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CAVE: Dein Frühstück morgen: Tyrosinkonzentration - Neurotransmitter Dopamin

Medizin am Abend Berlin Fazit: Kohlenhydrate vs. Proteine: Frühstückszusammensetzung beeinflusst soziales Entscheidungsverhalten

Die Zusammenstellung von Makronährstoffen bei einer Mahlzeit beeinflusst, wie Menschen sich in sozialen Situationen entscheiden. 

  • Forscher eines interdisziplinären Teams in Lübeck untersuchten den Einfluss des Frühstücks in Bezug auf soziales Entscheidungsverhalten. 
  • Teilnehmer, die zum Frühstück mehr Kohlenhydrate und weniger Proteine zu sich nahmen, neigten eher dazu, Ungerechtigkeit abzulehnen. 
  • Sie reagierten auf „unfaire Angebote“ sensibler als diejenigen, die proteinlastiger frühstückten. 

Was diese Erkenntnisse über unausgewogenes Frühstück für Essensangebote in Kitas, Schulen und Kantinen bedeuten könnte, diskutierten Experten auf einer Pressekonferenz am 28. Juni 2018 in Berlin. 
 
Makronährstoffe, also Kohlenhydrate, Fette und Proteine, sind Bestandteile der Nahrung, aus denen der Körper Energie gewinnt. Jede Mahlzeit variiert in der Zusammensetzung dieser Bausteine. 
Die Zusammensetzung der Makronährstoffe steuert den Aminosäure-Haushalt und dieser wiederum bestimmt mit, welche Botenstoffe – also Neurotransmitter – im Gehirn zur Verfügung stehen. 

Das ist seit einigen Jahren bekannt. „Biochemische Prozesse beeinflussen unser Verhalten. Bislang hatten wir jedoch keine Erkenntnisse darüber, in welchem Maß diese nahrungsinduzierten Veränderungen bei den Botenstoffen im Gehirn auftreten und ob sie das Verhalten messbar verändern“, sagt Professor Dr. med. Sebastian M. Schmid, stellvertretender Klinikdirektor Medizinische Klinik 1, Leiter Endokrinologie, Diabetologie, Internistische Adipositasmedizin an der Universität zu Lübeck.

Um der Frage, wie die Ernährung soziales Verhalten beeinflusst, auf den Grund zu gehen, bildete sich in Lübeck ein interdisziplinäres Forscherteam, zu dem neben Schmid auch die Psychologin Professor Dr. Soyoung gehörte. Sozialpsychologische Tests, kombiniert mit medizinischen Analysemethoden, bildeten das Gerüst für zwei aufeinander aufbauende Studien, in denen herausgefunden werden sollte, inwieweit die tägliche Nahrung das soziale Verhalten bestimmt.

Bei beiden Studien stand das Frühstück im Mittelpunkt, da es nüchtern eingenommen wird und Ergebnisse damit nicht durch vorangegangene Mahlzeiten verfälscht werden konnten.

An der ersten Studie nahmen 87 Probanden teil. Bei dieser Onlinestudie gaben die Teilnehmer am späten Vormittag an, was sie an diesem Morgen zum Frühstück gegessen hatten. Dann sollten sie in einem Test, dem sogenannten Ultimatum Game (UG), auf ein „unfaires Angebot“ eines virtuellen Gegenspielers reagieren. Beim UG, einem Spiel für zwei Akteure, geht es darum, eine Geldsumme untereinander zu teilen. Dabei macht die eine Person einen Vorschlag, den die andere dann entweder akzeptieren oder ablehnen kann; geschieht letzteres, dann bekommt keiner der beiden etwas. Die Entscheidung hängt vor allem damit zusammen, ob das Angebot als „fair“ oder „unfair“ empfunden wird. „Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass es einen Zusammenhang zwischen der Makronährstoffkomposition des Frühstücks und der Reaktion der Probanden auf unfaire Angebote gab“, so Schmid. J

Je höher der berichtete Anteil an Kohlenhydraten im zurückliegenden Frühstück war, desto sensibler reagierten die Probanden auf „unfaire Angebote“.

Unter Laborbedingungen, randomisiert und kontrolliert, wurde dann eine zweite Studie mit insgesamt 24 Probanden durchgeführt. Nun ging es darum, auch die biochemische Seite zu erfassen. Die Probanden erhielten an zwei verschiedenen Tagen dabei einmal ein Frühstück mit einem sehr hohen Kohlenhydratanteil von 80 Prozent (Protein zehn Prozent, Fett zehn Prozent) und in der anderen Versuchsanordnung ein Frühstück mit gleichem Kaloriengehalt und einer Makronährstoffzusammensetzung gemäß den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: Kohlenhydrat 50 Prozent, Protein 25 Prozent und Fett 25 Prozent. Drei Stunden nach dem Verzehr des Frühstücks wurden verschiedene neurokognitive Tests durchgeführt, darunter auch das Ultimatum Game. Durch Blutuntersuchungen ermittelten die Forscher dann relevante stoffwechselbedingte und hormonelle Parameter. „Die Laborstudie konnte die Ergebnisse der ersten Studie bestätigen:

Abhängig vom Kohlenhydratanteil im Frühstück reagierten Probanden unterschiedlich auf unfaire Angebote. „Nach einem Frühstück mit hohem Kohlenhydratanteil waren die Probanden sehr viel empfindlicher gegenüber unfairen Angeboten als in der Versuchsbedingung mit einer ausgeglichenen Makronährstoffkomposition“, fasst Schmid zusammen.
  • Keine Rolle scheint der nach dem Essen gemessene Blutzuckerspiegel zu spielen. 
  • Einzig das nach dem Essen veränderte Profil der zirkulierenden neutralen Aminosäuren („large neutral amino acids“/lange neutrale Aminosäuren, LNAA) konnte das veränderte Entscheidungsverhalten der Probanden erklären. 
„Damit konnten wir verlässlich das Gerechtigkeitsverhalten der Probanden in statistischen Modellen vorhersagen“, betont Schmid. 
  • Je höher der Kohlenhydratanteil und entsprechend niedriger der Proteinanteil war, umso niedriger waren die Tyrosinspiegel im Blut der Probanden. 
  • Die Tyrosinkonzentration im Blut lässt wiederum auf die Konzentration des Neurotransmitters Dopamin im Gehirn schließen.
Für Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), zeigen diese Ergebnisse interdisziplinärer Forschung deutliche Ansätze zur „Anwendung in der Praxis“ und werfen einige ganz alltagspraktische Fragen auf:

„Wenn wir ableiten können, dass ein extrem unausgewogenes Verhältnis von Kohlenhydraten zu Proteinen in einer Mahlzeit direkt das Verhalten beeinflusst, dann sollte dem Thema ‚Ausgewogenheit der Nahrungszusammensetzung‘ mehr Gewicht beigemessen werden“. 

Ob Diäten wie „low carb“, die einen stark reduzierten Kohlenhydratanteil fordern, oder Kantinen- und Schulessen, das noch immer häufig kohlenhydratlastig ist, Mahlzeiten sollten auf den Prüfstand, was weitere Studien in diesem spannenden und interdisziplinären wissenschaftlichen Gebiet unverzichtbar mache, so Weber.

Auf der gemeinsamen Pressekonferenz der beiden Fachgesellschaften am 28. Juni 2018 in Berlin standen neben seltenen Hormonerkrankungen und Diabetes auch die Themen Ökonomisierung in der Medizin sowie Studium und Ausbildung von Diabetologen auf der Agenda.

Literatur:
Park, S., Schmid, S. M. Wie unsere Nahrung unser soziales Entscheidungsverhalten beeinflusst, Nutrition-News, Jahrgang 15, Ausgabe 1/18, Seite 7-8.
Strang, S., Hoeber, C., Uhl, O., Koletzko, B., Münte, T. F., Lehnert, H., Dolan, R. J., Schmid, S. M., Park, S.O. Impact of nutrition on social decision making. PNAS June 20, 2017. 114 (25) 6510-6514; Artikel


„Sparzwang, Lehrstuhlschließungen und fehlende Experten:
Was tun Endokrinologen/Diabetologen dagegen?“


Eine herausfordernde Therapie: Wenn Diabetes auf andere Hormonerkrankungen wie Cushing oder Akromegalie trifft
Professor Dr. med. Matthias M. Weber
Leiter der Endokrinologie und Diabetologie der Universitätsmedizin Mainz und Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)

Medizin geht vor Ökonomie: Was kann der Klinikkodex für die stationäre Diabetologie bewirken?
Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland
Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum der RWTH Aachen und Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)

Ernährung und soziale Entscheidungen: Welchen Einfluss hat das Essen auf unser Verhalten?
Professor Dr. med. Sebastian M. Schmid
Stellvertretender Klinikdirektor Medizinische Klinik 1, Leiter Endokrinologie, Diabetologie, Internistische Adipositasmedizin, Universität zu Lübeck

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Über die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE):
Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.

Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit über 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

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Ängstliche Personen: Risikoverhalten Frontal Midline Theta Power

Medizin am Abend Berlin Fazit: Risikoverhalten im Gehirn ablesen

Psychologen der Uni Jena können von bestimmter Hirnaktivität auf Risikoverhalten schließen 
 
  • Ängstliche Personen gehen weniger Risiken ein – an sich ist das keine überraschende Erkenntnis. 

Einem Psychologenteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist es jetzt gemeinsam mit Partnern aus Würzburg und dem kanadischen Victoria allerdings gelungen, diesen Entscheidungsprozess im Gehirn sichtbar zu machen – und somit auch das Verhalten einzelner Personen vorhersagen zu können. Dafür führten sie ein Experiment durch, um das Risikoverhalten der Probanden zu messen, und beobachteten währenddessen mittels Elektroenzephalografie (EEG) deren Hirnaktivitäten. Über ihre Arbeit berichten sie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Psychophysiology“.

Dr. Barbara Schmidt (l.) von der Universität Jena erläutert einer Probandin das Experiment.Risikoverhalten im Gehirn ablesen Dr. Barbara Schmidt (l.) von der Universität Jena erläutert einer Probandin das Experiment. (Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)


Die Jenaer Psychologin Dr. Barbara Schmidt bereitet eine Probandin für das Experiment vor.

Die Jenaer Psychologin Dr. Barbara Schmidt bereitet eine Probandin für das Experiment vor.
(Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)

„Im Vorfeld haben wir mit Hilfe eines Fragebogens 20 sehr ängstliche und 20 wenig ängstliche Personen ausgewählt“, erklärt Dr. Barbara Schmidt von der Universität Jena, die das Projekt geleitet hat. „Während des eigentlichen Experiments sollten die Probanden dann in mehreren Runden aus jeweils zwei verdeckten Karten eine umdrehen, wodurch sie maximal elf Cent pro Durchgang gewinnen konnten. Wichtig ist dabei, dass sie sich zwischen zwei Varianten entscheiden müssen: entweder eine risikoreiche mit Gewinnen von entweder elf oder null Cent und eine risikoarme, bei der die Testpersonen entweder fünf oder sechs Cent gewinnen konnten. Der Erwartungswert war mit 5,5 Cent immer gleich.“ Dabei wählten die ängstlicheren Probanden häufiger die sichere Paarung.

Das wichtigste Ergebnis der Studie lieferte aber ein Blick auf das EEG, das während des Versuchs aufgezeichnet wurde.

Denn während die Probanden ihre Entscheidung trafen, zeigte sich eine bestimmte Gehirnaktivität – die sogenannte Frontal Midline Theta Power – besonders erhöht.

„Frühere Forschungen hatten zwar schon herausgestellt, dass dieses Signal bei ängstlichen Menschen besonders ausgeprägt ist, aber bisher wussten wir nicht, wie sich das auf das Verhalten auswirkt“, erklärt die Jenaer Psychologin das sensationelle Ergebnis.

  • „Mit unserer Untersuchung ist es uns nun gelungen darzustellen, dass die Frontal Midline Theta Power eine erhöhte kognitive Kontrolle – also ein intensiveres Abwägen – während des Entscheidungsprozesses anzeigt.“ 
  • Das sei eine zentrale Erkenntnis für die Verhaltensforschung.

Vorhersage des Verhaltens möglich


Psychologen untersuchen nicht selten Korrelate im Gehirn, die ein bestimmtes psychologisches Konzept anzeigen, aber nicht immer lassen sich daraus auch Rückschlüsse auf das Verhalten eines Menschen ziehen.

„Bei unserem Ergebnis passt einfach alles sehr gut zusammen“, sagt Barbara Schmidt.

„Wir haben die psychologische Ausgangssituation, die dazu passende Hirnaktivität, die den Entscheidungsprozess abbildet, und das daraus resultierende Verhalten.

Die Verbindung zwischen Ängstlichkeit und dem damit verbundenen Verhalten ist also komplett erklärt.“

Mit diesem Wissen können die Forscher nun sogar anhand des entsprechenden EEGs vorhersagen, wie sich eine Person in bestimmten Situationen entscheiden wird.  

Erhöhte Frontal Midline Theta Power deutet auf eine risikoärmere Entscheidung hin.

Barbara Schmidt möchte diese gewonnenen Erkenntnisse nun für ihre weitere Forschung nutzen.

Ihr Spezialgebiet ist dabei die Hypnose.

Sie interessiert besonders, wie Hypnose im Gehirn wirkt. 

Auch hier untersucht sie u. a. die Hirnströme mittels EEG.

„In weiteren Studien möchte ich beispielsweise herausfinden, ob Menschen mehr Risiko eingehen, wenn man ihnen unter Hypnose vermittelt, dass sie sich sicher fühlen“, informiert sie.

„Die neuen Erkenntnisse über die Frontal Midline Theta Power werden dabei sehr hilfreich sein.“

Original-Publikation:
Barbara Schmidt, Hannah Kanis, Clay B. Holroyd, Wolfgang H. R. Miltner, Johannes Hewig (2018): Anxious Gambling: anxiety is associated with higher frontal midline theta predicting less risky decisions, Psychophysiology, doi: 10.1111/psyp.13210

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Dr. Barbara Schmidt
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Psychische Erkrankungen: Schizophrenie, bipolarer Störung, Depression, Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS),

Medizin am Abend Berlin Fazit: Psychische Erkrankungen haben eine gemeinsame Basis

Psychische Erkrankungen können wichtige molekulare Gemeinsamkeiten aufweisen, die sich in den aktuellen diagnostischen Kategorien nicht widerspiegeln. 

Das haben Wissenschaftler des Brainstorm Consortiums unter Beteiligung von Humangenetikern des Universitätsklinikums Bonn herausgefunden. 

An der groß angelegten Studie arbeiteten mehr als 500 Forscher aus aller Welt. Die Ergebnisse werden nun im renommierten Fachjournal „Science“ vorgestellt. 

Prof. Dr. Markus M. Nöthen (links) und Dr. Andreas Forstner mit einer Abbildung, wie verschiedene psychische Erkrankungen genetisch zusammenhängen.Psychische Erkrankungen haben eine gemeinsame Basis Prof. Dr. Markus M. Nöthen (links) und Dr. Andreas Forstner mit einer Abbildung, wie verschiedene psychische Erkrankungen genetisch zusammenhängen. © Foto: Susann Stangier/Institut für Humangenetik
 
  • Psychiatrische Erkrankungen wie Schizophrenie und bipolare Störungen treten familiär gehäuft auf. 

In einer neuen internationalen Studie untersuchten die Forscher die genetischen Zusammenhänge zwischen diesen Störungen und anderen Erkrankungen des Gehirns in einer Systematik, die die bisherigen Arbeiten zu diesem Thema weit in den Schatten stellt.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Datenschutz-Grundverordnung  

  • Das internationale Forscherteam stellte fest, dass psychiatrische Störungen zahlreiche genetische Faktoren teilen, 
  • während neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer im Hinblick auf ihre genetischen Grundlagen deutlicher voneinander abgegrenzt erscheinen.

Die nun in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichte Studie beschäftigt sich mit der Frage, wie genetische Variation mit der Entstehung von Hirnerkrankungen zusammenhängt.

  • Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass psychiatrische Erkrankungen wahrscheinlich wichtige Gemeinsamkeiten auf molekularer Ebene aufweisen, die sich in den derzeitigen diagnostischen Kategorien nicht widerspiegeln.

Für die aktuelle Studie haben internationale Konsortien ihre Daten zusammengeführt, um die genetischen Muster von 25 psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen zu untersuchen. „Diese groß angelegte Studie war nur durch die weltweite Zusammenarbeit von verschiedenen Forschern auf dem Gebiet psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen möglich“, sagt Prof. Dr. Markus Nöthen, Direktor des Instituts für Humangenetik am Universitätsklinikum Bonn. „Sie stellt derzeit eine der größten genetischen Untersuchungen bei Patienten und Kontrollpersonen weltweit dar.“ Mehr als 500 Wissenschaftler weltweit arbeiteten an der groß angelegten Studie mit, darunter sieben Mitarbeiter des Bonner Instituts für Humangenetik.

Da jede einzelne genetische Variante nur einen kleinen Beitrag zur Krankheitsentstehung leistet, erforderten die Analysen große Stichproben, um zuverlässig Signale vom Rauschen zu trennen.

Mit Hilfe von genomweiten Assoziationsstudien an insgesamt 265.218 Patienten und 784.643 Kontrollen ermittelten die Forscher das Ausmaß der genetischen Überlappungen zwischen den einzelnen Erkrankungen.

Die Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Bonn trugen mit der Untersuchung des Erbguts von mehreren Tausend Patienten mit Schizophrenie, bipolarer Störung und Depression sowie mehreren Tausend gesunden Kontrollpersonen zur Studie bei.

  • Die Ergebnisse zeigten weitreichende genetische Überschneidungen bei verschiedenen psychischen Erkrankungen, insbesondere zwischen der Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), der bipolaren Störung, der schweren Depression und der Schizophrenie. 
  • Darüber hinaus weisen die Daten eine starke Überlappung zwischen Magersucht (Anorexia nervosa) und der Zwangsstörung (OCD) sowie zwischen OCD und dem Tourette-Syndrom auf. 

Im Gegensatz dazu waren neurologische Störungen wie Parkinson und Multiple Sklerose deutlicher voneinander und von den psychiatrischen Störungen zu unterscheiden - mit Ausnahme der Migräne, die genetisch mit ADHS, der schweren depressiven Störung und dem Tourette-Syndrom in Zusammenhang steht.

Müssen die klinischen Diagnosekriterien überarbeitet werden?


Nach Ansicht der Wissenschaftler deutet die ausgeprägte genetische Überlappung zwischen den psychiatrischen Störungen darauf hin, dass die aktuellen klinischen Diagnosekriterien die zugrunde liegende Biologie nicht genau widerspiegeln.

„Die Ergebnisse der Studie könnten daher dazu führen, dass die diagnostischen Kategorien von psychischen Erkrankungen in der Zukunft neu strukturiert werden müssen“, sagt Dr. Franziska Degenhardt, Leiterin der Arbeitsgruppe „Genetik schizophrener Störungen“ am Institut für Humangenetik des Uniklinikums Bonn.

  • So könnte beispielsweise ein einziger Mechanismus, der die Menge eines Proteins im Gehirn reguliert, sowohl das unaufmerksame Verhalten bei ADHS als auch die gestörte Funktion bei schizophrenen Störungen beeinflussen. 

„Langfristig könnte die weitere Erforschung dieser genetischen Zusammenhänge dazu beitragen, die Diagnose und Therapie von Patienten mit neuropsychiatrischen Erkrankungen zu verbessern“, sagt Dr. Andreas Forstner, der zusammen mit Prof. Nöthen die an der Studie beteiligte Bonner Arbeitsgruppe zu affektiven Störungen leitet.

Die Studie wurde von den Co-Senior-Autoren Ben Neale vom Broad Institute am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Aiden Corvin vom Trinity College Dublin sowie dem Erstautoren Verneri Anttila, Post-Doktorand in Neales Labor, geleitet.

Publikation: The Brainstorm Consortium: Analysis of shared heritability in common disorders of the brain, Science, DOI: 10.1126/science.aap8757

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Regulatorische Fettzellen: Fett ist nicht gleich Fett + die physiologische Gesundheit

Medizin am Abend Berlin Fazit: Ohne Fettzelle, mehr Fettzellen

Forschende der ETH Zürich und der EPFL haben einen neuen Fettzelltyp entdeckt, der das Wachstum neuer Fettzellen unterdrückt. Das eröffnet neue Ansatzpunkte, um Folgeerkrankungen von Fettleibigkeit zu verhindern. 
 
Fettleibigkeit ist die Geissel des modernen Menschen.

Wer übergewichtig ist, hat ein sehr viel höheres Risiko an Diabetes oder Krebs zu erkranken oder einen Herzinfarkt zu erleiden.

Was die Wissenschaft schon lange weiss: Übergewicht ist nicht per se schädlich. So sind viele kleine Fettzellen für einen gesunden Stoffwechsel günstiger als wenige grosse. Weltweit wird daher nach Wegen gesucht, die Bildung neuer Fettzellen anzuregen – bislang aber mit wenig Erfolg.

Forschenden der ETH Zürich ist nun zusammen mit Kollegen der EPFL ein Durchbruch gelungen: Sie haben einen neuen Zellyp im Fettgewebe von Säugern entdeckt, der die Bildung neuer Fettzellen unterbindet und so vorteilhaftes Fettgewebe verhindert. Über ihren Fund berichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe von Nature.

Fettzellen regulieren Fettzellwachstum

Wie Fettzellen entstehen, konnte die Forschung bisher noch nicht restlos klären.

Man weiss, dass Fettzellen aus Vorläuferzellen entstehen und sich im ausdifferenzierten Zustand wahrscheinlich nicht mehr teilen. 

«Nach solchen Vorläuferzellen suchten wir im Fettgewebe von Mäusen, als wir auf einen bislang unbekannten Fettzelltyp mit interessanten Eigenschaften stiessen», berichtet Christian Wolfrum, ETH-Professor für translationale Ernährungsbiologie.

Experimente im Mausmodell und mit menschlichem Fettgewebe zeigten, dass es sich um eine Art «regulatorische Fettzelle» handelt, die scheinbar permanent Botenstoffe ins umliegende Gewebe abgibt. «Wir fanden vorerst vier Proteine, die zusammen verhindern, dass sich Vorläuferzellen zu neuen Fettzellen ausbilden», sagt Hua Dong, Doktorandin in Wolfrums Gruppe und eine der Erstautorinnen der Studie.

Fett ist nicht gleich Fett

Der neue Zelltyp, Areg genannt, ist therapeutisch interessant. 

  • Legt unser Körper an Gewicht zu, kann das energiespeichernde weisse Fettgewebe auf zwei Arten wachsen: 

Bei den meisten Fettleibigen vergrössern sich die bestehenden Fettzellen. 

  • Irgendwann können sie das viele Fett nicht mehr speichern und geben es in den Blutkreislauf ab. 
  • Leber und Muskeln verfetten – das Risiko für Diabetes und andere Folgeerkrankungen steigt. 
  • Bei rund 20 Prozent der Übergewichtigen bildet das Fettgewebe jedoch neue Zellen aus. 
  • Dank den zusätzlichen «Gefässen» können diese Menschen das überschüssige Fett besser speichern und erkranken deshalb weniger.

Bislang haben sich Fettleibigkeitsforschung und Pharmafirmen vor allem darauf fokussiert, wie man die Vorläuferzellen aktivieren kann, um Fettzellen zu vermehren. 

«Doch niemand verstand so recht, warum sich selbst in Fettgewebe mit vielen Vorläuferzellen nur selten neue Zellen bilden», so Wolfrum. Die unterdrückenden Aregs liefern nun eine Erklärung dafür.

Die Entdeckung eröffnet vielversprechende Ansatzpunkte für künftige Therapien. So konnten die Forschenden zeigen, dass tatsächlich neue Fettzellen entstehen, wenn man die Aregs aus dem Fettgewebe entfernt. Zudem fanden sie Hinweise darauf, dass diese Fettregulatoren gerade bei übergewichtigen Mäusen mit grossen Fettzellen gehäuft vorkommen.

Mit den jüngsten Resultaten rückt das Fernziel, dicke Menschen mit einer Therapie vor Diabetes und Co. zu schützen, ein kleines Stück näher.

Dabei geht es stets um die physiologische Gesundheit – und nicht ums Gewicht.

Wer abnehmen wolle, dem helfe nach wie vor nur eins: Weniger Kalorien aufzunehmen als zu verbrauchen. 

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Verhältnis von Stress, Sehverlust und Wiederherstellung des Sehvermögens

Medizin am Abend Berlin Fazit: Kann psychologischer Stress zum Verlust der Sehkraft führen?

Neue Studie: Ein ganzheitlicher Behandlungsansatz kann den Teufelskreis von Stress und fortschreitender Blindheit unterbrechen. 
 
  • Anhaltender psychischer Stress, der weithin als Folge von Sehkraftverlust anerkannt ist, trägt auch wesentlich und ursächlich zu einer Sehverschlechterung bei, so eine Studie, die im EPMA Journal, dem offiziellen Journal der European Association for Predictive, Preventive, and Personalized Medicine, veröffentlicht wurde. 

Die Auswirkungen dieses Befundes auf die klinische Praxis sind erheblich:

  • Die Autoren empfehlen, dass beim Arzt-Patient-Gespräch auch die Behandlungen zum Stressabbau, z. B. durch psychologische Beratung besprochen wird, um dadurch den Teufelskreis von Stress und fortschreitendem Sehverlust zu unterbrechen.

Der Teufelskreis von chronischen und akuten Stressoren und Sehverlust



Kann psychologischer Stress zum Verlust der Sehkraft führen? Der Teufelskreis von chronischen und akuten Stressoren und Sehverlust Quelle: Bernhard Sabel


  • "Es gibt deutliche Hinweise auf eine psychosomatische Komponente des Sehverlustes, denn Stress ist eine wichtige Ursache – und nicht nur eine Folge – des fortschreitenden Sehverlustes infolge von Erkrankungen wie Glaukom und Optikusneuropathie", sagt der Leiter der Studie, Prof. Dr. Bernhard Sabel, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie der Universität Magdeburg. 
Prof. Sabel hat einen ganzheitlichen Behandlungsansatz entwickelt, der Stressmanagement, Patientenaufklärung und Techniken zur Wiederherstellung der Sehkraft am SAVIR-Center für Sehstörungen in Magdeburg kombiniert.

Die Studie, die im November 2018 auf der 5. Internationalen Konferenz "Low Vision and Brain" in Berlin vorgestellt wird, basiert auf einer umfassenden Analyse von Hunderten veröffentlichter Forschungsergebnisse und klinischer Berichte über den Zusammenhang von Stress und Augenerkrankungen.

Einige Fallberichte zeigen, wie Stress den Sehverlust induziert und wie Stressabbau zur Wiederherstellung des Sehvermögens beiträgt.

"Kontinuierlicher Stress und langfristig erhöhte Cortisolwerte können sich negativ auf das Auge und das Gehirn auswirken, da das vegetative Nervensystem unausgeglichen ist, die Blutgefäße dysreguliert werden und der Augeninnendruck steigt", erklärt Prof. Sabel. 

Demnach sind sowohl das Auge als auch das Gehirn am Sehverlust beteiligt, eine Tatsache, die oft nicht bedacht und in der medizinischen Literatur nicht systematisch dokumentiert wird.

Sabel konstatiert eine auffallende Diskrepanz zwischen geringer wissenschaftlicher Tätigkeit und den Bedürfnissen vieler Betroffener:

Während viele Patienten vermuten, dass psychischer Stress zu ihrem Sehverlust beigetragen habe, gibt es nur relativ wenige wissenschaftliche Berichte, die das Verhältnis von Stress, Sehverlust und Wiederherstellung des Sehvermögens betrachten.

"Das Verhalten und die Worte des behandelnden Arztes können weitreichende Folgen für die Prognose des Sehverlustes haben.

Vielen Patienten wird gesagt, die Prognose sei schlecht und daß sie sich darauf vorbereiten sollten, eines Tages blind zu werden.

Selbst wenn dies bei weitem nicht sicher ist und eine vollständige Blindheit fast nie auftritt, bilden die daraus resultierende Angst und Besorgnis eine neurologische und psychologische Doppelbelastung mit physiologischen Folgen, die den Krankheitszustand oft verschlechtern", fügt Dr. Muneeb Faiq, PhD, All India Institute of Medical Sciences, New Delhi, Indien, und Department of Ophthalmology, NYU Langone Health, New York University School of Medicine, und ein Co-Investigator der Studie hinzu.

  • Erhöhter Augeninnendruck, endotheliale Dysfunktion (Flammer-Syndrom) und Entzündungen sind einige der Folgen von Stress, die weitere Schäden verursachen.
  • Zusätzliche Therapien wie Hirnstimulation, Entspannungsreaktion, Wiederherstellung des Sehvermögens, Angstmanagement und soziale Unterstützung wirken Stress entgegen und induzieren eine Entspannungsreaktion, indem sie das vegetative System durch Reduzierung der sympathischen und Steigerung der parasympathischen Aktivität wieder ins Gleichgewicht bringen. 

Sie wurden erfolgreich in Verbindung mit Therapien eingesetzt, um die Durchblutung des Auges zu erhöhen und damit das Fenster für die Wiederherstellung des Sehvermögens zu öffnen.

Die Forscher glauben, dass dieser ganzheitliche Ansatz im klinischen Management von Augenerkrankungen breiter eingesetzt werden könnte.

  • Sie empfehlen Stressreduktions- und Entspannungstechniken (z. B. Meditation, autogenes Training, Stressmanagement-Training, Psychotherapie) nicht nur als Ergänzung traditioneller Behandlungen des Sehverlustes, sondern auch als potentiell präventive Mittel gegen das Fortschreiten des Sehverlustes. 

Des Weiteren sollten Ärzte ihr Bestes tun, um eine positive Einstellung und Optimismus zu vermitteln und ihren Patienten die Informationen zu geben, auf die sie Anspruch haben, insbesondere in Bezug auf die Bedeutung von Stressreduktion. Stressmanagement ist auch für Betreuer und Familienmitglieder relevant, deren Unterstützung und Ermutigung zu einem stressfreien Zustand beitragen, was wiederum Stressauslöser reduzieren kann.

 „Stress-Reduktion sollte demnach ein ergänzendes Behandlungsziel sein“, so Prof. Sabel, „denn eine ganzheitliche Ergänzung der augenärztlichen Behandlungen etwa mit Elektrostimulation und Entspannungsverfahren bietet neue Chancen, die Sehleistung bei Erkrankungen wie dem Glaukom oder der Schädigung des Sehnervs zu verbessern.“

Prof. Sabel und seine Kollegen stellen fest:

 "Weitere klinische Studien sollen durchgeführt werden, um die kausale Rolle von Stress bei verschiedenen Erkrankungen mit niedrigem Sehvermögen zu bestätigen und um verschiedene Anti-Stress-Therapien zur Verhinderung des Fortschreitens sowie zur Verbesserung der Sehkraft als Grundlage der psychosomatischen Ophthalmologie zu evaluieren“.

Originalpublikation
“Mental stress as consequence and cause of vision loss: the dawn of psychosomatic ophthalmology for preventive and personalized medicine,” Sabel, B.A., Wang, J., Cárdenas-Morales, L. et al. EPMA Journal (2018) 9: 133.
https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs13167-018-0136-8


ÜBER DAS INSTITUT FÜR MEDIZINISCHE PSYCHOLOGIE (IMP)

Das IMP ist eine Forschungs- und Lehranstalt an der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Seit mehr als 25 Jahren ist es ein weltweit führendes Zentrum für Plastizität des Gehirns, Forschung und Technologie zur Wiederherstellung des Sehvermögens und eine Quelle für Informationen und Innovationen im Bereich der Sehschwäche und Blindheit von Patienten mit Glaukom und Sehnervenschäden. Es wird von Direktor Prof. Bernhard Sabel, einem anerkannten Experten für visuelle Rehabilitation, geleitet. www.imp.ovgu.de 

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Prof. Dr. Bernhard Sabel
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Kornelia Suske
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Originalpublikation für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs13167-018-0136-8

Metabolisches Syndrom - Fettsäuresynthese: Hormone und Botenstoffe

Medizin am Abend Berlin Fazit: Rätsel um Fettsäurestoffwechsel gelöst: Form eines Enzyms steuert seine Aktivität

Fette sind für unseren Körper lebensnotwendig. 

Kernbestandteile aller Fette sind die Fettsäuren. 

Ihre Herstellung wird von dem Enzym ACC in die Wege geleitet. 

Forscher vom Biozentrum der Universität Basel haben nun erstmals zeigen können, wie sich das Enzym ACC zu verschiedenen Fasern zusammenlagert. 

Die Art der Faser, so die Forscher in «Nature», steuere die Enzymaktivität und damit die Fettsäureproduktion. 

ACC-Fasern regulieren die Enzymaktivität und kontrollieren so die Fettsäureproduktion.Rätsel um Fettsäurestoffwechsel gelöst: Form eines Enzyms steuert seine Aktivität ACC-Fasern regulieren die Enzymaktivität und kontrollieren so die Fettsäureproduktion.
Universität Basel, Biozentrum
 
Fett ist nicht gleich Fett.  

Es gibt die unterschiedlichsten Arten von Fetten. 

  • Sie dienen als Brennstoff und Energiespeicher, sind Baustoffe für Zellmembranen, Hormone und Botenstoffe. 

Trotz der Vielfalt der Fette werden die darin enthaltenen Fettsäuren aus ein und demselben Ausgangsstoff hergestellt.

  • Und nur ein einziges Enzym produziert diesen: die Acetyl-CoA-Carboxylase, kurz ACC. Das Enzym ist damit der Dreh- und Angelpunkt der Fettsäuresynthese.

Das Enzym selbst und seine Funktion im Stoffwechsel sind seit fast sechzig Jahren bekannt. Bereits seit langem findet man in Biochemielehrbüchern unscharfe Aufnahmen von Fasern, zu denen sich ACC Enzyme zusammengelagert haben. Doch das «Wie» und «Wozu» der Faserbildung war bislang ungeklärt.

In einer aktuellen Studie schärft nun ein Forscherteam um Prof. Timm Maier vom Biozentrum der Universität Basel das Bild. «Wir konnten erstmals den Aufbau der ACC-Fasern entschlüsseln und dessen Einfluss auf die Enzymaktivität aufzeigen», berichtet Maier. «Damit haben wir ein lange ungelöstes Rätsel im Stoffwechsel geklärt.»

Schrittmacher der Fettsäuresynthese

ACC ist eine wichtige Stellschraube im Stoffwechsel, es ist das Schrittmacherenzym der Fettsäureproduktion. Die Aktivität des Enzyms ist aussergewöhnlich aufwändig reguliert. Nur etwa die Hälfte der ACC besteht aus enzymatischen Bestandteilen, die chemische Reaktionen katalysieren.

Die andere Hälfte des Enzyms ist rein für die Kontrolle der Aktivität zuständig. Sie fungiert als Sensor für den Bedarf an ACC Produkten und dient als An- und Ausschalter des Enzyms.

Form von ACC bestimmt Enzymaktivität

ACC ist nicht immer gleich aktiv. Je nachdem in welcher Form das Enzym vorliegt, ist seine Aktivität hoch oder niedrig.

  • So bringen Stoffwechselprodukte, die einen Kohlenhydratüberschuss signalisieren, ACC in einen aktiven Zustand. 

«Dabei lagern sich Dutzende ACC-Enzyme zu einer Faser zusammen», sagt Maier. «In der Faser nimmt jedes Enzym eine stabile Form an, in der die enzymatischen Bereiche zueinander ausgerichtet sind. Nur so kann ACC chemische Reaktionen ausführen und die Fettsäureproduktion ankurbeln.  

Ist ACC nicht in eine Faser eingebunden, sind die enzymatischen Abschnitte beweglich und arbeiten nicht produktiv zusammen.»

Auch ein Ausschalten der ACC kann durch Faserbildung erfolgen. Dabei zwingen Kontrollfaktoren die ACC zur Bildung einer inaktiven Faser, in der die enzymatischen Bereiche der ACC strikt voneinander getrennt sind. Die vielfältige Regulation über die Veränderung der Form des Enzyms ist einzigartig und war vorher nicht verstanden.

ACC als Zielstruktur für Wirkstoffe


Aufgrund seiner zentralen Stellung im Stoffwechsel ist ACC ein wichtiges Zielmolekül für die Entwicklung von Medikamenten. Bei der Bekämpfung von Virus- und Krebserkrankungen könnte ACC als Angriffspunkt dienen. Denn membranumhüllte Viren oder sich rasant vermehrende Krebszellen benötigen besonders viele Fettsäuren als Membranbausteine.

  • ACC bietet auch einen Ansatzpunkt zur Behandlung von Entgleisungen des Stoffwechsels, zusammengefasst unter dem Namen «Metabolisches Syndrom», die das Risiko für Diabetes und Kreislauferkrankungen erhöhen. 

Die Studie zeigt nun ganz neue Ansätze für die Entwicklung von Hemmstoffen, die spezifisch in die Faserbildung und Aktivierung von ACC eingreifen und so auch die Fettsäuresynthese drosseln.

Originalbeitrag

Moritz Hunkeler, Anna Hagmann, Edward Stuttfeld, Mohamed Chami, Yakir Guri, Henning Stahlberg, Timm Maier
Structural basis for regulation of human acetyl-CoA carboxylase
Nature (2018), doi: 10.1038/s41586-018-0201-4

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Interdiziplinäre Reha: Schmerzbehandlung im klinischen Alltag

Medizin am Abend Berlin Fazit: Goldstandard für die Messung von Schmerzen

Das Universitätsklinikum Jena und die Firma Grünenthal leiten einen internationalen Forschungsverbund zur Verbesserung der Schmerztherapie nach Operationen und bei chronischen Schmerzen. 

Im jetzt gestarteten Projekt PROMPT wollen Partner aus Hochschulen, Pharmaindustrie, Patientenorganisationen, Schmerzfachgesellschaften und kleinen und mittleren Unternehmen geeignete Standards für die Beurteilung der Schmerztherapie aus Patientensicht ermitteln und evaluieren. 

Die dabei identifizierten Fragebögen sollen künftig zur Bewertung des Therapieerfolges sowohl im klinischen Alltag als auch in klinischen Studien dienen. 

PROMPT ist eines von drei Teilprojekten des IMI-PainCare-Verbundes. 

Jenaer Schmerzmediziner ermitteln in einem internationalen Forschungsverbund Standards für die Beurteilung der Schmerztherapie aus Patientensicht.Goldstandard für die Messung von Schmerzen Jenaer Schmerzmediziner ermitteln in einem internationalen Forschungsverbund Standards für die Beurteilung der Schmerztherapie aus Patientensicht. Michael Szabó/ Universitätsklinikum Jena
 
Für die Schmerzbehandlung im klinischen Alltag, aber auch für kontrollierte klinische Studien ist eine möglichst exakte Erfassung der Schmerzen enorm wichtig, denn nur dann können wirksame Therapieverfahren erforscht und routinemäßig eingesetzt werden.

„Derzeit existiert aber eine Vielzahl von Messinstrumenten, ohne dass es einen Konsens über das besten Verfahren gibt“, berichtet Winfried Meißner, Leiter der Sektion Schmerz an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena.  

Diese Messinstrumente und Fragebögen werden – wenn überhaupt - uneinheitlich eingesetzt und spiegeln oft weder die Wirkung von Therapien noch die Prioritäten der Patienten wider.

Der Forschungsverbund PROMPT mit 14 europäischen Partnern aus Hochschulen, Pharmaindustrie, Patientenorganisationen, Schmerzfachgesellschaften und kleinen und mittleren Unternehmen will nun aus der Vielfalt der existierenden Patientenbefragungs- und Messinstrumente Standards für Patienteneinschätzungen zum postoperativen und chronischen Schmerz identifizieren und testen. „Solche Standards für die Patienteneinschätzungen, die sogenannten Patient-reported outcomes, verbessern die Vergleichbarkeit klinischer Studien und erleichtern es, erfolgreiche Therapieverfahren in Studien und im Alltag sicher zu erkennen. Außerdem ist es wichtig, dass diese Messverfahren auch den klinischen Alltag widerspiegeln, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse aus den klinischen Studien auch auf ‚reale Bedingungen in der Klinik‘ übertragbar sind“, betont Hiltrud Liedgens, die für die Firma Grünenthal zusammen mit Winfried Meißner das Projekt leitet.

Auf der Grundlage großer Literaturrecherchen und von den Industriepartnern zur Verfügung gestellter Daten aus klinischen Studien werden die Teilnehmer in einem Konsensprozess zunächst diejenigen Messgrößen auswählen, die sie in den Teilprojekten einsetzen wollen. In einer groß angelegten Beobachtungsstudie werden dann jeweils 1000 Patienten nach Operationen am Thorax, an der weiblichen Brust, bei Kniegelenkersatz sowie bei Endometriose befragt und bis zu sechs Monate postoperativ beobachtet. Die Ergebnisse dieser Studie werden mit denen der Studien der Industriepartner verglichen, sodass der Nutzen der Messinstrumente im klinischen Alltag sowie in kontrollierten klinischen Studien bewertet werden kann. Ähnliche Analysen sind auch an Studiendaten von chronischen Schmerzpatienten bei Neuropathie oder Endometriose geplant.

Ein weiteres Ziel ist es, frühe Hinweise auf problematische Schmerzverläufe nach Operationen zu identifizieren. 
  • Eine Checkliste soll ermöglichen, Risikopatienten rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. 
Daneben werden auch tragbare elektronische Geräte erprobt, die die Mobilität und Schlafqualität von Patienten nach Operationen messen und so frühzeitig Hinweise auf anhaltende Schmerzen oder andere Komplikationen geben könnten.

In einem weiteren Teilprojekt soll überprüft werden, ob die Methoden der Patienteneinschätzung auch bei chronischen Schmerzpatienten eingesetzt werden können, um erfolgreiche Therapieverfahren zu identifizieren.

Der Forschungsverbund PROMPT wird im Rahmen der Innovative Medicines Initiative-Förderlinie des EU-Förderprogramms Horizon 2020 von der Europäischen Kommission und der EFPIA mit 4,1 Millionen Euro gefördert und kooperiert im Konsortium IMI-PainCare mit zwei weiteren europäischen Verbundprojekten zur Schmerztherapie.

Diese suchen, in Ergänzung zu den subjektiven Patienteneinschätzungen, nach ‚objektiven‘ Biomarkern für Schmerzen und beschäftigen sich mit chronischen Schmerzen im Becken und bei Endometriose.

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apl. Prof. Dr. Winfried Meißner
Leiter der Sektion Schmerz, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/ 9323 353
E-Mail: prompt@med.uni-jena.de

Dr. Uta von der Gönna Universitätsklinikum Jena

Bachstraße 18
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Dr. Uta von der Gönna
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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.imi-paincare.eu

PIA - Psychiatrische Institutsambulanz: Rückkehr zur Arbeit Return to Work

Medizin am Abend Berlin Fazit: Rückkehr zur Arbeit nach psychischer Krise

Psychische Erkrankungen erhöhen das Risiko arbeitslos zu werden und bilden die häufigste Ursache für Frühverrentungen. 
  • Daher ist es wichtig, Beschäftigte nach einer psychischen Krise bei der Rückkehr in den Betrieb zu unterstützen. 
Dies muss gemeinsam mit Betroffenen, Betrieben und Akteuren des Versorgungssystems erreicht werden. 

Mit welchen Ansätzen dies gelingen kann, erforscht die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in einer aktuellen Studie.

Psychische Gesundheit und Arbeit

Psychische Erkrankungen sind heute weit verbreitet und beeinträchtigen Betroffene auch in ihrer Arbeit. Sie bilden die zweithäufigste Ursache von Arbeitsunfähigkeit und sind der häufigste Grund für Frühverrentungen. Arbeit ist nicht nur Einkommensquelle sondern auch wichtig für die psychische Gesundheit – sie gibt dem Menschen Struktur, Sinn, Identität und soziale Kontaktmöglichkeiten. Daher ist es wichtig, Beschäftigte nach einer psychischen Krise bei der Rückkehr in ihre Arbeit zu unterstützen. Eine erfolgreiche Wiedereingliederung wirkt sich positiv für die Betroffenen, den Betrieb und die Gesellschaft aus: Sie senkt Kosten, erhält die Arbeitsfähigkeit und verbessert die Lebensqualität der Beschäftigten.

Versorgungsnetzwerke helfen im „Return to Work“-Prozess


Mitarbeiter sollten nach einer psychischen Erkrankung schnell versorgt und ihre Arbeitsfähigkeit nachhaltig wiederhergestellt werden. In den vergangenen Jahren haben sich daher verschiedene Betriebe, medizinische Einrichtungen sowie Leistungsträger in Versorgungsnetzwerken zusammengeschlossen. Durch die engere Zusammenarbeit der Akteure können betroffene Beschäftigte schneller erkannt und gezielter unterstützt werden. Erste Ergebnisse zeigen bereits, dass Defizite in der Regelversorgung, wie etwa lange Wartezeiten für einen Therapieplatz oder zu spät eingeleitete Reha-Maßnahmen, durch solche Versorgungsnetzwerke überwunden werden können.

Unterschiedliche Netzwerk-Ansätze haben Vor- und Nachteile


In ihrer Studie nimmt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) Versorgungsnetzwerke unter die Lupe. Ziel ist es, Faktoren zu identifizieren, die eine erfolgreiche Rückkehr zur Arbeit nach psychischen Erkrankungen fördern und hemmen um daraus innovative Strategien abzuleiten. Erste Analysen zeigen zwei Ansätze von Versorgungsnetzwerken, die sich in der Form der Vernetzung und des Arbeitsplatzbezugs unterscheiden:

Netzwerke mit psychotherapeutischem Ansatz sehen die Ursache psychischer Erkrankungen primär im Verhalten des Betroffenen, wie fehlende Abgrenzungsfähigkeit oder überhöhter Perfektionismus.
  • Die Eingliederungsmaßnahmen konzentrieren sich auf das Coaching des Mitarbeiters, über Betrieb und Versorger nur indirekt verbunden sind. 
  • Der sozialarbeiterische Ansatz hingegen sieht in erster Linie Faktoren am Arbeitsplatz als Krankheitsverursacher, wie etwa Zeitdruck, Überforderung oder mangelnde Wertschätzung. 

Der Fokus der Maßnahmen liegt darauf, was am Arbeitsplatz geändert werden kann, damit der Beschäftigte nach einer psychischen Erkrankung gesund weiterarbeiten kann. Betrieb und Versorger arbeiten hier im Netzwerk eng zusammen.

Wichtig ist die richtige Kombination von Angeboten

Die Entstehung psychischer Erkrankungen ist meist sehr komplex und lässt sich nicht klar auf personen- oder arbeitsbezogene Faktoren zurückführen.

Beide Ansätze von Versorgungsnetzwerken zeigen Vor- und Nachteile.

Für die nachhaltige Rückkehr zur Arbeit nach einer psychischen Krise empfiehlt sich daher eine Kombination aus Maßnahmen zur Anpassung von individuellem Verhalten und Verhältnissen am Arbeitsplatz. Das Selbstmanagement des Beschäftigten sollte zum Beispiel durch Coaching-Gespräche mit Vorgesetzten und „Return to Work“-Experten unterstützt werden.

  • Zentral sind außerdem eine personenbezogene Gefährdungsbeurteilung durch den Betriebsarzt und die stufenweise Wiedereingliederung. 
Nach Abschluss der Studie erhofft man sich weitere Erkenntnisse – vor allem was Betroffene bei ihrer Rückkehr in die Arbeit nach einer psychischen Krise von den Versorgungsnetzwerken als hilfreich erlebt haben.

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie im Beitrag „Rückkehr zur Arbeit nach psychischer Krise“ von Dr. Betje Schwarz in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Umweltmedizin“ (ASU) unter https://www.asu-arbeitsmedizin.com/Archiv/ASU-Heftarchiv/article-823614-110576/r....

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:
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Über ASU – Zeitschrift für medizinische Prävention:
Die Zeitschrift „Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin“ ist das Leitmedium der deutschsprachigen Arbeitsmedizin. Das Publikationsorgan der Fachinstitutionen DGAUM, ÖGA, SGARM, VDBW, Vereinigung Deutscher Staatlicher Gewerbeärzte e.V. sowie der arbeitsmedizinischen Akademien und richtet sich an Betriebsärzte, Arbeitsmediziner und Akteure in wichtigen Schnittstellenbereichen zur Arbeitsmedizin. Die Zeitschrift ist peer reviewed. 1965 gegründet, erscheint ASU monatlich und erreicht nahezu alle arbeits- und präventionsmedizinisch orientierten Akteure im deutschsprachigen Raum. Weitere Informationen unter http://www.asu-arbeitsmedizin.com.

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Interdiziplinäre Reha: Social Unermining - subtiles negatives Verhalten gegenüber Kollegen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Nach unten treten: Studie zeigt, wie Mitarbeiter zukünftige Rivalen kleinhalten

Wettbewerb unter Kollegen führt nicht immer zu den besten Ergebnissen. 

  • Ist das Arbeitsklima zu kompetitiv, beginnt der Konkurrenzkampf unter den Mitarbeitern. 

Dabei sabotieren sie nicht nur Chefs und Mitarbeiter mit höherem Ansehen und Status, sondern verhindern auch den beruflichen Aufstieg von Kollegen, die sie in Zukunft überflügeln könnten. 

Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Kühne Logistics University (KLU) in einer aktuellen Studie. 

Nach unten treten: Wie Mitarbeiter zukünftige Rivalen kleinhaltenNach unten treten: Studie zeigt, wie Mitarbeiter zukünftige Rivalen kleinhalten Nach unten treten: Wie Mitarbeiter zukünftige Rivalen kleinhalten Foto: Pixabay, rawpixel

 
Es beginnt mit flapsigen Sprüchen, damit, dass man „vergisst“, wichtige Informationen weiter zu geben, und reicht bis zur Sabotage einer Karriere:

Social Undermining lautet der Fachbegriff, der ein subtiles negatives Verhalten gegenüber Kollegen beschreibt.

In vielen Unternehmen ist dieses Verhalten an der Tagesordnung und schadet auf lange Sicht dem beruflichen Erfolg der Opfer.

Bisher ging man davon aus, dass der Konkurrenzkampf vor allem zwischen Kollegen auf der gleichen Hierarchieebene tobt oder sich gegen Mitarbeiter mit höherem Status richtet.

Zu Unrecht, wie eine aktuelle Studie zeigt. Neid und daraus folgendes negatives Verhalten können sich auch auf Personen beziehen, die eigentlich auf einer niedrigeren beruflichen Ebene stehen“, erklären Susan Reh, Christian Tröster und Niels Van Quaquebeke von der KLU.

Die Doktorandin hat zusammen mit den beiden Professoren für Leadership and Organizational Behavior Vergleichsprozesse in Unternehmen und daraus resultierendes Verhalten untersucht. Für ihre Studie haben sie verschiedene Experimente durchgeführt.

„Wenn ich sehe, dass ein Kollege sich in der Vergangenheit besonders schnell beruflich entwickelt hat, nehme ich an, dass er das auch in Zukunft tun wird und mir damit meine Position streitig machen könnte.“  

Grund genug für manche Mitarbeiter, den aufstrebenden Kollegen auf subtile Art zu sabotieren. „Aus Angst um meine eigene Position versuche ich, die Weiterentwicklung des anderen zu behindern“, fasst Tröster das Phänomen zusammen.

Dieses Verhalten lässt sich nicht nur in bestehenden Teams beobachten.  

Es kann sogar Auswirkungen auf die Auswahl neuer Mitarbeiter haben.

  • „Ein Vorgesetzter, der auf seinem Gebiet sehr gut ist, erwartet auch viel von seinen Mitarbeitern und wird nur Top-Leute in sein Team holen“, erklärt Van Quaquebeke. 
  • „Ein Chef mit geringerem Potential wird dagegen eher Mitarbeiter einstellen, deren Fähigkeiten noch unter seinen eigenen liegen. 
  • Aus Angst, von kompetenteren Mitarbeitern überflügelt zu werden, arbeitet er lieber mit einem mittelmäßigen Team.“

Besonders häufig kommen die Sabotageversuche laut den Wissenschaftlern in Unternehmen mit einem ausgeprägten Wettbewerb unter den Mitarbeitern vor.

Der kann zum Beispiel durch leistungsbasierte Bonussysteme angefacht werden. „Wenn alle nur nach dem Bonus schielen, führt das zu Vergleichen, Konkurrenz und Missgunst untereinander. Dann geht es nur noch darum, den eigenen Vorteil zu wahren. Auf Kosten der Kollegen.“ sagt Van Quaquebeke.

Aus ihren Ergebnissen ziehen die Wissenschaftler verschiedene Schlüsse.

„Unternehmen sollten gut überlegen, ob und in welcher Form sie Bonussysteme einführen“, gibt Doktorandin Reh zu bedenken. Manager und Personalverantwortliche müssten sich die Frage stellen, wie viel Konkurrenz dem Team gut tut. „Sonst werden die mühsam geförderten High Potentials von den eigenen Kollegen sabotiert und an der Karriere gehindert.“

Auch für Mitarbeiter hat Reh eine Empfehlung: 

  • Sich möglichst leistungsstarke Chefs und Kollegen zu suchen. „Auf den ersten Blick scheint es anstrengender zu sein, mit hohen Leistungsstandards mitzuhalten. 
  • Auf lange Sicht ist das aber besser als von Vorgesetzten, die sich um ihre Position sorgen, am eigenen Fortschritt gehindert zu werden.“

Der Artikel "Keeping (Future) Rivals Down: Temporal Social Comparison Predicts Coworker Social Undermining via Future Status Threat and Envy" ist im Journal of Applied Psychology erschienen.
http://dx.doi.org/10.1037/apl0000281

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Über die KLU
Die Kühne Logistics University – Wissenschaftliche Hochschule für Logistik und Unternehmensführung (KLU) ist eine private Hochschule mit Sitz in der Hamburger HafenCity. Die Schwerpunkte der unabhängigen, staatlich anerkannten Hochschule liegen in den Bereichen Logistik und Management. Mit einem Bachelor- und drei Masterstudiengängen, einem strukturierten Doktorandenprogramm und einem berufsbegleitenden MBA bietet die KLU ihren 330 Vollzeit-Studierenden eine hohe Spezialisierung und exzellente Studienbedingungen. Fach- und Führungskräfte profitieren in offenen und maßgeschneiderten Managementseminaren von der Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf praktische Fragestellungen.

Die KLU richtet sich an Studierende aus dem In- und Ausland, ein internationales Team von 22 Professoren unterrichtet auf Englisch. Die Forschung an der KLU konzentriert sich um die Kompetenzschwerpunkte Sustainability, Digital Transformation und Creating Value in den Bereichen Transport, globale Logistik und Supply Chain Management.

2017 hat die KLU das Promotionsrecht erhalten und ist damit eine von nur 15 der 118 privaten Hochschulen in Deutschland, die eigenständig Doktortitel vergeben dürfen.
Im neuesten CHE-Hochschulranking erreicht die KLU in allen Hauptkriterien die Höchstbewertung.

Mehr Informationen unter www.the-klu.org. Regelmäßige Neuigkeiten auf Twitter unter @THE_KLU.

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Tel.: +49 40 32 87 07-152
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Kristina Brümmer Kühne Logistics University - Wissenschaftliche Hochschule für Logistik und Unternehmensführung

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Belohnungssystem in unserem Gehirn: Belohnung ist stärker als Sättigungsgefühl

Medizin am Abend Berlin Fazit: Belohnung fürs Gehirn

  • Fett- und kohlenhydratreiches Essen aktiviert Hirnareale besonders stark
Pommes, Sahnetorte, Chips und Schokoriegel machen dick und sind ungesund. 

Aber dennoch können wir die Finger davon nicht lassen. 

Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes für Stoffwechselforschung in Köln haben nun eine Erklärung dafür geliefert: 
  • Nahrungsmittel, die sowohl reich an Fetten als auch Kohlenhydraten sind, haben einen besonders starken Einfluss auf das Belohnungssystem in unserem Gehirn. 

 Gruppenleiter Marc Tittgemeyer vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln.
 Gruppenleiter Marc Tittgemeyer vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln.
©Max-Planck-Institute für Biologie des Alterns
 
  • Sowohl fettiges als auch kohlenhydratreiches Essen aktiviert jeweils das Belohnungssystem im Gehirn, wenn auch über unterschiedliche Signalwege.

Kommen Kohlenhydrate und Fette im Essen zusammen, wird dieser Effekt noch verstärkt. 

  • In der Natur gibt es keine Nahrungsmittel, die einen hohen Anteil von Fetten und Kohlenhydraten in sich vereinen: 
  • Entweder sind sie wie bei Nüssen reich an Fetten, oder wie bei Kartoffeln oder Getreide reich an Kohlenhydraten.

Eine Ausnahme ist Muttermilch. „Alle Säugetiere kennen Muttermilch“ sagt Forschungsgruppenleiter Marc Tittgemeyer vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung, der die Studie in Kooperation mit Forschern der Yale Universität in Connecticut durchgeführt hat.

  • „Wahrscheinlich werden wir durch Muttermilch darauf geprägt, besonders intensiv auf Nahrung reich an Kohlenhydraten und Fetten zu reagieren und dieses als besonders belohnend wahrzunehmen, weil dies überlebenswichtig ist.“

Spiel um Essen

Die Wissenschaftler wollten wissen, ob Menschen aus unterschiedlichen Kalorienquellen bestehende Nahrung mehr oder weniger stark bevorzugen. Um diese Frage zu beantworten, spielten 40 Freiwillige gegen einen Computer um Essen.

Angeboten wurden fett- oder kohlenhydratreiche Nahrungsmittel sowie Essen, dass fettig und kohlenhydratreich zugleich ist. Um ein Lebensmittel zu erspielen, mussten die Probanden den Computer überbieten. Hierbei wurde die Bereitschaft zum Bezahlen untersucht. Für das fett- und kohlenhydratreiche Essen wurde das meiste Geld geboten. Für die Studienteilnehmer war es also offenbar am attraktivsten.

Während des Spielens zeichneten die Forscher die Gehirnaktivität der Probanden in einem Magnetresonanztomografen auf. Die Messungen ergaben, dass eine Kombination aus Fetten und Kohlenhydraten die Gehirnareale des Belohnungssystems intensiver aktiviert als die anderen angebotenen Lebensmittel. Dieser Befund stimmt mit den Ergebnissen des Spiels überein.


Belohnung ist stärker als Sättigungsgefühl

Ein Belohnungsreiz, der in der Evolution zum Überleben der Menschheit beigetragen hat, wird uns in der heutigen Welt des Überflusses zum Verhängnis.

„Wir sind nicht dazu gemacht, ständig nein zu sagen.

Deshalb hören wir meistens nicht auf zu essen, obwohl wir satt sind“, betont Tittgemeyer.

Offenbar überlagern die Belohnungssignale das Sättigungsgefühl – Übersättigung und Übergewicht sind die Konsequenzen.
  • Hinzu kommt, dass wir ausgerechnet die Nährwerte fett- und kohlenhydratreiches Essens kaum einschätzen können: 
Baten die Forscher die Teilnehmer der Studie, den Kaloriengehalt der dargebotenen Lebensmittel zu schätzen, gelang ihnen das bei den fett- oder kohlenhydratreichen Essen relativ genau.

Bei fett- und kohlenhydratreichem Essen lagen sie dagegen oft daneben.

Dabei liefert Essen, das gleichzeitig reich an Fetten und Kohlenhydraten ist, nicht automatisch mehr Kalorien.

Die Erkenntnisse könnten für die Behandlung von Menschen mit Übergewicht eine wichtige Rolle spielen.

Vor allem wenn aus Essen ein Suchtfaktor wird, ist die Behandlung des Konsumverhaltens von großer Bedeutung und ein grundlegender Schritt aus der Sucht. 


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Autor: Dr. Annegret Burkert

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