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PIA - Psychiatrische Institutsambulanz: Wirkung von LSD bei Sozialer Interaktion

Medizin am Abend Berlin Fazit: LSD lockert Grenzen zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung

LSD reduziert die Grenze zwischen der Wahrnehmung der eigenen und anderen Personen und wirkt sich dadurch auf die soziale Interaktion aus. 

An dieser Veränderung im Gehirn ist der Serotonin 2A-Rezeptor beteiligt, wie Forschende der Universität Zürich zeigen. 
  • Diese Erkenntnis könnte helfen, neue Therapien für psychische Erkrankungen wie Schizophrenie oder Depression zu entwickeln.  
Bei fast allen psychischen Erkrankungen treten Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Kontakt auf, die den Krankheitsverlauf langfristig negativ beeinflussen. 

Die damit verbundenen Einschränkungen können mit den heutigen Therapien nur unwesentlich verbessert werden. 

Ein Grund dafür ist, dass die neurobiologischen Grundlagen und insbesondere die neurochemischen Mechanismen solcher Störungen noch kaum erforscht sind.

Ein weiteres Merkmal verschiedener psychischer Erkrankungen ist eine veränderte Selbstwahrnehmung. Psychisch Kranke nehmen dabei das eigene Selbst geschwächt oder überhöht wahr.

Inwiefern Veränderungen in der Selbstwahrnehmung mit Veränderungen in der sozialen Interaktion zusammenhängen und welche pharmakologischen Mechanismen bei diesen Prozessen eine Rolle spielen, haben nun Forschende der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich untersucht.

LSD lässt Grenzen verschwinden

«LSD lässt die Grenzen zwischen der eigenen Person und anderen Personen während eines sozialen Austausches verschwimmen», erklärt Katrin Preller. Zusammen mit Prof. Franz Vollenweider hat sie das Forschungsteam der Gruppe «Neuropsychopharmakologie und Brain Imaging» geleitet und für die Studie mit dem Max Planck Institut für Psychiatrie München zusammengearbeitet.

Während die Studienteilnehmer im MRT-Scanner lagen, kommunizierten sie durch Augenbewegungen mit einem virtuellen Avatar.

Zuvor hatten sie entweder Placebo, LSD, oder den Wirkstoff Ketanserin zusammen mit LSD eingenommen.

Soziale Interaktion verändert

«Dies ermöglichte uns zu zeigen, dass Gehirnregionen, die für die Unterscheidung zwischen der eigenen und anderen Personen wichtig sind, unter LSD weniger aktiv waren», so Preller. «Und dadurch veränderte sich auch die soziale Interaktion. Schliesslich konnten die Forschenden nachweisen, dass die LSD-bedingten Veränderungen durch Ketanserin blockiert wurden und damit spezifisch auf den Rezeptor Serotonin 2A (5-HT2A-Rezeptor) zurückzuführen sind.

Ansätze für neue Medikamente

Diese Ergebnisse zeigen, dass Selbstwahrnehmung und sozialen Interaktion eng zusammenhängen.

Unterschiedlichen Veränderungen in dieser Beziehung könnten durch eine Störung der Informationsübertragung bedingt sein, die durch 5-HT2A Rezeptoren vermittelt wird. 

Dies könnte für die Entwicklung neuer Medikamente von Bedeutung sein.

Beispielsweise könnte die Blockade dieses Rezeptors bei Patienten, die an einer inkohärenten Selbstwahrnehmung wie bei einer Schizophrenie leiden, diese Symptome und auch die soziale Interaktion verbessern.

Umgekehrt könnte eine Stimulierung dieses Rezeptors Patienten helfen, die an einem überhöhten Selbst-Fokus leiden wie etwa bei einer Depression.

Literatur:

Katrin H. Preller, Leonhard Schilbach, Thomas Pokorny, Jan Flemming, Erich Seifritz, Franz X. Vollenweider. Role of the 5-HT2A receptor in self- and other-initiated social interaction in LSD-induced states - a pharmacological fMRI study. The Journal of Neuroscience. DOI: 10.1523/JNEUROSCI.1939-17.2018

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PIA - Psychiatische Institutsambulanz: Alkohol, Tabak und Drogen: Neubildung von Nervenzellen?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Medizin: Fehlende Nervenbildung Schuld an Suchtverhalten?

Alkohol, Tabak und Drogen… durch ihre psychostimulierende Wirkung können diese Substanzen unser Gehirn abhängig machen. 

Aber welche Erklärung gibt es dafür? 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Belohnung 

Nach Aussagen von Forschern des Inserm [1] könnte das Suchtverhalten mit einer reduzierten Neubildung von Nervenzellen zusammenhängen. 
 
Zur Beantwortung dieser Frage beschäftigten sich die Forscher mit:

Neurogenese – der Bildung von Nervenzellen im Gyrus dentatus, Teil des Hippocampus und Sitz des Gedächtnisses
  • Sie gingen von der Tatsache aus, dass eine anormale Neurogenese das Risiko für neuropsychiatrische Störungen wie Gedächtnisstörungen und Stimmungsschwankungen erhöht. 
  • Zwei Schädigungen, die oft mit dem exzessiven und unkontrollierten Genuss von Suchtmitteln einhergehen.
Die Wissenschaftler unterteilten Mäuse in zwei Gruppen: in gesunde und genetisch modifizierte Mäuse, bei denen die Neurogenese nur eingeschränkt verläuft. Anschließend wurde den Mäusen beigebracht, sich selbst mit Kokain zu versorgen.

Der Grad der Abhängigkeit stieg mit dem Grad der Komplexität der zu erfüllenden Aufgaben, um an Kokain zu gelangen.

Einige Zeit später setzten sie die Mäuse auf Entzug, um sie wiederrum wenige Wochen danach erneut in Versuchung zu führen.

Ergebnis: Die transgenetisch modifizierten Mäuse zeigten ein höheres Rückfallrisiko.

Der Zusammenhang zwischen verminderter Neurogenese und dem Suchtverhalten war deutlich bemerkbar. Bislang konnte dies jedoch nicht wissenschaftlich belegt werden.
Diese Forschungsergebnisse eröffnen neue Wege für ein besseres Verständnis des Suchtverhaltens, vor allem bei Jugendlichen, bei denen sich das Gehirn noch in einer wichtigen Phase der Reifung befindet, die insbesondere durch eine extrem hohe Nervenbildung gekennzeichnet ist.

[1] Inserm - Institut für Gesundheit und medizinische Forschung

Quelle:

Pressemitteilung von Destinationsanté, 08/03/2018, 

https://destinationsante.com/un-manque-de-nouveaux-neurones-a-lorigine-de-laddic...


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3-Tesla-MRT - Interdiziplinäre Medizin: Diagnostische und Interventionelle Radiologie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Präzisionsdiagnostik dank neuester MRT-Technik am UKD

Neues Gerät in der Radiologie verbessert Patientenversorgung und unterstützt medizinische Forschung 
 
Ein neues 3-Tesla-MRT verbessert die forschungsorientierte Diagnostik am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD). „Die Aufnahmen des Gerätes sind nun noch präziser. Davon profitieren natürlich die Patienten bei der anschließenden Behandlung. Gleichzeitig liefert das neue Gerät auch wichtige Forschungsimpulse für den Medizin-Standort Düsseldorf“, erklärt Prof. Dr. Gerald Antoch, Direktor des Institutes für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Düsseldorfer Uniklinik.



Durch die neueste Technik des neuen Systems verringern sich auch die Untersuchungszeiten für die Patienten. Die Aufnahmen sind nun noch präziser.

Durch die neueste Technik des neuen Systems verringern sich auch die Untersuchungszeiten für die Patienten. Die Aufnahmen sind nun noch präziser. Foto: UKD/Kesting

Für den Einbau in der Klinik musste extra eine Außenwand aufgestemmt werden, anschließend wurde die MRT-Anlage (Hersteller: Siemens) mit einem Kran in das Gebäude gehoben. Danach wurde die Wand wieder zugemauert. „Der Aufwand hat sich in jedem Fall gelohnt. Für unsere Arbeit ist es ein Quantensprung“, so der Radiologe. Untersucht werden z.B. Patienten aus der Urologie und der Neurologie. 
  • „Bei den urologischen Patienten geht es speziell um Untersuchungen der Prostata. 
  • Durch die exakte Diagnose des Tumors in der Prostata kann die gezielte Biopsie geplant und nachfolgend die weitere Behandlung durch die Experten der Klinik für Urologie am UKD initiiert werden. 
Ein anderer Schwerpunkt ist die neurologische Bildgebung. 
  • So ermöglicht uns das neue Gerät Veränderungen bei Erkrankungen wie z.B. Parkinson genauer darzustellen um so eine noch zielgerichtetere Therapie zu ermöglichen “, so Prof. Antoch.
Durch die neueste Technik des neuen Systems verringern sich auch die Untersuchungszeiten für die Patienten, zudem konnte der Geräuschpegel während der Untersuchung reduziert werden.

Hintergrund MRT:

Die Magnetresonanztomographie (MRT),auch „Kernspin-Tomographie" genannt, ist ein modernes bildgebendes Verfahren. Dabei werden hochauflösende Schnittbilder des Körpers angefertigt.

Der große Vorteil dieser Methode besteht darin, dass keinerlei Röntgenstrahlen zur Anwendung kommen, sondern Magnetfelder und Radiowellen.  

Die MRT-Bilder können in jeder beliebigen Raumachse um den Körper des Patienten angefertigt werden können. 

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CAVE - Rettungsstelle: KHK - Interdiziplinäre Herzmedizin: Koronare Herzkrankheit - vernarbtem Herzmuskelgewebe

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bessere Risikobeurteilung bei koronarer Herzkrankheit

Mit einer kurzen Untersuchung im Magnetresonanztomographen kann das Risiko für schwerwiegende Komplikationen bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit wesentlich besser eingeschätzt werden als mit bisher eingesetzten Parametern. 

Zu diesem wichtigen Ergebnis kommt eine Studie unter Federführung von Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Standort RheinMain. 

Erstautorin der Studie, Privatdozentin Dr. Valentina Puntmann.

Erstautorin der Studie, Privatdozentin Dr. Valentina Puntmann. Foto: Universitätsklinikum Frankfurt 
  • Bei einer koronaren Herzkrankheit, kurz KHK, sind die Herzkranzgefäße nicht mehr in der Lage, den Herzmuskel mit ausreichend sauerstoffreichem Blut zu versorgen. 

Dies kann zu Herzinfarkten mit Vernarbung des Gewebes führen. 

Durch die heute übliche schnelle Wiedereröffnung verschlossener Gefäße hat sich die Größe der Herzinfarkte deutlich verringert. Trotz dieser Fortschritte ist die KHK immer noch die Hauptursache für Herzerkrankungen und damit verbundener Todesfälle. In einer Studie mit 665 KHK-Patienten konnten DZHK-Wissenschaftler jetzt zeigen, dass das während einer Magnetresonanztomographie (MRT)-Untersuchung des Herzens erstellte sogenannte native T1-Mapping besser als alle bisher verwendeten Parameter für die Beurteilung der Überlebensrate ist. 

Natives T1-Mapping erlaubt die frühzeitige und nicht-invasive Erkennung gefährlicher Umbauprozesse im Herzen und eröffnet damit die Möglichkeit, diese Prozesse beizeiten zu behandeln.

Frühzeitige Therapieanpassung

„Wir verfügen bereits über sehr gute Therapien, die den schädigenden Umbauprozessen im Herz entgegenwirken und sie aufhalten können“, sagt Privatdozentin Dr. Valentina Puntmann, DZHK-Wissenschaftlerin am Universitätsklinikum Frankfurt und Erstautorin der Studie. „Mittels nativem T1-Mapping können wir sie noch besser einsetzen, sodass mögliche Folgeerkrankungen der KHK wie Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen erst gar nicht auftreten.

  • Mit dem nativen T1-Mapping werden schädigende Prozesse im nicht durch einen Herzinfarkt vernarbten Gewebe erkannt, etwa Entzündungen oder diffus verteilte krankhafte Vermehrungen des Bindegewebes, das sogenannte „Remodelling“.  

Weitere klinische Studien sind jedoch nötig, um zu prüfen, ob die Patienten von einer Therapiesteuerung durch T1-Mapping bezüglich ihrer Überlebensrate und Lebensqualität profitieren.

Neue ergänzende Risikobeurteilung

Zurzeit werden die Überlebensrate und das Risiko für ernsthafte Komplikationen bei KHK-Patienten über Risiko-Scores und die Pumpfunktion der linken Herzkammer beurteilt.

Diese sogenannte Auswurffraktion des linken Herzventrikels (LVEF) wird meistens mit einer Ultraschalluntersuchung des Herzens bestimmt. 

Leider kann diese Methode weder geringgradige Verschlechterungen erfassen, noch den Herzmuskel selbst direkt beurteilen, so dass sogar bei wiederholten Messungen möglicherweise keine Therapie eingeleitet wird. 

In der Studie war das T1-Mapping bisherigen Parametern bezüglich der Aussagekraft für die Überlebensrate klar überlegen, obwohl die Magnetresonanztomographie die LVEF deutlich besser als der Ultraschall erfassen kann. „Dieses Ergebnis verdeutlicht, wie wichtig es ist, Prozesse direkt im Gewebe zu erkennen und sich nicht nur auf die Folgen der strukturellen Veränderungen, wie eine geringere LVEF, zu verlassen, die oft späte Zeichen der Schädigung sind“, sagt Puntmann.

  • Das Ausmaß von bereits vernarbtem Herzmuskelgewebe wird im MRT mithilfe des Kontrastmittels Gadolinium beurteilt, was als late gadolinium enhancement (LGE) bezeichnet wird. 

Schon dieser Marker ist für die Prognose von Patienten nach einem Herzinfarkt aussagekräftiger als die Pumpfunktion.

Er liefert aber keine Information über aktive Prozesse in nicht Infarkt-geschädigtem Herzmuskel. Diese Information wird jedoch zunehmend wichtiger, weil durch die guten Herzinfarkt-Therapien die Patientengruppe mit keinem oder nur wenig vernarbtem Herzmuskelgewebe immer größer wird.

In der Studie erreichte die Kombination aus T1-Mapping des nicht Infarkt-geschädigten Herzmuskels in Kombination mit LGE die besten Hinweise für zukünftige schwere Komplikationen. 

Die Frankfurter Wissenschaftler sehen in ihren Ergebnissen daher die Grundlage für eine neue sich ergänzende Risikobeurteilung durch T1-Mapping und LGE.

Patienten-Odyssee vermeiden

Die Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit profitieren schon jetzt vom T1-Mapping. Denn viele fühlen sich bereits schlecht, bevor es zu messbaren Schäden kommt. Auf der Suche nach der Ursache für ihre Beschwerden durchlaufen dann viele von ihnen eine regelrechte Odyssee von Krankenhaus zu Krankenhaus. „Manche habe bereits fünf oder sechs Krankenhäuser aufgesucht, bevor sie zu uns kommen“, berichtet Puntmann. „Mit der T1-Messung können wir ihre Missempfindungen jetzt belegen, sie fühlen sich ernst genommen und unterstützt.“

Weiteres Plus: Das sogenannte T1-Mapping ist eine unkomplizierte Untersuchung. Sie dauert nur 20 Minuten, die Patienten müssen keine Kontrastmittel einnehmen und sind keiner Strahlenbelastung ausgesetzt.

Ebenso wertvoll wie Troponin

Für die Ärzte ist das T1-Mapping auch deshalb so wertvoll, weil es sich quantifizieren lässt. „Niedrige Werte sind noch kein Anlass zur Sorge und genau wie für den Biomarker Troponin bei der Herzinfarkt-Diagnose, können wir auch für T1 Schwellenwerte definieren, ab denen es kritisch wird“, erklärt Puntmann.

Neben Frankfurt bieten zurzeit auch die an der Studie beteiligten DZHK-Standorte Bad Nauheim und Berlin den Service der T1-Messung an.

Jetzt geht es den Frankfurter Wissenschaftlern darum, weitere Herz-Kreislauf-Zentren mit ihrer Methode des T1-Mapping auszustatten und die Methode in der klinischen Praxis zu implementieren.

Originalarbeit:
Native T1 and ECV of Noninfarcted Myocardium and Outcome in Patients With Coronary Artery Disease. Journal of the American College of Cardiology Feb 2018, 71 (7) 766-778. Puntmann, Gebker, Kelle, Zitzmann, Herrmann, Zeiher, Nagel
DOI: 10.1016/j.jacc.2017.12.020

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Christine Vollgraf,
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK)
Tel.: 030 3465 529 02


Oudenarder Straße 16
13347 Berlin
Deutschland
Berlin

E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de
Dr. Valentina O. Puntmann
Universitätsklinikum Frankfurt
valentina.puntmann@kgu.de


Terminaktuell: Medizin am Abend Berlin Ärztlicher Termin- und Ortshinweis: 

Hiermit möchten wir Sie an die bevorstehende Fortbildungsveranstaltung „Eröffnung der Interdisziplinären Herzmedizin“ der Charité am Mittwoch den, 18.04.2018, 
von 18:00-20:15 Uhr erinnern!

Die wissenschaftlichen Leiter:

Prof. Dr. med. Volkmar Falk (Direktor der Klinik für Kardiovaskuläre Chirurgie),  
Prof. Dr. med. Ulf Landmesser (Direktor der Med. Klinik für Kardiologie, Campus Benjamin Franklin), Prof. Dr. med. Burkert Pieske (Direktor der Med. Klinik für Kardiologie, Campus Virchow-Klinikum),
Prof Dr. med. Karl Stangl (Komm. Direktor der Med. Klinik für Kardiologie und Angiologie, Campus Mitte)
Pflegerische Centrumsleiter Nagi Salaz

würden sich freuen, Sie dort persönlich begrüßen zu dürfen und nach einer kurzen, thematisch wissenschaftlichen Einführung durch die neuen Räumlichkeiten führen zu können. 

Interessierten wird die Besichtigung des Hybrid- Eingriffsaales und den umgebenden herzchirurgischen und kardiologischen Bereichen, einschließlich zweier moderner Herz-OPs, angeboten.

Neben den interessanten Vorträgen zu den Schwerpunktthemen dieser Interdisziplinären Herzmedizin steht die Besichtigung der Räumlichkeiten in persönlicher und ungezwungener Atmosphäre im Mittelpunkt.

Diese Veranstaltung wurde bei der Ärztekammer Berlin zur Zertifizierung eingereicht.

Mit herzlichen Grüßen,
Ihr IMP-Team

______________________________________
IMP
Individual-Med-Publishing
Geschäftsführung: Ch. Konopka
Neubrücker Str. 69
13465 Berlin

Tel.: 030/406 37 347
Fax: 030/406 37 348

Besuchen Sie uns auf:



Blutkrebs - Leukämie-Patienten: mit akuter myeloischer Leukämie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Leukämie-Patienten profitieren bei Transplantation langfristig von weniger intensiver Vorbehandlung 

Erwachsene Patienten mit akuter myeloischer Leukämie – der häufigsten akuten Blutkrebsart – profitieren von einem federführend vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden sowie dem Uniklinikum Münster entwickelten schonenden Behandlungsschema zur Vorbereitung der Stammzelltransplantation:

  • Die dazu erforderliche Ganzkörperbestrahlung und Chemotherapie werden niedriger dosiert. 

Dank der geringeren Intensität treten bei gleicher Wirksamkeit weniger bedrohliche Nebenwirkungen auf. Die Ergebnisse dieser Langzeitanalyse haben die Wissenschaftler in der online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „‚Lancet Haematology“ veröffentlicht (doi.org/10.1016/S2352-3026(18)30022-X). 

Prof. Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen Klinik I des Dresdner Uniklinikums.

Prof. Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen Klinik I des Dresdner Uniklinikums.Foto: Medizinische Fakultät der TU Dresden / Stephan Wiegand

Leukämie-Patienten profitieren bei Transplantation langfristig von weniger intensiver Vorbehandlung

  • Der Erfolg des schonenden Behandlungsschemas zur Vorbereitung der Stammzelltransplantation misst sich unter anderem daran, dass nur halb so viele Patienten innerhalb des – bislang besonders kritischen – ersten Jahres an Therapiefolgen sterben. 

  • Auch das Risiko, einen Rückfall zu erleiden, erhöht sich bei diesem Behandlungsschema nicht. 

Zu diesem Schema wurde bereits 2012 eine erste multizentrische Studie publiziert, zu der eine Langzeitanalyse der in diese Studie eingeschlossenen Patienten erfolgte. Die dabei gewonnenen Daten belegen die Effektivität der geringer dosierten Vorbehandlung: Sie ist auch langfristig effektiv und führt zu keinem erhöhten Anstieg von Leukämierückfällen.

Die Transplantation von Blutstammzellen ist in manchen Fällen die einzige Behandlungsmethode zur Heilung von Patienten mit akuter Leukämie (Blutkrebs). In der ersten Studie weltweit konnte das Team um Prof. Martin Bornhäuser, Prof. Gerhard Ehninger und Prof. Johannes Schetelig aus der Medizinischen Klinik I des Dresdner Uniklinikums bereits 2012 zeigen, dass sich Nebenwirkungen und Frühsterblichkeit nach Transplantation durch eine optimierte Vorbehandlung mit weniger intensiver Chemo- sowie Strahlentherapie deutlich reduziert lässt.

In einer Langzeitanalyse dieser multizentrischen Studie konnte Dr. Frederick Fassl­rinner nun belegen, dass auch nach zehn Jahren nachweisbar ist, dass die Effektivität der geringer dosierten Vorbehandlung auch langfristig bestehen bleibt. Im Beobachtungszeitraum von 10 Jahren ließ sich keine erhöhte Zahl an Leukämierückfällen feststellen. – Demnach scheint das Immunsystem des Spenders langfristig in der Lage zu sein, die Leukämiezellen zu verdrängen. Diese für Patienten und Behandler sehr wichtige Beobachtung konnte vom Team der Medizinischen Klinik I gemeinsam mit mehreren deutschen Behandlungszentren in der renommierten Fachzeitschrift ‚Lancet Haematology‘ veröffentlicht werden. „Diese Arbeit stellt einen wichtigen Meilenstein in der Verbesserung der Behandlungsergebnisse nach Stammzelltransplantation dar“, sagen die beiden Direktoren der Medizinischen Klinik I des Dresdner Uniklinikums, Prof. Bornhäuser und Prof. Ehninger.

In der 2012 publizierten Studie hatten die Mediziner eine bis dahin übliche intensive Vorbehandlung – Konditionierung – von Patienten mit akuter myeloischer Leukämie auf die Knochenmarktransplantation einer weniger intensiven Vorbehandlung gegenübergestellt. Besonders für die älteren, an dieser speziellen Form von Blutkrebs erkrankten Patienten zeigte sich ein deutlicher Vorteil in der Frühphase der Therapie. „Dank der geringeren Nebenwirkungen versterben im ‚kritischen ersten Jahr‘ weniger als 10 Prozent der Patienten an Therapiefolgen – statt nahezu 20 Prozent nach der bisher üblichen intensiven Vorbehandlung“, betont Prof. Bornhäuser, der als Hämatologe auf Erkrankungen des blutbildenden Systems spezialisiert ist. Zusammen mit Prof. Matthias Stelljes aus Münster hatte er die Studie vom Universitätsklinikum Dresden aus koordiniert. Eines der wichtigsten Ergebnisse war bereits damals: „Die Langzeit-Rückfallrate – das heißt die Zahl der Patienten, bei denen die Leukämie trotz der Behandlung zurückkehrte – hat sich durch die schonende Konditionierung nicht erhöht.“ Dieses 2012 gezogene Resümee wird durch die jetzt im „‚Lancet Haematology“ veröffentlichte Nachbeobachtung bestätigt.

In Deutschland erkranken pro Jahr rund 10.000 Menschen an Leukämie – im Volksmund auch Blutkrebs genannt. Davon gibt es verschiedene Unterformen; gut ein Drittel der Patienten sind von der akuten myeloischen Leukämie betroffen. Sie gilt als häufigste Form des akuten Blutkrebses bei Erwachsenen. „Die Stammzellen des blutbildenden Systems arbeiten nicht mehr richtig. Sie überschwemmen das Blut mit unreifen und daher funktionsunfähigen weißen Blutkörperchen“, erläutert Prof. Bornhäuser.

  • Die Betroffenen leiden zunächst unspezifisch unter ständiger Müdigkeit, sinkender Leistungsfähigkeit und häufigen schweren Infekten. 

Die überwiegende Anzahl ist älter als 60 Jahre, vereinzelt erkranken aber auch Kinder. „Seit der Einführung der Stammzelltherapie hat sich die Überlebenschance auch für ältere Patienten deutlich verbessert: Dabei werden gesunde Blut-Stammzellen von einem Spender auf den Patienten übertragen. Allerdings starben vergleichsweise viele Patienten in der Frühphase der Behandlung – offenbar eine Folge der hochdosierten Konditionierung“, so Prof. Bornhäuser weiter.

Denn ehe die Patienten die neuen Blutstammzellen erhalten, muss ihr eigenes blutbildendes System zunächst zerstört werden – meist durch eine Kombination von Chemo- und Strahlentherapie.

„Die Experten gingen früher davon aus, dass die intensive Vorbehandlung erforderlich ist, um die bösartigen Blutstammzellen so weit als möglich abzutöten und somit eine gute Basis für eine dauerhafte Heilung zu schaffen. Wir hatten aber zunehmend Hinweise darauf gefunden, dass Menschen über 40 Jahre sehr viel empfindlicher auf diese intensive Therapie reagieren als Jüngere“, schildert Prof. Bornhäuser den Ausgangspunkt der 2012 publizierten Studie.

Neuer Therapiestandard verbessert Lebensqualität
Dies bestätigen die Studien der Dresdner Hämatologen jetzt eindrucksvoll bestätigt:

„Bei der weniger intensiven Konditionierung starb kein einziger Patient während des ersten Krankenhausaufenthaltes – bei hoher Dosierung aber bereits fast jeder Zehnte“, schildert Prof. Bornhäuser.

Ein Jahr nach Behandlungsbeginn waren nur 8 Prozent der Patienten im neuen Schema, aber 17 Prozent mit hochdosierter Vorbehandlung verstorben.

„Dank der geringeren Nebenwirkungsrate reduziert das neue Behandlungsschema die frühe Sterblichkeit unserer Patienten und kann zusätzlich zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen – und das bei den gleichen Heilungschancen“, resümiert Prof. Bornhäuser.

Das in Spezialkliniken vorgenommene, besser verträgliche Behandlungsverfahren hat sich auf Grund der Ergebnisse dieser weltweit ersten randomisierten Studie inzwischen als Standard für Patienten mit akuter myeloischer Leukämie etabliert.

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Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Medizinische Klinik I
Prof. Dr. med. Martin Bornhäuser, Prof. Dr. med. Johannes Schetelig
Tel. 0351/ 4 58 41 90
E-Mail: martin.bornhaeuser@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de/mk1

Holger Ostermeyer Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Fetscherstraße 74
01307 Dresden
Deutschland
Sachsen

Telefon: 0351 / 458-4162
Fax: 0351 / 458-884162
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CAVE: Rettungsstellen-Kanzel: Diagnose und Therapie Zecken - Neuroboreliose

Medizin am Abend Berlin Fazit: Folgen eines Zeckenstichs sicher erkennen und behandeln: Leitlinie Neuroborreliose veröffentlicht

Die Zeckensaison 2018 startet mit neuen Empfehlungen für die Diagnose und Therapie der durch Zecken übertragenen Erkrankung Neuroborreliose. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat jetzt nach mehr als dreijähriger Arbeit die erste S3-Leitlinie Neuroborreliose veröffentlicht. S3-Leitlinien sind Leitfäden für Ärzte und Patienten, die nach strengen Regeln erarbeitet werden und den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Medizin wiedergeben. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Leitlinie Neuroborreliose 

Die Leitlinie Neuroborreliose, deren Veröffentlichung sich durch einen Rechtsstreit um einige Wochen verzögert hatte, bezieht klar Stellung zu vermeintlichen Spätfolgen einer Borrelieninfektion, die Jahre nach dem Zeckenstich auftreten sollen. 
 
„Krankheitsbilder mit anhaltenden unspezifischen bzw. untypischen Symptomen sind häufig keine Borreliosen“, so Professor Sebastian Rauer vom Universitätsklinikum Freiburg, der die Leitlinienarbeit gemeinsam mit PD Dr. Stephan Kastenbauer aus München koordiniert hat. 

Die Leitlinie gilt erstmals auch für die Neuroborreliose im Kindes- und Jugendalter und ist im Internetauftritt der DGN frei zugänglich (dgn.org/leitlinien).

Die Leitlinie erläutert, welche diagnostischen Schritte und Labortests die Diagnose Neuroborreliose sichern, und bietet einen Überblick über wirksame Therapien.

  • Sie enthält außerdem ein Informationsblatt für Patienten zur Nachbeobachtung eines Zeckenstichs und gibt Empfehlungen zur Prävention einer Borrelieninfektion.

Die S3-Leitlinie ist eine Weiterentwicklung der bisher gültigen S1-Leitlinie.

Sie wurde unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einem mehr als dreijährigen strukturierten Evidenzprozess nach den methodischen Vorgaben der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erstellt. S3 steht in dieser Methodik für die höchste Qualitätsstufe der Entwicklung. Die Empfehlungen basieren auf einer systematischen Auswertung der wissenschaftlichen Literatur zur Neuroborreliose.

Akute Neuroborreliose: 3 bis 15 Prozent der Borrelieninfektionen betreffen das Nervensystem

Die Lyme-Borreliose (auch Lyme-Disease genannt) ist die am häufigsten durch Zecken übertragene Krankheit in Europa. In Deutschland erkranken jährlich zwischen 60.000 und mehr als 200.000 Menschen. 

Eine frühzeitige Entfernung der Zecke, bevor sie sich mit Blut vollgesaugt hat, kann die Übertragung des Erregers verhindern. Die Borrelien, spiralförmige Bakterien, befallen vorwiegend die Haut.  

Typisches Erkennungszeichen ist die sogenannte Wanderröte:
  • Um den Zeckenstich bildet sich ein roter Rand, der sich langsam nach außen ausweitet; oft kommen Muskel- und Gelenkschmerzen und andere grippeähnliche Beschwerden hinzu.
  • Im übrigen Körper können die Borrelien Gelenke, das Nervensystem und selten das Herz befallen.
In 3 bis 15 Prozent der Fälle ist das Nervensystem betroffen, man spricht dann von einer Neuroborreliose. 

In diesen Fällen typisch sind nächtlich betonte, brennende und stechende Schmerzen, die häufig gürtelförmig verteilt sind und schlecht auf Schmerzmittel ansprechen. Auch Lähmungen können vorkommen, vor allem der Gesichtsnerven, der Arme und Beine.

Bei Kindern äußert sich die Neuroborreliose am häufigsten in einer Gesichtsnervenlähmung oder Hirnhautentzündung (Meningitis).

„Anhand der typischen Symptome in Verbindung mit entzündlichen Veränderungen im Nervenwasser und dem positiven Antikörpernachweis lässt sich eine Neuroborreliose in der Regel zweifelsfrei feststellen“, erklärt Professor Rauer. Von Blut- oder Liquortests auf Borreliose bei unspezifischen Beschwerden rät DGN-Experte Rauer ab. „Laboruntersuchungen sind nur bei ausreichendem klinischem Verdacht sinnvoll.“

Chronische Neuroborreliose: Schlechte Langzeitverläufe basieren auf Fehldiagnosen

Zu den umstrittenen vermeintlichen chronischen Neuroborreliosen liefert die S3-Leitlinie eindeutige wissenschaftliche Fakten.

Nicht haltbar ist die Theorie, wonach Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, chronische Müdigkeit, wandernde Schmerzen, Gedächtnisstörungen, Kopfschmerzen und andere schwer greifbare Beschwerden trotz unauffälliger Liquordiagnostik auf eine nicht erkannte oder unzureichend behandelte Infektion des Nervensystems mit Borrelien zurückzuführen sind. 

„Die Neuroborreliose verläuft überwiegend gutartig“, betont Rauer. „Schlechte Langzeitverläufe, von denen immer wieder berichtet wird, sind zum erheblichen Teil auf Fehldiagnosen zurückzuführen. Das Nichtansprechen auf die Therapie liegt in diesen Fällen also nicht daran, dass die Borrelien überleben. Der Grund ist vielmehr, dass die Patienten keine Neuroborreliose haben, sondern eine andere Erkrankung, die nicht auf Antibiotika anspricht.“

Auch den sogenannten Lymphozyten-Transformationstest, der bei diffusen Beschwerden wie chronischer Müdigkeit, muskuloskelettalen Schmerzen, Abgeschlagenheit oder Konzentrationsstörungen eine chronische Borreliose nachweisen soll, halten die wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften für nicht aussagekräftig.

Aktuelle Empfehlungen zur Art und Dauer der Antibiotikatherapie

Die Antibiotikabehandlung sollte mit Doxycyclin oder Penizillin G oder Ceftriaxon oder Cefotaxim erfolgen. „Diese Substanzen sind bei gleicher Verträglichkeit gleich gut wirksam gegen Borrelien“, so Rauer. „Über die Wirksamkeit von anderen Substanzen oder Antibiotika-Kombinationsbehandlungen liegen zu wenig auswertbare Studiendaten vor.“

Die Leitlinie betont, dass eine medikamentöse Therapiedauer von 14 Tagen bei früher und von 14 bis 21 Tagen bei später Neuroborreliose im Regelfall ausreichend ist. 

  • „Eine längere Behandlung bringt keinen Mehrwert, sondern setzt die Patienten einem unnötigen Risiko von schweren Nebenwirkungen aus. Wenn die Antibiotika nach zwei bis drei Wochen nicht anschlagen, bringen auch weitere Wochen oder gar Monate nichts.“

An der Entwicklung der S3-Leitlinie Neuroborreliose waren Vertreter aller Fachrichtungen beteiligt, die mit dem Krankheitsbild zu tun haben: 20 wissenschaftliche medizinische Fachgesellschaften, das Robert Koch-Institut, die Paul Ehrlich Gesellschaft, drei Patientenorganisationen sowie die Deutsche Borreliose-Gesellschaft e.V. (DBG), eine Vereinigung von Wissenschaftlern und Ärzten, die sich mit der Borreliose und assoziierten Infektionskrankheiten befassen. Es gab fünf Konsensuskonferenzen und eine außerordentliche Konferenz, bei denen die vorhandenen wissenschaftlichen Studien sowie die Erfahrungen der Experten ausführlich in der Leitliniengruppe diskutiert wurden. Nicht zu allen Punkten sei ein Konsens gefunden worden, berichtet Rauer, Neuroborreliose-Spezialist der DGN: „Im Hinblick auf die späte Neuroborreliose und vermeintliche latente Langzeitinfektionen besteht zwischen den wissenschaftlichen Fachgesellschaften einerseits und den Patientenorganisationen bzw. der DBG andererseits eine große Kontroverse.“ Die Deutsche Borreliose-Gesellschaft e.V. und der Borreliose und FSME Bund Deutschland e.V. versuchten sogar, die Leitlinie mit einer einstweiligen Verfügung zu stoppen. Das Landgericht Berlin hat diese mit Urteil vom 12. März 2018 aufgehoben (die DGN berichtete).

Quellen
Rauer S., Kastenbauer S. et al. S3-Leitlinie Neuroborreliose. 2018. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Hrsg., Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/ leitlinien und www.awmf.org
„Leitlinie zur Neuroborreliose kann in Kraft treten“. Pressemeldung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) vom 19. März 2018
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Die Leitlinien der DGN
Die Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener (Essen) und Prof. Dr. Christian Gerloff (Hamburg) bringt mit ihren circa 80 medizinischen Leitlinien neue wissenschaftliche Erkenntnisse schnellstmöglich in die therapeutische Praxis und damit an die Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Leitlinien spielen damit eine wichtige Rolle für die schnelle und kompetente Verbreitung von Forschungsergebnissen. Verfasst werden die Leitlinien für Diagnostik und Therapie von ausgewiesenen Experten auf dem jeweiligen Gebiet, unter Beteiligung von österreichischen und Schweizer Neurologen, teilweise auch unter Beteiligung von Therapeuten und Patientenvertretern. Wichtig ist die bestmögliche Objektivität der ausgesprochenen Empfehlungen. Aus diesem Grund erfolgen die Zusammenstellung der Leitliniengruppe und die Konsensfindung bei Empfehlungen nach klaren Vorgaben auf Basis des Regelwerks der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).  

Alle Leitlinien der DGN sind auf www.dgn.org frei zugänglich publiziert.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren rund 9000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin.
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Rote Blutkörperchen: Blutarmut

Medizin am Abend Berlin Fazit: Blutarmut: Wenn die Zelle zu wenig Proteinfabriken herstellt

Neue Einsichten in die Entstehung von Blutzellen  
  • Jeden Tag bildet der Körper aus den Stammzellen des Knochenmarks Milliarden neuer roter Blutkörperchen. 
Ist dieser Prozess gestört, kann eine ernsthafte Erkrankung die Folge sein. Forscher der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Harvard Medical School haben nun das Verständnis für die Bildung der Blutzellen erweitert. Die Einsichten in die molekularbiologischen Grundlagen könnten wegweisend für die Therapie bestimmter Krankheitsformen der Blutarmut sein. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse der Studie jetzt in der Fachzeitschrift Cell*.

Selbst bei einem inzwischen gut verstandenen Prozess wie der Blutbildung, gibt es noch einige Aspekte, die wissenschaftlich nicht voll erforscht sind. So wird zum Beispiel noch nicht gänzlich verstanden, wie die Produktionsmenge der sogenannten Transkriptionsfaktoren reguliert wird. Diese speziellen Proteine steuern die Entwicklung von Blutstammzellen in die unterschiedlichen Zelllinien des Blutes. Ein geeignetes Modell für ihre Erforschung ist die Diamond-Blackfan-Anämie (DBA).

Bei dieser Erbkrankheit haben die Patienten einen Defekt in der Entwicklung der roten Blutkörperchen, während sich die anderen Blutzelllinien normal entwickeln.

Rajiv K. Khajuria, Doktorand der Berlin-Brandenburg School for Regenerative Therapies der Charité und die Arbeitsgruppe von Prof. Vijay G. Sankaran vom Boston Children's Hospital der Harvard Medical School und dem Broad Institute haben die Entwicklung von der Stammzelle zur Blutzelle auf molekularer Ebene untersucht. Sie konnten zeigen, dass die gestörte Bildung roter Blutkörperchen bei DBA auf einer verringerten Anzahl von Ribosomen, den sogenannten Proteinfabriken der Zelle, beruht. Charakteristisch für die DBA sind Mutationen in einem der Proteine, aus denen die Ribosomen selbst aufgebaut sind. Diese Mutation verringert zwar die Zahl der Proteinfabriken, aber nicht ihre Zusammensetzung. Außerdem stellte sich heraus, dass bei diesen Ribosomen die Umsetzung bestimmter Erbinformation in neue Proteine beeinträchtigt ist. Betroffen war hierbei der für die Bildung roter Blutkörperchen wichtige Transkriptionsfaktor GATA1 und das bereits auf der Ebene der Blutstammzellen. Die für die Produktion des Transkriptionsfaktors benötigte Abschrift der Erbinformation, die sogenannte Boten-RNA, zeigt eine strukturelle Besonderheit, die diese möglicherweise bei verringerter Ribosomen-Anzahl bei DBA anfällig macht. Die spezielle Struktur der Boten-RNA von GATA1 könnte erklären, warum sich bei DBA alle anderen Blutzelllinien völlig normal aus den Stammzellen heraus entwickeln.

Auf der Ebene der Grundlagenforschung bietet die Studie eine Antwort auf die fundamentale Frage der Biologie, wie die Entwicklung von Zelllinien reguliert wird, nachdem die ursprüngliche Erbinformation in Boten-RNAs übersetzt wurde.

Demnach steuert die Zahl der Ribosomen in einer Zelle in Wechselwirkung mit bestimmten Strukturelementen der Boten-RNAs die Richtung, in die sich eine Stammzelle entwickelt.

Darüber hinaus kann das verbesserte Verständnis der Entstehung der Diamond-Blackfan-Anämie die Basis für die Entwicklung neuer Therapien für Patienten mit dieser Krankheit sein.

 „Derzeit entwickelt die Arbeitsgruppe ein therapeutisches Verfahren, das gezielt am Transkriptionsfaktor GATA1 ansetzt.

Eine solche Therapie wäre zugänglich für sämtliche DBA-Patienten, unabhängig von deren zu Grunde liegender Mutation“ beschreibt Khajuria das Ziel der aktuellen Forschung.

*Khajuria R.K., et al., Ribosome Levels Selectively Regulate Translation and Lineage Commitment in Human Hematopoiesis. 2018, Cell 173, 1–14. doi: 10.1016/j.cell.2018.02.036

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Wiederkehrender Lymphdrüsenkrebs: Rezidivierendes Hodgkin-Lymphom

Medizin am Abend Berlin Fazit: 1. Patient in deutscher Studie zu Lymphdrüsenkrebs bei Kindern und Jugendlichen

Hoffnung für Kinder und Jugendliche mit wiederkehrendem Lymphdrüsenkrebs (rezidivierendes Hodgkin-Lymphom) birgt eine internationale Studie zu neuen Medikamenten im Rahmen der Immunonkologie. 

Sie sollen die körpereigene Abwehr wieder schlagkräftig machen im Kampf gegen Tumorzellen. 

Die Studie läuft parallel in mehreren Ländern. 

Erste Ergebnisse sind vielversprechend. Sitz der Studienzentrale für Deutschland ist die Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum in Gießen. 

Anfang des Jahres hat Prof. Christine Mauz-Körholz, nationale Leiterin der Hodgkin-Studienzentrale Deutschland, den ersten Patienten in die Studie aufgenommen. 

Von links nach rechts: Prof. Christine Mauz-Körholz mit Pascal und seinem Vater Rene Lützkendorf
Von links nach rechts: Prof. Christine Mauz-Körholz mit Pascal und seinem Vater Rene Lützkendorf Universitätsklinikum Gießen
 
“Ich frage mich nicht, klappt das, sondern plane für danach“. Und Pläne für danach hat der 17-jährige Pascal Lützkendorf aus Thüringen jede Menge: Endlich wieder mit den Freunden Moped fahren, eine Angelreise nach Norwegen mit dem Papa und im Sommer zum 18. Geburtstag eine Segeltour nach Holland. Doch bis dahin gibt es für den optimistischen, offenen und scheinbar immer gut gelaunten jungen Mann noch einiges zu tun und auszuhalten im Kampf gegen den Krebs.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Lastenfahrrad 

Im Juni 2017 waren Pascals Lymphknoten am Hals plötzlich stark geschwollen. Einen Monat und viele Untersuchungen später war die Diagnose eindeutig: Morbus Hodgkin – Lymphdrüsenkrebs. „Die Diagnose war erstmal ein Schock“, sagt Pascal und sein Vater Rene ergänzt: „Das hat uns als Eltern absolut getroffen, das war der Hammer.“ Pascal hatte gerade seinen Realschulabschluss gemacht, nur die mündliche Prüfung stand noch aus, eine Lehrstelle hatte er schon sicher. Doch diese Welt stand nun erstmal still, von da an ging es nur noch um die Erkrankung und ums Überleben. Eine Chemotherapie und anschließende Bestrahlung ließen zunächst hoffen, doch noch während der Behandlung wuchs der Tumor erneut.

Mit dem wiederkehrenden Lymphdrüsenkrebs (Hodgkin-Lymphom-Rezidiv) war Pascal ein Kandidat für die aktuelle weltweite Studie zu neuen Medikamenten, die das körpereigene Immunsystem schlagkräftig für den Kampf gegen die Tumorzellen machen. Prof. Christine Mauz-Körholz aus der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum in Gießen, ist die nationale Leiterin der Hodgkin-Studienzentrale für Deutschland: „Die neuen Medikamente lassen berechtigte Hoffnung auf Heilung zu bei den sonst schwer behandelbaren Rückfällen von Lymphdrüsenkrebs. Sie wirken jenseits der Chemotherapie und haben somit auch deutlich weniger Nebenwirkungen. Pascal ist der erste Patient, den wir in unsere Deutschlandweite Studie einschließen konnten.“

Wie funktionieren die neuen Medikamente?
Während die bisherigen Behandlungsmethoden wie Chemotherapie und Bestrahlung darauf abzielen, die Tumorzellen von außen zu zerstören, arbeiten die neuen Medikamente mit einer anderen Strategie: Sie versetzen das körpereigene Immunsystem wieder in die Lage, den Kampf gegen die Tumorzellen selbst aufzunehmen. Diese neue Perspektive der sogenannten Immunonkologie bietet also Hilfe zur Selbsthilfe. Bei der Abwehr von Viren, Bakterien, aber auch Krebszellen schickt das Immunsystem eine Sondereinsatztruppe aus T-Zellen und sogenannten Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) in den Kampf. Sie können Krebszellen aufspüren, erkennen und vernichten. Bei vielen Krebsformen haben die Tumorzellen jedoch Strategien entwickelt, dieser Verfolgung zu entkommen (Escape-Mechanismen).

Beispielsweise können sie sich auf unterschiedliche Arten so gut tarnen, dass sie für die körpereigene Sondereinsatztruppe nicht mehr erkennbar sind. Genau hier setzen die neuen Medikamente an: Sie boykottieren diese Tarn-Mechanismen und machen die bösartigen Zellen wieder erkennbar und angreifbar.

Eine solche Immuntherapie gegen Lymphdrüsenkrebs bekommt nun auch Pascal im Rahmen der Studie. Bei Erwachsenen mit mehreren Rückfällen des Hodgkin-Lymphoms haben Studien bereits belegt, dass die Behandlung außerordentlich wirksam ist, deshalb wurde sie für diese Patienten bereits 2016 von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA zugelassen. Wie effektiv die Medikamente bei Kindern und Jugendlichen sind, soll die aktuelle Studie, die parallel in mehreren Ländern läuft, nun zeigen. „Ein derartiger neuer Therapieansatz ist nur in einem speziellen Studienzentrum möglich, wie es sich in Gießen zum Hodgkin Lymphom unter der Leitung von Prof. Dieter Körholz und Prof. Christine Mauz-Körholz in der Kinderonkologie mit Federführung für Deutschland etabliert hat“, betont der Dekan des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität, Prof. Dr. Wolfgang Weidner.

Wie läuft die Behandlung ab?
In insgesamt vier Zyklen bekommt Pascal nun statt einer Chemotherapie die neue Immuntherapie. Sie besteht aus dem neuen Medikament, das die Körpereigene Abwehr wieder schlagkräftig macht und einem bereits erprobten Antikörper, gekoppelt mit einem kleinen Anteil eines Chemotherapeutikums, der sich direkt gegen die Krebszellen richtet.  

Die Medikamente werden per Infusion verabreicht. 

Gut einen halben Tag ist Pascal dafür in Gießen, dann kann er wieder nachhause. Drei Wochen später gibt es die nächste Infusion. 

In der Zwischenzeit wird durch Blutuntersuchungen und ein spezielles Bildgebendes Verfahren (PET/CT) regelmäßig kontrolliert und dokumentiert, wie die Therapie anschlägt. 

 Drei Zyklen hat der 17-Jährige bereits hinter sich und dabei - im Gegensatz zur Chemotherapie – keinerlei Nebenwirkungen festgestellt: „Mir geht es gut. Ich habe schon nach dem ersten Zyklus gemerkt, wie die Lymphknoten kleiner geworden sind, ich konnte sie kaum noch fühlen.“ Auch Studienleiterin Prof. Christine Mauz-Körholz ist mit dem Therapieverlauf bei Pascal sehr zufrieden: „Schon nach zwei Zyklen haben wir im PET/CT gesehen, dass die Aktivitäten im Tumor zum Stillstand gekommen sind. Das heißt, Pascal hat bislang optimal auf die Therapie angesprochen. Dieses wirklich tolle Ergebnis deckt sich mit den ersten Erfahrungen aus den Parallelstudien in anderen Ländern. In Frankreich waren bis Ende 2017 bereits acht Patienten behandelt worden. Bei allen gab es am Ende des 4. Zyklus keine Tumoraktivität mehr. Das hat bislang eigentlich noch keine Therapie bei Kindern und Jugendlichen mit wiederkehrendem Hodgkin-Lymphom geschafft.“ „Nachdem wir ja schon vorher einen Rückschlag erlebt haben, bedeutet die Studie für uns ganz klar Hoffnung“, sagt Pascals Vater.

Abgeschlossen ist Pascals Behandlung nach der Immuntherapie aber noch nicht.

Da die neuen Medikamente noch in der Erprobungsphase sind, bekommt der 17-Jährige im Anschluss an diese Behandlung noch eine konventionelle Hochdosis-Chemotherapie, die mit einer Stammzelltransplantation verbunden ist.

 „Das ist ein Sicherheitspaket, auf das wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verzichten können“, erklärt die Professorin.

Der junge Patient aus Thüringen nimmt auch das gelassen und denkt lieber an die Zeit danach:

 „Es sind ganz seltene Momente, wo ich sauer bin und mich frage, muss das alles sein?

Eines lernt man bei dieser Krankheit und das ist, Geduld zu haben und nach vorne zu schauen. Darin bin ich jetzt echt gut.“

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Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH

Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie
Prof. Dr. Christine Mauz-Körholz
Leiterin der Hodgkin-Studienzentrale
Zentrum für Kinderheilkunde der Justus-Liebig-Universität Gießen
Feulgenstraße 12
35392 Gießen
Tel: +49 (0)641-985-59524/-43667
E-Mail: christine.mauz-koerholz@paediat.med.uni-giessen.de
Web: hodgkin@paediat.med.uni-giessen.de

Fachbereich Medizin der JLU Gießen
Prof. Dr. Wolfgang Weidner
Dekan des Fachbereichs Medizin
Medizinisches Lehrzentrum
Lehrgebäude und Dekanat, Seltersberg
Klinikstraße 29
Tel.: +49 (0)641- 99- 48000
E-Mail: wolfgang.weidner@dekanat.med.uni-giessen.de
Web: http://www.med.uni-giessen.de

UKGM Christine Bode
Telefon: +49 (0)641) 985-40013
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Web: www.ukgm.de

Rudolf-Buchheim-Straße 8
35392 Gießen
Deutschland
Hessen

CAVE: Zentrale Notaufnahme: Entzündungsreaktion nach Schlaganfall

Medizin am Abend Berlin Fazit: Entzündungsreaktion nach Schlaganfall beschleunigt Atherosklerose 

Experimentelle Studie am Münchner Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung zeigt die negativen Auswirkungen von Schlaganfall auf bestehende Makroangiopathie. 


v.re: Dr. Arthur Liesz und Stefan Roth, Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung v.re: Dr. Arthur Liesz und Stefan Roth, Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung
Klinikum der Universität München

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Subventionen  
 
Schlaganfall ist nach wie vor eine der Haupttodesursachen in entwickelten Ländern.  

Nach einem ersten Schlaganfall ist das Risiko für ein weiteres Ereignis über Jahre hin erhöht. 
  • Frühere Studien zeigten auf, dass insbesondere eine Atherosklerose in den großen Blutgefäßen deutlich mit rezidivierendem Schlaganfall assoziiert wird. 
  • Atherosklerose ist eine chronische Entzündung der Arterienwände, in dessen Verlauf es zur Bildung von atherosklerotischen Plaques (Gefäßverkalkungen) kommt. 
  • Diese können zu Rissen in der Blutgefäßwand führen und Infarkte in den Endorgangen, etwa im Gehirn, verursachen.

Welche Mechanismen dieser erhöhten Rezidivrate nach Schlaganfall aufgrund einer Atherosklerose zugrunde liegen, war bislang allerdings unbekannt.

Schlaganfall selbst führt zu einer multiphasischen Immunkaskade des systemischen Immunkompartiments. 

  • Bereits wenige Stunden nach Schlaganfall kommt es zu einer sterilen Entzündung. 

Diese Entzündung lässt sich auch nach Wochen sowohl in Patienten als auch in Mäusen nachweisen. In einer vorhergehenden Arbeit der Arbeitsgruppe von Dr. Artur Liesz am Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung konnte bereits gezeigt werden, dass ein Grund hierfür sogenannte Alarmine sind.

  • Alarmine sind verschiedenste Moleküle (Proteine, DNA, etc.), die von sterbenden Hirnzellen in die Blutzirkulation ausgeschüttet werden. 
  • Hier können sie via bestimmter Rezeptoren (sogenannte Pattern Recognition Receptors) verschiedenste (Immun)-Zellen aktivieren.

In der aktuellen Arbeit konnte das Team von Dr. Liesz erstmals nachweisen, dass es einen mechanistischen Zusammenhang zwischen Alarminen nach Schlaganfall und beschleunigter Atheroskleroseprogression gibt. 

In einer experimentellen Studie mit internationalen Kollaborationspartnern (Deutschland, Frankreich, Italien, Schweden, Schweiz, Vereinigte Königreiche), die in der aktuellen Ausgabe von Science Translational Medicine erschienen ist, konnte der Mechanismus im Detail aufgedeckt werden und zugleich potentielle Zugriffspunkte für zukünftige Therapieansätze gefunden werden.

  • Demnach kommt es nach Schlaganfall zu einer Synergie aus stressinduzierter Aktivierung des Knochenmarks und zugleich zu massiver Ausschüttung von Alarminen aus dem Gehirn. 
  • Immunzellen des Knochenmarks (sogenannte Monozyten) werden mobilisiert und der Anstieg von immunologischen Botenstoffen (Chemokine) und Adhäsionsmolekülen auf den Gefäßwänden führt zu einer neuen Welle von Immunzellen, die in die Entzündungsherde der vorhandenen Plaques einwandern. 
  • Es konnte gezeigt werden, dass dies nicht nur zur Vergrößerung, sondern auch zu einer gesteigerten Vulnerabilität der atherosklerotischen Plaques führt.

Durch pharmakologische Hemmung der adrenergen Knochenmarksaktivierung beziehungsweise der ausgeschütteten Alarmine konnte die Einwanderung entzündlicher Zellen in die Plaques vermindert werden.

Die Ergebnisse dieser Studie wecken die Hoffnung, dass eine Blockade der aufgedeckten immunologischen Checkpoints auch beim Menschen angewendet werden kann.

Hierdurch ließe sich möglicherweise die hohe Rezidivrate nach atherosklerotischem Schlaganfall reduzieren.

Publikation
Brain-released alarmins and stress response synergize in acelerating atherosclerosis progression after stroke
Stefan Roth, Vikramjeet Singh, Steffen Tiedt, Lisa Schindler, Georg Huber, Arie Geerlof, Daniel J. Antoine, Antoine Anfray, Cyrille Orset, Maxime Gauberti, Antoine Fournier, Lesca M. Holdt, Helena Erlandsson Harris, Britta Engelhardt, Marco E. Bianchi, Denis Vivien, Christof Haffner, Jürgen Bernhagen, Martin Dichgans, Arthur Liesz

DOI: http://dx.doi.org/10.1126/scitranslmed.aao1313

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Dr. Arthur Liesz
Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD)
Klinikum der Universität München (LMU)
Campus Großhadern
Tel: +49 (0) 89 4400 46169
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Web: http://lieszlab.isd-muc.de

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„Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn“

Medizin am Abend Berlin Fazit: Kostet jedes Kind die Mutter tatsächlich einen Zahn?

Datenauswertung zeigt: Anzahl der Kinder kann Einfluss auf Mundgesundheit der Mütter haben und späteren Zahnverlust begünstigen / Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg und Kollegen nutzen innovative statistische Verfahren für schwer zu beantwortende medizinischen Fragestellungen / Veröffentlichung in Journal of Epidemiology & Community Health 

Was ist dran an der Redensart „Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn“? Forscher wenden innovative statistische Verfahren an.
Was ist dran an der Redensart „Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn“? Forscher wenden innovative statistische Verfahren an. Universitätsklinikum Heidelberg
 
Ob ein Ereignis x – beispielsweise die Geburt eines Kindes – mit einem gesundheitlichen Problem y – wie späterem Zahnverlust – ursächlich zusammenhängt, ließ sich bisher kaum überprüfen: Denn wie bei vielen komplexen Fragestellungen der Gesundheitsforschung ist die Durchführung klinischer Studien mit zufälliger Einteilung in Vergleichsgruppen aus praktischen wie ethischen Gründen nicht möglich. Um dieses Problem ein Stück weit zu lösen, haben Wissenschaftler aus Heidelberg, Wuppertal, München, Worms und Nijmegen (Niederlande) nun in einem neuen Ansatz statistische Methoden aus der Ökonometrie auf die medizinische Forschung übertragen. Beispielhaft wollten sie wissen, was dran ist an der Redensart „Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn“. Nach Auswertung von Daten von mehr als 34.000 Personen aus dem „Survey of Health, Ageing, and Retirement in Europe“, einer Datenerhebung in 14 europäischen Ländern und Israel, kamen sie zu dem Ergebnis: Offensichtlich kann die Geburt eines Kindes tatsächlich zu überdurchschnittlich häufigem Zahnverlust führen. Die Ergebnisse der Auswertung sind nun im „Journal of Epidemiology & Community Health“ erschienen.

„Den Ergebnissen unserer Untersuchung lässt sich entnehmen, dass zusätzliche Schwangerschaften tendenziell einen Effekt auf die Mundgesundheit der Mütter haben können“, erläutert Seniorautor Prof. Stefan Listl, Leiter der Sektion Translationale Gesundheitsökonomie an der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde des Universitätsklinikums Heidelberg. „Das ist medizinisch plausibel. Wir wissen z.B., dass während der Schwangerschaft das Risiko für Zahnfleischerkrankungen steigt. Über die genauen Ursachen für das erhöhte Risiko des Zahnverlusts lassen unsere Untersuchungen allerdings keine Aussage zu. “ Viel wichtiger ist den Forschern allerdings der Beweis, dass man sich bisher unlösbaren epidemiologischen Fragestellungen mit diesen statistischen Werkzeugen sinnvoll nähern kann. „Mit diesen sogenannten quasi-experimentellen Methodenkann man kausale Zusammenhänge untersuchen, auch wenn randomisierte klinische Studien bzw. Längsschnittstudien nicht möglich sind. Gerade in Bezug auf die Mund- und Zahngesundheit könnte das ein hilfreiches Werkzeug sein – zählen Erkrankungen der Zähne doch weltweit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt, mit gravierenden Auswirkungen auf die Lebensqualität“, so der Zahnmediziner und Ökonom.

Zufall ist unerlässlich für Aussagekraft – doch wann ist ein Kind Zufall?

Um zweifelsfrei herauszufinden, ob Kinderkriegen tatsächlich das Risiko der Mutter für Zahnverlust erhöht, ist der Vergleich mit einer Kontrollgruppe nötig. Im üblichen Studiendesign würden dazu die Probandinnen zufällig in zwei oder mehr Gruppen eingeteilt: Das Los würde darüber entscheiden, wer kinderlos bleibt oder ein, zwei oder mehr Kinder bekommt. Eine solche Studie ist nicht umsetzbar.

Die Wissenschaftler arbeiteten daher mit einem Trick: Sie suchten im umfangreichen Datensatz des Surveys nach sogenannten naturgegeben Zufallsvarianten, also Anhaltspunkten nach mehr oder weniger „zufällig zustande gekommenen“ Kindern. Die erste Variante liegt auf der Hand: Der Vergleich von Einzel- und Zwillingsgeburten. Einen Unterschied im Zahnbestand der Mütter im Alter 50 plus fanden die Forscher allerdings nicht. „Es könnte sein, dass Zwillingsmütter von Natur aus gesünder und daher weniger anfällig für Zahnprobleme sind“, kann sich Listl vorstellen. Darüber hinaus nahm das Team Familien in den Blick, bei denen auf zwei Kinder desselben Geschlechts noch ein drittes folgte. Denn es ist statistisch erwiesen, dass bei dieser Konstellation die Wahrscheinlichkeit für ein drittes Kind steigt: Häufig steht dahinter die Hoffnung, nach zwei Jungs doch noch ein Mädchen oder umgekehrt zu bekommen. Als Vergleich dienten Mütter mit zwei Kindern unterschiedlichen Geschlechts. Hier fiel der Unterschied beachtlich aus: Mütter mit drei Kindern hatten in ihrer zweiten Lebenshälfte im Durchschnitt rund vier Zähne weniger als Mütter mit zwei Kindern.

Fazit: Mundgesundheit während der Schwangerschaft im Blick behalten

Welchen Nutzen können werdende Mütter trotz aller Einschränkungen aus diesen Ergebnissen ziehen? „Sich des Risikos bewusst sein, während der Schwangerschaft auf sorgfältige Mundhygiene achten und regelmäßig zum Zahnarzt gehen.“, rät Listl. Übrigens prüften die Forscher auch den Zahnbestand der Väter. Hier fanden sie keinen Zusammenhang zwischen der Anzahl von Kindern und Zähnen.

Literatur:
Gabel F, Jürges H, Kruk KE, Listl S. et al. Gain a child, lose a tooth? Using natural experiments to distinguish between fact and fiction. J Epidemiol Community Health Published Online First: 13 March 2018. doi: 10.1136/jech-2017-210210

Englische Pressemeldung des Journal of Epidemiology & Community Health: Larger families linked to heightened tooth loss risk for mums
http://www.bmj.com/company/newsroom/larger-families-linked-to-heightened-tooth-l...

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Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg: Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit fast 2.000 Betten werden jährlich rund 65.000 Patienten vollstationär, 56.000 mal Patienten teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum und der Deutschen Krebshilfe hat das Universitätsklinikum Heidelberg das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg etabliert, das führende onkologische Spitzenzentrum in Deutschland. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.700 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.
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