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PWV - Pulswellengeschwindigkeit als Marker für das Risiko von Gefäßerkrankungen s

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Erste Referenzwerte für Pulswellengeschwindigkeit erleichtern Vorhersage und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Das Risiko für Schlaganfall sowie Herz- und Nierenerkrankungen erhöht sich mit zunehmender Steifigkeit der Gefäße. 

Die Pulswellengeschwindigkeit (Pulse Wave Velocity, PWV) hat sich als Marker für die Gefäßsteifigkeit etabliert, doch bislang fehlten Vergleichsdaten, um die Messwerte richtig einordnen zu können. 

Eine neue Metaanalyse aus Innsbruck liefert nun erstmals globale Referenzwerte für die Pulswellengeschwindigkeit und damit die Grundlage für eine gezielte Risikoabschätzung. 

 Die Neurologen Stefan Kiechl (li.) und Raimund Pechlaner legen erstmals Länder-spezifische Referenzwerte für die Pulswellengeschwindigkeit vor.

Die Neurologen Stefan Kiechl (li.) und Raimund Pechlaner legen erstmals Länder-spezifische Referenzwerte für die Pulswellengeschwindigkeit vor. C. Simon MUI / C. Simon

Im Lauf des Lebens lässt die Elastizität unserer Gefäße nach. 

Verschiedenste Faktoren tragen dazu bei, neben Risikofaktoren wie dem Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck oder Bewegungsmangel auch Gefäßverkalkung und der natürliche Alterungsprozess.

  • „Werden die Gefäße steifer, dann steigt auch die Ausbreitungsgeschwindigkeit der vom Herzschlag ausgelösten Welle entlang der Aorta und der Arterien an. 

Die Pulswellengeschwindigkeit ist also ein direkter Indikator für die Gesundheit und Elastizität unseres Gefäßsystems“, weiß Stefan Kiechl, Direktor der Univ.-Klinik für Neurologie an der Medizin Uni Innsbruck und wissenschaftlicher Leiter des Forschungszentrums VASCage.

Gezieltere Risikovorhersage

Dem großen Nutzen der PWV als Marker für das Risiko von Gefäßerkrankungen stand bislang jedoch das Fehlen geeigneter Referenzwerte gegenüber. „Die PWV kann sehr unterschiedlich sein und wird nicht nur durch Alter und Geschlecht, sondern auch durch geografische Faktoren, sozio-ökonomischen Hintergrund und Genetik bestimmt“, so der Innsbrucker Neurologe Raimund Pechlaner, der gemeinsam mit Stefan Kiechl bereits vor zwei Jahren nachweisen konnte, dass die Gefäßsteifigkeit bei Frauen nach der Menopause schnell zunimmt, sodass Frauen im hohen Lebensalter sogar steifere Gefäße als Männer aufweisen.

Um die Variabilität der PWV darstellen und valide Referenzwerte berechnen zu können, führten die Innsbrucker Neurologen gemeinsam mit Sophia Kiechl (VASCage) sowie KollegInnen in London und Changsha, China eine Metaanalyse durch. Dafür wurden weltweit alle verfügbaren PWV-Messungen kombiniert. Insgesamt wurden 167 Studien aus 34 Ländern mit gemeinsam über 500.000 TeilnehmerInnen, darunter die VASCage-Studien EVA und EVA4You, zusammengeführt. Erfasst wurden jeweils Messergebnisse der Oberarm-Knöchel- oder Karotis-Femoral-PWV (baPWV oder cfPWV) bei für die Gesamtbevölkerung repräsentativen StudienteilnehmerInnen.

„Unsere Daten belegen etwa, dass in China und anderen Ländern des asiatischen Raums höhere Pulswellengeschwindigkeiten gemessen werden, was das gehäufte Auftreten von Kleingefäß-Schlaganfällen und Hirnblutungen in China und anderen asiatischen Ländern erklären könnte“, berichtet Kiechl über Ergebnisse der aktuellen Arbeit, die Länder-spezifische Referenzwerte für die Pulswellengeschwindigkeit bietet und im renommierten Fachjournal eBioMedicine, einem Mitglied der Lancet-Journalfamilie, veröffentlicht wurde.

  • Der Neuwert der nun berechneten Schwellenwerte liegt in der verbesserten Vorhersage des individuellen kardiovaskulären Risikos. 

„Damit lassen sich in der Folge gezieltere Therapieentscheidungen treffen, zumal die Gefäßsteifigkeit durch die Änderung des Lebensstils beeinflussbar ist. 

Schon kurze Zeit nach einem Rauchstopp etwa werden Gefäße wieder elastischer“, betont Kiechl.

Nachdem die Messung der PWV eine einfache, nicht invasive und gut reproduzierbare Methode zur Bestimmung der Gefäßsteifigkeit ist und nun erstmals weltweite Referenzwerte vorliegen, wollen Stefan Kiechl und Raimund Pechlaner im nächsten Schritt untersuchen, ob sich die PWV besonders auch für HochrisikopatientInnen als standardisierter Vorhersagewert eignet.

Zu den Personen:
Stefan Kiechl ist Direktor der Univ.-Klinik für Neurologie an der Medizinischen Universität Innsbruck. Er ist Chief Scientific Officer von VASCage, demResearch Centre on Vascular Ageing and Stroke, das auf Gefäßalterung und Schlaganfall fokussiert und verbesserte Strategien zur Vorbeugung, Diagnose, Therapie und Rehabilitation von Gefäßerkrankungen entwickelt. Er ist Past Präsident der Österreichischen Schlaganfallgesellschaft und Chair of the Congress Planning Group der Weltschlaganfallorganisation und hat bis dato mehr als 400 Publikationen (H-Faktor = 94) veröffentlicht. 2016 hat Kiechl den Research Excellence Award der Europäischen Schlaganfallorganisation erhalten.

Raimund Pechlaner ist Oberarzt und Leiter der Schlaganfall-Station an der Univ.-Klinik für Neurologie der Medizinischen Universität Innsbruck. Nach dem Medizinstudium in Innsbruck und Besançon (Frankreich) dissertierte er bei Stefan Kiechl, wofür er den „Award of Excellence“ der Republik Österreich erhielt, ehe er als PostDoc an das King’s College London wechselte (Cardiovascular Proteomics group, Manuel Mayr). Raimund Pechlaner ist Autor von 51 Publikationen (H-Faktor = 20), darunter führende Autorenschaften in Journal of the American College of Cardiology und Circulation.


Originalpublikation:

https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2023.104619

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Dr. Alex Faesen: Autophagie-Prozess, wörtlich Selbstfressen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Blick ins Herz der zellulären Müllabfuhr

  • Damit die Zellen unseres Körpers nicht vor Müll überquellen und gesund bleiben, wird der Abfall in ihrem Inneren ständig entsorgt. 

Dieser Reinigungsprozess nennt sich Autophagie. 

Wissenschaftler*innen haben jetzt erstmals die komplexe Nanomaschine im Labor nachgebaut, die diesen Vorgang startet – und diese arbeitet ganz anders als andere zelluläre Maschinen. 

Die neuen Einsichten der Forschenden könnten zukünftig dazu beitragen, neue Ansätze in der Behandlung von Krebs, Immunstörungen und neurodegenerativen Erkrankungen zu eröffnen und künftig möglicherweise sogar das Altern verzögern. 

Fluoreszierende Lipide machen sichtbar, wie die Nanomaschine den Lipidtransfer bei Bedarf beschleunigt.Fluoreszierende Lipide machen sichtbar, wie die Nanomaschine den Lipidtransfer bei Bedarf beschleunigt. Anh Nguyen & Pouya Hosnani Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften & Universitätsmedizin Göttingen

Mal wieder den Hausputz aufgeschoben, der Kellerraum läuft von Sperrmüll über? 

Diese Aufschieberitis beim klar Schiff machen können sich lebende Zellen nicht erlauben

Winzige Müllschlucker sind dort ständig aktiv, um ausgediente Proteine, fehlerhafte Zellbausteine oder defekte Organellen zu beseitigen.  

Diese Müllschlucker, Autophagosomen genannt, fischen die ausgedienten Bestandteile heraus, bevor sie sich in der Zelle anhäufen und Schaden anrichten. 

Der zelluläre Müll wird dann an die zelleigene Recycling-Maschinerie, das Lysosom, weitergegeben, dort verdaut und wiederverwertet. 

So hat die Zelle rasch wieder Bausteine verfügbar für neue Zellkomponenten. 

Der Autophagie-Prozess, wörtlich Selbstfressen, trägt so auch dazu bei, dass Zellen Stress oder Hungerszeiten überstehen.

Die Autophagie erfüllt aber noch einen anderen wichtigen Zweck. 

Sie macht Viren und Bakterien unschädlich, die die Abwehr des Immunsystems erfolgreich umgehen und bis ins Zellplasma gelangen. 

Entsprechend fatal sind die Folgen, wenn der Autophagie-Prozess fehlerhaft, zu langsam oder zu schnell abläuft. 

  • Es können sich neurodegenerative Erkrankungen und Krebs entwickeln oder Störungen des Immunsystems auftreten. 
  • Auch Alterungsprozesse scheinen sich zu beschleunigen.


„Die Autophagie ist ein hochkomplexer Vorgang, an dem viele verschiedene Proteine und Proteinkomplexe beteiligt sind. 

Viele davon kennen wir, doch es gibt noch fundamentale Wissenslücken“, berichtet Alex Faesen, Forschungsgruppenleiter am Göttinger Max-Planck-Institut (MPI) für Multidisziplinäre Naturwissenschaften. „Wie arbeiten die Proteinkomponenten zusammen? Wie wird der Prozess der Autophagie gestartet und gestoppt? Wann und wo wird das Autophagosom zusammengebaut? Das wollen wir herausfinden.“

Nanomaschine am Werk

Seinem Team gelang es nun erstmals, sämtliche in den Autophagie-Prozess involvierten Proteine im Labor zu produzieren und sie beim Zusammenbau der Autophagosomen direkt zu beobachten. Ein mehrjähriges Mammutprojekt der gesamten Forschungsgruppe, die dazu mit den Teams um Björn Stork von der Universität Düsseldorf und Michael Meinecke, jetzt am Heidelberg University Biochemistry Center, kooperierte. „Herausforderungen gab es dabei viele“ berichtet der Göttinger Biochemiker. Im ersten Schritt stellten die Wissenschaftler*innen jede einzelne Proteinkomponente im Labor her. Standardmäßig nutzt man hierbei Bakterien, die genetisch so umprogrammiert werden, dass sie das gewünschte Protein in größerer Menge herstellen. „Doch die Proteinherstellung mit Bakterien funktionierte für keines unserer Proteine“, sagt Faesen. Stattdessen wechselten die Forschenden auf Insektenzellen als molekulare Helfer – der Durchbruch.

Im nächsten Schritt brachte das Team die einzelnen Proteinkomplexe zusammen. „Die Komplexe lagerten sich von selbst zu einem Proteinsuperkomplex, dem Autophagie-Initiationskomplex, zusammen. Tatsächlich ist bei der Autophagie eine ausgeklügelte, zelluläre Nanomaschine am Werk – und sie arbeitet ganz anders als bisher gedacht“, so der Gruppenleiter.

Um Autophagosomen herzustellen, schafft der Autophagie-Initiationskomplex zunächst eine Verbindungsstelle zwischen einer bestimmten Struktur der Zelle, dem Endoplasmatischen Retikulum, und dem sich bildenden Autophagosom. Unter Stress oder in Hungerzeiten wie beim Ausdauersport geschieht dies innerhalb von nur wenigen Minuten. „Ab diesem Punkt gibt es kein Zurück mehr: Der Müllschlucker wird zusammengebaut und sammelt den zellulären Abfall ein“, erklärt Anh Nguyen, einer der beiden Erstautor*innen der jetzt in Molecular Cell veröffentlichten Studie. Miterstautorin Francesca Lugarini ergänzt: „Über die Kontaktstelle werden fettartige Moleküle, sogenannte Lipide, in eine Vorläuferstufe der Autophagosomen transportiert und dort eingebaut.“ Diese wachsen und umschließen dabei das abzubauende Zellmaterial – es entsteht das fertige Mini-Organell. Innerhalb von nur knapp 20 Minuten nach dessen Bildung liefert das Autophagosom bereits seinen Abfall an das Lysosom, indem es mit diesem verschmilzt.

Protein-Origami für „An“ und „Aus“

Doch was startet den Zusammenbau der Autophagie-Maschine, was startet und was stoppt sie? Einen molekularen „An“- und „Aus“-Schalter wie bei anderen molekularen Maschinen fanden die Forschenden nicht. Diese wird stattdessen mittels „Protein-Origami“ in Gang gesetzt und angehalten. Bestimmte Moleküle, ATG13 und ATG101 genannt, ändern dafür ihre Form. Dies beeinflusst, wie sie an andere Proteine der Nanomaschine binden. „Diese Proteinumwandlung gibt auch den Startschuss für den Zusammenbau des Autophagie-Initiationskomplexes zur richtigen Zeit und am richtigen Ort“, beschreibt Faesen die Besonderheiten der Nanomaschine.

Die Wissenschaftler*innen erhoffen sich von den neuen Erkenntnissen, die Entwicklung zukünftiger Wirkstoffe voranzubringen, mit denen sich Erkrankungen behandeln lassen, die auf einem fehlerhaften Autophagie-Prozess beruhen. 

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Dr. Alex Faesen
Leiter der Max-Planck-Forschungsgruppe Biochemie der Signaldynamik
Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften, Göttingen
Telefon: +49 551 201-1155
E-Mail: afaesen@mpinat.mpg.de

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37077 Göttingen
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Telefon: 0551/201-1304
E-Mail-Adresse: carmen.rotte@mpinat.mpg.de 
Originalpublikation:

Nguyen, A.; Lugarini, F.; David, C.; Hosnani, P.; Alagöz, Ç.; Friedrich, A.; Schlütermann, D.; Knotkova, B.; Patel, A.; Parfentev, I.; Urlaub, H.; Meinecke, M.; Stork, B.; Faesen, A. C.: Metamorphic proteins at the basis of human autophagy initiation and lipid transfer. Mol Cell 83, 1-14 (2023).
https://doi.org/10.1016/j.molcel.2023.04.026


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin

https://www.mpinat.mpg.de/de/faesen – Webseite der Max-Planck-Forschungsgruppe Biochemie der Signaldynamik, Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften, Göttingen


Prof. Dr. Volkmar Falk: Schwersten und tödlichsten Herzerkrankungen ist dabei die Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genann

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Tag der Organspende: Bundesweit stehen zu wenig Spenderherzen zur Verfügung

  • In Deutschland gibt es statistisch pro eine Millionen Einwohner nur zehn Organspender. 

Über die Hälfte aller Patientinnen und Patienten, die auf ein neues Spenderherz warten, können nicht versorgt werden. 

Am 3. Juni ist der internationale Tag der Organspende. 

https://herzmedizin.de/nationale-herz-kreislauf-strategie.html

https://www.organspende-info.de/organspendeausweis-download-und-bestellen/

Herzmedizinische Fachgesellschaften nehmen diesen zum Anlass, um auf das wichtige Thema aufmerksam zu machen und fordern ein Umdenken in der Bundesrepublik. 

Prof. Dr. Volkmar Falk, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) und Direktor des Deutschen Herzzentrums der Charité in Berlin

 Prof. Dr. Volkmar Falk, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) und Direktor des Deutschen Herzzentrums der Charité in Berlin DGTHG/David Ausserhofer

 Trotz aller Fortschritte in der Herz-Kreislauf-Medizin bietet die Transplantation eines neuen Herzens für viele schwer Erkrankte die einzige Überlebenschance. 

„Wegen des anhaltenden Mangels an Spenderherzen sind die Aussichten, ein geeignetes Spenderorgan zu erhalten, für viele Patientinnen und Patienten aber sehr gering“, erklärt Prof. Dr. Volkmar Falk, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG). 

„Für Menschen mit schwerer, nicht umkehrbarer Herzinsuffizienz im Endstadium ist jedoch die Herztransplantation die einzige Aussicht auf langfristiges Überleben.“

Ohne Spenderherz lebt man mit Herzschwäche nur noch rund fünf Jahre

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die Todesursache Nummer Eins in Deutschland. Eine der schwersten und tödlichsten Herzerkrankungen ist dabei die Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt. Der Herzmuskel schafft hier nicht mehr, genügend Blut durch den Körper zu pumpen. 

Erkrankte bekommen bei mittleren oder kleinen Anstrengungen u.a. Luftnot oder Schwindel und sind im Alltagsleben eingeschränkt. 

„Zwar wurde die Herzschwäche durch Fortschritte in der Forschung in den letzten Jahrzehnten immer besser behandelbar, dennoch liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit nach der Diagnose nur bei rund fünf Jahren“, sagt Prof. Dr. Holger Thiele, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK). Die einzige langfristige Therapie für ausgewählte Patienten mit unumkehrbarer Herzinsuffizienz im Endstadium ist eine Transplantation. 

„Die Prognose für Herztransplantierte ist sehr gut: 

Etwa 60 Prozent leben zehn Jahre und länger mit einem Spenderherzen. 

Organspenden heißt Leben retten und Lebenszeit schenken,“ betont DGTHG-Präsident Falk.
 

Für das menschliche Herz gibt es aktuell keinen vollwertigen künstlichen Ersatz. 

Implantierbare Kreislaufpumpen zur Unterstützung der Pumpfunktion des Herzkammermuskels, sogenannte Ventricular Assist Devices (VAD), sind damit momentan die einzige längerfristige Therapie, wenn andere Behandlungsoptionen limitiert sind und kein Spenderherz zur Verfügung steht.

Patientinnen und Patienten können mit einem permanenten VAD jahrelang, meistens mit nur geringen Einschränkungen, leben. 

Diese Therapie dient heutzutage entweder als Überbrückung der Wartezeit bis zur Herztransplantation oder sogar als dauerhafte Alternative zur Transplantation, wenn diese aus medizinischen Gründen nicht indiziert ist.

Regelung in Deutschland erschwert Organtransplantationen

Auf eine Million Deutsche kommen derzeit nur gut zehn Organspender. Aktuell gilt in Deutschland die Willensbekundung. Das bedeutet, wer nach seinem Tod anderen Menschen durch die Organspende das Leben retten will, muss dies vorher ausdrücklich schriftlich dokumentieren; idealerweise durch den Organspendeausweis (erhältlich u.a. beim Hausarzt, in Apotheken und unter www.organspende-info.de.

Wenn kein Organspendeausweis vorliegt, werden meist die Angehörigen um Erlaubnis gefragt, ob die lebensrettenden Organe entnommen werden dürfen. 

„Leider besteht bei den Angehörigen oft Unsicherheit darüber, wie der oder die Verstorbene entschieden hätte. Deshalb entscheiden sich viele vorsichtshalber dagegen. Daher ist es wichtig, dass sich jeder selbst einmal über das Thema Gedanken macht und sich eine eigene Meinung bildet“, meint DGK-Präsident Thiele.

Prof. Dr. Holger Thiele Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V.
Prof. Dr. Holger Thiele Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. HKM/Ronny Kretschmer

Widerspruchslösung wäre die menschlichere Variante
In vielen europäischen Ländern gilt bereits die Widerspruchslösung. Dabei sind potenziell alle Menschen grundsätzlich Organspenderinnen und -spender, es sei denn, sie haben sich zu Lebzeiten ausdrücklich dagegen entschieden. 

Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach plädierte im Januar 2023 bereits dafür, über die Einführung der Widerspruchslösung in Deutschland erneut abstimmen zu lassen. 

Eine erste Abstimmung im Jahr 2020 war gescheitert.

Thiele: „Die Nationale Herz-Allianz unterstützt das Vorhaben von Prof. Lauterbach, die Widerspruchslösung in Deutschland zu etablieren. Es ist die wesentlich menschlichere Lösung, denn sie stellt das Leben in den Vordergrund des Denkens und nicht den Tod. Jedes gespendete Organ ist ein potenzieller Neuanfang für ein schwerkrankes Kind, oder eine Mutter oder einen Vater, die vielleicht sonst keine Chance auf Überleben hätten.“

Weiterführende Informationen zur Organspende und Herzgesundheit unter
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO).
Herzmedizin.de 

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PD Dr. Kerling: Die Klinik für Rehabilitations- und Sportmedizin- Patienten mit Herzerkrankungen und Leistungsport

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: MHH erwirbt Zertifikat „Sportkardiologie“ auf höchstem Level

Die Hochschule ist die einzige Einrichtung in Norddeutschland mit dieser Zusatzqualifikation. 

Die Auszeichnung ist die Bestätigung für eine hohe fachliche Kompetenz bei der Betreuung von Menschen mit Herzerkrankungen sowie von Leistungssportlerinnen und -sportlern. 

PD Dr. Kerling untersucht eine Sportlerin auf dem Fahrradergometer

 PD Dr. Kerling untersucht eine Sportlerin auf dem Fahrradergometer Karin Kaiser / MHH

Die Klinik für Rehabilitations- und Sportmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat die Zusatzqualifikation „Sportkardiologie“ der Stufe 3 erworben. Das Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) bescheinigt der Klinik eine spezialisierte kardiologische Kompetenz in der Sportkardiologie auf höchstem Niveau. 

Davon profitieren Patientinnen und Patienten mit Herzerkrankungen ebenso wie Leistungssportlerinnen und -sportler.

Herzkranke und junge Spitzensportler

Bewegung und Sport haben eine große Bedeutung für die Herzgesundheit. Körperliche Aktivität ist wichtig bei der Prävention und bei der Therapie von kardialen Erkrankungen. „Regelmäßiges und strukturiertes Training ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Behandlung“, erklärt Privatdozent (PD) Dr. Arno Kerling von der Klinik für Rehabilitations- und Sportmedizin. Er ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie sowie Leiter der Sportmedizin im Olympiastützpunkt Niedersachsen. In der MHH untersucht er Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen kardiologischen Erkrankungen und stimmt mit ihnen einen individuellen Trainingsplan ab, unter anderem auch für den Rehasport. Im Olympiastützpunkt begutachtet er mit seinem Team im Rahmen der sportmedizinischen Grunduntersuchung rund 1.000 junge Athletinnen und Athleten pro Jahr. Dort geht es beispielsweise darum, potenziell bedrohliche kardiale Erkrankungen zu erkennen oder zu beurteilen, ob Veränderungen am Herzen krankhaft oder „nur“ sportbedingt sind.

Beide profitieren

PD Dr. Kerling, der den Qualifizierungsprozess leitete, liebt beide Patientengruppen: 

„Das Schöne ist, dass sie beide sehr motiviert sind. 

Die einen möchten ihre Gesundheit stabilisieren oder verbessern, die anderen wollen ihren sportlichen Erfolg voranbringen.“ Von dem Zertifikat „Sportkardiologie“ profitieren aus seiner Sicht beide Gruppen. Die eine durch eine höhere Qualität in der medizinischen Versorgung, die andere durch eine bessere kardiologische Betreuung während der sportlichen Karriere.

Rezertifizierung nach sieben Jahren

Die MHH ist die einzige Einrichtung in Norddeutschland mit dem Zertifikat „Sportkardiologie“. 

Die Stufe 3 haben in ganz Deutschland nur vier Einrichtungen erreicht. 

Das Curriculum der DGK orientiert sich an den Empfehlungen der European Association of Cardiovascular Prevention and Rehabilitation der European Society of Cardiology. 

Stufe 3 umfasst das gesamte sportkardiologische Spektrum einschließlich der Beurteilung von Leistungssportlern. 

Dementsprechend ist auch eine Weiterbildung geeigneter ärztlicher Kollegen für die Zusatzqualifikation „Sportkardiologie“ möglich. 

Das Zertifikat muss nach sieben Jahren rezertifiziert werden. 

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 PD Dr. Arno Kerling

kerling.arno@mh-hannover.de

Telefon (0511) 532-5328

Stefan Zorn Medizinische Hochschule Hannover

Carl-Neuberg-Straße 1
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Prof. Dr. Selma Rudert: Phänomen der sozialen Ausgrenzung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:Du nicht! Warum und wann wir andere ausgrenzen

Aktuelle Studie zeigt: Menschen grenzen andere nicht beliebig, sondern strategisch aus

Menschen grenzen Menschen aus – Aus welchen Gründen und in welchen Situationen Menschen andere ausschließen, hat Juniorprofessorin Dr. Selma Rudert in einem Team aus Forscherinnen und Forschern der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) und der Universität Basel untersucht. 

  • Das Ergebnis: Menschen grenzen andere Personen aus, die sich ihrer Ansicht nach unangemessen verhalten oder entbehrlich für die Ziele der Gruppe sind – und das durchaus strategisch. 

Soziale Ausgrenzung kommt häufig vor. Dabei grenzen Menschen vor allem Personen aus, die sich ihrer Ansicht nach unangemessen verhalten oder entbehrlich für die Ziele der Gruppe sind, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.

Soziale Ausgrenzung kommt häufig vor. Dabei grenzen Menschen vor allem Personen aus, die sich ihrer Ansicht nach unangemessen verhalten oder entbehrlich für die Ziele der Gruppe sind, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Christiane Büttner

Das Forschungsteam untersuchte die Gründe für Ausgrenzung in fünf Experimenten und zwei Befragungen mit insgesamt über 2.000 Teilnehmenden. 

In den Befragungen berichteten die Teilnehmenden eigene Erfahrungen in der Rolle der Ausgrenzenden sowie der Ausgegrenzten. In den Experimentalstudien sollten die Teilnehmenden eine Gruppe für eine darauffolgende Aufgabe zusammenstellen und hatten die Möglichkeit, zuvor eine Person aus der Gruppe auszuschließen.

„Wir konnten in allen Studien zwei zentrale Motive identifizieren, warum Menschen andere Personen ausgrenzen“, erklärt Sozialpsychologin Rudert. 

  • Erstens werden Gruppenmitglieder eher ausgeschlossen, die dazu neigen, Regeln zu brechen und sich nicht an die Normen der Gruppe halten. 
  • Zweitens werden Personen, die nicht mit der Leistung der Gruppe mithalten können und dadurch die Gruppenziele gefährden, oft als entbehrlich angesehen und ebenfalls ausgeschlossen.


Menschen grenzen andere strategisch aus

„Ein bedenklicher Befund der Studien ist, dass sich oft eine Mehrheit der Teilnehmenden für ausgrenzendes Verhalten entschied, wenn es den Zielen der Gruppe dienlich war“, so Rudert. 

Es gibt jedoch auch vereinzelte Lichtblicke: 

  • Viele der Teilnehmenden handelten strategisch in ihren Entscheidungen und grenzten nicht einfach beliebig alle Menschen aus, die aus irgendeinem Grund anders waren. 
  • Der Kontext spielte hier eine entscheidende Rolle: 
  • So wurden Personen, die leistungsschwach, aber sehr kooperativ waren, seltener ausgeschlossen, wenn für eine anstehende Aufgabe die Bedeutung der gemeinsamen Zusammenarbeit relevanter war als die Leistung. 
  • Umgekehrt wurden wenig kooperative, aber leistungsstarke Personen seltener ausgeschlossen, wenn die Gruppenaufgabe auf Leistung anstatt auf Zusammenarbeit ausgerichtet war.


In den aktuellen Studien hat sich das Forschungsteam auf bewusste Ausgrenzungsentscheidungen fokussiert, die Menschen zum Wohl der Gruppe treffen. „Es können allerdings auch andere Motive zum Tragen kommen“, betont Rudert. So können Menschen auch aus eigennützigen Gründen ausschließen, beispielsweise, weil sie ihre eigene Position in der Gruppe durch die andere Person als bedroht erleben. „Und in vielen Situationen liegt überhaupt kein klares Motiv vor“, so Rudert. Menschen grenzen andere auch unbewusst oder versehentlich aus, weil sie die Person schlichtweg übersehen oder nicht an sie gedacht haben.

Die aktuelle Studie ist eine Erweiterung in der Forschung zur sozialen Ausgrenzung, in der Rudert und ihre Kolleginnen und Kollegen einen neuen Fokus auf die Motive der Ausgrenzenden legen. Bisherige Forschung zu Ausgrenzung konzentrierte sich oftmals auf das Erleben der ausgegrenzten Person und nicht auf die Frage, warum es überhaupt zur Ausgrenzung kommt.

 „Dieser Aspekt ist allerdings wichtig, um das Phänomen der sozialen Ausgrenzung zu verstehen und ihr entgegenwirken zu können“, unterstreicht Rudert. 

In vorangehenden Studien konnten die Forschenden zeigen, dass Persönlichkeit ein wichtiger Risikofaktor für soziale Ausgrenzung ist. 

Wenig verträgliche und unzuverlässige Menschen werden mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ausgegrenzt

Soziale Ausgrenzung kann verringert werden

Die Studie biete wichtige Impulse für die Arbeitswelt und Schulen, so die Wissenschaftlerin – zwei Bereiche, in denen viel Ausgrenzung stattfindet. 

  • „Eine entscheidende Erkenntnis unserer Forschung ist, dass soziale Ausgrenzung in Gruppen nicht unvermeidlich ist“. 
  • Sie kann verringert werden, indem man die Bedingungen ändert, die ausgrenzendes Verhalten in einer bestimmten Situation fördern. 
  • Beispielsweise können externe Stressfaktoren wie hoher Zeitdruck oder Wettbewerb soziale Ausgrenzung fördern, weil Gruppen in diesem Fall auf eine hohe Leistung aller Mitglieder angewiesen sind. 
  • Wird der Stress verringert, ermöglicht dies Gruppen, schwächere Mitglieder zu unterstützen, anstatt sie auszuschließen. 

In sozialen Gruppen, Freundeskreisen oder Familien lässt sich Ausgrenzung vermindern, indem unterschiedliche Meinungen, Entscheidungen und Lebensweisen akzeptiert sowie konstruktive Meinungsverschiedenheiten zugelassen werden. 

„Dies erlaubt es Menschen, die unbeliebte Meinungen äußern oder nicht der Norm entsprechen, dennoch Teil der Gruppe zu bleiben“, erklärt Rudert.

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Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU)
Jun-Prof. Dr. Selma Rudert
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Tel.: (06341) 280-31232
E-Mail: selma.rudert@rptu.de

Kerstin Theilmann,  Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau

Gottlieb-Daimler-Straße 47
67663 Kaiserslautern
Postfach Postfach 3049
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Deutschland
Rheinland-Pfalz

Telefon: 06341 280-32219
E-Mail-Adresse: kerstin.theilmann@rptu.de
Originalpublikation:

Rudert, S. C., Möring, J. N. R., Kenntemich, C., & Büttner, C. M. (2023). When and why we ostracize others: Motivated social exclusion in group contexts. Journal of Personality and Social Psychology. Advance online publication. https://doi.org/10.1037/pspi0000423


Prof. Dr. Martin Diers: Fibromyalgie: Wiederkehrende Schmerzen, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, chronische Erschöpfung, Verdauungsbeschwerden

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schmerzen außer Kontrolle

Das Gefühl von Kontrolle lässt uns Schmerzen besser ertragen. 

Bei Fibromyalgie funktioniert das allerdings nicht. Eine Studie gibt Hinweise darauf, warum.

  • Die Fibromyalgie ist eine rätselhafte chronische Schmerzerkrankung, die schwierig zu behandeln ist. 

Auch ihre Ursachen liegen noch weitestgehend im Dunkeln. Eine Studie des Teams der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum liefert Hinweise darauf, dass bei Betroffenen bestimmte Hirnareale, die an der Verarbeitung von Schmerz beteiligt sind, nicht normal funktionieren. 

Sie sorgen bei gesunden Personen dafür, dass sich Schmerz, den wir kontrollieren können, besser ertragen lässt. 

Bei Patientinnen mit Fibromyalgie zeigten diese Gehirnbereiche in der Studie eine veränderte Aktivität. 

Das Forschungsteam um Prof. Dr. Martin Diers berichtet in der Fachzeitschrift NeuroImage: Clinical vom 21. Februar 2023.

Die sogenannte Thermode kann Hitzereize verabreichen, die die Probandinnen entweder selbst beenden konnten, oder die der Computer steuerte.
Die sogenannte Thermode kann Hitzereize verabreichen, die die Probandinnen entweder selbst beenden konnten, oder die der Computer steuerte. © Benjamin Mosch

Hitzeschmerz selbst beenden

Wie stark wir Schmerz und die Einschränkung durch ihn erleben, hängt entscheidend damit zusammen, wie wir ihn bewerten.
 

  • Haben wir das Gefühl, den Schmerz kontrollieren und selbst beenden zu können, führt das zum Beispiel dazu, dass wir ihn besser ertragen, als wenn wir uns ihm ausgeliefert fühlen. 

„Die geringe Kontrollierbarkeit wiederholter Schmerzattacken ist eine der bedeutendsten Ursachen für die eingeschränkte Lebensqualität von Menschen mit chronischen Schmerzen“, erklärt Benjamin Mosch, Erstautor der Studie.

 „Die zugrunde liegenden neuronalen Mechanismen wurden allerdings bisher hauptsächlich bei gesunden Kontrollpersonen erforscht.“

In der aktuellen Studie verglich das Team zwei Gruppen: 21 gesunde Frauen und 23 Fibromyalgiepatientinnen. Beide Gruppen wurden einem Hitzeschmerz ausgesetzt, während ihre Gehirnaktivitäten mittels funktioneller Kernspintomografie beobachtet wurden. In einem Versuchsdurchgang konnten die Probandinnen den Schmerzreiz selbst beenden. In einem weiteren Durchgang steuerte ein Computer Beginn und Ende des Reizes. „Die Länge der durch den Computer beendeten Reize haben wir dabei im Mittel zu den durch die Probandinnen beendeten Reizen gleich gehalten“, so Martin Diers.

Kognitive Ressourcen sind beeinträchtigt

Wenn Frauen der gesunden Kontrollgruppe den Schmerzreiz selbst beenden konnten, wurde eine Reihe vor allem frontaler Hirnareale aktiviert, die eine wichtige Rolle bei der Modulation von Schmerzen zu spielen scheinen. 

Diese Beobachtung steht im Einklang mit älteren Studien an gesunden Probanden. 

„Interessanterweise konnten wir derartige Aktivierungen aber nicht in unserer Patientengruppe nachweisen“, berichtet Martin Diers. „Das kann als Beleg für die beeinträchtigte Schmerzverarbeitung von Patientinnen mit Fibromyalgie dienen. Es verdeutlicht, dass die kognitiven Ressourcen im Umgang mit akutem Schmerz bei diesen Patientinnen beeinträchtigt sind.“
Fibromyalgie

Fibromyalgie wurde 1994 in den Katalog der Weltgesundheitsorganisation aufgenommen. Geschätzte zwei Prozent der deutschen Bevölkerung sind davon betroffen, 90 Prozent von ihnen sind Frauen. 

Die Erkrankung ist gekennzeichnet von wiederkehrenden Schmerzen sowie verschiedenen anderen Symptomen, darunter Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, chronische Erschöpfung und Verdauungsbeschwerden. 

Im Schnitt vergehen bis zur Diagnose 16 Jahre.

Förderung

Die Arbeiten wurden unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Förderkennzeichen: DI1553/5).

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Prof. Dr. Martin Diers
Klinische und Experimentelle Verhaltensmedizin
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
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Meike Drießen
Telefon: 0234/32-26952
Fax: 0234/32-14136
E-Mail-Adresse: meike.driessen@presse.rub.de 
Originalpublikation:

Benjamin Mosch, Verena Hagena, Stephan Herpertz, Michaela Ruttorf, Martin Diers: Neural correlates of control over pain in fibromyalgia patients, in: NeuroImage: Clinical, 2023, DOI: 10.1016/j.nicl.2023.103355, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S221315822300044X?via%3Dihub

 

Medizin am Abend Berlin Team auf VOR ORT - Brainstorming

Sehr verehrte Damen und Herren,

das interdisziplinäre Fachteam von Medizin am Abend Berlin befindet sich vom Sonntag, den 07. Mai 2023 bis einschließlich Sonntag, den 21. Mai 2023 auf ihrer Frühjahrs - Brainstorming Reise.

https://griechenland.diplo.de/gr-de

Dieses Frühjahr 2023 ist die Insel Kos, Greece, 

von Frau

Dr. Nikoletta Lalla

berücksichtigt.  
 
 
Mit 24-stündiger Rufbereitschaft unter der Telefonnummer

+30 6944 642229

Wir sind eine deutschsprachige Arztpraxis die alle notwendigen diagnostischen und therapeutische Maßnahmen einer hausärztlichen Praxis abdeckt. Schwerpunkt jeder Behandlung liegt auf dem Patienten selbst und konzentriert sich vorrangig auf die persönliche und menschliche Begleitung.

Wir bitten Sie, bis dorthin, die bisherigen 4484 Posts MaAB - Fachinformationen zu lesen und umzusetzen.

Sofern SIE, Anregungen, Wünsche oder eigene Informationen haben, senden Sie uns diese gerne auf 

MedizinischesFachpersonal@email.de zu.

Besten Gruss vom Team MaAB - Medizin am Abend Berlin

 i.V.

Günter K.V. Vetter





 


Dr. Oliver Weigelt: Prävention ist immer viel leichter als Therapie - Darum gehen wir doch ALLE besser in das MaAB-Frühjahrs Brainstorming auf die Insel Kos/Greece

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Was tun, wenn die Batterie leer ist? - Gespräch mit dem Arbeitspsychologen Oliver Weigelt

Am 27. April war der Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. 

Dieses Thema gehört für Dr. Oliver Weigelt, Arbeitspsychologe am Wilhelm-Wundt-Institut für Psychologie der Universität Leipzig, zum beruflichen Alltag. 

Er erforscht unter anderem die Ursachen für Burnout, das immer häufiger zu Krankschreibungen führt, und hat eine Studie zu einer neuen Methode zur Erfassung des individuellen Energieniveaus herausgebracht. 

Im Interview spricht er über gesundheitliche Gefahren am Arbeitsplatz und Wege, ihnen zu begegnen.

Herr Dr. Weigelt, Erschöpfungszustände wie Burnout sind immer häufiger Grund für Krankschreibungen. Was sind die Gründe dafür?

Die Zunahme an Krankschreibungen im Zusammenhang mit Burnout hat vielfältige Gründe. 

Ein ganz wesentlicher Faktor dürfte aber die Verdichtung, Beschleunigung und Intensivierung der Arbeit sein. 

Groß angelegte repräsentative Studien zeigen, dass zum Beispiel geleistete Überstunden mit geringerer mentaler Gesundheit einhergehen. 

  • Das schließt unter anderem Symptome wie Erschöpfung, Anspannung, depressive Verstimmung oder auch psychosomatische Beschwerden ein. 

Auch die gedankliche Weiterbeschäftigung mit der Arbeit außerhalb der regulären Arbeitszeiten kann den Prozess der Erholung stören. Ein Zuviel an Arbeit und gleichzeitig eine Vernachlässigung der Selbstfürsorge machen einen Anstieg in Erschöpfung, dem Kernaspekt von Burnout, wahrscheinlicher.

Neben hohen Arbeitsanforderungen und fehlenden Erholungsphasen trägt aber auch ein Fehlen von Wertschätzung der geleisteten Arbeit durch die Organisation zu Erschöpfung, Zynismus und vermindertem Kompetenzerleben bei.  

  • Es gibt strukturelle Ursachen wie einen ungünstigen Personalschlüssel, etwa durch Einsparungen, Fachkräftemangel, bei dem Arbeit auf weniger Schultern verteilt wird. 

Diese Ursachen lassen sich oft nicht über Nacht beheben. 

Insofern ist es wichtig, das Beschäftigte selbst aktiv einen Ausgleich schaffen oder die Arbeit so anpassen, dass sie zu ihnen passt und auch mittelfristig ihrer Gesundheit zuträglich ist.

Welche Warnsignale sollten wir ernst nehmen, wenn wir uns im Job überfordert und erschöpft fühlen?

Sich am Ende eines (Arbeits)Tages erschöpft und müde zu fühlen, ist normal und teils auch chronobiologisch bestimmt. Kritischer wird es, wenn dieser Zustand auch über etwas längere Phasen der Erholung hinweg wie dem Wochenende anhält. Ich möchte hier nochmal eine Lanze dafür brechen, nicht erst zu warten, bis ein bestimmter Kipppunkt überschritten ist und man gravierende Beschwerden hat, sondern die eigene Gesundheit als Priorität neben Arbeit und Familie zu setzen und proaktiv in die Hand zu nehmen.

Prävention ist immer viel leichter als Therapie.

Was sollte man aus Ihrer Sicht präventiv tun?

Angebote im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements haben meist einen Schwerpunkt auf körperlicher Gesundheit im engeren Sinne und unterstützen dabei, sich mehr zu bewegen oder sich gesünder zu ernähren. Viele Trainings, die breiter auf die mentale Gesundheit abzielen, machen Angebote zum Thema Achtsamkeit und vermitteln zum Beispiel Entspannungstechniken wie Meditation.

Jenseits dieser bewährten Ansätze kann 'job crafting' – im Deutschen etwa Arbeitsgestaltung durch die Beschäftigten – eine gute Ergänzung sein. Bei job crafting geht es darum, mit kleinen Anpassungen an den Inhalten oder Schwerpunkten eine bessere Passung herzustellen zwischen dem, was den eigenen Neigungen und Talenten entspricht und dem, womit man den Großteil seines Arbeitstages verbringt. Das kann bedeuten, bestimmte Aufgaben abzugeben und dafür andere zu übernehmen, die besser zu einem passen. Ich finde es faszinierend, dass der Wandel der Arbeitswelt im Zuge der digitalen Transformation gleichzeitig Freiräume, aber auch die Notwendigkeit schafft, die Arbeit selbst zu gestalten. Aus meiner Sicht tun Organisationen gut daran, Freiräume zur Anpassung zuzulassen, zum Beispiel über maßgeschneiderte individuelle oder auch betriebliche Vereinbarungen.

Sie haben im vergangenen Jahr eine Studie zu einer neuen Methode zur Erfassung des individuellen Energieniveaus veröffentlicht.
Was hat es mit der Batterieskala menschlicher Energie auf sich?

Menschliche Energie ist ein wichtiger Aspekt des Wohlbefindens, der sich im Erleben von Vitalität und Tatendrang, aber auch geringen Ausprägungen von Ermüdung und Erschöpfung widerspiegelt. Das regelmäßige Erfassen des individuellen Energieniveaus kann zur Prävention und zur Früherkennung von Erschöpfungszuständen wie Burnout beitragen. Zur Messung von Aspekten der Energie gibt es viele Skalen. Die meisten von ihnen sind aber zu lang und zu umfangreich, um sie zum Beispiel für ein kontinuierliches Aufzeichnen im Laufe eines Arbeitstags zu nutzen. Die Batterie-Skala besteht nur aus einer Frage. Sie nutzt Bilder vom Ladezustand einer Batterie, um Personen ihr momentanes Befinden auf einem Kontinuum von "verbraucht" bis "voller Energie" einschätzen zu lassen.

Die Metapher der Batterien, die man nach der Arbeit wiederaufladen muss, ist im Alltag sehr geläufig. Auch mit Symbolbildern des Batterie-Ladezustands sind die meisten Menschen bestens vertraut, weil technische Geräte wie Mobiltelefone oder Tablets den Ladezustand prominent anzeigen. Wir konnten über mehrere Studien hinweg zeigen: Mit Hilfe einer kurzen Instruktion und den Batterie-Piktogrammen lässt sich die momentane Vitalität oder auch Erschöpfung valide, besonders zeitsparend und nutzerfreundlich messen. In unseren Studien benötigten die Personen in der Regel unter zehn Sekunden für die Bearbeitung. Anders gesagt, man kann das auch über die Smartwatch auf dem Weg von einer Besprechung in die nächste ausfüllen.

Wo und wann könnte Ihre Batterieskala Anwendung finden?

Die Batterie-Skala menschlicher Energie bringt den eigenen Ressourcenstatus auch durch die Farben von grün bis rot sehr prägnant und anschaulich auf den Punkt. Sie führt einem vor Augen, ob man heute im roten Bereich ist. Die Batterie-Skala erleichtert deswegen wie vielleicht kein anderes Messinstrument in dem Bereich auch eine bewusste Reflexion über die eigene Vitalität im Alltag, zum Beispiel im Rahmen eines persönlichen Energie-Audits: Man zeichnet den Verlauf der eigenen Vitalität im Laufe eines Tages oder einer Woche auf und reflektiert dann anschließend, warum man sich an einem bestimmten Tag besser oder schlechter gefühlt hat. Dadurch kann man nicht nur achtsamer mit den eigenen Ressourcen umgehen, man kann auch mögliche Hebel erkennen, um die eigene Energie zu beeinflussen.

Ich bin Teil einer interdisziplinären Forschungsgruppe unter Beteiligung von Wirtschaftsinformatik und Psychologie, in der wir eine Plattform namens ze:st (zappy energy and self-tracking) entwickelt haben. Im Rahmen von ze:st bieten wir ein Energie-Audit an und geben Teilnehmenden auf Grundlage ihrer Daten ein Feedback darüber, welche ganz konkreten Verhaltensweisen im Arbeitsalltag für sie persönlich zu mehr Schwung beitragen können. Das aus meiner Sicht Spannende an diesem Ansatz: Wir geben ähnlich wie in der Präzisionsmedizin auf die Person zugeschnittene Empfehlungen, statt Verhaltensweisen zu empfehlen, die zwar im Allgemeinen günstig wirken, bei der spezifischen Person aber möglicherweise eine ganz untergeordnete Rolle spielen.

Aber auch jenseits von ze:st ergeben sich sehr viele praktische Einsatzmöglichkeiten, überall da, wo man gern die Vitalität oder Erschöpfung als Indikator mentaler Gesundheit im Zeitverlauf im Auge behalten möchte. 

Aus meiner Sicht ergeben sich aber auch Anwendungen aus Sicht von Organisationen, etwa im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements oder bei der psychischen Gefährdungsbeurteilung. 

Abgesehen davon eignet sich die Batterie-Skala natürlich als valides wissenschaftliches Instrument bei Tagebuch-Studien, also Befragungsstudien mit täglichen Fragebögen über ein oder zwei Wochen, im Rahmen der Forschung. 

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Dr. Oliver Weigelt

Institut für Psychologie – Wilhelm Wundt der Universität Leipzig
Telefon: +49 341 9735956
E-Mail: oliver.weigelt@uni-leipzig.de

Goethestraße 6
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Deutschland
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Susann Huster
Telefon: 0341 / 9735022
E-Mail-Adresse: susann.huster@zv.uni-leipzig.de
Originalpublikation:

European Journal of Work and Organisational Psychology: "Time to recharge batteries - development and validation of a pictorial scale of human energy", https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/1359432X.2022.2050218

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