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Die Eltern-Säugling-Kleinkind Beziehung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Großes Psychotherapieforschungsprojekt (SKKIPPI) zur Eltern-Kind-Beziehung an der IPU Berlin

Frau Prof. Dr. Christiane Ludwig-Körner und Herr Prof. Dr. Lars Kuchinke von der International Psychoanalytic University (IPU) konnten beim Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen erfolgreich ein Großprojekt zur Evaluation der Eltern-Säugling-Kleinkind-Psychotherapie (ESKP) einwerben. 

Die Fördersumme liegt bei bis zu 2,46 Mio Euro. Es zählt damit zu den aktuell größten Projekten zur Wirksamkeitsforschung der Psychotherapie in Deutschland. 
  • Untersucht werden Prävalenzen psychischer Störungen bei jungen Müttern und Vätern sowie die ESKP als psychodynamisches Interventionsangebot. 

Forschungsgruppe SKKIPPI mit Prof. Dr. Christiane Ludwig-Körner (1. Reihe, vierte von links) und Prof. Dr. Lars Kuchinke (1. von rechts)
Forschungsgruppe SKKIPPI mit Prof. Dr. Christiane Ludwig-Körner (1. Reihe, vierte von links) und Prof. Dr. Lars Kuchinke (1. von rechts) IPU Berlin
 
Frau Prof. Dr. Christiane Ludwig-Körner und Herr Prof. Dr. Lars Kuchinke von der International Psychoanalytic University (IPU) konnten beim Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen erfolgreich ein Großprojekt zur Evaluation der Eltern-Säugling-Kleinkind-Psychotherapie (ESKP) einwerben. Im Projekt „Evaluation der Eltern-Säugling-Kleinkind-Psychotherapie mittels Prävalenz- und Interventionsstudien (SKKIPPI)“ sollen die Prävalenzen psychischer Störungen der Mütter/Väter nach der Geburt ihres Kindes und die Eltern-Säugling-Kleinkind Psychotherapie (ESKP) als wichtiges psychodynamisches Interventionsangebot zur Förderung der Mutter/Vater-Kind-Beziehung erforscht werden.

SKKIPPI behandelt ein drängendes Thema: 

  • Schätzungsweise bis zu 20% der Mütter in Deutschland sind nach der Geburt ihres Kindes von psychischen Belastungen wie Depressionen oder Angst- und Zwangsstörungen betroffen. 

Der Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen der Elternteile und daraus resultierenden Störungen der kindlichen Entwicklungen mit langfristigen Konsequenzen ist in vielen Studien nachgewiesen. 
  • Sie zeigen sich in den ersten Lebensjahren des Kindes z.B. in Regulationsstörungen, wie etwa Schlafprobleme, exzessives Schreien sowie Fütter- oder Gedeihstörungen. 

Entgegen der großen Fallzahlen existieren für die betroffenen Mutter/Vater-Kind-Paare jedoch nur wenige stationäre Therapieplätze.

Das SKKIPPI Projekt besteht aus zwei sich ergänzenden Studienteilen.

  • Im ersten Teil wird die Verbreitung von psychischen Belastungen und Erkrankungen von Müttern und Vätern im ersten Jahr nach der Geburt des Kindes sowie deren Versorgungslage erhoben. 
Der zweite Teil dient der Evaluation des ESKP-Verfahrens durch den Vergleich der ESKP mit bisher üblichen Verfahren im klinischen Kontext.

  • Die Therapie findet dabei entweder in stationärer Behandlung oder in nicht-stationärer Behandlung zuhause (Home Treatment) statt.

Die ESKP ist ein von Ludwig-Körner entwickeltes Psychotherapieverfahren, das sich mit der intensiven Zweierbeziehung zwischen Mutter (oder Vater) und Kind beschäftigt. 

  • Ziel ist die Verbesserung der Feinfühligkeit der Mutter/des Vaters, um die emotionale Beziehung zum Kind zu verbessern und eine sogenannte sichere Bindung herzustellen. 
  • So soll verhindert werden, dass Eltern problematische Verhaltensweisen über Generationen hinweg an ihre Kinder weitergeben.

Insgesamt wird SKKIPPI mit bis zu 2,46 Mio Euro durch den Innovationfond finanziert.

Es zählt damit zu den aktuell größten Projekten zur Wirksamkeitsforschung der Psychotherapie in Deutschland. 

Weitere beteiligte Institutionen des multizentrischen Projektes unter Federführung der IPU sind die Charité Berlin, die Universität Leipzig, die Diako Flensburg sowie die Kliniken Vivantes Klinikum Neukölln, Alexianer St-Joseph Krankenhaus Berlin-Weißensee und Helios Park-Klinikum Leipzig.

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Goldenen Stunden nach der Geburt: Keine Social Media Posts

Medizin am Abend Berlin Fazit: Soziale Netzwerke im Kreißsaal stören den Aufbau der Mutter-Kind-Bindung

Die sozialen Netzwerke sind aus unserem Leben kaum noch wegzudenken, und viele Mütter gehen auch sofort nach der Niederkunft online. 

  • Aus den Stunden nach der Geburt sollten die sozialen Medien aber verbannt werden. 
  • Anstatt Fotos auf Instagram zu posten oder Glückwünsche auf Facebook entgegenzunehmen, sollten Mütter die Zeit nutzen, eine direkte Bindung zu ihrem Baby aufzubauen. 

Das Onlinesein in den sozialen Netzwerke wirkt sich insbesondere in den ersten Stunden nach der Geburt störend auf die Entwicklung der Mutter-Kind-Beziehung aus. 
 
Eine Studie der Victoria University in Wellington, Neuseeland, untersucht, wie Internet und Handys, insbesondere die sozialen Netzwerke, den Aufbau der Bindung zwischen den jungen Müttern und ihren neugeborenen Babys beeinträchtigen. An der multidisziplinären Studie arbeiten Dr Jayne Krisjanous von der School of Marketing and International Business, Dr Robyn Maude von der Graduate School of Nursing, Midwifery and Health und die Promotionsstudentin Marlini Bakri.

Die noch immer andauernde Studie untersucht die Rolle von Facebook, Twitter und Instagram in der ‚goldenen Stunde' nach der Geburt. 
  • Man geht davon aus, dass die ersten sechzig Minuten im Leben eines Kindes wichtige physische und psychische Vorteile für Mutter und Kind mit sich bringen. 
Geburtshelferinnen in ganz Neuseeland sind darauf aufmerksam geworden, dass eine wachsende Anzahl von Müttern in eben dieser ersten Stunde online gehen.

Dr Krisjanous sagt, dass Social Media Posts eine sofortige Welle der Reaktionen auslöst, die ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit und Zeit zur Beantwortung bedarf.

Hierin liege der Ursprung der bemängelten Störung. 

  • Sie sagt darüber hinaus, dass Neugeborene enorme physiologische Veränderungen des Kreislaufs erfahren und ihre neurologischen Reflexe durch Licht, Ton, Berührungen, Kälte und Schwerkraft beeinflusst werden. 
  • Gleichzeitig wirken sich auf die Mutter während der Geburt neuro-hormononelle Veränderungen aus. 
Diese Prozesse führen zur Mutter-Kind-Bindung, und die Nutzung von Social Media kann den Aufbau der Verbindung stören.

Die Studie soll eine der ersten ihrer Art sein und wurde bereits in der Sunday Star-Times 

https://www.stuff.co.nz/life-style/parenting/pregnancy/birth/105302129/new-mothe... 

und in der TVNZ Breakfast show 

https://www.tvnz.co.nz/one-news/new-zealand/mums-bonding-time-newborns-can-distu...)

vorgestellt. 

Das Wissenschaftsteam wird seine Arbeit auf der New Zealand College of Midwives Biennial National Conference im nächsten Monat präsentieren.

Das Institut ist die gemeinnützige Einrichtung zur Förderung des Austausches und der Auslandsstudien insbesondere mit allen Universitäten Australiens und Neuseelands sowie zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. In seinen Förderprogrammen stellt es SchülerInnen und Studierenden Unterstützung in der Finanzierung durch Stipendien und Coaching in der Studienberatung und Studienplatzbewerbung zur Verfügung.


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CAVE:Rettungsstelle- KANZEL: Freizeitkrankheit: Leisure Sickness

Medizin am Abend Berlin Fazit: Phänomen „Leisure Sickness“ – 

Studie zeigt Zusammenhang zwischen Freizeitverhalten und Anfälligkeit

Sonnige Strände, schneebedeckte Berge oder einfach nur Balkonien – von Urlaub und Freizeit wünschen wir uns Ruhe und Entspannung. 

Bei vielen Deutschen ist aber genau das Gegenteil der Fall. 
  • Fällt der Stresslevel ab, fühlen sie sich unwohl – die Nase läuft, der Kopf pocht oder der Magen spielt verrückt. 
Das Phänomen, im Urlaub und am Wochenende krank zu werden, nennen Psychologen Leisure Sickness (zu Deutsch „Freizeitkrankheit“). 

Die IUBH Internationale Hochschule hat gemeinsam mit der UMIT-Universität nach potenziellen Faktoren geforscht, die die Krankheit begünstigen – und entdeckte dabei höchst interessante Zusammenhänge. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Verkehrsunfällen unter Beteiligung von Einsatzfahrzeugen  
 
Fünf Dinge, mit denen wir unsere Freizeit verbringen

Im Fokus der Untersuchung stand der Zusammenhang zwischen dem Freizeitverhalten und dem Auftreten von Leisure Sickness.

Welche Rolle spielt es, wie Menschen ihre Freizeit gestalten?

Basierend auf verschiedenen Fragen zur Freizeitgestaltung hat das Forscherteam untersucht, wie viel Bezug zur Arbeit wir in der Freizeit haben und wie frei wir die Freizeit tatsächlich gestalten können. Aufgrund der Antworten identifizierte es fünf verschiedene Anteile, aus denen sich unsere Freizeit zusammensetzt:


• Arbeitsbezogene Freizeit: Hat einen sehr starken Bezug zur Arbeit und bedeutet zum Beispiel, ständig erreichbar zu sein oder außerhalb der Arbeitszeit noch Aufgaben erledigen zu müssen.
Auch private Treffen mit Kollegen und Geschäftspartnern zählen dazu. 
 
• Regeneration und Weiterbildung: Dazu zählt die Ruhephase nach der Arbeit durch Erschöpfung ebenso wie freiwillige Fortbildungen.
Hat ebenfalls starken Bezug zum Beruf.

• Pflichten und Soziales: Hier besteht kein Bezug zum Beruf, muss aber erledigt werden. Gemeint sind unvermeidbare Pflichten wie zum Beispiel Hausarbeit oder Einkaufen, selbst gewählte Aufgaben wie Kinder oder freiwillige Verpflichtungen wie Ehrenämter.

• Kontrast zur Arbeit: Meint Aktivitäten, die einen bewussten Gegenpol zur Arbeit bilden.
Man schafft sich ganz bewusst einen Ausgleich, zum Beispiel durch Hobbys sportlicher oder künstlerischer Art oder Zeit in der Natur.

• Freie Freizeit: Meint wirklich freie Zeit, in der man tun kann, wozu man gerade Lust hat.

Zusammenhang mit Leisure Sickness: Work-Life-Balance offenbar wichtiger Faktor

Aufgrund des Antwortverhaltens zeigt die Untersuchung, dass die Deutschen in ihrer Freizeit alle fünf Freizeittypen verfolgen, es jedoch große Unterschiede in der Gewichtung des jeweiligen Freizeittyps gibt.

Basierend darauf ergeben sich fünf typische Gruppen (Cluster), deren Risiko, an Leisure Sickness zu erkranken, unterschiedlich ausgeprägt ist:


• Die Arbeitstiere: Diese Gruppe lebt für die Arbeit und zeigt große Anteile an „Arbeitsbezogener Freizeit“ und „Regeneration und Weiterbildung“.
Die Lust auf außerberufliche Aktivitäten ist wegen großer Erschöpfung meist gering,
Zusätzlich liegt diese Gruppe auch bei „Pflichten und Soziales“ ganz vorne, hier aber vor allem bei den unvermeidlichen Pflichten. Sport und soziale Kontakte spielen dagegen kaum eine Rolle, und auch der Kontrast zur Arbeit ist in dieser Gruppe am geringsten. Hier finden sich in erster Linie Personen im höheren Alter ab 45 Jahren und eher ohne Führungsposition wieder.
  • Leisure Sickness-Anfälligkeit: hoch


• Die Inaktiven: Diese Gruppe liegt beim Anteil „Freie Freizeit“ relativ weit vorne, und hat den geringsten Anteil an „Arbeitsbezogener Freizeit“ sowie „Regeneration und Weiterbildung“.
Sie hat also am meisten Energie für Freizeit und Aktivitäten, aber tendenziell wenig Struktur und Verbindlichkeiten in der Freizeitgestaltung. Zu dieser Gruppe zählen mehr Männer und jüngere Altersgruppen. Auch Führungskräfte sind stärker vertreten.
  • Leisure Sickness-Anfälligkeit: hoch


• Die Einzelgänger: Diese Gruppe liegt bei der „Freien Freizeit“ ganz vorne, bei der „Arbeitsbezogenen Freizeit“ und „Regeneration und Weiterbildung“ im Mittelfeld. Die Arbeit spielt also in der Freizeit keine so große Rolle, das Gleiche gilt für Sport in Gesellschaft oder soziale Kontakte. Etliche Mitglieder dieser Gruppe sind zwischen 25 und 34 Jahre alt, etwas mehr weiblich und arbeiten oft Vollzeit ohne Führungsposition.
  • Leisure Sickness-Anfälligkeit: durchschnittlich


• Die Ausbalancierten: Diese Gruppe hat weniger „Arbeitsbezogene Freizeit“, ist weniger erschöpft von der Arbeit und hat dadurch mehr Lust auf Aktivitäten und Unternehmungen. Nichts desto trotz nehmen die Pflichten einen großen Raum ein. Das Ergebnis ist weniger „Freie Freizeit“, aber trotzdem ein besserer „Kontrast zur Arbeit“. Männer ab 45 sind genau wie Menschen in Führungspositionen etwas stärker vertreten.
  • Leisure Sickness-Anfälligkeit: gering


• Die Verplanten: Auch diese Gruppe hat viel „Arbeitsbezogene Freizeit“, aber zeigt sich weniger erschöpft und verspürt Lust auf Aktivitäten und Unternehmungen. Bei den Pflichten liegen sie im Mittelfeld. Freizeit mit anderen ist für diese Gruppe ebenfalls wichtig, genau wie „Kontrast zur Arbeit“. Der Anteil an wirklich „Freier Freizeit“ ist dagegen am geringsten. In diesem Cluster sind etwas mehr Frauen vertreten.
  • Leisure Sickness-Anfälligkeit: gering

  • Fazit: „Freie“ und arbeitsbezogene Freizeit tendenziell kontraproduktiv

Die „Verplanten“ und „Ausbalancierten“ sind am wenigsten, die „Einzelgänger“ moderat, sowie die „Arbeitstiere“ und die „Inaktiven“ am meisten von der Freizeitkrankheit betroffen, so das Ergebnis der Studie. 

„Es gibt also einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen dem Freizeitverhalten und dem Auftreten von Leisure Sickness“, resümiert Claudia Möller, Professorin für Tourismusmanagement an der IUBH.

„Unsere Vermutungen, dass viel „Freie Freizeit“ eher vor Leisure Sickness schützt, haben sich nicht bestätigt.

Es scheint vielmehr so zu sein, dass zu wenig Sozialkontakte und Verpflichtungen, also wenig Struktur und Verbindlichkeit in der Freizeit eher zum Auftreten des Phänomens beitragen.“ 

Ein wichtiger Aspekt sei auch der „Kontrast zur Arbeit“. 
Die am meisten von Leisure Sickness betroffenen Gruppen haben weniger „Kontrast zur Arbeit“, die am wenigsten betroffenen Gruppen schaffen sich stärker einen Ausgleich zur Arbeit.


Das Forscherteam:

Prof. Dr. Claudia Möller lehrte und forschte an der Universität Innsbruck, sowie an der UMIT – health & life sciences university in Hall/Tirol, seit 2008 ist sie Professorin für Tourismusmanagement an der IUBH Internationalen Hochschule. Ass.-Prof. Dr. Cornelia Blank ist seit Anfang 2017 stellvertretende Institutsleiterin des Instituts für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus an der UMIT. Sie lehrt in den Bereichen Wirtschaft, Gesundheits- und Sporttourismus. Vanessa Korn, B.A., B.Sc. studierte Internationales Tourismusmanagement an der IUBH und Tourism & Recreation Management an der Niagara University/NY. Sie hat im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Forschung zur LS mitgewirkt. Univ.-Prof. Dr. med. Wolfgang Schobersberger habilitierte 1997 und gründete 2003 an der UMIT das Institut für Urlaubs-, Reise- und Höhenmedizin mit dem Ziel, den alpinen Gesundheitstourismus wissenschaftlich zu etablieren. 2009 wurde Schobersberger zum Leiter des Instituts für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus der Tirol Kliniken GmbH Innsbruck und der Privatuniversität UMIT/Hall bestellt.

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Hochrisikofälle: Fallmanagement zur Deeskalation bei häuslicher Gewalt und Stalking

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bekämpfung häuslicher Gewalt durch regionale Netzwerke - Fachtagung an der Universität Osnabrück

Alle 2,5 Tage wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. 

Diese erschreckende Zahl hat der Menschenrechtsverein Terre des Femmes veröffentlicht. 

Grund genug für die Polizeidirektion Osnabrück und das Institut für Islamische Theologie (IIT) der Universität Osnabrück, gemeinsam eine Fachveranstaltung mit dem Titel „Häusliche Gewalt – Zusammenhänge mit religiösen Ideologien und Extremismen" zu veranstalten. 

Über 90 Gäste nahmen an der Veranstaltung teil. 
 
Bereits seit vielen Jahren nehme die häusliche Gewalt eine besondere Stellung in der polizeilichen Arbeit in Stadt und Landkreis Osnabrück ein, leitete Michael Maßmann, Leiter der Polizeiinspektion Osnabrück, die Tagung ein.

Um Hochrisikofälle besser zu erkennen und zu bearbeiten, hat die Polizei Osnabrück gemeinsam mit 18 weiteren Netzwerkpartnern 2011 das Osnabrücker Modell „Fallmanagement zur Deeskalation bei häuslicher Gewalt und Stalking“ ins Leben gerufen.

„Das Modell zeichnet sich dadurch aus, dass regelmäßig die Fachleute aus den verschiedenen Institutionen an einem Tisch zusammenkommen, um gemeinsam gravierende Fälle zu erörtern“, erläuterte Polizeihauptkommissarin Monika Holtkamp. Das Fallmanagement funktioniere in Osnabrück sehr gut und wecke auch bei anderen Städten großes Interesse.

Jasser Abou Archid, wissenschaftlicher Mitarbeiter vom IIT, zeigte anschließend häufige Gründe für häusliche Gewalt auf. 
  • Die Gewalt werde bei den Tätern oftmals durch die irrige Vorstellung, kulturell, traditionell oder religiös zu handeln, begründet und gerechtfertigt. 
  • Gerade bei den Fällen, bei denen ein Migrationshintergrund eine Rolle spiele, kämen Jugendamt und Polizei schnell an ihre Grenzen. 

Es fehle meist das kulturelle und religiöse Verständnis. 

„Um die richtigen Maßnahmen treffen zu können, ist es wichtig, muslimische Seelsorger, Theologen, und Wohlfahrtspflege bei der Aufarbeitung von Fällen der häuslichen Gewalt intensiver miteinzubeziehen“, so Abou Archid.

Samy Charchira vom IIT sprach abschließend über den religiösen Extremismus.

Sein Plädoyer: „Häusliche Gewalt in extremistischen Familienstrukturen ist vor allem eine Aufgabe der Familien und Jugendhilfe.“ Gleiche Standards bräuchte man bei der muslimischen Sozialen Arbeit.

Am IIT wird ab Wintersemester 2019 der Studiengang Soziale Arbeit angeboten.

Außerdem will die Universität Osnabrück den Studiengang „Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft“ aufbauen.

Ziel sind wissenschaftlich qualifizierte Theologinnen und Theologen mit Kompetenzen in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik sowie Sozialpädagoginnen und -pädagogen mit theologischer Kompetenz.

„Der Mix aus verschiedenen Angeboten macht am Ende die Qualität der Arbeit aus“, so Charchira.

Rund 25 Prozent der Frauen im Alter von 16 bis 85 Jahren erleben laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt in einer Partnerschaft.

In der Polizeidirektion Osnabrück kam es im letzten Jahr zu 3.137 Fällen von häuslicher Gewalt. 2.190 der Opfer waren weiblich, 755 männlich.

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Akribischer Ursachensuche: Risiko für einen Schlaganfall - Kryptogener Schlaganfall

Medizin am Abend Berlin Fazit: Ende des Patts: Kardiologen und Neurologen empfehlen Schirmchen zum Schutz vor Schlaganfall

Ein vergleichsweise einfacher Eingriff zum Verschluss des offenen Foramen ovale (PFO) kann das Risiko für einen Schlaganfall deutlich verringern, wenn zuvor eine sorgfältige Diagnostik keine Hinweise auf andere Schlaganfallursachen erbrachte. 

Das ist die wichtigste Aussage der heute veröffentlichten gemeinsamen S2e-Leitlinie „Kryptogener Schlaganfall und offenes Foramen ovale“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). 
 
„Wir wussten zwar, dass viele Patienten im Alter von unter 60 Jahren mit diesem Kurzschluss zwischen rechtem und linkem Herzvorhof besonders gefährdet sind, wenn sie einen Schlaganfall erlitten hatten“, sagt Hans-Christoph Diener, Seniorprofessor an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen, der als Erstautor für die DGN an der neuen Leitlinie mitgewirkt hat.

„Der Nachweis, dass der interventionelle Verschluss des PFO sekundäre Ereignisse bei gefährdeten Personen verhindern kann, ist jedoch erst in den vergangenen beiden Jahren gelungen.“ Eine interdisziplinäre Autorengruppe überprüfte nun die Datenlage und fixierte sie in der Leitlinie: „Diese Leitlinie formuliert nach Jahren der Unsicherheit für Neurologen und Kardiologen klare Behandlungsempfehlungen bei Patienten mit kryptogenem Schlaganfall“, stellt DGK-Erstautor Professor Stephan Baldus, Direktor der Klinik für Kardiologie am Herzzentrum der Uniklinik zu Köln, fest.

Die bisherige PFO-Leitlinie der DGN zur Sekundärprävention des Schlaganfalls wurde im Jahr 2012 veröffentlicht. Die aktuellen Studien zum interventionellen Verschluss eines offenen Foramen ovale waren noch nicht enthalten. Die neue Leitlinie schließt diese Lücke und wendet sich nicht nur an Neurologen, sondern auch an Kardiologen, die PFO-Patienten, die im Alter zwischen 16 und 60 Jahren einen kryptogenen Schlaganfall erlitten haben, betreuen.

  • Denn bei 25 Prozent aller Menschen schließt sich das Foramen ovale nachgeburtlich nicht vollständig, gleichzeitig verursacht der Schlaganfall eine hohe Morbidität. 
  • Die Empfehlungen haben eine große praktische Relevanz.

Ein PFO zählt bei jüngeren Menschen ohne sonstige Ursachen zu den Risikofaktoren für einen Schlaganfall.

Diese Insulte, denen per Definition keine eindeutige sonstige Ursache zugewiesen werden kann, machen etwa 20 Prozent aller Schlaganfälle aus. Standardbehandlung für Patienten nach einem kryptogenen Schlaganfall ist die Gabe gerinnungshemmender Medikamente, wodurch die Rate erneuter Ereignisse gesenkt werden kann.

Medikamente oder Intervention? Lange Zeit ein klares „Jein“

In Studien wurde mehrfach versucht, im Rahmen einer Intervention mit einem von der Leiste vorgeschobenen Katheter den Durchgang zwischen den beiden Herzvorhöfen mittels eines schirmchenförmigen Verschlusses („Okkluder“) zu versiegeln.

Drei ältere Studien (CLOSURE I, PC-Studie, RESPECT) hatten jedoch keinen klaren Vorteil dieser Methode zur Schlaganfallvorbeugung gezeigt. Vier weitere Studien leiteten dann die Wende ein: REDUCE, CLOSE, RESPECT extended follow up und zuletzt die DEFENSE-PFO-Studie haben gezeigt, dass der Verschluss des PFO die Rate von erneuten Schlaganfällen signifikant senken kann.

Die Mehrzahl der Rezidive bestand aus leichten, nicht behindernden Schlaganfällen. Bei der Intervention kann Vorhofflimmern auftreten, das in den meisten Fällen jedoch wieder spontan sistierte.

Die Evidenz aus diesen Studien wird in der neuen Leitlinie ausführlich diskutiert und bewertet.


„Bemerkenswert ist, dass sie die zweithöchste Qualitätsstufe (S2e) einer Leitlinie erreicht und in sehr kurzer Zeit von den Beteiligten ehrenamtlich erstellt wurde. Auf eine externe Finanzierung konnten wir deshalb verzichten“, so Baldus.

Fünf Empfehlungen

Die Auswertung von 22 Publikationen und ein mehrstufiges Konsensusverfahren durch das 13-köpfige Redaktionskomitee führten schließlich zu fünf Empfehlungen, von denen vier einstimmig verabschiedet wurden und eine mit lediglich einer Enthaltung.

Die wohl wichtigste Empfehlung hat den Empfehlungsgrad A und die Evidenzebene I.

Sie lautet: „Bei Patienten zwischen 16 und 60 Jahren mit einem (nach neurologischer und kardiologischer Abklärung) kryptogenen ischämischen Schlaganfall und offenem Foramen ovale mit moderatem oder ausgeprägtem Rechts-Links-Shunt soll ein interventioneller PFO-Verschluss durchgeführt werden.“ 
Dafür sprachen sich zehn Experten aus. Drei Experten befürworteten eine abgeschwächte Version dieser Empfehlung, wonach solch ein Eingriff „erwogen“ werden soll.

  • Zu den peri- und postoperativen Risiken gehören Vorhofflimmern, Perikardtamponaden sowie Lungenembolien, jedoch treten diese so selten auf, dass sie der Implantation eines Okkluders nicht im Weg stehen sollten, heißt es in einer weiteren Empfehlung. 

Zudem haben die Experten sich mit der idealen Bauart des Okkluders beschäftigt.

Sie kommen zu dem Ergebnis, dass sogenannte Disc-Okkluder zu bevorzugen sind. Und sie geben Rat zur Medikation nach dem Eingriff sowie bei Patienten, welche die Operation ablehnen.

Leitlinie entbindet nicht von akribischer Ursachensuche

„Es ist ein Fortschritt, dass der Nutzen eines PFO-Verschlusses bei jüngeren Patienten mit einem ansonsten ursächlich ungeklärten Schlaganfall jetzt besser belegt ist“, sagt Professor Armin Grau von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG).

„Wichtig ist es aber, dass immer eine ausführliche Suche nach anderen Ursachen erfolgt und ein erfahrener Neurologe die Indikation prüft. Denn längst nicht jeder jüngere Schlaganfallpatient mit einem PFO benötigt einen Verschluss des Foramen ovale“, so der Direktor der Neurologischen Klinik am Klinikum der Stadt Ludwigshafen.


„Vieles hängt auch davon ab, dass Neurologen und Kardiologen in dieser Indikation gut zusammenarbeiten“, sagt Diener. 

„Wenn wir alles richtig machen und die richtigen Patienten auswählen, kann der PFO-Verschluss das Risiko für einen erneuten Schlaganfall um 75 Prozent senken.“

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren rund 9000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

Präsident: Prof. Dr. med. Gereon R. Fink
Stellvertretende Präsidentin: Prof. Dr. med. Christine Klein
Past-Präsident: Prof. Dr. med. Ralf Gold
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter
Geschäftsstelle: Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel.: +49 (0)30 531437930, E-Mail: info@dgn.org


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Prof. Dr. Hans-Christoph Diener
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Prof. Dr. med. Armin J. Grau
Direktor der Neurologischen Klinik
Klinikum der Stadt Ludwigshafen a. Rh.
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Prof. Dr. med. Stephan Baldus
Direktor der Klinik für Kardiologie
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Originalpublikation:
Diener H.-C., Grau A., Baldus S. et al., Kryptogener Schlaganfall und offenes Foramen ovale, S2e-Leitlinie, 2018; in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 13.8.2018)



CAVE: Interdiziplinäre Reha: Bluthochdrucktherapie - Bluthochdruckbehandlung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Trotz Valsartan-Skandal die Bluthochdrucktherapie ernst nehmen!

Wie die Deutsche Hochdruckliga befürchtet, führt der Valsartan-Skandal möglicherweise dazu, dass viele Patienten mit Bluthochdruck ihre Medikamente nun einfach nicht mehr einnehmen. 

Die Angst vor Krebs ist hoch und manch einer mag den falschen Schluss ziehen, lieber auf die Blutdrucksenker zu verzichten. 

Das ist aber ein fataler Irrtum. 

  • Denn auch wenn das Absetzen der Blutdruckmedikamente nicht zu Symptomen führt und sich der Patient zunächst gut fühlt, riskiert er lebensbedrohliche Komplikationen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt. 

Die Empfehlung der Deutschen Hochdruckliga lautet: 

  • Medikamente keinesfalls einfach absetzen, aber die verunreinigten Medikamente schnellstmöglich austauschen! 
 
Die Verunreinigungen von einigen Valsartan-Präparaten hat viele Patienten verunsichert.

Auch wenn laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte kein akutes Risiko besteht, wurde die Empfehlung ausgesprochen, die betroffenen Valsartan-haltigen Medikamente auszutauschen.

Nun ist bekannt: Möglicherweise kommt es zu einem Krebsfall mehr, wenn 5.000 Menschen über 7 Jahre ein verunreinigtes Valsartan-Medikament einnehmen – so die Schätzung der europäischen Gesundheitsbehörde (EMA) [1]. 

Die Angst vor Krebs ist bei jedem Menschen groß – und gerade die Deutschen sind dafür bekannt, dass sie selbst liebgewonnene Gewohnheiten verändern, wenn sie zu dieser Erkrankung führen können.

Der Fleischkonsum ist beispielsweise deutlich zurückgegangen [2]. Natürlich spielen da viele Gründe rein – z.B. ein erhöhtes ökologisches und auch allgemeines Gesundheitsbewusstsein – eine große Rolle mag aber auch gespielt haben, dass die WHO Wurst und verarbeitete Fleischprodukte im Jahr 2015 als krebserregend einstufte [3].

Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention hat daher Sorge, dass der Valsartan-Skandal auf die Therapietreue der Bluthochdruckpatienten schlägt.

„Die Menschen hören das Wort Krebs und lassen lieber die Blutdruckmedikamente weg – denn vermeintlich geht es ja auch ohne.

Wenn sie ihre Tabletten über eine längere Zeit nicht einnehmen, stellen sich häufig keine Symptome ein.

Das ist ein generelles Problem in der Bluthochdruckbehandlung.

Leider sind den wenigsten Betroffenen die langfristigen Gefahren von Bluthochdruck bewusst“, erklärt Prof. Dr. Bernhard K. Krämer, Mannheim, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention.

  • Weiter führt er aus, dass wenn 5.000 Patienten ihre Bluthochdruckmedikamente über 7 Jahre nicht einnehmen, es zu deutlich mehr als nur einen Todesfall durch Schlaganfall, Herzinfarkt oder anderer typischer Folgekomplikationen von Bluthochdruck käme, sondern die Todesrate im hohen 2- bis 3-stelligen Bereich liegen würde. 

„Die Blutdrucksenker einfach wegzulassen, wäre für viele unserer Patienten fatal“, so Professor Krämer und er appelliert an die Patienten, die Bluthochdrucktherapie weiterhin ernst zu nehmen.

Natürlich sollte man aber vermeiden, weiterhin verunreinigte Substanzen einzunehmen, denn jedes Krebsrisiko – und sei es noch so gering – sollte minimiert werden. Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention rät jedem Patienten, der ein Valsartan-Präparat einnimmt, sich vor allem beim seiner Apotheke rückzuversichern, dass es nicht zu den betroffenen Medikamenten gehört. Alternativ kann der Patient seinen Arzt bitten, anhand der auf dem Medikament aufgedruckten Chargennummer in einer Onlineliste nachzuschauen, ob sein valsartanhaltiges Medikament vom Rückruf betroffen ist bzw. selbst dort nachschauen [4]. Denjenigen, deren Medikamente zu den verunreinigten gehören, rät die Deutsche Hochdruckliga zu einem zügigen Austausch. „Gehen Sie zu Ihrem Arzt oder Apotheker, aber setzen Sie die Medikamente auf keinen Fall einfach ab“, so die eindringliche Warnung des Experten.

Nun sei vor allem die Eigeninitiative der Patienten gefragt, denn sie dürfen sich nicht darauf verlassen, dass der Arzt die Betroffenen anruft und zum Austausch der Medikamente auffordert.

„Die Ärzte verschreiben in der Regel den Wirkstoff, wissen aber nicht, welches Präparat dem Patienten vom Apotheker ausgehändigt wurde und können daher nicht proaktiv auf die betroffenen Patienten zugehen“, erklärt Professor Dr. Peter Trenkwalder, stellv. Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga.

„Uns bleibt im Moment nur übrig, die Patienten aufzufordern, sich selbst kundig zu machen, und außerdem an ihre Therapietreue zu appellieren!“

Sicherlich hat es bei der Kommunikation des Problems, d.h. der Information der betroffenen Patienten, und dem Zusammenspiel zwischen Aufsichtsbehörden und Kostenträgern Defizite gegeben.

Die Deutsche Hochdruckliga wird deshalb in den kommenden Wochen versuchen, auf verschiedenen Ebenen Klarheit und Verbesserungen für die betroffenen Patienten zu erreichen.

Literatur
[1] http://www.ema.europa.eu/ema/index.jsp?curl=pages/news_and_events/news/2018/08/n...
 

[2]
http://www.fleischwirtschaft.de/wirtschaft/nachrichten/Fleischkonsum-Deutsche-es...
 

[3] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/64572/WHO-Behoerde-stuft-rotes-Fleisch-un...
 

[4] https://www.abda.de/amk-nachricht/artikel/online-nachricht-amk-liste-der-chargen...

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Gingivitis: Oberflächliche Entzündung des Zahnfleisches. CAVE: Blutzuckereinstellung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Diabetes und Parodontitis: ein gefährliches Duo – Experten raten zur regelmäßigen Zahnarztkontrolle

Rund elf Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer behandlungsbedürftigen Entzündung des Zahnhalteapparates. 

Besonders schwer betroffen von einer Parodontitis sind Patienten mit Diabetes Typ 1 und 2: 

  • Sie haben ein dreifach erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken und verlieren mehr Zähne, wobei sich gleichzeitig die Einstellung des Blutzuckerspiegels durch die Zahnfleischerkrankung verschlechtert. 

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) rät daher allen Diabetespatienten zur gründlichen Mundhygiene und regelmäßigen Zahnarztkontrolle. Darüber hinaus ist es wichtig, auf die Blutzuckereinstellung zu achten, um das Parodontitis-Risiko zu senken. 
 
Parodontitis ist die häufigste chronische Erkrankung weltweit.  

Als Hauptauslöser für die Entzündung des Zahnhalteapparates gilt der bakterielle Zahnbelag. Dieser führt zu einer oberflächlichen Entzündung des Zahnfleisches – der Gingivitis –, die sich unbehandelt zur Parodontitis ausweiten kann.

„Außer mangelnder Mundhygiene sind Rauchen, Stress und genetische Faktoren Ursachen für diese chronische Entzündung“, erklärt DDG-Präsident Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland.

Ein weiterer großer Risikofaktor ist der Diabetes mellitus.

  • „Ist der Blutzuckerspiegel des Diabetespatienten schlecht eingestellt, steigt das Risiko für Parodontitis stark an“, betont Müller-Wieland. 
  • „Auch ist dann die Zahnfleisch-Behandlung komplizierter, der Krankheitsverlauf schwerer, ein Zahnverlust häufiger.“ 

Umgekehrt verschlechtert eine Parodontitis wiederum die Blutzuckereinstellung – mit der Tiefe der Zahnfleischtaschen steigt auch der Langzeit-Blutzuckerwert an. 

  • Untersuchungen haben gezeigt, dass die Sterblichkeit von parodontal erkrankten Diabetespatienten höher ist als bei Menschen mit gesundem Zahnfleisch. Grund sind Entzündungsprozesse, die sich unter anderem negativ auf das Herz auswirken.

Das Schwierige an der Erkrankung: Parodontitis verursacht selten Schmerzen.

„Es ist daher wichtig. Unbedingt auf erste Warnzeichen wie Zahnfleischbluten, geschwollenes Zahnfleisch, Mundgeruch, Änderungen der Zahnstellung oder länger werdende, gelockerte Zähne zu achten“, betont DDG Experte Priv. Doz. Dr. med. Erhard Siegel. Die DDG rät zudem zu regelmäßigen zahnärztlichen Untersuchungen, um jegliches Risiko auszuschließen.

Bei der zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchung erkennt der Arzt mithilfe des „Parodontalen Screening Indexes“ (PSI) bereits frühe Formen der Parodontitis und kann sie behandeln.

„Insbesondere Menschen mit Diabetes sollten mindestens einmal jährlich zur Kontrolle beim Zahnarzt gehen“, empfiehlt Siegel. Der Verzicht auf Rauchen, eine ausgewogene Ernährung sowie die Vermeidung von Übergewicht und Stress können das Parodontitis-Risiko weiter senken.

Für eine erste Einschätzung, wie hoch das eigene Parodontitis-Risiko ist, stellt die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG Paro) online einen Selbsttest zur Verfügung: 

https://www.dgparo.de/media/download-5a1fbed30aef0

„Auch Diabetologen, Haus- und Zahnärzte sollten für dieses Thema zunehmend sensibilisiert werden“, fordert Müller-Wieland. „Denn in Deutschland wissen etwa zwei Millionen Menschen nicht, dass sie an Diabetes erkrankt sind und folglich ein erhöhtes Risiko für Parodontitis besitzen.“ Alle beteiligten Fachärzte seien aufgerufen, mehr Aufklärung und Prävention in ihre Praxen zu bringen. „Beispielsweise könnten Screening-Maßnahmen wie ein Diabetestest in Zahnarztpraxen oder die Aufnahme des Zahnstatus in die hausärztliche Anamnese eine bessere Parodontitis-Vorsorge gewährleisten", schlägt Siegel vor.

Um die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Zahnärzten zu intensivieren, arbeitet die DDG derzeit an einer neuen AWMF-Leitlinie „Diabetes und Parodontitis“. Sie soll wichtige Erkenntnisse zur Wechselwirkung zwischen beiden Erkrankungen vermitteln und konkrete Empfehlungen zur Betreuung und Früherkennung geben.
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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.
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CAVE: Knochenmetastasen: Nach Brust- oder Prostatakrebserkrankung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie Krebszellen Winterschlaf halten

Mediziner und Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden und am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden haben die Koordination des neuen bundesweiten Schwerpunktprogramms 2084 der Deutschen Forschungsgemeinschaft übernommen. Es ist das erste medizinische DFG-Programm dieser Art überhaupt in Dresden. In den kommenden sechs Jahren arbeiten Wissenschaftler aus ganz Deutschland eng zusammen, um Knochenmetastasen nach einer vorherigen Brust- oder Prostatakrebserkrankung frühzeitig zu erkennen und deren Entstehung zu verhindern. 

Prof. Lorenz Hofbauer, Knochenspezialist am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und Koordinator des µBONE-Konsortiums.
Prof. Lorenz Hofbauer, Knochenspezialist am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und Koordinator des µBONE-Konsortiums. UKD/Stephan Wiegand
 
Insgesamt 7,8 Millionen Euro stehen für das Schwerpunktprogramm „μBONE – Kolonisierung und Interaktionen von Tumorzellen innerhalb der Knochenmikroumgebung“ zur Verfügung. Rund drei Millionen des Budgets gehen an den Standort Dresden. Die Arbeit beginnt in den kommenden Wochen. „Die Koordination des neuen Schwerpunktprogramms steht stellvertretend für unsere jahrelange Erfahrung in der Krebs- und Knochenforschung“, sagt Prof. Heinz Reichmann, Dekan der Medizinischen Fakultät. „Die Zusammenarbeit mit den Medizinern aus dem Universitätsklinikum ist dabei besonders wichtig.“

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Elektronische Patientenakte 


  • Jede achte Frau sowie jeder achte Mann erkrankt im Laufe des Lebens an Brust- beziehungsweise Prostatakrebs. 

Diese beiden Karzinome sind bei den beiden Geschlechtern somit die am häufigsten auftretenden Krebsarten.

  • „Es ist leider oft klinischer Alltag, dass wir Patientinnen mit Brustkrebs und Patienten mit Prostatakrebs sehen, deren Tumorerkrankung bereits vor mehreren Jahren besiegt schien, bei denen die Krankheit aber in Form von Knochenmetastasen zurückkehrt“, sagt Prof. Lorenz Hofbauer, Knochenspezialist am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und Koordinator des µBONE-Konsortiums. 

Die Folge sind Knochenbrüche, starke Schmerzen und eine Einschränkung der Lebensqualität. 

  • „Gerade das Mammakarzinom und das Prostatakarzinom neigen bei fortgeschrittener Erkrankung in bis zu 80 Prozent zur Ansiedlung in den Knochen.“ 
  • Die Krebszellen halten im menschlichen Körper im Knochenmark über Jahre eine Art „Winterschlaf“ und zerstören nach dem Erwachen den Knochen relativ rasch. 

Die Forscher wollen die Prozesse verstehen, die zu dieser Entwicklung führen.


Warum fallen Krebszellen im menschlichen Körper in diese Winterstarre? 

Und was weckt sie wie wieder auf? 

Warum metastasieren ausgerechnet Brust- und Prostatakrebszellen in den Knochen? 

Welche Kommunikationswege fördern die Manipulation der Knochenzellen zugunsten des Tumorwachstums? 

Und wie schaffen es diese Zellen, sich vor dem menschlichen Immunsystem zu verstecken? 

„Die genauen Mechanismen und die einzelnen Entwicklungsschritte der Knochen- und Tumorzellen auf dem Weg zur klinisch erkennbaren Knochenmetastase sind unzureichend erforscht, stellen aber eine Grundvoraussetzung für eine frühzeitige Diagnose sowie eine verbesserte Prävention und Therapie dar“, sagt Prof. Lorenz Hofbauer.

Ziel ist es, die Entstehung von Knochenmetastasen besser zu verstehen. 

„Die Koordination des neuen Schwerpunktprogrammes 2084 durch die Hochschulmedizin Dresden ist ein weiterer Baustein auf unserem Weg, die Exzellenz in der Forschung weiter auszubauen, und zugleich Anerkennung für unsere Expertise. Die Zusammenarbeit mit Kollegen aus ganz Deutschland im Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft stärkt unsere Kompetenz auf dem Gebiet der patientennahen Krebsforschung“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums.


Schwerpunktprogramm 2084 der Deutschen Forschungsgemeinschaft
Das Schwerpunktprogramm „μBONE“ ist das erste von der DFG geförderte medizinische Schwerpunktprogramm überhaupt in Dresden. In diesem Rahmen sollen Schlüsselmechanismen der Knochenbesiedlung durch Tumore und die nachgeschaltete Kommunikation zwischen den Zellen aufgeklärt werden. Dieses Wissen soll dazu dienen, bessere Strategien zur Behandlung von Knochenmetastasen zu entwickeln. Neben der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden sind auch die Medizinische Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Dresden, das DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien Dresden CRTD, das Orthopädisch-Unfallchirurgische Centrum BIOTEC, das Institut für Klinische Chemie und Labormedizin, das NationaleZentrum für Strahlenforschung in der Onkologie Oncoray sowie die Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Dresden an dem Programm beteiligt. Die Dresdner Mediziner und Wissenschaftler arbeiten mit Kollegen aus Hamburg, Heidelberg, Erlangen, Lübeck, Würzburg, Berlin, Regensburg, Frankfurt/Main und Münster zusammen.


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Medizinische Klinik 3
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Bereich Endokrinologie, Diabetes und Knochenerkrankungen
Prof. Dr. Lorenz Hofbauer
Tel.: 0351 458 3173
Email: theresa.reiche@uniklinikum-dresden.de

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http://www.bone-lab.de

 Logo des µBONE-Konsortiums

Migränetherapie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Charité startet innovatives Projekt zur Migränetherapie

Smartphone-gestützte Behandlung als neue Versorgungsform

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin startet jetzt gemeinsam mit ihren Partnern ein Projekt zur Smartphone-gestützten Migränetherapie (SMARTGEM). 

Ziel ist es, Patienten mit häufigen Migräneattacken eine effektive und ortsunabhängige Behandlungsform anzubieten. 

Die App ist eine Kombination aus Dokumentation, Therapiemodul und Schulung zur Selbsthilfe. 

Darüber hinaus werden telemedizinische Beratung sowie ärztlich moderierte Foren und Expertenchats angeboten. Das Projekt wird im Rahmen des Innovationsfonds für drei Jahre mit mehr als drei Millionen Euro gefördert. 
 
Das innovative Versorgungsvorhaben unter Konsortialführung der Charité wird in Kooperation mit der Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Rostock, der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Halle (Saale), dem Institut für Public Health der Charité, dem App-Entwickler Newsenselab sowie den Krankenkassen AOK Nordost, BKK VBU, IKK gesund plus und der BIG direkt gesund durchgeführt.

  • Weltweit leiden rund 15 bis 25 Prozent aller Frauen und rund 6 bis 8 Prozent der Männer unter Migräne. 
  • Die Schmerzerkrankung führt häufig zu einer starken Einschränkung der Lebensqualität und auch der Arbeitsfähigkeit. 
  • Zur Senkung der Attacken-Häufigkeit werden derzeit medikamentöse und nicht-medikamentöse Verfahren eingesetzt. 
  • Der Zugang zu medizinischen Kopfschmerzexperten und spezialisierten Schmerztherapeuten ist jedoch im städtischen und vor allem im ländlichen Bereich begrenzt.

„Mit SMARTGEM wollen wir die Wirksamkeit einer ortsunabhängigen, effektiven und auch zeitsparenden Therapieform bei Migräne untersuchen. Für die Patienten erhoffen wir uns eine deutliche Reduktion der Attacken und des Schmerzmittelverbrauchs.
Unser Ziel ist es, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und die Chronifizierung der Erkrankung zu verhindern“, sagt Projektleiter Dr. Lars Neeb von der Klinik für Neurologie am Campus Charité Mitte.

Mithilfe der Smartphone-App M-sense können die Patienten ihre Kopfschmerzen dokumentieren, sodass die Therapie überwacht und gleichzeitig mögliche Auslöser für die Migräneattacken identifiziert werden können.

Durch das integrierte Therapiemodul werden sie bei der Durchführung von Entspannungsverfahren und Ausdauersport unterstützt und in individuellen verhaltenstherapeutischen Ansätzen geschult.

  • Darüber hinaus können sich die behandelnden niedergelassenen Ärzte mit den Neurologen der universitären Kopfschmerzzentren telemedizinisch vernetzen und sich zur Behandlung ihrer Patienten beraten. 
  • Für die Betroffenen selbst werden ärztlich moderierte Foren und Expertenchats angeboten, um so die Kommunikation mit dem Arzt zu verkürzen.

Die Effektivität der neuen Versorgungsform wird in einer kontrollierten Studie mit 1.200 Patienten aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt untersucht.

Die Betroffenen müssen an mehr als fünf Tagen im Monat an Migräne leiden und sich erstmalig in der Kopfschmerzambulanz der Charité, der Universitätsmedizin Rostock oder des Universitätsklinikums Halle (Saale) vorstellen. 

600 Probanden werden mit der neuen App versorgt, die Vergleichsgruppe erhält die App zur reinen Kopfschmerzdokumentation ohne Zugang zu den erweiterten Funktionen.

Dr. Neeb zur Zukunft des Projekts: „Im Erfolgsfall hat SMARTGEM Modellcharakter für die bundesweite Versorgung von Migräne-Patienten.

Das gilt insbesondere in strukturschwachen Regionen.“

Innovationsfonds
Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz erhielt der Gemeinsame Bundesausschuss den Auftrag, neue Versorgungsformen, die über die bisherige Regelversorgung hinausgehen, und Versorgungsforschungsprojekte, die auf einen Erkenntnisgewinn zur Verbesserung der bestehenden Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung ausgerichtet sind, zu fördern. Die Bundesregierung hat zu diesem Zweck einen Innovationsfonds aufgelegt. Übergeordnetes Ziel des Innovationsfonds ist eine qualitative Weiterentwicklung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland. Die zur Verfügung stehende Fördersumme beträgt in den Jahren 2016 bis 2019 jeweils 300 Millionen Euro. Davon sind 225 Millionen Euro für die Förderung neuer Versorgungsformen und 75 Millionen Euro für die Versorgungsforschung vorgesehen.

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Dr. Lars Neeb
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SMARTGEM G-BA
https://innovationsfonds.g-ba.de/projekte/neue-versorgungsformen/smartgem-smartp...

SMARTGEM Charité
https://www.charite.de/forschung/forschung_an_der_charite/forschungsprojekte/inn...

Klinik für Neurologie
https://neurologie.charite.de


 

Interdiziplinäre Reha: Kopfschmerzen durch Übergebrauch Schmerzmittel/Migränemittel

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neue Leitlinie Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerzmitteln: eine halbe Million betroffen

Zu oft, zu lange oder zu hoch dosiert: 

Schmerz- und Migränemittel können vorbestehende Kopfschmerzen verstärken und in eine chronische Krankheit verwandeln. 

Menschen mit häufigen Kopfschmerzen sollten vorbeugend dagegen aktiv werden, um nicht in einen Teufelskreis von Schmerzen und Medikation zu geraten, empfehlen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft in ihrer heute vorgelegten neuen Leitlinie zur Diagnose und Therapie des Kopfschmerzes durch Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln. 
 
Weltweit sind 0,7–1 Prozent der Bevölkerung von Kopfschmerzen durch Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln betroffen, in Deutschland also mindestens eine halbe Million Menschen.

„Das Krankheitsbild ist häufiger bei Frauen, bei Patienten mit Depressionen, Angsterkrankungen oder anderen chronischen Schmerzen, wie z.B. Rückenschmerzen“, berichtet Prof. Hans-Christoph Diener, Essen, Kopfschmerzexperte der DGN, der die Leitlinienarbeit gemeinsam mit PD Dr. Charly Gaul, Königstein, und Professor Peter Kropp, Rostock, beide von der DMKG, koordiniert hat.
  • Von chronischem Kopfschmerz durch Übergebrauch von Medikamenten sprechen Ärzte, wenn Patienten mit vorbestehenden primären Kopfschmerzen (zum Beispiel Migräne oder Kopfschmerz vom Spannungstyp) über mindestens drei Monate an 15 oder mehr Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leiden und an mehr als 14 Tagen im Monat Schmerzmittel oder an mehr als neun Tagen im Monat Migränemittel (Triptane oder Mutterkornalkaloide), Opioide oder Schmerzmittelkombinationen einnehmen. 

Im englischen Sprachgebrauch wird dieser Kopfschmerz als „Medication Overuse Headache“ (MOH) bezeichnet.

„Die meisten Patienten ahnen nicht, dass Schmerztabletten die Schmerzursache sein können“, berichtet Diener. Umso wichtiger sei es, dass Kopfschmerzspezialisten, Neurologen, Schmerztherapeuten, Schmerzpsychologen, Hausärzte und Apotheker über das Risiko aufklären und zu wirksamen Behandlungsalternativen beraten.

Drei therapeutische Schritte empfohlen

Die Leitlinie empfiehlt ein dreistufiges Vorgehen bei der Therapie von Kopfschmerzen durch Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln, wie PD Dr. Charly Gaul, Generalsekretär der DMKG, erläutert:

„Die erste Maßnahme sollte stets in der Schulung und Beratung von Patienten liegen, mit dem Ziel, die Einnahme von Akutmedikamenten zu reduzieren.

Der zweite Schritt ist eine medikamentöse Prophylaxe der zugrunde liegenden Kopfschmerzerkrankung. 

Wirkt diese Therapie nicht, sollte als dritter Schritt eine Medikamentenpause angestrebt werden. 

  • Dieser Entzug kann je nach Konstellation ambulant, tagesklinisch oder stationär durchgeführt werden.“

Sport und Entspannung senken den Bedarf an Schmerzmitteln

Damit Kopfschmerz durch ein Zuviel an Medikamenten erst gar nicht entsteht, raten die Experten zu einer konsequenten vorbeugenden Behandlung.

Neben Medikamenten helfen Ausdauersport, Entspannung und Stressmanagement, Kopfschmerzattacken vorzubeugen. 

„Auch die Verhaltenstherapie hat sich in der Prophylaxe als wirksam erwiesen“, sagt Prof. Peter Kropp, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Rostock.

Diese Möglichkeiten der Prävention würden jedoch längst nicht ausgeschöpft, bemerkt Stefanie Förderreuther. „Viele Patienten wissen schlicht nicht, dass man vorbeugend gegen Kopfschmerzen vorgehen kann. Das ist einfach nicht in den Köpfen der Menschen. Das liegt unter anderem daran, dass sie in der Werbung nur die Akutbehandlung von Kopfschmerzen sehen. Für vorbeugende, in der Regel verschreibungspflichtige Medikamente darf dagegen nicht geworben werden.

Und hinter verhaltenstherapeutisch ausgerichteten vorbeugenden Strategien steht keine Firma, die ein Interesse an Werbung hätte.“

Mit einer leitliniengerechten Therapie könne den meisten Kopfschmerzpatienten geholfen werden, betont die Ärztin. Selbst ein Kopfschmerz durch Übergebrauch von Akutmedikamenten sei behandelbar und keine Sackgasse.

Die Leitlinien der DGN
Die Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener (Essen) und Prof. Dr. Christian Gerloff (Hamburg) bringt mit ihren circa 80 medizinischen Leitlinien neue wissenschaftliche Erkenntnisse schnellstmöglich in die therapeutische Praxis und damit an die Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Leitlinien spielen damit eine wichtige Rolle für die schnelle und kompetente Verbreitung von Forschungsergebnissen. Verfasst werden die Leitlinien für Diagnostik und Therapie von ausgewiesenen Experten auf dem jeweiligen Gebiet, unter Beteiligung von österreichischen und Schweizer Neurologen, teilweise auch unter Beteiligung von Therapeuten und Patientenvertretern. Wichtig ist die bestmögliche Objektivität der ausgesprochenen Empfehlungen. Aus diesem Grund erfolgen die Zusammenstellung der Leitliniengruppe und die Konsensfindung bei Empfehlungen nach klaren Vorgaben auf Basis des Regelwerks der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).  

Alle Leitlinien der DGN sind auf www.dgn.org frei zugänglich publiziert.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren über 9000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org, fb.com/dgneurologie, twitter.com/dgneurologie

Präsident: Prof. Dr. med. Gereon R. Fink
Stellvertretende Präsidentin: Prof. Dr. med. Christine Klein
Past-Präsident: Prof. Dr. med. Ralf Gold
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter

Originalpublikation:
Diener H.-C., Gaul C., Kropp P. et al., Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln (Medication Overuse Headache = MOH), S1-Leitlinie, 2018; in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 16. Juli 2018).

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Priv.-Doz. Dr. med. Stefanie Förderreuther
Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft
Neurologischer Konsildienst der LMU
Innenstadtklinikum
Ziemssenstraße 1, 80336 München
Tel.: +49 (0)89 4400 52455
E-Mail: Steffi.Foerderreuther@med.uni-muenchen.de, www.dmkg.de

Geschäftsstelle:
Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel.: +49 (0)30 531437930, E-Mail: info@dgn.org