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Pulsierende Blutströme - Kardiovaskuläre Strömung - Arteriosklerose - zelluläre Dysfunktion,

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Blutströme könnten turbulenter sein als bisher erwartet

Man geht davon aus, dass der Blutfluss im menschlichen Körper überwiegend gleichmäßig und nicht turbulent ist. 

Instabiler Fluss wird dagegen mit einer Vielzahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einschließlich Arteriosklerose in Verbindung gebracht - eine der führenden Todesursachen weltweit. 

Professor Björn Hof vom Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) hat nun gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam gezeigt, dass unser Blutkreislauf turbulenter ist als bisher angenommen. 

Die Studie wird in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS) veröffentlicht. 

Dreidimensionale Rekonstruktion der helikalen Instabilität.
Dreidimensionale Rekonstruktion der helikalen Instabilität.
Michael Riedl © Gruppe Hof / IST Austria.
 
Der Blutfluss im menschlichen Körper wird aufgrund seiner geringen Geschwindigkeit und hohen Viskosität im Allgemeinen als gleichmäßig angenommen.

  • Unregelmäßiger Blutfluss wird mit verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht und fördert nachweislich Funktionsstörungen und Entzündungen in der inneren Schicht der Blutgefäße, dem Endothel. 
  • Dies wiederum kann zur Entwicklung von Arteriosklerose führen, einer weltweit führenden Todesursache, bei der sich die arteriellen Wege im Körper aufgrund von Plaqueablagerungen verengen. 

Die Ursache für diese Instabilität ist jedoch noch nicht gut verstanden.

Nun hat der IST-Austria-Professor Björn Hof zusammen mit einem internationalen Forscherteam gezeigt, dass pulsierende Blutströme, wie die unseres Herzens, stark auf geometrische Unregelmäßigkeiten in den Gefäßen (wie Plaqueablagerungen) reagieren und viel höhere Geschwindigkeitsschwankungen verursachen als bisher angenommen.

Die Forschung könnte Auswirkungen darauf haben, wie wir in Zukunft Krankheiten untersuchen, die mit dem Blutfluss zusammenhängen.


"In diesem Projekt wollten wir untersuchen, ob die Erkenntnisse, die wir kürzlich über den Ursprung von Turbulenzen in Rohrströmungen gewonnen haben, Licht auf Instabilitäten in pulsierenden Strömungen und auf die kardiovaskuläre Strömung in Blutgefäßen werfen können", sagt Hof.

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein bisher unbekannter Mechanismus Turbulenzen in pulsierenden Strömungen im menschlichen Körper bei niedrigeren Strömungsgeschwindigkeiten als bisher angenommen verursachen kann. ”


Warum ist ein turbulenter Blutfluss gesundheitsgefährdend?

  • Die Innenwand eines Blutgefäßes, das Endothel, reagiert sehr empfindlich auf eine als "Scherspannung" bezeichnete Kraft, die sich in diesem Fall auf die Reibung bezieht, die durch den Blutfluss an der Innenseite eines Blutgefäßes entsteht. 
Normalerweise sind die Zellen innerhalb des Endothels an relativ gleichmäßige Fließgeschwindigkeiten in einer Richtung angepasst.

Wenn jedoch Turbulenzen im Gefäß entstehen (z.B. aufgrund einer geometrischen Unregelmäßigkeit), wird die Strömung multidirektional und führt zu wechselnden Scherkräften auf das Endothel. 
  • Solche Spannungsschwankungen können eine zelluläre Dysfunktion, eine Entzündung des Endothels und langfristig eine Arteriosklerose auslösen.

Modellierung von Turbulenzen im Blutfluss
Das Team hat sowohl experimentell als auch theoretisch bewiesen, dass Blutgefäße mit geometrischen Unregelmäßigkeiten wahrscheinlich mehr Turbulenzen verursachen als bisher angenommen. In ihren Experimenten, die am IST Austria durchgeführt wurden, konnte Teammitglied Dr. Atul Varshney nachweisen, dass bei einer Verlangsamung des pulsierenden Blutflusses (z.B. zwischen Herzschlägen) Turbulenzen entstehen, insbesondere in Bereichen mit geometrischen Unregelmäßigkeiten.

  • Sobald der Fluss wieder beschleunigt wurde, wie z.B. beim Herzschlag, wurde er glatt und turbulenzfrei (auch bekannt als laminare Strömung). 
  • Das bedeutet, dass, wenn ein Blutgefäß nicht ideal geformt ist oder geometrische Unregelmäßigkeiten aufweist, bei jedem Pulszyklus oder Herzschlag wahrscheinlich eine turbulentere Strömung auftritt. 

Die Forschung könnte wichtige Auswirkungen darauf haben, wie die medizinische Gemeinschaft den Blutfluss modelliert, insbesondere in großen Blutgefäßen wie der Aorta.

 
Björn Hof schließt daraus: "Es ist erstaunlich, dass diese Instabilität in früheren Studien übersehen wurde. Wir vermuten, auch wegen der komplexen Zusammensetzung des Blutes, dass es andere Mechanismen geben könnte, die bei noch niedrigeren Geschwindigkeiten Turbulenzen im kardiovaskulären Fluss verursachen können. Wie in der vorliegenden Studie wird auch unsere zukünftige Arbeit darauf abzielen, grundlegende Mechanismen zu identifizieren, die für andere Bereiche wie die Medizin relevant sind".

Über die Hof-Gruppe bei IST Austria

Die meisten Flüssigkeitsströmungen von praktischem Interesse sind turbulent, doch unser Verständnis dieses Phänomens ist sehr begrenzt. Die Hof-Gruppe versucht, einen Einblick in die Natur der Turbulenz und die Dynamik komplexer Fluide zu gewinnen. Die Gruppe kombiniert detaillierte Laborexperimente mit hochauflösenden Computersimulationen und wendet Methoden aus der nichtlinearen Dynamik und der statistischen Physik an, um Schlüsselaspekte des Übergangs von glatter zu turbulenter Strömung zu entschlüsseln.

Diese Forschung wurde von Wissenschaftlern des Institute of Science and Technology Austria (IST Austria), des Zentrums für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) an der Universität Bremen, Deutschland, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Deutschland, und des Zentrums für angewandte Mathematik an der Tianjin Universität, China, durchgeführt.

Informationen zur Finanzierung:
Der IST-Austria-Teil dieses Projekts wurde durch Mittel des Horizon 2020-Programms der Europäischen Union (Marie Skłodowska-Curie Grant Nr. 754411) sowie durch Zuschüsse des Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) unterstützt.

Originalpublikation:
10.1073/pnas.1913716117

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Patrick Müller Institute of Science and Technology Austria
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Österreich
Niederösterreich
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E-Mail-Adresse: patrick.mueller@ist.ac.at

Herzflimmern und Atemstillstand: Herzrhythmusstörungen oder Atemstillstände während des Schlafs

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: „Nature“-Publikation: Ionenschleuse umklammert Wirkstoffe

Kein Entkommen: 

Wenn Ionenkanäle vom TASK-1-Typ durch Wirkstoffe blockiert werden, so liegt das an ihrer eigenen räumlichen Gestalt – sie halten die Hemmstoffe mit Molekülarmen fest. 

Dieser Mechanismus erklärt, warum TASK-1-Kanäle besonders gut auf Medikamente ansprechen, die gegen Herzflimmern und Atemstillstand helfen. 

Eine internationale Forschungsgruppe beschreibt die dreidimensionale Molekülstruktur von TASK-1 in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Nature“. 

Hier kommt keiner raus! Ein internationales Forschungsteam erkundete die exotische Welt der Ionenkanäle und stieß auf Moleküle, die den Durchgang verbarrikadieren.
Hier kommt keiner raus! Ein internationales Forschungsteam erkundete die exotische Welt der Ionenkanäle und stieß auf Moleküle, die den Durchgang verbarrikadieren.
(Foto: Vision Concept Agency;  
  • Ob Herzrhythmusstörungen oder Atemstillstände während des Schlafs – ganz unterschiedliche Krankheitsbilder beruhen auf der fehlerhaften Funktion von Ionenkanälen. 

Sie sorgen normalerweise dafür, dass Zellen elektrisch erregbar bleiben, insbesondere Neuronen. „TASK-Kanäle gehören zu den Kanaltypen, die medikamentös am einfachsten zu steuern sind“, erklärt der Physiologe Professor Dr. Niels Decher von der Philipps-Universität, der die Studie zusammen mit der Biochemie-Professorin Dr. Elisabeth Carpenter von der Universität Oxford leitete.

  • Viele unserer Körperfunktionen beruhen auf elektrischen Signalen, etwa die Nerventätigkeit oder der Herzschlag. 
  • Die elektrischen Signale kommen dadurch zustande, dass sich im Inneren von Zellen andere elektrisch geladene Teilchen oder Ionen befinden als außerhalb. 

Durch die ungleiche Verteilung gelangen die Ionen entweder von einer Seite der Membran durch Kanäle auf die andere oder werden zurückgehalten; auf diese Weise baut sich ein elektrisches Potenzial über der Membran auf, die jede Zelle umhüllt.

Wenn Kanäle wie TASK-1 nicht richtig funktionieren – etwa zu wenige oder zu viele Ionen passieren lassen –, schaffen Hemmstoffe oder aktivierende Substanzen Abhilfe. Aber wie bringen es Hemmstoffe fertig, diese Ionenkanäle zu blockieren? Um das herauszufinden, tat sich Decher mit den Arbeitsgruppen von Elisabeth Carpenter aus Oxford sowie von Thomas Müller beim Pharmakonzern Bayer in Wuppertal zusammen, die ebenfalls über TASK-1 forschen. So stellte die Firma Bayer neuartige, sehr wirkungsvolle Hemmstoffe des TASK-Kanals zur Verfügung. Liz Carpenters Gruppe nutzte diese Substanzen, um die räumliche Gestalt von TASK-1 zu rekonstruieren; sie verwendete hierfür die Technik der Röntgenkristallografie, die Atom für Atom sichtbar macht.

Das Ergebnis der Untersuchung hielt eine Überraschung parat: Im Unterschied zu verwandten Kanaltypen weist TASK-1 eine Pforte auf, die den Zugang zum Kanal schließt, indem zwei vorgelagerte Molekülarme sich überkreuzen – ein „einzigartiger“ Mechanismus, wie die Forschungsgruppe schreibt; sie taufte die bislang unbekannte Struktur „X-Pforte“. „Interessanterweise wirken sich Mutationen in der X-Pforte und um sie herum sowohl auf die Öffnung der Schleuse aus, als auch auf den Effekt von Narkosemitteln“, hebt Dechers Mitarbeiter Dr. Aytuğ K. Kiper hervor, einer der Leitautoren der Publikation.

Wie geht die Blockade des Ionenkanals vor sich? Diese Frage beantwortete das Team, indem es Kristallstrukturen eines TASK-1-Kanals anfertigte, der gerade mit den neuartigen Hemmstoffen von Bayer interagiert. „Die X-Pforte hält die Hemmstoffe im Eingangsbereich gefangen“, berichtet Kiper. „Das erklärt, warum sie so schwer auszuwaschen sind.“

Die Existenz der X-Pforte liefere Erklärungen für viele Aspekte des ungewöhnlichen Verhaltens von TASK-Kanälen, ergänzt Decher; „unsere Erkenntnisse können bei der weiteren Entwicklung von Medikamenten helfen, die zur Behandlung von Herz- und Lungenerkrankungen sowie Schlafstörungen dienen.“

Niels Decher lehrt Physiologie an der Philipps-Universität. Neben seiner Arbeitsgruppe beteiligten sich weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Oxford, der Chinesischen Wissenschaftsakademie und des Pharmakonzerns Bayer an der Studie. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und weitere Geldgeber unterstützten die Forschungsarbeiten finanziell.

Originalveröffentlichung: Karin E. J. Rödström, Aytuğ K. Kiper & al.: A unique lower X-gate in TASK channels traps inhibitors within the vestibule, Nature 2020, DOI: 10.1038/s41586-020-2250-8


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Professor Dr. Niels Decher,
Fachgebiet Vegetative Physiologie
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Erhebliche Augenerkrankung: Komplette Farbenblindheit - Achromatopsie

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Erste Gentherapie der kompletten Farbenblindheit auf klinische Sicherheit erprobt

Eine von Naturwissenschaftlern und Medizinern aus Tübingen und München entwickelte Gentherapie zur Behandlung einer Form der kompletten Farbenblindheit hat sich in einer klinischen Phase I/II-Studie am Patienten am Universitätsklinikum Tübingen als sicher und prinzipiell wirksam erwiesen. 

Die erste Gentherapie einer erblichen Augenerkrankung in Deutschland soll bis zur Anwendungsreife weiter entwickelt werden. 
 Eine Simulation, wie das gleiche Bild einem Menschen mit kompletter Farbenblindheit (Achromatopsie) erscheint.
Eine Simulation, wie das gleiche Bild einem Menschen mit kompletter Farbenblindheit (Achromatopsie) erscheint. Foto und Simulation: Stylianos Michalakis


  • Bei kompletter Farbenblindheit können Menschen von Geburt an keine Farben unterscheiden, leiden aber auch unter einer stark reduzierten Sehschärfe und hoher Blendungsempfindlichkeit. 
  • Ursache ist ein Defekt an den Zapfen-Lichtrezeptoren in der Netzhaut des Auges, die für das Sehen im Tageslicht und von Farben zuständig sind. 

Von der kompletten Farbenblindheit, die auch als Achromatopsie bezeichnet wird, sind in Deutschland rund 3.000 Menschen betroffen. Die Achromatopsie kann bisher nicht ursächlich behandelt werden.

Bei etwa einem Drittel der Achromatopsie-Patientinnen und -Patienten liegt der Defekt im CNGA3-Gen.

Für diesen Gendefekt hat ein Team des Forschungsinstituts für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Tübingen und der Departments für Pharmazie und Ophthalmologie der Ludwig-Maximilians-Universität München eine gentherapeutische Behandlung entwickelt.

Bei der Gentherapie wird die gesunde Version des CNGA3-Gens über ein harmloses Virus direkt in die Netzhaut der Patienten eingeschleust.
Nach einigen Wochen können die Netzhautzellen die gesunde Version des CNGA3-Gens nutzen und das entsprechende intakte Protein bilden, das die Funktion der defekten Zapfen wiederherstellen soll.
Die dabei verwendeten Genfähren, sogenannte Adeno-assoziierte Viren, wurden an der Ludwig-Maximilians-Universität München von Professor Stylianos Michalakis und Professor Martin Biel entwickelt.

An der Universitäts-Augenklinik Tübingen ist nun die erste klinische Studie zu dieser Therapie am Menschen abgeschlossen worden.

Sie wird in der Fachzeitschrift JAMA Ophthalmology der American Medical Association veröffentlicht. In der Studie wurde in der Universitätsaugenklinik in Tübingen das jeweils schlechtere Auge von neun Achromatopsie-Patienten im Alter von 24 bis 59 Jahren operativ durch Injektion des gentherapeutischen Wirkstoffes unter die Netzhaut behandelt. „Die Probanden hatten in der Folge keine wirkstoffbezogenen Gesundheitsprobleme, und ihre Netzhaut wies keine dauerhaften Veränderungen auf“, berichtet Professor Dominik Fischer, der Leiter der klinischen Studie. Das Hauptanliegen dieser ersten klinischen Studie sei damit erreicht, die Behandlung könne als sicher eingestuft werden. Auch bei der Wirksamkeit sei ein deutlich positiver Effekt zu verzeichnen.

Die visuelle Funktion der Patienten habe sich etwas verbessert, sowohl bei der Sehschärfe als auch beim Kontrast- und Farbensehen.

„Die jetzt durchgeführte Studie ist ein wichtiger erster Schritt und Meilenstein hin zu einer kurativen Therapie der Achromatopsie, und wir erwarten noch bessere Behandlungserfolge in der Zukunft“, sagt Professor Bernd Wissinger vom Tübinger Forschungsinstitut für Augenheilkunde, der gemeinsam mit Professor Martin Biel vom Department Pharmazie der Ludwig-Maximilians-Universität München das RD-CURE-Gesamtprojekt zur Entwicklung der Gentherapie bei erblichen Netzhauterkrankungen leitet.

Aus Sicherheitsgründen waren die behandelten neun Patienten im Erwachsenenalter und wiesen damit eine bereits mehr oder minder stark vorgeschädigte Netzhaut auf. „Zudem verlieren die das Sehen verarbeitenden Anteile des Gehirns im Erwachsenenalter zunehmend an Plastizität“, wie Professor Marius Ueffing, Direktor des Forschungsinstituts für Augenheilkunde, betont.

  • „Da das Gehirn von Achromatopsie-Betroffenen nie gelernt hat, Farbsehen zu verarbeiten, ist diese Plastizität eine notwendige Voraussetzung dafür, die neugewonnene Farbsehfähigkeit der Netzhaut in einen echten Seheindruck umzusetzen.“ 
  • Da die Studie gezeigt hat, dass die Therapie sicher ist, könnte es daher in Zukunft angezeigt sein, Betroffene so früh zu behandeln, dass eine hohe Plastizität des Gehirns und eine noch nicht vorgeschädigte Netzhaut den Behandlungserfolg vergrößern können.

Nach Einschätzung der Wissenschaftler sollte daher die neue Gentherapie analog zum kürzlich zugelassenen Gentherapiemedikament Luxturna bereits im Kindesalter durchgeführt werden, um die bestmögliche Wirkung zu entfalten. „Da sich die verwendeten Genvektoren als sicher erwiesen haben, ist eine Folgestudie an pädiatrischen CNGA3-Patienten möglich und sinnvoll“, erläutert Professor Stylianos Michalakis vom Department für Augenheilkunde der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Eine Besonderheit: Die gesamte klinische Studie wurde forschungsinitiiert, das heißt ohne industrielle Unterstützung durchgeführt, und das Universitätsklinikum Tübingen trug die Verantwortung als Sponsor. Alle regulatorischen und organisatorischen Aufgaben übernahm die Studienzentrale STZ eyetrial am Department für Augenheilkunde unter der Leitung von Professorin Barbara Wilhelm.


Buntes Blumenbeet, wie es Normalsichtige wahrnehmen, scharf und in Farbe.
Buntes Blumenbeet, wie es Normalsichtige wahrnehmen, scharf und in Farbe.
Foto und Simulation: Stylianos Michalakis


„Diese Studie ist das Ergebnis einer seit vielen Jahre bestehenden und sehr erfolgreichen Kooperation zwischen Tübingen und München“, betont Professor Martin Biel. „Wir sind stolz darauf, dass diese weltweit erste erfolgreiche Gentherapie bei der Achromatopsie mit Unterstützung durch die Tistou und Charlotte Kerstan Stiftung hier in Deutschland entwickelt und durchgeführt werden konnte“, sagen Professor Karl-Ulrich Bartz-Schmidt und Professor Marius Ueffing, die beiden Direktoren des Tübinger Departments für Augenheilkunde. „Und wir schätzen den Weitblick unseres Vorgängers Professor Eberhart Zrenner, Augenarzt und Gründungsdirektor des Tübinger Forschungsinstituts für Augenheilkunde, der den Forschungsschwerpunkt Erbliche Netzhautdystrophien bereits 1989 dort aufgebaut hat.“ Vor wenigen Tagen erhielt das Department für Augenheilkunde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung die Zusage für die Finanzierung einer von Dr. Tobias Peters, STZ eyetrial, geleiteten Folgestudie, in der die Behandlung von Kindern und die Anwendung des Vektors in beiden Augen vorgesehen ist. Auf dem Weg zu einer optimalen Therapie der CNGA3-Achromatopsie geht es also weiter.

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Universitätsklinikum Tübingen
Forschungsinstitut für Augenheilkunde
Molekulargenetisches Labor
Prof. Dr. Bernd Wissinger
Elfriede-Aulhorn-Straße 7, 72076 Tübingen
Tel. 07071 29-85032 ,Fax 07071 29-5725
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Ludwig-Maximilians-Universität München
Ocular Gene Therapy Group
Department of Ophthalmology
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Ludwig-Maximilians-Universität München
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Hoppe-Seyler-Str. 6
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Deutschland
Baden-Württemberg

Bianca Hermle
Telefon: 07071 / 29 81032
E-Mail-Adresse: presse@med.uni-tuebingen.de

Originalpublikation:
Fischer, M.D., Michalakis, S., et al.: Safety and Vision Outcomes of Subretinal Gene Therapy Targeting Cone Photoreceptors in Achromatopsia – A Nonrandomized Controlled Trial. JAMA Ophthalmology, https://dx.doi.org/10.1001/jamaophthalmol.2020.1032

 

Impfstoffe und Krebsmedikamente: USA der freie Markt bei der Preisfestsetzung

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Hohe Kosten bei Krebsmedikamenten sind nicht immer gerechtfertigt

Ist ein Mittel gegen Krebs so teuer, weil es besonders gut wirkt? 

  • Eine internationale UZH-Studie kommt zum Schluss, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem klinischen Nutzen und den Kosten eines Medikamentes gibt.

Die Forschenden fordern daher, die potentielle Wirksamkeit bei der Preisgestaltung besser zu berücksichtigen. 
 
Immer mehr neue Krebsmedikamente kamen in den letzten Jahren auf den Markt und trotzdem sind die Preise für die Therapien in Europa und in den USA gestiegen.

Dies treibt die Gesundheitskosten in die Höhe – eine Herausforderung, nicht nur für das Sozialversicherungssystem in der Schweiz, sondern auch für Patientinnen und Patienten auf der ganzen Welt.  

Aber: Sind diese hohen Preise für Krebsmedikamente gerechtfertigt? 

Entsprechen die Kosten auch der Wirksamkeit bei der Bekämpfung der Krankheit?

Diesen Fragen ging ein internationales Forschungsteam der Universität Zürich und der Harvard Medical School in einer Studie nach.

Kostenvergleich von 65 Krebsmedikamenten

Die Wissenschaftler um Kerstin Noëlle Vokinger, Professorin an der Universität Zürich, analysierten die Kosten für Krebsmittel in der Schweiz, Deutschland, England und Frankreich sowie in den USA.  

Die Preise von 65 neueren Onkologika für feste Tumore sowie für Blutkrebs wurden auf die monatlichen Behandlungskosten eines Standardpatienten angepasst.

Die Forschenden eruierten in einem zweiten Schritt, ob es einen Zusammenhang zwischen den monatlichen Behandlungskosten und dem klinischen Nutzen der Krebsmedikamente für solide Tumore gibt. Die Wirksamkeit der Arzneimittel, die sowohl von der amerikanischen und europäischen Zulassungsbehörde zugelassen wurden, berechneten sie anhand von zwei etablierten medizinischen Nutzenbewertungssystemen für Krebstherapien, dem «American Society of Clinical Oncology Value Framework» und dem «European Society of Medical Oncology Magnitude of Clinical Benefit Scale».

Kein Zusammenhang zwischen Kosten und Nutzen

«Unsere Studie zeigt klar, dass es für die Schweiz, Deutschland, England und die USA keinen Zusammenhang gibt zwischen dem klinischen Nutzen von Krebsmedikamenten und ihren Preisen», erklärt Erstautorin Kerstin Vokinger.

  • Einzig für Frankreich gibt es basierend auf einem der zwei Nutzenbewertungssysteme eine Korrelation.

  •  «Zudem wird deutlich, dass die Preise für Krebsmedikamente in den USA wesentlich höher sind als in den vier europäischen Ländern – im Schnitt bezahlen die Amerikaner doppelt so viel für das gleiche Medikament.»

Dies liegt daran, dass in den USA der freie Markt bei der Preisfestsetzung spielt. 

In Europa dagegen verhandeln die nationalen Behörden mit den Herstellern. 

  • Von den untersuchten europäischen Ländern hat die Schweiz gemäss Studie hinter England die zweithöchsten Tarife, in Deutschland und Frankreich sind die Medikamente günstiger. 
  • Zu berücksichtigen ist allerdings, dass England für gewisse Arzneimittel interne, der Öffentlichkeit nicht bekannte Rabatte kennt und so die tatsächlichen Preise tiefer liegen können.

Medikamentenpreise sind nicht gerechtfertigt

«Die Preisgestaltung bei Krebsmedikamenten ist nur teilweise gerechtfertigt. Arzneimittel mit einer geringen Wirksamkeit sollten tiefere Preise haben als solche mit einer hohen Wirksamkeit», fordert die UZH-Professorin. 

  • «Die nationalen Behörden sollten bei ihren Preisverhandlungen vermehrt den Nutzen eines Medikaments miteinbeziehen und Medikamente mit hohem Nutzen im Preisfestsetzungsverfahren auch prioritär behandeln.» 

Nur so könne aufgrund der limitierten finanziellen Ressourcen der Gesundheitssysteme den betroffenen Patientinnen und Patienten der Zugang zu wichtigen Arzneimitteln gegen Krebs gewährleistet werden, ist Vokinger überzeugt.

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Prof. Dr. iur. et Dr. med. Kerstin Noëlle Vokinger
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Originalpublikation:
Literatur:
Kerstin N Vokinger, Thomas J Hwang, Thomas Grischott, Sophie Reichert, Ariadna Tibau, Thomas J Rosemann, Aaron S Kesselheim: Prices and clinical benefit of cancer drugs in the USA and Europe: a cost–benefit analysis.
The Lancet Oncology, 30. April 2020. DOI: 10.1016/S1470-2045(20)30139-X https://doi.org/10.1016/S1470-2045(20)30139-X



Einladung zur COVID-19 Genetik-Kohorten - Studie: variable Krankheitsverläufe

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Covid-19: Genetik-Studie zu Ursachen variabler Krankheitsverläufe - Studien-Teilnehmer gesucht

Forscher am Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Bonn wollen jetzt molekulare Einflussfaktoren auf die Infektion mit SARS-CoV-2 und den Krankheitsverlauf von COVID-19 untersuchen. 

  • Für die Studie werden Menschen mit nachgewiesener Infektion gesucht. 

Auch Angehörige, die im gleichen Haushalt leben, können teilnehmen. 

Erforderlich sind das Ausfüllen eines Fragebogens und die Abgabe einer Speichelprobe, welche per Post an das Studienzentrum in Bonn geschickt wird. 

Im Forschungslabor am Bonner Institut für Humangenetik: Zur Bestimmung von Unterschieden in den Erbanlagen mittels Genotypisierung werden im Hochdurchsatz systematisch genetische Informationen von Studienteilnehmern erhoben.
 Im Forschungslabor am Bonner Institut für Humangenetik: Zur Bestimmung von Unterschieden in den Erbanlagen mittels Genotypisierung werden im Hochdurchsatz systematisch genetische Informationen von Studienteilnehmern erhoben. © Humangenetik / UK Bonn


Das SARS-CoV-2-Virus hat sich weltweit in einer extrem hohen Geschwindigkeit ausgebreitet, begleitet von einer vergleichsweise hohen Infektionsrate und erheblichen Sterblichkeit. 

„Die COVID-19 Pandemie ist ein globaler Notstand, der die weltweiten Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften enorm belastet. Ein besseres Verständnis der molekularen Mechanismen, die der Virusinfektion und dem Krankheitsverlauf unterliegen, ist dringend erforderlich. Das Ziel der Forschung ist es Risikopersonen zu identifizieren, zu schützen, und sowohl therapeutische als auch präventive Ansätze für COVID-19 zu entwickeln“, erklärt Prof. Dr. Markus Nöthen, Direktor des Instituts für Humangenetik des Universitätsklinikums Bonn, die Motivation für die neue Bonner Studie, die in das Netzwerk Deutsche COVID-19 OMICS Initiative (DeCOI) eingebunden ist.

Wie löst SARS-CoV-2 beim Menschen eine Krankheit aus?


Aufgrund der Neuartigkeit des SARS-CoV-2-Virus sind die molekularen Mechanismen, wie es eine Krankheit beim Menschen auslöst, bisher weitgehend unbekannt. Die COVID-19-Erkrankung selbst ist gekennzeichnet durch einen höchst variablen Krankheitsverlauf. Während einige meist ältere Patienten starke Beschwerden entwickeln und auf die Intensivstation eingewiesen werden müssen, überstehen andere die SARS-CoV-2-Infektion ohne oder mit nur sehr milder Symptomatik. „Darüber hinaus scheinen sich einige Menschen sehr leicht, andere hingegen trotz erheblicher Viruslast gar nicht zu infizieren. Diese unterschiedliche Reaktion auf eine SARS-CoV-2-Infektion könnte zumindest teilweise auf genetische Faktoren des Einzelnen zurückzuführen sein“, sagt Dr. Kerstin Ludwig, die das Projekt am Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Bonn leitet. „Dabei erwarten wir, dass die genetischen Variationen das gesamte Spektrum umfassen, von häufigen Gen-Varianten mit moderaten Effektstärken bis hin zu seltenen Gen-Varianten mit größeren Effektstärken. Und es kann neben solchen Risiko-Varianten auch Faktoren geben, die eine bessere Widerstandskraft vermitteln.“

Deutschlandweit Teilnehmer für große Kohorten-Studie gesucht

Um die genetischen Faktoren, die die Empfindlichkeit gegenüber dem SARS-CoV-2-Virus, das Erkrankungsrisiko oder den Krankheitsverlauf bestimmen, zuverlässig zu entdecken, müssen viele Personen untersucht werden.

Daher suchen die Bonner Humangenetiker für ihre „Bonner Studie zur COVID-Genetik“ (BoSCO) deutschlandweit Menschen mit nachgewiesener Infektion und, wenn vorhanden, auch ihre Angehörige, die im gleichen Haushalt leben, und laden sie zur Studienteilnahme ein.

Interessierte können sich per E-Mail unter mitmachen@bosco-studie.de oder unter der Telefonnummer 0228/6885-421 beim Studienteam melden.

Mehr Informationen zur Deutschen COVID-19 OMICS Initiative (DeCOI) gibt es unter: 

http://decoi.eu/


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Prof. Dr. Markus M. Nöthen
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Telefon: 0228/287-51100
E-Mail: markus.noethen@ukbonn.de

Dr. Inka Väth Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Poppelsdorfer Allee 49
53115 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen 
Telefon: 0228/73-4727
Fax: 0228/73-7451
E-Mail-Adresse: inka.vaeth@uni-bonn.de

Der Dünndarm: Die Nährstoffaufnahme - vermindert? Mangelernährung?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Altern und Diät haben Einfluss auf die Proteine im Darm

Der Dünndarm ist eine der wichtigsten Schnittstellen zwischen der Umwelt und unserem Körper. 

  • Er ist für die Nährstoffaufnahme verantwortlich und bildet eine Barriere vor potenziell schädlichen Umwelteinflüssen. 

Unter Leitung von Forschern des Leibniz-Instituts für Alternsforschung (FLI) in Jena untersuchte ein internationales Team den Einfluss des Alterns und der Ernährung auf das Darmepithel von Mäusen. 

Sie konnten je nach Darmabschnitt spezifische Effekte auf das Proteom und altersbedingte Anpassungsschwierigkeiten an Nährstoffveränderungen nachweisen. 

Die Studie liefert ein Bild der räumlichen Struktur des Dünndarmproteoms in der Maus und wurde im Journal Cell Reports veröffentlicht. 

Das Proteom in verschiedenen Abschnitten des Dünndarms reagiert unterschiedlich auf Diät und Altern. So zeigen sich u.a. altersbedingte Anpassungsstörungen bei Nährstoffveränderungen.
Das Proteom in verschiedenen Abschnitten des Dünndarms reagiert unterschiedlich auf Diät und Altern. So zeigen sich u.a. altersbedingte Anpassungsstörungen bei Nährstoffveränderungen. (Quelle: FLI / Alessandro Ori & Nadja Gebert. Created with BioRender.com)
 
  • Der Dünndarm, der längste Teil des Verdauungstraktes, stellt eine der wichtigsten Schnittstellen zwischen der Umwelt und unserem Körper dar. 

Er hat zwei Hauptfunktionen: 

Zum einen ist er für die Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung, die wir essen, verantwortlich und zum anderen fungiert er als Barriere, um den Eintritt von Schadstoffen in den Körper zu begrenzen. 
  • Das Organ ist sehr anpassungsfähig und reagiert dynamisch auf Nährstoffveränderungen oder kalorienreduzierte Ernährung (Diät). 
  • Die Zellschicht, die die Dünndarmoberfläche bildet, das sogenannte Darmepithel, unterliegt einem kontinuierlichen Erneuerungsprozess, der etwa 3-5 Tage dauert.

Einige Auswirkungen des Alterns und der Ernährung auf den Dünndarm wurden bereits untersucht.

  • So ist bekannt, dass der Alternsprozess zu einer verminderten Aufnahme von Nährstoffen durch das Epithel führt und somit zur Mangelernährung bei älteren Menschen beitragen kann. 

Darüber hinaus konnten anatomische Unterschiede zwischen verschiedenen Abschnitten des Dünndarms nachgewiesen werden.

Abschnittsabhängige Auswirkungen von Altern und Ernährung auf die Gesamtheit aller Proteine (Proteom), die Teil des Darmepithels sind, wurden jedoch noch nicht untersucht.

Eine Studie eines internationalen Forscherteams des Leibniz-Instituts für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena und ihrer Kollegen vom Koch Institute for Integrative Cancer Research at MIT, Cambridge, USA; Genentech Inc., San Francisco, USA und der Friedrich-Schiller-Universität Jena, widmet sich nun diesem Thema. Mit Hilfe modernster Proteomanalysen mittels Massenspektrometrie untersuchten die Forscher alters- und abschnittsabhängige Unterschiede in der zellulären Zusammensetzung der Darmkrypten, anatomischen Einsenkungen im Darmepithel, in denen sich die intestinalen Stammzellen und einige differenzierte Zellen befinden, die für die Regeneration des Darms notwendig sind. Ihre Ergebnisse liefern ein vollständiges Bild des räumlichen Aufbaus des Proteoms im Dünndarm der Maus.

Einfluss des Alterns auf das Darmepithel


Durch die Analyse von Veränderungen im Proteom in 12 verschiedenen Teilen des Dünndarms konnten die Forscher Unterschiede in der Proteinhäufigkeit entlang des Organs charakterisieren und regionale Unterschiede in der zellulären Zusammensetzung der Darmkrypten identifizieren.

Die Ergebnisse zeigen zum Beispiel, dass die Anzahl von Becherzellen, einem Zelltyp, der vor allem zur Bildung der Darmschleimhaut beiträgt, im Endteil des Dünndarms signifikant erhöht ist.

  • Die Unterschiede des Proteoms in Darmkrypten aus unterschiedlichen Darmabschnitten stimmen mit der bekannten anatomischen Aufteilung des Darms in die drei Hauptteile Zwölffingerdarm, Leerdarm und Krummdarm überein.

In einem nächsten Schritt untersuchte das Team die Auswirkungen des Alterns auf Darmkrypten aus verschiedenen Abschnitten und verglich über 5000 Proteine von jungen und alten Mäusen miteinander. Die Analysen ergaben, dass Proteine, die im Alternsprozess beeinflusst werden, je nach Darmabschnitt in unterschiedlicher Häufigkeit auftreten. Dies bedeutet, dass der Alternsprozess unterschiedliche Auswirkungen auf verschiedene anatomische Regionen der Dünndarmschleimhaut hat.

  • "Unsere Ergebnisse zeigen einen klaren alterungsbedingten Einfluss auf die Zusammensetzung der Proteine und Zellen der Darmkrypten. 

So fanden wir gravierende Veränderungen bezüglich entzündungsbedingten Proteinen und verringerte Werte von Stammzellmarkern bei alten Mäusen.

  • Dies zeigt, dass die empfindliche Struktur des Epithels während des Alternsprozesses gestört wird, was zu Entzündungen und verminderter Selbstregeneration führt. Besonders der Krummdarm-Abschnitt zeigt ausgeprägte Alterungszeichen", erklärt Nadja Gebert, Erstautorin der Studie, die wichtigsten Ergebnisse, die sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit herausfand.

Auswirkung von Diät auf den Darm junger und alter Mäuse

In einem weiteren Schritt untersuchte das Forschungsteam, wie junge und alte Mäuse auf Ernährungsumstellung reagieren.

Sie setzten junge und alte Tiere einen Monat lang auf Diät (eine bekannte Anti-Aging-Intervention mit reduzierter Nahrungsaufnahme ohne Mangelernährung) und gewährten einigen Tieren nach der Diät wieder uneingeschränkten Zugang zum Futter.

Sowohl die kurzzeitige Diät als auch die Diät mit anschließender Fütterung zeigte bei jungen Tieren Auswirkungen auf Hunderte von Proteinen, bei alten Tieren waren weniger Proteine betroffen.

Dies weist auf eine verminderte Fähigkeit alter Tiere hin, sich an die Änderung der Ernährung anzupassen. V

Vor allem die alten Tiere hatten Probleme, ihr Körpergewicht zu stabilisieren: Auch mehrere Tage nach Beginn der Ernährungsumstellung verloren sie weiter an Gewicht, während jüngere Tiere ihr Körpergewicht nach einigen Tagen stabilisieren konnten. Die Autoren stellten aber fest, dass ein Diätzyklus mit anschließendem uneingeschränkten Zugang zum Futter ausreicht, um die zelluläre Zusammensetzung der Darmkrypten alter Mäuse teilweise wiederherzustellen, was auf mögliche Anti-Aging-Effekte dieser Maßnahme hindeutet.

"Insbesondere der Wechsel zwischen Diät und normaler Ernährung, und nicht nur die Diät allein, hat positive Effekte auf die Darmschleimhaut und führt zu einer teilweisen Verjüngung der Proteine in den Darmkrypten von alten Mäusen.

Dies könnte als Untermauerung der positiven Auswirkungen der Ernährungsmethode Intervallfasten interpretiert werden. Andererseits zeigt die schlechtere Anpassungsfähigkeit des Darmepithels von alten Mäusen, welche drastischen Auswirkungen bei Älteren durch Ernährungsumstellung oder medikamentöse Behandlungen hervorgerufen werden können", sagt Dr. Alessandro Ori, Gruppenleiter am FLI.

Rolle von intestinalen Stammzellen

Bei näherer Untersuchung zeigte sich, dass sich unter kurzfristiger Diät mit anschließender normaler Ernährung, Stammzellen im Darmepithel wieder verstärkt in spezialisierte Becherzellen weiterentwickeln (Differenzierung). Die Forscher konnten ein Enzym (Hmgcs2) identifizieren, das auf Ernährungsveränderungen reagiert und so diesen Prozess der Stammzelldifferenzierung beeinflusst. Diät führt zu einer erhöhten Konzentration dieses Enzyms in den Stammzellen im Dünndarm, die dadurch ihr Differenzierungsverhalten ändern.

Bei einer breiteren Betrachtung der Stoffwechselveränderungen fanden die Forscher regionale Unterschiede in der Anzahl von Enzymen, die andere wichtige Stoffwechselwege, wie den Stoffwechsel von Glukose, einschränken.

Dies deutet darauf hin, dass der Stoffwechsel der Darmepithelzellen und die Menge der dabei entstehenden Zwischenprodukte entlang des Dünndarms variieren und damit auch die Gesundheit und Anpassungsfähigkeit der Darmschleimhaut.

"Mit dieser breit angelegten Proteomik-Studie konnten wir ein Art Atlas erstellen, der die räumliche Struktur des Dünndarmproteoms in der Maus wiedergibt.

Die Ergebnisse stehen als kostenlose Online-Ressource zur Verfügung und können für weitere Studien verwendet werden", sagt Ori.

In weiterführenden Studien suchen die Forscher nun nach medizinischen Möglichkeiten, die die Regenerationsfähigkeit des Darms im Alter wiederherstellen können und so zu einer gesunden Lebensspanne älterer Menschen beitragen.

Publikation

Nadja Gebert, Chia-Wei Cheng, Joanna M. Kirkpatrick, Domenico Di Fraia, Jina Yun, Patrick Schädel, Simona Pace, George B. Garside, Oliver Werz, K. Lenhard Rudolph, Henri Jasper, Ömer Yilmaz, Alessandro Ori. Region-specific proteome changes of the intestinal epithelium during aging and dietary restriction. Cell Reports. https://doi.org/10.1016/j.celrep.2020.107565

Website der Online-Ressource: https://orilab.shinyapps.io/IntestineAging/

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Das Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena widmet sich seit 2004 der biomedizinischen Alternsforschung. Rund 350 Mitarbeiter aus ca. 40 Nationen forschen zu molekularen Mechanismen von Alternsprozessen und alternsbedingten Krankheiten. Näheres unter www.leibniz-fli.de.

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 96 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 20.000 Personen, darunter 10.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 2,1 Milliarden Euro (www.leibniz-gemeinschaft.de).

Originalpublikation:
Nadja Gebert, Chia-Wei Cheng, Joanna M. Kirkpatrick, Domenico Di Fraia, Jina Yun, Patrick Schädel, Simona Pace, George B. Garside, Oliver Werz, K. Lenhard Rudolph, Henri Jasper, Ömer Yilmaz, Alessandro Ori. Region-specific proteome changes of the intestinal epithelium during aging and dietary restriction. Cell Reports. https://doi.org/10.1016/j.celrep.2020.107565

Brandenburger Kinder und Jugendlichen: Wichtige Erkenntnisse über die gesundheitliche und soziale Entwicklung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: BTU-Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Brandenburg

Brandenburger Kinder und Jugendlichen haben eine hohe Lebenszufriedenheit, machen aber zu wenig Sport – diese und weitere Erkenntnisse zu Gesundheit, Sozialverhalten und Homeschooling ermittelt die HBSC-Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Ludwig Bilz.

Prof. Dr. Ludwig Bilz Prof. Dr. Ludwig Bilz Foto: Christiane Starke


Unter der Projektleitung von Prof. Dr. Ludwig Bilz ist jetzt gemeinsam mit zwei brandenburgischen Ministerien sowie einer Krankenkasse eine Studie veröffentlicht worden, die wichtige Erkenntnisse über die gesundheitliche und soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Brandenburg liefert. 
 
Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen:

Medizin am Abend Berlin ZusatzHinweis: Kinderpneumologie COVID-19 Untersuchungen/Abstriche  


Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Studienergebnisse 

1. Hohe Lebenszufriedenheit

Der überwiegende Teil der Brandenburger Kinder und Jugendlichen schätzt seine Gesundheit als ausgezeichnet oder gut ein und berichtet eine hohe Lebenszufriedenheit. Knapp ein Drittel berichtet indes von mehrmals wöchentlich auftretenden psychosomatischen Beschwerden, insbesondere Einschlafproblemen. Mädchen sind häufiger davon betroffen, während Jungen eher problematische Ausprägungen des Sozialverhaltens zeigen. Höhere Belastungswerte sind bei Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwächeren Familien und an Ober- und Förderschulen zu finden. Handlungsbedarfe werden insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheit deutlich.

2. Mehr Obst- aber auch mehr Tabakkonsum als der Bundesdurchschnitt

Brandenburger Kinder und Jugendliche frühstücken regelmäßiger und essen mehr Obst als Gleichaltrige im Bundesdurchschnitt. Sie trinken zudem deutlich weniger Alkohol und rauchen viel weniger als noch vor 15 Jahren. Während an Gymnasien 0,3 Prozent angeben, täglich zu rauchen, sind es an Oberschulen 6,7 Prozent.

3. Zu wenig Sport

Nur 14,2 Prozent der Brandenburger Kinder und Jugendlichen erreichen die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen 60 Minuten körperliche Aktivität am Tag. Deutlich zu wenig angesichts des Zusammenhangs zwischen körperlicher (In-)Aktivität und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, psychischen Erkrankungen sowie Einschränkungen der schulischen Leistungsfähigkeit.

4. Die Mehrzahl ist online unterwegs

Online kommunizieren zählt für die große Mehrheit der Brandenburger Kinder und Jugendlichen zur täglichen Routine und zwar in allen drei untersuchten Altersgruppen gleichermaßen. Ungünstige Auswirkungen auf die Gesundheit scheinen sich nur dann zu ergeben, wenn aufgrund sehr intensiver Nutzung suchtähnliche Konsummuster auftreten. Diese wurden in Brandenburg bei 6,4 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler festgestellt.

5. Familiäre Voraussetzungen für digital unterstütztes Homeschooling fallen je nach Schulform unterschiedlich gut aus

Eine aktuelle Zusatzauswertung der Daten hat gezeigt, dass in den Familien von drei Viertel der Befragten mehr als zwei Computer (einschließlich Laptops und Tablets) vorhanden sind, wobei es deutliche Unterschiede zwischen den Schulformen gibt: 21,9 Prozent der Familien von Förderschulkindern besitzen keinen oder nur einen Computer, bei Familien mit Oberschul-Kindern sind es 11,5 Prozent (Gesamtschule: 2,6 Prozent, Gymnasien: 3,6 Prozent). Über einen ruhigen Arbeitsplatz zu Hause verfügt mit 95,7 Prozent die große Mehrheit der befragten Schülerinnen und Schüler, wobei es auch hier deutliche Schulformunterschiede gibt. Sind die Eltern im Home-office oder Kurzarbeit und gibt es mehrere Kinder in der Familie, verschlechtern sich die Möglichkeiten des online-gestützten Lernens wegen fehlender sächlicher Voraussetzungen. 

Insgesamt haben Förderschülerinnen und Förderschüler die schlechtesten Bedingungen fürs Homeschooling.

In Kooperation mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS), dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz (MSGIV) sowie der AOK Nordost wurden unter der Projektleitung von Prof. Dr. Ludwig Bilz, Fachgebiet Pädagogische Psychologie in Gesundheitsberufen der BTU, mehr als 3.000 Brandenburger Schülerinnen und Schüler an 55 Schulen und Schulzentren für die internationale HBSC-Studie („Health Behaviour in School-aged Children“) zu folgenden Themen schriftlich befragt:

subjektive körperliche und psychische Gesundheit,
Bewegungs-, Ernährungs- und Risikoverhalten,
Zahnhygiene,
Substanzkonsum und abhängige Verhaltensweisen,
Familie und soziale Lage sowie Freundeskreis,
Schule bzw. Schulklima
eigene Gesundheitskompetenz,
Sexualverhalten und Konsum illegaler Drogen (nur 15-Jährige).


Die Autoren der Studie schlagen in ihrem Fazit einen ganzen Katalog an Maßnahmen für Verbesserungen vor, u.a. eine stärkere Bedarfsorientierung in der schulischen Gesundheitsförderung.

Hintergrund der Studie

Die HBSC-Studie ist ein internationales kooperatives Forschungsvorhaben, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit über 30 Jahren unterstützt und in mittlerweile 49 Ländern durchgeführt wird. Die Studie dient der Datengewinnung und -analyse der Gesundheit und gesundheitsbezogenen Wahrnehmungen, Einstellungen und Verhaltensweisen von Schülerinnen und Schülern der 5., 7. und 9. Klassen und untersucht die personalen und sozialen Rahmenbedingungen, die eine gesunde Entwicklung der Kinder und Jugendlichen positiv oder negativ beeinflussen. Die Kooperationspartner haben sich zusammengeschlossen, damit sich Brandenburg erstmals mit einer repräsentativen Stichprobe an der HBSC-Studie beteiligt. Der Ergebnisbericht der HBSC-Studie Brandenburg ist im Verlag Pabst Science Publishers erschienen.


Titelseite der HBSC-Gesundheitsstudie
Titelseite der HBSC-GesundheitsstudieVerlag Pabst Science Publishers



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mehr zur HBSC-Studie Brandenburg

Hirnschlag, Herzinfarkt, Magen-Darm-Krebs und chronisch obstruktive Lungenerkrankung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Ähnlicher als gedacht: Männer und Frauen gleichen ihr Gesundheitsverhalten nach Einschnitt an

  • Zu Beginn einer Krankheit übersehen Männer Symptome zwar eher und gehen seltener zum Hausarzt als Frauen. 
  • Nach einer Behandlung im Krankenhaus gleicht sich das Gesundheitsverhalten von Männern und Frauen jedoch an. 
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: geschlechtsspezifischer Lebenserwartung

Das zeigen MPIDR-Forscher*innen erstmals mit der Auswertung von mehr als 65.000 Datensätzen aus dänischen Gesundheitsregistern. 
 Die Forscher*innen analysierten Daten aus dänischen Gesundheitsregistern, um herauszufinden, ob Männer und Frauen mit der selben Erkrankung unterschiedlich häufig zum Hausarzt gehen.
Die Forscher*innen analysierten Daten aus dänischen Gesundheitsregistern, um herauszufinden, ob Männer und Frauen mit der selben Erkrankung unterschiedlich häufig zum Hausarzt gehen.
MPIDR
 
  • Erst nach einem gravierenden gesundheitlichen Einschnitt, wie etwa einem Krankenhausaufenthalt, gehen auch Männer häufiger zum Hausarzt. 

Damit gleichen sich Geschlechterunterschiede im Gesundheitsverhalten an.

In den knapp drei Jahren bevor dänische Männer wegen eines Hirnschlags, eines Herzinfarkts oder mit Magen-Darm-Krebs ins Krankenhaus kamen, waren im Durchschnitt nur etwa 75 Prozent von ihnen beim Hausarzt.

Bei den dänischen Frauen waren es rund 85 Prozent. Nach einem Herzinfarkt jedoch lassen sich 98 Prozent der männlichen Patienten zwischen 60 und 69 Jahren von ihrem Hausarzt weiter betreuen. Damit gleicht sich das Gesundheitsverhalten an, denn 99 Prozent aller Frauen waren nach dem Krankenhausaufenthalt auch weiter in ärztlicher Behandlung.

Das zeigen Andreas Höhn, Jutta Gampe und Anna Oksuzyan vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock nachdem sie Daten aus dänischen Gesundheitsregistern ausgewertet haben. Für den Zeitraum von 1996 bis 2011 untersuchten sie über 65.000 anonymisierte Patientendatensätze auf die Anzahl der Hausarztbesuche in den 33 Monaten vor und nach einem Krankenhausaufenthalt zur Behandlung einer der folgenden vier schweren Krankheiten:

Hirnschlag, Herzinfarkt, Magen-Darm-Krebs und chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Journal of Epidemiology and Community Health.

„Wir haben zum ersten Mal sehr detailliert und mit einem Datensatz für eine gesamte Bevölkerung untersucht, wie sich Männer und Frauen mit der selben Erkrankung verhalten“, sagt Andreas Höhn, seit kurzem Forscher an der University of Edinburgh. Gleichzeitig erfassten die Forscher*innen auch jene Personen, die keinen Hausarzt aufsuchen – denn genau diese konnten bei ähnlichen Studien in der Vergangenheit oft nicht berücksichtigt werden. „Unsere Analysen deuten darauf hin, dass es auch für manche Frauen nicht leicht ist, mit Symptomen einer schweren Erkrankung zum Hausarzt zu gehen. Bei den Männern ist der Anteil aber meist deutlich höher“, sagt Andreas Höhn.

Es gibt nur eine Ausnahme: 

das Gesundheitsverhalten von Männern und Frauen bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). 

Patienten leiden hier schon vor einer Krankenhausbehandlung unter deutlichen Symptomen. 

Deshalb lassen sie sich ärztlich behandeln, unabhängig vom Geschlecht: 

94 Prozent der Männer, die später im Krankenhaus wegen der Lungenkrankheit behandelt werden, waren vorher beim Hausarzt. Bei den Frauen sind es 97 Prozent.

Dass es nach dem Krankenhausaufenthalt trotzdem noch einen kleinen Geschlechterunterschied bei der Anzahl der Hausarztbesuche gibt, erklären die Forscher*innen mit den unterschiedlichen Überlebenschancen von Männern und Frauen. „Selbst wenn Männer und Frauen genau das gleiche Gesundheitsverhalten an den Tag legen, überleben mehr Frauen eine schwere Krankheit“, sagt Andreas Höhn.

Sie müssten wegen gesundheitlicher Einschränkungen in Folge der Erkrankung dann aber öfter zum Hausarzt.

Über das MPIDR

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock untersucht die Struktur und Dynamik von Populationen. Die Wissenschaftler*innen des Instituts erforschen politikrelevante Themen wie den demografischen Wandel, Altern, Geburtendynamik und die Verteilung der Arbeitszeit über die Lebensspanne, genauso wie den digitalen Wandel und die Nutzbarmachung neuer Datenquellen für die Erforschung von Migrationsströmen. Das MPIDR ist eine der größten demografischen Forschungseinrichtungen in Europa und zählt international zu den Spitzeninstituten in dieser Disziplin. Es gehört der Max-Planck-Gesellschaft an, der weltweit renommierten deutschen Forschungsgemeinschaft.

http://www.demog.mpg.de

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Silvia Leek – MPIDR
TELEFON +49 381 2081 – 143
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Andreas Höhn
E-MAIL hoehn@demogr.mpg.de

Jutta Gampe – Leiterin des Arbeitsbereichs Statistische Demografie
TELEFON +49 381 2081-243
E-MAIL gampe@demogr.mpg.de

Anna Oksuzyan – Wissenschaftliche Mitarbeiterin
TELEFON +49 381 2081-178
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 Konrad-Zuse-Str. 1
18057 Rostock
Deutschland
Mecklenburg-Vorpommern

Originalpublikation:
Höhn A, Gampe J, Lindahl-Jacobsen R, Christensen, K., Oksuzyan, A.: Do men avoid seeking medical advice? A register-based analysis of gender-specific changes in primary healthcare use after first hospitalisation at ages 60+ in Denmark. Journal of Epidemiology and Community Health (2020). DOI: 10.1136/jech-2019-213435
 

Chefarzt Prof. Dr. Stepha Schubert: Kinderkardiologie

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Bad Oeynhausen: Prof. Dr. Stephan Schubert wird Klinikdirektor der Kinderkardiologie

Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat Prof. Dr. Stephan Schubert (45) auf die vakante Position des Klinikdirektors der Kinderkardiologie am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, berufen. 

Zum 1. Juli 2020 wird Prof. Dr. Stephan Schubert der neue Chefarzt der Kinderkardiologie am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen. 

Prof. Dr. Stephan Schubert
Prof. Dr. Stephan Schubert (Foto: Marcel Mompour).
 
  • Der erfahrene Kinderkardiologe und Wissenschaftler ist derzeit als Oberarzt und Leiter des Herzkatheterlabors am Deutschen Herzzentrum Berlin tätig. 
  • Er hat zusätzlich eine W3-Professur für interventionelle Kinderkardiologie an der Charité Berlin inne.

Somit bietet sich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bad Oeynhausener Zentrums für angeborene Herzfehler und dessen Patienten eine hervorragende und zügige Perspektive, nachdem Kinderkardiologe Prof. Dr. Matthias Peuster das Klinikum im vergangenen Jahr nach nur neunmonatiger Tätigkeit verlassen hatte.

Übergangsweise hatte PD Dr. Kai Thorsten Laser die Klinik für Kinderkardiologie nunmehr zum zweiten Mal in kommissarischer Leitung übernommen.

  • „Die Versorgung unserer kleinen Patienten konnten wir auch dank der kollegialen Unterstützung durch das Deutsche Herzzentrum Berlin nahtlos sicherstellen“, betont Dr. Overlack mit einem ausdrücklichen Dank an den dortigen Chefarzt Prof. Dr. Felix Berger. 
  • Seit Anfang des Jahres ist Prof. Schubert regelmäßig in Bad Oeynhausen, um die Klinik für Kinderkardiologie insbesondere bei Eingriffen im Herzkatheterlabor zu unterstützen. Dienstantritt des neuen Chefarztes ist am 1. Juli 2020.

Im Bad Oeynhausener Kinderherzzentrum und Zentrum für angeborene Herzfehler werden Patienten aus ganz Deutschland therapiert und ambulant nachbehandelt.

Das Zentrum ist hochmodern ausgestattet und bietet das gesamte Spektrum der Versorgung von Neugeborenen, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern einschließlich Herztransplantationen und Einsatz künstlicher Herzunterstützungssysteme an.

 In chefärztlicher Doppelspitze mit Herzchirurg Dr. Eugen Sandica werden rund 1.000 Eingriffe zur Behandlung angeborener Herzfehlbildungen jährlich durchgeführt.

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Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
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Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 97-1955
Fax 05731 97-2028
E-Mail: info@hdz-nrw.de

CAVE-Untersucher: Eigenschaften von Blutgefäßen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Gefäßverengungen behandeln oder nicht

Wenn sich in Arterien Ablagerungen gebildet haben, die das Blutgefäß zu verschließen drohen oder sich lösen und kleinere Gefäße verstopfen könnten, stehen Medizinerinnen und Mediziner vor der Frage, ob und wie sie eingreifen sollten. 

Methoden wie die Ballondilatation sind nicht ohne Risiko. 

Die Teams der Mechaniker Prof. Dr. Daniel Balzani und Prof. Dr. Klaus Hackl an der Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften der Ruhr-Universität Bochum (RUB) arbeiten daran, die Eigenschaften von Blutgefäßen so exakt zu modellieren, dass eine Vorhersage des Risikos möglich wird. Das könnte eine Entscheidungshilfe im klinischen Alltag bedeuten. 
 Die glatte Muskulatur beeinflusst aktiv das Verhalten von Arterien. Dieses Verhalten lässt sich anhand von Simulationen eines Herzschlags analysieren.
 Die glatte Muskulatur beeinflusst aktiv das Verhalten von Arterien. Dieses Verhalten lässt sich anhand von Simulationen eines Herzschlags analysieren. © Roberto Schirdewahn
 
Bei der Ballondilatation wird von der Leiste des Patienten oder der Patientin durch einen Katheter ein kleiner Ballon bis zur verkalkten Stelle der Arterie vorgeschoben und dort mit Druck aufgeblasen. Dadurch erweitert sich das Gefäß, und das Blut kann wieder fließen. 

Ist der Druck allerdings zu hoch, wird das Blutgefäß zu weit aufgedehnt und der Plaque kann einreißen. Oder es kommt zu so starken Verletzungen der Gefäßwand, dass es später Komplikationen gibt.

Um solche Vorkommnisse vorhersehen und vermeiden zu können, stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufwändige Berechnungen an. Sie simulieren das Verhalten elastischer Gewebe wie Blutgefäße. Daniel Balzani und sein Team konzentrieren sich dabei darauf, das Risiko für mögliche Schädigungen vorab zu berechnen. Die Berechnung eines solchen Risikos ist allerdings alles andere als einfach.

Optimales Material wachsen lassen

Neben der verschiedenen Orientierung von Fasern des Gefäßes müssen viele andere Effekte bei Simulationen berücksichtigt werden, zum Beispiel die Elastizität der Gefäßwand, die Eigenspannung in der Arterie, die Aktivität der glatten Muskelzellen, die das Gefäß umgeben und seinen Durchmesser aktiv beeinflussen, und die Schädigungen bei einer möglichen Überdehnung des Gefäßes. 

Ganz zu schweigen von der Beschaffenheit der Plaques, die für die Verengung von Blutgefäßen verantwortlich sind.

Die Ingenieure setzen bei ihren Berechnungen darauf, dass sich die Strukturen jeweils angepasst an die jeweilige Belastung entwickeln, ganz ähnlich wie sich Muskeln bei stetiger Beanspruchung verdicken.

„Mit diesen Informationen können wir sozusagen das optimal passende Material in der Simulation wachsen lassen“, erklärt Balzani.

Für jede Gefäßeigenschaft entwickeln die Ingenieure einen eigenen Algorithmus.

Schließlich müssen sie alle miteinander gekoppelt und alles zeitgleich berechnet werden.

„Ganz so weit sind wir noch nicht“, schränkt Daniel Balzani ein. Einzelne Kombinationen sind jedoch schon umgesetzt.

Für die Berechnung dieser miteinander verschränkten Algorithmen müssen Großrechner ran.

„Selbst die brauchen einige Tage für die Berechnung zweier Herzschläge“, so Balzani.

Auch Klaus Hackl arbeitet mit seinem Team daran, den Erfolg einer möglichen Ballondilatation vorherzusagen.

Sein Hauptaugenmerk liegt dabei jedoch auf der Computersimulation der Heilung verletzter Gefäße.

Ausführlicher Beitrag in Rubin

Einen ausführlichen Beitrag zu dem Thema finden Sie im Wissenschaftsmagazin Rubin unter https://news.rub.de/wissenschaft/2020-04-30-mechanik-gefaessverengungen-behandel....

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Prof. Dr. Daniel Balzani
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Prof. Dr. Klaus Hackl
Lehrstuhl Mechanik-Materialtheorie
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