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Vorhofflimmern Herzrhythmusstörung

 

Defekter „Stoßdämpfer“ in Herzmuskelzellen trägt zur Entstehung von Vorhofflimmern bei

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In Herzmuskelzellen fördert eine gestörte Kalziumpufferung das Fortschreiten und die Verstetigung von Vorhofflimmern. Das fanden Forscher*innen aus dem Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) heraus. Die Erkenntnisse bieten mögliche Ansatzpunkte für neue Therapien. Die Ergebnisse sind in der renommierten Fachzeitschrift „Circulation“ veröffentlicht.


Laut der Deutschen Herzstiftung leiden in Deutschland rund zwei Millionen Menschen an Vorhofflimmern, der häufigsten Form der Herzrhythmusstörung. Ein Göttinger Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Niels Voigt, Professor für Molekulare Pharmakologie am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), hat neue Mechanismen entdeckt, die Vorhofflimmern chronisch werden lassen. Bekannt ist bereits: Die Ursache ist eine gestörte elektrische Erregung der Vorhöfe. Anstatt sich gleichmäßig zusammenzuziehen, beginnen die Vorhöfe mit hoher Frequenz zu flimmern. Zu Krankheitsbeginn tritt die Rhythmusstörung oft nur gelegentlich auf und kann sich im Laufe der Zeit verstetigen. Ein normaler Herzrhythmus kann nur durch einen medizinischen Eingriff wiederhergestellt werden. Gelingt dies nicht, ist von einem permanenten Vorhofflimmern die Rede. Infolgedessen kann es passieren, dass das Blut nicht vollständig aus dem Herzen gepumpt wird und gerinnt. Dieses Blutgerinnsel wiederum kann zu einem Schlaganfall führen. Um dies zu verhindern, werden gerinnungshemmende Medikamente verabreicht. Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa 35.000 Schlaganfälle jährlich auf das Vorhofflimmern zurückzuführen.

Die Göttinger Forscher*innen fanden heraus, dass es bei dieser Herzrhythmusstörung im Laufe der Zeit zu einem Abbau von Muskelproteinen in den Herzmuskelzellen der Vorhöfe kommt. Diese Proteine stellen wichtige Puffer für Kalziumionen dar. „Ähnlich einem Stoßdämpfer im Auto, der Straßenunebenheiten ausgleicht, mildern Kalziumpuffer Schwankungen der Kalziumkonzentration in Herzmuskelzellen, die auch bei gesunden Zellen in geringem Maße auftreten. Bei Vorhofflimmern funktionieren diese Stoßdämpfer jedoch nicht richtig“, erklärt Prof. Voigt, der ebenfalls Mitglied des Göttinger Exzellenzclusters Multiscale Bioimaging: von molekularen Maschinen zu Netzwerken erregbarer Zellen (MBExC) ist. „Selbst kleine Schwankungen der Kalziumkonzentration können sich dann zu sogenannten Kalziumwellen aufschaukeln, die durch die gesamte Zelle laufen und einen elektrischen Impuls erzeugen. Dieser fehlerhafte elektrische Impuls trägt dazu bei, dass die unregelmäßigen Herzschläge in den Vorhöfen weiterhin bestehen bleiben.“

Mögliche Therapieoptionen durch bereits zugelassene Medikamente

„Zugleich konnten wir mit den bereits zugelassenen Medikamenten Levosimendan und Omecamtiv, die die Calciumbindung an Muskelproteine in den Herzmuskelzellen erhöhen, mögliche Therapieoptionen für das Vorhofflimmern identifizieren, um den gestörten Kalziumpuffer in den Herzmuskelzellen zu ersetzen“, ergänzt Erstautor Dr. Funsho Fakuade, Postdoktorand in der Arbeitsgruppe Voigt und Mitglied des Hertha-Sponer-College im MBExC. Die Ergebnisse der Studie wurden nun in der aktuellen Augustausgabe der renommierten Fachzeitschrift Circulation veröffentlicht.

Über die Studie

Für die Studie, die in Zusammenarbeit mit der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der UMG durchgeführt wurde, untersuchten die Forscher*innen Gewebe, das während Herzoperationen anfiel. Sie isolierten die Herzmuskelzellen, auch Myozyten genannt, aus dem Gewebe, und nutzten spezielle Mikroskope, um die Kalziumwellen innerhalb der Zellen zu messen. Zudem verwendeten sie künstliche, aus induzierten Stammzellen hergestellte Vorhofzellen, um die Rolle der Muskelproteine bei der Kalziumpufferung zu untersuchen. Hierzu wurde in den Zellen das Muskelprotein Troponin C mit Hilfe genetischer Verfahren gezielt ausgeschaltet, um die Auswirkungen auf die Kalziumpufferung zu untersuchen. Troponin C spielt eine wichtige Rolle beim Zusammenziehen des Herzmuskels. Fehlt dieses, wird kein Calcium gebunden und der Herzmuskel kann sich nicht zusammenziehen. Die Forscher*innen stellten fest, dass diese modifizierten Zellen nicht nur eine ähnlich defekte Kalziumpufferung wie die Zellen von Patient*innen mit Vorhofflimmern aufwiesen, sondern auch vermehrt Kalziumwellen zeigten, die zur Entstehung von Vorhofflimmern beitragen.

„Unsere gewonnenen Daten deuten darauf hin, dass neue Strategien, die gezielt die intrazelluläre Kalziumpufferung anvisieren, vielversprechende therapeutische Ansätze zur Verhinderung und Behandlung von Vorhofflimmern bieten könnten“, erläutert Prof. Voigt. „Die Forschungsergebnisse eröffnen damit neue Perspektiven für die Therapie von Vorhofflimmern und könnten den Krankheitsverlauf bei Patient*innen mit Herzrhythmusstörung verbessern.“

MaAB - Fortbildungsthema VOR ORT:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Institut für Pharmakologie und Toxikologie
Prof. Dr. Niels Voigt
Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen
Telefon 0551 / 39-65174
niels.voigt@med.uni-goettingen.de
www.molecular-pharmacology.de

Originalpublikation:
Funsho E. Fakuade, Dominik Hubricht, Vanessa Möller, Izzatullo Sobitov, Aiste Liutkute, Yannic Döring, Fitzwilliam Seibertz , Marcus Gerloff, Julius Ryan D. Pronto, Fereshteh Haghighi, Sören Brandenburg, Khaled Alhussini, Nadezda Ignatyeva, Yara Bonhoff, Stefanie Kestel, Aschraf El-Essawi, Ahmad Fawad Jebran, Marius Großmann, Bernhard C. Danner, Hassina Baraki, Constanze Schmidt, Samuel Sossalla, Ingo Kutschka, Constanze Bening, Christoph Maack, Wolfgang A. Linke, Jordi Heijman, Stephan E. Lehnart, George Kensah, Antje Ebert, Fleur E. Mason, Niels Voigt: Impaired Intracellular Calcium Buffering Contributes to the Arrhythmogenic Substrate in Atrial Myocytes From Patients With Atrial Fibrillation. Circulation. Volume 150, Issue 7, 13 August 2024; Pages 544-559.
DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.123.066577

Diagnostik Multiplier Sklerose

 

Erstmals klare Entscheidungskriterien für die Therapieanpassung bei Multipler Sklerose

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Die Ergebnisse einer neuen Österreichisch-Schweizer Multicenterstudie zu Multipler Sklerose könnten die Therapie dieser chronisch entzündlichen Erkrankung entscheidend verbessern. Forschende der Medizinischen Universitäten Innsbruck und Wien sowie des Inselspitals, Universitätsspital Bern belegen, dass zwei oder mehr in der Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbare Läsionen im Gehirn innerhalb eines Jahres für eine Therapieintensivierung sprechen. Damit liegen erstmals eindeutige und evidenzbasierte Kriterien für eine Therapieanpassung vor.


Innsbruck, Wien, Bern, 10. September 2024: Für die neurologische Erkrankung Multiple Sklerose* (MS) stehen seit einigen Jahren eine Reihe von Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die das Ausmaß der Entzündungsreaktion und damit einhergehend die Beschwerden der Patient:innen auch bei schweren Verläufen günstig beeinflussen können. So können die Entwicklung sogenannter Krankheitsschübe und eine permanente Behinderung eingedämmt werden.

Abseits klinischer Symptome, die von Einschränkungen des Sehvermögens bis hin zu Lähmungserscheinungen ein breites Spektrum umfassen, kann die Krankheitsaktivität bei MS auch bildgebend dargestellt werden. „Der Nachweis entzündlicher Läsionen im Gehirn mittels MRT erlaubt auch eine Einschätzung geringerer Krankheitsaktivität, denn vermeintlich stabile Patient:innen können trotz Therapie weiterhin neue, klinisch stumme, entzündliche Veränderungen entwickeln“, weiß Neuroimmunologe Harald Hegen, der an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie bereits seit vielen Jahren zu MS forscht.
Ob die MS-Therapie schon auf Basis der reinen MRT-Diagnostik angepasst werden soll bzw. wie viele Läsionen im MRT ausschlaggebend sind, konnte nun erstmals im Rahmen einer retrospektiven Studie unter der gemeinsamen Führung der neurologischen Universitätskliniken Innsbruck, Wien und Bern geklärt werden. Neurology, das medizinische Journal der „American Academy of Neurology” berichtet über die weitreichenden Erkenntnisse.

In die Studienkohorte wurden 131 MS-Patient:innen aus MS-Zentren in Österreich und der Schweiz eingeschlossen, die unter einer gering- bis moderat-effektiven Immuntherapie zwölf Monate lang klinisch stabil waren und dann einer MRT unterzogen wurden. „Wir konnten zeigen, dass Patient:innen mit schubförmiger MS, die unter Immuntherapie zwei oder mehr neue entzündliche MRT-Läsionen innerhalb eines Jahres entwickeln, auch bei klinischer Stabilität, also ohne Symptome, von einem Wechsel auf eine hoch-effektive Immuntherapie profitieren“, beschreibt Erstautor Gabriel Bsteh von der Medizinischen Universität Wien die zentrale Erkenntnis. Damit liefert die Studie eine für den klinischen Alltag wichtige Erkenntnis, die für die individuelle Therapieanpassung genutzt werden sollte.

„Nachdem Läsionen oft schon vor dem Auftreten klinischer Symptome in der MRT sichtbar sind, ermöglicht eine bildgebende Kontrolle bei Patient:innen mit einer gering- bis moderat-effektiven Therapie ein frühes Eingreifen in den individuellen Krankheitsverlauf“, betont Studienleiter Harald Hegen. In der Studienkohorte waren rund 40 Prozent der Patient:innen klinisch stabil, zeigten allerdings in der MRT schon eine oder mehrere Läsionen. Bislang war in der klinischen Praxis eine Therapieverstärkung nur nach Auftreten klinisch manifester Symptome angezeigt.

Die Multicenterstudie, deren Ergebnisse in künftige Empfehlungen von Therapie-Leitlinien einfließen sollen, ist ein Leuchtturmprojekt einer über die letzten Jahre stetig weiterentwickelten Kooperation von MS-Zentren in Österreich und der Schweiz. „Wir verfügen zusammen über eine umfassende Datenbank von mehr als 8.000 MS-Patient:innen. Solche multizentrischen Kooperationen legen die notwendige Basis an Fallzahl und Datenqualität für eine Vielzahl weiterer Projekte zur Verbesserung der Versorgung von MS-Patient:innen“, schließt Neurologe Gabriel Bsteh.

*Multiple Sklerose, eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, ist die häufigste neurologische Erkrankung, die im jungen Erwachsenenalter zu bleibender Behinderung führt. Dabei kommt es zu entzündlichen Veränderungen im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark). Lähmungen, Sensibilitätsdefizite, Gleichgewichtsstörungen, Sehstörungen, Gehbehinderung sowie kognitive Beeinträchtigungen können die Folge sein.

Originalpublikation:
Association of disease-modifying treatment with outcome in patients with relapsing multiple sclerosis and isolated MRI activity. G. Bsteh et al., Neurology, August 28, 2024 https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000209752

Schlafapnoe - Atempausen

 

Therapie von Atempausen im Schlaf nach einem Herzinfarkt rettet Herzmuskelgewebe

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Mediziner des Universitären Herzzentrums Regensburg der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) konnten in einer Studie beweisen, dass eine nicht-invasive Behandlung von Patienten mit Schlafapnoe bei akutem Herzinfarkt Herzmuskelgewebe retten und eine Ausbreitung des betroffenen Areals eindämmen kann. Die Studie wurde nun im European Respiratory Jounal (ERS) veröffentlicht.


„Etwa 50 Prozent der Patienten mit akutem Herzinfarkt leiden zusätzlich unter einer Schlafapnoe, wobei einem Großteil dieser Patienten das zum Zeitpunkt des Herzinfarktes nicht bekannt ist“, erklärt Professor Dr. Michael Arzt, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II sowie Leiter des Schlaflabors und Leiter der Studie. Atempausen im Schlaf belasten das Herz durch wiederkehrende Blutdruck- und Hezfrequenzanstiege, was den Sauerstoffverbrauch erhöht. Zugleich kommt es durch die Atempausen zu wiederkehrenden Abfällen des Sauerstoffgehaltes im Blut. Ein Missverhältnis von Sauerstoffbedarf und Sauerstoffangebot ist die Folge. Dies kann vor allem das in der Frühphase nach Herzinfarkt empfindliche Herzmuskelgewebe belasten und zu einer Ausbreitung des Infarktareals beitragen.

In der randomisierten kontrollierten TEAM-ASV-I-Studie, an der mehrere Universitätsklinika in Deutschland mitwirkten, untersuchten die Ärzte und Wissenschaftler, wie sich eine Behandlung der Schlafapnoe mit einer nicht-invasiven Beatmungstherapie (adaptiver Servoventilation, ASV) zusätzlich zur Standardtherapie des Herzinfarktes auf die Entwicklung der Größe des Herzinfarktes innerhalb der ersten zwölf Wochen auswirkt. Die Infarktgröße wurde mittels Magnetresonanztomografie (MRT) des Herzens nach höchstens fünf Tagen und circa zwölf Wochen nach Herzinfarkt gemessen.
In der Patientengruppe, deren Schlafapnoe behandelt wurde, wurde mehr Herzmuskelgewebe erhalten, und der relative Rückgang der Infarktgröße war nach zwölf Wochen mehr als doppelt so hoch wie in der Gruppe mit unbehandelter Schlafapnoe (44 Prozent versus 21 Prozent). Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend und deuten darauf hin, dass durch eine frühe Behandlung der Schlafapnoe Patienten mit Herzinfarkt zusätzlich geholfen werden und die Entwicklung einer Herzschwäche abgemildert oder sogar verhindert werden kann.

„Bisher wird die Behandlung der Schlafapnoe in der Frühphase nach Herzinfarkt nicht empfohlen und spielt in der klinischen Routine keine Rolle. Mit unserer Studie konnten wir starke Hinweise liefern, dass eine Behandlung der Schlafapnoe bereits während der Behandlung des Herzinfarktes einen positiven Effekt für die Patienten hat“, ordnet Professor Arzt die Studienergebnisse ein.

In größeren Studien soll noch geprüft werden, ob eine frühe Therapie der Schlafapnoe auch die Lebensqualität verbessern und Krankenhauseinweisungen aufgrund einer Herzschwäche verhindern kann.

Link zur Originalpublikation im ERS: https://erj.ersjournals.com/content/early/2024/06/20/13993003.02338-2023

Originalpublikation:
https://erj.ersjournals.com/content/early/2024/06/20/13993003.02338-2023

Achtsamkeitsseminar-Stressbewältigung als 8 Wochen Kurs (MBCT- Mindfulness Based Cognitive Therapy)

Sehr geehrte Damen und Herren,


das 19. Achtsamkeitsseminar-Stressbewältigung als 8 Wochen Kurs (MBCT- Mindfulness Based Cognitive Therapy) startet nun wieder 

am Montag, den 14. Oktober 2024 bis 02. Dezember 2024, immer montags von 18-20:30 Uhr

als Präsenzveranstaltung des Schmerzzentrum Berlin.

Das Achtsamkeitsseminar ist ein kostenpflichtiges Gruppenseminar mit einer maximalen Teilnehmerzahl von 10 Personen und findet zweimal im Jahr im Schmerzzentrum statt.

Das Seminar wird durchgeführt von meiner Kollegin Frau Dr. med. Jutta Pritzsche, Fachärztin für Anästhesie -Spezielle Schmerztherapie-, mit der ich schon seit 1996 zusammenarbeite.

Das Achtsamkeitsseminar (MBCT/MBSR) ist ein 8-wöchiges achtsamkeitsbasiertes und kognitives Übungsprogramm.

Der Kurs ist speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit chronischen Schmerzen, Stress, Ängsten, Depressionen, Grübelneigung, Erschöpfung (Burnout) abgestimmt.

Ein ausführlicher Flyer zum Achtsamkeitsseminar kann Ihnen als Datei per Mail zugeschickt werden.

Bitte den Flyer anfordern unter:

 jutta.pritzsche@schmerzmedizin.berlin 

Sollten Sie Interesse an dem Kurs haben, bitte wenden Sie sich gerne direkt per Email an

Frau Dr. med. Pritzsche: jutta.pritzsche@schmerzmedizin.berlin

Fachärztin für Anästhesie / Spezielle Schmerztherapie
SZ Schmerzzentrum Berlin GmbH

Schönhauser Allee 172 a
Germany 10435 Berlin


Tel.: +49 (30) 443 419 00
Fax: +49 (30) 443 419 02
http://www.schmerzmedizin.berlin

Die Kartoffel für unsere Patienten

 

Kartoffeln – Nährstoffwunder für jeden Tag
Sie ist von deutschen Mittagstischen nicht mehr wegzudenken – die aus Südamerikas Anden stammende Kartoffel. Erst im 16. Jahrhundert fand sie durch die Konquistadoren ihren Weg nach Spanien. In Deutschland wurde das Nachtschattengewächs zunächst als Zierpflanze betrachtet und erst im 18. Jahrhundert auf „Kartoffelbefehl“ des Preußenkönigs Friedrich der Große großflächig als Nahrungsmittel angepflanzt.

Die Kartoffel ist reich an Vitam C und den B-Vitaminen und hat von fast allen wichtigen Mineralien etwas zu bieten wie Magnesium, Kalium, Phosphate sowie Natrium und Calcium – und natürlich einiges an Spurenelementen und essenziellen Aminosäuren. Nur das wichtige Spurenelement Selen kann sie nicht bieten. Das finden Sie beispielsweise aber in Fisch, Fleisch, Eiern und Vollkornprodukten. Zudem verbessern Kartoffeln die Blutzuckerkontrolle – und helfen sogar beim Abnehmen ...

Studie zur Behandlung des Post-COVID-Syndroms (PCS)

 

Post-COVID-Syndrom: BMBF-geförderte Medikamentenstudie startet

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 Dr. Markus Bernards

Unter Leitung der Infektiologie des Universitätsklinikum Frankfurt nimmt eine innovative Studie zur Behandlung des Post-COVID-Syndroms (PCS) ihre Arbeit auf. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte Forschungsprojekt untersucht neue Wege zur Linderung der Langzeitfolgen von COVID-19, wie Müdigkeit und kognitive Beeinträchtigungen. Der erste Patient wurde in dieser Woche in die Studie eingeschlossen.


„Nach wie vor besteht ein dringender Bedarf für die Behandlung des Post-COVID-Syndroms und der damit verbundenen Symptome“, erklärt Prof. Dr. Maria Vehreschild, Leiterin der Studie und Leiterin des Schwerpunkts Infektiologie am Universitätsklinikum Frankfurt. „Wir freuen uns deshalb, mit RAPID_REVIVE die erste adaptive – also anpassungsfähige – klinische Studie im Rahmen des Netzwerks Universitätsmedizin durchzuführen.“ Das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) wurde 2020 als Teil des Krisenmanagements gegen die COVID-19-Pandemie gegründet, um die klinische COVID-19-Forschung der Universitätsklinika zu koordinieren.

RAPID_REVIVE (Randomized Adaptive Assessment of Post COVID Syndrome Treatments_Reducing Inflammatory Activity in Patients with Post COVID Syndrome) ist eine adaptive, randomisierte, placebokontrollierte und doppelblinde Studie der klinischen Phase 2 unter Sponsorschaft der Goethe Universität und finanziert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Netzwerks Universitätsmedizin. Die strukturellen Voraussetzungen für den Studienstart wurden im Rahmen des NUM-Projekts „NAPKON Therapeutische Interventionsplattform“ (NAPKON-TIP) geschaffen. Insgesamt sollen 376 Patientinnen und Patienten an elf verschiedenen NAPKON-Standorten in die Studie eingeschlossen werden.

Das Post-COVID-Syndrom

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erholen sich die meisten Menschen, die an COVID-19 erkrankt sind, vollständig. Eine Untergruppe der Betroffenen leidet jedoch nach einer durchlebten Infektion unter Langzeitfolgen, dem sogenannten Post-COVID-Syndrom (PCS). Von einem PCS spricht man, wenn mindestens drei Monate nach dem Auftreten von COVID-19 Symptome bestehen, diese mindestens zwei Monate andauern und nicht durch eine andere Diagnose erklärt werden können. Die Symptome sind vielfältig, häufig leiden PCS-Betroffene jedoch an ausgeprägter Müdigkeit (Fatigue), Kurzatmigkeit sowie kognitiven Beeinträchtigungen.

Im Rahmen von RAPID_REVIVE wird die Veränderung der körperlichen Funktionen der Teilnehmenden untersucht, die mithilfe von Fragebögen und Tests zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfasst wird. Darüber hinaus betrachtet die Studie die allgemeine geistige und körperliche Gesundheit, Müdigkeit, kognitive Funktionen, den Schweregrad psychischer Beeinträchtigungen, Atemnot sowie die körperliche Belastbarkeit der Betroffenen. Die Studie zielt zudem darauf ab, prognostische Biomarker zu identifizieren, die Aufschluss über den individuellen Verlauf der PCS-Erkrankung geben. Dies soll es ermöglichen, eine auf die einzelnen Patientinnen und Patienten abgestimmte Behandlungsstrategie zu wählen.

Vielversprechender Kandidat: Medikament Vidofludimus Calcium wird getestet

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten entweder das Medikament Vidofludimus Calcium (IMU-838) oder ein Placebo. 


Wer welches Präparat bekommt, entscheidet das Zufallsprinzip (verblindete 1:1 Randomisierung). Sobald 150 Patientinnen und Patienten aufgenommen sind, wird die Zuteilung je nach Zwischenauswertungen der Studie angepasst. Vidofludimus Calcium ist ein neues Medikament, das den neuroprotektiven Transkriptionsfaktor Nurr1 aktiviert, ein neuartiges Zielmolekül bei neurodegenerativen Erkrankungen. Zudem hemmt das Medikament ein Enzym namens DHODH und blockiert dadurch die Herstellung von Pyrimidinen, die Zellen vor allem für die RNA-Synthese benötigen. Es wirkt besonders auf hochaktivierte Immunzellen und virusinfizierte Zellen, die einen hohen Bedarf an Pyrimidinen haben. Vidofludimus Calcium hilft auch bei chronischen Entzündungs- und Autoimmunkrankheiten, indem es überschießende Entzündungen reduziert und Virusinfektion und -reaktivierung verhindert.
In einer früheren Studie mit COVID-19-Patientinnen und -Patienten zeigte Vidofludimus Calcium vielversprechende Ergebnisse: Patienten, die Vidofludimus Calcium erhielten, erholten sich schneller und litten weniger unter Langzeitmüdigkeit im Vergleich zu denjenigen, die ein Placebo erhielten. Die Behandlung war gut verträglich und verursachte kaum Nebenwirkungen. Vidofludimus Calcium könnte somit nicht nur bei der akuten Behandlung von COVID-19 helfen, sondern auch langfristige Symptome lindern.
„Wir hoffen, dass die RAPID_REVIVE-Studie einen bedeutenden Fortschritt in der Behandlung des Post-COVID-Syndroms darstellt. Die erfolgreiche Umsetzung innerhalb der NAPKON-TIP-Strukturen soll es ermöglichen, dass diese Plattform als etablierte Struktur dem NUM und externen Parteien für zukünftige adaptive Studien zur Verfügung steht. Dadurch können wir flexibel auf neue Erkenntnisse reagieren und die bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherstellen“, so Prof. Dr. Maria Vehreschild. „Wir sind gespannt auf die Ergebnisse dieser wegweisenden Studie und deren potenziellen Einfluss auf zukünftige therapeutische Ansätze.“

MaAB - Fortbildungen:


Prof. Dr. Maria Vehreschild
Medizinische Klinik 2
Leitung des Schwerpunkts Infektiologie
Universitätsklinikum Frankfurt
Telefon: +49 69 63 01 – 66 08
E-Mail: maria.vehreschild@ukffm.de

Die Gicht bei Männern und Frauen

 

Neue Leitlinie zur Gicht veröffentlicht Gicht besser behandeln: die neue S3-Leitlinie im Überblick

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Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e. V. (DGRh) veröffentlicht erstmals eine evidenzbasierte S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Gicht. Die weitverbreitete Stoffwechselerkrankung zeigt sich vor allem durch Entzündung in Gelenken. Unbehandelt drohen schwere Gelenkschäden und ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Was sich in der Behandlungspraxis sowohl in der allgemeinmedizinischen als auch in der fachärztlichen Versorgung ändern wird, ist Thema der digitalen Vorab-Konferenz anlässlich des Rheumatologiekongresses am 12. September 2024. Die neue Leitlinie setze Standards, um Gichtanfälle und Gelenkschäden durch die Volkskrankheit zu vermeiden.


Korrekte Diagnose und schnelle Entzündungshemmung
„Trotz ihrer Häufigkeit wird die Gicht oft nicht angemessen diagnostiziert und behandelt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer Leitlinie, an der insgesamt sieben wissenschaftliche Fachgesellschaften beteiligt wa-ren“, sagt Privatdozentin Dr. med. Uta Kiltz, Oberärztin am Rheuma-zentrum Ruhrgebiet in Herne, die zusammen mit Privatdozentin Dr. med. Anne-Kathrin Tausche, Dresden, die Leitlinienentwicklung koordi-niert hat. Entscheidend sei die frühzeitige Diagnose der Gicht, um rasch mit einer wirksamen Therapie beginnen zu können. Im akuten Gichtan-fall empfiehlt die aktuelle Leitlinie den Einsatz von entzündungshem-menden Medikamenten wie Colchicin, Glukokortikoiden oder nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). „Gerade hier sehen wir noch Defizi-te in der Versorgung. Denn eine rasche Symptomkontrolle ist von ent-scheidender Bedeutung, um den Schaden am Gelenk zu minimieren und die Schmerzbelastung der Patienten schnell zu lindern“, betont Dr. Kiltz.

Am Zielwert der Serumharnsäure orientieren
Ursache für wiederkehrende Anfälle und schwere Gelenkschäden sind chronisch erhöhte Harnsäurewerte im Blut der Betroffenen. Um dies zu vermeiden, empfiehlt die Leitlinie eine sogenannte „Treat-to-Target“-Strategie, bei der eine medikamentöse Senkung der Serumharnsäure auf Werte unter 6 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) Blut angestrebt wird. „Die Senkung der Serumharnsäure muss zielgerichtet erfolgen, um langfristige Gelenkschäden zu verhindern und damit entscheidend zur Lebensqualität der Patient:innen beizutragen“, erklärt Professor Dr. med. Christof Specker, Präsident der DGRh aus Essen. Dafür müssen allerdings die Ärztin/der Arzt für jede einzelne Patientin oder Patienten individuell den optimalen Zielwert ermitteln und die Medikation daran anpassen. Auf diese Weise lassen sich therapeutischer Nutzen und me-dikamentöse Belastung durch Medikamente ins Gleichgewicht bringen.

Einbeziehung der Patient:innen und interdisziplinäre Zusammenarbeit


Ein wesentlicher Fortschritt bei der Erstellung dieser Leitlinie ist die enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Fachgesellschaften und die aktive Beteiligung von Patientenvertreter:innen. Haus-ärzt:innen übernehmen eine zentrale Rolle, da sie meist Menschen mit akuten Gichtanfällen behandeln und gleichzeitig mit den Patient:innen die langfristigen Behandlungsziele erörtern und die Therapie beginnen. In schwereren Fällen ist die Überweisung an eine:n Fachärzt:in für Rheumatologie wichtig. Die neue Leitlinie empfiehlt, bereits beim ersten Gichtanfall alle Therapieoptionen mit den Patient:innen zu besprechen, um die Akzeptanz der Behandlung zu verbessern.

Prävention und Aufklärung
Das Risiko, eine Gicht zu entwickeln, steigt mit dem Alter an und ist bei Männern dreimal höher als bei Frauen. „Die Therapie der Gicht als chronischer Erkrankung erfordert eine zuverlässige Mitarbeit der Betroffe-nen. Dies gilt umso mehr für die begleitenden präventiven Maßnahmen. Patient:innen sollten darüber aufgeklärt werden, dass unter anderem Risiken wie Übergewicht und übermäßiger Alkoholkonsum das Risiko für Gichtanfälle erhöhen“, so Privatdozentin Dr. Kiltz. Den Harnsäurespiegel erhöhende Medikamente, wie etwa Mittel zur Entwässerung, seien nur zu verwenden, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Bedeutung für die Praxis
Die neue S3-Leitlinie ist ein entscheidender Schritt hin zu einer verbes-serten Versorgung von Gichtpatient:innen, so auch die Einschätzung von Professor Specker. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die aktive Einbindung der Patient:innen würde dazu beitragen, die Lebens-qualität der Betroffenen nachhaltig zu steigern. „Mit dieser Leitlinie setzen wir neue Standards in der Behandlung der Gicht. Unser Ziel ist es, Gichtanfälle zu verhindern, Gelenkschäden zu minimieren und die Le-bensqualität unserer Patient:innen langfristig zu verbessern“, so das Fazit der Rheumatologin Kiltz.

Zur Leitlinie: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/060-005

Adipokine + Myokine:: Zucker und Fette und Lunge

 Zuviel Zucker und Fett schädigen die Lunge

MHH-Forschungsteam untersucht, wie Botenstoffe aus dem Fettgewebe den Gasaustausch in den Lungenbläschen beeinträchtigen

Rauchen ist schlecht für die Lunge, das wissen die meisten Menschen. 

Weniger bekannt dürfte sein, dass auch mangelnde Bewegung und ungesunde Ernährung die Lunge schädigen und dauerhafte Beschwerden wie die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder Asthma fördern können. 

Das Projekt „Lifestyle factors in respiratory health and disease“ untersucht jetzt, welchen Einfluss Ernährung, Tabakrauch und Bewegung auf die Gesundheit der Lunge in verschiedenen Lebensphasen haben und wie sie das Zusammenspiel zwischen der Lunge und den übrigen Organen auf molekularer Ebene verändern. 

Beteiligt sind alle fünf Standorte des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL). 

Ein Team um Privatdozentin (PD) Dr. Julia Schipke, Wissenschaftlerin am Institut für Funktionelle und Angewandte Anatomie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und am DZL-Standort BREATH Hannover, beschäftigt sich dabei mit der Rolle von Ernährung und körperlicher Aktivität. 

Dabei wollen die Forschenden vor allem die Kommunikation zwischen dem Fettgewebe und der Lunge bei frühkindlicher und erwachsener Adipositas entschlüsseln. Das DZL fördert das Projekt mit insgesamt 760.000 Euro.

Gasaustausch erschwert::::::

Im Fokus stehen Adipokine. 

Das ist eine Gruppe von Botenstoffen, die das Fettgewebe produziert und die zum Beispiel dem Gehirn signalisieren, wann wir satt sind. 

Sie werden zudem mit der Entwicklung und dem Fortschreiten von Adipositas-bezogenen Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht.

 Adipokine könnten aber auch das Lungengewebe und hier vor allem die in der Fachsprache Alveolen genannten Lungenbläschen beeinflussen. 

Die Alveolen sind ausgekleidet mit alveolaren Epithelzellen, von denen die Epithelzellen vom Typ 2 (AT2) das sogenannte Surfactant bilden. 

Diese Substanz verringert die Oberflächenspannung – etwa wie die waschaktiven Stoffe im Spülmittel die Oberflächenspannung von Wasser herabsetzen. 

Dadurch können sich die Lungenbläschen problemlos auffalten und bleiben geöffnet, so dass der Gasaustausch zwischen Blut und Alveolen möglich ist und die Lunge gleichmäßig belüftet wird. 

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„Zuviel Kohlenhydrate und Fett in der Nahrung verändern die Surfactant-Produktion und das Lipid-Gleichgewicht in den AT2-Zellen und sorgen dafür, dass sich die Gefäße in der Blut-Luft-Schranke verdicken und die Alveolarwände weniger elastisch sind, was den Gasaustausch erschwert“, erklärt PD Dr. Schipke.

Ergebnisse in menschlichen Zellkulturen prüfen

Aus klinischen Studien ist bekannt, dass Geburtsgewicht und Ernährung das Risiko für eine beeinträchtigte Lungenfunktion im späteren Leben vorhersagen. 

In dem Projekt wollen PD Dr. Schipke und ihr Team nun im Mausmodell klären, welche Effekte eine ungesunde Ernährung mit viel Zucker und viel Fett in der frühen und der späten Lebensphase haben. „Einige Tiere werden dabei Zugang zu einem Laufrad haben, so dass wir auch testen können, ob und wie sich körperliche Aktivität eignet, um den schädlichen Auswirkungen auf die Lunge entgegenzuwirken“, sagt die Biologin. 

Denn auch unsere Muskelzellen produzieren Botenstoffe, die sogenannten Myokine. 

Und die scheinen das Potenzial zu haben, die Lungengesundheit zu verbessern. 

Wie das genau geschieht, ist jedoch noch unklar.

„Wir wollen jetzt herausfinden, welche molekularen und strukturellen Veränderungen in der Lunge stattfinden und welche Botenstoffe diese Vorgänge im Einzelnen steuern“, sagt PD Dr. Schipke. 

Die im Mausmodell identifizierten ---Adipokine und Myokine-- wollen die Forschenden dann in Zellkulturen menschlicher Lungenzellen sowie Lungenschnitten aus explantierten Organen überprüfen. 

„Maus und Mensch sind in diesem Fall gut vergleichbar, weil sie ein ähnliches Surfactant-System haben und ihr Stoffwechsel auch ähnlich auf ungesunde Ernährung reagiert“, stellt die Wissenschaftlerin fest. 

So wollen die Forschenden neue Biomarker finden, welche die Atemwege und vor allem die Lungenalveolen beeinflussen. 

Die Ergebnisse könnten langfristig dafür sorgen, die Früherkennung von Lungenschäden durch Übergewicht zu verbessern und neue Behandlungsstrategien gegen die Veränderungen in der Lunge zu ermöglichen.

Es informierte uns im Rahmen der MaAB - Fortbildung das Team von Frau 

PD Dr. Julia Schipke, schipke.julia@mh-hannover.de.

Herzinsuffizienz und Bewegung

 

Wenn Bewegung Angst macht

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Jasmin Schwarzenbart informiert uns über:

Die Fälle an Herzinsuffizienz nehmen zu. Körperliche Aktivitäten können bei der Behandlung helfen. Doch hier zeigt eine neue Studie der Universität Trier ein Problem auf.


Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Zu dieser Gruppe an Erkrankungen zählt auch Herzinsuffizienz. Vor allem ältere Menschen mit Vorerkrankungen sind betroffen: Das Herz schafft es nicht mehr, ausreichend Blut in den Körper zu pumpen. Dachte man noch vor 30 Jahren, dass sich Patientinnen und Patienten schonen sollten, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich belegt, dass neben einer Behandlung mit Medikamenten auch Bewegung hilft. Warum viele Personen mit Herzinsuffizienz dennoch vor körperlichen Aktivitäten zurückschrecken, haben nun Wissenschaftlerinnen der Universität Trier gemeinsam mit klinischen Partnern untersucht. Erstmals konnte nachgewiesen werden, dass die Patientinnen und Patienten im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung Angst vor Bewegung haben und dass diese Angst unabhängig von der Pumpleistung des Herzens dazu beiträgt, Bewegung zu vermeiden.

„Wenn Personen mit Herzinsuffizienz spazieren gehen oder Treppen steigen und dabei merken, dass sie außer Atem kommen, haben sie häufig das Gefühl, dass ihr Herz es nicht schafft. In der Folge vermeiden sie Bewegung“, erläutert Heike Spaderna, Professorin für Gesundheitspsychologie an der Universität Trier. „Doch auch gesunde Menschen können beim Treppensteigen schon einmal außer Atem kommen. Man muss den Patientinnen und Patienten erklären, dass nicht alle Ermüdungserscheinungen auf die Herzerkrankung zurückzuführen sind.“

Für ihre Studie, die gerade in der renommierten Fachzeitschrift PLOS One erschienen ist, haben die Trierer Forscherinnen der Pflegewissenschaft 185 Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz verschiedener Kliniken in Deutschland befragt. Sie konnten dabei zeigen, dass die Angst vor Bewegung in Zusammenhang mit der Herzinsuffizienz steht und das Vermeiden von körperlicher Aktivität nicht etwa auf eine grundsätzlich größere Neigung zu Angst bei den Erkrankten zurückzuführen ist.

Die Studienautorinnen und -autoren haben hier Grundlagenforschung betrieben. „Jetzt da ein Zusammenhang festgestellt ist, muss im nächsten Schritt überlegt werden, wie man den Erkrankten ihre Angst vor der Bewegung nehmen kann“, sagt Spaderna. Gute Erfahrungen, um Personen zu mobilisieren, hat die Trierer Professorin mit virtueller Realität gemacht. Übungen könnten spielerisch gestaltet sein. Aber auch eine spezielle Bewegungs-App wäre denkbar.

„Ein Problem ist, dass mit Herzinsuffizienz-Patientinnen und Patienten nicht standardmäßig besprochen wird, wie sie trotz ihrer Erkrankung Bewegung in ihren Alltag integrieren können. Nur manche haben einen Bewegungsplan oder Physiotherapie“, erläutert Spaderna. Die Gesundheitspsychologinnen möchten mit ihrer Forschung so auch Fachkräften in medizinischen Berufen das Wissen an die Hand geben, auf die Bewegungsangst der Erkrankten eingehen zu können. Dies könnte den Menschen mit Herzinsuffizienz mehr Lebensqualität und im besten Fall mehr Lebenszeit geben.

MaAB Fortbildung:

Prof. Dr. Heike Spaderna
Gesundheitspsychologie
Mail: spaderna@uni-trier.de
Tel. +49 651 201-4334

Originalpublikation:
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0309952

Herzschwäche - Therapie

 

Mehr Lebensqualität für Patient*innen mit Herzschwäche

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In einer internationalen Studie konnten Wissenschaftler*innen des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und des Deutschen Herzzentrums der Charité (DHZC) nachweisen, dass der Einsatz des MitraClip-Verfahrens bei Herzschwäche-Patient*innen deren Lebensqualität deutlich verbessert und die Zahl der Krankenhauseinweisungen reduziert. Die Ergebnisse der Studie wurden auf dem Kongress der European Society of Cardiology in London vorgestellt und gleichzeitig im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.


Laut der „European Society of Cardiology“ leiden rund 18 Millionen Menschen weltweit an einer Mitralklappeninsuffizienz. Die Mitralklappe ist das Ventil zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer. Die beiden Segel der Klappe schließen sich, wenn das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge in die linke Herzkammer gepumpt wird, und verhindern so, dass Blut zurück in den Vorhof gelangt. Bei einer Mitralklappeninsuffizienz schließen die Klappensegel aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr richtig. Die Folge: Blut gelangt aus der linken Herzkammer bei jedem Herzschlag zurück in den Vorhof. Dies führt bei betroffenen Patient*innen zu zunehmenden Beschwerden, die bis hin zu einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) reichen können. Bei der funktionellen Mitralklappeninsuffizienz liegt die Ursache in einer Schwächung des Herzmuskels, die zu einer Veränderung der Herzstruktur und damit zu einer Funktionsstörung der Klappe führt.

Eine undichte Mitralklappe wird häufig bei Patient*innen mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) angetroffen und verschlechtert die Lebenserwartung. Außerdem führt die Mitralinsuffizienz zu einer Verschlechterung der Herzinsuffizienz-Symptomatik mit Krankenhauseinweisung.

Seit 2008 gibt das minimal-invasive MitraClip-Verfahren zur Reparatur der Mitralklappe. Hierbei wird ein kleiner Clip über einen Katheter durch die Leistenvene bis zum Herzen geführt und an der undichten Klappe angebracht. Der Clip bringt die Klappensegel näher zusammen und verbessert so deren Schließfunktion. Dies reduziert den Rückfluss von Blut und entlastet das Herz, was wiederum die Symptome der Herzinsuffizienz lindert.

„Die Frage, ob eine Katheter-basierte Clip-Behandlung die Sterblichkeit der Patientinnen und Patienten und die Notwendigkeit einer Krankenhausbehandlung reduziert, war bislang unklar, da zwei kontroverse Studien vorlagen: Während die Mitra-FR-Studie keinen Nutzen des Verfahrens zeigte, wies die COAPT-Studie hingegen auf einen deutlichen Nutzen hin“, sagt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie und Vorsitzender des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). „Mit der RESHAPE-HF2-Studie, die aus dem Herzzentrum der UMG initiiert und koordiniert wurde, wollten wir Klarheit schaffen. Das MitraClip- Verfahren und andere innovative Verfahren zur Behandlung von Herzkappenerkrankungen werden mit hoher Expertise am Herzzentrum der UMG durchgeführt“

Ein Forscherteam des Herzzentrums der UMG und des Deutschen Herzzentrums der Charité (DHZC) unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Anker, Kardiologe an der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin (Campus Virchow-Klinikum) des Deutschen Herzzentrums der Charité, ehemals Professor für Innovative Clinical Trials an der UMG, Prof. Dr. Wolfgang Schillinger, Chefarzt Medizin I (Kardiologie, Pneumologie und Intensivmedizin) im Helios Albert-Schweitzer-Klinikum Northeim, ehemals Oberarzt der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG und Prof. Hasenfuß hat nun die Ergebnisse der RESHAPE-HF2-Studie veröffentlicht.

Prof. Dr. Ulf Landmesser, stellvertretender Ärztlicher Direktor des DHZC und Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin (Campus Benjamin Franklin) gehört zum Steering Committee der Studie. Zu den Co-Autoren gehört Prof. Dr. Friedrich Köhler, Leiter des Arbeitsbereichs Telemedizin am DHZC.

Die Studie ergab, dass die Anzahl der Krankenhauseinweisungen nach einer Behandlung mit dem MitraClip um 41 Prozent gesenkt werden konnte und die Lebensqualität der Betroffenen signifikant verbessert wurde.

„Die Ergebnisse der RESHAPE-HF2-Studie zeigen eindrucksvoll, wie das MitraClip-Verfahren Patientinnen und Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz und Mitralinsuffizienz helfen kann“, sagt Prof. Dr. Stefan Anker. „Besonders für Patientinnen und Patienten, die nicht für eine chirurgische Intervention geeignet sind, stellt diese minimal-invasive Methode eine wertvolle Alternative dar.“

Im Rahmen des diesjährigen Kongresses der European Society of Cardiology (ESC Congress) in London stellten die beteiligten Forscher*innen die wichtigsten Ergebnisse vor, die nun auch im renommierten Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurden.

Publikation
Anker S.D. et al. Transcatheter Valve Repair in Heart Failure with Moderate to Severe Mitral Regurgitation. New Engl J Med. 2024.
https://clinicaltrials.gov/study/NCT02444338

Details zur Studie
In der RESHAPE-HF2-Studie wurden 505 Patient*innen über einen Zeitraum von 24 Monaten beobachtet. Die Studie wurde in 30 Zentren in neun verschiedenen Ländern durchgeführt und umfasste Patient*innen mit mittelschwerer bis schwerer funktioneller Mitralinsuffizienz und Herzinsuffizienz, die trotz optimaler medikamentöser Therapie weiterhin Symptome zeigten.

Diese Patient*innen wurden per Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe erhielt das MitraClip-Verfahren zusätzlich zur fortgesetzten medikamentösen Therapie, die andere Gruppe erhielt ausschließlich die medikamentöse Therapie. Die Forscher*innen verglichen dann, wie oft die Patient*innen innerhalb von 24 Monaten aufgrund ihrer Herzinsuffizienz in einem Krankenhaus behandelt wurden, wie viele an kardiovaskulären Ereignissen starben und wie sich die Lebensqualität der Patient*innen im Laufe der Zeit veränderte. Die Lebensqualität wurde mit dem „Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire (KCCQ)“ erfasst, einem spezifischen Fragebogen zur Erfassung der Lebensqualität bei Herzinsuffizienz. Die statistische Auswertung übernahm Prof. Dr. Tim Friede, Direktor des Instituts für Medizinische Statistik der UMG. Die zentrale Koordination der internationalen Studie erfolgte durch das Studienzentrum der UMG. Die Firma Abbott Laboratories hat die Studiendurchführung finanziell gefördert.

„Wir freuen uns über die erfolgreiche Durchführung der Studie und das Ergebnis. Wir wissen nun, dass eine Behandlung der undichten Mitralklappe bei Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz hilft – insbesondere im Hinblick auf Symptomverbesserung mit Reduktion der Notwendigkeit einer Krankenhausbehandlung und auf eine Verbesserung der Lebensqualität“, sagt Prof. Hasenfuß.

Prof. Ulf Landmesser ergänzt: „Am DHZC bieten wir unseren Patientinnen und Patienten dank der engen Zusammenarbeit zwischen Kardiologie und Herzchirurgie ein umfassendes Spektrum an Behandlungsoptionen. Die Ergebnisse der RESHAPE-HF2-Studie bestätigen, dass das MitraClip-Verfahren in den kundigen Händen unserer erfahrenen Spezialistinnen und Spezialisten eine zunehmend wichtige Rolle bei der Wahl der individuell bestmöglichen Therapie einnehmen kann.“

Über das Deutsche Herzzentrum der Charité
Das Deutsche Herzzentrum der Charité (DHZC) ist Anfang 2023 aus der Vereinigung der herzmedizinischen Einrichtungen des Deutschen Herzzentrums Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin hervorgegangen. Zum DHZC gehören acht Kliniken und Institute an den Charité-Campi Virchow-Klinikum, Charité Mitte und Benjamin Franklin.

Mit 489 Betten und rund 2.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist das DHZC eines der größten Herzzentren in Europa. Jedes Jahr werden am DHZC mehr als 1.500 interventionelle Herzklappeneingriffe durchgeführt. Damit nimmt das DHZC eine weltweite Spitzenstellung in diesem Bereich ein.
Die medizinische Planung und Durchführung aller katheterbasierten Behandlungen der Herzklappen bei Erwachsenen wird am DHZC in einer klinik- und fachübergreifenden Einheit, dem „Structural Heart Interventions Program (SHIP)“, gebündelt. In enger Zusammenarbeit zwischen Herzchirurgie und Kardiologie wird so die bestmögliche Versorgung für jede Patientin und jeden Patienten gewährleistet.

Über die Universitätsmedizin Göttingen
Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) vereint im Integrationsmodell die Medizinische Fakultät der Georg-August-Universität und das Universitätsklinikum unter einem Dach. Neben Forschung und Lehre ist die Krankenversorgung der dritte zentrale Aufgabenschwerpunkt der UMG. Mit rund 1.600 stationären und teilstationären Betten ist das Krankenhaus der einzige Maximalversorger in Südniedersachsen. Mit knapp 9.700 Mitarbeitenden ist die UMG zusammen mit ihren Tochtergesellschaften einer der größten Arbeitgeber in der Region. Etwa 60 Kliniken, Institute und Abteilungen stehen für eine qualitativ hochwertige Patient*innenversorgung, exzellente Forschung und moderne Lehre. Dabei sind alle medizinischen Grunddisziplinen und darüber hinaus ein großes Spektrum medizinischer Spezialdisziplinen in Diagnostik und Therapie vertreten. Jedes Jahr werden an der UMG rund 60.000 Patient*innen stationär und zirka 220.000 ambulant behandelt. Göttingen als Stadt der Wissenschaft liegt im Zentrum Deutschlands und die Universitätsmedizin ist vor Ort eingebunden in ein attraktives Netzwerk universitärer und außeruniversitärer Wissenschaftseinrichtungen.

Im Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen arbeiten 14 Kliniken und Institute sowie die Geschäftseinheit Pflegedienst der Universitätsmedizin Göttingen auf den Gebieten Herz, Gefäße, Lunge und Niere zusammen. Diese Organe sind in ihrer Funktion besonders eng miteinander verbunden. Die Kliniken und Institute sind zu einem interdisziplinären Zentrum zusammengeführt. Dadurch werden eine optimale und effiziente Krankenversorgung, Forschung und Lehre gewährleistet. Ziel des Herzzentrums der UMG ist es, eine qualitativ hochwertige Medizin patientenorientiert, aufgeschlossen und transparent zu praktizieren.

MaAB - FOBI Information:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Kardiologie und Pneumologie
Prof. Dr. Gerd Hasenfuß
Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen
Telefon 0551 / 39-67601
herzzentrum@med.uni-goettingen.de
herzzentrum.umg.eu

Deutsches Herzzentrum der Charité
Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin
Prof. Dr. Stefan Anker
Campus Virchow-Klinikum, Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin
s.anker@cachexia.de
www.dhzc.charite.de

Originalpublikation:
Anker S.D. et al. Transcatheter Valve Repair in Heart Failure with Moderate to Severe Mitral Regurgitation. New Engl J Med. 2024.
https://clinicaltrials.gov/study/NCT02444338