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Schwangeren und stillenden Frauen: Arbeitsschutz von Müttern im Betrieb - Mutterschutzgesetz (MuSchG)

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neues Mutterschutzgesetz: Wichtige Änderungen für Arbeitgeber 

Um den geänderten gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu entsprechen, wurde das Mutterschutzrecht grundlegend reformiert.

Mit Beginn des neuen Jahres traten die vom Deutschen Bundestag beschlossenen Änderungen in Kraft. 

Diese schließen zum einen mehr Mütter als zuvor ein, außerdem wird der Arbeitsschutz von Müttern im Betrieb verstärkt. Dadurch ergeben sich auch wichtige Auswirkungen auf die Arbeitgeberpflichten. 

  • Ziele des Mutterschutzgesetzes (MuSchG)
Das MuSchG gewährleistet schwangeren und stillenden Frauen einen besonderen Gesundheitsschutz im Betrieb. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Schwangerschaftslaborpfad  

Es soll verhindern, dass sie wegen der Schwangerschaft und Stillzeit Nachteile im Berufsleben erleiden oder die selbstbestimmte Entscheidung über ihre Erwerbstätigkeit verletzt wird. Damit werden die Chancen der Frauen verbessert und ihre Rechte gestärkt, um auch während der Schwangerschaft oder Stillzeit ohne Gesundheitsrisiko für Mutter und Kind weiterhin arbeiten zu können.

Neues Gesetz gilt für mehr Mütter

Die Änderungen im MuSchG bedeuten vor allem eine Ausweitung des geschützten Personenkreises.

  • Bislang galt das Gesetz nur für Frauen, die in einem Arbeitsverhältnis stehen oder Heimarbeit ausführen. Ab 2018 sind alle (werdenden) Mütter eingeschlossen – also auch Praktikantinnen, weibliche Auszubildende und unter bestimmten Voraussetzungen auch Schülerinnen und Studentinnen. 
  • Danach können diese während des Mutterschutzes für Veranstaltungen, Prüfungen oder Praktika Ausnahmen beantragen, ohne deswegen Nachteile zu erleiden.
  • Schutzfristen werden verlängert

Auf Antrag der Mutter müssen Arbeitgeber ab 2018 eine verlängerte nachgeburtliche Schutzfrist von zwölf Wochen bei Geburten von behinderten Kindern gewähren.

Bisher galt diese nur bei Früh- und Mehrlingsgeburten.  

Neu ist auch ist der viermonatige Kündigungsschutz, wenn sie nach der zwölften Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt erleiden.

  • Verbot und Zulässigkeit von Nachtarbeit
Mit dem neuen Gesetz dürfen schwangere oder stillende Frauen zwischen 20:00 Uhr und 6:00 Uhr nicht mehr beschäftigt werden. Eine Beschäftigung während dieser Zeit ist nur zulässig bei Einwilligung der werdenden Mutter, ärztlicher Bescheinigung der Unbedenklichkeit, Einhaltung des Arbeitsschutzes und behördlicher Genehmigung. Der Arbeitgeber muss daher prüfen, ob ein Einsatz nach 20:00 Uhr nötig ist und bei der Aufsichtsbehörde einen entsprechenden Antrag mit allen relevanten Unterlagen stellen.

Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz

Für jeden Arbeitsplatz muss bei der allgemeinen Gefährdungsbeurteilung im Vorfeld geprüft werden, ob sich eine Gefährdung für eine schwangere oder stillende Frau oder ihr Kind ergeben könnte, auch wenn aktuell dort keine schwangere oder stillende Frau tätig ist.

Der Arbeitgeber muss das Ergebnis der Beurteilung dokumentieren und die Mitarbeiter darüber in geeigneter Form informieren.

Meldet eine Frau ihre Schwangerschaft an, muss diese Gefährdungsbeurteilung entsprechend aktualisiert und individualisiert werden.

  • Arbeitgeber muss Arbeitsbedingungen für Mütter anpassen

Der Arbeitgeber muss die Arbeitsbedingungen so gestalten, dass eine „unverantwortbare Gefährdung“ ausgeschlossen ist. Liegen Gefährdungen vor, muss er die Arbeitsbedingungen durch Schutzmaßnahmen umgestalten.

Ist dies nicht oder nur unter unverhältnismäßigem Aufwand möglich, muss die schwangere Frau an einem anderen geeigneten und zumutbaren Arbeitsplatz eingesetzt werden.

  • Ein Beschäftigungsverbot aus betrieblichen Gründen soll dann nur noch möglich sein, wenn alle anderen Maßnahmen versagen. 

Um eine „Überprotektion“ zu vermeiden und die Arbeitgeber bei der Umsetzung zu unterstützen, sollen vom Gesetzgeber Empfehlungen erarbeitet werden – zumal der Rechtsbegriff „unverantwortbare Gefährdung“ unbestimmt ist.

Weiterführende Informationen zum neuen Mutterschutzgesetz:

Leitfaden des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:

https://www.bmfsfj.de/blob/94398/3b87a5363865637dd3bf2dd6e8ec87e0/mutterschutzge...

Gesetzestext:
https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=...

Stellungnahme Bundesrat:
https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2017/0201-0300/289-17(B).pdf?__b...

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Die DGAUM wurde 1962 gegründet und ist eine gemeinnützige, wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft der Arbeitsmedizin und der klinisch orientierten Umweltmedizin. Ihr gehören heute über 1000 Mitglieder an, die auf dem Gebiet der Arbeitsmedizin und Umweltmedizin arbeiten, vor allem Ärztinnen und Ärzte, aber auch Angehörige anderer Berufsgruppen wie etwa Natur- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Die Mitglieder der Fachgesellschaft engagieren sich nicht nur in Wissenschaft und Forschung, um so bereits bestehende Konzepte für die Prävention, die Diagnostik und Therapie kontinuierlich zu verbessern, sondern sie übernehmen die ärztliche und medizinische Beratung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern an der Schnittstelle von Individuum und Unternehmen. Darüber hinaus beraten die Mitglieder der DGAUM alle Akteure, die ihren Beitrag zu der medizinischen Versorgung leisten und auf Fachwissen aus der betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention, der arbeits- und umweltbezogenen Diagnostik und Therapie, der Beschäftigungsfähigkeit fördernden Rehabilitation sowie aus dem versicherungsmedizinischen Kontext angewiesen sind.
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Rosenkauf am Valentinstag: Fairtrade-Rosen kaufen und verschenken

Medizin am Abend Berlin Fazit: Zum Valentinstag: Beim Rosenkauf auf Fairtrade-Siegel achten

Am Valentinstag werden in Deutschland traditionell mehrere Millionen Rosen gekauft und verschenkt. 

Wie und auf welchem Weg diese Blumenpracht zu uns in den Handel kommt und welche ausgeklügelte logistische Lieferkette dahintersteckt, erklärt der Logistik-und Handel-Experte der Hochschule Fresenius, Professor Dr. Heinz Walterscheid. 


 
FRAGE: Herr Professor Walterscheid, bald ist wieder Valentinstag, an dem traditionell Millionen von Rosen in Deutschland gekauft und verschenkt werden. Auf welchen Wegen gelangen die Rosen zu uns in die Blumengeschäfte bzw. in die Supermärkte?


ANTWORT:
Die meisten Rosen werden aus Ostafrika und aus Südamerika importiert. In Ländern wie Kenia, Äthiopien, aber auch Ecuador und Kolumbien, herrschen ganzjährig ideale klimatische Anbaubedingungen. Von den dortigen Blumenfarmen werden die Rosen gekühlt per LKW zu einem Flughafen transportiert, der häufig in der Nähe der jeweiligen Landeshauptstadt liegt. Luftfrachtgesellschaften transportieren die Blumen dann in gekühlten Frachtflugzeugen nach Europa. Die Weitertransporte erfolgen meistens per LKW zum Blumenhandel.

FRAGE: Wie lange dauert denn der Transport von den Blumenfarmen in Ostafrika und Südamerika bis zu uns in die Blumengeschäfte?

ANTWORT: Es dauert nur circa zwei Tage, bis die Rosen hier am Flughafen in Deutschland ankommen. Ungefähr sieben Tage dauert es, bis die Blumen in den Blumengeschäften und Supermärkten verkauft sind. Und dann sollen die Rosen ja noch circa sieben weitere Tage blühen und schön ausschauen. Insgesamt bedarf es bei den Millionen roter Rosen zum Valentinstag also einer umfangreichen, frühzeitigen und sehr detaillierten Logistikplanung.

FRAGE: Die Rosen haben von Ostafrika und Südamerika aus ja einen sehr langen Weg per Flugzeug hinter sich. Wie sieht denn die Klimabilanz der Rosen aus?

ANTWORT: Der lange Lufttransport verursacht sehr hohe CO2-Emissionen und ist damit wenig ökologisch nachhaltig. Eine Alternative wäre daher der Anbau der Rosen in von uns nicht so weit entfernten Gewächshäusern, die allerdings wegen des Datums 14. Februar und der damit verbundenen kalten Jahreszeit energieintensiv beheizt und beleuchtet werden müssten und damit häufig ebenfalls wenig ökologisch nachhaltig sind. Der Rosenanbau im warmen und fast immer sonnigen Ostafrika und Südamerika hat diesen Nachteil nicht.

FRAGE: Können Sie uns eine Aussage zur sozialen Nachhaltigkeit der Rosen machen?

ANTWORT: Vielfach heißt es, dass die Rosenzucht in den beschriebenen Anbauländern in Afrika und Südamerika nicht sozial nachhaltig sei, da die Arbeitsbedingungen auf vielen Blumenfarmen nicht gut seien. Als Stichworte seien hier niedrige Löhne, lange Arbeitszeiten und schlechter Arbeitsschutz genannt. Deshalb sollte beim Rosenkauf auf Nachhaltigkeitszertifikate wie Fairtrade geachtet werden, die nur verwendet werden dürfen, wenn die Arbeitsbedingungen bestimmten sozialen Mindestanforderungen genügen. Hier hat es in den vergangenen Jahren deutliche Verbesserungen gegeben, alleine im Jahr 2016 wurden in Deutschland 367 Millionen Fairtrade-Rosen verkauft.


Über die Hochschule Fresenius

Die Hochschule Fresenius mit ihren Standorten in Frankfurt am Main, Hamburg, Idstein, Köln, München und den Studienzentren in Berlin, Düsseldorf und New York gehört mit rund 12.000 Studierenden zu den größten und renommiertesten privaten Hochschulen in Deutschland. Sie blickt auf eine mehr als 170-jährige Tradition zurück. 1848 gründete Carl Remigius Fresenius in Wiesbaden das „Chemische Laboratorium Fresenius“, das sich von Beginn an sowohl der Laborpraxis als auch der Ausbildung widmete. Seit 1971 ist die Hochschule staatlich anerkannt. Sie verfügt über ein sehr breites, vielfältiges Fächerangebot und bietet in den Fachbereichen Chemie & Biologie, Design, Gesundheit & Soziales, onlineplus sowie Wirtschaft & Medien Bachelor- und Masterprogramme in Vollzeit sowie berufsbegleitende und ausbildungsbegleitende (duale) Studiengänge an. Die Hochschule Fresenius ist vom Wissenschaftsrat institutionell akkreditiert. Bei der Erstakkreditierung 2010 wurden insbesondere ihr „breites und innovatives Angebot an Bachelor- und Master-Studiengängen“, „ihre Internationalität“ sowie ihr „überzeugend gestalteter Praxisbezug“ vom Wissenschaftsrat gewürdigt. Im April 2016 wurde sie vom Wissenschaftsrat für weitere fünf Jahre re-akkreditiert.

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Jagdhunde: Ansteckungsrisiko für den Menschen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Jagdhunde könnten versteckte Überträger der Infektionskrankheit Tularämie sein

Mit den bakteriellen Erregern der für Hasenartige oder Nagetiere lebensbedrohlichen Krankheit Tularämie können sich nicht nur Menschen, sondern auch Hunde infizieren. 

Obwohl der Kontakt mit kontaminiertem Blut oder Fleisch JägerInnen zur Hochrisikogruppe macht, ist kaum untersucht, wie regelmäßig sich Jagdhunde anstecken. 

Forschende der Vetmeduni Vienna bestätigten nun mit einer an österreichischen Hunden durchgeführten Blutuntersuchung und einer positiven Quote von sieben Prozent eine relevante Häufigkeit von Infektionen. 

Damit könnte sich auch die Diskussion verstärken, ob sich hinter den meist symptomlosen Tieren ein zusätzliches Ansteckungsrisiko für den Menschen verbirgt. 

Hunde infizieren sich häufiger mit Tularämie-Erregern als gedacht und könnten dadurch auch für Menschen ein Ansteckungsrisiko sein.
Hunde infizieren sich häufiger mit Tularämie-Erregern als gedacht und könnten dadurch auch für Menschen ein Ansteckungsrisiko sein.E. Hammerschmid/Vetmeduni.ac.at
 
Tularämie, die auch als „Hasenpest“ bezeichnet wird, ist eine für Wildtiere, wie Hasen, Wildkaninchen oder Nagetiere, zumeist tödlich verlaufende Krankheit. 

Als Zoonose stellt sie jedoch auch für den Menschen ein hohes Gesundheitsrisiko dar.

Ausgelöst wird sie durch unterschiedliche Subtypen des bakteriellen Erregers Francisella tularensis, der durch saugende und stechende Insekten, sowie direkt über kontaminiertes Heu und infiziertes Blut oder andere Flüssigkeiten übertragen werden kann. Auch rohes Fleisch erkrankter Wildtiere birgt ein hohes Ansteckungsrisiko durch die Erreger, die unter anderem auch Hunde befallen können.

Jagdhunde in Österreich regelmäßiger infiziert als gedacht

Da die Vierbeiner jedoch zumeist ohne Sekundärerkrankungen keine oder kaum Symptome sowie eine hohe natürliche Resistenz gegen eine geringe Menge an Bakterien zeigen, werden sie in Studien kaum berücksichtigt. 

 Dennoch gibt es Theorien, dass Hunde als ein Zwischenwirt und damit als weiteres Ansteckungsreservior dienen könnten.

  • Und, vor allem bei Jagdhunden, die ähnlich wie Jägerinnen und Jäger, direkt mit infizierten Wildtieren, etwa beim Apportieren, in Kontakt kommen, ist die Frage berechtigt, wie regelmäßig sich gerade diese Vierbeiner mit den Erregern anstecken.

WissenschafterInnen des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna untersuchten daher nun erstmals das Blut 80 österreichischer Jagdhunde aus Landesgebieten, in denen die Tularämieerreger regelmäßig vorkommen. „Nach zwei unabhängigen Analysen konnten wir fünf Hunde als eindeutig positiv identifizieren“, sagt Erstautorin Annika Posautz. Damit konnte gezeigt werden, dass die Anzahl an Hunden in den österreichischen Gebieten, in denen die Hasenpest endemisch ist, sprich regelmäßig vorkommt, häufiger infiziert werden.

Ansteckungsrisiko durch infizierte Hunde möglich, aber unbestätigt

„Die Quote von etwa sieben Prozent verdeutlicht, dass es auch regelmäßig zur Infektion von Jagdhunden kommen kann.

Als Träger des Erregers, selbst ohne Symptome, könnten die Tiere auch als unerwarteter Überträger in Frage kommen“, so Posautz weiter. Dafür fehlt laut den Forschenden aber noch ein eindeutiger wissenschaftlicher Beweis. Auch Faktoren wie das Alter, junge Hunde könnten zu Ausbildungszwecken etwa häufiger mit kontaminiertem Wild in Kontakt kommen, müssen allerdings genauso wie die Frage, ob die Vierbeiner ein Ansteckungsrisiko für Menschen sind, erst durch weitere Studien analysiert werden.

Getestet wurde das Blut mit zwei unterschiedlichen Agglutinationstests, um auf Antigene auf der Oberfläche der Erreger oder durch das Immunsystem gebildete Antikörper rückschließen zu können. „Bei diesen Nachweisverfahren bewirkt man gezielt eine Verklumpung dieser Merkmale, die damit unter dem Mikroskop sichtbar werden.

  •  Bei Verdacht auf eine Tularämieerkrankung ist es notwendig, mehr als nur einen dieser Tests durchzuführen, da es auch zu Kreuzreaktionen mit anderen Erregern kommen kann. Sind alle Tests positiv, kann die Erkrankung eindeutig bestätigt werden. Das war bei fünf Tieren der Fall“, so die Forscherin.

Service:
Der Artikel „Seroprevalence of Francisella tularensis in Austrian Hunting Dogs“ von Annika Posautz, Miklós Gyuranecz, Béla Dénes, Felix Knauer, Helmut Dier und Christian Walzer wurde in Vector-Borne and Zoonotic Diseases veröffentlicht.
http://online.liebertpub.com/doi/10.1089/vbz.2017.2193

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. http://www.vetmeduni.ac.at

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Dr.med.vet. Annika Posautz
Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-7156
annika.posautz@vetmeduni.ac.at

Mag.rer.nat. Georg Mair
Wissenschaftskommunikation / Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1165
georg.mair@vetmeduni.ac.at

Veterinärplatz 1
1210 Wien
Österreich
Wien

Eisentherapie/Eisensubstituion wegen Eisenmangel: Versorgung und Therapieergebnisse

Medizin am Abend Berlin Fazit: Indikationsübergreifende Registerstudie zur Eisentherapie setzt Zeichen

EXPLAIN-IRON-Studie am Start

In Deutschland mangelt es an repräsentativen Langzeitdaten zur Versorgung und zu den Therapieergebnissen von Patienten mit Eisenmangel. Um diese Datenlücke zu schließen, hat die Klinik für Innere Medizin I der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) jetzt eine umfassende Versorgungsforschungsstudie zu diesem Thema initiiert. 

Indikationsübergreifende Registerstudie zur Eisentherapie setzt Zeichen

Shield Therapeutics
 
In Zusammenarbeit mit einer interdisziplinären Expertengruppe und Pharmakoepidemiologen der Technischen Universität Dresden wird nun ein realistisches Abbild des Stellenwerts einer Eisensubstitution in verschiedenen Indikationsbereichen (Gastroenterologie, Kardiologie, Nephrologie, Gynäkologie, präoperative Eisenmangelanämie) unter Bedingungen der alltäglichen medizinischen Versorgung gewonnen.
  • Eisen ist ein Spurenelement, das für die Bildung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin benötigt wird
  • Der Körper benötigt etwa 1 Milligramm Eisen pro Tag, kann aber nur etwa ein Zehntel der mit der Nahrung aufgenommenen Eisenmenge auch aus dem Darm aufnehmen. 
Verschiedene Erkrankungen können zu einer Erschöpfung der Eisenreserven führen, unter anderem chronische Erkrankungen wie Tumore oder Entzündungen. 
Verdauungsstörungen führen regelmäßig zu verringerter Aufnahme von Eisen (unter anderem bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa).
Wenn es durch Eisenmangel zu Blutarmut kommt, nimmt die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität ab. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: LABORERHEBUNG  

Darüber hinaus ist Eisen ein wesentlicher Bestandteil der Energiegewinnung in allen Körperzellen. Bei Patienten mit Herzschwäche verstärkt ein Eisenmangel die Symptome deutlich.

Für die Behandlung des Eisenmangels stehen zahlreiche Eisenpräparate zur Verfügung. 
Wenn möglich, erfolgt die Therapie mittels Tabletten („oral“), seltener bei ausgeprägten Anämien als Injektion/Infusion („intravenös“). 

Die angewendeten Präparate unterscheiden sich deutlich in der Art des Eisens:

  • die zweiwertige Form ist schlechter verträglich als die dreiwertige
  • den Trägerstoffen (Maltose ist verträglicher als Glycinsulfat)
  • der Dosierung. 

Die Therapielandschaft ist geprägt von unterschiedlichen Generationen von Eisenpräparaten, die sich deutlich in der Wirksamkeit und im Nebenwirkungsprofil unterscheiden.

Um erstmals repräsentative Langzeitdaten zur Versorgung von Patienten mit Eisenmangel zu gewinnen, wurde die Studie EXPLAIN-IRON konzipiert. Der Titel „EXPLorative data collection for patient chAracterIzation, treatmeNt pathways and outcomes of IRON preparations“ verdeutlicht die Besonderheit des Projekts: 

Die Studie ist nicht-interventionell, d.h. die behandelnden Ärztinnen und Ärzte erhalten keine Vorgaben für die Behandlung ihrer Patientinnen und Patienten.

Anders als in klinischen Prüfungen lässt sich so das tatsächliche Versorgungsgeschehen darstellen. 

„Solche Studien sind dringend erforderlich, um Daten unter den Bedingungen der täglichen Praxis bei unselektierten Patienten und im Langzeitverlauf zu gewinnen,“ erläutert Professor Stefan Schreiber, Direktor der Inneren Medizin I der CAU und Sprecher des Exzellenzclusters „Inflammation at Interfaces“.

Seit Januar 2018 werden Patientinnen und Patienten in EXPAIN-IRON jeweils über zwei Jahre beobachtet. Die Studie dokumentiert Patientinnen und Patienten mit verschiedenen Grunderkrankungen hinsichtlich ihrer Charakteristika, der Eisensubstitution, Lebensqualität und vor allem des Verlaufs der Laborparameter des Eisenstoffwechsels und in der Verträglichkeit.

In einer ersten Kohorte werden ca. 500 Patientinnen und Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen dokumentiert.

Später kommen Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche bzw. Herzfehlern, mit onkologischen, gynäkologischen und anderen Grunderkrankungen hinzu. 

Sofern möglich, werden bis zu 3000 Patienten in die Studie eingeschlossen.

Die Hälfte der Patienten kann mit beliebigen oralen oder intravenösen Eisenpräparaten behandelt werden.

Für die andere Hälfte ist die Dokumentation der Behandlung mit einem neuen Eisenpräparat namens Feraccru (Eisen-III-Maltol) vorgesehen. Eisen-(III)-Maltol zeigt eine Wirksamkeit auf intravenösem Niveau bei guter Verträglichkeit. EXPLAIN-IRON ist somit eine Kombination eines Krankheitsregisters und einer PASS (post authorisation safety study).

Die Initiatoren wollen vielfältige Erkenntnisse aus der EXPLAIN-IRON-Studie gewinnen – unter anderem zu typischen Vorgehensweisen und Präferenzen der Ärztinnen und Ärzte beim Einsatz von Eisenpräparaten, zur Verträglichkeit der Präparate, aber auch zur Lebensqualität der betroffenen Patientinnen und Patienten sowie zu ökonomischen Aspekten. 

Es werden erstmals die Standards bei der Behandlung der Eisentherapie in Deutschland unter Alltagsbedingungen umfassend dokumentiert.

Die Studie ist beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM unter der Nummer 7120 und in der amerikanischen Studien-datenbank ClinTrials.gov unter der NCT03382275 registriert. Die Bundesärztekammer, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen und andere wissenschaftliche Organisationen empfehlen die Förderung von Projekten der Versorgungsforschung in Deutschland wie die EXPLAIN-IRON-Studie. Sie wird durch die Gesellschaft für Wissenschaftstransfer (GWT-TUD), einer Tochter der TU Dresden AG, durchgeführt. Die Firma Shield Therapeutics, die sich auf die Erforschung und Entwicklung von Eisenpräparaten spezialisiert, unterstützt die Studie finanziell. Die interdisziplinäre Leitungsgruppe setzt sich aus Expertinnen und Experten aus den Bereichen Gastroenterologie, Kardiologie, Nephrologie, Gynäkologie und anderen Fachrichtungen zusammen, wobei die Klinik und der niedergelassene Sektor gleichermaßen vertreten sind.
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Gesellschaft für Wissenschaftstransfer (GWT-TUD)


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Prof. Dr. med. Stefan Schreiber
Klinik für Innere Medizin I
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Tel.: 0431 500-22200
E-Mail: s.schreiber@mucosa.de


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24098 Kiel
Deutschland
Schleswig-Holstein

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Dr. Boris Pawlowski
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
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Twitter: ► www.twitter.com/kieluni, Facebook: ► www.facebook.com/kieluni, Instagram: ► www.instagram.com/kieluni
Text / Redaktion: David Pittrow


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Friederike Balzereit
Telefon: 0431-880-3032
E-Mail-Adresse: fbalzereit@uv.uni-kiel.de

Weniger Chemotherapie - Effektiv die Antihormontherapie - genetischen Fingerabdruck

Medizin am Abend Berlin Fazit: Weniger Chemotherapie bei Brustkrebs: Vergabe des Junior Award der Claudia von Schilling Stiftung

Stiftung ehrte am 17. Januar Koordinator der Westdeutschen Studiengruppe (WSG), an der MHH-Wissenschaftler maßgeblich beteiligt sind 
 
  • Operation, Strahlen-, Chemotherapie – so wird Brustkrebs derzeit behandelt. 

Dabei soll die Chemotherapie vor einem Rückfall schützen.

Doch da sie viele Nebenwirkungen mit sich bringt, erforschen Wissenschaftler der in Mönchengladbach ansässigen Westdeutschen Studiengruppe (WSG), welche Patientinnen darauf verzichten können. Zu diesem Zweck werden klinische Studien mit derzeit 10.000 Patientinnen aus mehr 100 Kliniken in Deutschland durchgeführt. An der WSG sind auch Professor Dr. Hans-Heinrich Kreipe und Privatdozent Dr. Matthias Christgen, PhD, vom Institut für Pathologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) maßgeblich beteiligt, ebenso wie Professorin Dr. Nadia Harbeck von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Der wissenschaftliche Koordinator der WSG, Privatdozent Dr. Oleg Gluz, erhält für diese Arbeiten auf dem Gebiet der Brustkrebsheilkunde heute den mit 10.000 Euro dotierten „Breast Cancer Research Junior Award“. Diese Auszeichnung verleiht die Claudia von Schilling Stiftung mit Sitz in Hannover alljährlich an junge, vielversprechende Wissenschaftler.

„Wir erforschen, wie mit Hilfe des so genannten genetischen Fingerabdrucks von Brustkrebs die Effektivität der Chemotherapie eingeschätzt werden kann“, sagt PD Dr. Gluz.

Er arbeitet als Oberarzt am Brustzentrum Niederrhein (Chefärztin Professorin Dr. Ulrike Nitz) des Johanniter Bethesda Krankenhauses Mönchengladbach.

Langzeitergebnisse erster Studien haben gezeigt, dass 20 Prozent der Patientinnen eine Chemotherapie erspart bleiben kann. 
  • Erste Ergebnisse aktueller Projekte wie der mehr als 5.000 Patientinnen umfassenden sogenannten ADAPT-Studie zeigten, dass sogar mehr als die Hälfte der Patientinnen keine Chemotherapie benötigen. 
  • Es wird zusätzlich schon vor der Operation getestet, wie effektiv die Antihormontherapie sein wird, die Östrogene blockieren und so das Wachstum von Tumorzellen stoppen soll, um einen Rückfall oder ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit der WSG ist die Pathologie, also die Untersuchung von Geweben:

Dabei geht es besonders um die Frage, welche Rolle die konventionelle Diagnostik wie zum Beispiel die routinemäßig durchgeführte feingewebliche Diagnostik in der Zukunft der modernen Medizin spielen wird. 

Das ist insbesondere unter dem Aspekt der Kosten von großer gesellschaftlicher Bedeutung.

Die Preisverleihung fand am Mittwoch, 17. Januar 2018, um 18 Uhr im Festsaal des Alten Rathauses Hannover im Rahmen der Veranstaltung „Hannoversches Wintersymposium: Neues aus San Antonio“ der von Professor Dr. Peter Hillemanns geleiteten MHH-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe statt.

In diesem Rahmen verlieh die Claudia von Schilling Stiftung auch den alljährlich vergebenen, mit 20.000 Euro dotierten „Claudia von Schilling Preis“.

In diesem Jahr erhiehlt ihn Professor Dr. Walter Paul Weber vom Universitätsspital Basel für die Fortentwicklung von Standards im Bereich der brusterhaltenden Chirurgie.


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Weitere Informationen zum Preis erhalten Sie bei:
Maike Holz, Stiftungsmanagerin der Claudia von Schilling Foundation for Breast Cancer Research,
info@cvs-foundation.org, Telefon (0511) 544 45 69-0.

Weitere Informationen zur Arbeit der Wissenschaftler erhalten Sie bei :
Privatdozent Dr. Matthias Christgen, PhD, christgen.matthias@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-4488
und bei Privatdozent Dr. Oleg Gluz, oleg.gluz@wsg-online.com, Telefon (02161) 5662310.

Diagnose seltener Erkrankungen - Keine Diagnose – Odyssee der seltenen Erkrankungen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Diagnostik der Zukunft - Europäisches Projekt zur Erforschung seltener Krankheiten startet

 www.solve-rd.eu

Ein großes Konsortium unter Federführung des Universitätsklinikums Tübingen, des Universitätsklinikums Radboud Nijmegen und der Universität Leicester erhält für das Forschungsprojekt SOLVE-RD eine Förderung von 15 Millionen Euro. 

In direkter Zusammenarbeit mit vier europäischen Referenznetzwerken, den European Reference Networks (ERN), soll die Diagnose seltener Erkrankungen verbessert werden. 

  • In diesen Europäischen Netzwerken aus Fachzentren und Gesundheitsdienstleistern sollen das Wissen und die Ressourcen für die Behandlung seltener Krankheiten geteilt und verbessert werden. 
 
Prof. Olaf Riess und Dr. Holm Graessner vom Tübinger Institut für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik und vom Zentrum für Seltene Erkrankungen sind für die Koordination des gesamten Konsortiums zuständig. 

Gemeinsam mit den Tübinger Neurologen Dr. Rebecca Schuele-Freyer, PD Dr. Matthis Synofzik und Prof. Ludger Schöls werden sie im Projekt insbesondere an seltenen neurologischen Erkrankungen forschen.

Die Tübinger Wissenschaftler werden ein innovatives Brokerage-System implementieren um Kliniker und Genetiker, die neue krankheitsverursachende Gene entdecken, mit den weltweit besten Grundlagenwissenschaftlern zu verbinden, die an diesen Genen arbeiten. 

SOLVE-RD wird dieses "Matchmaking" erleichtern und Startkapital für die Überprüfung der neuartigen Krankheitsgene bereitstellen.

In Tübingen stehen insgesamt 2,7 Millionen Euro für das Projekt zur Verfügung.

Keine Diagnose – Odyssee der seltenen Erkrankungen

  • Patienten mit einer seltenen Erkrankung haben häufig einen langen Leidensweg hinter sich. 
  • Manchmal dauert es zehn oder fünfzehn Jahre bevor sie einen Arzt finden, der die Ursache erkennt. 
  • Nicht nur die Diagnosestellung ist schwierig, auch die Erforschung dieser Krankheiten kann lange dauern, da es schwierig ist, eine ausreichende Anzahl von Menschen mit derselben seltenen Krankheit zu finden, die als Basis für die wissenschaftliche Erforschung benötigt werden. 
Insgesamt sind seltene Krankheiten häufig. 

Während für eine bestimmte seltene Erkrankung die Zahl der Menschen extrem niedrig ist, bedeutet die sehr große Anzahl der verschiedenen seltenen Erkrankungen, dass ihre Zahl in Europa zusammen Hunderttausende beträgt.

In den letzten Jahren wurde deutlich, dass mit herkömmlicher Diagnostik eine seltene Krankheit oft nicht erkannt wird.

Bessere Gentests sind notwendig, um seltene Krankheiten effektiv zu diagnostizieren.

Der Beitrag von SOLVE-RD
Hier setzt SOLVE-RD an, ein großangelegtes Forschungsprogramm im Rahmen von Horizon 2020 der Europäischen Kommission. Die akademischen SOLVE-RD Partner haben eine Infrastruktur entwickelt, die die Koordination und Analyse aller in Europa generierten Daten ermöglicht. 

Die Kombination aller vorhandenen Exom- und Genompatientendaten der SOLVE-RD Partner erhöht deutlich die Chancen, einen zweiten oder dritten Patienten mit derselben seltenen Krankheit zu finden.

Die Möglichkeit, Daten von seltenen Krankheiten in dieser Größenordnung auszutauschen, ist einzigartig und SOLVE-RD geht noch weiter, indem es die neuesten verfügbaren "Multi-Omics" Methoden anwendet.

Wenn die DNA-Daten auf eine bestimmte Krankheit hindeuten, wenden die Wissenschaftler Tests an, die die Funktion des Gens genauer untersuchen wie die RNA, Proteine (Proteomics), Stoffwechselprodukte (Metabolomics) und das Epigenom (Epigenomics).

Eine Kombination dieser "…omics"-Techniken liefert zusätzliche Informationen die sicherstellen, dass eine seltene Krankheit sicher diagnostiziert wird. Die enormen Datenmengen, die sich aus diesem “Multi-Omics-Ansatz“ ergeben, müssen von Bioinformatikern mithilfe intelligenter Algorithmen in nützliche, verständliche Informationen umgewandelt werden.

Virtuelle Netzwerke
SOLVE-RD ist einzigartig, da es die Forschung zur besseren Diagnostik seltener Krankheiten direkt mit der besseren Versorgung in den 24 Referenznetzwerken (ERNs) auf europäischer Ebene verknüpft.

Diese ERNs wurden eingerichtet, um die Diagnose und Behandlung von Menschen mit seltenen Krankheiten zu verbessern und zu harmonisieren.

Durch geteiltes Wissen und gemeinsame Richtlinien erhält bspw. ein Patient in Rumänien die gleiche Diagnose und Behandlung wie ein Patient in Schweden oder Spanien. Die virtuellen Netzwerke bündeln das gesamte vorhandene Wissen und überwinden unnötige Grenzen.

Diagnose der Zukunft

SOLVE-RD umfasst die vier ERNs:

  1. für seltene neurologische Erkrankungen (RND), 
  2. neuromuskuläre Erkrankungen (EURO-NMD), 
  3. angeborene Fehlbildunge, 
  4. geistige Behinderung (ITHACA)
  5. genetische Tumorrisikosyndrome (GENTURIS). 

Diese ERNs sind die ersten die ihre Patientendaten beitragen und teilen, wodurch sie eine Vorreiterrolle bei der Verbesserung der Diagnose und Behandlung dieser seltenen Krankheiten übernehmen. 

Andere ERNs sollen später zu SOLVE-RD hinzukommen.

Auf diese Weise wird SOLVE-RD erhebliche Auswirkungen auf Wissen und klinische Praxis haben, wenn es um die Diagnose und Behandlung seltener Krankheiten in Europa geht.

Mehr Informationen unter www.solve-rd.eu

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Essbare Insekten auf Deinen Teller

Medizin am Abend Berlin Fazit: Essbare Insekten: Ekel Food oder Nahrung der Zukunft?

Mehlwurm-Burger, Grillen-Pesto oder Heuschrecken am Spieß: 

Was in anderen Ländern schon längst Alltag ist, ist in Europa ein relativ neuer Trend – Insekten als Lebensmittel. 

Doch wie kann bei einem solch neuartigen Lebensmittel sichergestellt werden, dass davon keine gesundheitliche Gefahr für die Verbraucher ausgeht? 

Seit 1. Januar dieses Jahres herrscht hier Klarheit, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin mitteilte. 

Eine neue europäische Verordnung regelt, wie essbare Insekten auf unseren Teller kommen können. 
 
Eine neue EU-Verordnung schließt die bestehende Rechtslücke

Insekten werden in vielen Teilen der Welt ganz selbstverständlich gegessen.

Sie gelten als eiweißreich und verfügen über eine für den Menschen günstige Nährstoffzusammensetzung.

  • Auch die Haltung spricht für Insekten. Sie benötigen weit weniger Futter als die konventionellen Fleischlieferanten und produzieren nur einen Bruchteil der Treibhausgase, die etwa Rinder erzeugen. 
  • Insekten können insofern zurecht als Nahrungsmittel der Zukunft gelten und als echte Alternative zu herkömmlichen Fleischprodukten.

Gleichzeitig wirft die Verwendung von Insekten als Lebensmittel viele Fragen auf, denn Insekt ist nicht gleich Insekt. Weltweit gibt es schätzungsweise 1.900 essbare Insektenarten.

Ehe sie in deutschen Supermarktregalen landen, müssen mögliche toxikologische und mikrobiologische Risiken erforscht und bewertet werden.

Ebenso ist die Frage nach dem allergenen Potential eines Insekts zu klären (es gibt Hinweise auf Kreuzallergien mit Krustentieren). 
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Laborerhebung Allergie  

Für jede Insektenart ist eine gesundheitliche Risikobewertung notwendig - und zwar bevor sie zum Verbraucher gelangt.

Insekten als neuartige Lebensmittel

Bislang war die Rechtslage für Insekten als Lebensmittel nicht eindeutig. Die europäische Verordnung über neuartige Lebensmittel (Novel Food-Verordnung (EG) Nr. 258/97) regelte den Umgang mit Lebensmitteln, die vor einem bestimmten Stichtag (15. Mai 1997) nicht in nennenswertem Umfang in der Europäischen Union verzehrt wurden.

Wollte ein Unternehmen solch ein neuartiges Lebensmittel auf den Markt bringen, musste es einen Zulassungsantrag bei der zuständigen nationalen Behörde, in Deutschland beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), stellen. Mit den Antragsunterlagen musste das Unternehmen belegen, dass das neuartige Lebensmittel auch sicher für die Verbraucher war. Allerdings war nach der bisherigen Rechtslage unklar, ob auch ganze Insekten als Novel Food gelten. In der Verordnung selbst wurden nur „Lebensmittelzutaten, die aus Tieren isoliert wurden“ genannt. Ganze Tiere wurden nicht explizit erwähnt.

Diese Rechtslücke führte zu sehr unterschiedlichen Interpretationen in den verschiedenen EU-Mitgliedstaaten. Während Insekten etwa in den Benelux-Staaten häufiger als Lebensmittel anzutreffen sind, gingen die deutschen Überwachungsbehörden in den Bundesländern in der Regel strikter vor.

Eine neue EU-Verordnung schafft Klarheit

Seit dem 1. Januar 2018 gilt die neue Novel Food-Verordnung (EU) 2015/2283. Sie schließt die bestehende Rechtslücke und harmonisiert die unterschiedlichen Vorgehensweisen innerhalb der Europäischen Union.

Insekten – sowohl ganze Tiere als auch Teile davon – werden in der neuen Verordnung explizit genannt. Fortan gilt: Alle Insekten oder insektenhaltige Produkte, die als Lebensmittel in den Verkehr gebracht werden sollen, müssen vorab gesundheitlich bewertet und zugelassen werden.

Mit der neuen Verordnung ändert sich auch das Genehmigungsverfahren. Anträge müssen jetzt nicht mehr in einem Mitgliedstaat eingereicht werden, sondern direkt bei der Europäischen Kommission.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet dann die Antragsunterlagen, die den Mitgliedstaaten nur noch zur Kenntnis gegeben werden.

  • Alternativ, und das ist seit dem 1. Januar 2018 ebenfalls neu, kann in manchen Fällen auch das neue Anzeigeverfahren für traditionelle Lebensmittel aus einem Drittstaat genutzt werden, wenn belegt werden kann, dass das Lebensmittel dort seit mindestens 25 Jahren verzehrt wurde und keine Sicherheitsbedenken auftraten. 

Es ist vorstellbar, dass einige Lebensmittel aus bestimmten Insektenarten über diesen Weg eine Zulassung für den europäischen Lebensmittelmarkt erhalten.

Mit der neuen Novel Food-Verordnung wird ebenfalls eine so genannte Unionsliste eingeführt.

Die Liste enthält alle bislang zugelassenen neuartigen Lebensmittel, einschließlich der Produktspezifikationen und Verwendungsbedingungen, mit denen sie zugelassen wurden.

Sie wird von der Europäischen Kommission laufend fortgeschrieben und ist öffentlich einsehbar

 http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32017R2470

Für Lebensmittelunternehmen bringt die Liste gewisse Vorteile mit sich, denn ein einmal zugelassenes neuartiges Lebensmittel muss kein zweites Mal zugelassen werden.

Befindet sich also ein Lebensmittel auf der Unionsliste, können andere Hersteller Produkte mit denselben Spezifikationen und Verwendungsbedingungen auf den Markt bringen, ohne erneut einen Zulassungsantrag stellen zu müssen.

Weiterführende Informationen

- Informationen des BVL zu neuartigen Lebensmitteln: www.bvl.bund.de/novelfood

- „Neue“ Novel Food-Verordnung (EU) 2015/2283: 

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=CELEX%3A32015R2283

- Unionsliste mit neuartigen Lebensmitteln: 

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32017R2470

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Alkoholbedingte Krankheiten: Alkohol - Intoxikation - Vollrausch

Medizin am Abend Berlin Fazit: Alle Jahre wieder: Konfetti, Kamelle und … Alkohol!

Umzüge, Konfetti, Kamelle… bei der Vorstellung von Karneval darf eine Zutat nicht fehlen: 

Alkohol! 

Und zwar zum Teil in großen Mengen. Prof. Dr. Thomas Teyke, Gesundheitsökonom an der Hochschule Fresenius, Fachbereich Wirtschaft & Medien in Köln, äußert sich zu den Konsequenzen eines übermäßigen Alkoholkonsums. 
 
2016 wurden insgesamt mehr als 110.000 Patienten aufgrund einer akuten Intoxikation, also eines Vollrauschs, ins Krankenhaus eingeliefert und dort behandelt. 

Alkoholbedingte Krankheiten - im Fachjargon: 


Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol - waren auch 2016 wieder der zweithäufigste Grund für eine Krankenhauseinweisung mit über 320.000 stationären Fällen – bei Männern sogar der häufigste Grund, noch vor der Herzinsuffizienz.

Insbesondere die Zahl der volltrunkenen Jugendlichen ist besorgniserregend: 

  • Seit 2000 hat sich die Zahl der Vorfälle bei den unter 20-jährigen mit circa 20.000 Fällen mehr als verdoppelt. 

Generell führen auch hier die Jungs vor den Mädels die negative Rangliste an – nur in der Altersgruppe der 13-15-Jährigen werden mehr Mädchen als Jungs in Folge einer Alkoholvergiftung in eine Klinik eingewiesen.

Die Gesamtkosten zur Betreuung von Patienten mit Störungen durch psychotrope Substanzen, also Substanzen, die das Nervensystem und so auch die Psyche beeinflussen, betrugen 2016 mehr als 3,6 Mrd. Euro.

Davon stellen die alkoholbedingten Vorfälle mehr als ¾ der Gesamtauslagen.

Zum Vergleich: die Steuereinnahmen aus Branntwein und Biersteuer betrugen 2016 ca. 2,8 Mrd. Euro.

  • Angesichts dieser Entwicklung gibt Prof. Teyke zu bedenken, dass die Folgen des exzessiven Individualverhaltens auf die Allgemeinheit umgewälzt werden. 
Noch dringlicher sei der Schutz der Jugend.

Gefragt seien hier moderne Interventionen, durch die Jugendliche über ihnen vertraute Kanäle und in ihrer Sprache erreicht werden.

„Bei YouTube finden sich mehr Videos mit Tipps gegen Kater als Aufklärungsvideos zu den gesundheitlichen Schäden und den privaten und gesellschaftlichen Folgen des übermäßigen Alkoholkonsums!“, mahnt der Gesundheitsökonom.

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Menschliche Krankheiten: Abnahme des zellulären pH-Wertes bei Stress

Medizin am Abend Berlin Fazit: Infektiöses Protein zeigt sich von seiner guten Seite

Stress-Sensoren erhöhen Überleben von Hefe-Zellen 
 
Prionen sind sich selbst vermehrende Proteinaggregate, die zwischen Zellen übertragen werden können.

Pathologische Prionen gelten als Auslöser für BSE in Rindern und die menschliche Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. 

  • Auch neurodegenerative Erkrankungen wie ALS werden mit der Ansammlung von prionenartigen Proteinen in Verbindung gebracht. 

Die Region innerhalb dieser Proteine, die für die Aggregatbildung verantwortlich ist, wird als Prionendomäne bezeichnet.

Trotz der großen Rolle, die diese in menschlichen Krankheiten spielt, blieb die physiologische Funktion dieser Prionendomäne bisher weitgehend unbekannt.

Kryo-Elektronenmikroskopie-Abbildung eines biomolekularen Kondensates eines Prionproteins

Kryo-Elektronenmikroskopie-Abbildung eines biomolekularen Kondensates eines Prionproteins
MPI für Molekulare Zellbiologie und Genetik

Nun haben Forscher des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG), des Biotechnologischen Zentrums der TU Dresden (BIOTEC) und der Washington University in St. Louis, USA, zum ersten Mal eine nützliche und biologisch relevante Funktion einer Prionendomäne identifiziert.

Als proteinspezifischer Sensor für Stress erlaubt die Prionendomäne den Zellen, sich an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen, um so besser zu überleben.

Die Entschlüsselung dieser hilfreichen physiologischen Eigenschaft ist ein bedeutender Schritt, um die Verständniskluft zwischen den biologischen Aufgaben der Prionendomänen und ihren Veränderungen in pathologischen Krankheitszuständen zu schließen. Die Entdeckungen wurden in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

  • Ansammlungen von prionenartigen Proteinen können andere Proteine in ihrer Umgebung anstecken, was vergleichbar ist mit der Ausbreitung von viralen Infektionen. 

Das wirft die Frage auf, warum diese Proteine während der Evolution beibehalten werden:

Sind diese Sequenzen vielleicht für irgendetwas gut? Das Team um Forschungsgruppenleiter Prof. Simon Alberti vom MPI-CBG konzentrierte sich in ihrer Studie auf das Prionenprotein Sup35 in Hefe, das eine lange Geschichte als Modell für die Prionenforschung hat. Sie stellten fest, dass die Prionendomäne von Sup35 schützende Tropfen und Gele für Proteine bildet und wie ein Stress-Sensor in Zellen wirkt, die schwierigen Bedingungen ausgesetzt sind.

  • Wenn Hefezellen gestresst werden, zum Beispiel durch den Entzug von Nahrung, sinkt ihr Energieniveau. 
  • Dies führt zu einer Abnahme des zellulären pH-Wertes – die Zellen werden sprichwörtlich sauer. 
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Laborerhebung Harnstatus

Die Folgen: 

Die Zellteilung wird eingestellt, der Stoffwechsel wird heruntergefahren und die Zellen verharren im Bereitschaftsmodus. 

Ist der Stress vorbei, müssen die Zellen rasch ihren Stoffwechsel wieder ankurbeln, um Wachstum und Zellteilung erneut zu starten. 

Prof. Simon Alberti und seine Kollegen fanden nun, dass die Prionendomäne von Sup35 für die Zellen wichtig für das Meistern schwieriger Situationen ist. “Wir haben beobachtet, dass sich Zellen ohne diese Prionendomäne schlechter von Stress erholen.”, fasst Titus Franzmann, Erstautor der Studie, die Ergebnisse zusammen. Die Wissenschaftler entdeckten, dass die Prionendomäne von Sup35 auf den sauren pH-Wert reagiert, indem sie Proteintropfen bildet.

In diesen Tropfen, die ähnlich wie Wasser kondensieren, wird das wichtige Sup35 Protein während der schwierigen Phase eingeschlossen und geschützt. 

“Um das Protein aufzubewahren, kann sich der Proteintropfen sogar in ein Gel verfestigen.”, erklärt Mitautor Marcus Jahnel aus der Biophysik Arbeitsgruppe von Prof. Stephan Grill vom BIOTEC.

So kann die Zelle nach der Belastung das Sup35 Protein zurückgewinnen.

Die Kollegen der Washington University in St. Louis, USA, konnten zudem die Sequenzen der Aminosäuren von Sup35 vorhersagen, die es dem Protein erlauben, so sensibel auf die Veränderungen des pH-Wertes im Zellplasma zu reagieren.

In diesem Zusammenhang betont Rohit Pappu, Edwin H. Murty Professor of Biomedical Engineering an der Washington University: “Wir haben daran gearbeitet, die molekularen Komponenten aufzudecken, die Sup35 mit diesen anpassungsfähigen Eigenschaften ausstatten. Dies ist ein wichtiger Schritt, um Zellen auf molekularer Ebene zu verstehen, und um diese Prinzipien zur Entwicklung synthetischer Systeme zu nutzen.”

Auch aus evolutionärer Sicht sind die Kondensate von Sup35 sehr interessant, da diese sogar in Hefearten erhalten sind, die sich seit rund 400 Mio. Jahren getrennt entwickeln. Dies lässt vermuten, dass die Fähigkeit Tropfen und Gele zu bilden, eine angestammte Funktion der Sup35 Prionendomäne ist. Titus Franzmann schlussfolgert: “Unsere Experimente legen nahe, dass Prionendomänen protein-spezifische Stress-Sensoren sind, die es Zellen erlauben, schnell auf bestimmte Umweltbedingungen zu reagieren. 

Auf diese Art konnten wir zum ersten Mal zeigen, dass eine Proteinregion, die bisher nur mit krankheitsverursachenden Aggregaten in Verbindung gebracht wurde, in einem anderen Kontext auch eine positive Funktion haben kann. 

Vielleicht ist das der Grund, warum die Evolution sie so lange bewahrt hat.”

Originalpublikation:
Titus M. Franzmann, Marcus Jahnel, Andrei Pozniakovsky, Julia Mahamid, Alex S. Holehouse, Elisabeth Nüske, Doris Richter, Wolfgang Baumeister, Stephan W. Grill, Rohit V. Pappu, Anthony A. Hyman und Simon Alberti, Phase separation of a yeast prion protein promotes cellular fitness, Science, (359) 5 January 2018.
DOI: 10.1126/science.aao5654

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Prof. Simon Alberti
Max-Planck-Institut für
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01307-Dresden

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Harnblasenkrebs: Tumor in der Urologie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Harnblasenkrebs: Kombination genetischer Varianten als Risikofaktor

Rauchen und Belastungen durch bestimmte Chemikalien am Arbeitsplatz begünstigen die Entstehung von Harnblasenkrebs. 

Wichtig sind aber auch genetische Faktoren. 

Bestimmte Regionen des Erbguts sind mit einem erhöhten Harnblasenkrebsrisiko assoziiert. 

Gemeinsam mit internationalen Experten konnten Forschende des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung nun zeigen, dass sich das Harnblasenkrebsrisiko erheblich erhöhen kann, wenn eine Person über mehrere genetische Risikovarianten verfügt. 

Medizin am Abend ZusatzFachThema: Tumormarker-Erhebung 

Dies gilt vor allem für Nichtraucher. 
 
  • Harnblasenkrebs ist der zweithäufigste bösartige Tumor in der Urologie. 

Unser Erbgut entscheidet in etwa 30 Prozent der Fälle, ob wir an Harnblasenkrebs erkranken. 

In genomweiten Assoziationsstudien wurden 15 Regionen identifiziert, die zu einem erhöhten Harnblasenkrebsrisiko beitragen können. 

  • Der Effekt der einzelnen identifizierten genetischen Varianten auf das Erkrankungsrisiko ist mit einem fünf- bis zwanzigprozentig höherem Risiko aber eher moderat.

Wie sich das Risiko erhöht, wenn eine Person Trägerin mehrerer dieser Risikovarianten ist, wurde bislang kaum untersucht. Forschende des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) haben mehr als 100.000 Kombinationen von genetischen Varianten analysiert. Dazu haben sie mit Arbeitsgruppen aus sechs Ländern zusammengearbeitet. Die Studienergebnisse wurden nun im britischen Fachjournal Carcinogenesis veröffentlicht.

Häufige Vier-Varianten-Kombination bei Nichtrauchern

Untersucht haben die Forschenden um IfADo-Statistikerin Dr. Silvia Selinski zwölf der bekannten Risikovarianten für Harnblasenkrebs und deren Kombinationen. 

Dafür standen genetische Daten von vier Studiengruppen mit insgesamt mehr als 5.000 Harnblasenkrebspatienten und 5.400 Kontrollpersonen zur Verfügung.

Die Forschenden haben zunächst die wichtigsten 4er-Kombinationen von genetischen Varianten in den Studiengruppen des IfADo und der Nijmegen Bladder Cancer Study ermittelt.

„Dabei wurde auch zwischen Rauchern und Nichtrauchern unterschieden, da Rauchen der wichtigste Risikofaktor für Harnblasenkrebs ist und somit unterschiedliche Kombinationen von Risikovarianten relevant sein könnten", so Selinski.

Die Ergebnisse konnte das Expertenteam anschließend in zwei großen Studien mit Harnblasenkrebspatienten des amerikanischen Krebsforschungsinstituts (NCI; New England Study und Spanish Bladder Cancer Study) bestätigen.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Kombination von bestimmten Risikovarianten zu erheblich höheren Harnblasenkrebsrisiken führen kann“, erklärt IfADo-Studienautorin Selinski.

Zudem seien die identifizierten 4er-Kombinationen häufig: 

Die stärkste Variantenkombination trat in rund 25 Prozent aller nie rauchenden Harnblasenkrebsfälle auf und erhöhte das Erkrankungsrisiko um das Zweieinhalbfache. 

Bei dieser Kombination handelt es sich um Varianten von Genen, welche Einfluss auf die Zellteilung sowie auf die Entgiftung von Schadstoffen und die Urinkonzentration haben.

„Die von uns gefundenen Variantenkombinationen wirken sich insbesondere auf das Harnblasenkrebsrisiko von Nichtrauchern aus“, sagt Selinski.

In der aktuellen Studie haben die Forschenden den Einfluss von Kombinationen von Risikovarianten auf das Entstehungsrisiko von Harnblasenkrebs untersucht.

Um aber Aussagen über die Prognose von Harnblasenkrebs zu treffen, sind weitere Studien mit Daten über den Verlauf der Erkrankung nötig. Hierzu müssen zusätzlich Risikovarianten aus vier weiteren genetischen Regionen analysiert werden.

„Ziel dieser Studien ist es, zusätzliche Kriterien zu finden, die bei einer Anpassung der individuellen Therapie von Harnblasenkrebspatienten helfen", so Dr. Selinski.

Zum Paper:
Beteiligt an der vorgestellten Studie waren Arbeitsgruppen aus sechs Ländern (Deutschland, Großbritannien, Niederlande, Spanien, Ungarn, USA). Federführend war das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo), in Kooperation mit dem Radboud University Medical Center in Nijmegen (Niederlande) und dem National Cancer Institute (NCI) in Bethesda (USA).

Publikation:
Selinski, S. et al.: Identification and replication of the interplay of four genetic high risk variants for urinary bladder cancer. Carcinogenesis 38: 1167-1179 (2017). doi: 10.1093/carcin/bgx102 (Open Access)

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Dr. Silvia Selinski
Wissenschaftliche Mitarbeiterin „Systemtoxikologie“
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E-Mail: selinski@ifado.de

Eva Mühle
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Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund


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Das IfADo - Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund erforscht die Potenziale und Risiken moderner Arbeit auf lebens- und verhaltenswissenschaftlicher Grundlage. Aus den Ergebnissen werden Prinzipien der leistungs- und gesundheitsförderlichen Gestaltung der Arbeitswelt abgeleitet. Das IfADo hat mehr als 200 Mitarbeiter/innen aus naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen. Das Institut ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, die 93 selbstständige Einrichtungen umfasst. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.600 Personen, darunter 9.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,7 Milliarden Euro.

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https://doi.org/10.1093/carcin/bgx102 Zum Paper (Open Access)