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Wie beeinflussen Werte die Lebenszufriedenheit?

Medizin am Abend Fazit:
Auf dem Weg zu Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit und Glück

Freundlich und hilfsbereit oder durchsetzungsstark und zielstrebig. Oder
beides? Wie persönliches Wohlempfinden und Lebenszufriedenheit zu
erreichen sind und welche Rolle Werte spielen, haben FAU-Wissenschaftler
unter der Leitung von Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm vom Lehrstuhl
Sozialpsychologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
(FAU) untersucht.*

Sie gelten als die „Big Two“ der sozialen Interaktion, als zentrale
Begriffe, die die Dualität der menschlichen Existenz umschreiben: Agency
und Communion. Agentische Eigenschaften umfassen dabei zum Beispiel
Zielstrebigkeit, Kompetenz und Durchsetzungsvermögen, um ein Ziel zu
erreichen und stehen damit für die persönliche Selbstbehauptung und
Selbstentfaltung. Es gibt aber auch agentische Werte: Diese beziehen sich
darauf, wie wichtig einem Menschen Bereiche wie zum Beispiel Einfluss,
Wohlstand, Leistung oder Anerkennung sind. Kurz: Agency spiegelt das
Streben nach Kontrolle und Einfluss sowie die Wichtigkeit dieser Bereiche
wieder.

Demgegenüber bezeichnet Communion das Streben des Menschen nach
Gemeinschaft und sozialen Beziehungen. Kommunale Eigenschaften sind etwa
Vertrauenswürdigkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft oder Empathie.

Kommunale Werte beziehen sich darauf, wie wichtig einem Individuum
Vertrauen, Mitgefühl, Harmonie oder Anstand sind.

In einer Studie, die erstmals diese Big Two in das Forschungsfeld
Lebenszufriedenheit integriert haben und die in Deutschland und Russland
durchgeführt wurde, untersucht Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm vom FAU-
Lehrstuhl Sozialpsychologie das Verhältnis zwischen den agentischen und
kommunalen Eigenschaften einer Person, ihren agentischen und kommunalen
Werten und der Lebenszufriedenheit.

Entscheidend sind die zwischenmenschlichen Werte

Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm geht dabei von der Hypothese aus, dass
agentische Eigenschaften zusammen mit hohen kommunalen Wertvorstellungen
die Lebenszufriedenheit positiv beeinflussen. Die Ergebnisse der Studie
bestätigen diese Annahme. „Menschen, die Selbstvertrauen haben und sich in
der Lage fühlen, ihre Ziele zu erreichen (= agentische Eigenschaften) und
die gleichzeitig zwischenmenschliche Werte (= kommunale Werte) besonders
hoch halten, sind mit ihrem Leben besonders zufrieden“, fasst Abele-Brehm
ihre Ergebnisse zusammen.

Zu ihren Wertvorstellungen, Persönlichkeitseigenschaften und ihrer
Lebenszufriedenheit wurden in der Studie insgesamt 201 deutsche und 328
russische Teilnehmer befragt. „Russland und Deutschland unterscheiden sich
in vielerlei Hinsicht, zum Beispiel hinsichtlich kultureller Traditionen
und hinsichtlich ihrer ökonomischen Situation“, sagt Abele-Brehm. Auch
seien die Russen insgesamt mit ihrem Leben weniger zufrieden als die
Deutschen. Trotzdem sind die in der Studie untersuchten Zusammenhänge in
beiden Ländern gleich. „Es sind nicht die agentischen Werte, die zufrieden
machen, sondern vielmehr die kommunalen Werte. Allerdings entfalten die
kommunalen Werte nur dann ihren positiven Einfluss, wenn sie mit Tatkraft
verknüpft sind.“

*doi:10.3389/fpsyg.2014.01320
Abele AE (2014), Pursuit of communal values in an agentic manner: A way to
happiness?. Front. Psychol. 5:1320.

Medizin am Abend DirektKontakt 

Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm
Tel: 09131/85-22307
andrea.abele-brehm@fau.de

80 Arzneimittel

Die Entscheidung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), 80 Arzneimittel faktisch vom Markt zu nehmen, könnte Folgen für Millionen Versicherte haben.

Link für Sie: Medizin am Abend Info
TOP aktuell: Mittwoch, 10.12.2014 um 19.45 Uhr

Nach einem Bericht des Branchendienstes APOTHEKE ADHOC sind auch Rabattarzneimittel großer deutscher Krankenkassen betroffen.

So darf beispielsweise der Blutdrucksenker Irbesartan des Herstellers Heumann in den Apotheken nicht mehr abgegeben werden - damit können die Rabattverträge von AOK, Barmer GEK, DAK Gesundheit, hkk, IKK Classic und Vereinigter IKK nicht mehr erfüllt werden.

Ebenfalls betroffen ist das Antidepressivum Venlafaxin - dafür haben Barmer GEK, DAK und zahlreiche Betriebs- und Innungskrankenkassen Rabattverträge mit Heumann abgeschlossen.

Der Hersteller Hormosan ist mit dem Antibiotikum Cefpodoxim Rabattpartner der AOK Bayern und mit dem Antiepileptikum Levetiracetam bei der AOK Bayern und der KKH Allianz vertreten.

In der Apotheke lässt sich nach der kurzfristigen Entscheidung des BfArM laut Recherchen von APOTHEKE ADHOC bislang kaum nachvollziehen, was an Patienten abgegeben werden kann und was nicht.

Denn viele Pharmaunternehmen haben für ihre Produkte in der Regel gleich mehrere Zulassungen in der Tasche, und die wurden von unterschiedlichen Dienstleistern gekauft.

So sind von der BfArM-Entscheidung zwar bestimmte Zulassungen betroffen, deren Dubletten aber weiterhin verkehrsfähig.

Die Krankenkassen haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Rabattverträge für Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen mit Herstellern abgeschlossen, um Arzneimittelkosten zu senken.

  • APOTHEKE ADHOC ist der unabhängige Nachrichtendienst für den Apotheken- und Pharmamarkt. 

Medizin am Abend DirektKontakt 

APOTHEKE ADHOC Skalitzer Straße 68 10997 Berlin 
Telefon: +49 - 30 - 80 20 80 560 Fax: +49 - 30 - 80 20 80 569 

Hausärzte

Medizin am Abend Fazit:

Trotz aller Kritik an den Ärzten halten die Deutschen ihren Medizinern die Treue. 

88 Prozent der Bundesbürger vertrauen ihrem Hausarzt. 89 Prozent finden ihren Arzt kompetent. Wer trotzdem einen neuen Mediziner sucht, der hat triftige Gründe.

77 Prozent würden ihren Arzt wechseln, wenn es zu Falschbehandlungen oder Fehldiagnosen kommt. 

Das zeigt die Umfrage "Arzt-Patienten-Beziehung 2014" von PENTAX Medical, für die 1.000 Bundesbürger online befragt wurden.

Für 66 Prozent der Befragten reicht die mangelnde Freundlichkeit des Personals als Anlass aus, um ihren Arzt zu wechseln.

58 Prozent ärgern sich, wenn sich der Mediziner zu wenig Zeit für sie nimmt.

Weniger wichtig ist den Befragten, wenn sie zu wenig Erklärungen und Informationen erhalten (45 Prozent).

Weitere Gründe für einen Arztwechsel sind die zu lange Wartezeit auf einen Termin und hohe Kosten für zusätzlich empfohlene Untersuchungen (jeweils 43 Prozent).

Dahinter folgen lange Wartezeit vor Ort (42 Prozent) und veraltete medizinische Geräte (42 Prozent).

Nur eine geringe Rolle spielen nicht ansprechend gestaltete Räumlichkeiten, die immerhin noch 13 Prozent der Deutschen zu einem Arztwechsel veranlassen würden.

Vom persönlichen Arzt ihres Vertrauens hat die überwältigende Mehrheit der Bundesbürger eine gute Meinung. Sie verlassen sich nicht nur auf ihn und finden ihn fachlich kompetent, 85 Prozent fühlen sich als Patient auch ernst genommen.

  • Fast genauso viele (84 Prozent) loben, dass ihr Arzt gut per Telefon zu erreichen ist. 
 83 Prozent freuen sich darüber, dass die Praxis zentral gelegen ist. Die gleiche Anzahl bescheinigt ihrem Arzt Einfühlungsvermögen.

75 Prozent finden, dass die Praxis ihres Arztes ansprechend und modern ist.

Nur 68 Prozent sind allerdings der Ansicht, dass die Technik in der Praxis auf dem neuesten Stand ist. "Wenn die technische Ausstattung nicht dem Stand der Forschung entspricht, kann auch nicht die beste Therapie garantiert werden", sagt Johannes Stäbler, Marketing Manager von PENTAX Medical.

"Leider ist es so, dass viele niedergelassene Fachärzte sich aktuelle Medizintechnik nicht leisten können, da diese Ausstattung in den knappen Honoraren nicht vorgesehen ist.

Dies sollten Gesundheitspolitiker und Krankenkassen im Sinne einer bestmöglichen Patientenversorgung dringend ändern", sagt Stäbler.

Medizin am Abend und die Umfrage

Für die Studie "Arzt-Patienten-Beziehung 2014" wurden vom Marktforschungsunternehmen Toluna im Auftrag von PENTAX Medical 1.000 Erwachsene ab 18 Jahren online befragt. 


  • Über PENTAX Medical 
  • PENTAX Medical setzt seit über 30 Jahren immer wieder neue Maßstäbe in der endoskopischen Diagnose und Therapie. Mit innovativen Produkten, leistungsstarkem Service, maßgeschneiderten Trainings sowie individuellen Finanzierungs- und Instandhaltungskonzepten bietet PENTAX Medical Endoskopikern, medizinischem Personal und Krankenhäusern wertvolle Unterstützung in der Arbeit und größtmögliche Investitionssicherheit. Ziel des Unternehmens ist es, durch sinnvolle Innovation auf höchstem Niveau die Qualität der Patientenversorgung kontinuierlich zu verbessern.
 Medizin am Abend DirektKontakt 

Johannes Stäbler Marketing Manager Business Unit Germany PENTAX Europe GmbH Julius-Vosseler-Straße 104 22527 Hamburg 

T: +49 (0)40 56192-261 M: +49 (0)174 9097452 F: +49 (0)40 56192-234 johannes.staebler@pentaxmedical.com www.pentaxmedical.de

360° TOP-Thema: Valvuloplastie / Krampfadern

Medizin am Abend Fazit:

Venenklappen reparieren – Gefäße retten

Langzeitauswertung zeigt: Neues Verfahren funktioniert
Bei Krampfadern nicht sofort strippen oder zerstören

Die Standardtherapien bei Krampfadern sind die operative Entfernung oder
die Verödung der Stammvene mittels Laser oder Radiowellen.

Zwar ist die Krampfader damit beseitigt, aber damit verliert der Patient auch
wertvolles Material, das mitunter für Bypassoperationen am Herzen oder an
den Beinarterien dringend benötigt wird.

Seit einigen Jahren gibt es als Alternative zur Entfernung oder Zerstörung der Krampfadern die Möglichkeit, die Venenklappen zu reparieren.

In einer Auswertung von Langzeitdaten konnten RUB-Forscher um Prof. Dr.
Achim Mumme nun zeigen, dass diese Therapie tatsächlich langfristig
wirksam ist. Die Mediziner raten dazu, die verschiedenen Therapieoptionen
zunächst gründlich zu prüfen, bevor wertvolle Venen zerstört oder entfernt
werden. Sie berichten in der Zeitschrift „Gefäßchirurgie“.

Ausgeleierte Venen, schlecht schließende Venenklappen

Bei Krampfadern leiern die großen Gefäße in den Beinen aus. Durch die
Erweiterung der Adern können die Venenklappen, die normalerweise den
Blutfluss nur in Richtung Herz ermöglichen, nicht mehr richtig schließen.

Das Blut „versackt“ in denen Beinen. Nicht nur dicke, schwere Beine sind
die Folge, sondern auch ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel, die
mitunter lebensgefährlich sein können.

„Innerer Stützstrumpf“ lässt Klappen wieder schließen

Als Alternative zu Entfernung oder Zerstörung der großen Stammvene wurde
eine venenerhaltende Therapie entwickelt, die seit einigen Jahren auch im
deutschsprachigen Raum zunehmend Anwendung findet. Dabei legen
Gefäßchirurgen eine enge Kunststoffhaut an kritischen Stellen um die Vene
und verengen sie so wieder. Dadurch können die Venenklappen wieder
schließen, das Blut nicht mehr nach unten fließen. Die Vene kann sich
erholen.  

Die langfristige Wirksamkeit der sogenannten extraluminalen
Valvuloplastie war allerdings bisher ungeklärt.

Ärzte raten: Therapieoptionen genau abwägen

Gefäßmediziner der Ruhr Universität Bochum haben nun die vorhandene
Literatur ausgewertet und konnten zeigen, dass in
Nachuntersuchungszeiträumen von bis zu zehn Jahren das Ziel der
Venenerhaltung überwiegend erreicht wird.

„Damit ist die extraluminale Valvuloplastie eine echte Alternative zur sonst üblichen Therapie, welche die Venen zerstört“, sagt Prof. Mumme. Er plädiert dafür, insbesondere bei Patienten mit Risikofaktoren für die Entwicklung arteriosklerotischer Erkrankungen wie Rauchern, Diabetikern und Bluthochdruckpatienten kritisch zu prüfen, ob Krampfadern wirklich operativ entfernt oder per Laser, Radiowellen oder Schaum verödet werden müssen.

„Die extraluminale Valvuloplastie ermöglicht es, das Organ Vene langfristig zu erhalten und sorgt dafür, dass im Bedarfsfall Material für einen Bypass zur Verfügung  steht.“

Titelaufnahme

Mumme, A., Stücker, M., Hummel, T.: Die extraluminale Valvuloplastie der
Vena saphena magna. In: Gefässchirurgie November 2014, Volume 19, Issue 7,
pp 637-642

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Achim Mumme, Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie
Leitender Arzt am Venenzentrum, Katholisches Klinikum Bochum, Gudrunstr. 56, 44791 Bochum 
Tel: 0234-509-2270, Fax: 0234/509-2272,
E-Mail: achim.mumme@ruhr-uni-bochum.de

Ernährung und Alterungsprozesse

Heute, am 10. Dezember 2014, stand die Antrittsvorlesung von Prof. Dr.
Tilman Grune auf dem Programm der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen
Fakultät der Universität Potsdam. Er sprach über das Thema „Vom Altern -
was Menschen und Proteine gemeinsam haben und wie man durch Ernährung
Einfluss nehmen kann“. Grune ist Professor für Molekulare Toxikologie und
wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Instituts für
Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE).

Der gebürtige Brandenburger erforscht die Zusammenhänge zwischen Ernährung
und Alterungsprozessen. Insbesondere interessieren ihn die zellulären
Schutzmechanismen, die beschädigte Proteine erkennen, gezielt abbauen und
so dazu beitragen, den Körper gesund zu erhalten.

Proteinschäden entstehen durch den Angriff freier Radikale, die ein
Nebenprodukt des Zellstoffwechsels sind, aber auch durch pathologische
Veränderungen, die „oxidativen Stress" auslösen. Hierzu zählt zum Beispiel
auch ein krankhaft erhöhter Blutzucker, wie er bei einer Insulinresistenz
oder Diabetes auftritt. In einer normal funktionierenden Zelle werden
oxidativ veränderte oder geschädigte Proteine abgebaut und somit
entgiftet. Bei verschiedenen Stoffwechselsituationen, bei Erkrankungen
oder auch im Alter kann diese Schutzfunktion jedoch unzureichend sein und
modifizierte Proteine sammeln sich an. Dies kann die Funktion der Zelle
beeinträchtigen. Ein Ziel Grunes ist es herauszufinden, welche Ernährung
die an der Reparatur und Entgiftung beteiligten Systeme günstig
beeinflussen kann, um Alterungsprozessen und damit verbundenen
Erkrankungen entgegenzuwirken.

Tilman Grune studierte Medizinische Biochemie in Moskau, erhielt die
Approbation und den Facharzt für Biochemie in Berlin. Er promovierte 1992
und habilitierte sich 1998 an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Der
Wissenschaftler ging 2003 an das Institut für Umweltmedizinische Forschung
in Düsseldorf. Drei Jahre später erhielt er einen Ruf an die Universität
Hohenheim, wo er den Lehrstuhl für Biofunktionalität und Sicherheit der
Lebensmittel innehatte. 2010 folgte ein Ruf der Friedrich-Schiller-
Universität Jena an das Institut für Ernährungswissenschaften, das er bis
Mai 2014 leitete. Im Frühjahr 2014 wurde er gemeinsam vom DIfE und der
Universität Potsdam auf die Position des wissenschaftlichen Vorstands des
DIfE berufen, die mit einer W3-Professur an der Mathematisch-
Naturwissenschaftlichen Fakultät verbunden ist.



Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Tilman Grune, Tel.: +49 33200 88 2416, E-Mail:
scientific.director@dife.de

Vorsorgetermine für Kinder

Wer kleine Kinder hat, hat auch das gelbe Heft. Es hilft jungen Eltern einen klaren Kopf zu behalten bei den vielen Vorsorgeterminen zwischen Geburt und Einschulung. Doch das berühmte Vorsorgeheft endet genau in dem Moment, wo es richtig schwierig werden kann: Wenn aus einem Kindergartenkind ein Schulkind wird, wenn Entwicklungsstörungen, Essprobleme oder Ängste auftauchen. Die Kinderärzte bieten deswegen seit einiger Zeit auch Vorsorgetermine für Grundschüler an - doch nicht alle Kassen ziehen mit.

Es wird daher höchste Zeit, die Vorsorge für ältere Kinder zur gesetzlichen Regelleistung zu machen. Es darf nicht sein, dass Kinder nur deshalb nicht zur Vorsorge kommen, weil die Eltern bei der falschen Kasse versichert sind. Doch es geht nicht nur ums Geld. In NRW gibt es ein Erinnerungssystem für die Vorsorge im Vorschulalter. Das Gleiche sollte es auch für ältere Kinder geben: Eltern von Schulkindern müssen an tausend Dinge denken - ein Einladesystem würde den Familien helfen. Und: Es würde das schützende Netz, das Kinderärzte ihren jungen Patienten aufhalten können, engmaschiger machen.

Der Bratwurst-Streit und www.so-geht-sächsisch.de

Versöhnliches Ende im "Bratwurst-Streit" // Sachsen im niederbayerischen Nürnberg herzlich begrüßt // Bayerisch-Sächsisches Treffen auf dem Weihnachtsmarkt mit Grillwürsten, sächsischem Senf und Stollen
Seit einigen Wochen scheint ein "Bratwurststreit" zwischen Sachsen und Franken zu toben. Auslöser war eine Idee, die eigentlich als kleine, sympathische, vorweihnachtliche Werbeaktion für Sachsen konzipiert war. "So geht sächsisch." - die Standortkampagne des Freistaats - wollte Nürnberg besuchen und hier Bautz'ner Senf und gegrillte Nürnberger Würstchen verkosten.

Doch was dann passierte, überraschte alle. Ein Sturm der Entrüstung zog von Bayern in Richtung Sachsen. Würste verschenken in der Vorweihnachtszeit - diese Idee kam gar nicht gut an.

Doch die Sachsen ließen sich nicht verschrecken und stellten fest: Nürnberg ist nicht gleich Nürnberg. Denn während sich in Franken die Wogen nur langsam wieder glätteten, hatte das kleine Nürnberg in Niederbayern längst seine Arme ausgebreitet. Und so begrüßte die gerade mal 36 Einwohner zählende Ortschaft am Wochenende die sächsischen Gäste. Schon am Ortsschild wurden die mit selbst gebackenen Spezialitäten erwartet. Auf dem Weihnachtsmarkt revanchierten sich die sächsischen Engel, die als Botschafter für den Freistaat angereist waren, dann mit gegrillten Würstchen - natürlich von den örtlichen Metzgern - Bautz'ner Senf und Kostproben vom sächsischen Stollen. Adi Fürstberger, Erster Bürgermeister der Gemeinde Markt Tann, zu der die Ortschaft Nürnberg gehört, war von Anfang an begeistert, als er von dem Vorhaben hörte und freut sich über den witzigen Werbecoup: "Mit solchen Aktionen werden Bayern und Sachsen noch mehr zusammenwachsen."
Die Sachsen zeigten sich überwältigt: "Mit so einem Empfang hätten wir nie gerechnet. Wir kommen gern wieder und hoffen natürlich, dass jetzt auch viele Bayern uns einmal besuchen", resümiert Frank Wend von der Sächsischen Staatskanzlei.

Übrigens: Auch im Fränkischen Nürnberg waren die Sachsen zu Gast. Hier konnte man ebenfalls echten Bautz'ner Senf probieren und lernen, warum Sachsen "mehr Würze ins Leben bringt." Würste gab es hier allerdings nicht.
Hintergrundinformationen "So geht sächsisch."

Unter dem Motto "Engel auf Reisen verschenken besondere sächsische Momente" gibt es in der Adventszeit verschiedene Aktionen in Großstädten in und außerhalb Sachsens, darunter Dresden, Leipzig, Chemnitz, Bautzen, Görlitz, Nürnberg, Hamburg und Paris. In kleinen sympathischen Promotions-Aktionen wird dabei auf vielfältige Weise die die Vorzüge des Freistaates geworben. Seit Herbst 2014 wirbt Sachsen unter dem Slogan "So geht sächsisch." (engl.: "Simply Saxony."). Im Mittelpunkt der Standortkampagne stehen die Stärken des Freistaates: atemberaubende Landschaften, weltberühmte Sehenswürdigkeiten, eine große kulturelle Vielfalt. "So geht sächsisch." stellt auch den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Sachsen in den Mittelpunkt sowie die sächsischen Stärken in Sachen Innovations- und Investitionsfreude, Kreativität, Erfindergeist, Bodenständigkeit und Familienfreundlichkeit heraus.

Medizin am Abend Tipp: Geschichten über sächsische Macher finden sich unter www.so-geht-sächsisch.de.

Medizin am Abend DirektKontakt

Kerstin Steglich Mobil: +49 172 2901625

Fettleber, Fettsäuren und Fetuin-A

Medizin am Abend Fazit:

Fettleber, Fettsäuren und Fetuin-A: 3 Parameter für die bessere
Identifizierung von Risikopatienten

Wissenschaftler am Universitätsklinikum Tübingen konnten im vergangenen
Jahr zeigen, dass bei gleichzeitigem Vorliegen von erhöhten Fetuin-A- und
Fettsäurewerten das Risiko für die Entstehung einer Insulinresistenz
erhöht ist. Die verminderte Insulinwirkung im Körper wird als eine sehr
wichtige gemeinsame Ursache für Volkskrankheiten wie Typ 2 Diabetes und
kardiovaskuläre Erkrankungen oder von bestimmten Krebserkrankungen
angesehen. Aktuelle Untersuchungen haben jetzt ergeben, dass bei
gleichzeitigem Auftreten einer deutlichen Fettleber das Risiko für eine
Insulinresistenz sich weiter erhöht.

Patienten, die alle drei Risikofaktoren (Fettleber, erhöhtes Fetuin-A,
hohe Fettsäurewerte) aufweisen, könnten daher von einer medikamentösen
Reduktion des Fetuin-A profitieren. Die Tübinger Ergebnisse sind wichtige
Hinweise darauf, dass man vor einer Lebensstilintervention die Teilnehmer
hinsichtlich der Körperfettverteilung und ihrem Stoffwechsel genau
charakterisieren sollte, um Patienten mit hohem Risiko für eine
Stoffwechselerkrankung gezielt betreuen zu können und ihnen gegebenenfalls
eine medikamentöse Unterstützung anzubieten.

Im New England Journal of Medicine ** stellen Universitätsprofessor Dr.
med. Norbert Stefan und sein Forscherteam die neuen Erkenntnisse vor: Die
Daten von 280 untersuchten Personen mit einem Risiko für Typ 2 Diabetes
zeigen, dass die Konzentration des Fettleberhormons Fetuin-A im Blut die
Insulinresistenz bei Menschen mit einer Fettlebererkrankung viel stärker
bestimmt als dies bei Menschen ohne eine Fettlebererkrankung der Fall ist.
„Damit haben wir sowohl einen Marker als auch einen Mechanismus der
Insulinresistenz gefunden, der es uns erlaubt, die Patienten zu
identifizieren, die eine auf sie zugeschnittene Prävention und Therapie
benötigen, um sich mit ihrem erhöhten Risiko vor Typ 2 Diabetes und
kardiovaskulären Erkrankungen zu schützen,“ betont Stefan. Der Experte ist
Inhaber der Heisenberg-Professur für klinisch-experimentelle Diabetologie
am Universitätsklinikum Tübingen und Leiter der Abteilung Pathophysiologie
des Prädiabetes des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische
Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München, ein Partner des
Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD).

„Wer übergewichtig ist, muss nicht unbedingt ein Risikopatient sein, wer
normalgewichtig ist, ist nicht per se gefeit vor Insulinresistenz und
deren Folgeerkrankungen. Erst die genaue Diagnose zu Fettsäurewerten,
Fetuin-A-Spiegel und Fettstatus der Leber erlauben eine genauere
Einschätzung des Erkrankungsrisikos. Dann kann eine Lebensstiländerung
oder eine medikamentöse Therapie gezielt eingesetzt werden“,
schlussfolgert Stefan.

Hintergrund

Rolle der Fettleber bei der Entstehung von Typ 2 Diabetes und Herz-
Kreislauferkrankungen

Früher vermutete man im zunehmenden Übergewicht der Bevölkerung den
Hauptgrund für immer mehr Fälle von Typ 2 Diabetes und Herz-
Kreislauferkrankungen. In den vergangenen Jahren entdeckten Tübinger
Wissenschaftler, dass die Fettleber ebenfalls einen wichtigen Anteil an
der Entstehung dieser Erkrankungen hat. Professor Stefan und sein
Forscherteam haben in langjähriger Arbeit Hormone untersucht, die je
nachdem, ob der Proband an einer Fettleber leidet oder gesund ist,
unterschiedlich stark von der Leber in das Blut ausgeschüttet werden.
Dabei konnten sie zeigen, wie eine verfettete Leber ihr
Sekretionsverhalten ändert und Eiweiße in unterschiedlichem Maße in den
Blutkreislauf abgibt. Diese Eiweiße erreichen andere Organe und üben dort
ihre Wirkung aus. Eines der wichtigsten Vertreter ist das Eiweiß Fetuin-A.
Seine Bestimmung im Blut dient nicht nur dazu, eine Fettleber früher zu
diagnostizieren, sondern vor allem das Risiko für Stoffwechselerkrankungen
(wie z.B. eine Insulinresistenz) vor allem bei normal- bis leicht
übergewichtigen Menschen besser vorherzusagen.

Zusammenspiel verschiedener Faktoren

Die Volkskrankheiten Typ 2 Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen und
bestimmte Krebserkrankungen treten gehäuft gemeinsam auf. Die verminderte
Insulinwirkung im Körper, die mit einer subklinischen Entzündungsreaktion
einhergeht, wird als eine sehr wichtige gemeinsame Ursache dafür
angesehen.

Vor allem die erhöhten Fettsäuren im Blut stehen seit vielen Jahren im
Verdacht, hauptsächlich dafür verantwortlich zu sein. Körperfettmasse und
Fettgewebs-Hormonkonzentration im Blut können jedoch nur bedingt das
Risiko für Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen vorhersagen. Die
Forschung der Tübinger Wissenschaftler hat ergeben, dass hohe
Fettsäurewerte im Blut beim Menschen eine Insulinresistenz nur dann
vorhersagen, wenn gleichzeitig im Blut hohe Werte des Fettleberhormons
Fetuin-A vorliegen, dass von einer Fettleber produziert wird. Damit
bestätigt sich, dass Fetuin-A die Fettsäuren für seine krankmachenden
Eigenschaften hinsichtlich der Stoffwechselerkrankungen braucht.

**Titel der Publikation
Stefan N, Schick F, Häring HU. Ectopic Fat in Insulin Resistance,
Dyslipidemia and Cardiomettabolic Disease. N Engl J Med. 2014 Dec
4;371(23):2236-2238.
doi: 10.1056/NEJMc1412427

Medizin am Abend DirektKontakt

Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik, Abteilung IV
Prof. Dr. med. Norbert Stefan
Otfried-Müller-Straße 10, 72076 Tübingen
Tel. 07071/29-8 03 90, Fax 0 70 71 / 29-59 74
norbert.stefan@med.uni-tuebingen.de

Krankenhauskeime

Medizin am Abend Fazit:

Schnelltest für Krankenhauskeime - Forscherteam der Hochschule Bremerhaven
entwickelt Verfahren

Sie sind winzig klein und wirken doch tödlich: Krankenhauskeime – auch
bekannt als Multiresistente Staphylococcus aureus (MRSA). In Deutschland
treten mehr als 60.000 Krankenhausinfektionen auf, von denen etwa 18 % auf
dieses Bakterium zurückzuführen sind. Jetzt hat das Forscherteam der
Hochschule Bremerhaven um Prof. Dr. Carsten Harms drei Methoden
entwickelt, um den Keim schnell und gezielt zu erkennen. Dazu verwenden
sie Screening-Verfahren, die eine aktive und gezielte Suche nach MRSA-
Trägern unabhängig von Symptomen und Risikofaktoren ermöglicht, d.h. alle
Patienten in Krankenhäusern werden routinemäßig auf MRSA getestet.

Die besondere Problematik liegt darin, dass gegen das Bakterium
Antibiotika unwirksam sind und eine Behandlung sehr schwierig ist. Mit den
drei Methoden hat das Team um Prof. Dr. Carsten Harms mit dem
Bremerhavener Institut für Biologische Informationssysteme (BIBIS/ttz)
eine Möglichkeit entwickelt, um Patienten in Krankenhäusern routinemäßig
auf MRSA testen zu können. Auf diese Weise kann das Bakterium schnell
erkannt und bekämpft werden.

Insgesamt verfolgen die Forscherinnen und Forscher verschiedene
Technologien. Dabei steht die Entwicklung einer vereinfachten
Laboranalytik im Fokus. „Wir haben ein schnelles, routinetaugliches
Testverfahren entwickelt, mit dem gleichzeitig MRSA-Stämme differenziert
nachgewiesen werden können“, so Prof. Dr. Carsten Harms. Hierzu sei ein
multiplexer PCR-Test entwickelt worden, der direkt vor Ort beispielsweise
in den Krankenhäusern durchgeführt werden könne. Konkret sieht das wie
folgt aus: einem Patienten wird von der Haut ein Abstrich genommen und
anschließend der potentielle Keim mit dem Genetischen Fingerabdruck in
weniger als 3 Stunden identifiziert. Wie bei der Polizei wird nach dem
MRSA-Keim gefahndet, in dem auf der Erbsubstanz nach Genen gesucht wird,
die nur beim resistenten Keim vorkommen. Dabei ist das Forscherteam in der
Lage, bis zu 5 verschiedene Subtypen gleichzeitig zu unterscheiden.

Ein zweites System, dass im Rahmen des vom Bundesministeriums für
Wirtschaft geförderten Forschungsprojekts entwickelt wurde, basiert auf
einem Lab-on-a-Chip System. Im Bremerhavener Institut für Biologische
Informationssysteme (BIBIS) wurde dieses Verfahren bereits vom
Forscherteam der Hochschule Bremerhaven erfolgreich getestet. Es
funktioniert wie folgt: ein Watteträger, der die vom Patienten kommenden
MRSA-Keime trägt, wird in einen neuartigen Chip platziert, auf dem
sämtliche Laborprozesse auf kleinstem Raum automatisch und autonom
ablaufen. Ein Analysegerät zeigt dann die Präsenz oder Absenz eines
Keimbefalles in ca. 30 Minuten an. Diese Methode eignet sich daher
hervorragend für den schnellen Einsatz bei Patienten, die beispielsweise
in der Unfallchirurgie zur Operation vorbereitet werden.

Doch damit nicht genug, die Nachweismethode soll noch weiter geführt
werden. In einem dritten Verfahren wollen die Forscherinnen und Forscher
ein Gesamtsystem erstellen, dass auf der Basis eines Teststreifens beruht,
wie er auch von den Schwangerschaftstests bekannt ist. Diese Methodik hat
den Vorteil, dass auch wenig geschultes Personal die Abstrichproben nehmen
können und innerhalb kürzester Zeit die Proben vor Ort analysiert werden
können, da kein hochqualifiziertes Laborpersonal und teure Geräte benötigt
werden.

Alle drei Verfahren unterscheiden sich durch ihre Genauigkeit und
Schnelligkeit. Wo eine genaue Charakterisierung benötigt wird, können auf
die Genetischen Fingerabdruck und Lab-on-a-Chip-Verfahren zurückgegriffen
werden und wo es auf Schnelligkeit ankommt, steht künftig das
Teststreifensystem zur Verfügung. Alle drei Systeme zeigen ihrerseits
Vorteile in der Schnelligkeit der Analyse.

„Wir freuen uns, dass wir zeitnah mit den Methoden einen Einsatztest in
Kooperation mit Krankenhäusern der Region durchführen können“, so Prof.
Dr. Carsten Harms. Dadurch könnten die im Labor entwickelten Testverfahren
im Livebetrieb getestet und optimiert werden und die Ergebnisse auch in
die Lehre im Bereich der Biotechnologie wiederum praxisnah einfließen.

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.hs-bremerhaven.de

360° MFA TOP - Thema: TAVI

Medizin am Abend Fazit:

TAVI: International konsentierte Empfehlungen sind zwingend einzuhalten

Stellungnahme der Fachgesellschaft der Herzchirurgen zu monodisziplinärem
Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie veröffentlicht

Anfang Oktober hatte die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ein
Positionspapier „Qualitätskriterien zur Durchführung der transvaskulären
Aortenklappenimplantation“ publiziert.* In dieser Publikation werden
explizit abweichende Standpunkte zu Studien und den diversen medizinischen
Leitlinien formuliert, die von kardiologischen und herzchirurgischen
Fachgesellschaften aus aller Welt konsentiert worden waren. Die Deutsche
Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) hat nun einen
differenzierten Kommentar zu diesem monodisziplinären Papier
veröffentlicht, in dem einige von den Kardiologen vorgeschlagene Aspekte
mit Blick auf die Patientensicherheit abgelehnt werden.**

Konkret gilt für die Herzchirurgen unverändert die höchstmögliche
Patientensicherheit auf der Basis verlässlicher Register- und
Studienergebnisse als Richtschnur für medizinische Entscheidungen. „Die
Leitlinien sind im Hinblick darauf nach wie vor aktuell. Wir können keinen
einzigen medizinischen Grund erkennen, warum in Deutschland bei der
Behandlung der Patienten von den weltweit geltenden Leitlinienvorgaben
abgerückt werden sollte“, begründet DGTHG-Präsident Professor Jochen
Cremer die Position der Herzchirurgen.

Ausweitung der TAVI-Eingriffe auf Patienten mit mittlerem OP-Risiko bedarf
weiterer Studien

Die vor kurzem publizierten 1-Jahres-Ergebnisse des weltweit größten
Registers zur Behandlung von erworbenen Aortenklappenerkrankungen, dem
Deutschen Aortenklappenregister www.aortenklappenregister.de, hatten auf
Basis von 13.680 Patienten ergeben, dass im Risiko-adjustierten Vergleich
die Sterblichkeit nach konventionellem Aortenklappenersatz gegenüber der
nach kathetergestützter Aortenklappenimplantation in fast allen
Risikogruppen geringer ist. Lediglich in der Patientengruppe mit den
höchsten Risikoprofilen (log. EuroSCORE >30, German AV-Score >10%) ist
eine Annäherung der Ergebnisse nach TAVI zu denen des konventionell
chirurgischen Aortenklappeneingriffs festzustellen. Valide längerfristige
Ergebnisse zu verschiedenen Aspekten und auch der Haltbarkeit der
verwendeten TAVI-Prothesen fehlen noch. „Vor diesem Hintergrund ist die in
dem DGK-Positionspapier angedachte Ausweitung dieser Behandlungsform auf
Patienten mit mittlerem Risiko medizinisch derzeit nicht begründbar. Hier
müssen weitere Studien und Registerergebnisse abgewartet werden, bevor wir
verantwortungsvoll darüber sprechen können, diese Behandlung auf weitere
Patienten auszuweiten“, fasst Cremer die Position der DGTHG zu dieser
Frage zusammen.


Medizin am Abend Fazit:

Fachabteilungen für Herzchirurgie und Kardiologie vor Ort sind für
Patientensicherheit unabdingbar

Auch sehen sämtliche interdisziplinären medizinischen Leitlinien und
Konsensus-Empfehlungen vor, dass TAVI-Eingriffe nur an Standorten
durchgeführt werden sollen, an denen sowohl eine entsprechend
ausgestattete Fachabteilung für Kardiologie als auch eine
vollausgestattete Fachabteilung für Herzchirurgie vorhanden ist. Eine
Vorgabe, die aus Sicht der DGTHG zwingend erforderlich ist. Denn bei
dieser Therapie kommt es in einzelnen Fällen zu schweren Komplikationen,
die einen Abbruch der kathetergestützten Aortenklappenimplantation und
einen sofortigen herzmedizinischen Notfalleingriff mit Öffnung des
Brustkorbs und Anschluss an eine Herz-Lungen-Maschine notwendig machen.

„Dass der Herzchirurg sein gesamtes Können zur Rettung des Patienten dann
wie von der DGK vorgeschlagen außerhalb eines vollausgestatteten
herzchirurgischen Operationssaals einbringen kann, ist weltfremd. Auch die
professionelle und kontinuierliche Nachbetreuung von diesen
herzchirurgisch und kardiologisch behandelten Patienten kann nur eine
Institution mit herzchirurgischen und kardiologisch Fachabteilungen
leisten“, meint Cremer.

Deshalb habe der DGTHG-Vorstand mit großer Sorge zur Kenntnis genommen,
dass im Gegensatz zu den in allen Leitlinien festgehaltenen Empfehlungen
in Deutschland im Jahr 2013 an 17 Kliniken TAVI-Prozeduren durchgeführt
wurden, ohne dass diese jeweils vor Ort über die beiden zwingend
notwendigen Fachabteilungen (Herzchirurgie & Kardiologie) verfügten.

Eine Praxis, welche die gesetzlichen Krankenkassen im zunehmenden Maße auch mit gerichtlicher Feststellung nicht finanzieren.***

Wiederaufnahme des gemeinsamen Vorgehens geboten

Die DGTHG strebt weiterhin ein abgestimmtes Vorgehen von beiden
herzmedizinischen Fachgesellschaften auf Basis des internationalen Konsens
an. „Wir sind mit der DGK gemeinsam Träger des Deutschen
Aortenklappenregisters und haben somit eine solide Datengrundlage, um die
Entwicklungen bei der kathetergestützten Aortenklappenimplantation
evidenzbasiert zu begleiten und wissenschaftlich bewerten zu können. Vor
diesem Hintergrund ist die DGTHG auch weiterhin für gemeinsame personen-
und institutionsbezogene Zertifizierungsverfahren offen, die ein
wesentlicher Faktor für den strukturierten Nachweis von Qualität und
Patientensicherheit sein könnten“, so Cremer.

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG)
vertritt als medizinische Fachgesellschaft die Interessen der über 1.000
in Deutschland tätigen Herz-, Thorax- und Kardiovaskularchirurgen im
Dialog mit Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit.


*** Urteil des Sozialgerichtes Duisburg zur Vergütung einer TAVI-
Behandlung ohne herzchirurgische Fachabteilung am Klinikstandort vom
4.12.2013