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Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: 

































 

CAVE-Untersucher: Sjögren Syndrom (Autoimmunerkrankung) kann schwere Polyneuropathien auslösen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Das verkannte Sjögren Syndrom

MHH-Forscher weisen Autoimmunerkrankung als Ursache schwerer Lähmungen nach 
 
  • Kribbeln an den Händen, Taubheitsgefühle in den Füßen, Schmerzen – diese Beschwerden treten auf, wenn die Nerven in Armen und Beinen geschädigt sind. 

Ursachen solcher Polyneuropathien sind meist Diabetes oder Alkoholismus. 

  • Sind Nerven betroffen, die Muskeln steuern, treten Lähmungen an Armen und Beinen auf, die Betroffene langfristig völlig bewegungsunfähig machen können. 

Professor Dr. Thomas Skripuletz, Neuroimmunologe an der Klinik für Neurologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), hat herausgefunden, dass solche schweren Polyneuropathien oft aber eine ganz andere Ursache haben, als bislang vermutet.

Bei jedem vierten Patienten mit diesem in der Neurologie häufig auftretenden Krankheitsbild stellten die Ärzte ein sogenanntes Sjögren Syndrom als Auslöser fest. 

Die Ergebnisse der Kooperationsarbeit zwischen den MHH-Kliniken für Neurologie, Immunologie und Rheumatologie und der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO) sind in der Fachzeitschrift „Frontiers in Immunology“ veröffentlich und steht in der Referenzdatenbank PubMed online zur Verfügung.


Ist wichtig für die Diagnose Sjögren Syndrom: Professor Dr. Thomas Skripuletz, Dr. Tabea Seeliger und Professor Dr. Torsten Witte mit dem "Schirmer Test", der die Tränenproduktion misst
Ist wichtig für die Diagnose Sjögren Syndrom: Professor Dr. Thomas Skripuletz, Dr. Tabea Seeliger und Professor Dr. Torsten Witte mit dem "Schirmer Test", der die Tränenproduktion misst MHH / Karin Kaiser


Sjögren Syndrom kann schwere Polyneuropathien auslösen

„Das Sjögren Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung, die in erster Linie die Tränendrüsen in den Augen und die Speicheldrüsen im Mund angreift“, erklärt Professor Dr. Torsten Witte, Rheumatologe an der Klinik für Immunologie und Rheumatologie und ausgewiesener Experte auf dem Gebiet.

  • Doch auch Lunge, Nieren und das Nervensystem können betroffen sein. 

„Bislang war allerdings nicht bekannt, dass das Sjögren Syndrom schwere Polyneuropathien auslösen kann“, sagt der Rheumatologe.

Das Problem:

Patienten mit der üblichen Sjögren-Symptomatik – trockener Mund, trockene Augen und Durchblutungsstörungen – werden bislang vor allem von Rheumatologen behandelt, denen das Sjögren Syndrom vertraut ist.

  • Patienten mit schweren Lähmungen werden dagegen in neurologische Kliniken eingewiesen, wo das Krankheitsbild Sjögren Syndrom weitgehend unbekannt ist. 

„Da vor allem ältere Menschen betroffen sind, sehen viele Ärzte die Erkrankung einfach als Alterserscheinung“, erläutert Dr. Tabea Seeliger, Assistenzärztin aus der MHH-Klinik für Neurologie und Mitautorin der Publikation.

44 von 184 Patienten waren betroffen

In der Klinik für Neurologie der MHH ist Professor Skripuletz vor etwa vier Jahren auf einen möglichen Zusammenhang gestoßen. Seitdem ist der Test auf das Sjögren Syndrom bei Patienten mit einer Polyneuropathie Routine. Innerhalb von zweieinhalb Jahren erkannten die Neurologen bei 44 von 184 Patienten die Autoimmunerkrankung als Ursache für die Beschwerden. Für die Diagnose testen die Mediziner die Tränen- und Speichelproduktion des Patienten. Zusätzlich muss im Blut ein typischer Antikörper nachzuweisen sein.

„Etwa die Hälfte unserer Patienten hat diesen klassischen Antikörper jedoch nicht“, stellt der Neuroimmunologe fest.

Bei diesen Patienten klärt erst eine nachgewiesene Entzündung der Speicheldrüsen, ob tatsächlich ein Sjögren Syndrom vorliegt. 

Die dafür notwendige Gewebeprobe der Unterlippe entnehmen Ärzte der HNO-Klinik.

Oft kann Fortschreiten der Krankheit verhindert werden

Die Diagnose Neuro-Sjögren bedeutet für Patienten mit schwerer Polyneuropathie mehr als eine bloße Ursachenforschung.

  • Durch Behandlung des überreagierenden körpereigenen Abwehrsystems mit immununterdrückenden Medikamenten konnten die Neurologen bei vielen Patienten ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern und sogar die schweren Behinderungen bessern. 

Jetzt arbeiten Professor Skripuletz und sein Team daran, das Sjögren Syndrom in der Fachwelt bekannter zu machen und niedergelassene Ärzte und Kliniker zu sensibilisieren.

Außerdem ist weitere Forschungsarbeit geplant.

„Das Sjögren Syndrom verursacht viele Begleitbeschwerden, kann den Hörnerv schädigen, Konzentrationsstörungen hervorrufen und sogar Schlaganfälle verursachen“, sagt der Mediziner. Projekte in Kooperation mit der HNO-Klinik, dem Institut für Neuroradiologie, der Klinik für Augenheilkunde und der Neuropsychologie der MHH sollen diese Zusammenhänge aufklären.

In Zusammenarbeit mit der Klinik für Immunologie und Rheumatologie will Professor Skripuletz außerdem nach Markern für weitere Antikörper suchen, die für das Sjögren Syndrom typisch sind.

Die Originalpublikation finden Sie hier: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6637792/

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CAVE-Untersucher: Gedemütigt, Geschlagen, Sexuel Missbraucht

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Traumata verändern langfristig die Wahrnehmung

Menschen mit Misshandlungserfahrungen in ihrer Kindheit verfügen später als Erwachsene über eine veränderte Reizwahrnehmung. 

Das haben Wissenschaftler der Medizinischen Psychologie an der Universität Bonn herausgefunden. 

  • Traumatisierte Personen empfanden Berührungsreize weniger beruhigend als Menschen ohne Traumata. 
  • Außerdem hielten sie zu unbekannten Personen eine größere soziale Distanz. 
  • Darüber hinaus entdeckten die Forscher Veränderungen in der Aktivierung bestimmter Gehirnareale. 
Die Ergebnisse eröffnen möglicherweise Optionen für neue Therapien. Sie sind nun in „The American Journal of Psychiatry“ veröffentlicht. 

Der funktionelle Magnetresonanztomograph zeichnet die Aktivität der Gehirnareale auf (von links): Mitjan Morr (hier nur mit Füßen zu sehen), Ayline Maier und Dr. Dirk Scheele.
Der funktionelle Magnetresonanztomograph zeichnet die Aktivität der Gehirnareale auf (von links): Mitjan Morr (hier nur mit Füßen zu sehen), Ayline Maier und Dr. Dirk Scheele.
(c) Foto: Rolf Müller/UKB
 
Wer in der Kindheit gedemütigt, geschlagen oder sexuell missbraucht wurde, hat im Erwachsenenalter häufiger mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angstattacken zu kämpfen als Menschen, denen diese Erfahrungen in jungen Jahren erspart blieben. 

Das zeigen zahlreiche Studien. Doch was sind die Gründe für diese größere Anfälligkeit?

Führen Gewalterfahrungen als Kind möglicherweise zu einer dauerhaft veränderten Wahrnehmung von sozialen Reizen? Diese Frage haben Wissenschaftler der Abteilung für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Bonn (UKB) mit ihren Kollegen der Ruhr-Universität Bochum und aus Chengdu (China) untersucht.

Die Forscher befragten insgesamt 120 Personen zu ihren Gewalterfahrungen und Begleiterkrankungen. Davon wurden insgesamt 92 Erwachsene (64 Frauen) in die Studie einbezogen. Voraussetzung war, dass die Teilnehmer weder unter neurologischen Erkrankungen litten noch Medikamente einnahmen, um diese Einflüsse auszuschließen. Die sensorische Wahrnehmung testeten die Wissenschaftler, indem sie mit einer Hand entweder in einer schnellen oder einer langsameren Bewegung über die nackte Haut der Schienbeine strichen. „Berührungen sind von zentraler Bedeutung, weil sie die Gehirnentwicklung beeinflussen, ein Gefühl für den eigenen Körper vermitteln und als Stressregulator dienen“, sagt Dr. Dirk Scheele von der Abteilung für Medizinische Psychologie des UKB.

Nervenfasern sind auf unterschiedliche Reize spezialisiert


Zwischenmenschliche Berührungen werden über zwei unterschiedliche Nervenfasern in der Haut vermittelt: 

Aß-Fasern übertragen den sensorischen Reiz und sprechen primär auf schnellere Berührungen an, C-taktile Fasern hingegen übertragen das emotionale Wohlgefühl und werden primär durch langsame Berührungen aktiviert, erläutert Erstautorin Ayline Maier.

Die Testpersonen lagen während der Experimente im Hirnscanner und konnten den Experimentator nicht sehen, der die Bewegungen vollführte. Dessen Hände steckten in Baumwollhandschuhen, um direkten Hautkontakt zu vermeiden. Der funktionelle Magnetresonanztomograph zeichnete die Aktivität der Gehirnareale auf. Nach jedem Messdurchgang wurden die Probanden befragt, wie beruhigend die Berührungen empfunden wurden.

Je ausgeprägter die Misshandlungserfahrungen während der Kindheit waren, umso stärker reagierten zwei Gehirnregionen auf schnelle Berührungen. Der somatosensorische Kortex ist im Gehirn in etwa über dem Ohr lokalisiert und registriert, wo eine Berührung stattfindet.

„Dieses Areal kodiert haptische Empfindungen und ist an der Vorbereitung und Initiierung von Körperbewegung beteiligt – zum Beispiel daran, das berührte Bein wegzuziehen“, sagt Maier. Die posteriore Inselrinde ist ein tief im Gehirn hinter der Schläfe liegendes Areal, das für jegliche Körperwahrnehmung wie Berührung, Hunger, Durst und Schmerz zuständig ist.

„Bei traumatisierten Menschen ist die Aktivität bei schnellen Berührungen in diesen beiden Arealen deutlich erhöht“, fasst Scheele das Ergebnis zusammen.

Dagegen war der Hippocampus bei langsamen Berührungen deutlich schwächer aktiviert, wenn traumatische Erfahrungen in der Kindheit gemacht worden waren. Die einem Seepferdchen ähnliche Gehirnstruktur dient der Gedächtnisbildung und speichert damit auch negative und positive Assoziationen von Reizen ab. „Konkret könnte die Aktivität des Hippocampus widerspiegeln, wie belohnend eine Berührung im Experiment empfunden wurde“, erläutert Maier. Stärker traumatisierte Teilnehmer könnten insbesondere eine langsame und damit emotionaler aufgeladene Berührung als weniger belohnend empfinden.

Darüber hinaus untersuchten die Wissenschaftler die soziale Distanz.

Die Teilnehmer wurden gebeten, auf einen ihnen unbekannten Menschen zuzugehen und stehen zu bleiben, wenn die Distanz gerade noch als angenehm empfunden wurde. Er war bei stärker traumatisierten Menschen deutlich größer – im Schnitt um zwölf Zentimeter.

Potenzial für neue Therapien

„Die Resultate zeigen, dass bei Menschen mit traumatischen Erlebnissen in der Kindheit die Wahrnehmung und die sensorische Verarbeitung verändert sind“, fasst Scheele die Ergebnisse zusammen. Berührungen wirken weniger beruhigend als bei Personen ohne Misshandlungserfahrung.

Wie Kontrolluntersuchungen zeigen, seien dafür nicht die Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Angstattacken verantwortlich, sondern die Traumatisierung selbst. 

„Dieses Ergebnis eröffnet jedoch möglicherweise auch Chancen für neue Therapien:

Ergänzende körperbasierte Therapien in einem sicheren Umfeld könnten ein Umlernen dieser Reizverarbeitung ermöglichen“, vermutet Maier.

Doch dieses Potenzial müssten erst noch weitere Studien genauer untersuchen.

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Originalpublikation:
Ayline Maier, Caroline Gieling, Luca Heinen-Ludwig, Vlad Stefan, Johannes Schultz, Onur Güntürkün, Benjamin Becker, René Hurlemann and Dirk Scheele: Association of Childhood Maltreatment With Interpersonal Distance and Social Touch Preferences in Adulthood, The American Journal of Psychiatry, DOI: 10.1176/appi.ajp.2019.19020212

Bauchspeicheldrüse

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Pilotstudie mit UKL-Beteiligung: 

Künstliche Bauchspeicheldrüse für Kleinkinder mit Typ 1-Diabetes erfolgreich getestet

Das EU-finanzierte Projekt „KidsAP“ (The artificial pancreas in children aged 1 to 7 years with type 1 diabetes) arbeitet daran, mit einer künstlichen Bauchspeicheldrüse die Behandlung von Typ-1-Diabetes bei Kindern zwischen einem und sieben Jahren grundlegend zu verändern. 

Beteiligt an einer erfolgreich abgeschlossenen internationalen Pilotstudie war auch das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) mit Dr. Thomas Kapellen, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin und Leiter der Kinderarztpraxis im MedVZ des UKL. 

Von „Closed-loop“, einer Art künstlicher Bauchspeicheldrüse, verspricht sich Dr. Thomas Kapellen eine Menge. Der Oberarzt an der UKL-Kinderklinik betreut 400 Kinder und Jugendliche mit Diabetes.
Von „Closed-loop“, einer Art künstlicher Bauchspeicheldrüse, verspricht sich Dr. Thomas Kapellen eine Menge. Der Oberarzt an der UKL-Kinderklinik betreut 400 Kinder und Jugendliche mit Diabetes.
Stefan Straube / UKL
 
Die nun in den Fachzeitschriften „Pediatric Diabetes“ und „Diabetes Care“ publizierten Ergebnisse könnten nach Ansicht des UKL-Mediziners dazu beitragen, das Leben der sehr jungen Betroffenen und derjenigen Menschen, die sich um sie kümmern, zu erleichtern und zu verbessern.

Eine größere Nachfolgestudie startet im Herbst.


An Diabetes Typ 1 können bereits Kleinkinder unter sieben Jahren erkranken.  

Ihr Körper kann dann den Blutzuckerspiegel nicht selbst regulieren, die Bauchspeicheldrüse produziert kein Insulin mehr.

Daher ist eine lebenslange Insulinbehandlung notwendig. 

Für Eltern und Betreuer der betroffenen Kinder bedeutet dies eine intensive Betreuung rund um die Uhr.

Dr. Thomas Kapellen betreut am UKL etwa 400 Kinder und Jugendliche mit Diabetes.

Die meisten von ihnen nutzen eine Insulinpumpe, eine geringere Anzahl den „Pen“, eine Art Stift zum täglichen Spritzen.

  • „Die Diabetes-Technologie hat sich weiterentwickelt“, sagt er, „moderne Insulinpumpen kommunizieren heute über Funk mit Sensoren, die im Unterhaut-Fettgewebe liegen und dort eine kontinuierliche Glukosemessung vornehmen.“ 
  • Anhand dieser Sensordaten könne die neueste Geräte-Generation Entscheidungen treffen, um Unterzuckerungen zu vermeiden und beispielsweise die Insulin-Dosis zu reduzieren.
Drei Komponenten: Pumpe, Sensor, Smartphone


Die künstliche Bauchspeicheldrüse geht einen Schritt weiter. Vorstellen kann man es sich als ein tragbares medizinisches System, welches mittels digitaler Technologie die Insulinverabreichung vollautomatisch übernimmt. Zu Pumpe und Sensor kommt als dritte Komponente nun noch ein Smartphone mit einer speziellen App hinzu. Sie enthält einen Algorithmus, der mittels der Sensordaten die Insulindosis berechnet, die Pumpe steuert und somit die Basalrate, also den Grundbedarf an Insulin, reduzieren, aber eben auch erhöhen kann.

„Hybrid closed-loop“ heißt dieses System, von dem sich Diabetologen wie Dr. Kapellen einen Riesengewinn versprechen. „In Ruhephasen, in der Nacht und zwischen den Mahlzeiten arbeitet das System völlig autark“, erläutert der UKL-Experte, „nur zu den Mahlzeiten muss der Anwender selbst noch aktiv werden, deswegen der Zusatz ‚hybrid‘.“




Kein verdünntes Insulin nötig
„Erstmals ist diese Art des Systems nun bei einer so jungen Altersgruppe getestet worden“, hebt Kapellen hervor. Kinder in diesem Alter hätten einen sehr niedrigen Insulinbedarf, auch bestünden enorm hohe Sicherheitsanforderungen wegen des geringen Alters der Studienteilnehmer, nennt er als Gründe hierfür. Die von Prof. Roman Hovorka von der University of Cambridge (Großbritannien) geleitete Pilotstudie sollte herausfinden, ob für die Verwendung der künstlichen Bauchspeicheldrüse bei Kleinstkindern das Insulin verdünnt werden müsste.
Dafür wurden 24 Mädchen und Jungen zwischen 18 Monaten und sieben Jahren in Großbritannien, Luxemburg, Österreich und am Leipziger Universitätsklinikum rekrutiert. Sie erhielten mittels des „Closed-loop“-Systems jeweils drei Wochen lang verdünntes Insulin und drei Wochen lang solches in Standardstärke.

Ergebnis: 

Es gibt keine Unterschiede. Kinder, welche die künstliche Bauchspeicheldrüse verwendeten, benötigen kein verdünntes Insulin – ein großer Vorteil, da Insulin mit Standardstärke sicherer und einfacher überwacht werden kann, und ein wichtiges Vorergebnis für die Nachfolgestudie.

Mathilda Seifert aus Eilenburg ist eine der kleinen Patientinnen, die an der großen Studie ab Herbst teilnehmen wird.
Mathilda Seifert aus Eilenburg ist eine der kleinen Patientinnen, die an der großen Studie ab Herbst teilnehmen wird.
privat

System entlastet Eltern
Auch Eltern und Betreuer von erkrankten Kindern würden von solch einem System in hohem Maß profitieren, müssen sie im Moment doch beispielsweise selbst in der Nacht zum Teil mehrfach nach den Zuckerwerten schauen. „Die Eltern der 24 Probanden in unserer Pilotstudie haben dem System vertraut“, berichtet Dr. Kapellen, „sie schliefen besser und mussten nicht ständig aufstehen.“

Bei Kindern der untersuchten Altersgruppe ändere sich der Insulinbedarf außerdem von Stunde zu Stunde, so der Diabetologe, auch dafür sei das System optimal, da es sich daran anpassen könne, egal, wo sich die Kinder gerade aufhielten.


Die zweite, größere und ebenfalls EU-finanzierte KidsAP-Nachfolgestudie mit dann 84 Kindern und einer Dauer von einem Jahr ist in Cambridge bereits gestartet, am UKL als einzigem deutschen Studienzentrum geht es im Herbst los.

„Wir haben viele interessierte Patienten“, sagt Dr. Kapellen, „und alle Eltern aus der Pilotstudie wollen sowieso wieder mitmachen.“

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Durchgeführten Hüft- und Knie-OPs

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: So finden Betroffene die richtige Fachklinik für ein neues Hüft- oder Kniegelenk

Jährlich werden in Deutschland mehr als 400.000 künstliche Hüft- und Kniegelenke implantiert (1). 

Um ein bestmögliches Operationsergebnis zu erhalten, lohne es sich, vorab sorgfältig eine qualifizierte Fachklinik zu recherchieren, empfiehlt die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik. 

Für eine hohe Behandlungsqualität sei primär nicht die Größe der Klinik entscheidend. 

  • Vielmehr komme es darauf an, dass die Einrichtung in allen Behandlungsschritten über die nötige Expertise verfüge, etwa bei der korrekten Indikationsstellung. 
 
Auch die Abläufe – von der Vorbereitung über die OP bis zur Nachbehandlung – sollten standardisiert sein.

Die Fachgesellschaft rät, sich die Zahlen der insgesamt durchgeführten Hüft- und Knie-OPs sowie die Operationszahlen der einzelnen Ärzte anzusehen. Hier spricht sie sich für mindestens 50 Eingriffe des jeweiligen Operateurs pro Jahr aus. Sicherheit geben auch die freiwillige Teilnahme der Einrichtung am Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) sowie das EndoCert-Qualitätssiegel, verbunden mit einer persönlichen Mitgliedschaft in der AE.

Woher wissen Patienten und Angehörige, welche Klinik die nötige Erfahrung und Expertise hat?

„Nicht immer ist es die nächstgelegene oder die größte Einrichtung“, sagt Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller, AE-Vizepräsident aus Braunschweig und Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig. Er gibt folgende Tipps für die Klinikwahl: „Schauen Sie sich die Fallzahlen der Einrichtungen an, also wie viele Prothesen dort pro Jahr implantiert werden. Diese Angaben finden Sie im öffentlich zugänglichen Qualitätsbericht des Krankenhauses“, so der Orthopäde und Unfallchirurg. Eine Zahl von mindestens 300 spreche für viel Expertise:

„Dann sind die Abläufe optimiert, die Hygienestandards haben sich bewährt und man kann Kompetenz bei der korrekten Indikationsstellung und Implantation voraussetzen.

Des Weiteren sei gewährleistet, dass Prothesen aller Größen sowie bewährte Modelle zur Auswahl ständig vorgehalten werden, ebenso wie Instrumente (OP-SIEBE, Sterilgut, Medizinproduktgeräte-Aufbereitung), um jedweder Situation im OP Herr zu werden.

„So kann individuell auf jeden Patienten bestmöglich eingegangen werden, gleich ob etwa weiblich, zierlich und an Osteoporose leidend oder männlich, groß, schwer, sportlich“, nennt er zwei Beispiele.

Doch die Gesamtfallzahl einer Klinik ist nur bedingt aussagekräftig.

Darüber hinaus sollten Patienten auch überprüfen, wie viele Eingriffe der jeweilige Operateur im Jahr durchführt. Mindestens 50 pro künstlichem Hüft- oder Kniegelenk sollten es sein, sagt Professor Dr. med. Carsten Perka, Generalsekretär der AE und Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskelettale Chirurgie, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Charité Berlin. „Sonst besteht das Risiko, dass der betreuende Arzt nicht über die notwendige Erfahrung verfügt.“ Die AE plädiert deshalb schon seit Jahren für verbindliche Mindestmengen bezogen auf den einzelnen Operateur – und nicht nur auf das Krankenhaus, wie es der Gesetzgeber bislang vorschreibt. Diese Struktur- und Prozessqualität fordert auch das von der Fachgesellschaft mitbegründete EndoCert-Qualitätssiegel für Kliniken (2): Hier sind operateurbezogene Mindestmengenvorgaben für alle knieendoprothetischen Eingriffe längst Standard.

Eine Mitgliedschaft in der AE setzt ebenfalls die Implantation von 50 Endoprothesen pro Jahr und Arzt voraus. Vorrangiges Ziel der Mitglieder der AE ist es, die Lebensqualität von Patienten mit Erkrankungen und Verletzungen der Gelenke durch Qualitätssicherung und laufende Fortbildung nachhaltig zu verbessern 

 „Hat die Klinik das EndoCert-Siegel und ist zumindest der Hauptoperateur in der AE, gibt dies Sicherheit“, so Heller.

Eine weitere Orientierungsgröße ist eine freiwillige Teilnahme der Fachklinik am Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) (3). Als nationales Register will es die Versorgungsqualität in der Hüft- und Knieendoprothetik verbessern.
Doch letztendlich sei eine Operation immer auch Vertrauenssache. 

Deshalb gelte es abschließend zu prüfen:

„Fühle ich mich als Patient ernst genommen, sind wirklich alle chirurgischen und nichtchirurgischen Alternativen ausgeschöpft und bin ich in die Entscheidungsfindung ausdrücklich eingebunden?“, betont Professor Dr. med. Rudolf Ascherl, Präsident der AE und Direktor der Klinik für spezielle Chirurgie und Endoprothetik am Krankenhaus in Tirschenreuth.

Dann stünde einem erfolgreichen Eingriff nichts mehr im Weg.

Quellen:
(1) Statistisches Bundesamt
(2) EndoCert www.endocert.de: Die EndoCert ist eine lnitiative der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und der AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. zur Zertifizierung medizinischer Einrichtungen für den Gelenkersatz. Sie stellt eine qualitativ hochwertige Durchführung von endoprothetischen Eingriffe sicher. Die Website enthält eine Kliniken-Suchfunktion.
(3) EPRD www.eprd.de: Nationales Register zur Verbesserung der Versorgungsqualität in der Endoprothetik.

Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. verfolgt als unabhängiger Verein seit 1996 das Ziel, die Lebensqualität von Patienten mit Gelenkerkrankungen und -verletzungen nachhaltig zu verbessern und deren Mobilität wiederherzustellen. Mit ihren Expertenteams aus führenden Orthopäden und Unfallchirurgen organisiert sie die Fortbildung von Ärzten und OP-Personal, entwickelt Patienteninformation und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Die AE ist eine Sektion der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (DGOU).




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Suchtmedizinische Sicht: Die Tabackentwöhnung bei Rauchern - Nikotinsucht.

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland für bessere Unterstützung bei der Tabakentwöhnung

Erst im Juli dieses Jahres wies die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem aktuellen Welt-Tabak-Bericht auf Nachholbedarf in Deutschland bei der Tabakentwöhnung von Rauchern hin. 

Prof. Dr. Daniel Kotz, Dr. Sabrina Kastaun und Dr. Melanie Böckmann von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie Jamie Brown und Lion Shahab vom University College London berichten aktuell über die Einstellung von Bevölkerung und Betroffenen zu Maßnahmen gegen Nikotinsucht. 

Die soeben online in dem Fachjournal BMJ Open veröffentlichten Ergebnisse der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten (DEBRA Studie) belegen, dass die Akzeptanz in der deutschen Bevölkerung dafür hoch ist.  
  • Die Mehrheit der 2.080 Befragten (50-68 Prozent) wünscht sich eine Kostenübernahme von bewiesen wirksamen Therapien der Tabakentwöhnung und darin geschultes Gesundheitspersonal. 
  • Auch mehr als jeder zweite Raucher spricht sich dafür aus. 
  • Die DEBRA-Studie ist eine der umfangreichsten Untersuchungen rund um das Thema Rauchen in Deutschland.

In Deutschland raucht immer noch etwa ein Drittel (29 Prozent) der Bevölkerung Tabak. 

  • Im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern wie Italien, dem Vereinigten Königreich und skandinavischen Ländern ist das ein hohes Niveau. 

Dem gegenüber steht, dassTabakrauchen der mit Abstand wichtigste gesundheitliche Risikofaktor in Deutschland ist.

Über 80 Prozent der Raucher in Deutschland versuchen immer noch, häufig vergeblich, auf eigene Faust aufzuhören. 

  • Anhaltende Tabakentwöhnung gelingt nur dann optimal, wenn dabei Methoden verwendet werden, die bewiesenermaßen helfen, wie Nikotinersatz oder ärztliche Beratung. 
  • Ohne diese Methoden schaffen nur drei bis fünf Prozent den anhaltenden Ausstieg, so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. 
  • Heute erhalten in Deutschland nur vier Prozent der Raucher beim Arzt eine Kurzberatung zur Tabakentwöhnung und ein Therapieangebot.

Das liegt auch daran, dass laut Sozialbesetzbuch (SGB) bisher die medikamentöse Unterstützung der Tabakentwöhnung von der Erstattung ausgenommen ist. 

Solche Medikamente zählen zu den ausgeschlossenen Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln, bei deren Anwendung nur eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund stehe, so das Gesetz. 

„Die Daten der DEBRA-Studie zeigen, dass dieser Paragraf im SGB aus suchtmedizinischer Sicht unbedingt abgeschafft werden sollte“, sagen Daniel Kotz und Sabrina Kastaun.

 „Mangelnde Akzeptanz auch der Raucherinnen und Raucher stellt kein Hindernis für den Einsatz bewiesen wirksamer Maßnahmen zur Tabakentwöhnung dar.“


Damit könnte Deutschland den gesundheitlichen Risikofaktor Tabakrauchen mit all seinen Folgekosten effektiver verringern.

Andere europäische Länder haben das bereits geschafft.

Zur DEBRA-Studie:
Sie ist eine repräsentative, fortlaufende, computer-gestützte, persönlich-mündliche Haushaltsbefragung, die zweimonatlich soziodemographische Daten sowie Tabak- und E-Zigarettenkonsum von je ca. 2.000 Personen im Alter von 14 Jahren oder älter erhebt.
Mittlerweile wurden über 38.000 Studienteilnehmer/-innen befragt, damit ist DEBRA ist eine der umfangreichsten Untersuchungen rund um das Thema Rauchen in Deutschland. Beteiligt an der aktuellen Auswertung sind neben der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf auch Wissenschaftler des University College London. Die DEBRA-Studie wurde bis 2019 gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Seit 2019 wird sie vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

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Prof. Dr. Daniel Kotz, MPH,
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Universitätsklinikum Düsseldorf, Institut für Allgemeinmedizin

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Originalpublikation:
Kastaun S, Kotz D, Brown J, Shahab L, Boeckmann M. Public attitudes towards healthcare policiesmeasures promoting tobacco cessation in Germany: results from the representative German Study on Tobacco Use (the DEBRA study). BMJ open 2019; Web: http://bmjopen.bmj.com/cgi/content/full/bmjopen-2018-026245

 

Helicobacter pylori - pathogener Keim - Magengeschwüre

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Neue Erkenntnisse zur Therapie des Helicobacter-Keims und der Mikrobiota werden in Innsbruck präsentiert

Nach dem Karies-Erreger ist der „Helicobacter pylori“ der häufigste pathogene Keim der Menschheit. 

  • Fast 90 Prozent der PatientInnen mit einem Magenkarzinom hatten zuvor eine Infektion mit diesem Bakterium. 

Auch in der komplexen Darmwelt des Menschen, der Mikrobiota, wird die Ursache für Krebserkrankungen vermutet. 

Seit letztem Donnerstag trafen sich in Innsbruck internationale Top-ForscherInnen, um über die aktuellsten Erkenntnisse und Therapien zu diskutieren. 
 
Als der Helicobacter-Keim in den 1980iger Jahren per Zufall entdeckt wurde, ging die Fachwelt noch davon aus, dass im sauren Milieu der Magenschleimhaut keine Bakterien wachsen können.

Der Pathologe Robin Warren und der medizinische Registrator Barry Marshall, beide forschten in Australien, erhielten 2005 den Nobelpreis für ihre überraschende Entdeckung von „Helicobacter pylori“. Pioniere auf diesem Gebiet gründeten 1987 in Europa eine renommierte Studiengruppe zur Erforschung des Erregers, die bis heute besteht. Seit 2018 ist Herbert Tilg, Direktor der Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Vorsitzender der „Europäischen Helicobacter und Mikrobiota Studiengruppe“ (EHMSG). Tilg ist derzeit der einzige Experte aus Österreich im Vorstand der EHMSG. Auf Grund der rasanten Forschungsergebnisse zur Keimwelt des Darms, hat sich das Forschungsziel der renommierten Vereinigung mittlerweile um das Themengebiet Mikrobiota erweitert. Jährlich findet ein Treffen statt, bei dem sich internationale Top-ExpertInnen über neue Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten austauschen. Dieses Meeting mit 500 bis 600 TeilnehmerInnen aus aller Welt fand vom 5. bis 7. September erstmals in Innsbruck statt.

Helicobacter-Therapie: Massiver Rückgang von Magengeschwüren

Für die meisten Menschen ist eine Helicobacter-Infektion harmlos.

Nur bei einem aus sechs Betroffenen kommt es in der Folge zu einer Magenerkrankung wie einer Entzündung, einem Geschwür oder Krebs. 

Die Übertragung folgt von Mensch zu Mensch.

 „Der gesteigerte Hygienestandard hat hierbei in den letzten Jahrzehnten zu einem Rückgang der Infektionsrate geführt. Auch die Behandlungsmöglichkeiten sind sehr gut, es gibt daher wesentlich weniger Magengeschwüre, die noch durch diesen Erreger verursacht sind“, erklärt Herbert Tilg. Die Behandlung der Infektion erfolgt mit mehreren Antibiotika. „Dabei stellt die Bildung von Resistenzen derzeit eine der größten Herausforderung dar“, sagt Tilg. Mehrere Vorträge beim EHMSG-Meeting in Innsbruck beschäftigten sich daher mit diesem Thema. Auch der Forschungsbedarf ist noch sehr groß. „Wir können noch nicht vorhersagen, wer nach einer Helicobacter-Infektion erkrankt und wer nicht.

  • Dabei ist diese Erkenntnis sehr wichtig, denn fast 90 Prozent der PatientInnen mit einem Magen-Karzinom hatten zuvor eine Helicobacter-Infektion.

Mikrobiota: Welche Rolle spielt die Keimwelt bei Krebserkrankungen?

Jeder Mensch hat rund ein Kilogramm an Keimen in seinem Darm. „Die Erforschung der Mikrobiota ist weltweit eines der wichtigsten Forschungsthemen. Es gibt zunehmend Hinweise, dass die gastrointestinale Mikrobiota auch bei verschiedenen Krebsformen im Verdauungstrakt, eine Rolle spielt“, sagt Herbert Tilg. Weitere Forschungsergebnisse dazu tragen dazu bei, dass Krebserkrankungen der Speiseröhre, des Magen oder Dickdarms zukünftig besser therapiebar werden könnten.

Stuhltransplantationen bei Diabetes, Lebererkrankung und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Bei der Stuhltransplantation wird möglichst frischer Stuhl eines gesunden Menschen mit Kochsalzlösung erst verdünnt und dann gefiltert, um grobe Anteile zu entfernen und dann im Rahmen einer Darmspiegelung in den Verdauungstrakt eingebracht.

„Wir haben hier die Hoffnung, dass wir zukünftig mit dieser Methode vielen Betroffenen helfen können. Nach neuesten Erkenntnissen könnten Patientinnen und Patienten mit Diabetes, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und mit Lebererkrankungen profitieren. Das ist ein aktuell sehr stark diskutiertes Thema in der Fachwelt, daher beschäftigten sich sehr viele der Vorträge bei unserem Meeting in Innsbruck mit Stuhltransplantationen.

Derzeit wird diese Behandlungsmethode bereits bei einigen wenigen Darmerkrankungen erfolgreich angewendet. „Allerdings müssen wir noch besser verstehen, warum die Behandlung erfolgreich ist, bevor sie bei weiteren Erkrankungen eingesetzt werden kann“, sagt der Experte.

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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.helicobacter.org/ [Europäische Helicobacter und Mikrobiota Studiengruppe]

Delirvermeidung - lebensbedrohliche akute Psychose

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Organisierte Menschlichkeit hilft heilen

Vorbildliche Initiative zur Vermeidung von Deliren mit dem Deutschen Patientenpreis ausgezeichnet 
 
„Ehrenamtliche Patientenbegleiter zur Delirvermeidung“ heißt die Initiative, die am Montag (2. September) im Rahmen der 8. Jahrestagung des House of Pharma & Healthcare mit dem Deutschen Patientenpreis 2019 ausgezeichnet wurde. Der gemeinsam mit der Zeitschrift ZEIT Doctor ausgelobte Preis wurde zum zweiten Mal verliehen. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und belohnt in diesem Jahr die beste Innovation zur Förderung der Gesundheitskompetenz. Das preisgekrönte Projekt ist von Prof. Axel Prokop und seinem Team am Zentrum Alterstraumatologie der Kliniken Sindelfingen ins Leben gerufen worden. „Es zeigt beispielhaft, wie menschliche Zuwendung organisiert werden kann, die die Selbstheilungskräfte älterer Patienten stärkt“, sagte Prof. Jochen Maas, Vizepräsident des House of Pharma & Healthare und Mitglied der Jury. „Wir wünschen uns, dass sich viele Krankenhäuser an diesem Vorbild orientieren.“
  • Das Delir ist eine lebensbedrohliche akute Psychose, die auf unfallchirurgisch-orthopädischen Stationen als die häufigste Komplikation bei der Behandlung von über 70-jährigen Patienten gefürchtet wird. 
  • Bis zu einem Viertel dieser Patienten ist davon betroffen, jeder Fünfte davon verstirbt daran. 
  • Je mehr Zuwendung alte Menschen im Krankenhaus erfahren, desto geringer ist jedoch ihr Delir-Risiko. 

Von diesem bekannten Befund ausgehend, baute Prof. Prokop in Sindelfingen ein Team ehrenamtlicher Laienhelfer auf, die bestimmte Patienten einem strukturierten Besuchsplan folgend täglich jeweils eine Stunde betreuen. Diese Helfer werden von der Klinik geschult, dokumentieren ihre Arbeit schriftlich und tauschen sich regelmäßig in Teamsitzungen aus.

Die unentgeltlich arbeitenden Helfer begleiten die Patienten bei der Mobilisation, lesen ihnen vor, unterhalten sich mit ihnen oder hören ihnen einfach nur zu und vermitteln somit ein Gefühl von Rückhalt und Geborgenheit. Zu einer medizinischen Behandlung sind sie nicht befugt.

Das am 1. Juli 2017 begonnene Projekt wurde inzwischen auf 14 Stationen in vier Krankenhäusern des Klinikverbundes Südwest ausgedehnt. Das Interesse an dem Ehrenamt ist groß: 75 Begleiter haben bis zum 1. Mai 2019 schon 4.031 Patienten betreut. Mit bemerkenswertem Erfolg: Keiner der betreuten Patienten erlitt während seines Krankenhausaufenthaltes ein Delir. Ohne Betreuung wären es nach Schätzung der Projektverantwortlichen mindestens 450 gewesen.

Das House of Pharma & Healthcare verfolgt das Ziel, den Pharma-Kompetenzcluster Hessen weiterzuentwickeln und die Innovationslücke in der Arzneimittelentwicklung zu schließen. Zu diesem Zweck fördert es die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren der Gesundheits- und Pharmabranche in Deutschland und bietet ihnen eine neutrale Diskussionsplattform. Es wird geleitet von Professor Manfred Schubert-Zsilavecz (Goethe-Universität) und Prof. Jochen Maas (Sanofi).


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Angiovac“-System

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Der "Staubsauger fürs Herz"

Mithilfe eines neuen Verfahrens kann am DHZB ein junger Mann aus Essen erfolgreich behandelt werden, der nach einer schweren Lungenembolie kaum noch Überlebenschancen hatte.

Marlin Koth (rechts) und Prof. Dr. med. Christoph Starck
Marlin Koth (rechts) und Prof. Dr. med. Christoph Starck
© Deutsches Herzzentrum Berlin
 
Marlin Koth kommt im November 1991 mit mehreren schweren Herzfehlern zur Welt.


Kinderherzchirurgen müssen ihm einen sogenannten „Fontankreislauf“ schaffen.

Dabei hat das Herz nur eine Kammer. Sie pumpt sauerstoffreiches Blut aus der Lunge in den Körper. Der Lungenkreislauf – also der Weg des sauerstoffarmen venösen Bluts aus dem Körper hin zur Lunge und zurück zum Herzen – muss ohne Herzpumpe auskommen.

Marlin Koth kann dennoch weitgehend normal aufwachsen. Bis zu einem Alter von 17 Jahren spielt er sogar Fußball im Verein. Seine körperliche Leistungsfähigkeit lässt zwar nach, aber es geht ihm gut.

Am 27. Juli muss Marlin Koth am Blinddarm operiert werden. Der unkomplizierte Eingriff im Uniklinikum Essen verläuft ohne Probleme. Doch drei Tage später bricht Marlin Koth im Bad seines Krankenzimmers bewusstlos zusammen.

Den Ärzten ist sehr schnell klar, wie schlecht es um ihren Patienten steht. Denn Marlin Koth hat eine schwere Lungenembolie erlitten. Dabei verstopft ein Blutpropfen (Thrombus) die Blutgefäße hin zur Lunge. In Marlin Koths Fall wirkt sich die Lungenembolie wegen seines Herzfehlers besonders drastisch aus.

Die Mediziner am Essener Uniklinikum schließen Marlin Koth sofort an eine ECMO an, eine künstliche Lunge. Die unmittelbare Lebensgefahr ist damit zwar gebannt. Doch die Ärzte wissen auch, dass sie nicht mehr für ihren Patienten tun können und nehmen Kontakt mit dem Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) auf.

Noch am selben Tag wird Marlin Koth – weiterhin angeschlossen an die ECMO – mit dem Hubschrauber in die Hauptstadt geflogen. Im DHZB erwartet ihn der leitende Oberarzt der Herzchirurgie, Professor Christoph Starck, mit einem Team aus Intensivmedizinern und Spezialisten für Angeborene Herzfehler.

Zunächst versuchen die Ärzte, die Thromben mit Medikamenten zumindest zu verkleinern. Der Versuch scheitert: Der Thrombus zerfällt zwar in mehrere Teile, blockiert aber weiterhin die Blutgefäße. Bei anderen Patienten bestünde nun die Möglichkeit, die Gerinnsel operativ zu entfernen. Doch das DHZB-Team muss auch diese Option verwerfen: „Angesichts des Zustands unseres Patienten und seiner vielen Voroperationen im Kindesalter wäre das Risiko definitiv zu hoch gewesen“, erläutert Herzchirurg Christoph Starck.

Damit bleibt nur noch eine Möglichkeit, den jungen Mann zu retten: Das sogenannte „– eine Art „Staubsauger fürs Herz“.

Dabei wird über einen wenige Zentimeter großen Schnitt am Hals oder in der Leiste ein mit einer Absaugpumpe verbundener Schlauch über die Blutgefäße unter Röntgen- und Ultraschallkontrolle bis dicht an die Gerinnsel herangeführt. Das Ende des Schlauchs wird dann zu einem Trichter aufgespannt und die Pumpe wird aktiviert. So werden die Thromben abgesaugt und ausgefiltert, das Blut wird wieder dem Körperkreislauf zugeführt.

Das Deutsche Herzzentrum Berlin hat das System aus den USA als eine der ersten Kliniken in Deutschland eingesetzt und verfügt inzwischen mit fast 100 Eingriffen auch europaweit über die meiste Erfahrung mit dem neuen Verfahren. Doch auch diese Variante kommt für Marlin Koth zunächst nicht in Frage. Denn der Thrombus liegt in einem Abschnitt einer Lungenarterie, den die Ärzte mit dem Saugtrichter nicht erreichen können.

Den Medizinern bleibt nun nur die Hoffnung, dass sich die Lage der Gerinnsel noch ändern könnte. Immer wieder wird Marlin Koth im Computertomographen untersucht. Und endlich tritt ein, worauf der Patient, seine Eltern und die Ärzte kaum zu hoffen gewagt hatten: Die Blutgerinnsel sind gewandert. Der Eingriff erscheint nun möglich.

Am Morgen des 7. August wird Marlin Koth in OP 8 gebracht. Der Eingriff mag für den Laien zwar simpel klingen. Doch Christoph Starck und sein Kollege, Herzchirurg Dr. Axel Unbehaun, wissen, dass angesichts Marlin Koths schlechten Zustands und seinen Vor-Operationen jederzeit Komplikationen auftreten können. Und dann bleibt nur noch eine Notoperation am offenen Herzen. Alle im OP sind darauf vorbereitet.

Über einen Einschnitt am Hals führen die Chirurgen den Saugschlauch so dicht wie möglich an den Thrombus heran und aktivieren die Saugfunktion. Doch zunächst geschieht nichts. Das Blutgerinnsel sitzt zu fest.

Über einen weiteren Katheter versucht Christoph Starck deshalb, den Thrombus mit feinen Drahtschlingen zu greifen. Als auch dies erfolglos bleibt, wendet der Operateur einen außergewöhnlichen Trick an: Er drückt einen dünnen Katheter mit einem zusammengefalteten Ballon an der Spitze vorsichtig am Thrombus vorbei. Hinter dem Blutgerinnsel wird der Ballon aufgepumpt. Nun können die Chirurgen den Blutpfropfen Millimeter für Millimeter an den Saugtrichter heranziehen.

Sie wissen, dass diese Phase der OP noch einmal besonders heikel ist. Denn nicht weit vom „Herz-Sauger“ liegt die Kanüle, die das Blut zur künstlichen Lunge, der ECMO, hin absaugt. Geriete der Thrombus in diese Maschine, hätte das für Marlin Koth womöglich fatale Folgen. Die Chirurgen fahren die Leistung der künstlichen Lunge also zurück, soweit es geht, ohne ihren Patienten zu gefährden. Gleichzeitig maximieren sie die Leistung des „Angiovac“. Und dann geht alles sehr schnell. Das System saugt mehrere, zusammen rund vier Zentimeter dicke Blutgerinnsel aus Marlin Koths Lungenarterie ab.

  • Das Gefäß ist damit wieder frei. 
  • Die Lunge wird wieder durchblutet. 
  • Eine knappe Woche später wird Marlin Koth zurückverlegt ins Essener Uniklinikum, wo er noch einige Zeit zur Überwachung bleiben muss.

Inzwischen ist Marlin Koth wieder zu Hause. Er hofft nun, seine Umschulung zum Automobilkaufmann wieder aufzunehmen. Und darauf, mal wieder nach Berlin zu reisen – diesmal aber unter weniger dramatischen Umständen.

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Christian Maier Deutsches Herzzentrum Berlin

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