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Einladung zur Studie: Übergriffe auf Polizei- und Rettungskräfte http://www.gevore.de

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: „Gewalt gegen Vollstreckungsbeamte und Rettungskräfte“ GeVoRe - Forschungsprojekt startet

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Corona-Virus  

Seit dem 30. Mai 2017 gilt die Gesetzesänderung der sogenannten Widerstandsdelikte und macht es möglich, dass Übergriffe auf Polizei- und Rettungskräfte härter bestraft werden können. 

Um die Auswirkungen der Gesetzesänderung der §§ 113 - 115 StGB auf die Praxis der Strafverfolgung und -justiz zu untersuchen, startete am 01. November 2019 die Studie GeVoRe unter der Leitung von Prof. Anja Schiemann. 
 
In dem auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojekt geht es nicht nur um eine umfassende Gesetzesevaluation, sondern darüber hinaus auch um eine besondere Betrachtung der Gewaltdynamiken, die zur Verwirklichung der einschlägigen Straftatbestände führen.

Daher sollen neben Aktenanalysen und Experteninterviews in 2020 auch Personen befragt werden, die an den Interaktionen beteiligt waren, die dann in einer Anzeige einer eventuellen Deliktsverwirklichung der §§ 113 ff. StGB mündeten.

„Die bisherige Forschung betrachtet bisher meist nur eine Perspektive – Gewalt ist jedoch häufig das Ergebnis eines Prozesses, den die Beteiligten wechselseitig beeinflussen können“, so die Projektleiterin Anja Schiemann.

„Umso wichtiger ist es, dass möglichst viele Personen an der Studie teilnehmen und ihre Perspektive schildern.“

Daher wurde eine Projekthomepage eingerichtet, auf der sich Beteiligte und Betroffene informieren sowie ihre Bereitschaft für die Teilnahme eines Interviews erklären können.

InterviewpartnerInnen werden ab jetzt gesucht.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt und garantiert damit eine unabhängige Forschung.

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Prof. Dr. Anja Schiemann
Fachgebiet für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminalpolitik
Deutsche Hochschule der Polizei
E-Mail: projektleitung@gevore.de

Dr. Mechthild Hauff Deutsche Hochschule der Polizei
Zum Roten Berge 18-24
48165 Münster
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Telefon: 02501 806 210
Fax: 02501 806 466
E-Mail-Adresse: mechthild.hauff@dhpol.de


Sylvia Höpper
Telefon: 02501 806 211
E-Mail-Adresse: sylvia.hoepper@dhpol.de


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Untersucher-Studie-Einladung zu: LDL-Cholesterin http://www.nutrition.uni-hannover.de

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Cholesterin natürlich senken

Leibniz Universität sucht Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Ernährungsstudie zur Senkung von LDL-Cholesterin 
 
  • Das Institut für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung der Leibniz Universität Hannover sucht Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 30 und 75 Jahren mit erhöhten Cholesterinspiegeln für eine Ernährungsstudie. 

In der Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Hahn soll untersucht werden, inwieweit ein erhöhter Spiegel an Cholesterin durch die Gabe eines Supplementes mit Artischockenblattextrakt und einem Probiotikum (Lactobacillus plantarum) gesenkt werden kann.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Rettungsgasse  

Ziel der Untersuchung ist es, einen erhöhten Cholesterinspiegel zu reduzieren, um damit das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen zu senken.


Fettstoffwechselstörungen wie beispielsweise erhöhte Cholesterinspiegel zählen neben Rauchen, Bluthochdruck und Übergewicht zu den wichtigsten Risikofaktoren für Arteriosklerose (Arterienverkalkung), welche wiederum mit der Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen in Zusammenhang stehen.

Um das Risiko für diese Erkrankungen zu senken, wird unter anderem eine Verringerung des Gesamtcholesterin- und LDL-Cholesterinspiegels angestrebt.


Gesucht werden 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 30 bis 75 Jahren ohne schwere Begleiterkrankungen.

Sie sollten erhöhte Cholesterinspiegel aufweisen, die nicht medikamentös behandelt werden. 

Zur Abklärung des erhöhten Cholesterinwertes wird im Rahmen einer Screeninguntersuchung mittels eines Cholesterin-Schnelltests aus dem Fingerblut überprüft, ob sie als Studienteilnehmer infrage kommen.

Die Studie wird unter ernährungswissenschaftlicher sowie ärztlicher Kontrolle durchgeführt und dauert drei Monate.

Weitere Informationen zum Ablauf der Studie unter http://www.nutrition.uni-hannover.de

Bei Interesse an einer Studienteilnahme und für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Dr. Theresa Greupner, Institut für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung unter Telefon 0176 53778644, E-Mail: greupner@nutrition.uni-hannover.de

Für weitere Informationen steht Ihnen Prof. Andreas Hahn, Institut für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung, unter Telefon +49 511 762 5093 oder per E-Mail unter hahn@nutrition.uni-hannover.de gern zur Verfügung.

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Mechtild Freiin v. Münchhausen Leibniz Universität Hannover

Welfengarten 1
30167 Hannover
Deutschland
Niedersachsen
Telefon: 0511 / 762 - 5355
E-Mail-Adresse: kommunikation@uni-hannover.de

 

Untersucher-CAVE: Sepsisbehandlung der lebensbedrohlichen Erkrankung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Goldstandard der Sepsisbehandlung: S3-Leitlinie veröffentlicht

Die jetzt veröffentlichte S3-Leitlinie zur Sepsis bündelt erstmals auf dem höchsten methodischen Niveau das gesamte medizinische Wissen zur Behandlung dieser lebensbedrohlichen Erkrankung. 

Die Federführung für die Erarbeitung der Leitlinie „Sepsis - Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge“ hatte die am Universitätsklinikum Jena ansässige Deutsche Sepsis-Gesellschaft inne. 

Empfehlungen zur Sepsis-Behandlung sind jetzt erstmals als S3-Leitlinie veröffentlicht worden.
Empfehlungen zur Sepsis-Behandlung sind jetzt erstmals als S3-Leitlinie veröffentlicht worden.
Foto: Anna Schroll/UKJ
 
Wie soll ein Sepsispatient künstlich beatmet und gelagert werden, welches Nierenersatzverfahren sollte bei akutem Nierenversagen angewandt werden, wie sollten Patienten mit schwerem septischen Schock ernährt werden - bei diesen Entscheidungen helfen Leitlinien dem behandelnden Arzt. 

"Leitlinien sind keine juristisch verbindlichen Richtlinien oder Universalrezepte", stellt Professor Dr. Frank M. Brunkhorst klar, "sie sind Handlungs- und Behandlungsempfehlungen auf dem Stand des aktuellen Wissens, letztlich aber muss der Arzt immer anhand der individuellen Situation des Patienten entscheiden." Frank Brunkhorst hat die Professur für Klinische Sepsisforschung am Universitätsklinikum Jena inne und leitet hier das Zentrum für Klinische Studien. Als Generalsekretär der Deutschen Sepsis-Gesellschaft leitete er die dreijährige Erarbeitung der Sepsis-Leitlinie, an der insgesamt 14 wissenschaftlich-medizinische Fachorganisationen und mit der Sepsis-Hilfe auch eine Patientenvereinigung beteiligt waren.

Höchste methodische Qualität

Die Grundlage bildeten die internationalen Behandlungsrichtlinien der „Surviving Sepsis Campaign“, die 2017 veröffentlicht wurden. Das 34-köpfige Leitlinienteam hat deren Gliederung übernommen und um Kapitel zur Definition der Sepsis, Prävention, Impfungen und Spätfolgen ergänzt. Mittels systematischer Aktualisierungsrecherchen und Literaturbewertungen wurden auch in der Zwischenzeit erzielte neue Studienergebnisse und publizierte Daten in die Empfehlungen einbezogen. Je nach der Qualität der Studiendaten und der Einigkeit unter den Experten sind die über 100 Empfehlungen abgestuft formuliert. „Die Bewertung der Studien und die Konsensfindung der Experten erfolgten standardisiert, das macht die hohe methodische Qualität der Leitlinie aus“, so Brunkhorst.

Hintergrundinformation Sepsis:

  • Sepsis ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die durch eine fehlgesteuerte Antwort des Körpers auf Infektionen hervorgerufen wird. 
  • Auslöser können Infektionen durch Bakterien, Viren oder Pilze sein. 
  • Am häufigsten betrifft eine Sepsis ältere Menschen über 65 Jahre und Kinder unter einem Jahr. 
  • Ein besonderes Risiko besteht aber auch für Menschen mit chronischen Erkrankungen, wie Diabetes, Lungen- oder Nierenerkrankungen, Krebs oder einem geschwächten Immunsystem. 
  • Sepsis ist noch immer eine häufige Komplikation von Infektionen, mit einer geschätzten Häufigkeit von 50 Millionen Fällen pro Jahr weltweit. 
  • In europäischen Ländern ist die Erkrankung eine der Haupt-Todesursachen im Krankenhaus und geht mit einer Sterblichkeit von 30-40% einher. 
  • Durch die Verfügbarkeit von Antibiotika und leistungsfähigen Intensivstationen konnte die Sepsis-bezogene Sterblichkeit deutlich gesenkt werden.

Die Einführung von Therapien, die auf das Immunsystem gerichtet sind, könnte die Überlebens- und Heilungschancen für Betroffene weiter verbessern.

Goldstandard der Sepsisbehandlung: S3-Leitlinie veröffentlicht

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Prof. Dr. Frank M. Brunkhorst
Zentrum für Klinische Studien
Universitätsklinikum Jena
Tel.: 0 3641 939 66 87
E-Mail: frank.brunkhorst@med.uni-jena.de

Bachstraße 18
07743 Jena
Deutschland
Thüringen


Dr. Uta von der Gönna
Telefon: 03641/ 9391108
Fax: 03641/ 9391102
E-Mail-Adresse: pr-dekanat@med.uni-jena.de
Originalpublikation:
S3-Leitlinie "Sepsis - Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge" https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/079-001.html

 

Blickrichtungen bei Autismus - soziale Interaktion

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Siehst du, was ich sehe? Neu entdeckte Nervenzellen verarbeiten gezielt Blickbeobachtungen

Lenkung der gemeinsamen Aufmerksamkeit ist Grundlage sozialer Interaktion – Fähigkeit ist bei Autismus gestört 

Prof. Dr. Hans-Peter Thier
Prof. Dr. Hans-Peter Thier
Copyright: Ingo Rappers / Hertie-Institut für klinische Hirnforschung


Ich sehe das, was du siehst:

Die Fähigkeit, die Blickrichtung von anderen zu verfolgen und ein gemeinsames Ziel der Aufmerksamkeit zu entwickeln ist eine wichtige Grundlage, um mit Mitmenschen zu interagieren.

Bei Personen mit Autismus ist diese Leistung gestört. 

Neurowissenschaftler vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und der Universität Tübingen berichten nun, dass im Gehirn ein bestimmter Bereich für diese Aufgabe zuständig ist.

Nervenzellen im sogenannten „Blickfolge-Areal“ helfen uns, den Aufmerksamkeitsfokus anderer zu entschlüsseln, so das Forscherteam.  

Das Areal befindet sich im hinteren Schläfenlappen, der damit eine Schlüsselrolle einnimmt, um soziale Interaktionen zu kontrollieren. Die Studie ist in der Fachzeitschrift PNAS erschienen.

In ihrer Studie arbeiteten die Wissenschaftler mit Rhesusaffen.

Wie wir Menschen verfolgen die Tiere den Blick anderer, um ihre Aufmerksamkeit auf gemeinsame Ziele auszurichten. In ihren Experimenten zeigten die Forscher den Affen Gesichter von Artgenossen auf einem Computermonitor, die in Richtung bestimmter Objekte schauten. Die Versuchsaffen hatten die Aufgabe, ihren Blick auf das Objekt auszurichten, auf das ihr digitales Gegenüber gerade schaute.

„Sobald die Affen die Aufgabe mit hoher Sicherheit bewältigten, analysierten wir die Aktivität ihrer Nervenzellen im hinteren Schläfenlappen mit Mikroelektroden“, erklärt Erstautor Dr. Hamid Ramezanpour. „Dieses Hirnareal war aufgrund vorheriger kernspintomographischer Studien unserer Arbeitsgruppe ein heißer Kandidat für die Kontrolle von Blickbeobachtungen.“ Eine richtige Vermutung, wie sich herausstellte: ein großer Teil der Nervenzellen im Blickfolgeareal feuerte immer dann, wenn die Tiere ihren Blick auf das Objekt ausrichteten, auf das auch der andere gerade blickte. „Daraus können wir schließen, dass das getestete Hirnareal eine wichtige Rolle bei der Etablierung gemeinsamer Aufmerksamkeit übernimmt,“ sagt Studienleiter Prof. Dr. Hans-Peter Thier.

Die Blickrichtung von anderen löst beim Beobachter eine reflektorische Blickfolgebewegung aus.

Wie die Forscher berichten, waren die Tiere jedoch in der Lage, diese Bewegung zu kontrollieren und ihr Verhalten auf unterschiedliche Situationen abzustimmen.

„Es ist zum Beispiel höchst unangebracht, dem Blick eines anderen zu folgen, wenn plötzlich etwas Gefährliches auf der Szene auftaucht, das unsere volle Aufmerksamkeit erfordert“, erläutert Thier.

„Hier hat die Natur vorgesorgt und ermöglicht unserem Gehirn, die Folgen einer Handlung zu beurteilen und die Initiierung der Blickbeobachtung entsprechend anzupassen.“

 Dabei spielen ebenfalls die Nervenzellen im „Blickfolge-Areal“ eine Rolle, so die Erkenntnis des Forscherteams.

Die Studie der Tübinger Wissenschaftler gibt Aufschluss darüber, wie unser Gehirn soziale Aufmerksamkeit und Interaktionen kontrolliert. 

In einer Reihe von Untersuchungen an menschlichen Versuchspersonen war es der Arbeitsgruppe bereits gelungen, eine dem „Blickfolge-Areal“ von Rhesusaffen entsprechende Struktur im menschlichen Gehirn zu kartieren.

„Die Analyse auf Ebene einzelner Nervenzellen beim Rhesusaffen verbessert unser Verständnis der Informationsverarbeitung in diesem Areal.

Das wiederum wird Licht auf die Störungen werfen, die Ursache der Blickfolgestörung beim Autismus sind“, so Thier.

Siehst du, was ich sehe? Neu entdeckte Nervenzellen verarbeiten gezielt Blickbeobachtungen


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Prof. Dr. Hans-Peter Thier
Universität Tübingen
Hertie-Institut für klinische Hirnforschung
Otfried-Müller-Straße 27
72076 Tübingen
Telefon +49 7071 29-83057
thier@uni-tuebingen.de

Dr. Mareike Kardinal Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)
Telefon: 07071 –29 8800
Fax: 07071 –29 225154
E-Mail-Adresse: mareike.kardinal@medizin.uni-tuebingen.de

Originalpublikation:
Ramezanpour, H. und Thier, P. (2020): Decoding of the other´s focus of attention by a temporal cortex module, PNAS, Online-Veröffentlichung.
https://doi.org/10.1073/pnas.1911269117

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http://www.hih-tuebingen.de Hertie-Institut für klinische Hirnforschung

https://www.uni-tuebingen.de Eberhard Karls Universität Tübingen


 

Herzmuskel: Defekte im Muskelgewebe

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Kleber für gebrochene Herzen

Ist der Herzmuskel geschädigt, stellt die Reparatur des stets aktiven Organs eine Herausforderung dar. 

Empa-Forschende entwickeln daher einen von der Natur inspirierten Gewebekleber, der Defekte im Muskelgewebe wieder perfekt zusammenfügen kann. 

Sie haben sich dazu die phänomenale Haftfähigkeit von Meeresmuscheln zunutze gemacht. 
 
An Wind- und Wellen-gepeitschten Küsten haftet sie stoisch an Felsen, Booten und Stegen: die Muschel. Mit Superkräften, die Spiderman erblassen lassen, hält sich der Muschelfuss auf dem Untergrund fest, produzieren seine Drüsen doch feine Haltefäden, die im Gegensatz zur Spinnenseide auch unter Wasser standhaft und dennoch hochelastisch bleiben. Bestandteil dieser Muschelseide sind unter anderem zwei Eiweisse, mfp-3 und das besonders schwefelhaltige mfp-6. Als Strukturproteine sind sie für die Biomedizin besonders interessant aufgrund ihrer faszinierenden mechanischen Eigenschaften und der Bioverträglichkeit mit lebendem Gewebe.

Am schlagenden Herzen
Diese Eigenschaften machten sich Empa-Forscher vom «Biomimetic Membranes and Textiles»-Labor in St. Gallen zunutze. Das Team um Claudio Toncelli war auf der Suche nach einem bioverträglichen Gewebekleber, der auch unter den herausfordernden Bedingungen am schlagenden Herzen haftet und dennoch elastisch bleibt.

Denn wenn Herzmuskelgewebe, etwa durch einen Infarkt oder eine angeborene Störung, geschädigt ist, müssen die Wunden heilen können, obwohl die Muskulatur permanent weiterarbeitet.

«Eigentlich bietet sich Kollagen als Grundlage eines Wundklebers an, ein Eiweiss, das auch im menschlichen Bindegewebe und in Sehnen vorkommt», sagt Toncelli. Gelatine beispielsweise besteht aus Kollagen in einer vernetzten Struktur, die für einen Gewebekleber sehr attraktiv wäre. «Die Struktur von Gelatine kommt einigen natürlichen Eigenschaften des menschlichen Bindegewebes bereits recht nahe», so der Forscher. Allerdings ist das Hydrokolloid bei Körpertemperatur nicht stabil, sondern verflüssigt sich. Um also ein adhäsives Material zu entwickeln, das Wunden an inneren Organen fest zusammenhalten kann, mussten die Forscher einen Weg finden, der Gelatine zusätzliche Eigenschaften einzuverleiben.

Perfekte Muschelseide
«Der muskulöse Fuss von Muscheln produziert kräftige Haltefäden, mit denen sich die Muschel im Wasser an allen möglichen Oberflächen anhaften kann», erklärt Toncelli. In dieser Muschelseide spielen mehrere darin enthaltene Eiweisse perfekt zusammen. Inspiriert von der Lösung der Natur, mit wogenden Kräften unter Wasser umzugehen, statteten die Forscher Gelatine-Biopolymere mit funktionellen chemischen Einheiten aus, die jenen der Muschelseide-Eiweisse mfp-3 und mfp-6 gleichen. Sobald das Gelatine-Muschelseide-Gel mit Gewebe in Kontakt kommt, vernetzen sich die Strukturproteine miteinander und sorgen für eine stabile Verbindung der Wundflächen.

Wie gut das neuartige Hydrogel tatsächlich klebt, haben die Forscher bereits in Laborexperimenten untersucht, mit denen sich technische Standards zur sogenannten Berstfestigkeit nachweisen lassen. «Der Gewebekleber hält einem Druck, der dem menschlichen Blutdruck entspricht, stand», so Empa-Forscher Kongchang Wei.

Ebenso konnten die Wissenschaftler die gute Gewebeverträglichkeit des neuen Klebers in Zellkultur-Experimenten bestätigen. Nun arbeiten sie mit Hochdruck daran, die klinische Anwendung des «Muschelklebers» voranzutreiben.

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Dr. Claudio Toncelli
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Tel. +41 58 765 7393
Luciano.Boesel@empa.ch

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Andrea Six Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt
Telefon: 0041587656133
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E-Mail-Adresse: andrea.six@empa.ch

Originalpublikation:
K Wei, B Senturk, MT Matter, X Wu, IK Hermann, M Rottmar, C Toncelli; Mussel-Inspired Injectable Hydrogel Adhesive Formed under Mild Conditions Features Near-Native Tissue Properties; ACS Applied Materials & Interfaces (2019); doi: 10.1021/acsami.9b16465

CAVE-Untersucher: Sterbehilfe: Paragraf: 217 und nicht nicht 216

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: „Dieses Urteil ist fundamental“ - Staats- und Verfassungsrechtler Hubertus Gersdorf über das Urteil zur Sterbehilfe

Das Bundesverfassungsgericht hatte vorgestern (26. Februar 2020) zwei Sterbehilfe-Fälle bestätigt und von Dritten begleitetes Sterben unter bestimmten Bedingungen ermöglicht. 

Die Karlsruher Richter erklärten damit das im Paragrafen 217 des Strafgesetzbuches festgelegte Verbot der Sterbehilfe in Deutschland für verfassungswidrig. 

Staats- und Verwaltungsrechtsexperte Prof. Dr. Hubertus Gersdorf von der Universität Leipzig begrüßt das Urteil und erwartet weitreichendere Konsequenzen. 
 
  • Herr Prof. Gersdorf, wie schätzen Sie das Urteil der Bundesverfassungsrichter ein?

Dieses Urteil ist fundamental, weil es die Menschenwürde aus Sicht des Einzelnen in den Mittelpunkt stellt – und zwar unabhängig von gesellschaftlichen, politischen oder religiösen Normen. Jeder Einzelne ist Herr über sich selbst. Es muss nur sichergestellt werden, dass der Wille des Betreffenden, aus dem Leben zu scheiden, autonom ist und nicht dem Druck aus der Gesellschaft oder dem persönlichen Umfeld geschuldet ist. Der Einzelne entscheidet, ob sein Leben lebenswürdig ist oder nicht, und nicht der Staat oder die Gesellschaft.

Welche Folgen könnte dieses Urteil noch haben?

Das heutige Urteil betrifft bislang nur den Paragrafen 217 des Strafgesetzbuches.

  • Jeder Mensch, der selbstbestimmt aus dem Leben scheiden möchte, kann dies tun. 
  • Und auch diejenigen, die den todbringenden Cocktail beschaffen, werden nicht bestraft. 

Aber über den Paragrafen 216 wurde noch nicht entschieden. 

  • Er besagt, dass die Tötung auf Verlangen strafbar ist. 
  • Das heißt, wenn jemand nicht mehr selbst in der Lage ist, sich die todbringende Spritze zu setzen und einen Dritten darum bittet, macht dieser sich bisher noch strafbar. 

Ich wage die These, dass nicht nur der Paragraf 217, sondern auch der 216 – die Tötung auf Verlangen – verfassungswidrig ist. 

  1. Dieser war bislang nicht Gegenstand der Verhandlung.

Wer müsste die Änderung vornehmen?

  1. Ich hoffe, dass der Gesetzgeber die nun anstehende Neuregelung des Paragrafen 217 zum Anlass nimmt, auch den Paragrafen 216 neu zu definieren. Es gibt ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Das hat der Staat zu respektieren – unabhängig davon ob die Gesellschaft anderer Ansicht ist.
 
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Müdigkeit, Leistungsabfall und Konzentrationsschwäche

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Bedrohliche Herzschwäche: Kann Eisentherapie helfen?

Was bedeutet Eisenmangel für geschwächte Herzen und was bewirkt eine Eisentherapie? 

Herzstiftung fördert Forschungsvorhaben am Göttinger Herzzentrum 

Der forschende Kardiologe Professor Karl Toischer während einer Herz-Ultraschalluntersuchung am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen.
Der forschende Kardiologe Professor Karl Toischer während einer Herz-Ultraschalluntersuchung am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen. Bedrohliche Herzschwäche: Kann Eisentherapie helfen? Foto: hzg/lange
 
Eisenmangel bei gesunden Menschen ist in der Regel gut behandelbar und bei ärztlicher Versorgung komplikationslos.

Bei Menschen mit Herzschwäche hingegen ist der Mangel an Eisen im Blut ein häufiger Auslöser für einen Krankenhausaufenthalt. 
  • „Eisenmangel gilt heute als eine Begleitkrankheit der Herzschwäche und kann auch ohne jede Blutarmut vorliegen.
  • Eine standardmäßige Überprüfung der Eisenwerte bei Herzschwäche ist deshalb wichtig“, sagt der Kardiologe Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung, und warnt: 
  • „Ein chronisch niedriger Eisenwert im Blut kann die Herzinsuffizienz sogar dramatisch verstärken.“ 
Eisenmangel führt insbesondere zu Müdigkeit, Leistungsabfall und Konzentrationsschwäche der meist ohnehin geschwächten Herzpatienten und beeinträchtigt deren Lebensqualität.

Umgekehrt weiß man, dass eine intravenöse Eisenzufuhr zu einer Verbesserung der Lebensqualität und zu weniger Krankenhausaufenthalten bei den Patienten führt.

„Forschungsergebnisse für die Weiterentwicklung dieser noch neuen Therapieoption und die Entwicklung neuer Therapieansätze sind deshalb notwendig“, unterstreicht Andresen.

  • Insbesondere über die genauen Zusammenhänge zwischen Eisenmangel in den Herzmuskelzellen, dem Eisenstoffwechsel und der Entwicklung einer Herzinsuffizienz bedarf es weiterer medizinischer Erkenntnisse. 

Ein wichtiger Schritt hierfür ist getan: die Deutsche Herzstiftung fördert mit der Deutschen Stiftung für Herzforschung mit 60.000 Euro das Forschungsvorhaben „Einfluss von Eisensubstitution auf die Herzinsuffizienzentwicklung“ unter der Leitung von Prof. Dr. med Karl Toischer, Kardiologe am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen.


Bundesweit leiden nach Expertenschätzungen bis zu vier Millionen Menschen an Herzschwäche (Herzinsuffizienz) bei weit über 460.000 Klinikeinweisungen pro Jahr wegen einer Verschlechterung der Herzerkrankung (Entgleisung/Dekompensation).

Auffällig ist, dass etwa 40 Prozent der Patienten mit chronischer Herzschwäche einen Eisenmangel aufweisen, bei Patienten mit akuter Herzschwäche sind es sogar bis zu 75 Prozent.

Warum wirkt eine Eisenzufuhr positiv auf das Herz?

Eisenmangel kann durch eine intravenöse Eisenzufuhr (Eisen-Carboxymaltose) behoben werden. Liegt neben dem Eisenmangel auch eine Blutarmut (Anämie) vor, müssen andere Ursachen für Eisenmangel und Anämie abgeklärt werden. Häufig sind chronische Blutverluste über Magen und Darm verantwortlich. „Unklar ist allerdings, wie eine Eisensubstitution die Herzfunktion, den Verlauf der Herzschwäche und die Sterblichkeit günstig beeinflusst“, sagt Toischer. Vieles spreche dafür, dass eine intravenöse Eisenzufuhr die Belastbarkeit und sogar das Fortschreiten der Herzschwäche an sich hemmt. „Aber die genauen Zusammenhänge zwischen Herzschwäche und Eisenmangel sind nur unzureichend erforscht. Neue Erkenntnisse auf Molekularebene wollen wir mit Hilfe der Herzstiftung im Rahmen unseres Forschungsprojekts gewinnen“, so Toischer.

Eisen: essenziell für die Körperzellen, kann bei Herzschwäche vom Darm nicht ausreichend aufgenommen werden
 
Der Eisengehalt im Blut ist essenziell für den Sauerstofftransport und die Energiegewinnung der Körperzellen.

Das Herz benötigt dieses lebenswichtige Spurenelement auch, um seine Funktion an akuten oder chronischen Stress anzupassen.

Aber bei etwa der Hälfte der Herzschwäche-Patienten erhält der Körper nicht in ausreichender Menge Eisen, das er aus der Nahrung über den Darm aufnimmt. Eisen aus Tabletten kann daher bei dieser Patientengruppe vom Darm nicht ausreichend aufgenommen werden.

Deswegen muss es über das Venensystem als Kurzinfusion verabreicht werden. Im Rahmen seines Forschungsprojekts mit einer Laufzeit von zwölf Monaten widmet sich Toischer folgenden Fragestellungen:

  1. - Wann und wie entsteht ein Eisenmangel bei Herzinsuffizienz?
  2. - Kann eine intravenöse Eisengabe die Herzinsuffizienzentwicklung und erhöhte
  3. Sterblichkeit bei Herzschwäche verhindern?
  4. - Welchen Effekt hat Eisen dabei auf die eingeschränkte Pumpfunktion des Herzens
  5. bzw. seine Leistungsfähigkeit?
  6. - Wie beeinflusst Eisen die Herzfunktion und welche Mechanismen sind dabei
  7. involviert?

In den Fokus seiner Untersuchungen nimmt der Göttinger Herzforscher die Rolle der Mitochondrien, die in den Herzmuskellen zahlreich vorhanden sind. Als „Zellkraftwerke“ spielen sie bei der Energieproduktion der Körperzellen und so auch für die Herzmuskelzellen eine wichtige Rolle.

Forschen für die Herzmedizin von morgen
Förderung für Herzforscherinnen und Herzforscher
Dank der finanziellen Unterstützung durch Stifterinnen und Stifter, Spender und Erblasser kann die Deutsche Herzstiftung e. V. (www.herzstiftung.de) gemeinsam mit der von ihr 1988 gegründeten Deutschen Stiftung für Herzforschung (www.dshf.de) Forschungsprojekte in einer Größenordnung finanzieren, die die Herzstiftung und Stiftung für Herzforschung in der kardiovaskulären Forschung unverzichtbar machen. An einer Förderung interessierte Herzforscherinnen und Herzforscher wenden sich an: Deutsche Herzstiftung e. V., Valerie Popp und Christine Koch, Tel. 069 955128-0 oder E-Mail: forschung@herzstiftung.de

Ratgeber zur Herzschwäche: Für Patienten mit Herzschwäche bietet die Herzstiftung den kostenfreien Ratgeber „Das schwache Herz: Diagnose und Therapie der Herzinsuffizienz heute“ an. Der Band kann unter www.herzstiftung.de/herzschwaeche-therapie angefordert werden oder per Tel. unter 069 955128-400 oder per E-Mail unter bestellung@herzstiftung.de
Der Herzstiftungs-Ratgeber "Das schwache Herz" der Deutschen Herzstiftung.
Cover: Deutsche Herzstiftung/Jan Neuffer



Der Herzstiftungs-Ratgeber "Das schwache Herz" der Deutschen Herzstiftung.

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Deutsche Herzstiftung e.V.
Michael Wichert / Pierre König
Tel. 069 955128-114/-140
E-Mail: presse@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

Bockenheimer Landstr. 94-96
60323 Frankfurt
Deutschland
Hessen
E-Mail-Adresse: koenig@herzstiftung.de
Telefon: 069 / 955128-140
Fax: 069 / 955128-313

 

Kognitiva Fähigkeiten: Nur mit einer Blutversorgung möglich

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Gute Blutversorgung ist gut für‘s Gedächtnis

  • Wird das Gehirn gut mit Blut versorgt, profitieren davon die Gedächtnisleistung und weitere kognitive Fähigkeiten. 
  • Das gilt besonders für Menschen mit einer Erkrankung der Hirngefäße in Form einer „Mikroangiopathie“. 

Das berichten Forschende des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der Universitätsmedizin Magdeburg im Fachjournal „BRAIN“. 

  • Die Durchblutung des sogenannten Hippocampus könnte demnach eine Schlüsselrolle für alters- und krankheitsbedingte Gedächtnisprobleme spielen. 
 
Im Inneren des menschlichen Gehirns liegt eine kleine, nur wenige Kubikzentimer große Struktur, die aufgrund ihrer an ein Seepferdchen erinnernde Gestalt als „Hippocampus“ bezeichnet wird.

Genau genommen gibt es den Hippocampus doppelt: 

jeweils einmal in jeder Gehirnhälfte. 

Er gilt als Schaltzentrale des Gedächtnisses. 

  • Schädigungen des Hippocampus, wie sie bei Alzheimer und anderen Hirnerkrankungen auftreten, beeinträchtigen bekanntermaßen das Erinnerungsvermögen. 

Doch welche Rolle spielt speziell die Blutversorgung? Ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern um Prof. Stefanie Schreiber und Prof. Emrah Düzel, die am DZNE und an der Universitätsmedizin Magdeburg tätig sind, ist dieser Frage nachgegangen. Die Forschenden untersuchten mittels hochauflösender Magnetresonanz-Tomographie (MRT) die Blutversorgung des Hippocampus von 47 Frauen und Männern im Alter von 45 bis 89 Jahren. Die Probanden beteiligten sich außerdem an einer neurospychologischen Testreihe: Unter anderem wurden Gedächtnisleistung, Sprachverständnis und Konzentrationsvermögen erfasst.

Doppelte Versorgungsleitung

„Es ist schon länger bekannt, dass der Hippocampus entweder von einer oder von zwei Arterien versorgt wird.

Es kann auch sein, dass nur einer der beiden Hippocampi, die in jedem Gehirn vorkommen, doppelt versorgt wird.

Das ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Warum das so ist, weiß man nicht“, erläutert Schreiber. „Vielleicht gibt es dafür eine genetische Veranlagung. Es ist aber auch möglich, dass sich die individuelle Struktur der Blutversorgung durch die Lebensumstände entwickelt.

Dann hätte der persönliche Lebensstil Einfluss auf die Blutversorgung des Hippocampus.“

  • In den Kognitionstests schnitten jene Studienteilnehmer, bei denen mindestens ein Hippocampus zweifach versorgt wurde, generell besser ab. 

„Dass die Blutversorgung für das Gehirn grundsätzlich wichtig ist, ist sicherlich trivial und umfangreich belegt. Uns ging es daher speziell um den Hippocampus und die Situation, dass eine Erkrankung der Hirngefäße vorliegt. Darüber weiß man tatsächlich wenig.“

Patienten profitierten besonders

Von den Studienteilnehmern waren 27 kognitiv unauffällig. Die übrigen zwanzig Probanden wiesen an den Blutgefäßen des Gehirns krankhafte Veränderungen auf, die mit Mikroblutungen einhergingen.

„Bei diesen Personen war bereits im Vorfeld unserer Untersuchungen eine zerebrale Mikroangiopathie festgestellt worden“, sagt Dr. Valentina Perosa, Erstautorin der aktuellen Studie, die derzeit als Postdoc im US-amerikanischen Boston forscht. Diese Probanden zeigten ein breites Spektrum an neurologischen Auffälligkeiten, wie etwa leichte kognitive Einschränkungen. „Die gesunden Probanden haben in den Kognitionstests allgemein bessere Ergebnisse erreicht, als die Studienteilnehmer mit Mikroangiopathie. Unter den Probanden mit Mikroangiopathie waren wiederum jene geistig fitter, bei denen mindestens ein Hippocampus von zwei Blutgefäßen versorgt wurde. Sie haben von der doppelten Versorgung besonders profitiert. Möglichweise liegt das an einer besseren Versorgung nicht nur mit Blut, sondern auch mit Sauerstoff. Das ist aber nur eine Vermutung“, so Perosa.

Ansatzpunkt für Therapien?

„Unsere Studie zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Blutversorgung des Hippocampus und kognitiver Leistung“, fasst Schreiber die Ergebnisse zusammen. 

  • „Das deutet darauf hin, dass bei nachlassender Gedächtnisleistung, sei es alters- oder krankheitsbedingt, die Hirndurchblutung eine Schlüsselrolle spielen könnte.“ 

Solche Erkenntnisse helfen, Krankheitsmechanismen zu verstehen.

Sie können zudem für die Entwicklung neuer Behandlungsoptionen von Nutzen sein, meint die Neurowissenschaftlerin:

„Derzeit kann man darüber nur spekulieren, denn wir wissen es nicht, aber möglicherweise hat der Lebensstil einen Einfluss auf die Ausbildung der Blutgefäße, die den Hippocampus versorgen.

Das wäre dann ein Faktor, den man beinflussen kann, und somit ein möglicher Ansatzpunkt für Therapien und auch für Vorsorgemaßnahmen.

Das ist eine Fragestellung, der wir nachgehen wollen.“

Originalpublikation:
Hippocampal vascular reserve associated with cognitive performance and hippocampal volume,Valentina Perosa et al., BRAIN (2020), DOI: 10.1093/brain/awz383, URL: https://academic.oup.com/brain/article/143/2/622/5717233

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Schlaganfall - Blutwerte mit Makrophagen „Riesenfresszellen“.

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schlaganfall: Makrophagen wandern aus dem Blut ein

Makrophagen sind als Teil des angeborenen Immunsystems für die Hirnentwicklung und -funktion unablässig. 

Mit einer neuartigen Methode brachten Wissenschaftler des Universitätsklinikums Jena, der Universität Bonn und des Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York (USA) Makrophagen zum Leuchten, die im Knochenmark gebildet wurden. 

In Untersuchungen an Mäusen fanden die Forscher mit dieser Technologie heraus, dass kurz nach einem Schlaganfall zahlreiche aus dem Blut eingewanderte Makrophagen abgestorbenes und angrenzendes gesundes Hirngewebe befallen. 

Die Ergebnisse sind nun im Fachjournal „Nature Neuroscience“ veröffentlicht. 

Prof. Dr. Elvira Mass vom Life & Medical Sciences Institute (LIMES) und vom Exzellenzcluster ImmunoSensation der Universität Bonn.
Prof. Dr. Elvira Mass vom Life & Medical Sciences Institute (LIMES) und vom Exzellenzcluster ImmunoSensation der Universität Bonn. Foto: Silvia Hoch/Uni Bonn
 
Makrophagen bedeutet im altgriechischen so viel wie „Riesenfresszellen“.

Es handelt sich dabei um Bestandteile unseres angeborenen Immunsystems, die in jedem Gewebe unseres Körpers vorkommen. 

Im Gehirn werden diese ansässigen Immunzellen Mikroglia genannt, sie sind für die normale Hirnentwicklung und -funktion unablässig. 

Während Entzündungsvorgängen, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, bei Infektionen des Gehirns, Multipler Sklerose oder auch bei der Alzheimer-Erkrankung, kommen weitere Makrophagen ins Spiel, die aus dem Knochenmark rekrutiert werden. 

  • Macht es hinsichtlich der Gehirnerkrankungen einen Unterschied, ob die Makrophagen im Gehirn ansässig oder ins Gehirn eingewandert sind? 

Diese Frage war bislang immer noch ungeklärt, weil Wissenschaftler die beiden Zellarten mit herkömmlichen Mitteln nicht voneinander unterscheiden konnten.

Genau hier setzt die Forschung der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Ralf Stumm vom Universitätsklinikum Jena und seiner Partner Prof. Dr. Elvira Mass von der Universität Bonn und Prof. Dr. Frederic Geissmann vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York (USA) an.

Das Team untersuchte Mäuse, bei denen die genetische Information für einen molekularen Schalter in ein Cxcr4 genanntes Gen eingebracht wurde.

Aktiviert man diesen Schalter mit einem speziellen Wirkstoff, so erzeugen Stammzellen im Knochenmark, von denen alle im Blut zirkulierenden Immunzellen abstammen, fortan ein farbig fluoreszierendes Protein.

Mikroglia im Gehirn leuchten nicht

https://idw-online.de/de/attachmentdata79252.jpg

Mikroskopisches Bild von grün angefärbten Makrophagen nach einem Schlaganfall: Die zusätzlich rot gefärbte Zelle (r.o.) entstammt dem Knochenmark, die rein grünen Zellen sind ansässige Mikroglia.


„Der Trick an unserem Modell ist, dass diese Eigenschaft auf die im Blut zirkulierenden Tochterzellen übergeht, wohingegen ansässige Mikroglia im Gehirn nicht markiert werden“, sagt der Pharmakologe Stumm.

Man kann also eingewanderte Immunzellen einfach an ihrer Farbe von Mikroglia unterscheiden. 
  • So konnten die Forscher nachweisen, dass sich während eines gesunden Mäuselebens praktisch keine von Knochenmarksstammzellen gebildeten Makrophagen im Gehirn ansiedeln. 
Dies ergänzt frühere Befunde der Professoren Geissmann und Mass, dass in Geweben ansässige Makrophagen bereits sehr früh während der embryonalen Entwicklung entstehen, den gesamten Embryo besiedeln und sich fortan durch Zellteilung selbst erhalten.

Mithilfe ihrer modellhaften Untersuchung an Mäusen fanden die Forscher nun heraus, dass kurz nach einem Schlaganfall zahlreiche aus dem Blut eingewanderte Makrophagen abgestorbenes und angrenzendes gesundes Hirngewebe befallen.

  • Anders als bisher vermutet, zogen sich die Fremdlinge in den nachfolgenden Tagen vollständig aus dem gesunden Hirngewebe zurück und waren dann nur noch im abgestorbenen Hirngewebe zu finden.

Forscher inaktivierten die Cxcr4-Genfunktion

Im nächsten Schritt inaktivierten die Forscher die Cxcr4-Genfunktion, wobei sie den molekularen Schalter, der ihnen beim Aufspüren der eingewanderten Immunzellen hilft, intakt ließen. „Wir interessierten uns für Cxcr4, weil dieses Protein wie eine Antenne – also als Rezeptor – für einen Botenstoff fungiert, der an Entzündungsvorgängen im Gehirn beteiligt sein soll“, sagt Prof. Stumm.

  • Die Forscher fanden, dass ein Schlaganfall bei fehlender Cxcr4-Funktion zunächst weniger Makrophagen ins Gehirn lockte. 

Die eingewanderten Makrophagen zogen sich in den Folgetagen nur unvollständig in das tote Hirngewebe zurück.

Einige verblieben viel zu lang im gesundem Hirngewebe und verhinderten, dass dort ansässigen Mikroglia zur Ruhe kamen.

„Zudem wurden zahlreiche Gene, die für eine schützende Immunantwort notwendig sind, in den eingewanderten Makrophagen nicht angeschaltet, wohingegen entzündungsfördernde Gene in den ansässigen Makrophagen zu stark ausgebildet wurden“, sagt Prof. Mass, die Mitglied im Exzellenzcluster ImmunoSensation der Universität Bonn ist. Weiterhin führte das Fehlen des Cxcr4-Rezeptors bei Mäusen mit einem Schlaganfall zu einem leicht vergrößerten Gewebeschaden und zu einem schlechteren Gesamtzustand der Mäuse.

Genetischer Schalter ist ein universelles Werkzeug

Insgesamt sehen die Forscher zwei Meilensteine erreicht:

Ihr genetischer Schalter ist ein universelles Werkzeug, mit dem Wissenschaftler die Funktion der aus dem Knochenmark stammenden Immunzellen besser untersuchen können.

Außerdem zeigen sie, dass der Cxcr4-Rezeptor Teil einer Immunantwort ist, mit der aus dem Knochenmark stammende Makrophagen das geschädigte Gehirn schützen. 

„Je besser wir die räumliche und zeitliche Aktivierung vom Cxcr4-Molekül während eines Schlaganfalls verstehen, desto besser können wir Patienten mit Cxcr4-inhibierenden Medikamenten in der Zukunft behandeln“, sagt Prof. Stumm.

Der Neuropharmakologe Prof. Dr. Ralf  Stumm forscht am Institut für Pharmakologie und Toxikologie des Universitätsklinikums Jena
 Der Neuropharmakologe Prof. Dr. Ralf Stumm forscht am Institut für Pharmakologie und Toxikologie des Universitätsklinikums Jena Foto: Heiko Hellmann/UKJ

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Originalpublikation:
Yves Werner, Elvira Mass, Praveen Ashok Kumar, Thomas Ulas, Kristian Händler, Arik Horne, Kathrin Klee, Amelie Lupp, Dagmar Schütz, Friederike Saaber, Christoph Redecker, Joachim L. Schultze, Frederic Geissmann & Ralf Stumm: Cxcr4 distinguishes HSC-derived monocytes from microglia and reveals monocyte immune responses to experimental stroke, Nature Neuroscience,
DOI: 10.1038/s41593-020-0585-y.



Disease-Management-Programm (DMP) für Osteoporose-Patienten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: DGE: Knochenbrüche vermeiden und Schmerzen reduzieren – Endokrinologen begrüßen neues DMP Osteoporose

Mitte Januar hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ein Disease-Management-Programm (DMP) für Osteoporose-Patientinnen und -patienten beschlossen. 

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) begrüßt die Einführung eines strukturierten Behandlungsprogramms für Menschen, bei denen eine medikamentös behandlungsbedürftige Osteoporose diagnostiziert worden ist. 

Die Fachgesellschaft weist jedoch auf weiterhin bestehende Defizite bezüglich der Früherkennung hin, die für eine frühzeitige Behandlung bei Knochenschwund wichtig ist. 

Die DGE fordert daher mehr Aufklärung der Bevölkerung.  
  • Von Osteoporose sprechen Medizinerinnen und Mediziner, wenn im Knochen immer mehr Knochengewebe abgebaut wird und Knochenbrüche wahrscheinlicher werden. 
  • Die auch unter dem Namen Knochenschwund bekannte Stoffwechselerkrankung betrifft vor allem ältere Menschen und speziell Frauen nach der Menopause. 

Etwa sechs Millionen Menschen in Deutschland haben eine Osteoporose, etwa 80 Prozent von ihnen sind Frauen. Die Hälfte aller Osteoporose-Patienten wird in ihrem weiteren Leben eine osteoporosebedingte Fraktur erleiden, schätzen Experten.

Ein Knochenschwund beginnt schleichend, ohne dass die Betroffenen etwas bemerken.

„Häufig wird die Osteoporose erst erkannt, wenn Knochen oder Wirbelkörper bereits gebrochen sind“, erklärt Professor Dr. med. Heide Siggelkow, Ärztliche Leiterin MVZ ENDOKRINOLOGIKUM Göttingen und Mitglied der Sektion Knochenstoffwechsel der DGE.

Da die Erkrankung mit starken Schmerzen einhergehen kann, sind die Betroffenen häufig in Bewegungen und Beweglichkeit eingeschränkt. 

Kommt Gangunsicherheit dazu, kann es leicht zu Stürzen kommen. 

„Eine der Folgen nach einem Sturz ist der Oberschenkelhalsbruch, in dessen Folge die Patienten sehr häufig pflegebedürftig werden und ins Pflegeheim übersiedeln müssen“, ergänzt Siggelkow.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie weist schon seit langer Zeit auf große Defizite in der Versorgung hin und kritisiert vor allem, dass zahlreiche Betroffene selbst nach Knochenbrüchen nicht ausreichend medikamentös behandelt werden. 

Zur Behandlung gibt es gute Medikamente.

Aber auch die nichtmedikamentöse Therapie – gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, wenig Alkohol und der Verzicht auf Nikotin – gehört ebenso wie Maßnahmen zur Vermeidung von Stürzen zu einer guten Prävention weiterer Knochenbrüche.

„Es reicht aber nicht, Patienten dies einmal aufzuzählen und dann zu hoffen, dass sie es erfolgreich umsetzen“, sagt Siggelkow.

„Das neue DMP garantiert eine leitliniengestützte Behandlung und sieht zudem Schulungen für die Patienten vor.

Das wird die Behandlungsqualität auf Dauer erhöhen“, vermutet die Expertin.


„Zu lange wurde die Osteoporose bei vielen Patienten nicht adäquat behandelt.

Mit dem DMP steigt nun die Chance, dass viele der Patienten mit einem hohen Risiko für einen osteoporotischen Knochenbruch nicht nur eine wirksame Medikation erhalten, sondern auch durch Schulungen, Ernährungsberatungen und Rehasport oder Funktionstraining unterstützt werden“, ergänzt Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE aus Mainz.

So kann es gelingen, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten, Schmerzen zu lindern und Frakturen sowie deren Komplikationen zu verhindern. Für den DGE-Mediensprecher muss aber auch mehr für die Prävention getan werden. „Wir wünschen uns mehr Aufklärung der Bevölkerung“, so Weber. Hierbei könnten neben Hausärzten und Apothekern auch Gesundheitsfachkräfte wie Physio- oder Ergotherapeuten helfen.

  • In das DMP Osteoporose können Frauen ab dem vollendeten 50. und Männer ab dem vollendeten 60. Lebensjahr aufgenommen werden, wenn bei ihnen die Indikation einer medikamentösen behandlungsbedürftigen Osteoporose vorliegt. 

Der Start des DMP Osteoporose wird sicher noch ein paar Monate auf sich warten lassen, denn vorerst müssen das Bundesministerium für Gesundheit das Programm prüfen und die gesetzlichen Krankenkassen entsprechende Umsetzungsverträge mit Ärzten und Krankenhäusern schließen.

„Wer dann ins DMP Osteoporose aufgenommen worden ist, wird profitieren, denn die Behandlung basiert auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen und der aktuellen AWMF-S3 Leitlinie Osteoporose des Dachverbandes Osteologie e. V.“, betont Siggelkow, die auch Mitglied in der Leitlinienkommission des Dachverbands Osteologie ist.

In bestimmten festgelegten Abständen finden Kontrolluntersuchungen statt, sodass Veränderungen im Krankheitsverlauf sofort erkannt und doppelte Untersuchungen vermieden werden. 

Denn der behandelnde Arzt koordiniert alle Schritte und dokumentiert sie.

 „Ein wichtiger und richtiger Schritt für eine bessere Behandlung von Osteoporose-Patienten“, resümiert Siggelkow.

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Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen – zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken – „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen wie Speichel- oder Schweißdrüsen ihre Sekrete nach „außen“ ab.


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Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Prof. Dr. med. Matthias M. Weber (Mediensprecher)
Dagmar Arnold
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Tel.: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-167
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Dennis Makoschey
Geschäftsführer / Pressesprecher
Telefon: 030 2009 7777
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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin
http://Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern. Leitlinie des Dachverbands der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften e.V. 2017

https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/183-001l_S3_Osteoporose-Prophylaxe-... 

Leitlinie Osteoporose

http://www.endokrinologie.net


http://www.hormongesteuert.net