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Brustkrebs: Knochenmetastasen - schwerer Krankheitsverlauf

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Knochenzellen verstehen lernen, um Metastasen bei Brustkrebs zu verhindern

Knochenmetastasen führen bei Brustkrebs häufig zu einem schweren Krankheitsverlauf. Eine neue Nachwuchs-Forschergruppe im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) versucht herauszufinden, welche Rolle Knochenzellen bei der Entstehung dieser Metastasen spielen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Wissenschaftler mit mehr als einer Million Euro, eine weitere halbe Million steht in Aussicht. 

Medizin am Abend Berlin Zusatzfachlink: Weltweite Infektionskrankheiten

  • „Bei Brustkrebserkrankungen führt in der Regel nicht der Primärtumor zum Tod; lebensbedrohlich sind die Metastasen, die sich in anderen Körperregionen bilden. 

Häufig treten Knochenmetastasen auf, wobei die Tumorzellen das bei gesunden Menschen sorgfältig kontrollierte Gleichgewicht zwischen Knochenabbau und Knochenaufbau pathologisch verändern“, erläutert Dr. Hanna Taipaleenmäki aus dem Labor für Molekulare Zellbiologie der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie.

  • Dies führt zur Erhöhung der Aktivität knochenabbauender Osteoklasten, während die Funktion knochenaufbauender Osteoblasten unterdrückt wird. 

„Die gegenwärtig zur Verfügung stehenden Therapien hemmen die Knochenresorption, können jedoch keine zerstörte Knochensubstanz wiederherstellen oder das weitere Metastasenwachstum verhindern. Daher ist es dringend notwendig, neue Therapien zu entwickeln, um die Lebensqualität und Lebenserwartung betroffener Patienten zu verbessern.“

Die UKE-Forscher um Dr. Taipaleenmäki untersuchen, welche Rolle Osteoblasten bei der Entstehung von Knochenmetastasen bei Brustkrebserkrankungen spielen. 

Dafür stellt die DFG mehr als eine Million Euro zur Einrichtung einer Nachwuchsforschergruppe im Emmy Noether-Programm zur Verfügung; eine weitere halbe Million steht in Aussicht.


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Dr. Hanna Taipaleenmäki
Heisenberg Arbeitsgruppe für Molekulare Skelettbiologie
Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Telefon: (040) 7410-51961
E-Mail: h.taipaleenmaeki@uke.de
Saskia Lemm Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Freundschaft, Fairness, Mitgefühl,

Medizin am Abend Berlin Fazit: Entwicklungspsychologie: Freundschaft geht über Fairness

Beim Teilen handeln Kinder danach, wie sehr sich zu einem anderen hingezogen fühlen. Selbst einem sehr reichen Freund geben sie mehr als einem armen Dritten – zumindest, wenn es um Sticker geht. 
 
Schon kleine Kinder teilen mit anderen. In vielen Studien untersuchen Entwicklungspsychologen weltweit, was Kinder bewegt, freiwillig etwas abzugeben, und wie sich dies über die Jahre entwickelt. Bei der Interpretation der Ergebnisse herrscht jedoch Uneinigkeit. Einige Forscher erkennen die Ursprünge moralischer Überlegungen, wenn Kinder freiwillig etwas abgeben. Andere glauben, dass es Kindern vor allem darum geht, ihre sozialen Beziehungen zu festigen. Markus Paulus, Professor für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie der frühen Kindheit an der LMU, hat nun ein Experiment darauf ausgelegt, genau diese beiden Annahmen zu testen.

  • Das Ergebnis dürfte jene enttäuschen, die das Edle im Kind stilisieren, denn Kinder geben stets ihrem Freund mehr ab als einem armen Fremden – selbst, wenn ihr Freund bereits sehr viel besitzt. Die Ergebnisse sind aktuell in der Fachzeitschrift Journal of Experimental Child Psychology veröffentlicht.

Der Einfluss von Freundschaft nimmt bei Vorschulkindern mit dem Alter zu

Viele Faktoren, die Kinder beim Teilen beeinflussen, sind bereits bekannt: Sie geben beispielsweise Armen eher als Reichen, sie teilen eher mit einem Freund als mit einem Fremden und sie achten darauf, ob ein anderer sich zuvor hilfsbereit gezeigt hat.

„Aber wir wussten noch nicht, was für Kinder das Entscheidende ist“, sagt Paulus. Um ihre stärkste Motivation beim Teilen herauszufinden, hat er Vorschulkinder in mehreren Experimenten mit Stickern ausgestattet, die sie unter verschiedenen Bedingungen und Vorgaben teilen konnten. Die Kinder wurden auf zwei Altersgruppen verteilt, da die Kindergartenjahre für die Entwicklung des sozialen Verhaltens entscheidend sind: Drei- und Vierjährige bildeten die eine, und Fünf- und Sechsjährige die zweite Gruppe.

Die Kinder nannten zunächst den Namen eines guten Freundes und eines Kindes, mit dem sie nicht so gern spielten, und zeichneten von ihnen ein Bild. Dann wurden sie gebeten, ihre Sticker zwischen den beiden aufzuteilen. Entweder konnte sie einige Sticker dem Freund geben, der bereits ein randvolles Heft mit 100 Stickern besaß, oder dem anderen Kind, das gerade einmal drei Sticker hatte. „In diesem Experiment ging es darum, zu testen, ob sich die Kinder bei ihrer Entscheidung, mit wem sie teilen, eher an Freundschaft orientierten oder daran, wie viel der andere hat.

Sie hatten eine starke Präferenz, mit dem Freund zu teilen. Das zeigt, dass die Bereitschaft von Vorschulkindern, etwas abzugeben, in erster Linie von ihrer sozialen Beziehung zum Empfänger abhängt“, sagt Markus Paulus.

In einem anderen Experiment mussten die Kinder ihre Sticker zwischen einem reichen Freund und einem armen Fremden aufteilen. Auch in diesem Szenario bekam der Freund stets am meisten. Verglichen mit dem ersten Experiment zeigten sie sich dem Fremden gegenüber etwas großzügiger als bei einem Kind, das sie nicht mögen. „Sie teilen also lieber mit einem Fremden als mit jemanden, den sie kennen, aber nicht mögen. Das deutet darauf hin, dass sie ungerne an Personen etwas abgeben, die sie nicht mögen“, sagt Paulus. Der Trend, den Freund zu bevorzugen, war bei den älteren Kindern sogar noch stärker ausgeprägt als bei den jüngeren Kindern. „Das deutet darauf hin, dass mit zunehmendem Alter die sozialen Beziehungen noch an Einfluss gewinnen“, sagt Paulus

Weitere Experimente nötig

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Fairness nicht die stärkste Motivation von Vorschulkindern ist. Vielmehr muss man ihre sozialen Beziehungen berücksichtigen, wenn man verstehen will, warum und wie sie teilen“, sagt Paulus. Gerade bei den Fünf- und Sechsjährigen war dieses Ergebnis überraschend, da sie bereits stärker auf Gerechtigkeit achten als jüngere Kinder.

  • Allerdings könnten die Ergebnisse anders aussehen, wenn der arme Dritte deutlich macht, dass er unter der Situation leidet. 

„Das könnte dazu führen, dass der Arme mehr bekommt. Es gibt aus anderen Studien starke Belege dafür, dass Kinder im Vorschulalter beim Teilen auch nach Mitgefühl entscheiden“, sagt Paulus.

Ebenso sagt die Studie nichts darüber aus, wie sich die Kinder verhalten würden, wenn es nicht um Sticker ginge, sondern um lebensnotwendige Bedürfnisse wie Trinken und Essen.

Markus Paulus möchte nun in einer anschließenden Studie herausfinden, wie diese Faktoren das Verhalten der Kinder beeinflussen. Dabei wird aber kein Kind hungern oder dursten müssen – auch dieses Szenario wird mithilfe des Vorstellungsvermögens der Kinder untersucht werden.


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Markus Paulus
Professur für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie der frühen Kindheit
Ludwig-Maximilians-Universität
Tel: 089/2180-5150
E-Mail: markus.paulus@lmu.de
http://www.psy.lmu.de/epp/personen/professoren/markus_paulus/

Publikation:
Markus Paulus: „Friendship trumps neediness“
In: Journal of Experimental Child Psychology 2016
doi: 10.1016/j.jecp.2016.02.001
Luise Dirscherl Ludwig-Maximilians-Universität München

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Geben Sie Acht auf Ihre Niere: CKD - Chronische Nierenkrankheit - chronic kidney disease

Medizin am Abend Berlin Fazit:  2 Mio. Menschen sind in Deutschland von einer chronischen Nierenkrankheit betroffen…

– und nur die wenigsten wissen davon! Eine neue, im Deutschen Ärzteblatt publizierte Studie beziffert erstmals die Prävalenz der chronischen Nierenkrankheit (CKD) in Deutschland. Die Autoren um Prof. Matthias Girndt, Halle, werteten die Daten zur Nierenfunktion der bundesweiten „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland 2008-2011 (DEGS1)“ aus: Bundesweit sind mindestens 2 Mio. Menschen von einer CKD betroffen. 

Weitere Erkenntnisse: Diabetes mellitus verdoppelt das CKD-Risiko, Bluthochdruck verdreifacht es sogar! 

Außerdem alarmierend: Nur ein Drittel aller Betroffenen weiß von der eigenen Nierenerkrankung. 


Bislang gab es keine validen Daten zur Prävalenz der chronischen Nierenkrankheit („“/CKD) in Deutschland.

Lediglich die Zahl der Patienten im terminalen Stadium der CKD, die einer Nierenersatztherapie bedürfen, konnte anhand von Krankenkassendaten geschätzt werden und wurde mit ca. 100.000 beziffert (etwa 80.000 Dialysepatienten und etwa 20.000 Menschen, die transplantiert wurden und sich in der Transplantationsnachsorge befinden).

  • Für die Zahl der Nierenpatienten in den früheren Stadien der CKD gab es bis dato keinerlei valide Schätzungen.

Eine jüngst im Deutschen Ärzteblatt publizierte Studie [1] zeigt, dass mindestens 2 Millionen Menschen in Deutschland eine Nierenkrankheit mit einer bereits deutlich eingeschränkten Nierenfunktion von unter 60 ml/min/1,73 m2 aufweisen

Die neue Studie wertete die Ergebnisse der bundesweiten „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland 2008-2011 (DEGS1)“ aus, die Menschen zwischen 18 und 79 Jahren untersucht hatte. „Bezieht man auch die Menschen im Alter von 80 Jahren und darüber mit ein, kommen wir auch bei einer konservativen Hochrechnung auf über 2 Millionen Betroffene“, kommentiert Projektleiter Prof. Dr. Matthias Girndt, Halle/Saale. 

„Das ist viel, denn man darf nicht vergessen, dass bei diesen Menschen die Nierenkrankheit bereits manifest ist. Ihre Nierenfunktion hat sich gegenüber Gesunden beinahe schon halbiert und die Erkrankung schreitet in der Regel weiter voran. 

Viele dieser Menschen werden über kurz oder lang dialysepflichtig“, so der Experte. 

  • Wie die Analyse ergab, waren insbesondere Menschen mit Bluthochdruck und Diabetiker von einer Nierenerkrankung betroffen. Diabetes mellitus erhöhte das CKD-Risiko um das 2,25-Fache, Bluthochdruck sogar um das 3,46-Fache.
  • Als besonders alarmierend sei jedoch die Tatsache, dass nur ein Drittel der Betroffenen von der eigenen Nierenerkrankung wusste, die große Mehrheit demzufolge auch nichts unternimmt, um dem Fortschreiten der Erkrankung entgegenzuwirken. 
„Das ist bedauerlich, denn durch verschiedene Maßnahmen, auch durch den Einsatz von blutdrucksenkenden Medikamenten mit nierenschützendem Potenzial, lässt sich der Progress einer chronischen Nierenkrankheit verlangsamen“, erklärt Prof. Dr. Jan Galle, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). 

Er verweist auf den Flyer „Geben Sie Acht auf Ihre Nieren. 

Was Nierenpatienten zur Vorbeugung weiterer Nierenschäden beachten sollten“, der anlässlich des Weltnierentags am 10. März 2016 erstellt wurde. „Betroffene, die sich an diese acht Tipps halten, können die Dialysepflichtigkeit oft eine Zeitlang hinausschieben“.
  • Aber auch die nierengesunde Bevölkerung sollte auf die Nieren Acht geben und die eigene Nierengesundheit schützen. 

Im Flyer „Geben Sie Acht auf Ihre Nieren“ [3] wurden acht Tipps zum Nierenschutz für die Allgemeinbevölkerung zusammengetragen. 

Wie wichtig Präventionsmaßnahmen sind, demonstrieren die neuen Daten, denn bisher wurde die Bedeutung der Nierenerkrankung in Deutschland unterschätzt. 

„Wir hoffen, dass die neuen Daten auch den Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik die Augen öffnen und die Prävention von Nierenerkrankungen nun stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt wird“, erklärt Prof. Girndt.
 
[2] http://www.dgfn.eu/fileadmin/download/Presse/WNT2016/Flyer_nicht-dialysepflichti...

[3] http://www.dgfn.eu/fileadmin/download/Presse/WNT2016/Flyer_Allgemeinbev%C3%B6lke...

 
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Wird das Immunsystem des Gehirns doppelt aktiviert, tötet es Nervenzellen ab

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Aus Freund wird Feind

Heidelberger Neurophysiologen haben entdeckt, unter welchen Bedingungen Abwehrzellen das Gehirn schädigen / Forschungsergebnisse helfen, Erkrankungen mit entzündlicher Neurodegeneration wie Morbus Alzheimer und Multiple Sklerose besser zu verstehen / Veröffentlichung in PNAS 

Hirngewebe, in dem Abwehrzellen (Mikrogliazellen) grün, ein bestimmter Typ von Nervenzellen rot und Zellkerne blau mit Fluoreszenzfärbungen dargestellt sind.
Hirngewebe, in dem Abwehrzellen (Mikrogliazellen) grün, ein bestimmter Typ von Nervenzellen rot und Zellkerne blau mit Fluoreszenzfärbungen dargestellt sind. Universitätsklinikum Heidelberg
 
Bruchstücke von Bakterienhüllen zusammen mit einem Botenstoff des Immunsystems veranlassen Abwehrzellen des Gehirns, Mikrogliazellen, zum Großangriff – bei dem sie neben den Eindringlingen auch Nervenzellen abtöten.

Ein Forscherteam um Professor Dr. Oliver Kann, Neurophysiologe am Universitätsklinikum Heidelberg, beschreibt in der renommierten Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) erstmals, was Mikrogliazellen dazu bringt, körpereigene Nervenzellen massiv zu schädigen.

  • Bisher standen Wissenschaftler und Mediziner den überschießenden Entzündungsreaktionen im Gehirn, die bei verschiedenen Erkrankungen auftreten können, ratlos gegenüber. 

Der zugrundeliegende Mechanismus ließ sich mit bisher genutzten Methoden nicht hinreichend klären.  

Bekannt ist allerdings, dass er nicht nur bei bakteriellen Infektionen, sondern auch bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer und Multipler Sklerose eine Rolle spielen könnte:

Hier wüten die Mikrogliazellen ebenfalls in den körpereigenen Reihen. 

Die Ergebnisse rücken nun einen potentiellen Ansatzpunkt für neue Therapien in den Fokus:  

die Interaktion zwischen Mikrogliazellen und den Immunzellen des restlichen Körpers.

Die neuen Erkenntnisse gewannen die Wissenschaftler aus einem sehr komplexen Gewebemodell: Dabei werden nicht nur verschiedene Typen von Hirnzellen, sondern ganze Hirnschnitte in einem Nährmedium am Leben erhalten.

So lassen sich der natürliche, hochkomplexe Zellverband aus verschiedenen Nerven- und Gliazellen, deren Funktionen und Interaktionen über längere Zeit beobachten und daher lebensnah studieren.

An solchen Hirnschnitten testeten die Forscher die Reaktion des Zellverbands auf Substanzen, die bei Erkrankungen im Gehirn eine Rolle spielen und für die Mikrogliazellen Detektoren besitzen.

Bakterienbaustein allein aktiviert nur mäßig – keine Gefahr für Nervenzellen

Das ist zum einen ein Baustein von Bakterienhüllen, ein Lipopolysaccharid (LPS).

  • Mikrogliazellen erkennen es mit Hilfe des sogenannten Toll-like-Rezeptor 4 (TLR4) und nehmen so die Fährte eingedrungener Bakterien wie beispielsweise den Hirnhautentzündung auslösenden Meningokokken oder Kolibakterien auf. 

  • Außerdem reagieren die Zellen auf den körpereigenen Botenstoff Interferon-gamma (IFN-), den nur bestimmte Immunzellen von außerhalb des Gehirns, zum Beispiel die sogenannten T-Lymphozyten, bei Kontakt mit Krankheitserregern freisetzen. 
Im Experiment ließen sich die Mikrogliazellen sowohl von dem bakteriellen Lipopolysaccharid als auch von dem Botenstoff der T-Lymphozyten, jeweils separat dem Gewebemodell zugesetzt, aktivieren. Die Nervenzellen beeinträchtigte diese Aktivierung jedoch kaum.

Bakterienbaustein und körpereigener Botenstoff – höchste Gefahr für Nervenzellen

  • Anders, wenn Lipopolysaccharid und Interferon-gamma gemeinsam zugegeben wurden: Die Mikrogliazellen gaben eine so große Menge an Abwehr- und Entzündungsstoffen ab, dass sie damit auch die Nervenzellen vergifteten.
  • Besonders das von den Mikrogliazellen zur Bakterienabwehr freigesetzte Gas Stickstoffmonoxid (NO) setzte den Nervenzellen zu. 

Unterdrückten die Wissenschaftler die NO-Bildung in den Mikrogliazellen durch Zugabe eines speziellen Hemmstoffs, verlief die Abwehrreaktion milder, die Nervenzellen überlebten. 

„Eventuell eröffnet sich damit eine neue therapeutische Möglichkeit, um die Nervenzellen bei entzündlichen Erkrankungen zu schützen“, erklärt Professor Kann, Leiter der Arbeitsgruppe Allgemeine Neurophysiologie am Institut für Physiologie und Pathophysiologie.

Mikrogliazellen reagieren auf Proteinablagerung bei Alzheimer

„Die neuen Daten sind eine Überraschung“, so Kann. „Denn bisher ließen Studien mit einfachen Zellkulturen darauf schließen, dass für die Überreaktion der Mikrogliazellen ein einzelner Stimulus, z.B. das bakterielle Lipopolysaccharid, ausreicht. 

Es scheint aber noch das Startsignal der Lymphozyten nötig zu sein. Das ist bedeutsam für das Verständnis und die weitere Erforschung entzündlicher Hirnerkrankungen.“

  • Obwohl Bakterien bei Alzheimer oder Multipler Sklerose (MS) nicht im Spiel sind, könnte dieser Mechanismus bei neurodegenerativen Erkrankungen wie diesen trotzdem relevant sein: 

Der Toll-like-Rezeptor 4 der Mikrogliazellen funktioniert nur sehr ungenau und reagiert auch auf ein Eiweiß, das sich bei der Alzheimer-Erkrankung im Gehirn ablagert.

  • Die Mikrogliazellen sind dauerhaft in Alarmbereitschaft. Kommen jetzt noch aktivierte T-Lymphozyten hinzu, insbesondere im Rahmen einer weiteren Erkrankung, startet die Entzündung im Gehirn. 

  • Auch bei MS sind Interaktionen zwischen T-Lymphozyten und Mikrogliazellen bekannt.

„Es werden noch weitere experimentelle Studien nötig sein, um zu klären, bei welchen Erkrankungen und Reizen dieser Mechanismus in Gang gesetzt wird“, sagt der Neurophysiologe. An der experimentellen Studie war das Forscherteam des 2015 verstorbenen Professors Dr. Uwe-Karsten Hanisch, Institut für Neuropathologie an der Universität Göttingen, beteiligt.


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Prof. Dr. Oliver Kann
Institut für Physiologie und Pathophysiologie
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel. 06221 54-4560
E-Mail: oliver.kann@physiologie.uni-heidelberg.de
Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg


Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg. www.klinikum.uni-heidelberg.de

Tarnkappen-Effekt: Medikamenten-Transportern mit Clusterin

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Tarnkappen-Effekt bei Nanocarriern als Medikamenten-Transporter künftig noch besser nutzbar

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz und des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) entschlüsseln Stealth-Effekt von Nanocarriern gegen Fresszellen des Immunsystems. 
 Nanocarrier (gelb) werden von komplexen Mischungen aus Proteinen bedeckt, bevor sie mit Zellmembranen interagieren und dann aufgenommen werden.
 Nanocarrier (gelb) werden von komplexen Mischungen aus Proteinen bedeckt, bevor sie mit Zellmembranen interagieren und dann aufgenommen werden. © MPI-P
 
Mithilfe von „Medikamenten-Transportern“, sogenannten Nanocarriern, gelangen Wirkstoffe an erkrankte Stellen im Körper. Dort forcieren sie den Heilungsprozess.

Damit die Fresszellen des Immunsystems sie aber nicht vor Erreichen des Wirkortes aufspüren, sind die Nanocarrier-Oberflächen mit dem biokompatiblen Polymer Polyethylenglykol (PEG) versehen. 

  • Dieses rekrutiert bestimmte Proteine aus dem Blutplasma und bildet dadurch eine Art Tarnkappe auf den Nanocarriern. 

Deshalb heißt das Prinzip auch Tarnkappen-Effekt oder Stealth-Effekt.

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz und des MPI-P fanden nun heraus, welche speziellen Proteine an das PEG anhaften müssen.

Auf Basis dieser Entdeckung, veröffentlicht in der Februar-Ausgabe des Magazins Nature Nanotechnology, lassen sich Nanocarrier als Medikamenten-Transporter besser vor den Fresszellen des Immunsystems verbergen. 

Die Wissenschaftler haben diese Erkenntnis bereits auf andere Polymere, sogenannte Polyphosphate, übertragen.

  • Diese sind im Vergleich zu PEG biologisch abbaubar und daher hoffnungsvolle Kandidaten für Wirkstoffträger in der langfristigen Therapie von chronischen Krankheiten.

Proteinbeladung bestimmt Stealth-Effekt

Die Eigenschaft von PEG, Nanocarrier und andere Substanzen länger im Blut zirkulieren zu lassen, ist in der Medizin bereits bekannt.

  • Allerdings wurde sie bisher damit erklärt, dass PEG eine Verminderung der Gesamtproteinbelegung der Nanocarrier-Oberfläche bewirkt. 

Die Arbeit von Dr. Frederik Wurm und Prof. Dr. Katharina Landfester vom MPI-P und von Univ.-Prof. Dr. Volker Mailänder von der Universitätsmedizin Mainz führt in dieser Art der Oberflächenmodifikation allerdings einen Paradigmenwechsel herbei:

  • Zusammen mit ihren Kollegen konnten die Forscher zeigen, dass nicht die Verminderung einer Proteinanhaftung wesentlich für den Stealth-Effekt ist, sondern die zusätzliche Anreicherung von bestimmten Proteinen. 
  • So stellt nicht PEG selbst die Tarnkappe dar, sondern die Anhaftung von spezifischen Proteinen aus dem Blutplasma, allen voran das Apolipoprotein J, auch Clusterin genannt. 
Durch die selektive Adsorption des Clusterins wird die Tarnung der Nanocarrier erst ermöglicht, damit sie an ihrem jeweiligen Zielort im Körper ankommen. 

Dies fanden die Ärzte und Biowissenschaftler heraus, indem sie verschiedene Nanocarrier veränderten und vergleichende Studien mit den anhaftenden Proteinen durchführten. „Mithilfe der hochauflösenden Massenspektrometrie konnten wir aus dem komplexen Gemisch des Blutplasmas genau analysieren, welche Proteine auf den Nanocarriern haften bleiben und wie sich diese zusammensetzen“, erklärt Mailänder.

„Durch diese Erkenntnisse gelang es uns ebenfalls, eine neue Substanzklasse als Alternative zu PEG zu etablieren:

Polyphosphat lässt sich vollständig biologisch abbauen, während das derzeit verwendete PEG bei einer Langzeitabgabe im Körper akkumulieren und Unverträglichkeiten hervorrufen kann“, ergänzt Wurm.

„Dieses Ergebnis eröffnet auch die Möglichkeit, vollständig auf künstliche Materialien zu verzichten und für den Stealth-Effekt natürlich vorkommende Proteine zu nutzen“. Landfester fügt hinzu: „Mainz bietet für ein solches Forschungsprojekt einen einzigartigen Standort, weil es polymere Synthese, Kolloidchemie und Biomedizin kombiniert und somit eine ideale Ausgangsituation darstellt“. „Nanocarrier spielen in der therapeutischen Anwendung eine wichtige Rolle. Die neuen Erkenntnisse von Dr. Mailänder und Dr. Wurm auf diesem Forschungsfeld haben Meilensteincharakter“, so der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Ulrich Förstermann.

Wirkstoffe gelangen effizient ans Ziel
Diese Erkenntnisse werden die Entwicklung neuer Medikamente zur Bekämpfung von erkranktem Gewebe, beispielsweise Tumoren, wesentlich beeinflussen.

So kann damit beispielsweise die Gesamtdosis bei verlängerter Wirkzeit reduziert werden. Dies ist insbesondere für nebenwirkungsreiche chemotherapeutische Tumorbehandlungen entscheidend.


Über das Projekt:
Gefördert wird das Projekt vom Sonderforschungsbereich SFB 1066 „Nanodimensionale polymere Therapeutika für die Tumortherapie“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie vom Forschungszentrum für Immuntherapie (FZI) der Universität Mainz und von „BiomaTiCS – Biomaterials, Tissues and Cells in Science“.


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Verena Hochrein Max-Planck-Institut für Polymerforschung

Ackermannweg 10
55128 Mainz
Postfach 3148
55021 Mainz
Deutschland
Rheinland-Pfalz
Telefon: +49 6131 379-132
E-Mail-Adresse: hochrein@mpip-mainz.mpg.de


GenderMedizin: Patienteninformation Mantelzell-Lymphom: Erkrankung des lymphatischen Systems

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Aktualisierte Neuauflage ist erschienen

Das Mantelzell-Lymphom ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems, an der in Deutschland jedes Jahr etwa 1.500 Patienten neu erkranken. Das Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. (KML) hat seine ausführliche Informationsbroschüre zu diesem Krankheitsbild aktualisiert. Diese informiert Patienten und ihre Angehörigen über den Ursprung, die Symptome und die leitliniengerechte Behandlung des Mantelzell-Lymphoms. Hinweise auf Therapiestudien, referenzpathologische Institute und Selbsthilfegruppen runden die Broschüre ab, die kostenlos beim KML bestellt und unter http://www.lymphome.de angesehen werden kann. 
 
  • Das lymphatische System mit seinen Zellen und Organen ist für die Abwehr unseres Körpers gegen Krankheitserreger zuständig. 
  • Beim Mantelzell-Lymphom kommt es zu einer enormen Vermehrung von bösartig veränderten weißen Blutkörperchen, sogenannten B-Lymphozyten. 
Diese für die Abwehr funktionslosen Tumorzellen häufen sich in den Lymphknoten und in der Milz an. 


Cover der Broschüre "Mantelzell-Lymphom"
 Cover der Broschüre "Mantelzell-Lymphom" Copyright: Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

Da die meisten Mantelzell-Lymphome anfangs kaum oder nur leichte Beschwerden verursachen, werden sie häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt.

Am häufigsten erkranken Menschen in einem höheren Lebensalter (im Mittel 65 Jahre), aber auch jüngere Menschen können ein Mantelzell-Lymphom bekommen.

Männer sind ungefähr viermal häufiger betroffen als Frauen.

Mit Hilfe klinischer Therapiestudien konnte die Behandlung des Mantelzell-Lymphoms in den vergangenen Jahren stetig verbessert werden. Abhängig vom Alter des Patienten und seinem Allgemeinzustand können eine Reihe verschiedener Therapiemöglichkeiten zum Einsatz kommen. Die Behandlung sollte ausschließlich durch erfahrene Fachärzte für Hämatologie und Onkologie erfolgen.

Autor der Broschüre ist Prof. Dr. med. Martin Dreyling (München), der auch der Koordinator des Europäischen Mantelzell-Lymphom Netzwerks (EMCLN) ist. Wir danken der Leukämiehilfe Rhein-Main e.V., die uns bei der Konzipierung dieser Patienteninformation unterstützt hat. Besonderer Dank gilt der Deutschen Leukämie- & Lymphom-Hilfe (DLH) für inhaltliche Anregungen sowie der Janssen-Cilag GmbH, die die Herstellung finanziell ermöglicht hat. Das Unternehmen hatte keinen Einfluss auf die Inhalte.



Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V., Uniklinik Köln, D-50924 Köln, Telefon +49 (0)221 478-96000, Fax: +49 (0)221 478-96001, E-Mail: lymphome@uk-koeln.de, Internet: http://www.lymphome.de

Silke Hellmich, Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V., Tel.: +49 (0)221 478-96005, E-Mail: silke.hellmich@uk-koeln.de

Im Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. (KML) haben sich deutschlandweit Wissenschaftler und Versorgungseinrichtungen zusammengeschlossen, die im Bereich der bösartigen Erkrankungen des lymphatischen Systems führend sind. Die Kooperation trägt dazu bei, die Kommunikation und den Wissenstransfer zwischen Wissenschaftlern, Ärzten und Betroffenen zu verbessern. Das Kompetenznetz Maligne Lymphome ist eines von inzwischen 21 Kompetenznetzen in der Medizin, die auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gegründet wurden.

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Reaktorkatastrophe von Tschernobyl: Waldpilze

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Gute Nachricht für Feinschmecker: Trüffel sind nicht radioaktiv

Auch 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl reichern manche Waldpilze gefährliche Mengen von Radioaktivität an. 

Mit einer Ausnahme: Wilde Trüffel, eine der teuersten Delikatessen der Welt. 

Dies berichten Schweizer und deutsche Forscher, die Burgundertrüffel aus Mitteleuropa analysiert haben, im Fachjournal "Biogeosciences". 

Trüffelhund "Miro", der dem Mitautor Simon Egli gehört, mit einem Burgundertrüffel aus der Schweiz.
Trüffelhund "Miro", der dem Mitautor Simon Egli gehört, mit einem Burgundertrüffel aus der Schweiz.
Foto: Simon Egli
 
  • Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl von 1986 verteilten Wind und Regenfälle beträchtliche Mengen von radioaktiven Partikeln, insbesondere Cäsium-137 (137Cs), weit über den europäischen Kontinent. 

 "Vielerorts ist der Humus, die oberste Waldbodenschicht, noch heute radioaktiv verseucht", sagt Ulf Büntgen, Leiter der Dendroökologie-Gruppe an der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL.

Den unterirdisch wachsenden Burgunder- oder Sommertrüffeln (Tuber aestivum), die Feinschmecker wegen ihres nussigen Aromas schätzen, scheint dies jedoch nichts anzuhaben. "Wir waren sehr überrascht, dass sämtliche untersuchten Exemplare kaum 137Cs aufwiesen", sagt Büntgen.

Radioaktivität in der Nahrungskette

  • Überraschend ist dies vor allem, weil Trüffel wie viele Pilze unterirdisch wachsen und ihre Nährstoffe aus dem Humus gewinnen, der radioaktiven Ausfall akkumulieren kann. 
  • Hirschtrüffel zum Beispiel, die nicht zur Gattung Tuber gehören und deshalb auch "falsche" Trüffel genannt werden, gehören zu den am stärksten radioaktiv belasteten Pilzen. 
  • Sie schmecken Rehen und Wildschweinen besser als den Menschen. 
  • Deshalb weisen laut den Forschern in den von Tschernobyl am stärksten verseuchten Gegenden nicht nur die Pilze, sondern auch das Wildfleisch bis heute zu hohe 137Cs-Werte auf.

Die Forscher wollten herausfinden, ob dies bei Burgundertrüffeln auch der Fall ist. "Wir fokussierten auf Burgundertrüffel wegen ihrer weiten geographischen Verbreitung", erklärt Büntgen. "So konnten wir Fruchtkörper aus einem breiten Spektrum von Umweltbedingungen sammeln." 

Der noch teurere Schwarze oder Périgord-Trüffel komme hingegen nur in der Mittelmeerregion vor.


Burgundertrüffel
 Burgundertrüffel Foto: Simon Egli

Mit Hunden gesammelt

Die Wissenschaftler analysierten 82 Burgundertrüffel aus ganz Europa, die zwischen 2010 und 2014 mit Hilfe von ausgebildeten Trüffelhunden gesammelt worden waren. Sie stammten aus diversen natürlichen Lebensräumen und Plantagen in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien und Ungarn.

Alle Proben enthielten vernachlässigbare Werte von Radioaktivität, berichten die Forschenden in Biogeosciences.

Die 137Cs-Werte lagen unter der Nachweisgrenze von 2 Becquerel pro Kilogramm. Dies liegt weit unter der Toleranzschwelle von 600 Becquerel pro Kilogramm, was bedeutet, dass die Trüffel aus den untersuchten Regionen bedenkenlos gegessen werden können.

"Der Erfolg der Trüffelhunde definierte die Stichprobengebiete", erklärt Büntgen. "Wir versuchten, so viele Fruchtkörper wie möglich aus einer möglichst grossen Region zu bekommen." Die Stichprobenverteilung sei somit zwar nicht optimal, aber gut genug für eine erste Erhebung und Interpretation.

Die Forschenden können nichts dazu sagen, wie die Resultate aussehen würden, wenn sie Trüffel in stärker 137Cs-verseuchten Gebieten wie Weissrussland, der nördlichen Ukraine oder Mittelösterreich gesammelt hätten. "Wir wissen es nicht", sagt Büntgen. "Wir werden unsere Suche jedoch auf weitere Regionen ausweiten."

Unklar ist ebenfalls, warum die Burgundertrüffel weniger anfällig für die Aufnahme von Radioaktivität sind als andere Pilze.

  • Die Wissenschaftler vermuten, dass es damit zu tun hat, wie Tuber aestivum Nährstoffe aus dem Boden aufnimmt. 

Sie betonen jedoch, dass es weitere Abklärungen braucht, um genau zu wissen, warum Burgundertrüffel nicht radioaktiv sind.


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Killer-T-Zellen: Virusinfizierte Zellen: Zytotoxischen T-Lymphozyten

Medizin am Abend Berlin Fazit:  „Killer-T-Zellen“ sind nur im Team gegen Viren stark

MHH-Forscher: Killer-T-Zellen müssen kooperieren, um virusinfizierte Zellen effektiv zu eliminieren / Wichtig für Zelltherapie und Impfstoff-Entwicklung / „Immunity“ veröffentlicht 
 
  • Zellen des Immunsystems müssen eng zusammenarbeiten, um unseren Körper vor Krankheitserregern zu schützen. 
  • Verschiedene Arten von Immunzellen stehen dabei Bakterien und Viren „Auge in Auge“ gegenüber. 

Und wohl niemand erledigt seinen Job so präzise und elegant wie die zytotoxischen T-Lymphozyten (Killer-T-Zellen), die Virus-infizierte Körperzellen erkennen und gezielt abtöten.

Neue Impfstoffe und Zelltherapeutika sollen genau diesen Mechanismus nutzen – aber noch ist vieles über die Arbeitsweise dieses „James Bond des Immunsystems“ unbekannt.



v.l.: Dr. Stephan Halle und Professor Dr. Reinhold Förster und eine 2-Photonenmikroskop-Aufnahme eines Lymphknotens v.l.: Dr. Stephan Halle und Professor Dr. Reinhold Förster und eine 2-Photonenmikroskop-Aufnahme eines Lymphknotens "Foto:MHH/Kaiser"

Ein Team des Instituts für Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) um Professor Dr. Reinhold Förster und Dr. Stephan Halle, PhD, sowie Mitarbeiter um Professor Dr. Martin Messerle aus dem MHH-Institut für Virologie berichtet nun aktuell in der Fachzeitschrift Immunity, wie effektiv Killer-T-Zellen Virus-infizierte Zielzellen abtöten (http://www.cell.com/immunity/home).

Mit Hilfe der sogenannten 2-Photonen-Mikroskopie gelang es den Forschern, erstmals individuelle Killer-T-Zellen bei ihrer Arbeit in virusinfizierten Geweben im Zeitraffer zu filmen.

Man nahm allgemein an, dass Killer T-Zellen im Körper schnell hintereinander immer neue Zielzellen erkennen und alleine töten könnten. 
  • In mehreren unterschiedlichen Infektionsmodellen haben die MHH-Forscher nun jedoch gesehen, dass Killer-T-Zellen nur effektiv sind, wenn sie als „Team“ von drei oder mehr Killer-T-Zellen gleichzeitig oder in sehr kurzem zeitlichen Abstand dieselbe infizierte Zelle attackieren. 
  • „Offensichtlich unterscheiden sich einzelne Killer T-Zellen deutlich in ihrer Wirksamkeit, und nur durch einen synchronisierten Angriff wird die Zielzelle stark genug geschädigt“,sagt Professor Förster. Bei der durch mathematische Modelle unterstützten Auswertung arbeiteten die MHH-Forscher eng mit Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig zusammen.
„Wir haben auch gesehen, dass Killer-T-Zellen in der Regel keine stabilen Interaktionen mit ihren Zielzellen eingehen, sondern sehr dynamisch und ständig in Bewegung sind.

Dadurch können auch immer wieder neue Killer-T-Zellen eine bestimmte Zielzelle erreichen“, erläutert Dr. Halle.

Diese Ergebnisse werfen ein grundsätzlich neues Licht darauf, wie Killer-T-Zellen ihre Ziele im Organismus zerstören.

Impfstrategien sollten somit zukünftig daraufhin optimiert werden, eine ausreichende Anzahl dieser hochbeweglichen und kooperativ angreifenden Killer-T-Zellen zu generieren.


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Dr. Stephan Halle, PhD
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Stefan Zorn Medizinische Hochschule Hannover

Schnelle Atmung + niedriger Blutdruck + veränderter Bewusstseinszustand = Sepsisverdacht

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Sepsis-Update: Neudefinition und Bewertungskriterien

Was ist Sepsis und wie kann man sie schnell und sicher erkennen – Jenaer Sepsis-Spezialisten sind an der Beantwortung dieser Fragen auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand beteiligt. In zwei Publikationen im Journal of the American Medical Association hat ein internationales Expertengremium sowohl die Definition der Sepsis überarbeitet und präzisiert, als auch klinische Kriterien zur Krankheitsbewertung evaluiert. 
 
  • Sepsis ist lebensgefährlich. Sepsis hat oft unspezifische Symptome und kann durch verschiedenste Krankheitserreger und als Komplikation jeder Infektion entstehen. 
Aber was ist Sepsis überhaupt und wie kann sie schnell erkannt werden? Diese Frage treibt nicht nur den interessierten Laien um, auch Experten aus Forschung und Klinik haben auf diese Fragen keine endgültige Antwort.

„Seit der letzten Überarbeitung der Definition vor 15 Jahren haben zahlreiche Erkenntnisse hinsichtlich Pathophysiologie, Epidemiologie und klinischem Management den Blick auf das Syndrom stark verändert und somit eine Aktualisierung nötig gemacht“, erklärt Professor Michael Bauer, der Sprecher des Integrierten Forschung- und Behandlungszentrums für Sepsis und Sepsisfolgen CSCC am Universitätsklinikum Jena.

Das CSCC hat zu diesem neuen Wissen zur Sepsis beigetragen. Michael Bauer und weitere Forscher des CSCC gehörten der Expertengruppe an, die von internationalen Fachgesellschaften mit der Neufassung der Sepsis-Definition beauftragt worden waren; diese liegt jetzt vor.

Sepsis: lebensbedrohliche Organdysfunktion nach fehlregulierter Reaktion auf eine Infektion
  • Sie empfiehlt, Sepsis als lebensbedrohliche Organdysfunktion zu definieren, die als Folge einer fehlregulierten Antwort des Körpers auf eine Infektion auftritt. 
  • Von einem septischen Schock soll künftig die Rede sein, wenn besonders schwere Störungen der Zirkulation und des Stoffwechsels die Sterblichkeit deutlich erhöhen. 
Auf die Verwendung von Begriffen wie Sepsis-Syndrom oder Septikämie soll verzichtet werden. Michael Bauer: „Unklare Begrifflichkeiten führten bislang zu erheblichen Diskrepanzen in der Erfassung von Häufigkeit und Sterblichkeit und erschwerten so die Forschung.

Klare klinische Definitionen erleichtern Ärzten und Pflegekräften die Arbeit und wirken sich somit direkt auf den Patienten aus.“

Schnelle Klarheit ist auch das Anliegen einer weiteren Arbeit, die eng mit der Neudefinition zusammenhängt. Darin haben die Autoren, darunter mit Prof. Frank Brunkhorst und Prof. André Scherag auch Wissenschaftler des CSCC, klinische Kriterien zur Einschätzung des Zustandes eines Patienten unter die Lupe genommen. Sie testeten die Aussagekraft und Treffsicherheit standardisierter Bewertungsskalen in Bezug auf Sepsis.

Schnelle Atmung + niedriger Blutdruck + veränderter Bewusstseinszustand = Sepsisverdacht

Dafür durchforsteten sie 1,3 Millionen elektronischer Patientenakten aus amerikanischen Krankenhäusern nach Infektionsfällen, bewerteten diese nach gängigen und neuen klinischen Kriterien und verglichen mit dem tatsächlichen Krankheitsverlauf. Zur Bestätigung wurden weitere 700.000 Fälle aus weltweit 165 Krankenhäusern ausgewertet, u. a. aus der CSCC-Studie ALERTS.

Dabei zeigte sich, dass schon ein minimales Bewertungsschema zur Erkennung ausreicht: 

Zeigt ein Infektionspatient beschleunigte Atmung, niedrigen Blutdruck und veränderten Bewusstseinszustand, so liegt der Verdacht einer Sepsis nahe. 

Dieses Schema kann einfach und ohne Ressourceneinsatz angewendet werden – also auch, wenn Labordaten und Geräte nicht schnell zur Verfügung stehen.

„Die Anpassung der Sepsis-Definition ist ein kontinuierlicher Prozess, der angesichts neuer Erkenntnisse in der Zukunft natürlich fortgeführt werden muss“, betont Michael Bauer. „Wichtig ist jedoch, dass eine standardisierte Definition und klinische Kriterien eine klare Kommunikation und damit die fundierte Abschätzung des Krankheitsausmaßes ermöglichen.“

Originalliteratur:
Seymour CW, Liu VX, Iwashyna TJ, et al. (2016) Assessment of clinical criteria for sepsis: For the third international consensus definitions for sepsis and septic shock (sepsis-3). JAMA 315: 762-774 http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=2492875
Singer M, Deutschman CS, Seymour C, et al. (2016) The third international consensus definitions for sepsis and septic shock (sepsis-3). JAMA 315: 801-810 http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=2492881

Weitere Informationen:
Das Zentrum für Sepsis und Sepsisfolgen CSCC am Universitätsklinikum Jena ist eines von acht integrierten Forschungs- und Behandlungszentren, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Das CSCC widmet sich der Erforschung der Sepsis und deren Folgeerkrankungen. Hierbei betrachten Forscherinnen und Forscher alle Aspekte der Erkrankung, von der Risikobewertung und Prävention über die Akutbehandlung bis hin zur Nachsorge. Daneben sieht das Programm den Ausbau der Forschungsinfrastruktur und die Fortführung der Karriereentwicklungsmaßnahmen für klinische Forscher vor.

Zentrum für Sepsis und Sepsisfolgen CSCC: http://www.cscc.uniklinikum-jena.de


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Prof. Dr. Michael Bauer
Zentrum für Sepsis und Sepsisfolgen, Universitätsklinikum Jena,
E-Mail: Michael.Bauer[at]med.uni-jena.de
Tel. 03641/ 9323110
Dr. Uta von der Gönna Universitätsklinikum Jena

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Arbeitsinstrument Stimme: Stimmerkrankungen bei Lehrern, liebe Rommy in Hannover, und Tino in Potsam, und Kerstin in Berlin

Medizin am Abend Berlin Fazit:   ..... können durch bessere Ausbildung verhindert werden

14. Leipziger Symposium zur Kinder- und Jugendstimme widmet sich der Stimme im pädagogischen Alltag 
 
Das pädagogische Arbeitsmittel Stimme und vor allem deren Gesunderhaltung sind Thema des 14. Leipziger Symposiums zur Kinder- und Jugendstimme. Vom 26. bis 28. Februar treffen sich dazu mehr als 500 Mediziner, Logopäden, Pädagogen sowie Stimm- und Musiktherapeuten aus dem deutschsprachigen Raum in der Messestadt. 

Besonderes im Fokus steht dabei in diesem Jahr die Qualität der Stimmausbildung von Lehrern in Deutschland.

„Ein Lehrer muss 40 Jahre lang mit dem Arbeitsinstrument Stimme arbeiten, und das oft unter schwierigen Bedingungen wie Lärm und das Sprechen zu großen Gruppen“, erläutert Prof. Michael Fuchs, Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie am Universitätsklinikum Leipzig und Leiter des Symposiums.

„Ob die Stimme dieser Belastung auf Dauer gewachsen ist und damit Erkrankungen oder Berufsunfähigkeiten verhindert werden können, hängt ab von der Qualität der Stimmausbildung während des Studiums“, so Fuchs.

Das belegt eine große multizentrische Studie, deren Ergebnisse die Leipziger Phoniater auf dem diesjährigen Symposium vorstellen werden. Dabei wurden an drei Kliniken 202 Lehrer untersucht, die alle schon seit mindestens 5 Jahren an einer Grundschule, Mittel-/ Oberschule oder am Gymnasium unterrichten.

31 Prozent hatten eine Stimmerkrankung, 69 Prozent waren beschwerdefrei. Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang – je besser die Stimmausbildung während des Studiums, umso gesünder die Stimme. 

  •  „Fehlt eine Stimmausbildung während des Studiums, steigt das Risiko einer Stimmerkrankung um das 1,6-fache“, so Fuchs. Besonders gefährdet sind daher Quereinsteiger, die beispielweise als Naturwissenschaftler in den Lehrerberuf wechseln. In der Studie zeigte sich aber auch, dass besonders Grundschullehrer gefährdet sind, im Laufe ihrer Schullaufbahn eine Stimmerkrankung zu bekommen.
  • Insgesamt ist deutschlandweit der Umgang mit dem Thema Lehrerstimme sehr unterschiedlich geregelt, oftmals erfolgt die Studienzulassung ohne vorherige Tauglichkeitsprüfung. Fehlt dann eine Stimm- und Sprechausbildung im Studium, werden auch stimmlich ungeeignete Kandidaten Lehrer. 
„Nach fünf bis zehn Jahren beginnen dann die Stimmprobleme, die letztlich zu einer Berufsuntauglichkeit führen können“, beschreibt Prof. Fuchs die Folgen.

Auf erste funktionelle Stimmstörungen wie Heiserkeit oder ein Missempfinden können auch Stimmbandknötchen folgen, die wiederum die Funktion der Stimme weiter mindern.

  • Ein Teufelskreislauf, der nur mit einer Behandlung verbunden mit Berufspause durchbrochen werden kann. „Stimmübungsbehandlungen und Stimmheilkuren können hier in allen Stadien helfen“, so der Stimmexperte Fuchs. Als letzte Option bleibt immer auch eine Operation.

Die Folgen einer Stimmschädigung können weitreichend sein: 

Etwa 20 Prozent der neu pensionierten Lehrer wurden aufgrund einer Dienstunfähigkeit in den vorgezogenen Ruhestand versetzt. Hauptursachen sind dabei stimmliche und psychische Beschwerden. 

Viele dieser Ausfälle wären mit einer besseren Stimmausbildung und einem geschulten Stimmeinsatz vermeidbar, ist Prof. Michael Fuchs überzeugt. 

Anregungen dafür liefert die Leipziger Tagung auch in ganz praktischer Weise:

In vier Workshops können die Teilnehmer den Umgang mit der Stimme üben, ob bei Vokal-Improvisationen, im Fall von Konfliktsituationen oder unter Einsatz von komplementären Verfahren wie Qigong.

Das Vortragsprogramm beleuchtet das zentrale Thema aus unterschiedlichen Perspektiven, u.a. mit Blick auf die Auswirkungen der Pädagogen-Stimme auf die Leistungsfähigkeit von Kindern oder Untersuchungen zur Lärmauswirkung auf Stimme und Hören von Erzieherinnen in Kindertagestätten. 

Eingerahmt wird das dreitägige Programm wie jedes Jahr von musikalischen Highlights - zur Eröffnung begrüßen erstmals die Thomaner die Teilnehmer des bereits ausgebuchten Symposiums, den Abschluss bildet ein Auftritt des Leipziger Lehrerchors.


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Madeleine Sorg,
Sektion Phoniatrie und Audiologie, Universitätsklinikum Leipzig, Tel. 0341- 97 21811,
während des Symposiums: Tel. 0341-2144 55
E-Mail: madeleine.sorg@uniklinik-leipzig.de
Helena Reinhardt Universitätsklinikum Leipzig AöR