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ACHTUNG ansteckend - Arbeitsengagement von Teams

Medizin am Abend Berlin Fazit: Arbeitsengagement von Teams ist ansteckend für Führungskräfte

Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich das Arbeitsengagement von Teams auf die Führungskraft übertragen kann. 

Das berichten Psychologinnen und Psychologen in der Fachzeitschrift „Journal of Occupational Health Psychology“. Sie befragten 315 Teammitglieder und die zugehörigen 67 Führungskräfte zweimal in einem Zeitraum von acht Monaten zu ihrem Arbeitsengagement und ihrer emotionalen Erschöpfung. 
 
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der emotionale Zustand der Führungskraft einen wichtigen Einfluss auf das Wohlergehen der Mitarbeiter hat.

Wie aber sieht es umgekehrt aus?

Kann sich der psychische Zustand von Arbeitsteams auch auf die Führungskraft übertragen?

Welche Eigenschaften der Führungskraft beeinflussen diese Übertragungsprozesse?

Diesen Fragen ist ein internationales Forscherteam (Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Philipps-Universität Marburg, Mälardalen Universität, Schweden) nachgegangen. „Wir haben untersucht, wie sich psychische Zustände von Mitarbeitern - positive wie negative - auf die Führungskraft auswirken“, sagt Nina Wirtz, Psychologin und Hauptautorin der Studie. „Um mehr darüber zu erfahren, wie dieser Prozess funktioniert, haben wir untersucht, ob das Erleben emotionaler Selbstwirksamkeit der Führungskraft hierbei eine Rolle spielt.“

Die Studie

Im Rahmen eines internationalen Projektes zum Thema „gesundheitsförderliche Führung“ wurden branchenübergreifend Führungskräfte und ihre Teams in Deutschland und Schweden gebeten, zu zwei Zeitpunkten im Abstand von acht Monaten einen Fragebogen auszufüllen. 67 Führungskräfte und 315 Teammitglieder beantworteten einen Online- oder Papierfragebogen. Die Mitarbeiter-Teams bestanden im Schnitt aus vier Personen.

  • Zum ersten Erhebungszeitpunkt wurden die Mitarbeiter-Teams zu ihrer emotionalen Erschöpfung (negativer Zustand), zu ihrem Arbeitsengagement (positiver Zustand) und zur Dauer der Zusammenarbeit mit ihrer Führungskraft befragt. 
  • Die Führungskräfte wurden zum ersten Zeitpunkt zu ihrem emotionalen Selbstwirksamkeitserleben befragt. 

Dieses Konzept beschreibt die Überzeugung einer Person, dass sie eigene Stimmungen und auch die von anderen Menschen verstehen, beeinflussen und regulieren kann.

Die emotionale Erschöpfung und das Engagement der Führungskräfte wurden zu beiden Erhebungszeitpunkten gemessen, sodass die Ergebnisse die Veränderung der Erschöpfung und des Engagements der Führungskräfte über den Befragungszeitraum hinweg (acht Monate) widerspiegeln.

Engagement ist ansteckend

Die Analysen zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen dem Arbeitsengagement der Teams und dem ihrer Führungskräfte acht Monate später. Das Arbeitsengagement von Teams hatte sich über einen Zeitraum von acht Monaten hinweg auf die jeweilige Führungskraft übertragen. Dieser Übertragungsprozess war unabhängig von der emotionalen Selbstwirksamkeit der Führungskraft. 

Die emotionale Erschöpfung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hingegen hatte keinen direkten Einfluss auf das Ausmaß der Erschöpfung der Führungskräfte acht Monate später. Indirekt gab es jedoch trotzdem einen Einfluss:  

Wenn sich die Führungskraft als sehr einfühlsam beschrieb, dann war sie durch das emotionale Erschöpfungserleben ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärker tangiert, als wenn dies nicht der Fall war.

Ressourcen im Umgang mit negativen Emotionen aufbauen

Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass Arbeitsengagement direkt übertragbar, sozusagen ansteckend ist.
Emotionale Erschöpfung hingegen überträgt sich nur auf besonders einfühlsame Führungskräfte. 

„Unsere Daten zeigen, dass emotionales Selbstwirksamkeitserleben das Übertragen negativer Emotionen begünstigen kann.

Das mag daran liegen, dass Führungskräfte mit hohem Selbstwirksamkeitserleben den emotionalen Zuständen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr Aufmerksamkeit schenken und dadurch auch eher mit negativen Emotionen konfrontiert sind“, vermutet Nina Wirtz.

„Natürlich sollten Führungskräfte auch weiterhin auf die (negativen) Emotionen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingehen, da dies zu einem konstruktiven und gesunden Arbeitsklima beiträgt. 
  • Dabei ist jedoch wichtig, dass sie sich der Möglichkeit eines Übertragungsprozesses bewusst sind und genug persönliche Ressourcen aufbauen, um diesem entgegenzuwirken. “
Neben der Erschöpfung und dem Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter analysierten die Forscher auch die Autonomie, das Arbeitspensum, Alter, Geschlecht und Dauer der Zusammenarbeit von Führungskraft und Team. 

  • Keine dieser Kontrollvariablen hatte einen Effekt auf die Erschöpfung oder das Engagement der Führungskräfte.

Die Originalstudie finden Sie hier:
 
Wirtz, N., Rigotti, T., Otti, K., & Loeb, C. (2016). What About the Leader? Crossover of Emotional Exhaustion and Work Engagement From Followers to Leaders. Journal of Occupational Health Psychology, online first publication
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26938080


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Nina Wirtz (M.Sc. Psych.)
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Über die DGPs:
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) ist eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen. Die über 3900 Mitglieder erforschen das Erleben und Verhalten des Menschen. Sie publizieren, lehren und beziehen Stellung in der Welt der Universitäten, in der Forschung, der Politik und im Alltag.

360° TOP-Thema: Rettungsstelle-KANZEL: PEAD - Anabole Steroide im Leben

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Was Freizeitsportlern bei Missbrauch von Hormonpräparaten als Anabolika droht

Anabolika, die im Internet und zum Teil auch in Fitness-Studios illegal angeboten werden, können dem Körper schwere Schäden zufügen. 

  • Den Anwendern drohen Thrombosen und Schlaganfälle, sowie Störungen der Organfunktionen von Herz, Leber und Nieren. 

Nach dem Absetzen können Anwender zudem Depressionen entwickeln, warnen Experten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) im Vorfeld der Gemeinsamen Jahrestagung der Sektion Angewandte Endokrinologie der DGE und der Deutschen Gesellschaft für Angewandte Endokrinologie (DGAE), die vom 17. bis 18. Juni in Köln stattfindet. 
 
Doping mit Anabolika, genauer mit anabolen androgenen Steroiden, ist weit verbreitet. Nicht nur Leistungssportler greifen zu den illegalen Substanzen, um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Auch Freizeitsportler und Bodybuilder nutzen sie, um den Muskelaufbau im Fitness-Studio zu beschleunigen. 

Anabolika können gespritzt oder geschluckt werden, es gibt sie als Creme oder Gel für die Haut oder auch als Pflaster.

Hormonexperten wie Professor Dr. med. Dr. h. c. Eberhard Nieschlag, ehemaliger Direktor des heutigen Centrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie am Universitätsklinikum Münster, bezeichnen die Mittel auch als „Performance and appearance enhancing drugs“, kurz PEAD.

„Die Einnahme wird häufig bagatellisiert“, sagt Professor Nieschlag. „Im Leistungssport wird Doping vor allem als Verstoß gegen die Fairness geahndet. Freizeitsportler haben also vermeintlich wenig zu befürchten.“ Dass dies ein fataler Irrtum ist, zeigen immer wieder Todesfälle von Freizeitsportlern, die nach der langjährigen und hochdosierten Einnahme von Anabolika in jungen Jahren an Herzversagen gestorben sind.

  • Todesursache war meistens eine Erkrankung des Herzmuskels, 
  • eine Herzrhythmusstörung
  • ein Herzinfarkt. 
  • „Die Pathologen finden bei der Autopsie oft eine ausgedehnte Verkalkung der Blutgefäße“, berichtet Professor Nieschlag. 
  • „In den Herzkranzgefäßen kann dies einen Herzinfarkt auslösen.“

Anabolika verschlechtern außerdem die Fließeigenschaften des Blutes. 

Sie steigern die Bildung von roten Blutzellen im Knochenmark. 

„Der gewünschte Effekt ist eine Verbesserung der Sauerstoffversorgung im Gewebe“, so der Hormonexperte. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass der Blutfluss zum Stehen komme und sich Blutgerinnsel bilden. 

„Im Gehirn hat das einen Schlaganfall, in den Lungen eine Lungenembolie und in den Beinen eine Thrombose zur Folge“, so Professor Nieschlag. 

  • Die meisten Anabolika werden in der Leber abgebaut. Bei häufiger Einnahme begünstigen Anabolika eine Fettleber, bei einer Überdosis kann es zum Leberversagen kommen.
Die Psyche verändert sich ebenfalls. 

,„Anabolika-Anwender sind häufig leicht erregbar und aggressiv. Sie neigen zur Selbstüberschätzung oder entwickeln sogar psychotische Symptome“, berichtet Professor Nieschlag. 

  • Die Kehrseite dieser manischen Hochgefühle sind starke Depressionen, unter denen Anabolika-Anwender nach dem Absetzen über viele Jahre leiden können.

„Die meisten Menschen, die PEAD einnehmen, sind sich der gesundheitlichen Risiken nicht bewusst, die häufig noch durch die Kombination verschiedener Präparate gesteigert werden“, sagt Professor Dr. med. Matthias Weber, Leiter des Endokrinen und Neuroendokrinen Tumorzentrums der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Der Sprecher der DGE sieht hier die Nationale Anti Doping Agentur NADA gefordert. Es reiche nicht aus, nur vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln im Sport zu warnen. „Die NADA sollte auch deutlich vor den gesundheitlichen Risiken von PEAD warnen“, sagt Professor Weber. „Freizeitsportler sind hier stärker gefährdet, da sie keinen Kontrollen unterliegen und häufig sogar größere Mengen einnehmen als die Profis.“

Das Thema „Missbrauch und Nebenwirkungen von androgenen anabolen Steroiden im Sport“ wird Professor Nieschlag in einem Hauptvortrag auf der Jahrestagung am 17. Juni in Köln (16:30 bis 17:15 Uhr) vorstellen und mit den Kollegen diskutieren.

Literatur:
Nieschlag E und Vorona E. Doping with anabolic androgenic steroids (AAS): Adverse effects on non-reproductive organs and functions. Reviews in Endocrine and Metabolic Disorders 2015; 16: 199-211.

Terminhinweis:
Gemeinsame Jahrestagung der Sektion Angewandte Endokrinologie der DGE und der DGAE
Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Wilhelm Krone (Köln) und Dr. Cornelia Jaursch-Hancke (Wiesbaden)
Termin: 17. bis 18.06.2016
Ort: Auditorium des Max-Planck-Instituts für Biologie des Alterns
Anschrift: Joseph-Stelzmann-Str. 9b, 50931 Kölnwww.medizin-am-abend.blogspot.com
Weitere Informationen: http://www.endokrinologie.net/veranstaltung/gemeinsame-jahrestagung-der-sae.php

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. 

Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.

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Dickdarmkarzinome - Dickdarmkrebs - Kolonkarzinom / IRAK-M Marker und die Tumorbarriere

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Warum sich Tumorbarrieren öffnen

Eine Forschergruppe unter Federführung der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) identifizierte erstmals eine Ursache, warum Dickdarmkarzinome für Bakterien durchlässig werden – ein schlechtes Prognosekriterium für betroffene Patienten. 

Die Studienergebnisse versprechen daher besondere Relevanz für die künftige klinische Anwendung. 
 Das erfolgreiche Forscherteam Professor Dr. Stefan Fichtner-Feigl und Dr. Rebecca Kesselring.
 Das erfolgreiche Forscherteam Professor Dr. Stefan Fichtner-Feigl und Dr. Rebecca Kesselring. UKR
 
Etwa 40.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu an Dickdarmkrebs, der häufigsten Form von Darmkrebs.

Das sogenannte Kolonkarzinom geht in den meisten Fällen aus Darmpolypen, Zellwucherungen der Dickdarmschleimhaut, hervor.
  • Bei etwa zwei Drittel der Dickdarmkarzinome tritt das Phänomen auf, dass die Barriere zum Darmlumen und somit zu den Darmbakterien durchlässig wird. 
Die Ursachen hierfür können bislang nur unzureichend erklärt werden. Ein Forscherteam um Professor Dr. Stefan Fichtner-Feigl, Stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des UKR, und Dr. Rebecca Kesselring, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des UKR, konnte nun erstmals einen Wirkzusammenhang entdecken.

Die Ausgangshypothese, mit der die Wissenschaftler ihre Untersuchung begannen, lautete, dass IRAK-M, ein körpereigenes Kontrollmolekül des Immunsystems, eine Rolle bei der Aufrechterhaltung der Tumorbarriere spielt. Um dies zu überprüfen, untersuchte die Forschergruppe Gewebeproben von rund 600 Tumoren. Die Ergebnisse ihrer Analyse widersprachen aber der Initialhypothese.

  • Gewebeproben von Dickdarmkarzinomen mit einem hohen IRAK-M-Gehalt, wiesen gleichzeitig eine durchlässige Tumorbarriere auf.
  • Durch die poröse Barriere können Darmbakterien in den Tumor einwandern. 
  • Sie lösen Entzündungsreaktionen aus, die den Tumor zum Wachstum anregen. 
„Als Fazit konnten wir zeigen, dass Kolonkarzinome, die durch ein Vorkommen von IRAK-M charakterisiert waren, sich durch ein geringeres Absterben von Tumorzellen und ein generell schnelleres Wachstum auszeichneten. 

 Für die betroffenen Patienten bedeutete dies eine signifikant schlechtere Prognose“, führt Professor Fichtner-Feigl aus.
Tumorgewebe, in dem IRAK-M nachgewiesen werden kann, weist eine Durchlässigkeit für Bakterien auf (links).

Tumorgewebe, in dem IRAK-M nachgewiesen werden kann, weist eine Durchlässigkeit für Bakterien auf (links).
UKR

Die Erkenntnisse, die die Forscher in ihrer Untersuchung gewonnen haben, bringen die Wissenschaft ein großes Stück weiter. IRAK-M wurde als Molekül identifiziert, das mit der Instabilität der Tumorbarriere zusammenhängt.
Künftig kann es daher als Marker verwendet werden. 

  • „Eine Analyse des Tumorgewebes auf IRAK-M kann in Zukunft Auskunft über die Prognose des einzelnen Patienten geben. 

So können Therapie und Nachkontrolle spezifisch angepasst werden“, erläutert Dr. Kesselring. Außerdem ergibt sich die Option, die Funktion von IRAK-M im Tumor zu unterbinden. So könnte die Prognose für die betroffenen Patienten verbessert werden. Hierzu schließen sich nun weitere Forschungsarbeiten an.

Die Untersuchung wurde seitens des UKR von der Klinik und Poliklinik für Chirurgie, dem Institut für Mikrobiologie und Hygiene sowie dem Regensburger Centrum für Interventionelle Immunologie gemeinsam mit der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Caritas-Krankenhaus St. Josef Regensburg und der Chirurgischen Klinik sowie der Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen durchgeführt.





Literatur:

Kesselring et al., IRAK-M Expression in Tumor Cells Supports Colorectal Cancer Progression through Reduction of Antimicrobial Defense and Stabilization of STAT3, Cancer Cell (2016), http://dx.doi.org/10.1016/j.ccell.2016.03.014

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360°TOP-Termin: Rettungsstelle: Methamphetamin-bezogene Störungen" Konsum von kristallinem Methamphetamin ("Crystal Meth"

Medizin am Abend Berlin Fazit: Zur Kommentierung freigegeben: S3-Leitlinie "Methamphetamin-bezogene Störungen"
Die neu erstellte S3-Leitlinie "Methamphetamin-bezogene Störungen" steht ab sofort bis zum 23.06.2016 zur öffentlichen Konsultation bereit. Fachkreise und Interessierte sind eingeladen, die Leitlinie kritisch zu begutachten und zu kommentieren. 
 
Der Konsum von kristallinem Methamphetamin ("Crystal Meth") scheint derzeit in Deutschland noch regional begrenzt zu sein.

  • In den besonders betroffenen Regionen sind Ärzte und Mitarbeiter in Kliniken, Praxen und Einrichtungen der Suchthilfe jedoch zunehmend mit den Folgen des Methamphetamin-Konsums konfrontiert. 
Im Vergleich zu anderen Stimulanzien weist Methamphetamin spezifische Eigenschaften in Hinblick auf Wirkung, Symptomatik und die Entwicklung einer Abhängigkeit auf. 

Der Konsum kann zu verschiedenen substanzinduzierten Störungsbildern führen.

Ziele und Adressaten

Ziel der Leitlinie ist es, auf Basis substanzspezifischer Studien eine bessere Versorgung von Betroffenen und mehr Handlungssicherheit für therapeutisch tätiges Personal in der klinischen Praxis zu ermöglichen.

Im Fokus der Leitlinie stehen daher evidenzbasierte Aussagen zur Wirksamkeit von medikamentösen und psychotherapeutischen Interventionen, zum Verzicht auf wirkungslose oder riskante Therapien und einer besseren Vernetzung der Akteure in der suchtmedizinischen Versorgung.

  • Die Leitlinie richtet sich an in der Suchthilfe tätige Ärzte aller Versorgungssektoren, 
  • Ärztliche 
  • Psychologische Psychotherapeuten
  • alle Berufsgruppen in der ambulanten und stationären Suchthilfe
  •  (z. B. Psychologen, Sozialarbeiter, Pflegepersonal)
  • Mitarbeiter im Bereich Nachsorge
  • Rehabilitation
  • Peers
  • Erzieher
  • Ordner
  • Selbsthilfegruppen
  • Kooperationspartner der Ärzteschaft
  • Fachberufe im Gesundheitswesen, Kostenträger

Konsensusgruppe und Träger der Leitlinie
Die Leitlinie wurde von einem interdisziplinären Expertengremium erstellt und vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) im Auftrag der Bundesärztekammer koordiniert und wissenschaftlich begleitet. Das Projekt wurde von der Bundesdrogenbeauftragten und dem Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

Kommentierung
Die S3-Leitlinie "Methamphetamin-bezogene Störungen" steht ab sofort zur öffentlichen Konsultation bereit. Fachkreise und Interessierte sind eingeladen, ihre Kommentare bis einschließlich 23. Juni 2016 abzugeben. Diese können nur dann bearbeitet werden, wenn sie mit dem Kommentierungsbogen per E-Mail an mail@azq.de oder per Post an das ÄZQ gesendet werden.

Die eingegangenen Kommentare werden nach Ablauf der Konsultationsphase an den Expertenkreis weitergeleitet. Dieser entscheidet nach sorgfältiger Prüfung über deren Berücksichtigung.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.aezq.de/mdb/edocs/pdf/literatur/s3-ll-methamphetamin-bezogene-stoerun... Konsultationsfassung S3-Leitlinie "Methamphetamin-bezogene Störungen"

http://www.aezq.de/mdb/edocs/word/s3-ll-methamphetamin-bezogene-stoerungen-konsu... Kommentierungsbogen


http://www.crystal-meth.aezq.de/ Übersichtsseite S3-Leitlinie "Methamphetamin-bezogene Störungen


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Corinna Schaefer M.A. Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin


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360° TOP - Einladung zur Studie: Qualität und Führung in deutschen Unternehmen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Teilnehmer für Studie zu Führung in deutschen Unternehmen gesucht

Alle Arbeitnehmer in Deutschland sind aufgefordert, an einer Studie der Hochschule Niederrhein teilzunehmen. Darin geht es um die Qualität von Führung in deutschen Unternehmen. 

Was gibt es für Hierarchien, wie tickt die Chefetage, welchen Einfluss haben Mitarbeiter auf wichtige Entscheidungen? Fragen wie diese will die Studie beantworten, die unter Leitung des Wirtschaftspsychologen Prof. Dr. Alexander Cisik am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften entsteht. 
 
Die Online-Umfrage ist noch bis zum 20. Juni geöffnet. 

Unter Medizin am Abend Berlin DirektLink kann jeder Arbeitnehmer daran teilnehmen. 

Die Befragung dauert nicht länger als fünf Minuten.

Die Studierenden wollen wissen, ob die Arbeitnehmer mit ihrer Situation zufrieden sind.

Außerdem geht es darum, ob Arbeitnehmer im Laufe ihres Berufslebens Veränderungen in der Führungskultur in ihrem Unternehmen miterlebt haben.

Cisik erkennt einen klaren Wandel der Kultur der Unternehmensführung.

 „In den vergangenen Jahrzehnten gab es einen Wertewandel. Früher hat man vor allem gearbeitet, um Geld zu verdienen, heute soll Arbeit dagegen Spaß machen und der Selbstverwirklichung dienen“, erklärt Cisik.

Die Arbeitnehmer erwarten von ihrem Arbeitgeber daher, dass dies ermöglicht wird – und zwar branchenunabhängig.

Ob sich die verschiedenen Branchen in ihrer Führungskultur unterscheiden, soll die Studie zeigen.


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Dr. Christian Sonntag
Hochschule Niederrhein
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Cholesterin und die Immunreaktion

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neues Modell der T-Zell-Aktivierung

Freiburger Biologen haben nachgewiesen, dass Cholesterin eine Immunreaktion verhindert, bei der kein Fremdstoff vorliegt 
 
Die Rezeptoren auf T-Zellen, die ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Immunsystems sind, können spontan und ohne eingedrungene Fremdstoffe ihre Konformation ändern, das heißt vom inaktiven in einen aktiven Zustand wechseln.

  • Cholesterin bindet und stabilisiert den inaktiven Rezeptor und spielt daher bei der T-Zell-Aktivierung eine entscheidende Rolle. 

Dies hat ein Team um den Freiburger Immunologen Prof. Dr. Wolfgang Schamel und die Freiburger Immunologin Dr. Susana Minguet in einer Studie gezeigt, die in der Fachzeitschrift „Immunity“ veröffentlicht wurde.

Bislang gingen Forscherinnen und Forscher davon aus, dass ein Fremdstoff wie ein eingedrungener Krankheitserreger an den T-Zell-Rezeptor binden muss, um diesen zu aktivieren und somit eine Immunantwort auszulösen.

„Wir haben nachgewiesen, dass nicht die Fremdstoffbindung die Konformationsänderung bewirkt, diese erfolgt spontan“, sagt Schamel. 



Bildunterschrift siehe Text.
Eine künstlerische Darstellung, erstellt von der Tochter einer Wissenschaftlerin: Cholesterin (grün) kann an den T-Zell-Rezeptor im inaktiven Zustand (blau) binden. Wenn ein Fremdstoff (orange) an den Rezeptor in aktiver Konformation (rot) bindet, aktiviert dies die T-Zelle (unten). Bild: Susana Minguet/BIOSS

  • T-Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind ein wichtiger Teil der erworbenen Immunabwehr. 

In ihrer Außenmembran befindet sich der T-Zell-Rezeptor, der eingedrungene Antigene, also Fremdstoffe, erkennt und bindet.

Ein solcher Rezeptor kann zwei verschiedene Strukturen annehmen:

  • Der ruhende T-Zell-Rezeptor ist in einem inaktiven Zustand. 
  • Der so genannte voraktivierte, auf Englisch „primed“, Rezeptor hingegen ist in einer aktiven Konformation: 

Seine Struktur verändert sich so, dass sich in der T-Zelle eine Signalkette in Gang setzt und es eine Immunantwort gibt – der Körper bekämpft den Eindringling. Schamel und Minguet haben herausgefunden, dass ein T-Zell-Rezeptor zwischen diesen beiden Zuständen wechselt, auch wenn kein Fremdstoff vorliegt.

Dringt ein Fremdstoff in den Organismus ein, kann er nur an einen der voraktivierten T-Zell-Rezeptoren binden, nicht an einen ruhenden. 

  • Wenn dies passiert, erhöht sich die Anzahl der aktiven Rezeptoren und die T-Zelle wird aktiviert. 
  • Der voraktivierte Rezeptor ohne Fremdstoffbindung reicht jedoch bereits aus, um die T-Zelle zu aktivieren.  
Es wäre also möglich, dass fälschlicherweise eine Immunantwort ausgelöst wird, obwohl kein Antigen vorliegt, wenn zu viele voraktivierte Rezeptoren vorhanden sind.

Ein bestimmter Mechanismus verhindert dies:

Nicht gebundene ruhende und voraktivierte Rezeptoren befinden sich in einem Gleichgewicht. 

Ohne Cholesterin sind etwa zehn von einhundert Rezeptoren aktiv. Cholesterin bindet an inaktive Rezeptoren und stabilisiert diese. Dadurch reduziert sich die Anzahl der T-Zell-Rezeptoren im aktivierten Zustand deutlich und die T Zelle wird nicht aktiviert. Erst wenn ein Fremdstoff an einen der voraktivierten T-Zell-Rezeptoren bindet, wechseln weitere Rezeptoren von ihrem inaktiven in den aktiven Zustand, und die T Zelle wird aktiviert.

Nur Cholesterin kann an den inaktiven T-Zell-Rezeptor binden, somit handelt es sich um eine spezifische Interaktion. „Wir gehören zu den ersten Forschern, die zeigen, was eine spezifische Bindung von einem Lipid wie Cholesterin an ein Membranprotein bewirkt“, so Schamel. „Diese Interaktion reguliert nämlich die Konformation und damit die Aktivität des Rezeptors.“ Die Zelle synthetisiert das benötigte Cholesterin selbst:

  • Ob eine Person mehr oder weniger Cholesterin in der Nahrung zu sich nimmt, beeinflusst nicht die Menge dieses Lipids in der Zellmembran.

Wolfgang Schamel ist Professor am Institut für Biologie III der Universität Freiburg und Mitglied des Exzellenzclusters BIOSS Centre for Biological Signalling Studies sowie des Freiburger Centrums für Chronische Immundefizienz. Susana Minguet ist Gruppenleiterin in Schamels Arbeitsgruppe. Außerdem waren Forscherinnen und Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg sowie vom Centro de Biología Moleclar Severo Ochoa in Madrid/Spanien an der Studie beteiligt.

Originalpublikation:
Mahima Swamy, Katharina Beck-Garcia, Esmeralda Beck-Garcia, Frederike A. Hartl, Anna Morath, O. Sascha Yousefi, Elaine Pashupati Dopfer, Eszter Molnár, Anna K. Schulze, Raquel Blanco, Aldo Borroto, Nadia Martín-Blanco, Balbino Alarcon, Thomas Höfer, Susana Minguet, Wolfgang W.A. Schamel (2016). A Cholesterol-Based Allostery Model of T Cell Receptor Phosphorylation. Immunity 44 (5), 1091–1101. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.immuni.2016.04.011


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Prof. Dr. Wolfgang Schamel und Dr. Susana Minguet
BIOSS Centre for Biological Signalling Studies
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-67509
E-Mail: wolfgang.schamel@biologie.uni-freiburg.de,
susana.minguet@biologie.uni-freiburg.de
Rudolf-Werner Dreier Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

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GenderMedizin: Frauen und Migräne: Risikomarker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Migräne als Risikomarker für Schlaganfall und Herzinfarkt


Patientinnen mit erhöhtem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema Link: Arbeitsbedingungen und psychische Belastungen  

  • Frauen, die unter Migräne leiden, haben langfristig ein leicht erhöhtes Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln.  
Wissenschaftler um Prof. Tobias Kurth, Leiter des Instituts für Public Health (IPH) der Charité – Universitätsmedizin Berlin, haben anhand einer Datenanalyse festgestellt: 

  • Migränepatientinnen erleiden im Vergleich eher einen Schlaganfall oder Herzinfarkt als Frauen ohne Migräne. 

Die aktuelle Auswertung greift auf Daten aus der amerikanischen Nurses' Health Study II zurück, die Ergebnisse sind jetzt im British Medical Journal* erschienen. 
 
Migräne ist eine verbreitete Kopfschmerzerkrankung, laut Berufsverband Deutscher Neurologen sind in Deutschland schätzungsweise ein Fünftel aller Frauen betroffen.

Migräneerkrankungen werden bereits jetzt mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko in Verbindung gebracht.

Dennoch existieren nur wenige Studien, die die Zusammenhänge zwischen Migräne, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erhöhter Sterblichkeit aufzeigen.

Nun haben amerikanische und deutsche Wissenschaftler unter der Federführung von Prof. Kurth die Daten von mehr als 115.500 Teilnehmerinnen der großangelegten Nurses' Health Study II ausgewertet.

Die Teilnehmerinnen waren zu Studienbeginn zwischen 25 und 42 Jahre alt und hatten keine diagnostizierten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Insgesamt 17.531 von ihnen, etwas mehr als 15 Prozent, litten unter einer ärztlich festgestellten Migräne. Im Untersuchungszeitraum von 1989 bis 2011 ist bei 1.329 dieser Frauen ein kardiovaskuläres Ereignis beobachtet worden. 223 der Frauen verstarben in der Folge.

„Unsere Auswertung legt nahe, dass Migräne als ein wichtiger Risikomarker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen betrachtet werden muss, insbesondere bei Frauen“, folgert Prof. Kurth. 
  • „Es hat sich gezeigt, dass Migränepatientinnen ein um 50 Prozent höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse hatten als Nichtbetroffene. Das Risiko für einen Herzinfarkt war bei ihnen um 39 Prozent, für Schlaganfall um 62 Prozent und für eine Angina pectoris um 73 Prozent erhöht“, so der Wissenschaftler.
Die aktuelle Studie hat eine ganze Reihe von Faktoren einbezogen, die die Wahrscheinlichkeit von Gefäßerkrankungen erhöhen. 

Keine Informationen waren dagegen über einzelne Biomarker und migränespezifische Charakteristika, wie die Wahrnehmung einer Aura, enthalten.

Weitere Forschungsarbeiten sind daher notwendig, um die Ursachen dieser Zusammenhänge genauer bestimmen zu können und vorbeugende Behandlungsmöglichkeiten zu finden.

Ob bei Männern mit Migräne ebenfalls ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht, ist noch zu klären.

  • „Migräneerkrankungen sind weit verbreitet, daher ist es dringend notwendig, die biologischen Prozesse zu verstehen, die an diesen Prozessen beteiligt sind, um Patienten vorbeugende Maßnahmen anbieten zu können“, so Prof. Kurth.

*Tobias Kurth, Anke C. Winter, A. Heather Eliassen, Rimma Dushkes, Kenneth J. Mukamal, Eric B. Rimm, Walter C. Willett, JoAnn E. Manson, Kathryn M. Rexrode. Migraine and risk of cardiovascular disease in women: prospective cohort study. BMJ 2016;353:i2610. doi: 10.1136/bmj.i2610. http://dx.doi.org/10.1136/bmj.i2610

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Prof. Dr. Dr. Tobias Kurth
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Mein Lernen hinterlässt Spuren im Gehirn - Haben Sie Lerndefizite?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Wichtig fürs Lernen: Protein stärkt Kontaktstellen von Nervenzellen

Lernen hinterlässt Spuren im Gehirn. 

  • Dabei spielt das Protein Copine-6 eine entscheidende Rolle. 

Wie Wissenschaftler vom Biozentrum der Universität Basel herausgefunden haben, festigt es die Verbindungen zwischen den Nervenzellen und verbessert den Informationsfluss. 

Dies bildet die Grundlage von Lernen und Gedächtnis. Das Fehlen des Proteins führt zu Lernschwäche. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe von «Nature Communications» erschienen. 
 Kultivierte Nervenzelle (rot). Nach Stimulation hat sich Copine-6 (grün) an den zahlreichen Synapsen der Empfängerzelle angereichert.
Kultivierte Nervenzelle (rot). Nach Stimulation hat sich Copine-6 (grün) an den zahlreichen Synapsen der Empfängerzelle angereichert. Universität Basel, Biozentrum
 
Das Gehirn ähnelt einem weit verzweigten Strassennetz. Dabei werden intensiv genutzte Verbindungen zwischen den Nervenzellen zu Autobahnen ausgebaut, kaum genutzte dagegen stillgelegt. Diese Fähigkeit ist grundlegend für das Lernen und Speichern von Wissen. Wie das Team von Prof. Markus Rüegg vom Biozentrum der Universität Basel nun erstmals zeigen konnte, sorgt das Protein Copine-6 für den Ausbau der Verbindungen. Indem es die Verknüpfungsstellen zwischen den Nervenzellen umbaut und verstärkt, können die Signale schneller und effizienter von einer Zelle zur nächsten weitergeleitet werden. Deshalb haben Mäuse, denen Copine-6 fehlt, grosse Mühe, Neues zu lernen.

Protein sorgt für starke Verbindungen

Das Protein Copine-6 wird vor allem in den Zellen des Hippocampus gebildet.

Diese Hirnregion ist für das Lernen und die Gedächtnisbildung wichtig. Dabei spielen die Verknüpfungsstellen zwischen den Nervenzellen, die sogenannten Synapsen, eine entscheidende Rolle. Sie übertragen die Informationen von einer zur nächsten Nervenzelle. Eine Empfängerzelle trägt tausende solcher Verknüpfungsstellen und kann dadurch von verschiedenen Nachbarzellen aktiviert werden. Je intensiver eine solche Synapse genutzt wird, wie zum Beispiel beim Lernen, desto stärker wird die Verbindung und umso leichter kann die empfangende Nervenzelle aktiviert werden.

Lerndefizite, wenn Copine-6 fehlt

Die Forscher haben in ihrer Studie die Nervenzellen künstlich stimuliert und so das Einströmen von Kalzium ausgelöst - ein Vorgang, der für das Lernen die Initialzündung darstellt. Dadurch wandert Copine-6 in Richtung Synapse und bindet schliesslich mithilfe des Kalziums an die Zellmembran. Dies ist ausschlaggebend für das Umstrukturieren des Zellskeletts und den damit einhergehenden Umbau der Synapse. Die Kontaktfläche vergrössert sich, die Verbindung wird stärker und der Informationsfluss effektiver. «Dass Copine-6 das Lernverhalten wirklich beeinflusst, konnten wir an Mäusen beobachten, denen das Protein fehlte», sagt Judith Reinhard, Erstautorin der Studie. «In Lerntests schnitten sie viel schlechter ab als ihre normalen Artgenossen. Durch das Umstrukturieren optimiert Copine-6 die Reizweiterleitung an den Synapsen. Aus kleinen Strassen werden so Autobahnen, unser Gehirn bleibt dadurch anpassungs- und lernfähig.»

Bezug zu Krankheiten mit Lernstörungen möglich
  • Alzheimer, Autismus und das Fragile-X-Syndrom sind Krankheiten, bei denen die Lernfähigkeit beeinträchtigt ist. Copine-6 könnte dabei eine Rolle spielen, weil dieses Lernmolekül bestimmte Signalwege steuert, die bei diesen Krankheiten gestört sind. 
  • «Mit unserer Entdeckung, dass Copine-6 das Lernen und Gedächtnis direkt beeinflusst, gibt es einen neuen Akteur, der bei Lernstörungen eine Rolle spielen könnte», meint Rüegg. 

«In nächster Zeit möchten wir uns den anderen, noch relativ unbekannten Mitgliedern der Copine-Familie widmen und herausfinden, ob sie in anderen Hirnregionen ähnliche Aufgaben übernehmen wie Copine-6 im Hippocampus.»


Originalbeitrag
Judith R. Reinhard, Alexander Kriz, Milos Galic, Nico Angliker, Mathieu Rajalu, Kaspar E. Vogt and Markus A. Ruegg
The calcium sensor Copine-6 regulates spine structural plasticity and learning and memory
Nature Communications (2016), doi: 10.1038/ncomms11613



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Teufelskreis der Thrombozyten

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Alzheimer-Patienten profitieren von antithrombozytärer Therapie

Die Hemmung von Thrombozyten bei Alzheimer-Patienten könnte zukünftig eine wichtige Rolle in der Therapie einnehmen. 

Die Forschungsergebnisse eines internationalen Forscherteams unter der Leitung von Prof. Dr. Margitta Elvers, Institut für Hämostaseologie, Hämotherapie und Transfusionsmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf, könnten von großer Bedeutung für die Behandlung von Alzheimer-Patienten sein. 

Sie wurden in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Science Signaling“ veröffentlicht. 
 
Die Wissenschaftler konnten erstmalig nachweisen, dass die Behandlung von transgenen Mäusen mit Merkmalen der Alzheimerschen Demenz mit einem Thrombozytenhemmer zur Reduktion der charakteristischen amyloiden Plaques in Hirngefäßen führt. Gemeinsam mit Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich identifizierten sie einen Schlüsselmechanismus für die direkte Beteiligung der Thrombozyten am Fortschreiten der Erkrankung.

Die Alzheimersche Demenz ist eine altersbedingte neurodegenerative Erkrankung, an der derzeit mehr als 30 Millionen Menschen weltweit erkrankt sind. Schätzungen rechnen mit 66 Millionen bis 2030 und für 2050 bereits mit 115 Millionen Menschen, die von einer Demenz-Erkrankung betroffen sein werden.
  • Sie ist durch die Bildung von Eiweißverklumpungen, so genannten Amyloid-Aggregaten, und amyloiden Plaque-Ablagerungen, gekennzeichnet. 
  • Diese Ablagerungen schädigen Struktur und Funktion des Nervengewebes im Gehirn und führen zum Verlust von neuronalen Zellen und kognitiver Leistungsfähigkeit.
  • Neben dem Gehirn ist auch peripheres Gewebe durch die Erkrankung betroffen, wie z.B. Veränderungen im Gefäßsystem, die zu Ablagerungen in Hirngefäßen führen und das Fortschreiten der Alzheimerschen Demenz beschleunigen. 

Die Düsseldorfer Wissenschaftler konnten bereits zeigen, dass die Anlagerung von Thrombozyten auf den amyloiden Plaques der Gefäßwand zur weiteren Aktivierung von Thrombozyten führt. 

Sie kleben sich aneinander und bilden einen Blutpfropf, der zum Verschluss der betroffenen Gefäße im Gehirn führt, so dass das umliegende Gewebe nicht mehr durchblutet werden kann. Die aktuell veröffentlichten Ergebnisse basieren derzeit auf dieser vaskulären Form der Erkrankung.

Eine Beteiligung von Thrombozyten an der Alzheimerschen Demenz wird bereits seit vielen Jahren vermutet. 

Die Wissenschaftler aus Düsseldorf und des Instituts für Strukturbiochemie am Forschungszentrum Jülich konnten den Schlüsselmechanismus für die direkte Beteiligung von Thrombozyten nun identifizieren.

Er ist gekennzeichnet durch die Bindung des Proteins Amyloid-beta an ein spezielles Integrin,- einen Rezeptor auf der Thrombozytenoberfläche , der für die Verklumpung von Thrombozyten verantwortlich ist.

Diese Bindung löst die Ausschüttung von ADP und Clusterin aus und fördert so die Bildung von amyloiden Plaques. 

Thrombozyten von Patienten mit Glanzmann Thrombasthenie, einem angeborenen Defekt der Thrombozytenaktivierung, zeigen keine Bildung der amyloiden Plaques in Zellkulturexperimenten.

Thrombozytenhemmer wie Clopidogrel werden zur Therapie und Vorbeugung von Blutgerinnseln, die einen Herzinfarkt- und Schlaganfall auslösen können, verwendet. 

Die Behandlung von Alzheimer-Mäusen mit Clopidogrel führte zu weniger aktivierten Thrombozyten, einer deutlichen Reduzierung der amyloiden Plaques und damit zu einer verbesserten Durchblutung im Gehirn der Tiere, wenn sie über einen Zeitraum von drei Monaten mit dem Thrombozytenhemmer behandelt wurden.

„Thrombozyten beeinflussen damit direkt die Ausbildung der amyloiden Plaques in Hirngefäßen, die wiederum Thrombozyten aktivieren, so dass es zu einer positiven Rückkopplung kommt, die den Zustand der Demenz bei der Alzheimer-Krankheit immer weiter verschlechtern“, sagt Margitta Elvers. 

Ob Thrombozyten auch die Ausbildung von amyloiden Plaques im Gehirngewebe beeinflussen, wird zurzeit von den Düsseldorfer Forschern ebenfalls untersucht.

Originalpublikation:
Science Signaling, Donner et al., 2016, Platelets contribute to amyloid-β aggregation in cerebral vessels through integrin αIIbβ33–induced outside-in signaling and clusterin release



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Prof. Dr. Margitta Elvers
Leiterin der Arbeitsgruppe Molekulare Hämostaseologie
Institut für Hämostaseologie, Hämotherapie und Transfusionsmedizin
Universitätsklinikum Düsseldorf
Tel.: 0211 / 81-08851
E-mail: margitta.elvers@med.uni-duesseldorf.de
Susanne Dopheide Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

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360° TOP-Thema: Rettungsstelle - Kanzel: Dialysezugang per Katheter für Dialyse-Fistel oder Shunt

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Dresdner Uniklinikum nutzt minimalinvasives Verfahren

Um die Versorgung von Dialysepatienten weiter zu verbessern, haben die Bereiche Interventionelle Radiologie sowie Angiologie am Universitäts GefäßCentrum des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden eine innovative Methode etabliert. 

Sie ist etwa für 40 Prozent der Patienten geeignet, die durch eine genaue präoperative Ultraschalldiagostik identifiziert werden können. Mit dem neuen, minimal-invasiven Eingriff wird ein Gefäßzugang zur Hämodialyse geschaffen, indem Arterie und Vene des Unterarms verbunden werden. 
 Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, Leiter des Bereichs interventionelle Radiologie, mit den beiden Spezial-Kathetern zur minimalinvasiven Anlage eines Dialyseshunts.
Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, Leiter des Bereichs interventionelle Radiologie, mit den beiden Spezial-Kathetern zur minimalinvasiven Anlage eines Dialyseshunts. Foto: Uniklinikum Dresden / Holger Ostermeyer
 
Um den gewünschten Kurzschluss – auch Dialyse-Fistel oder Shunt genannt – herzustellen, navigieren die Radiologen zwei spezielle Katheter unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle über nadelstichgroße Punktionen am Oberarm zu dicht nebeneinander verlaufenden Blutgefäßen am Unterarm.  

Mit dem neuen Verfahren lässt sich eine offene Operation vermeiden.
  • Die meisten Dialysepatienten müssen sich drei Mal pro Woche einer Blutwäsche unterziehen. 
  • Dabei werden ihnen in der Regel zwei Kanülen in eine oberflächlich gelegene Armvene gestochen, über die das Blut zum Dialysegerät fließt, um dann gereinigt wieder zurück in den Körper zu gelangen. 
  • Das geht aber nur, wenn die Vene dazu groß genug ist und einen ausreichenden Blutfluss hat. 
Deshalb wenden die Ärzte einen Trick an: Sie verbinden im Unterarm eine oberflächliche Vene mit einer Arterie. Durch diesen Kurzschluss und den veränderten Blutfluss vergrößert sich das Gefäß deutlich. Mit einem Durchmesser von mehr als fünf Millimetern und über eine Länge von gut zehn Zentimetern ist es dann möglich, die Kanülen trotz häufiger Einstiche optimal zu platzieren.

Bisher legten Gefäßchirurgen diese Dialysefisteln im Rahmen einer offenen Operation an, dies ist oft mit einem stationären Krankenhausaufenthalt verbunden. In den vergangenen Jahren wurde nun ein schonendes, minimal-invasives Verfahren entwickelt, das im vergangenen Jahr auch in Deutschland Einzug hielt.

Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, Leiter des Bereichs Interventionelle Radiologie am Institut für Radiologie des Dresdner Uniklinikums, gehörte zu den ersten deutschen Spezialisten, die diesen Eingriff in die klinische Routine integrierte. 

Bei dem Verfahren, für das lediglich eine örtliche Betäubung notwendig ist, navigieren die Radiologen die beiden Katheter unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle zu den beiden benachbarten Gefäßen des Unterarms.

Voraussetzung ist, dass die ausgewählte Arterie und die ebenfalls benötigte Vene sehr nah nebeneinander verlaufen und eine Verbindung zu oberflächlichen Venen besteht.

Dies wird im Rahmen der Voruntersuchungen in der Fistelsprechstunde der Gefäßambulanz des Universitäts GefäßCentrums von Angiologen mittels Ultraschall untersucht.

  • Sind bei dem Eingriff beide Katheter optimal platziert, presst ein Magnet Arterie und Vene aneinander. Hochfrequenter Wechselstrom öffnet danach die Gefäßwände und schafft eine Verbindung zwischen den beiden tief liegenden Gefäßen. Durch diesen gerade einmal eine Sekunde dauernden Vorgang entsteht ein direkter arterio-venöser Shunt.
Bei vorbestehender Verbindung aus dem tiefen Venensystem am Unterarm zu oberflächlichen Venen kann dann das Blut durch den kurzen Verschluss einer tiefen Armvene an die Oberfläche umgeleitet werden. Unmittelbar nachdem diese Verbindung geschaffen wurde, ist die oberflächliche Vene mit zwei Millimetern noch sehr klein. Durch den Blutfluss und die Druckverhältnisse weitet sich dieses Gefäß jedoch langsam.

Nach dieser von Experten „Reifung“ genannten Phase nach durchschnittlich zwei Monaten ist die für die Dialyse benötigte Shuntvene gut zehn Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von rund zehn Millimetern.


Mit zwei Kathetern lässt sich minimalinvasiv ein Dialyseshunt anlegen.

Mit zwei Kathetern lässt sich minimalinvasiv ein Dialyseshunt anlegen. TVA medical
 

Erste klinische Daten belegen eine hohe Erfolgsrate des neuen Verfahrens mit niedriger Komplikationsrate. Die mit dem Kathetersystem vorgenommenen Shunt-Anlagen gelingen in 97 Prozent der Eingriffe. Davon sind nach sechs Monaten 96 Prozent offen. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Operation, bei dem die Wunden genäht und die Gefäße stärker verletzt werden müssen, dürfte das neue Katheterverfahren den Patienten deutlich schonen und auch dazu beitragen, funktionstüchtigere und auch langlebigere Shunts zu schaffen. Da jedoch für diese innovative, minimal-invasive Methode noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den langfristigen Ergebnissen vorliegen, beteiligt sich das Universitäts GefäßCentrum des Dresdner Uniklinikums an der ersten europäischen Studie, ab der sich Kliniken aus Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien beteiligen.

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