Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie ändert sich die Wahrnehmung im Alter?
Im Gedächtniszentrum am Universitätsklinikum Jena untersuchen und
behandeln Ärzte, Neuropsychologen und Ergotherapeuten Patienten mit dem
Verdacht einer beginnenden Demenzerkrankung.
- Sie erforschen, wie sich
Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Alter verändern und worin sich diese
Veränderungen beim gesunden Altern und der beginnenden Demenz
unterscheiden.
Ihr Ziel ist die frühzeitige Identifikation von Patienten
mit einem erhöhten Risiko für eine Demenz, um deren Entwicklung
bestmöglich entgegen wirken zu können.
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Notfallsanitäter
Im Gedächtniszentrum am UKJ erforscht die Psychologin PD Dr. Kathrin
Finke, wie sich Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Alter verändern.
Foto: Manuela Schacke/UKJ
Eine einfache Zeichnung; den abgebildeten Gegenstand zu erkennen und
zu benennen ist eine Aufgabe in den umfassenden Tests, die die
Patienten im Gedächtniszentrum am Universitätsklinikum Jena absolvieren.
Sie kommen aus eigenem Anstoß, auf Anregung der Angehörigen oder auf
Empfehlung des Hausarztes in die Klinik für Neurologie nach Lobeda.
Oft
leiden sie unter
Gedächtnis- oder Konzentrationsproblemen und
befürchten, darin die Anzeichen einer beginnenden Demenz zu erkennen.
Neben den
neuropsychologischen Tests werden die Patienten auch
neurologisch und labordiagnostisch untersucht, um eventuelle andere
Ursachen für
kognitive Beeinträchtigungen ausschließen zu können.
CAVE: Mit zunehmendem Alter wird die Wahrnehmung langsamer
Nicht selten können die Spezialisten vom Gedächtniszentrum ihre zumeist
älteren Patienten und deren Angehörige beruhigen, weil die
Gedächtnisleistungen nicht aufgrund einer Erkrankung verringert sind,
sondern dem Alter entsprechend.
„Wir wissen, dass die Geschwindigkeit
aller geistigen Prozesse mit dem Lebensalter kontinuierlich abnimmt“, so
die psychologische Leiterin des Gedächtniszentrums, PD Dr. Kathrin
Finke.
„Und zwar linear bereits ab dem jüngeren Erwachsenenalter.“
- Die
Psychologin erforscht, wie sich die kognitiven Leistungen mit den
Lebensjahren verändern, beim Altern in geistiger Gesundheit und bei
beginnender Demenz.
Ihr Projekt ist Teil der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
geförderten interdisziplinären Forschungsgruppe „Active Perception“ an
der LMU München, die mit experimentalpsychologischen,
neurowissenschaftlichen und mathematischen Methoden d
en Zusammenhang von
menschlicher Wahrnehmung, Erkennen und Handlung untersucht.
Im Fokus
steht dabei die Frage, wie unsere Wahrnehmung von Erwartungen
beeinflusst wird.
Weil die
visuellen Leistungen besonders anfällig sind
für Altern und Demenzerkrankungen wie Alzheimer, testet die
Arbeitsgruppe von Kathrin Finke
die Aufmerksamkeit und
Wahrnehmungsgeschwindigkeit in eigens dafür konzipierten
Wahrnehmungstests am Computer.
„Nicht alle Aufmerksamkeitsleistungen
sind bei gesunden Senioren verringert.
Unsere Untersuchungen zeigen,
dass sie sehr gut in der Lage sind, sich auf Wichtiges zu konzentrieren
und Hinweise zu nutzen, um ihre Aufmerksamkeit und Wahrnehmung
verbessern.“
Biomarker für Demenz-Risiko
Das
Nachlassen der Wahrnehmungsgeschwindigkeit im Alter ist individuell
sehr unterschiedlich ausgeprägt. Dies hängt offenbar damit zusammen, ob
und wie stark sich die
Organisation von Hirnnetzwerken verändert.
Kathrin Finke: „Wir erkennen typische Veränderungen in der sogenannten
‚Konnektivität‘ bestimmter Hirnnetzwerke, die im Zusammenhang mit der
Verlangsamung der Sinnesverarbeitung stehen.“ In der Fortführung des
Forschungsprojektes können nun im Gedächtniszentrum Jena Patienten mit
einem Risiko für eine Alzheimer-Entwicklung untersucht werden. Sie
absolvieren die Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitstests als Teil der
Diagnostik in der Gedächtniswoche. Die Wissenschaftler erwarten, dass
sich die Wahrnehmung und die Hirnaktivitätsmuster bei den Patienten mit
Demenz-Risiko auf charakteristische Weise von denen gesunder Senioren
unterscheiden. „Daraus wollen wir Biomarker entwickeln, die es erlauben,
ein Demenz-Risiko möglichst frühzeitig und präzise zu bestimmen.
Individuell abgestimmte kognitive Trainings und medikamentöse Behandlung
könnten den Verlauf der Krankheit dann so weit wie möglich
hinauszögern“, so Katrin Finke.
Genau das ist auch das Ziel der Behandlung, wenn im Gedächtniszentrum
eine beginnende Alzheimer-Demenz festgestellt wird.
Natürlich ist das
die Diagnose, die die Patienten und ihre Angehörigen befürchten.
Aber
Team des Zentrums beobachtet oft auch eine Erleichterung bei den
betroffenen Familien über die nun bestehende Klarheit.
„Anhand der
umfassenden
medizinischen, neuropsychologischen und ergotherapeutischen
Diagnostik erstellen wir für den Patienten einen individuellen
Behandlungsplan, d
er gemeinsam mit dem Hausarzt verfolgt wird, und
vermitteln auch weitere Unterstützung“, sagt PD Dr. Christoph Preul,
ärztlicher Leiter des Gedächtniszentrums.
Eine wesentliche Rolle spielt
die Angehörigenschulung, die das Verständnis für die mit der Erkrankung
einhergehenden Veränderungen und den besten Umgang damit fördert.
Kathrin Finke:
„Die Krankheit schreitet sehr langsam voran und die
Patienten finden sich in gewohnten Situationen und Umgebungen noch lange
gut zurecht.
Auch später sind sie Menschen mit eigenen Vorlieben,
Wünschen und Bedürfnissen, mit denen man gemeinsam Freude empfinden
kann.“
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PD Dr. Kathrin Finke
Gedächtniszentrum Jena, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Jena
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E-Mail: Kathrin.Finke@med.uni-jena.de
Bachstraße 18
07743 Jena
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Dr. Uta von der Gönna
Telefon: 03641/ 93 42 93
Fax: 03641/ 93 30 13
E-Mail-Adresse:
pr-dekanat@med.uni-jena.de
Originalpublikation:
Adriana L. Ruiz-Rizzo u.a.
(2019). Decreased cingulo-opercular network functional connectivity
mediates the impact of aging on visual processing speed. Neurobiology of
Aging,
https://doi.org/10.1016/j.neurobiolaging.2018.09.014
Haupt, M., Sorg, C., Napiórkowski, N., & Finke, K. (2018). Phasic
alertness cues modulate visual processing speed in healthy aging.
Neurobiology of Aging,
https://doi.org/10.1016/j.neurobiolaging.2018.05.034
Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.for2293.uni-muenchen.de/index.html Homepage der Forschungsgruppe