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„Mit Glyphosat und Gen-Saat - Wie Bayer mit Monsanto die Landwirtschaft verändern will"

Programmänderung heute im Ersten aus aktuellem Anlass:
 
„Mit Glyphosat und Gen-Saat - Wie Bayer mit Monsanto die Landwirtschaft verändern will"


Die EU-Kommission hat heute mitgeteilt, dass Bayer den US-Saatgutriesen Monsanto unter strengen Auflagen übernehmen kann.

Das bedeutet einen großen Schritt für den Leverkusener Chemiekonzern.

Allerdings steht eine Zustimmung der US-Wettbewerbshüter noch aus.

Das Erste zeigt aktuell schon heute Abend um 0:20 Uhr die ursprünglich für den 26. März im Programm vorgesehene Reportage „Mit Glyphosat und Gen-Saat" (WDR) von Michael Heussen und Ingolf Gritschneder.

Es soll die größte Fusion der deutschen Wirtschaftsgeschichte werden: Für unglaubliche 66 Milliarden Dollar will Bayer aus Leverkusen den US-Konzern Monsanto übernehmen. Der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Baumann würde dann den weltweit größten Anbieter für Agrarchemie lenken.

Bayer und Monsanto - ein deutsches Traditionsunternehmen mit solidem Ruf schluckt den amerikanischen Konzern, der den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat herstellt.

Für viele Landwirte ein effektives Mittel; für Kritiker jedoch ein Stoff, der aus ihrer Sicht krebserregend ist. 

In Brüssel wurde der Einsatz von Glyphosat jetzt für weitere fünf Jahre zugelassen.

Allen Bedenken zum Trotz. Bleibt die EU dabei? Das wird sich schon bald zeigen. 

Die Unternehmen setzen weiter auf Chemie in der Landwirtschaft, wenn auch moderner und effektiver als bisher:

„Digital Farming" heißt das Zauberwort. Die digitale Landwirtschaft liefert den Bauern per App alle wichtigen Daten für Aussaat und Ernte direkt aufs Smartphone oder Tablet im Traktor - auch Daten für den Chemieeinsatz. Und natürlich werden dabei die eigenen Produkte beworben und verkauft.

Auf dem Weg zur Fusion lauern große Risiken für die Bayer-Mitarbeiter:

Warum nimmt Bayer-Chef Werner Baumann in Kauf, dass das Negativ-Image von Monsanto auf die Traditionsmarke Bayer abfärbt? Was bedeutet das alles für Verbraucher, für die Bauern - oder gar die Welternährung?

Die Autoren Ingolf Gritschneder und Michael Heussen haben mit Befürwortern und Kritikern der Mega-Fusion gesprochen und in den Forschungslaboren von Monsanto in den USA gedreht.

 In Südamerika und Indien trafen sie Wissenschaftler und Bauern, die bereits eigene Erfahrungen mit Monokulturen, Monsanto-Saatgut und -Pestiziden gemacht haben.

Redaktion: Norbert Hahn, Angela Jaenke (beide WDR)

Den geänderten Programmablauf entnehmen Sie bitte den Seiten http://programm.daserste.de/

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Rückfragen an: WDR  Annette Metzinger,
Tel: 0221/220 7120, E-Mail: annette.metzinger@wdr.de

Tägliche Arbeitsbedingungen des Busfahrers - Krankheitsberuf? http://www.krankheitserfahrungen.de

Medizin am Abend Berlin Fazit: Da vorne sitzt ein Mensch

  • • Was denken wir eigentlich über Busfahrer? Forscher der Hochschule Fresenius legen Studienergebnisse vor 

  • • Details zur Studie und den Erhebungsmethoden und O-Töne von Busfahrern sind im Bericht auf dem Wissenschaftsblog adhibeo abrufbar:  
 Medizin am Abend Berlin Fachlink: Studie

Die gesellschaftliche Bedeutung des Busfahrers ist hoch, dennoch leidet der Beruf unter einem schlechten Image.

  • Gründe dafür sind in erster Linie eine hohe Erwartungshaltung der Fahrgäste und die Mentalität, ihn für Dinge verantwortlich zu machen, für die er nichts kann. 

Auch die so genannte Stellvertreterhaftung ist ein Thema.

Fragt man Busfahrer selbst, bekommt man zur Antwort, dass sie ihren Beruf lieben, aber mit den täglichen Arbeitsbedingungen unzufrieden sind.

Diese Kernaussagen hat ein Forscherteam der Hochschule Fresenius ermittelt.


Die hohe Bedeutung des Busfahrers steht im Widerspruch zu seinem Image
 Die hohe Bedeutung des Busfahrers steht im Widerspruch zu seinem Image

Spontan nach dem Aussteigen aus dem Bus angesprochen, haben viele keine Erinnerung an den Busfahrer.

Die ersten Attribute, die Befragte mit dem Beruf assoziieren, sind unter anderem „unattraktiv“ und „langweilig“. „Diese Einschätzungen überträgt die Gesellschaft auch auf den hinter dem Beruf stehenden Menschen“, berichtet Dr. Sabine Hammer vom Institut für komplexe Gesundheitsforschung an der Hochschule Fresenius. Das Institut hat gemeinsam mit DB Regio Bus im Rahmen der Studie „Meine Arbeit, meine Leistung“ die Rolle des Busfahrers in der Gesellschaft näher untersucht. Es besteht eine Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Bedeutung des Busfahrers und seinem Ansehen. 574 Befragte bewerteten die gesellschaftliche Bedeutung auf einer Skala von 1 (sehr niedrig) bis 10 (sehr hoch) durchschnittlich mit einem Wert von 7,7. Gar mit einer 9,0 wird die Verantwortung des Busfahrers beurteilt. Demgegenüber steht die mit 4,2 niedrige Einschätzung des Ansehens des Busfahrers.

Woher kommt das? Sabine Hammer: „Mehr als drei Viertel der Befragten haben eine Erwartungshaltung an Dienstleistung und Service, die über die bloße Beförderung hinausgeht. Je mehr sich jemand wünscht, desto eher ist natürlich auch der Punkt der Unzufriedenheit erreicht.“ Außerdem würden Aspekte in den Verantwortungsbereich der Fahrer verlagert, die dort nicht hingehören. Mit dem Ergebnis, dass auch die Arbeitsleistung negativ bewertet wird. Ein Beispiel: Die Befragten wünschen eine optimale „Transportleistung“, also das Anfahren aller Haltestellen und Pünktlichkeit, und geben als Zahl für ihre Erwartung eine 10 an. Die Beurteilung ihrer tatsächlichen persönlichen Erfahrungen liegt mit 7,2 deutlich darunter. „Dabei kann der Busfahrer nur in den seltensten Fällen etwas für eine Verspätung“, sagt Hammer. Diese Haltung zieht sich auch durch andere Bereiche, sogar für Ausstattung und Zustand des Fahrzeugs wird der Fahrer verantwortlich gemacht. „Er wird ziemlich unreflektiert stellvertretend in die Haftung genommen. Wer der eigentliche Verursacher ist – oft genug die Fahrgäste selbst – wird nicht in Erwägung gezogen“, ergänzt Hammer.

Resultat sei häufig ein respektloser Umgang mit den Fahrern. Mit der mangelnden Wertschätzung haben die Busfahrer ein großes Problem, sie fühlen sich herabgestuft. 

  „Es wäre schön, als Mensch wahrgenommen zu werden“, lautet deshalb ein großer Wunsch der Berufsgruppe.

Im Rahmen der Selbstwahrnehmung der Busfahrer haben die Forscher der Hochschule Fresenius außerdem ermittelt, dass diese sich stark mit ihrem Beruf identifizieren und ihn grundsätzlich gerne ausüben. Demgegenüber steht aber eine große Unzufriedenheit mit den täglichen Arbeitsbedingungen und Erlebnissen. Auf einer Skala von 1 (sehr unzufrieden) bis 10 (sehr zufrieden) bewerten 323 Befragte ihre Arbeitszufriedenheit mit einem Mittelwert von gerade einmal 4,7. „In den persönlichen Interviews mit den Busfahrern wurde deutlich, dass sie eine Reihe von Umständen als belastend und beanspruchend wahrnehmen“, so Hammer. Beim Detailblick fällt die Zufriedenheit mit dem Gehalt am schlechtesten aus (Mittelwert: 3,3).

Auch die beruflichen Perspektiven, die Arbeitszeiten und Pausenregelungen werden mit einer 4,0 eher schlecht bewertet.  

Häufige Schichtwechsel führen beispielsweise zu Schlafstörungen. 

Ebenso unregelmäßig seien die Essenszeiten. 

Gepaart mit dem Bewegungsmangel führt das natürlich zu Übergewicht, Rückenschmerzen und insgesamt zu einem reduzierten Wohlbefinden. 

 „Die Forschungsergebnisse sind für uns als Arbeitgeber sehr aufschlussreich.

Uns liegen jetzt erstmals zu wichtigen Kernthemen belastbare Daten vor.

Auf der anderen Seite haben wir aber auch viele Erkenntnisse zu den so genannten weichen Faktoren gewonnen“ sagt Siegfried Moog, Leiter Personal DB Regio Bus.

„Daraus ergeben sich Anhaltspunkte dafür, an welchen Stellen wir etwas verändern müssen.“

Prof. Dr. Christian T. Haas, Leiter des Institutes für komplexe Gesundheitsforschung, nimmt die Gesellschaft in die Pflicht:

„Wichtig ist ein verändertes Bild vom Beruf des Busfahrers.

Wir alle müssen daran arbeiten, die Diskrepanz zwischen Bedeutung und Image zu beseitigen und eine Atmosphäre des respektvollen Umgangs und der Anerkennung der Leistung zu etablieren. Davon profitieren wir alle.“

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Heute: Dein Frühlingsanfang mit Online-Dating Portal....

Medizin am Abend Berlin Fazit: Die Flirtsaison beginnt: Tipps für den Umgang mit Online-Dating-Portalen

Am 20. März ist Frühlingsanfang. 

Mit den ersten Sonnenstrahlen suchen viele Singles wieder verstärkt nach einem Partner. 

So verzeichnen Online-Dating-Portale in der Frühlingszeit deutlich mehr neue Registrierungen als in der Winterzeit. 

Was sich die Nutzer von den jeweiligen Plattformen erhoffen, hat Prof. Dr. Wera Aretz, Studiendekanin für Wirtschaftspsychologie (B.Sc.) und Leiterin der Psychology School an der Hochschule Fresenius in Köln, in einer Studie untersucht. 
 
Im Frühjahr sind wieder mehr Singles auf der Suche nach einem passenden Partner – oft auch im Internet.

Doch jeder Single hat andere Absichten: Der eine sehnt sich nach einer langfristigen Beziehung, der andere möchte nur ein kurzfristiges, amouröses Abenteuer. Und die Menge an Online-Dating-Portalen, die ihre Dienste auf dem Markt anbieten, ist groß. Allein in Deutschland stehen mittlerweile schätzungsweise weit mehr als 2.500 Dating-Websites und Applikationen für Smartphone-Betriebssysteme zur Verfügung. Wer nutzt welche der zahlreichen Plattformen? Gibt es bestimmte Aspekte, auf die man beim Online-Dating achten sollte? Diesen Fragen ist Prof. Dr. Wera Aretz in ihren Untersuchungen nachgegangen. Ziel ihrer aktuellen Studie war es, erste empirische Erkenntnisse darüber zu gewinnen, ob sich die Nutzer verschiedener Online-Dating-Angebote unterscheiden und inwieweit klassische Ablauf- oder Nutzungselemente zwischen verschiedenen Online-Dating-Angeboten differieren. Dazu wurden 143 Online-Dating-Nutzer und 342 Nicht-Nutzer online befragt.

Die Ergebnisse: Wer nutzt was? Der typische Nutzer von Online-Partnervermittlungen wie z.B. ElitePartner oder Parship ist älter als die übrigen Nutzer und hat häufig bereits ein Kind. Das Hauptmotiv der Nutzung besteht hier darin, eine feste Beziehung zu finden.

Jüngere Menschen hingegen nutzen eher Online-Kontaktbörsen wie finya, Neu.de oder Lovescout24.

  • Ein Großteil der Befragten gab auch hier an, auf der Suche nach einer festen Partnerschaft zu sein. Ebenfalls sind die Motive des Flirtens und des Zeitvertreibs vergleichsweise hoch bewertet. Bei Social-Dating-Nutzern (z.B. Tinder, Lovoo, Badoo) handelt es sich um die jüngste Nutzergruppe, die ihren Aufenthalt in dem Online-Portal zumeist als Zeitvertreib sieht. Genauer gesagt geht es ihr um das Betrachten von Fotos und das Erzielen von Selbstbestätigung durch den Erhalt einer möglichst hohen Anzahl von Matches (Aretz, 2015).

Worauf wird geachtet?
Was die Auswahl der auf Online-Plattformen zahlreich dargebotenen Profile anbelangt, konnte gezeigt werden, dass das Foto über alle Online-Dating-Angebote hinweg den stärksten Einfluss auf die Auswahl ausübt. Im Geschlechtsvergleich weisen Frauen eine insgesamt kritischere Haltung bei der Profilauswahl auf und entscheiden sich auf Basis mehrerer Angaben für oder gegen eine Person. So messen sie beispielsweise der Körpergröße des Mannes, statusrelevanten Informationen und gemeinsamen Interessen eine höhere Bedeutung bei, als dies umgekehrt bei Männern der Fall ist.

„Die Ergebnisse unserer Untersuchungen zeigen, dass man zunächst gut überlegen sollte, für welchen Anbieter man sich entscheidet. Denn die Nutzungsabsichten sind hier sehr unterschiedlich“, so Prof. Dr. Wera Aretz. „Ein wichtiges Entscheidungskriterium ist das Foto“, führt die Psychologieprofessorin weiter fort. „Das sollte man bei der Wahl des entsprechenden Bildes beachten. Es sollte jedoch nicht zu sehr die Realität verfälschen, möchte man sich doch irgendwann auch von Angesicht zu Angesicht kennenlernen“.

Lesen Sie den gesamten Beitrag mit dem Titel „Date me-up: Ein Vergleich von Online- Dating-Portalen unter Berücksichtigung typischer Nutzergruppen und klassischer Ablaufphasen des Online-Datings“ mit allen Literaturangaben hier: 

http://journal-bmp.de/2017/12/date-me-up-ein-vergleich-von-online-dating-portale...

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Herzkrank und in die Berge.....?

Medizin am Abend Berlin Fazit: In die Berge trotz Herzerkrankung?

Bewegung in den Bergen ist ein gutes Mittel, kardiovaskuläre Krankheiten vorzubeugen, darin sind Kardiologen sich einig. 

Doch was gilt für Menschen, die bereits an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden? 

Unter welchen Umständen dürfen sie sich im Hochgebirge aufhalten und welche Verhaltensregeln sollten sie befolgen? 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Nachtarbeit  
 
Unter Führung des Kardiologen Gianfranco Parati, Professor an der Universität Bicocca und Leiter des Istituto Auxologico in Mailand hat ein Expertenteam zahlreiche Studien ausgewertet, die untersuchen, wie sich Höhenlagen über 2.500 m auf die häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken.

Die detaillierten Empfehlungen für Herz-Kreislauf-Patienten, die die Mediziner daraus ableiten, wurden kürzlich im renommierten European Heart Journal veröffentlicht. An der Studie beteiligt war auch Hermann Brugger, Leiter des Instituts für Alpine Notfallmedizin von Eurac Research in Bozen.

Ab einer Höhenlage von etwa 2.500 m steigt die körperliche Belastung: Die Luft enthält weniger Sauerstoff, dies führt zu einer erhöhten Atemfrequenz und zu einem Blutdruckanstieg, das Herz-Kreislaufsystem wird somit besonders beansprucht.
Gerade für Menschen, die an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder an einer koronaren Herzkrankheit leiden, oder die vor kurzem einen Herzinfarkt erlitten haben, ist in den Bergen große Vorsicht geboten.

Auf das Bergwandern gänzlich verzichten muss der Patient allerdings nur bei sehr schweren Herzerkrankungen“, meint Hermann Brugger, Höhenmediziner von Eurac Research und Präsident der Internationalen Gesellschaft für Alpinmedizin. „Vorausgesetzt er hält sich an die entsprechenden Weisungen, kann er Vieles machen und bestenfalls seinen Gesundheitszustand sogar verbessern“.

„Um einen sicheren Aufstieg auch Herzpatienten zu gewährleisten, muss der Patient die Tour umsichtig planen, wobei Zeit und Tourenziel aufeinander abgestimmt sein sollten.

Gemeinsam mit dem Hausarzt müssen alle Vorkehrungen auf den Patienten individuell abgestimmt und die notwendigen Untersuchungen durchgeführt werden, um möglicherweise unerkannte Herzkrankheiten auszuschließen und eine optimale medikamentöse Behandlung sicherzustellen“, ergänzt Gianfranco Parati, der die Auswertung geleitet hat.

Bei einer koronaren Herzkrankheit beispielsweise, bei der die Herzkranzgefäße verengt sind und der Herzmuskel mit weniger Sauerstoff versorgt wird, empfehlen die Experten, bestimmte maximale Höhenlagen nicht zu überschreiten. 

Bei einer leichten koronaren Herzkrankheit sind dies 4.200 Höhenmeter, bei einer mittleren bis zu 2.500 Höhenmeter. 

Leidet der Patient allerdings an einer schweren koronaren Herzkrankheit, empfehlen Experten, auf das Bergwandern ganz zu verzichten.

  • Auch die Einnahme der richtigen Medikamente sei grundlegend, betonen die beiden Experten. 

„Blutdrucksenker wirken häufig harntreibend, sie entlasten das Blut von Salz und Wasser, was das Blutvolumen verringert und folglich den Blutdruck senkt. 

  • In den Bergen muss man mit diesen Mitteln jedoch vorsichtig sein: Durch die erhöhte Anstrengung und Transpiration verliert der Körper mehr Flüssigkeit – es besteht die Gefahr, auszutrocknen“, erklärt Brugger.
  • Patienten, die an mittelschwerem bis schwerem Bluthochdruck leiden, wird außerdem empfohlen, ihre Blutdruck-Werte vor und während des Aufenthalts im Gebirge regelmäßig zu überprüfen.

Befolgt der Patient alle Empfehlungen, kann sich das Bergwandern sehr positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken, ihn verlangsamen und in manchen Fällen sogar aufhalten.

„Auch der Psyche von Herz-Kreislauf-Patienten kommt das Bergwandern zugute. 

Die Gewissheit, trotz Herz-Kreislauf-Erkrankung ein Maß an Freiheit und Eigenständigkeit zu bewahren, steigert das Selbstbewusstsein und das Wohlbefinden des Patienten erheblich“, erklärt Brugger.

Entstanden sind die Empfehlungen aus der systematischen Auswertung aller Studien zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Höhenexposition. Experten der führenden Europäischen und Italienischen Gesellschaften für Kardiologie und Hypertonie (Bluthochdruck) sowie der Internationalen und Italienischen Gesellschaft für Höhenmedizin evaluierten die Studienergebnisse und verfassten die Empfehlungen.

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Sara Senoner Eurac Research

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Italien 
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Telefon: +390471055023
E-Mail-Adresse: sara.senoner@eurac.edu

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https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehx720

Diagnostik von Brustkrebs: Vermeidung von Kontrollbiopsien

Medizin am Abend Berlin Fazit: Brustkrebs: Wie bildgebende Verfahren unnötige Biopsien vermeiden können

Die Diagnostik von Brustkrebs zu verbessern ist das erklärte Ziel eines Forscherteams vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.
Die Wissenschaftler kombinieren eine Weiterentwicklung der diffusionsgewichteten Magnetresonanztomografie mit intelligenten Bildanalyseverfahren, um bösartige Veränderungen im Gewebe aufzuspüren. 
Diese Methode könnte künftig viele Kontrollbiopsien nach einem auffälligen Mammographie-Befund ersparen, wie die Wissenschaftler in einer von der Dietmar Hopp-Stiftung geförderten Studie belegen. 

Das verspricht eine gravierende Verbesserung für die Diagnose von Brustkrebs.
 http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2018/bilder/Abbildung_maligne.jpg
Quelle: Bickelhaupt/DKFZ
 
Die Mammographie zählt zu den wichtigsten Methoden zur Früherkennung von Brustkrebs.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Private Krankenversicherung  

Sie kann Veränderungen im Gewebe sichtbar machen. Daher unterziehen sich jedes Jahr rund 2,8 Millionen Frauen in Deutschland im Rahmen eines Mammographie-Screenings dieser speziellen Röntgenuntersuchung der Brust.

Doch die Ergebnisse sind nicht immer einfach zu interpretieren. Etwa jede zwanzigste Frau, die am Screening teilnimmt, muss deshalb mit einem auffälligen Befund rechnen. Erhärtet sich daraufhin der Verdacht, schlagen Ärzte in der Regel vor, eine Gewebeprobe (Biopsie) zu entnehmen.

  • „Das betrifft jährlich fast knapp 35.000 Frauen, doch nur bei rund der Hälfte von ihnen findet sich tatsächlich ein bösartiger Tumor“, sagt Sebastian Bickelhaupt vom Deutschen Krebsforschungszentrum.
Der Radiologe hat sich daher gemeinsam mit seinen Kollegen daran gemacht, die diffusionsgewichtete Magnetresonanz-Tomografie (MRT) für die Untersuchung der weiblichen Brust zu optimieren und mit intelligenten computerbasierten Bildanalyseverfahren zu verbinden.

Mit der diffusionsgewichteten MRT lässt sich die Bewegung der Wassermoleküle im Gewebe sichtbar machen und mit Hilfe eines Computeralgorithmus beobachten. Bösartige Tumoren verändern die Gewebestruktur, was sich auf die Bewegungsmuster der Wassermoleküle auswirkt. 
 
Dieser Zusammenhang wiederum könnte sich für die Früherkennung von Brustkrebs nutzen lassen – ohne Gewebeproben entnehmen zu müssen, und ohne den Körper mit Kontrastmitteln zu belasten.

„Ziel ist es, einen besseren nicht-invasiven Einblick in das Körpergewebe zu erlangen und damit den Radiologen neben den weiterhin wichtigen Standardverfahren zusätzliche Gewebeinformationen für die klinische Beurteilung zur Verfügung zu stellen“, erklärt Sebastian Bickelhaupt.

Jetzt belegen die DKFZ-Wissenschaftler in einer von der Dietmar-Hopp-Stiftung geförderten Studie, dass die optimierte diffusionsgewichtete MRT in Kombination mit intelligenten Bildanalyseverfahren tatsächlich zuverlässige Aussagen über bösartige Veränderungen in der Brust erlaubt.

Dazu untersuchten sie insgesamt 222 Frauen, die sich nach einem auffälligen Mammographiebefund einer Biopsie unterziehen sollten. Bevor die Gewebeprobe genommen wurde, analysierten die Forscher das Brustgewebe der Studienteilnehmerinnen mit ihrer neu entwickelten Methode.

Das vielversprechende Ergebnis: Die Zahl der falsch positiven Befunde ließ sich in der Studiengruppe um 70 Prozent reduzieren. Tatsächlich vorhandene bösartige Veränderungen konnten die Wissenschaftler in 60 von 61 Fällen erkennen. 

Das entspricht einer Trefferquote von 98 Prozent und ist vergleichbar mit der Zuverlässigkeit von MRT-Methoden, bei denen Kontrastmittel zum Einsatz kommen.

„Wir werten die Aufnahmen mit Hilfe einer von uns entwickelten, intelligenten Software aus“, erklärt der Informatiker Paul Jäger, der sich mit Bickelhaupt die Erstautorschaft der Studie teilt. „Das macht die Methode weitgehend unabhängig von der Interpretation durch einzelne Ärzte.“ Auf diese Weise lässt sich gewährleisten, dass die Methode an verschiedenen Studienzentren gleichermaßen zuverlässige Ergebnisse erzielt.

In einem nächsten Schritt muss sich die Methode in größeren multizentrischen Studien bewähren, bevor sie routinemäßig in der Klinik Anwendung finden kann. Die Wissenschaftler bauen derzeit die dafür notwendigen Kooperationen auf. „Wenn sich unser Ergebnis in zukünftigen Studien bestätigt, haben wir ein zusätzliches Diagnoseinstrument zur Verfügung, mit dem sich die Früherkennung von Brustkrebs weiter verbessern lässt“, hofft Bickelhaupt.

Sebastian Bickelhaupt, Paul Jaeger, Frederik Bernd Laun, Wolfgang Lederer, Heidi Daniel, Tristan Anselm Kuder, Lorenz Wuesthof, Daniel Paech, David Bonekamp, Alexander Radbruch, Stefan Delorme, Heinz-Peter Schlemmer, Franziska Steudle, Klaus H. Maier-Hein: Radiomics Based on Adapted Diffusion Kurtosis Imaging Helps to Clarify Most Mammographic Findings Suspected of Being Cancer. Radiology, 2018, DOI:10.1148/radiol.2017170723

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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Dr. Sibylle Kohlstädt
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2843
F: +49 6221 42 2968
E-Mail: S.Kohlstaedt@dkfz.de
E-Mail: presse@dkfz.de
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Rückenmarksverletzungen: Richtige Behandlung der Nervenverletzung bitte

Medizin am Abend Berlin Fazit: Freie Sauerstoffradikale: Die gute Aufgabe der Bösewichte

Bei Rückenmarksverletzungen sind sie für die Heilung von geschädigten Nervenzellen unerlässlich, berichten Tübinger Forscher 

Ein geschädigter Ischiasnerv. Das Enzym NOX2 (rot) produziert die zur Regeneration benötigten freien Sauerstoffradikale. Es wird von Axonen (grün) der verletzten Nervenzellen aufgenommen. Ein geschädigter Ischiasnerv. Das Enzym NOX2 (rot) produziert die zur Regeneration benötigten freien Sauerstoffradikale. Es wird von Axonen (grün) der verletzten Nervenzellen aufgenommen. Copyright: Simone Di Giovanni und Luming Zhou, 2018
 
  • Zellalterung, Krebs, Parkinson und Alzheimer - mit freien Sauerstoffradikalen werden meist Krankheiten in Verbindung gebracht. 
Die Moleküle scheinen jedoch auch positive Aufgaben zu besitzen:

Bei Rückenmarksverletzungen spielen sie eine unerlässliche Rolle im Heilungsprozess. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Klinikinvestitionen  

Das berichtet ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Professor Dr. Simone Di Giovanni vom Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, der Universität Tübingen und dem englischen Imperial College London. In der aktuellen Ausgabe von Nature Cell Biology beschreiben die Forscher, wie verletzte Nervenzellen gezielt ein Enzym aufnehmen, dass freie Sauerstoffradikale bildet.

  • Die entstehenden Radikale setzen anschließend Prozesse in Gang, die der Regenerierung der Zellen dienen. 
  • "Behandlungen, die nach einer Nervenverletzung darauf abzielen, die Produktion freier Sauerstoffradikale einzuschränken, könnten tatsächlich nachteilig sein", erklärt Di Giovanni. 
  • "Der genaue Zeitpunkt und die richtige Dosis müssen wohl berücksichtigt werden." Unklar bleibt, ob eine höhere Menge an freien Sauerstoffradikalen den Heilungsprozess noch verbessern kann.

In der aktuellen Studie beobachteten die Wissenschaftler, wie körpereigene Abwehrzellen - sogenannte Makrophagen - nach einer Verletzung ein Enzym mit dem Namen NOX2 ins Gewebe absondern. 

"NOX2 wird anschließend vom Axon, dem Nervenzellfortsatz, der verletzten Zellen aufgenommen und in kleinen Vesikeln Richtung Zellkörper transportiert", beschreibt Di Giovanni. "Es erzeugt freie Sauerstoffradikale, indem es eine Reihe von Proteinen oxidiert. Durch sie werden im Zellkörper Signalwege angeregt, an dessen Enden die Regenerierung des Axons und das Wachstum weiterer Zellfortsätze steht."

Noch sind die komplexen molekularen und zellulären Prozesse, die sich nach einer Verletzung an Nerven oder im Rückenmark abspielen, nicht vollständig verstanden.

Die aktuelle Studie fügt jedoch ein weiteres Puzzleteil zum Gesamtbild hinzu.

Rückenmarksverletzungen gehen oftmals mit lebenslangen Lähmungen einher.

Sind die Nervenfasern einmal durchtrennt, leiten sie kein Gehirnsignal mehr an Muskeln in Bein oder Arm weiter. 

Derzeit gibt es keine Therapie, die Nervenfasern reparieren kann.

 "Je besser wir aber verstehen, was im Körper vor sich geht, desto einfacher werden wir Strategien entwickeln können", so Di Giovanni.

Die Studie des Tübinger Wissenschaftlers leitet auch ein Umdenken in der Forschung mit ein.

"Bisher assoziierten wir freie Sauerstoffradikale vor allem mit Schäden an Nerven und Rückenmark", sagt Di Giovanni.

"Die Moleküle gehen unkontrolliert chemische Reaktionen mit Proteinen und DNA ein und zerstören so Zellmembranen und Erbgut.

Jetzt müssen wir ihnen tatsächlich aber auch positive Aufgaben zuschreiben."

Neben den aktuellen Ergebnissen gibt es in jüngster Zeit Hinweise, dass die Moleküle unter anderem eine Rolle beim Wachstum von Nervenzellen im Hippocampus, der Gedächtniszentrale im Gehirn, spielen. 

Ebenso scheinen sie an zellulären Signalwegen bei der Wundheilung in Zebrafischen beteiligt zu sein.

In einer künftigen Studie möchte Di Giovanni erforschen, was passiert, wenn er die Produktion von freien Sauerstoffradikalen durch NOX2 erhöht.

"Wenn wir Glück haben verbessert dies sogar den Heilungsprozess in den Zellen."

Originalpublikation
Hervera et al., (2018): Reactive oxygen species regulate axonal regen-eration through the release of exosomal NADPH oxidase 2 complexes into injured axons. Nature Cell Biology
DOI: 10.1038/s41556-018-0039-x

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Dr. Mareike Kardinal Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)

Otfried-Müller-Straße 27
72076 Tübingen
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Telefon: 07071 –29 8800
Fax: 07071 –29 225154
E-Mail-Adresse: mareike.kardinal@medizin.uni-tuebingen.de


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.hih-tuebingen.de Hertie-Institut für klinische Hirnforschung

https://www.uni-tuebingen.de Eberhard Karls Universität Tübingen

Blutzuckersenkende Wirkung des Nüchternblutzucker

Medizin am Abend Berlin Fazit: Von der positiven Wirkung der Bittergurke

Gießener Arbeitsgruppe zeigt blutzuckersenkende Wirkung von Bittergurke-Extrakt – Ergebnisse der Studie im Journal of Ethnopharmacology publiziert  
  • Ein Bittergurke-Extrakt kann den Nüchternblutzucker bei Menschen im Frühstadium einer Zuckerkrankheit vom Typ 2 – sogenannte Prädiabetiker – deutlich senken. 

Der Nachweis für diesen positiven Effekt der Bittergurke konnten Ernährungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im Rahmen eines randomisierten Doppelblindversuchs erbringen, bei dem die Versuchspersonen unter Verwendung eines Zufallsmechanismus unterschiedlichen Gruppen zugeordnet wurden. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt im internationalen Journal of Ethnopharmacology erschienen. Sie bauen auf gemeinsame Forschungsarbeiten in Gießen, Taiwan und Tansania auf, bei denen in den vergangenen zehn Jahren die blutzuckersenkende Wirkung der Bittergurke (Momordica charantia) untersucht wurde. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Medikamentenplan  

Aus ethischen Gründen seien nur Probandinnen und Probanden in die Studie eingeschlossen worden, die sich im Frühstadium einer Erkrankung an Diabetes mellitus befanden und noch keine medikamentöse Therapie benötigten, erläutert der Leiter der Studie, Prof. i.R. Dr. Michael Krawinkel vom Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Die Auswahl dieser Studiengruppe bringe es zwangsläufig mit sich, dass die gemessenen Abweichungen nicht sehr groß sind. Umso schwieriger sei es gewesen, die Wirkung nachzuweisen. Dies sei aber auf jeden Fall gelungen. Denn die Studie ergab: Der Effekt auf den Nüchternblutzucker fällt umso größer aus, je höher der Ausgangswert ist. Für die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heißt dies: Für die Gruppe der Diabetiker lässt sich ein noch stärkerer Effekt erwarten, als er bei den Prädiabetikern beobachtet werden konnte.

Da der diätetische Ansatz für Menschen von besonderer Bedeutung ist, die keinen sicheren Zugang zu adäquater medikamentöser Behandlung haben, wurde die Studie in der Stadt Moshi in Tansania am Kilimanjaro Christian Medical Center durchgeführt.

In den letzten Jahrzehnten haben sich chronische nicht-infektiöse Krankheiten wie der Diabetes mellitus Typ 2 weltweit stark ausgebreitet, weil sich die Ernährungsgewohnheiten verändert haben. Das stellt nicht nur die einzelnen Menschen und ihre Familien, sondern auch die Entscheidungsträger in Ländern mit wenig Geld für das Gesundheitswesen vor enorme Herausforderungen. Daraus ermisst sich die Bedeutung der Prävention und Behandlung durch eine Ernährung, die der Zuckerkrankheit und ihren Folgen vorbeugt. Bei dieser Ernährung können neben allgemeinen Regeln spezielle Gemüse eine besondere Rolle spielen.

Dass die Bittergurke (englisch ‚karela’ oder auch ‚bitter melon’) den Blutzucker beeinflusst, ist zwar schon länger bekannt, aber bisher gab es keine Studie, die den Effekt wissenschaftlich haltbar als signifikant zeigen konnte.

Das Untersuchungsmaterial aus Bittergurke und Gurke zum Vergleich wurde im World Vegetable Center in Taiwan hergestellt, in dem in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Internationale Ernährung des Gießener Instituts für Ernährungswissenschaft auch Vorstudien durchgeführt worden waren. Diese zeigten, dass nicht ein einzelner Wirkstoff, sondern mehrere Komponenten für den Effekt der Bittergurke verantwortlich sind.

Das Untersuchungsteam bestand auf Gießener Seite aus Dr. Sandra Habicht, die an der Professur für Ernährung in Prävention und Therapie im Institut für Ernährungswissenschaft der JLU lehrt und forscht, Dr. Christine Ludwig, die inzwischen an der Professur für Ernährungsepidemiologie des Instituts für Ernährungswissenschaft der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn arbeitet, sowie als Leiter Prof. Dr. Michael Krawinkel, jetzt
Prof. i.R. am Institut für Ernährungswissenschaft.

Publikation
Michael B.Krawinkel, Christine Ludwig, Mark E.Swaib, Ray-yu Yang, Kwok PanChund, Sandra D. Habicht: Bitter gourd reduces elevated fasting plasma glucose levels in an intervention study among prediabetics in Tanzania
Journal of Ethnopharmacology 2018; 216, 1-7.
https://doi.org/10.1016/j.jep.2018.01.016)

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https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378874117334840

CAVE: Tagschläfrigkeit und Sekundenschlaf: Obstruktive Schlafapnoe

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wenn Fahrer sich müde schnarchen: Pneumologen warnen vor Verkehrsunfällen durch Schlafapnoe

Fast 1900 Verkehrsunfälle mit Personenschaden wurden im Jahr 2016 durch Übermüdung verursacht. 

  • Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf sind häufig die Folgen einer obstruktiven Schlafapnoe. 

Betroffene haben im Straßenverkehr ein zwei- bis siebenmal so hohes Risiko Unfälle zu verursachen (2). 

  • Viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie an einer Schlafapnoe leiden. 

Beim 59. Kongresses warnt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) vor den gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen unbehandelter Schlafstörungen. 

Auf einer Konferenz am 15. März in Dresden erklärten Experten, wie Menschen mit Schlafstörungen besser versorgt werden könnten. 
 
Wie gefährlich Sekundenschlaf sein kann, verdeutlichen zwei Zugunglücke, die sich in New York und New Jersey ereigneten, weil die jeweiligen Lokführer am Steuerpult eingenickt waren.

Wie sich herausstellte, litten beide an einer obstruktiven Schlafapnoe (3). In Deutschland und der EU dürfen Menschen mit Schlafapnoe und Tagesschläfrigkeit Kraftfahrtzeuge nur dann steuern, wenn sie kontinuierlich erfolgreich behandelt werden. 

Ähnliches gilt auch für Menschen, die gefährliche Arbeitsgeräte bedienen.

Eine Schlafapnoe kann sich oft – aber nicht immer – durch lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atemaussetzern bemerkbar machen.

„Aber die obstruktive Schlafapnoe ist bei Weitem nicht der einzige Grund für Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf.

Ein- und Durchschlafstörungen sowie Atmungsschwächen bei Herz- oder Lungenerkrankungen können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

  • Und nicht jeder Patient mit Schlafapnoe zeigt die typischen Symptome“, betont Prof. Dr. Winfried Randerath, Kongresspräsident der DGP 2018. 

Die Anzahl der Menschen die an einer nicht diagnostizierten Schlafapnoe leiden ist immer noch hoch.“ Experten schätzen, dass in Deutschland etwa 13 Prozent der Männer und 7 Prozent der Frauen betroffen sind.

  • Bei der häufigsten Form der Schlafapnoe kollabieren im Schlaf die Atemwege des Patienten immer wieder. 

Dies kann von 10 Sekunden bis zu 2 Minuten dauern sowie die Atmung und die Sauerstoffversorgung unterbrechen.

  • Der Körper steigert seine Atmungsanstrengung, erlebt permanente Stressreaktionen. 

Der Schlaf bringt unter diesen Umständen keine Erholung mehr. 

„Wer sich tagsüber häufig – und scheinbar grundlos – müde oder schläfrig fühlt, sich schlecht konzentrieren kann oder gar ungewollt einschläft, sollte seinen Schlaf untersuchen lassen“, rät Randerath, der als Chefarzt am Krankenhaus Bethanien in Solingen tätig ist.

Denn bei unbehandelter Schlafapnoe drohen auch Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfall.

Durch die große Zahl der Betroffenen, Arbeitsausfallzeiten, Unfälle und Folgeerkrankungen wird die Schlafapnoe zu einem gesundheitlichen wie auch gesellschaftlichen Problem.

  • Die ambulante Versorgung deckt nur einen Teil der Diagnostik und Therapie des nicht erholsamen Schlafs ab. 

Das Versorgungsangebot für Patienten wird hierzulande immer knapper, so Randerath.

„Weil die Krankenkassen immer weniger stationäre Behandlungen bezahlen und ambulante Möglichkeiten unter-finanziert werden, stehen schlafmedizinische Angebote nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung.

Die Wartezeiten für einen Termin im Schlaflabor liegen in der Regel bei mehreren Monaten bis hin zu einem Jahr.“ 

Die Schulung und Begleitung der Patienten in der Therapie leidet darunter, auch würden Kosten für alternative Verfahren oft nicht übernommen – selbst wenn sie sich schon wissenschaftlich bewährt haben.

Welche Maßnahmen notwendig sind, erklärten Experten auf einer Pressekonferenz im Rahmen des 59. DGP Kongresses in Dresden.

Quellen

(1) Statistisches Bundesamt. Anzahl der durch Übermüdung verursachten Verkehrsunfälle mit Personen-schaden in Deutschland von 1991 bis 2016
(2) KH Rühle, KJ Franke, G Nilius. Sekundenschlaf, Schläfrigkeit und Verkehrstüchtigkeit beim Schlafapnoe-Syndrom. Pneumologie 2008; 62(10): 595–601
(3) Failure to screen for sleep apnea led to 2 recent train crashes. New York Times feb 6, 2018

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TERMINHINWEIS

DGP in Berlin: Zum Programm

Der Rahmen des 59. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP)

 Themen:

• Schlaflos in Deutschland: Erholsamer Schlaf braucht eine stärkere Schlafmedizin
• Dampfen kann tödlich sein: Warum die E-Zigarette keine Alternative ist
• Länger leben, weniger leiden: Personalisierte Krebsmedizin verbessert Überlebenschancen bei Lungenkrebs
• Laufen gegen Atemnot: Sport und Bewegung helfen bei chronischen Lungenerkrankungen



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Armutsbedingte schlechte CAVE: Ernährung verursacht körperliche und geistige Entwicklungsprobleme bei Kindern

Medizin am Abend Berlin Fazit: Kinderernährung: Forscher warnen vor Teufelskreis der Armut in Deutschland

Armutsbedingte schlechte Ernährung verursacht körperliche und geistige Entwicklungsprobleme bei Kindern 

Stellungnahme der SNFS an der Uni Hohenheim 
 
  • 2,77 Euro – mit dieser Summe pro Tag sollen Hartz IV-Empfänger ihre Kinder gesund und vollwertig ernähren. 

Das ist schlicht nicht möglich, mahnen Ernährungswissenschaftler der Fachgesellschaft Society of Nutrition and Food Science (SNFS) mit Sitz an der Universität Hohenheim in Stuttgart. 

  • In ihrer aktuellen Stellungnahme warnen sie davor, nur die Kalorien im Blick zu haben. 
Entscheidend sei vielmehr die ausreichende Versorgung mit allen Nährstoffen. Denn Fehlernährung im Kindesalter könne zu körperlichen und geistigen Entwicklungsstörungen führen – und diese Kinder hätten dann ein höheres Risiko auch als Erwachsene in Armut zu leben. Die Wissenschaftler appellieren an die Politik, diesem Problem mit einem höheren Tagessatz und anderen Maßnahmen zu begegnen.

Kinder brauchen für Wachstum und Entwicklung eine abwechslungsreiche Ernährung. Sie muss genügend Obst und Gemüse, Milchprodukte, Fleisch und Eier enthalten, ergänzt durch Sättigungsbeilagen wie Kartoffeln, Reis und Nudeln. Nur damit kann man sicherstellen, dass die Kinder genügend Energie und Eiweiß, besonders aber Vitamine, Minerale und Spurenelemente zu sich nehmen.

Doch für viele Kinder, auch in Deutschland, ist ein solcher Speiseplan weit von der Realität entfernt.

Das Problem: Das Geld reicht nicht für eine gesunde Ernährung. „2,77 Euro für Kinder bis zum 6. Lebensjahr und 3,93 Euro für 6- bis 14-jährige für die tägliche Ernährung im Hartz IV-Satz liegen deutlich unter dem, was man für eine gesunde Ernährung rechnen muss“, erklärt Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Jan Frank, Präsident der Society of Nutrition and Food Science (SNFS). Betroffen seien vor allem Kinder alleinerziehender Mütter mit Hartz IV-Bezug, also derzeit 2,1 Millionen Kinder unter 15 Jahren.

Eine besondere Risikogruppe stellen außerdem Kinder aus Flüchtlingsfamilien dar, betonen die Forscher angesichts der aktuellen Debatte in der Politik. „Diese Kinder sind oft schon seit längerer Zeit schlecht ernährt, weshalb das Augenmerk ganz besonders auch auf sie gelegt werden sollte“, mahnt Prof. Dr. Frank an.

Zu viel Kalorien – zu wenig Nährstoffe


Die Folgen für die Kinder sind fatal: „Es drohen Entwicklungsstörungen, die nicht nur das körperliche Wachstum, sondern auch die geistige Entwicklung betreffen“, warnt Prof. Dr. Hans Konrad Biesalski, Ernährungsmediziner an der Universität Hohenheim. „Denn wenn gespart werden muss, dann werden vor allem solche Lebensmittel gekauft, die preisgünstig sind, aber auch satt machen.“

Die Sättigungsbeilage wird zur Hauptmahlzeit, fettes Schweinefleisch und billiges Fast Food ergänzen das Menü. „Es gibt zahlreiche Untersuchungen dazu, dass die Qualität eines Lebensmittels, also die Menge an enthaltenen Mikronährstoffen, mit sinkendem Preis abnimmt, während der Energiegehalt zunimmt“, erklärt Prof. Dr. Biesalski. Das Kind werde damit zwar satt, nehme aber zu viel Kalorien und zu wenig Mikronährstoffe auf. „Es kommt zu dem, was wir als ‚double burden‘ bezeichnen: Übergewicht bei unzureichender Versorgung mit Mikronährstoffen.“

Entwicklungsstörungen führen in Teufelskreis der Armut

Übergewicht ist bei Kindern aus armen Verhältnissen in Deutschland dreimal häufiger anzutreffen als bei Kindern aus Familien mit gutem Einkommen. „Zudem zeigt eine Studie aus Brandenburg, dass Kinder aus armen Familien kleiner sind“, berichtet Prof. Dr. Biesalski. Ein Hinweis auf eine Wachstumsstörung, wie sie vor allem bei einer Ernährung mit zu wenig Mikronährstoffen zu beobachten ist.
  • Internationale Studien zeigen außerdem, dass Kinder aus Ländern mit hohen Einkommen, die dort in Armut leben, häufiger Entwicklungsstörungen des Gehirns haben. „Besonders betroffen sind Hirnteile, die mit der Entwicklung und dem Gebrauch von Sprache zu tun haben“, erläutert Prof. Dr. Biesalski. 
  • Die Einschulungsuntersuchungen des Landes Brandenburg passten in dieses Bild, erklärt der Ernährungsmediziner: 
  • „Entwicklungsstörungen der Sprache treten dort bei Kindern aus armen Familien 15-mal häufiger auf als bei Kindern in finanziell gesicherten Verhältnissen.“

Eine Verbesserung der Ernährungssituation würde die Chancen dieser Kinder in Schule und Beruf deutlich verbessern, schlussfolgern die Wissenschaftler. „Ansonsten sind die Kinder im fatalen Kreislauf der Armut gefangen“, so Prof. Dr. Frank.

Rund vier Euro nötig für gesunde Ernährung von Kindern

Um diesen zu durchbrechen, sei jedoch eine Erhöhung des Hartz IV-Regelsatzes unumgänglich, appellieren die Forscher. Denn auch Initiativen wie "IN FORM", eine Initiative zweier Bundesministerien für gesunde Ernährung und mehr Bewegung, gäben zwar gute Ernährungstipps, die jedoch mit 2,77 Euro täglich nicht umsetzbar seien. „Rund 4 Euro am Tag sind nötig um eine gesunde Ernährung für Kinder unter 6 Jahren zu gewährleisten“, betont Prof. Dr. Frank.

Bei den Politikern mahnt er daher dringenden Handlungsbedarf an:

„Die immer wieder geforderten Verbesserungen bei der Ernährung gerade für Kinder in Armut sind dort bisher nicht auf offene Ohren gestoßen.“ Auch Möglichkeiten wie kostenloses Essen in KITAs und Ganztagsschulen könnten einen Beitrag zur Lösung des Problems bringen, meint Prof. Dr. Biesalski. „Damit lernen die Kinder auch gesunde Ernährung kennen – und das Gesundheitssystem spart Kosten für die Behandlung kranker und übergewichtiger Kinder.“

Wissenschaftliche Stellungnahme der SNFS zu Kinderarmut: http://snfs.org/comments/snfs-stellungnahme-kinder.html

SAVE THE DATE:
4. Hidden Hunger-Kongress an der Universität Hohenheim vom 27.2. bis 1.3.2019


Drei internationale Kongresse zum Thema des verborgenen Hungers in den letzten Jahren an der Universität Hohenheim haben die Fragen der Armut und der damit einhergehenden Ernährungsprobleme gerade bei Kindern dargestellt. Nicht nur die Folgen für die körperliche, sondern auch für die kognitive Entwicklung standen dabei im Mittelpunkt. Diese Kongresse zeigten, dass Armut oft die Ursache für unzureichende Ernährung ist und wie wichtig dies gerade für die kindliche Entwicklung ist. Der 4. Hidden Hunger-Kongress im kommenden Jahr (27.2. bis 1.3.2019) wird dieses Thema erneut aufgreifen.
Mehr Infos: https://hiddenhunger.uni-hohenheim.de

Hintergrund: Society of Nutrition and Food Science (SNFS)

Die Society of Nutrition and Food Science e.V. (SNFS) ist ein im Jahr 2013 gegründeter Zusammenschluss unabhängiger Experten im Bereich Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften mit Sitz an der Universität Hohenheim. Ziel der gemeinnützigen Organisation ist es, Forschung und Lehre in diesem Themenfeld voranzutreiben, neutral und wissenschaftlich fundiert Stellung zu kontroversen Themen und aktuellen Publikationen zu nehmen sowie dem Verbraucher fachlich korrektes Wissen zu Ernährungsthemen zur Verfügung zu stellen. Homepage: http://www.snfs.org/

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Prof. Dr. Jan Frank, Universität Hohenheim, Fachgebiet Biofunktionalität und Sicherheit der Lebensmittel
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Prof. Dr. Hans Konrad Biesalski, Universität Hohenheim, Fachgebiet Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft
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Text: Elsner 
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Neurodermitis - Zusammenspiel von Hautzellen, Immunzellen und den Mikroben

Medizin am Abend Berlin Fazit: Kieler Studie zeigt: Trockene Haut und Neurodermitis führen zu einem veränderten Hautmikrobiom

Patientinnen und Patienten mit Neurodermitis haben im Vergleich zu gesunden Menschen ein deutlich verändertes und weniger vielfältiges bakterielles Besiedlungsmuster der Haut. 

Dies betrifft nicht nur Stellen mit akuten oder chronischen Ekzemen, sondern auch nicht entzündete Hautareale, wie ein Team des Exzellenzclusters Entzündungsforschung in einer Studie herausfand.  

Medizin am Abend Berlin Zusatzfachthema: Medikamentenplan
  • Allerdings gibt es Unterschiede zwischen Körperregionen, die mit einer unterschiedlichen Zusammensetzung der Hautlipide einhergehen.  Im Fall eines Ekzems bei Neurodermitis-Patienten, also einer akuten Entzündung der Haut, sinkt die Vielfältigkeit der Bakterien weiter ab und der Anteil bestimmter „schlechter Bakterien“ steigt an.
Im Fall eines Ekzems bei Neurodermitis-Patienten, also einer akuten Entzündung der Haut, sinkt die Vielfältigkeit der Bakterien weiter ab und der Anteil bestimmter „schlechter Bakterien“ steigt an. Holly McKelvey/Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces“


Überraschend für Erstautor Dr. Hansjörg Baurecht vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein war, dass diese regionalen Unterschiede in den Hintergrund treten, wenn die Haut sich entzündet. 

„Die natürlichen Unterschiede in der Zusammensetzung des Mikrobioms an unterschiedlichen Körperstellen sind dann aufgehoben, und es entsteht ein typisches weniger vielfältiges Muster der bakteriellen Besiedelung, wenn die Hautentzündung chronisch wird.

Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt im Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlicht.

Die Haut des Menschen ist Lebensraum unzähliger Mikroorganismen, deren Gesamtheit als Mikrobiom bezeichnet wird.

  • Dabei findet man an verschiedene Körperstellen jeweils typische Bakterienstämme, und die bakterielle Zusammensetzung unterscheidet sich zum Teil erheblich, zum Beispiel zwischen Stirn und Fußsohle. 

Das ist zunächst weder gut noch schlecht, sondern einfach durch die jeweilige Umgebung bedingt.

Feuchtigkeit, pH-Wert, Temperatur und Lipidgehalt der Haut haben Einfluss auf das Besiedlungsmuster, ebenso wie genetische Faktoren und Umwelteinflüsse.

Das feine Zusammenspiel von Hautzellen, Immunzellen und den Mikroben sorgt dafür, dass die Haut ihre Barrierefunktion ausübt. Veränderungen im Mikrobiom können diese Funktion beeinflussen.
  • Die am besten beschriebene Ursache für eine generelle Barrierestörung der Haut ist ein Mangel am Hauteiweiß Filaggrin. 

Bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung ist dieser Mangel durch vererbte Mutationen entstanden. Diese Personen leiden an einer allgemeinen Hauttrockenheit und verminderter Barrierefunktion, das heißt die Haut ist durchlässiger für Einflüsse von außen.

Der angeborene Filaggrinmangel führt nicht zwangsläufig zu Neurodermitis, geht aber mit einem deutlich erhöhten Erkrankungsrisiko einher. Eine Ursache dafür könnte ein verändertes Hautmikrobiom sein. Die jetzt veröffentlichte Studie stützt diese Vermutung:

Die bakterielle Besiedlung bei Menschen mit Filaggrinmangel ähnelt in Teilen der von Neurodermitispatientinnen und -patienten. Kommt es dann zur Erkrankung, verändert sich das Mikrobiom weiter.

Bislang war das Mikrobiom von Menschen mit Neurodermitis nur an den typischerweise betroffenen Körperstellen wie Kniekehlen und Armbeugen gut untersucht.

Die aktuelle Studie zeigte, dass dort die für die Neurodermitis typischen Veränderungen des Hautmikrobioms zwar am deutlichsten ausgeprägt sind, aber auch nicht betroffene Hautareale typische Veränderungen aufweisen. Zu diesen Besonderheiten zählen eine verminderte Vielfalt von Bakterien und eine unterschiedliche Zusammensetzung von Staphylokokken-Stämmen.

„Die Diversität, also die Bakterienvielfalt, und der Anteil bestimmter Staphylokokken nimmt von gesunder über trockene zu entzündeter Haut sukkzessive ab, während bestimmte andere Stämme, insbesondere S. aureus immer mehr dominieren“, betont Dr. Hansjörg Baurecht, Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe von Clustermitglied Professor Stephan Weidinger an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des UKSH Kiel.

„Wirklich überraschend war, dass wir die für Gesunde typische körperstellenspezifischen Unterschiede im Hautmikrobiom auf akuten und chronischen Ekzemen von Neurodermitispatienten nicht mehr finden. 

Die Entzündung verändert das Hautmikrobiom massiv, unabhängig von der Körperstelle. Das hatten wir in dem Ausmaß nicht erwartet.“

„Unsere neuen Daten vertiefen das Verständnis der wechselseitigen Abhängigkeit zwischen Hautfunktion und bakterieller Besiedlung“, betont Professor Stephan Weidinger, stellvertretender Direktor der Universitäts-Hautklink Kiel und Leiter der Abteilung für entzündliche Hautkrankheiten.

  •  „Das Besiedlungsmuster der Haut ist bei Patientinnen und Patienten mit Neurodermitis generell verändert, und ist sowohl Ausdruck als auch Triggerfaktor der Entzündung und kann Ausgangspunkt für echte Infektionen sein.“ 




Cluster-Mitglied Professor Stephan Weidinger
Cluster-Mitglied Professor Stephan Weidinger Dr. Tebke Böschen/Exzellenzcluster "Inflammation at Interfaces"


Stichwort Neurodermitis
Neurodermitis (atopisches Ekzem) ist eine der häufigsten chronischen, nicht ansteckenden entzündlichen Hauterkrankungen. Sie tritt meist schon in frühester Kindheit auf und verläuft in Schüben. Schätzungsweise 10 bis 20 Prozent der Kinder und 5 bis 10 Prozent der Erwachsenen sind betroffen. Kennzeichen sind extremer Juckreiz, immer wieder kehrende Ekzeme, und meist eine generelle Hauttrockenheit. Die Ursachen der Neurodermitis liegen zum größten Teil in einer erblichen Veranlagung zu einer Überempfindlichkeit der Haut sowie Überreaktionen des Immunsystems. Bei der Neurodermitis ist die optimale Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit und Fetten gestört und die natürliche Barrierefunktion herabgesetzt

  • Auf diese Weise können irritierende und allergieauslösende Stoffe aus der Umwelt leichter eindringen.

Originalpublikation:
Baurecht, H, Rühlemann, MC, Rodríguez, E, Thielking, F, Harder, I, Erkens, AS, Stölzl, D, Ellinghaus, E, Hotze, M, Lieb, W, Wang, S, Heinsen, FA, Franke, A und Weidinger, S (2018): Epidermal lipid composition, barrier integrity and eczematous inflammation are associated with skin microbiome configuration. Journal of Allergy and Clinical Immunology, https://doi.org/10.1016/j.jaci.2018.01.019

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Dr. Hansjörg Baurecht
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am UKSH Kiel
Tel.: 0431/500 21111
hbaurecht@dermatology.uni-kiel.de

Prof. Dr. Stephan Weidinger
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am UKSH Kiel
Tel.: 0431/500 21110
sweidinger@dermatology.uni-kiel.de

Dr. Tebke Böschen
Telefon: (0431) 880-4682, E-Mail: tboeschen@uv.uni-kiel.de
Internet: www.inflammation-at-interfaces.de

Der Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces/Entzündungsforschung“ wird seit 2007 durch die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder mit einem Gesamtbudget von 68 Millionen Euro gefördert; derzeit befindet er sich in der zweiten Förderphase. Die rund 300 Clustermitglieder an den insgesamt vier Standorten: Kiel (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Muthesius Kunsthochschule), Lübeck (Universität zu Lübeck, UKSH), Plön (Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie) und Borstel (Forschungszentrum Borstel – Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften) forschen in einem innovativen, systemischen Ansatz an dem Phänomen Entzündung, das alle Barriereorgane wie Darm, Lunge und Haut befallen kann.

Exzellenzcluster Entzündungsforschung
Wissenschaftliche Geschäftsstelle, Leitung: Dr. habil. Susanne Holstein
Postanschrift: Christian-Albrechts-Platz 4, D-24118 Kiel
Telefon: (0431) 880-4850, Telefax: (0431) 880-4894
E-Mail: spetermann@uv.uni-kiel.de
Twitter: I@I @medinflame