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Prof. Dr. Michael Lübbert: Akute myeloische Leukämie - AML bei Erwachsenen - Akute Blutkrebsform: epigenetische Therapie

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Epigenetik statt Chemo: Neue Blutkrebs-Therapie für Ältere

Epigenetische Leukämiebehandlung kann stark belastende Chemotherapie bei Risikopatient*innen ersetzen / Deutlich geringere Nebenwirkungen als bei Chemotherapie / Veröffentlichung im Fachmagazin Lancet Haematology

  • Die akute myeloische Leukämie (AML) ist bei Erwachsenen die häufigste akute Blutkrebsform. 

Bis vor kurzem war eine Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation die Therapie der Wahl. Wissenschaftler*innen des Universitätsklinikums Freiburg zeigen nun im Fachmagazin Lancet Haematology, dass die „epigenetische“ Therapie mit dem Wirkstoff Decitabin bei gleicher Wirksamkeit wie eine Chemotherapie deutlich weniger Nebenwirkungen erzeugt. 

  • Dadurch ist sie auch für ältere, bereits vorerkrankte Menschen möglich, für die eine intensive Chemotherapie zu belastend wäre. 

Die Studie ist am 31. Oktober 2023 erschienen.

„Für viele ältere AML-Patient*innen ist eine intensive Chemotherapie gesundheitlich eher eine Belastung als eine langfristige Hilfe. 

Mit unserer Studie zeigen wir, dass die Alternativtherapie schonender und genauso sicher ist“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Michael Lübbert, Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Justus Duyster), die Notwendigkeit einer weniger aggressiven Therapieform. 

„Die Behandlung ist so erfolgreich, dass epigenetisch wirksame Medikamente wie Decitabin heute bereits flächendeckend bei älteren AML-Patienten eingesetzt werden“, so Lübbert.
Schonende Therapie ohne langen stationären Krankenhausaufenthalt
Die Akute Myeloische Leukämie tritt im Schnitt bei 40 von 100.000 Menschen über 70 Jahren auf. 

AML-Patient*innen erhielten bislang meist eine intensive Chemotherapie und im Anschluss eine Stammzellspende. 

Diese wird auch am Universitätsklinikum Freiburg seit Jahren an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg erfolgreich durchgeführt. 

  • Doch weil eine Chemotherapie gerade für ältere Patient*innen oft belastend ist, war eine nachfolgende allogene Blutstammzell-Transplantation - und somit die Heilung - häufig gar nicht mehr möglich.


In der aktuellen Studie, koordiniert von der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) wurden insgesamt 606 Patient*innen an 54 Standorten in neun Ländern Europas behandelt. 

Verglichen wurden Überleben und Lebensqualität der Patient*innen unter einer Behandlung mit Decitabin oder mit einer Chemotherapie. 

Anders als die Chemotherapie zerstört Decitabin die Krebszellen nicht direkt, sondern beeinflusst, welche Gene in den Krebszellen abgelesen werden. 

So verhindert es eine krankhafte Vermehrung. 

Dabei zeigte sich, dass das Überleben in beiden Therapien gleich war, mit Durchführung der Stammzell-Transplantation bei insgesamt sogar mehr als der Hälfte der Patienten; die Lebensqualität war aber unter Decitabin deutlich besser als unter Standard-Chemotherapie.

„Unter der besser verträglichen Therapie können die Patient*innen oft ihr ganz normales Leben führen, ohne belastende stationäre Krankenhausaufenthalte. 

Das ist für uns, neben der Heilung, ein ganz wichtiges Ziel“, so Lübbert, der auch die EORTC Leukemia Cooperative Group leitet. 

Die Entwicklung neuer epigenetischer Therapien und die Erforschung der entsprechenden grundlegenden biologischen Vorgänge gehört zu den Forschungsschwerpunkten der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg, zum Beispiel im DFG-Sonderforschungsbereich 992, MEDEP.

Die Studie EORTC 1301 (EudraCT-Nummer 2014-001486-27) wurde von der EORTC (Brüssel) in Zusammenarbeit mit mehreren anderen europäischen Studiengruppen organisiert. 

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Prof. Dr. Michael Lübbert
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Originalpublikation:

Originaltitel der Studie: 10-day decitabine versus 3 + 7 chemotherapy followed by allografting in older patients with acute myeloid leukaemia: an open-label, randomised, controlled, phase 3 trial
DOI: 10.1016/S2352-3026(23)00273-9
Link zur Studie: https://doi.org/10.1016/S2352-3026(23)00273-9


Prof. Dr. Roman-Ulrich Müller: Ketogene Ernährung: Vererbare polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD): Wie ketogene Diät bei Zystennieren helfen können

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wenn Ernährung zur Therapie wird: Wenig Zucker und viel Fett gegen Zystennieren

Daten einer randomisierten kontrollierten Ernährungsstudie aus Köln zeigen, dass eine ketogene Ernährung positive Auswirkungen auf die vererbbare polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD) haben kann / Veröffentlichung in „Cell Reports Medicine“

Viel Fett, wenig Kohlenhydrate: 

Wie ketogene Diät bei Zystennieren helfen könnte. 

  • Eine klinische Ernährungsstudie in Köln zeigt vielversprechende Ergebnisse zur Anwendung einer ketogenen Ernährung als mögliche Therapie bei der vererbbaren polyzystischen Nierenerkrankung (ADPKD), auch bekannt als Zystennieren. 

Diese Krankheit betrifft rund zehn Prozent aller Fälle von Nierenversagen und ist die häufigste genetische Nierenerkrankung weltweit. 

Die Studie mit dem Namen Keto-ADPKD wurde von Professor Dr. Roman-Ulrich Müller und seinem Team an der Universitätsklinik Köln und dem Alternsforschungs-Exzellenzclusters CECAD der Universität zu Köln durchgeführt. 

Die translationale Nephrologie unter Leitung von Müller beschäftigt sich am CECAD mit Ernährungsinterventionen, die die Lebensspanne verlängern und Krankheiten entgegenwirken. In der KETO-ADPKD Studie wurde nun eine dieser Ernährungsformen – die ketogene Diät – als Therapie für die polyzystische Nierenerkrankung untersucht. 

Die Studie „Feasibility and impact of ketogenic dietary interventions in polycystic kidney disease: KETO-ADPKD - a randomized controlled trial“ wurde nun im renommierten Journal „Cell Reports Medicine“ als Titelgeschichte veröffentlicht.

Die Topline-Ergebnisse der Studie stellte Müller bereits im November 2022 auf dem Kongress "Kidney Week" der American Society of Nephrology vor. Auch die nun vorliegenden Endergebnisse der Phase-II-like-Studie zeigten, dass eine Umstellung auf eine ketogene Ernährung positive Auswirkungen auf die Nierenfunktion von ADPKD-Patientinnen haben kann. An der Untersuchung nahmen 66 betroffene Patient*innen teil, die in drei Gruppen eingeteilt wurden: Eine Gruppe ernährte sich drei Monate lang ketogen, eine zweite Gruppe praktizierte monatlich dreitägiges Wasserfasten einer Art Nulldiät bei der nur Wasser getrunken wird, was einen ähnlichen Effekt auf den Stoffwechsel hat, wie eine ketogene Diät – und eine dritte Kontrollgruppe, die den gängigen Ernährungsempfehlungen folgte.

  • Bemerkenswert ist, dass 95 Prozent der Patient*innen in der ketogenen Gruppe und 85 Prozent in der Wasserfasten-Gruppe die Ernährung als machbar bewerteten. 

Genau das hatten viele Kritiker vorab in Abrede gestellt: Es sei gar nicht möglich im Alltag die Ernährung entsprechend umzustellen. Das sahen die Teilnehmenden nun anders. Zusätzlich konnten die Forschenden mithilfe von Biomarkern – den Ketonkörpern – ganz genau im Blut der Proband*innen nachweisen, dass sie tatsächlich so gegessen hatten, wie von den Forschenden vorgeschlagen. Entscheidend hierbei war auch das Design der Studie, welche im Gegensatz zu vielen anderen Ernährungsstudien wie eine klassische Medikamentenstudie (randomisiert kontrolliert) aufgesetzt war, und damit höchsten Standards genügt.

  • Die ketogene Diät ist eine Ernährungsweise, die auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint und bei der wenig Kohlenhydrate wie Zucker oder Mehl, dafür aber vermehrt Fette konsumiert werden. 

Diese Ernährungsform wird seit langem auch in Hinblick auf ihre generell lebensverlängernde Wirkung untersucht. Offenbar kann sie von den Patient*innen im Alltag auch umgesetzt werden, das sei eine wichtige Erkenntnis aus der Studie, sagt Forschungsgruppenleiter Müller und schildert es ganz plastisch: „Die Brötchen müssen Sie weglassen und auch die süßen Teilchen; dafür sollten Sie zum Beispiel mehr Olivenöl zu sich nehmen – auch fettreiche Fische wie Lachs sind ein tolles Nahrungsmittel.“

Was die Studie konkret nachweisen konnte: 

Bereits nach nur drei Monaten zeigten sich positive Veränderungen in wichtigen Parametern wie der Nierenfunktion, unerwartete Nebenwirkungen traten dagegen nicht auf. 

Die positiven Veränderungen der Nierenfunktion waren dabei statistisch signifikant und übertrafen die Erwartungen der Forscher, zu denen neben Prof. Müller als Professor für Translationale Nephrologie auch sein Team am CECAD, an der Universität zu Köln und am Universitätsklinikum Köln gehörten – bestehend aus Franziska Grundmann als Co-Senior-Autorin und Leiterin des Klinischen Studienzentrums (Abt. 2 der Inneren Medizin), Sadrija Cukoski und Christoph Lindemann als gemeinsame Erstautoren sowie dem Kooperationspartner Thomas Weimbs und seinem Team an der Universität von Kalifornien, Santa Barbara.

Prof. Dr. Roman-Ulrich Müller ist überzeugt, dass die Ergebnisse der Studie ein wichtiger Schritt in Richtung einer möglichen neuen Therapie für die Zystennierenkrankheit sind. 

Er betont jedoch auch, dass diese Daten aus einer Studie mit Phase-II-like Design noch nicht ausreichten, um eine allgemeine Empfehlung für die ketogene Ernährung bei ADPKD auszusprechen. 

Weitere größere multizentrische Studien seien erforderlich, um die Ergebnisse zu bestätigen und um zu klären, ob sich auch auf längere Sicht nachhaltige Verbesserungen der Nierenfunktion erzielen lassen und Nebenwirkungen ausbleiben.

Generell sei die vorliegende Studie allerdings bereits unter anderem deswegen so wichtig, da sie dank des Designs wie bei einer Arzneimittel-Studie belege, dass Nahrung so wirksam wie ein Medikament sein kann. 

Müller ist überzeugt: „Das könnte der Auftakt für viele ähnliche Ernährungstherapien sein.“ 

Wenn Ernährung zur Therapie wird: Wenig Zucker und viel Fett gegen Zystennieren

 

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Anna Euteneuer Universität zu Köln

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E-Mail-Adresse: anna.euteneuer@uni-koeln.de

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Deutschland
Nordrhein-Westfalen 

Originalpublikation:

https://www.cell.com/cell-reports-medicine/pdf/S2666-3791(23)00477-9.pdf


Das Episodische Gedächtnis: Rhythmische Oszillationen der weiblichen Geschlechtshormone im Verlauf des Menstruationszyklus

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Der hormonelle Zyklus des Gehirns

  • Umbauvorgänge in zentralen Lern- und Gedächtniszentren im menschlichen Gehirn finden im Einklang mit periodischen Schwankungen der Sexualhormone statt. 

Eine neue Studie in Nature Mental Health von Rachel Zsido und Julia Sacher vom MPI CBS und des Universitätsklinikums Leipzig bringt rhythmische Oszillationen der weiblichen Geschlechtshormone im Verlauf des Menstruationszyklus mit Veränderungen im Temporallappen in Verbindung. 

Die Forscherinnen haben das Gehirn der Frauen nicht nur zu einem bestimmten Zeitpunkt untersucht, sondern an sechs verschiedenen Zeitpunkten während des Menstruationszyklus. Die Forscherinnen haben das Gehirn der Frauen nicht nur zu einem bestimmten Zeitpunkt untersucht, sondern an sechs verschiedenen Zeitpunkten während des Menstruationszyklus. MPI CBS

Geschlechtshormone entfalten als Botenstoffe im Gehirn eine eindrucksvolle Wirkung, unter anderem, wenn es um Lernen und Gedächtnis geht: 

  • So kann etwa eine frühe Menopause mit einem erhöhten Risiko für eine beschleunigte Gehirnalterung und Demenz im späteren Leben einhergehen. 

Über die Auswirkungen von hormonellen Schwankungen auf das Gehirn im frühen Erwachsenen-Alter ist jedoch wenig bekannt. Rachel Zsido und Julia Sacher zeigen in ihrer aktuellen Studie, dass auch körpereigene Schwankungen der weiblichen Geschlechtshormone die strukturelle Plastizität des Gehirns während der reproduktiven Jahre beeinflussen.

Die Wissenschaftlerinnen entnahmen dafür 27 Studienteilnehmerinnen Blutproben, untersuchten mit Ultraschall das Wachstum der Follikel in den Eierstöcken der Frauen sowie den Zeitpunkt des Eisprungs und zoomten mithilfe eines 7-Tesla-MRT in die tieferen Ebenen des Gehirns. 

  • Denn dort, im Temporallappen und Hippocampus, sitzen sehr viele Rezeptoren für Sexualhormone und es werden wichtige kognitive Funktionen des Gehirns unterstützt, wie zum Beispiel das episodische Gedächtnis. 

Im Unterschied zu bisherigen Studien haben Zsido und Sacher das Gehirn der Frauen nicht nur zu einem bestimmten Zeitpunkt untersucht, sondern an sechs verschiedenen Zeitpunkten während des Menstruationszyklus. 

Dieses longitudinale Studien-Design erlaubt eine sehr genaue und individuelle Darstellung des jeweiligen Hormon-Profils – das ist wichtig, denn es kommt oft zu starken individuellen Schwankungen und die Muster der Hormonausschüttung sind von Frau zu Frau oft sehr unterschiedlich.  

  • Typischerweise gibt es während des 28 Tage dauernden Zyklus einen starken Anstieg des Hormons Östradiol rund um den Eisprung herum, während Progesteron die zweite Hälfte des Zyklus dominiert. 
  • Östradiol ist eines der wichtigsten Hormone im weiblichen Körper und trägt entscheidend zur Erhaltung des Fortpflanzungssystems bei. 
  • Progesteron, ein weiteres wichtiges Geschlechtshormon, bereitet die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor und wirkt angstlösend, schlaffördernd, entspannend und beruhigend.

Ähnlich wie bei Ebbe und Flut ist das weibliche Gehirn also auf einen ständigen Rhythmus der Hormone eingepegelt, den die Studie erstmals abbildet. 

„Wir konnten feststellen, dass bestimmte Regionen des medialen Temporallappens, die wichtig für das episodische Gedächtnis und die räumliche Wahrnehmung sind, unter hohen Östradiol- und niedrigen Progesteronspiegeln an Volumen zunehmen - das heißt, diese Gehirnareale bauen sich synchron mit dem Menstruationszyklus um. 

Ob diese rhythmischen Veränderungen bei Menschen mit erhöhtem Risiko, an einer Gedächtnis- oder einer affektive Störung zu erkranken, verändert sind, wollen wir in verschiedenen Folgestudien klären.“, sagt Julia Sacher. 

„Generell wird das weibliche Gehirn in den Neurowissenschaften immer noch viel zu wenig untersucht. 

Obwohl wir wissen, dass Sexualsteroidhormone unser Lernen und unser Gedächtnis stark beeinflussen, beschäftigt sich weniger als 0,5 Prozent der Fachliteratur in diesem Bereich mit dem Menstruationszyklus, dem Einfluss von hormonellen Verhütungsmitteln, der Schwangerschaft und der Menopause. 

Das wollen wir ändern, denn um Frauen mit Alzheimer oder Depressionen gezielt behandeln zu können, müssen wir besser verstehen, wie sich das gesunde weibliche Gehirn an Veränderungen anpasst und von Sexualhormonen beeinflusst wird.“ 

MaAB - Medizin am Abend aktuelles Zusatzthema:

Ärztefachverbände lehnen die geplante Legalisierung von Cannabis zu Konsumzwecken ab. Sowohl der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) als auch die Bundesärztekammer (BÄK) begründeten ihre Haltung in einer Expertenanhörung über das Cannabisgesetz der Bundesregierung (20/8704) insbesondere mit der Gefährdung von Kindern und Jugendlichen. Andere Sachverständige würdigten hingegen den mit der Reform einhergehenden Paradigmenwechsel in der Drogenpolitik. Die Experten äußerten sich in der Anhörung des Gesundheitsausschusses am Montagabend sowie in schriftlichen Stellungnahmen.

Der Gesetzentwurf sieht den legalen Besitz und Konsum von Cannabis für Erwachsene vor. Erwachsenen ist künftig der Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis für den Eigenkonsum erlaubt. Möglich werden soll zudem der private Eigenanbau von bis zu drei Cannabispflanzen zum Eigenkonsum. Außerdem dürfen nichtgewerbliche Anbauvereinigungen Cannabis künftig anbauen und an ihre Mitglieder zum Eigenkonsum weitergeben.

Die BÄK erklärte, die formulierten Ziele des Gesetzentwurfs würden mit den vorgesehenen Regelungen nicht erreicht. Es sei keine realistische Erwartung, dass Kinder und Jugendliche vor einem Zugang zu Cannabis wirksam geschützt werden könnten. Die Regelungen zum Gesundheitsschutz, zum Kinder- und Jugendschutz sowie zur Prävention führten nur zu einem erheblichen Kontrollaufwand bei ohnehin überlasteten Behörden. Die BÄK wertete die geplante Legalisierung als relevante Gefährdung der psychischen Gesundheit und der Entwicklungschancen der jungen Generation.

Ähnlich argumentierte der Verband der Kinder- und Jugendärzte. Es sei anzuerkennen, dass Kinder und Jugendliche auch künftig keinen Cannabis besitzen und konsumieren dürften. Der BVKJ gehe jedoch davon aus, dass die Freigabe von Cannabis für Erwachsene schwerwiegende negative Auswirkungen auf Jugendliche und Heranwachsende haben werde. Es sei nicht erkennbar, dass die vorgesehenen Schutzvorkehrungen kontrollierbar und durchsetzbar seien.

Skeptisch äußerte sich auch die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), die von Cannabis als einer nicht harmlosen Droge sprach. Cannabis könne, anders als früher angenommen, auch körperlich abhängig machen und berge insbesondere das Risiko, an einer Psychose zu erkranken. Strenge Jugendschutzregelungen seien bei jeder Droge unerlässlich, ob Cannabis, Alkohol oder Tabak.

Die Neue Richtervereinigung (NV) begrüßte das Anliegen des Entwurfs, weil eine Kriminalisierung des Besitzes von Cannabis zum Eigenkonsum nicht mehr zu rechtfertigen sei. Allerdings sollte die Vorlage optimiert werden. Sollten im Eigenanbau aus drei Pflanzen mehr als 25 Gramm Cannabis gewonnen werden, drohe eine normsinnwidrige Kriminalisierung von Erntenden. Es sei für Konsumenten zudem kaum erkennbar, ob sie sich gerade innerhalb einer 200-Meter-Kosumverbotszone befänden.

Der Deutsche Richterbund befürchtet nach der Freigabe eine deutliche Verschlechterung der Lage. Es würden neue Straftatbestände geschaffen, die mit einem erheblichen Ermittlungsaufwand verbunden seien. Zu rechnen sei mit einem Missbrauch von Anbauvereinigungen und einer Stärkung des Schwarzmarktes.

Der Branchenverband Cannabiswirtschaft (BvCW) erklärte, es sei ein Irrglaube, dass sich der illegale Markt ohne Einbeziehung der Wirtschaft spürbar zurückdrängen lasse. Nur Akteure der Wirtschaft könnten durch Effizienz, Qualität und Verfügbarkeit „wettbewerbsfähig“ zu illegalen Marktakteuren werden.

Der Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik (akzept) erklärte, es sei richtig und überfällig, den Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis zum Eigenkonsum, den privaten Eigenanbau und den gemeinschaftlichen Eigenanbau nebst Weitergabe von Cannabis in Anbauvereinigungen straffrei zu ermöglichen. Nicht sinnvoll sei es jedoch, den Konsum von Cannabis in Anbauvereinigungen zu verbieten. Zudem seien die Auflagen für die Vereinigungen zu kleinteilig und bürokratisch.

Ein Vertreter der Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte in der Anhörung ein Präventionspaket zugunsten der Verkehrssicherheit mit der Festsetzung eines niedrigen THC-Grenzwertes. Die Auswirkungen des Cannabis-Konsums auf den Straßenverkehr würden bisher vernachlässigt.

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Prof. Julia Sacher
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Originalpublikation:

Rachel G. Zsido, Angharad N. Williams, Claudia Barth, Bianca Serio, Luisa Kurth,Toralf Mildner, Robert Trampel, Frauke Beyer, A. Veronica Witte, Arno Villringer & Julia Sacher: „Ultra-high-field 7T MRI reveals changes in human medial temporal lobe volume in female adults during menstrual cycle“
In: Nature Mental Health volume 1, pages 761–771 (2023)
https://www.nature.com/articles/s44220-023-00125-w


Weitere Informationen:
https://www.cbs.mpg.de/2183557/20231013?c=2470

Gemeinsame Termine bei ärztlichem Fachpersonal - SMAs

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue Forschungsergebnisse zeigen: Gemeinsame Arzttermine erhöhen das Engagement der Patientinnen und Patienten

Laut neuer Forschungsergebnisse der ESMT Berlin erhöhen gemeinsam genutzte Termine bei ärztlichem Fachpersonal das Engagement der erkrankten Personen, in dem sie mehr Fragen stellen, mehr kommentieren und ein höheres Maß an nonverbalem Engagement zeigen, was zu einem größeren Nutzen für die anderen Betroffenen in den Sitzungen führt.

Im Gesundheitswesen wird die Einzelbetreuung oft als Ideal angesehen, da allgemein davon ausgegangen wird, dass individuelle Betreuung auch das Behandlungsergebnis verbessert. 

Bei gemeinsam durchgeführten Terminen werden die Patientinnen und Patienten in Gruppen betreut. 

Diese Form der Betreuung wurde bislang kritisiert, da befürchtet wird, dass der Verlust von Privatsphäre und der persönlichen Beziehungsebene zwischen Behandelnden und Behandelten ein geringeres Engagement der Erkrankten zur Folge haben könnte. 

  • Die vorliegenden Untersuchungsergebnisse zeigen jedoch am Beispiel augenärztlicher Versorgung, dass dies nicht unbedingt der Fall sein muss.

Nazlı Sönmez von der ESMT Berlin, Kavitha Srinivasan und Rengaraj Venkatesh vom Aravind Eye Hospital in Indien, Ryan W. Buell von der Harvard Business School und Kamalini Ramdas von der London Business School untersuchten die Auswirkungen gemeinsamer Ärztinnen- und Arzttermine (SMAs) auf die Bindung zu den Behandelten. 

  • Bei SMAs treffen sich die Patientinnen und Patienten mit dem ärztlichen Fachpersonal in einer Gruppe, wobei nacheinander behandelt wird. 
  • Die Ärztin oder der Arzt tauscht sowohl Informationen aus, die auf die Bedürfnisse des einzelnen Betroffenen zugeschnitten sind, als auch Informationen, die für alle Teilnehmenden mit der gleichen Erkrankung relevant sein können.

Die Forschenden führten am Aravind Eye Hospital eine randomisierte, kontrollierte Studie mit 1.000 Patientinnen und Patienten durch, die sich über einen Zeitraum von drei Jahren einer Glaukom-Behandlung unterzogen. Sie wurden dazu in Gruppen zu je fünf Teilnehmenden für Einzeltermine oder SMAs eingeteilt, wobei jede Person vier Termine im Abstand von vier Monaten wahrnahm. Anhand der Wort- und Verhaltensprotokolle der Videoaufzeichnungen, die während der Studie erstellt wurden, untersuchten die Forschenden, wie sich SMAs auf das Engagement der Betroffenen auswirken.

Im Durchschnitt stellten Patientinnen und Patienten, die an SMAs teilnahmen, pro Minute 33,3 % mehr Fragen und machten 8,6 % mehr Kommentare. 

Bei mehreren Erkrankten in einer SMA führte eine Steigerung des Engagements dazu, dass alle innerhalb der Gruppe mehr Kommentare hörten.

Patientinnen und Patienten in SMAs zeigten auch ein höheres Maß an nonverbalem Engagement bei einer Vielzahl von Messgrößen, darunter Aufmerksamkeit, Positivität, Kopfwackeln (eine südindische Geste, die Zustimmung oder Verständnis signalisiert), Augenkontakt und Zufriedenheit am Ende des Termins.

„Unsere Analyse wirft ein Licht auf die Vorteile der Gestaltung von Dienstleistungsmodellen, die es den Kundinnen und Kunden ermöglichen, sich gegenseitig zu helfen. 

Das führt zu effizienteren Dienstleistungsbegegnungen im Gesundheitswesen und darüber hinaus”, sagt Nazlı Sönmez, Assistenzprofessorin für Managementwissenschaften an der ESMT. 

“Während unserer Studie haben unsere ärztlichen Partner beobachtet, dass die Teilnehmenden in SMAs durch die Fragen und Kommentare der anderen Erkrankten motiviert wurden, bestimmte Fragen selbst zu stellen.”

Diese Ergebnisse zeigen, dass die gemeinschaftliche Erbringung von Dienstleistungen das Potenzial hat, das Engagement der Kundinnen und Kunden zu erhöhen und so die Qualität der Dienstleistungen zu verbessern, insbesondere im Gesundheitswesen. 

  • Die Gestaltung von SMAs ermöglicht es den Erkrankten, mehr Zeit mit dem ärztlichen Fachpersonal zu verbringen, wenn auch gemeinsam mit anderen Personen. 

Auch die Behandelnden verbringen mehr Zeit mit ihren Patientinnen und Patienten, insgesamt mehr als 600 % mehr Zeit, wie die Studie zeigt. 

Das wirkt sich nicht zuletzt positiv auf die Qualität und die Wertschöpfung aus.

Diese Studie wurde in der Zeitschrift Manufacturing and Services Operations Management veröffentlicht und kann hier eingesehen werden: https://pubsonline.informs.org/doi/abs/10.1287/msom.2021.0012

Über die ESMT Berlin
Die ESMT Berlin ist die höchstplatzierte Business School in Deutschland und die erste und einzige deutsche Wirtschaftsuniversität in den europäischen Top 10. Von 25 führenden globalen Unternehmen gegründet, bietet die ESMT Master-, MBA- und PhD-Studiengänge sowie Managementweiterbildung an. Die Kurse werden auf dem Berliner Campus, an Standorten weltweit, online sowie als hybride Kurse mit Teilpräsenz angeboten. Mit einem Fokus auf Leadership, Innovation und Analytics veröffentlichen die Professorinnen und Professoren der ESMT regelmäßig ihre Forschungsergebnisse in führenden wissenschaftlichen Zeitschriften. Zusätzlich bietet die ESMT eine Plattform für den Diskurs zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Die ESMT ist eine staatlich anerkannte private wissenschaftliche Hochschule mit Promotionsrecht, akkreditiert von AACSB, AMBA, EQUIS und FIBAA, und engagiert sich für Vielfalt, Gleichstellung und Inklusion in all ihren Aktivitäten und Gemeinschaften.


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Prof. Dr. Christiane Angermann: Akuten Herzinsuffizienz und Chronische Herzinsuffizienz und Eisenmangel

Medizin am Abend Berlin - MaAB Fazit: SGLT2-Hemmer stärken das Herz durch verbesserten Eisenstoffwechsel

Bei der Entschlüsselung der Wirkmechanismen der Wunderdroge SGLT2-Hemmer einen entscheidenden Schritt weiter

Eine Post-hoc-Analyse der EMPA-TROPISM-Studie zeigt, dass die positiven Auswirkungen einer Empagliflozin-Behandlung bei Herzinsuffizienz-Patientinnen und -Patienten mit Effekten des SGLT2-Hemmers auf den Eisenmetabolismus zusammenhängen könnten. 

Prof. Dr. Christiane Angermann vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz am Uniklinikum Würzburg (UKW) ist nun mit einem internationalen Team bei der Entschlüsselung der Wirkmechanismen von SGLT2-Hemmern einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. 

Prof. Dr. Christiane Angermann vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz am Uniklinikum Würzburg (UKW) ist nun mit einem internationalen Team bei der Entschlüsselung der Wirkmechanismen von SGLT2-Hemmern einen entscheidenden Schritt weiter gekommen.R. KochanowskiR. Kochanowski / DZHI Würzburg / UKW

Jeder zweite Mensch mit einer chronischen Herzinsuffizienz weist einen Eisenmangel auf, auch deshalb, weil sie weniger Eisen aus der Nahrung über den Darm aufnehmen. 

  • Bei einer akuten Herzinsuffizienz leiden sogar bis zu 80 Prozent der Erkrankten unter einem Mangel an diesem lebenswichtigen Spurenelement, das für die Energieproduktion der Zellen, für die Blutbildung und die Sauerstoffversorgung von entscheidender Bedeutung ist. 

Während Eisenmangel schon bei Gesunden die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität mindert, kann er bei Herzinsuffizienz zudem das Risiko für Krankenhauseinweisungen erhöhen und die Prognose verschlechtern. 

  • Deshalb empfiehlt die Leitlinie der European Society of Cardiology (ESC), bei Herzinsuffizienz regelmäßig den Eisenstatus zu überprüfen und gegebenenfalls Eisen intravenös zu supplementieren.

Allzweckwaffe SGLT-2-Hemmer

  • Sodium-Glukose-Transporter 2 (SGLT-2)-Hemmer scheinen auch Effekte auf den Eisenstoffwechsel zu haben. 

Die als neue Wunderwaffe gehandelten, auch Gliflozine genannten Medikamente wirken bei Diabetes mellitus und Niereninsuffizienz, reduzieren zudem hoch signifikant das Risiko für eine Verschlechterung der Herzinsuffizienz, Klinikeinweisungen oder frühzeitigen Tod. Die zugrundeliegenden Wirkmechanismen sind noch unvollständig verstanden.
Wie wirkt sich Empagliflozin auf den Eisengehalt im Myokardgewebe aus?

Prof. Dr. Christiane Angermann vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) am Uniklinikum Würzburg (UKW) ist nun mit einem internationalen Team bei der Entschlüsselung der Wirkmechanismen dieser Substanzklasse einen entscheidenden Schritt weitergekommen. In der am 26. Oktober 2023 im Fachjournal Nature Cardiovascular Research publizierten Studie EMPATROPISM-FE, einer Post-hoc-Analyse der randomisierten und kontrollierten EMPA-TROPISM-Studie, identifizierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Effekte auf den Eisenstoffwechsel als möglichen Mechanismus für Verbesserungen der Struktur und Funktion des Herzens bei nicht-diabetischen Patientinnen und Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz.

  • „In jüngerer Zeit wurden komplexe Proteom-Verschiebungen durch SGLT2-Inhibitoren unter anderem hinsichtlich der Eisenregulation aufgedeckt. 
  • Weiter war sehr auffällig, dass sich diese Medikamente auf die Funktion vieler Organe, aber zum Beispiel auch auf die Bildung roter Blutkörperchen positiv auswirkten, und zudem Labormarker des Eisenstoffwechsels im Blut veränderten. 
  • Bemerkenswert fanden wir auch, dass Effekte von SGLT2-Inhibitoren schon sehr rasch, nämlich innerhalb von zwei Wochen zu beobachten waren. 

Unabhängig von der SGLT2-Inhibitor-Forschung deuteten schließlich neue Studien darauf hin, dass ein insuffizienter Herzmuskel vermindert Eisen aufnimmt und nutzt, mit gravierenden Auswirkungen auf seinen Energiehaushalt. Vor diesem Hintergrund wollten wir herausfinden, ob die Therapie mit einem SGLT2-Inhibitor wie Empagliflozin hier möglicherweise gleichsam einen Schalter umlegt, so dass die Zellen plötzlich wieder in der Lage sind, mehr Eisen aufzunehmen und zu nutzen“, erklärt Christiane Angermann die Hintergründe der Substudie EMPATROPISM-FE.

Sättigung des myokardialen Eisengehalts korreliert mit Herzleistung

In der EMPA-TROPISM-Studie wurde bereits gezeigt, dass der SGLT2-Inhibitor Empagliflozin den Herzinsuffizienz-bedingten kardialen Umbau teilweise wieder rückgängig machen kann. 

Die Größe und Masse der erweiterten linken Herzkammer nahm im Vergleich zur Placebo-Gruppe signifikant ab, während die linkventrikuläre Ejektionsfraktion, also die Menge des pro Herzschlag ausgeworfenen Blutes, und die körperliche Leistungsfähigkeit bei Belastung entsprechend zunahmen.

In der EMPATROPISM-FE Studie hat das DZHI gemeinsam mit Tanja Zeller, Professorin für Genomik und Systembiologie vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Kolleginnen und Kollegen des Cardiovascular Institute, Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York, an Biomaterialien und kardialen Magnetresonanztomogrammen von 80 der 84 Studienteilnehmenden untersucht, in wieweit diese Behandlungseffekte mit dem Eisenstoffwechsel zusammenhängen. Durchgeführt wurden dazu Analysen des Eisengehaltes im Herzmuskel, der Biomarker des Eisenstoffwechsels im Plasma sowie des roten Blutbildes.

Dabei stellte sich zunächst heraus, dass die meisten Teilnehmenden bereits bei Studienbeginn erniedrigte Eisenwerte hatten, ein Eisenersatz war aber in keinem Fall erfolgt. 

Der mittels kardialer Magnetresonanztomographie gemessene Eisengehalt im Herzmuskel stieg trotzdem unter der Behandlung mit Empagliflozin signifikant an, nicht aber unter Placebo.  

Die Änderungen der sogenannten T2*-Relaxationszeiten innerhalb von sechs Monaten korrelierten dabei signifikant mit den Veränderungen der Volumina, der Muskelmasse und der Auswurffraktion der linken Herzkammer, des maximalen Sauerstoffverbrauchs unter Belastung und der 6-Minuten-Gehstrecke. 

Und auch die Laborwerte zeigten nach der Empagliflozin-Therapie eine vermehrte Nutzung von Eisen in den Körpergeweben, zum Beispiel im Herzmuskel, und bei der gesteigerten Neubildung von roten Blutkörperchen.

  • Alle Befunde sprachen dafür, dass ein höherer Eisengehalt und eine bessere Eisennutzung im Herzmuskel unter einer SGLT2-Inhibitortherapie die günstigen klinischen Effekte von SGLT2-Inhibitoren bei Herzinsuffizienz erklären könnten.

Gibt es weitere günstige Effekte der SGLT2-Inhibitoren, die mit Eisenstoffwechsel zusammenhängen?

„Unsere Studienergebnisse legen nahe, dass sogar bei Eisenmangel durch die Therapie mit Empagliflozin fehlendes Eisen im Herzmuskel ergänzt und metabolisch genutzt werden kann, dass die kardiale Struktur und Funktion sich verbessern und dass die Blutbildung zunimmt, wobei sich jedoch die Eisenspeicher weiter entleeren. 

Das bedeutet, dass es auch eine mögliche Synergie zwischen SGLT2-Inhibitoren und Eisenersatztherapie geben könnte,“ sagt Christiane Angermann. 

„Ob andere günstige Effekte der SGLT2-Inhibitoren, zum Beispiel auf die Nierenfunktion, ebenfalls zumindest teilweise mit dem Eisenstoffwechsel zusammenhängen, oder ob die Eisenaufnahme über den Darm durch Empagliflozin verbessert wird, bleibt zu klären. 

EMPATROPISM-FE war keine große Studie, und wurde zudem post-hoc geplant. 

Sie diente vor allem dazu, Hypothesen zu generieren, die nun durch größere prospektive Studien weiter geprüft und bestätigt werden müssen.“ 

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Angermann, C.E., Santos-Gallego, C.G., Requena-Ibanez, J.A. et al. Empagliflozin effects on iron metabolism as a possible mechanism for improved clinical outcomes in non-diabetic patients with systolic heart failure. Nat Cardiovasc Res (2023). https://doi.org/10.1038/s44161-023-00352-5


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https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0735109720377536?via%3Dihub EMPA-TROPISM-Studie


Prof. Dr. Ulf Landmesser: Prof, Dr. Sabine Klaassen: Fortbildungen zur Kardiogenik im Thema der Herz-Kreislauferkrankungen

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Fachleute fordern breiteren Einsatz der Gendiagnostik bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind erblich bedingt. 

Sie lassen sich heute relativ einfach, kostengünstig und schnell mittels Gendiagnostik nachweisen. 

In Deutschland wird diese Technik jedoch nur unzureichend genutzt. 

Beispielhaft stehen bundesweit auch zur Verfügung: 

https://www.ukm.de/institute/herzgenetik 

https://www.ikdt.de/de/willkommen/

In einem Konsensuspapier der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), der Gesellschaft für Humangenetik (GfH) und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) fordern Fachleute deshalb, die Möglichkeiten der Gendiagnostik für Früherkennung, Diagnose und Therapie besser zu nutzen. 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) waren maßgeblich an der Erstellung des Papiers beteiligt.

Medizinische Forschung braucht oft Jahrzehnte, um in die Praxis umgesetzt zu werden. 

Dann aber können die neuen Erkenntnisse und Techniken einen großen Unterschied machen, um Krankheiten besser zu erkennen und zu heilen - wie etwa die Gendiagnostik. „Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden durch Defekte in einem oder wenigen Genen verursacht. Zudem manifestieren sich solche Krankheiten oft erst im Erwachsenenalter, weshalb es hilfreich ist, sie frühzeitig zu erkennen“, sagt Prof. Sabine Klaassen. Sie ist Mitautorin des Konsensuspapiers „Gendiagnostik bei kardiovaskulären Erkrankungen“ und Leiterin der Forschungsgruppe Klinische Kardiogenetik am Experimental and Clinical Research Center (ECRC) sowie Fachärztin am Deutschen Herzzentrum Charité (DHZC).

Die krankheitsauslösenden Gene sind von Geburt an vorhanden. Ab wann sich daraus eine Krankheit entwickelt und wie stark sie sich ausprägt, ist sehr unterschiedlich. Es hängt davon ab, wie sich die jeweils vorliegende krankmachende Sequenzvariante auswirkt. Modulierende Umweltfaktoren können ebenfalls eine Rolle spielen. Das Konsensuspapier beschreibt Bedeutung, Vorgehen und rechtliche Regelungen der molekulargenetischen Diagnostik und gibt diagnostische Empfehlungen für die wichtigsten genetisch bedingten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, von denen derzeit nur ein kleiner Teil ermittelt wird. „Mit unseren Empfehlungen wollen wir eine bessere Versorgung der Patienten ermöglichen: Eine genaue Diagnose zu stellen, Krankheitsursachen zu finden und zu entscheiden, wie der Patient behandelt werden kann“, sagt Prof. Sabine Klaassen.

Werden Gendefekte frühzeitig erkannt, kann man Prognose und Lebensqualität der Betroffenen verbessern

Gendiagnostik wird vor allem zur Differentialdiagnose eingesetzt: 

Ein krankhaft verändertes Herz kann verschiedene Ursachen haben. 

Die Genetik hilft einzugrenzen, um welche Erkrankung es sich handelt und welche Ursache ihr zugrunde liegt - etwa bei den Kardiomyopathien, die mit einem verdickten Herzmuskel einhergehen. 

Meist ist Bluthochdruck die Ursache, es kann aber auch ein Gendefekt vorliegen. 

Je nach Diagnose gibt es hier wirksame Therapien.

  • Eine weitere wichtige Erkrankung, bei der die Gendiagnostik helfen kann, sind erbliche Herzrhythmusstörungen. 

Sie können, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden, zum plötzlichen Herztod führen. 

Auslöser ist ein defektes Gen. Betroffene Patientinnen und Patienten können gut geschützt werden: Sie erhalten vorsorglich einen Defibrillator; auch Betablocker schützen. „Wichtig ist, auch Verwandte zu untersuchen und nach dieser Veränderung in deren Erbgut zu fahnden“, betont Prof. Sabine Klaassen.

Die häufigste Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems, die durch den Defekt eines einzelnen Gens verursacht wird, ist die familiäre Hypercholesterinämie (FH). Betroffene haben ein erhöhtes Risiko, frühzeitig einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, was bei ihnen nicht auf einen ungünstigen Lebens- oder Ernährungsstil zurückzuführen ist. „Wir müssen Patienten mit FH-Gendefekten herausfiltern, denn bei ihnen kann das Herzinfarktrisiko durch Medikamente wie Statine oder PCSK9-Hemmer deutlich gesenkt werden“, erklärt Prof. Heribert Schunkert, Principal Investigator am DZHK-Standort München und Letztautor des Konsensuspapiers. 

Mit Prof. Ulf Landmesser und Prof. Benjamin Meder gehören zwei weitere DZHK-Forscher zur Autorengruppe. 

Prof. Ulf Landmesser vom Deutschen Herzzentrum Charité sagt: 

"Die genetische Diagnostik wird eine immer wichtigere Rolle im Precision Management von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen und gleichzeitig eine frühzeitige Diagnose bei Familienmitgliedern ermöglichen.“

Mehr Spezialambulanzen und mehr Aufklärung in der Bevölkerung notwendig

Das Papier ist die Neuauflage eines Positionspapiers aus dem Jahr 2015. 

„Seither hat sich der Wissensstand deutlich verbessert, und technisch wäre eine breitere Anwendung der Gendiagnostik kein Problem“, sagt Prof. Sabine Klaassen. 

Zudem übernehmen die Krankenkassen inzwischen in vielen Fällen die Kosten für eine Gensequenzierung. 

Bei der Umsetzung der Empfehlungen zur Gendiagnostik gibt es nach Ansicht des Autorenteams aber noch große Defizite: 

So gebe es zu wenige spezialisierte Ambulanzen in Krankenhäusern und Kliniken, zudem müsse mehr medizinisches Personal entsprechend geschult werden. 

„Wir brauchen mehr spezialisierte Ambulanzen, damit Betroffene genauer diagnostiziert, zentraler betreut und besser beraten werden können“, sagt Prof. Sabine Klaassen. 

Zudem seien die Möglichkeiten der Gendiagnostik in der Bevölkerung noch zu wenig bekannt.

Derzeit erarbeitet die DGK eine zusammenfassende Pocket-Leitlinie mit Empfehlungen für niedergelassene Ärzte und Klinikpersonal. Auch Fortbildungen zur Kardiogenetik sind in Vorbereitung. 

Diese sollen über die Ärztekammern angeboten werden. 

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Prof. Sabine Klaassen, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Angeborene Herzfehler - Kinderkardiologie, 

https://kinderkardiologie.charite.de/metas/kontakt_aufnehmen_mit/adresse/prof_dr...

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Originalpublikation:

Gendiagnostik bei kardiovaskulären Erkrankungen - Konsensuspapier der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), der Gesellschaft für Humangenetik (GfH) und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK), Die Kardiologie, 17, S. 300–349 (2023) https://link.springer.com/article/10.1007/s12181-023-00622-3