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Charité Berlin: Altersbedingten Gelenkverschleiß: Implantation eines künstlichen Gelenk (auch ab 80 Jahre)

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Künstliche Gelenke sind keine Altersfrage

 Mit der steigenden Lebenserwartung in Industriestaaten leiden immer mehr Menschen unter altersbedingtem Gelenkverschleiß. 

Besonders Menschen ab einem Alter von 80 Jahren schrecken trotz massiver und dauerhafter Schmerzen häufig davor zurück, sich ein künstliches Gelenk implantieren zu lassen. 

Die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e.V. (AE) (1) rät älteren Menschen dazu, im Fall wiederkehrender Gelenkschmerzen aufgrund von Verschleiß einen Endoprothetik-Experten zurate zu ziehen. Denn gerade im hohen Alter profitieren Patienten von einem künstlichen Gelenk: 

Es erhöht die Mobilität und trägt damit zur Eigenständigkeit und Lebensqualität bei. 
 
Gelenkverschleiß schränkt Patienten stark in ihrer Lebensqualität ein, verursacht Schmerzen und beeinträchtigt die Beweglichkeit.

Eine mögliche Therapieform ist die Implantation eines künstlichen Gelenks. 

Für Menschen im hohen Lebensalter birgt diese operative Therapie entscheidende Vorteile. „Ob Knie, Hüfte oder Schulter – ein neues Gelenk stellt die Weichen für ein Leben ohne Gelenkschmerzen“, erklärt Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller, Chefarzt an der Orthopädischen Klinik Braunschweig. Gerade für ältere Menschen sei es wichtig, aktiv zu bleiben, um die Beweglichkeit zu erhalten und dem natürlichen Muskelabbau entgegenzuwirken, so der Generalsekretär der AE.

  • So können beispielsweise die im Alter häufig auftretenden Stürze verhindert werden.
  •  „Wenn Bewegung Schmerz verursacht, bewegt man sich weniger. Das hat zur Folge, dass die Muskulatur weiter abbaut und der Alterungsprozess beschleunigt wird“, sagt Heller. Eine Gelenkersatzoperation ist daher gerade im hohen Alter besonders sinnvoll.
  • Studienergebnisse zeigen, dass Menschen, die im Alter aktiv sind, beispielsweise um 50 Prozent seltener an Demenz erkranken als Menschen, die sich nicht bewegen. 
„Auch im hohen Alter sollten Menschen Einschränkungen in der Beweglichkeit nicht hinnehmen, sondern sich behandeln lassen“, betont Heller. Vor der Entscheidung für ein künstliches Gelenk bedarf es jedoch einer expliziten Einschätzung durch einen Experten, denn nicht für jeden Patienten ist die Prothesenimplantation die passende Therapieform. Vor der Operation müssen deshalb immer das intensive Gespräch mit dem Arzt sowie eine professionelle Beurteilung der Symptome erfolgen.

„Entscheidend für den Erfolg der Prothesenimplantation ist in erster Linie nicht das Alter, sondern, dass der Patient bei guter Gesundheit ist und keine Faktoren gegen eine Operation und die damit verbundene Narkose sprechen“, sagt AE-Präsident Professor Dr. med. Carsten Perka, der das Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der Charité-Universitätsmedizin Berlin leitet. 

„Die Erfahrtung zeigt, dass die Gelenk-OPs auch bei Menschen im hohen Alter sehr erfolgreich verlaufen – gerade weil wir im Vorfeld darauf achten, dass der Patient fit genug für eine Operation ist“, so der Experte.

  • Mit einer gelenkersetzenden Operation lässt sich eine stabile und schmerzfreie Gelenkfunktion wiederherstellen, auf die gerade Menschen im hohen Alter angewiesen sind.

Die AE-Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik verfolgt als unabhängiger Verein seit 1996 das Ziel, die Lebensqualität von Patienten mit Gelenkerkrankungen und -verletzungen nachhaltig zu verbessern und deren Mobilität wieder herzustellen.

Mit ihren Expertenteams aus führenden Orthopäden und Unfallchirurgen organisiert sie die Fortbildung von Ärzten und OP-Personal, entwickelt Patienteninformation und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Die AE ist eine Sektion der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie.

(1) Die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e.V. ist eine Sektion der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU).


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„Baustelle Kinderschlaf“ „Schlafen – Kinderleicht?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Neue Erkenntnisse zu Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen

Frühjahrstagung der Arbeitsgruppe Pädiatrie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e. V. (DGSM) in Bielefeld.

Unter dem Titel „Baustelle Kinderschlaf“ treffen sich vom 18. – 20. März 2016 namhafte Experten zur Frühjahrstagung der AG Pädiatrie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e. V. (DGSM) in Bielefeld, um aktuelle Erkenntnisse in der Kinderschlafmedizin auszutauschen. 
 
„Die Universität Bielefeld wird renoviert und verändert sich – dies haben wir zum Anlass genommen, das Thema aufzugreifen und auf unser Thema Schlaf anzuwenden“, so Tagungspräsidentin Prof. Dr. Angelika A. Schlarb, Fakultät für Psychologie der Universität Bielefeld.

 „Veränderungen und Neuigkeiten aus dem Bereich der pädiatrischen Schlafmedizin und Schlafforschung werden aufgezeigt, sodass spannende und interessante sowie aktuelle Themenfelder im Zentrum der Tagung stehen.“

Welche entscheidende Rolle der Schlaf im Kindesalter spielt, verdeutlicht der interdisziplinäre Austausch von Experten aus dem klinischen und niedergelassenen Bereich, die in der Behandlung von Schlafstörungen für Kinder, Jugendliche und deren Eltern meist die ersten Ansprechpartner sind.

Mit dem Tagungsschwerpunkt auf den neuesten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten werden neue Erkenntnisse zu Medienkonsum und Schlaf sowie zur Relevanz des Chronotypus bei Kindern und Jugendlichen präsentiert.

  • Nach neuen Untersuchungen kann der individuell unterschiedliche zeitliche Schlaf- und Wachrhythmus, der sich in der Pubertät ändert, einen entscheidenden Einfluss auf die Effektivität des Lernens haben – vor allem, wenn Schüler nicht angepasst an ihr Schlafbedürfnis arbeiten können. Neue Erkenntnisse aus der Gedächtnisforschung werden vorgestellt, inwieweit sich der Schlaf auf das Lernen bei Kindern und Jugendlichen auswirkt.
  • Weitere zentrale Themen sind der Zusammenhang von gestörtem Schlaf und psychischen Störungen, neue Erkenntnisse zu Epilepsie und Schlaf, der Zusammenhang von Schmerz und Schlaf und von chronischen Erkrankungen und Schlaf im Kindesalter. 
  • Dabei werden zum Beispiel neue Erkenntnisse zur Schlafverhaltenstherapie bei Säuglingen und Kleinkindern zur Behandlung von Neurodermitis vorgestellt sowie aktuelle Studienergebnisse zu Schlafstörungen bei Kindern mit ADHS.

Im Rahmen der Frühjahrstagung soll es auch einen eigenen Themenbereich für Kinder, Jugendliche und Familien geben. Unter dem vielversprechenden Titel „Schlafen – Kinderleicht?“ wird zu einer eigenen Info-Tag mit Impulsvorträgen und anschlißeneder Fragerunde zum Thema Gesunder Schlaf im Kindes- und Jugendalter eingeladen, der allen Interessierten kostenfrei offensteht. „Studieren wie im Schlaf!“ heißt der Vortrag für Studenten, in dem das Thema gesunder Schlaf im Studium besonders beleuchtet wird.

Weitere Informationen unter http://www.dgsm-paediatrie.de.


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Kerstin Aldenhoff
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360° TOP-Thema: Mein Glück bricht mir das Herz - Takotsubo-Syndrom (TTS) «Broken-Heart Syndrom» «Happy-Heart Syndrom»

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Medizin am Abend Berlin Fazit:  Auch Glück kann das Herz brechen

Das Syndrom des «gebrochenen Herzens», auch Takotsubo-Syndrom (TTS) genannt, ist eine akute, meist durch emotionalen oder physischen Stress ausgelöste Erkrankung. Auch psychiatrische oder neurologische Leiden spielen eine bedeutende Rolle. Neue Auswertungen im Rahmen einer weltweiten Studie, deren erste Ergebnisse im Jahr 2015 veröffentlicht wurden, haben nun erstmals gezeigt, dass die Erkrankung auch nach einem freudigen Erlebnis auftreten kann. 

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 Die erkrankte Herzkammer (links) gleicht dem japanischen Tonkrug für den Tintenfischfang
 Die erkrankte Herzkammer (links) gleicht dem japanischen Tonkrug für den Tintenfischfang

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Erste Ergebnisse der Studie, die im Rahmen des im Jahr 2011 von den Kardiologen PD Dr. Dr. Christian Templin und Dr. Jelena-Rima Ghadri am UniversitätsSpital Zürich eingerichteten Internationalen Takotsubo Registers (InterTAKregistry) durchgeführt wurde, veröffentlichte das New England Journal of Medicine im September 2015.

  • Dabei zeigten Templin und Ghadri erstmals, dass neben negativen emotionalen oder physischen Stressereignissen, wie der Verlust einer geliebten Person oder Mobbing am Arbeitsplatz, auch akute neurologische Erkrankungen wie Hirnschlag, Epilepsie oder Hirnblutungen zu TTS führen können.

Weitere Auswertungen der Studie, bei der sich unter Zürcher Leitung 26 kardiologische Zentren aus neun Ländern beteiligten und die 1‘750 Patientinnen und Patienten einbezog, liessen nun bei 485 Studienteilnehmern definitiv auf emotionale Auslöser der Takotsubo-Kardiomyopathie schliessen, wie eine neue Publikation im European Heart Journal (siehe Hinweis am Ende der Mitteilung) aufzeigt.

Von diesen hatten 20 Personen, bzw. 4 Prozent, eine akute TTS-Erkrankung, der ein freudiges Ereignis vorausging, wie eine Geburtstagsparty, eine Hochzeit, der Sieg des Lieblings-Rugby-Teams oder die Geburt eines Enkelkindes.

Hingegen wiesen 96 Prozent der Patienten ein negatives emotionales Ereignis auf. I

m Gegensatz zu diesen Patienten mit dem «Broken-Heart Syndrom» nannten die Studienleiter die Erkrankung derjenigen Studienteilnehmer, die ein freudiges Ereignis erlebten «Happy-Heart Syndrom».

Neue Erkenntnisse für die klinische Anwendung

Die bisherigen Erkenntnisse, dass vor allem Frauen nach der Menopause an TTS erkranken, bestätigten sich auch in dieser Auswertung.

  • Sowohl in der «Happy-Heart»- wie in der «Broken-Heart»-Gruppe machten Frauen 95 Prozent der Erkrankten aus, wobei das Durchschnittsalter bei 65 Jahren in der «Happy-Heart»- und bei 71 Jahren in der «Broken-Heart»-Gruppe lag. 

Die Ergebnisse sind deutlich, wie Dr. Ghadri sagt: «Einer Takotsubo-Kardiomyopathie muss nicht zwingend ein negatives Stressereignis vorausgehen.  

Auch positive Emotionen können ein TTS auslösen. Das wird Auswirkungen auf die Anamnese der Patienten haben. Ärzte in den Notfallstationen und -praxen sollten wissen, dass Patienten mit Anzeichen eines Herzinfarktes, wie Brustschmerz und Atemnot, die zuvor ein fröhliches Erlebnis hatten, an einem Takotsubo-Syndrom leiden könnten. 

Genauso wie Patienten, die nach einer Stresssituation mit diesen Symptomen vorstellig werden.»

Weitere Forschung nötig

PD Dr. Dr. Templin ergänzt: «Wir denken, dass beim TTS ein enger pathophysiologischer Zusammenhang in Form einer aktivierten «Hirn-Herz-Achse» existiert. Diese Wechselwirkung zwischen Hirn und Herz untersuchen wir derzeit in einer weiteren klinischen Studie näher mittels funktionellem MRI.»

Die Mechanismen der Takotsubo-Kardiomyopathie bergen also noch Geheimnisse, die durch die Kardiologen in künftigen Forschungsarbeiten der Studie gelüftet werden sollen.




PD Dr. Dr. med. Christian Templin, Studienleiter, Kardiologe am USZ



PD Dr. Dr. med. Christian Templin, Studienleiter, Kardiologe am USZ

Takotsubo-Kardiomyopathie

Die Takotsubo-Kardiomyopathie, auch als «Syndrom des gebrochenen Herzens» bekannt, wurde erstmalig 1990 von japanischen Wissenschaftlern beschrieben. Sie nannten die Erkrankung «Takotsubo» (übersetzt Tintenfischfalle), da die linke Herzkammer in der Erkrankungsphase diesen speziellen, zum Tintenfischfang benutzten Tonkrügen ähnelt (enger Hals und bauchiger Körper).

Bei der Takotsubo-Kardiomyopathie handelt es sich um eine akute Pumpfunktionsstörung des Herzens, welche mehrheitlich Frauen betrifft. 

Die Erkrankung ähnelt in der akuten Phase einem Herzinfarkt, so dass eine Unterscheidung nur mittels Herzkatheteruntersuchung gelingt, wobei sich – im Gegensatz zum Herzinfarkt – offene Herzkranzgefässe nachweisen lassen.

Als Ursache wird unter anderem eine vorübergehende Verkrampfung der kleinsten Gefässe im Herzmuskel vermutet, die zu einer Minderdurchblutung bis hin zum lebensbedrohlichen Pumpversagen führt. 


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PD Dr. Dr. Christian Templin
Leiter Akute Kardiologie, Oberarzt Interventionelle Kardiologie
Universitäres Herzzentrum Zürich
Klinik für Kardiologie
Telefon: 044 255 95 85
christian.templin@usz.ch
www.takotsubo-registry.com

Dr. Jelena-R. Ghadri
Universitäres Herzzentrum Zürich
Klinik für Kardiologie
Rämistrasse 100
8091 Zürich
jelena-rima.ghadri@usz.ch
www.takotsubo-registry.com
lic. phil. Martina Pletscher UniversitätsSpital Zürich

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http://eurheartj.oxfordjournals.org/sites/default/files/pdf/ehv757.pdf - Vollversion des Papers. Link funktioniert nur bis zur Veröffentlichung.

http://eurheartj.oxfordjournals.org/content/early/recent - Link nach der Veröffentlichung

http://www.escardio.org - press release in English

Deutsches Herzzentrum Berlin: Medizinische Implantate: Herzschrittmacher und Herzpumpen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Schutzhülle für Implantate

ETH-Wissenschaftler entwickelten eine Membran, welche medizinische Implantate vor einer unerwünschten Einkapselung mit Bindegewebe schützt. Die Forschenden haben vor einem guten Jahr eine Spin-off-Firma gegründet und sind nun beim Jungunternehmer-Wettbewerb Venture Kick ausgezeichnet worden.

Es ist eine der grossen Hürden der Implantationsmedizin: 

Der Körper erkennt Implantate wie zum Beispiel einen Herzschrittmacher als fremdes Gewebe und kapselt es in einer Abwehrreaktion mit Bindegewebe ein. 
  • Unter Umständen kann solches wucherndes Gewebe die Funktion des Implantats behindern. 
  • Ärzte sehen sich daher manchmal nach Monaten oder Jahren zu einer Revisionsoperation gezwungen, in der sie das Bindegewebe entfernen oder gar das Implantat auswechseln.


Eine mikrostrukturierte Zellulosemembran zum Einfassen einer Herzpumpe.
Eine mikrostrukturierte Zellulosemembran zum Einfassen einer Herzpumpe. ETH Zürich


Forschende der ETH Zürich und des ETH-Spin-offs Hylomorph fanden in den vergangenen Jahren eine Möglichkeit, diese Bindegewebsbildung zu vermindern: 

  • Sie entwickelten eine biokompatible Zellulosehülle mit dreidimensionaler Mikrostruktur. 

Erste Forschungsergebnisse geben ihnen Hoffnung, dass damit eingehüllte Implantate weniger von Bindegewebsbildung betroffen sind (siehe ETH-News vom 19.01.2015 [https://www.ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2015/01/zellulose-...]).

Nun ist das Spin-off Hylomorph im Rahmen des Start-up-Wettbewerbs Venture Kick ausgezeichnet worden. Es ist eine von zwei Jungfirmen, die diesen Monat das Venture-Kick-Finale erreicht haben und mit 130‘000 Franken Startkapital unterstützt werden.

Membran mit Mikrovertiefungen

Die Forschenden lassen die Zellulose in Zellkultur von bestimmten Bakterien herstellen, und zwar auf einem mikrometerfeinen «Nagelbrett» als Negativform. 

Auf diese Weise entstehen Zellulosemembranen mit entsprechend winzigen Vertiefungen. «Diese 3D-Struktur verhindert, dass auf der Membran ein durchgehender Bindegewebsrasen wachsen kann», erklärt Simone Bottan, Mitgründer und CEO von Hylomorph.

Derzeit entwickeln die Wissenschaftler mit Hochdruck die Anwendung der Membran als Hülle für eine künstliche Herzpumpe weiter. 

Hylomorph ist Partner im Projekt HeartOne des Wyss Translational Center Zurich, einem Entwicklungszentrum von ETH Zürich und Universität Zürich. Das Projekt hat zum Ziel, künstliche Herzpumpen zu verbessern.

Breite Anwendung

Mögliche Anwendungen der Zellulose beschränken sich jedoch nicht auf Herzpumpen und Herzschrittmacher. «Die Technologie könnte in Zukunft für jegliche Implantate benutzt werden, wo Bindegewebsbildung ein Problem ist, zum Beispiel auch für Brustimplantate oder für chirurgische Netze, die Hernien-Operationen eingesetzt werden», sagt Bottan.

Derzeit testen die Wissenschaftler ihre Hüllen in Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Zürich und dem Deutschen Herzzentrum Berlin im Tierversuch bei Schweinen auf Unbedenklichkeit, Gebrauchstauglichkeit und auf ihr Vermögen, Bindegewebsbildung in einer realistischen Anwendung zu reduzieren.

Wenn diese Tests erfolgreich verlaufen, werden die Wissenschaftler erste klinische Studien bei Menschen planen.

Venture Kick

Venture Kick ist eine von mehreren Stiftungen, Unternehmen und Privatpersonen getragene Initiative zur Förderung von innovativen Geschäftsideen. Jeden Monat erhalten acht Startup-Projekte die Chance, sich einer Jury zu präsentieren. In drei Beurteilungsrunden werden davon zwei Projekte als Sieger ermittelt, die insgesamt 130‘000 Franken als Startkapital erhalten. Die Jury bewertet unter anderem die Teamzusammensetzung, das Marktpotenzial und wie sich das Start-up in den neun Monaten seit Beginn des Wettbewerbs entwickelt hat. Teilnahmeberechtigt sind Studierende, Forschende oder Professoren und Professorinnen von schweizerischen Hochschulen, welche mit ihrer Geschäftsidee eine Firma gründen wollen.

Website Hylomorph (auf Englisch) [http://www.hylomorph-medical.com/]

Projektwebsite HeartOne (Wyss Zurich, auf Englisch) [http://www.WyssZurich.uzh.ch/projects/heartone/id/10/action/show/ctrl/Page/]


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Fabio Bergamin Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

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360° TOP-Hinweis Geriater: Pneumokokken-Impfung und die Lungenentzündung: Mehr PCV13 Impfstoff

Medizin am Abend Berlin  Fazit:   Mit Blick auf ältere Patienten wird falscher Impfstoff favorisiert

Pneumokokken sind die häufigste Ursache für Lungenentzündungen. 

Menschen über 60 Jahre sind besonders gefährdet: Bei ihnen sind 80 Prozent der Erkrankungen auf die Bakterien zurückzuführen. 

Seit Jahren wird daher zu einer Impfung geraten. Nun ist jedoch eine Diskussion um das Vakzin entbrannt: In einem Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widersprechen Experten der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO). Co-Autor Prof. Dr. Hans Jürgen Heppner, Sprecher der AG-Impfen der DGG und Chefarzt der Geriatrischen Klinik und Tagesklinik am Helios Klinikum Schwelm, erläutert die Hintergründe. 

 Prof. Dr. Hans Jürgen Heppner
 Prof. Dr. Hans Jürgen Heppner DGG

Es ist ein Disput, der weitreichende Konsequenzen für die Gesundheit älterer Patienten haben könnte: 

Wie zum Jahreswechsel aus Kreisen der STIKO verlautete, soll der Konjugatimpfstoff PCV 13 nicht mehr neben der Standardimpfung mit dem Polysaccharidimpfstoff PPSV23 empfohlen werden. 

Bislang wurde dieser gleichberechtigt neben dem Konjugatimpfstoff PCV13 genannt.

Dies entspricht nicht der aktuellen Datenlage, sind sich Experten der DGG und DGP einig. Gemeinsam haben sie nun ein Positionspapier veröffentlicht, das nicht nur darauf drängt, weiterhin PCV13 für die Impfung von Patienten über 60 Jahren zu empfehlen – sondern ihm sogar möglichst den Vorzug zu geben.

Ältere Patienten bei der Empfehlung nicht wirklich bedacht

„Der Konjugatimpfstoff ist wirksamer für ältere Menschen als der Polysaccharidimpfstoff“, sagt Prof. Hans-Jürgen Heppner. Gemeinsam mit Prof. Dr. Santiago Ewig (Herne/Bochum), Prof. Dr. Mathias Pletz (Jena) und Prof. Dr. Tobias Welte (Hannover) ist er überzeugt, das die STIKO zu viel Gewicht auf die Rate der invasiven Infektionen durch Pneumokokken legt.

Stattdessen müsste beachtet werden, dass Pneumokokken Auslöser bei 80 Prozent der Lungenentzündungen sind. 

„Eine Lungenentzündung ist für ältere Menschen eine Katastrophe. Auch wenn diese Patienten erfolgreich behandelt werden, verlieren sie oft an Selbständigkeit und Funktionalität, wodurch die Mortalität auch ein halbes Jahr später noch hoch bleibt.“


Gestützt auf eine breite Datenbasis, kommen die Experten darüber hinaus zu dem Schluss, dass eine Impfung mit PPSV23 eine geringere Wirkung hat – auch was die Dauer des Schutzes angeht. Studien zufolge scheint dieser bereits nach zwei Jahren abzunehmen. Bei PVC13 hält er dagegen sogar nach vier Jahren an.

Starker Impfstoff und schwacher Impfstoff – es wird der falsche favorisiert

  • Auch der Effekt, wenn die zwei unterschiedlichen Impfstoffe nacheinander gegeben werden, fällt demnach unterschiedlich aus. 
  • Wird nach einer PPSV23-Impfung mit dem gleichen Vakzin oder PVC13 „aufgefrischt“, ist die Wirkung schwächer als zuvor. Wird erst PVC13 gegeben und später mit PPSV23 geimpft, ergibt sich den Experten zufolge eine „Booster-Reaktion“.

„Für uns sind das eindeutige Gründe, warum wir PVC13 favorisieren“, sagt Prof. Heppner, der sich auch in der Arbeitsgruppe Impfen der DGG unter der Leitung von Frau Dr. Anja Kwetkat engagiert.

Er erhofft sich, dass das Positionspapier ein Signal an andere Geriater ist. 

„Wir wollen damit die Kollegen wachrütteln: Sie sollen zum einen die Gefahr der Pneumokokken-Pneumonie stärker wahrnehmen. Und zum anderen sollen sie vermehrt das Gespräch mit den Patienten suchen – laut Zahlen von 2010 sind bislang nur 20 Prozent in der Altersgruppe geimpft. 

Dank des Positionspapiers haben die Kollegen nun die wissenschaftliche Grundlage, warum eine Impfung sinnvoll ist und welcher Impfstoff hierfür optimaler Weise ausgewählt werden sollte.“

„Stellungnahme zur Empfehlung der Pneumokokken-Impfung für Erwachsene 

– Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG)“:

Das Positionspapier kann mit freundlicher Genehmigung des Thieme-Verlages kostenfrei heruntergeladen werden unter dem Link:

 https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0034-1393413.pdf


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Nina Meckel Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)

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360° TOP-Frage: Alkoholabhängige - Verkehrskontrollen bei Suchtabhängigen....?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Abstinenzphasen bei Alkoholabhängigen führen zu mehr Dopamin im Gehirn

In einer neuen Studie berichten Suchtforscher am Institut für Psychopharmakologie (Wissenschaftlicher Direktor: Professor Rainer Spanagel) und an der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin (Ärztlicher Direktor: Professor Falk Kiefer), dass Alkoholiker erhöhte Konzentrationen an Dopamin in Regionen des Gehirns aufweisen, wenn sie längere Zeit auf Alkohol verzichten. Die Ergebnisse der Studie wurden Ende Februar in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht. 
 
  • Bei Alkoholismus wechseln sich häufig Perioden der Trunkenheit mit Abstinenzphasen ab, in denen die Betroffenen versuchen, auf Alkohol zu verzichten. 
  • Am Ende dieser Phasen steht dabei oft der Rückfall, wodurch die Sucht nur vertieft wird. 
  • Während dieser Zyklen finden viele Veränderungen im Gehirn statt. Besonders wichtig ist dabei der Neurotransmitter Dopamin, der die Signalübertragung in Belohnungszentren im Gehirn vermittelt.
Wenn sich gelegentlicher Alkoholkonsum zu einer Sucht entwickelt, verändern sich auch die Bindungsstellen für Dopamin, über die der Botenstoff seine Wirkungen vermittelt. 
Diese Veränderungen untersuchten Dr. Natalie Hirth und ihre Kollegen, indem sie Gehirnproben von verstorbenen Alkoholikern mit denen von Menschen verglichen, die in ihrem Leben wenig oder gar keinen Alkohol getrunken hatten.

Dabei fanden die Wissenschaftler Hinweise auf deutlich erhöhte Dopamin-Spiegel in bestimmten, für die Verhaltenskontrolle wichtigen, Bereichen des Gehirns der Alkoholsüchtigen. 

Durch ergänzende Versuche an alkoholabhängigen Ratten konnten die Forscher die Humanstudien bestätigten und weitere detaillierte Erkenntnisse gewinnen.

Es zeigte sich, dass die Dopamin-Mengen im akuten Entzug stark vermindert sind.

Doch wenn die Tiere über einen längeren Zeitraum keinen Alkohol erhielten, stiegen die Dopamin-Werte deutlich über das Normalniveau. Dies hatte unter anderem den Effekt, dass die Tiere hyperaktiv wurden.
  • Aufgrund ihrer Ergebnisse glauben Natalie Hirth und Kollegen, dass Dopamin beim akuten Alkoholentzug verringert ist und dann stark ansteigt, wenn die Alkoholiker die Abstinenz länger durchhalten. 
„Diese Erkenntnisse könnten sowohl den initial verminderten Antrieb und die gesenkte Stimmungslage im frühen Entzug erklären, als auch die später häufig bei Suchtpatienten auftretenden Symptome von Rastlosigkeit und gestörter Impulskontrolle“ ergänzt Professor Kiefer, Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am ZI. 
  • Auf diese Befunde aufbauend können nun Verhaltensexperimente entworfen werden, um den Zusammenhang zwischen erhöhtem Dopamin und dem Rückfall in die Alkoholsucht besser zu verstehen. 
  • Letztendlich sollen so Wege gefunden werden, um den Rückfall gänzlich zu verhindern und damit den erkrankten Menschen helfen, die Sucht endgültig zu überwinden.

Publikation:
Convergent evidence from alcohol-dependent humans and rats for a hyperdopaminergic state in protracted abstinence. PNAS 2016; published ahead of print February 22, 2016, doi:10.1073/pnas.1506012113
Natalie Hirtha,1, Marcus W. Meinhardta,1, Hamid R. Nooria,1, Humberto Salgadob, Oswaldo Torres-Ramirezb, Stefanie Uhriga, Laura Broccolia, Valentina Vengelienea, Martin Roßmanitha, Stéphanie Perreau-Lenza,2, Georg Köhra, Wolfgang H. Sommera,c, Rainer Spanagela,1, and Anita C. Hanssona,1,3
aInstitute for Psychopharmacology at Central Institute for Mental Health, Medical Faculty Mannheim, University of Heidelberg, 68159 Mannheim, Germany; bNeurosciences Department, Autonomous University of Yucatán, 97000 Merida, Yucatan, Mexico; bNeurosciences Department, Autonomous University of Yucatán, 97000 Merida, Yucatan, Mexico; cDepartment of Addictive Behavior and Addiction Medicine at Central Institute for Mental Health, Medical Faculty Mannheim, University of Heidelberg, 68159 Mannheim, Germany.
1N.H., M.W.M., H.R.N., R.S., and A.C.H. contributed equally to this work.
2Present address: SRI Biosciences, Division of SRI International, Center for Neuroscience, Menlo Park CA 94025.


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360°-TOP-Frage: Vor den Landtagswahlkämpfen: Cannabis/Marihuana, Hasschisch.... - Konsum - Polizeikontrollen?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Cannabis-Positionspapier der DGP warnt: Auch die Lunge ist gefährdet

Die gesundheitlichen Schäden und Effekte von Cannabis sind nicht ausreichend untersucht. Das geht aus einem aktuellen Positionspapier hervor, das die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften veröffentlicht hat. Angesichts der aktuellen Debatte um die Legalisierung der Droge fordern Lungenfachärzte, auch die Folgen für Lunge und Herz-Kreislauf-System zu berücksichtigen. 

Über die gesundheitlichen Aspekte von Marihuana und Haschisch berichten Experten auf der heutigen Eröffnungs-Pressekonferenz anlässlich des 57. Kongresses der DGP in Leipzig. 
 
Schätzungsweise 600 000 Erwachsene in Deutschland konsumieren Cannabis in schädlichen Mengen oder sind sogar abhängig.

  • Der Cannabiskonsum in der Gruppe der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen erhöhte sich von 2011 bis 2014 von 2,8 auf 6,4 Prozent, die Verbreitung des regelmäßigen Konsums von 0,2 auf 1,5 Prozent. 

Professor Dr. med. Michael Kreuter vom Universitätsklinikum Heidelberg hält es im Rahmen der aktuellen Legalisierungsdebatte für wichtig, die genauen gesundheitlichen Auswirkungen des Cannabiskonsums daher differenziert zu betrachten.

„Konsumenten und Befürworter von Cannabis verharmlosen die gesundheitsschädlichen Effekte und verbreiten vermeintliche Fakten über die heilsame Wirkung der Droge, die wissenschaftlich nicht ausreichend belegt sind“, ergänzt DGP-Präsident Professor Dr. med. Berthold Jany.

Bisher ist nur wenig darüber bekannt, dass Cannabis die Gesundheit schädigt. Insbesondere was Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen betrifft, mehren sich jedoch die Daten dazu.

Da die meisten Konsumenten auch normalen Tabak rauchen, ist zwar nicht ganz eindeutig festzustellen, welchen zusätzlichen Schaden Cannabis verursacht“, erklärt Kreuter im Vorfeld des DGP-Kongresses.

„Gesichert ist jedoch, dass der inhalative Konsum von Cannabis zu einer chronischen Bronchitis führen kann. 
  •  Unbehandelt kann diese in eine chronisch-obstruktive Form übergehen: Die Lunge verliert ihre Funktion, Sauerstoff aufzunehmen“, ergänzt er. Da Cannabis viele krebserregende Stoffe enthält, hält der Experte auch einen Zusammenhang mit Lungenkrebs für wahrscheinlich.
  • Belegt ist zudem, dass langfristiger, regelmäßiger Konsum von Cannabis – insbesondere bei Heranwachsenden – das Risiko für körperliche und psychische Entwicklungsstörungen wie Schlafstörungen oder Psychosen erhöht. 

Die Datenlage zu einem möglichen therapeutischen Nutzen von Cannabis ist nur gering. „Hier fehlen insbesondere systematische, qualitativ hochwertige Untersuchungen, die eine positive Wirkung belegen“, sagt Kreuter.


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Kaiserschnitt oder Steißgeburt?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Welche Entbindung ist bei einer „Beckenendlage“ zu empfehlen?

Bei knapp 5 Prozent der Schwangerschaften am Termin befindet sich das Kind in sogenannter „Beckenendlage“, d.h. der Steiß des Kindes wird zuerst geboren (Steißgeburt). 


Die Story im Ersten: OP gelungen - Patient tot | Mo., 14. März 2016 | 22:45 Uhr
Dokumentation
 
'OP gelungen - Patient tot' begleitet den tragischen Krankheitsverlauf einer jungen Patientin nach einer Kaiserschnitt-Entbindung. Er begibt sich auf eine investigative Recherche hinter die sauber anmutenden Fassaden unserer Krankenhäuser. Experten machen auf gravierende Mängel in den Strukturen unserer Kliniken aufmerksam.
 
Kontakt:
WDR 
Annette Metzinger
Tel: 0221/220 7101
E-Mail: annette.metzinger@wdr.de
 

Trotz jahrzehntelanger Erfahrungen ist bislang wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt, wann ein Kaiserschnitt oder eine vaginale Geburt bei einer Beckenendlage zu empfehlen ist. 

Insbesondere fehlen Langzeitdaten zur weiteren Entwicklung der Kinder nach Steißgeburt. 

Eine Studie an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, des Klinikums Nürnberg soll nun prüfen, welche Entbindungsform für Kinder in Beckenendlage die besten Ergebnisse bringt. 

 Die Manfred-Roth-Stiftung unterstützt die Studie zum Vergleich der Langzeitdaten bei Kaiserschnitt und Steißgeburt
Die Manfred-Roth-Stiftung unterstützt die Studie zum Vergleich der Langzeitdaten bei Kaiserschnitt und Steißgeburt  Klinikum Nürnberg

Kaiserschnitt oder Steißgeburt: Eine Studie im Klinikum Nürnberg soll nun wissenschaftliche Grundlagen für diese Entscheidung liefern. Die Studie wird von der Manfred-Roth-Stiftung, Fürth, mit 15.000 Euro gefördert. Sie wurde gemeinsam mit dem Stiftungsvorstand Dr. Wilhelm Polster, bei einer Pressekonferenz im Februar 2016 im Klinikum Nürnberg vorgestellt. Die nach dem verstorbenen NORMA-Gründer benannte Stiftung unterstützt eine Vielzahl wissenschaftlicher, sozialer und kultureller Einrichtungen.

Internationale Studien: Kaiserschnitt bringt für das Kind keine Vorteile

  • Kaiserschnitte sind bei Steißgeburten oft die Entbindungsform der Wahl.
  • Dazu hat auch die erste kontrollierte internationale Studie beigetragen (Term Breech Trial), die im Jahr 2000 in der Zeitschrift „Lancet“ veröffentlicht worden ist und eine erhöhte Erkrankungs- und Sterberate in der unmittelbaren Phase nach der Geburt bei den Neugeborenen feststellte. 

Allerdings wies sie mehrere methodische Mängel auf, z.B. die Studiendauer und die unterschiedliche Qualifikation der beteiligten Geburtshelfer.

Spätere Studien stellten dagegen, dass die Ergebnisse von vaginaler Geburt und Kaiserschnitt ähnlich sind. Langzeitdaten liegen bislang nicht ausreichend vor.

  • In einer erfahrenen Entbindungsklinik kann mit bestimmten Handgriffen fast immer eine unkomplizierte vaginale Geburt realisiert werden. Diese Handgriffe müssen Geburtshelfer regelmäßig trainieren, da sie über das Grundlagenwissen hinausgehen. 
  • Alternativ kann auch versucht werden, das Kind vor der Geburt im Mutterleib zu drehen. 
  • Das wird allerdings selten getan und gelingt nicht immer. In weniger erfahrenen Kliniken wird bei Kindern in Beckenendlage deshalb oft der Kaiserschnitt vorgezogen. Dieser birgt aber, gerade bei Folgeschwangerschaften, große Risiken.

In der Geburtshilfe des Klinikums Nürnberg gibt es umfangreiche Erfahrungen mit Geburten von reifen Kindern in Beckenendlage, die bei etwa 150 der rund 3.000 Geburten gegeben ist.

  • Bei einer Steißgeburt werden zunächst das Gesäß und zuletzt der Kopf entbunden. Selten wird vorher versucht, das Kind vor der Geburt im Mutterleib zu drehen. Gelingt dieses Manöver nicht, muss während der Geburt der Sauerstoffversorgung des Ungeborenen über die Nabelschnur besonderes Augenmerk geschenkt werden. In einer erfahrenen Entbindungsklinik kann jedoch fast immer eine unkomplizierte vaginale Geburt realisiert werden.

„Unsere Nürnberger Daten zeigen derzeit, dass in Beckenendlage die Kaiserschnitt-Geburt verglichen mit der vaginalen Geburt für das Neugeborene keine Vorteile bringt.

Auch die internationale wissenschaftliche Literatur hat dies belegt“, erklärte Prof. Dr. Cosima Brucker, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität. „Aber wir überblicken bislang nur den Zeitraum unmittelbar nach der Geburt.“ Eine Studie, die von der Manfred-Roth-Stiftung gefördert wird, soll nun neue Langzeiterkenntnisse dazu bringen.

Kinder werden zwei Jahre nach der Geburt untersucht

„Wir sind der Manfred-Roth-Stiftung sehr dankbar, dass sie uns bei diesem wichtigen Forschungsprojekt unterstützt,“ sagte Prof. Dr. Martin Wilhelm, Vizedekan der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität.

Für die Studie werden 450 Eltern angeschrieben, deren Kind nach Beckenendlage in den Jahren 2014 bis 2016 im Klinikum Nürnberg geboren wurden. Ihnen wird eine zusätzliche Untersuchung ihres Kindes nach zwei Jahren angeboten, die den Entwicklungsstand testet. Zusätzlich werden ihre persönliche Erfahrungen mit der Geburt und mögliche Konsequenzen erfragt. Als Vergleichsgruppen dienen Eltern und Kinder, die nach Beckenendlage mit Kaiserschnitt oder in Schädellage vaginal entbunden wurden.

„Die Studienergebnisse werden wir voraussichtlich 2018 vorstellen und veröffentlichen können. Wir wollen einen damit einen wissenschaftlichen Beitrag dazu leisten, dass die Eltern bei ihrer Entscheidung für eine Entbindungsform noch sicherer sein können“, erklärte Prof. Brucker.

Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Nürnberg wurde 2014 gegründet und ist zweiter Standort der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg. In Nürnberg werden jährlich 50 Medizinstudierende ausgebildet. Das Curriculum orientiert sich eng an der Ausbildung der amerikanischen Mayo-Medical School. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität kooperiert zudem mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland.

Das Klinikum Nürnberg ist eines der größten kommunalen Krankenhäuser in Deutschland und bietet das gesamte Leistungsspektrum der Maximalversorgung an. Mit rund 2.370 Betten an zwei Standorten (Klinikum Nord und Klinikum Süd) und 6.200 Beschäftigten versorgt es 100.000 stationäre und knapp 100.000 ambulante Patienten im Jahr. Zum Klinikverbund gehören drei weitere Krankenhäuser des Landkreises Nürnberger Land.

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Prof. Dr. Cosima Brucker, Chefärztin
Leitung der Klinik für Frauenheilkunde mit den Schwerpunkten Gynäkologie und Geburtshilfe
Tel: 0911-398-2222
E-Mail: cosima.brucker@klinikum-nuernberg.de

Dr. Michael Krause, Oberarzt
Tel: 0911 398 - 2804
E-Mail: michael.krause@klinikum-nuernberg.de
Dr. Annette Tuffs Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Standort Nürnberg


Literatur

1. Alarab, M; Regan, C; O’Connell, MP; Keane DP; O’Herlihy, C; Foley, ME: Singleton Vaginal Breech Delivery at Term: Still a Safe Option. Obstet Gynecol 2004; 103 (3): 407-412
2. Albrechtsen, S; Rasmussen, S; Reigstad, H; Markestad, T; Irgens, LM; Dalaker, K: Evaluation of a protocol for selecting fetuses in breech presentation for vaginal deliv-ery or cesarean section. Am J Obstet Gynecol 1997; 177: 586-92

3. Glezerman, M: Five years to the term breech trial: The rise and fall of a randomized controlled trial. Am J Obstet Gynecol 2006; 194: 20-5

4. Hannah, ME; Hannah, WJ; Hewson, SA; Hodnett, ED; Saigal, S; Willan, AR for the Term Breech Trial Collaborative Group: Planned caesarean section versus planned vaginal birth for breech presentation at term: a randomised multicentre trial. Lancet 2000; 356: 1375-83

5. Krause, M; Feige, A: vier Jahren nach dem Term Breech Trial: geplante Sectio caesarea hatte keinen Vorteil. Geburtsh Frauenheilk 2005; 65: 534-6

6. Krause, M: Der Term Breech Trial: Aufstieg und Fall einer internationalen, multizent-risch randomisierten, kontrollierten Studie – Eine kritische Bilanz. Zeitschrift für Geburtsh Neonatol 2006; 210: 121-125

7. Whyte, H at al. for the 2-year infant follow-up Term Breech Trial Collaborative Group: Outcomes of children at 2 years after planned cesarean birth versus planned vaginal birth for breech presentation at term: The International Randomized Term Breech Trial. Am Obstet Gynecol 2004; 191: 864-71

Brustkrebs: Knochenmetastasen - schwerer Krankheitsverlauf

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Knochenzellen verstehen lernen, um Metastasen bei Brustkrebs zu verhindern

Knochenmetastasen führen bei Brustkrebs häufig zu einem schweren Krankheitsverlauf. Eine neue Nachwuchs-Forschergruppe im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) versucht herauszufinden, welche Rolle Knochenzellen bei der Entstehung dieser Metastasen spielen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Wissenschaftler mit mehr als einer Million Euro, eine weitere halbe Million steht in Aussicht. 

Medizin am Abend Berlin Zusatzfachlink: Weltweite Infektionskrankheiten

  • „Bei Brustkrebserkrankungen führt in der Regel nicht der Primärtumor zum Tod; lebensbedrohlich sind die Metastasen, die sich in anderen Körperregionen bilden. 

Häufig treten Knochenmetastasen auf, wobei die Tumorzellen das bei gesunden Menschen sorgfältig kontrollierte Gleichgewicht zwischen Knochenabbau und Knochenaufbau pathologisch verändern“, erläutert Dr. Hanna Taipaleenmäki aus dem Labor für Molekulare Zellbiologie der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie.

  • Dies führt zur Erhöhung der Aktivität knochenabbauender Osteoklasten, während die Funktion knochenaufbauender Osteoblasten unterdrückt wird. 

„Die gegenwärtig zur Verfügung stehenden Therapien hemmen die Knochenresorption, können jedoch keine zerstörte Knochensubstanz wiederherstellen oder das weitere Metastasenwachstum verhindern. Daher ist es dringend notwendig, neue Therapien zu entwickeln, um die Lebensqualität und Lebenserwartung betroffener Patienten zu verbessern.“

Die UKE-Forscher um Dr. Taipaleenmäki untersuchen, welche Rolle Osteoblasten bei der Entstehung von Knochenmetastasen bei Brustkrebserkrankungen spielen. 

Dafür stellt die DFG mehr als eine Million Euro zur Einrichtung einer Nachwuchsforschergruppe im Emmy Noether-Programm zur Verfügung; eine weitere halbe Million steht in Aussicht.


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Dr. Hanna Taipaleenmäki
Heisenberg Arbeitsgruppe für Molekulare Skelettbiologie
Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Telefon: (040) 7410-51961
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Freundschaft, Fairness, Mitgefühl,

Medizin am Abend Berlin Fazit: Entwicklungspsychologie: Freundschaft geht über Fairness

Beim Teilen handeln Kinder danach, wie sehr sich zu einem anderen hingezogen fühlen. Selbst einem sehr reichen Freund geben sie mehr als einem armen Dritten – zumindest, wenn es um Sticker geht. 
 
Schon kleine Kinder teilen mit anderen. In vielen Studien untersuchen Entwicklungspsychologen weltweit, was Kinder bewegt, freiwillig etwas abzugeben, und wie sich dies über die Jahre entwickelt. Bei der Interpretation der Ergebnisse herrscht jedoch Uneinigkeit. Einige Forscher erkennen die Ursprünge moralischer Überlegungen, wenn Kinder freiwillig etwas abgeben. Andere glauben, dass es Kindern vor allem darum geht, ihre sozialen Beziehungen zu festigen. Markus Paulus, Professor für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie der frühen Kindheit an der LMU, hat nun ein Experiment darauf ausgelegt, genau diese beiden Annahmen zu testen.

  • Das Ergebnis dürfte jene enttäuschen, die das Edle im Kind stilisieren, denn Kinder geben stets ihrem Freund mehr ab als einem armen Fremden – selbst, wenn ihr Freund bereits sehr viel besitzt. Die Ergebnisse sind aktuell in der Fachzeitschrift Journal of Experimental Child Psychology veröffentlicht.

Der Einfluss von Freundschaft nimmt bei Vorschulkindern mit dem Alter zu

Viele Faktoren, die Kinder beim Teilen beeinflussen, sind bereits bekannt: Sie geben beispielsweise Armen eher als Reichen, sie teilen eher mit einem Freund als mit einem Fremden und sie achten darauf, ob ein anderer sich zuvor hilfsbereit gezeigt hat.

„Aber wir wussten noch nicht, was für Kinder das Entscheidende ist“, sagt Paulus. Um ihre stärkste Motivation beim Teilen herauszufinden, hat er Vorschulkinder in mehreren Experimenten mit Stickern ausgestattet, die sie unter verschiedenen Bedingungen und Vorgaben teilen konnten. Die Kinder wurden auf zwei Altersgruppen verteilt, da die Kindergartenjahre für die Entwicklung des sozialen Verhaltens entscheidend sind: Drei- und Vierjährige bildeten die eine, und Fünf- und Sechsjährige die zweite Gruppe.

Die Kinder nannten zunächst den Namen eines guten Freundes und eines Kindes, mit dem sie nicht so gern spielten, und zeichneten von ihnen ein Bild. Dann wurden sie gebeten, ihre Sticker zwischen den beiden aufzuteilen. Entweder konnte sie einige Sticker dem Freund geben, der bereits ein randvolles Heft mit 100 Stickern besaß, oder dem anderen Kind, das gerade einmal drei Sticker hatte. „In diesem Experiment ging es darum, zu testen, ob sich die Kinder bei ihrer Entscheidung, mit wem sie teilen, eher an Freundschaft orientierten oder daran, wie viel der andere hat.

Sie hatten eine starke Präferenz, mit dem Freund zu teilen. Das zeigt, dass die Bereitschaft von Vorschulkindern, etwas abzugeben, in erster Linie von ihrer sozialen Beziehung zum Empfänger abhängt“, sagt Markus Paulus.

In einem anderen Experiment mussten die Kinder ihre Sticker zwischen einem reichen Freund und einem armen Fremden aufteilen. Auch in diesem Szenario bekam der Freund stets am meisten. Verglichen mit dem ersten Experiment zeigten sie sich dem Fremden gegenüber etwas großzügiger als bei einem Kind, das sie nicht mögen. „Sie teilen also lieber mit einem Fremden als mit jemanden, den sie kennen, aber nicht mögen. Das deutet darauf hin, dass sie ungerne an Personen etwas abgeben, die sie nicht mögen“, sagt Paulus. Der Trend, den Freund zu bevorzugen, war bei den älteren Kindern sogar noch stärker ausgeprägt als bei den jüngeren Kindern. „Das deutet darauf hin, dass mit zunehmendem Alter die sozialen Beziehungen noch an Einfluss gewinnen“, sagt Paulus

Weitere Experimente nötig

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Fairness nicht die stärkste Motivation von Vorschulkindern ist. Vielmehr muss man ihre sozialen Beziehungen berücksichtigen, wenn man verstehen will, warum und wie sie teilen“, sagt Paulus. Gerade bei den Fünf- und Sechsjährigen war dieses Ergebnis überraschend, da sie bereits stärker auf Gerechtigkeit achten als jüngere Kinder.

  • Allerdings könnten die Ergebnisse anders aussehen, wenn der arme Dritte deutlich macht, dass er unter der Situation leidet. 

„Das könnte dazu führen, dass der Arme mehr bekommt. Es gibt aus anderen Studien starke Belege dafür, dass Kinder im Vorschulalter beim Teilen auch nach Mitgefühl entscheiden“, sagt Paulus.

Ebenso sagt die Studie nichts darüber aus, wie sich die Kinder verhalten würden, wenn es nicht um Sticker ginge, sondern um lebensnotwendige Bedürfnisse wie Trinken und Essen.

Markus Paulus möchte nun in einer anschließenden Studie herausfinden, wie diese Faktoren das Verhalten der Kinder beeinflussen. Dabei wird aber kein Kind hungern oder dursten müssen – auch dieses Szenario wird mithilfe des Vorstellungsvermögens der Kinder untersucht werden.


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Markus Paulus
Professur für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie der frühen Kindheit
Ludwig-Maximilians-Universität
Tel: 089/2180-5150
E-Mail: markus.paulus@lmu.de
http://www.psy.lmu.de/epp/personen/professoren/markus_paulus/

Publikation:
Markus Paulus: „Friendship trumps neediness“
In: Journal of Experimental Child Psychology 2016
doi: 10.1016/j.jecp.2016.02.001
Luise Dirscherl Ludwig-Maximilians-Universität München

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