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Medizin am Abend Berlin Team auf VOR ORT - Brainstorming

Sehr verehrte Damen und Herren,

das interdisziplinäre Fachteam von Medizin am Abend Berlin befindet sich vom Sonntag, den 07. Mai 2023 bis einschließlich Sonntag, den 21. Mai 2023 auf ihrer Frühjahrs - Brainstorming Reise.

https://griechenland.diplo.de/gr-de

Dieses Frühjahr 2023 ist die Insel Kos, Greece, 

von Frau

Dr. Nikoletta Lalla

berücksichtigt.  
 
 
Mit 24-stündiger Rufbereitschaft unter der Telefonnummer

+30 6944 642229

Wir sind eine deutschsprachige Arztpraxis die alle notwendigen diagnostischen und therapeutische Maßnahmen einer hausärztlichen Praxis abdeckt. Schwerpunkt jeder Behandlung liegt auf dem Patienten selbst und konzentriert sich vorrangig auf die persönliche und menschliche Begleitung.

Wir bitten Sie, bis dorthin, die bisherigen 4484 Posts MaAB - Fachinformationen zu lesen und umzusetzen.

Sofern SIE, Anregungen, Wünsche oder eigene Informationen haben, senden Sie uns diese gerne auf 

MedizinischesFachpersonal@email.de zu.

Besten Gruss vom Team MaAB - Medizin am Abend Berlin

 i.V.

Günter K.V. Vetter





 


Dr. Oliver Weigelt: Prävention ist immer viel leichter als Therapie - Darum gehen wir doch ALLE besser in das MaAB-Frühjahrs Brainstorming auf die Insel Kos/Greece

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Was tun, wenn die Batterie leer ist? - Gespräch mit dem Arbeitspsychologen Oliver Weigelt

Am 27. April war der Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. 

Dieses Thema gehört für Dr. Oliver Weigelt, Arbeitspsychologe am Wilhelm-Wundt-Institut für Psychologie der Universität Leipzig, zum beruflichen Alltag. 

Er erforscht unter anderem die Ursachen für Burnout, das immer häufiger zu Krankschreibungen führt, und hat eine Studie zu einer neuen Methode zur Erfassung des individuellen Energieniveaus herausgebracht. 

Im Interview spricht er über gesundheitliche Gefahren am Arbeitsplatz und Wege, ihnen zu begegnen.

Herr Dr. Weigelt, Erschöpfungszustände wie Burnout sind immer häufiger Grund für Krankschreibungen. Was sind die Gründe dafür?

Die Zunahme an Krankschreibungen im Zusammenhang mit Burnout hat vielfältige Gründe. 

Ein ganz wesentlicher Faktor dürfte aber die Verdichtung, Beschleunigung und Intensivierung der Arbeit sein. 

Groß angelegte repräsentative Studien zeigen, dass zum Beispiel geleistete Überstunden mit geringerer mentaler Gesundheit einhergehen. 

  • Das schließt unter anderem Symptome wie Erschöpfung, Anspannung, depressive Verstimmung oder auch psychosomatische Beschwerden ein. 

Auch die gedankliche Weiterbeschäftigung mit der Arbeit außerhalb der regulären Arbeitszeiten kann den Prozess der Erholung stören. Ein Zuviel an Arbeit und gleichzeitig eine Vernachlässigung der Selbstfürsorge machen einen Anstieg in Erschöpfung, dem Kernaspekt von Burnout, wahrscheinlicher.

Neben hohen Arbeitsanforderungen und fehlenden Erholungsphasen trägt aber auch ein Fehlen von Wertschätzung der geleisteten Arbeit durch die Organisation zu Erschöpfung, Zynismus und vermindertem Kompetenzerleben bei.  

  • Es gibt strukturelle Ursachen wie einen ungünstigen Personalschlüssel, etwa durch Einsparungen, Fachkräftemangel, bei dem Arbeit auf weniger Schultern verteilt wird. 

Diese Ursachen lassen sich oft nicht über Nacht beheben. 

Insofern ist es wichtig, das Beschäftigte selbst aktiv einen Ausgleich schaffen oder die Arbeit so anpassen, dass sie zu ihnen passt und auch mittelfristig ihrer Gesundheit zuträglich ist.

Welche Warnsignale sollten wir ernst nehmen, wenn wir uns im Job überfordert und erschöpft fühlen?

Sich am Ende eines (Arbeits)Tages erschöpft und müde zu fühlen, ist normal und teils auch chronobiologisch bestimmt. Kritischer wird es, wenn dieser Zustand auch über etwas längere Phasen der Erholung hinweg wie dem Wochenende anhält. Ich möchte hier nochmal eine Lanze dafür brechen, nicht erst zu warten, bis ein bestimmter Kipppunkt überschritten ist und man gravierende Beschwerden hat, sondern die eigene Gesundheit als Priorität neben Arbeit und Familie zu setzen und proaktiv in die Hand zu nehmen.

Prävention ist immer viel leichter als Therapie.

Was sollte man aus Ihrer Sicht präventiv tun?

Angebote im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements haben meist einen Schwerpunkt auf körperlicher Gesundheit im engeren Sinne und unterstützen dabei, sich mehr zu bewegen oder sich gesünder zu ernähren. Viele Trainings, die breiter auf die mentale Gesundheit abzielen, machen Angebote zum Thema Achtsamkeit und vermitteln zum Beispiel Entspannungstechniken wie Meditation.

Jenseits dieser bewährten Ansätze kann 'job crafting' – im Deutschen etwa Arbeitsgestaltung durch die Beschäftigten – eine gute Ergänzung sein. Bei job crafting geht es darum, mit kleinen Anpassungen an den Inhalten oder Schwerpunkten eine bessere Passung herzustellen zwischen dem, was den eigenen Neigungen und Talenten entspricht und dem, womit man den Großteil seines Arbeitstages verbringt. Das kann bedeuten, bestimmte Aufgaben abzugeben und dafür andere zu übernehmen, die besser zu einem passen. Ich finde es faszinierend, dass der Wandel der Arbeitswelt im Zuge der digitalen Transformation gleichzeitig Freiräume, aber auch die Notwendigkeit schafft, die Arbeit selbst zu gestalten. Aus meiner Sicht tun Organisationen gut daran, Freiräume zur Anpassung zuzulassen, zum Beispiel über maßgeschneiderte individuelle oder auch betriebliche Vereinbarungen.

Sie haben im vergangenen Jahr eine Studie zu einer neuen Methode zur Erfassung des individuellen Energieniveaus veröffentlicht.
Was hat es mit der Batterieskala menschlicher Energie auf sich?

Menschliche Energie ist ein wichtiger Aspekt des Wohlbefindens, der sich im Erleben von Vitalität und Tatendrang, aber auch geringen Ausprägungen von Ermüdung und Erschöpfung widerspiegelt. Das regelmäßige Erfassen des individuellen Energieniveaus kann zur Prävention und zur Früherkennung von Erschöpfungszuständen wie Burnout beitragen. Zur Messung von Aspekten der Energie gibt es viele Skalen. Die meisten von ihnen sind aber zu lang und zu umfangreich, um sie zum Beispiel für ein kontinuierliches Aufzeichnen im Laufe eines Arbeitstags zu nutzen. Die Batterie-Skala besteht nur aus einer Frage. Sie nutzt Bilder vom Ladezustand einer Batterie, um Personen ihr momentanes Befinden auf einem Kontinuum von "verbraucht" bis "voller Energie" einschätzen zu lassen.

Die Metapher der Batterien, die man nach der Arbeit wiederaufladen muss, ist im Alltag sehr geläufig. Auch mit Symbolbildern des Batterie-Ladezustands sind die meisten Menschen bestens vertraut, weil technische Geräte wie Mobiltelefone oder Tablets den Ladezustand prominent anzeigen. Wir konnten über mehrere Studien hinweg zeigen: Mit Hilfe einer kurzen Instruktion und den Batterie-Piktogrammen lässt sich die momentane Vitalität oder auch Erschöpfung valide, besonders zeitsparend und nutzerfreundlich messen. In unseren Studien benötigten die Personen in der Regel unter zehn Sekunden für die Bearbeitung. Anders gesagt, man kann das auch über die Smartwatch auf dem Weg von einer Besprechung in die nächste ausfüllen.

Wo und wann könnte Ihre Batterieskala Anwendung finden?

Die Batterie-Skala menschlicher Energie bringt den eigenen Ressourcenstatus auch durch die Farben von grün bis rot sehr prägnant und anschaulich auf den Punkt. Sie führt einem vor Augen, ob man heute im roten Bereich ist. Die Batterie-Skala erleichtert deswegen wie vielleicht kein anderes Messinstrument in dem Bereich auch eine bewusste Reflexion über die eigene Vitalität im Alltag, zum Beispiel im Rahmen eines persönlichen Energie-Audits: Man zeichnet den Verlauf der eigenen Vitalität im Laufe eines Tages oder einer Woche auf und reflektiert dann anschließend, warum man sich an einem bestimmten Tag besser oder schlechter gefühlt hat. Dadurch kann man nicht nur achtsamer mit den eigenen Ressourcen umgehen, man kann auch mögliche Hebel erkennen, um die eigene Energie zu beeinflussen.

Ich bin Teil einer interdisziplinären Forschungsgruppe unter Beteiligung von Wirtschaftsinformatik und Psychologie, in der wir eine Plattform namens ze:st (zappy energy and self-tracking) entwickelt haben. Im Rahmen von ze:st bieten wir ein Energie-Audit an und geben Teilnehmenden auf Grundlage ihrer Daten ein Feedback darüber, welche ganz konkreten Verhaltensweisen im Arbeitsalltag für sie persönlich zu mehr Schwung beitragen können. Das aus meiner Sicht Spannende an diesem Ansatz: Wir geben ähnlich wie in der Präzisionsmedizin auf die Person zugeschnittene Empfehlungen, statt Verhaltensweisen zu empfehlen, die zwar im Allgemeinen günstig wirken, bei der spezifischen Person aber möglicherweise eine ganz untergeordnete Rolle spielen.

Aber auch jenseits von ze:st ergeben sich sehr viele praktische Einsatzmöglichkeiten, überall da, wo man gern die Vitalität oder Erschöpfung als Indikator mentaler Gesundheit im Zeitverlauf im Auge behalten möchte. 

Aus meiner Sicht ergeben sich aber auch Anwendungen aus Sicht von Organisationen, etwa im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements oder bei der psychischen Gefährdungsbeurteilung. 

Abgesehen davon eignet sich die Batterie-Skala natürlich als valides wissenschaftliches Instrument bei Tagebuch-Studien, also Befragungsstudien mit täglichen Fragebögen über ein oder zwei Wochen, im Rahmen der Forschung. 

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Dr. Oliver Weigelt

Institut für Psychologie – Wilhelm Wundt der Universität Leipzig
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Originalpublikation:

European Journal of Work and Organisational Psychology: "Time to recharge batteries - development and validation of a pictorial scale of human energy", https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/1359432X.2022.2050218

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Prof. Dr. Martin Diers: Fibromyalgie - Wiederkehrende Schmerzen mit Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, chronische Erschöpfung, Verdauungsbeschwerden

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schmerzen außer Kontrolle

Das Gefühl von Kontrolle lässt uns Schmerzen besser ertragen. 

Bei Fibromyalgie funktioniert das allerdings nicht. 

Eine Studie gibt Hinweise darauf, warum.

  • Die Fibromyalgie ist eine rätselhafte chronische Schmerzerkrankung, die schwierig zu behandeln ist. 

Auch ihre Ursachen liegen noch weitestgehend im Dunkeln. 

Eine Studie des Teams der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum liefert Hinweise darauf, dass bei Betroffenen bestimmte Hirnareale, die an der Verarbeitung von Schmerz beteiligt sind, nicht normal funktionieren. 

  • Sie sorgen bei gesunden Personen dafür, dass sich Schmerz, den wir kontrollieren können, besser ertragen lässt. 

Bei Patientinnen mit Fibromyalgie zeigten diese Gehirnbereiche in der Studie eine veränderte Aktivität.  

Das Forschungsteam um Prof. Dr. Martin Diers berichtet in der Fachzeitschrift NeuroImage: Clinical vom 21. Februar 2023.

Hitzeschmerz selbst beenden

Die sogenannte Thermode kann Hitzereize verabreichen, die die Probandinnen entweder selbst beenden konnten, oder die der Computer steuerte.
Die sogenannte Thermode kann Hitzereize verabreichen, die die Probandinnen entweder selbst beenden konnten, oder die der Computer steuerte. © Benjamin Mosch 

Wie stark wir Schmerz und die Einschränkung durch ihn erleben, hängt entscheidend damit zusammen, wie wir ihn bewerten. 

Haben wir das Gefühl, den Schmerz kontrollieren und selbst beenden zu können, führt das zum Beispiel dazu, dass wir ihn besser ertragen, als wenn wir uns ihm ausgeliefert fühlen

„Die geringe Kontrollierbarkeit wiederholter Schmerzattacken ist eine der bedeutendsten Ursachen für die eingeschränkte Lebensqualität von Menschen mit chronischen Schmerzen“, erklärt Benjamin Mosch, Erstautor der Studie. „Die zugrunde liegenden neuronalen Mechanismen wurden allerdings bisher hauptsächlich bei gesunden Kontrollpersonen erforscht.“

In der aktuellen Studie verglich das Team zwei Gruppen: 21 gesunde Frauen und 23 Fibromyalgiepatientinnen. Beide Gruppen wurden einem Hitzeschmerz ausgesetzt, während ihre Gehirnaktivitäten mittels funktioneller Kernspintomografie beobachtet wurden. In einem Versuchsdurchgang konnten die Probandinnen den Schmerzreiz selbst beenden. In einem weiteren Durchgang steuerte ein Computer Beginn und Ende des Reizes. „Die Länge der durch den Computer beendeten Reize haben wir dabei im Mittel zu den durch die Probandinnen beendeten Reizen gleich gehalten“, so Martin Diers.

Kognitive Ressourcen sind beeinträchtigt

Wenn Frauen der gesunden Kontrollgruppe den Schmerzreiz selbst beenden konnten, wurde eine Reihe vor allem frontaler Hirnareale aktiviert, die eine wichtige Rolle bei der Modulation von Schmerzen zu spielen scheinen. 

Diese Beobachtung steht im Einklang mit älteren Studien an gesunden Probanden.

 „Interessanterweise konnten wir derartige Aktivierungen aber nicht in unserer Patientengruppe nachweisen“, berichtet Martin Diers. 

  • „Das kann als Beleg für die beeinträchtigte Schmerzverarbeitung von Patientinnen mit Fibromyalgie dienen. 

Es verdeutlicht, dass die kognitiven Ressourcen im Umgang mit akutem Schmerz bei diesen Patientinnen beeinträchtigt sind.“

Fibromyalgie

Fibromyalgie wurde 1994 in den Katalog der Weltgesundheitsorganisation aufgenommen. Geschätzte zwei Prozent der deutschen Bevölkerung sind davon betroffen, 90 Prozent von ihnen sind Frauen. 

  • Die Erkrankung ist gekennzeichnet von wiederkehrenden Schmerzen sowie verschiedenen anderen Symptomen, darunter Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, chronische Erschöpfung und Verdauungsbeschwerden. 

Im Schnitt vergehen bis zur Diagnose 16 Jahre.

Förderung

Die Arbeiten wurden unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Förderkennzeichen: DI1553/5).

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Prof. Dr. Martin Diers
Klinische und Experimentelle Verhaltensmedizin
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
LWL-Universitätsklinikum
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 5077 3175
E-Mail: martin.diers@ruhr-uni-bochum.de

Meike Drießen Ruhr-Universität Bochum

Universitätsstr. 150
44780 Bochum
Postfach 10 21 48
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Nordrhein-Westfalen

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Telefon: 0234/32-26952
Fax: 0234/32-14136
E-Mail-Adresse: meike.driessen@presse.rub.de
Originalpublikation:

Benjamin Mosch, Verena Hagena, Stephan Herpertz, Michaela Ruttorf, Martin Diers: Neural correlates of control over pain in fibromyalgia patients, in: NeuroImage: Clinical, 2023, DOI: 10.1016/j.nicl.2023.103355, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S221315822300044X?via%3Dihub


Can Gollmann-Tepeköylü: Aortenklappen-Operation: Aortenstenose und die Virenbekämpfung (Mechanismus)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Medikamente statt OP? Neue Erkenntnisse zur Therapie bei verkalkten Herzklappen

Die Diagnose Aortenklappenverkalkung ist sehr häufig: 

Jede/r Zehnte über 80 ist davon betroffen. 

  • Bisher ist die einzige Behandlungsmöglichkeit ein operativer oder interventioneller Eingriff. 

Nun liefert ein ForscherInnenteam der Medizin Uni Innsbruck neue Erkenntnisse zur Entstehung der Verkalkung der Aortenklappe im Herzen. 

Ein Mechanismus, der für die Erkennung von Viren bekannt ist, spielt eine entscheidende Rolle. 

Die Forschungsarbeit liefert wichtige Grundlagen für die Entwicklung einer medikamentösen Therapie. 

Aortenklappen-OP an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Herzchirurgie

Aortenklappen-OP an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Herzchirurgie  David Bullock MUI/D. Bullock

Die Aortenklappe hat eine wesentliche Funktion: 

Bei jedem Herzschlag verhindert sie den Rückstrom von Blut in die linke Herzkammer.  

Mit fortschreitendem Alter kann es hier zu einer Verkalkung und damit Verengung kommen, die Diagnose lautet dann Aortenstenose. 

Manchmal sind auch jüngere PatientInnen mit einem angeborenen Fehler der Klappe betroffen. 

Diese wird durch eine Operation oder einen Klappenersatz behoben, bisher gibt es allerdings keine medikamentöse Therapie. 

Die Aortenstenose gehört zu den häufigsten Todesursachen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Österreich. 

Ein Team von ForscherInnen an der Medizinischen Universität Innsbruck trägt dazu bei, neue Therapiemöglichkeiten zu entwickeln. Eine aktuelle Forschungsarbeit, bei der auch Daten von 300.000 PatientInnen berücksichtigt wurden, liefert neue Erkenntnisse über die Entstehung der Verkalkung, über mögliche Risikomarker und für die Entwicklung medikamentöser Therapien. Eines der weltweit renommiertesten Fachjournale in der Herzmedizin, Circulation, veröffentlichte nun die Ergebnisse.

Mechanismus zur Virenbekämpfung führt auch zur Verkalkung der Aortenklappe
„Die neuen Einblicke in den Entstehungsmechanismus der Klappenverkalkung sind bedeutend, um diese Erkrankung frühzeitig erkennen und in Zukunft auch medikamentös behandeln zu können. Das ist aktuell noch nicht möglich“, erklärt Can Gollmann-Tepeköylü von der Univ.-Klinik für Herzchirurgie und Erstautor der Circulation-Publikation.

Eine große Rolle bei der Entstehung der Aortenstenose spielt ein Rezeptor, der bisher vor allem für seine Aufgabe bei der Virenbekämpfung bekannt war: Der sogenannte Toll-Like Rezeptor 3 (TLR 3) kommt unter anderem auf der Oberfläche von Zellen des Herzens und von Immunzellen vor und hat zur Aufgabe, Viren zu entdecken. 

„Allerdings erkennt das menschliche Immunsystem auch körpereigene Schäden und nicht nur Viren, die eindringen“, erklärt Can Gollmann-Tepeköylü. 

 „Durch die hohe mechanische Belastung der Aortenklappe wird das Immunsystem aktiviert und sorgt über eine Entzündungsreaktion für eine Verknöcherung und damit Verstärkung der Aortenklappe. 

Dieser angeborene Mechanismus wird insbesondere im Alter in Gang gesetzt.“ Ziel der weiteren Forschungsarbeit ist es daher, mit einem Medikament in den Mechanismus rund um den Virenerkenner TLR3 einzugreifen und eine Verkalkung der Aortenklappe zu verhindern. Verschiedenste Wirkstoffkandidaten werden in aktuell laufenden Studien getestet.

Möglicher Risikomarker entdeckt
Voraussetzung für diese Therapieoption ist die frühzeitige Diagnose – auch hier ist das ForscherInnenteam einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Durch die Analyse der Daten von rund 300.000 PatientInnen in Kooperation mit der renommierten kanadischen McGill University haben die ForscherInnen Genvarianten entdeckt, die ein wichtiger Risikomarker für die Entstehung einer Aortenstenose sein könnten.

 „Mit Hilfe dieser Varianten, die wir gefunden haben, könnte es möglich werden, frühzeitig zu erkennen, wer ein hohes Risiko für die Entstehung einer Aortenstenose hat“, erklärt der Herzchirurg und Seniorautor Johannes Holfeld. 

Damit kann diese in Innsbruck begonnene Forschungsarbeit wichtige Grundlagen für die weitere Therapieentwicklung liefern. Translationale Forschung - die Entwicklung neuer Therapien, die aus Grundlagenerkenntnissen im Forschungslabor entstehen und dann klinisch getestet werden können – ist der Schwerpunkt des Teams um Johannes Holfeld.

Herzchirurg Can Gollmann-Tepeköylü ist Erstautor der neuen Studie.

Herzchirurg Can Gollmann-Tepeköylü ist Erstautor der neuen Studie. David Bullock MUI/D. Bullock

Erfolgreiche Forschung durch gute Zusammenarbeit
Die Erkenntnisse ermöglicht hat eine enge Zusammenarbeit zwischen den ExpertInnen mehrerer Fachabteilungen. So fungiert als gleichgereihter Erstautor Michael Graber, der wie Can Gollmann-Tepeköylü an der Univ.-Klinik für Herzchirurgie (Direktor: Michael Grimm) im Herzchirurgischen Forschungslabor tätig ist. Die korrespondierenden Autoren sind der Herzchirurg Johannes Holfeld und der Pneumologe und Internist Ivan Tancevski. Insgesamt waren 44 AutorInnen aus Innsbruck sowie insbesondere Kanada, den USA und Europa beteiligt. Die wissenschaftliche Forschungsarbeit ist bereits mehrfach von nationalen und internationalen Fachgesellschaften ausgezeichnet worden und unterstreicht die Expertise am Standort Innsbruck im Bereich der Herzklappen-Forschung. Die Arbeit ist in Kooperation mit dem Tiroler Forschungszentrum VASCAGE entstanden und wurde vom FWF gefördert. 

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Can Gollmann-Tepeköylü
Univ.-Klinik für Herzchirurgie
Medizinische Universität Innsbruck
E-Mail: can.gt@i-med.ac.at
www.carelab.at

Doris Heidegger Medizinische Universität Innsbruck

Innrain 52
6020 Innsbruck
Österreich
Tirol

E-Mail-Adresse: doris.heidegger@i-med.ac.at
Originalpublikation:

https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCULATIONAHA.122.063481

 

Professor Jan Tuckermann: Cortison bei dickleibigen Menschen im Labor erheben - Verdacht auf Insulinresistenz/ Diabetes Typ-2

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Cortison-Rezeptoren in Fresszellen schützen vor Insulinresistenz

Weltweit bekommen immer mehr dickleibige Menschen Typ II-Diabetes. 

  • Bevor es zu Diabetes kommt, entwickelt sich bei Betroffenen aufgrund einer chronischen Entzündung des Fettgewebes zunächst eine Insulinresistenz als Vorstufe. 

Forschende um Professor Jan Tuckermann vom Institut für Molekulare Endokrinologie der Tiere der Universität Ulm haben jetzt im Mausmodell nachgewiesen, dass sich die Insulinresistenz erhöht, wenn Fresszellen bestimmte Cortison-Rezeptoren fehlen

Diese Grundlagenforschung könnte zu besseren Diagnosemöglichkeiten und einer optimierten Behandlung von Insulinresistenz führen. Die deutsch-dänische Studie wurde in der Fachpublikation „Nature Communications“ veröffentlicht.

Dickleibige Menschen haben ein erhöhtes Risiko, eine Insulinresistenz und in Folge Diabetes des Typs II zu entwickeln. Mit zunehmendem Wohlstand und der Verfügbarkeit kalorienreicher Lebensmittel breitet sich die Krankheit auch in Schwellenländern aus. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass sich die Zahl der an Diabetes erkrankten Menschen zwischen 1980 und 2014 beinahe vervierfacht hat: von 108 auf 422 Millionen. „Aber nicht alle dicken Menschen sind automatisch insulinresistent“, sagt Professor Jan Tuckermann, Direktor des Instituts für Molekulare Endokrinologie der Tiere an der Universität Ulm. 

Welche körpereigenen Faktoren vor Insulinresistenz schützen können, ist Gegenstand seiner Forschung. 

  • Bei einer solchen Resistenz produziert die Bauchspeicheldrüse zwar noch Insulin, um den Blutzuckerspiegel zu senken, aber das Hormon kann nicht mehr richtig wirken. 
  • Denn die Botschaft, dass Zucker aus dem Blut aufgenommen und in die Zellen gebracht werden muss, kommt bei den zuständigen Glukosetransportern nicht mehr an, das Insulin wirkt schlechter.

Wie kann man die oftmals aus einer Insulinresistenz hervorgehende Entstehung von Diabetes Typ II verhindern? 

Das ist eine der zugrundeliegenden Fragen einer jetzt in „Nature Communications“ veröffentlichten Studie von Forschenden der Universität. 

  • Zu einer Insulinresistenz kommt es durch eine chronische, niederschwellige Entzündungsreaktion im Fettgewebe. 
  • Die Entzündung entsteht, wenn zu viele Makrophagen (Fresszellen) im Fettgewebe sind, um abgestorbene Zellen zu beseitigen.

 „Im Mausmodell konnten wir zeigen, dass der Glukokortikoid-Rezeptor in Fresszellen im Fettgewebe entscheidend für die Unterdrückung der Entzündung und damit für die Vermeidung ernährungsbedingter Insulinresistenz ist“, sagen die beiden Erstautoren Giorgio Caratti und Ulrich Stifel.

  • Glukokortikoide sind Cortisol-ähnliche, stark entzündungshemmende Hormone, die direkt in den Makrophagen wirken. 

Ihre Studie haben die Forschenden an hochkalorisch gefütterten und dadurch stark übergewichtigen Mäusen durchgeführt, deren Fettgewebe subklinisch entzündet war und die gentechnisch so verändert wurden, dass ihnen der Glukokortikoid-Rezeptor in Fresszellen fehlt. Die körpereigenen, anti-entzündlichen Stoffe konnten dort also nicht mehr andocken und in die Zellen hineinwirken. Caratti, Stifel et al. wiesen nach, dass der Verlust des Rezeptors bei Mäusen zu einer stärkeren Entzündung im Fettgewebe und einer ausgeprägteren Insulinresistenz führt als bei nicht veränderten Tieren. Ergänzend haben die Forschenden tierfreie Experimente mit Gewebekulturen durchgeführt. „Es ist schwierig, solche Forschung komplett außerhalb vom Tier zu machen“, erläutert Tuckermann. Denn: „Cortison wirkt im ganzen Körper.“ Die Ergebnisse müssen noch im Menschen validiert werden.

Ein weiteres, unerwartetes Ergebnis:

 „Der Glukokortikoid-Rezeptor ist nicht alleine für die anti-entzündlichen Effekte verantwortlich, sondern ist in seiner Wirkung stark vom Signalprotein STAT 6 abhängig, das ebenfalls anti-entzündlich wirkt“, betont Dr. Alexander Rauch von der University of Southern Denmark in Odense in Dänemark, der die Studie mit Tuckermann koordiniert hat.

Was bedeutet das für die Diagnose und Behandlung von Insulinresistenz beim Menschen? 

„Wenn es uns gelingt, Cortison bei dickleibigen Menschen zellspezifisch genau an diese Makrophagen zu bringen, könnte es möglich sein, die Insulinresistenz zu senken“, sagt Professor Jan Tuckermann. 

Möglicherweise ergeben sich aus der Grundlagenforschung auch neue Diagnosemöglichkeiten: 

Dünne Mäuse haben mehr Glukokortikoid-Rezeptoren in Makrophagen und dadurch eine niedrigere Insulinresistenz. „Wir glauben, das könnte beim Menschen ähnlich sein.“

Die Studie wurde vor allem gefördert durch ein Forschungsstipendium der Nachwuchsakademie ProTrainU der Universität Ulm sowie durch die Deutsche Forschungsgesellschaft über den Sonderforschungsbereich 1506 „Alterung an Schnittstellen“. 

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Prof. Dr. Jan Tuckermann, 

Institut für Molekulare Endokrinologie der Tiere

Tel.: 0731/50-32600

E-Mail: jan.tuckermann@uni-ulm.de

Christine Liebhardt Universität Ulm

Helmholtzstraße 16
89081 Ulm
Deutschland
Baden-Württemberg

Telefon: 0731-50-22121
E-Mail-Adresse: christine.liebhardt@uni-ulm.de 
Originalpublikation:

Giorgio Caratti, Ulrich Stifel, Bozhena Caratti, Ali J.M. Jamil, Kyoung-Jin Chung, Michael Kiehntopf, Markus H. Gräler, Matthias Blüher, Alexander Rauch, und Jan P. Tuckermann (2023): “Glucocorticoid Activation of Anti-Inflammatory Macrophages Protects Against Insulin Resistance”. Nature Communications 14, 2271 (2023).
DOI: 10.1038/s41467-023-37831-z

 

Prof. Dr. Marcus Mall: Auswurf von Patientinnen und Patienten mit Mukoviszidose (Cystische Fibrose CF), chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD, Asthma und Bronchiektasen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Vielversprechender Schleimlöser gegen verengte Atemwege

Forschende des Deutschen Zentrums für Lungenforschung, der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der University of California haben einen neuen schleimlösenden Wirkstoff gefunden. 

Im Auswurf von Patientinnen und Patienten mit Mukoviszidose konnte er den Schleim schnell und effektiv lösen und verbesserte in einem Tiermodell krankheitstypische Beschwerden. 

Die Ergebnisse wurden jetzt im European Respiratory Journal veröffentlicht. 

Eine erste klinische Studie mit dem vielversprechenden Wirkstoff ist geplant.

  • Durch Schleim verengte Atemwege sind nicht nur bei Mukoviszidose, sondern auch bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD, Asthma und Bronchiektasen ein Problem. 

Bislang gibt es für keine der Erkrankungen effektive schleimlösende Medikamente. 

DZL-Forscher Prof. Dr. Marcus Mall, Direktor der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie, Immunologie und Intensivmedizin der Charité und sein Team haben zusammen mit internationalen Wissenschaftlern gezeigt, dass die neue Substanz MUC-031 eine starke schleimlösende und therapeutische Wirkung hat.

Dafür untersuchten sie den Auswurf von Patientinnen und Patienten mit Mukoviszidose, auch Cystische Fibrose (CF) genannt. 

Als Auswurf oder Sputum bezeichnet man das schleimige Sekret der unteren Atemwege, das beim Husten in den Rachenraum gelangt. 

  • Bei Patienten mit der genetisch bedingten Erkrankung Mukoviszidose verlegt ein zäher Schleim die unteren Atemwege, was das Atmen erschwert.


Die Forscher analysierten das Verformungs- und Fließverhalten des Sputums und verglichen dabei den neuen Wirkstoff mit herkömmlichen schleimlösenden Medikamenten, sogenannten Mukolytika. 

Mukolytika lockern den Schleim, sodass dieser besser aus den Atemwegen abtransportiert oder abgehustet werden kann. 

15 Minuten nach Wirkstoffgabe löste MUC-031 schneller und mehr schleimiges Sekret in den Sputumproben als die herkömmlichen Medikamente.

Weniger Schleim und Entzündungen in den Atemwegen

Auch in einem Mausmodell zur Cystischen Fibrose konnten die Forschenden zeigen, dass MUC-031 die Schleimansammlung verringert, die Entzündung der Atemwege lindert und das Überleben der Tiere verbesserte. Aufgrund dieser vielversprechenden präklinischen Ergebnisse ist bereits eine erste klinische Studie zur Wirksamkeit der Substanz in Planung.

„Unsere Arbeit ist ein schönes Beispiel wie akademische Forschung zur Entwicklung neuer Therapien beitragen kann“, sagt Mall. 

„Außerdem zeigt sie, wie Wissen von einer seltenen genetischen Erkrankung wie Mukoviszidose auf eine Volkskrankheit wie COPD übertragen werden kann.“


Originalpublikation:

A novel thiol-saccharide mucolytic for the treatment of muco-obstructive lung diseases; Annalisa Addante, Wilfred Raymond, Irina Gitlin, Annabelle Charbit, Xavier Orain, Aaron, Wolfe Scheffler, Aditi Kuppe, Julia Duerr, Maria Daniltchenko, Marika Drescher, Simon, Y. Graeber, Anne-Marie Healy, Stefan Oscarson, John V. Fahy and Marcus A. Mall, European Respiratory Journal (2023). doi: 10.1183/13993003.02022-2022

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Alina Zidaric Deutsches Zentrum für Lungenforschung e.V.

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35392 Gießen
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E-Mail-Adresse: contact@dzl.de

Telefon: 0641 99 46721
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Dr. Christian Kalberlah
Geschäftsführer
Telefon:
E-Mail-Adresse: c.kalberlah@dzl.de


Die Wirksamkeit von Stuhltransplantationen (auch: fäkale Mikrobiom-Transplantation, FMT)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Heilsame Fäkalien: Cochrane-Evidenz zum Nutzen von Stuhltransplantationen

Zwei neue Cochrane Reviews untersuchen die Wirksamkeit von Stuhltransplantationen (auch: fäkale Mikrobiom-Transplantation, FMT), also der Übertragung des Darminhalts eines gesunden Spenders in den Darm von Patient*innen. 

  • Demnach wirkt eine FMT besser gegen wiederkehrende Infektionen durch das Bakterium Clostridioides difficile als eine Standardbehandlung mit Antibiotika. 
  • Bei 77 % der Studienteilnehmenden, die eine Stuhltransplantation erhielten, kam es innerhalb von acht Wochen nicht zu einer erneuten Infektion, verglichen mit 40 % derjenigen, die Antibiotika erhielten. 

Ein weiterer Review zum Einsatz bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen erbrachte keine eindeutige Evidenz

Clostridioides difficile ist ein in der Umwelt und im Darmtrakt von Tier und Mensch weit verbreitetes Bakterium, das normalerweise keine Gefahr darstellt. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Neue Antiinfektionsstrategien  

  • Bei Menschen mit einer sogenannten Dysbiose, also einer stark gestörten Darmflora, kann es sich jedoch extrem vermehren und Darmentzündungen mit heftigem Durchfall verursachen.

Die häufigste Ursache für eine solche Dysbiose ist eine vorangegangene Behandlung mit Antibiotika. Diese Arzneimittel sind gegen eine Vielzahl bakterieller Infektionen wirksam, können bei oraler Einnahme aber auch das sogenannte intestinale Mikrobiom schädigen, also die Gesellschaft nützlicher Bakterien, die einen gesunden Darm besiedeln.

Normalerweise erholt sich dieses komplexe Ökosystem „guter“ Bakterien nach einer Behandlung mit Antibiotika schnell. 

Gelegentlich jedoch gewinnen bei der Neubesiedlung des Darms potentiell gefährliche Arten wie C. difficile die Oberhand. C. difficile kann dann eine pseudomembranöse Kolitis auslösen, eine schwere Darmentzündung, die mitschwerem, blutigem Durchfall verbunden ist. 

  • Besonders häufig infizieren sich bereits vorerkrankte Patient*innen in medizinischen Einrichtungen, weshalb das Bakterium zu den „Krankenhauskeimen“ gezählt wird.

Zur Standardbehandlung einer Infektion mit C. difficile gehören bestimmte Antibiotika. 

Dies mag paradox erscheinen, hat aber oft den gewünschten Effekt. 

Allerdings kann es dadurch auch zu einem Teufelskreis kommen, in dem auf einen kurzen Behandlungserfolg eine erneute Infektion mit C. difficile folgt. 

Dies geschieht bei rund einem Viertel der infizierten Personen. 

Die Häufigkeit von Infektionen mit C. difficile ist wegen seiner weiten Verbreitung und der großen Bandbreite der Symptome nur schwer einzuschätzen. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC gibt es jedes Jahr allein in den USA etwa eine Viertelmillion Infektionen mit C. difficile, die zu etwa 12 000 Todesfällen (1) führen. Für Deutschland liegen Schätzungen bei 4000 bis 16 000 Fällen pro Jahr (2), im Jahr 2016 wurden dem Robert Koch-Institut insgesamt 2.337(3) schwere Verlaufsformen gemeldet.

Die Transplantation von gesundem Spenderstuhl in einen Darm mit Dysbiose soll ein gesundes Mikrobiom wiederherstellen, wodurch das Risiko eines erneuten Auftretens von C. difficile deutlich verringert wird. 

Wie bei einer Blutspende werden Spender*innen auch bei einer Stuhlspende zuvor auf Krankheiten und Infektionen untersucht. Der Stuhl kann über eine Koloskopie, eine nasogastrale oder nasoduodenale Sonde, einen Einlauf oder eine Kapsel übertragen werden. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat kürzlich ein Stuhltransplantationspräparat zur Vorbeugung des Wiederauftretens von C. difficile zugelassen, das als Einlauf verabreicht werden kann. 

Der neue Cochrane Review unter der Leitung des Gastroenterologen Aamer Imdad von der Upstate Medical University in US-Bundestaat New York umfasst Daten aus sechs klinischen Studien mit insgesamt 320 Erwachsenen, welche die Wirksamkeit und Sicherheit einer Stuhltransplantation zur Behandlung von wiederkehrenden Infektionen mit C. difficile untersucht haben. Zwei Studien wurden in Dänemark durchgeführt, je eine in den Niederlanden, Italien, Kanada und den Vereinigten Staaten. In den meisten der einbezogenen Studien wurde die Stuhltransplantation mit einer Behandlung mit dem Antibiotikum Vancomycin verglichen, das üblicherweise bei dieser Art von Infektion eingesetzt wird. 

Die systematische Übersichtsarbeit ergibt, dass die Stuhltransplantation im Vergleich zu anderen untersuchten Behandlungen zu einer rund doppelt so hohen Heilungsrate von wiederkehrenden C. difficile-Infektionen sowie zu einer Verringerung der Nebenwirkungen im Vergleich zur Standardbehandlung mit Antibiotika führt. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE (LINK!!!) hierfür wird von den Autor*innen als moderat eingestuft, der zweithöchsten von vier möglichen Stufen.  

  •  „Nachdem eine Person mit einer C. difficile-Infektion mit Antibiotika behandelt wurde, besteht eine etwa 25-prozentige Chance, dass sie in den nächsten acht Wochen eine weitere C.-difficile-Infektion erleidet“, erklärt Imdad.
  •  „Das Risiko eines erneuten Auftretens erhöht sich nach der zweiten Episode auf etwa 40 Prozent und nach der dritten Episode auf fast 60 Prozent. 

Wenn man sich einmal in diesem Teufelskreis befindet, wird es immer schwieriger, aus ihm auszubrechen. Eine Stuhltransplantation kann die Dysbiose umkehren und so das Risiko eines erneuten Auftretens der Krankheit verringern.“

Ein weiterer Cochrane Review, ebenfalls unter der Leitung von Aamer Imdad, befasst sich mit dem Einsatz von Stuhltransplantaten zur Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen, zu denen man vor allem Colitis ulcerosa und Morbus Crohn zählt. 

Die Übersichtsarbeit spricht bei Colitis ulcerosa für einen Nutzen der FMT, um eine beschwerdefreie Phase (klinische Remission) einzuleiten. 

Allerdings ist die Evidenz hierfür nur von geringer Vertrauenswürdigkeit.

Noch schlechter ist die Evidenzlage für eine längerfristige Remission, ebenso wie zum Einsatz von FMT bei Morbus Crohn – hierzu fanden die Autor*innen lediglich eine einzige kleine Studie. 

Bevor Stuhltransplantationen für die Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen in Betracht gezogen werden können, sind daher weitere Forschungsarbeiten erforderlich.

Originalpublikation:

Minkoff NZ, Aslam S, Medina M, Tanner-Smith EE, Zackular JP, Acra S, Nicholson MR,
Imdad A. Fecal microbiota transplantation for the treatment of recurrent
Clostridioides difficile (Clostridium difficile). Cochrane Database of Systematic
Reviews TBD, Issue TBD. Art. No.: CD013871. DOI:
10.1002/14651858.CD013871.pub2.

UND

Imdad A, Pandit NG, Zaman M, Minkoff NZ, Tanner-Smith EE, Gomez-Duarte OG, Acra S, Nicholson MR. Fecal transplantation for
treatment of inflammatory bowel disease. Cochrane Database of Systematic Reviews TBD, Issue TBD. Art. No.: CD012774.
DOI: 10.1002/14651858.CD012774.pub3.

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Prof. Dr. Maximilian Rudert: Das humpelnde Kind am Montag, den 01. Mai 2023 - Hüftschnupfen?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Das humpelnde Kind: Harmloser Hüftschnupfen oder ernste Knocheninfektion

Bein- und Hüftbeschwerden bei Kindern richtig deuten

Wenn das Kind plötzlich humpelt, sind Eltern oft ratlos. 

Denn die Ursache kann harmlos, aber auch schwerwiegend sein.

 „Vielleicht hat ein humpelndes Kind nur einen leichten Hüftschnupfen im Zusammenhang mit einem Virusinfekt. 

Es kann sich jedoch auch um eine Knochen- oder Gelenkinfektion handeln, die dringend ärztlich behandelt werden muss. 

In jedem Fall ist es ratsam, sich ärztlichen Rat einzuholen“, sagt Prof. Dr. Maximilian Rudert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) sowie Ärztlicher Direktor der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus und Ordinarius für Orthopädie der Universität Würzburg.

Ein Fachbeitrag dazu ist jetzt in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Orthopädie und Unfallchirurgie – Mitteilungen und Nachrichten“ (OUMN) erschienen.

Ein Hüftschnupfen, auch Coxitis fugax genannt, tritt häufig bei Kindern im Alter von drei bis zehn Jahren auf. Er entsteht meist zwei bis drei Wochen nach einer viralen Infektion der oberen Luftwege oder des Darmtraktes. 

Das Kind tritt nicht richtig auf, ist aber anderweitig gesund. 

Der Hüftschnupfen ist harmlos. „Die Coxitis fugax ist eine Ausschlussdiagnose. Wichtig ist die Abgrenzung beispielsweise zum eitrigen Infekt eines Gelenkes, bei dem schnellstens eine notfallmäßige Operation stattfinden muss“, sagt Prof. Dr. Anna K. Hell, Präsidentin der DGOU-Sektion Vereinigung für Kinderorthopädie (VKO), Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie Universitätsmedizin Göttingen. Es können aber auch andere Ursachen hinter einem Humpeln stecken.

Auf diese Krankheiten kann Humpeln hinweisen:
• Gelenkentzündungen (eitrige Arthritis) oder Entzündungen am Knochen (Osteomyelitis)
• Hüftschnupfen (Coxitis Fugax): Häufig bei Kleinkindern und im Grundschulalter als Reaktion auf einen viralen Infekt der oberen Luftwege
• Morbus Perthes, eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes
• Fremdkörper in der Fußsohle
• Verletzungen an Knochen, Muskeln, Sehnen, Bändern oder Gelenkkapseln nach Unfällen, z.B. beim Sport
• Toddler´s Fraktur: Haarriss in den langen Röhrenknochen beim Kindergartenkind durch ein Bagatelltrauma
• Rheumatische Erkrankungen
• Tumoren
• Hüftkopfabrutsch (Epiphyeolysis capitis femoris – ECF): tritt häufig in der Pubertät auf

Ob die Ursache für das Humpeln harmlos oder schwerwiegend ist, sollte ärztlich ermittelt werden. Ist das Kind alt genug, kann es mitteilen, ob es sich einen Fremdkörper in die Sohle eingetreten oder sich beim Sport verletzt hat. Ein eingezogener Splitter oder ein blauer Fleck sind sichtbar, die Körperstelle reagiert auf den Fingerdruck beim Abtasten.

Bei diesen 5 Symptomen sollten Eltern das humpelnde Kind einem Kinderorthopäden oder einer Kinderorthopädin vorstellen:
1. Schlechter Allgemeinzustand mit Fieber
2. Schmerzen treten auch nachts auf und das Kind wacht davon auf
3. Zunehmende Schmerzen unabhängig von der Belastung
4. Symptome halten bei einem sonst gesunden Kind länger als sieben Tage an
5. Keine Verletzungsursache bekannt und Herkunft der Schmerzen unklar


Bei der Diagnosefindung spielen auch Aussagen zur Schmerzqualität eine große Rolle: 

Das Kind muss mitteilen, wann und wo der Schmerz auftritt und auf weitere Fragen antworten: 

Sind die Schmerzen abnehmend, zunehmend oder gleichbleibend und strahlen sie aus? 

Besteht der Schmerz schon länger und wird durch Unwohlsein oder Fieber begleitet? 

Häufig reicht das bereits für eine Diagnose, manchmal sind jedoch weitere Untersuchungen wie Ultraschall, Röntgen oder Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich.

Weitere Informationen: www.dgou.de

Referenz: Artikel „Das humpelnde Kind“ der aktuellen Ausgabe der Mitgliederzeitschrift „Orthopädie und Unfallchirurgie – Mitteilungen und Nachrichten“ (OUMN), Heft 2, 2023.

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