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Drohenden oder bestehenden Mangelernährung bei stationären Patienten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: UKL startet umfassendes Screening auf Mangelernährung

Leipziger Kompetenzzentrum weitet Pilot-Erhebung zum Ernährungsstatus der Patienten aus 
 
Ab diesem Jahr werden am Universitätsklinikum Leipzig in einem deutschlandweit einzigartigen Projekt bei allen stationären Patienten Daten zum Ernährungsstatus erhoben und ausgewertet.

  • Hintergrund dieses besonderen Screenings ist die rechtzeitige Erfassung von Menschen mit einer drohenden oder bestehenden Mangelernährung. 
  • Eine solche mangelhafte Ernährung wirkt sich zum einen negativ auf eine erforderliche Behandlung aus und stellt zum anderen eine teilweise unerkannte ernste Gesundheitsgefahr dar. 

Der Bedarf eines Ernährungsscreenings ist groß:

Daten belegen, dass etwa 20 Prozent aller Krankenhauspatienten mangelhaft ernährt sind.

Um diese zu finden und umgehend mit den notwendigen ernährungsmedizinischen Maßnahmen beginnen zu können, werden jetzt alle stationären Patienten am Universitätsklinikum Leipzig einem Ernährungsscreening unterzogen. Dieses besteht aus zunächst vier Fragen, die bei der Aufnahme erhoben und in der Patientenakte erfasst werden. Weisen eine oder mehrere der eingetragenen Antworten auf die Gefahr einer Mangelernährung hin, wird automatisch das Ernährungsteam des UKL benachrichtigt. „Wir besuchen umgehend den Patienten oder die Patientin für das umfassendere Hauptscreening, verschaffen uns dabei ein genaues Bild und sorgen dafür, dass die individuell erforderlichen Maßnahmen in Gang gesetzt werden können“, erklärt Lars Selig, Leiter des Ernährungsteams am UKL. Diese reichen von Ernährungsberatung über eine speziell angereicherte Ernährung und Nahrungsergänzungen bis zur Ernährung per Sonde oder über den Blutweg, je nach Erkrankungsbild und Situation.

Die Leipziger Ernährungsexperten haben mit dem Screening bereits gute Erfahrungen gesammelt. „Bisher haben wir in einem Pilotprojekt allerdings nur extrem gewichtsauffällige Patienten mit einem BMI unter 18,5 als gefährdet erfasst und betreut“, beschreibt Selig. Ihm steht für ein Klinikum mit 1451 Betten ein Team aus zwölf Ernährungstherapeuten zur Verfügung, das jetzt verstärkt wird durch zehn angehende Diätassistenten. Damit verfügt das Universitätsklinikum Leipzig über Deutschlands größtes Klinik-Ernährungsteam – und somit über die Kapazitäten, das Screening über das gesamte Haus auszuweiten.

„So können wir nun auch auf alle bei der Aufnahme erfragten Risikoparameter reagieren und Auffälligkeiten schnell nachgehen“, so Selig.

Das Screening erfolge dabei ganz ohne Mehrbelastung der Pflegekräfte, betont der Ernährungsexperte. Die vier Fragen werden im Zuge der Aufnahme gestellt, die Eingabe der Antworten kostet auf den Stationen wenig Extra-Zeit, die Benachrichtigung des Ernährungsteams erfolgt automatisch.

Das Ergebnis des kleinen Aufwands ist allerdings ein großes:

„In diesen Zeiten von Überernährung ist Mangelernährung für uns im Krankenhaus ein wichtiges Thema“, erläutert Prof. Albrecht Hoffmeister, „daher brauchen wir Instrumente, um diese sicher erkennen und behandeln zu können.“ Der Gastroenterologe ist medizinischer Leiter des Ernährungsteams und kennt das Problemfeld:

  • Weil mangelhafte Nahrungszufuhr auch Normal- und sogar Übergewichtige betreffen kann, wird diese häufig selbst von den Experten übersehen. 
  • Mit teilweise schwerwiegenden Folgen, denn dauerhafte Mangelernährung kann durch das Fehlen wichtiger Nährstoffe zu irreversiblen Schäden zum Beispiel im neurologischen Bereich führen. 

Im Krankenhaus führt Mangelernährung oft zu Komplikationen und einem längeren Aufenthalt.

„Und das, obwohl wir die geeigneten Mittel haben, um solchen Entwicklungen gegenzusteuern“, so Hoffmeister.

Umso wichtiger sei es, gefährdete Patienten schnell zu finden und zu versorgen.

Im letzten Jahr waren dies am UKL 12.000 von den über 56.000 stationär behandelten Patienten. Häufig handelt es sich um ältere Menschen.

„Ab 70 steigt das Risiko, auch weil viele Menschen, die allein leben, sich schlechter ernähren und versorgen“, so Hoffmeister.

Bei Kindern sei das Thema Mangelernährung dagegen weniger kritisch.

Dank regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen seien hier die Kontrollmechanismen vorhanden, um Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen.

„Erwachsene aber fallen schnell durchs Raster“, so der Ernährungsmediziner.

Das verhindert nun das Screening. Ein weiterer Vorteil – auch Fehlernährung wird dabei erkannt. Die Ursachen dafür können sehr vielfältig sein:

Vom schlecht sitzenden Gebiss über soziale Faktoren wie das Zurückbleiben nach dem Tod des für das Kochen zuständigen Partners bis zu ernsten Erkrankungen, die die Nahrungsaufnahme verhindern. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Zahnimplantate 

In jedem Fall erfolgt eine ernährungsmedizinische Intervention, die zunächst während des Klinikaufenthalts eine Verbesserung des Ernährungsstatus sicherstellt, aber auch anschließende Maßnahmen im Blick hat.

„Die Grundlage dafür bildet aber die verlässliche Identifizierung der Betroffenen in der Eingangsuntersuchung“, resümiert Lars Selig.

„Deshalb setzen wir das Screening und die anschließende Ernährungstherapie jetzt im Interesse unserer Patienten breit um, obwohl dies von den Krankenkassen nicht finanziert wird.“

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Impfstoff SARS-CoV-2 Entwicklung

Medizin am Abend Belrin - MaAB-Fazit: SARS-CoV-2: DZIF-Wissenschaftler arbeiten an Impfstoffen

Seit das neue Coronavirus SARS-CoV-2 erstmals in China aufgetaucht ist, begleiten die Wissenschaftler und Ärzte im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) die Entwicklung mit ihren Forschungsarbeiten. 

Ganz oben auf der Agenda steht die möglichst schnelle Entwicklung eines Impfstoffes gegen das neue Coronavirus. 
 Coronaviren können gefährliche Infektionskrankheiten auslösen wie aktuell COVID-19.
 Coronaviren können gefährliche Infektionskrankheiten auslösen wie aktuell COVID-19.
CDC/Dr. Fred Murphy/Sylvia Whitfield


Um auf Ausbrüche dieser Art zügig reagieren zu können, steht im DZIF der Forschungsbereich „Neu auftretende Infektionskrankheiten“ bereit.

Während der Ebola-Epidemie 2014 konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen, wie wichtig es ist, sich auf neue Viren vorzubereiten. 

Sie reagierten sofort, indem sie die klinische Impfstoffentwicklung eines Ebolavirus-Impfstoffes maßgeblich vorantrieben. Auch beim MERS-Coronavirus, das mit dem jetzt auftretenden SARS-CoV-2 verwandt ist, hat das DZIF erfolgreich einen ersten Impfstoff auf den Weg gebracht. Diese Erfahrungen kommen den Wissenschaftlern nun in der aktuellen Krisensituation zugute. Sie nutzen bereits vorhandene „Bausteine“ oder sogenannte Plattformen, um möglichst schnell zu einem Impfstoff gegen das neue Coronavirus zu gelangen.

Impfstoff-Plattform Nr. 1

Unter der Leitung von Prof. Gerd Sutter, Virologe an der LMU München, wird ein sog. Vektor-Impfstoff entwickelt, der auf dem „Modifizierten Vacciniavirus Ankara“ (MVA) als Vektor basiert. Das Impfvirus MVA wurde bereits vor mehr als 30 Jahren an der LMU als Impfstoff gegen Pocken generiert. Die MVA-Viren sind so abgeschwächt, dass sie als harmlose Vektoren für andere Impfstoffe dienen können. Im DZIF wurde dieser Vektor bereits erfolgreich für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das MERS-Coronavirus verwendet, einem nahen Verwandten von SARS-CoV-2; die Testung des Impfstoffes befindet sich bereits in der klinischen Prüfung.

„Wir bauen darauf, dass wir die MVA-Plattform wie bei MERS verwenden können und nur die genetische Information für das Oberflächenprotein des SARS-CoV-2 einbauen müssen“, erklärt Sutter, das heißt statt eines MERS-Coronavirus-Bauteils werden wir den Vektor mit einem SARS-CoV-2-Bauteil kombinieren.“ Denn entscheidend für die Wirkung des Impfstoffes sind die Bestandteile des Virus, gegen die der Mensch Antikörper bilden soll. Die Wissenschaftler haben als geeignetes Coronavirus-Bauteil das Spike-Protein auf der Oberfläche des gefürchteten Virus ausgewählt. Dieses Protein ist wichtig für das Eindringen des Virus in die menschliche Zelle. Die entsprechende Gensequenz, sprich der Bauplan dieses Proteins, soll nun mit der genetischen Information des MVA-Vektors kombiniert werden. Das entstandene Impfvirus dringt dann bei einer Impfung in die Zellen ein und synthetisiert das Spike-Protein, das vom Immunsystem als „fremd“ erkannt wird und damit die Immunantwort stimuliert. Es werden spezifische Antikörper und T-Zellen gegen das Spike-Protein gebildet, die dann eine spätere Infektion mit dem Virus verhindern sollen.

„Die genetische Konstruktion des Impfstoffes und die ersten Produktionsschritte sind in etwa sechs bis acht Wochen abgeschlossen“, prognostiziert Prof. Stephan Becker von der Universität Marburg; er ist der Koordinator des DZIF-Forschungsbereichs „Neu auftretende Infektionskrankheiten“. Ein enormer Zeitgewinn im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren, in denen beispielsweise vermehrungsfähige Viren zum Einsatz kommen. Doch auch wenn diese ersten Produktionsschritte so ablaufen wie erhofft, wird ein Impfstoff in diesem Jahr nicht mehr zur Verfügung stehen. Da sind die Wissenschaftler sich einig. „Die Entwicklung eines Impfstoffs ist ein langwieriger, mühsamer Prozess, vor allem die klinische Prüfung für die Zulassung eines Kandidaten. Das geht nicht in ein paar Wochen“, betont Becker.

Die klinische Prüfung wird von Prof. Marylyn Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) geleitet werden. Sie hat bereits maßgeblich an der Entwicklung des Ebola- und des MERS-Impfstoffs mitgewirkt, für den die klinischen Prüfungen noch im Gang sind. Für die Produktion des Impfstoffs in größerem Umfang wird die Firma IDT Biologika mit dabei sein; sie entwickelte bereits eine eigene Zelllinie für die Produktion des MERS-Impfstoffs in großem Maßstab.

Impfstoff-Plattform Nr. 2

Neben der bewährten MVA-Plattform erforschen die Wissenschaftler im DZIF parallel eine zweite Plattform für die Impfstoffentwicklung, um möglichst schnell zum Ziel zu gelangen. Unter der Leitung des im DZIF tätigen Wissenschaftlers PD Dr. Michael Mühlebach wird der Masernimpfstoff als Vektor für fremde virale Proteine eingesetzt. Die Masernimpfung wird seit den 1960er Jahren millionenfach mit hoher Wirksamkeit und Sicherheit eingesetzt. Nun kombinieren die Wissenschaftler diesen Vektor ebenfalls mit einem Bestandteil des SARS-CoV-2. Die rekombinanten Impfviren sind bereits fertig erzeugt, werden zurzeit gerade vermehrt und anschließend in vitro und in vivo charakterisiert. „Wenn wir die Eignung eines auf dem Masernimpfvirus basierenden Impfstoff-Kandidaten in einem halben Jahr erforscht haben, kann danach die Entwicklung eines entsprechenden SARS-CoV-2-Impfstoffs von anderen Forschergruppen vorangetrieben werden“, wagt Mühlebach eine erste Prognose. Durch die Veröffentlichung relevanter Forschungsergebnisse könnte die Weiterentwicklung für industrielle Partner möglich gemacht werden.


Für die anschließende Entwicklungsarbeit bis hin zur Zulassung zeigt CEPI Interesse: Die „Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“ unterstützt aussichtsreiche Impfstoffentwicklungen finanziell – eine globale Partnerschaft des öffentlichen Gesundheitswesens, der Industrie und von privaten Stiftungen wie der Bill & Melinda Gates Foundation.


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Untersucher-CAVE: Öffentlicher Dienst: hohe Arbeitsintensität, starke Belastung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Öffentlicher Dienst: Beschäftigte fühlen sich stärker belastet

  • Beschäftigte im öffentlichen Dienst sind partiell häufiger von einer hohen Arbeitsintensität betroffen als Beschäftigte in anderen Wirtschaftsbereichen. 

Das zeigt ein neues Faktenblatt der Bundeanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). 

Während 67 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst davon berichten, häufig verschiedene Arbeiten gleichzeitig betreuen zu müssen, sagen dies in der Industrie nur 58 Prozent und im Handwerk nur 50 Prozent der Beschäftigten. 
 
Ebenso berichten Beschäftigte im öffentlichen Dienst häufiger als Beschäftigte in anderen Wirtschaftsbereichen davon, dass sie bei ihrer Arbeit häufig unterbrochen werden oder dass sie häufig an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten. Die Zahlen basieren auf einer Auswertung der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 anhand der Angaben von 17.000 abhängig Beschäftigten in Deutschland.
  • Die Zahlen zeigen darüber hinaus, dass sich Beschäftigte im öffentlichen Dienst durch psychische Anforderungen häufiger belastet fühlen als Beschäftigte in anderen Wirtschaftsbereichen. 
  • Für 83 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst ist es demnach belastend, ständig an der Grenze der eigenen Leistungsfähigkeit zu arbeiten. 

Zwar sind die Beschäftigten im öffentlichen Dienst seltener von Termin- und Leistungsdruck betroffen, empfinden diese Anforderung aber zu 75 Prozent als Belastung – acht Prozent mehr als der Durchschnitt aller Beschäftigten.

65 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst sind durch häufige Störungen und Unterbrechungen bei der Arbeit belastet – im Dienstleistungsbereich und im Handwerk sind es jeweils nur 57 Prozent.

In der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 wurden zudem verschiedene gesundheitliche Probleme abgefragt.

  • Beschäftigte im öffentlichen Dienst berichteten hierbei häufiger von allgemeiner Müdigkeit, 
  • Mattigkeit oder Erschöpfung (52 Prozent), 
  • von nächtlichen Schlafstörungen (34 Prozent)
  • oder Kopfschmerzen (39 Prozent).

Die Auswertung macht deutlich, dass hohe Arbeitsintensität einen großen Teil der Beschäftigten im öffentlichen Dienst betrifft.

Die Beschäftigten sind dabei partiell häufiger betroffen als die Beschäftigten in anderen Wirtschaftsbereichen.

Da eine andauernd hohe Arbeitsintensität gesundheitliche Folgen haben kann, ist sie ein wichtiges Thema für den Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten.

baua: Fakten "Öffentlicher Dienst: hohe Arbeitsintensität, starke Belastung" gibt es als PDF im Internetangebot der BAuA unter http://www.baua.de/dok/8833852.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des BMAS. Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz arbeiten über 700 Beschäftigte.
http://www.baua.de

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Graue Hirnsubstanz gefährdet: Bei Herzschwäche/Herzinsuffizienz

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Ein schwaches Herz schadet auch dem Gehirn

Pumpt das Herz zu wenig Blut in den Körper, wird meist auch das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. 

Bislang war jedoch unklar, wie sich das auf die Hirnstruktur auswirkt. 

Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) haben nun in Zusammenarbeit mit dem Herzzentrum Leipzig herausgefunden, dass darunter auch die graue Hirnsubstanz leidet. 
 
Etwa 1,8 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt.

  • Die wirkt sich nicht nur auf die Leistungsfähigkeit der Patienten aus – sie sind schneller erschöpft und klagen über Atemnot bei Belastungen. 
  • Auch ihr Gehirn ist davon betroffen. Wissenschaftler des MPI CBS haben nun belegt, auch die Dichte der grauen Substanz sinkt. 
  • Besonders groß ist der Schaden nach einem Herzinfarkt.
  • „Je schwächer das Herz, desto geringer die Dichte der grauen Substanz“, erklärt Matthias Schroeter, Leiter der Forschungsgruppe für Kognitive Neuropsychiatrie am MPI CBS, das zentrale Ergebnis der Studie. 

Besonders betroffen seien dabei das mittlere Stirnhirn und der sogenannte Precuneus innerhalb der Großhirnrinde sowie der Hippocampus. 

Diese Regionen verarbeiten vor allem Aufmerksamkeitsprozesse und Gedächtnisinhalte. 

Und nicht nur das: „Ein Abbau von grauer Substanz in diesen Bereichen kann die Entstehung von Demenz begünstigen“, sagt Schroeter.

Untersucht haben die Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen grauer Substanz und Herzfunktion an 80 Patienten des Herzzentrums Leipzig mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) und zweier Faktoren: 

  • Der Menge an Blut, die bei einem Herzschlag ausgestoßen wird, und der Konzentration eines bestimmten Hormons in der Blutbahn. 
  • Dabei zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Grad der Herzinsuffizienz und den Veränderungen in der grauen Substanz.

Als graue Substanz bezeichnet man im Gehirn die Gebiete, die vorwiegend aus den Zellkörpern der Nervenzellen bestehen. 

Die langen Enden der Nervenzellen, die Nervenfasern, bilden hingegen die weiße Substanz. 

Der bekannteste Teil der grauen Substanz ist die Großhirnrinde, die das Gehirn als äußerer, zwei bis fünf Millimeter dicker Mantel mit seinen zahlreichen Windungen umgibt. 

  • Hier werden die eigentlichen höheren geistigen Fähigkeiten des Menschen – von den Sinneseindrücken über Sprache bis zu Kreativität – verarbeitet.

„Bei einer Herzschwäche muss also auch bedacht werden, dass dabei die Hirnstruktur geschädigt wird“, sagt der Mediziner.

Frühere Studien hatten gezeigt, was dem Abbau am besten entgegenwirkt: 

Sport und soziale Aktivitäten. 

„Natürlich muss man auch die verminderte Herzfunktion selbst behandeln.“ 

Soll heißen: 

Die Ursachen wie Rauchen, Diabetes oder Adipositas angehen.

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Originalpublikation:
Karsten Mueller, F. Thiel , F. Beutner, A. Teren, Tommaso Ballarini, Harald E. Möller, Kristin Ihle, Arno Villringer, and Matthias L. Schroeter (2020) Brain change with heart failure: Cardiac biomarker alterations and gray matter decline. Circulation Research

Opioid-Abhängigkeiten - Opioid-Krise - ph-Wert - pKa-Wert

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Auf dem Weg zu Schmerzmitteln ohne Suchtgefahr: Säurewert am Schmerzherd ist entscheidend

Opioidhaltige Schmerzmittel sind im klinischen Alltag nahezu unverzichtbar, allerdings haben sie starke Nebenwirkungen. 

Zusätzlich ist es insbesondere in den USA zu massivem Substanzmissbrauch gekommen. 

Einem Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist jetzt ein wichtiger Schritt hin zu einer neuen Generation von Schmerzmitteln gelungen. 

Wie die Forschenden im Fachmagazin Scientific Reports* berichten, kommt es bei der Entwicklung neuer Substanzen auf den Säurewert, den pH-Wert, des Schmerzherds an. 

Denn die Feinabstimmung der Säure-Dissoziations-Konstante, der sogenannte pKa-Wert, eines Opioidmoleküls bestimmt die Gefährlichkeit, darunter das Suchtpotenzial. 

Neue Substanzklasse bewirkt Schmerzstillung ausschließlich am Entzündungsherd.
 Neue Substanzklasse bewirkt Schmerzstillung ausschließlich am Entzündungsherd.
Grafik: G. Del Vecchio & V. Spahn / Freepik


  • Opioide haben eine starke schmerzstillende Wirkung, sie können jedoch schnell in eine Abhängigkeit führen. 

Lange ist vor allem in den USA sorglos mit den Präparaten umgegangen worden.

Entsprechend hoch sind die Zahlen der Opioid-Abhängigkeiten, man spricht von der Opioid-Krise. 

Auch hierzulande werden opioidhaltige Schmerzmittel verschrieben, mit steigender Tendenz. 

Inzwischen kommen sie selbst bei chronischen Schmerzen ohne Krebserkrankung zum Einsatz. 

Was bis heute fehlt, sind Medikamente, die starke Schmerzen lindern, gleichzeitig jedoch weniger Gefahren bergen.

Prof. Dr. Christoph Stein, Direktor des Arbeitsbereiches Experimentelle Anästhesiologie am Campus Benjamin Franklin, ist mit seinem Team einer nebenwirkungsarmen Alternative in der Schmerztherapie auf der Spur.

Drei Opioidsubstanzen, sie tragen die Namen FF6, FF3 und NFEPP, hat die Forschungsgruppe bereits neu entwickelt und in Computersimulationen gemeinsam mit Kollegen am Zuse-Institut für angewandte Mathematik Berlin (ZIB) getestet.

Jetzt konnten die Forschenden die Schmerzreduktion und typische Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Verstopfung und die Gefahr eines Atemstillstandes sowie das Suchtpotenzial in einem Tiermodell für Entzündungsschmerz genauer beobachten.

„Im Vergleich zum Standard-Opioid Fentanyl sprechen die Ergebnisse der neuartigen Substanzklasse für sich“, sagt Prof. Stein, der auch Mitglied des Einstein-Zentrums für Neurowissenschaften ist.

  • „Je näher der pKa-Wert des Bindungsmoleküles am Säurewert des entzündeten oder verletzten Gewebes liegt, um so selektiver werden ausschließlich Opioidrezeptoren am Schmerzherd selbst aktiviert und umso geringer ist die Gefahr von Sucht oder Nebenwirkungen. 

Im Fall von Fentanyl liegt der pKa-Wert über dem physiologischen pH-Wert, außerdem gelangt das Standard-Opioid nachweislich schneller ins Gehirn.“

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verfolgen den Ansatz, Entzündungsschmerz und postoperativen Schmerz am Ort des Geschehens, direkt im verletzten Gewebe, zu beheben. Im Gegensatz zu konventionellen Opioiden aktivieren die neuartigen Substanzen ausschließlich in saurem Milieu Opioidrezeptoren, die Andockstellen für Schmerzmedikamente, und wirken somit nur in verletztem Gewebe. Schwerwiegende Nebenwirkungen bleiben auf diese Weise aus.

 „Mit dem Ziel, die für eine optimale Wirkung notwendigen chemischen Eigenschaften der neuen Substanzen abzuleiten, haben wir nun in kultivierten Zellen das Zusammenspiel von Opioid-Bindungsmolekülen mit Opioidrezeptoren bei verschiedenen pH-Werten untersucht. Einige der Rezeptoren sind zusätzlich genetisch verändert worden“, erklärt Studienleiter Prof. Stein.

„Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Säure-Dissoziations-Konstante, der pKa-Wert, eines Opioidmoleküls seine Gefährlichkeit, also Nebenwirkungen wie Suchtentstehung oder Atemstillstand, bestimmt. 
  • Bislang war die Bedeutung von pH- und pKa-Werten für die Sicherheit von Opioiden völlig unbekannt.“ 
  • Eine richtungweisende Erkenntnis auf dem Gebiet der Rezeptorforschung.
Die Feinabstimmung des pKa-Wertes und bestimmte chemische Brückenbildungen mit Opioidrezeptoren sind entsprechend der aktuellen Untersuchungen maßgeblich, wenn es um die Entwicklung neuartiger Medikamente geht.

Wird die neue Generation von Schmerzmitteln Realität, könnten gefährliche Nebenwirkungen und Suchtgefahr der Vergangenheit angehören.

 „Wir haben bereits in zahlreichen klinischen Studien zeigen können, dass die selektive Aktivierung von peripheren Opioidrezeptoren in verletztem Gewebe, beispielsweise durch lokale Injektion konventioneller Opioide wie Morphin, eine potente Schmerzstillung beim Menschen bewirkt. 

Daher sind wir zuversichtlich, dass unsere neue Substanzklasse, die nun erstmals auch intravenös verabreicht werden kann, erfolgreich sein wird“, sagt Prof. Stein. Erste klinische Studien, bei denen die neuartigen Substanzen zur Anwendung kommen, sollen in zwei bis drei Jahren starten. Parallel arbeitet die Forschungsgruppe unter anderem im Rahmen des Förderprogramms SPARK am Berlin Institute of Health (BIH) an weiteren Substanzen der neuen Generation.

*Del Vecchio G et al. pK(a) of opioid ligands as a discriminating factor for side effects. Sci Rep. 2019 Dec 18;9(1):19344. doi: 10.1038/s41598-019-55886-1.

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Prof. Dr. Christoph Stein
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Wiederkehrender oder schwerer depressiver Erkrankung: Die Remissionsphase

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Depression: Langsame Entscheidungen könnten ein Zeichen für einen Rückfall sein

Die Wahrscheinlichkeit, mit welcher Betroffene nach dem Absetzen von Antidepressiva in eine Depression zurückfallen, lässt sich teilweise voraussagen. 

Personen, die einen solchen Rückfall erleben, benötigen nämlich häufig länger, um sich zu entscheiden, wie viel Anstrengung sie für eine Belohnung investieren möchten, wie Forschende in einer vom SNF unterstützten Studie zeigen konnten. 
 
Depressionen sind eine weit verbreitete Krankheit mit einem schwierig vorherzusehenden Verlauf. 

Häufig ist die Erkrankung wiederkehrend: 

Depressive Phasen kommen und gehen. 

Aus Studien ist bekannt, dass die Behandlung über das Abklingen der Symptome hinaus fortgesetzt werden sollte, um die Gefahr eines Rückfalls zu verringern.

Leider scheint dies jedoch keinen Einfluss auf das Risiko eines Rückfalls nach dem Absetzen der Medikamente zu haben.

  • "Schätzungsweise 30 Prozent der Betroffenen erleiden in den ersten sechs Monaten nach dem Absetzen einen Rückfall. 
  • Das ist ein sehr hoher Anteil. Bisher gibt es kein etabliertes Instrument, mit dem sich dieses Risiko abschätzen lässt", sagt die Psychologin Isabel Berwian.

In einer vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützten Längsschnittstudie, die in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry (*) publiziert wurde, konnte sie nun zeigen, dass gewisse Prognosen zum Rückfallrisiko bei Depressionen möglich sind. 

Die Forscherin, nun Postdoktorandin im Bereich Translational Neuromodeling an der Universität Zürich und der ETH Zürich, hat nämlich beobachtet, wie die Betroffenen in der Remissionszeit Entscheidungen treffen.

Spiel mit der Motivation

Für die Studie rekrutierte das Team von Quentin Huys, damals Forscher für Computationale Psychiatrie und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Patientinnen und Patienten mit wiederkehrender oder schwerer depressiver Erkrankung, die sich in der Remissionsphase befanden.

Sie wiesen keine oder fast keine Symptome mehr auf, nahmen aber noch Antidepressiva ein.

Die Teilnehmenden hatten unabhängig von der Studie bereits entschieden, die entsprechenden Medikamente abzusetzen. Alle erhielten eine Aufgabe, mit der ihre Bereitschaft gemessen werden konnte, je nach Belohnungsniveau eine Anstrengung zu unternehmen. Dieser Versuchsaufbau wurde gewählt, weil die Fachliteratur zeigt, dass Menschen mit Depressionen typischerweise in geringerem Ausmass bereit sind, sich für eine Belohnung anzustrengen. Die Forschenden wollten einen Schritt weitergehen und untersuchen, ob sich Rückschlüsse auf einen potenziellen Rückfall ziehen lassen.

Die Daten wurden zwischen Juli 2015 und Januar 2019 bei 123 Patienten und 66 gesunden Vergleichspersonen in Zürich und Berlin erhoben. Alle Personen, die an Depressionen gelitten hatten, lösten die Aufgabe zweimal: Das erste Mal vor dem Absetzen der Medikamente, das zweite Mal entweder vor oder nach dem Absetzen der Medikamente. Zudem wurden alle nach der Studie sechs Monate lang weiter beobachtet, um zu verfolgen, ob sie einen Rückfall erlitten.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Entscheidungszeit bei von Depressionen Betroffenen länger war als bei den Vergleichspersonen (durchschnittlich 1,77 beziehungsweise 1,61 Sekunden). Zudem war sie aber auch innerhalb der Patientengruppen bei Personen noch länger, die nach dem Absetzen einen Rückfall erlitten (durchschnittlich 1,95 Sekunden). Die Forschenden konnten so zeigen, dass bei zwei von drei Personen aufgrund der Entscheidungszeit richtig vorausgesagt wird, ob sie einen Rückfall erleiden werden.

Im Bett bleiben oder aufstehen?

Welche Mechanismen bei dieser Aufgabe eine Rolle spielen, wurde mit einem Berechnungsmodell in Erfahrung gebracht. Es ergab, dass die jeweils gewählte Option (kleine Anstrengung für eine kleine Belohnung oder grössere Anstrengung für eine grössere Belohnung) ein Unterscheidungsmerkmal zwischen den ehemals depressiven Personen und den gesunden Personen ist: Erstere wählten häufiger die am wenigsten anstrengende Option. Die Forschenden vermuten, dass dies ein Anzeichen dafür ist, dass die Depression nach wie vor asymptomatisch im Hintergrund präsent ist.

Das Modell hat ausserdem gezeigt, dass Personen, die eine depressive Phase erlebt haben, Anstrengungen eher vermeiden. Isabel Berwian veranschaulicht dies folgendermassen: "Stellen Sie sich vor, dass Sie an einem Abend bereits im Bett liegen. Dann rufen Bekannte an und fragen, ob sie mit Ihnen in der Stadt ein Eis essen kommen. Eine gesunde Person wird vermutlich aufstehen und hingehen. Eine Person, die eine depressive Episode hatte, bleibt dagegen eher im Bett. Sogar wenn ihr die Aktivität gefallen würde, scheint ihr die dazu notwendige Anstrengung zu gross."

Obwohl die Studie gezeigt hat, dass die Entscheidungszeit gewisse Prognosen zum Rückfallrisiko ermöglicht, sind diese Erkenntnisse für eine Anwendung in der Praxis noch nicht reif. "Dieser Indikator ist vielversprechend, aber wir können noch nicht für uns beanspruchen, "die" Lösung gefunden zu haben. Unsere Ergebnisse müssten an einer grösseren Stichprobe validiert werden, da unsere relativ klein war", erklärt Isabel Berwian. Für die Forschenden ist das eine Herausforderung, da es schwierig ist, Patientinnen und Patienten für solche Studien zu finden. Quentin Huys – inzwischen Associate Professor am University College von London – und sein Team arbeiten auch an anderen potenziellen Indikatoren für Rückfälle. Sie prüfen zum Beispiel, ob sich beim Abspielen eines traurigen Films die Gehirnaktivität zwischen gesunden Personen und Personen, die in der Vergangenheit an einer Depression gelitten hatten, unterscheidet.

Die Studie wurde an der Translational Neuromodeling Unit der Universität Zürich und der ETH Zürich und an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich in Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Charité in Berlin durchgeführt. Mit den Projektförderungsbeiträgen des SNF können Forschende Vorhaben zu selbst gewählten Themen und Forschungszielen eigenverantwortlich durchführen.

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Einen Ballon aufblasen und Punkte gewinnen

Zum Messen der Entscheidungszeit wurde den Teilnehmenden folgende Aufgabe gestellt: Sie mussten eine Taste am Computer drücken, um Punkte zu gewinnen. Sie hatten fünf Sekunden Zeit, um sich zwischen zwei Alternativen zu entscheiden, für die mehr oder weniger Anstrengung nötig war. Sie konnten entweder für einen Punkt 20-mal die Taste drücken, oder für drei bis sieben Punkte 100-mal abhängig von der aktuellen Aufgabenstellung. Nach der Entscheidung hatten die Teilnehmenden jeweils 40 Sekunden Zeit, um die Taste so oft zu drücken, wie sie gewählt hatten. Damit konnten sie dann einen virtuellen Ballon aufblasen, der platzte, wenn sie genügend oft gedrückt hatten. Alle Teilnehmenden erledigten diese Aufgabe je 60-mal.

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Quentin Huys
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E-Mail-Adresse: nadine.leyser@snf.ch

Originalpublikation:
(*) I. M. Berwian, J. Wenzel, A. G. E. Collins, E. Seifritz, K. E. Stephan, H. Walter, Q. J. M. Huys: Computational mechanisms of effort and reward decisions in depression and their relationship to relapse after antidepressant discontinuation, Jama Psychiatry (2020).
https://doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2019.4971

Untersucher-CAVE: Erhebung der Krankengeschichte https://www.aps-ev.de/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Patientensicherheit weist Mängel auf

  • Fehldiagnosen, falsche Verschreibung von Medikamenten, unzureichende Erhebung der Krankengeschichte
  • Patientinnen und Patienten wissen eine Menge zu erzählen, wenn es um Mängel der ambulanten medizinischen Versorgung geht – sofern man sie fragt. 

Ein Team um den Marburger Gesundheitsversorgungsforscher Professor Dr. Max Geraedts hat das nun erstmals systematisch getan. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befragten 10.000 Bürgerinnen und Bürger, welche Probleme sie bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten erlebt haben. Die Forschungsgruppe berichtet im Fachjournal BMJ Open über ihre Ergebnisse. 

Der Mediziner Professor Dr. Max Geraedts leitete die erste Studie zur Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung.
Der Mediziner Professor Dr. Max Geraedts leitete die erste Studie zur Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung. Foto: Bert Bostelmann / Wort & Bild-Verlag; 
 
Viele Menschen suchen zuerst die Praxis von niedergelassenen Ärztinnen oder Ärzten auf, wenn sie medizinische Hilfe oder Rat benötigen; „trotzdem gibt es so gut wie keine Daten über Probleme mit der Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung, weder in der Bundesrepublik noch international“, erklärt der Mediziner Max Geraedts von der Philipps-Universität Marburg, der die Studie leitete.

  • Dabei zeigen Schätzungen für den stationären Bereich, dass die Patientensicherheit sehr wohl verbesserungsbedürftig ist: 
  • Demnach erleiden 5-10 Prozent aller Krankenhauspatientinnen und -patienten unvorhergesehene Schädigungen.

Wie steht es in der ambulanten Versorgung um die Patientensicherheit? 

Geraedts und sein Team befragten mittels eines neu entwickelten Erhebungsbogens 10.000 Personen über 39 Jahre, die zufällig ausgewählt worden waren.

Das Ergebnis: 14 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten über Probleme, die aufgetreten seien, wenn sie niedergelassene Ärztinnen oder Ärzte konsultierten. Die telefonische Umfrage dokumentiert mehr als 2.500 Einzelfälle.

Bei 61 Prozent davon geht es um unzureichend erhobene Vorgeschichten der Patientinnen und Patienten oder um unzulängliche Diagnostik. 

  • In 75 Prozent der Fälle klagten die Betroffenen über schädliche Folgen wie unnötig lang anhaltende Schmerzen oder die Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, die auf die Probleme bei der Behandlung zurückgingen; 
  • bei 35 Prozent der Vorkommnisse kam es demnach zu dauerhaften Schäden, 
  • 31 Prozent lösten weitere Arztbesuche, 
  • 14 Prozent Notfallbehandlungen und 
  • 10 Prozent Krankenhausaufenthalte aus. 
  • Auf Allgemeinmediziner entfielen 44 Prozent der Patientenberichte, 
  • auf Orthopäden 15 Prozent und
  • auf Internisten 10 Prozent.

„Unsere Ergebnisse belegen, dass Probleme der Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung häufig sind, oft mit Gesundheitsschäden einhergehen und zusätzliche Behandlungen nach sich ziehen“, resümiert Geraedts. „Die Ergebnisse können helfen, kritische Situationen zu erkennen und gezielte Maßnahmen zur Vermeidung von Problemen zu entwickeln.“

Darüber hinaus zeige die Studie, dass Patientenberichte eine wertvolle Quelle zur Identifizierung von Sicherheitsproblemen seien; sie könnten demnach dazu beitragen, die Patientensicherheit zu verbessern.

Diesen Aspekt betont auch das „Aktionsbündnis Patientensicherheit“ APS in einer Stellungnahme:

Grundsätzlich sei es schwierig, Probleme mit der Patientensicherheit zu erheben, weil die Einschätzung von professionellen Kräften und Betroffenen variiere.

„Im Aktionsbündnis sind wir davon überzeugt, dass es von unschätzbarem Wert ist, die Patientinnen und Patienten selbst einzubeziehen, um die Sicherheit in der Versorgung zu bewerten und zu verbessern“, sagt Marcel Weigand, Generalsekretär im APS.

Der Mediziner Professor Dr. Max Geraedts lehrt Versorgungsforschung und Klinische Epidemiologie an der Philipps-Universität Marburg. Neben Geraedts Arbeitsgruppe beteiligte sich Dr. Johannes Leinert vom Sozialforschungs-institut Infas an der Studie. Der Gemeinsame Bundesausschuss, eine Einrichtung der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, unterstützte die zugrundeliegende Forschungsarbeit finanziell.

Originalveröffentlichung: Max Geraedts & al.: Patient safety in ambulatory care from the patient's perspective: a retrospective, representative telephone survey BMJ Open (2020), DOI: 10.1136/bmjopen-2019-034617

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Die Grippeschutzimpfung - besonders bei Spitzensportlern

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Studie zeigt: Grippeimpfung ist für Leistungssportler empfehlenswert – auch bei intensivem Training

Vor Wettkämpfen zählt im Leistungssport jeder Trainingstag. 

Viele Sportärzte waren daher beim Thema Grippeimpfung bisher zurückhaltend aus Sorge vor Nebenwirkungen, aber auch weil sie vermuteten, dass diese bei Spitzensportlern nicht so gut wirkt. 

Dass genau das Gegenteil der Fall ist, konnte jetzt eine Forschergruppe an der Universität des Saarlandes um Sportmediziner Tim Meyer und die Immunologin Martina Sester nachweisen. 

Die für ihre Studie geimpften Leistungssportler zeigten eindeutige Immunabwehrreaktionen, die gegenüber einer „normalen“ Kontrollgruppe sogar leicht erhöht waren. 

 Tim Meyer, Professor für Sport- und Präventivmedizin der Saar-Uni
 Tim Meyer, Professor für Sport- und Präventivmedizin der Saar-Uni
Universität des Saarlandes


  • Es gab zudem keinen Unterschied, ob die Impfung direkt nach dem Training oder einen Tag später verabreicht wurde. 

Und die Nebenwirkungen waren so gering ausgeprägt, dass keine einzige Trainingseinheit ausfallen musste.

Im Rahmen der Studie erhielten 45 Athletinnen und Athleten am Olympia-Stützpunkt in Saarbrücken sowie 25 Personen einer gleichaltrigen Kontrollgruppe eine Impfung gegen die saisonale Grippe, die durch Influenzaviren ausgelöst wird.

Vor der Impfung sowie eine, zwei und 26 Wochen danach wurde das Blut der Versuchspersonen auf grippespezifische Zellabwehrreaktionen hin untersucht sowie auf Antikörper, die Influenzaviren neutralisieren können.  

„Zu unserer eigenen Überraschung stellte sich heraus, dass die Spitzensportler bei beiden Faktoren eine stärkere Reaktion zeigten als die Kontrollgruppe.

Bisher war die landläufige Meinung, dass langfristiges intensives körperliches Training die Immunreaktion von Sportlern eher dämpfen würde“, erläutert Tim Meyer, Professor für Sport- und Präventivmedizin der Saar-Universität.

Auch die Nebenwirkungen waren nach der Impfung bei allen Probanden mild, so dass die Leistungssportler in ihrem Trainingsprogramm nicht beeinträchtigt waren.

„Wir haben zudem einen Teil der Versuchspersonen direkt nach ihrem Training geimpft und die anderen erst einen Tag später.

Weder bei der Immunantwort der Athleten noch bei den nur geringfügigen Nebenwirkungen machte dies einen Unterschied“, erklärt Tim Meyer.

Das sei für Spitzensportler, die in Wettkampfzeiten meist täglich trainieren, von großer Bedeutung.

  • „Wir leiten aus unseren Ergebnissen die Empfehlung ab, dass sich Leistungssportler gegen die saisonale Grippe impfen lassen sollten. 

Sie müssen nicht befürchten, in ihren ambitionierten Trainingseinheiten eingeschränkt zu werden und laufen damit weniger Gefahr, durch eine Grippeerkrankung für längere Zeit auszufallen“, sagt Martina Sester, Professorin für Transplantations- und Infektionsimmunologie der Universität des Saarlandes.

Ihre wissenschaftlichen Ergebnisse konnte die interdiszplinäre Forschergruppe sowohl in einer renommierten Fachpublikation für Sportmedizin als auch einer internationalen Zeitschrift für Immunologie veröffentlichen. An der Universität des Saarlandes waren neben den Forscherteams von Tim Meyer und Martina Sester auch die Forschergruppe von Barbara Gärtner, Professorin für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, beteiligt. Die Studie wurde vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft finanziell gefördert.


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Prof. Dr. Tim Meyer
Institut für Sport- und Präventivmedizin
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Prof. Dr. Martina Sester
Professur für Transplantations- und Infektionsimmunologie
der Universität des Saarlandes
Tel. 06841/16-23557
Mail: martina.sester@uks.eu

Friederike Meyer zu Tittingdorf Universität des Saarlandes


Originalpublikation:
Elite athletes on regular training show more pronounced induction of vaccine-specific T-cells and antibodies after tetravalent influenza vaccination than controls. In: Brain, Behavior and Immunity, Vol. 83, Januar 2020, S. 135-145

Timing of vaccination after training: immune response and side effects in athletes. In: Medicine & Science in Sports & Exercise, Januar 2020

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0889159119306518?via%3Dihub

https://journals.lww.com/acsm-msse/Abstract/publishahead/Timing_of_Vaccination_a...

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Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Fahrdienst von KV Berlin und Berliner Feuerwehr ist heute gestartet

Täglich von 7 bis 22 Uhr werden immobile Patienten
mit sehr schweren Erkältungssymptomen angefahren
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin und die Berliner Feuerwehr haben heute um 7 Uhr ihren gemeinsamen Fahrdienst gestartet. 

Dieser kümmert sich ab sofort täglich von 7 bis 22 Uhr um immobile Patientinnen und Patienten mit sehr schweren Erkältungserkrankungen, die zu Hause oder in Pflegeheimen einen Arzt benötigen. 

Gegebenenfalls wird ein Test auf das Coronavirus durchgeführt.
  • Im Einsatz sind ab sofort vier Fahrzeuge der Berliner Feuerwehr, die mit Assistenzpersonal und notwendiger Schutzausrüstung ausgestattet sind. 
Die Ärzte werden vom ärztlichen Bereitschaftsdienst der KV Berlin gestellt. 

Der fahrende Dienst wird über die Leitstelle der KV Berlin (Telefonnummer: 116117) gesteuert und ausschließlich dann angefordert, wenn sich herausgestellt hat, dass die Anrufenden sehr schwere Erkältungssymptome aufweisen und einen Hausbesuch benötigen.
 
„Wir sind mit unserem Fahrdienst früher als gedacht an den Start gegangen. 

Unser Dank gilt im Besonderen der Berliner Feuerwehr sowie allen niedergelassenen Kollegen, die sich kurzfristig 


für den Fahrdienst gemeldet haben und noch melden werden“, sagt Dr. Burkhard Ruppert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Berlin. 
  • Die KV ist auch weiterhin auf der Suche nach Ärztinnen und Ärzten, die den Fahrdienst unterstützen und Schichten übernehmen. 
„Außerdem suchen wir Kollegen, die uns bei der Umsetzung der geplanten ambulanten Abklärungsstellen bei Corona-Verdachtsfällen an ausgewählten Berliner Krankenhäusern unterstützen“, so Ruppert. 

Die Stellen werden in Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern gerade aufgebaut. 

Neben der bereits bestehenden Abklärungsstelle der Charité auf dem Virchow-Campus soll es mindestens drei weitere Standorte geben. 

 „Die dort tätigen Ärztinnen und Ärzte werden absolut sicher arbeiten können“, so Ruppert.

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Kassenärztliche Vereinigung Berlin
Pressestelle
Masurenallee 6 A                                                           
14057 Berlin


 

Dörthe Arnold
Tel. (030) 31003-681
Fax: (030) 31003-50-210

Einladung zur Studie: Übergriffe auf Polizei- und Rettungskräfte http://www.gevore.de

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: „Gewalt gegen Vollstreckungsbeamte und Rettungskräfte“ GeVoRe - Forschungsprojekt startet

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Corona-Virus  

Seit dem 30. Mai 2017 gilt die Gesetzesänderung der sogenannten Widerstandsdelikte und macht es möglich, dass Übergriffe auf Polizei- und Rettungskräfte härter bestraft werden können. 

Um die Auswirkungen der Gesetzesänderung der §§ 113 - 115 StGB auf die Praxis der Strafverfolgung und -justiz zu untersuchen, startete am 01. November 2019 die Studie GeVoRe unter der Leitung von Prof. Anja Schiemann. 
 
In dem auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojekt geht es nicht nur um eine umfassende Gesetzesevaluation, sondern darüber hinaus auch um eine besondere Betrachtung der Gewaltdynamiken, die zur Verwirklichung der einschlägigen Straftatbestände führen.

Daher sollen neben Aktenanalysen und Experteninterviews in 2020 auch Personen befragt werden, die an den Interaktionen beteiligt waren, die dann in einer Anzeige einer eventuellen Deliktsverwirklichung der §§ 113 ff. StGB mündeten.

„Die bisherige Forschung betrachtet bisher meist nur eine Perspektive – Gewalt ist jedoch häufig das Ergebnis eines Prozesses, den die Beteiligten wechselseitig beeinflussen können“, so die Projektleiterin Anja Schiemann.

„Umso wichtiger ist es, dass möglichst viele Personen an der Studie teilnehmen und ihre Perspektive schildern.“

Daher wurde eine Projekthomepage eingerichtet, auf der sich Beteiligte und Betroffene informieren sowie ihre Bereitschaft für die Teilnahme eines Interviews erklären können.

InterviewpartnerInnen werden ab jetzt gesucht.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt und garantiert damit eine unabhängige Forschung.

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Prof. Dr. Anja Schiemann
Fachgebiet für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminalpolitik
Deutsche Hochschule der Polizei
E-Mail: projektleitung@gevore.de

Dr. Mechthild Hauff Deutsche Hochschule der Polizei
Zum Roten Berge 18-24
48165 Münster
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Telefon: 02501 806 210
Fax: 02501 806 466
E-Mail-Adresse: mechthild.hauff@dhpol.de


Sylvia Höpper
Telefon: 02501 806 211
E-Mail-Adresse: sylvia.hoepper@dhpol.de


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