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Prof. Dr. Martin Witzenrath: Beginn einer Entzündlichen Lungenschädigung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Lungenschäden bei COVID-19-Erkrankungen verstehen

Modell als Grundlage neuer therapeutischer Ansätze

Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Freien Universität Berlin haben die zellulären Mechanismen zu Beginn einer entzündlichen Lungenschädigung, ausgelöst durch eine SARS-CoV-2-Infektion, im Detail untersucht. 

  • Verantwortlich für Schäden, die eine Beatmung notwendig machen, ist demnach nicht eine direkte Zerstörung der Lunge durch die Vermehrung des Virus. 

Vielmehr sind entzündliche Prozesse und das Endothel der Lunge maßgeblich an schweren Verläufen beteiligt, wie jetzt im Fachmagazin Nature Communications* beschrieben ist.


Bei COVID-19 ist die Immunantwort entscheidend für die Schwere der Erkrankung. 

Was aber genau in der Anfangsphase der Krankheit in Lunge und Blut geschieht, war bislang unklar. 

Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Freien Universität Berlin haben nun die zellulären Mechanismen zu Beginn einer entzündlichen Lungenschädigung, ausgelöst durch eine SARS-CoV-2-Infektion, untersucht. 

Verantwortlich für Schäden, die eine Beatmung notwendig machen, ist demnach nicht eine direkte Zerstörung der Lunge durch die Vermehrung des Virus. Vielmehr sind entzündliche Prozesse und das Endothel der Lunge maßgeblich an schweren Verläufen beteiligt, wie die Forschenden jetzt im Fachmagazin Nature Communications* beschreiben.

Seit eineinhalb Jahren versuchen Forschende auf der ganzen Welt, die durch das Coronavirus SARS-CoV-2 verursachte Erkrankung COVID-19 zu verstehen.  

Bis heute gibt es nahezu keine Medikamente zur Behandlung der Krankheit, die zu akutem Lungenversagen führen und neben der Lunge weitere Organe und Organsysteme schädigen kann. 

Eine der Hürden: 

  • COVID-19 wird unter anderem durch eine fehlgeleitete, mitunter überschießende Reaktion des körpereigenen Immunsystems verursacht. 

 Um therapeutische Angriffspunkte zu finden, ist es notwendig, im Detail zu verstehen, wie und wo genau welche nachteiligen Prozesse im Körper ausgelöst werden. Die patientenzentrierte Forschung stößt hierbei an Grenzen - vor allem wenn es darum geht, in der frühen Phase der Infektion Krankheitsmechanismen zu untersuchen. Biomaterial als Grundlage für Studien ist in der Regel erst nach Aufnahme in einem Krankenhaus zugänglich. Bei leichten oder mittelschweren Verläufen, verbunden mit einer Lungenentzündung, kann meist gar kein Gewebe aus der Lunge gewonnen werden – zu hoch wäre das Risiko für akut Erkrankte. Was bleibt, ist die Analyse von Zellgewebe nach dem Tod von COVID-19-Patientinnen oder -Patienten.

Anhand verfügbarer Patientenproben konnte das Team um Prof. Dr. Martin Witzenrath, Stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité, wertvolle Informationen über Mechanismen und Verlauf der Erkrankung gewinnen. Um darüber hinaus Lungenareale zu untersuchen, die sich bei Patientinnen und Patienten nicht ohne Weiteres betrachten lassen und Einblicke in die Frühphase der Erkrankung zu erhalten, war das Forschungsteam auf der Suche nach einem geeigneten Modell. In der internationalen COVID-19-Forschung wie auch bei der Erforschung des SARS-CoV-1 haben sich Hamstermodelle als aufschlussreich erwiesen. „Wir wollten wissen, ob die Modelle zur Entwicklung neuer Therapieansätze herangezogen werden können und haben versucht, Erkenntnisse aus Proben von Patientinnen und Patienten darin wiederzufinden. Das hat gut funktioniert“, sagt Prof. Witzenrath, Co-Letztautor der Studie. „Unser Interesse galt dabei insbesondere den Endothelzellen der Lunge, also der Barriere, die die Blutgefäße auskleidet. Diese verliert bei schwerem COVID-19 an Funktion, wodurch es schlussendlich zum Lungenversagen kommt.“

Gemeinsam mit Forschenden am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC, Virologen und Tiermedizinern der Freien Universität sowie Datenexperten des Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer aktuellen Arbeit eine genaue Charakterisierung der SARS-CoV-2-Infektion im Tiermodell vorgenommen und diese mit Datensätzen aus Proben von Patientinnen und Patienten untermauert. Die Analyse soll das derzeit wichtigste nicht transgene Modell für COVID-19, den Goldhamster, zur Entwicklung von Therapien nutzbar machen. Hamster infizieren sich mit denselben Virusvarianten wie Menschen. Auch entwickeln sie ähnliche Krankheitssymptome, und ihre Lunge wird bei einer schweren Erkrankung geschädigt. Dabei verläuft COVID-19 bei einzelnen Arten unterschiedlich. Während sie bei Goldhamstern in der Regel nur einen moderaten Verlauf nimmt, erkranken Roborovski-Zwerghamster schwer.

Woran das liegt und welche Prozesse sich in den Zellen der Lunge tatsächlich abspielen, haben unter anderem Einzelzellanalysen am BIMSB gezeigt. Die Forschenden lassen hierbei die einzelnen Zellen einer Probe über einen Chip laufen. Dort werden sie zusammen mit einem Barcode in kleine wässrige Tröpfchen verpackt. Auf diese Weise kann die RNA – der Teil des Erbgutes, den die Zelle gerade abgelesen hatte – sequenziert und später der Zelle wieder zugeordnet werden. Aus den gewonnenen Daten lässt sich mit hoher Präzision auf die Funktion der Zelle schließen. „So konnten wir beobachten, wie bestimmte Zellen des Immunsystems in der Lunge – die Monozyten und daraus entstehende Makrophagen – das Virus aufnehmen und sehr heftig reagieren. Sie senden Botenstoffe aus, die eine starke Entzündungsreaktion hervorrufen. 

In unserem Modell wird diese recht schnell wieder eingefangen, denn andere Immunzellen – die T-Zellen – schwärmen zu diesem Zweck aus. Bei schweren COVID-19-Verläufen geschieht das nicht“, erklärt Dr. Geraldine Nouailles, Wissenschaftlerin an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité und Co-Erstautorin der Studie. „Für eine erfolgreiche Genesung von COVID-19 ist eine schnelle und effiziente T-Zell-Antwort zentral.“

Während das Immunsystem im Zuge einer COVID-19-Erkankung in Aufruhr gerät, vermehrt sich SARS-CoV-2 in der Lunge und in den Zellen der Atemwege zunächst nur schwach. Die Zerstörung des Lungengewebes bei schweren COVID-19-Verläufen wird nicht direkt durch die Vermehrung des Virus in den Zellen verursacht, sondern durch die starke Entzündungsreaktion“, erklärt MDC-Wissenschaftler Dr. Emanuel Wyler, ebenfalls Co-Erstautor. „Das scheint auf die Zellen der Blutgefäße, insbesondere die Endothelzellen in der Lunge, ebenfalls zuzutreffen.  

Sie reagieren stark auf das Virus, werden aber nicht von ihm infiziert und gehen nicht zugrunde.“ Nimmt die Krankheit einen schweren Verlauf, können verschlossene Blutgefäße und instabile Gefäßwände zu einem akuten Lungenversagen führen.  

  • Bei moderaten COVID-19-Erkrankungen dagegen spielen Gefäßschäden sehr wahrscheinlich keine Rolle.

„Dass das Endothel, eine Art Schutzschild in den Gefäßen – das unter anderem verschiedene Prozesse in den Mikrogefäßen der Lunge regelt – bei COVID-19 aktiviert wird, hatten wir erwartet. Dass diese Zellen zugleich aktiver Motor der Entzündung sind, hat uns eher überrascht“, sagt Prof. Witzenrath. „Man könnte demnach auf zwei Arten therapeutisch an diesen für den Krankheitsverlauf zentralen Zellen angreifen. Zum einen mit Substanzen, die die Endothelbarriere abdichten. Zum anderen mit solchen, die das Endothel beruhigen. Eine davon erforschen wir bereits im Sonderforschungsbereich SFB-TR84 und konnten zeigen, dass sie bei Pneumonie und Beatmung erfolgreich ist.“ Aktuell ebenfalls getestete entzündungshemmende Medikamente gegen COVID-19 setzen an der Immunreaktion als solches an – sie wirken auch auf Monozyten und Makrophagen und bremsen ihre Aktivität.

Das nun bestätigte Modell soll zur Entwicklung von wirksamen und sicheren Therapien bei COVID-19 beitragen. 

Ziel ist es, die Zahl von Patientinnen und Patienten mit schweren Lungenschäden zu reduzieren. 

Derzeit analysiert das multidisziplinäre Forschungsteam die Reaktionen der unterschiedlichen Zellarten im Roborovski-Zwerghamster. Die Forschenden wollen herausfinden, warum die Infektion hier schwerer verläuft und nicht selbstlimitierend ist wie im Fall des Goldhamsters. „Wir hoffen, dass wir damit auch einen Erklärungsansatz dafür finden, warum manche Menschen schwer an COVID-19 erkranken und andere nicht“, sagt Dr. Nouailles. Allerdings muss hierfür noch das Genom des Zwerghamsters entschlüsselt werden. Da Hamster in der Versuchstierkunde bislang eher als Exoten galten, bestehen noch einige Wissenslücken. „Teilweise konnten wir diese nun mit Informationen aus der aktuellen Untersuchung schließen. Das ist, auch im Sinne einer bewussten und gezielten Nutzung von Tieren in der medizinischen Forschung, ein großer Fortschritt“, erläutert Co-Letztautor Dr. Jakob Trimpert, Virologe und Tiermediziner an der Freien Universität Berlin. Mit seinem Team hat er die COVID-19-Hamstermodelle entwickelt und zusammen mit den Tierpathologen der FU Berlin unter Leitung von Prof. Dr. Achim Gruber die mikroskopischen Untersuchungen von infiziertem Lungengewebe durchgeführt. Diese histopathologischen Analysen haben wesentlich zu den Erkenntnissen der Studie beigetragen.

*Nouailles G et al. Temporal omics analysis in Syrian hamsters unravel cellular effector responses to moderate COVID-19. Nat Commun 12, 4869 (2021). DOI: https://doi.org/10.1038/s41467-021-25030-7

Über die Studie:
Gefördert wurden die Arbeiten unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Sonderforschungsbereich SFB-TR84, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit den Projekten CAPSyS-COVID sowie PROVID und das Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité mit CM-COVID. Ebenfalls ermöglicht hat die Studie das BMBF-geförderte Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin zu Covid-19 (NUM), im Teilvorhaben NAPKON, einem umfassenden Pandemie-Kohortennetzwerk.

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Prof. Dr. Martin Witzenrath
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E-Mail-Adresse: manuela.zingl@charite.de
Originalpublikation:

https://rdcu.be/ctQvQ


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://infektiologie-pneumologie.charite.de

 
https://www.mdc-berlin.de/de/bimsb

 
https://www.vetmed.fu-berlin.de/index.html

 
http://www.sfb-tr84.de


Prof. Dr. Patrizia Thoma: Schädel-Hirn-Trauma und Schwierigkeiten im sozialen Bereich: Einladung zur Fachstudie - http://www.sokobo.de/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Soziale Kompetenz nach Schädel-Hirn-Trauma trainieren: Teilnehmende gesucht

Schwierigkeiten, die Gefühle anderer zu erkennen und sich in andere hineinzuversetzen, bringen Menschen nach einem Schädel-Hirn-Trauma häufig in Konfliktsituationen. 

Ein Team des Neuropsychologischen Therapie Centrums der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat mit Unterstützung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung DGUV ein Online-Therapieprogramm entwickelt, das helfen soll. 

Seit August 2021 wird seine Wirkung getestet. 

Personen, die innerhalb der vergangenen fünf Jahre eine Schädel-Hirn-Verletzung erlitten haben und seitdem Schwierigkeiten im sozialen Bereich bemerken, sind zur Teilnahme eingeladen.

Infos gibt es online unter http://www.sokobo.de/ und per Mail (projekt-sokobo@rub.de).

Konflikte in der Familie und am Arbeitsplatz

Jedes Jahr erleiden bis zu 550.000 Menschen in Deutschland eine Hirnschädigung. 

Rund die Hälfte davon geht auf Schädel-Hirn-Verletzungen zurück, zum Beispiel durch Unfälle am Arbeitsplatz oder im Straßenverkehr. 

  • Die Betroffenen leiden häufig langfristig unter Bewegungseinschränkungen, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsproblemen sowie Schwierigkeiten bei der Organisation und Planung des Alltags. 

„In den vergangenen Jahren wurden bei der Rehabilitation zunehmend auch Schwierigkeiten im Bereich der sozialen Kognitionen beobachtet“, berichtet Studienleiterin Prof. Dr. Patrizia Thoma. 

  • Häufig haben die Betroffenen Schwierigkeiten, sich in andere Personen gedanklich und gefühlsmäßig hineinzuversetzen, was zu konfliktbeladenen sozialen Interaktionen sowohl in der Familie als auch am Arbeitsplatz führen kann.


Abhilfe schaffen soll das internetgestützte „Programm zur Behandlung von Einschränkungen Sozialer Kognitionen und Kompetenzen der Ruhr-Universität Bochum“, kurz SoKoBo. 

  • Über 16 Wochen können Patientinnen und Patienten das Programm an vier bis fünf Tagen pro Woche zu Hause bearbeiten. 

Es umfasst drei Module, in denen es darum geht, die Gefühle anderer Menschen anhand von Gesicht, Körperhaltung und Stimme zu erkennen, die gedankliche und gefühlsmäßige Perspektive anderer Menschen einzunehmen und effektive Lösungen für schwierige Situationen zu finden. 

Neben Psychoedukationsblöcken, in denen über die möglichen Probleme in den verschiedenen Bereichen aufgeklärt wird und Strategien zum Umgang mit diesen vermittelt werden, üben die Teilnehmenden in Trainingsblöcken die Anwendung der so erlernten Strategien. 

In einer Pilotstudie mit gesunden älteren Menschen hat sich das abwechslungsreich mit Texten, Bildern, Videos und Hörspielen gestaltete Programm als gut bedienbar erwiesen.

Kooperationspartner

Entwickelt wurde das Programm von Prof. Dr. Patrizia Thoma gemeinsam mit Sally Rogalla und Tobias Lohaus in Zusammenarbeit mit der Firma AppMatrix. Angesiedelt ist das Projekt am Neuropsychologischen Therapie Centrum, das von Prof. Dr. Boris Suchan und Patrizia Thoma in Form einer neuropsychologischen Hochschulambulanz geleitet wird.

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Prof. Dr. Patrizia Thoma
Neuropsychologisches Therapie Centrum
Fakultät für Psychologie
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 32 23119
E-Mail: patrizia.thoma@rub.de

Universitätsstr. 150
44780 Bochum
Postfach 10 21 48
44780 Bochum
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

E-Mail-Adresse: info@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Julia Weiler
Telefon: +49 234 32 25228
E-Mail-Adresse: julia.weiler@uv.rub.de


Prof. Dr. Petra Arck: Neugeborene haben weniger Atemwegsinfekte - Einladung zur Studienteilnahme https://kinderarztpraxis-st-hedwig.de/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Vorgeburtliche Prägung des Immunsystems: 

Neugeborene haben weniger Atemwegsinfekte

Neugeborene, die zum Zeitpunkt der Geburt über viele mütterliche Zellen verfügen, haben im ersten Lebensjahr ein geringeres Risiko für Atemwegsinfekte. 

Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die Wissenschaftler:innen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) jetzt im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht haben.

In der Arbeit haben Forschende aus dem Labor für Experimentelle Feto-Maternale Medizin der Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin die Funktion von mütterlichen Immunzellen untersucht, die während der Schwangerschaft über die Plazenta in den Fetus gelangen. 

„Dort können diese mütterlichen Zellen sehr lange verbleiben, sodass wir vermutlich alle noch etwas ‚Mama‘ in uns tragen“, erläutert Prof. Dr. Petra Arck, Laborleiterin und Forschungsdekanin des UKE. Die Existenz dieser Zellen – von den Forschenden mütterliche mikrochimäre Zellen (MMZ) genannt – ist schon länger bekannt, allerdings war bislang unklar, ob es sich hierbei um ein „versehentliches Überschwappen“ von mütterlichen Zellen auf das Kind handelt oder die Zellen tatsächlich eine Aufgabe haben. „Die Evolution hat diese Zellen bislang nicht ausgemustert, sodass wir uns auf die Suche nach deren Funktion begeben haben.“

Knochenmark wichtiger Ort für die Immunentwicklung

Viele dieser mütterlichen Zellen konnten die Forschenden im fetalen Knochenmark von Mäusen nachweisen. „Das Knochenmark ist ein wichtiger Ort für die Immunentwicklung. Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass die mütterlichen Zellen dort die Reifung der angeborenen Immunantwort fördern“, erläutern die beiden Erstautor:innen der Studie, Dr. Ina Stelzer und Christopher Urbschat. „Diese angeborene Immunantwort ist besonders bei Kindern bis zum ersten Lebensjahr sehr wichtig, um Infektionen abzuwehren.“ 

  • Anhand von Daten der am UKE angesiedelten Geburtskohorte („PRINCE-Studie“) konnten die Forschenden dann feststellen, dass bei Neugeborenen, die zum Zeitpunkt der Geburt über viele mütterliche Zellen verfügten, das Risiko für respiratorische Infektionen im ersten Lebensjahr niedriger war. 
  • „Die über Plazenta und Nabelschnur in das ungeborene Kind eingewanderten mütterlichen Zellen helfen also offensichtlich bei der Prägung des Immunsystems“, so die Schlussfolgerung von Stelzer und Urbschat.


Im Rahmen der PRINCE-Studie (Prenatal Determinants of Children´s Health) wird im UKE bereits seit 2011 untersucht, welche Faktoren während der Schwangerschaft Einfluss auf die langfristige Kindergesundheit haben können. 

Dazu werden Studienteilnehmerinnen vom Beginn ihrer Schwangerschaft bis zur Geburt regelmäßig untersucht, neben dem Immunstatus werden dabei auch Umwelteinflüsse sorgfältig dokumentiert. 

  • Die Wissenschaftler:innen vermuten seit Langem, dass Umwelteinflüsse und Stress bei der werdenden Mutter das Risiko für immunologische Erkrankungen und Infektionen bei den Kindern erhöhen. 

Ziel ihrer Bemühungen ist es, Biomarker wie die MMZ zu finden, um solche Schwangerschaften frühzeitig zu identifizieren und rechtzeitig die Weichen für eine gesunde Entwicklung des Kindes zu stellen. 

Frauen im ersten Drittel ihrer Schwangerschaft können weiterhin an der Studie teilnehmen und sich unter prince@uke.de anmelden
Weitere Infos: www.uke.de/prince

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Prof. Dr. Petra Arck
Labor für Experimentelle Feto-Maternale Medizin
Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Telefon: 040 7410-52533
p.arck@uke.de

Martinistr. 52
20246 Hamburg
Deutschland
Hamburg

Saskia Lemm
Telefon: (040) 7410-56061
E-Mail-Adresse: presse@uke.de
Originalpublikation:

Stelzer, Ina, Arck, Petra et. al. Vertically transferred maternal immune cells promote neonatal immunity against early life infections, Nature Communications, 2021
DOI: https://doi.org/10.1038/s41467-021-24719-z

Professor Berthold Koletzko: KInder- und Jugendliche mit lang andauerndes chronisches Gesundheitsproblem. https://kinderarztpraxis-st-hedwig.de/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Jugendliche - Sorgenkinder der Kindermedizin

Die Stiftung Kindergesundheit informiert über die Vielzahl gesundheitlicher und psychosozialer Probleme von Teenagern

Es gibt in diesem Jahr einen besonderen Grund zu feiern: 

Die ersten Kinder, die in der Bundesrepublik an einer kostenlosen Vorsorgeuntersuchung teilnehmen durften, werden in diesem Jahr 50 Jahre alt. 

Seit 1971 sorgt der Gesetzgeber dafür, dass jedes Kind regelmäßig an einem Früherkennungsprogramm teilnehmen kann. 

Und so sind die ersten „Scheckheft-untersuchten“ Babys und Kleinkinder vermutlich längst selbst Eltern oder sogar Großeltern von ebenfalls „Scheckheft-untersuchten“ Kindern geworden, berichtet die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme.

Früherkennung: „Ein Erfolgsmodell!“

In dem ersten, noch blauen Vorsorgeheft, waren sieben Untersuchungstermine enthalten. 

Das heutige gelbe Heft beinhaltet zehn „U“-Untersuchungen (U1 bis U9) und eine “J“-Untersuchung (J1). 

Die 1998 eingeführte J1-Untersuchung ist der Gesundheitscheck beim Eintritt ins Jugendalter und soll Erkrankungen und Entwicklungsstörungen, aber auch soziale und psychische Probleme frühzeitig erkennen, mögliche Ursachen ergründen und wenn nötig eine Behandlung veranlassen.

„Mit einer Beteiligungsrate von weit über 90 Prozent bei Säuglingen hat sich das Früherkennungsprogramm zu einem wirklichen Erfolgsmodell entwickelt“, berichtet Kinder- und Jugendarzt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Es gibt allerdings einen Makel:  

Die allen Heranwachsenden vom zwölften bis zum vierzehnten Lebensjahr angebotene Jugendgesundheitsuntersuchung J1 wird nur noch von knapp über 50 Prozent der Teenager tatsächlich wahrgenommen. Viele Eltern und Jugendliche wissen nicht einmal, dass es sie gibt“. Besonders selten nehmen Jugendliche mit Migrationshintergrund, sowie Jugendliche mit älteren Geschwistern oder mit einem alleinerziehenden Elternteil beim Kinder- und Jugendarzt den J1-Termin wahr.

„Kein Bock“ auf den Arztbesuch

  • Warum lassen so viele Jugendliche die J1 aus? 
  • Die häufigsten Gründe sind Unkenntnis, Ängste vor der Untersuchung, fehlendes Verantwortungsbewusstsein für die eigene Gesundheit, „keine Zeit“ und „keine Lust“.


Dabei zeigen die Erkenntnisse aus der großen Kindergesundheitsstudie KiGGS, dass auch die Jugendphase erhebliche Risiken für die Gesundheit in sich birgt, betont die Stiftung Kindergesundheit. Gerade in der Gruppe der 11- bis 17-Jährigen gibt es eine hohe Zahl von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und psychosozialen Problemen, zu deren Bewältigung die Jugendlichen kompetente ärztliche Hilfe benötigen.

Die Kommission für Jugendmedizin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) hat für eine Bestandsaufnahme die aktuelle Situation der in Kliniken, sozialpädiatrischen Zentren, Arztpraxen und beim Öffentlichen Gesundheitsdienst betreuten Jugendlichen analysiert und im Fachjournal „Kinder- und Jugendarzt“ veröffentlicht.  

Die ermittelten Daten lassen erkennen, dass Jugendliche - entgegen ihrer eigenen Wahrnehmung und Überzeugung – oft erhebliche gesundheitliche Risiken tragen, betont die Stiftung Kindergesundheit.

Professor Berthold Koletzko präzisiert: „Auch wenn es der Mehrheit der Kinder in Deutschland gut oder sogar sehr gut geht, sind anhaltende Gesundheitsprobleme nicht selten und bedürfen einer sorgfältigen ärztlichen Betreuung“. Laut der KiGGS-Studie (Welle 2) haben 16,2 Prozent (15,3 %–17,1 %) der 0- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen, also ungefähr jedes sechste Mädchen bzw. jeder sechste Junge, ein lang andauerndes chronisches Gesundheitsproblem.

Asthma, Adipositas und ADHS – auch nach zehn Jahren ein Problem


Die häufigste chronische Erkrankung in Kindheit und Jugend ist Asthma bronchiale.

  • Die entzündliche Atemwegserkrankung ist bei vielen betroffenen Kindern und Jugendlichen allergisch bedingt. 
  • Die Krankheit ist sehr belastend, da sie sich auf das emotionale Befinden, die körperliche und schulische Leistungsfähigkeit sowie auf das soziale Miteinander auswirken kann.
  • Auch Übergewicht und Adipositas beeinträchtigen die Lebensqualität und gehen mit schwerwiegenden Risiken wie z. B. Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus Typ 2 einher.


Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung ADHS ist bei Kindern und Jugendlichen – und dabei vor allem bei Jungen – die am häufigsten diagnostizierte Verhaltensstörung. Sie kann sich negativ auf die schulische und soziale Entwicklung auswirken.

„Das wächst sich noch aus“ – diese Hoffnung vieler Eltern erweist sich leider häufig als trügerisch, betont die Stiftung Kindergesundheit. Die aktuellen Ergebnisse der KiGGS-Studie zeigen, dass viele Teilnehmende auch zehn Jahre später noch von ihrer chronischen Krankheit betroffen sind: Bei Asthma sind es mehr als ein Drittel (35 Prozent), ebenso bei ADHS (37 Prozent) und bei Adipositas betrifft es mit 47 Prozent fast die Hälfte.


Kliniken bleiben auf Kosten sitzen

  • 7,7 Prozent aller Jugendlichen müssen mindestens einmal im Jahr stationär in einer Klinik aufgenommen werden. 
  • Die häufigsten Gründe hierfür sind Depressionen, Bauch- und Beckenschmerzen, Alkoholmissbrauch, Gehirnerschütterung und Blinddarmentzündung.


Die Teenager werden in Kinderkliniken häufig gemeinsam mit Säuglingen und Kleinkindern auf gemischten Stationen behandelt, die nicht primär für Heranwachsende ausgestattet sind. 

Ein besonderes Problem der Kliniken: 

Eine Finanzierung von speziellen Jugendabteilungen und Jugendstationen ist im heute gültigen Fallpauschalen-System nicht vorgesehen. Eine wirklich angemessene Betreuung der jungen Patienten über die unmittelbaren medizinischen Probleme hinaus ist in der Regel nicht gewährleistet, da das Fallpauschalen-System die Finanzierung solcher zusätzlichen Leistungen nicht vorsieht. Dies ist besonders bedauerlich, denn zwei der drei häufigsten Diagnosen für Jugendliche finden sich im Bereich der psychosomatischen Medizin, beklagt die DAKJ.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Pflegekräfte in den Kinderkliniken häufig auf die Betreuung von Neugeborenen und älteren Säuglingen spezialisiert sind, aber keine spezielle Ausbildung zu jugendmedizinischen Themen und den besonderen Bedürfnissen von Heranwachsenden vorweisen können.  

Mit der vom Bundestag beschlossenen Einführung einer generalistischen Pflegeausbildung wird die spezielle pädiatrische Ausbildung in der Pflege zusätzlich reduziert.

Neue Aufgaben in den Sozialpädiatrischen Zentren

Ähnliche Probleme stellen sich in den Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ). Früher lag dort der Fokus überwiegend auf der Betreuung von schwer- und mehrfachbehinderten Kindern, die vor allem eine neuropädiatrische Behandlung benötigten. Inzwischen werden aber immer mehr Kinder und Jugendliche mit anderen chronischen sowie psychosozialen Problemen betreut.

  • Aktuell betreffen knapp 50 Prozent aller Diagnosen Verhaltens- und emotionale Störungen. Der Anteil der Kinder mit infantiler Zerebralparese beträgt dagegen 5,6 Prozent, mit Epilepsie 8,2 Prozent.


Entsprechend hat sich auch die Zusammensetzung der SPZ-Teams im Laufe der Jahre verändert: Mittlerweile stellt die Berufsgruppe von Psychologen sowie Sozial- und Heilpädagogen den größten Anteil der Mitarbeitenden dar.

Probleme in den kinderärztlichen Praxen


Viele Jugendliche scheuen den Besuch beim Kinderarzt. Sie glauben, gesund zu sein, halten eine Untersuchung nicht für nötig und finden den Aufenthalt im Wartezimmer zwischen den Babys und kleineren Kindern „ätzend“. Dabei hätten sie genügend Gründe für ein Gespräch: Denn wenn sie gefragt werden, berichten mehr als 15 Prozent der Jugendlichen über anhaltende körperliche und psychische Erkrankungen oder zumindest Belastungen.

Gefahren für die Gesundheit bergen auch die für das Jugendalter typischen riskanten Verhaltensweisen: Viele Heranwachsende beginnen das Rauchen, konsumieren Alkohol oder experimentieren mit illegalen Drogen. Auch Verletzungen durch gefährdendes Verhalten sind häufig: 16 Prozent der befragten Jugendlichen geben an, in den letzten zwölf Monaten einen Unfall erlitten zu haben, 6,3 Prozent sogar mehr als einmal.

Dass Jugendliche dennoch nur selten ihre Spezialisten, die Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte aufsuchen, liegt allerdings oft am Management und der kleinkind-spezifischen Ausstattung der ärztlichen Praxen. Nötig wären, nach Einschätzung der DAKJ, jugendspezifische Anmeldemöglichkeiten, Terminvergabe, geringe Wartezeit, im Umgang mit Jugendlichen erfahrene Mitarbeitende und entsprechend jugendspezifisch – zum Beispiel mit WLAN - eingerichtete Warte- und Behandlungszimmer.

Finanzierung – Knackpunkt im Öffentlichen Gesundheitsdienst

Wichtige Arbeitsbereiche der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) sind, neben dem während der aktuellen Corona-Pandemie noch wichtiger gewordenen Infektionsschutz, die in einigen Bundesländern noch regelmäßig durchgeführten Schuluntersuchungen und der Kinder- und Jugendärztliche Dienst. Das besondere Augenmerk gilt Gruppen, die häufig nicht ausreichend versorgt sind, zum Beispiel Kinder und Jugendliche aus psychosozial benachteiligten Familien, psychisch erkrankte Jugendliche, aber auch Kinder und Jugendliche von psychisch erkrankten oder suchtkranken Eltern.

Der Öffentliche Gesundheitsdienst wurde jedoch in den letzten Jahren sehr stark abgebaut und leidet mittlerweile unter einem gravierenden Personal- und Nachwuchsmangel: ÖGD-Ärztinnen und -ärzte verdienen 15 bis 20 Prozent weniger als andere Ärztegruppen. Wohl auch deshalb bleiben viele Stellen, sogar in Führungspositionen, unbesetzt.

„Die aufgezeigten gesundheitlichen Risiken zeigen, dass es sich bei den Jugendlichen um eine bisher in vieler Hinsicht in der Versorgung benachteiligte Gruppe handelt“, sagt Kinder- und Jugendarzt Professor Berthold Koletzko. „Wir brauchen daher mehr gesundheitsfördernde und präventive Lebens- und Arbeitsbedingungen in Schule und Ausbildung“.

Wichtig sei dabei ein abgestimmtes, vernetztes Handeln der daran beteiligten Institutionen von Forschung, Medizin und Politik sowie eine gesicherte Finanzierung der Maßnahmen. Professor Koletzko betont: „Nur gemeinsam können wir erreichen, dass Jugendliche gesund in ihr Erwachsenenleben starten und dort ihre Potentiale entfalten können“. 

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Generalsekretärin
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Professor Dr. Constantin von Kaisenberg: Kaiserschnitt: ja oder nein? Geburtsmodus-Gespräche für Zwillingsgeburten und Beckenendlage

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Kaiserschnitt: ja oder nein?

MHH-Spezialsprechstunde bei Zwillingsgeburten oder Beckenendlage

  • In Deutschland kommen immer mehr Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. 
  • Dabei ist diese Art der Geburt in vielen Fällen medizinisch gar nicht unbedingt notwendig. 

Selbst wenn eine Schwangere Zwillinge erwartet oder das Ungeborene in der Beckenendlage liegt, heißt das nicht automatisch, dass sie nur durch einen Kaiserschnitt entbinden kann. 

Hebamme Nina Meier, Patientin Sina B. mit ihren Zwillingen Elisa und Clara sowie Dr. Rüdiger Klapdor (von links).

 Hebamme Nina Meier, Patientin Sina B. mit ihren Zwillingen Elisa und Clara sowie Dr. Rüdiger Klapdor (von links). Copyright: „Karin Kaiser / MHH“

Seit dem Frühjahr gibt es für diese Frauen in der Frauenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) eine Spezialsprechstunde. Ein Team aus Ärztinnen, Ärzten und Hebammen berät und begleitet die Schwangeren während der letzten Schwangerschaftswochen, damit die werdenden Mütter dann besser entscheiden können, ob ein Kaiserschnitt oder eine natürliche Geburt das Richtige für sie ist.

Seit 1991 hat sich die Kaiserschnittrate in Deutschland fast verdoppelt. 

2019 lag sie bei 29,6 Prozent.  

Der Anstieg hat unterschiedliche Gründe, ist aber im Gesamtergebnis nicht mit einer besseren Gesundheit von Mutter und Kind verbunden. In der MHH-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe unter der Leitung von Klinikdirektor Professor Dr. Peter Hillemanns werden den werdenden Eltern sogenannte Geburtsmodus-Gespräche angeboten.  

„Dabei haben wir festgestellt, dass es besser ist, Schwangere, die Zwillinge erwarten oder deren Kind in der Beckenendlage liegt, über einen längeren Zeitraum bis zur Geburt zu begleiten“, erklärt Privatdozent Dr. Rüdiger Klapdor, Oberarzt in der Frauenklinik. 

Denn häufig seien diese Frauen von vornherein fest davon überzeugt, dass es für sie keine Alternative zum Kaiserschnitt gebe. Doch ein Kaiserschnitt ist nicht automatisch die bessere Variante. „Es gibt Gründe dafür und dagegen, das kommt immer auf den einzelnen Fall an“, sagt Dr. Klapdor.

„In der Spezialsprechstunde für Zwillingsgeburten und Beckenendlage sehen wir die schwangeren Frauen mehrmals und können mit ihnen die Entwicklung der Kinder oder des Kindes verfolgen“, erläutert Hebamme Nina Meier. Hebammen, Ärztinnen und Ärzte nehmen sich Zeit für die werdenden Eltern, informieren sie sachlich und können ihnen vielleicht auch unbegründete Ängste nehmen. Die Fachleute haben reichlich Erfahrung und kennen die Studien und medizinischen Leitlinien. „Unser Ziel ist es, die Schwangeren so gut zu informieren, dass sie schließlich selbst die richtige Entscheidung treffen können“, sagt Dr. Klapdor. So war es auch bei Sina B. aus der Region Hannover. Sie brachte am 21. Juni in der MHH die Zwillingsschwestern Elisa und Clara auf die Welt. „Alle Verwandten und Freunde waren davon ausgegangen, dass ich per Kaiserschnitt entbinden würde, sogar ich selbst war anfangs davon überzeugt“, berichtet die junge Mutter. Dann erblickten die kleinen Mädchen das Licht der Welt doch auf natürlichem Wege. „Es hat alles geklappt, und ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unwohl gefühlt“, sagt Sina B. 

Die Hebammen und Gynäkologen sind gut auf Zwillingsgeburten und Geburten mit Beckenendlage vorbereitet.  

Professor Dr. Constantin von Kaisenberg, Bereichsleiter Geburtshilfe und Pränatalmedizin, hat dort schon vor mehreren Jahren das spezielle PROMPT-Training etabliert, bei denen das Team in regelmäßigen Simulationstrainings auf genau diese Geburtssituationen geschult wird.

  • Die MHH ist ein Perinatalzentrum Level 1, das entspricht der höchsten Versorgungsstufe für Schwangere und ihre neugeborenen Kinder. 

Dort werden auch zahlreiche Patientinnen mit Risikoschwangerschaften und Frühgeburten betreut, bei denen ein Kaiserschnitt indiziert ist. 

Dennoch 2019 betrug die Kaiserschnittrate in der Frauenklinik nur 29,8 Prozent. 

Damit lag sie deutlich unter dem Durchschnitt der deutschen Level 1-Geburtskliniken. 

Dieser betrug 35 Prozent.

Die World Health Organization strebt allgemein eine Kaiserschnittrate von 15 Prozent an. 

  • Kaiserschnitte können – zumindest potenziell – unerwünschte Auswirkungen auf die Atmung und das Immunsystem des Kindes sowie auf die spätere Entwicklung von Asthma haben.


Interessierte können sich über die Schwangeren-Ambulanz der Frauenklinik unter Telefon (0511) 532-9567 zur Spezialsprechstunde für Zwillingsgeburten und Beckenendlage anmelden.

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Professor Dr. Constantin von Kaisenberg

vonKaisenberg.Constantin@mh-hannover.de

Telefon (0511) 532-6096

PD Dr. Rüdiger Klapdor

klapdor.ruediger@mh-hannover.de

Carl-Neuberg-Straße 1
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Stefan Zorn
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Prof. Dr. Pablo Sinues: Atemtest bei Epilepsie-Patienten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Mit Atemtest zur richtigen Therapie bei Epilepsie

Luft statt Blut: 

Forschende der Universität Basel haben eine neue Testmethode entwickelt, um die Therapieerfolge von Epilepsie-Patienten zu messen. 

Davon versprechen sie sich eine präzisere Reaktionsmöglichkeit bei der Behandlung der Krankheit.

50 Millionen Menschen sind weltweit von Epilepsie betroffen. 

  • Die medikamentöse Behandlung der Erkrankung ist eine Gratwanderung, die Dosis muss sehr genau auf die jeweilige Person eingestellt sein.
  •  «Ein bisschen zu wenig, und es wirkt nicht, ein bisschen zu viel, und es wird toxisch», erklärt Prof. Dr. Pablo Sinues.


Sinues ist als Botnar-Forschungsprofessor für Pädiatrische Umweltmedizin an der Universität Basel und am Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) tätig. Ausserdem ist er Mitglied des Departements für Biomedical Engineering der Universität Basel. Er hat gemeinsam mit Kollegen des Universitätsspitals Zürich (USZ) während zweieinhalb Jahren nach einer Möglichkeit gesucht, wie die Medikamente von Epilepsie-Patienten möglichst genau dosiert werden können.  

Dazu benutzten sie einen Atemtest. 

Der Vorteil: 

Die Kontrolle geschieht nicht über eine Blutprobe, die bei Kindern immer auch ein Stressfaktor sein kann. Und weil die Probe nicht erst ins Labor muss, sind die Resultate sofort verfügbar.

«Sie können es sich vorstellen wie den Alkoholtest, wenn die Polizei Sie beim Autofahrer aus dem Verkehr nimmt», erklärt Sinues. Nur, dass es sich beim Atemmessgerät um eine grosse Maschine handle. «Alkohol ist in hohen Konzentrationen in der Luft, da reicht ein kleines Gerät. Wir suchen nach einem Tropfen in 20 Swimmingpools», so der Botnar-Forschungsprofessor. Mit den Resultaten wollen die Forschenden erkennen, ob die Wirkstoffe in den richtigen Konzentrationen im Körper vorhanden sind und ob sie den gewünschten Einfluss auf die Krankheit haben.

Mit Erfolg: Sowohl bei den jungen Patientinnen und Patienten am UKBB als auch bei der erwachsenen Referenzgruppe am Universitätsspital Zürich führten die Atemtests zu den gleichen Resultaten wie die konventionellen Blutuntersuchungen, schreibt die Forschungsgruppe in ihrer Studie, die in «Communications Medicine» erschien. 

Das bedeutet, dass es neben den Blutuntersuchungen eine zweite Möglichkeit gibt, um die Epilepsie-Therapie zu monitoren. 

Und die Methode gibt noch weitere Informationen zum Stoffwechsel der Patientinnen und Patienten, die die Ärzte für die Therapie nutzen können.

Das Besondere an diesem Forschungsprojekt sei die Verzahnung zwischen Wissenschaft und medizinischer Praxis, die an der Universität Basel einmalig sei, sagt Sinues: «Dank dieser Ausgangslage können wir Maschinen bauen, die genau auf die Bedürfnisse der Ärztinnen und Ärzte abgestimmt sind.»

Am UKBB ist insbesondere die schnelle Verfügbarkeit der Testresultate ein grosser Vorteil der neuen Messmethode: 

Die jungen Patientinnen und Patienten brauchen eine ständige Anpassung ihrer Medikamente, weil sich ihr Stoffwechsel mit dem Wachstum verändert. 

Mit der neuen Technologie erhalten die Ärzte einen nicht-invasiven Test, der ihnen sofort Anhaltspunkte gibt, wie erfolgreich die angewendete Therapie verläuft. 

Entsprechend schnell können sie reagieren, wenn das Medikament anders dosiert werden muss.

Vier Jahre lang dauerte es bis zu diesem Durchbruch. Noch kann die Technik nicht flächendeckend angewendet werden – das ist aber das erklärte Ziel von Sinues: 

Das eigens dafür gegründeten Start-up «Deep Breath Intelligence» soll für die Messmethode die Lizenz erwerben.

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Prof. Dr. Pablo Sinues, Department of Biomedical Engineering, 

Tel. +41 79 886 54 00, E-Mail pablo.sinues@unibas.ch

Catherine Weyer Universität Basel

Petersgraben 35, Postfach
4001 Basel
Schweiz
Basel-Stadt

E-Mail-Adresse: kommunikation@unibas.ch

Catherine Weyer
Telefon: +41 (0)61 207 30 15
E-Mail-Adresse: catherine.weyer@unibas.ch
Originalpublikation:

Personalised therapeutic management of epileptic patients guided by pathway-driven breath metabolomics
DOI 0.1038/s43856-021-00021-3
https://www.nature.com/articles/s43856-021-00021-3.epdf?sharing_token=ngCepMdrmr...

 

Univ.-Prof. Dr.sc.agr. Qendrim Zebeli: Schimmelpilzgifte - Mykotoxine/Pilztoxinen : Gefahr für den Menschen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Mehr Pilzgifte auf Weiden durch Klimaerwärmung

Eine soeben in der renommierten Fachzeitschrift „Toxins“ veröffentlichte Studie der Vetmeduni Vienna untersuchte, inwieweit Weiden – eine wichtige Futterquelle für die Milchproduktion – durch Schimmelpilzgifte kontaminiert sind. 

  • Die Ergebnisse zeigen, dass diese Mykotoxine genannten Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen ein unterschätztes Risiko für Weide- und Futtertiere aber auch für den Menschen darstellen. 

Weitere wichtige Erkenntnis: 

Je höher die Umgebungstemperatur ist, umso stärker ist die Belastung mit Pilztoxinen.

  • Weiden sind wichtige Futterquellen für Weidetiere wie Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde. 
  • Sie können jedoch mit mehreren Sekundärmetaboliten (Stoffwechselprodukte) aus Pilzen und Pflanzen mit toxischer oder endokrinschädigender Wirkung kontaminiert sein, die ein Risiko für die Gesundheit, Fortpflanzung und Leistungsfähigkeit von Weidetieren darstellen. 

Das zeigt eine soeben erschienene explorative Studie der Vetmeduni Vienna, deren Ziel es war, das Vorkommen und die Konzentrationen eines breiten Spektrums von Mykotoxinen, Phytoöstrogenen und anderen sekundären Metaboliten in Weiden zu evaluieren.

Gesundheitsrisiko für Tier und Mensch

Im Rahmen der Studie wurden von April bis Oktober 2019 repräsentative Weideproben von 18 österreichischen Milchviehbetrieben (eine repräsentative Probe pro Betrieb) entnommen und nach der Probenvorbereitung mittels hochauflösender Massenspektrometrie analysiert. „Auf den von uns untersuchten Weiden konnten wir häufig Mischungen aus Mykotoxinen, neuartigen (emerging) Mykotoxinen und Phytoöstrogenen nachweisen. Aufgrund ihrer Einbindung in die Futtermittelkette, der nicht abschätzbaren toxikologischen Wechselwirkungen und der Übertragung (zum Teil) auf tierische Produkte können diese Toxinmischungen ein Gesundheitsrisiko für Tier und Mensch darstellen, welches mit der Klimaerwärmung wohl zunehmen wird und verstärkt im Blickfeld der Wissenschaft bleiben muss“, so Studienleiter Qendrim Zebeli, Leiter des Instituts für Tierernährung und funktionelle Pflanzenstoffe der Vetmeduni Vienna.

Studie identifiziert 68 schädliche Stoffe in österreichischen Weiden

Mit insgesamt 68 Metaboliten wurde ein breites Spektrum an Mykotoxinen, Phytoöstrogenen und Sekundärmetaboliten nachgewiesen. 

  • Obwohl die Konzentrationen einzelner Pilzgifte und Metaboliten im Allgemeinen niedrig waren (oft weniger als 200 Mikrogramm/kg Trockenmasse), konnte die Gesamtkonzentration der Pilzmetaboliten auf einzelnen Weiden über 6.000 Mikrogramm/kg Trockenmasse erreichen. 

Im Detail betrachtet unterstreichen die Daten, dass Fusarium der wichtigste Pilz auf Weiden ist. 

Dennoch sollte laut den WissenschafterInnen auch auf mögliche hohe Belastungen mit Mutterkornalkaloiden und Alternaria geachtet werden.

Steigende Temperaturen als wichtigster Einflussfaktor: 

Exponentieller Toxin-Anstieg ab einem Tagesmittelwert von 15 °C

Grundsätzlich wird die Produktion von pilzlichen und pflanzlichen Sekundärmetaboliten durch vielfältige biologische (z. B. Art, Sorte, Pflanzenalter, parasitäre und symbiotische Interaktionen) sowie geoklimatische Faktoren (Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit, Niederschlag, Breitengrad und Höhe) beeinflusst. 

Als einflussreichster Faktor erwies sich jedoch die Umgebungstemperatur. 

Die Zahl der Pilzmetaboliten stieg mit steigender Temperatur linear an und Durchschnittstagestemperaturen über 15 °C lösten einen exponentiellen Anstieg der Konzentrationen von Fusarium- und Alternaria-Metaboliten und Mutterkornalkaloiden aus. 

Zusammenfassend lässt sich laut Studien-Erstautor Felipe Penagos-Tabares vom Institut für Tierernährung und funktionelle Pflanzenstoffe der Vetmeduni Vienna sagen, „dass die Langzeitexposition zusammen mit dem gleichzeitigen Auftreten verschiedener Mykotoxine ein unterschätztes Risiko für Weide- und Futtertiere darstellen könnte, auch wenn die nachgewiesenen Mengen unter den EU-Richtlinien lagen. 

Die von uns erhobenen Daten weisen auf einen dominanten Einfluss der Umgebungstemperatur auf die Diversität und das Kontaminationsniveau von giftigen Pilzmetaboliten in Weiden hin. 

Der Klimawandel findet auch auf den heimischen Weiden seinen Niederschlag.“

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Univ.-Prof. Dr.sc.agr. Qendrim Zebeli
Institut für Tierernährung und funktionelle Pflanzenstoffe
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
qendrim.zebeli@vetmeduni.ac.at

Veterinärplatz 1
1210 Wien
Österreich
Wien

Nina Grötschl
Telefon: +43 1 25077-1187
E-Mail-Adresse: nina.groetschl@vetmeduni.ac.at
Originalpublikation:

Der Artikel „Mycotoxins, Phytoestrogens and Other Secondary Metabolites in Austrian Pastures: Occurrences, Contamination Levels and Implications of Geo-Climatic Factors“ von Felipe Penagos-Tabares, Ratchaneewan Khiaosaard, Veronika Nagl, Johannes Faas, Timothy Jenkins, Michael Sulyok und Qendrim Zebeli wurde in „Toxins“ veröffentlicht. https://www.mdpi.com/2072-6651/13/7/460

Reiten ist kein Zweikampf - und wir hauen auch nicht richtig drauf und Kick-Boxen auch nicht das Turnierpferd.....!

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wirbelsäulenverletzungen: Was im Reitsport und Zweikampf zu beachten ist

Reiten und Zweikampf sind zwei beliebte Freizeitsportarten und Olympia, bei denen Wirbelsäulenverletzungen nicht auszuschließen sind. 

Die Entstehungsmechanismen dieser Verletzungen sind in den beiden Sportarten völlig verschieden.

  • Während beim Reiten fast immer traumatische Verletzungen durch Unfälle vorkommen, sind es im Kampfsport Dauerschäden durch Mikrotraumen. 

Beides ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und deshalb Thema auf dem Zeulenrodaer Kongress für Orthopädie und Sportorthopädie(ZKOS) vom 26. bis 28. August 2021.

Im Reitsport gibt es drei grundsätzlich unterschiedliche Verletzungsmuster: 

  • durch den Sturz vom Pferd – solo oder gegen ein Hindernis, durch den Sturz mit dem Pferd - wo häufig ein gewaltiges Gewicht auf den Reiter einwirkt und durch einen Hufschlag bei der Pflege des Pferdes.


„Am häufigsten passiert der Sturz vom Pferd bei Reitern, die das Tier nicht genau genug kennen. 

Medizin am Abend Berlin - ZusatzLink: Olympia 2020  

  • Dabei machen 45,6 Prozent der Verletzungen Frakturen der Lenden-Wirbelkörper aus, vor allem des L1. 

Nur 11,6 Prozent der Verletzungen ereignen sich außerhalb der Lendenwirbelsäule“, sagt Prof. Dr. Wolfram Mittelmeier, Direktor der Orthopädischen Klinik, Universitätsmedizin Rostock.

Mittelmeier war selbst jahrelang aktiver Reiter und Karatesportler, als saarländischer Homburg-Schwarzenacker Sportler.

Zusammen mit Kollegen hat er lange Zeit Hunderte Verletzungen im Pferdesport untersucht und ausgewertet.

Demnach gibt es beim Reitsport teils auch schwere Verletzungen und Lähmungen. Wie beim Weltmeister der Springreiter, Norbert Koof.

Die meisten Verletzungen sind jedoch weniger schwer. 

  • Rund ein Drittel aller Verletzungen passiert gar nicht beim Reiten selbst, sondern bei der Pflege des Pferdes. 
  • Über 12 Prozent aller Tritte gehen dabei in die Lendenwirbelsäule.


Zur Vermeidung dieser Verletzungen sollten Trainer eine Einheit von Pferd und Reiter herstellen, Kinder langsam an das Pferd gewöhnen und ihnen das richtige Verhalten beim Umgang mit dem Tier zeigen

Reitschulen sollten versuchen, Reitern häufig dasselbe Pferd zu geben. 

Eltern müssen beachten, dass Reiten eine Sportart mit einem beweglichen, sensiblen „Sportgerät“ ist.

Mittelmeier: „Kinder müssen sportlich und beweglich sein, am besten vorher zum Voltigieren (Turnen am sich bewegenden Pferd) gehen. Wenn sie später in den Reitsport wechseln, sollten sie mindestens ein- bis dreimal pro Woche reiten.“ Sinnvoll ist es laut Mittelmeier auch, zusätzlich zum Reitsport das richtige Abrollen, z.B. im Judo, zu erlernen.

Verletzungen im Kampfsport entstehen wiederum entweder durch Gegenwirkung oder Aufprall beim Werfen, wie beispielsweise im Judo (ausgekugelte Schultern oder auch HWS-Verletzungen) oder durch das Schlagen, wie bei Karate, Kickboxen oder Taekwondo. 

Bei Letzteren sind häufig Hände, Füße und Gesicht betroffen. 

Insgesamt überwiegen im Kampfsport aber die Verschleißerkrankungen durch Mikrotraumen.

Eine hohe Beschleunigung des Beines mit anschließendem Tritt ins Leere ist eine extreme Belastung für die Lendenwirbelsäule. 

An den kleinen Wirbelgelenken können Überlastungen entstehen. 

Besonders einseitige wiederholte Übungen können die Wirbelgelenke und Bandscheiben überlasten.

Wer sportlich bis ins Alter bleibt, kann auch trotz jahrelangem Leistungssport in diesen Sportarten eventuelle Schäden (häufig L4/L5/S1) relativ gut kompensieren - mit Physiotherapie, Bandagen und speziellen Übungen. 

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Kathrin Reisinger Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS)

Bachstraße 18
07743 Jena
Deutschland
Thüringen

Telefon: 036 41 / 63 89 144
E-Mail-Adresse: presse@gots.org
Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.zkos.de/


PD Dr. Olga Ramich: Das Insulin - und die Innere Uhr des zirkadianen Rhythmus: Folge: Übergewicht und Diabetes Typ 2

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Insulin kann die innere Uhr im Fettgewebe direkt beeinflussen

  • Essen zur falschen Tageszeit stört unseren zirkadianen Rhythmus und steigert das Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes. 

Erste Erklärungen für dieses Phänomen liefert das Team um PD Dr. Olga Ramich vom DIfE, Professor Achim Kramer und Professor Andreas F. H. Pfeiffer von der Charité – Universitätsmedizin Berlin in einer neuen Studie. 

Die Forschenden haben erstmals an humanen Proben gezeigt, dass Insulin die innere Uhr des Fettgewebes beeinflussen kann. 

Die Ergebnisse wurden im Journal Diabetes veröffentlicht. 

Mikroskopische Aufnahme von humanen Adipozyten, in denen sich Lipidtropfen (weiß) ansammeln. (Foto: DIfE)
Mikroskopische Aufnahme von humanen Adipozyten, in denen sich Lipidtropfen (weiß) ansammeln. (Foto: DIfE) DIfE 

Von Kopf bis Fuß durchgetaktet

  • Unsere innere Uhr steuert nahezu alle physiologischen Prozesse, beispielsweise den Stoffwechsel, den Blutdruck und die Körpertemperatur. 
  • Neben der zentralen inneren Uhr, die im suprachiasmatischen Nucleus des Hypothalamus sitzt, gibt es viele untergeordnete Uhren, die in jedem Organ, Gewebe und jeder Zelle des Körpers zu finden sind. 

Die zirkadianen Rhythmen basieren auf einem engen Zusammenspiel von sogenannten Clock-Genen, die über miteinander verschachtelte Rückkopplungsschleifen einen 24-Stunden-Rhythmus generieren. Neue Studien zeigen, dass die Essenszeiten und die Nahrungskomposition den zirkadianen Rhythmus verschiedener Gewebe verändern können. Metabolisch aktive, insulinsensitive Gewebe, wie Leber und Fettgewebe, sind davon besonders betroffen

  • Zudem steigern Essenszeiten, die nicht im Einklang mit der inneren Uhr stehen, das Risiko für Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen wie Metabolisches Syndrom und Typ-2-Diabetes. 

Über die zugrundeliegenden Mechanismen ist bislang jedoch wenig bekannt.

Insulin verändert Gen-Expression

Für die aktuelle Studie untersuchte das Forschungsteam um Ramich, Kramer und Pfeiffer, welchen Einfluss der erhöhte Insulinspiegel nach einer Mahlzeit auf den zirkadianen Rhythmus des Fettgewebes hat und welche molekularen Mechanismen dabei eine Rolle spielen. 

Dafür analysierten sie Fettgewebsproben von 17 adipösen, nicht-diabetischen Männern, die vor und vier Stunden nach dem sogenannten hyperinsulinämischen-euglykämischen Clamp* entnommen worden sind. „Diese Methode wird in der Regel zur Bestimmung der Insulinsensitivität genutzt. Aber auch für unsere Fragestellung war sie ideal, weil wir so die reinen Effekte von Insulin auf das Fettgewebe des Menschen in vivo untersuchen konnten“, erklärt Ramich, die am DIfE die Forschungsgruppe Molekulare Ernährungsmedizin leitet. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler isolierten das genetische Material aus den Fettgewebsproben und bestimmten die Aktivität verschiedener Gene. Im Vergleich zur Kontrollgruppe, die statt Insulin eine Kochsalzlösung erhalten hatte, zeigte sich eine deutlich veränderte Expression der Clock-Gene, was auf eine insulinabhängige Regulation der inneren Uhr schließen lässt.

Zirkadiane Rhythmen sichtbar gemacht

Zur Aufklärung der molekularen Mechanismen, die für diese Regulation verantwortlich sind, nutzten die Forschenden menschliche und tierische Fettzellen, die in Kultur genetisch transformiert wurden oder aus einem genetisch modifizierten Mausmodell isoliert wurden. In diese Zellen wurde ein Luciferase-Gen eingesetzt und an einen Abschnitt des Per2-Gens gekoppelt. Per2 ist eines der Schlüsselgene des molekularen Uhrwerks. Dank der Luciferase** erzeugen die Zellen Licht in Abhängigkeit von der Per2-Aktivität, was den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglichte, die zirkadianen Rhythmen von Per2 in Echtzeit über mehrere Tage zu beobachten. „Wir stellten fest, dass Insulin eine schnelle und vorübergehende Aktivitätssteigerung von Per2 bewirkt und somit den gesamten Clock-Rhythmus verändert“, erklärt Dr. Neta Tuvia, die sich die Erstautorenschaft der Studie mit Dr. Olga Ramich teilt.

Entscheidende Gen-Abschnitte identifiziert

In molekularbiologischen Versuchen identifizierten die Forschenden dann diejenigen Abschnitte des Per2-Gens, welche für den Insulineffekt entscheidend sind. Sie kürzten Stück für Stück den Promotor – jenen DNA-Abschnitt, der die Expression eines Gens steuert – und stellten fest, dass der Bereich zwischen 64 und 43 Basenpaaren eine wesentliche Rolle spielt. „Unsere Ergebnisse zeigen erstmals, auf welche Weise ungünstige Essenszeiten unsere zirkadianen Rhythmen stören und negative Stoffwechselveränderungen hervorrufen können“, fasst Ramich zusammen. 

  • „Das kann auch erklären, warum sich nächtliches Essen besonders ungünstig auf den Stoffwechsel auswirkt.“ 

Die Forschenden gehen davon aus, dass die Mechanismen, die zur essensbedingten Umstellung der inneren Uhr führen, noch komplexer sind und weitere Hormone und Metabolite daran beteiligt sind. Das gilt es in zukünftigen Studien zu überprüfen.

Hintergrundinformationen

* Hyperinsulinämischer-euglykämischer Clamp

  • Diese Methode gilt als Goldstandard zur Bestimmung der Insulinsensitivität. 
  • Dabei wird einer Person eine definierte Menge Insulin infundiert und schrittweise Glukose zugeführt, bis ein normaler Nüchternblutzucker erreicht ist. 
  • Je mehr Glukose man dafür verabreichen muss, desto höher ist die Insulinsensitivität der Person. 
  • Je weniger Glukose nötig ist, desto stärker ist die Insulinresistenz.


** Luciferase

Luciferasen sind Enzyme, die durch eine katalysierte Reaktion Licht erzeugen können. Sie kommen in verschiedenen Organismen vor, z. B. in Glühwürmchen, Tiefseefischen und Pilzen. Luciferasen haben ein großes Anwendungsspektrum in der Biotechnologie und werden häufig als Marker eingesetzt.

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PD Dr. Olga Ramich
Leiterin der Forschungsgruppe Molekulare Ernährungsmedizin
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Tel.: + 49 33 200 88 - 2749
E-Mail: olga.ramich@dife.de

Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)

Susann-C. Ruprecht eutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal
Tel.: +49 33 200 88 - 2335
E-Mail: presse@dife.de

Sonja Schäche
Telefon: 033200 88 2278
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Susann-C. Ruprecht
Mitarbeiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 033200882335
Fax: 0332008872335
E-Mail-Adresse: susann.ruprecht@dife.de

Originalpublikation:

Tuvia, N., Pivovarova-Ramich, O., Murahovschi, V., Lück, S., Grudziecki, A., Ost, A. C., Kruse, M., Nikiforova, V. J., Osterhoff, M., Gottmann, P., Gögebakan, Ö., Sticht, C., Gretz, N., Schupp, M., Schürmann, A., Rudovich, N., Pfeiffer, A. F. H., Kramer, A.: Insulin directly regulates the circadian clock in adipose tissue. Diabetes in press (E-pub ahead of print) (2021).