie noch einen weiteren interessanten Ansatz auf: Die Non-Responder wiesen nämlich vor der Impfung deutlich geringere Konzentrationen langkettiger Fettsäuren in ihrem Blut auf als Responder. 


„Ältere Menschen leiden häufig an Begleiterkrankungen, die mit chronischen Entzündungsprozessen einhergehen.

 

Bestimmte langkettige Fettsäuren wirken entzündungshemmend und unterstützen insgesamt die Entwicklung einer guten Immunantwort“, sagt Kumar. 


„Eine ausreichende Versorgung mit solchen langkettigen Fettsäuren, wie sie in Fischöl oder gesunden Nüssen vorkommen, könnte eine effektive Möglichkeit sein, neben der allgemeinen Gesundheit auch die Immunantwort auf Grippeimpfungen zu verbessern. 


Ob und wie gut das funktioniert, müsste noch erforscht werden.“


„Mit unserer Studie, die erstmals eine so große Kohorte von Teilnehmer:innen aus der Altersgruppe der Über-65-Jährigen umfasste, konnten wir wichtige Einblicke in Ausbildung der Impfantwort nach einer Grippeimpfung bei Älteren geben“, sagt Li. „Wir konnten Schlüsselmoleküle für gute bzw. schlechte Immunantworten identifizieren, anhand derer weiter geforscht werden kann. Wir hoffen, dass unsere Forschungsergebnisse dazu beitragen können, die Immunantwort von Grippeimpfungen bei Älteren künftig weiter zu erhöhen.“

Die Studie entstand in Kooperation mit der MHH und dem TWINCORE, Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung, einer gemeinsamen Einrichtung des HZI und der MHH, und der Universität Lissabon, Portugal. Die Forschungsarbeit wurde durch den ERC Starting Grant ModVaccine (948207) gefördert, der Yang Li verliehen wurde.

Team Nicole Silbermann

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:
Wissenschaftler:innen am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen in Braunschweig und an anderen Standorten in Deutschland bakterielle und virale Infektionen sowie die Abwehrmechanismen des Körpers. Sie verfügen über fundiertes Fachwissen in der Naturstoffforschung und deren Nutzung als wertvolle Quelle für neuartige Antiinfektiva. Als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) betreibt das HZI translationale Forschung, um die Grundlagen für die Entwicklung neuartiger Therapien und Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten zu schaffen. 


http://www.helmholtz-hzi.de

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildung en VOR ORT
Susanne Thiele
susanne.thiele@helmholtz-hzi.de

Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH
Inhoffenstraße 7
D-38124 Braunschweig
Tel.: 0531 6181-1400

Originalpublikation:
Saumya Kumar et al. Systemic dysregulation and molecular insights into poor influenza vaccine response in the aging population.Sci. Adv.10,eadq7006(2024). https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adq7006

Die Sepsis Nachsorge vorbereiten

 Seit 2016 befragte ein Studienteam am Universitätsklinikum Jena Sepsis-Überlebende nach ihrem Gesundheitszustand. Die Mitteldeutsche Sepsis-Kohorte veröffentlicht jetzt Ergebnisse, die großen Bedarf an interdisziplinären Nachsorgeangeboten belegen.

Als eine der weltweit größten Kohortenstudien zu den Langzeitfolgen von Sepsis untersuchte die Mitteldeutsche Sepsiskohorte, wie sich das Leben nach dem Aufenthalt auf der Intensivstation langfristig ändert. 


An dem Studienprojekt des Zentrums für Sepsis und Sepsisfolgen am Universitätsklinikum Jena beteiligen sich fünf große Kliniken, die im Untersuchungszeitraum über 3000 Sepsis-Patientinnen und -Patienten behandelten. 


Mehr als ein Drittel von ihnen verstarb auf der Intensivstation. 


Fast die Hälfte der Überlebenden nahm an den Studieninterviews teil, die Gespräche nach drei, sechs, zwölf Monaten und dann jährlich vorsahen. 250 Teilnehmende konnte das Forschungsteam über den gesamten Studienzeitraum von fünf Jahren begleiten und berichtet jetzt im Fachjournal Lancet Regional Health Europe über die Ergebnisse.

Fast alle leiden an Langzeitfolgen:::

Danach erlitten fast alle Sepsis-Überlebenden Folgeerkrankungen: 


90% haben körperliche Einschränkungen, die vor der Sepsis nicht vorlagen. 


Sechs von zehn beklagen Gedächtnisstörungen und bei vier von zehn traten psychische Folgen ein. 


Häufig leiden Betroffene an mehreren Folgeerkrankungen gleichzeitig. 


„Die Wahrscheinlichkeit, drei Jahre nach der Sepsis den Alltag nicht selbständig bewältigen zu können und auf Pflege angewiesen zu sein, beträgt 25%“, so Carolin Fleischmann-Struzek, die Erstautorin der Studie. 


Zuvor unabhängige Patientinnen und Patienten haben gute Chancen, diese Selbständigkeit zu bewahren. 


Insgesamt kehrt jedoch nur etwa ein Drittel der Sepsis-Überlebenden in die Unabhängigkeit zurück.

Schwere der Sepsis spielt untergeordnete Rolle

Je größer der Hilfebedarf bereits vor der Sepsis-Erkrankung waren, desto wahrscheinlicher ist ein größerer und längerfristiger Unterstützungsbedarf danach. 


Überraschenderweise stellt die Schwere der Akuterkrankung in dieser Hinsicht keinen relevanten Risikofaktor mehr dar.

 Studienleiter André Scherag betont: „Unsere Ergebnisse unterstreichen den Bedarf an breiten, interdisziplinären Nachsorgeangeboten für Sepsis-Überlebende, um die hohe Krankheitslast der Folgen zu reduzieren und Betroffene und Angehörige besser zu unterstützen.“

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildung en VOR ORT


PD Dr. med. Carolin Fleischmann-Struzek
Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Jena
Tel.: +49-(0)-3641-9-323146
carolin.fleischmann@med.uni-jena.de

Prof. Dr. André Scherag
Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Datenwissenschaften
Tel.: +49-(0)-3641-9-396954
andre.scherag@med.uni-jena.de

Originalpublikation:
Fleischmann-Struzek, Carolin et al. Functional dependence following intensive care unit-treated sepsis: three-year follow-up results from the prospective Mid-German Sepsis Cohort (MSC), The Lancet Regional Health – Europe, Volume 46, 101066 https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2024.101066


Weitere Informationen finden Sie unter


Homepage der Mitteldeutschen Sepsiskohorte

Grippeschutzimpfungen

Grippeschutzimpfung 

Der Herbst steht vor der Tür, und mit ihm beginnt auch die jährliche Infektionssaison mit zahlreichen akuten Atemwegserkrankungen. Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher ruft deshalb alle Brandenburgerinnen und Brandenburger wieder zur Grippeschutzimpfung auf: „Die Grippesaison beginnt im Oktober, daher ist jetzt die richtige Zeit, sich impfen zu lassen. Vor allem Risikogruppen sollten nicht mit der Impfung warten. Ältere Menschen und chronisch Kranke haben ein höheres Risiko, dass eine Infektion mit Influenzaviren schwer verläuft. Impfungen verhindern wirksam schwere Verläufe.“

Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt die jährliche Grippeschutzimpfung ab Oktober bis Mitte Dezember insbesondere folgenden Personengruppen:

·         Allen Personen ab 60 Jahren

·         Schwangeren ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel (Trimenon)

·         Chronisch Erkrankten

·         Bewohnerinnen und Bewohnern von Alters- oder Pflegeheimen

·         Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt Lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen gefährden können

·         Personen mit erhöhter Gefährdung (z.B. medizinisches Personal)

·         Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr

Als „Grippesaison“ wird der Zeitraum von der 40. Kalenderwoche bis zur 20. Kalenderwoche des folgenden Jahres bezeichnet. In der zurückliegenden Grippesaison 2023/2024 wurden im gesamten Land Brandenburg 7.584 bestätigte Influenza-Infektionen gemeldet (im Zeitraum Anfang Oktober 2023 bis Mitte Mai 2024). In der Grippesaison 2022/2023 waren es 13.391.

Mediziner raten bereits im Herbst – idealerweise zwischen Oktober und Dezember – zu einer Grippeschutzimpfung, damit der volle Impfschutz rechtzeitig aufgebaut werden kann. Das dauert in der Regel zehn bis 14 Tage.

Der Influenza-Impfstoff (Grippe) wird jedes Jahr angepasst. Informationen hierzu sowie den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind auf der Website des Paul-Ehrlich-Instituts (https://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoffe/influenza-grippe/influenza-node.html?cms_tabcounter=0) abrufbar.

Die Grippeschutzimpfung kann gemäß STIKO-Empfehlung auch zeitgleich mit einer Corona-(Auffrischungs-)Impfung verabreicht werden. Die Immunisierung wird von vielen Ärztinnen und Ärzten durchgeführt, daher sollte man am besten seine Hausärztin oder seinen Hausarzt kontaktieren.

Mehr Informationen zur Grippe und zur Grippeschutzimpfung unter: www.impfen-info.de/grippeimpfung/ 


 

Mit freundlichen Grüßen

Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg

Henning-von-Tresckow-Straße 2-13

14467 Potsdam

Tel: 0331 866-5044

Internet: https://msgiv.brandenburg.de

Entzündete Neuronen

An der Forschungsgruppe „NeuroFlame – Verteidigung und Untergang von entzündeten Neuronen“ sind neben Wissenschaftler:innen des UKE auch Forschende der Ludwig-Maximilians-Universität, der Universität Heidelberg, der Universitätsmedizin Göttingen, der Humboldt Universität zu Berlin, des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie in Berlin und des Karolinska Institutet Stockholm beteiligt.

Prof. Dr. Manuel Friese
Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Telefon: 040 7410-57277
m.friese@uke.de

Ökobilanzierung über die Umweltwirkungen von Abwasserrohrleitungen aus (Stahl-)Beton

Fraunhofer UMSICHT erstellte im Auftrag des FBS (Bundesfachverband Betonkanalsysteme) eine Ökobilanzierung über die Umweltwirkungen von Abwasserrohrleitungen aus (Stahl-)Beton. Diese fungiert gleichzeitig als Verbands-Umweltproduktdeklaration (EPD-Environmental Product Declaration) und ist öffentlich über die ÖKOBAUDAT Datenbank zugänglich. 

Zusätzlich verglich Fraunhofer UMSICHT die Umweltwirkungen von der Rohstoffgewinnung bis zum Recycling von Entwässerungssystemen aus (Stahl-)Beton mit Rohrleitungen aus Kunststoffen.

In der vergleichenden Ökobilanzierung ermittelten die Forschenden von Fraunhofer UMSICHT den Carbon Footprint von Abwasserrohren aus (Stahl-)Beton und vier Kunststoffarten (GFK, PVC, PE, PP)1 über alle verfügbaren Durchmessergrößen. Für den Werkstoffvergleich wurden für einen definierten Durchmesser kommerzielle und öffentlich einsehbare Umweltdaten verschiedener Materialien verwendet und auf eine Lebensdauer von 100 Jahren bezogen.

Bei der Ökobilanzierung berücksichtigten die Forschenden den Energie- und Ressourcenverbrauch für die Herstellungs-, Errichtungs- und Nutzungsphase einschließlich des Recyclings von Abwasserkanalrohren. Die Datengrundlage für Beton- und Stahlbetonrohre wurde durch Fraunhofer UMSICHT als neutrale Institution von den Verbandsmitgliedern des Bundesfachverbandes Betonkanalsysteme erhoben. Weitere Hintergrunddaten stammen aus der »LCA for Experts«-Datenbank und beziehen sich auf Produktionsmengen aus dem Jahr 2021.
Carbon Footprint von Betonrohren vorteilhafter

Die Ergebnisse der Ökobilanzierung für ein Cradle-to-Gate-Szenario (von der Rohstoffgewinnung bis zum Werktor) zeigen: Während der Unterschied zwischen den Werkstoffen im kleinen Nennweitenbereich von 300 mm Innendurchmesser nur gering ist, sind Betonrohre ab einer Nennweite² von 400 mm Innendurchmesser vorteilhafter als Kunststoffalternativen. Betonrohre zeigen auch Vorteile im Carbon Footprint gegenüber Stahlbetonrohren auf, wobei allerdings keine Unterschiede in der Lebensdauer beider Materialien berücksichtigt worden sind. Wird zudem die Entsorgung der Rohre mit einbezogen, zeigen Beton- und Stahlbetonrohre klare Vorteile gegenüber den Kunststoffrohren. »Dies liegt daran, dass Kunststoffrohre vermutlich nur thermisch verwertet – also verbrannt werden – können. Betonrohre könnten teilweise für die Herstellung neuer Betonfertigteile genutzt sowie als gebrochenes Material, beispielsweise im Straßenbau, weiterverwendet werden«, erklärt Dr. Daniel Maga, Abteilung Nachhaltigkeit und Partizipation von Fraunhofer UMSICHT. Nach der Weiterverwendung des Betons findet eine Karbonatisierung von Beton statt, so dass zusätzlich CO2 gebunden wird. Dieser Effekt wurde allerdings aufgrund der Unsicherheit der Daten nicht berücksichtigt.

Die Umweltproduktdeklaration durchlief eine externe Prüfung durch das Institut zur Prüfung und Zertifizierung von Bauprodukten, Sicherheitstechnik und Schutzausrüstung ift in Rosenheim.

1 Glasfaserverstärkter Kunststoff, Polyvinylchlorid, Polyethylen, Polypropylen
2 ungefährer innerer Durchmesser eines Rohrs
Weitere Informationen finden Sie unter
(Daten in Ökobaudat)
(Abteilung Nachhaltigkeit und Partizipation)
(Ökobilanzierung)